11.Interview: Nach 16 Tagen nach Malawi!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute dürfen wir gemeinsam ein Land entdecken, welches zuvor wohl kaum jemand von euch großartig wahrgenommen hat, zumindest wenn es euch so geht wie mir! Die Rede ist von Malawi. Mala- wie??? Als ich den Namen zuerst hörte, wußte ich ehrlich gesagt noch nicht einmal, wie man ihn richtig ausspricht! Ja, peinlicherweise dachte ich sogar, dass das irgendeine Insel bei Afrika ist. Aber gut, dass man nie auslernt 😀 Wie sagt man so schön?

Wer nicht fragt, bleibt dumm! Deswegen hilft es unheimlich, offen zu sein für die ganze Welt, um sie mehr und mehr kennenzulernen.

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Hier seht ihr das Land auf der Karte. Eigentlich ein Fitzel von Land im Vergleich zu anderen Afrikanischen Ländern. Es würde zum Beispiel 5 mal in Somalia hineinpassen (wenn meine Rechnung stimmt). Deswegen wird es wohl auch so einfach übersehen.

Allerdings ist es ein Land, welches sich lohnt, unter die Lupe zu nehmen: den Bildern nach zu urteilen hat es traumhaft schöne Landschaften, Nationalparks und Strände! Nicht zu Unrecht wird es deshalb auch als „Afrika´s best gehütetes Geheimnis“ gehandhabt- ein Insider-Tipp!

Ob ihr´s glaubt oder nicht, hat sich dorthin doch tatsächlich eine Deutsche Frau „verirrt“! Okay, verirrt wäre wohl zu negativ gegriffen. Denn diese Frau hat sich BEWUSST dafür entschieden, dort zu leben und Gutes zu tun! Sie heißt Sabrina und ist bereits seit 12 Jahren Muslima. Für uns hat sie nicht nur das Interview mit seinen schönen Bildern bereitgestellt, sondern uns auch ein paar Eckdaten über´s Land gegeben:

Malawi hatte im Jahr 2010 etwa 14 Millionen Einwohner.
31 % der Landesfläche sind Wald und Buschland, 25 % Wasserfläche, 20 % Ackerland, 15 % Wiesen und Weiden.
Der Malawisee ist der größte See Malawis und zugleich das drittgrößte Binnengewässer Afrikas.

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In Malawi herrscht subtropisches Klima mit vier Jahreszeiten:
Kühle Saison zwischen Mai und Mitte August; heiße Zeit zwischen Mitte August und November; Regenzeit zwischen November und April, in dieser Zeit kann die Luftfeuchtigkeit morgens fast 100 % betragen; Nachregenzeit zwischen April und Mai.
Muslime in Malawi sind wie im übrigen Afrika fast ausschließlich Sunniten.
Mwanza (der Ort wo wir leben) gehört zu den ärmsten Distrikten Malawis. Ernährung, Alphabetenrate und Einkommen liegen deutlich unter dem nationalen Durchschnitt.
Islam ist die zweit größte Religion im Land (13%). Es gibt viele Koran- Schulen und auch Islamische Zentren, wo Kindern der Islam gelehrt wird.
Jetzt möchte ich euch jedoch dieses spannende Interview nicht vorenthalten und gebe das Wort an diese sagenhaft mutige Frau!


Ich heiße Sabrina und komme aus dem Sauerland. Das liegt in der Nähe von Dortmund.
Ich lebe al hamdulillah mit Allahs Hilfe in einer Mehrehe. Ich bin die zweite Frau meines Mannes. Wir leben hier für Humanitäre Hilfe und für die Dawa.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Al hamdulillah bin ich nach Malawi ausgewandert. Ein Land im Südosten Afrikas, was zwischen Mosambik und Tansania liegt. Im August diesen Jahres sind es in sha Allah 2 Jahre.

Ich habe al hamdulillah meinen Mann nach nur 4 Tagen geheiratet und vom Tag des Kennenlernens bis zur Auswanderung waren es nur knapp 3 Wochen.

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Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Naja ausgesucht mehr oder weniger.
Es war Bestimmung von Allah. Ich hab geheiratet und mein Mann war bereits seit 5 Jahren dort, vor unserer Hochzeit.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Mein Wunsch war es eigentlich schon immer, auszuwandern. Allah ohne Einschränkung zu dienen, was mir in Deutschland nicht mehr möglich war.

Ich habe jetzt nicht extra nach „jemandem“ gesucht, der im Ausland lebt. Im Gegenteil- Allah wollte es so!

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein, hatte ich nicht. Allah ist Der beste Versorger und darauf habe ich vertraut, Al hamdulillah.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Englisch ist hier die Amtssprache und diese beherrsche ich, Al hamdulillah.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Ich habe keinen Kontakt zu meiner Familie.

Frage 7: War ein Visum für das Land Malawi notwendig?

Das Visum kann man am Flughafen bei Ankunft erwerben oder aber auch vorab bei der Botschaft in Deutschland beantragen, was aber zeitaufwendig ist/war! Bin im Besitzt eines Aufenthalt Titels für 2 Jahre.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Allah ist Der beste Versorger.
Al hamdulillah arbeite ich Fisabillah [für Allah, d.h. freiwillig, ohne Bezahlung; Anm.d.R.] im Islamischen Zentrum der Mädchen. Dort bin ich für das Organisatorische zuständig. Sauberkeit, kleidung, Essen, und Berichte schreiben. Wenn die Mädchen Probleme haben können sie im Vertrauen zu mir.


Zusatzinformation: Dieses Islamische Zentrum ist eine Art Internat, wo den Mädchen Qur´an und andere Islamische Fächer wie Fiqh, Seera und Aqidah gelehrt wird. Von Morgens bis Nachmittags gehen sie zusätzlich noch außerhalb in „normale“ Schulen.

Wer Kontakt mit Sabrina aufnehmen und mehr über ihre Arbeit und das Land erfahren möchte, kann ihrer WhatsApp-Gruppe beitreten (nur für Frauen): https://chat.whatsapp.com/0XRFHNQ29Z39el0jOKX5lc


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Sabrina inmitten ihrer Mädels

Mein Mann ist Ägyptischer Sheikh und wir haben Al hamdulillah eine eigene Organisation (Humanitäre Hilfe, Dawa, Brunnen Bau und Moscheen Bau etc.), die wir in Kürze eröffnen werden in sha Allah. Noch ist mein Mann Manager einer anderen Organisation und gibt fisabillah Islamische Vorträge.

Frage 9: Was magst du besonders an deinem Auswanderland?

Hier kann ich leben wie ich möchte. Werde nicht schief angeguckt wegen meiner Kleidung. Mein Alltag ist nicht durch irgendwelche Termine bei Ämtern oder sonst wo strukturiert. Ich kann meine Religion frei ausleben und Allah dienen Al hamdulillah.
Die Natur ist hier sehr schön Ma sha Allah. Die Menschen hier sind sehr freundlich.

Frage10: Was ist deine größte Herausforderung auf dieser Insel?

Herausforderungen gibt es überall.
Am Anfang war es schwer für mich den Alltag zu meistern. Da Strom oder Fließend Wasser hier ehrlich gesagt „Luxus“ sind. Auf Feuer Kochen muss gelernt sein und hier gibt es überwiegend frische Lebensmittel.

