Germali´s in DL: Was man nicht alles (durch-) macht!

Salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nun sind wir, die Germali´s, schon seit 3 1/2 Monaten hier in Deutschland und lernen nach der anfänglichen Euphorie auch die Schattenseiten von hier kennen. Es ist nämlich ein riesen Unterschied, ob man einfach in seiner Heimat ist, oder ob man in seiner Heimat als Muslim ist: man wird zum Fremden, weil man sich anders anzieht. Von wegen, der Islam gehöre zu Deutschland… Über die Verwirrtheiten, die bisher so entstanden sind, berichte ich Euch in diesem Artikel.

Eigentlich fühlen wir uns recht wohl in unserer Heimat. Wir schätzen die Vielfalt an Vergnügungsmöglichkeiten, die vielen Freunde, und vor allem die Nähe zu den Großeltern/Eltern. Wenn da nicht das Stückchen mehr Stoff währe, das mich als „anders“ – noch `schlimmer´: als Muslima (!)- erkennen lässt! 

So kommt es immer wieder zu etwas komischen Situationen, die, wenn man es nicht mit Humor nehmen würde, einem ganz schön zu schaffen machen könnten.

1.Beispiel: Schock im Wartezimmer!

Es ist immer wieder herrlich, wenn ich beim Doktor im Wartezimmer aufgerufen werde. In die Stille hinein wird dann hineingerufen: V… Schulz! Die Arzthelferin sucht mit ihren Augen die Deutsch aussehenden Patientinnen ab, falls überhaupt welche da sind. „Ja!“ ertönt es dann von meiner Seite her freudestrahlend (da meine Wartezeit nun zu ende ist). Selbstbewusst gehe ich durch das Wartezimmer und komme mir vor, wie auf einem Laufsteg; denn ALLE inklusive der Arzthelferin schauen mich beinahe ungläubig an 😀 Insgeheim lache ich darüber, aber das lasse ich mir natürlich nicht anmerken. 

Letztens war ich in einer sehr noblen Praxis am Phönix See. Ich habe mir diese ausgesucht, da man dort schneller einen Termin fürs MRT bekommt. Ich dachte mir gleich, das läge bestimmt am muslimisch klingenden Namen. Nach der üblichen Laufsteg-Szene stand ich dem Arzt dann gegenüber, der ebenso verdattert war wie ich: er stellte dann sofort sicher, ob ich wirklich die V… Schulz sei! Ich hingegen hätte meine Verwunderung ebenso ausdrücken können, denn der Arzt mit muslimischem Namen war ein dunkelblonder, völlig europäisch aussehender Mann! Naja, ich konnte ihn jedoch schlecht fragen, ob er auch wirklich Amirfallah heißen würde 😉

2. Beipiel: Sprachkurs inklusive!

Eine andere lustige Erfahrung haben wir gemacht, als ich meine Kinder beim Sprachförderkurs im Kindergarten anmeldete. Da wir noch keinen Kindergartenplatz haben, nehmen wir alles mit, wo meine Kinder in Kontakt mit anderen Kindern kommen und so sprachlich und sozial gefördert werden. Nach meiner Frage, ob ich dabei sein solle, wurde mir gesagt, ich würde dann parallel dazu auch einen Deutschkurs bekommen! Ich??? Bin doch Deutsch! Sogar so deutsch, dass ich Deutsch LK im Abi hatte und einige Bücher von Goethe und Co. bereits durchgenommen hatte!! Aber gut, so war eben das System, in welches wir einfach nicht reinpassen. Ich könne den anderen ja helfen…

Unsere erste Erfahrung im Sprachförderkurs: Ich kam mir natürlich fehl am Platz vor, aber was tut man nicht alles für seine Kinder…! Neben mir waren 4 Syrische Frauen, eine Yesidin, und eine Iranerin, die mich ebenso erstaunt fragten, woher ich denn komme. Ich stellte mich als Deutsche Kartoffel vor und meinte noch spaßig, dass sie mir ja Arabisch beibringen könnten, und ich ihnen Deutsch!

Deutsche Kartoffel liebt Deutsches Essen, auch wenn sie Muslima ist 🙂

Der Spaß blieb mir dann irgendwie im Hals stecken, als uns von der vertretenden Deutschlehrerin die `Deutschen Feste´ erklärt wurden. Angefangen vom Schuhe putzen und Süßigkeiten darein legen vor dem Nikolaustag über´s Plätzchen backen und Weihnachtsfest. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und sagte, ob ihr denn bewußt sei, dass wir ebenfalls Feste hätten? Es war zwar gut und schön. dass sie uns „Ausländern“ die deutsche Kultur erklären wollte, aber sie tat gerade so, als ob wir am besten da auch mitmachen sollten, da es ja auch Thema im Kindergarten wäre und in Deutschland so gemacht werden würde (auf einmal sind sie alle so christlich). Doch Moment mal- wir haben da auch noch eigene Feste zu feiern 😉  

Da fragte sie uns, was wir denn zu feiern hätten und ich legte los, denn die anderen Frauen schienen sich nicht zu trauen. Sie taten mir einfach nur Leid, denn sie müssen einen unheimlichen Druck verspüren, sich so sehr integrieren zu müssen, dass ihre eigene Tradition und Glaube keine Rolle mehr spielen dürfen. 

Nächstes Mal war es etwas besser, denn da war auch die richtige Deutschlehrerin da. Sie nahm mit uns ein Weihnachtsplätzchen- Rezept durch, welches die Kinder zeitgleich backen durften. Nun gut, ich suchte die Arabischen Begriffe für ausrollen, ausstechen, etc. heraus, zeigte sie meinen arabischen Mitstreiterinnen, und schrieb mir dann das Arabische raus. Wenn ich schon dort war, wollte ich wenigstens davon profitieren und das Beste draus machen 😉

3. Beispiel: Wohnungssuche

Mit der Wohnungssuche verhält es sich nicht anders, oder gar noch schlimmer. Wenn die Vermieter meine Stimme hören, ist noch alles Friede Freude, sobald sie jedoch mein Outfit zu Gesicht bekommen, hört´s bei ihnen auf. Obwohl sie dann noch viel persönliches quatschen und herum spaßen, merke ich doch ihre Unsicherheit.

Ich muss gestehen, dass ich auch nicht jede bestmögliche Wohnung nehme: ich schaue schon, dass ich als Muslima mit 2 temperamentvollen Kindern da rein passe, dass der Schulweg nicht zu lang und die Treppen nicht zu viele sind!

