Casey´s Teil 2: Starke Worte

As salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute geht es endlich weiter mit dem 2.Teil meines Interviews mit der beeindruckenden Casey. Dieses mal erfahrt ihr einiges über die Lage der Somalis in Deutschland, über ihre Integration oder auch Probleme bei derselben.

Aber auch die Frage, ob es überhaupt noch Grund zur Flucht aus Somalia gibt, klärt die liebe Casey mit wunderbarer Klarheit und zeigt, dass sie enorm viel über Somalia und seine Leute weiß, maa shaa Allah.

Zu guter Letzt hat sie noch ein paar wichtige Tipps für Somalis, Germalis (Deutsch-Somalis), aber auch für die Deutsche Bevölkerung bezüglich der Zunwanderer parat.

Ich freue mich unheimlich über diese 2.Runde, die mir perönlich sehr am Herzen liegt. Denn sie spiegelt die Realität sehr gut wieder und beinhaltet wertvolle Ratschläge für alle Seiten. Also gut, fangen wir´s an!
Weiter geht´s mit der 7. Frage:

Liebe Casey, kannst du die Somalischen Leute, welche nach DL geflüchtet sind, verstehen? Findest du es gerechtfertigt, dass Somali´s aus Puntland und Somaliland nicht mehr aufgenommen werden? (Wie es im derzeitigen Beschluss der Flüchtlingspolitik heißt)

Auf jeden Fall! Somalia ist immer noch kein sicheres Land. Die Somalis sind sowas von kriegsmüde, und die junge Generation ist wirklich engagiert, das zu ändern. Aber die alten Strukturen sitzen noch tief. Wenn du zum falschen Clan gehörst, ist dein Leben nicht sicher. Das zeigte auch das jüngste Verbrechen, der bestialische Mord und die Vergewaltigung der 12jährigen Aisha.

Staat und Polizei funktionieren nicht so, wie sie sollten, um die Bevölkerung vor sowas zu schützen. Davon sind auch Puntland und Somaliland nicht ausgenommen. Gerade in Somaliland bist du nichts, wenn du nicht zum regierenden Clan gehörst. Kritiker daran werden verhaftet, wie die prominenten Beispiele Nacimo Abwan Qorane und Abdimalik Muse Coldoon. Und das ist nur, was ich mit meinen beschränkten Somalisch-Kenntnissen mitgekriegt habe. Außerdem baut sich im Norden von Puntland gerade wieder die Terrormiliz Al Shabaab auf.

Also, sicher ist etwas anderes. Aber Herr Seehofer lässt ja auch nach Afghanistan abschieben, weil es da so sicher sein soll… Das sehe ich leider als Folge von der ganzen rechten Hetze gegen Flüchtlinge – unsere Regierung macht den Rechten den Hof, und heraus kommt Unrecht.

8. Was müsste deiner Meinung nach passieren, dass Somali´s nicht mehr aus ihrem Land fliehen wollen?

Wirtschaftswachstum und Korruptionsbekämpfung. Arbeitsplätze. Infrastruktur. Genau aufpassen, welche ausländischen Investoren man hereinlässt. Aber das machen die Somalis, finde ich, sehr gut. Und es ist auch ein sehr starkes politisches Bewusstsein vorhanden. Nicht so, wie bei uns, wo die meisten Leute keine Ahnung haben, was in der Politik und Wirtschaft alles geschieht.

Somalia ist halt ein kleines Land, eingezwängt zwischen Giganten wie USA, Europa, den Saudis, den Golfstaaten, China, usw., die alle nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Und ein starkes Somalia gehört nicht dazu. Da kann der Einzelne nicht viel tun.

Aber eines kann man tun, und zwar die Somalis hier in Europa! Ihr könntet mehr dokumentieren, wie die Realität in Deutschland aussieht! Und zwar nicht nur die strahlenden Tage mit Hochzeiten, Ausflügen und den neuesten Klamotten.


Nein! Ihr sollt auch berichten, wie es ist, nach drei Jahren immer noch in einem Container zu wohnen und von Hartz IV zu leben. Weil es hier nicht genug Wohnungen gibt. Weil man nur Duldung hat und Residenzpflicht. Weil man irgendeinen Termin am Jobcenter verpennt hat, weil man die Bürokratie nicht versteht. Vom Bruder, der so depressiv ist, dass er nicht mehr aus seinem Bett kommt… solche Sachen!!

Somali´s auf dem Weg zum Bürgermeister, nachdem man ihnen eine völlig unangemessene Unterbringung zur Verfügung stellte (2016 aus dem schwarzwaelder-bote.de)

Es gibt in Deutschland nämlich Obdachlose und das gar nicht so wenige… Etwas, was mir kein Afrikaner glauben wollte, der es nicht selbst gesehen hat! Berichtet auch von der AfD und den Nazis.Vom Alleinsein.Von Libyen und den schrecklichen Dingen in der Sahara.Von den Schlauchbooten auf dem Mittelmeer.

Macht den Mund auf und zeigt es euren Landsleuten! In Yurub fällt das Geld nicht vom Himmel!

9. Sind Somalis´ deinem Eindruck nach gut in DL integriert (allgemein betrachtet), oder gibt es Probleme mit Rassissmus, o.ä.?

Das ist eine Frage, die ich bis jetzt fast jedem Somali, den ich hier in Deutschland kenne, gestellt habe. Ich gebe mal eine Antwort wieder, die ich so oder so ähnlich ziemlich oft gehört habe:

„Ich selbst bin noch nicht rassistisch beleidigt worden oder angegriffen worden. Ich weiß aber, dass es so etwas gibt. Aber wir haben eigentlich überhaupt keinen Kontakt zu Deutschen. Sie sind so verschlossen und schotten sich ab. Darum weiß ich auch gar nicht, wie die Deutschen sind oder wie sie leben. Auch um richtig Deutsch zu lernen, ist das sehr hinderlich.Wir Somalis leben eigentlich unter uns, oder mit anderen Ausländern, Marokkanern, Nigerianern, Syrern.

„Ich hätte gerne Kontakt zu Deutschen, aber ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Ich habe das Gefühl, sie haben Angst vor uns.“

„Einmal dachte ich mir so, das ist doch etwas, was sie aus den Medien gelernt haben. Aber Kinder sind doch noch natürlich, und so kam ich auf die Idee, auf einen Spielplatz zu gehen und dort einfach mit welchen zu sprechen. Aber die Kinder hatten Angst und fingen an zu schreien und rannten weg. Ich bin doch kein Monster! Also, das tat sehr weh. Ich weiß echt nicht, was ich machen soll.“

Natürlich gibt es auch Somalis, die sehr gut integriert sind und viel Kontakt zu Deutschen haben. Meistens die mit höherer Bildung, aber auch Leute, die einfach das Glück hatten, auf nette Leute oder gute Umstände zu treffen.Von denen, die ich kenne, machen diese vielleicht ein Drittel aus. Die anderen leben so ähnlich wie der erste Teil.

10. Würdest du gerne einmal nach Somalia reisen? Wenn ja, an welchen Ort?

Sehr gerne! Ich hoffe, dass sich bald die politische Lage in Somalia so weit normalisiert hat, dass ich diese Reise wagen kann, inshaa Allah.

Am meisten zieht es mich nach Mogadischu, es ist eine wunderschöne Stadt, und da ist mein Meer!

Aber ich möchte eigentlich das ganze Land bereisen, es ist so vielseitig. Und insbesondere auch die Schauplätze meiner Geschichten und Träume, wie Garowe oder Gaalkacyo. Da brenne ich vor Neugier zu sehen, ob es wirklich so ist!

