Mein Tarawih-Gebet in Somalia

Eine der schönesten Dinge im Ramadan ist das Tarawih-Gebet, welches nach dem letzten Gebet des Tages, dem Nacht-Gebet, vorzugsweise in der Gemeinschaft vollzogen wird. Tarawih ist die Plural Form von „Erholung“, „Erquickung“ oder auch „Pause“. Es bezieht sich auf die Pausen, die zwischen den jeweiligen Gebetseinheiten gemacht werden, um Raum zum Gedenken und eigene Bittgebete zu schaffen und sich zu erholen.

Das Tarawih-Gebet ist keine Verpflichtung, es ist allerdings eine empfohlene Handlung, welche dem Beispiel des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) folgt. Dieser wiederholte und rezitierte den gesamten Koran im Monat Ramadan, mit Anweisung des Engel Gabriels. Dementsprechen wird auch in der Moschee jeden Abend ein Teil des Kprans gelesen, bis man am letzten Abend den letzten Teil vollendet hat.

Tarawih casablanca
Tarawih-Gebet in Casablanca, Marokko. So viele Betende passsen garnicht in die Moschee!

Besonderheit des Tarawih

Wofür macht ein Muslim dieses Gebet? In der Hoffnung, dass ihm seine vorherigen Sünden vergeben werden, aber auch, um seinem Schöpfer innerlich näher zu kommen, seinen Glauben zu stärken. So versprach uns unser Prophet Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm):

 „Wer im Ramadan nachts betet, aus reinem Glauben heraus und in der Hoffnung auf Belohnung, dessen vorherige Sünden werden vergeben.“ (Al-Bukhari, 37; Muslim, 759)

Zudem wird demjenigen, der dieses Gebet hinter dem Imam [Vorbeter] bis zum Ende betet, eine Nacht voller Gebete gutgeschrieben (s. Abu Dawud 1375, u.a.)- obwohl man nur ca.1 Stunde gebetet hat!

Wo bleiben die Frauen???

Diese Frage stellt sich jetzt sicher so mancher. Denn Frauen, die werden im Islam doch unterdrückt und dürfen nicht aus ihren Häusern raus!

Wer die Vorurteile einmal beiseite legt, wird allerdings eines besseren belehrt: Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) selbst sagte nämlich:

„Haltet eure Frauen nicht davon ab, in die Moscheen zu gehen, obwohl ihre Häuser besser für sie sind.“ (Abu Dawūd (#567), von al-Albāni #515 als sahīh eingestuft)

Mit diesem Befehl wird den muslimischen Macho-Männern also verboten, ihren Frauen den Besuch der Moschee zu verwehren (Entschuldigt bitte diese leichte Ironie, benutze lediglich die Sprache der Vorurteils- Besessenen 😉 ).

Tarawih Frauen

In manchen Kulturen ist es trotzdem nicht üblich, dass die Frauen in die Moscheen gehen, dementsprechend gibt es in manchen Moscheen noch nicht einmal einen Frauenbereich. Betonung hier liegt jedoch auf Kulturen– und diese sind nicht immer Islam-kompatibel (wenn das bloß die Bild- und andere Leser verstehen würden).

Frauen haben sogar einen Vorteil gegenüber den Männern: sie müssen sich nicht neben ihren ganzen Pflichten im Haushalt und der Kindererziehung noch zusätzlich 5 mal am Tag in die Moschee zum Beten begeben. Das wäre ja ein reinster Marathonlauf für sie. Bloß davon abhalten soll der Mann sie auch nicht, wenn sie denn in die Moschee möchte. Das ist für Männer anders: die 5 täglichen Gebete sollten sie in der Moschee beten, wenn möglich. Und das Tarawih-Gebet eben auch.

Tarawih Jerusalem

Wie sieht es in Somalia aus?

In Somalia haben zumindest alle größeren Moscheen auch einen großen Frauenbereich. Denn Somalische Frauen lieben es, für das Tarawih-Gebet in die Moschee zu gehen! Und generell sind sie sehr selbstbewußte Frauen, die Zuhause das Nudelholz in der Hand haben- der Mann hat also gar keine andere Wahl, als sie gehen zu lassen 😉

Meine Erfahrung in Somalia´s Moscheen

Nach ein paar Jahren Moschee-Abstinenz (meine Kinder waren vorher zu klein, um sie alleine zu lassen) kam ich dieses Jahr endlich wieder in den Genuß. Da muss jedoch im Vorab bereits alles gut gemanaged werden: keine Zeit verschwenden beim Fastenbrechen, rein in die Klamotten und auch noch Kinder versorgen. Entweder nehme ich sie mit, oder lasse sie Zuhause bei ihrer zweiten Mutter. Ersteres hatte ich mir nach einmaligem Versuch versprochen, nicht mehr zu tun. Denn die (kleinen) Kinder sind Ablenkung für die gesamte Moschee. Auch wenn sie in den ersten Minuten versuchen, brav mit zu beten, so ändert sich das innerhalb der folgenden 50 Minuten drastisch: alles erdenkliche wird auf einmal zum Spielzeug- Wasserflaschen, Grashüpfer, und was immer sonst noch herum fliegt und liegt. Nein, da tut man sich und den Mitbetenden keinen Gefallen!

 

Auf geht´s!

Nachdem ich mich also von den Kleinen losreißen kann, geht es im Trab, bzw. fliegenden Walking-Tempo zur Moschee. Mein Tipp: am besten direkt vorher noch duschen, damit man in der Moschee nicht schweißgebadet ankommt!

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In der Moschee angekommen, zieh´ich mir schnell die Schuhe aus und spurte die Treppen hoch. Ich will ja noch rechtzeitig einen guten Platz ergattern!

In der Frauenetage angelangt, heißt es dann erst einmal tieeeef durchatmen und in die besondere Atmosphäre einzutauchen! Die 2 Sunnah Gebetseinheiten, welche man beim Eintritt in die Moschee betet, kann ich ehrlicherweise meißtens nicht mehr erreichen. Denn es geht auch schon los- Allaaaahu akbar (das ist kein Aufruf zum Selbstmord, wie in den Medien so dargestellt wird, sondern bedeutet „Allah ist Groß“ und kennzeichnet den Anfang des Gebets)!

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1.Akt: Einfindung

Alle Frauen stellen sich nach und nach in Reihen auf: Schulter an Schulter, Fuß an Fuß. Zwischendurch kommt noch jemand und achtet auf die genaue Einhaltung der Linien. In einem unvergleichbaren Gefühl der Gemeinschaft schwelgend, kann ich mich nun meinem Schöpfer und Seinen Worten in Form des Koran´s, zuwenden.

Tarawih Frauen1

In diesem Moment spüre ich jene Geschwisterlichkeit, die im Islam so wichtig ist, welche man heutzutage jedoch oftmals vermisst.

“Der Gläubige ist gegenüber dem anderen Gläubigen wie ein Bauwerk, ein Teil festigt den anderen.” (Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim). Eingekeilt zwischen meinen somalischen Geschwistern, fühle ich mich wirklich wie einer der Steine innerhalb der Mauer, innerhalb eines Bauwerks.

Tarawih Mauerwerk
Gläubige sind einander wie ein Mauerwerk: der eine Teil kann nicht ohne den anderen.

In den ersten Minuten muss ich mich erst in die neue Situation einfinden. Ich werde noch von so manchem Nachbar irritiert: sei es, meine hin und her schwankende Nachbarin zur rechten; die für meinen Geschmack zu laut flüsternde zur linken; oder die Ukhti vor mir, deren Gesäß mir beim wieder aufrichten aus der Niederwerfung einen Schubser gibt; oder die schönen Muster auf dem Gebetsteppich, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen; und – wenn doch bloß das Essen nicht so schwer im Magen liegen würde! Immer wieder schweifen meine Gedanken ab und ich sage mir selbst: Konzentration bitte! Durch die zum Gebet gehörenden Bewegungen fällt es jedoch wiederum leichter, diese wieder zu bekommen. Wenn ich mir dann immer wieder bewußt mache, dass dies die Worte Allah´s sind, denen ich gerade zuhöre, und ich in den Niederwerfungen meine Worte direkt an Ihn wende, bekomme ich Gänsehaut.

