15.Interview: Libyen, ein ungewöhnliches Hijrah-Land!

Im heutigen Interview geht es um Libyen. Dieses Land ist vor allem für Bürgerkrieg, Wüste und Konzentrationslager für Flüchtlinge (besonders auch Somalische) bekannt. Dass man selbst dort ein ganz normales Leben führen kann, zeigt uns unsere heutige Protagonistin, eine deutsche Muslima namens Amina.

Ich habe dieses Land als Hijrah-Land eigentlich garnicht in Betracht gezogen, da ich von den gängigen (Vor-) Urteilen dieses Landes ehrlicherweise eingenommen war. Bis ich dann in einer WhatsApp Gruppe zum Thema Hijrah von ihr erfuhr. Sofort neugierig geworden, „datete“ ich sie für dieses Interview, alhamduliLlah.

 

Libya Flagge1

Vorab noch ein paar Fakten zum Lande. Und übrigens- für diejenigen, die genauso verwirrt sind wie ich, was die Aussprache und Schreibweise dieses Landes betrifft: Es wird zwar „Libyen“ geschrieben, jedoch `Lybien´ ausgesprochen. Ja, soviel hab ich jetzt auch gelernt 😀

Libyen ist das 4. größte Land im afrikanischen Kontinent, wobei 85% davon Wüste (Sahara) ausmachen und nur 2 % für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz Gaddafi´s gibt es dort immer wieder Machtkämpfe zwischen Süd und Nord, aber auch die Extremen ISIS wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Trotzdem soll es laut den Vereinten Nationen einer der höchstentwickelten Staaten des Afrikanischen Kontinents sein (s.Wikipedia).

Libyen Karte

Wegen seiner nahen Lage zu Italien (nur durch das Mittelmeer getrennt) ist Libyen auch ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge aus ganz Afrika- selbst viele Somali´s landen dort. Ihrem Traum von einer besseren Zukunft im Westen folgend, erleben sie dort häufig genau das Gegenteil: sie landen in Konzentrations-ähnlichen Lagern und erleben aufgrund des darauffolgenden Menschenhandels und Folterei ein Trauma nach dem anderen. Wer dann noch so glücklich ist, und dort weg kommt, kann sich immer noch nicht sicher sein, was ihn auf dem Meer und in Italien erwartet, und ob er überhaupt überlebt.

Aber all dies wird von Jung und Alt, Mann und Frau in Kauf genommen. Denn der durch Social Media und TV ausgelöste Magnet gen Westen ist stärker als die Angst ums eigene Leben. Man könnte sich denken, die hätten ja nichts zu verlieren! Doch manche verlassen hier sogar ihr eigenes Haus mit Garten, um ihrem Traum zu folgen.

Wie bekommen wir jetzt den Dreh zu unserem Interview? Einfach, indem wir jetzt mal unsere heutige Hauptdarstellerin zu Wort kommen lassen 🙂 Lasst euch mitnehmen in eine andere Welt!


1. Stelle dich bitte unsern Lesern einmal vor! Wie heißt du, wann bist du wohin ausgewandert, und warum?

Ich heiße Amina und bin 2012, aufgrund meiner kranken und altersschwachen Schwiegermutter, nach Libyen ausgewandert. Libyen liegt am Mittelmeer zwischen Tunesien und Ägypten. Es hat ca. 6 Mio. Einwohner und besteht zu großen Teilen aus Wüste. Sand ist in Libyen all gegenwärtig. 2011 herrschte in Libyen Bürgerkrieg und das Land leidet immer noch an den Nachwirkungen: Schmuggel, illegale Einwanderer, instabile Regierung und damit einhergehend ein dramatischer Anstieg von Kriminalität, vor allem in den Großstädten. Die Stadt, in der ich lebe, ist jedoch sehr ruhig und vor allem als Frau kann man hier gefahrlos leben, alhamduliLlah.

Libyen
Ein Überblick über die Stadt Misrata (3.größte Stadt Libyens), in der Amina lebt.

2. Bist du zufrieden dort? Und führst du ein selbst bestimmtes Leben?Wie sieht dein Leben dort aus?

Ich lebe mit meinem Mann, unseren Kindern und meiner Schwiegermutter am Stadtrand – umgeben von Familie und gut bekannter Nachbarschaft – und wir haben einen kleinen Garten alhamdulillah. So haben wir eigene Olivenbäume, Dattelpalmen und Hühner, was ein wirklich großes Geschenk von Allah ist, alhamdulillah. Wir machen dadurch nämlich selbst Dattelsirup, Olivenöl und haben eigene Eier. Was zur Zeit eine riesige finanzielle Entlastung ist.