Meine Rente in Deutschland wird wohl so mickrig ausfallen, dass man hier nicht von leben kann. In Afrika kann man das aber, bescheiden, aber so viel brauch ich gar nicht.

Ich brauch Sonne, Meer und freundliche Leute um mich, mehr Dunya ist doch gar nicht nötig. Und ab und zu mal nach Deutschland fliegen und meine Familie besuchen. Bis dahin sind es noch ein paar Jahre und ich hoffe, Somalia ist dann so weit. Inshaallah.

11. Welchen Rat hast du a) für Somali´s in DL, b) Somali´s in Somalia und c) für die Deutschen gegenüber Somali´s?

Somalis in Deutschland, kennt eure Rechte! Vom Jobcenter erfahrt ihr die nicht, vom Chef gleich dreimal nicht! Es gibt Mindestlohn und Arbeitsschutzgesetze. Lasst euch nicht übers Ohr hauen und lest auch das Kleingedruckte und die AGBs.

Somalis in Somalia, lernt aus den Fehlern der anderen! Wirtschaftswachstum ist gut und notwendig, aber achtet auf eure Umwelt! Sonst sieht es in euren Städten auch bald so aus wie in Kolkota, Xingtai oder Onitsha in Nigeria. Macht euch nicht abhängig vom Öl und verbietet Plastiktüten!

Und ihr Deutschen: Somalis beißen nicht, sind auch keine Piraten oder Terroristen! Schenkt ihnen ein Lächeln und vielleicht auch mal ein nettes Gespräch. Wenn ihr sie nur in größeren Gruppen seht, dann machen die das nicht, um euch zu erschrecken, sondern weil sie sonst niemanden kennen! Du weißt nicht, wie du es machen sollst? Kick ihnen im Park vielleicht einfach mal den Fußball zu…

Vielen Dank und Baarakallahu feeki dafür, dass du uns Einblick in dein (Innen-) Leben und deine Ansichten gegeben hast. Vielen Dank für all´deine weisen, starken Worte!

Möge Allah dich reichlich belohnen und dir deine Träume in Erfüllung gehen lassen!

😍

Ich weiß nicht, wie es Euch beim Lesen erging, liebe Leser, aber ich fande dieses Interview sehr aufschlussreich und bewegend!

Bewegend finde ich auch, dass sich eine Deutsche Frau so sehr mit Somalia und seinen Leuten auseinander setzt, ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht und sogar ihre Sprache versucht zu lernen.

Gerne dürft Ihr Eure Eindrücke mitteilen und den Artikel so viel wie möglich verbreiten. Dann tut auch Ihr etwas zur Völkerverständigung zwischen Somalis und Deutschen bei, in shaa Allah 🙂

In diesem Sinne, Eure Khalisa

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13.Interview: Geballte Frauenpower in Ägypten

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute gibt es wieder ein außergewöhnliches Interview für euch, und zwar aus Ägypten. Jede Geschichte ist anders, deswegen lohnt es sich, mehr als nur eine Geschichte pro Hijrah-Land anzuschauen [Hijrah bedeutet Auswanderung]. Diesmal gibt es auch beinahe komplett neue Fragen, die sich u.a. auch auf den aktuellen Monat Ramadan beziehen.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Unsere heutige Protagonistin heißt Halima, sie ist deutsche Muslima und hat eine faszinierende Geschichte hinter sich: Nur eine Woche nach ihrem Ägypten-Urlaub entschloss sie sich, in Deutschland die Zelte abzubrechen, um als eine von vielen Muslima´s in Ägypten ihre neue Freiheit zu genießen. Sie gründete dort eine neue Familie, während sie ihre alte hinter sich lassen musste. Und aufgrund eines tragischen Zwischenfalls, machte sie aus der Not eine Tugend und startete ihre Karriere als Deutschlehrerin. Karriere deshalb, weil sie nicht bloß einfache Lehrerin wurde, sondern ganz verschiedene führende Positionen einnahm:

  • DaF- Deutschlehrerin für Kinder und Erwachsene,
  • Leiterin der Kinderabteilung,
  • Eventplanung und internationale Kommunikation,
  • private Sprachkurse,
  • Kursentwicklung und Initiation neuer Kursprogramme,
  • Leitung von Sprachförderungskursen und
  • Betreuerin von Lehrern in Ausbildung.

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Halima mit ihren erwachsenen Studenten

Darüber sagt sie selbst:

Ich liebe meinen Job sehr elhamdulillah, bin gerne Lehrerin. Früher hätte ich nie gedacht, mal Lehrerin zu werden, war damals nach meiner Ausbildung in allen möglichen Jobs, nur um nicht als Pädagogin arbeiten zu müssen, lol. Hab das damals nur meiner Mutter zu Liebe gelernt. Heute ist es mein Traumjob. Ich denke aber auch, dass das sehr daran liegt, dass Lehrer-sein hier in Ägypten ein sehr geschätzter und reservierter Beruf ist.

Das sie eine Powerfrau ist, sieht man auch an den Bildern, die sie mir zur Verfügung stellte: die Mehrzahl an Bildern zeigen sie entweder mit ihren geliebten Schülern, oder ihre Kinder, denen sie eine kreative Beschäftigung gibt. Diese Frau gönnt sich kaum eine Pause!

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Homeschooling mit ihren Kindern

Nun lasst euch also mitnehmen in eine andere Welt, die Welt von Halima!


1. Wohin und wann hast du die Hijrah vollzogen?

Ich bin 2010 Hals über Kopf nach Ägypten ausgewandert. Ich war zuvor 2 Wochen auf Urlaub hier und als ich wieder in Deutschland war, habe ich mich gefühlt, als würde ich nicht mehr dort hin gehören.

1 Woche später war ich wieder in Ägypten und bin bis heute nicht wieder in Deutschland gewesen.

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Damals noch mit Niqab

2. Hattet ihr euch lange darauf vorbereitet?

Nein, vorbereitet habe ich mich gar nicht wirklich.

Ich hatte einfach das Gefühl, khalas [fertig, arab.] – wenn du jetzt nicht gehst, wirst du nie als freie Muslimin leben!

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3. Wie alt waren deine Kinder und in was für eine Bildungsinstitution gehen sie?

Mein ältester Sohn aus erster Ehe war damals 4 und sollte eigentlich nach kommen. Leider kam es nie dazu und er lebt bei seinem Vater in Deutschland, ich hatte leider bis heute noch keine Möglichkeit, ihn wieder zu sehen,- eine lange Geschichte. Wir haben aber Kontakt elhamdulillah. Meine anderen Kinder habe ich hier in Ägypten bekommen. Mit meinem heutigen Mann habe ich elhamdulillah 3 Kinder (fast 7, fast 4 und 1,5 Jahre alt), eigentlich hätten wir 6, aber 3 sind verstorben. Khair in sha Allah…

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Halima mit ihren Kindern

Hier gehen die beiden Kleinen in einen Kindergarten, in dem sie ma sha Allah Englisch, Arabisch, Koran etc. lernen. Der Ältere geht sporadisch zur Schule. Er geht nur, wenn er Lust hat. Wir unterrichten unsere Kinder elhamdulillah hauptsächlich zu Hause. Zur Schule und Kita gehen sie nur wegen der Schulpflicht. Ansonsten nehme ich sie manchmal mit zur Arbeit.

4. Wie habt ihr die Eingewöhnungsphase überstanden?

Elhamdulillah sehr gut. Ägypten ist ein Land, in dem es noch Menschen gibt, die dich nicht aufgrund der Herkunft oder Religion in eine Schublade stecken.

Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit und freundlich. Mein Mann hat mir ma sha Allah auch viel geholfen.

