15.Interview: Libyen, ein ungewöhnliches Hijrah-Land!

Im heutigen Interview geht es um Libyen. Dieses Land ist vor allem für Bürgerkrieg, Wüste und Konzentrationslager für Flüchtlinge (besonders auch Somalische) bekannt. Dass man selbst dort ein ganz normales Leben führen kann, zeigt uns unsere heutige Protagonistin, eine deutsche Muslima namens Amina.

Ich habe dieses Land als Hijrah-Land eigentlich garnicht in Betracht gezogen, da ich von den gängigen (Vor-) Urteilen dieses Landes ehrlicherweise eingenommen war. Bis ich dann in einer WhatsApp Gruppe zum Thema Hijrah von ihr erfuhr. Sofort neugierig geworden, „datete“ ich sie für dieses Interview, alhamduliLlah.

 

Libya Flagge1

Vorab noch ein paar Fakten zum Lande. Und übrigens- für diejenigen, die genauso verwirrt sind wie ich, was die Aussprache und Schreibweise dieses Landes betrifft: Es wird zwar „Libyen“ geschrieben, jedoch `Lybien´ ausgesprochen. Ja, soviel hab ich jetzt auch gelernt 😀

Libyen ist das 4. größte Land im afrikanischen Kontinent, wobei 85% davon Wüste (Sahara) ausmachen und nur 2 % für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz Gaddafi´s gibt es dort immer wieder Machtkämpfe zwischen Süd und Nord, aber auch die Extremen ISIS wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Trotzdem soll es laut den Vereinten Nationen einer der höchstentwickelten Staaten des Afrikanischen Kontinents sein (s.Wikipedia).

Libyen Karte

Wegen seiner nahen Lage zu Italien (nur durch das Mittelmeer getrennt) ist Libyen auch ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge aus ganz Afrika- selbst viele Somali´s landen dort. Ihrem Traum von einer besseren Zukunft im Westen folgend, erleben sie dort häufig genau das Gegenteil: sie landen in Konzentrations-ähnlichen Lagern und erleben aufgrund des darauffolgenden Menschenhandels und Folterei ein Trauma nach dem anderen. Wer dann noch so glücklich ist, und dort weg kommt, kann sich immer noch nicht sicher sein, was ihn auf dem Meer und in Italien erwartet, und ob er überhaupt überlebt.

Aber all dies wird von Jung und Alt, Mann und Frau in Kauf genommen. Denn der durch Social Media und TV ausgelöste Magnet gen Westen ist stärker als die Angst ums eigene Leben. Man könnte sich denken, die hätten ja nichts zu verlieren! Doch manche verlassen hier sogar ihr eigenes Haus mit Garten, um ihrem Traum zu folgen.

Wie bekommen wir jetzt den Dreh zu unserem Interview? Einfach, indem wir jetzt mal unsere heutige Hauptdarstellerin zu Wort kommen lassen 🙂 Lasst euch mitnehmen in eine andere Welt!


1. Stelle dich bitte unsern Lesern einmal vor! Wie heißt du, wann bist du wohin ausgewandert, und warum?

Ich heiße Amina und bin 2012, aufgrund meiner kranken und altersschwachen Schwiegermutter, nach Libyen ausgewandert. Libyen liegt am Mittelmeer zwischen Tunesien und Ägypten. Es hat ca. 6 Mio. Einwohner und besteht zu großen Teilen aus Wüste. Sand ist in Libyen all gegenwärtig. 2011 herrschte in Libyen Bürgerkrieg und das Land leidet immer noch an den Nachwirkungen: Schmuggel, illegale Einwanderer, instabile Regierung und damit einhergehend ein dramatischer Anstieg von Kriminalität, vor allem in den Großstädten. Die Stadt, in der ich lebe, ist jedoch sehr ruhig und vor allem als Frau kann man hier gefahrlos leben, alhamduliLlah.

Libyen
Ein Überblick über die Stadt Misrata (3.größte Stadt Libyens), in der Amina lebt.

2. Bist du zufrieden dort? Und führst du ein selbst bestimmtes Leben?Wie sieht dein Leben dort aus?

Ich lebe mit meinem Mann, unseren Kindern und meiner Schwiegermutter am Stadtrand – umgeben von Familie und gut bekannter Nachbarschaft – und wir haben einen kleinen Garten alhamdulillah. So haben wir eigene Olivenbäume, Dattelpalmen und Hühner, was ein wirklich großes Geschenk von Allah ist, alhamdulillah. Wir machen dadurch nämlich selbst Dattelsirup, Olivenöl und haben eigene Eier. Was zur Zeit eine riesige finanzielle Entlastung ist.

Hier in der Umgebung ist noch alles relativ ländlich und Schaf-/Ziegen-/Hühner-/Kaninchen-/ und Taubenhaltung sind völlig die Norm. Wir konnten sogar schon Kamele vor der Haustür bestaunen.

Kamele vor der Haustür
Kamele vor der Haustür!

 

 

 

Ich selbst bin überwiegend Hausfrau, Mutter und Altenpflegerin (Schwiegermama), unterrichte und übersetze jedoch Deutsch auf Anfrage, was eine schöne Abwechslung zum Alltag ist. Die Gesellschaft in unserer Stadt ist noch sehr eng miteinander verwoben. Bei jedem Anlass wird sich besucht – zu allgemein bekannten Zeiten / überwiegend zwischen Asr und Maghrib [zw. Nachmittags- und Abendgebet; Anm.]- und das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. 

Ich muss gestehen, dass ich mich an spontanen Besuch noch immer nicht gewöhnt habe. Das ist auch tatsächlich das für mich schwierigste hier: Besuch, wenn man keinen erwartet. Khair inschaAllah, ich arbeite daran 😊

Libyen-Datteln sortieren. Hier trocknen sie nicht am Baum, da das Klima zu feucht ist.
Die heimischen Datteln sortieren: hier trocknen Datteln aufgrund des feuchten Klimas nicht an den Bäumen.

3.Libyen ist ja eher kein gewöhnliches Hijrah-Land. Kannst du es anderen Geschwistern als solches empfehlen?

Ob Libyen ein gutes Hijrah-Land ist? Wenn man mit einem Libyer verheiratet ist, auf jeden Fall. Weil man dadurch in die Gesellschaft integriert ist und aus islamischer Sicht sowieso ❤ Ehrlich. Ich bin begeistert. Die Männer gehen selbstverständlich zur Moschee und übernehmen auch selbstverständlich ihre Pflichten ernst: viele haben mehr als einen Job, haben einen Garten, fahren Frau und Kinder zur Schule, Arzt, Einkaufen und sonstigen Einladungen. Sie sind auch für den normalen Einkauf zuständig. Frauen auf dem Wochenmarkt oder in den kleinen Onkel Ahmed Läden oder Bäckereien oder Fleischereien? Sehr selten alhamdulillah. Und hier ist es auch selbstverständlich, dass der Mann das Familienoberhaupt ist. Wenn man also als Frau mal sagt, mein Mann will das nicht, dann ist das völlig akzeptiert. Für alle, ob Mann/ Frau oder Kind gibt es ein breites Angebot an Koranschulen und islamischen Weiterbildungen. Selbst alte Damen gehen zum Koranunterricht 😍 Das ist sooo schön.

libyen niqabDie Frauen tragen zwar nicht alle Niqab (Gesichtsschleier), aber maschaAllah, die ohne Niqab tragen Abaya und Kopftuch. Aufjedenfall werde ich hier mit Niqab sehr respektiert, alhamduliLlah. Muslimas tragen aus vielfältigen Gründen den Niqab. Entweder sie sind der Überzeugung es sei ihre Pflicht, oder es wäre religiös erwünscht oder weil es landesüblich ist. Hier in Libyen tragen die meisten Frauen den Gesichtsschleier, wenn sie Make-Up tragen (für private, ausschließlich Frauen zugängliche Veranstaltungen), da sie verhindern wollen, Blicke auf sich zu ziehen. Da ich mit meiner hellen Haut und dann vielleicht auch noch lachend definitiv Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde, ist der Niqab mein Schutz. Wenn ich meinen Mund halte, fällt niemandem auf, dass ich Ausländerin bin 😁 Die Männer hier haben auch noch Anstand. Da schaut dich keiner an ❤

4. Hast du schonmal etwas von den Unruhen im Land mitgekriegt und hast du nicht manchmal Angst, in einem Land voller Unruhen zu leben?