Da ist nichts mit Erbsen und Möhren in der Dose oder Brot vom Bäcker kaufen. Brot backe ich selber und ja manchmal denke ich so mhhh jetzt ne schönen Käse dazu! 🙂

Frage 11: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Wenn Allah will, ja. Zurück nach Europa ist keine Option, aber Allahu alam [Allah weiß am besten, Anm.d.R.], wo uns der Weg hinführt!

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ihr könnt euch nicht vorstellen was es für ein Gefühl ist, wenn jemand die Shahada [Glaubensbekenntins des Islams] ausspricht und du dabei stehst! Allah leitet recht, wen Er will!

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Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Hungernde Kinder/ Menschen/ Geschwister zu sehen. der zu sehen wie manche hausen müssen, weil sie keine Möglichkeit haben, sich Matratzen, Decken und Kissen zu kaufen, geschweige denn, Schuhe oder Kleidung haben.

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Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? Würdest du Malawi als Hijrah- Land empfehlen?

Vertraut auf Allah subhana wa taala!

Manchmal denken wir zu viel nach und vergessen das alles schon geschrieben wurde.

Als Hijrah Land empfehlen?! Würde ich ja. Einfach aus dem Grund weil du deine Religion wirklich frei ausleben kannst Al hamdulillah.


Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, liebe Sabrina. Möge Allah dich reichlichst belohnen für deine Aufopferungen auf Seinem Weg!

Sabrina ist ein erstaunliches Beispiel dafür, was `passieren´ kann, wenn man nicht zuviel nachdenkt, sondern einfach macht und auf Allah vertraut! Nachdem sie ihren Mann auf Islamische Weise kennenlernte und direkt heiratete, scheute sie sich nicht, inerhalb 16 Tagen dieses ferne, von Armut geprägte Land auszuwandern. Und zwar nicht, um dort ein anderes, im Luxus schweigendes Leben aufzubauen. Sondern, um auf gleiche einfache Weise wie die Einwohner dort zu leben, und ganz vielen Menschen (insbesondere Mädchen) zu helfen!

Ich finde, das gebührt jeglichen Respekt. Wenn jeder auch nur ein Stückchen von dieser guten Absicht in die Tat umsetzen würde, wäre die Welt ein ganzes Stück besser, mit mehr Menschlichkeit!

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Weise Worte by Brainfood-Magazin.de

Aber auch, wer (noch) nicht ausgewandert ist, sollte schauen, was er/sie machen kann, um diese Erde zu einem besseren Fleck im Universum zu machen!

In diesem Sinne seid lieb gegrüßt,

Eure Khalisa

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9.Interview: Ein Herz für alle- in Marokko!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Freunde,

Im heutigen Interview werdet ihr einen tiefen Einblick von Marokko bekommen- von einer Powerfrau ohnegleichen: Sara Schmidt! Ich bin so glücklich, dass ich sie noch persönlich in meiner Heimatstadt Dortmund kennenlernen durfte. Auch damals war ich schon von ihr fasziniert, denn egal, wo sie ist- diese Frau versetzt immer Steine, packt an, möchte etwas zum besseren verändern!

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Sei es damals auf einem Schwestern-Treff bei ihr zuhause (natürlich mit Vorlesung), Krabbelgruppen-Planung oder „Massen-Hijama“ (Schröpfen nach Art der Sunna. Eine professionelle Schröpferin kommt zu jemandem nach hause und behandelt eine Person nach der Anderen),- mit Sara wird es nie langweilig!

So initiativreich wie sie ist, hat sie durch ihre Selbstständigkeit mit  Forever-Produkten sich und ihrer Familie die Auswanderung nach Marokko ermöglichen können. Über Multilevelmarketing oder Forever Produkte mag es verschiedene Meinungen geben (ich hab mir selber schon welche nach Somalia bringen lassen und bin begeistert!), dafürkann sie damit ihre Existenz sichern, und das verdient allen Respekt.

Mit alledem hält sie außerdem ihrem Mann den Rücken frei, der sehr erfolgreich eine eigene Hilfsorganisation gegründet hat. Selbst ebenfalls konvertierter (allerdings Polnischer) Muslim, baut er mit größter Sorgfalt verschiedenste Brunnen in Tansania und anderen Ländern, um so etwas gegen die Ungerechtigkeit und Armut zu tun. Somit ist er natürlich viel auf Reisen, doch Sara hat genug „Mumm“, um sich alleine in einem fremden Land durchzusetzen.

Als ob Sara nicht genug zu tun hätte, setzt sich die 3-fache Mutter auch noch für Arme, Bedürfte Menschen in Marokko ein: sie sammelt Spenden und rettet damit Leben!

Aber lest selbst, lasst euch von dieser trotz allem bescheidenen gebliebenen Persönlichkeit inspirieren 🙂


Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Selam aleykum wa Rahmatullahi wa Barakatuhu…

Vor ca. 1,5 Jahren nach Tanger / Marokko.

Ich bin aber schon mal ausgewandert: vor ca. 4 Jahren nach Fes und bin dann nochmal umgezogen nach Kenitra . Nach 6 Monaten bin ich dann aber wieder zurück, weil ich nicht richtig vorbereitet war.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da wir in Tansania Brunnen bauen (www.blue-springs.de), hatten wir erst überlegt, dorthin Hijra zu machen. Aber da meinem Mann dort schon so vieles passiert ist- von ausrauben bis hin zur versuchtem Kidnapping, haben wir uns entschieden, dass es in Marokko einfach sicherer für uns ist.

Zudem habe ich mir Marokko ausgesucht, weil es hier einfacher ist wegen dem Visum. Man kann einfach alle 3 Monate rüber nach Spanien für ein paar Stunden und hat damit wieder 3 Monate Zeit wo man im Land bleiben darf. Die Stadt Tanger ist deswegen auch geeignet, weil es Nahe an der Grenze ist und ich kein Führerschein habe.

 

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2a: Wie kommst du zurecht, ohne eine (Schwieger-)Familie vor Ort zu haben? Hast du keine Angst allein als Frau?

Am Anfang wusste ich selbst nicht, wie ich zurecht kommen soll ohne Familie hier und ohne Sprache. Aber ich habe schnell herausgefunden, wo der Supermarkt ist und durch das Internet schnell deutsch sprechende Schwestern gefunden die auch hier leben und mir vieles gezeigt haben. Ganz am Anfang bin ich einfach mit den Kindern in alle Richtungen gelaufen, um zu schauen, was es alles in meiner Umgebung gibt. Und eine Schwester, die ich noch von meiner ersten Auswanderung kannte, ist für ein paar Tage hierher gekommen, um mir einiges zu zeigen und mir mit Erledigungen zu helfen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte meine Religion frei ausleben und mich nicht mehr als Fremde und verhasste fühlen in meinem eigenen Land und ich wollte das meine Kinder den Islam lernen und damit leben können, ohne von Lehrern usw. beeinflusst zu werden.