5. Kannst du dich dort verständigen, hattest du sprachliche Vorkenntnisse?

Ich spreche elhamdulillah fließend englisch, was mir am Anfang sehr half. Mein Mann und ich sprechen bis heute Englisch miteinander, er spricht kein deutsch. Wir sprechen immer noch Englisch, obwohl ich mittlerweile fast fließend Arabisch spreche, wir haben uns einfach daran gewöhnt.

6. Bist du dort gut integriert?

Elhamdulillah, ja.
Ich arbeite extrem viel, seid mein Mann arbeitsunfähig ist. Meist um die 12- 16 Stunden täglich. Ich bin Deutschlehrerin und arbeite zudem in einer leitenden Position in einem ägyptisch- deutschen Kulturzentrum. Zusätzlich gebe ich private Unterrichte. Ich habe hier elhamdulillah allein schon durch meine Arbeit sehr viele Kontakte und gute Freunde.

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7. Was magst du besonders an Ägypten?

Besonders an Ägypten gefällt mir die Geräuschkulisse.

5 Mal täglich den Adhan zu hören, ist ein Geschenk Allahs. Als ich ihn das erste Mal hören dürfte, hat es mich so sehr berührt, das mir die Tränen kamen.Ich bin schon viele Jahre vor meiner Auswanderung konvertiert, hatte aber in Deutschland nie die Chance, den Adhan zu hören.

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Außerdem finde ich es total beeindruckend, dass Ägypter in der erstaunlichen Lage sind, wirklich alles zu reparieren. Egal was es ist, die kriegen echt alles wieder zum Laufen und das mit Methoden- ma sha Allah, da würden wir Deutschen im Leben nicht drauf kommen!

8. Was magst du nicht besonders?

Zum Thema Negatives ist hier vor allem ein riesiges Manko an Bildung und medizinischer Versorgung vorhanden. Die meisten Ägypter leben am Existenzminimum, die Schere zwischen arm und reich wird durch die steigende Inflation immer größer und das rasend schnell. Zudem sind die wenigsten hier krankenversichert, sodass ein Arztbesuch schnell richtig teuer werden kann. Damals, als meine Zwillingsmädchen nach dem Kaiserschnitt in Inkubatoren mussten, hat uns das in den wenigen Tagen ihres kurzen Lebens mehrere zehntausend Pfund gekostet. Zudem mussten wir enorme Anstrengungen aufbringen, um an Medikamente und Blutkonserven für sie zu kommen.

Hätten damals nicht deutsche Freunde finanziell geholfen, wären sie wahrscheinlich schon viel früher gestorben, Allahu 3lm [Allah weiß am besten].

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Zudem kosten Schulen hier extrem viel Geld und je nachdem wie viel man sich leisten kann, hängt es eben davon ab, welche Qualität man in der Schule geboten bekommt. Deutsche und amerikanische Schulen kosten mehrerer zehntausend Pfund im Jahr, was wir uns definitiv nicht leisten können, trotz meines vergleichsweise guten Gehalts. Die Schule, auf die mein Sohn geht, kostet uns etwa 2000 Pfund im Jahr, die Kita den selben Betrag monatlich. Die Kita ist ma sha Allah für eine ägyptische sehr gut und sauber und die Lehrer, auch wenn sie nicht ausgebildet sind, geben sich die allergrößte Mühe. In der Schule meines Sohnes ist das anders.

In staatlichen Schulen sind die Klassen oft um die 40 bis sogar 60 Kinder stark mit nur einer Lehrerin, die oft nichts vom Lehren versteht. Auch sind viele ägyptische Lehrer sehr streng und Züchtigung gehört vereinzelt noch zum Lehrplan.

Es gibt hier eine gemeinnützige Organisation, in der auch eine liebe Kollegin und Freundin aktiv ist, die versucht durch Aufklärung und Seminare, die ägyptischen Lehrer zu trainieren und ihnen andere Methoden beizubringen. Leider hat sich durch Traditionen und westliche Einflüsse das Weltbild an den Schulen hier teilweise verändert. Khair in sha Allah, einer der Gründe warum wir unsere Kids überwiegend zu Hause unterrichten. Elhamdulillah wird aber in allen Schulen Koran unterrichtet, sogar in den deutschen, außer den Christlichen Schulen natürlich.

Was ich außerdem schade finde ist, dass es leider aufgrund der steigenden Armut hier immer mal wieder vorkommen kann, dass jemand versucht einen übers Ohr zu hauen. Mein schlimmstes Erlebnis hier war zur Zeit des Militär-putsches. Damals trug ich noch Niqab, heute „nur noch“ Hijab. Damals waren meine Kleinen noch nicht geboren. Nur mein Sohn, der hier der Älteste ist. Ich wurde damals von einem älteren Herrn auf der Straße belästigt und beleidigt, er ging sogar mit seinen Schuhen auf mich los.

Damals hatten manche Ägypter Angst vor Ausländern und glaubten, dass Ausländer den Terrorismus unterstützen würden, Da trotz Niqab nicht zu verbergen war, dass ich Ausländerin bin, da mein Sohn schon damals sehr gut deutsch sprach und mich somit immer wieder „verriet“, wurde ich leider Opfer dieses Herrn.

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Elhamdulillah ist es glimpflich angegangen.

9. Fürst du dort ein selbstbestimmtes Leben? Was bedeutet das für dich?

Elhamdulillah mittlerweile haben wir es etwas besser, wenn es auch schwer ist. Uns geht es aber bei weitem besser, als vielen anderen. Ich finanziere unser komplettes Leben, während mein Mann sich um unsere Wohnung und die Kids kümmert, wenn ich arbeite. Nach der Arbeit und an freien Tagen übernehme dann ich.

10. Wie sieht der Ramadan in Egypten aus? Was macht ihn speziell? Tust du in der Zeit arbeiten? Sind die Schulen geöffnet? Erzähl mal ein bisschen!

Ich mag den Ramadan hier sehr. Wir besuchen Familie und Freunde, gehen extra viel in die Moschee etc.

Ich liebe diese Zeit, in der alle versuchen, Allah so nah wie möglich zu kommen und jeder versucht, sein bestes zu tun. Ich arbeite auch in dieser Zeit, aber elhamdulillah meist etwas später, sodass man sich mehr auf seinen Deen [Religion] konzentrieren kann.

Die Schulen sind in diesem Monat geschlossen. So oder so sind die Sommerferien hier sehr lang. In der Schule meines Sohnes zum Beispiel bis zu 4 Monate lang (Er geht auf eine ägyptische Volksschule, wenn auch nur sporadisch, wegen dem Nachweis). Die Kitas arbeiten normal, schließen aber meist früher, damit alle pünktlich zum Iftar zu Hause sind.

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Eine der zahlreichen dekorierten Nebenstraßen Kairo´s

11. Würdest du dort gerne alt werden?

Ich hoffe, dass ich hier meine Augen an meinem letzten Tag in dieser Dunja schließen darf in sha Allah. Ich möchte zwischen Muslimen sein, wenn ich sterbe in sha Allah.

12. Kannst du Ägypten als Auswanderungsland empfehlen? Wenn ja, wieso?

Ja, definitiv. Das Leben hier ist zwar für einige sehr hart, wie für uns auch, dennoch gibt es nicht besseres, als sich in der Ummah zu wissen.

Zu wissen, dass deine Kinder den Islam von Anfang an lernen, sie zu hören, wenn sie nebenan in der Moschee den Koran rezitieren, ma sha Allah. Als motivierte Muslimin in Deutschland hatte ich es oft sehr schwer, hier fragt dich niemand danach, ob und warum du Muslimin bist. Hier akzeptiert man die Menschen, wie sie sind elhamdulillah.