Wir leben Gott sei Dank 1.000 km weit weg von den Unruhen, der Bürgerkrieg in dem Sinne war schon vorbei, als wir 2012 hier ankamen. Seitdem ich in Libyen lebe, habe ich „nur“ zweimal etwas beängstigende Situationen erlebt: 1. Mitten in der Nacht schlug nur 200m entfernt von uns eine Handgranate ein. Das war sehr laut und natürlich ein Schock. 2. Aus dem Osten Libyens kam ein Flugzeug an und hat diese Stadt hier bombardiert. Durch das dadurch ausgelöste Gegenfeuer dachten wir einen Moment wirklich, das der Krieg wieder ausbrechen würde. Aber Gott sei Dank war dies nicht der Fall.

Ansonsten weiß ich zurzeit nur von Auseinandersetzungen in Benghazi. Aber ich selbst höre auch gar keine Libyschen Nachrichten 🙈 Ich möchte nichts von Krieg und Schmuggel etc. hören und bin daher sehr uninformiert.

Unsere Stadt Misrata ist aber eine wirklich ruhige Stadt, die versucht, alles in Ordnung zu bringen. Sie drängten hier zum Beispiel auch die ISIS in die Nachbarstadt zurück.

Misrata Shopping Mall

Misrata Shopping Mall1
Shopping Centers in Misrata: höchst modern.

5.Wie sieht es versicherungstechnisch aus? Und wie bekommt man dort ein Visum?

Es gibt Versicherungen, aber viele sind nicht versichert oder nur nur über ihren Arbeitgeber. Wir selbst sind es nicht.
Ein Visum bekommt man nur mit Arbeitserlaubnis oder zwecks Heirat, bzw. wenn man mit einem Libyer verheiratet ist.

6. Wie sind die Schulen dort? In was für eine Schule schickst du deine Kinder?

Die Schulen sind „arabisch schlecht“ 🙈 Aber immerhin, ab der 6. Klasse Geschlechter-getrennt. Wir werden unsere Kinder auf die nächstliegende Schule (300m entfernt) schicken, inschaAllah. Denn die Lehrerinnen sind aus der Nachbarschaft und Verwandschaft und die Kinder ebenso, d.h. man kennt sich. Und vor bzw. nach der Schule haben die Kinder die Möglichkeit Koran und Islam zu lernen.

7. Kannst du dort deine Religion frei ausleben? Oder giltst du als Extremist? In welche Richtung geht der Trend- dass sie zum Deen (Religion) finden oder sich eher westlichen Vorbildern zuwenden werden?

Ja, die Religion kann man hier definitiv frei ausleben. Manchmal hat man es jedoch nicht so leicht, z.b. wenn Kultur mit Religion im Konflikt stehen, wie bei Hochzeiten, welche nicht immer islamisch ablaufen. Denn man ist eigentlich gesellschaftlich dazu verpflichtet, zu hinzugehen und zu helfen.

Ob der Trend mehr zum Deen oder zur Dunya (Weltlichem) geht? Beides gleichzeitig!
Einerseits ist mehr Wissen über die Religion vorhanden und gesellschaftlich auch akzeptiert. Andererseits gibt es aber auch mehr Fitna und Inspiration zum Sündigen.

8.Wie ist die Gesellschaft dort, was macht sie aus? Fühlst du dich akzeptiert?

Die Gesellschaft ist wie gesagt, eng miteinander verbunden maschaAllah. Und das macht sich besonders bei Todesfällen bemerkbar. Alle, die mit dem Verstorbenen oder dessen Angehörigen bekannt sind, kommen zum Beileid aussprechen. Wohlbemerkt, nur zum Beileid aussprechen, nicht zum Essen. Das einzige was angeboten wird, sind Milch mit Datteln oder Tee mit Brot. Aber ich schweife ab 😅

Ich bin akzeptiert und voll integriert, musste mich aber sehr stark anpassen. Es ist halt leichter sich selbst zu verändern, als zu verlangen, dass sie sich ändern.

9. Was ist das, was dich am meißten dort beeindruckt, und womit kommst du immer noch nicht zurecht?

Am meisten beeindruckt mich die Gesellschaft und die Selbstverständlichkeit des Islams. Natürlich gibt es Streitpunkte, aber das ist ja normal.

Was ich noch toll finde: in Libyen tragen die Männer noch immer jeden Freitag, zu Eid und zu Hochzeiten traditionelle Kleidung. Ich find da sooo hübsch. Ich bin voll begeistert 😁

Libyen traditional clothes

Womit ich noch immer nicht zurecht kommen? Die Massen an Sand und Insekten 😣😅

Libyen-Wir leben zw.Mittelmeer und Wüste
Die Wüste im Landesinneren sowie der Strand am Meer machen den Sand zum treusten Gefährten!

10. Was würdest du deinen Geschwistern empfehlen, die auch auswandern wollen?

Offenheit für Veränderungen, auch und besonders an sich selbst. Man kann nicht einfach seinen gewohnten und erlernten deutschen Lebensstil eins zu eins übertragen. Das habe ich mit der Geburt meines ersten Kindes in Libyen erfahren müssen 😆 Man darf bei der Geburt niemanden dabei haben, aber nach Ankunft daheim ist nichts mit der deutsch empfohlenen Ruhe 😅

Wirklich, traut euch zur Hijrah. Schon allein der Kinder wegen. Dass sie ganz normal als Muslime aufwachsen, völlig integriert und akzeptiert, ist so wertvoll. Kinder sind eine Amanah [anvertrautes Gut, Anm.d.R.] von Allah und wir sollten es ihnen so leicht wie möglich machen als Muslime zu leben und den Islam zu lieben in den Zeiten der Fitna [Versuchung].

Libyen- Das Mittelmeer
Das Mittelmeer bei Misrata
Libyen-außerhalb der Stadt. Städtische Olivenplantagen
Olivenhaine am Stadtrand

Vielen Dank liebe Amina für dein hoch interessantes Interview! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und immer beschützen!!!

In dem heutigen Interview hat Amina etwas ganz Wichtiges angesprochen: die Anpassung. Mein Lieblingszitat von ihr ist, dass man in einem Arabischen Land seinen Deutschen Lebensstil nicht 1 zu 1 übernehmen kann. Wie Recht sie damit hat! Denn wenn man stets von der Deutschen Höflichkeit bzw.Zurückhaltung, Deutscher Gründlichkeit etc. träumt, wird man woanders einfach nie glücklich!

Man kann nur das Beste hoffen für dieses Land und seine Leute. Möge es wieder komplett zur Ruhe kommen und mögen seine Bewohner wieder vereint werden!

Wie immer seid ihr herzlich Willkommen, dises Interview zu teilen, kommentieren, und liken. Wenn der Umzug dieser Seite richtig geklappt hat (auf eine andere Domain), sollte Letzteres auch möglich sein, ohne sich bei WordPress anmelden zu müssen.