 

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Mein ältester Sohn ist jetzt bald 16 in sha ALLAH und ich weiß, dass es nicht nur mit der Erziehung zu tun hat, wenn man seinem Kind den Islam beibringen möchte… sobald ein Kind in Deutschland in eine Schule kommt, dann wird es bis zu 10 stunden am Tag von zig anderen Menschen meißt so erzogen, wie es nicht immer mit dem Islam vereinbar ist.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, wir hatten gut vorgesorgt alhamdulillah. Ich hatte mich vorher selbstständig gemacht und soweit hochgearbeitet, dass ich im Ausland meinen Lebensunterhalt beschreiten kann. Ich habe mittlerweile auch eine Homepage 🙂 www.superfoodsmore.de
Zudem mache ich auch Tijara [Handel, Anm.d.R.] mit Islamischem Spielzeug hier aus Marokko. Dazu habe ich auch einen Online Shop 🙂 www.islamic-buy.de
(ich hoffe ein bisschen Werbung ist erlaubt) 🙂

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Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse? Und hast du die Sprache inzwischen gelernt?

Ich kann leider kein Arabisch oder Französisch, aber mittlerweile habe ich die Sprache soweit gelernt, dass ich auf dem Markt einkaufen und Handeln kann, wobei da auch noch viel einfach mit Hand und Fuß erklärt wird 🙂. Ansonsten bekomme ich Hilfe von den anderen Deutsch sprechenden Schwestern, die hier leben Alhamdulillah .

Ich habe hier sehr viele sehr MashALLAH gute Schwestern kennen kennengelernt, die mir helfen bei allem was so ansteht, alhamduliLlah.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Nicht sehr viel .. Die Bindung ist nicht so stark .. Und sie wissen, dass ich durchziehe, was ich mir vornehme…

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Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig? Und wie bekommt man das, ohne Schwiegerfamilie vor Ort?

In Marokko braucht man nicht sofort ein Visum.

Mann kann einfach alle 3 Monate nach Spanien rüber zb zum Shoppen im Lidl 🙂 und dann halt wieder zurück und hat somit dann wieder 3 Monate, in denen man im Land bleiben darf…

Ich mache das jetzt, seitdem ich hier bin. Wobei ich sagen muss, mit den Kindern ohne Auto über die Grenze ist immer sehr anstrengend und auch nicht ungefährlich, aber z.B. mit der Fähre ist es ein schöner Tagesausflug, wenn auch viel kostspieliger.

Ein Visum habe ich jetzt allerdings beantragt und warte nun auf mein vorläufiges Visum. Das war eine endlose Rennerei . Wir mussten mehrere male zur Polizei und haben jedes mal Stundenlang warten müssen, nur damit sie uns dann wieder weg schicken, weil denen noch was eingefallen ist, was noch an Papieren fehlt, usw., usw., usw… Das Schwierige hier ist, dass viele Beamten bestimmten Papierkram gar nicht kennen. Z.B braucht man ein Bankkonto, aber die Banken sagen, ohne Aufenthalt gibt es kein Konto. Dann muss man halt von Marokko aus die Partnerbank in Deutschland anrufen, damit die denen dann erklären, was genau für ein Konto die mir eröffnen sollen, usw… Oder ein ärztliches Attest, indem steht, dass wir alle gesund sind. Die Untersuchung ist dann ein Ultraschall vom Bauch und Blutdruck und Gewicht messen …naja … 😀

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert? (Hier kannst du für eure Projekte werben!)

Ich selbst habe mich in Deutschland selbstständig gemacht im Multilevelmarketing. Ich verkaufe Produkte für die Gesundheit und das alles Online (inkl. passives Einkommen). Als ich dort den Manager erreicht hatte, sind wir einen Monat später ausgewandert.

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Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja 🙂 Ich war in der Zwischenzeit auch nicht mehr in Deutschland und möchte es auch nicht.

Ich lebe hier, wo andere Monate lang sparen, um hier Urlaub machen zu können,
Tanger ist meiner Meinung nach einer der schönsten Städte Marokkos. Hier gibt es das Meer,Wälder, Berge, Spielplätze und auch Indoorspielplätze, Man kann einfach mit der Fähre innerhalb von 30 Min rüber nach Spanien . Es gibt viele deutsche Schwestern hier, usw…

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Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

14, 2 und 1.

Frage 11: Seid ihr dort krankenversichert?

Nein. Einmal Arm brechen hat uns hier 500 € gekostet, aber dafür muss dann einfach Rücklagen schaffen.

Frage 12: Welche Schule besuchen deine Kinder dort? Bist du zufrieden mit ihrer Bildung?

Mein ältester geht zur Koranschule. Wenn er weit genug ist mit dem Koran lernen, kommen andere Fächer dazu. Mit dem Zeugnis kann er hinterher dann studieren gehen.

Die beiden kleinen werden noch zu Hause unterrichtet, 4x die Woche. Sie werden im Koran, Alif ba [Arabisches Alphabet, Anm.d.R.], Marokkanisch und richtig Arabisch unterrichtet von einer sehr, sehr lieben Marokkanerin.

Die Kindergärten hier gefallen mir alle nicht außer einer und da bekommt man nur einen Platz mit Aufenthalt

Frage 13: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich habe eine Marokko-Rundreise gemacht und das Land kennen gelernt. Wir waren in der Wüste und im Atlasgebirge , am Wasserfall, und, und, und…
Die Menschen hier sind alle gastfreundlich und ich hatte nie das Gefühl, das wir nicht willkommen sind.

 

Wir haben hier auch viele arme Familien besucht.

Es tut der Seele gut, mit den Armen zu sein. So kommen einem die eigenen Sorgen so klein vor und man wird dankbar für das, was man hat alhamdulillah.

Wir haben hier eine Familie besucht, die mit ihren 4 Kindern auf dem Friedhof lebt. Oder eine Witwe mit 9 Kindern wo der Jüngste behindert ist, das Mädchen hat einen Wasserkopf und deformierte Beine und einen Herzfehler. Oder die Familie von Firdaus, das Mädchen mit der Mondscheinkrankheit.


Mitlerweile bekommen wir Spenden, um den Armen helfen zu können alhamdulillah . Jetzt aktuell sammeln wir Spenden, um 80 armen Familien zu Ramadan Iftar Pakete geben zu können …. Unsere aktuellen Projekte könnt ihr auf meiner Facebook Seite verfolgen.


Frage 14: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Viele reden immer davon, wie gefährlich es hier ist, aber bis jetzt ist nie was passiert. Obwohl ich seit über einem Jahr alleine hier bin und das ohne Auto… Das einzigste, was einmal nicht schön war: als ein ca 10-Jähriger uns belästigt hat ….

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich werde von so vielen Schwestern kontaktiert, die alle sagen, dass sie sofort gehen würden, wenn sie könnten. Aber kaum eine tut wirklich was, um gehen zu können.

Macht Tijara! Verzichte auf Coffee to go und Döner und spare dein Geld! Vielleicht kommt mal eine Zeit, wo du nicht mehr in der Lage bist, zu gehen und dann wirst du jeden Cent, den du sinnlos ausgegeben hast, bereuen. Gerade, wenn man Kinder hat, sollte man jede Chance nutzen, um sich auf den Weg zu machen und auf ALLAH swt vertrauen.