So zum Beispiel ließ ich gestern erst eine Wohnung in bester Lage fallen, als ich erfuhr, dass die Vermieterin unter unsere potentielle Wohnung einziehen wolle. Und zwar war das nicht irgendeine liebe Omi, sondern eine mit „Haaren auf den Zähnen“: sehr bestimmend und kompromisslos! Das hieße, wir würden da nie unsere Ruhe haben. Allein schon der Spruch: „Lassen sie Ihre Schuhe bloß an, wir sind keine Araber und können putzen!“ gab mir zu denken (vor allem sollte sie mal eine Arabische Wohnung sehen- bei denen kann man vom Boden essen!!).

Meine „Traumwohnung“ bekam ich Gott sei Dank auch nicht, obwohl sie eine Zeit lang danach noch frei war. Die Frau traute sich noch nicht einmal, uns persönlich abzusagen! Aufgrund den mehrheitlich russischen Bewohnern in dem Haus mitsamt ihrem Bierzelt im Garten, war das dann wohl auch besser so…

 Eine weitere Wohnung, die wir uns gestern (neben reichlich anderen) noch angesehen hatten, werden wir eventuell auch nicht kriegen, aber wir lassen es einfach offen. Die Vermieterin machte direkt deutlich, dass es besser war, dass meine Mutter „mit der ach so netten Stimme“ gut daran getan hatte, mein Äußeres nicht zu erwähnen. Zudem würde ich garantiert zum Evangelentum konvertieren, wenn sie sich mir unterhalten würde!!! Also so etwas muss man erstmal bringen! „Ne, bestimmt nicht!“ antwortete ich nur lachend, während es in mir schmorte. Selbst meine Mutter war hinterher ganz schön betroffen von dieser Arroganz solcher Vermieter.

Angst vor dem Fremden

Ich kann es auf eine gewisse Art auch verstehen, dass ein Vermieter erst einmal skeptisch ist, wenn er muslimische Bewerber sieht. Warum? Er kann sie einfach nicht einschätzen! Werden sie am Wochenende ihre ganze Sippe einladen? Werden sie den Flur mit Schuhen voll stapeln? Oder doch regelmäßig herum brüllen?

Dass es diese und andere Sachen jedoch auch von anderen Mietern geben kann, wie z.B. Mietnomaden, Party- Feiern mit sämtlichen Alkohol- und/ oder Drogenproblemen, … das vergisst ein Vermieter in diesem Moment wohl. Dass nicht alle gleich sind (deutsche Muslime schon gar nicht), wohl auch.

Nicht Beschweren, aber…


Ich möchte mich auch echt nicht beschweren. Vielmehr möchte ich Euch nur zeigen, dass es wahrlich kein Zuckerschlecken ist, wenn man als (deutscher) Muslim versucht, hier Fuß zu fassen. An jeder Ecke wird man getestet. Gut, vielleicht nur an jeder zweiten, denn es gibt Gott sei Dank auch noch positive Erlebnisse mit positiven Menschen, alhamduliLlah!

Positives gibt es auch!

Eine dieser positiven Erlebnisse ist zum Beispiel ein älteres Ehepaar gewesen, die uns an ihrem Frühstückstisch in einer Bäckerei Platz anboten, da es überall voll war. Sogleich kamen wir ins Gespräch, tauschten unsere Namen und unsere Geschichten aus. Es stellte sich heraus, dass sie eine Missionarsschule in Indien hatten, wo sie die unterste Schicht versuchten, zu bilden (und wahrscheinlich auch zum Christentum zu bewegen). Wie dem auch sei, sie waren ausgesprochen nett zu uns (mit welcher Absicht auch immer)! Zum Abschluss umarmten sie uns sogar und sagten, der Herr solle uns segnen! „Und Euch auch!“ entgegnete ich freundlich. Endlich mal Menschen, die einem offen gegenüber traten.

Andere Begegnungen positiver Natur machten wir auch, und zwar:

  • Mit dem Yogalehrer meiner Eltern, der uns von dem aufgelösten Hausstand seiner Mutter jegliches Küchengeschirr anbot;
  • Mit meiner Trainerin im Fitnessstudio, die nach 2 Wochen besorgt anrief, warum ich nicht mehr komme;
  • Mit den Schulkollegen meiner Eltern, über die ich bereits in diesem Artikel berichtet hatte;
  • Die Hausbewohner meiner Eltern, welche immer mit-fiebern bei meiner/unserer Entwicklung;
  • Und nicht zuletzt mit einigen meiner Verwandten, sowohl mütterlich- als auch väterlicherseits, die trotz meinem anderen Glauben zu mir stehen.
  • Noch ein paar einzelne Begegnungen, die einem das Zusammenleben wieder etwas versüßen durch ihre Freundlichkeit, die leider heutzutage nicht mehr Standard zu sein scheint.

Resümee

Wir sind nicht ohne Grund für eine Weile wieder nach Deutschland zurückgekehrt, denn wir wissen um die Vorteile, die man hier hat: Von hiesigem Bildungs- , Gesundheits- sowie Sozialsystem kann man in Somalia und anderswo nur träumen. 

Allerdings finde ich es traurig zu sehen, wie der Hass gegen Muslime vermehrt zunimmt, und die Vorurteile fast immer überwiegen. 

Klar, dass eine Vermieterin, welche die Mutter eines zum Islam konvertierten Sohnes traf, welcher sich dem IS anschloss und nun verschollen ist, mir gegenüber voreingenommen ist. Aber der Islam ist ja nicht der IS! Das heißt, wenn eine kleine Gruppe, die vielleicht 1% der Muslime ausmacht, den Glauben für ihre Zwecke benutzt, heißt es nicht, das die restlichen 99 % auch so drauf sind! 

Wäre ich nun eine Buddhistin oder sonstiges geworden, würden die Leute auch nicht mit dem Zeigefinger nach Myanmar zeigen, um mir die Fehler einer kleinen Gruppe unter die Nase zu halten! Oder hätte ich einen Chinesen geheiratet, müsste dieser sich ebenfalls nicht für die Misshandlung der dortigen Muslime rechtfertigen. Nein, nur „Der Islam ist Schuld“ an allem Unheil!? 

Diese Verallgemeinerung und Undifferenziertheit lehne ich klar ab! Ich hoffe, dass wir alle dazu lernen und bereit sind, von Mensch zu Mensch einander zu begegnen. Für eine friedvolle Vielfalt!

