2. Teil Eid: Unser Ausflug ins Grüne

Jetzt ist es beinahe schon zu spät für einen Eid-Bericht, jedoch möchte ich euch den 2.Teil unseres Eid-Tages nicht vorenthalten und wie versprochen mit euch teilen. Diesmal wird es einfach Bilder geben mit etwas Erklärung dazu, denn ich bin mitten in den Vorbereitungen meiner Deutschland Reise. Ja, richtig gehört, ich werde nach 3 Jahren wieder etwas Deutsche Luft schnuppern und freue mich schon unheimlich darauf!

Nun aber zu dem 2. Teil unseres Eids. Wie ihr euch erinnern könnt, war bei uns Erwachsenen in der Mittagszeit etwas die Luft raus und die Stimmung mies. Dann entschieden wir uns jedoch, unseren Kindern zuliebe den 2.Teil des Tages auch zu einem wunderschönen Eid Tag zu machen. Aber wohin bloß? Die Kinder wollten gerne zum Ausflugsziel Nr.1, Dareeyle, welches ein Wasserbett hat und einen kleinen Spielplatz hat. Sie packten schon ihre Wechselsachen, denn sie wollten auf jedenfall im Wasser planschen!

Während wir sehr spät dran waren mit unserem Mittagessen und es schon Assr (Nachmittag) wurde, fiel uns ein, dass Dareeyle viel zu voll sein wird. Wir würden halb Garowe dort antreffen. Also entschieden wir uns, einfach daran vorbei zu fahren und ein paar Meter weiter an eine hoffentlich einsame Stelle auch etwas Wasser vorzufinden.

Mein Mann gab uns seinen Pick-up und 2 Soldaten zur Verfügung. Schließlich braucht sein Auto ja Schutz! Scherz- da er nicht mit uns kommen konnte, wollte er uns in Sicherheit wissen. Meine Co-Schwester names Sagal fuhr den Pick-Up und ich den Familienbus.

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Schickes Gebäude auf unserem Weg

Sie fuhr so rasant und überholte sogar gefährlich große Lastwagen, da blieb mir nichts anderes übrig, als Bismillah zu sagen und hinterher. Ich sagte zu unseren Kindern: „Hooyo fährt heute wie Aabe!“ Aber die hatten ihren Spaß. Das Tacho zeigte schon auf 80 Kmh, was für hiesige Landstraße recht schnell ist. Fährt man schneller, hat man nichts mehr unter Kontrolle, wenn Gegenverkehr kommt.

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Nach ca. 2 Kilometern fuhren wir im rasanten Tempo an der Dareeyle vorbei. Kurz darauf kamen wir schon an die Stadtgrenze- 2 blaue Türme, die das Ende der Stadt symbolisieren.

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Das Ende der Stadt Garowe

Wir wurden etwas langsamer. Wohin? Sagal bog auf einmal nach rechts ab, einfach in die wilde Natur. Grölen und Nörgeln seitens der Kinder- was wollen wir denn hier? Wo ist denn hier Wasser? Tatsächlich gab es dort nur Büsche und sandigen Boden!

Also fuhren wir wieder zurück, und bei der erstbesten Möglichkeit bogen wir links ab und fuhren auf grüne Bäume zu. Da müsste es doch etwas Wasser zum planschen geben! Schließlich kamen wir an ein Flußbett an. Alle raus! Okay, zugegebenermaßen war das Flußbett beinahe trocken. Aber besser als nichts!

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Es gibt nichts Schöneres als in der Natur zu sein!
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Wir überqueren das trockene Flussbett.
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Schnell hinterher! Mein Sohn wird von seinem Bruder nachgebracht.

Auf der anderen Seite war es wunderschön grün, was hier echt etwas besonderes ist. Also gingen wir alle rüber. Unsere Soldaten sprachen mit dem Mann, der dort anscheinend arbeitete. Daraufhin öffnete er eine Art Tor und hieß uns Willkommen.

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Ups, schön aufpassen!

Ich gab unserer großen Tochter meine Kamera, während ich selber mit meinem Handy Photos machen wollte. Das nimmt einem den Druck, jeden guten Moment einfangen zu müssen!

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Wir fotografieren uns gegenseitig 😀

Der Mann stand uns Rede und Antwort zu all unseren Fragen. Zu sehen bekamen wir Dattelbäume, Zitronenbäume und „Raqey“, Tamarind-Bäume. Tamarind ist in der Somalischen Küche sehr beliebt, da es einen würzigen, leicht säuerlichen Geschmack hat. Wenn ihr es einmal danach googlet, werdet ihr entdecken, wie gesund das Zeug ist!

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Tamarind Baum

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Der Gärtner oder Bauer gibt uns Tamarind zum probieren. Mir ist das so pur viel zu sauer. Ich liebe es eher als Getränk: Ein Glas Wasser, Tamarind und etwas Zucker und Salz dazu- mmmmh!