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Pause und ihre Nebenwirkungen

Gut, dass bereits nach 2×2 Gebetseinheiten eine Pause mit Ansprache stattfindet und danach ein Imam-Wechsel ist. Eine willkommene Abwechslung. Denn es kann vorkommen, dass man dem Ersten Vorbeter melodisch gesehen nicht so gut folgen konnte (das ist mir als ehemalige Musikerin irgendwie auch wichtig). Außerdem gibt es einem die Gelegenheit, mit seiner Nachbarin zu quatschen, als ob man auf dem Marktplatz stünde…ähmmm, nee, also es gibt einem die Gelegenheit, Kraft für die nächsten Gebetseinheiten zu sammeln, und wieder etwas dazu zu lernen.

Allerdings wird mir in diesen Predigten bewußt, was bezüglich der Somalischen Sprache noch vor mir liegt: denn ich kann zwar die Umgangssprache, aber nicht die hochgestochene, rasante Art und Weise verstehen- das Hoch- Somalisch!

Diese Pause wiederum ist für so manch eine Schwester im Glauben die erste Möglichkeit, mich ausgiebig zu bestaunen. Schließlich bin ich wahrscheinlich die erste weiße Muslima, die sie live zu Gesicht bekommt. Ich lass sie einfach und konzentriere mich auf mein Gedenken/Bittgebete.

2. Akt und Finale

Nach der Pause dann der 2. Akt. Noch einmal folgen 2×2 Gebetseinheiten, in denen nun alles rutinierter und konzentrierter abläuft. Gott sei Dank habe ich vorher noch einen Kaffee gegen die Gähneritis getrunken!

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Schließlich kommt auch schon das Finale: das Witr-Gebet, bestehend aus 3 kurzen Einheiten, mit einem langen extra Bittgebet. Das ist für mich DER Höhepunkt schlechthin: Alle heben ihre Hände, und sagen „Amiin“ zu den zahlreichen Bittgebeten des Imams. Auch wenn diese in Arabischer Sprache sind, verstehe ich doch ungefähr, um was es geht. Manchmal wollen mir die Tränen kommen, so emotional ist diese Situation. Es wird für alles mögliche gebetet, u.a. für die Akzeptanz unseres Fastens, den Eintritt ins Paradies ohne Befragung, aber auch für diejenigen, denen es nicht so gut geht.

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Somalische Frauen beim Bittgebet. Allerdings ist dieses Bild vom Eid-Gebet, also Tagsüber und noch dazu draußen (deswegen auch die Gesichtsschleier). Bloß ist die Geste die gleiche.

Big Challenge: der Ausgang

Dann ist es geschafft- ich fühle mich wie nach einer Sporteinheit im Fitnessstudio. Immerhin sind in dem Gebet einige Dehn- und Sit-up- Übungen mitinbegriffen (ohne als solche beabsichtigt zu sein), und oblgeich es vor Ventilatoren und offenen Fenstern nur so wimmelt, ist man doch schon etwas nass geschwitzt. Jedenfalls fühle ich mich einfach super danach.

Bei dem Gang raus wird es dann etwas eng. Die beste Gelegenheit, dass wirklich alle die Anwesenheit einer Weißen bemerken. Oftmals ziehe ich schon meinen Gesichtsschleier runter, um sie nicht zu sehr zu irritieren (wo ist denn bloß die äußere Hautschicht geblieben? lol). Manchmal kommt es auch zu kurzen Smalltalks, wie z.B. ein kleines Mädchen, welches mich auf Englisch ansprach und aus Amerika kam. Oder eine sehr große Ukhti, die mir den Rat gab, viele Schutzgebete auf mich selbst zu lesen. Aber generell sind sie eher reserviert und tuscheln einfach.

Fazit

Somalische Frauen sind sehr aktiv, was das Beten in der Moschee betrifft. Auch ich bin sehr, sehr froh, dass ich diese Möglichkeit habe, so oft zum Tarawih Gebet zu gehen, wie ich lustig bin. Genauso schätze ich es, in maximal 5 Geh-Minuten schon an unserer großen Moschee angelangt zu sein. Es hat einfach soooo viele Vorteile, in einem muslimischen Land zu leben, alhamduliLlah!

Tarawih Du´a

Allerdings bin ich Allah auch dankbar, dass Er es uns Frauen nicht auferlegt hat, das Nachtgebet, und überhaupt alle Gebete, unbedingt in der Moschee beten zu müssen. Denn das wäre wiederum zu stressig für mich. Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass ich beim Gebet zuhause mich viel besser konzentrieren kann. Dadurch, dass ich dann selber den Koran lese, und selber bestimme, wie lang ich die jeweilige Gebetseinheit machen möchte, wie lange ich mein Bittgebet mache, und ganz alleine vor meinem Schöpfer stehe, fühle ich eine sehr innige Verbundenheit zu Ihm.

Das Gemeinschaftsgebet in der Moschee hingegen ist eine tolle Möglichkeit, wenn man ab und zu ein Bad in der Menge nehmen möchte, bzw. die „Ummah“ spüren will. Oder auch, wenn man Angst hat, nicht jeden Tag diese Energie aufbringen zu können, all das selber anzuleiten. Denn man findet schnell irgendwelche Ausreden…oder das ach so bequeme Kissen, wenn man alleine ist 😉 Das Gebet in der Moschee ist also eine wunderbare Abwechslung.

Am schönsten ist es allerdings, wenn ich hinter meinem Mann zuhause bete- was gibt es romantischeres als das 😀

Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck bekommen, wie das Tarawih von Frauen in Somalia, und insbesondere für mich als Deutsche in Somalia abläuft.

Keep going, keep praying,

Eure Khalisa

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15.Interview: Libyen, ein ungewöhnliches Hijrah-Land!

Im heutigen Interview geht es um Libyen. Dieses Land ist vor allem für Bürgerkrieg, Wüste und Konzentrationslager für Flüchtlinge (besonders auch Somalische) bekannt. Dass man selbst dort ein ganz normales Leben führen kann, zeigt uns unsere heutige Protagonistin, eine deutsche Muslima namens Amina.

Ich habe dieses Land als Hijrah-Land eigentlich garnicht in Betracht gezogen, da ich von den gängigen (Vor-) Urteilen dieses Landes ehrlicherweise eingenommen war. Bis ich dann in einer WhatsApp Gruppe zum Thema Hijrah von ihr erfuhr. Sofort neugierig geworden, „datete“ ich sie für dieses Interview, alhamduliLlah.

 

Libya Flagge1

Vorab noch ein paar Fakten zum Lande. Und übrigens- für diejenigen, die genauso verwirrt sind wie ich, was die Aussprache und Schreibweise dieses Landes betrifft: Es wird zwar „Libyen“ geschrieben, jedoch `Lybien´ ausgesprochen. Ja, soviel hab ich jetzt auch gelernt 😀

Libyen ist das 4. größte Land im afrikanischen Kontinent, wobei 85% davon Wüste (Sahara) ausmachen und nur 2 % für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz Gaddafi´s gibt es dort immer wieder Machtkämpfe zwischen Süd und Nord, aber auch die Extremen ISIS wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Trotzdem soll es laut den Vereinten Nationen einer der höchstentwickelten Staaten des Afrikanischen Kontinents sein (s.Wikipedia).

Libyen Karte

Wegen seiner nahen Lage zu Italien (nur durch das Mittelmeer getrennt) ist Libyen auch ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge aus ganz Afrika- selbst viele Somali´s landen dort. Ihrem Traum von einer besseren Zukunft im Westen folgend, erleben sie dort häufig genau das Gegenteil: sie landen in Konzentrations-ähnlichen Lagern und erleben aufgrund des darauffolgenden Menschenhandels und Folterei ein Trauma nach dem anderen. Wer dann noch so glücklich ist, und dort weg kommt, kann sich immer noch nicht sicher sein, was ihn auf dem Meer und in Italien erwartet, und ob er überhaupt überlebt.