Hier in der Umgebung ist noch alles relativ ländlich und Schaf-/Ziegen-/Hühner-/Kaninchen-/ und Taubenhaltung sind völlig die Norm. Wir konnten sogar schon Kamele vor der Haustür bestaunen.

Kamele vor der Haustür
Kamele vor der Haustür!

 

 

 

Ich selbst bin überwiegend Hausfrau, Mutter und Altenpflegerin (Schwiegermama), unterrichte und übersetze jedoch Deutsch auf Anfrage, was eine schöne Abwechslung zum Alltag ist. Die Gesellschaft in unserer Stadt ist noch sehr eng miteinander verwoben. Bei jedem Anlass wird sich besucht – zu allgemein bekannten Zeiten / überwiegend zwischen Asr und Maghrib [zw. Nachmittags- und Abendgebet; Anm.]- und das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. 

Ich muss gestehen, dass ich mich an spontanen Besuch noch immer nicht gewöhnt habe. Das ist auch tatsächlich das für mich schwierigste hier: Besuch, wenn man keinen erwartet. Khair inschaAllah, ich arbeite daran 😊

Libyen-Datteln sortieren. Hier trocknen sie nicht am Baum, da das Klima zu feucht ist.
Die heimischen Datteln sortieren: hier trocknen Datteln aufgrund des feuchten Klimas nicht an den Bäumen.

3.Libyen ist ja eher kein gewöhnliches Hijrah-Land. Kannst du es anderen Geschwistern als solches empfehlen?

Ob Libyen ein gutes Hijrah-Land ist? Wenn man mit einem Libyer verheiratet ist, auf jeden Fall. Weil man dadurch in die Gesellschaft integriert ist und aus islamischer Sicht sowieso ❤ Ehrlich. Ich bin begeistert. Die Männer gehen selbstverständlich zur Moschee und übernehmen auch selbstverständlich ihre Pflichten ernst: viele haben mehr als einen Job, haben einen Garten, fahren Frau und Kinder zur Schule, Arzt, Einkaufen und sonstigen Einladungen. Sie sind auch für den normalen Einkauf zuständig. Frauen auf dem Wochenmarkt oder in den kleinen Onkel Ahmed Läden oder Bäckereien oder Fleischereien? Sehr selten alhamdulillah. Und hier ist es auch selbstverständlich, dass der Mann das Familienoberhaupt ist. Wenn man also als Frau mal sagt, mein Mann will das nicht, dann ist das völlig akzeptiert. Für alle, ob Mann/ Frau oder Kind gibt es ein breites Angebot an Koranschulen und islamischen Weiterbildungen. Selbst alte Damen gehen zum Koranunterricht 😍 Das ist sooo schön.

libyen niqabDie Frauen tragen zwar nicht alle Niqab (Gesichtsschleier), aber maschaAllah, die ohne Niqab tragen Abaya und Kopftuch. Aufjedenfall werde ich hier mit Niqab sehr respektiert, alhamduliLlah. Muslimas tragen aus vielfältigen Gründen den Niqab. Entweder sie sind der Überzeugung es sei ihre Pflicht, oder es wäre religiös erwünscht oder weil es landesüblich ist. Hier in Libyen tragen die meisten Frauen den Gesichtsschleier, wenn sie Make-Up tragen (für private, ausschließlich Frauen zugängliche Veranstaltungen), da sie verhindern wollen, Blicke auf sich zu ziehen. Da ich mit meiner hellen Haut und dann vielleicht auch noch lachend definitiv Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde, ist der Niqab mein Schutz. Wenn ich meinen Mund halte, fällt niemandem auf, dass ich Ausländerin bin 😁 Die Männer hier haben auch noch Anstand. Da schaut dich keiner an ❤

4. Hast du schonmal etwas von den Unruhen im Land mitgekriegt und hast du nicht manchmal Angst, in einem Land voller Unruhen zu leben?

Wir leben Gott sei Dank 1.000 km weit weg von den Unruhen, der Bürgerkrieg in dem Sinne war schon vorbei, als wir 2012 hier ankamen. Seitdem ich in Libyen lebe, habe ich „nur“ zweimal etwas beängstigende Situationen erlebt: 1. Mitten in der Nacht schlug nur 200m entfernt von uns eine Handgranate ein. Das war sehr laut und natürlich ein Schock. 2. Aus dem Osten Libyens kam ein Flugzeug an und hat diese Stadt hier bombardiert. Durch das dadurch ausgelöste Gegenfeuer dachten wir einen Moment wirklich, das der Krieg wieder ausbrechen würde. Aber Gott sei Dank war dies nicht der Fall.