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13. Welchen Ratschlag hast du für diejenigen, die auch vom Auswandern träumen?

Traut euch. Denkt nicht all zu lange darüber nach. Allah versorgt einen, egal wo man ist elhamdulillah. Wenn man auf Allah vertraut, wovor soll man dann Angst haben?

Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens, auch wenn sie sehr schnell kam. Ich bereue es keine Sekunde elhamdulillah

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Vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Interview-Teilnahme, liebe Halima. Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen für all eure Bemühungen auf Seinem Weg, und möge Er euch eure Situation immens erleichtern!

Liebe Leser/innen, ich denke, ihr seid genauso beeindruckt wie ich von dieser Geschichte. Vor allem zu sehen, wie diese Familie trotz eines Schicksalsschlags zusammen hält und „mal eben so“ die Rollen tauscht (Frau arbeitet, Mann kümmert sich um Kinder), ist wirklich beispielhaft und verdient größten Respekt! Ich hoffe, dass es viele zum Nachdenken anregt. Denn wenn eine Frau sogar ihre Familie im Ausland ernähren kann- wieso dann nicht auch andere?

Allen Muslimen wünsche ich noch einen gesegneten Ramadan, und allen anderen ebenso eine schöne Zeit. Likes, Kommentare, etc. herzlich Willkommen 🙂

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

7.Interview: Algerien² – Chwija bi chwija (Step by Step)!

As salaamu alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh liebe Leser/innen,

Das heutige Interview führt uns ein zweites mal ins wunderschöne Algerien. Denn es gibt eine Menge deutsche Schwestern dort, und jede Auswanderung ist nochmal ganz individuell.

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Jardin d´Essai- Großer Stadtpark in Algier

 

Unsere heutige Protagonistin heißt UmmIlyas („Mutter von Ilyas“) und hat sich von ihren Eltern losgelöst, obwohl sie deren einzige Tochter ist. Das ist bestimmt für niemanden leicht gewesen- weder für ihre Eltern, noch für sie! Jedoch muss man eben bereit sein, etwas aufzugeben, wenn man auswandern will.

 

Das Schöne in diesem Fall ist. dass sie und ihre Eltern sich jedes Jahr gegenseitig besuchen! Ich finde das sehr vorblidlich und bewundernswert. Das zeigt eine Menge Toleranz von Seiten der Eltern.

Allerdings kann man auch sagen: Wer sein Kind wirklich liebt, kennt keine Grenzen! Der wird sein Kind lieben, egal ob es Hindi, Christ oder Muslim geworden ist!

Gott sei Dank habe ich ebenso solche Eltern, die sich nach Somalia getraut haben. Ich dachte allerdings, dies sei ein Einzelfall 🙂

Die Überschrift hat sich UmmIlyas wohl so ausgesucht, weil sie diese andere Mentalität mit  mehr Gelassenheit schätzen gelernt hat. Und wohl auch, weil es eine gewisse Zeit braucht, bis man sich in einem fremden Land an alles gewöhnt hat- eben Step by Step!

Nun möchte ich euch die Geschichte von UmmIlyas aber nicht länger vorenthalten. Los geht´s also mit dem 7.Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Wir sind nach Algerien ausgewandert, in einen Vorort von Algier.

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Die Straße von UmmIlyas

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier. Deswegen lag es auf der Hand, in dieses Land aus zu wandern.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Die Atmosphäre in Deutschland hat sich meiner Meinung nach verschärft. Nach Sarazzin, AfD und Co. ist es nicht mehr so wie früher. Allerdings war es vorher auch schon nicht immer leicht. Abgesehen davon war ich es leid, mich andauernd zu rechtfertigen, zu verteidigen, zu erklären. Ich wollte meine Kinder auch davor schützen, immer das Gefühl zu haben „anders“ zu sein (im negativen Sinne).

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten uns ein kleines Polster angespart…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja…ich bin einigermaßen klar gekommen. Mein Algerisch war/ist `so lala´. Aber ich kann alleine einkaufen, Auto fahren und Co. Dafür reicht es aus!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Sie haben es befürchtet und waren sehr traurig. Da ich ihre einzige Tochter bin, ist es nochmal härter. Aber sie kommen jedes Jahr zu Besuch im Frühling. Und in den Sommerferien sind wir oft in Deutschland…von daher geht es… Aber sie hätten uns lieber bei sich in der Nähe…!

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Madame L´Afrique- Kirche im Herzen Algiers

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, für Algerien braucht man ein Visum. Aber mittlerweile habe ich mein Zwei-Jahres Visum…was in sha Allah bald auf zehn Jahre aufgestockt wird.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann arbeitet über Deutschland…hat also einen deutschen Arbeitgeber…ist aber weltweilt aktiv.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, das kann ich mir vorstellen….der Gedanke ist zwar noch etwas seltsam…aber ja!

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Garten von UmmIlyas

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war 10, mein Sohn 7 und meine Kleine grade ein Jahr…

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment besuchen die Großen noch eine Privatschule…aber nächstes Schuljahr wechseln sie auf eine staatliche Schule…Meine Kleine geht in einen Kindergarten, auch privat… Aber das auch nur, weil er direkt in unserer Straße liegt.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ganz allgemein die Atmosphäre… Freundlichkeit, die Leute hier sind einfach lockerer. Es ist nicht so verkrampft.

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Moschee in einer der Nebenstraßen bei UmmIlyas

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dass mein Sohn in der Schule von der Lehrerin geschlagen wurde…und sie keine Einsicht zeigte, nachdem wir mit ihr gesprochen hatten…

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Mein Tipp: Man sollte nicht erwarten, nur weil man in ein „islamisches“ Land auswandert, jetzt alles super islamisch ist. Weder die Menschen, noch die Gesetzgebung hält sich unbedingt an den Islam. Es gibt auch hier Alkohol, Drogen, Gewalt, Kriminalität und Prostitution!

Und man darf nicht nachlassen, seine Religion weiter zu studieren und zu lernen! Es ist trügerisch zu denken..“ach ich lebe ja in einem islamischen Land, das reicht!“ (der Gedanke kann sich einschleichen!) Man muss weiter lernen und seine Religion kennen. Denn es schleichen sich gerne Traditionen ein, die nichts mit dem Islam zu tun haben…

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Algerien- das Europa Afrika´s!

Vielen Dank liebe UmmIlyas für die Teilnahme am Interview und für den Einblick in deine Auswanderung. Möge Allah es euch mit dem Besten vergelten, dass ihr die Zelte abgebrochen habt auf Seinem Wege!

Was mir dazu noch einfällt: Es ist wirklich nicht damit getan, die Hijrah (Auswanderung) zu machen, und gut ist. Nein, dann fängt der „Kampf mit dem inneren Schweinehund“ erst so richtig an!! Denn dann kommt es darauf an, Ausdauer zu zeigen in seinem Vorhaben, und sich nicht durch so manchen unangenehmen Vorfall aus der Bahn werfen zu lassen!

Möge Allah alle standhaft machen, welche die Hijrah bereits vollzogen haben, und möge Er denjenigen, die sich dasselbe wünschen, den Weg leicht machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

6.Interview: Jerusalem oder: Wo die Liebe hinfällt…!

As salaamu alaikum und Hey liebe Leser/innen,

Ich freue mich sehr, euch eine weitere außergewöhnliche und vor allem faszinierende Geschichte vorzustellen: eine junge Deutsche Frau, die in Tel Aviv ihren Traumprinzen kennenlernt und dann zu ihm zieht. Und zwar nicht irgendwohin, wo man ein bequemes Leben führen könnte, sondern in keine geringere Stadt als JERUSALEM! Im folgenden Interview findet ihre mehr heraus, wie sie ihr (Über-) Leben dort so meistert und was bisher passiert war.