Aber all dies wird von Jung und Alt, Mann und Frau in Kauf genommen. Denn der durch Social Media und TV ausgelöste Magnet gen Westen ist stärker als die Angst ums eigene Leben. Man könnte sich denken, die hätten ja nichts zu verlieren! Doch manche verlassen hier sogar ihr eigenes Haus mit Garten, um ihrem Traum zu folgen.

Wie bekommen wir jetzt den Dreh zu unserem Interview? Einfach, indem wir jetzt mal unsere heutige Hauptdarstellerin zu Wort kommen lassen 🙂 Lasst euch mitnehmen in eine andere Welt!


1. Stelle dich bitte unsern Lesern einmal vor! Wie heißt du, wann bist du wohin ausgewandert, und warum?

Ich heiße Amina und bin 2012, aufgrund meiner kranken und altersschwachen Schwiegermutter, nach Libyen ausgewandert. Libyen liegt am Mittelmeer zwischen Tunesien und Ägypten. Es hat ca. 6 Mio. Einwohner und besteht zu großen Teilen aus Wüste. Sand ist in Libyen all gegenwärtig. 2011 herrschte in Libyen Bürgerkrieg und das Land leidet immer noch an den Nachwirkungen: Schmuggel, illegale Einwanderer, instabile Regierung und damit einhergehend ein dramatischer Anstieg von Kriminalität, vor allem in den Großstädten. Die Stadt, in der ich lebe, ist jedoch sehr ruhig und vor allem als Frau kann man hier gefahrlos leben, alhamduliLlah.

Libyen
Ein Überblick über die Stadt Misrata (3.größte Stadt Libyens), in der Amina lebt.

2. Bist du zufrieden dort? Und führst du ein selbst bestimmtes Leben?Wie sieht dein Leben dort aus?

Ich lebe mit meinem Mann, unseren Kindern und meiner Schwiegermutter am Stadtrand – umgeben von Familie und gut bekannter Nachbarschaft – und wir haben einen kleinen Garten alhamdulillah. So haben wir eigene Olivenbäume, Dattelpalmen und Hühner, was ein wirklich großes Geschenk von Allah ist, alhamdulillah. Wir machen dadurch nämlich selbst Dattelsirup, Olivenöl und haben eigene Eier. Was zur Zeit eine riesige finanzielle Entlastung ist.

Hier in der Umgebung ist noch alles relativ ländlich und Schaf-/Ziegen-/Hühner-/Kaninchen-/ und Taubenhaltung sind völlig die Norm. Wir konnten sogar schon Kamele vor der Haustür bestaunen.

Kamele vor der Haustür
Kamele vor der Haustür!

 

 

 

Ich selbst bin überwiegend Hausfrau, Mutter und Altenpflegerin (Schwiegermama), unterrichte und übersetze jedoch Deutsch auf Anfrage, was eine schöne Abwechslung zum Alltag ist. Die Gesellschaft in unserer Stadt ist noch sehr eng miteinander verwoben. Bei jedem Anlass wird sich besucht – zu allgemein bekannten Zeiten / überwiegend zwischen Asr und Maghrib [zw. Nachmittags- und Abendgebet; Anm.]- und das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. 

Ich muss gestehen, dass ich mich an spontanen Besuch noch immer nicht gewöhnt habe. Das ist auch tatsächlich das für mich schwierigste hier: Besuch, wenn man keinen erwartet. Khair inschaAllah, ich arbeite daran 😊

Libyen-Datteln sortieren. Hier trocknen sie nicht am Baum, da das Klima zu feucht ist.
Die heimischen Datteln sortieren: hier trocknen Datteln aufgrund des feuchten Klimas nicht an den Bäumen.

3.Libyen ist ja eher kein gewöhnliches Hijrah-Land. Kannst du es anderen Geschwistern als solches empfehlen?

Ob Libyen ein gutes Hijrah-Land ist? Wenn man mit einem Libyer verheiratet ist, auf jeden Fall. Weil man dadurch in die Gesellschaft integriert ist und aus islamischer Sicht sowieso ❤ Ehrlich. Ich bin begeistert. Die Männer gehen selbstverständlich zur Moschee und übernehmen auch selbstverständlich ihre Pflichten ernst: viele haben mehr als einen Job, haben einen Garten, fahren Frau und Kinder zur Schule, Arzt, Einkaufen und sonstigen Einladungen. Sie sind auch für den normalen Einkauf zuständig. Frauen auf dem Wochenmarkt oder in den kleinen Onkel Ahmed Läden oder Bäckereien oder Fleischereien? Sehr selten alhamdulillah. Und hier ist es auch selbstverständlich, dass der Mann das Familienoberhaupt ist. Wenn man also als Frau mal sagt, mein Mann will das nicht, dann ist das völlig akzeptiert. Für alle, ob Mann/ Frau oder Kind gibt es ein breites Angebot an Koranschulen und islamischen Weiterbildungen. Selbst alte Damen gehen zum Koranunterricht 😍 Das ist sooo schön.

libyen niqabDie Frauen tragen zwar nicht alle Niqab (Gesichtsschleier), aber maschaAllah, die ohne Niqab tragen Abaya und Kopftuch. Aufjedenfall werde ich hier mit Niqab sehr respektiert, alhamduliLlah. Muslimas tragen aus vielfältigen Gründen den Niqab. Entweder sie sind der Überzeugung es sei ihre Pflicht, oder es wäre religiös erwünscht oder weil es landesüblich ist. Hier in Libyen tragen die meisten Frauen den Gesichtsschleier, wenn sie Make-Up tragen (für private, ausschließlich Frauen zugängliche Veranstaltungen), da sie verhindern wollen, Blicke auf sich zu ziehen. Da ich mit meiner hellen Haut und dann vielleicht auch noch lachend definitiv Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde, ist der Niqab mein Schutz. Wenn ich meinen Mund halte, fällt niemandem auf, dass ich Ausländerin bin 😁 Die Männer hier haben auch noch Anstand. Da schaut dich keiner an ❤

4. Hast du schonmal etwas von den Unruhen im Land mitgekriegt und hast du nicht manchmal Angst, in einem Land voller Unruhen zu leben?

Wir leben Gott sei Dank 1.000 km weit weg von den Unruhen, der Bürgerkrieg in dem Sinne war schon vorbei, als wir 2012 hier ankamen. Seitdem ich in Libyen lebe, habe ich „nur“ zweimal etwas beängstigende Situationen erlebt: 1. Mitten in der Nacht schlug nur 200m entfernt von uns eine Handgranate ein. Das war sehr laut und natürlich ein Schock. 2. Aus dem Osten Libyens kam ein Flugzeug an und hat diese Stadt hier bombardiert. Durch das dadurch ausgelöste Gegenfeuer dachten wir einen Moment wirklich, das der Krieg wieder ausbrechen würde. Aber Gott sei Dank war dies nicht der Fall.

Ansonsten weiß ich zurzeit nur von Auseinandersetzungen in Benghazi. Aber ich selbst höre auch gar keine Libyschen Nachrichten 🙈 Ich möchte nichts von Krieg und Schmuggel etc. hören und bin daher sehr uninformiert.

Unsere Stadt Misrata ist aber eine wirklich ruhige Stadt, die versucht, alles in Ordnung zu bringen. Sie drängten hier zum Beispiel auch die ISIS in die Nachbarstadt zurück.

Misrata Shopping Mall

Misrata Shopping Mall1
Shopping Centers in Misrata: höchst modern.

5.Wie sieht es versicherungstechnisch aus? Und wie bekommt man dort ein Visum?

Es gibt Versicherungen, aber viele sind nicht versichert oder nur nur über ihren Arbeitgeber. Wir selbst sind es nicht.
Ein Visum bekommt man nur mit Arbeitserlaubnis oder zwecks Heirat, bzw. wenn man mit einem Libyer verheiratet ist.