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

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13.Interview: Geballte Frauenpower in Ägypten

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute gibt es wieder ein außergewöhnliches Interview für euch, und zwar aus Ägypten. Jede Geschichte ist anders, deswegen lohnt es sich, mehr als nur eine Geschichte pro Hijrah-Land anzuschauen [Hijrah bedeutet Auswanderung]. Diesmal gibt es auch beinahe komplett neue Fragen, die sich u.a. auch auf den aktuellen Monat Ramadan beziehen.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Unsere heutige Protagonistin heißt Halima, sie ist deutsche Muslima und hat eine faszinierende Geschichte hinter sich: Nur eine Woche nach ihrem Ägypten-Urlaub entschloss sie sich, in Deutschland die Zelte abzubrechen, um als eine von vielen Muslima´s in Ägypten ihre neue Freiheit zu genießen. Sie gründete dort eine neue Familie, während sie ihre alte hinter sich lassen musste. Und aufgrund eines tragischen Zwischenfalls, machte sie aus der Not eine Tugend und startete ihre Karriere als Deutschlehrerin. Karriere deshalb, weil sie nicht bloß einfache Lehrerin wurde, sondern ganz verschiedene führende Positionen einnahm:

  • DaF- Deutschlehrerin für Kinder und Erwachsene,
  • Leiterin der Kinderabteilung,
  • Eventplanung und internationale Kommunikation,
  • private Sprachkurse,
  • Kursentwicklung und Initiation neuer Kursprogramme,
  • Leitung von Sprachförderungskursen und
  • Betreuerin von Lehrern in Ausbildung.
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Halima mit ihren erwachsenen Studenten

Darüber sagt sie selbst:

Ich liebe meinen Job sehr elhamdulillah, bin gerne Lehrerin. Früher hätte ich nie gedacht, mal Lehrerin zu werden, war damals nach meiner Ausbildung in allen möglichen Jobs, nur um nicht als Pädagogin arbeiten zu müssen, lol. Hab das damals nur meiner Mutter zu Liebe gelernt. Heute ist es mein Traumjob. Ich denke aber auch, dass das sehr daran liegt, dass Lehrer-sein hier in Ägypten ein sehr geschätzter und reservierter Beruf ist.

Das sie eine Powerfrau ist, sieht man auch an den Bildern, die sie mir zur Verfügung stellte: die Mehrzahl an Bildern zeigen sie entweder mit ihren geliebten Schülern, oder ihre Kinder, denen sie eine kreative Beschäftigung gibt. Diese Frau gönnt sich kaum eine Pause!

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Homeschooling mit ihren Kindern

Nun lasst euch also mitnehmen in eine andere Welt, die Welt von Halima!


1. Wohin und wann hast du die Hijrah vollzogen?

Ich bin 2010 Hals über Kopf nach Ägypten ausgewandert. Ich war zuvor 2 Wochen auf Urlaub hier und als ich wieder in Deutschland war, habe ich mich gefühlt, als würde ich nicht mehr dort hin gehören.

1 Woche später war ich wieder in Ägypten und bin bis heute nicht wieder in Deutschland gewesen.

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Damals noch mit Niqab

2. Hattet ihr euch lange darauf vorbereitet?

Nein, vorbereitet habe ich mich gar nicht wirklich.

Ich hatte einfach das Gefühl, khalas [fertig, arab.] – wenn du jetzt nicht gehst, wirst du nie als freie Muslimin leben!

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3. Wie alt waren deine Kinder und in was für eine Bildungsinstitution gehen sie?

Mein ältester Sohn aus erster Ehe war damals 4 und sollte eigentlich nach kommen. Leider kam es nie dazu und er lebt bei seinem Vater in Deutschland, ich hatte leider bis heute noch keine Möglichkeit, ihn wieder zu sehen,- eine lange Geschichte. Wir haben aber Kontakt elhamdulillah. Meine anderen Kinder habe ich hier in Ägypten bekommen. Mit meinem heutigen Mann habe ich elhamdulillah 3 Kinder (fast 7, fast 4 und 1,5 Jahre alt), eigentlich hätten wir 6, aber 3 sind verstorben. Khair in sha Allah…

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Halima mit ihren Kindern

Hier gehen die beiden Kleinen in einen Kindergarten, in dem sie ma sha Allah Englisch, Arabisch, Koran etc. lernen. Der Ältere geht sporadisch zur Schule. Er geht nur, wenn er Lust hat. Wir unterrichten unsere Kinder elhamdulillah hauptsächlich zu Hause. Zur Schule und Kita gehen sie nur wegen der Schulpflicht. Ansonsten nehme ich sie manchmal mit zur Arbeit.

4. Wie habt ihr die Eingewöhnungsphase überstanden?

Elhamdulillah sehr gut. Ägypten ist ein Land, in dem es noch Menschen gibt, die dich nicht aufgrund der Herkunft oder Religion in eine Schublade stecken.

Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit und freundlich. Mein Mann hat mir ma sha Allah auch viel geholfen.

5. Kannst du dich dort verständigen, hattest du sprachliche Vorkenntnisse?

Ich spreche elhamdulillah fließend englisch, was mir am Anfang sehr half. Mein Mann und ich sprechen bis heute Englisch miteinander, er spricht kein deutsch. Wir sprechen immer noch Englisch, obwohl ich mittlerweile fast fließend Arabisch spreche, wir haben uns einfach daran gewöhnt.

6. Bist du dort gut integriert?

Elhamdulillah, ja.
Ich arbeite extrem viel, seid mein Mann arbeitsunfähig ist. Meist um die 12- 16 Stunden täglich. Ich bin Deutschlehrerin und arbeite zudem in einer leitenden Position in einem ägyptisch- deutschen Kulturzentrum. Zusätzlich gebe ich private Unterrichte. Ich habe hier elhamdulillah allein schon durch meine Arbeit sehr viele Kontakte und gute Freunde.

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7. Was magst du besonders an Ägypten?

Besonders an Ägypten gefällt mir die Geräuschkulisse.

5 Mal täglich den Adhan zu hören, ist ein Geschenk Allahs. Als ich ihn das erste Mal hören dürfte, hat es mich so sehr berührt, das mir die Tränen kamen.Ich bin schon viele Jahre vor meiner Auswanderung konvertiert, hatte aber in Deutschland nie die Chance, den Adhan zu hören.

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Außerdem finde ich es total beeindruckend, dass Ägypter in der erstaunlichen Lage sind, wirklich alles zu reparieren. Egal was es ist, die kriegen echt alles wieder zum Laufen und das mit Methoden- ma sha Allah, da würden wir Deutschen im Leben nicht drauf kommen!

8. Was magst du nicht besonders?

Zum Thema Negatives ist hier vor allem ein riesiges Manko an Bildung und medizinischer Versorgung vorhanden. Die meisten Ägypter leben am Existenzminimum, die Schere zwischen arm und reich wird durch die steigende Inflation immer größer und das rasend schnell. Zudem sind die wenigsten hier krankenversichert, sodass ein Arztbesuch schnell richtig teuer werden kann. Damals, als meine Zwillingsmädchen nach dem Kaiserschnitt in Inkubatoren mussten, hat uns das in den wenigen Tagen ihres kurzen Lebens mehrere zehntausend Pfund gekostet. Zudem mussten wir enorme Anstrengungen aufbringen, um an Medikamente und Blutkonserven für sie zu kommen.

Hätten damals nicht deutsche Freunde finanziell geholfen, wären sie wahrscheinlich schon viel früher gestorben, Allahu 3lm [Allah weiß am besten].