In diesem Sinne noch einen schönen Abend,

Eure Khalisa 

Vom Niqab zum Hijab

Warum ich einen Teil meiner Identität abgelegt habe.

In diesem Artikel beschreibe ich meine ersten Schritte ohne Niqab, den Gesichtsschleier. Es soll keine Entmutigung sein für andere Schwestern, die noch stark genug sind, es in Deutschland zu tragen, es ist bloß eine Beschreibung meiner Entscheidung, ihn in Deutschland abzulegen und meine Erfahrungen und Eindrücke dazu.

Wie alles begann

3 Monate nach meiner Konvertierung (in etwa) zog ich den Gesichtsschleier mit der Absicht an, Allah´s Wohlgefallen zu erlangen. Mir wurden all die Beweise aus Qur´an und Sunna (Lebensweise und Aussage des Propheten Mohammeds´ (s.a.s.)) und die Umsetzung der Religion der ersten Muslime vorgezeigt, und
energiegeladen wie die meißten frisch Konvertierten, versuchte ich, alles Gelernte in die Tat umzusetzen.

Damals wurde mir allerdings nur eine Seite der Medaille beigebracht, nämlich, dass es für muslimische Frauen, die als ehrbar erkannt werden wollen, verpflichtend ist, den Gesichtsschleier zu tragen.

Unterschiedliche Auffassungen

Vielleicht mag Euch der Unterschied in der Auffassung des Gesichtsschleiers auffallen: für (augeklärte, praktizierende) Muslime ist er ein Zeichen einer Respekt zu erweisenden, würdevollen
Frau, während ihr in den westlichen Ländern diese Ehrbarkeit abgenommen werden soll, indem sie
den Niqab verbieten wollen. Die Frauen würden ja dazu gezwungen, sich so zu verhüllen- man
müsse sie befreien!!! Dem ist natürlich nicht so, zumindest ist mir kein Fall bekannt, in dem eine
Muslima zum Tragen des Niqabs gezwungen wurde. Meißtens ist es sogar eher das Gegenteil- ihre
Familie und womöglich auch ihr Mann raten ihr ab davon und haben ein riesen Problem damit, dass
sie so selbstbestimmt dieses Stück Soff trotzdem tragen will! Ihr seht also, dass es in keinem Fall leicht für eine bewußte Muslima ist. Denn sobald sie sich für den Gesichtsschleier bewußt
entscheidet, trifft sie nur auf Abneigung, Intoleranz und manchmal gar Übergriffe.
Solange sie stark im Glauben ist und ihren Gesichtsschleier als eine Art Gottesdienst ansieht, so kann sie über all den Anfeindungen stehen, so wie ich das fast 10 Jahre lang tat.

Ich nannte es immer eine „Toleranzprüfung für mein Umfeld!“ und hielt daran fest, alhamduliLlah.

Die Zeiten ändern sich

Inzwischen ist der Hass gegen sich bedeckende Muslime so stark ausgeprägt, dass es beinahe
unmöglich geworden ist, mit Gesichtsschleier bedeckt alleine aus dem Haus zu gehen, ohne
Angst haben zu müssen vor Anfeindungen oder Übergriffen.
Wenn man keine Kinder hat, aber einen Mann, mag man es noch aushalten, nur mit Begleitung
dessen das Haus zu verlassen. Sobald aber Kinder mit ins Spiel kommen, wird es kritisch: die Kinder müssen doch raus, sich bewegen! Sie müssen hier und dort hin gebracht und abgeholt werden, sie müssen ein lebenswertes Leben haben und keins hinter verschlossenen Gittern!

Eine schwere Entscheidung

Genau aus dem Grunde hatte ich mich schweren Herzens entschieden, den Niqab in meinem diesjährigen Deutschland-Aufenthalt nicht mehr zu tragen. Ich weiß inzwischen nämlich auch, dass es zwischen den Gelehrten verschiedene Meinung dazu gibt: ob es nun Pflicht ist, speziell in Zeiten der vermehrten Versuchungen, oder nur, wenn man außergewöhnlich hübsch ist, oder ob es einfach eine weitere freiwillige Handlung ist, durch die man Allah näher kommt- es gibt da verschiedene Meinungen unter den Großgelehrten. Da ich in Deutschland/ Europa eine von vielen bin, sehe ich es für mich nicht als Pflicht an, sondern als freiwillige Handlung. Zum Eigenschutz und dem meiner Kinder lasse ich den Gesichtsschleier in Deutschland jedoch weg.

In Somalia hingegen werde ich ihn widerum tragen, denn da falle ich viel zu sehr auf als eine der wenigen „weißen“!

Ein Stück Identität ablegen zur eigenen Sicherheit

Kommen wir nun also zu meinen Erfahrungen. Ich zog den Gesichtsschleier im Äthiopischen
Flughafen aus, als wir gerade auf den Aufzug warteten. Es war, als ob ich ein Stück von mir, meiner Identität ablegen würde- ganz komisch. Ich sagte zu meinen Kindern: fällt euch irgendwas auf? Da sagte meine Tochter sofort: Mama, wo ist dein Niqab? Zieh´ihn schnell an! Da erklärte ich ihnen, dass ich den Niqab in Deutschland nicht anziehen werde, da die Leute uns sonst beschimpfen würden, denn sie würden das nicht verstehen und hätten Angst. In Somalia jedoch würde
ich ihn wieder anziehen.

In den nächsten Tagen sagte meine Tochter jedoch immer wieder- Mama, dein Niqab! Du hast
deinen Niqab vergessen! Genauso fühlte ich mich auch: als ob etwas fehlen würde, als ob ich meine
Jacke im Winter vergessen hätte!

Ungewohnte Blicke, dafür weniger Anfeindungen

Im Flughafen hatte ich dann das Gefühl, mich würde jeder angucken. Ich fühlte mich so nackt.
Selbst wenn ich Dhikr machte (Gedenken an Allah, die man ständig sagen kann), musste es für die anderen aussehen, als ob ich mit mir selbst sprechen würde.
Insgesamt jedoch hatte ich das Gefühl, dass die Leute weniger starrten, als wenn ich mit Niqab da gestanden hätte. Sie hatten einfach keine Angst mehr vor mir. Auch am Schalter war es nun angenehmer, da ich nicht erst den Schleier vor all den neugierigen Blicken entlüften musste.