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Vielen Dank für deine Teilnahme und deine geteilten Erlebnisse, liebe Sara! Möge Allah dich und deine Familie reichlichst belohnen für all eure Mühen, die Welt ein Stück lebbarer zu machen!!!

Ich hoffe, nein, ich denke, dass euch dieses Interview ebenso beeindruckt hat, wie mich. Sara ist das beste Beispiel dafür, dass man nicht einfach nur reden sollte, sondern „einfach“ tun!

Zudem sieht man in diesem Beispiel ganz klar, dass man nicht allein gelassen wird, wenn man seiner Religion wegen ausgewandert ist- und insbesondere dann nicht, wenn man sogar noch anderen hilft! So heißt es so schön in einem Ausspruch des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm:

Wer seinem Bruder hilft, dem wird Allah helfen. Und wer einem Muslim bei der Beseitigung seiner Sorgen hilft, dem wird Allah bei seinen Sorgen am Tage des Gericht helfen. Ebenso wird Allah demjenigen, der die Schwächen eines anderen Muslims verdeckt, am Tag des Gerichts seine Fehler verbergen.”

(Überliefert bei al-Buẖārī und Muslim)

Für mich steht fest: von dieser Art selbstloser Leute, die sich für die Menschheit einsetzen, sollte es mehr geben!

Laßt uns also alle ein Stück von dieser „einfach-machen!“- Art abschneiden und loslegen mit dem, was wir so machen können! Probieren geht über studieren 😉

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

8.Interview: Mit einer Portion Gottvertrauen ab in die Wüste!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

In unserem heutigen Interview dürft ihr euch auf eine außergewöhnliche Geschichte einer Deutschen Muslima freuen- Umm Saad (Mutter des Saad). Sie lernte ihren Mann nur 2 Monate nach ihrer Konvertierung auf modernste Weise kennen- durch das Internet. Kurze Zeit später landete sie nirgendwo anders, als in Saudi Arabien! Wow, das Traumland der meißten Muslime und der Alptraum so manchen Nicht-Muslims (aufgrund von Vorurteilen)! Ihre Reise ging allerdings nicht schnurstracks nach Mekka oder Medina, sondern nach Riad.

Saudi Riad

Ein paar Zusatzinformationen

Bestimmt ist euch bereits bekannt, dass Riad die Hauptstadt Saudi Arabiens ist- mit ihren 4,6 millionen Einwohnern ist sie nicht nur der Hauptsitz der Regierung und des Haupt-Könighauses, sondern auch zahlreichen Botschaften. Die Stadt, welche in etwa dem Umfang Groß-Londons entspricht, ist außerdem die Gründungsstadt (1932) des  Königreiches Saudi Arabien. Diesem Königreich gingen natürlich allerlei Machtkämpfe  voran. Die Königsfamilie ist aber bis heute an der Macht.

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Schloß Masmak

Riad bedeutet auf Arabisch „Die Gärten“. Dies hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass die Stadt 1735 auf den Ruinen der Stadt Hadscher gebaut wurde, als eine Art ummauerter Garten.

Saudi King Abdullah Park
Heutzutage gibt es zahlreiche wunderschöne Parks in Saudi. Zum Beispiel den King Abdullah Park.

Heutzutage ist Riad ein wichtiger Durchreiseort für die Pilger, die nach Mekka und Medina reisen. Tradition und Geschichte stößt hier also auf die Moderne. Selbst die Häuser sind in amerikanischem Schachbrett-Style aufgebaut.

Nun aber genug zu der Stadt an sich und zurück zu Umm Saad! Diese konnte bisher „nur“ die kleine Pilgerfahrt (Umrah) machen, da sie 7 Kinder im Alter von 6 Monaten und 10 Jahren hat (möge Allah sie segnen). Da hat sie sicherlich alle Hände voll zu tun.

Neben ihrer stückweiten Naivität bezüglich ihrer Auswanderung und ihrer Konvertierung, haben wir auch noch andere Dinge gemeinsam: wir leben beide in einer Mehrehe! Das gehört jetzt allerdings nicht zum Thema, desewegen leite ich nun das Wort an Umm Saad weiter 😉

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Saudi Arabien, Riyad, im Jahre 2008.

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Auf nach Riad!

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Bei mir war es wohl etwas einfach Alhamdulillah, weil mein Mann Saudi ist.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Da ich es in Deutschland einfach nicht mehr ausgehalten habe und da weg wollte, Alhamdulillah war es mein Qadr [Bestimmung, Anm.d.R.] in sha Allah, nach Saudi zu gehen.

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Al Rajhi Moschee, einer der grössten in Riyad, in der auch die Totengebete stattfinden.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein keine, aber dies war in meinem Fall nicht nötig.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein absolut keine!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Anfangs natuerlich nicht sehr gut, aber nachdem sie gesehen haben, wie gut es mir hier geht und wie glücklich ich bin, haben sie es langsam akzeptiert.

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Kingdom Centre in Riad.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja und ich musste leider 1 Jahr lang drauf warten.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann arbeitet.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja auf jeden fall in sha Allah, aber nicht in Riyad, sondern entweder in Medinah oder Mekkah in sha Allah.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Kinder sind alle in Saudi geboren.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Sie besuchen eine Staatliche Schule.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Mein bestes oder besser gesagt schönstes Erlebnis war, wie lieb und gastfreundlich die Leute hier sind.

Gerade weil man immer sehr Negatives über die Saudis hört in Deutschland, doch sehr erstaunlich. Ich war extrem positiv überrascht, Alhamdulillah.

Natürlich meine Umrah und ich hoffe, dass ich eines Tages meine Hajj vollziehen kann In sha Allah.

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Traum eines jeden Muslims: der Ort, an dem ca. 2 Millionen Menschen gleich sind und nur eines wollen: zu ihrem Schöpfer beten und in Frieden ihre Pilgerfahrt (Hadsch) durchzuführen!

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Auf jeden fall der Kulturschock und auch das extrem heisse Klima im Sommer, aber darauf war ich schon etwas vorbereitet, da ich zuvor ein Jahr lang in Bahrain lebte.

Frage 14: Wurden deine Erwartungen vom Land über- oder untertroffen?

Ich hatte damals garnicht viel nachgedacht, sondern bin trotz all dem Negativen etc. nach Saudi und hab es bis jetzt nicht bereut Alhamdulillah.

Ich hatte damals zahlreiche Freunde, die mir abrieten, zu gehen und hätte ich all dem eine zweite Überlegung gegeben, wäre ich wahrscheinlich nicht gegangen, subhan Allah [Gepriesen sei Allah- Ausruf bei Verwunderung; Anm.d.R.]. Ein Weg ins Ungewisse und Unbekannte, jedoch mit Erfolg Alhamdulillah!

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten (sspeziell nach Saudi), parat? Speziell für welche, die auch von Saudi Arabien träumen? 

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Al Faisaliyah Center (1.Wolkenkratzer in Saudi Arabien)

Niemals aufgeben, gerade wenn es um die Hijrah [Auswanderung, Anm.d.R.] geht in sha Allah!