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Zudem kosten Schulen hier extrem viel Geld und je nachdem wie viel man sich leisten kann, hängt es eben davon ab, welche Qualität man in der Schule geboten bekommt. Deutsche und amerikanische Schulen kosten mehrerer zehntausend Pfund im Jahr, was wir uns definitiv nicht leisten können, trotz meines vergleichsweise guten Gehalts. Die Schule, auf die mein Sohn geht, kostet uns etwa 2000 Pfund im Jahr, die Kita den selben Betrag monatlich. Die Kita ist ma sha Allah für eine ägyptische sehr gut und sauber und die Lehrer, auch wenn sie nicht ausgebildet sind, geben sich die allergrößte Mühe. In der Schule meines Sohnes ist das anders.

In staatlichen Schulen sind die Klassen oft um die 40 bis sogar 60 Kinder stark mit nur einer Lehrerin, die oft nichts vom Lehren versteht. Auch sind viele ägyptische Lehrer sehr streng und Züchtigung gehört vereinzelt noch zum Lehrplan.

Es gibt hier eine gemeinnützige Organisation, in der auch eine liebe Kollegin und Freundin aktiv ist, die versucht durch Aufklärung und Seminare, die ägyptischen Lehrer zu trainieren und ihnen andere Methoden beizubringen. Leider hat sich durch Traditionen und westliche Einflüsse das Weltbild an den Schulen hier teilweise verändert. Khair in sha Allah, einer der Gründe warum wir unsere Kids überwiegend zu Hause unterrichten. Elhamdulillah wird aber in allen Schulen Koran unterrichtet, sogar in den deutschen, außer den Christlichen Schulen natürlich.

Was ich außerdem schade finde ist, dass es leider aufgrund der steigenden Armut hier immer mal wieder vorkommen kann, dass jemand versucht einen übers Ohr zu hauen. Mein schlimmstes Erlebnis hier war zur Zeit des Militär-putsches. Damals trug ich noch Niqab, heute „nur noch“ Hijab. Damals waren meine Kleinen noch nicht geboren. Nur mein Sohn, der hier der Älteste ist. Ich wurde damals von einem älteren Herrn auf der Straße belästigt und beleidigt, er ging sogar mit seinen Schuhen auf mich los.

Damals hatten manche Ägypter Angst vor Ausländern und glaubten, dass Ausländer den Terrorismus unterstützen würden, Da trotz Niqab nicht zu verbergen war, dass ich Ausländerin bin, da mein Sohn schon damals sehr gut deutsch sprach und mich somit immer wieder „verriet“, wurde ich leider Opfer dieses Herrn.

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Elhamdulillah ist es glimpflich angegangen.

9. Fürst du dort ein selbstbestimmtes Leben? Was bedeutet das für dich?

Elhamdulillah mittlerweile haben wir es etwas besser, wenn es auch schwer ist. Uns geht es aber bei weitem besser, als vielen anderen. Ich finanziere unser komplettes Leben, während mein Mann sich um unsere Wohnung und die Kids kümmert, wenn ich arbeite. Nach der Arbeit und an freien Tagen übernehme dann ich.

10. Wie sieht der Ramadan in Egypten aus? Was macht ihn speziell? Tust du in der Zeit arbeiten? Sind die Schulen geöffnet? Erzähl mal ein bisschen!

Ich mag den Ramadan hier sehr. Wir besuchen Familie und Freunde, gehen extra viel in die Moschee etc.

Ich liebe diese Zeit, in der alle versuchen, Allah so nah wie möglich zu kommen und jeder versucht, sein bestes zu tun. Ich arbeite auch in dieser Zeit, aber elhamdulillah meist etwas später, sodass man sich mehr auf seinen Deen [Religion] konzentrieren kann.

Die Schulen sind in diesem Monat geschlossen. So oder so sind die Sommerferien hier sehr lang. In der Schule meines Sohnes zum Beispiel bis zu 4 Monate lang (Er geht auf eine ägyptische Volksschule, wenn auch nur sporadisch, wegen dem Nachweis). Die Kitas arbeiten normal, schließen aber meist früher, damit alle pünktlich zum Iftar zu Hause sind.

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Eine der zahlreichen dekorierten Nebenstraßen Kairo´s

11. Würdest du dort gerne alt werden?

Ich hoffe, dass ich hier meine Augen an meinem letzten Tag in dieser Dunja schließen darf in sha Allah. Ich möchte zwischen Muslimen sein, wenn ich sterbe in sha Allah.

12. Kannst du Ägypten als Auswanderungsland empfehlen? Wenn ja, wieso?

Ja, definitiv. Das Leben hier ist zwar für einige sehr hart, wie für uns auch, dennoch gibt es nicht besseres, als sich in der Ummah zu wissen.

Zu wissen, dass deine Kinder den Islam von Anfang an lernen, sie zu hören, wenn sie nebenan in der Moschee den Koran rezitieren, ma sha Allah. Als motivierte Muslimin in Deutschland hatte ich es oft sehr schwer, hier fragt dich niemand danach, ob und warum du Muslimin bist. Hier akzeptiert man die Menschen, wie sie sind elhamdulillah.

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13. Welchen Ratschlag hast du für diejenigen, die auch vom Auswandern träumen?

Traut euch. Denkt nicht all zu lange darüber nach. Allah versorgt einen, egal wo man ist elhamdulillah. Wenn man auf Allah vertraut, wovor soll man dann Angst haben?

Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens, auch wenn sie sehr schnell kam. Ich bereue es keine Sekunde elhamdulillah

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Vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Interview-Teilnahme, liebe Halima. Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen für all eure Bemühungen auf Seinem Weg, und möge Er euch eure Situation immens erleichtern!

Liebe Leser/innen, ich denke, ihr seid genauso beeindruckt wie ich von dieser Geschichte. Vor allem zu sehen, wie diese Familie trotz eines Schicksalsschlags zusammen hält und „mal eben so“ die Rollen tauscht (Frau arbeitet, Mann kümmert sich um Kinder), ist wirklich beispielhaft und verdient größten Respekt! Ich hoffe, dass es viele zum Nachdenken anregt. Denn wenn eine Frau sogar ihre Familie im Ausland ernähren kann- wieso dann nicht auch andere?

Allen Muslimen wünsche ich noch einen gesegneten Ramadan, und allen anderen ebenso eine schöne Zeit. Likes, Kommentare, etc. herzlich Willkommen 🙂

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

12.Interview: Vom Stadtkind zum Melkprofi!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nach einem Aussetzer aus privaten Gründen, geht es heute in alter, bzw. neuer Frische an unser nächstes Hijrah-Interview 🙂

Ich freue mich sehr, euch wieder eine einzigartige Auswanderungs-Geschichte vorzustellen. Sie führt uns nun zum dritten mal nach Algerien, ist jedoch wieder ganz anders und zeigt die vielfältigen Möglichkeiten auf, die man im Ausland haben kann!

Es geht also diesmal um die Schwester Umm Idris [Mutter von Idris], welche mit ihren 4 Kinder den Schritt ins Land ihres Mannes gewagt hat.

Sie hat sich damit nicht nur den Traum vom Auswandern erfüllt, sondern auch einen lang gehegten Kindheitstraum: nämlich mit Tieren zu arbeiten!

Nun kommt das wirklich nicht alle Tage vor: ein Stadtmädchen bevorzugt das Leben auf einem Bauernhof!?! Ich kann es allerdings ein Stück weit nachvollziehen, denn auch ich liebe Tiere und Natur. Auf Dauer wäre mir das jedoch zu einsam.

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Dafür muss man glaube ich einfach der Typ dafür sein, denn nicht jeder kommt mit dieser Einsamkeit zurecht. Wobei dies auch ein sehr guter Schutz vor den Fitan [Versuchungen] ist, die heutzutage überall vermehrt auftreten.