6. Wie sind die Schulen dort? In was für eine Schule schickst du deine Kinder?

Die Schulen sind „arabisch schlecht“ 🙈 Aber immerhin, ab der 6. Klasse Geschlechter-getrennt. Wir werden unsere Kinder auf die nächstliegende Schule (300m entfernt) schicken, inschaAllah. Denn die Lehrerinnen sind aus der Nachbarschaft und Verwandschaft und die Kinder ebenso, d.h. man kennt sich. Und vor bzw. nach der Schule haben die Kinder die Möglichkeit Koran und Islam zu lernen.

7. Kannst du dort deine Religion frei ausleben? Oder giltst du als Extremist? In welche Richtung geht der Trend- dass sie zum Deen (Religion) finden oder sich eher westlichen Vorbildern zuwenden werden?

Ja, die Religion kann man hier definitiv frei ausleben. Manchmal hat man es jedoch nicht so leicht, z.b. wenn Kultur mit Religion im Konflikt stehen, wie bei Hochzeiten, welche nicht immer islamisch ablaufen. Denn man ist eigentlich gesellschaftlich dazu verpflichtet, zu hinzugehen und zu helfen.

Ob der Trend mehr zum Deen oder zur Dunya (Weltlichem) geht? Beides gleichzeitig!
Einerseits ist mehr Wissen über die Religion vorhanden und gesellschaftlich auch akzeptiert. Andererseits gibt es aber auch mehr Fitna und Inspiration zum Sündigen.

8.Wie ist die Gesellschaft dort, was macht sie aus? Fühlst du dich akzeptiert?

Die Gesellschaft ist wie gesagt, eng miteinander verbunden maschaAllah. Und das macht sich besonders bei Todesfällen bemerkbar. Alle, die mit dem Verstorbenen oder dessen Angehörigen bekannt sind, kommen zum Beileid aussprechen. Wohlbemerkt, nur zum Beileid aussprechen, nicht zum Essen. Das einzige was angeboten wird, sind Milch mit Datteln oder Tee mit Brot. Aber ich schweife ab 😅

Ich bin akzeptiert und voll integriert, musste mich aber sehr stark anpassen. Es ist halt leichter sich selbst zu verändern, als zu verlangen, dass sie sich ändern.

9. Was ist das, was dich am meißten dort beeindruckt, und womit kommst du immer noch nicht zurecht?

Am meisten beeindruckt mich die Gesellschaft und die Selbstverständlichkeit des Islams. Natürlich gibt es Streitpunkte, aber das ist ja normal.

Was ich noch toll finde: in Libyen tragen die Männer noch immer jeden Freitag, zu Eid und zu Hochzeiten traditionelle Kleidung. Ich find da sooo hübsch. Ich bin voll begeistert 😁

Libyen traditional clothes

Womit ich noch immer nicht zurecht kommen? Die Massen an Sand und Insekten 😣😅

Libyen-Wir leben zw.Mittelmeer und Wüste
Die Wüste im Landesinneren sowie der Strand am Meer machen den Sand zum treusten Gefährten!

10. Was würdest du deinen Geschwistern empfehlen, die auch auswandern wollen?

Offenheit für Veränderungen, auch und besonders an sich selbst. Man kann nicht einfach seinen gewohnten und erlernten deutschen Lebensstil eins zu eins übertragen. Das habe ich mit der Geburt meines ersten Kindes in Libyen erfahren müssen 😆 Man darf bei der Geburt niemanden dabei haben, aber nach Ankunft daheim ist nichts mit der deutsch empfohlenen Ruhe 😅

Wirklich, traut euch zur Hijrah. Schon allein der Kinder wegen. Dass sie ganz normal als Muslime aufwachsen, völlig integriert und akzeptiert, ist so wertvoll. Kinder sind eine Amanah [anvertrautes Gut, Anm.d.R.] von Allah und wir sollten es ihnen so leicht wie möglich machen als Muslime zu leben und den Islam zu lieben in den Zeiten der Fitna [Versuchung].

Libyen- Das Mittelmeer
Das Mittelmeer bei Misrata
Libyen-außerhalb der Stadt. Städtische Olivenplantagen
Olivenhaine am Stadtrand

Vielen Dank liebe Amina für dein hoch interessantes Interview! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und immer beschützen!!!

In dem heutigen Interview hat Amina etwas ganz Wichtiges angesprochen: die Anpassung. Mein Lieblingszitat von ihr ist, dass man in einem Arabischen Land seinen Deutschen Lebensstil nicht 1 zu 1 übernehmen kann. Wie Recht sie damit hat! Denn wenn man stets von der Deutschen Höflichkeit bzw.Zurückhaltung, Deutscher Gründlichkeit etc. träumt, wird man woanders einfach nie glücklich!

Man kann nur das Beste hoffen für dieses Land und seine Leute. Möge es wieder komplett zur Ruhe kommen und mögen seine Bewohner wieder vereint werden!

Wie immer seid ihr herzlich Willkommen, dises Interview zu teilen, kommentieren, und liken. Wenn der Umzug dieser Seite richtig geklappt hat (auf eine andere Domain), sollte Letzteres auch möglich sein, ohne sich bei WordPress anmelden zu müssen.

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

Interview England: Everything is possible!

 

As salaamu alaikum and Hello dear readers,
In this blog we want to build bridges in many ways: we want to connect people like Non-Muslims and Muslims, Somalis and Non-Somalis, and all the others, through giving them a different picture than they usually get because of generally negative media propaganda.
One of our ways to do that is a series of Interviews with German Muslim women, who made a special journey: they moved from their home country to an „undeveloped“ Muslim country, in order to get freedom of religion. This act is called „Hijrah“ in Muslim terms- to emigrate to a country, where you can freely practice your religion.
We started this series in German language in order to encourage more Muslims in Germany, to do the same and to show them all the possibilities they have. But since our Interview partner this time emigrated to England, we thought it would be nice, if also English speakers get the possibility to widen their horizon and get an insight in the difficulties, which a Muslima has to face in her own country- only because of her different belief.
So I hope, you enjoy the following Interview with our sister Carina El-Behouti!
I am very happy to introduce you today to a premiere: it’s about an interview with a sister who did not emigrate to a Muslim country (as the previous Interview-partners), but to England. Yes, that works too – because if you stay in non-Muslim countries, you should always choose the „lesser evil“. Smaller evil in the sense that one can freely practice his religion (Islam). This is clearly better guaranteed in England than in Germany
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City-Bus in Bradford, advertising sayings of Prophet Mohammad (Peace and blessings be upon him)
It is also the first time that the interview was mainly oral. The formulation remained with me, but was extended and corrected by Carina, our current protagonist.
Let’s come to Carina. She is a German Muslima and a Psychological Coach by profession and passion. For me, she is a very special person, because she has turned my life upside down by coaching me! With her wonderfully positive nature and her amazingly effective methods, I have been able to develop into a self-assured, grateful person who now knows her strengths and goals much better, alhamduliLlah. May Allah reward her for it abundantly!
The mother of 3 teenage girls has also experienced a lot by herself and lived in different countries, until she finally landed in England a few years ago.
There she started to work from 0 to 100, and now has her own coaching and allergy practice. In addition, she is constantly engaged in training and further education, in order to help more people out of their life’s crises.
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Carina in her Practice
Anyone interested in visiting her pages to find out more about her work, will find it here:
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Now we’ve put together some information about England as a country of emigration for you, which I hope will be useful for one or the other.
You are welcome to comment, ask questions or just like it.

When and why did you emigrate to England?

In May 2013. I love growth in every way. For me growth means being able to develop freely without being hindered.
In addition, I need a „healthy environment“ where everything is possible and I can thrive. Just as a flower can only thrive in good and healthy surroundings.
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Carina found the healthy suroundment she needed in England, in order to develop

 

England was closest to me, where I do not feel my soul constricted. Here there is no such racism as in Germany, alhamduliLlah.
Certainly in places there is also racism. But you do not have to live there! I am respected here for what I am. I am Muslim and have many skills that are greatly honored here, maa shaa Allah. And that motivates, of course.
England is an incentive for me to reach my highest potential. And we have this freedom here as Muslims, alhamdullilah.