Immer Du´a [Bittgebet; Anm.d.R.] machen, natuerlich. Ich habe sehr viele Schwestern kennengelernt, die einen harten und langen Weg nach Saudi hatten und einfach nur glücklich und dankbar sind, hier leben zu können. Speziell Saudi würde ich [als Hijrah-Land] empfehlen, wegen Mekkah und Medinah, auch da gerade diese beiden Städte geschützt sind, Alhamdulillah. [Die Schwester bezieht sich hier auf eine Überlieferung im Islam, nach der die Menschen dieser beiden Städte vor dem Dajjal (Anti-Christ) beschützt sein werden; Anm.d.R.]

Möge Allah all meinen Geschwistern die sich aufrichtig die Hijrah wünschen, es Ihnen ermoeglichen, Ameen ya Rabb. Nach dem Erschwerniss kommt die Erleichterung in sha Allah!

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Allahumma amiin zu deiner Du´a, liebe Schwester, und danke dir vielmals für deine Teilnahme! Möge Allah dir und allen, die es sich wünschen, auch die Große Pilgerfahrt (Hadsch) ermöglichen!

Kurzes Fazit

Wie ihr seht, ist jede Auswander-Geschichte einfach einzigartig. Die Geschichte von Umm Saad sticht mit ihrer Naivität und damit verbundenem Gottvertrauen heraus. Schließlich reiste sie mit ihrem frisch verheirateten Mann, den sie wohl noch nicht so gut kannte, in das offiziell „konservativste“ Land aller Länder- vor dem sie sogar ihre Freunde warnten!

Ähnlich wie bei Somalia, ist jedoch die negative Berichterstattung an den ganzen Vorurteilen gegenüber Saudi Arabien Schuld.

Wenn sich die Medien auch mal auf die positiven Seiten solcher Länder konzentrieren würde, sähe die Welt (bzw. das Kopfkino vieler Leute) schon ganz anders aus.

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Wadi Hanifa

In diesem Sinne hoffe ich, euch ein Stück weit den Horizont erweitert zu haben 🙂

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

Unverhofftes „Wiedersehen“!

As salaamu alaikum und Hallo meine lieben Leser/innen,

Nach dem letzten Interview mit UmmIlyas, welche über ihre Auswanderung nach Algerien berichtete, habe ich etwas wundervolles erfahren: Ich habe sie bereits gesehen- und zwar in einer sehr herzbewegenden Doku!

Wooow, ich konnte es kaum glauben, dass SIE das ist, mit der ich gesprochen hatte!

Luise- eine deutsche Muslima im Fernsehen

Denn damals, im Sommer 2008 bin ich auf die folgende Doku über sie gestoßen: „Luise- eine deutsche Muslima“. Bei Arte erschienen, mit dem Grimme-Preis, dem Juliane-Bartel-Preis und dem Norddeutschen Filmpreis für die beste Dokumentation ausgezeichnet (also die Redakteurin Beatrix Schwehm).

Impact dieser Doku

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich gerade frisch zum Islam konvertiert war, oder kurz davor stand, als ich sehr von dieser Doku bewegt wurde. Jedenfalls habe ich Luise sehr bewundert, wie selbstbewußt und Lebensfroh sie sich präsentierte, wie selbstverständlich sie versuchte, alles Gelernte in die Tat umzusetzen. Und ich fand sie super sympathisch. Sie stellte irgendwie ein Idol für mich dar- wenn auch eher unterbewußt-

Aufjedenfall fühlte ich mich stark ermutigt, meinen neuen Weg weiterzu gehen, genau so wie sie!

Konvertiten und ihre Eltern

Dass man auch mit den Eltern und nahestehenden über alles reden kann (und sollte), hat diese Doku mir auch nochmal klargemacht. Gegenseitige Offenheit und Empathiegefühl ist da ganz klar von Vorteil. Wobei einem in dieser Doku Luises´Mutter fast schon Leid tun kann: als ob es das schlimmste auf Erden sei, dass die Tochter nun Muslima ist! Das zeigte mir einige Parallelen in der Denkweise von Eltern von Konvertiten: sie fragen sich oftmals, „Was ist da schief gelaufen? Was hab ich falsch gemacht als Mutter/Elternteil?„… als ob die Tochter auf einmal ein anderer Mensch sei, der vor allem etwas ganz schlimmes vollbracht hat!

Dabei ist sie bloß dabei, ihren inneren Frieden zu finden, und sie ist und bleibt IMMER die Tochter- egal, welchen Glauben sie im Herzen, oder welches Tuch sie auf dem Kopf hat!

Möge Allah unsere Eltern reichlich entschädigen für die Sorgen, die sie sich (unnötig) gemacht haben wegen unserer Konvertierung und möge Er auch sie diesen inneren Frieden finden lassen!

Und ich glaube eins kann UmmIlyas bestimmt bestätigen: wenn man ersteinmal die ersten `Hürden´(Vorurteile) zusammen durch Gespräche überwunden hat, kann man eine viel intensivere, innigere Beziehung zu seinen Eltern aufbauen!

Selbst im Interview mit UmmIlyas wird deutlich, dass sie und ihre Eltern diese Hürde längst überwunden haben und einen Weg miteinander gefunden haben, wie sie miteinander auskommen- und das sogar sehr gut (alhamduliLlah)!

Erste „reelle“ Begegnung

Umso mehr traf es mich also wie ein Blitz, als ich von einer anderen, ebenfalls nach Algerien ausgewanderten Freundin erfuhr, dass ich soeben besagte Luise interviewt hatte!!! Sofort kontaktierte ich sie und fragte sie, warum sie mir das nicht vorher gesagt hätte!

Da meinte sie in ihrer humorvollen Art, dass sie das nicht jedem direkt auf die Nase binden würde, nach dem Motto „Schau mal, wie toll ich bin- ich war im Fernsehen!„, hahaha 😀 Das stimmt natürlich auch wieder.

Sharing is caring 🙂

Ich finde es aber aufjedenfall erwähnenswert (hab mir auch ihre Erlaubnis geholt, um euch darüber zu berichten), zumal es mich geprägt hat und es durch ihre Hijrah auch wieder in unseren Blog herein passt.

Luises´Geschichte geht weiter…

Es gibt inzwischen sogar einen 2. Teil ihrer Geschichte: ausgerechnet über ihre Auswanderung nach Algerien! 2 Jahre lang begleitet sie die Reporterin auf ihrem Versuch, sich in einem fremden Land zu integrieren. Leider ist es nicht kostenlos und ich selber kann mir das Video nicht so einfach zukommen lassen (wegen der Entfernung und der nicht-vorhandenen Post). Aber ich finde es hochspannend!

Hier geht´s zu dem Link über den 2.Teil über Luises´Geschichte- ihre Auswanderung.

„Anders sein“ verbindet

Als ich mich auf die Suche nach einer kostenlosen Version ihres 2.Filmes machte, stieß ich auf eine weitere Doku, in der mir ihr Gesicht wieder entgegenstrahlte: Eine kurze Doku von einer jungen Frau, die einen Tag mit Niqab (Gesichtsschleier) herum läuft, um zu sehen, wie es ist, „anders“ zu sein (davon kann ich ja auch ein Liedchen singen- bzw.eine ganze Oper, lol!). Und siehe da- da war Luise bzw, UmmIlyas wieder ganz aktiv und überzeugend dabei!