Lest also selbst diese ungewöhnliche Geschichte von einer starken Persönlichkeit:


Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

zeit für neuesNach Algerien AlhamduliLLAH., seit Ende 2016.

Frage 2: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

7, 5, 3 und 1 Jahr.

Frage 3: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier und uns schien es allgemein am unkompliziertesten, dahin auszuwandern.

Frage 4: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Natürlich in erster Linie, um den Islam besser leben zu können und auch meinen Kindern ein besseres islamisches Umfeld zu geben.


Frage 5: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, alhamduliLlah.

Frage 6: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja „ausreichend“ vielleicht nicht gerade. In Algerien wird in erster Linie Arabisch gesprochen, aber z.T. in einem Dialekt, der in mancher Hinsicht weit vom Hocharabischen entfernt ist. Meine Arabisch Kenntnisse waren allerdings auch nicht gerade sehr ausgeprägt.

Französisch ist hier zweite Amtssprache und das konnte ich noch ganz passabel aus Schulzeiten, AlhamduliLLAH. Ich habe aber auch festgestellt, dass doch recht viele, gerade von den jüngeren Generationen, auch Englisch sprechen. Dadurch, dass ich nun mit drei Sprachen mehr oder weniger gut kommunizieren kann, ist es mir möglich, meinen Alltag zu meistern 😁

Frage 7: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie war leider überhaupt nicht begeistert [haben sich aber inzwischen damit abgefunden!].

Frage 8: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, ein Visum war nötig.

Frage 9: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Ja, wir haben einen Bauernhof. Wir leben sozusagen ein wenig „ab vom Schuss“. Die nächste große Straße ist ca. 10km entfernt, der Weg zu uns ist Feldweg. AlhamduliLLAH haben wir hier aber Strom und dank unseres Brunnens auch fließend Wasser.

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Die nächst- größte Stadt im Sandsturm
Frage 10: Weshalb habt ihr euch ausgerechnet für das Leben in Abgeschiedenheit entschieden?
Wir haben lange auf unsere Hijra hingearbeitet und meinem Mann war es wichtig, dass wir von vornherein hier ein Einkommen haben werden biidhnillah. In dieser „Überlegungszeit“ sind die Grundstückspreise sehr gefallen, sodass mein Mann auf die Idee mit dem Bauernhof kam und quasi „zugeschlagen“ hat, AlhamduliLLAH. Außerdem bietet eine Landwirtschaftliche Tätigkeit für uns als Familie sehr viele Vorteile: als erstes ist es natürlich etwas, was immer benötigt wird,- anders als ein einfaches Geschäft. Da kann es immer wieder vorkommen, dass das Interesse verloren geht für die Dinge, die man verkauft.
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Desweiteren kann man sich zu einem gewissen Teil selbst versorgen und hat somit die absolute Gewissheit über die Qualität der eigenen Lebensmittel. Und natürlich ist es auch gut für unsere Kinder, hier aufzuwachsen AlhamduliLLAH. Sie wissen, wie Obst und Gemüse wächst, wie man Tiere versorgt und können unbeschwert auf unserem Grundstück spielen, denn weit und breit fährt kein Auto.
Frage 11: Stört es euch nicht, so abgeschieden zu leben?
Die Abgeschiedenheit stört uns nur bedingt. Als ich noch ein Kind war, wurde ich sozusagen auch eher in die „Richtung“ lieber „unter sich sein“ erzogen, indem meine Eltern es mir so vor lebten. Z.b. Haben Sie ein abgeschiedenes Gartengrundstück in Deutschland, wo wir unsere Ferien verbrachten.
Das heißt natürlich nicht, dass ich partout nicht gern unter Menschen bin, im Gegenteil gefällt mir das auch, aber nach einer gewissen Zeit merke ich, dass es mir „zu viel“ wird und ich wieder für mich alleine sein möchte.

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Frage 12: Das klingt ja interessant! Hattet ihr Agrarwissenschaftliche Vorkenntnisse?
Mein Mann ist hier in der Gegend, die von Landwirtschaft und Viehhaltung geprägt ist, aufgewachsen und hat dem entsprechend auch genügend Vorkenntnisse gehabt. Ich hingegen bin eher in der Stadt groß geworden, aber AlhamduliLLAH hat es mich schon als Kind immer aufs Land gezogen, wo meine Großeltern leben. Mein Opa hatte einen kleinen Gemüsegarten mit Kartoffeln, Möhren usw. Außerdem war ich schon immer total vernarrt in Tiere, insbesondere Pferde und habe gerne meine Ferien auf einem Reiterhof verbracht. Von daher ist mir Stallarbeit auch nicht fremd.
Allerdings sind hier auch einige total neue Aufgaben auf mich zugekommen: z.B. Melken, mit der Hand versteht sich 😉
Da hab ich schon einige Zeit rumprobieren müssen, bis ich den Dreh raus hatte und ich sag euch, das ist super anstrengend SubhanaALLAH! Denn man beansprucht da Muskeln in der Hand, die man vorher gar nicht kannte. Bis man da 8 Liter aus so einer Kuh gemolken hat, das dauert.
Diese Hürde war nun AlhamduliLLAH geschafft, da bringt mein Mann eine ZIEGE zum melken 😅 Die ist dann auch nochmal anders zu melken, als eine Kuh. Naja jetzt bin ich Melkprofi 😁
Ja und ansonsten genieße ich die Arbeit mit den Tieren sehr, auch wenn mal eins krank ist, da kann ich meinen Kindheitstraum der Tierärztin ausleben😅 Spritzen kann ich nun auch verabreichen. Auch für unsere Kinder ist es hier toll AlhamduliLLAH. Sie haben schon einige Tiergeburten miterleben können.

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Frage 13: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Definitiv ja. InshaALLAH

 

Frage 14: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Sie besuchen eine normale staatliche Schule.

Frage 15: Dein bestes Erlebnis im Ausland?

„Das“ Erlebnis an sich gibt es eigentlich nicht. Viel mehr ist es das schöne Gefühl unter Muslimen Leben zu können, das ich sehr schätze AlhamduliLLAH. Ebenso, dass ich meine Religion hier ohne Probleme,wie man sie zuvor in Deutschland hatte, praktizieren kann.

Frage 16: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

AlhamduliLLAH ist mir hier noch nix wirklich „schlimmes“ passiert. Aber vielleicht ein Punkt, der für mich am Anfang sehr schwierig war: Dass man sehr abhängig vom Ehemann ist. In Deutschland konnte ich viele Dinge selbst erledigen, hier ist man meist durch die sprachlichen Schwierigkeiten erstmal eingeschränkt. Aber auch allgemein, wie Dinge ablaufen o.ä. kennt man noch nicht und ist auf Hilfe angewiesen wa AlhamduliLLAH.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Denkt immer daran, dass Allah der beste Planer ist!

Egal wie sehr ihr euch über das Hijra- Land informiert und andere Schwestern, die schon in dem Land leben, nach ihren Erfahrungen befragt- für euch kann alles komplett anders kommen. Das meine ich jetzt im positiven Sinne 😉

Also wenn Schwestern z.B. negative Dinge berichten, kann es sein, dass ihr diese nie erlebt. Vertraut auf Allah! Und haltet euch immer wieder vor Augen, wie viel Gutes eine Hijra in sich trägt, MashaALLAH.

Wenn ihr dann den Schritt wagt, so haltet an der schönen Geduld fest. SABR, SABR UND NOCHMALS SABR. Gebt nicht so einfach auf!
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Nach Schnee kommt immer auch Sonnenschein, nach Erschwernis kommt immer Erleichterung!
Es werden schwierige und turbulente Zeiten kommen, aber vergesst nicht: Der Shaytan will euch nur den großen Lohn und Segen der Hijra wegnehmen!