Reaktion meiner Eltern

Meine Eltern freuten sich natürlich ungemein, als ich ihnen schon von Somalia von meinem Vorhaben erzählte. Sie waren jahrelang sehr tolerant gewesen, sind überall mit mir hingegangen, mussten die kritischen Fragen und Aussagen ihrer Freunde ertragen und mich verteidigen. Vor allem aber litten auch sie unter den Beschimpfungen und bösen Blicken, die ich tagtäglich abbekam.
Nun waren sie also um einiges erleichtert, sogar direkt einen Urlaub in der Schweiz, damit ich meine Verwandten sehen könne und wir dort abspannen könnten, ohne als Alien angesehen zu werden.

Auch das Zusammenwohnen im Haus meiner Eltern, in dem auch ihre Freunde wohnen, welche
mich seit Kleinkindalter kennen, entspannte sich enorm. Ich konnte nun in unser Kellerappartment
oder zum Wäsche waschen, ohne mich komplett verhüllen zu müssen. Früher meinte meine Mutter
dann, „Lass das, ich mach schon!“ und war mit der zusätzlichen Arbeit etwas überfordert (zu Recht). Aber nun brauche ich einfach meine Gebetsabaaya anzuziehen und los geht’s.

Keine Akzeptanz- okay, doch wo bleibt die Toleranz für andere?

Natürlich bin ich immer noch nicht völlig akzeptiert hier in Deutschland, doch hat sich meine Situation insgesamt schon entspannt. Ich erwarte auch nicht, dass die Leute mich akzeptieren, denn laut dem Qur´an werden sie sowieso erst mit mir zufrieden sein, wenn ich so bin wie sie- also komplett unbedeckt. Leider wird meine Erwartung der Toleranz jedoch auch meißtens nicht erfüllt- noch immer merke ich böse Blicke, unverständisvolles Kopfschütteln und Misstrauen. Darüber bin ich zwar auch nicht happy, aber ich kann darüber stehen. Meißtens wechseln sich gute Erlebnisse mit schlechten immer wieder ab: manche sind sogar richtig freundlich und bemüht!

Angstmache seitens der Medien als Grund für den Islamhass

Ich kann die Leute auf der einen Seite verstehen, dass sie Angst vor dem Islam und denjenigen
Muslimen haben, die versuchen, ihre Reigion zu praktizieren. Letztere werden in den Medien
nämlich immer als „DIE Salafisten“ dargestellt, die angeblich hasserfüllt zum Krieg gegen Nicht-Muslime aufrufen und MINDESTENS die Vorstufe zu IS und CO. seien. Dass dem NICHT so ist, sondern dass diese Muslime einfach nur die Bedeckungsregeln ihrer Religion befolgen und 5 mal am Tag beten wollen, außerdem ein friedliches Miteinander bevorzugen, sich jedoch völlig in die Ecke gedrängt sehen- das wird in den Medien nicht berichtet. Nein, stattdessen wird man mit Al-Qaida, IS, Al-Shabab und wie sie
alle heißen, in einen Topf geschmissen. Begeht ein Muslim ein Verbrechen, wird direkt der Zeigefinger auf den Islam ausgestreckt. Kein Wunder also, dass die allgemeine Menschheit, die den
Medien mehr folgt als dem Papst, dann Angst vor uns haben.
TROTZDEM ist es schade, dass die Menschen nicht differenzieren oder uns nicht direkt ansprechen
(auf eine freundliche Art versteht sich). Denn so können auch keine Brücken zwischen den Kluften
gelegt, und kein freundliches Miteinander möglich sein. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: die
Muslime werden wie eine zu verabscheuende Randgruppe behandelt, und da wissen wir ja, wie so etwas in der Geschichte eskalieren kann (möge Allah uns bewahren).

Fazit

Ich bereue meine Entscheidung aufjedenfall nicht, auch wenn es traurig ist, dass es in „demokratischen Ländern“ soweit gekommen ist, dass man eben DOCH NICHT so sein kann, wie man will.
Ich freue mich aber auch schon wieder auf Somalia, in dem ich als Muslima respektiert und geehrt
werde, in dem sie „Maa shaa Allah!“ sagen, wenn sie mich so bedeckt sehen. Und in dem ich
einfach daher laufen kann, ohne gehasst zu werden für meinen Glauben. Neben all dem Luxus und
der Familie, den ich in Deutschland genießen kann, ist es als Muslima hier nicht mehr das Gleiche.

Möge Allah es den Muslimen in Europa erleichtern, an ihrer religiösen Lebensweise festzuhalten
und ihnen einen Ausweg zur Auswanderung geben, und möge Er das friedliche und respektvolle
Miteinander ebenfalls erleichtern.

Seid allesamt lieb gegrüßt,
Eure Khalisa

14.Interview: Aufstieg in England

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Ich freue mich sehr, euch heute eine Premiere vorzustellen: es geht um ein Interview mit einer Schwester, die nicht in ein muslimisches Land ausgewandert ist, sondern nach England. Ja, das geht auch- denn wenn man schon in nicht-muslimischen Ländern bleibt, sollte man sich immer das „Kleinere Übel“ aussuchen. Kleineres Übel in dem Sinne, als dass man seine Religion (Islam) frei ausleben kann. Das ist in England eindeutig besser gewährleistet, als in Deutschland.

England19
Auf Bussen werden Aussagen des Propheten Mohammed (Frieden und Segen auf ihm) unter die Menge gebracht, mit Vorurteilen abgebaut.

Außerdem ist es auch das erste Mal, dass das Interview hauptsächlich mündlich stattfand. Die Ausformulierung blieb bei mir, wurden jedoch von Carina, unserer heutigen Protagonistin, erweitert und ggf.korrigiert.

Kommen wir nun zu Carina. Sie ist eine ganz besondere Person für mich, denn sie hat mein Leben durch mein Coaching bei ihr ziemlich auf den Kopf gestellt! Mit ihrer wundervollen positiven Art und ihren sagenhaft effektiven Methoden, habe ich mich zu einer selbstbewussten, dankbaren Person entwickeln können, die ihre Stärken und Ziele nun viel besser vor Augen hat, alhamduliLlah. Möge Allah sie dafür reichlichst belohnen!

Auch selber hat die Mutter von 3 Teenager- Mädchen schon so einiges erlebt und in verschiedenen Ländern gelebt, bis sie letztendlich vor ein paar Jahren in England gelandet ist.

Dort arbeitete sie sich von 0 auf 100, und hat inzwischen eine eigene Coaching- und Allergie-Praxis. Zudem ist sie ständig damit beschäftigt, sich weiterzu bilden, um noch mehr Menschen aus ihren Lebenskrisen helfen zu können.

England11
Carina in ihrer Praxis.