Ich finde es toll und unterstützenswert, wenn Muslima´s sich mit ihren Fähigkeiten an die Öffentlichkeit trauen und der Welt einen Einblick in das Leben als Muslima geben. Das ist ein ganz großer Schritt in Richtung gegenseitigem Verständnis, Achtung und Wertschätzung.

Ebenso wie ich (bzw. wir alle hier vom Blog) sowohl über Somalia, als auch über das Leben als (deutsche) Muslima aufklären will und so Vorurteile abbauen möchte, so tut das UmmIlyas auf ihre Art.

Mögen dadurch noch mehr Vorurteile ab- und mehr Verständnis und ein friedlicheres Miteinander aufgebaut werden.

Ich hoffe, euch hat diese Geschichte auch ein wenig bewegt. Wenn dem so ist, lasst ruhig einen Kommentar und/ oder ein Like hier 🙂

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

7.Interview: Algerien² – Chwija bi chwija (Step by Step)!

As salaamu alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh liebe Leser/innen,

Das heutige Interview führt uns ein zweites mal ins wunderschöne Algerien. Denn es gibt eine Menge deutsche Schwestern dort, und jede Auswanderung ist nochmal ganz individuell.

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Jardin d´Essai- Großer Stadtpark in Algier

 

Unsere heutige Protagonistin heißt UmmIlyas („Mutter von Ilyas“) und hat sich von ihren Eltern losgelöst, obwohl sie deren einzige Tochter ist. Das ist bestimmt für niemanden leicht gewesen- weder für ihre Eltern, noch für sie! Jedoch muss man eben bereit sein, etwas aufzugeben, wenn man auswandern will.

 

Das Schöne in diesem Fall ist. dass sie und ihre Eltern sich jedes Jahr gegenseitig besuchen! Ich finde das sehr vorblidlich und bewundernswert. Das zeigt eine Menge Toleranz von Seiten der Eltern.

Allerdings kann man auch sagen: Wer sein Kind wirklich liebt, kennt keine Grenzen! Der wird sein Kind lieben, egal ob es Hindi, Christ oder Muslim geworden ist!

Gott sei Dank habe ich ebenso solche Eltern, die sich nach Somalia getraut haben. Ich dachte allerdings, dies sei ein Einzelfall 🙂

Die Überschrift hat sich UmmIlyas wohl so ausgesucht, weil sie diese andere Mentalität mit  mehr Gelassenheit schätzen gelernt hat. Und wohl auch, weil es eine gewisse Zeit braucht, bis man sich in einem fremden Land an alles gewöhnt hat- eben Step by Step!

Nun möchte ich euch die Geschichte von UmmIlyas aber nicht länger vorenthalten. Los geht´s also mit dem 7.Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Wir sind nach Algerien ausgewandert, in einen Vorort von Algier.

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Die Straße von UmmIlyas

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier. Deswegen lag es auf der Hand, in dieses Land aus zu wandern.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Die Atmosphäre in Deutschland hat sich meiner Meinung nach verschärft. Nach Sarazzin, AfD und Co. ist es nicht mehr so wie früher. Allerdings war es vorher auch schon nicht immer leicht. Abgesehen davon war ich es leid, mich andauernd zu rechtfertigen, zu verteidigen, zu erklären. Ich wollte meine Kinder auch davor schützen, immer das Gefühl zu haben „anders“ zu sein (im negativen Sinne).

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten uns ein kleines Polster angespart…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja…ich bin einigermaßen klar gekommen. Mein Algerisch war/ist `so lala´. Aber ich kann alleine einkaufen, Auto fahren und Co. Dafür reicht es aus!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Sie haben es befürchtet und waren sehr traurig. Da ich ihre einzige Tochter bin, ist es nochmal härter. Aber sie kommen jedes Jahr zu Besuch im Frühling. Und in den Sommerferien sind wir oft in Deutschland…von daher geht es… Aber sie hätten uns lieber bei sich in der Nähe…!

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Madame L´Afrique- Kirche im Herzen Algiers

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, für Algerien braucht man ein Visum. Aber mittlerweile habe ich mein Zwei-Jahres Visum…was in sha Allah bald auf zehn Jahre aufgestockt wird.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann arbeitet über Deutschland…hat also einen deutschen Arbeitgeber…ist aber weltweilt aktiv.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, das kann ich mir vorstellen….der Gedanke ist zwar noch etwas seltsam…aber ja!

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Garten von UmmIlyas

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war 10, mein Sohn 7 und meine Kleine grade ein Jahr…

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment besuchen die Großen noch eine Privatschule…aber nächstes Schuljahr wechseln sie auf eine staatliche Schule…Meine Kleine geht in einen Kindergarten, auch privat… Aber das auch nur, weil er direkt in unserer Straße liegt.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ganz allgemein die Atmosphäre… Freundlichkeit, die Leute hier sind einfach lockerer. Es ist nicht so verkrampft.

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Moschee in einer der Nebenstraßen bei UmmIlyas

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dass mein Sohn in der Schule von der Lehrerin geschlagen wurde…und sie keine Einsicht zeigte, nachdem wir mit ihr gesprochen hatten…

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Mein Tipp: Man sollte nicht erwarten, nur weil man in ein „islamisches“ Land auswandert, jetzt alles super islamisch ist. Weder die Menschen, noch die Gesetzgebung hält sich unbedingt an den Islam. Es gibt auch hier Alkohol, Drogen, Gewalt, Kriminalität und Prostitution!

Und man darf nicht nachlassen, seine Religion weiter zu studieren und zu lernen! Es ist trügerisch zu denken..“ach ich lebe ja in einem islamischen Land, das reicht!“ (der Gedanke kann sich einschleichen!) Man muss weiter lernen und seine Religion kennen. Denn es schleichen sich gerne Traditionen ein, die nichts mit dem Islam zu tun haben…

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Algerien- das Europa Afrika´s!

Vielen Dank liebe UmmIlyas für die Teilnahme am Interview und für den Einblick in deine Auswanderung. Möge Allah es euch mit dem Besten vergelten, dass ihr die Zelte abgebrochen habt auf Seinem Wege!

Was mir dazu noch einfällt: Es ist wirklich nicht damit getan, die Hijrah (Auswanderung) zu machen, und gut ist. Nein, dann fängt der „Kampf mit dem inneren Schweinehund“ erst so richtig an!! Denn dann kommt es darauf an, Ausdauer zu zeigen in seinem Vorhaben, und sich nicht durch so manchen unangenehmen Vorfall aus der Bahn werfen zu lassen!

Möge Allah alle standhaft machen, welche die Hijrah bereits vollzogen haben, und möge Er denjenigen, die sich dasselbe wünschen, den Weg leicht machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

Selbstbestimmt leben in Somalia?

Inspiration über Umwege –

In diesem Artikel wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern man als in Somalia lebende Frau eigentlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann!? Diese Frage wurde mir kürzlich von der Mutter einer Freundin gestellt- also quasi über drei Ecken. Es freut mich natürlich sehr, dass sich Menschen für das Leben hier interessieren und ihren Horizont erweitern wollen. Deswegen antworte ich direkt in unserem Blog, da es noch so manch andere(n) interessieren könnte.