Ansonsten weiß ich zurzeit nur von Auseinandersetzungen in Benghazi. Aber ich selbst höre auch gar keine Libyschen Nachrichten 🙈 Ich möchte nichts von Krieg und Schmuggel etc. hören und bin daher sehr uninformiert.

Unsere Stadt Misrata ist aber eine wirklich ruhige Stadt, die versucht, alles in Ordnung zu bringen. Sie drängten hier zum Beispiel auch die ISIS in die Nachbarstadt zurück.

Misrata Shopping Mall

Misrata Shopping Mall1
Shopping Centers in Misrata: höchst modern.

5.Wie sieht es versicherungstechnisch aus? Und wie bekommt man dort ein Visum?

Es gibt Versicherungen, aber viele sind nicht versichert oder nur nur über ihren Arbeitgeber. Wir selbst sind es nicht.
Ein Visum bekommt man nur mit Arbeitserlaubnis oder zwecks Heirat, bzw. wenn man mit einem Libyer verheiratet ist.

6. Wie sind die Schulen dort? In was für eine Schule schickst du deine Kinder?

Die Schulen sind „arabisch schlecht“ 🙈 Aber immerhin, ab der 6. Klasse Geschlechter-getrennt. Wir werden unsere Kinder auf die nächstliegende Schule (300m entfernt) schicken, inschaAllah. Denn die Lehrerinnen sind aus der Nachbarschaft und Verwandschaft und die Kinder ebenso, d.h. man kennt sich. Und vor bzw. nach der Schule haben die Kinder die Möglichkeit Koran und Islam zu lernen.

7. Kannst du dort deine Religion frei ausleben? Oder giltst du als Extremist? In welche Richtung geht der Trend- dass sie zum Deen (Religion) finden oder sich eher westlichen Vorbildern zuwenden werden?

Ja, die Religion kann man hier definitiv frei ausleben. Manchmal hat man es jedoch nicht so leicht, z.b. wenn Kultur mit Religion im Konflikt stehen, wie bei Hochzeiten, welche nicht immer islamisch ablaufen. Denn man ist eigentlich gesellschaftlich dazu verpflichtet, zu hinzugehen und zu helfen.

Ob der Trend mehr zum Deen oder zur Dunya (Weltlichem) geht? Beides gleichzeitig!
Einerseits ist mehr Wissen über die Religion vorhanden und gesellschaftlich auch akzeptiert. Andererseits gibt es aber auch mehr Fitna und Inspiration zum Sündigen.

8.Wie ist die Gesellschaft dort, was macht sie aus? Fühlst du dich akzeptiert?

Die Gesellschaft ist wie gesagt, eng miteinander verbunden maschaAllah. Und das macht sich besonders bei Todesfällen bemerkbar. Alle, die mit dem Verstorbenen oder dessen Angehörigen bekannt sind, kommen zum Beileid aussprechen. Wohlbemerkt, nur zum Beileid aussprechen, nicht zum Essen. Das einzige was angeboten wird, sind Milch mit Datteln oder Tee mit Brot. Aber ich schweife ab 😅

Ich bin akzeptiert und voll integriert, musste mich aber sehr stark anpassen. Es ist halt leichter sich selbst zu verändern, als zu verlangen, dass sie sich ändern.

9. Was ist das, was dich am meißten dort beeindruckt, und womit kommst du immer noch nicht zurecht?

Am meisten beeindruckt mich die Gesellschaft und die Selbstverständlichkeit des Islams. Natürlich gibt es Streitpunkte, aber das ist ja normal.

Was ich noch toll finde: in Libyen tragen die Männer noch immer jeden Freitag, zu Eid und zu Hochzeiten traditionelle Kleidung. Ich find da sooo hübsch. Ich bin voll begeistert 😁

Libyen traditional clothes

Womit ich noch immer nicht zurecht kommen? Die Massen an Sand und Insekten 😣😅

Libyen-Wir leben zw.Mittelmeer und Wüste
Die Wüste im Landesinneren sowie der Strand am Meer machen den Sand zum treusten Gefährten!

10. Was würdest du deinen Geschwistern empfehlen, die auch auswandern wollen?

Offenheit für Veränderungen, auch und besonders an sich selbst. Man kann nicht einfach seinen gewohnten und erlernten deutschen Lebensstil eins zu eins übertragen. Das habe ich mit der Geburt meines ersten Kindes in Libyen erfahren müssen 😆 Man darf bei der Geburt niemanden dabei haben, aber nach Ankunft daheim ist nichts mit der deutsch empfohlenen Ruhe 😅

Wirklich, traut euch zur Hijrah. Schon allein der Kinder wegen. Dass sie ganz normal als Muslime aufwachsen, völlig integriert und akzeptiert, ist so wertvoll. Kinder sind eine Amanah [anvertrautes Gut, Anm.d.R.] von Allah und wir sollten es ihnen so leicht wie möglich machen als Muslime zu leben und den Islam zu lieben in den Zeiten der Fitna [Versuchung].