Wer Interesse hat, ihre Seiten zu besuchen, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren, wird hier fündig:

Carina´s Website;

Carina´s Kurs über die 4 Temperamente in ihrer ASMU Academy;

Ihre FB-Gruppe zur ASMU Akadamie;

England2.png
In ihrer ASMU Akademie bietet Carina zukünftig Kurse an.

Carina´s persönliche FB-Seite;

Ihre Coaching-FB Seite auf Englisch;

Ihre Coaching-FB Seite auf Deutsch;

Ihre Growth and Wellness FB-Gruppe;

Carina´s Youtube- Kanal.

Nun haben wir für euch ein paar Informationen über England als Auswanderungsland zusammengestellt, die hoffentlich von Nutzen sind für den ein oder anderen.

Gerne dürft ihr Kommentieren, Fragen stellen oder einfach nur liken 🙂


Wann und warum bist du ausgerechnet nach England ausgewandert?

Im Mai 2013. Ich liebe Wachstum- in jeder Hinsicht. Wachstum bedeutet für mich, mich frei entwickeln zu können, ohne behindert zu werden.

Außerdem brauche ich ein „gesundes Umfeld“, wo mir alles möglich ist und ich gedeihen kann. So wie eine Blume nur in gutem und gesundem Umfeld gedeihen kann.

England20
Carina hat das gesunde Umfeld, welches sie braucht, um sich yu entwickeln, in England gefunden.

Und England lag da für mich am nächsten, wo meine Seele sich nicht eingeengt fühlt. Hier gibt es solchen Rassismus nicht wie in Deutschland, alhamduliLlah.

Sicherlich in machen Orten schon. Aber dort muss man ja nicht leben. Ich werde hier respektiert für das, was ich bin. Ich bin Muslim und habe viele Fähigkeiten, die hier sehr honoriert werden, maa schaa Allah. Und das motiviert natürlich.

England ist für mich ein Ansporn, mein höchstes Potential zu erreichen. Und diese Freiheit haben wir hier als Muslime, alhamdullilah.

Wie lange hattest du dich auf deine Hijrah drauf vorbereitet?

Also psychisch hatte ich mich und meine Kinder schon sehr lange auf England vorbereitet, eventuell 4 Jahre. Ich habe meine Kinder einmal pro Woche zu einer privaten Sprachschule gebracht, so dass sie spielerisch Englisch lernen. Das gab mir immer ein gutes Gefühl, weil ich damit meinem Ziel immer ein Stück näher kam.

England31
Sind ein starkes Team: Carina und ihre Mädels lassen sich durch nichts so leicht von ihren Zielen abbringen!

Ich wusste, das es taff werden kann in England, weil ich hier 2008 schon mal mit meinen Kindern 3 Monate gelebt hatte. Deshalb wollte ich dieses Mal richtig innerlich und äußerlich drauf vorbereitet sein.

Es ist sehr wichtig, dass du weißt, was du hier arbeiten möchtest. Und da kam mir in den Sinn, einfach eine Ausbildung in Hijama Therapie zu machen [Hijama bedeutet Schröpfen]. Das war online möglich, alhamdullilah. Damit konnte ich auch gleich Englisch lernen, was ich damals nur zu 10 % verstanden hatte. Aber man muss sich wirklich solchen Herausforderungen stellen, wenn man einen großen Schritt im Leben gehen möchte. Desweiteren hatte ich mich schon für eine Ausbildung als Allergie- Therapeutin in England angemeldet und ich wußte schon, dass ich dort auch Islamische Medizin studieren werde. Ich hatte dies also alles schon im Vorfeld geplant, denn Planung ist das A und O.

Geh deinen Weg langsam, wenn du möchtest, aber habe immer dein Ziel vor Augen und arbeite darauf hin.

2 Jahre habe ich dann wirklich praktisch meine Ausreise vorbereitet. Habe Leute kontaktiert in England, alle Informationen und Gesetze übers Land eingeholt, Pässe machen lassen.

Am Ende MUSSTE ich dann gehen. Ich wollte nicht mehr- hatte echt Sch… Aber da musste ich dann durch. Habe einfach unsere Tickets gebucht und bin wie im Nichts verschwunden. Es ist schon Überwindung dabei. Augen zu und durch.

Für mich war es am Ende auch schwieriger zu gehen, da ich gerade meine Praxis aufgebaut hatte und Schwestern mit Hijama und anderen Heilmethoden behandelt hatte. Allah hatte mich damals sehr gesegnet. Mir gings finaziell so gut wie nie zuvor und ich liebete meine Arbeit und meine Patienten.

Ich habe tagelang geheult und meine Patienten und Freunde mit mir. Aber ich hatte mich entschieden. Ich wollte eine bessere Zukunft für meine Kinder. Und diese konnte ich mir in Deutschland für meine Kinder absolut nicht vorstellen. Ich wollte meine Kindern diese Ablehnung und den Rassismus ersparen. Und ich wollte, dass sie etwas Schönes aus ihrem Leben machen, trotz Abaya und Kopftuch und mit dem Islam im Herzen.

England13
Auf, in eine bessere Zukunft!

Wie war es für dich, so als Frau ganz alleine mit Kindern auszuwandern?

Es war sehr, sehr taff. Ich kam dort mit nichts an und hatte auf einmal keine Wohnung zur Verfügung. Dann haben sie mich alle paar Tage in wechselnde Hotels verschifft, bis etwas für mich gefunden wurde. Das ist eine lange Geschichte. Die englischen Muslime wollten mir helfen, um an ein Council Haus zu kommen, damit ich wenig Miete bezahlen muss. Das war allerdings in London, wo die Mieten wahnsinnig hoch sind (ca.3996 Euro im Monat). Aber irgendwie war das kein Leben für mich und die Kinder- dieses ewige Hin- und Herziehen, bis man mal ein besseres Leben hat. Im Ramadan 2013 habe ich dann entschieden, London einfach zu verlassen und es mir und meinen Mädels in Birmingham gemütlich zu machen.

Als wir und in Birmingham eingelebt hatten, waren wir richtig glücklich. Von allen Städten, in denen ich jetzt gelebt habe, würde ich jedem Birmingham wieder empfehlen.

England1
2013 endlich in Birmingham angekommen!

Welche Städte kannst du für Neu- Zuwanderer empfehlen?