„Freiheit der Welt“ als Muslima

Zunächst einmal ist die einfache und direkte Antwort auf diese Frage: Ja- man kann hier als Frau selbstbestimmt leben! Voraussetzung ist hier, dass man Muslimin ist, oder sich dementsprechend anzieht. Aber Nicht-Muslime zieht es sowieso eher woanders hin. (Und was nicht ist, kann ja noch kommen! D.h. dass die Sicherheitslage sich noch in Zukunft verbessern kann.) Diese Vorraussetzung habe ich also schonmal erfüllt (alhamduliLlah).

Ich kann hier als Muslima sogar ein selbstbestimmteres Leben führen als in Deutschland, denn dort hätte ich aufgrund meiner Bedeckung Jobchancen gleich Null! Auch was meine Freizeit angeht, fühle ich mich dort weniger wohl. Man ist dort ein Fremdkörper im Gewusel.

Hier hingegen habe ich alle Freiheit der Welt! Somalische Männer sind auch im Gegensatz zu Arabischen Männern sehr freilassend- sie lassen dich deinen Weg selber finden.

Beste Berufschancen (teorethisch)

Gerade als „Westlerin“ würde ich hier also überall einen Job bekommen. Sofern ich denn Bildung hätte. *Räusper*

Das Thema Bildung wurde mir gleich zu Beginn meiner Auswanderung vor den Kopf gehalten: Was ich denn studiert hätte? Welchen Bachelor/Master ich denn gemacht hätte? Wurde ich von meinen somalischen Nichten gefragt, die größtenteils alle gerade mitten im Studium waren. Ja, alsoooo…

Materialistisches Denken hat auch hier seine Standbeine

Dass ich mein Leben in Deutschland aufgegeben hatte, um meine Religion ruhig ausleben zu können, spielte für sie eher eine kleinere Rolle. Dass ich mein Studium der Musikpädagogik aufgegeben hatte aufgrund meines neuen Lebensweges, fand auch weniger Beachtung.

Gut, dass ich alle meine Taten tue, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen- nicht das der Leute! Denn die kann man sowieso nie alle zufrieden stellen.

Zugegeben ist es von Vorteil, etwas im Ausland gelernt zu haben, bevor man überhaupt kommt. Das würde ich auch jedem raten, sofern er/sie die Möglichkeit hat. Für mich war es damals jedoch weniger wichtig: ich hatte ja meinen Mann, der für mich sorgt, Möglichkeiten hätte ich auch nur unter erschwerten Bedingungen, und ich wollte einfach nur noch weg!

Studium in Sicht!

Sobald ich meinen Sohn in Deutschland bekam ( Ende 2012), entschied ich mich, etwas zu ändern, und einen lang gehegten Traum wahr zu machen: ich fing an der Islamic Online University an, den Islam zu studieren! Allerdings nur Stück für Stück, da ich als frisch gebackene Mutter damit beschäftigt war, mein Leben neu zu ordnen. Zudem kamen mir die Reisen nach Somalia- zurück nach Deutschland und wieder Somalia, eher ungelegen. Nach einem Jahr entschied ich mich, zu dem Education- Studiengang zu wechseln. Dort werden meine beiden Hauptinteressen gelehrt: Islam und Erziehungswissenschaften. Damit erhoffte ich mir, später in Somalia mehr bewegen zu können. Und selbst für die eigene Familie ist es von Vorteil, wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt.

Alles zu seiner Zeit!

Also hatte ich immerhin etwas gefunden. Bloß, dass es sich auf 12 Jahre hinziehen wird, bis ich meinen Bachelor in shaa Allah in der Hand halten werde, da ich nur Part-time studiere (2-3 Fächer pro Semester)! Das macht mir derzeit jedoch weniger aus. Ich habe zurzeit sowieso noch alle Hände voll zu tun mit meinen jungen Kindern und meiner großen Familie, dem Blog hier und eben meinen Studienfächern. Und wenn meine Kinder dann etwas größer sind, werde ich in shaa Allah etwas passendes arbeiten können.

Soviel zu beruflichen Möglichkeiten hier.

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Unser Hausreh/ Springbock sieht so etwas gaaanz relaxed 🙂

Wie sieht es im Privaten aus?

Da bin ich auch frei, mich so zu bewegen, wie ich möchte. Allerdings habe ich diesbezüglich nicht sooo viele Möglichkeiten, wie in Deutschland, einfach aus dem Grunde, dass ich hier weniger Freunde habe. Das störte mich anfangs gewaltig, aber seit ich Kontakte über Social Media haben kann (habe ich relativ spät entdeckt!), relativiert sich das wieder. Außerdem habe ich ja ständig Gesellschaft in Form meiner Familie, alhamduliLlah.

Der tägliche Einkauf auf dem Markt bleibt mir meißtens auch erspart, worum ich ganz froh bin (zu stressig!). Ich habe also gar nicht so die Muße, ständig irgendwo hin zu fahren/gehen, wobei es trotzdem noch genug Gelegenheiten gibt, „raus“ zu kommen.

 

Ich liebe es auch, an den Wochenenden irgendwo hin fahren: zum Spielplatz, in die Natur, einfach in die Stadt oder zum Verwandtenbesuch, so wie ich bereits in diesem Artikel beschrieb. Wenn es in die Natur geht, nehme ich die Bodyguards meines Mannes mit. Oder auch, wenn ich das Auto meines Mannes fahre, welches ein Pick-Up ist (d.h. die Bodyguards sitzen hinten auf der Ladefläche, mit den Beinen heraus baumelnd). Das aber eher, zum Schutze des Autos (und indirekt für meinen)! Denn mein Mann ist hier eine bedeutende Persönlichkeit, der schon so einige Morddrohungen von Extremisten erhielt (möge Allah ihn beschützen). Da geht man doch besser auf Nummer sicher.

Mit unserem Familienauto bewege ich mich jedoch ganz frei. Erst gestern wurde ich noch in unserem Lieblings-Supermarkt angesprochen, wie gut ich doch Somalisch gelernt hätte, dass ich sogar alleine einkaufen gehen kann 🙂 Da meinte ich nur: „Waa khasab!“ (Das Erlernen der Sprache ist ein Muss!)

 

 

Auch im Häuslichen mehr Freiheit

Unser Hof ist übrigens so groß, dass man kaum merkt, wenn man mal nicht so viel herum fährt. Denn man ist ja ständig draußen– selbst unsere Küche ist außerhalb unseres Hauses! So kann ich dort alles machen: von joggen bis hin zum Sonnen-baden.

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Zusammenfassend kann ich also sagen: ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt hier! Zwar hätte ich gerne noch so die ein oder andere Freundin von „abroad“ hier- aber was nicht ist, kann ja noch werden, so Allah will 🙂

Ich freue mich, wenn solche Fragen kommen, also scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

Thank´s for reading und see you soon (in shaa Allah),

Eure Khalisa

5.Interview: Willkommen in Marokko, dem Land der Genüsse!

As salaamu alaikum liebe Leser/innen,

Im heutigen Interview geht die Reise in eins der sehr schönen Länder, das auch für Touristen sehr begehrt ist aufgrund seiner vielseitigen Genüsse: Marokko!