Libyen- Das Mittelmeer
Das Mittelmeer bei Misrata
Libyen-außerhalb der Stadt. Städtische Olivenplantagen
Olivenhaine am Stadtrand

Vielen Dank liebe Amina für dein hoch interessantes Interview! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und immer beschützen!!!

In dem heutigen Interview hat Amina etwas ganz Wichtiges angesprochen: die Anpassung. Mein Lieblingszitat von ihr ist, dass man in einem Arabischen Land seinen Deutschen Lebensstil nicht 1 zu 1 übernehmen kann. Wie Recht sie damit hat! Denn wenn man stets von der Deutschen Höflichkeit bzw.Zurückhaltung, Deutscher Gründlichkeit etc. träumt, wird man woanders einfach nie glücklich!

Man kann nur das Beste hoffen für dieses Land und seine Leute. Möge es wieder komplett zur Ruhe kommen und mögen seine Bewohner wieder vereint werden!

Wie immer seid ihr herzlich Willkommen, dises Interview zu teilen, kommentieren, und liken. Wenn der Umzug dieser Seite richtig geklappt hat (auf eine andere Domain), sollte Letzteres auch möglich sein, ohne sich bei WordPress anmelden zu müssen.

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

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5.Interview: Willkommen in Marokko, dem Land der Genüsse!

As salaamu alaikum liebe Leser/innen,

Im heutigen Interview geht die Reise in eins der sehr schönen Länder, das auch für Touristen sehr begehrt ist aufgrund seiner vielseitigen Genüsse: Marokko!

MarokkoKarte

Bekannt für seine wunderschönen Märkte mit aromatischen Gewürzen und einer Überfülle an frischem Gemüse, der schönen Natur und Architektut, ist es wohl eins der beliebtesten Länder Afrikas´ für Touristen aus aller Welt.

Ich sage immer, nach Marokko ist es ein leichtes, auszuwandern! Aufgrund den  kulinarischen und landschaftlichen Verlockungen, die es dort gibt. Und auch die Menschen sind sehr freundlich und recht offen. Zudem sind die Flugpreise extrem günstig im Vergleich zu denen nach Somalia!

Aber natürlich hat jede Auswanderung („Hijrah) ihre Erschwernis. Es ist nie einfach, aber es lohnt sich!

Unsere heutige Interview-Partnerin hat es nun also dorthin „verschlagen“: Abida Umm Hamza- die deutsche Muslima, die ihren neuen Landsgenossen Deutsch beibringt!

Frage 1:Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Marokko, genauer gesagt, nach Kenitra (Westmarokko) im August 2016.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da mein Mann Marokkaner ist, war es naheliegend, dass wir seine Heimat aussuchen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Wir wollten in Ruhe unsere Religion ausleben, ohne sich ständig erklären zu müssen. Dies wird einem in Deutschland recht schwer gemacht, hinsichtlich Hijab, die rechtzeitige Gebetsverrichtung (gerade, wenn man berufstätig ist), Kindererziehung nach dem Islam, da der Einfluss der westlichen Wertegesellschaft doch recht groß ist.

Zudem bekam mein Mann ein gutes Jobangebot in Marokko, was natürlich auch wichtig ist, wenn man auswandern möchte. Eine gewisse „finanzielle Stabilität“ sprich fester Arbeitsplatz ist natürlich ideal, alhamduliLlah.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nicht wirklich…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdulillah, ich habe Arabisch und Französisch studiert und das sind die beiden Sprachen, die auch hier in Marokko gesprochen werden. Daher klappt es recht gut, auch wenn ich jetzt Marokkanisch (Dialekt) besser verstehe als reden kann. Ich kenne aber auch einige deutsche Schwestern hier (es gibt nämlich eine recht große deutsche Community, mashaAllah!), die wenig bis überhaupt kein Französisch und auch nur wenig Arabisch bzw. Marokkanisch sprechen und das Leben funktioniert auch, alhamdulillah.