 👍Vielen Dank und baarakaLlahu feeki für dein sehr interessantes Interview, liebe Umm Idris! Möge Allah euch reichlich für eure Auswanderung belohnen und euch alles erleichtern!
Liebe Leser/innen, ihr könnt glaube ich selber heraus lesen, dass es sich lohnt, auszuwandern, wenn man dadurch sogar seinen Kindheitstraum erfüllen kann. Da nimmt man dann gerne anfängliche Schwierigkeiten wie (vorübergehende) Abhängigkeit in Kauf. Abgesehen davon ist Selbstversorgung heutzutage das Beste, was man machen kann!
Diese Familie hat sich zwar lange innerlich auf die Auswanderung vorbereitet, jedoch auch gezeigt, dass man bei richtiger Gelegenheit einfach „zuschlagen“ MUSS, um sie nicht zu verpassen.
Mögen noch viel mehr Familien durch unsere Beispiele ermuntert werden, die Auswanderung zu wagen!
In diesem Sinne, liebe Grüße!
Eure Khalisa

 

10.Interview: Ägypten als Sprungbrett

As salaamu alaikum und Hey liebe Leser/innen,

Schon ist wieder eine Woche herum und so steht das nächste Interview vor der Tür, bzw. vor eurer Nase 🙂 Im heutigen Interview geht es wieder um eine beeindruckende Geschichte einer Deutschen Muslima, die den Schritt der Hijrah, also Auswanderung, gewagt hat: und zwar in das geschichts-trächtige Ägypten! Besagte Person heißt Maryam und kommt sogar aus der gleichen Ruhrgebiets-Stadt wie ich- trotzdem haben wir es immer hingekriegt, uns gerade eben so zu verpassen! Das erste Mal, als andere mir von ihr „vorschwärmten“, war nachdem ich gerade aus Somalia in Deutschland ankam. Da war Maryam einen Tag zuvor nach Ägypten gereist. Ein anderes mal hätte ich die Chance gehabt, sie bei ihrer Abschiedsfeier zu sehen, doch kam mir da irgendetwas dazwischen. Dabei wollte ich sie so gern kennenlernen, da sie u.a. auch Still- und Trageberaterin ist und natürlich eine interessante Persönlichkeit ist! Naja, dafür gibt es ja inzwischen die Social Media- man kann in Verbindung miteinander treten, ganz gleich in welcher Ecke (oder welchem Horn) man lebt!

Dass Maryam ausgerechnet in Ägypten gelandet ist, obwohl sie Deutsche und ihr Mann Marokkaner ist, und warum ihre Tochter ausgerechnet auf eine Amerikanische Schule geht, erfahrt ihr jetzt im folgenden Interview!


Salamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

Ich bin Maryam, und lebe in der Nähe von Kairo.

Dass wir ausgerechnet in Ägypten gelandet sind, ist Qadr [Bestimmung Allah’s, Anm.d.R.]… Denn mein Mann ist Marokkaner und ich Deutsche und eigentlich wäre eine Hijrah nach Marokko das Naheliegendste.

Aber unser Aufenthalt in Ägypten wird mit Allahs Erlaubnis nur unser Sprungbrett sein und wir werden in shaa Allah irgendwann in Marokko landen.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Ich bin mit meinem Mann und meiner Tochter nach Ägypten ausgewandert, das war Anfang 2013 alhamdulillah.

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Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Wir sind in Ägypten gelandet durch Allahs Vorherbestimmung. Wir wollten weg aus Deutschland in ein arabisches Land und mein Mann hatte sich in verschiedenen arabischen Ländern beworben. In Ägypten hat es letztendlich geklappt, alhamdulillah.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Das Wichtigste ist natürlich, die Absicht zu haben, die Hijrah für Allah zu vollziehen. Daraus ergibt sich dann der Wunsch, die Hijrah zu vollziehen, um in einem islamischen Umfeld zu leben. Dort, wo man den Islam wirklich ausleben kann, wo man sich nicht ständig für seine islamische Kleidung rechtfertigen muss, wo unsere Tochter den Islam auch außerhalb unserer Familie sieht, wo man wirklich frei sein kann als Muslim.

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Geht die eine Tür zu, geht eine andere auf 🙂

Außerdem hat sich mein Mann nie wirklich wohl gefühlt in Deutschland und er wollte auch nicht, dass unsere Tochter dort aufwächst.

Frage 4: Was schätzt du besonders an Ägypten?

Ich finde, was das Land ausmacht, ist seine vielfältige Geschichte!

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Frage 5: Gibt es etwas, was du dort besonders vermisst?

Ich vermisse die Schwestern, mit denen ich mich immer getroffen habe und ich vermisse es, Spaziergänge zu machen, in Parks zu gehen, mit meiner Tochter auf den Spielplatz. Leider gibt es hier, wo wir leben, keine öffentlichen Parks. Entweder muss man in einem Compound (das ist ein abgesichertes Wohngebiet, in dem meist nur reiche Leute leben) wohnen, dort gibt es Grünflächen oder Grünanlagen oder man muss eine Mitgliedschaft in einem der vielen Clubs haben, was aber auch sehr teuer ist.

Frage 6: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten so gut wie keine finanziellen Rücklagen, nur die Einnahmen aus unserer Haushaltsauflösung in Deutschland. Was dann dazu führte, dass mein Mann erstmal alleine nach Ägypten ging, um einiges vorzubereiten, wie eine geeignete Wohnung finden, die Wohnung mit dem nötigsten einzurichten, usw.

Frage 7: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ich konnte so gut wie gar kein Arabisch, außer den Buchstaben und ein paar Wörtern.

Ich habe dann die Chance genutzt und hier in Ägypten einen Sprachkurs besucht, habe da aber die arabische Hochsprache gelernt und nicht den ägyptischen Dialekt. Das alltägliche Leben kann ich damit hier meistern alhamdulillah- also einkaufen gehen, ein Taxi nehmen und dem Fahrer den Weg erklären, usw. Nur bin ich immer noch nicht so weit, um wirkliche Gespräche in Arabisch zu führen. Alhamdulillah habe ich meinen Mann, der alles Wichtige erledigt.

Frage 8: Seid ihr dort krankenversichert?

Nur mein Mann ist krankenversichert durch die Arbeit, aber nur bis zu einem bestimmten Betrag.

Frage 9: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Es war schwer für sie, da meine Eltern schon sehr alt waren und sie haben auch nie wirklich verstanden, warum wir in ein arabisches Land ziehen wollten. Aber da ich schon lange vorher in einem anderen Teil von Deutschland gelebt habe, war es kein Riesenschritt mehr für sie und letztendlich muss ich mein Leben leben und meine Entscheidungen treffen mit meinem Ehemann.

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Heute, etwa 5 Jahre später, ist es immer noch schwer für meine Mutter, dass ich sie nur einmal im Jahr besuchen kann, aber ich telefoniere oft mit ihr.

Frage 10: War ein Visum für Ägypten notwendig?

Bevor man nach Ägypten reist, braucht man kein Visum zu beantragen, wenn man die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Man kann ein Touristenvisum bei Ankunft am Flughafen erwerben, das gilt dann aber nur 28 Tage. Wenn das Visum abgelaufen ist, und man beispielsweise nach 6 Monaten wieder ins Ausland verreist, muss man am Flughafen eine Strafe zahlen.

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Ein längeres Visum kann man bei den entsprechenden Behörden in Ägypten beantragen. Am einfachsten ist es wenn man ein Kind hat, das in den Kindergarten, zur Vorschule oder Schule in Ägypten geht. Dann bekommt man immer Aufenthalt für das laufende Schuljahr. Oder der Arbeitgeber regelt es mit den Visa.