Weiter ging es zu seiner Hütte- eine Wellblechhütte, die gerade genug Platz zum schlafen und etwas Verstauraum bietet. Vor der Hütte sehe ich eine typische Teekanne und einen Topf. Was der Gärtner wohl hier kochen würde? Frage ich Sagal. Diese übersetzt direkt „Meine Freundin möchte wissen….“. Sagal!! Sag doch nicht, das diese Frage von mir kommt!!! Aber schon geschehen. Der Mann schien sogar ein paar Wörter Englisch zu verstehen und war ausgesprochen offen. Er sagte, dass er in seiner Hütte Grundnahrungsmittel verstaut hätte und dann Reis mit z.B. frisch vom Beet gepflückten Spinat essen würde. Oha, ein Zwangs-Vegetarier! Scherz beiseite, ich war wirklich beeindruckt von dieser einfachen Lebensweise. Selbst an diesem besonderen Tag lebte er hier ganz allein.

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Der Bauer vor seiner Hütte gibt uns Rede und Antwort.
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Die Kochstelle

Er erzählte uns auch, dass ihn einmal eine Schlange biss. Darauf hin trank er ganz viel Zitronensaft und wurde ganz schnell wieder fit. Zitronen sind nämlich die besten Bakterienkiller, sollen sogar 10.000 mal stärker wirken als die Chemotherapie!

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Unsere Helferin mit Zitrone und  Tamarind

Zwei Tage später fand er dann die 2 Löcher, in der die Schlange rein und raus schlich, und tötete sie.

Er hatte noch eine andere Gruselgeschichte auf Lager: einmal wurde an dem Ort eine Frau gebissen. Da sie zu der Zeit jedoch ihre Periode hatte, starb die Schlange an ihrem Biss. Mmh, interessant! Irgendwie wurde mir jetzt anders zumute, als ich so durch´s hohe Gras lief.

Also besser Themawechsel: „Sind die Zitronen hier denn biologisch oder werden sie gespritzt?“ ist meine nächste Frage. Er holt ein weißes Pulver aus seiner Hütte heraus und meint, wenn er das in die Erde gibt, würden die Zitronenbäume innerhalb 3 Tagen hoch wachsen. Zudem werden die Bäume mit Anti-Insektenspray besprüht. Na toll! Das sind also die Zitronen, die wir nach einmaligem Waschen mitsamt Schale in den Mixer schmeißen und daraus so leckeren Zitronen-Saft machen! Und das jeden Tag!! Hoffentlich ist das Vitamin C stärker als die Pestizide…

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Pulver, welches die Bäume zum wachsen bringt.

Nun zeigte er uns noch einen Dattelbaum, deren Früchte jedoch noch nicht reif waren.

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Baby-Datteln

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Außerdem wollte er uns irgendwo weiter weg noch Spinat zeigen. Jedoch wurde uns das etwas ungeheuer und wir verabschiedeten uns lieber. Unsere Soldaten mitsamt unseren Söhnen hatten sich nämlich unbemerkt verdünisiert, wir waren also nur Frauen und Mädels. Wir bedankten uns freundlich bei ihm und wollten gehen. Da kam er auch noch mit einer Frage heraus, die ihn sicherlich die ganze Zeit beschäftigte. Er fragte Sagal: „Ist sie deine Freundin?“ Mit „sie“ meinte er mich. Da sagte sie ihm schonungslos die Wahrheit: „Nein, wir haben beide den gleichen Mann!“. Damit machten wir uns dann auf den Weg. Er folgte uns noch bis zum Tor und fragte eine unserer Helferin, ob das wirklich stimmen würde, was er soeben gehört hatte. Das gab ihm sicher Denkstoff für die nächsten Jahre, in seinem einfachen Leben 😀 Er schaute uns noch eine ganze Weile hinterher.

Übrigens wird dort das Wasser mit einer kleinen Pumpe hervorgeholt. Durch das Flußbett ist das Grundwasser in gut erreichbarer Nähe, daher brauchten sie nur ein etwas größeres Loch buddeln und den Schlauch der Pumpe einführen.

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Die kleine Wasserpumpe

Nachdem wir über das trockene Flußbett drüber und das andere Ufer hinauf liefen, machten wir es uns auf unserem typisch Somalischen Flecht-Teppich gemütlich und aßen unsere mitgebrachten Kekse und Somalische Halwa. Wo war eigentlich der große Eimer voller salzigem Gebäck für das wir extra Ketch-up gekauft hatten? Oh nein, hatten wir das tatsächlich vergessen?

Egal, es war auch so schön relaxed, bis auf den Sand, der einem in die Augen wehte. In der Natur kam uns die gute Laune wieder zurück, alhamduliLlah, und wir scherzten herum.

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Picknick in der Natur

Dann wurde es schon dämmerig und wir fuhren nach Hause. Unsere Kinder hatten doch noch einen wunderschönen Ausflug erlebt, alhamduliLlah.