Birmingham ist sehr gut für den Anfang. Dort ist eine riesen Ummah– selbst ein deutsches Schwesterntreff- und es gibt dort wirklich alles für Muslime: Shops, Fitness, Islamische Schulen, Qur´an Unterrichte, etc. Es wird das „Mekka Europas“ genannt-ist sehr offen und international! An Eid [Muslimisches Fest] gibt es dort eine riesen Kirmes, welche von Muslimen organisiert wird, und zu der sogar Leute aus ganz Europa anreisen.

England23
Carina mit ihren Mädels an Eid in Birmingham

Mehr als zehntausend Muslime beten hier auf dem Rasen des Small Heath Parks. Wer ein starkes Zusammengehörigkeits-gefühl sucht, geht am besten dorthin. Der einzige Nachteil ist dort der Müll und die Ratten, die selbst vor Katzen kein Reißaus nehmen.

Nottingham.jpgNottingham ist für jene gut geeignet, die einen hohen Bildungsstandard suchen. Dort leben zwar weniger Muslime, jedoch die Gesellschaft an sich inklusive den Muslimen, besteht hauptsächlich aus Akademikern. Es ist dort sehr sauber und die Schulen und Universitäten haben einen sehr guten Ruf. Schwestern dort sind hochgebildet und sehr intellektuell. Bloß vor dem Islam- Internat für Mädchen muss ich leider warnen, da dort so einiges sehr schief läuft und Kinder dort eher den Islam hassen – statt lieben lernen.

Leicester ist auch bekannt für seinen hohen Muslim-Anteil. Vom Lifestyle ist es eine Mischung zwischen Birmingham und Nottingham.

Leeds– Wer es eher großstädtig mag, geht nach Leeds. Leeds ist eine sehr saubere Stadt, wo neben Pakistanern auch sehr viele Araber leben. Hier findest du eher weniger Niqabis, die du zu Hunderten in Birmingham siehst.

Bradford ist ebenfalls ein guter Ort für Muslime. Die Natur ist dort wunderschön und es gibt dort ebenfalls sehr viele Muslime. Dort bin ich letztendlich gelandet. Die Mieten sind hier sehr günstig, allerdings ist es hier mancherorts auch sehr müllig.

England7
Wunderschöne Natur in Bradford

Welche Schulen dort kannst du empfehlen- Islamische oder Staatliche?

Allgemein sind die Schulen sehr gut organisiert. Schüler werden in 5 Schwierig-keitslevels eingeteilt und entsprechend ihrer Level unterrichtet. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auf- oder absteigen können!

Im Internet gibt es eine Übersicht über die Schulen und ihre Qualität. Alle paar Jahre werden sie nämlich von einem Kommittee überprüft und bewertet. Die besten Schulen werden als „outstanding“ gepriesen.

  • Islamische Schulen haben es leider nicht mehr so leicht wie früher. Seit 2 Jahren müssen auch sie dem staatlichen Curriculum folgen, welches u.a. stark die Viel-Sexualisierung (Lesben, Schwule, etc.) propagiert. Da muss man als Eltern einfach sehr wachsam sein und aufklären. Manche Islamischen Schulen haben außerdem nicht so qualifizierte Lehrer. Also muss man sich vorher gut über deren Qualität informieren.
  • Staatliche Schulen variieren sehr vom Muslim-Anteil. Manche haben sogar mehr Muslime als Nicht-Muslime im Schüleranteil, Gebetsplätze und andere Freiheiten werden ihnen auch eingeräumt. Leider wurden in letzter Zeit ein paar Schulen geschlossen bzw. radikal umbesetzt, die einen sehr hohen Muslim-Anteil hatten. Obwohl sie als „Outstanding“ eingestuft wurden, waren sie der Regierung ein Dorn im Auge.

England29

England30
Carina´s Töchter in ihren Schuluniformen und ihrem Hijab (das Normalste der Welt in England!)- in einer staatlichen Schule, die jährlich Klassenfahrten nach Mekka organisiert hatte.

  • Gott sei Dank gibt es hier jedoch auch die Möglichkeit, Homeschooling zu betreiben. Ob man dies selber macht, oder sich mit anderen Homeschool-Eltern zusammen tut, ist einem selbst überlassen.

Was sollte man unbedingt beachten, wenn man nach England auswandern möchte?

Man muss sich bewußt sein, dass das System hier sehr offen ist und nicht so sicher und bequem wie in Deutschland.

Hier kriegt man nur Unterstützung vom Staat in Form von Kindergeld, Wohngeld, etc., wenn man auch arbeitet und eine Versicherungsnummer hat (National Insurance Number)

Diese bekommt man allerdings erst, wenn man 3 Monate dort gearbeitet hat- sowohl Männlein als auch Weiblein. Wenn man zu wenig verdient, bekommt man nicht mal Wohngeld- ganz wichtig!!

Man muss sich also am besten im Voraus eine Arbeit organisieren oder solange vom Angesparten leben, bis man Arbeit findet.

Wie bekommt man in England finanzielle Unterstützung?

Sobald man 3 Monate gearbeitet hat, hat man ein Anrecht auf die National Insurance Number, ohne die man in England illegal ist.

Dann beantragt man bei der Queen „Child Benefit, welches einem das Recht gibt auf andere Leistungen, wie z.B. Wohngeld, „Work and Child Tax Credit“, etc. gibt und man automatisch staatlich krankenversichert wird.

Wie beantrage ich solche Leistungen, muss ich direkt zur Queen, oder was?

Nein, inzwischen kann und soll man alle Anträge online beantragen!

Wie lange hat eine Mutter Mutterschutz? Und ab welchem Alter müssen Kinder in den Kindergarten?

Kindergarten-Pflicht gibt es hier gar nicht. Ab 5 Jahren müssen die Kinder zur Schule gehen oder bleiben zu Hause, wenn die Mutter Homeschooling beantragt. Ich kenne eine deutsche Schwester, die niemals ihre 4 Mädels zur Schule hat gehen lassen, sondern sie selbst unterrichtet hat, damit sie die Deutsche Sprache lernen. Ist hier alles möglich, alhamduLlilah.

Mutterschutz gibt es in der Regel ein Jahr.

Wie kann man Zwangsimpfungen aus dem Weg gehen, wenn man ein totaler Gegner davon ist?

Impfen ist in England keine Pflicht, wird aber als solche indirekt propagiert. Als ich erfuhr, dass es keine Pflicht ist, habe ich es abglehnt, meine Kinder impfen zu lassen.

Das wird hier nicht gerne gesehen. Ich habe allerdings gelernt , wenn man nur diesen einen Satz sagt. „You can’t force me!“, dann wird man sozusagen komplett aus dem Impfsystem rausgenommen.