How long have you been preparing for your Hijrah?

Psychologically I had prepared myself and my children for a very long time for England, possibly 4 years. I took my kids to a private language school once a week so they playfully learn English. It always made me feel good, because it brought me a step closer to my goal.
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They don’t loose their focus easily and hold together: Carina and her kids!
I knew that it could be tough in England because I had lived there for 3 months in 2008 with my children. That’s why I wanted to be properly prepared this time inwardly and outwardly.
It is very important that you know what you want to work here. In order to improve my possibilities, it occurred to me suitable to do an apprenticeship in Hijama therapy [Hijama means cupping]. That was possible online, alhamdullilah. Furthermore it was a good possibility to learn English, which at that time I only understood 10%. But you have to face such challenges if you want to take a big step in life. Furthermore I registered myself beforehand for an apprenticeship as an Allergy Therapist and planned to study Islamic Medicine in England. So I planed already, what I will do when I’ll be in England, and that helped me a lot later on.
Walk your way slowly if you want, but always have your goal in mind and work towards it!
For two years I really prepared my departure. Have contacted people in England, obtained all the information and laws about the country, get passports.
In the end I HAD to go then. I did not want to – was really feeling a kind of fearBut then I had to go through. Just booked our tickets and disappeared like nowhere. It will work out somehow. Eyes shut and go for it!
In the end, it was also harder for me to go, since I had just started my practice and had treated sisters with Hijama and other healing methods. Allah had blessed me very much back then. I was doing better financially than ever before and I loved my job and my patients. It was a real test to go in this situation.
I cried for days and my patients and friends with me. But I had decided. I wanted a better future for my children. And I absolutely could not imagine these in Germany for my children. I wanted to spare my children this rejection and racism. And I wanted them to make something beautiful out of their lives, despite abaya and headscarf and with Islam in their hearts.
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Just go ahead- into a better future!

How was it for you to emigrate as a woman on your own with children?

It was very, very tough. I arrived there with nothing and suddenly had no apartment available. Then they shipped me every few days in changing hotels, until something would be found for me. That is a long story. The English Muslims wanted to help me to get a council house, so I would have to pay little rent. That was in London, where the rents are insanely high (about 3,500 GBP a month). But somehow that was no life for me and the children – this eternal tinkering, until one has a better life. In Ramadan 2013, I decided to just leave London and make myself and my girls comfortable in Birmingham.
When we settled in Birmingham, we were really happy. Of all the cities I have lived in, I would recommend Birmingham to everyone again.
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Carina´s girls- at least they got a settled home in Birmingham (2013)

Which cities can you recommend for new migrants?

Birmingham is very good for the beginning. There is a huge Ummah [Muslim society]- even a German sister club – and there is really everything for Muslims: shops, fitness, Islamic schools, Qur’an classes, etc. It is called The Mekka of Europe”- very open and international! At Eid [Muslim Festival] there is a huge festival organized by Muslims, to which even people from all over Europe travel to. More than 10.000 Muslims pray together on the ground at Small Heath Park. If you are looking for a strong feeling of unity, it is best to go there. The only downside is the garbage and the rats, who take a tear even from cats.

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Carina with her girls in Eid, Birmingham.

NottinghamNottingham is well-suited for those seeking a high standard of education. Although fewer Muslims live there, and society itself, including the Muslims, consists mainly of academics. It is very clean there and the schools and universities have a very good reputation. Sisters there are highly educated and very intellectual. Unfortunately, I cannot recommend the Islam boarding school for girls,  because there is a lot going very wrong and children there rather learn to hate Islam – instead of learning to love it, through their way of extremism.

Leicester is also known for his high Muslim share. Lifestyle is a mix between Birmingham and Nottingham.

Leeds– the suitable city for those, who prefer a big and clean city. There are many Pakistani’s and Arabs, but „Niqabi’s“ are much more found in Birmingham.

Bradford is also a good place for Muslims. The nature is beautiful there and there are also many Muslims. It is not as clean as in Leeds, but the rent is very cheap. There I finally ended up.

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Beautiful nature in Bradford

Which schools can you recommend there – Islamic or state?

Generally, the schools are very well organized. Students are divided into 5 difficulty levels and taught according to their levels. That does not mean that they can not improve to another level!
On the Internet there is an overview of the schools and their quality. Every few years they are checked and evaluated by a committee. The best schools are praised as „outstanding„.
Sadly, Islamic schools are not having it as easy as they used to. Since 2 years, they have to follow the state curriculum, which i.a. strongly propagated the varierity of sexualization (lesbians, gays, etc.). As a parent you just have to be very vigilant and educate your kids. Some Islamic schools also have less qualified teachers. So you have to be well informed about their quality.
State schools vary a lot from the Muslim share. Some even have more Muslims than non-Muslim students, and prayer places and other freedoms are granted to them. One school even organized school vacations to Makkah every year!
Unfortunately, a few schools have recently been closed or radically reclassified, which had a very high Muslim share. Although they were classified as „outstanding,“ they were a thorn in the view of the government.

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Carina’s kids in (public) school uniform, with additional Hijab. In England they are respected and tolerated in this way.
Thankfully, there is also the option of homeschooling here. Whether you homeschool by  yourself, or connect with other homeschool parents- it‘ s up to you!

How long does a mother have maternity protection? And at what age do children have to go to kindergarten?

There is no kindergarten duty here. From the age of 5, children must go to school or stay at home if the mother applies for homeschooling. I know a German sister, who has never sent her 4 girls to school, but has taught them by herself, in order that they don’t forget their mother tongue. Everything is possible here, alhamduLlilah.
Maternity leave is usually one year, but varies from employer to employer.

How can you avoid forced vaccinations if you are a total opponent of it?

Vaccination is not a duty in England, but is indirectly propagated as such. When I learned that it was not a duty, I refused to have my children vaccinated.
This is not welcome here. However, I have learned to only say that one sentence. „You can not force me!„, Then you are taken out of the vaccine system.
I have even given many of my patients this tip and it works for everyone. Although the fear here is very huge, if someone is against vaccination. Simply  be confident, then everything works, in shaa Allah!

Do I have to speak perfect English to get by?

I only spoke a little bit English at the beginning. Honestly, it was very hard for me, without fluent English. That bothered me a lot because I can not do my job as a therapist without good language skills. Of course, you learn that over time. However, I never went to school here, but learned the language from my patients, and the correction came often from my children, who picked up the language so quickly. They speak English for 8 hours a day at school, so that they were far ahead of Mama at some point and smiled more and more about Mami’s English. I can live with it. The main thing is that you keep developing and improving yourself.
On my wall hangs a large self-written picture. „My English is excellent, alhamdullilah.“ Such affirmations can do wonders if you read them every day, in shaa Allah!
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After hardship came release: nowadays Carina and her girls speak English fluently!

Do you regret your decision?

No, just the opposite!
I have not regretted my decision to leave Germany for a single minute, alhamduliLlah! For here, as a Muslim, you simply have a more self-determined, free and carefree life than in Germany.
I can develop freely here and that is very important to me personally.
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England meets America: Carina with her previous mentor Haleh Banani

England is not far from Germany. Do you miss anything from your home country?

I had missed my linseed oil, my mustard and quark for a long time. Sometimes I wish, there was German pudding powder here. But khair in shaa Allah. You can not have everything babe, lol.
I have never missed Germany in itself, for that I had too many traumatic experiences.
In England I am even more respected as a German than in Germany. In Germany I am not even regarded as fully fledged Germans. Whereas, as a therapist from Germany I have more chances to win patients, because Germany is regarded as a country of very high quality – not only by the Muslims, but also by the English.
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Best chances for a good career in England: Carina in her office, in front of her certificates.
For my children it’s the same: when the teachers at school learned that my children are Germans, they are treated preferentially.
Germany has a very good reputation worldwide, I would say. But you should not live in the country itself. Hahaha!