Frage 11: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Ja, mein Mann hat hier eine Arbeitsstelle und verdient unseren Lebensunterhalt alhamdulillah. Ab und zu gebe ich Deutsch-Nachhilfe.

Frage 12: Wie sieht es mit sozialen Kontakten aus. Hast du dort Kontakt zu anderen Konvertierten?

Ja alhamdulillah. Haben hier eine kleine Gruppe von konvertierten Schwestern aus allen Teilen Europas (Polen, Belgien, Finnland, Rumänien, früher waren noch Schwestern dabei aus Spanien, Ungarn und den Niederlanden) MashaAllah. Mit einem Teil treffen wir uns einmal pro Woche zum Quranunterricht und die anderen kommen dann dazu, wenn wir uns im Club treffen oder uns einmal im Jahr eine Villa mit Pool mieten für einen Tag und mit unseren Kindern schwimmen und planschen gehen.

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Frage 13: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Nein, das möchten wir nicht und das war auch nie unser Ziel. Das heißt aber nicht, dass wir nach Deutschland zurück wollen. Ganz im Gegenteil, wir möchten weiterhin in einem arabischen Land leben, aber eben nicht für immer in Ägypten.

Ägypten war für uns von Anfang an ein Sprungbrett, um aus Deutschland wegzukommen. Aber wir werden sehen, welche Pläne Allah für uns bereit hält.

Frage 14: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war damals 3 Jahre alt.

Frage 15: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Es gibt sehr viele Möglichkeiten in Ägypten, was die Schulen angeht alhamdulillah. Wir haben uns für eine private Amerikanische Internationale Schule entschieden aus verschiedenen Gründen.

Zum einen, weil unsere Tochter kein Arabisch konnte als wir Hijrah gemacht haben und bis heute nicht so gut arabisch kann, um in einer arabischsprachigen Schule dem Unterricht zu folgen. Dann kommt noch dazu, dass es sehr große Unterschiede in der Bildung gibt. Es kommen auch nur private Schulen in Frage für Nichtägypter. Also gibt es noch zwei Möglichkeiten, eine nationale Schule (mit ägyptischen Lehrplan und teils Unterricht auf Arabisch oder Englisch) oder eine internationale Schule (mit dem Lehrplan des jeweiligen Landes). Es gibt auch islamische Schulen, aber diese unterrichten meist nur auf Arabisch.

Am Ende blieb dann die Wahl zwischen einer deutschen Schule oder einer englischsprachigen. Und auch in den internationalen Schulen steht Arabisch und islamischer Religionsunterricht (in arabischer Sprache) auf dem Stundenplan.

Frage 15a) Und warum habt ihr euch letztendlich für die Amerikanische anstatt die Deutsche Internationale Schule entschieden?

Zum einen weil wir wollten, dass sie sehr gut Englisch kann, zum anderen weil es in der amerikanischen Schule ab vier Jahren die Vorschule gibt und die Kinder da schon Buchstaben lernen, erstes lesen und schreiben und Rechnen und auch schon das arabische Alphabet. Die fangen mit den Kindern hier sogar noch früher an, das zu lernen MashaAllah. Meine Tochter ging zuerst in einen ägyptischen Kindergarten und da haben sie schon angefangen, den Kindern die Buchstaben auf Englisch und arabisch beizubringen.
In der deutschen schule fangen sie erst in der 1. Klasse damit an.
Es gab aber noch andere Gründe, z.B.: Wenn wir doch irgendwann die Möglichkeit haben nach Marokko zu gehen in shaa Allah, dort gibt es keine deutsche Schule… Aber englischsprachige Schulen gibt es überall!

Frage 16: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Das Beste ist natürlich, dass man jeden Tag 5 Mal den Adhan hört.

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Aber es gibt viele schöne Situationen, die ich hier erlebt habe alhamdulillah.

Wir leben hier in einer Nachbarschaft, wo man viele Leute kennt, sich begrüßt, wenn man an ihnen vorbeigeht alhamdulillah. Und wir leben in einem Haus mit nur 5 Parteien und davon sind nur wir und noch eine Partei Mieter. Somit kann man sagen, wir leben im Haus der Vermieterin und ihrer Familie. Und haben ein sehr gutes und persönliches Verhältnis mit ihnen, es ist fast wie eine Ersatzfamilie alhamdulillah. Ich kann meine Tochter mal bei meiner Vermieterin abgeben oder bei einer ihrer Schwiegertöchter, wenn ich was alleine mit meinem Mann erledigen muss, andersherum bringen sie ihre Kinder auch mal zu mir zum Aufpassen, wir besuchen uns gegenseitig und essen im Ramadan manchmal Iftar [Fastenbrechen; Anm.d.R.] zusammen, gehen gemeinsam zum Eidgebet [Festgebet], usw.

Hier merkt man, was Nachbarschaft bedeutet im Islam.

Ein Highlight war auch unsere Reise in den Süden Ägyptens nach Assuan. Mal zu sehen, dass es neben dem hektischen, lauten, vollem und leider auch sehr schmutzigen Kairo, Orte gibt, die anders sind. Wo der Nil noch sauber ist, wo es Natur gibt und keine Hektik.

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Was ich an Ägypten auch mag, dass man hier eine sehr weitreichende Geschichte sehen kann und Orte besuchen kann, die geschichtlich interessant sind, nicht nur die pharaonische Geschichte, sondern auch islamische Geschichte.

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Frage 17: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Ein wirklich schlimmes Erlebnis habe ich nicht, dennoch hat Ägypten auch negative Seiten mit denen man zurechtkommen muss, wenn man hier lebt.

Da ist der Straßenverkehr, der nicht geordnet ist, wie man es von Deutschland her kennt und man ist sowohl als Fußgänger als auch als Autofahrer oder Insasse in Bussen ständig Gefahren ausgesetzt, was die Ägypter nicht weiter stört, da für sie sowie alles Qadr (Schiksal) ist und man den Unfall nicht vermeiden konnte. Wenn man kein eignes Auto hat und die „öffentlichen“ Transportmittel wie Metro, Microbus und Bus nutzen möchte, sollte man sich darauf einstellen, dass es da auch oft sehr hektisch zu geht und auch nicht so genau auf die Fahrkünste des Busfahrers achten oder welchem Verkehrsunfall man um Haaresbreite gerade entkommen ist, zudem sollte man den Berufsverkehr in Kairo möglichst aus dem Weg gehen.

Ein weiteres großes Problem ist der Müll, der einfach überall rumliegt und auch von Müllbehältern auf der Straße hat hier noch niemand was gehört.

Auch dieses „Komme ich heute nicht, komme ich morgen“- Prinzip ist hier weit verbreitet, genauso wie Unpünktlichkeit, was mich als Deutsche manchmal ziemlich aufregt, obwohl ich es schon gewohnt sein sollte.

Man muss hier einfach vieles mit Humor nehmen und viel Geduld haben.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten?

Am wichtigsten ist das Vertrauen auf Allah und eine reine Absicht. Denn Allah erleichtert so vieles alhamdulillah. Man braucht aber auch Geduld und sollte wissen, dass am Anfang vielleicht nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Es braucht ein wenig Zeit sich einzuleben und zurechtzukommen in einem fremden Land.

Eine gewisse finanzielle Sicherheit erleichtert es natürlich und auch dass man sich vorher über das Land informiert, dass man Kontakt zu anderen Schwestern sucht, die Hijrah in dieses Land gemacht haben und somit jemanden dort hat, der sich schon auskennt und helfen kann. Alhamdulillah ist dies alles durch Internet und Soziale Medien machbar.