Ich habe selbst vielen meiner Patienten diesen Tipp gegeben und das funktioniert bei allen. Obwohl die Angstmache hier sehr groß ist, falls jemand gegen das Impfen ist. Einfach selbstbewusst bleiben, dann klappt alles, in shaa Allah!

Muss ich perfektes Englisch sprechen, um dort zurecht zu kommen?

Ich sprach nur ein bisschen Englisch am Anfang. Es war ehrlich gesagt sehr schwer für mich, ohne fließendes Englisch. Das hat mich schon sehr gestört, da ich ohne gute Sprachkenntnisse schlecht meinen Beruf als Therapeutin ausüben kann. Mit der Zeit lernt man das natürlich. Allerdings ging ich hier nie zur Schule, sondern habe die Sprache von meinen Patienten gelernt und die Korrektur kam oft von meinen Kindern, welche die Sprache so schnell aufnehmen. Sie sprechen ja 8 Stunden am Tag in der Schule Englisch, so dass sie der Mama irgendwann weit voraus waren und immer mehr über Mamis Englisch schmunzelten. Ich kann damit leben. Hauptsache, dass man sich immer weiter entwickelt und verbessert.

An meiner Wand hängt ein großes selbstgeschriebenes Bild. „My English is excellent, alhamdullilah.“ Solche Affirmationen können Wunder bewirken, wenn man sie jeden Tag liest, in schaa Allah!

England36
Nach Erschwerniss kommt immer Erleichterung: heute sprechen Carina und ihre Kinder flüssiges Englisch.

Bereust du deine Entscheidung?

Nein, ganz im Gegenteil!

Ich habe meine Entscheidung, Deutschland zu verlassen, keine einzige Minute bereut, alhamduliLlah! Denn hier hat man als Muslim einfach ein selbstbestimmteres, freieres und unbeschwerteres Leben als in Deutschland.

Ich kann mich hier frei entfalten und das ist mir persönlich sehr wichtig.

England
England trifft auf Amerika: Carina mit ihrer früheren Mentorin Haleh Banani

England ist ja nicht weit von Deutschland.Vermisst du irgendetwas aus deiner alten Heimat?

Ich hatte lange Zeit mein Leinöl, meinen Senf und meinen Quark vermisst. Manchmal wünsche ich mir, es gebe hier normales Puddingpulver wie in DL, Aber khair in schaa Allah. Du kannst nicht alles haben, lol.

Deutschland an sich habe ich nicht ein einziges Mal vermisst, dafür hatte ich zu viele traumatische Erlebnisse gehabt.

In England werde ich sogar als Deutsche mehr respektiert als in Deutschland. In Deutschland werde ich nicht mal als vollwertige Deutsche angesehen. Hier schon. Ich habe z.B. als Therapeutin aus DL mehr Chancen, Patienten zu gewinnen, weil DL als Land sehr hochwertig angesehen wird- nicht nur von den Muslimen, sondern auch von den Engländern.

England12
Beste Berufschancen in England- Carina in ihrer Praxis, im Hintergrund ihre Zertifikate.

Seit die Lehrer in der Schule erfuhren, dass meine Kinder Deutsche sind, werden sie bevorzugt behandelt. DL hat welweit einen sehr guten Ruf, würde ich sagen. Nur im Land selber sollte man nicht leben. Hahaha!

 

Welche Tipps würdest du deinen Geschwistern im Islam raten, wenn es um die Hijrah nach England geht?

  • Bereitet euch auf jedenfall gut vor, vertraut auf Allah, und dann schreitet aber auch zur Tat!
  • Erwartet nichts von anderen, sondern nur von euch selbst! Das heißt, kümmert euch, dass ihr dort Arbeit findet, sucht nach den besten Möglichkeiten.
  • Der Lebensstandard der hiesigen Muslime ist eher hoch, also sieh dies als Motivation, das Beste aus dir zu machen!
  • Zudem vertraue auf Allah- wenn du mit reiner Absicht die Hijrah vollziehst, wird Er dich nie im Stich lassen!

Als ich noch so schwankte am Ende, ob ich doch nun den Schritt wagen sollte zu gehen, habe ich einen Vers im Qur´an gelesen, der mich sehr angespornt hat zu gehen.

Sure 4, Vers 100: Und wer auswandert in Allahs Weg, wird auf der Erde manche Zuflucht und Hilfsmittelfinden. Und wer sein Haus verläßt und zu Allah und Seinem Gesandten auswandert, und der Tod ereilt ihn dann, dessen Lohn fällt Allah zu; und Allah ist verzeihend und barmherzig.

Das war´s eindeutig für mich. Und es war wie ein Versprechen von Allah.

England14

Und warum ich von Anfang an überhaupt so entschlossen war, gehen zu MÜSSEN, war folgender Vers:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“ Jene aber, – ihr Zufluchtsort wird die Hölle sein, und (wie) böse ist der Ausgang! (4:97)

Dieser böse Ausgang, nämlich die Hölle, hat mir richtig Angst gemacht und ich dachte, „Ich wurde diskriminiert in meinem Land und habe jeden Tag gelitten und meine Kinder auch, und am Ende werde ich dafür von Allah noch bestraft und soll zur Hölle gehen?“

Da war für mich klar, dass ich gehen MUSS. Wir haben nicht einmal Recht, uns bei Allah zu beschweren, wenn es uns in Deutschland schlecht geht. Allahs Erde ist groß genug- das könnt ihr mir glauben, liebe Geschwister. Und Allah verspricht zu helfen. Nun liegt es an dir, aus dem Dilemma auszubrechen und zu gehen und ein schöneres Leben zu haben. Es gibt nichts besseres, als die Freiheit. Und die wirst du überall auf der Welt finden, nur nicht in DL. Das ist meine Meinung. Sei mutig!

England33
Der ganze Struggle hat sich gelohnt: Carina mit ihren Mädels gönnen sich einen Urlaub.


Wow, merkt ihr die Power dieser Frau? Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann schafft sie dass auch- sie zieht es durch, bis zum Ende, maa shaa Allah!

Möge Allah sie reichlichst belohnen für all ihre Bemühungen und möge Allah es ihr mit dem besten vergelten, dass sie an diesem Interview teilgenommen hat.

Ich kann sie einfach jedem als Beraterin empfehlen- sei es, für Muslimas oder Nichtmuslimas. Und mit ihrer starken Willenskraft ist sie ein großartiges Vorbild für uns, dass wir auch als Muslimas etwas erreichen können, unser Potential voll ausschöpfen können, in shaa Allah!