Ich hoffe, ihr hattet auch einen schönen Eid-Tag und für meine nicht-Muslimischen Leser, dass sie einen kleinen Eindruck bekommen haben von einem besonderen Tag in Somalia 🙂

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Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

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Das war aber knapp! Fotografieren in Somalia

Fotografieren ist manchmal doch nicht so ohne hier! Das musste ich erfahren, als ich 2 Tage zuvor mit Kindern und Co-Schwester zusammen losgezogen bin, um Fotos für den nächsten Artikel zu machen. Wer andern etwas beibringen möchte, muss selber erstmal lernen! So ergeht es mir zurzeit, wenn ich über Somalia schreiben möchte: aufeinmal habe ich viel mehr Fragen! So auch, als wir an einem Platz mit zahlreichen Schutz-Markern aus Beton vorbei kamen (Funktion: dass kein Selbstmordattentäter näher kommen kann), eingefärbt in den Somalischen Nationalfarben. Ich erfuhr, dass dies der ehemalige Präsidenten-Palast ist von Abdullahi Yusuf (erster Präsident des Staates Puntland, und vorübergehender Präsident der vorübergehenden Regierung Somalias 2004-2008). Heutzutage ist es das Zuhause für die Soldaten der Stadt (wusste ich vorgestern auch noch nicht).

Während wir langsam daran vorbei fuhren, versuchte ich, durch den Gegenverkehr hindurch ein gutes Foto davon zu erwischen. Die Fotos sind zwar nicht gut geworden, aber haben dafür umso mehr Wirbelwind aufgeweht. Meine Co-Schwester wollte gerade ein Auto vor uns überholen, da sah ich 2 sich aufregende Soldaten. Sofort hielten wir an, inmitten auf der Straße. Die zwei Soldaten kamen zu uns und sprachen etwas durcheinander: „Was soll das? Warum macht ihr Fotos? Woher kommt ihr?“. Meine Co- Schwester versuchte sie zu beruhigen, indem sie ihnen freundlich erklärte, dass sie mir die Stadt zeigen würde und wir Fotos von allen wichtigen bzw. schönen Plätzen machen würden. Außerdem würden wir hier in Garowe wohnen.

„Gib mir dein Handy!“ sagte der eine Soldat. Ich dachte, er wolle es für sich einsacken, zudem war ich innerlich empört, dass sie aus einer Fliege einen Elefanten machten. So sagte ich „Nein, ich wird es dir nicht geben!“ Und „Ist fotografieren haram oder was?“

Gott sei Dank war meine cool gebliebene Co-Schwester bei mir, die mir das I-Phone aus der Hand nahm und es ihnen gab. Ich glaube allerdings, dass sie nichts damit anfangen konnten. Womöglich können sie noch nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. Aber zumindest sahen sie, dass es keine Waffe oder Auslöser für solche war. Also sagte der eine: „Das ist`aib (unverschämt), einfach zu fotografieren ohne zu fragen!“. Ok, das mag sein, jedoch war es nicht meine Absicht, diese Soldaten zu fotografieren- sie sind mir einfach in die Linse gelaufen und waren auch auf den Fotos nur von hinten zu sehen! Der andere meinte „Wenn die anderen dich fotografieren sehen, könnten sie auf dich schießen!“ Diese Info war schon etwas beklemmender und (un-) verständlicher. Dann gab er mir aber mein Handy und wir durften weiter fahren, alhamduliLlah.

In dem Moment fühlte ich mich wie ein Undercover- Journalist im Kriegsgebiet, der sich in Zukunft verstecken muss, um zu fotografieren. Aber das werde ich bestimmt nicht tun, bloß werde ich darauf achten, dass keine Soldaten im Visier sind! Abgesehen davon sind wir ja nicht im Kriegsgebiet alhamduliLlah.

Ein bisschen geärgert hab ich mich später über mich selbst schon, denn meine aufbrausende bzw.sture Art hätte mich auch ganz woanders hinführen können (z.B. ins Gefängnis)!

Und die Moral aus der Geschicht´: Aufregen lohnt sich nicht! Es kann dich eher in Gefahr bringen! Zumindest wird es deine Situation nicht verbessern. Selbst in meiner Religion gibt es eine Aussage des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm):

Stark ist nicht derjenige, der andere (im Kampf) besiegt, sondern stark ist derjenige, der sich beherrscht, wenn er wütend wird.“ (Ahmad 2/236, der Hadith ist übereinstimmend akzeptiert.)

In diesem Sinne muss ich wohl noch lernen, mich zu beherrschen, wenn mir jemand unfreundlich kommt.

Man lernt nie aus…und nur wer nicht an sich arbeitet, bleibt stehen!

Weisheit

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung (in shaa Allah)! Möge Allah uns helfen, uns zu verbessern!

Eure Khalisa

PS: der nächste Artikel muss wohl noch etwas auf sich warten lassen, da ich gerade eigentlich im Lernstress sein sollte  °räusper° 🙂