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Bekannt für seine wunderschönen Märkte mit aromatischen Gewürzen und einer Überfülle an frischem Gemüse, der schönen Natur und Architektut, ist es wohl eins der beliebtesten Länder Afrikas´ für Touristen aus aller Welt.

Ich sage immer, nach Marokko ist es ein leichtes, auszuwandern! Aufgrund den  kulinarischen und landschaftlichen Verlockungen, die es dort gibt. Und auch die Menschen sind sehr freundlich und recht offen. Zudem sind die Flugpreise extrem günstig im Vergleich zu denen nach Somalia!

Aber natürlich hat jede Auswanderung („Hijrah) ihre Erschwernis. Es ist nie einfach, aber es lohnt sich!

Unsere heutige Interview-Partnerin hat es nun also dorthin „verschlagen“: Abida Umm Hamza- die deutsche Muslima, die ihren neuen Landsgenossen Deutsch beibringt!

Frage 1:Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Marokko, genauer gesagt, nach Kenitra (Westmarokko) im August 2016.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da mein Mann Marokkaner ist, war es naheliegend, dass wir seine Heimat aussuchen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Wir wollten in Ruhe unsere Religion ausleben, ohne sich ständig erklären zu müssen. Dies wird einem in Deutschland recht schwer gemacht, hinsichtlich Hijab, die rechtzeitige Gebetsverrichtung (gerade, wenn man berufstätig ist), Kindererziehung nach dem Islam, da der Einfluss der westlichen Wertegesellschaft doch recht groß ist.

Zudem bekam mein Mann ein gutes Jobangebot in Marokko, was natürlich auch wichtig ist, wenn man auswandern möchte. Eine gewisse „finanzielle Stabilität“ sprich fester Arbeitsplatz ist natürlich ideal, alhamduliLlah.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nicht wirklich…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdulillah, ich habe Arabisch und Französisch studiert und das sind die beiden Sprachen, die auch hier in Marokko gesprochen werden. Daher klappt es recht gut, auch wenn ich jetzt Marokkanisch (Dialekt) besser verstehe als reden kann. Ich kenne aber auch einige deutsche Schwestern hier (es gibt nämlich eine recht große deutsche Community, mashaAllah!), die wenig bis überhaupt kein Französisch und auch nur wenig Arabisch bzw. Marokkanisch sprechen und das Leben funktioniert auch, alhamdulillah.

Fehlende Sprachkenntnisse sollten also kein Hinderungsgrund für´s Auswandern    sein 😉

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Eltern wussten eigentlich schon länger, dass wir mit dem Gedanken spielen, eines Tages nach Marokko auszuwandern. Trotzdem war der Schock doch etwas groß, als wir es ihnen eines Tages mitteilten. Ich muss dazu sagen, dass mein einziger Bruder auch im Ausland lebt. So fiel es ihnen dann schwer, auch ihre Tochter im Ausland zu wissen, auch dass man sich nicht mehr so regelmäßig besuchen kann.

Trotzdem haben sie uns verstanden in unseren Wünschen, in einem islamischen Land leben zu wollen.

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Wunderschönes Meer in Kenitra

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Wer nach Marokko reist, erhält ein 3-monatiges Touristenvisum. Danach ist es ratsam, sich um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kümmern (ist mit etwas Bürokratie verbunden, aber im Allgemeinen erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung „carte de séjour“ für 1 Jahr)

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sich vor 4 Monaten mit einem Deutsch-Institut selbstständig gemacht, selber arbeite ich auch dort und gebe Kommunikationskurse.

Die FB-Seite von dem Institut findet ihr hier:

https://m.facebook.com/Schillerhaus-192342891339835/

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ich lebe sehr gerne hier, alhamduliLlah, daher könnte ich mir das durchaus vorstellen, in shaa Allah.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

9, 6, 4 und 2 Jahre.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Privatschule, dort werden sie zu gleichen Teilen in arabischer und französischer Sprache unterrichtet. (Dort sind die Klassen kleiner, in unserem Fall sogar nur max. 10 Schüler pro Klasse und das Unterrichtsklima besser als in den öffentlichen Schulen mit zum Teil über 40 Schülern)

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich könnte von mehr als nur einem guten Erlebnis berichten: der Adhan ist mashaAllah immer um uns herum und bestimmt den Alltag, alhamduliLlah. Auch den Monat Ramadan sowie die beiden großen Feste im Islam werden hier viel intensiver gefeiert.

Es macht eben schon einen Unterschied, ob ein ganzes Land fastet (also die Mehrheit) oder nur einzelne wie in Europa.

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Größte Moschee in Kenitra

Mit Kindern wird hier viel herzlicher umgegangen, das habe ich in Deutschland nicht oft gehabt, wenn ich mit meinen 4 Kindern in der Stadt unterwegs war. Auch als Ausländerin wird man hier sehr herzlich und stets freundlich empfangen und behandelt. Das erlebt man in Deutschland auch eher selten.

Das Leben wird hier nicht von Hektik und Stress bestimmt, es herrscht eine leichte Tendenz zum laissez-faire 😉

Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Schlimme Erlebnisse hatte ich hier alhamduliLlah keine, der Straßenverkehr hier hat es in sich.

Als Fußgänger hier steht man in der Verkehrshierarchie ganz unten.

Fußgängerampeln gibt es keine, Zebrastreifen stellen lediglich eine Art Deko dar, werden aber nicht beachtet. Laufrad- bzw. Fahrradfahren mit kleineren Kindern ist hier ungeeignet.

Auch der ignorante Umgang mit Müll stört mich nach wie vor (kleinerer Müll wird sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen einfach auf die Straße geworfen) aber in shaa Allah ändert sich auch hier das Umweltbewußtsein.

Man darf nicht zu viel verlangen, das Umdenken braucht seine Zeit. Das perfekte Land gibt es nunmal nicht.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Den perfekten Plan für die Hijrah gibt es wohl nicht, man sollte den „Sprung ins kalte Wasser“ wagen und bezüglich schulpflichtiger Kinder ist es ratsam die Hijrah nicht hinauszuzögern, da es in Marokko keine deutsche Schule gibt und man sonst eventuell sehr viel mehr aufholen muss. Und bekanntermaßen ist es für Kinder einfacher, je jünger sie sind.

Leichter macht es eine Hijrah natürlich auch, wenn man eine feste Arbeit hat, da es natürlich auch hier viele Ausgaben gibt. (Miete, Schulgeld, Essen etc.). Aber Vertrauen auf Allah ist wie bei allen Dingen im Leben unerlässlich!

Vielen Dank!

 

Ich bedanke mich auch recht herzlich bei dir, liebe Abida! Möge Allah mit dir und deiner Familie zufrieden sein und euch ein gesegnetes Leben schenken!

Liebe Leser, vielleicht ist euch auch schon eine Gemeinsamkeit aller bisherigen Hijrah-Berichte aufgefallen. Aber jetzt noch nicht die Zeit gekommen, ein Resümée zu ziehen. Erstmal wollen wir noch einige weitere Länder mitsamt persönlicher Geschichten gemeinsam entdecken!

Bis dahin (in shaa Allah),

Eure Khalisa