What tips would you advise your brothers & sisters in Islam when it comes to Hijrah to England?

  • Be prepared in any case, trust in Allah, and then progress to action!
  • Do not expect anything from others, just from yourself! That means, take care that you find work there, looking for the best opportunities- it’s in your hands to become succesful!
  • The standard of living of local Muslims is rather high, so see this as motivation to make the best out of you!
  • Also, trust in Allah – if you purposely do the Hijrah, He will never let you down!
As I wavered in the end, if I should now dare to take the step, I read a verse in the Qur’an that spurred me on to leave.
And whoever emigrates in the way of Allah, will find some refuge and aid on earth. And whoever leaves his house and emigrates to Allah and His Messenger, and death overtakes him, whose reward falls to Allah; and Allah is forgiving and merciful.
(Sura 4, verse 100)
That was it for me. And it was like a promise from Allah!
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And why I was so determined from the beginning to go, was the following verse:
Those who call the angels off while doing themselves wrong (to those) say, „What were you in?“ They say, „We were oppressed in the land.“ They (the angels) say, „Was not Allah’s earth far, so that you could have emigrated to it?“ But those, – their sanctuary will be hell, and (how) evil is the outcome! (4:97)
This evil outcome, hell, really frightened me and I thought, „I have been discriminated against in my country and have suffered every day and my children as well, and in the end I am being punished by Allah and going to hell?
It was clear to me that I had to go.
We are not even right to complain to Allah when we are in bad shape in Germany. Allah’s earth is big enough – believe me, dear sisters and brothers. And Allah promises to help. Now it’s up to you to break out of the dilemma and go and have a better life. There is nothing better than freedom. And you will find them all over the world, except in Germany. This is my opinion. Be brave!
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It was the struggle worth: Carina and her girls on their first holiday since their emigration.

Wow, do you realize the energy of this woman? If she puts something in her head, then she creates that too – she pulls it through, to the end, maa shaa Allah!
May Allah reward her tremendously for all her efforts and may Allah repay her with the best that she participated in this interview!
I can just recommend her to anyone as a counselor – be it Muslims or non-Muslims. And with her strong willpower, she is a great role model for us: she shows us that as Muslimas we can achieve something, we just have to realize our full potential and take action, in shaa Allah!
I hope you have been as inspired by Carina as I am. If so, like, comment and share 🙂
Greetings,
Your Khalisa

14.Interview: Aufstieg in England

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Ich freue mich sehr, euch heute eine Premiere vorzustellen: es geht um ein Interview mit einer Schwester, die nicht in ein muslimisches Land ausgewandert ist, sondern nach England. Ja, das geht auch- denn wenn man schon in nicht-muslimischen Ländern bleibt, sollte man sich immer das „Kleinere Übel“ aussuchen. Kleineres Übel in dem Sinne, als dass man seine Religion (Islam) frei ausleben kann. Das ist in England eindeutig besser gewährleistet, als in Deutschland.

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Auf Bussen werden Aussagen des Propheten Mohammed (Frieden und Segen auf ihm) unter die Menge gebracht, mit Vorurteilen abgebaut.

Außerdem ist es auch das erste Mal, dass das Interview hauptsächlich mündlich stattfand. Die Ausformulierung blieb bei mir, wurden jedoch von Carina, unserer heutigen Protagonistin, erweitert und ggf.korrigiert.

Kommen wir nun zu Carina. Sie ist eine ganz besondere Person für mich, denn sie hat mein Leben durch mein Coaching bei ihr ziemlich auf den Kopf gestellt! Mit ihrer wundervollen positiven Art und ihren sagenhaft effektiven Methoden, habe ich mich zu einer selbstbewussten, dankbaren Person entwickeln können, die ihre Stärken und Ziele nun viel besser vor Augen hat, alhamduliLlah. Möge Allah sie dafür reichlichst belohnen!

Auch selber hat die Mutter von 3 Teenager- Mädchen schon so einiges erlebt und in verschiedenen Ländern gelebt, bis sie letztendlich vor ein paar Jahren in England gelandet ist.

Dort arbeitete sie sich von 0 auf 100, und hat inzwischen eine eigene Coaching- und Allergie-Praxis. Zudem ist sie ständig damit beschäftigt, sich weiterzu bilden, um noch mehr Menschen aus ihren Lebenskrisen helfen zu können.

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Carina in ihrer Praxis.

Wer Interesse hat, ihre Seiten zu besuchen, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren, wird hier fündig:

Carina´s Website;

Carina´s Kurs über die 4 Temperamente in ihrer ASMU Academy;

Ihre FB-Gruppe zur ASMU Akadamie;

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In ihrer ASMU Akademie bietet Carina zukünftig Kurse an.

Carina´s persönliche FB-Seite;

Ihre Coaching-FB Seite auf Englisch;

Ihre Coaching-FB Seite auf Deutsch;

Ihre Growth and Wellness FB-Gruppe;

Carina´s Youtube- Kanal.

Nun haben wir für euch ein paar Informationen über England als Auswanderungsland zusammengestellt, die hoffentlich von Nutzen sind für den ein oder anderen.

Gerne dürft ihr Kommentieren, Fragen stellen oder einfach nur liken 🙂


Wann und warum bist du ausgerechnet nach England ausgewandert?

Im Mai 2013. Ich liebe Wachstum- in jeder Hinsicht. Wachstum bedeutet für mich, mich frei entwickeln zu können, ohne behindert zu werden.

Außerdem brauche ich ein „gesundes Umfeld“, wo mir alles möglich ist und ich gedeihen kann. So wie eine Blume nur in gutem und gesundem Umfeld gedeihen kann.

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Carina hat das gesunde Umfeld, welches sie braucht, um sich yu entwickeln, in England gefunden.

Und England lag da für mich am nächsten, wo meine Seele sich nicht eingeengt fühlt. Hier gibt es solchen Rassismus nicht wie in Deutschland, alhamduliLlah.

Sicherlich in machen Orten schon. Aber dort muss man ja nicht leben. Ich werde hier respektiert für das, was ich bin. Ich bin Muslim und habe viele Fähigkeiten, die hier sehr honoriert werden, maa schaa Allah. Und das motiviert natürlich.

England ist für mich ein Ansporn, mein höchstes Potential zu erreichen. Und diese Freiheit haben wir hier als Muslime, alhamdullilah.

Wie lange hattest du dich auf deine Hijrah drauf vorbereitet?

Also psychisch hatte ich mich und meine Kinder schon sehr lange auf England vorbereitet, eventuell 4 Jahre. Ich habe meine Kinder einmal pro Woche zu einer privaten Sprachschule gebracht, so dass sie spielerisch Englisch lernen. Das gab mir immer ein gutes Gefühl, weil ich damit meinem Ziel immer ein Stück näher kam.

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Sind ein starkes Team: Carina und ihre Mädels lassen sich durch nichts so leicht von ihren Zielen abbringen!

Ich wusste, das es taff werden kann in England, weil ich hier 2008 schon mal mit meinen Kindern 3 Monate gelebt hatte. Deshalb wollte ich dieses Mal richtig innerlich und äußerlich drauf vorbereitet sein.

Es ist sehr wichtig, dass du weißt, was du hier arbeiten möchtest. Und da kam mir in den Sinn, einfach eine Ausbildung in Hijama Therapie zu machen [Hijama bedeutet Schröpfen]. Das war online möglich, alhamdullilah. Damit konnte ich auch gleich Englisch lernen, was ich damals nur zu 10 % verstanden hatte. Aber man muss sich wirklich solchen Herausforderungen stellen, wenn man einen großen Schritt im Leben gehen möchte. Desweiteren hatte ich mich schon für eine Ausbildung als Allergie- Therapeutin in England angemeldet und ich wußte schon, dass ich dort auch Islamische Medizin studieren werde. Ich hatte dies also alles schon im Vorfeld geplant, denn Planung ist das A und O.

Geh deinen Weg langsam, wenn du möchtest, aber habe immer dein Ziel vor Augen und arbeite darauf hin.

2 Jahre habe ich dann wirklich praktisch meine Ausreise vorbereitet. Habe Leute kontaktiert in England, alle Informationen und Gesetze übers Land eingeholt, Pässe machen lassen.

Am Ende MUSSTE ich dann gehen. Ich wollte nicht mehr- hatte echt Sch… Aber da musste ich dann durch. Habe einfach unsere Tickets gebucht und bin wie im Nichts verschwunden. Es ist schon Überwindung dabei. Augen zu und durch.

Für mich war es am Ende auch schwieriger zu gehen, da ich gerade meine Praxis aufgebaut hatte und Schwestern mit Hijama und anderen Heilmethoden behandelt hatte. Allah hatte mich damals sehr gesegnet. Mir gings finaziell so gut wie nie zuvor und ich liebete meine Arbeit und meine Patienten.

Ich habe tagelang geheult und meine Patienten und Freunde mit mir. Aber ich hatte mich entschieden. Ich wollte eine bessere Zukunft für meine Kinder. Und diese konnte ich mir in Deutschland für meine Kinder absolut nicht vorstellen. Ich wollte meine Kindern diese Ablehnung und den Rassismus ersparen. Und ich wollte, dass sie etwas Schönes aus ihrem Leben machen, trotz Abaya und Kopftuch und mit dem Islam im Herzen.

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Auf, in eine bessere Zukunft!

Wie war es für dich, so als Frau ganz alleine mit Kindern auszuwandern?

Es war sehr, sehr taff. Ich kam dort mit nichts an und hatte auf einmal keine Wohnung zur Verfügung. Dann haben sie mich alle paar Tage in wechselnde Hotels verschifft, bis etwas für mich gefunden wurde. Das ist eine lange Geschichte. Die englischen Muslime wollten mir helfen, um an ein Council Haus zu kommen, damit ich wenig Miete bezahlen muss. Das war allerdings in London, wo die Mieten wahnsinnig hoch sind (ca.3996 Euro im Monat). Aber irgendwie war das kein Leben für mich und die Kinder- dieses ewige Hin- und Herziehen, bis man mal ein besseres Leben hat. Im Ramadan 2013 habe ich dann entschieden, London einfach zu verlassen und es mir und meinen Mädels in Birmingham gemütlich zu machen.

Als wir und in Birmingham eingelebt hatten, waren wir richtig glücklich. Von allen Städten, in denen ich jetzt gelebt habe, würde ich jedem Birmingham wieder empfehlen.

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2013 endlich in Birmingham angekommen!

Welche Städte kannst du für Neu- Zuwanderer empfehlen?

Birmingham ist sehr gut für den Anfang. Dort ist eine riesen Ummah– selbst ein deutsches Schwesterntreff- und es gibt dort wirklich alles für Muslime: Shops, Fitness, Islamische Schulen, Qur´an Unterrichte, etc. Es wird das „Mekka Europas“ genannt-ist sehr offen und international! An Eid [Muslimisches Fest] gibt es dort eine riesen Kirmes, welche von Muslimen organisiert wird, und zu der sogar Leute aus ganz Europa anreisen.

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Carina mit ihren Mädels an Eid in Birmingham

Mehr als zehntausend Muslime beten hier auf dem Rasen des Small Heath Parks. Wer ein starkes Zusammengehörigkeits-gefühl sucht, geht am besten dorthin. Der einzige Nachteil ist dort der Müll und die Ratten, die selbst vor Katzen kein Reißaus nehmen.

Nottingham.jpgNottingham ist für jene gut geeignet, die einen hohen Bildungsstandard suchen. Dort leben zwar weniger Muslime, jedoch die Gesellschaft an sich inklusive den Muslimen, besteht hauptsächlich aus Akademikern. Es ist dort sehr sauber und die Schulen und Universitäten haben einen sehr guten Ruf. Schwestern dort sind hochgebildet und sehr intellektuell. Bloß vor dem Islam- Internat für Mädchen muss ich leider warnen, da dort so einiges sehr schief läuft und Kinder dort eher den Islam hassen – statt lieben lernen.

Leicester ist auch bekannt für seinen hohen Muslim-Anteil. Vom Lifestyle ist es eine Mischung zwischen Birmingham und Nottingham.

Leeds– Wer es eher großstädtig mag, geht nach Leeds. Leeds ist eine sehr saubere Stadt, wo neben Pakistanern auch sehr viele Araber leben. Hier findest du eher weniger Niqabis, die du zu Hunderten in Birmingham siehst.

Bradford ist ebenfalls ein guter Ort für Muslime. Die Natur ist dort wunderschön und es gibt dort ebenfalls sehr viele Muslime. Dort bin ich letztendlich gelandet. Die Mieten sind hier sehr günstig, allerdings ist es hier mancherorts auch sehr müllig.

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Wunderschöne Natur in Bradford

Welche Schulen dort kannst du empfehlen- Islamische oder Staatliche?

Allgemein sind die Schulen sehr gut organisiert. Schüler werden in 5 Schwierig-keitslevels eingeteilt und entsprechend ihrer Level unterrichtet. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auf- oder absteigen können!

Im Internet gibt es eine Übersicht über die Schulen und ihre Qualität. Alle paar Jahre werden sie nämlich von einem Kommittee überprüft und bewertet. Die besten Schulen werden als „outstanding“ gepriesen.

  • Islamische Schulen haben es leider nicht mehr so leicht wie früher. Seit 2 Jahren müssen auch sie dem staatlichen Curriculum folgen, welches u.a. stark die Viel-Sexualisierung (Lesben, Schwule, etc.) propagiert. Da muss man als Eltern einfach sehr wachsam sein und aufklären. Manche Islamischen Schulen haben außerdem nicht so qualifizierte Lehrer. Also muss man sich vorher gut über deren Qualität informieren.
  • Staatliche Schulen variieren sehr vom Muslim-Anteil. Manche haben sogar mehr Muslime als Nicht-Muslime im Schüleranteil, Gebetsplätze und andere Freiheiten werden ihnen auch eingeräumt. Leider wurden in letzter Zeit ein paar Schulen geschlossen bzw. radikal umbesetzt, die einen sehr hohen Muslim-Anteil hatten. Obwohl sie als „Outstanding“ eingestuft wurden, waren sie der Regierung ein Dorn im Auge.

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Carina´s Töchter in ihren Schuluniformen und ihrem Hijab (das Normalste der Welt in England!)- in einer staatlichen Schule, die jährlich Klassenfahrten nach Mekka organisiert hatte.
  • Gott sei Dank gibt es hier jedoch auch die Möglichkeit, Homeschooling zu betreiben. Ob man dies selber macht, oder sich mit anderen Homeschool-Eltern zusammen tut, ist einem selbst überlassen.

Was sollte man unbedingt beachten, wenn man nach England auswandern möchte?

Man muss sich bewußt sein, dass das System hier sehr offen ist und nicht so sicher und bequem wie in Deutschland.

Hier kriegt man nur Unterstützung vom Staat in Form von Kindergeld, Wohngeld, etc., wenn man auch arbeitet und eine Versicherungsnummer hat (National Insurance Number)

Diese bekommt man allerdings erst, wenn man 3 Monate dort gearbeitet hat- sowohl Männlein als auch Weiblein. Wenn man zu wenig verdient, bekommt man nicht mal Wohngeld- ganz wichtig!!

Man muss sich also am besten im Voraus eine Arbeit organisieren oder solange vom Angesparten leben, bis man Arbeit findet.

Wie bekommt man in England finanzielle Unterstützung?

Sobald man 3 Monate gearbeitet hat, hat man ein Anrecht auf die National Insurance Number, ohne die man in England illegal ist.

Dann beantragt man bei der Queen „Child Benefit, welches einem das Recht gibt auf andere Leistungen, wie z.B. Wohngeld, „Work and Child Tax Credit“, etc. gibt und man automatisch staatlich krankenversichert wird.