Fehlende Sprachkenntnisse sollten also kein Hinderungsgrund für´s Auswandern    sein 😉

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Eltern wussten eigentlich schon länger, dass wir mit dem Gedanken spielen, eines Tages nach Marokko auszuwandern. Trotzdem war der Schock doch etwas groß, als wir es ihnen eines Tages mitteilten. Ich muss dazu sagen, dass mein einziger Bruder auch im Ausland lebt. So fiel es ihnen dann schwer, auch ihre Tochter im Ausland zu wissen, auch dass man sich nicht mehr so regelmäßig besuchen kann.

Trotzdem haben sie uns verstanden in unseren Wünschen, in einem islamischen Land leben zu wollen.

Marokko4
Wunderschönes Meer in Kenitra

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Wer nach Marokko reist, erhält ein 3-monatiges Touristenvisum. Danach ist es ratsam, sich um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kümmern (ist mit etwas Bürokratie verbunden, aber im Allgemeinen erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung „carte de séjour“ für 1 Jahr)

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sich vor 4 Monaten mit einem Deutsch-Institut selbstständig gemacht, selber arbeite ich auch dort und gebe Kommunikationskurse.

Die FB-Seite von dem Institut findet ihr hier:

https://m.facebook.com/Schillerhaus-192342891339835/

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ich lebe sehr gerne hier, alhamduliLlah, daher könnte ich mir das durchaus vorstellen, in shaa Allah.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

9, 6, 4 und 2 Jahre.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Privatschule, dort werden sie zu gleichen Teilen in arabischer und französischer Sprache unterrichtet. (Dort sind die Klassen kleiner, in unserem Fall sogar nur max. 10 Schüler pro Klasse und das Unterrichtsklima besser als in den öffentlichen Schulen mit zum Teil über 40 Schülern)

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich könnte von mehr als nur einem guten Erlebnis berichten: der Adhan ist mashaAllah immer um uns herum und bestimmt den Alltag, alhamduliLlah. Auch den Monat Ramadan sowie die beiden großen Feste im Islam werden hier viel intensiver gefeiert.

Es macht eben schon einen Unterschied, ob ein ganzes Land fastet (also die Mehrheit) oder nur einzelne wie in Europa.

Marokko
Größte Moschee in Kenitra

Mit Kindern wird hier viel herzlicher umgegangen, das habe ich in Deutschland nicht oft gehabt, wenn ich mit meinen 4 Kindern in der Stadt unterwegs war. Auch als Ausländerin wird man hier sehr herzlich und stets freundlich empfangen und behandelt. Das erlebt man in Deutschland auch eher selten.

Das Leben wird hier nicht von Hektik und Stress bestimmt, es herrscht eine leichte Tendenz zum laissez-faire 😉

Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Schlimme Erlebnisse hatte ich hier alhamduliLlah keine, der Straßenverkehr hier hat es in sich.

Als Fußgänger hier steht man in der Verkehrshierarchie ganz unten.

Fußgängerampeln gibt es keine, Zebrastreifen stellen lediglich eine Art Deko dar, werden aber nicht beachtet. Laufrad- bzw. Fahrradfahren mit kleineren Kindern ist hier ungeeignet.

Auch der ignorante Umgang mit Müll stört mich nach wie vor (kleinerer Müll wird sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen einfach auf die Straße geworfen) aber in shaa Allah ändert sich auch hier das Umweltbewußtsein.

Man darf nicht zu viel verlangen, das Umdenken braucht seine Zeit. Das perfekte Land gibt es nunmal nicht.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Den perfekten Plan für die Hijrah gibt es wohl nicht, man sollte den „Sprung ins kalte Wasser“ wagen und bezüglich schulpflichtiger Kinder ist es ratsam die Hijrah nicht hinauszuzögern, da es in Marokko keine deutsche Schule gibt und man sonst eventuell sehr viel mehr aufholen muss. Und bekanntermaßen ist es für Kinder einfacher, je jünger sie sind.

Leichter macht es eine Hijrah natürlich auch, wenn man eine feste Arbeit hat, da es natürlich auch hier viele Ausgaben gibt. (Miete, Schulgeld, Essen etc.). Aber Vertrauen auf Allah ist wie bei allen Dingen im Leben unerlässlich!

Vielen Dank!

 

Ich bedanke mich auch recht herzlich bei dir, liebe Abida! Möge Allah mit dir und deiner Familie zufrieden sein und euch ein gesegnetes Leben schenken!

Liebe Leser, vielleicht ist euch auch schon eine Gemeinsamkeit aller bisherigen Hijrah-Berichte aufgefallen. Aber jetzt noch nicht die Zeit gekommen, ein Resümée zu ziehen. Erstmal wollen wir noch einige weitere Länder mitsamt persönlicher Geschichten gemeinsam entdecken!

Bis dahin (in shaa Allah),

Eure Khalisa