Vorab noch…

Zuerst aber möchte ich noch ein paar Sätze zu dem Thema loswerden. Ihr denkt vielleicht, sie muss wirklich verückt sein, um dort hin zu ziehen! Dass sie die Sicherheit Deutschlands dieser Unsicherheit Jerusalems vorzieht- ja, sogar in Gefahr schwebt, da sie illegal dort ist!

Dieses Interview soll auch nicht unbedingt dazu aufrufen, ebenfalls an diesen Ort auszuwandern. Jedoch soll es zeigen, wie vergleichsweise einfach es man doch in anderen islamischen Ländern hätte, wo es keinen Krieg gibt (also- welche Ausrede hat man da noch?!?).

Diese Schwester hat unseren größten Respekt verdient für die Schritte, die sie gemacht hat, um ihre Familie zusammen zu halten und ein islamisch freieres Leben führen zu können. Denn wahre Freiheit kommt von innen!

Zudem möchte ich noch eine Sache klarstellen, die in der ganzen Welt missverstanden wird: Das weltberühmte Gebäude (s.Titelbild) mit der goldenen Kuppel ist NICHT die Al-Aqsa Moschee! Es ist der Felsendom!

Al Aqsa
Die richtige Al-Aqsa Moschee

Die echte Al-Aqsa- Moschee, welche die 3.wichtigste Moschee für Muslime ist (nach den Moscheen in Mekka und Medina), befindet sich nicht weit davon entfernt.

Sie ist der Ort, an den der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) seine Nachtreise machte und ebenso vor allen Propheten der Menschgeschichte das Gebet leitete (mehr dazu findet ihr in zahlreichen Artikeln, u.a. in diesem hier (leider in Englisch).

„Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte [in Mekkah] zur fernsten Gebetsstätte [Al-Aqsa], deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ, damit Wir ihm (etwas) von Unseren Zeichen zeigen. Er ist ja der Allhörende, der Allsehende.“
(Ungefähre Übersetzung, Qur´an 17:1)

Ebenso wurde einige Zeit diese Moschee als Gebetsrichtung für die Muslime bestimmt, anstatt in Mekkah die Kaaba.

Jedoch wird diese Verwechslung der beiden Moscheen von einigen Stellen bewußt herbeigeführt.

 

Komplex Al Aqsa
Links der Felsendom, rechts die Al-Aqsa Moschee

Wieso diese beiden Moscheen immer vertauscht werden, das wäre ein ganzer Artikel für sich Wert. Wenn ihr das wirklich wissen wollt, forscht einfach mal im world-wide-web nach (z.B. bei The Arrivals in YouTube) 😉

Nachdem wir das nun festgestellt haben, möchte ich euch nicht weiter aufhalten von dem heutigen Interview mit der Schwester Lamees!

Frage 1:  Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Palästina, in die Nähe von Al-Quds (Jerusalem).

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Lamees vor dem Felsendom in Jerusalem

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann kommt daher.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich hatte meinen Mann vor zehn Jahren in Tel Aviv kennen gelernt und bin zu ihm gezogen. Wir hatten allerdings sehr viele Probleme mit dem Staat Israel, die mich nach einem Jahr abgeschoben haben und mir eine 5-Jährige Einreisesperre verpasst haben.

Wir mussten dann ein weiteres Jahr getrennt leben bis mein Mann ein Visum nach Deutschland bekommen hat. Er war dann fünf Jahre mit mir in Deutschland aber es hat ihm dort gar nicht gefallen. Er hatte großes Heimweh nach seiner Familie und auch Angst um die Zukunft unserer Tochter und so sind wir 2015 in die Nähe seiner Familie in das Palästinenser-Gebiet gezogen. Alhamdullilah!

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Meine lieben Eltern (Allah möge sie rechtleiten) haben mir mein Erbe vorzeitig ausgezahlt damit wir eine Pizzaria in Bethlehem eröffnen konnten. Und uns das erste Jahr ausreichend finanzielle Mittel hatten.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdullilah war mein Arabisch schon so gut, dass ich mich direkt mit den Nachbarinnen etc. verständigen konnte. Es ist aber immer noch schwierig mit der Sprache. Zum Glück können die meisten nicht besonders gut Englisch, so dass ich „gezwungen“ bin arabisch zu sprechen!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Ich habe alhamduLlilah ein sehr enges Verhältnis zu meiner Familie und sie wollten natürlich nicht, dass wir weg ziehen, aber sie haben ebenfalls gesehen wie mein Mann in Deutschland regelrecht eingegangen ist und haben eingesehen, dass es für uns als Familie einfach besser ist und darum haben sie uns sogar finanziell unterstützt.

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Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja ein Visum ist notwendig, aber sehr schwer zu bekommen – obwohl wir verheiratet sind.

Israel versucht systematisch alle Palästinenser aus Ost-Jerusalem zu vertreiben und möchte keine neuen Muslimischen Zuwanderer. Nach fast drei Jahren haben ich und meine Tochter immer noch kein Visum und wir leben daher illegal hier.

Daher kann ich noch nicht mal den Checkpoint nach Jerusalem passieren geschweige denn nach Deutschland fliegen. Wir haben bereits einen Anwalt und ich hoffe sehr, dass ich bis nächstes Jahr ein Visum erhalte.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Das ist ein großes Problem. Unsere Pizzeria ist schon nach einem Jahr pleite gegangen – das ganze Geld ist weg und mein Mann hat seit dem immer mal wieder ein paar Wochen oder Monate Arbeit hier und dort und dann wieder keine. Momentan ist er wieder arbeitslos und das bedeutet dass wir dann gar kein Geld bekommen (staatliche Sozialhilfe etc. gibt es nicht).

Ich arbeite zwei Mal pro Woche als Englisch-Lehrerin in einem Islamischen Kindergarten. Das Geld, dass ich dafür bekomme, ist aber eher als Taschengeld als als Gehalt zu betrachten.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

In shaa Allah [so Allah will, Anm.d.R.]. Ich hoffe sehr, dass wir das können.

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Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter ist in ihrer ersten Woche in Palästina vier Jahre alt geworden. Das war ein sehr gutes Alter, da hier der Kindergarten mit vier Jahren beginnt und sie somit die Sprache gut lernen konnte, bevor sie jetzt mit sechs in die Schule gekommen ist.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Allah möge uns vergeben – unsere Tochter besucht eine deutsche christliche Privatschule! Wir hoffen, dass wir sie in shaa Allah in naher Zukunft noch auf eine islamische Schule geben kann, aber das ist noch nicht klar. Bei uns gibt es nur diese Schule – da sie wegen des besonderen Status von Jerusalem auf eine Schule in Jerusalem gehen muss – wir uns aber ohne Visum nur hinter der Mauer im Westjordanland aufhalten dürfen – und da ist es nun mal die einzige Schule, die politisch zu Jerusalem zähltgeographisch aber hinter der Mauer liegt. (Ich hoffe das ist verständlich ausgedrückt).

Immerhin sind die meisten Kinder dort Muslime und es gibt drei Mal pro Woche islamischen Religionsunterricht und freitags ist frei sowie an den muslimischen Feiertagen.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Natürlich das beten in der Al-Aqsa Moschee (Leider kann ich zur Zeit nicht dorthin)!

Und dann, dass wir nahe bei meiner lieben Schwiegerfamilie sind und wie nett die Nachbarinnen mich aufgenommen haben und dass Allah uns nach über sechs Jahren noch einen Sohn geschenkt hat, alhamduliLlah!

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Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Es kam schon mehrfach vor, dass unsere Straße plötzlich voller israelischen Soldaten war.

Erst vor ein paar Wochen kam ich von der Arbeit nach Hause und finde die ganze Straße voller Militär vor – auf all unseren Dächern stehen Soldaten mit Maschinengewehren. Da wird einem schon irgendwie anders. Ich bin dann schnell in unseren Hauseingang geschlüpft und habe meine Nachbarin angerufen – sie sagte mir, dass sie gerade zwei dreistöckige Häuser von unserem Nachbarn abreißen: sie wurden – so wie alle Häuser von Arabern ohne (die von Israel niemals erhältliche) Baugenehmigung gebaut.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? 

Wie so viele Ausländer war mein Mann nicht glücklich in Deutschland und sagte immerzu: „Irgendwann geh ich in meine Heimat zurück“, „Irgendwann wenn wir genug Geld haben“, „Irgendwann in der Zukunft“….

Ich kenne so viele Leute die davon träumen und dann gehen die Kinder doch in Deutschland zur Schule und später zum Studium und man selbst wird immer älter – die Arbeitsmöglichkeiten im Heimatland immer schlechter…

Darum sagte ich, wenn wir gehen wollen, dann muss es bald sein! Solang unsere Tochter noch klein ist und wir jung genug sind um Arbeit zu finden – ich noch die Sprache lernen kann etc. etc. – Ich denke, je länger man wartet, desto schwieriger wird es.

Leider ist es durch die finanzielle Situation immer noch schwierig für uns hier zu leben – ich hoffe sehr, dass mein Mann eine beständige Arbeit findet. Aber man muss sich immer vergegenwärtigen, dass der Risq von Allah kommt [`Rizq´ = die Versorgung, die einem schon im Mutterleib vorbestimmt wird, Anm.d.R.] und dass die Versorgung, die Allah uns bestimmt hat uns nicht verfehlen wird – egal wo wir sind.

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Vielen lieben Dank, liebe Lamees, dass du dir Zeit genommen hast, uns einen kleinen Einblick in dein Leben zu geben!

Möge Allah dich und deine Familie beschützen, segnen und euch alles erleichtern!!!

Ich hoffe, euch hat dieses Interview ebenso beeindruckt wie mich. Wobei es auch einen bitteren Beigeschmack hat, aufgrund der dortigen Situation…

Möge Allah den Unterdrückten helfen und wieder Gerechtigkeit walten lassen.

In diesem Sinne –

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Kommentare und alles andere sind immer willkommen 😉

 

5.Interview: Willkommen in Marokko, dem Land der Genüsse!

As salaamu alaikum liebe Leser/innen,

Im heutigen Interview geht die Reise in eins der sehr schönen Länder, das auch für Touristen sehr begehrt ist aufgrund seiner vielseitigen Genüsse: Marokko!

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Bekannt für seine wunderschönen Märkte mit aromatischen Gewürzen und einer Überfülle an frischem Gemüse, der schönen Natur und Architektut, ist es wohl eins der beliebtesten Länder Afrikas´ für Touristen aus aller Welt.

Ich sage immer, nach Marokko ist es ein leichtes, auszuwandern! Aufgrund den  kulinarischen und landschaftlichen Verlockungen, die es dort gibt. Und auch die Menschen sind sehr freundlich und recht offen. Zudem sind die Flugpreise extrem günstig im Vergleich zu denen nach Somalia!

Aber natürlich hat jede Auswanderung („Hijrah) ihre Erschwernis. Es ist nie einfach, aber es lohnt sich!

Unsere heutige Interview-Partnerin hat es nun also dorthin „verschlagen“: Abida Umm Hamza- die deutsche Muslima, die ihren neuen Landsgenossen Deutsch beibringt!

Frage 1:Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Marokko, genauer gesagt, nach Kenitra (Westmarokko) im August 2016.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da mein Mann Marokkaner ist, war es naheliegend, dass wir seine Heimat aussuchen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Wir wollten in Ruhe unsere Religion ausleben, ohne sich ständig erklären zu müssen. Dies wird einem in Deutschland recht schwer gemacht, hinsichtlich Hijab, die rechtzeitige Gebetsverrichtung (gerade, wenn man berufstätig ist), Kindererziehung nach dem Islam, da der Einfluss der westlichen Wertegesellschaft doch recht groß ist.

Zudem bekam mein Mann ein gutes Jobangebot in Marokko, was natürlich auch wichtig ist, wenn man auswandern möchte. Eine gewisse „finanzielle Stabilität“ sprich fester Arbeitsplatz ist natürlich ideal, alhamduliLlah.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nicht wirklich…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdulillah, ich habe Arabisch und Französisch studiert und das sind die beiden Sprachen, die auch hier in Marokko gesprochen werden. Daher klappt es recht gut, auch wenn ich jetzt Marokkanisch (Dialekt) besser verstehe als reden kann. Ich kenne aber auch einige deutsche Schwestern hier (es gibt nämlich eine recht große deutsche Community, mashaAllah!), die wenig bis überhaupt kein Französisch und auch nur wenig Arabisch bzw. Marokkanisch sprechen und das Leben funktioniert auch, alhamdulillah.

Fehlende Sprachkenntnisse sollten also kein Hinderungsgrund für´s Auswandern    sein 😉

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Eltern wussten eigentlich schon länger, dass wir mit dem Gedanken spielen, eines Tages nach Marokko auszuwandern. Trotzdem war der Schock doch etwas groß, als wir es ihnen eines Tages mitteilten. Ich muss dazu sagen, dass mein einziger Bruder auch im Ausland lebt. So fiel es ihnen dann schwer, auch ihre Tochter im Ausland zu wissen, auch dass man sich nicht mehr so regelmäßig besuchen kann.

Trotzdem haben sie uns verstanden in unseren Wünschen, in einem islamischen Land leben zu wollen.

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Wunderschönes Meer in Kenitra

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Wer nach Marokko reist, erhält ein 3-monatiges Touristenvisum. Danach ist es ratsam, sich um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kümmern (ist mit etwas Bürokratie verbunden, aber im Allgemeinen erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung „carte de séjour“ für 1 Jahr)

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sich vor 4 Monaten mit einem Deutsch-Institut selbstständig gemacht, selber arbeite ich auch dort und gebe Kommunikationskurse.

Die FB-Seite von dem Institut findet ihr hier:

https://m.facebook.com/Schillerhaus-192342891339835/

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ich lebe sehr gerne hier, alhamduliLlah, daher könnte ich mir das durchaus vorstellen, in shaa Allah.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

9, 6, 4 und 2 Jahre.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Privatschule, dort werden sie zu gleichen Teilen in arabischer und französischer Sprache unterrichtet. (Dort sind die Klassen kleiner, in unserem Fall sogar nur max. 10 Schüler pro Klasse und das Unterrichtsklima besser als in den öffentlichen Schulen mit zum Teil über 40 Schülern)

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich könnte von mehr als nur einem guten Erlebnis berichten: der Adhan ist mashaAllah immer um uns herum und bestimmt den Alltag, alhamduliLlah. Auch den Monat Ramadan sowie die beiden großen Feste im Islam werden hier viel intensiver gefeiert.

Es macht eben schon einen Unterschied, ob ein ganzes Land fastet (also die Mehrheit) oder nur einzelne wie in Europa.

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Größte Moschee in Kenitra

Mit Kindern wird hier viel herzlicher umgegangen, das habe ich in Deutschland nicht oft gehabt, wenn ich mit meinen 4 Kindern in der Stadt unterwegs war. Auch als Ausländerin wird man hier sehr herzlich und stets freundlich empfangen und behandelt. Das erlebt man in Deutschland auch eher selten.

Das Leben wird hier nicht von Hektik und Stress bestimmt, es herrscht eine leichte Tendenz zum laissez-faire 😉

Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Schlimme Erlebnisse hatte ich hier alhamduliLlah keine, der Straßenverkehr hier hat es in sich.

Als Fußgänger hier steht man in der Verkehrshierarchie ganz unten.

Fußgängerampeln gibt es keine, Zebrastreifen stellen lediglich eine Art Deko dar, werden aber nicht beachtet. Laufrad- bzw. Fahrradfahren mit kleineren Kindern ist hier ungeeignet.

Auch der ignorante Umgang mit Müll stört mich nach wie vor (kleinerer Müll wird sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen einfach auf die Straße geworfen) aber in shaa Allah ändert sich auch hier das Umweltbewußtsein.

Man darf nicht zu viel verlangen, das Umdenken braucht seine Zeit. Das perfekte Land gibt es nunmal nicht.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Den perfekten Plan für die Hijrah gibt es wohl nicht, man sollte den „Sprung ins kalte Wasser“ wagen und bezüglich schulpflichtiger Kinder ist es ratsam die Hijrah nicht hinauszuzögern, da es in Marokko keine deutsche Schule gibt und man sonst eventuell sehr viel mehr aufholen muss. Und bekanntermaßen ist es für Kinder einfacher, je jünger sie sind.

Leichter macht es eine Hijrah natürlich auch, wenn man eine feste Arbeit hat, da es natürlich auch hier viele Ausgaben gibt. (Miete, Schulgeld, Essen etc.). Aber Vertrauen auf Allah ist wie bei allen Dingen im Leben unerlässlich!

Vielen Dank!

 

Ich bedanke mich auch recht herzlich bei dir, liebe Abida! Möge Allah mit dir und deiner Familie zufrieden sein und euch ein gesegnetes Leben schenken!

Liebe Leser, vielleicht ist euch auch schon eine Gemeinsamkeit aller bisherigen Hijrah-Berichte aufgefallen. Aber jetzt noch nicht die Zeit gekommen, ein Resümée zu ziehen. Erstmal wollen wir noch einige weitere Länder mitsamt persönlicher Geschichten gemeinsam entdecken!

Bis dahin (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

Hijrah nach Algerien: Das beste aus der Situation machen, und Kompromisse eingehen!

As salaamu alaikum und Guten Morgen/Tag/Abend an meine lieben Leser,
Ich habe die Ehre, euch das 1. Interview, was ich euch bereits in meinem Artikel über das Auswandern angekündigt hatte, vorzustellen. Es geht um unsere Schwester Amina, welche vor einigen Jahren schon nach Algerien ausgewandert ist (maa shaa Allah). Sie wohnt mit ihrer Familie in Tiaret, ca. 300 km von der Haupstat Algier entfernt.
Ihre Beweggründe für´s Auswandern, und mehr, erfahrt ihr nun hier!

Interview mit Amina

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Ich lebe seit fast 9 Jahren in Algerien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann stammt von hier.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ja, Beweggründe… Erstmal, dass die Kinder wegen der islamischen Erziehung keine Probleme in der Schule haben und das man hier doch besser nach dem Islam leben kann, als in Deutschland.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, bißchen Rücklagen hatten wir, alhamdulillah, aber nicht wirklich viel.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, hatte nicht wirklich Sprachkenntnisse, mir sind Fremdsprachen noch nie leicht gefallen.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Naja, meine Familie war nicht gerade begeistert, wie man sich vorstellen kann, aber es ist ja mein Leben.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, Visum brauchte ich.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann ist alhamduliLlah selbstständig.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, ich könnte mir vorstellen hier alt zu werden, ich habe gar keine Lust auf DE, wenn meine Mama da nicht wäre.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Unsere Kinder waren 6 und 1 Jahr. 

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment gehen sie noch zur Grundschule und in die Weiterführende Schule.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Der Adhan [Gebetsruf, Anm.der Redaktion].

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dieser Müll, der hier überall leider rumliegt!

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

 

Als Ratschlag kann ich nur geben… Folgt Eueren Herzen und macht die Hijrah!

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Mein Fazit:

Ersteinmal vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Teilnahme, liebe Amina! ❤
Die Bilder sind unheimlich beeindruckend wie ich finde, einfach wunderschön! Algerien erscheint mir beinahe für die Arabischen Länder das gleiche zu sein, wie die Schweiz es für Europa ist (ok, andere Größenordnung!): Wunderschöne, vielseitige Natur- für Afrikanische/ Arabische Verhältnisse sehr grün (maa shaa Allah)!
Es ist sehr bemerkenswert, dass Amina und ihre Familie mit relativ bescheidenen Rücklagen die Hijrah vollzogen haben, und dass ihr Mann es inzwischen bis zur Selbstständigkeit geschafft hat. Trotz einiger Hürden, wie das Aneignen einer komplett neuen Sprache, und ungewohnten Umständen (überall Müll!), hat sie sich nicht von der Auswanderung abhalten lassen, maa shaa Allah.
Möge Allah ihre Familie segnen und reichlichst belohnen, dass sie alles in ihrer Heimat aufgegeben haben, um ihre Religion in Ruhe auszuleben!
Von nun an werde ich jeden Freitag ein neues Interview veröffentlichen (in shaa Allah). Ihr dürft gespannt sein, denn es sind verschiedenste Länder und Leute dabei!
Bis bald (in shaa Allah),
Eure Khalisa

Hijrah- Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

„Was bedeutet das nun wieder, Hijrah?“

Mag sich der ein oder andere denken (ausgesprochen wird es übrigens „Hidschra“- aber ich finde die Englische Schreibweise schöner 🙂 ). Es bedeutet im muslimischen Kontext: Verlassen, Auswandern. Und zwar von einem nicht-muslimischen Land in ein muslimisches Land, sofern man seine Religion nicht frei ausüben kann. Denn dann wird es für jeden zur Pflicht, der in der Lage dazu ist (Fatwa siehe hier). Auch in ein nicht-muslimisches Land auszuwandern, in dem man jedoch frei seinen Glauben leben kann, wird dazu gezählt.

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Karawane (by 99traveltips.com)

Die erste Hijrah wurde von den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm) gemacht, und zwar von Mekkah ins christliche Abessinien (ganz nah an Somalia!) im Jahre 615. Mit der 2. Auswanderung im Jahre 622 nach Medina, welche der Prophet (s.a.s.) ebenfalls vollzog, fing die Islamische Zeitrechnung an.

Oha, das klingt jetzt aber nach schwerer Kost für den ein oder anderen!

Für einen Muslim, welcher seinen Glauben praktizieren will, ist das jedoch ein Traum: ein Ort, an dem er in Ruhe seine 5 Gebete in der Moschee oder am Arbeitsplatz beten kann, wo er sich islamisch korrekt anziehen kann und wo er sich mit anderen Geschwistern öffentlich treffen kann, ohne dabei direkt unter die Lupe des Verfassungsschutz zu geraten, von Leuten als Terrorist beschimpft zu werden, oder gar Handgreiflichkeiten ausgesetzt zu sein. Ja, so geht es uns nämlich in Deutschland- leider. Denn abgesehen davon lieben wir unser (Geburts-) Land, und es ist alles andere als einfach, sich irgendwo am anderen Ende der Welt zu integrieren.