England32

Ich hoffe, ihr seid genauso inspiriert worden von Carina wie ich. Wenn dem so ist, liked und kommentiert, was das Zeug hält 😉

Seid lieb gegrüßt,

Eure Khalisa

Unverhofftes „Wiedersehen“!

As salaamu alaikum und Hallo meine lieben Leser/innen,

Nach dem letzten Interview mit UmmIlyas, welche über ihre Auswanderung nach Algerien berichtete, habe ich etwas wundervolles erfahren: Ich habe sie bereits gesehen- und zwar in einer sehr herzbewegenden Doku!

Wooow, ich konnte es kaum glauben, dass SIE das ist, mit der ich gesprochen hatte!

Luise- eine deutsche Muslima im Fernsehen

Denn damals, im Sommer 2008 bin ich auf die folgende Doku über sie gestoßen: „Luise- eine deutsche Muslima“. Bei Arte erschienen, mit dem Grimme-Preis, dem Juliane-Bartel-Preis und dem Norddeutschen Filmpreis für die beste Dokumentation ausgezeichnet (also die Redakteurin Beatrix Schwehm).

Impact dieser Doku

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich gerade frisch zum Islam konvertiert war, oder kurz davor stand, als ich sehr von dieser Doku bewegt wurde. Jedenfalls habe ich Luise sehr bewundert, wie selbstbewußt und Lebensfroh sie sich präsentierte, wie selbstverständlich sie versuchte, alles Gelernte in die Tat umzusetzen. Und ich fand sie super sympathisch. Sie stellte irgendwie ein Idol für mich dar- wenn auch eher unterbewußt-

Aufjedenfall fühlte ich mich stark ermutigt, meinen neuen Weg weiterzu gehen, genau so wie sie!

Konvertiten und ihre Eltern

Dass man auch mit den Eltern und nahestehenden über alles reden kann (und sollte), hat diese Doku mir auch nochmal klargemacht. Gegenseitige Offenheit und Empathiegefühl ist da ganz klar von Vorteil. Wobei einem in dieser Doku Luises´Mutter fast schon Leid tun kann: als ob es das schlimmste auf Erden sei, dass die Tochter nun Muslima ist! Das zeigte mir einige Parallelen in der Denkweise von Eltern von Konvertiten: sie fragen sich oftmals, „Was ist da schief gelaufen? Was hab ich falsch gemacht als Mutter/Elternteil?„… als ob die Tochter auf einmal ein anderer Mensch sei, der vor allem etwas ganz schlimmes vollbracht hat!

Dabei ist sie bloß dabei, ihren inneren Frieden zu finden, und sie ist und bleibt IMMER die Tochter- egal, welchen Glauben sie im Herzen, oder welches Tuch sie auf dem Kopf hat!

Möge Allah unsere Eltern reichlich entschädigen für die Sorgen, die sie sich (unnötig) gemacht haben wegen unserer Konvertierung und möge Er auch sie diesen inneren Frieden finden lassen!

Und ich glaube eins kann UmmIlyas bestimmt bestätigen: wenn man ersteinmal die ersten `Hürden´(Vorurteile) zusammen durch Gespräche überwunden hat, kann man eine viel intensivere, innigere Beziehung zu seinen Eltern aufbauen!

Selbst im Interview mit UmmIlyas wird deutlich, dass sie und ihre Eltern diese Hürde längst überwunden haben und einen Weg miteinander gefunden haben, wie sie miteinander auskommen- und das sogar sehr gut (alhamduliLlah)!

Erste „reelle“ Begegnung

Umso mehr traf es mich also wie ein Blitz, als ich von einer anderen, ebenfalls nach Algerien ausgewanderten Freundin erfuhr, dass ich soeben besagte Luise interviewt hatte!!! Sofort kontaktierte ich sie und fragte sie, warum sie mir das nicht vorher gesagt hätte!

Da meinte sie in ihrer humorvollen Art, dass sie das nicht jedem direkt auf die Nase binden würde, nach dem Motto „Schau mal, wie toll ich bin- ich war im Fernsehen!„, hahaha 😀 Das stimmt natürlich auch wieder.

Sharing is caring 🙂

Ich finde es aber aufjedenfall erwähnenswert (hab mir auch ihre Erlaubnis geholt, um euch darüber zu berichten), zumal es mich geprägt hat und es durch ihre Hijrah auch wieder in unseren Blog herein passt.

Luises´Geschichte geht weiter…

Es gibt inzwischen sogar einen 2. Teil ihrer Geschichte: ausgerechnet über ihre Auswanderung nach Algerien! 2 Jahre lang begleitet sie die Reporterin auf ihrem Versuch, sich in einem fremden Land zu integrieren. Leider ist es nicht kostenlos und ich selber kann mir das Video nicht so einfach zukommen lassen (wegen der Entfernung und der nicht-vorhandenen Post). Aber ich finde es hochspannend!

Hier geht´s zu dem Link über den 2.Teil über Luises´Geschichte- ihre Auswanderung.

„Anders sein“ verbindet

Als ich mich auf die Suche nach einer kostenlosen Version ihres 2.Filmes machte, stieß ich auf eine weitere Doku, in der mir ihr Gesicht wieder entgegenstrahlte: Eine kurze Doku von einer jungen Frau, die einen Tag mit Niqab (Gesichtsschleier) herum läuft, um zu sehen, wie es ist, „anders“ zu sein (davon kann ich ja auch ein Liedchen singen- bzw.eine ganze Oper, lol!). Und siehe da- da war Luise bzw, UmmIlyas wieder ganz aktiv und überzeugend dabei!

Ich finde es toll und unterstützenswert, wenn Muslima´s sich mit ihren Fähigkeiten an die Öffentlichkeit trauen und der Welt einen Einblick in das Leben als Muslima geben. Das ist ein ganz großer Schritt in Richtung gegenseitigem Verständnis, Achtung und Wertschätzung.

Ebenso wie ich (bzw. wir alle hier vom Blog) sowohl über Somalia, als auch über das Leben als (deutsche) Muslima aufklären will und so Vorurteile abbauen möchte, so tut das UmmIlyas auf ihre Art.

Mögen dadurch noch mehr Vorurteile ab- und mehr Verständnis und ein friedlicheres Miteinander aufgebaut werden.

Ich hoffe, euch hat diese Geschichte auch ein wenig bewegt. Wenn dem so ist, lasst ruhig einen Kommentar und/ oder ein Like hier 🙂

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa