15.Interview: Libyen, ein ungewöhnliches Hijrah-Land!

Im heutigen Interview geht es um Libyen. Dieses Land ist vor allem für Bürgerkrieg, Wüste und Konzentrationslager für Flüchtlinge (besonders auch Somalische) bekannt. Dass man selbst dort ein ganz normales Leben führen kann, zeigt uns unsere heutige Protagonistin, eine deutsche Muslima namens Amina.

Ich habe dieses Land als Hijrah-Land eigentlich garnicht in Betracht gezogen, da ich von den gängigen (Vor-) Urteilen dieses Landes ehrlicherweise eingenommen war. Bis ich dann in einer WhatsApp Gruppe zum Thema Hijrah von ihr erfuhr. Sofort neugierig geworden, „datete“ ich sie für dieses Interview, alhamduliLlah.

 

Libya Flagge1

Vorab noch ein paar Fakten zum Lande. Und übrigens- für diejenigen, die genauso verwirrt sind wie ich, was die Aussprache und Schreibweise dieses Landes betrifft: Es wird zwar „Libyen“ geschrieben, jedoch `Lybien´ ausgesprochen. Ja, soviel hab ich jetzt auch gelernt 😀

Libyen ist das 4. größte Land im afrikanischen Kontinent, wobei 85% davon Wüste (Sahara) ausmachen und nur 2 % für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz Gaddafi´s gibt es dort immer wieder Machtkämpfe zwischen Süd und Nord, aber auch die Extremen ISIS wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Trotzdem soll es laut den Vereinten Nationen einer der höchstentwickelten Staaten des Afrikanischen Kontinents sein (s.Wikipedia).

Libyen Karte

Wegen seiner nahen Lage zu Italien (nur durch das Mittelmeer getrennt) ist Libyen auch ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge aus ganz Afrika- selbst viele Somali´s landen dort. Ihrem Traum von einer besseren Zukunft im Westen folgend, erleben sie dort häufig genau das Gegenteil: sie landen in Konzentrations-ähnlichen Lagern und erleben aufgrund des darauffolgenden Menschenhandels und Folterei ein Trauma nach dem anderen. Wer dann noch so glücklich ist, und dort weg kommt, kann sich immer noch nicht sicher sein, was ihn auf dem Meer und in Italien erwartet, und ob er überhaupt überlebt.

Aber all dies wird von Jung und Alt, Mann und Frau in Kauf genommen. Denn der durch Social Media und TV ausgelöste Magnet gen Westen ist stärker als die Angst ums eigene Leben. Man könnte sich denken, die hätten ja nichts zu verlieren! Doch manche verlassen hier sogar ihr eigenes Haus mit Garten, um ihrem Traum zu folgen.

Wie bekommen wir jetzt den Dreh zu unserem Interview? Einfach, indem wir jetzt mal unsere heutige Hauptdarstellerin zu Wort kommen lassen 🙂 Lasst euch mitnehmen in eine andere Welt!


1. Stelle dich bitte unsern Lesern einmal vor! Wie heißt du, wann bist du wohin ausgewandert, und warum?

Ich heiße Amina und bin 2012, aufgrund meiner kranken und altersschwachen Schwiegermutter, nach Libyen ausgewandert. Libyen liegt am Mittelmeer zwischen Tunesien und Ägypten. Es hat ca. 6 Mio. Einwohner und besteht zu großen Teilen aus Wüste. Sand ist in Libyen all gegenwärtig. 2011 herrschte in Libyen Bürgerkrieg und das Land leidet immer noch an den Nachwirkungen: Schmuggel, illegale Einwanderer, instabile Regierung und damit einhergehend ein dramatischer Anstieg von Kriminalität, vor allem in den Großstädten. Die Stadt, in der ich lebe, ist jedoch sehr ruhig und vor allem als Frau kann man hier gefahrlos leben, alhamduliLlah.

Libyen
Ein Überblick über die Stadt Misrata (3.größte Stadt Libyens), in der Amina lebt.

2. Bist du zufrieden dort? Und führst du ein selbst bestimmtes Leben?Wie sieht dein Leben dort aus?

Ich lebe mit meinem Mann, unseren Kindern und meiner Schwiegermutter am Stadtrand – umgeben von Familie und gut bekannter Nachbarschaft – und wir haben einen kleinen Garten alhamdulillah. So haben wir eigene Olivenbäume, Dattelpalmen und Hühner, was ein wirklich großes Geschenk von Allah ist, alhamdulillah. Wir machen dadurch nämlich selbst Dattelsirup, Olivenöl und haben eigene Eier. Was zur Zeit eine riesige finanzielle Entlastung ist.

Hier in der Umgebung ist noch alles relativ ländlich und Schaf-/Ziegen-/Hühner-/Kaninchen-/ und Taubenhaltung sind völlig die Norm. Wir konnten sogar schon Kamele vor der Haustür bestaunen.

Kamele vor der Haustür
Kamele vor der Haustür!

 

 

 

Ich selbst bin überwiegend Hausfrau, Mutter und Altenpflegerin (Schwiegermama), unterrichte und übersetze jedoch Deutsch auf Anfrage, was eine schöne Abwechslung zum Alltag ist. Die Gesellschaft in unserer Stadt ist noch sehr eng miteinander verwoben. Bei jedem Anlass wird sich besucht – zu allgemein bekannten Zeiten / überwiegend zwischen Asr und Maghrib [zw. Nachmittags- und Abendgebet; Anm.]- und das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. 

Ich muss gestehen, dass ich mich an spontanen Besuch noch immer nicht gewöhnt habe. Das ist auch tatsächlich das für mich schwierigste hier: Besuch, wenn man keinen erwartet. Khair inschaAllah, ich arbeite daran 😊

Libyen-Datteln sortieren. Hier trocknen sie nicht am Baum, da das Klima zu feucht ist.
Die heimischen Datteln sortieren: hier trocknen Datteln aufgrund des feuchten Klimas nicht an den Bäumen.

3.Libyen ist ja eher kein gewöhnliches Hijrah-Land. Kannst du es anderen Geschwistern als solches empfehlen?

Ob Libyen ein gutes Hijrah-Land ist? Wenn man mit einem Libyer verheiratet ist, auf jeden Fall. Weil man dadurch in die Gesellschaft integriert ist und aus islamischer Sicht sowieso ❤ Ehrlich. Ich bin begeistert. Die Männer gehen selbstverständlich zur Moschee und übernehmen auch selbstverständlich ihre Pflichten ernst: viele haben mehr als einen Job, haben einen Garten, fahren Frau und Kinder zur Schule, Arzt, Einkaufen und sonstigen Einladungen. Sie sind auch für den normalen Einkauf zuständig. Frauen auf dem Wochenmarkt oder in den kleinen Onkel Ahmed Läden oder Bäckereien oder Fleischereien? Sehr selten alhamdulillah. Und hier ist es auch selbstverständlich, dass der Mann das Familienoberhaupt ist. Wenn man also als Frau mal sagt, mein Mann will das nicht, dann ist das völlig akzeptiert. Für alle, ob Mann/ Frau oder Kind gibt es ein breites Angebot an Koranschulen und islamischen Weiterbildungen. Selbst alte Damen gehen zum Koranunterricht 😍 Das ist sooo schön.

libyen niqabDie Frauen tragen zwar nicht alle Niqab (Gesichtsschleier), aber maschaAllah, die ohne Niqab tragen Abaya und Kopftuch. Aufjedenfall werde ich hier mit Niqab sehr respektiert, alhamduliLlah. Muslimas tragen aus vielfältigen Gründen den Niqab. Entweder sie sind der Überzeugung es sei ihre Pflicht, oder es wäre religiös erwünscht oder weil es landesüblich ist. Hier in Libyen tragen die meisten Frauen den Gesichtsschleier, wenn sie Make-Up tragen (für private, ausschließlich Frauen zugängliche Veranstaltungen), da sie verhindern wollen, Blicke auf sich zu ziehen. Da ich mit meiner hellen Haut und dann vielleicht auch noch lachend definitiv Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde, ist der Niqab mein Schutz. Wenn ich meinen Mund halte, fällt niemandem auf, dass ich Ausländerin bin 😁 Die Männer hier haben auch noch Anstand. Da schaut dich keiner an ❤

4. Hast du schonmal etwas von den Unruhen im Land mitgekriegt und hast du nicht manchmal Angst, in einem Land voller Unruhen zu leben?

Wir leben Gott sei Dank 1.000 km weit weg von den Unruhen, der Bürgerkrieg in dem Sinne war schon vorbei, als wir 2012 hier ankamen. Seitdem ich in Libyen lebe, habe ich „nur“ zweimal etwas beängstigende Situationen erlebt: 1. Mitten in der Nacht schlug nur 200m entfernt von uns eine Handgranate ein. Das war sehr laut und natürlich ein Schock. 2. Aus dem Osten Libyens kam ein Flugzeug an und hat diese Stadt hier bombardiert. Durch das dadurch ausgelöste Gegenfeuer dachten wir einen Moment wirklich, das der Krieg wieder ausbrechen würde. Aber Gott sei Dank war dies nicht der Fall.

Ansonsten weiß ich zurzeit nur von Auseinandersetzungen in Benghazi. Aber ich selbst höre auch gar keine Libyschen Nachrichten 🙈 Ich möchte nichts von Krieg und Schmuggel etc. hören und bin daher sehr uninformiert.

Unsere Stadt Misrata ist aber eine wirklich ruhige Stadt, die versucht, alles in Ordnung zu bringen. Sie drängten hier zum Beispiel auch die ISIS in die Nachbarstadt zurück.

Misrata Shopping Mall

Misrata Shopping Mall1
Shopping Centers in Misrata: höchst modern.

5.Wie sieht es versicherungstechnisch aus? Und wie bekommt man dort ein Visum?

Es gibt Versicherungen, aber viele sind nicht versichert oder nur nur über ihren Arbeitgeber. Wir selbst sind es nicht.
Ein Visum bekommt man nur mit Arbeitserlaubnis oder zwecks Heirat, bzw. wenn man mit einem Libyer verheiratet ist.

6. Wie sind die Schulen dort? In was für eine Schule schickst du deine Kinder?

Die Schulen sind „arabisch schlecht“ 🙈 Aber immerhin, ab der 6. Klasse Geschlechter-getrennt. Wir werden unsere Kinder auf die nächstliegende Schule (300m entfernt) schicken, inschaAllah. Denn die Lehrerinnen sind aus der Nachbarschaft und Verwandschaft und die Kinder ebenso, d.h. man kennt sich. Und vor bzw. nach der Schule haben die Kinder die Möglichkeit Koran und Islam zu lernen.

7. Kannst du dort deine Religion frei ausleben? Oder giltst du als Extremist? In welche Richtung geht der Trend- dass sie zum Deen (Religion) finden oder sich eher westlichen Vorbildern zuwenden werden?

Ja, die Religion kann man hier definitiv frei ausleben. Manchmal hat man es jedoch nicht so leicht, z.b. wenn Kultur mit Religion im Konflikt stehen, wie bei Hochzeiten, welche nicht immer islamisch ablaufen. Denn man ist eigentlich gesellschaftlich dazu verpflichtet, zu hinzugehen und zu helfen.

Ob der Trend mehr zum Deen oder zur Dunya (Weltlichem) geht? Beides gleichzeitig!
Einerseits ist mehr Wissen über die Religion vorhanden und gesellschaftlich auch akzeptiert. Andererseits gibt es aber auch mehr Fitna und Inspiration zum Sündigen.

8.Wie ist die Gesellschaft dort, was macht sie aus? Fühlst du dich akzeptiert?

Die Gesellschaft ist wie gesagt, eng miteinander verbunden maschaAllah. Und das macht sich besonders bei Todesfällen bemerkbar. Alle, die mit dem Verstorbenen oder dessen Angehörigen bekannt sind, kommen zum Beileid aussprechen. Wohlbemerkt, nur zum Beileid aussprechen, nicht zum Essen. Das einzige was angeboten wird, sind Milch mit Datteln oder Tee mit Brot. Aber ich schweife ab 😅

Ich bin akzeptiert und voll integriert, musste mich aber sehr stark anpassen. Es ist halt leichter sich selbst zu verändern, als zu verlangen, dass sie sich ändern.

9. Was ist das, was dich am meißten dort beeindruckt, und womit kommst du immer noch nicht zurecht?

Am meisten beeindruckt mich die Gesellschaft und die Selbstverständlichkeit des Islams. Natürlich gibt es Streitpunkte, aber das ist ja normal.

Was ich noch toll finde: in Libyen tragen die Männer noch immer jeden Freitag, zu Eid und zu Hochzeiten traditionelle Kleidung. Ich find da sooo hübsch. Ich bin voll begeistert 😁

Libyen traditional clothes

Womit ich noch immer nicht zurecht kommen? Die Massen an Sand und Insekten 😣😅

Libyen-Wir leben zw.Mittelmeer und Wüste
Die Wüste im Landesinneren sowie der Strand am Meer machen den Sand zum treusten Gefährten!

10. Was würdest du deinen Geschwistern empfehlen, die auch auswandern wollen?

Offenheit für Veränderungen, auch und besonders an sich selbst. Man kann nicht einfach seinen gewohnten und erlernten deutschen Lebensstil eins zu eins übertragen. Das habe ich mit der Geburt meines ersten Kindes in Libyen erfahren müssen 😆 Man darf bei der Geburt niemanden dabei haben, aber nach Ankunft daheim ist nichts mit der deutsch empfohlenen Ruhe 😅

Wirklich, traut euch zur Hijrah. Schon allein der Kinder wegen. Dass sie ganz normal als Muslime aufwachsen, völlig integriert und akzeptiert, ist so wertvoll. Kinder sind eine Amanah [anvertrautes Gut, Anm.d.R.] von Allah und wir sollten es ihnen so leicht wie möglich machen als Muslime zu leben und den Islam zu lieben in den Zeiten der Fitna [Versuchung].

Libyen- Das Mittelmeer
Das Mittelmeer bei Misrata
Libyen-außerhalb der Stadt. Städtische Olivenplantagen
Olivenhaine am Stadtrand

Vielen Dank liebe Amina für dein hoch interessantes Interview! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und immer beschützen!!!

In dem heutigen Interview hat Amina etwas ganz Wichtiges angesprochen: die Anpassung. Mein Lieblingszitat von ihr ist, dass man in einem Arabischen Land seinen Deutschen Lebensstil nicht 1 zu 1 übernehmen kann. Wie Recht sie damit hat! Denn wenn man stets von der Deutschen Höflichkeit bzw.Zurückhaltung, Deutscher Gründlichkeit etc. träumt, wird man woanders einfach nie glücklich!

Man kann nur das Beste hoffen für dieses Land und seine Leute. Möge es wieder komplett zur Ruhe kommen und mögen seine Bewohner wieder vereint werden!

Wie immer seid ihr herzlich Willkommen, dises Interview zu teilen, kommentieren, und liken. Wenn der Umzug dieser Seite richtig geklappt hat (auf eine andere Domain), sollte Letzteres auch möglich sein, ohne sich bei WordPress anmelden zu müssen.

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

Werbeanzeigen

Interview England: Everything is possible!

 

As salaamu alaikum and Hello dear readers,
In this blog we want to build bridges in many ways: we want to connect people like Non-Muslims and Muslims, Somalis and Non-Somalis, and all the others, through giving them a different picture than they usually get because of generally negative media propaganda.
One of our ways to do that is a series of Interviews with German Muslim women, who made a special journey: they moved from their home country to an „undeveloped“ Muslim country, in order to get freedom of religion. This act is called „Hijrah“ in Muslim terms- to emigrate to a country, where you can freely practice your religion.
We started this series in German language in order to encourage more Muslims in Germany, to do the same and to show them all the possibilities they have. But since our Interview partner this time emigrated to England, we thought it would be nice, if also English speakers get the possibility to widen their horizon and get an insight in the difficulties, which a Muslima has to face in her own country- only because of her different belief.
So I hope, you enjoy the following Interview with our sister Carina El-Behouti!
I am very happy to introduce you today to a premiere: it’s about an interview with a sister who did not emigrate to a Muslim country (as the previous Interview-partners), but to England. Yes, that works too – because if you stay in non-Muslim countries, you should always choose the „lesser evil“. Smaller evil in the sense that one can freely practice his religion (Islam). This is clearly better guaranteed in England than in Germany
England19
City-Bus in Bradford, advertising sayings of Prophet Mohammad (Peace and blessings be upon him)
It is also the first time that the interview was mainly oral. The formulation remained with me, but was extended and corrected by Carina, our current protagonist.
Let’s come to Carina. She is a German Muslima and a Psychological Coach by profession and passion. For me, she is a very special person, because she has turned my life upside down by coaching me! With her wonderfully positive nature and her amazingly effective methods, I have been able to develop into a self-assured, grateful person who now knows her strengths and goals much better, alhamduliLlah. May Allah reward her for it abundantly!
The mother of 3 teenage girls has also experienced a lot by herself and lived in different countries, until she finally landed in England a few years ago.
There she started to work from 0 to 100, and now has her own coaching and allergy practice. In addition, she is constantly engaged in training and further education, in order to help more people out of their life’s crises.
England11
Carina in her Practice
Anyone interested in visiting her pages to find out more about her work, will find it here:
England17
England2
 
Now we’ve put together some information about England as a country of emigration for you, which I hope will be useful for one or the other.
You are welcome to comment, ask questions or just like it.

When and why did you emigrate to England?

In May 2013. I love growth in every way. For me growth means being able to develop freely without being hindered.
In addition, I need a „healthy environment“ where everything is possible and I can thrive. Just as a flower can only thrive in good and healthy surroundings.
England20
Carina found the healthy suroundment she needed in England, in order to develop

 

England was closest to me, where I do not feel my soul constricted. Here there is no such racism as in Germany, alhamduliLlah.
Certainly in places there is also racism. But you do not have to live there! I am respected here for what I am. I am Muslim and have many skills that are greatly honored here, maa shaa Allah. And that motivates, of course.
England is an incentive for me to reach my highest potential. And we have this freedom here as Muslims, alhamdullilah.

How long have you been preparing for your Hijrah?

Psychologically I had prepared myself and my children for a very long time for England, possibly 4 years. I took my kids to a private language school once a week so they playfully learn English. It always made me feel good, because it brought me a step closer to my goal.
England31
They don’t loose their focus easily and hold together: Carina and her kids!
I knew that it could be tough in England because I had lived there for 3 months in 2008 with my children. That’s why I wanted to be properly prepared this time inwardly and outwardly.
It is very important that you know what you want to work here. In order to improve my possibilities, it occurred to me suitable to do an apprenticeship in Hijama therapy [Hijama means cupping]. That was possible online, alhamdullilah. Furthermore it was a good possibility to learn English, which at that time I only understood 10%. But you have to face such challenges if you want to take a big step in life. Furthermore I registered myself beforehand for an apprenticeship as an Allergy Therapist and planned to study Islamic Medicine in England. So I planed already, what I will do when I’ll be in England, and that helped me a lot later on.
Walk your way slowly if you want, but always have your goal in mind and work towards it!
For two years I really prepared my departure. Have contacted people in England, obtained all the information and laws about the country, get passports.
In the end I HAD to go then. I did not want to – was really feeling a kind of fearBut then I had to go through. Just booked our tickets and disappeared like nowhere. It will work out somehow. Eyes shut and go for it!
In the end, it was also harder for me to go, since I had just started my practice and had treated sisters with Hijama and other healing methods. Allah had blessed me very much back then. I was doing better financially than ever before and I loved my job and my patients. It was a real test to go in this situation.
I cried for days and my patients and friends with me. But I had decided. I wanted a better future for my children. And I absolutely could not imagine these in Germany for my children. I wanted to spare my children this rejection and racism. And I wanted them to make something beautiful out of their lives, despite abaya and headscarf and with Islam in their hearts.
England13
Just go ahead- into a better future!

How was it for you to emigrate as a woman on your own with children?

It was very, very tough. I arrived there with nothing and suddenly had no apartment available. Then they shipped me every few days in changing hotels, until something would be found for me. That is a long story. The English Muslims wanted to help me to get a council house, so I would have to pay little rent. That was in London, where the rents are insanely high (about 3,500 GBP a month). But somehow that was no life for me and the children – this eternal tinkering, until one has a better life. In Ramadan 2013, I decided to just leave London and make myself and my girls comfortable in Birmingham.
When we settled in Birmingham, we were really happy. Of all the cities I have lived in, I would recommend Birmingham to everyone again.
England1
Carina´s girls- at least they got a settled home in Birmingham (2013)

Which cities can you recommend for new migrants?

Birmingham is very good for the beginning. There is a huge Ummah [Muslim society]- even a German sister club – and there is really everything for Muslims: shops, fitness, Islamic schools, Qur’an classes, etc. It is called The Mekka of Europe”- very open and international! At Eid [Muslim Festival] there is a huge festival organized by Muslims, to which even people from all over Europe travel to. More than 10.000 Muslims pray together on the ground at Small Heath Park. If you are looking for a strong feeling of unity, it is best to go there. The only downside is the garbage and the rats, who take a tear even from cats.

England23
Carina with her girls in Eid, Birmingham.

NottinghamNottingham is well-suited for those seeking a high standard of education. Although fewer Muslims live there, and society itself, including the Muslims, consists mainly of academics. It is very clean there and the schools and universities have a very good reputation. Sisters there are highly educated and very intellectual. Unfortunately, I cannot recommend the Islam boarding school for girls,  because there is a lot going very wrong and children there rather learn to hate Islam – instead of learning to love it, through their way of extremism.

Leicester is also known for his high Muslim share. Lifestyle is a mix between Birmingham and Nottingham.

Leeds– the suitable city for those, who prefer a big and clean city. There are many Pakistani’s and Arabs, but „Niqabi’s“ are much more found in Birmingham.

Bradford is also a good place for Muslims. The nature is beautiful there and there are also many Muslims. It is not as clean as in Leeds, but the rent is very cheap. There I finally ended up.

England7
Beautiful nature in Bradford

Which schools can you recommend there – Islamic or state?

Generally, the schools are very well organized. Students are divided into 5 difficulty levels and taught according to their levels. That does not mean that they can not improve to another level!
On the Internet there is an overview of the schools and their quality. Every few years they are checked and evaluated by a committee. The best schools are praised as „outstanding„.
Sadly, Islamic schools are not having it as easy as they used to. Since 2 years, they have to follow the state curriculum, which i.a. strongly propagated the varierity of sexualization (lesbians, gays, etc.). As a parent you just have to be very vigilant and educate your kids. Some Islamic schools also have less qualified teachers. So you have to be well informed about their quality.
State schools vary a lot from the Muslim share. Some even have more Muslims than non-Muslim students, and prayer places and other freedoms are granted to them. One school even organized school vacations to Makkah every year!
Unfortunately, a few schools have recently been closed or radically reclassified, which had a very high Muslim share. Although they were classified as „outstanding,“ they were a thorn in the view of the government.

England30

England29
Carina’s kids in (public) school uniform, with additional Hijab. In England they are respected and tolerated in this way.
Thankfully, there is also the option of homeschooling here. Whether you homeschool by  yourself, or connect with other homeschool parents- it‘ s up to you!

How long does a mother have maternity protection? And at what age do children have to go to kindergarten?

There is no kindergarten duty here. From the age of 5, children must go to school or stay at home if the mother applies for homeschooling. I know a German sister, who has never sent her 4 girls to school, but has taught them by herself, in order that they don’t forget their mother tongue. Everything is possible here, alhamduLlilah.
Maternity leave is usually one year, but varies from employer to employer.

How can you avoid forced vaccinations if you are a total opponent of it?

Vaccination is not a duty in England, but is indirectly propagated as such. When I learned that it was not a duty, I refused to have my children vaccinated.
This is not welcome here. However, I have learned to only say that one sentence. „You can not force me!„, Then you are taken out of the vaccine system.
I have even given many of my patients this tip and it works for everyone. Although the fear here is very huge, if someone is against vaccination. Simply  be confident, then everything works, in shaa Allah!

Do I have to speak perfect English to get by?

I only spoke a little bit English at the beginning. Honestly, it was very hard for me, without fluent English. That bothered me a lot because I can not do my job as a therapist without good language skills. Of course, you learn that over time. However, I never went to school here, but learned the language from my patients, and the correction came often from my children, who picked up the language so quickly. They speak English for 8 hours a day at school, so that they were far ahead of Mama at some point and smiled more and more about Mami’s English. I can live with it. The main thing is that you keep developing and improving yourself.
On my wall hangs a large self-written picture. „My English is excellent, alhamdullilah.“ Such affirmations can do wonders if you read them every day, in shaa Allah!
England36
After hardship came release: nowadays Carina and her girls speak English fluently!

Do you regret your decision?

No, just the opposite!
I have not regretted my decision to leave Germany for a single minute, alhamduliLlah! For here, as a Muslim, you simply have a more self-determined, free and carefree life than in Germany.
I can develop freely here and that is very important to me personally.
England
England meets America: Carina with her previous mentor Haleh Banani

England is not far from Germany. Do you miss anything from your home country?

I had missed my linseed oil, my mustard and quark for a long time. Sometimes I wish, there was German pudding powder here. But khair in shaa Allah. You can not have everything babe, lol.
I have never missed Germany in itself, for that I had too many traumatic experiences.
In England I am even more respected as a German than in Germany. In Germany I am not even regarded as fully fledged Germans. Whereas, as a therapist from Germany I have more chances to win patients, because Germany is regarded as a country of very high quality – not only by the Muslims, but also by the English.
England12
Best chances for a good career in England: Carina in her office, in front of her certificates.
For my children it’s the same: when the teachers at school learned that my children are Germans, they are treated preferentially.
Germany has a very good reputation worldwide, I would say. But you should not live in the country itself. Hahaha!

What tips would you advise your brothers & sisters in Islam when it comes to Hijrah to England?

  • Be prepared in any case, trust in Allah, and then progress to action!
  • Do not expect anything from others, just from yourself! That means, take care that you find work there, looking for the best opportunities- it’s in your hands to become succesful!
  • The standard of living of local Muslims is rather high, so see this as motivation to make the best out of you!
  • Also, trust in Allah – if you purposely do the Hijrah, He will never let you down!
As I wavered in the end, if I should now dare to take the step, I read a verse in the Qur’an that spurred me on to leave.
And whoever emigrates in the way of Allah, will find some refuge and aid on earth. And whoever leaves his house and emigrates to Allah and His Messenger, and death overtakes him, whose reward falls to Allah; and Allah is forgiving and merciful.
(Sura 4, verse 100)
That was it for me. And it was like a promise from Allah!
England14
And why I was so determined from the beginning to go, was the following verse:
Those who call the angels off while doing themselves wrong (to those) say, „What were you in?“ They say, „We were oppressed in the land.“ They (the angels) say, „Was not Allah’s earth far, so that you could have emigrated to it?“ But those, – their sanctuary will be hell, and (how) evil is the outcome! (4:97)
This evil outcome, hell, really frightened me and I thought, „I have been discriminated against in my country and have suffered every day and my children as well, and in the end I am being punished by Allah and going to hell?
It was clear to me that I had to go.
We are not even right to complain to Allah when we are in bad shape in Germany. Allah’s earth is big enough – believe me, dear sisters and brothers. And Allah promises to help. Now it’s up to you to break out of the dilemma and go and have a better life. There is nothing better than freedom. And you will find them all over the world, except in Germany. This is my opinion. Be brave!
England34
It was the struggle worth: Carina and her girls on their first holiday since their emigration.

Wow, do you realize the energy of this woman? If she puts something in her head, then she creates that too – she pulls it through, to the end, maa shaa Allah!
May Allah reward her tremendously for all her efforts and may Allah repay her with the best that she participated in this interview!
I can just recommend her to anyone as a counselor – be it Muslims or non-Muslims. And with her strong willpower, she is a great role model for us: she shows us that as Muslimas we can achieve something, we just have to realize our full potential and take action, in shaa Allah!
I hope you have been as inspired by Carina as I am. If so, like, comment and share 🙂
Greetings,
Your Khalisa

12.Interview: Vom Stadtkind zum Melkprofi!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nach einem Aussetzer aus privaten Gründen, geht es heute in alter, bzw. neuer Frische an unser nächstes Hijrah-Interview 🙂

Ich freue mich sehr, euch wieder eine einzigartige Auswanderungs-Geschichte vorzustellen. Sie führt uns nun zum dritten mal nach Algerien, ist jedoch wieder ganz anders und zeigt die vielfältigen Möglichkeiten auf, die man im Ausland haben kann!

Es geht also diesmal um die Schwester Umm Idris [Mutter von Idris], welche mit ihren 4 Kinder den Schritt ins Land ihres Mannes gewagt hat.

Sie hat sich damit nicht nur den Traum vom Auswandern erfüllt, sondern auch einen lang gehegten Kindheitstraum: nämlich mit Tieren zu arbeiten!

Nun kommt das wirklich nicht alle Tage vor: ein Stadtmädchen bevorzugt das Leben auf einem Bauernhof!?! Ich kann es allerdings ein Stück weit nachvollziehen, denn auch ich liebe Tiere und Natur. Auf Dauer wäre mir das jedoch zu einsam.

einsamkeit.jpg

Dafür muss man glaube ich einfach der Typ dafür sein, denn nicht jeder kommt mit dieser Einsamkeit zurecht. Wobei dies auch ein sehr guter Schutz vor den Fitan [Versuchungen] ist, die heutzutage überall vermehrt auftreten.

Lest also selbst diese ungewöhnliche Geschichte von einer starken Persönlichkeit:


Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

zeit für neuesNach Algerien AlhamduliLLAH., seit Ende 2016.

Frage 2: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

7, 5, 3 und 1 Jahr.

Frage 3: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier und uns schien es allgemein am unkompliziertesten, dahin auszuwandern.

Frage 4: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Natürlich in erster Linie, um den Islam besser leben zu können und auch meinen Kindern ein besseres islamisches Umfeld zu geben.


Frage 5: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, alhamduliLlah.

Frage 6: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja „ausreichend“ vielleicht nicht gerade. In Algerien wird in erster Linie Arabisch gesprochen, aber z.T. in einem Dialekt, der in mancher Hinsicht weit vom Hocharabischen entfernt ist. Meine Arabisch Kenntnisse waren allerdings auch nicht gerade sehr ausgeprägt.

Französisch ist hier zweite Amtssprache und das konnte ich noch ganz passabel aus Schulzeiten, AlhamduliLLAH. Ich habe aber auch festgestellt, dass doch recht viele, gerade von den jüngeren Generationen, auch Englisch sprechen. Dadurch, dass ich nun mit drei Sprachen mehr oder weniger gut kommunizieren kann, ist es mir möglich, meinen Alltag zu meistern 😁

Frage 7: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie war leider überhaupt nicht begeistert [haben sich aber inzwischen damit abgefunden!].

Frage 8: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, ein Visum war nötig.

Frage 9: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Ja, wir haben einen Bauernhof. Wir leben sozusagen ein wenig „ab vom Schuss“. Die nächste große Straße ist ca. 10km entfernt, der Weg zu uns ist Feldweg. AlhamduliLLAH haben wir hier aber Strom und dank unseres Brunnens auch fließend Wasser.

Farm5
Die nächst- größte Stadt im Sandsturm
Frage 10: Weshalb habt ihr euch ausgerechnet für das Leben in Abgeschiedenheit entschieden?
Wir haben lange auf unsere Hijra hingearbeitet und meinem Mann war es wichtig, dass wir von vornherein hier ein Einkommen haben werden biidhnillah. In dieser „Überlegungszeit“ sind die Grundstückspreise sehr gefallen, sodass mein Mann auf die Idee mit dem Bauernhof kam und quasi „zugeschlagen“ hat, AlhamduliLLAH. Außerdem bietet eine Landwirtschaftliche Tätigkeit für uns als Familie sehr viele Vorteile: als erstes ist es natürlich etwas, was immer benötigt wird,- anders als ein einfaches Geschäft. Da kann es immer wieder vorkommen, dass das Interesse verloren geht für die Dinge, die man verkauft.
Farm2
Desweiteren kann man sich zu einem gewissen Teil selbst versorgen und hat somit die absolute Gewissheit über die Qualität der eigenen Lebensmittel. Und natürlich ist es auch gut für unsere Kinder, hier aufzuwachsen AlhamduliLLAH. Sie wissen, wie Obst und Gemüse wächst, wie man Tiere versorgt und können unbeschwert auf unserem Grundstück spielen, denn weit und breit fährt kein Auto.
Frage 11: Stört es euch nicht, so abgeschieden zu leben?
Die Abgeschiedenheit stört uns nur bedingt. Als ich noch ein Kind war, wurde ich sozusagen auch eher in die „Richtung“ lieber „unter sich sein“ erzogen, indem meine Eltern es mir so vor lebten. Z.b. Haben Sie ein abgeschiedenes Gartengrundstück in Deutschland, wo wir unsere Ferien verbrachten.
Das heißt natürlich nicht, dass ich partout nicht gern unter Menschen bin, im Gegenteil gefällt mir das auch, aber nach einer gewissen Zeit merke ich, dass es mir „zu viel“ wird und ich wieder für mich alleine sein möchte.

Farm

Frage 12: Das klingt ja interessant! Hattet ihr Agrarwissenschaftliche Vorkenntnisse?
Mein Mann ist hier in der Gegend, die von Landwirtschaft und Viehhaltung geprägt ist, aufgewachsen und hat dem entsprechend auch genügend Vorkenntnisse gehabt. Ich hingegen bin eher in der Stadt groß geworden, aber AlhamduliLLAH hat es mich schon als Kind immer aufs Land gezogen, wo meine Großeltern leben. Mein Opa hatte einen kleinen Gemüsegarten mit Kartoffeln, Möhren usw. Außerdem war ich schon immer total vernarrt in Tiere, insbesondere Pferde und habe gerne meine Ferien auf einem Reiterhof verbracht. Von daher ist mir Stallarbeit auch nicht fremd.
Allerdings sind hier auch einige total neue Aufgaben auf mich zugekommen: z.B. Melken, mit der Hand versteht sich 😉
Da hab ich schon einige Zeit rumprobieren müssen, bis ich den Dreh raus hatte und ich sag euch, das ist super anstrengend SubhanaALLAH! Denn man beansprucht da Muskeln in der Hand, die man vorher gar nicht kannte. Bis man da 8 Liter aus so einer Kuh gemolken hat, das dauert.
Diese Hürde war nun AlhamduliLLAH geschafft, da bringt mein Mann eine ZIEGE zum melken 😅 Die ist dann auch nochmal anders zu melken, als eine Kuh. Naja jetzt bin ich Melkprofi 😁
Ja und ansonsten genieße ich die Arbeit mit den Tieren sehr, auch wenn mal eins krank ist, da kann ich meinen Kindheitstraum der Tierärztin ausleben😅 Spritzen kann ich nun auch verabreichen. Auch für unsere Kinder ist es hier toll AlhamduliLLAH. Sie haben schon einige Tiergeburten miterleben können.

Farm1

Frage 13: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Definitiv ja. InshaALLAH

 

Frage 14: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Sie besuchen eine normale staatliche Schule.

Frage 15: Dein bestes Erlebnis im Ausland?

„Das“ Erlebnis an sich gibt es eigentlich nicht. Viel mehr ist es das schöne Gefühl unter Muslimen Leben zu können, das ich sehr schätze AlhamduliLLAH. Ebenso, dass ich meine Religion hier ohne Probleme,wie man sie zuvor in Deutschland hatte, praktizieren kann.

Frage 16: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

AlhamduliLLAH ist mir hier noch nix wirklich „schlimmes“ passiert. Aber vielleicht ein Punkt, der für mich am Anfang sehr schwierig war: Dass man sehr abhängig vom Ehemann ist. In Deutschland konnte ich viele Dinge selbst erledigen, hier ist man meist durch die sprachlichen Schwierigkeiten erstmal eingeschränkt. Aber auch allgemein, wie Dinge ablaufen o.ä. kennt man noch nicht und ist auf Hilfe angewiesen wa AlhamduliLLAH.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Denkt immer daran, dass Allah der beste Planer ist!

Egal wie sehr ihr euch über das Hijra- Land informiert und andere Schwestern, die schon in dem Land leben, nach ihren Erfahrungen befragt- für euch kann alles komplett anders kommen. Das meine ich jetzt im positiven Sinne 😉

Also wenn Schwestern z.B. negative Dinge berichten, kann es sein, dass ihr diese nie erlebt. Vertraut auf Allah! Und haltet euch immer wieder vor Augen, wie viel Gutes eine Hijra in sich trägt, MashaALLAH.

Wenn ihr dann den Schritt wagt, so haltet an der schönen Geduld fest. SABR, SABR UND NOCHMALS SABR. Gebt nicht so einfach auf!
Farm4
Nach Schnee kommt immer auch Sonnenschein, nach Erschwernis kommt immer Erleichterung!
Es werden schwierige und turbulente Zeiten kommen, aber vergesst nicht: Der Shaytan will euch nur den großen Lohn und Segen der Hijra wegnehmen!

 👍Vielen Dank und baarakaLlahu feeki für dein sehr interessantes Interview, liebe Umm Idris! Möge Allah euch reichlich für eure Auswanderung belohnen und euch alles erleichtern!
Liebe Leser/innen, ihr könnt glaube ich selber heraus lesen, dass es sich lohnt, auszuwandern, wenn man dadurch sogar seinen Kindheitstraum erfüllen kann. Da nimmt man dann gerne anfängliche Schwierigkeiten wie (vorübergehende) Abhängigkeit in Kauf. Abgesehen davon ist Selbstversorgung heutzutage das Beste, was man machen kann!
Diese Familie hat sich zwar lange innerlich auf die Auswanderung vorbereitet, jedoch auch gezeigt, dass man bei richtiger Gelegenheit einfach „zuschlagen“ MUSS, um sie nicht zu verpassen.
Mögen noch viel mehr Familien durch unsere Beispiele ermuntert werden, die Auswanderung zu wagen!
In diesem Sinne, liebe Grüße!
Eure Khalisa

 

„Why especially Somalia?“ Or: My Way to There

„Why especially Somalia?“ Or: My Way to There.

„You live in…Somaaaliaa?!? Why???“ and „Whaaaat, how come…???“ – These are maybe the most common questions I have to answer, when I meet someone new. Yes, especially Somali people are surprised by hearing that a German sister moved BY CHOICE to this country, where most of them fled from!

To answer you these questions, I have to go back to 2009, when everything started…

 Once upon a time…

In the beginning of 2009 I was a fresh Muslima (only half year old, alhamduliLlah!). I had a very good friend, who came originally from Mogadishu, capital city of Somalia. She praised her home country so much: how beautiful this city has been (before the war), how fertile the earth, how tasty the fruits (no banana is like theirs!), how beautiful the ocean…and last but not least: how freely you can practice the Deen (religion, way of life) nowadays!

Moreover I could see in multiple videos from the Internet, that beside all that ongoing chaos, there was still a life going on in that country, which I was fascinated of.

Slowly but surely I developed the desire to move to such a country like Somalia. Because in Germany, my own home-country, I got insulted openly and some of the people told me to „go home where you come from!„. Through my Islamic clothes I became a stranger in my own home/city/country!

change1From all the Islamic countries I could go to, Somalia attracted me most. There you are nothing special as a Muslima, even with a full veil. The life was still a kind of simple, which doesn’t distract you from more important things. It reminded me on the history of the first Muslims, who used to live very simple and honest. At the same time, it still has a kind of mix between Arabian and African-flair, which makes life a very relaxed (and for me suitable) experience.

Not sooo easy…

Out of this fascination, I went together with my Somali friend and her German husband to Dubai, where we wanted to travel further to Somalia. But we were not very well financially prepared, as we did not evaluate what such kind of big shift needed. So I decided to go back and make a better, reasonable plan for this important venture.

dont give up dreams

Searching for Mr. Perfect

I realized that before I travel to Somalia, I needed to establish a family life. Because if you travel alone, you are an open victim to all. Beside that, together you´ll be stronger to face every difficulty in life. For that, I needed someone who understands my background and who had the same imagination of life.

There were some other chances for me to get married with from different nationalities, but I couln’d imagine that an Arab or other African would choose Somalia as our new home. That’s why my heart and mind sticked on the Somalis.

Since in my town I knew beside my friend only one Somali family, my friend asked her (half-) sister in Denmark, if she could search for me a suitable “Somali“ husband.

It might sound strange to some of you. The Muslims might think: „What? wasn’t she too shy for searching a husband by herself?“ But I didn’t have a choice, since I don’t have a Muslim family member who could have helped me with that huge task.

For a Non-Muslim it might even sound more strange! „What? How come, she let other people search a husband for her !?“- They may ask themselves.  For your information the Muslim marriage is similar to a „blind date“ from the Internet: you or someone close to you keeps the eyes open to find a suitable match for you. If they found one, you and the potential husband may talk to each other, in order to see, if you have a common understanding of the life, character, goals, etc. The only difference is, that a Muslim can only have a “physical“ contact and relationship with the other gender after they married.

However, my friend got the contact number of the Somali Imam in her sisters city. The Imam him self got the information that he will receive a call from Germany. My friend introduced her self to the Imam and asked him, if there was any suitable „match“ for me. After few weeks of search he found out, there wasn’t. He found some brothers but non of them was ready to move back to Somalia in the near future, which was my condition!

Bingo!

My friend knew that the Imam himself was living between Europe and Somalia as he already moved some of his children back to there, while he is preparing himself and the rest of his family  to move there soon.

Suddenly my friend got the idea to ask that Imam himself, if he would be interested in me. He answered, that he was focusing on finding someone else for me, therefore he needed to get a bit time to rethink in order to change his mindset concerning to this issue. He  mentioned that he had already 2 wives and a few children.

Around two days later, he gave us the answer: If I don’t mind about his big family, he would like to get to know me!

In the beginning the idea of the sister was a bit astonishing for me, but I got exited after when I got the answer of the Imam. The good thing with this brother was, that he had all his bigger children already studying in Somalia- so it was like an „insurance“ for me, that he really would move there after his study.  Moreover, he was educated in worldly things as well in the religion. All of this and more made him really interesting for me.

Closer to my dream…

dreamsFinally my husband came all the way to Germany. It didn’t needed much time to feel that we would be suitable for each other. So after a couple of days we got married. That was in the End of 2009 and I never regret my decision, thanks to God (alhamduliLlah)- now I had someone to share my dreams with and make them come true!

Our wedding was simple and easy, but also very multicultural and emotional. Even my beloved parents and my Grandma were present!

One month later I moved to Denmark and got to know the other wife of my husband. Actually I got to know her already before, when she welcomed me on the Phone into her family! We became best friends up to now (yes, we are only two right now)! Beside that, we made some nice trips to England (second home) and Canada (huge Somali Islamic Conference with 6.000 people, where my husband was a main speaker). I felt like conquering the world!

  …or not yet?

It was spring-time 2010, when we started to plan our travel to Somalia. But my in-laws were worried: „It is too dangerous in here for a white person, therefore I shouldn’t go there!“

My dream seemed to burst. Tears were falling from my eyes.

This encouraged my husband to give all his effort in order that I´ll be able to travel with him anyway in order to keep his promise as well to make my dream come true and our wish and  plan fulfilled. He was not in doubt about that I will fit to there.

dream

Let´s get started!

Despite all of the skeptical messages coming from Somalia, we took finally the decision to travel together.

When my experience to travel to totally new country is not so wide I couldn’t define what to take, what to not take, what’s important and what’s not.

The preparation for the travel was another challenge for me, as I was about to give up from a whole life that I knew since my childhood and choosed to face a knew, unknown one that I had no clue about it.

positive-change

In this article you got to know my prehistory and my reasons for getting that “crazy“ idea to travel to Somalia. It was out of my wish to be able to practice my religion freely, without being told I should go back to my country! But the world is much bigger than Germany, so I had to take the necessary step to change my surrounding…

If you like this article or want to comment or even share it with the world, you are very welcome 🙂

To be continued (in shaa Allah),

Khalisa from The Germali´s

 

 

 

10.Interview: Ägypten als Sprungbrett

As salaamu alaikum und Hey liebe Leser/innen,

Schon ist wieder eine Woche herum und so steht das nächste Interview vor der Tür, bzw. vor eurer Nase 🙂 Im heutigen Interview geht es wieder um eine beeindruckende Geschichte einer Deutschen Muslima, die den Schritt der Hijrah, also Auswanderung, gewagt hat: und zwar in das geschichts-trächtige Ägypten! Besagte Person heißt Maryam und kommt sogar aus der gleichen Ruhrgebiets-Stadt wie ich- trotzdem haben wir es immer hingekriegt, uns gerade eben so zu verpassen! Das erste Mal, als andere mir von ihr „vorschwärmten“, war nachdem ich gerade aus Somalia in Deutschland ankam. Da war Maryam einen Tag zuvor nach Ägypten gereist. Ein anderes mal hätte ich die Chance gehabt, sie bei ihrer Abschiedsfeier zu sehen, doch kam mir da irgendetwas dazwischen. Dabei wollte ich sie so gern kennenlernen, da sie u.a. auch Still- und Trageberaterin ist und natürlich eine interessante Persönlichkeit ist! Naja, dafür gibt es ja inzwischen die Social Media- man kann in Verbindung miteinander treten, ganz gleich in welcher Ecke (oder welchem Horn) man lebt!

Dass Maryam ausgerechnet in Ägypten gelandet ist, obwohl sie Deutsche und ihr Mann Marokkaner ist, und warum ihre Tochter ausgerechnet auf eine Amerikanische Schule geht, erfahrt ihr jetzt im folgenden Interview!


Salamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

Ich bin Maryam, und lebe in der Nähe von Kairo.

Dass wir ausgerechnet in Ägypten gelandet sind, ist Qadr [Bestimmung Allah’s, Anm.d.R.]… Denn mein Mann ist Marokkaner und ich Deutsche und eigentlich wäre eine Hijrah nach Marokko das Naheliegendste.

Aber unser Aufenthalt in Ägypten wird mit Allahs Erlaubnis nur unser Sprungbrett sein und wir werden in shaa Allah irgendwann in Marokko landen.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Ich bin mit meinem Mann und meiner Tochter nach Ägypten ausgewandert, das war Anfang 2013 alhamdulillah.

kairo2

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Wir sind in Ägypten gelandet durch Allahs Vorherbestimmung. Wir wollten weg aus Deutschland in ein arabisches Land und mein Mann hatte sich in verschiedenen arabischen Ländern beworben. In Ägypten hat es letztendlich geklappt, alhamdulillah.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Das Wichtigste ist natürlich, die Absicht zu haben, die Hijrah für Allah zu vollziehen. Daraus ergibt sich dann der Wunsch, die Hijrah zu vollziehen, um in einem islamischen Umfeld zu leben. Dort, wo man den Islam wirklich ausleben kann, wo man sich nicht ständig für seine islamische Kleidung rechtfertigen muss, wo unsere Tochter den Islam auch außerhalb unserer Familie sieht, wo man wirklich frei sein kann als Muslim.

kairo6
Geht die eine Tür zu, geht eine andere auf 🙂

Außerdem hat sich mein Mann nie wirklich wohl gefühlt in Deutschland und er wollte auch nicht, dass unsere Tochter dort aufwächst.

Frage 4: Was schätzt du besonders an Ägypten?

Ich finde, was das Land ausmacht, ist seine vielfältige Geschichte!

kairo10.jpg

Frage 5: Gibt es etwas, was du dort besonders vermisst?

Ich vermisse die Schwestern, mit denen ich mich immer getroffen habe und ich vermisse es, Spaziergänge zu machen, in Parks zu gehen, mit meiner Tochter auf den Spielplatz. Leider gibt es hier, wo wir leben, keine öffentlichen Parks. Entweder muss man in einem Compound (das ist ein abgesichertes Wohngebiet, in dem meist nur reiche Leute leben) wohnen, dort gibt es Grünflächen oder Grünanlagen oder man muss eine Mitgliedschaft in einem der vielen Clubs haben, was aber auch sehr teuer ist.

Frage 6: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten so gut wie keine finanziellen Rücklagen, nur die Einnahmen aus unserer Haushaltsauflösung in Deutschland. Was dann dazu führte, dass mein Mann erstmal alleine nach Ägypten ging, um einiges vorzubereiten, wie eine geeignete Wohnung finden, die Wohnung mit dem nötigsten einzurichten, usw.

Frage 7: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ich konnte so gut wie gar kein Arabisch, außer den Buchstaben und ein paar Wörtern.

Ich habe dann die Chance genutzt und hier in Ägypten einen Sprachkurs besucht, habe da aber die arabische Hochsprache gelernt und nicht den ägyptischen Dialekt. Das alltägliche Leben kann ich damit hier meistern alhamdulillah- also einkaufen gehen, ein Taxi nehmen und dem Fahrer den Weg erklären, usw. Nur bin ich immer noch nicht so weit, um wirkliche Gespräche in Arabisch zu führen. Alhamdulillah habe ich meinen Mann, der alles Wichtige erledigt.

Frage 8: Seid ihr dort krankenversichert?

Nur mein Mann ist krankenversichert durch die Arbeit, aber nur bis zu einem bestimmten Betrag.

Frage 9: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Es war schwer für sie, da meine Eltern schon sehr alt waren und sie haben auch nie wirklich verstanden, warum wir in ein arabisches Land ziehen wollten. Aber da ich schon lange vorher in einem anderen Teil von Deutschland gelebt habe, war es kein Riesenschritt mehr für sie und letztendlich muss ich mein Leben leben und meine Entscheidungen treffen mit meinem Ehemann.

kairo5

Heute, etwa 5 Jahre später, ist es immer noch schwer für meine Mutter, dass ich sie nur einmal im Jahr besuchen kann, aber ich telefoniere oft mit ihr.

Frage 10: War ein Visum für Ägypten notwendig?

Bevor man nach Ägypten reist, braucht man kein Visum zu beantragen, wenn man die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Man kann ein Touristenvisum bei Ankunft am Flughafen erwerben, das gilt dann aber nur 28 Tage. Wenn das Visum abgelaufen ist, und man beispielsweise nach 6 Monaten wieder ins Ausland verreist, muss man am Flughafen eine Strafe zahlen.

kairo7

Ein längeres Visum kann man bei den entsprechenden Behörden in Ägypten beantragen. Am einfachsten ist es wenn man ein Kind hat, das in den Kindergarten, zur Vorschule oder Schule in Ägypten geht. Dann bekommt man immer Aufenthalt für das laufende Schuljahr. Oder der Arbeitgeber regelt es mit den Visa.

Frage 11: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Ja, mein Mann hat hier eine Arbeitsstelle und verdient unseren Lebensunterhalt alhamdulillah. Ab und zu gebe ich Deutsch-Nachhilfe.

Frage 12: Wie sieht es mit sozialen Kontakten aus. Hast du dort Kontakt zu anderen Konvertierten?

Ja alhamdulillah. Haben hier eine kleine Gruppe von konvertierten Schwestern aus allen Teilen Europas (Polen, Belgien, Finnland, Rumänien, früher waren noch Schwestern dabei aus Spanien, Ungarn und den Niederlanden) MashaAllah. Mit einem Teil treffen wir uns einmal pro Woche zum Quranunterricht und die anderen kommen dann dazu, wenn wir uns im Club treffen oder uns einmal im Jahr eine Villa mit Pool mieten für einen Tag und mit unseren Kindern schwimmen und planschen gehen.

kairo9

Frage 13: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Nein, das möchten wir nicht und das war auch nie unser Ziel. Das heißt aber nicht, dass wir nach Deutschland zurück wollen. Ganz im Gegenteil, wir möchten weiterhin in einem arabischen Land leben, aber eben nicht für immer in Ägypten.

Ägypten war für uns von Anfang an ein Sprungbrett, um aus Deutschland wegzukommen. Aber wir werden sehen, welche Pläne Allah für uns bereit hält.

Frage 14: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war damals 3 Jahre alt.

Frage 15: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Es gibt sehr viele Möglichkeiten in Ägypten, was die Schulen angeht alhamdulillah. Wir haben uns für eine private Amerikanische Internationale Schule entschieden aus verschiedenen Gründen.

Zum einen, weil unsere Tochter kein Arabisch konnte als wir Hijrah gemacht haben und bis heute nicht so gut arabisch kann, um in einer arabischsprachigen Schule dem Unterricht zu folgen. Dann kommt noch dazu, dass es sehr große Unterschiede in der Bildung gibt. Es kommen auch nur private Schulen in Frage für Nichtägypter. Also gibt es noch zwei Möglichkeiten, eine nationale Schule (mit ägyptischen Lehrplan und teils Unterricht auf Arabisch oder Englisch) oder eine internationale Schule (mit dem Lehrplan des jeweiligen Landes). Es gibt auch islamische Schulen, aber diese unterrichten meist nur auf Arabisch.

Am Ende blieb dann die Wahl zwischen einer deutschen Schule oder einer englischsprachigen. Und auch in den internationalen Schulen steht Arabisch und islamischer Religionsunterricht (in arabischer Sprache) auf dem Stundenplan.

Frage 15a) Und warum habt ihr euch letztendlich für die Amerikanische anstatt die Deutsche Internationale Schule entschieden?

Zum einen weil wir wollten, dass sie sehr gut Englisch kann, zum anderen weil es in der amerikanischen Schule ab vier Jahren die Vorschule gibt und die Kinder da schon Buchstaben lernen, erstes lesen und schreiben und Rechnen und auch schon das arabische Alphabet. Die fangen mit den Kindern hier sogar noch früher an, das zu lernen MashaAllah. Meine Tochter ging zuerst in einen ägyptischen Kindergarten und da haben sie schon angefangen, den Kindern die Buchstaben auf Englisch und arabisch beizubringen.
In der deutschen schule fangen sie erst in der 1. Klasse damit an.
Es gab aber noch andere Gründe, z.B.: Wenn wir doch irgendwann die Möglichkeit haben nach Marokko zu gehen in shaa Allah, dort gibt es keine deutsche Schule… Aber englischsprachige Schulen gibt es überall!

Frage 16: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Das Beste ist natürlich, dass man jeden Tag 5 Mal den Adhan hört.

Kairo3

Aber es gibt viele schöne Situationen, die ich hier erlebt habe alhamdulillah.

Wir leben hier in einer Nachbarschaft, wo man viele Leute kennt, sich begrüßt, wenn man an ihnen vorbeigeht alhamdulillah. Und wir leben in einem Haus mit nur 5 Parteien und davon sind nur wir und noch eine Partei Mieter. Somit kann man sagen, wir leben im Haus der Vermieterin und ihrer Familie. Und haben ein sehr gutes und persönliches Verhältnis mit ihnen, es ist fast wie eine Ersatzfamilie alhamdulillah. Ich kann meine Tochter mal bei meiner Vermieterin abgeben oder bei einer ihrer Schwiegertöchter, wenn ich was alleine mit meinem Mann erledigen muss, andersherum bringen sie ihre Kinder auch mal zu mir zum Aufpassen, wir besuchen uns gegenseitig und essen im Ramadan manchmal Iftar [Fastenbrechen; Anm.d.R.] zusammen, gehen gemeinsam zum Eidgebet [Festgebet], usw.

Hier merkt man, was Nachbarschaft bedeutet im Islam.

Ein Highlight war auch unsere Reise in den Süden Ägyptens nach Assuan. Mal zu sehen, dass es neben dem hektischen, lauten, vollem und leider auch sehr schmutzigen Kairo, Orte gibt, die anders sind. Wo der Nil noch sauber ist, wo es Natur gibt und keine Hektik.

kairo4

Was ich an Ägypten auch mag, dass man hier eine sehr weitreichende Geschichte sehen kann und Orte besuchen kann, die geschichtlich interessant sind, nicht nur die pharaonische Geschichte, sondern auch islamische Geschichte.

kairo8

Kairo1

Frage 17: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Ein wirklich schlimmes Erlebnis habe ich nicht, dennoch hat Ägypten auch negative Seiten mit denen man zurechtkommen muss, wenn man hier lebt.

Da ist der Straßenverkehr, der nicht geordnet ist, wie man es von Deutschland her kennt und man ist sowohl als Fußgänger als auch als Autofahrer oder Insasse in Bussen ständig Gefahren ausgesetzt, was die Ägypter nicht weiter stört, da für sie sowie alles Qadr (Schiksal) ist und man den Unfall nicht vermeiden konnte. Wenn man kein eignes Auto hat und die „öffentlichen“ Transportmittel wie Metro, Microbus und Bus nutzen möchte, sollte man sich darauf einstellen, dass es da auch oft sehr hektisch zu geht und auch nicht so genau auf die Fahrkünste des Busfahrers achten oder welchem Verkehrsunfall man um Haaresbreite gerade entkommen ist, zudem sollte man den Berufsverkehr in Kairo möglichst aus dem Weg gehen.

Ein weiteres großes Problem ist der Müll, der einfach überall rumliegt und auch von Müllbehältern auf der Straße hat hier noch niemand was gehört.

Auch dieses „Komme ich heute nicht, komme ich morgen“- Prinzip ist hier weit verbreitet, genauso wie Unpünktlichkeit, was mich als Deutsche manchmal ziemlich aufregt, obwohl ich es schon gewohnt sein sollte.

Man muss hier einfach vieles mit Humor nehmen und viel Geduld haben.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten?

Am wichtigsten ist das Vertrauen auf Allah und eine reine Absicht. Denn Allah erleichtert so vieles alhamdulillah. Man braucht aber auch Geduld und sollte wissen, dass am Anfang vielleicht nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Es braucht ein wenig Zeit sich einzuleben und zurechtzukommen in einem fremden Land.

Eine gewisse finanzielle Sicherheit erleichtert es natürlich und auch dass man sich vorher über das Land informiert, dass man Kontakt zu anderen Schwestern sucht, die Hijrah in dieses Land gemacht haben und somit jemanden dort hat, der sich schon auskennt und helfen kann. Alhamdulillah ist dies alles durch Internet und Soziale Medien machbar.

Kairo


Vielen lieben Dank für deine tiefen Einblicke über deine Auswanderung, liebe Maryam! Möge Allah dich und deine Familie reichlich für eure Aufopferungen belohnen und euch in dem Land alt werden lassen, welches khair (gut) für euch ist!

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich dieses Interview um ein paar Fragen erweitert, da es einfach noch einen individuelleren und Detail reicheren Eindruck vermittelt. Schließlich sollt ihr ja auch so viel wie möglich von diesem Land und der Auswanderung dorthin mitnehmen!

So konntet ihr diesesmal deutlich sehen, dass die Auswanderung nicht nur Schockoladen-Seiten hat. Nein, ganz und garnicht! Man opfert auch ganz schön etwas auf (Freunde, Hobbies, etc.), toleriert aufeinmal Dinge, die einen eigentlich zur Weißglut bringen könnten (Chaos, Unpünktlichkeit, u.a.). Denn wenn man einmal den Entschluss zur Auswanderung gefasst hat, möchte und sollte man nicht gleich bei der ersten Hürde wieder die Koffer packen!

kairo7

In diesem Sinne gebührt Auswanderern unser größter Respekt. Mögen sie weiterhin standhaft, geduldig und humorvoll bleiben!

Wenn euch das Interview gefallen hat, hinterlasst ruhig ein Like, einen Kommentar oder teilt es mit denjenigen, die es ebenfalls interessieren und inspirieren könnte!

Thanks so much,

Eure Khalisa von den Germali´s

9.Interview: Ein Herz für alle- in Marokko!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Freunde,

Im heutigen Interview werdet ihr einen tiefen Einblick von Marokko bekommen- von einer Powerfrau ohnegleichen: Sara Schmidt! Ich bin so glücklich, dass ich sie noch persönlich in meiner Heimatstadt Dortmund kennenlernen durfte. Auch damals war ich schon von ihr fasziniert, denn egal, wo sie ist- diese Frau versetzt immer Steine, packt an, möchte etwas zum besseren verändern!

Sara5.jpg

Sei es damals auf einem Schwestern-Treff bei ihr zuhause (natürlich mit Vorlesung), Krabbelgruppen-Planung oder „Massen-Hijama“ (Schröpfen nach Art der Sunna. Eine professionelle Schröpferin kommt zu jemandem nach hause und behandelt eine Person nach der Anderen),- mit Sara wird es nie langweilig!

So initiativreich wie sie ist, hat sie durch ihre Selbstständigkeit mit  Forever-Produkten sich und ihrer Familie die Auswanderung nach Marokko ermöglichen können. Über Multilevelmarketing oder Forever Produkte mag es verschiedene Meinungen geben (ich hab mir selber schon welche nach Somalia bringen lassen und bin begeistert!), dafürkann sie damit ihre Existenz sichern, und das verdient allen Respekt.

Mit alledem hält sie außerdem ihrem Mann den Rücken frei, der sehr erfolgreich eine eigene Hilfsorganisation gegründet hat. Selbst ebenfalls konvertierter (allerdings Polnischer) Muslim, baut er mit größter Sorgfalt verschiedenste Brunnen in Tansania und anderen Ländern, um so etwas gegen die Ungerechtigkeit und Armut zu tun. Somit ist er natürlich viel auf Reisen, doch Sara hat genug „Mumm“, um sich alleine in einem fremden Land durchzusetzen.

Als ob Sara nicht genug zu tun hätte, setzt sich die 3-fache Mutter auch noch für Arme, Bedürfte Menschen in Marokko ein: sie sammelt Spenden und rettet damit Leben!

Aber lest selbst, lasst euch von dieser trotz allem bescheidenen gebliebenen Persönlichkeit inspirieren 🙂


Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Selam aleykum wa Rahmatullahi wa Barakatuhu…

Vor ca. 1,5 Jahren nach Tanger / Marokko.

Ich bin aber schon mal ausgewandert: vor ca. 4 Jahren nach Fes und bin dann nochmal umgezogen nach Kenitra . Nach 6 Monaten bin ich dann aber wieder zurück, weil ich nicht richtig vorbereitet war.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da wir in Tansania Brunnen bauen (www.blue-springs.de), hatten wir erst überlegt, dorthin Hijra zu machen. Aber da meinem Mann dort schon so vieles passiert ist- von ausrauben bis hin zur versuchtem Kidnapping, haben wir uns entschieden, dass es in Marokko einfach sicherer für uns ist.

Zudem habe ich mir Marokko ausgesucht, weil es hier einfacher ist wegen dem Visum. Man kann einfach alle 3 Monate rüber nach Spanien für ein paar Stunden und hat damit wieder 3 Monate Zeit wo man im Land bleiben darf. Die Stadt Tanger ist deswegen auch geeignet, weil es Nahe an der Grenze ist und ich kein Führerschein habe.

 

Sara21

2a: Wie kommst du zurecht, ohne eine (Schwieger-)Familie vor Ort zu haben? Hast du keine Angst allein als Frau?

Am Anfang wusste ich selbst nicht, wie ich zurecht kommen soll ohne Familie hier und ohne Sprache. Aber ich habe schnell herausgefunden, wo der Supermarkt ist und durch das Internet schnell deutsch sprechende Schwestern gefunden die auch hier leben und mir vieles gezeigt haben. Ganz am Anfang bin ich einfach mit den Kindern in alle Richtungen gelaufen, um zu schauen, was es alles in meiner Umgebung gibt. Und eine Schwester, die ich noch von meiner ersten Auswanderung kannte, ist für ein paar Tage hierher gekommen, um mir einiges zu zeigen und mir mit Erledigungen zu helfen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte meine Religion frei ausleben und mich nicht mehr als Fremde und verhasste fühlen in meinem eigenen Land und ich wollte das meine Kinder den Islam lernen und damit leben können, ohne von Lehrern usw. beeinflusst zu werden.

 

Sara7Sara18

Mein ältester Sohn ist jetzt bald 16 in sha ALLAH und ich weiß, dass es nicht nur mit der Erziehung zu tun hat, wenn man seinem Kind den Islam beibringen möchte… sobald ein Kind in Deutschland in eine Schule kommt, dann wird es bis zu 10 stunden am Tag von zig anderen Menschen meißt so erzogen, wie es nicht immer mit dem Islam vereinbar ist.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, wir hatten gut vorgesorgt alhamdulillah. Ich hatte mich vorher selbstständig gemacht und soweit hochgearbeitet, dass ich im Ausland meinen Lebensunterhalt beschreiten kann. Ich habe mittlerweile auch eine Homepage 🙂 www.superfoodsmore.de
Zudem mache ich auch Tijara [Handel, Anm.d.R.] mit Islamischem Spielzeug hier aus Marokko. Dazu habe ich auch einen Online Shop 🙂 www.islamic-buy.de
(ich hoffe ein bisschen Werbung ist erlaubt) 🙂

Sara34

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse? Und hast du die Sprache inzwischen gelernt?

Ich kann leider kein Arabisch oder Französisch, aber mittlerweile habe ich die Sprache soweit gelernt, dass ich auf dem Markt einkaufen und Handeln kann, wobei da auch noch viel einfach mit Hand und Fuß erklärt wird 🙂. Ansonsten bekomme ich Hilfe von den anderen Deutsch sprechenden Schwestern, die hier leben Alhamdulillah .

Ich habe hier sehr viele sehr MashALLAH gute Schwestern kennen kennengelernt, die mir helfen bei allem was so ansteht, alhamduliLlah.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Nicht sehr viel .. Die Bindung ist nicht so stark .. Und sie wissen, dass ich durchziehe, was ich mir vornehme…

Sara25

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig? Und wie bekommt man das, ohne Schwiegerfamilie vor Ort?

In Marokko braucht man nicht sofort ein Visum.

Mann kann einfach alle 3 Monate nach Spanien rüber zb zum Shoppen im Lidl 🙂 und dann halt wieder zurück und hat somit dann wieder 3 Monate, in denen man im Land bleiben darf…

Ich mache das jetzt, seitdem ich hier bin. Wobei ich sagen muss, mit den Kindern ohne Auto über die Grenze ist immer sehr anstrengend und auch nicht ungefährlich, aber z.B. mit der Fähre ist es ein schöner Tagesausflug, wenn auch viel kostspieliger.

Ein Visum habe ich jetzt allerdings beantragt und warte nun auf mein vorläufiges Visum. Das war eine endlose Rennerei . Wir mussten mehrere male zur Polizei und haben jedes mal Stundenlang warten müssen, nur damit sie uns dann wieder weg schicken, weil denen noch was eingefallen ist, was noch an Papieren fehlt, usw., usw., usw… Das Schwierige hier ist, dass viele Beamten bestimmten Papierkram gar nicht kennen. Z.B braucht man ein Bankkonto, aber die Banken sagen, ohne Aufenthalt gibt es kein Konto. Dann muss man halt von Marokko aus die Partnerbank in Deutschland anrufen, damit die denen dann erklären, was genau für ein Konto die mir eröffnen sollen, usw… Oder ein ärztliches Attest, indem steht, dass wir alle gesund sind. Die Untersuchung ist dann ein Ultraschall vom Bauch und Blutdruck und Gewicht messen …naja … 😀

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert? (Hier kannst du für eure Projekte werben!)

Ich selbst habe mich in Deutschland selbstständig gemacht im Multilevelmarketing. Ich verkaufe Produkte für die Gesundheit und das alles Online (inkl. passives Einkommen). Als ich dort den Manager erreicht hatte, sind wir einen Monat später ausgewandert.

Sara27

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja 🙂 Ich war in der Zwischenzeit auch nicht mehr in Deutschland und möchte es auch nicht.

Ich lebe hier, wo andere Monate lang sparen, um hier Urlaub machen zu können,
Tanger ist meiner Meinung nach einer der schönsten Städte Marokkos. Hier gibt es das Meer,Wälder, Berge, Spielplätze und auch Indoorspielplätze, Man kann einfach mit der Fähre innerhalb von 30 Min rüber nach Spanien . Es gibt viele deutsche Schwestern hier, usw…

Sara10

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

14, 2 und 1.

Frage 11: Seid ihr dort krankenversichert?

Nein. Einmal Arm brechen hat uns hier 500 € gekostet, aber dafür muss dann einfach Rücklagen schaffen.

Frage 12: Welche Schule besuchen deine Kinder dort? Bist du zufrieden mit ihrer Bildung?

Mein ältester geht zur Koranschule. Wenn er weit genug ist mit dem Koran lernen, kommen andere Fächer dazu. Mit dem Zeugnis kann er hinterher dann studieren gehen.

Die beiden kleinen werden noch zu Hause unterrichtet, 4x die Woche. Sie werden im Koran, Alif ba [Arabisches Alphabet, Anm.d.R.], Marokkanisch und richtig Arabisch unterrichtet von einer sehr, sehr lieben Marokkanerin.

Die Kindergärten hier gefallen mir alle nicht außer einer und da bekommt man nur einen Platz mit Aufenthalt

Frage 13: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich habe eine Marokko-Rundreise gemacht und das Land kennen gelernt. Wir waren in der Wüste und im Atlasgebirge , am Wasserfall, und, und, und…
Die Menschen hier sind alle gastfreundlich und ich hatte nie das Gefühl, das wir nicht willkommen sind.

 

Wir haben hier auch viele arme Familien besucht.

Es tut der Seele gut, mit den Armen zu sein. So kommen einem die eigenen Sorgen so klein vor und man wird dankbar für das, was man hat alhamdulillah.

Wir haben hier eine Familie besucht, die mit ihren 4 Kindern auf dem Friedhof lebt. Oder eine Witwe mit 9 Kindern wo der Jüngste behindert ist, das Mädchen hat einen Wasserkopf und deformierte Beine und einen Herzfehler. Oder die Familie von Firdaus, das Mädchen mit der Mondscheinkrankheit.


Mitlerweile bekommen wir Spenden, um den Armen helfen zu können alhamdulillah . Jetzt aktuell sammeln wir Spenden, um 80 armen Familien zu Ramadan Iftar Pakete geben zu können …. Unsere aktuellen Projekte könnt ihr auf meiner Facebook Seite verfolgen.


Frage 14: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Viele reden immer davon, wie gefährlich es hier ist, aber bis jetzt ist nie was passiert. Obwohl ich seit über einem Jahr alleine hier bin und das ohne Auto… Das einzigste, was einmal nicht schön war: als ein ca 10-Jähriger uns belästigt hat ….

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich werde von so vielen Schwestern kontaktiert, die alle sagen, dass sie sofort gehen würden, wenn sie könnten. Aber kaum eine tut wirklich was, um gehen zu können.

Macht Tijara! Verzichte auf Coffee to go und Döner und spare dein Geld! Vielleicht kommt mal eine Zeit, wo du nicht mehr in der Lage bist, zu gehen und dann wirst du jeden Cent, den du sinnlos ausgegeben hast, bereuen. Gerade, wenn man Kinder hat, sollte man jede Chance nutzen, um sich auf den Weg zu machen und auf ALLAH swt vertrauen.

Sara15Sara14Sara12Sara30Sara9


Vielen Dank für deine Teilnahme und deine geteilten Erlebnisse, liebe Sara! Möge Allah dich und deine Familie reichlichst belohnen für all eure Mühen, die Welt ein Stück lebbarer zu machen!!!

Ich hoffe, nein, ich denke, dass euch dieses Interview ebenso beeindruckt hat, wie mich. Sara ist das beste Beispiel dafür, dass man nicht einfach nur reden sollte, sondern „einfach“ tun!

Zudem sieht man in diesem Beispiel ganz klar, dass man nicht allein gelassen wird, wenn man seiner Religion wegen ausgewandert ist- und insbesondere dann nicht, wenn man sogar noch anderen hilft! So heißt es so schön in einem Ausspruch des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm:

Wer seinem Bruder hilft, dem wird Allah helfen. Und wer einem Muslim bei der Beseitigung seiner Sorgen hilft, dem wird Allah bei seinen Sorgen am Tage des Gericht helfen. Ebenso wird Allah demjenigen, der die Schwächen eines anderen Muslims verdeckt, am Tag des Gerichts seine Fehler verbergen.”

(Überliefert bei al-Buẖārī und Muslim)

Für mich steht fest: von dieser Art selbstloser Leute, die sich für die Menschheit einsetzen, sollte es mehr geben!

Laßt uns also alle ein Stück von dieser „einfach-machen!“- Art abschneiden und loslegen mit dem, was wir so machen können! Probieren geht über studieren 😉

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

Selbstbestimmt leben in Somalia?

Inspiration über Umwege –

In diesem Artikel wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern man als in Somalia lebende Frau eigentlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann!? Diese Frage wurde mir kürzlich von der Mutter einer Freundin gestellt- also quasi über drei Ecken. Es freut mich natürlich sehr, dass sich Menschen für das Leben hier interessieren und ihren Horizont erweitern wollen. Deswegen antworte ich direkt in unserem Blog, da es noch so manch andere(n) interessieren könnte.

„Freiheit der Welt“ als Muslima

Zunächst einmal ist die einfache und direkte Antwort auf diese Frage: Ja- man kann hier als Frau selbstbestimmt leben! Voraussetzung ist hier, dass man Muslimin ist, oder sich dementsprechend anzieht. Aber Nicht-Muslime zieht es sowieso eher woanders hin. (Und was nicht ist, kann ja noch kommen! D.h. dass die Sicherheitslage sich noch in Zukunft verbessern kann.) Diese Vorraussetzung habe ich also schonmal erfüllt (alhamduliLlah).

Ich kann hier als Muslima sogar ein selbstbestimmteres Leben führen als in Deutschland, denn dort hätte ich aufgrund meiner Bedeckung Jobchancen gleich Null! Auch was meine Freizeit angeht, fühle ich mich dort weniger wohl. Man ist dort ein Fremdkörper im Gewusel.

Hier hingegen habe ich alle Freiheit der Welt! Somalische Männer sind auch im Gegensatz zu Arabischen Männern sehr freilassend- sie lassen dich deinen Weg selber finden.

Beste Berufschancen (teorethisch)

Gerade als „Westlerin“ würde ich hier also überall einen Job bekommen. Sofern ich denn Bildung hätte. *Räusper*

Das Thema Bildung wurde mir gleich zu Beginn meiner Auswanderung vor den Kopf gehalten: Was ich denn studiert hätte? Welchen Bachelor/Master ich denn gemacht hätte? Wurde ich von meinen somalischen Nichten gefragt, die größtenteils alle gerade mitten im Studium waren. Ja, alsoooo…

Materialistisches Denken hat auch hier seine Standbeine

Dass ich mein Leben in Deutschland aufgegeben hatte, um meine Religion ruhig ausleben zu können, spielte für sie eher eine kleinere Rolle. Dass ich mein Studium der Musikpädagogik aufgegeben hatte aufgrund meines neuen Lebensweges, fand auch weniger Beachtung.

Gut, dass ich alle meine Taten tue, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen- nicht das der Leute! Denn die kann man sowieso nie alle zufrieden stellen.

Zugegeben ist es von Vorteil, etwas im Ausland gelernt zu haben, bevor man überhaupt kommt. Das würde ich auch jedem raten, sofern er/sie die Möglichkeit hat. Für mich war es damals jedoch weniger wichtig: ich hatte ja meinen Mann, der für mich sorgt, Möglichkeiten hätte ich auch nur unter erschwerten Bedingungen, und ich wollte einfach nur noch weg!

Studium in Sicht!

Sobald ich meinen Sohn in Deutschland bekam ( Ende 2012), entschied ich mich, etwas zu ändern, und einen lang gehegten Traum wahr zu machen: ich fing an der Islamic Online University an, den Islam zu studieren! Allerdings nur Stück für Stück, da ich als frisch gebackene Mutter damit beschäftigt war, mein Leben neu zu ordnen. Zudem kamen mir die Reisen nach Somalia- zurück nach Deutschland und wieder Somalia, eher ungelegen. Nach einem Jahr entschied ich mich, zu dem Education- Studiengang zu wechseln. Dort werden meine beiden Hauptinteressen gelehrt: Islam und Erziehungswissenschaften. Damit erhoffte ich mir, später in Somalia mehr bewegen zu können. Und selbst für die eigene Familie ist es von Vorteil, wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt.

Alles zu seiner Zeit!

Also hatte ich immerhin etwas gefunden. Bloß, dass es sich auf 12 Jahre hinziehen wird, bis ich meinen Bachelor in shaa Allah in der Hand halten werde, da ich nur Part-time studiere (2-3 Fächer pro Semester)! Das macht mir derzeit jedoch weniger aus. Ich habe zurzeit sowieso noch alle Hände voll zu tun mit meinen jungen Kindern und meiner großen Familie, dem Blog hier und eben meinen Studienfächern. Und wenn meine Kinder dann etwas größer sind, werde ich in shaa Allah etwas passendes arbeiten können.

Soviel zu beruflichen Möglichkeiten hier.

20180327_192154-1.jpg
Unser Hausreh/ Springbock sieht so etwas gaaanz relaxed 🙂

Wie sieht es im Privaten aus?

Da bin ich auch frei, mich so zu bewegen, wie ich möchte. Allerdings habe ich diesbezüglich nicht sooo viele Möglichkeiten, wie in Deutschland, einfach aus dem Grunde, dass ich hier weniger Freunde habe. Das störte mich anfangs gewaltig, aber seit ich Kontakte über Social Media haben kann (habe ich relativ spät entdeckt!), relativiert sich das wieder. Außerdem habe ich ja ständig Gesellschaft in Form meiner Familie, alhamduliLlah.

Der tägliche Einkauf auf dem Markt bleibt mir meißtens auch erspart, worum ich ganz froh bin (zu stressig!). Ich habe also gar nicht so die Muße, ständig irgendwo hin zu fahren/gehen, wobei es trotzdem noch genug Gelegenheiten gibt, „raus“ zu kommen.

 

Ich liebe es auch, an den Wochenenden irgendwo hin fahren: zum Spielplatz, in die Natur, einfach in die Stadt oder zum Verwandtenbesuch, so wie ich bereits in diesem Artikel beschrieb. Wenn es in die Natur geht, nehme ich die Bodyguards meines Mannes mit. Oder auch, wenn ich das Auto meines Mannes fahre, welches ein Pick-Up ist (d.h. die Bodyguards sitzen hinten auf der Ladefläche, mit den Beinen heraus baumelnd). Das aber eher, zum Schutze des Autos (und indirekt für meinen)! Denn mein Mann ist hier eine bedeutende Persönlichkeit, der schon so einige Morddrohungen von Extremisten erhielt (möge Allah ihn beschützen). Da geht man doch besser auf Nummer sicher.

Mit unserem Familienauto bewege ich mich jedoch ganz frei. Erst gestern wurde ich noch in unserem Lieblings-Supermarkt angesprochen, wie gut ich doch Somalisch gelernt hätte, dass ich sogar alleine einkaufen gehen kann 🙂 Da meinte ich nur: „Waa khasab!“ (Das Erlernen der Sprache ist ein Muss!)

 

 

Auch im Häuslichen mehr Freiheit

Unser Hof ist übrigens so groß, dass man kaum merkt, wenn man mal nicht so viel herum fährt. Denn man ist ja ständig draußen– selbst unsere Küche ist außerhalb unseres Hauses! So kann ich dort alles machen: von joggen bis hin zum Sonnen-baden.

20180327_192242-1.jpg

Zusammenfassend kann ich also sagen: ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt hier! Zwar hätte ich gerne noch so die ein oder andere Freundin von „abroad“ hier- aber was nicht ist, kann ja noch werden, so Allah will 🙂

Ich freue mich, wenn solche Fragen kommen, also scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

Thank´s for reading und see you soon (in shaa Allah),

Eure Khalisa

5.Interview: Willkommen in Marokko, dem Land der Genüsse!

As salaamu alaikum liebe Leser/innen,

Im heutigen Interview geht die Reise in eins der sehr schönen Länder, das auch für Touristen sehr begehrt ist aufgrund seiner vielseitigen Genüsse: Marokko!

MarokkoKarte

Bekannt für seine wunderschönen Märkte mit aromatischen Gewürzen und einer Überfülle an frischem Gemüse, der schönen Natur und Architektut, ist es wohl eins der beliebtesten Länder Afrikas´ für Touristen aus aller Welt.

Ich sage immer, nach Marokko ist es ein leichtes, auszuwandern! Aufgrund den  kulinarischen und landschaftlichen Verlockungen, die es dort gibt. Und auch die Menschen sind sehr freundlich und recht offen. Zudem sind die Flugpreise extrem günstig im Vergleich zu denen nach Somalia!

Aber natürlich hat jede Auswanderung („Hijrah) ihre Erschwernis. Es ist nie einfach, aber es lohnt sich!

Unsere heutige Interview-Partnerin hat es nun also dorthin „verschlagen“: Abida Umm Hamza- die deutsche Muslima, die ihren neuen Landsgenossen Deutsch beibringt!

Frage 1:Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Marokko, genauer gesagt, nach Kenitra (Westmarokko) im August 2016.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da mein Mann Marokkaner ist, war es naheliegend, dass wir seine Heimat aussuchen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Wir wollten in Ruhe unsere Religion ausleben, ohne sich ständig erklären zu müssen. Dies wird einem in Deutschland recht schwer gemacht, hinsichtlich Hijab, die rechtzeitige Gebetsverrichtung (gerade, wenn man berufstätig ist), Kindererziehung nach dem Islam, da der Einfluss der westlichen Wertegesellschaft doch recht groß ist.

Zudem bekam mein Mann ein gutes Jobangebot in Marokko, was natürlich auch wichtig ist, wenn man auswandern möchte. Eine gewisse „finanzielle Stabilität“ sprich fester Arbeitsplatz ist natürlich ideal, alhamduliLlah.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nicht wirklich…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdulillah, ich habe Arabisch und Französisch studiert und das sind die beiden Sprachen, die auch hier in Marokko gesprochen werden. Daher klappt es recht gut, auch wenn ich jetzt Marokkanisch (Dialekt) besser verstehe als reden kann. Ich kenne aber auch einige deutsche Schwestern hier (es gibt nämlich eine recht große deutsche Community, mashaAllah!), die wenig bis überhaupt kein Französisch und auch nur wenig Arabisch bzw. Marokkanisch sprechen und das Leben funktioniert auch, alhamdulillah.

Fehlende Sprachkenntnisse sollten also kein Hinderungsgrund für´s Auswandern    sein 😉

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Eltern wussten eigentlich schon länger, dass wir mit dem Gedanken spielen, eines Tages nach Marokko auszuwandern. Trotzdem war der Schock doch etwas groß, als wir es ihnen eines Tages mitteilten. Ich muss dazu sagen, dass mein einziger Bruder auch im Ausland lebt. So fiel es ihnen dann schwer, auch ihre Tochter im Ausland zu wissen, auch dass man sich nicht mehr so regelmäßig besuchen kann.

Trotzdem haben sie uns verstanden in unseren Wünschen, in einem islamischen Land leben zu wollen.

Marokko4
Wunderschönes Meer in Kenitra

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Wer nach Marokko reist, erhält ein 3-monatiges Touristenvisum. Danach ist es ratsam, sich um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kümmern (ist mit etwas Bürokratie verbunden, aber im Allgemeinen erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung „carte de séjour“ für 1 Jahr)

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sich vor 4 Monaten mit einem Deutsch-Institut selbstständig gemacht, selber arbeite ich auch dort und gebe Kommunikationskurse.

Die FB-Seite von dem Institut findet ihr hier:

https://m.facebook.com/Schillerhaus-192342891339835/

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ich lebe sehr gerne hier, alhamduliLlah, daher könnte ich mir das durchaus vorstellen, in shaa Allah.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

9, 6, 4 und 2 Jahre.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Privatschule, dort werden sie zu gleichen Teilen in arabischer und französischer Sprache unterrichtet. (Dort sind die Klassen kleiner, in unserem Fall sogar nur max. 10 Schüler pro Klasse und das Unterrichtsklima besser als in den öffentlichen Schulen mit zum Teil über 40 Schülern)

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich könnte von mehr als nur einem guten Erlebnis berichten: der Adhan ist mashaAllah immer um uns herum und bestimmt den Alltag, alhamduliLlah. Auch den Monat Ramadan sowie die beiden großen Feste im Islam werden hier viel intensiver gefeiert.

Es macht eben schon einen Unterschied, ob ein ganzes Land fastet (also die Mehrheit) oder nur einzelne wie in Europa.

Marokko
Größte Moschee in Kenitra

Mit Kindern wird hier viel herzlicher umgegangen, das habe ich in Deutschland nicht oft gehabt, wenn ich mit meinen 4 Kindern in der Stadt unterwegs war. Auch als Ausländerin wird man hier sehr herzlich und stets freundlich empfangen und behandelt. Das erlebt man in Deutschland auch eher selten.

Das Leben wird hier nicht von Hektik und Stress bestimmt, es herrscht eine leichte Tendenz zum laissez-faire 😉

Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Schlimme Erlebnisse hatte ich hier alhamduliLlah keine, der Straßenverkehr hier hat es in sich.

Als Fußgänger hier steht man in der Verkehrshierarchie ganz unten.

Fußgängerampeln gibt es keine, Zebrastreifen stellen lediglich eine Art Deko dar, werden aber nicht beachtet. Laufrad- bzw. Fahrradfahren mit kleineren Kindern ist hier ungeeignet.

Auch der ignorante Umgang mit Müll stört mich nach wie vor (kleinerer Müll wird sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen einfach auf die Straße geworfen) aber in shaa Allah ändert sich auch hier das Umweltbewußtsein.

Man darf nicht zu viel verlangen, das Umdenken braucht seine Zeit. Das perfekte Land gibt es nunmal nicht.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Den perfekten Plan für die Hijrah gibt es wohl nicht, man sollte den „Sprung ins kalte Wasser“ wagen und bezüglich schulpflichtiger Kinder ist es ratsam die Hijrah nicht hinauszuzögern, da es in Marokko keine deutsche Schule gibt und man sonst eventuell sehr viel mehr aufholen muss. Und bekanntermaßen ist es für Kinder einfacher, je jünger sie sind.

Leichter macht es eine Hijrah natürlich auch, wenn man eine feste Arbeit hat, da es natürlich auch hier viele Ausgaben gibt. (Miete, Schulgeld, Essen etc.). Aber Vertrauen auf Allah ist wie bei allen Dingen im Leben unerlässlich!

Vielen Dank!

 

Ich bedanke mich auch recht herzlich bei dir, liebe Abida! Möge Allah mit dir und deiner Familie zufrieden sein und euch ein gesegnetes Leben schenken!

Liebe Leser, vielleicht ist euch auch schon eine Gemeinsamkeit aller bisherigen Hijrah-Berichte aufgefallen. Aber jetzt noch nicht die Zeit gekommen, ein Resümée zu ziehen. Erstmal wollen wir noch einige weitere Länder mitsamt persönlicher Geschichten gemeinsam entdecken!

Bis dahin (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

4.Interview: Bemühungen um ein islamisch freieres Leben

As salamu alaikum und Hallo an meine lieben Leser/innen,

Leider etwas verspätet, aber besser als nie ;-), geht unsere Interview-Fragerei in ein vergleichsweise kleineres, dafür umso schöneres Land auf dem Arabisch-Afrikanischen Kontinent: nach Tunesien!

Ich weiß nicht, was euch in den Sinn kommt bei diesem Land. Wenn ich jedenfalls an Tunesien denke, fällt mir sofort die Farbkombination Weiß-Türkis ein. Es gibt so viele wunderschöne Fotos von diesen weißen, quadratischen Häusern mit türkis verzierten Rundbögen an Tür und Fenstern, mit dem passenden stark blauen Himmel und dem mindestens ebenso schönen Strand.

In dieses wunderschöne Land hat sich unsere Kandidatin des heutigen Interviews gewagt, auszuwandern: die deutsche Muslima Khawla!

Tunis7
Khawla mit ihren Lieblingstieren, den Pferden.

Wir kennen uns schon länger (über Social Media) über diverse Themen, die uns verbinden- von Islam, über Wissensaneignung, vom Voltigieren bis hin zur Mehrehe und mehr. Und natürlich auch die Hijrah (Auswanderung). Sie ist eine sehr wissbegierige, selbstbewußte junge Mutter, die trotz des Lebens als Großfamilie kaum eine Minute ungenutzt läßt (möge Allah sie segnen). Deswegen bin ich umso dankbarer, dass sie sich die Zeit für unser Interview genommen hat. Aber lest selbst, was eine Deutsche nach Tunesien verschlägt!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?
Khawla: Bismillah Ar Rahmana Rahim
Assalamu wa Salam ala nabi sall Allahu alayhi wa Salam
Ama baad:
As salaamu alaikum!

Nach Tunesien. Vor 9 Monaten

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Wir haben es uns nicht direkt als Hijrah Wunschziel ausgesucht.
Als Wunschziel wäre natürlich ein Land, was islamisch gesehen nicht gerade erst in den Kinderschuhen steckt, leichter und einfacher.

Aber für uns ist es zur Zeit und auf die schnelle, in der wir die Hijrah vollzogen haben.(innerhalb von 2 Monaten), die nahe liegende Wahl gewesen, da mein Mann Tunesier ist.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Islamisch unbehelligter zu sein, einfach freier.
Und vorallem meine Kinder so erziehen zu können, wie ich es für richtig halte.
Das ist hier, genauso wie in anderen Norafirkanischen Ländern, möglich.
Man wird, nicht daran gehindert, seine Kinder in eine Quranschule zu geben.

Sogar sind die Leute beschämt, wenn sie sehen das meine „blonden“ kinder in den Quranunterricht und zu ihren Gebeten in die Moshee gehen, wöhrend ihre Kinder manchmal noch nicht mal zu Jumaa [zum obligatorischen Freitagsgebet, Anm.d.R.] gehen.

Die Kinder islamisch zu erziehen, ist hier leicht, wenn man den Kindern die richtige Umgebung bereitstellt. Nicht so wie in Deutschland.

Ich weiss, dass Tunesien in diesem Bezug immer noch einen schlechten Ruf hat.
Aber, ich kann nur dazu sagen, dass es kein Land gibt, in der heutigen Zeit, wo alle Leute sich islamisch benehmen. Das gleiche, ist hier auch! Es gibt Länder, wo wohl optisch alles nach Islam aussieht. Aber die Kinder körperlich gezüchtigt werden, wenn sie den Quran nicht schnell genug Hafiz [auswendig gelernt, Anm.d.R.] haben.
Länder, in denen Frauen falsch behandelt werden, vollkommen unislamisch.
Oder Könige solcher Länder, welche ihr Land in einer Zensur halten. Da sieht es dann nach Islam aus. Aber dort darf dann in den Moscheen auch nur das laut ausgesprochen werden, was von dem König erlaubt wird.
Dann gibt es Länder, die nach reiner Dunja [der weltlich-bezogenen Lebensweise, Anm.d.R.] aussehen, als gäbe es kaum Deen [Islamische Lebensweise, Anm.d.R.] dort.
Oder vom Krieg gebeutelte Länder, in denen viele verschiedene Islamische Gruppen vertreten sind.
Länder die in manchen teilen des Landes extrem viel Deen, an anderen Orten touristische „Mega- Dunja“, sogar Diskotheken, haben.
In jeden dieser Länder, gibt es Fitten [Versuchungen, Anm.d.R.].
Wenn wir Hijrah aus den unislamischen Ländern machen, sollte uns bewusst sein, das man nur mit der richtigen Absicht und Anstrengung in den „islamisch“ geprägten Ländern diesen Fitten entkommt und seinen Weg in khair [in dem, was Allah wohlgefällig ist, Anm.d.R.] geht.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, hatten wir, Alhamdulillah. Also so viel, wie man innerhalb von 2 Monaten zusammen bekommt.😅

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?
Ja, Alhamdulillah ich verstehe besser, als ich spreche 😅

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?
Gespalten. Aber da unser Kontakt seid vielen Jahren nur telefonisch ist,
habe ich es ihnen auch erst gesagt, nachdem wir schon weg waren.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?
Man kann für 4 Monate am Stück ohne Visum hier sein.
Dann muss man das Land verlassen– es reicht für 1 Tag.
Oder man beantragt ein befristetes Visum, was man immer wieder verlängern kann.
Oder ein unbefristetes Visum.

Für ein unbefristetes Visum muss man entweder die Mutter sein von Kindern, dessen Vater Tunesier ist, die auch hier leben und zur Schule gehen. Oder mit einem Tunesier verheiratet sein oder du musst eine gewisse Summe auf einem tunesischen Bankkonto haben sowie einen Festwohnsitz.

Palmen, die Standartbäume in Tunesien.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?
Mein Mann macht Tijara [Handel, Anm.d.R.]- hauptsächlich im Ausland.
Wir sind ca. 6 Monate alleine hier in Tunesien. Die restliche Zeit, ist mein Mann bei uns.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, könnte ich in 2ch Allah.
Aber ich könnte mir auch vorstellen, nochmal ganz woanders hinzugehen.
Wenn es meine islamische Situation oder die der Kinder verbessert!

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?
Zwillinge 9, 7, 6 und 5 Monate

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Islamische Privatschule. Fokus auf Quran und Islamische Erziehung.
Im Gegensatz zu der „veralteten“ Annahme, das man in Tunesien, zwar Dunja aber kein Deen haben kann, ist im Privatschulbereich ein erstaunliches anwachsen von Islamischenschulen zu beobachten.
Dadurch, dass es hier erst seid ein paar Jahren möglich gibt, Islam und Schule zu verbinden gibt es noch nicht in jeder Stadt die Möglichkeit.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:
Es gibt nicht ein bestes Erlebnis!
Der tägliche Adan, der mir das Herz weitet 😍
Aber auch, das ich auf die Straße gehen kann, ohne beschimpft oder angefeindet zu werden.
Ich kann mich absolut frei bewegen, ohne behelligt zu werden.
Auch die Polizei oder Militär kontrollieren mich nicht unhöflicher oder mehr als andere.
So wie es früher mal war. Sogar sind die meißten ausgesprochen freundlich zu mir.
Sie winken mich zu 80% einfach so durch- wo alle anderen kontrolliert werden, kann ich oft einfach weiter gehen.

All das gibt mir das Gefühl ein Mensch zusein !
Das ist eine Lebensqualität, die ich in Deutschland all zu lange vermisst habe!

Grüne Landschaft vor dem Strand.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:
So nun kommen wir zu einer Sache, die mich sehr traurig gemacht hat.
Ich musste, in die Visa Behörde.
Mein mann war zu der Zeit im Ausland , also bin ich alleine gegangen.
Man hat mich dort gleich, mit einer Waffe in der Hand begrüßt. Ich durfte nicht einfach so das Gebäude betreten wie alle anderen, sondern musste direkt meinen Passport abgeben und warten.
Dann rief man mich in ein Zimmer.
Ich hatte alle Unterlagen, normalerweise war es nur eine kleine Sache, mir meinen unbefristeten Aufenthalt zu genehmigen.
Nach 2 Std. Gerede und der festen Überzeugung, dass mein Mann hinter meinem Niqab steht, und der Bitte zu meiner Schwägerin, sie solle ihrem Bruder sagen, dass er mir sagen soll, nur Khimar [Also ohne Gesichtsbedeckung, Anm.d.R.] zu tragen.
Dann bekam ich meine Unterlagen zurück und keinen unbefristeten Aufenthalt!
Mit der Begründung, sie wollen zuerst mit meinem Mann reden.

Derart Begegnungen hatte ich seit langem kaum noch hier.
Ich bin seit 12 Jahre mindestens 1 mal im Jahr hier gewesen.
Und so etwas ist seit Jahren immer weniger geworden.
Dennoch gibt es sie hier oder dort in Behörden noch.

20180310_090356.jpg
Lässt sich durch niemanden entmutigen: Khawla

Wie sieht es mit einer Krankenversicherung aus, seid ihr Krankenversichert?

Ja, es gibt Krankenversicherungen hier, aber da läuft es so, dass man monatlich Geld ein- bezahlt (ca. 200 Dinar). Wenn man Medikamente oder Besuche beim Arzt braucht, muss man vorbezahlen und man bekommt dann bis zu 80% zurück. Die Rückzahlung kann bis zu 6 Monate dauern

Ja, wir sind versichert Alhamdulillah.
Das mit der Versicherung ist aber schwer hier. Es ist auf keinen Fall so wie in Deutschland. Und die Krankenhäuser sind sehr, sehr teuer. Als wir während der Revolution hier waren, konnten wir ja hier nicht mehr raus, die Zwillinge mussten aber operiert werden. Die OP plus 1 Nacht im KH kostete pro Kind 1500 Euro- solche Kosten werden kaum von der Versicherung übernommen. Aber besser als gar kein Rückgeld 🙈😊
Und da hier alles im Voraus bezahlt werden muss, läßt sich die Versicherung dann einfach sehr lange Zeit oder zahlt nur einen kleinen Anteil.

Abschlussfrage: Was würdest du Geschwistern, die ebenfalls Hijrah machen möchten, raten?

Ich würde, wirklich allen Geschwistern raten, nicht zu warten, bis sie „genug“ Geld haben.
Sondern auf Allah zu vertrauen mit der Gewißheit, dass Allah die Menschen, die auf SEINEM Weg ausgewandert sind, nicht im Stich läßt!

Vielen Dank für deine Beantwortung der Fragen liebe Khawla! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und beschützen!

Fazit:

Wie ihr seht, ist es selbst in solchen „islamischen“ Ländern nicht einfach, wenn man sich voll verschleiert (und die Schwester tut das aus Überzeugug, nicht für ihren Mann!). Dies ist so, weil die Regierungsbeamten, sowie der Großteil der Bevölkerung, diese Art der Verschleierung als extrem betrachtet und wenig bis kaum Wissen darüber hat, dass es im Islam etwas angesehenes ist für Frauen (ohne Zwang). Frauen, die sich für diese Art der Bedeckung entscheiden, tun das meißtens freiwillig, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen. Dementsprechend müsste man sie dazu zwingen, wenn man sagt, sie sollen es nicht mehr tragen!

Selbst in Somalia ist es mir schon ein paarmal passiert, dass die Beamten verunsichert waren durch meine Gesichtsverschleierung. In solchen Momenten muss man einfah cool bleiben, erklären, und sein Gesicht einmal zeigen. Denn leider ziehen Terorristen und extreme Gruppen diese religiösen Dinge (genau so wie z.B. Bart zu tragen) durch ihre (Un-) Taten in den Dreck. Möge Allah uns alle rechtleiten.

Trotz solchen Erfahrungen und des weniger guten Gesundheitsystems: die Vorteile in solchen muslimischen Ländern überwiegen! Denn Erfahrungen dieser Art passieren wahrscheinlich nur manchmal, nicht jedoch im alltäglichen Leben. Während man in Deutschland nicht mehr in Ruhe aus dem Haus gehen kann, ohne beschimpft zu werden.

Ich hoffe, ihr habt wieder etwas dazu gelernt und neue Einsichten gewonnen. Gerne könnt ihr eure Gedanken und weitere Fragen dazu im Kommentarfeld hinterlassen.

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

3.Interview: Diese Dunja ist eine ständige Reise!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute geht es um ein Land, welches der Traum der meißten Muslime ist: Saudi Arabien! Es ist das Ursprungsland des Islams, der Ort der allerersten Gebetsstädte überhaupt: der Kaaba in Mekka, die ursprünglich vom Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael (Frieden und Segen seien auf ihnen) erbaut wurde und später von den Muslimen übernommen und restauriert wurde. Dort können wir also die 5.Säule unseres Glaubens erfüllen, sofern wir in der Lage dazu sind: die Pilgerfahrt (Arab. Hadsch). 

Nur eine Stunde mit dem Auto davon entfernt liegt Jedda, die Stadt, in der die heutige Interviewpartnerin seit kurzem lebt. Genannt auch Zawjatutalib, was soviel heißt wie „Frau des Studenten„. Diese Namensbezeichnung passt außerordentlich gut, denn ihr Mann studiert dort, und zwar Arabistik. Und auch sie selbst geht inzwischen dort zur Schule und bildet sich fort.

Für die Nichtmuslime unter uns mag folgendes Interview ebenfalls einen interessanten Einblick geben in ein Land, dass sie sonst nur von den Medien her kennen (oft genug in einem schlechten Licht). Deswegen wünsche ich euch allen eine schöne Bereicherung durch dieses Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Zawjatutalib: 

Bismillahirrahmanirahim
Alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Weltenbewohner, der uns ermöglicht hat. Ohne ihn wären wir wahrlich zu nichts im Stande.

Januar 2018 nach Saudi-Arabien.

Jeddah4
Saudi Arabien von oben (aus dem Flugzeug)

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Ich finde, dass man in Saudi-Arabien den Islam praktizieren kann ohne daran gehindert zu werden. Im Gegenteil: es gibt sehr viele Möglichkeiten und man ist eben nicht mehr fremd, sondern wird von den Mitmenschen akzeptiert und verstanden.

Jeddah3
Palmen, die den Straßenrand schmücken

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Mein Mann studierte bereits hier als wir geheiratet haben. Al-hamdu-lillah. Abgesehen davon denke ich, dass man als Muslim in Deutschland sehr eingeschränkt lebt, da man einfach nicht viel geboten bekommt in islamischer Hinsicht. Es fängt schon dabei an, dass Muslime schwerer einen Arbeitsplatz finden & Frauen mit Niqab kein Auto fahren dürfen.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ein wenig, jedoch nicht ausreichend.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Anfangs sehr schlecht. Mittlerweile akzeptieren sie es. Sie kennen meinen Mann und sehen, dass ich glücklich bin.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sein Stipendium. Außerdem kann man in einem Fall wie bei uns in den Semesterferien Jobben.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja In schā Allah. Möge Allah ta’ala es ermöglichen amin.

Jeddah
Ausblick auf den Sonnenuntergang, bei einer Straße in Jedda

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Ich habe keine Kinder.

Frage 11: Wie läuft das im Krankheitsfall ab? Gibt es so etwas wie eine Krankenversicherung oder muss man privat zahlen?

Ich kann nur für unseren Fall sprechen. Wir sind beide über die Universität, die mein Mann besucht, versichert. Das ist üblich für Studenten hier, dass die Familie dann den Service auch bekommt. Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Krankheit hier. Von anderen habe ich aber gehört, sie seien sehr zufrieden und haben Medikamente auch kostenlos bekommen. Allerdings variiert das von Uni zu Uni etc.

Manche Geschwister bevorzugen auch die Behandlung in der Heimat bei einem Ernstfall. Zum Beispiel fliegen viele Schwestern zum Entbinden in die Heimat zurück. Es kommt natürlich immer drauf an, aus welchem Land man kommt und welchen Standart man von der Heimat gewöhnt ist. In Deutschland genießt man schon einen sehr hohen Lebensstandart. Da ich aber -allahumma barik [Möge Allah es segnen, Anmerkung d. Redaktion]- wie gesagt keine Erfahrung habe in diesem Thema, ist dies alles, was ich dazu sagen kann.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Die Umrah! [Das ist die kleine Pilgerfahrt, die man im Gegensatz zur Hadsch jederzeit machen kann, Anm.d.R.]

Mekkah
Kaaba, Ort der Pilgerfahrt für jährlich mehr als 2 Millionen Muslime
Jeddah5
Türme der riesen Moschee, in der die Kaaba ist, und die berühmten Hochhäuser rundherum.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Klimawechsel & Lebensmittelveränderung! Es gibt nicht alles, was es in DE gibt, oder eben sehr teuer.
(Nicht wirklich schlimm aber eben eine Veränderung die sich bemerkbar macht)

Frage 14: Du bist ja erst kurze Zeit dort. Trotzdem ist es interessant, ob deine Erwartungen vom Land erfüllt wurden oder eher nicht? Beschreib das ruhig ein bisschen 🙂

Meine Erwartungen von Saudi Arabien wurden teilweise erfüllt, teilweise nicht.
Ich hab zum Beispiel nicht erwartet, dass es so viel Dunya [Weltliche Güter, Anm.d.R] hier gibt.

Mekkah1
Moderne Hochhäuser in Mekka, Saudi Arabien

Also Saudi Arabien ist teilweise echt moderner als Deutschland – was nicht unbedingt negativ gemeint ist. Also es gibt sehr große und schöne Malls, es gibt sehr schöne Plätze draussen zum spazieren etc. Ich war positiv überrascht! Und auch, dass es sooo viele Geschwister mit niqab/jalabiya  gibt hätte ich auch nicht erwartet .

Ich meine, dass es so normal ist, dass zum Beispiel im Ikea die Arbeitskleidung eine Abaya und niqab ist oder männliche Kassierer mit Jalabiya [Gewand für Männer, Anm.d.R.] im Supermarkt sind, hab ich einfach nicht erwartet, was auch super schön ist.

Den Adhan von allen Seiten zu hören 5 mal am Tag ist auch total schön, wie erwartet. Die Hitze ist auch nicht so schlimm wie ich dachte- also das sind nur wenige Beispiele. Wenn ich jetzt auf alles eingehen würde, würde es den Rahmen sprengen. Im Großen und ganzen bin ich also positiv überrascht und hab teilweise Schlimmeres erwartet. Aber ihr könnt mein Leben hier auch auf meinem Blog mitverfolgen:

https://zawjatutalib.wordpress.com/author/zawjatutalib/

Foto von Abaayat- islamischen Gewändern für Frauen.
Viel Auswahl in zig Geschäften

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? Speziell für welche, die auch von Saudi Arabien träumen?

Man sollte starkes Tawakkul (Vertrauen auf Allah) besitzen.

Es kommt nie, wie man es plant. Besonders hier in Saudi-Arabien, wo einem der Aufenthalt eigentlich nie garantiert ist (selbst wenn der Mann arbeitet). Man weiß eben nie, was morgen passiert- deshalb sollte man sich nie an die aktuelle Situation fesseln!

Wenn die Situation schlecht ist, kann Allah es bis morgen schon wieder ändern und andersrum genauso. Man sollte stets zufrieden sein mit Al-Qadr (Die Vorherbestimmung Allah’s).

Diese Schwester hat sich also einfach getraut, was so einige vielleicht vom Auswandern abhalten würde: ohne jegliche Geldreserven ist sie nach Saudi Arabien ausgewandert! So hat sie Tawwakul bewiesen, Allahumma baarik.

Für viele von uns ist es allerdings extrem schwierig, dort Fuß zu fassen, aufgrund der schwierigen Visa-Verhältnisse. Und eine gute Arbeit dort findet auch nicht mal eben jeder.

Sie hat es jedoch geschafft. Trotzdessen dass ihr Mann und sie beide nicht aus Saudi Arabien kommen, sondern aus Deutschland.

Vielen Dank und Baarakallahu feeki liebe Zawjatutalib, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Für mich war es höchst interessant, und ich hoffe für meine Leser auch!

Möge Allah dich reichlich belohnen für diesen Schritt und dir das Einleben und das dort bleiben können erleichtern!

Wer noch weitere Fragen und sonstige Kommentare da lassen möchte, ist herzlich willkommen.

Ansonsten bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

2.Interview: Raihana Bo – Powerfrau in und um Malaysien

As salaamu alaikum und Hallo an unsere Leser/innen,

Heute habe ich die Ehre, euch eine ganz besondere Powerfrau vorzustellen: die Deutsche Konvertitin Raihana Bo! Was das Besondere an ihr ist? Sie hat sich mit über 50 Jahren, die sie sich schon an Deutschland gewöhnt hat, getraut, in ein völlig fremdes Land auszuwandern. Und das beinahe ohne jegliche Sprachkenntnisse und Finanzielle Rücklagen!!! Warum sie sich ausgerechnet Malaysien als Auswanderland ausgesucht hat, und wie es ihr dort so ergeht, erfahrt ihr nun von ihr selber.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Nach Südostasien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Weil es am günstigsten dort ist und islamisch, mir liegt auch die arabische Machokultur nicht so.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte von dieser ganzen Islamfeindlichkeit aus Deutschland weg. Viele Muslime praktizieren immer weniger, weil man versucht. den Islam zu unterdrücken, unsichtbar zu machen. Islamische Schulen sind verboten zu eröffnen, auch Kitas werden immer schwieriger. Überall werden einem große Blockaden aufgebaut, wir haben keine richtigen Moscheen , keinen Adhan und auch nach Halal muss man suchen. Ich hatte Angst um meine Kinder, dass sie den Islam dort nicht richtig leben können, keine guten Frauen finden und ihre Kinder den Islam gar nicht mehr kennen lernen. Auch wollte ich für meine späteren Enkel (die ich in scha ALLAH mal bekomme) die ganze Sexualisierung an den Schulen nicht. Deutschland ist unfreundlich, die Stimmung kippt immer mehr. Allah hat die Welt weit gemacht und es uns zur Pflicht auferlegt die Hidjra zu machen wenn wir unterdrückt werden. Ich bin dankbar Muslima zu sein und versuche stets meine Pflichten gegenüber Allah auch zu erfüllen.

Raihana Bo3
Moschee in Südostasien

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein nicht wirklich. Ich habe alles was ich hatte versucht zu verkaufen. Ein klein wenig hatte ich auch gespart. Wirklich viel war es nicht und es ging schon einiges für Flug, erste Pension und für Laptops drauf.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, überhaupt nicht. Malaysisch was in Süd Thailand und Malaysia gesprochen wird konnte ich gar nicht. Auch Indonesisch was weitgehend die selbe Sprache ist , konnte ich nicht ein Wort. Nur in Malaysia gibt es einige, die Englisch sprechen und mein Englisch reicht gerade so, um nach dem Weg zu fragen. Eine Sprache lernt man aber auch am besten, wenn man im Land selber ist. Und da ich nicht doof bin dachte ich mir, das wird schon. Mein englisch wurde dann auch schnell besser und nun lerne ich auch Malaysisch.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie hat kaum Kontakt zu mir seit ich vor 23 Jahren Muslima geworden bin. Verabschiedet habe ich mich nur von meiner Schwester und ihren Kindern. Vermissen wird mich da keiner und ich auch niemanden. Freunde sind das einzige was hier am Anfang fehlt und an die ich denke. Würde gerne mal wieder zum Frauenfrühstück gehen und die ganzen Schwestern wieder sehen.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ein Dauervisum gibt es nicht, wenn man nicht mit einem Landsmann verheiratet ist oder viel Geld hat. Kostenlos bekommen wir 1 Monat für Thailand und Indonesien und 90 Tage für Malaysia. Thailand und Indonesien kann man kostenpflichtig auf 2 Monate verlängern. Es gibt Business Visa wenn man im jeweiligen Land Geschäfte macht, dazu muss man aber meistens mit einem Einheimischen ein Geschäft anmelden. Dann kann man lange bleiben. Wie bereits gesagt ist auch eine Eheschließung ein Weg zu einem Visa. Da wir alle drei nicht verheiratet sind wäre das auch eine Möglichkeit. ALLAH wird uns geben was gut für uns ist, da vertraue ich darauf. Bis dahin sind wir Reisende und wechseln immer diese 3 Länder. Vielleicht besuchen wir auch mal ein anderes Land wie z.Bsp. die Philippinen oder Sri Lanka. Hauptsache es ist Islam freundlich.
 Ich möchte nur noch angelächelt werden und keine bösen und abwertenden Sprüche mehr hören.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Niemand von uns hat Arbeit. Aber meinem großen Sohn (21 J.) wurden in Malaysia schon mehrere Stellen angeboten, dadurch würde er auch ein Arbeitsvisum erhalten. Da wir aber zusammen bleiben wollen suchen wir noch nach anderen Lösungen. Wenn meine Jungs hier studieren bzw. zur Schule gehen würden, bekämen wir alle ein Visum. Noch haben wir uns nicht entschieden.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Wo ich wirklich alt werden will an welchem Ort genau, kann ich jetzt noch nicht sagen, dazu haben wir zu wenig gesehen. Aber ich bin mir absolut sicher, dass ich nie wieder nach Deutschland zurück will, dafür ist es viel zu schön hier und die Menschen sind so freundlich, das gibt man nicht mehr auf.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Jungs waren 20 und 15 und ich 56. Von uns will niemand mehr zurück.

Frage 11: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Angelächelt zu werden von jedem und jeden Tag. Keine unfreundlichen Worte mehr. Es gibt viele schöne Erlebnisse mit neuen Freunden oder Ausflügen an schöne Orte.

Aber die Freundlichkeit ist das, was ins Herz geht und glücklich macht- immer wieder.

Jetzt fällt mir noch ein, wie ich das erste Mal im Meer war in voller Bekleidung als Muslima und es niemanden interessiert hat , weil alle Muslime waren. Und es war am Morgen bei einem total überwältigenden Sonnenaufgang. Da stand ich tief im Wasser über mir ein roter Himmel und es liefen die Tränen vor Freude.

Raihana Bo1
Raihana Bo im Meer – Tränen vor Freude!

Frage 12: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Haha das Schlimmste was es hier gibt, sind Riesenspinnen die von Wand zu Wand springen und fliegende Kakerlaken. Sich daran zu gewöhnen fällt mir sehr schwer. Sonst habe ich hier noch nichts wirklich schlimmes erlebt. Außer Menschen die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen und teure Angebote machen , weil sie denken Europäer sind alle reich. Aber damit kann man umgehen, das ist denke ich in vielen Ländern so.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich weiß, dass viele Geschwister sich wünschen auszuwandern, sich aber nicht trauen da sie keine Arbeit haben, kein Haus oder Wohnung besitzen und meinen sie müssten sich erst etwas aufbauen. Das ist aber alles nur Dunja [Weltliche Güter, Anm. der Redaktion]. Was für mich wirklich zählt ist, dass ich hier so sein darf wie ich bin, mit Kopftuch als Muslima und das macht mich zufrieden, weil ich um mich herum Frieden habe.
Ich rate jedem: sucht nach Zufriedenheit eurer Seele, nicht nach Sicherheit- die gibt es nirgends und macht auch nicht glücklich.
ALLAH beschützt uns und nichts kann geschehen was ER nicht für uns will. ER ist der Versorger und wenn wir Ihn bitten, eröffnet Er uns Möglichkeiten, die wir nie für möglich gehalten hätten. Wir müssen nur vertrauen und Ihm folgen.
Nicht so viel denken und planen, sondern einfach tun und vertrauen.
Hätte ich alles planen wollen und wirklich nachgedacht, wäre ich jetzt nicht hier. Das ist das zweit Beste was ich je getan habe. Das erste war, Muslima zu werden.

Und ALLAH ist Der beste Planer, denn Er kennt unsere Vergangenheit und die Zukunft.

Lieben Dank für das Interview, es hat mich sehr gefreut daran teilnehmen zu dürfen. Da ich selber einen Blog schreibe weiß ich, wie viel Mühe es macht. Ich bin nicht so fleißig wie Khalisa und komme kaum dazu weiter zu schreiben, da wir viel unterwegs sind. Trotzdem würde ich mich freuen wenn ihr mal vorbei schaut.
As salamu alaikum wa rahmatuh ALLAH wa barakatuh und tschüss allen lieben Lesern von The Germali’s
Sie versucht, auf ein gemaltes Kamel zu steigen.
Raihana schreckt vor nichts zurück!
 Liebe Schwester, du hast meinen größten Respekt verdient, und bestimmt auch den unserer Leser- wir können uns alle eine Scheibe von deinem Mut abschneiden denke ich! Danke und Baarakallahu feeki für deine beeindruckenden Schilderungen. Möge Allah euch nur das Beste geben, euch reichlich belohnen und euch immer beschützen!
Wer noch Fragen an die Ukhti hat, kann sie gerne im Kommentarfeld stellen.
Bis dann (in shaa Allah),

Deine und Eure Khalisa

Hijrah nach Algerien: Das beste aus der Situation machen, und Kompromisse eingehen!

As salaamu alaikum und Guten Morgen/Tag/Abend an meine lieben Leser,
Ich habe die Ehre, euch das 1. Interview, was ich euch bereits in meinem Artikel über das Auswandern angekündigt hatte, vorzustellen. Es geht um unsere Schwester Amina, welche vor einigen Jahren schon nach Algerien ausgewandert ist (maa shaa Allah). Sie wohnt mit ihrer Familie in Tiaret, ca. 300 km von der Haupstat Algier entfernt.
Ihre Beweggründe für´s Auswandern, und mehr, erfahrt ihr nun hier!

Interview mit Amina

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Ich lebe seit fast 9 Jahren in Algerien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann stammt von hier.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ja, Beweggründe… Erstmal, dass die Kinder wegen der islamischen Erziehung keine Probleme in der Schule haben und das man hier doch besser nach dem Islam leben kann, als in Deutschland.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, bißchen Rücklagen hatten wir, alhamdulillah, aber nicht wirklich viel.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, hatte nicht wirklich Sprachkenntnisse, mir sind Fremdsprachen noch nie leicht gefallen.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Naja, meine Familie war nicht gerade begeistert, wie man sich vorstellen kann, aber es ist ja mein Leben.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, Visum brauchte ich.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann ist alhamduliLlah selbstständig.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, ich könnte mir vorstellen hier alt zu werden, ich habe gar keine Lust auf DE, wenn meine Mama da nicht wäre.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Unsere Kinder waren 6 und 1 Jahr. 

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment gehen sie noch zur Grundschule und in die Weiterführende Schule.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Der Adhan [Gebetsruf, Anm.der Redaktion].

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dieser Müll, der hier überall leider rumliegt!

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

 

Als Ratschlag kann ich nur geben… Folgt Eueren Herzen und macht die Hijrah!

28190714_1764295710546403_812348358_n

28054435_1764295720546402_1194875175_n (1)

Mein Fazit:

Ersteinmal vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Teilnahme, liebe Amina! ❤
Die Bilder sind unheimlich beeindruckend wie ich finde, einfach wunderschön! Algerien erscheint mir beinahe für die Arabischen Länder das gleiche zu sein, wie die Schweiz es für Europa ist (ok, andere Größenordnung!): Wunderschöne, vielseitige Natur- für Afrikanische/ Arabische Verhältnisse sehr grün (maa shaa Allah)!
Es ist sehr bemerkenswert, dass Amina und ihre Familie mit relativ bescheidenen Rücklagen die Hijrah vollzogen haben, und dass ihr Mann es inzwischen bis zur Selbstständigkeit geschafft hat. Trotz einiger Hürden, wie das Aneignen einer komplett neuen Sprache, und ungewohnten Umständen (überall Müll!), hat sie sich nicht von der Auswanderung abhalten lassen, maa shaa Allah.
Möge Allah ihre Familie segnen und reichlichst belohnen, dass sie alles in ihrer Heimat aufgegeben haben, um ihre Religion in Ruhe auszuleben!
Von nun an werde ich jeden Freitag ein neues Interview veröffentlichen (in shaa Allah). Ihr dürft gespannt sein, denn es sind verschiedenste Länder und Leute dabei!
Bis bald (in shaa Allah),
Eure Khalisa

Hijrah- Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

„Was bedeutet das nun wieder, Hijrah?“

Mag sich der ein oder andere denken (ausgesprochen wird es übrigens „Hidschra“- aber ich finde die Englische Schreibweise schöner 🙂 ). Es bedeutet im muslimischen Kontext: Verlassen, Auswandern. Und zwar von einem nicht-muslimischen Land in ein muslimisches Land, sofern man seine Religion nicht frei ausüben kann. Denn dann wird es für jeden zur Pflicht, der in der Lage dazu ist (Fatwa siehe hier). Auch in ein nicht-muslimisches Land auszuwandern, in dem man jedoch frei seinen Glauben leben kann, wird dazu gezählt.

karawane
Karawane (by 99traveltips.com)

Die erste Hijrah wurde von den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm) gemacht, und zwar von Mekkah ins christliche Abessinien (ganz nah an Somalia!) im Jahre 615. Mit der 2. Auswanderung im Jahre 622 nach Medina, welche der Prophet (s.a.s.) ebenfalls vollzog, fing die Islamische Zeitrechnung an.

Oha, das klingt jetzt aber nach schwerer Kost für den ein oder anderen!

Für einen Muslim, welcher seinen Glauben praktizieren will, ist das jedoch ein Traum: ein Ort, an dem er in Ruhe seine 5 Gebete in der Moschee oder am Arbeitsplatz beten kann, wo er sich islamisch korrekt anziehen kann und wo er sich mit anderen Geschwistern öffentlich treffen kann, ohne dabei direkt unter die Lupe des Verfassungsschutz zu geraten, von Leuten als Terrorist beschimpft zu werden, oder gar Handgreiflichkeiten ausgesetzt zu sein. Ja, so geht es uns nämlich in Deutschland- leider. Denn abgesehen davon lieben wir unser (Geburts-) Land, und es ist alles andere als einfach, sich irgendwo am anderen Ende der Welt zu integrieren.

Hinzu kommt, dass es in Arabischen, sogenannten Islamischen Ländern, längst nicht so islamisch zugeht, wie es sollte:

Der Glauben wird oftmals nur als Titel praktiziert, während es unter der Oberfläche fault.

Hart, aber wahr. Gerade eben wegen dieses Nicht-befolgens unserer Religion sind wir als Muslime in so einer miserablen Lage- wir haben uns quasi selbst hinein katapultiert!

Nun will und soll man also aus den Ländern raus, in denen man seinen Glauben unterdrücken muss, wenn man toleriert werden will,- doch wohin eigentlich???

Es ist weithin bekannt, dass in den muslimischen Ländern viel zu viele Rückstände herrschen, betreffend z.B.:

  • der Bildung
  • dem Gesundheitssystem
  • Korrupte Politik
  • Sauberkeit
  • Religiösität

Da ist es doch viiiiiel bequemer, zuhause zu bleiben!!!

Achja, ich vergaß beinahe, dass ich ja nicht mehr toleriert werde. Hmmm…

Gehen wir also die Länder einmal (oberflächlich) durch, dabei die Kriegsgebiete vehement auslassend:

  • Tunesien, Lybien, Jordanien– dort gibt es beinahe mehr Fitna (=Versuchungen), als in Deutschland! Denn sie wurden erfolgreich von der Kolonialzeit von ihrer Religion entwurzelt.
  • Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Oman, Qatar, Kuwait– Luxusleben möglich, aber nur für Einheimische! Für andere ist es viel zu schwierig, längerfristig dort zu bleiben, aufgrund der schwierigen Visa-Vergabe. Und selbst, wenn man dort Arbeit hat, wird auf einen herabgeschaut, sofern man nicht Einheimischer ist oder zumindest mit einem verheiratet.
  • Marokko, Ägypten, Algerien– dort gibt es wohl ein paar Ecken, in denen man Platz finden könnte, bloß mit der Arbeitsfindung könnte es schwierig werden. Und eventuell wird man dort auch verdächtigt, irgendeiner Bruderschaft anzugehören, bloß weil man Bart trägt (jetzt als Mann).
  • Indonesien, Malaysien– dort geht es sehr liberal zu, jeder wird in Ruhe gelassen, egal ob Muslim, Jude, Hindu, Christ oder gar Buddhist. Wobei man als Bartträger oder Frau mit langem Hijab wohl auch ziemlich alleine ist.
  • Was bleibt noch über? Sudan, Mauretanien und- Somalia!? Sudan hört man kaum, wie es als Auswanderland ist. Mauretanien und Somalia haben scheinbar einiges gemeinsam. Aber sind aufgrund der Armut weniger populär, d.h. man wandert dorthin wirklich für seine Religion aus, nicht um ein Luxusleben zu haben.
monde arabe
Einige der Muslimischen Länder (Foto by Falk Translation)

So, das wäre ein kleiner Überblick aus meiner bescheidenen Perspektive. Welches Land würdet ihr wählen? Habt ihr genug studiert, um in eins der reichen Länder den großen Durchbruch zu schaffen, um dann Strandbilder von 1000 und einer Nacht twittern zu können?

Oftmals ist das natürlich nicht der Fall. Denn allein der Bildungsweg wird einem als praktizierendem Muslim in Deutschland und Umgebung nicht unbedingt leicht gemacht.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Sagt man so schön.

Wenn man sich also auf die negativen Aspekte des jeweiligen Landes konzentriert, wird man nie fündig, sondern man wird noch in 30 Jahren in seinem Ohrensessel hocken und die Vor- und vor allem Nachteile dieser Länder studieren.

Man sollte sich also eines klar machen:

Es gibt kein perfektes Stück Land auf dieser Erde!!!

Selbst der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte einst zu seinem Gefährten Ibn`Umar:

Sei in diesem Leben, als wärst du ein Fremder oder ein Durchreisender.'“
Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wenn du den Abend erreichst, dann erwarte nicht, den Morgen zu erreichen, und wenn du den Morgen erreichst, dann erwarte nicht, den Abend zu erreichen. Nimm von deiner Gesundheit vor deiner Krankheit und von deinem Leben vor deinem Tod.
(Berichtet von Al-Bukhari.)

Also müssen wir Kompromisse eingehen. Jedes Land hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile, welche man gut abwägen sollte, ohne sich davon entmutigen zu lassen. Denn egal, wo man in dieser Welt auch hingeht: als praktizierender Muslim bleibt man immer etwas fremd! Jedoch sollte man allein schon für seine Kinder einen Ort suchen, an dem sie in Ruhe als Muslime aufwachsen können, ohne gemobbt zu werden etc. Das ist man ihnen und sich schuldig. Und ich denke, in jedem der genannten Länder gibt es Orte, an denen dies mehr oder weniger möglich ist.

Aber wohin denn nur?

Natürlich ist es immer besser, in sein ursprüngliches Heimatland (oder das des Ehepartners) auszuwandern, ganz klar. Wenn dieses jedoch zur erst genannten Kategorie oder gar eines der Kriegsgebieten gehört, oder wenn beide ursprünglich europäisch sind und keine Wurzeln in eines dieser Länder haben, so muss man sich klar machen, dass die Welt größer ist als dieses eine Land! Siehe im Qur´an:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“(…).

(Sure An-Nisaa (4) :97)

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo Leute gar keine Möglichkeit haben, diesen Schritt zu tun (z.B. schwere Krankheit, hohes Alter). Jedoch sollte man ehrlich zu sich sein: habe ich wirklich keine Möglichkeit, in dieser weiten Welt einen besseren Platz zu finden, oder ist es nur meine Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Verlust, was mich davon abhält?

Und in Anbetracht der riesigen Belohnung, sollte man in der Lage sein, ein paar (weltliche) Kompromisse einzugehen.

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie (es) nur wüßten!

(Sure An-Nahl (16):41)

Was ist schon das Diesseits gegen solch ein Versprechen unseres Schöpfers? Und wenn Ihm die Welt etwas bedeuten würde, meinst du wirklich, Seine Gesandten und Propheten hätten in so einer Armut und Bescheidenheit gelebt?

wp-1518818206485..jpg

So, was hat das nun alles mit diesem Blog zu tun?

Mögt ihr euch vielleicht fragen. Zu allererst hat die Gründerin dieses Blogs Hijrah nach Somalia gemacht (alhamduliLlah). Zudem ist es eins der Ziele dieses Blogs, andere zu dem gleichen Schritt zu motivieren (in shaa Allah). Von daher ist dieses Thema unabdingbar 🙂

Meine Geschichte, wieso ich mich ausgerechnet für Somalia entschieden habe, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es gibt aber auch zahlreiche Schwestern und Brüder im Glauben, die sich für eins der anderen Länder entschieden haben. Ihre Beweggründe und mehr, das wollen wir in einer neuen Reihe in unserem Blog klären. Wie? Indem wir sie einfach fragen! Ganz bald schon werdet ihr  (in shaa Allah) in den Genuß einiger Interviews kommen, die ich mit Geschwistern von verschiedensten Ländern dieser Welt durchführe. Jedesmal werde ich auch einen kurzen Vergleich zu meinem Hijrah- Land Somalia ziehen, so dass auch immer der Bezug zu unserem Blog bestehen bleibt.

Ihr dürft also mindestens genau so gespannt sein, wie wir es sind 🙂

Möge Allah allen Muslimen, die es auch wirklich wollen, die Hijrah ermöglichen und möge Er allen, die diesen Schritt bereits getan haben, standhaft darauf machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Falls du jemanden kennst, der Hijrah gemacht hat und mitmachen würde, oder falls du selber schon Hijrah gemacht hast, zögere bitte nicht, uns zu kontaktieren!