Hinzu kommt, dass es in Arabischen, sogenannten Islamischen Ländern, längst nicht so islamisch zugeht, wie es sollte:

Der Glauben wird oftmals nur als Titel praktiziert, während es unter der Oberfläche fault.

Hart, aber wahr. Gerade eben wegen dieses Nicht-befolgens unserer Religion sind wir als Muslime in so einer miserablen Lage- wir haben uns quasi selbst hinein katapultiert!

Nun will und soll man also aus den Ländern raus, in denen man seinen Glauben unterdrücken muss, wenn man toleriert werden will,- doch wohin eigentlich???

Es ist weithin bekannt, dass in den muslimischen Ländern viel zu viele Rückstände herrschen, betreffend z.B.:

  • der Bildung
  • dem Gesundheitssystem
  • Korrupte Politik
  • Sauberkeit
  • Religiösität

Da ist es doch viiiiiel bequemer, zuhause zu bleiben!!!

Achja, ich vergaß beinahe, dass ich ja nicht mehr toleriert werde. Hmmm…

Gehen wir also die Länder einmal (oberflächlich) durch, dabei die Kriegsgebiete vehement auslassend:

  • Tunesien, Lybien, Jordanien– dort gibt es beinahe mehr Fitna (=Versuchungen), als in Deutschland! Denn sie wurden erfolgreich von der Kolonialzeit von ihrer Religion entwurzelt.
  • Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Oman, Qatar, Kuwait– Luxusleben möglich, aber nur für Einheimische! Für andere ist es viel zu schwierig, längerfristig dort zu bleiben, aufgrund der schwierigen Visa-Vergabe. Und selbst, wenn man dort Arbeit hat, wird auf einen herabgeschaut, sofern man nicht Einheimischer ist oder zumindest mit einem verheiratet.
  • Marokko, Ägypten, Algerien– dort gibt es wohl ein paar Ecken, in denen man Platz finden könnte, bloß mit der Arbeitsfindung könnte es schwierig werden. Und eventuell wird man dort auch verdächtigt, irgendeiner Bruderschaft anzugehören, bloß weil man Bart trägt (jetzt als Mann).
  • Indonesien, Malaysien– dort geht es sehr liberal zu, jeder wird in Ruhe gelassen, egal ob Muslim, Jude, Hindu, Christ oder gar Buddhist. Wobei man als Bartträger oder Frau mit langem Hijab wohl auch ziemlich alleine ist.
  • Was bleibt noch über? Sudan, Mauretanien und- Somalia!? Sudan hört man kaum, wie es als Auswanderland ist. Mauretanien und Somalia haben scheinbar einiges gemeinsam. Aber sind aufgrund der Armut weniger populär, d.h. man wandert dorthin wirklich für seine Religion aus, nicht um ein Luxusleben zu haben.

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Einige der Muslimischen Länder (Foto by Falk Translation)

So, das wäre ein kleiner Überblick aus meiner bescheidenen Perspektive. Welches Land würdet ihr wählen? Habt ihr genug studiert, um in eins der reichen Länder den großen Durchbruch zu schaffen, um dann Strandbilder von 1000 und einer Nacht twittern zu können?

Oftmals ist das natürlich nicht der Fall. Denn allein der Bildungsweg wird einem als praktizierendem Muslim in Deutschland und Umgebung nicht unbedingt leicht gemacht.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Sagt man so schön.

Wenn man sich also auf die negativen Aspekte des jeweiligen Landes konzentriert, wird man nie fündig, sondern man wird noch in 30 Jahren in seinem Ohrensessel hocken und die Vor- und vor allem Nachteile dieser Länder studieren.

Man sollte sich also eines klar machen:

Es gibt kein perfektes Stück Land auf dieser Erde!!!

Selbst der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte einst zu seinem Gefährten Ibn`Umar:

Sei in diesem Leben, als wärst du ein Fremder oder ein Durchreisender.'“
Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wenn du den Abend erreichst, dann erwarte nicht, den Morgen zu erreichen, und wenn du den Morgen erreichst, dann erwarte nicht, den Abend zu erreichen. Nimm von deiner Gesundheit vor deiner Krankheit und von deinem Leben vor deinem Tod.
(Berichtet von Al-Bukhari.)

Also müssen wir Kompromisse eingehen. Jedes Land hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile, welche man gut abwägen sollte, ohne sich davon entmutigen zu lassen. Denn egal, wo man in dieser Welt auch hingeht: als praktizierender Muslim bleibt man immer etwas fremd! Jedoch sollte man allein schon für seine Kinder einen Ort suchen, an dem sie in Ruhe als Muslime aufwachsen können, ohne gemobbt zu werden etc. Das ist man ihnen und sich schuldig. Und ich denke, in jedem der genannten Länder gibt es Orte, an denen dies mehr oder weniger möglich ist.

Aber wohin denn nur?

Natürlich ist es immer besser, in sein ursprüngliches Heimatland (oder das des Ehepartners) auszuwandern, ganz klar. Wenn dieses jedoch zur erst genannten Kategorie oder gar eines der Kriegsgebieten gehört, oder wenn beide ursprünglich europäisch sind und keine Wurzeln in eines dieser Länder haben, so muss man sich klar machen, dass die Welt größer ist als dieses eine Land! Siehe im Qur´an:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“(…).

(Sure An-Nisaa (4) :97)

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo Leute gar keine Möglichkeit haben, diesen Schritt zu tun (z.B. schwere Krankheit, hohes Alter). Jedoch sollte man ehrlich zu sich sein: habe ich wirklich keine Möglichkeit, in dieser weiten Welt einen besseren Platz zu finden, oder ist es nur meine Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Verlust, was mich davon abhält?

Und in Anbetracht der riesigen Belohnung, sollte man in der Lage sein, ein paar (weltliche) Kompromisse einzugehen.

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie (es) nur wüßten!

(Sure An-Nahl (16):41)

Was ist schon das Diesseits gegen solch ein Versprechen unseres Schöpfers? Und wenn Ihm die Welt etwas bedeuten würde, meinst du wirklich, Seine Gesandten und Propheten hätten in so einer Armut und Bescheidenheit gelebt?

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So, was hat das nun alles mit diesem Blog zu tun?

Mögt ihr euch vielleicht fragen. Zu allererst hat die Gründerin dieses Blogs Hijrah nach Somalia gemacht (alhamduliLlah). Zudem ist es eins der Ziele dieses Blogs, andere zu dem gleichen Schritt zu motivieren (in shaa Allah). Von daher ist dieses Thema unabdingbar 🙂

Meine Geschichte, wieso ich mich ausgerechnet für Somalia entschieden habe, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es gibt aber auch zahlreiche Schwestern und Brüder im Glauben, die sich für eins der anderen Länder entschieden haben. Ihre Beweggründe und mehr, das wollen wir in einer neuen Reihe in unserem Blog klären. Wie? Indem wir sie einfach fragen! Ganz bald schon werdet ihr  (in shaa Allah) in den Genuß einiger Interviews kommen, die ich mit Geschwistern von verschiedensten Ländern dieser Welt durchführe. Jedesmal werde ich auch einen kurzen Vergleich zu meinem Hijrah- Land Somalia ziehen, so dass auch immer der Bezug zu unserem Blog bestehen bleibt.

Ihr dürft also mindestens genau so gespannt sein, wie wir es sind 🙂

Möge Allah allen Muslimen, die es auch wirklich wollen, die Hijrah ermöglichen und möge Er allen, die diesen Schritt bereits getan haben, standhaft darauf machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Falls du jemanden kennst, der Hijrah gemacht hat und mitmachen würde, oder falls du selber schon Hijrah gemacht hast, zögere bitte nicht, uns zu kontaktieren!