Wie beantrage ich solche Leistungen, muss ich direkt zur Queen, oder was?

Nein, inzwischen kann und soll man alle Anträge online beantragen!

Wie lange hat eine Mutter Mutterschutz? Und ab welchem Alter müssen Kinder in den Kindergarten?

Kindergarten-Pflicht gibt es hier gar nicht. Ab 5 Jahren müssen die Kinder zur Schule gehen oder bleiben zu Hause, wenn die Mutter Homeschooling beantragt. Ich kenne eine deutsche Schwester, die niemals ihre 4 Mädels zur Schule hat gehen lassen, sondern sie selbst unterrichtet hat, damit sie die Deutsche Sprache lernen. Ist hier alles möglich, alhamduLlilah.

Mutterschutz gibt es in der Regel ein Jahr.

Wie kann man Zwangsimpfungen aus dem Weg gehen, wenn man ein totaler Gegner davon ist?

Impfen ist in England keine Pflicht, wird aber als solche indirekt propagiert. Als ich erfuhr, dass es keine Pflicht ist, habe ich es abglehnt, meine Kinder impfen zu lassen.

Das wird hier nicht gerne gesehen. Ich habe allerdings gelernt , wenn man nur diesen einen Satz sagt. „You can’t force me!“, dann wird man sozusagen komplett aus dem Impfsystem rausgenommen.

Ich habe selbst vielen meiner Patienten diesen Tipp gegeben und das funktioniert bei allen. Obwohl die Angstmache hier sehr groß ist, falls jemand gegen das Impfen ist. Einfach selbstbewusst bleiben, dann klappt alles, in shaa Allah!

Muss ich perfektes Englisch sprechen, um dort zurecht zu kommen?

Ich sprach nur ein bisschen Englisch am Anfang. Es war ehrlich gesagt sehr schwer für mich, ohne fließendes Englisch. Das hat mich schon sehr gestört, da ich ohne gute Sprachkenntnisse schlecht meinen Beruf als Therapeutin ausüben kann. Mit der Zeit lernt man das natürlich. Allerdings ging ich hier nie zur Schule, sondern habe die Sprache von meinen Patienten gelernt und die Korrektur kam oft von meinen Kindern, welche die Sprache so schnell aufnehmen. Sie sprechen ja 8 Stunden am Tag in der Schule Englisch, so dass sie der Mama irgendwann weit voraus waren und immer mehr über Mamis Englisch schmunzelten. Ich kann damit leben. Hauptsache, dass man sich immer weiter entwickelt und verbessert.

An meiner Wand hängt ein großes selbstgeschriebenes Bild. „My English is excellent, alhamdullilah.“ Solche Affirmationen können Wunder bewirken, wenn man sie jeden Tag liest, in schaa Allah!

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Nach Erschwerniss kommt immer Erleichterung: heute sprechen Carina und ihre Kinder flüssiges Englisch.

Bereust du deine Entscheidung?

Nein, ganz im Gegenteil!

Ich habe meine Entscheidung, Deutschland zu verlassen, keine einzige Minute bereut, alhamduliLlah! Denn hier hat man als Muslim einfach ein selbstbestimmteres, freieres und unbeschwerteres Leben als in Deutschland.

Ich kann mich hier frei entfalten und das ist mir persönlich sehr wichtig.

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England trifft auf Amerika: Carina mit ihrer früheren Mentorin Haleh Banani

England ist ja nicht weit von Deutschland.Vermisst du irgendetwas aus deiner alten Heimat?

Ich hatte lange Zeit mein Leinöl, meinen Senf und meinen Quark vermisst. Manchmal wünsche ich mir, es gebe hier normales Puddingpulver wie in DL, Aber khair in schaa Allah. Du kannst nicht alles haben, lol.

Deutschland an sich habe ich nicht ein einziges Mal vermisst, dafür hatte ich zu viele traumatische Erlebnisse gehabt.

In England werde ich sogar als Deutsche mehr respektiert als in Deutschland. In Deutschland werde ich nicht mal als vollwertige Deutsche angesehen. Hier schon. Ich habe z.B. als Therapeutin aus DL mehr Chancen, Patienten zu gewinnen, weil DL als Land sehr hochwertig angesehen wird- nicht nur von den Muslimen, sondern auch von den Engländern.

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Beste Berufschancen in England- Carina in ihrer Praxis, im Hintergrund ihre Zertifikate.

Seit die Lehrer in der Schule erfuhren, dass meine Kinder Deutsche sind, werden sie bevorzugt behandelt. DL hat welweit einen sehr guten Ruf, würde ich sagen. Nur im Land selber sollte man nicht leben. Hahaha!

 

Welche Tipps würdest du deinen Geschwistern im Islam raten, wenn es um die Hijrah nach England geht?

  • Bereitet euch auf jedenfall gut vor, vertraut auf Allah, und dann schreitet aber auch zur Tat!
  • Erwartet nichts von anderen, sondern nur von euch selbst! Das heißt, kümmert euch, dass ihr dort Arbeit findet, sucht nach den besten Möglichkeiten.
  • Der Lebensstandard der hiesigen Muslime ist eher hoch, also sieh dies als Motivation, das Beste aus dir zu machen!
  • Zudem vertraue auf Allah- wenn du mit reiner Absicht die Hijrah vollziehst, wird Er dich nie im Stich lassen!

Als ich noch so schwankte am Ende, ob ich doch nun den Schritt wagen sollte zu gehen, habe ich einen Vers im Qur´an gelesen, der mich sehr angespornt hat zu gehen.

Sure 4, Vers 100: Und wer auswandert in Allahs Weg, wird auf der Erde manche Zuflucht und Hilfsmittelfinden. Und wer sein Haus verläßt und zu Allah und Seinem Gesandten auswandert, und der Tod ereilt ihn dann, dessen Lohn fällt Allah zu; und Allah ist verzeihend und barmherzig.

Das war´s eindeutig für mich. Und es war wie ein Versprechen von Allah.

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Und warum ich von Anfang an überhaupt so entschlossen war, gehen zu MÜSSEN, war folgender Vers:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“ Jene aber, – ihr Zufluchtsort wird die Hölle sein, und (wie) böse ist der Ausgang! (4:97)

Dieser böse Ausgang, nämlich die Hölle, hat mir richtig Angst gemacht und ich dachte, „Ich wurde diskriminiert in meinem Land und habe jeden Tag gelitten und meine Kinder auch, und am Ende werde ich dafür von Allah noch bestraft und soll zur Hölle gehen?“

Da war für mich klar, dass ich gehen MUSS. Wir haben nicht einmal Recht, uns bei Allah zu beschweren, wenn es uns in Deutschland schlecht geht. Allahs Erde ist groß genug- das könnt ihr mir glauben, liebe Geschwister. Und Allah verspricht zu helfen. Nun liegt es an dir, aus dem Dilemma auszubrechen und zu gehen und ein schöneres Leben zu haben. Es gibt nichts besseres, als die Freiheit. Und die wirst du überall auf der Welt finden, nur nicht in DL. Das ist meine Meinung. Sei mutig!

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Der ganze Struggle hat sich gelohnt: Carina mit ihren Mädels gönnen sich einen Urlaub.

Wow, merkt ihr die Power dieser Frau? Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann schafft sie dass auch- sie zieht es durch, bis zum Ende, maa shaa Allah!

Möge Allah sie reichlichst belohnen für all ihre Bemühungen und möge Allah es ihr mit dem besten vergelten, dass sie an diesem Interview teilgenommen hat.

Ich kann sie einfach jedem als Beraterin empfehlen- sei es, für Muslimas oder Nichtmuslimas. Und mit ihrer starken Willenskraft ist sie ein großartiges Vorbild für uns, dass wir auch als Muslimas etwas erreichen können, unser Potential voll ausschöpfen können, in shaa Allah!

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Ich hoffe, ihr seid genauso inspiriert worden von Carina wie ich. Wenn dem so ist, liked und kommentiert, was das Zeug hält 😉

Seid lieb gegrüßt,

Eure Khalisa