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Vielen lieben Dank für deine tiefen Einblicke über deine Auswanderung, liebe Maryam! Möge Allah dich und deine Familie reichlich für eure Aufopferungen belohnen und euch in dem Land alt werden lassen, welches khair (gut) für euch ist!

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich dieses Interview um ein paar Fragen erweitert, da es einfach noch einen individuelleren und Detail reicheren Eindruck vermittelt. Schließlich sollt ihr ja auch so viel wie möglich von diesem Land und der Auswanderung dorthin mitnehmen!

So konntet ihr diesesmal deutlich sehen, dass die Auswanderung nicht nur Schockoladen-Seiten hat. Nein, ganz und garnicht! Man opfert auch ganz schön etwas auf (Freunde, Hobbies, etc.), toleriert aufeinmal Dinge, die einen eigentlich zur Weißglut bringen könnten (Chaos, Unpünktlichkeit, u.a.). Denn wenn man einmal den Entschluss zur Auswanderung gefasst hat, möchte und sollte man nicht gleich bei der ersten Hürde wieder die Koffer packen!

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In diesem Sinne gebührt Auswanderern unser größter Respekt. Mögen sie weiterhin standhaft, geduldig und humorvoll bleiben!

Wenn euch das Interview gefallen hat, hinterlasst ruhig ein Like, einen Kommentar oder teilt es mit denjenigen, die es ebenfalls interessieren und inspirieren könnte!

Thanks so much,

Eure Khalisa von den Germali´s

4.Interview: Bemühungen um ein islamisch freieres Leben

As salamu alaikum und Hallo an meine lieben Leser/innen,

Leider etwas verspätet, aber besser als nie ;-), geht unsere Interview-Fragerei in ein vergleichsweise kleineres, dafür umso schöneres Land auf dem Arabisch-Afrikanischen Kontinent: nach Tunesien!

Ich weiß nicht, was euch in den Sinn kommt bei diesem Land. Wenn ich jedenfalls an Tunesien denke, fällt mir sofort die Farbkombination Weiß-Türkis ein. Es gibt so viele wunderschöne Fotos von diesen weißen, quadratischen Häusern mit türkis verzierten Rundbögen an Tür und Fenstern, mit dem passenden stark blauen Himmel und dem mindestens ebenso schönen Strand.

In dieses wunderschöne Land hat sich unsere Kandidatin des heutigen Interviews gewagt, auszuwandern: die deutsche Muslima Khawla!

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Khawla mit ihren Lieblingstieren, den Pferden.

Wir kennen uns schon länger (über Social Media) über diverse Themen, die uns verbinden- von Islam, über Wissensaneignung, vom Voltigieren bis hin zur Mehrehe und mehr. Und natürlich auch die Hijrah (Auswanderung). Sie ist eine sehr wissbegierige, selbstbewußte junge Mutter, die trotz des Lebens als Großfamilie kaum eine Minute ungenutzt läßt (möge Allah sie segnen). Deswegen bin ich umso dankbarer, dass sie sich die Zeit für unser Interview genommen hat. Aber lest selbst, was eine Deutsche nach Tunesien verschlägt!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?
Khawla: Bismillah Ar Rahmana Rahim
Assalamu wa Salam ala nabi sall Allahu alayhi wa Salam
Ama baad:
As salaamu alaikum!

Nach Tunesien. Vor 9 Monaten

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Wir haben es uns nicht direkt als Hijrah Wunschziel ausgesucht.
Als Wunschziel wäre natürlich ein Land, was islamisch gesehen nicht gerade erst in den Kinderschuhen steckt, leichter und einfacher.

Aber für uns ist es zur Zeit und auf die schnelle, in der wir die Hijrah vollzogen haben.(innerhalb von 2 Monaten), die nahe liegende Wahl gewesen, da mein Mann Tunesier ist.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Islamisch unbehelligter zu sein, einfach freier.
Und vorallem meine Kinder so erziehen zu können, wie ich es für richtig halte.
Das ist hier, genauso wie in anderen Norafirkanischen Ländern, möglich.
Man wird, nicht daran gehindert, seine Kinder in eine Quranschule zu geben.

Sogar sind die Leute beschämt, wenn sie sehen das meine „blonden“ kinder in den Quranunterricht und zu ihren Gebeten in die Moshee gehen, wöhrend ihre Kinder manchmal noch nicht mal zu Jumaa [zum obligatorischen Freitagsgebet, Anm.d.R.] gehen.

Die Kinder islamisch zu erziehen, ist hier leicht, wenn man den Kindern die richtige Umgebung bereitstellt. Nicht so wie in Deutschland.

Ich weiss, dass Tunesien in diesem Bezug immer noch einen schlechten Ruf hat.
Aber, ich kann nur dazu sagen, dass es kein Land gibt, in der heutigen Zeit, wo alle Leute sich islamisch benehmen. Das gleiche, ist hier auch! Es gibt Länder, wo wohl optisch alles nach Islam aussieht. Aber die Kinder körperlich gezüchtigt werden, wenn sie den Quran nicht schnell genug Hafiz [auswendig gelernt, Anm.d.R.] haben.
Länder, in denen Frauen falsch behandelt werden, vollkommen unislamisch.
Oder Könige solcher Länder, welche ihr Land in einer Zensur halten. Da sieht es dann nach Islam aus. Aber dort darf dann in den Moscheen auch nur das laut ausgesprochen werden, was von dem König erlaubt wird.
Dann gibt es Länder, die nach reiner Dunja [der weltlich-bezogenen Lebensweise, Anm.d.R.] aussehen, als gäbe es kaum Deen [Islamische Lebensweise, Anm.d.R.] dort.
Oder vom Krieg gebeutelte Länder, in denen viele verschiedene Islamische Gruppen vertreten sind.
Länder die in manchen teilen des Landes extrem viel Deen, an anderen Orten touristische „Mega- Dunja“, sogar Diskotheken, haben.
In jeden dieser Länder, gibt es Fitten [Versuchungen, Anm.d.R.].
Wenn wir Hijrah aus den unislamischen Ländern machen, sollte uns bewusst sein, das man nur mit der richtigen Absicht und Anstrengung in den „islamisch“ geprägten Ländern diesen Fitten entkommt und seinen Weg in khair [in dem, was Allah wohlgefällig ist, Anm.d.R.] geht.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, hatten wir, Alhamdulillah. Also so viel, wie man innerhalb von 2 Monaten zusammen bekommt.😅

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?
Ja, Alhamdulillah ich verstehe besser, als ich spreche 😅

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?
Gespalten. Aber da unser Kontakt seid vielen Jahren nur telefonisch ist,
habe ich es ihnen auch erst gesagt, nachdem wir schon weg waren.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?
Man kann für 4 Monate am Stück ohne Visum hier sein.
Dann muss man das Land verlassen– es reicht für 1 Tag.
Oder man beantragt ein befristetes Visum, was man immer wieder verlängern kann.
Oder ein unbefristetes Visum.

Für ein unbefristetes Visum muss man entweder die Mutter sein von Kindern, dessen Vater Tunesier ist, die auch hier leben und zur Schule gehen. Oder mit einem Tunesier verheiratet sein oder du musst eine gewisse Summe auf einem tunesischen Bankkonto haben sowie einen Festwohnsitz.

Palmen, die Standartbäume in Tunesien.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?
Mein Mann macht Tijara [Handel, Anm.d.R.]- hauptsächlich im Ausland.
Wir sind ca. 6 Monate alleine hier in Tunesien. Die restliche Zeit, ist mein Mann bei uns.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, könnte ich in 2ch Allah.
Aber ich könnte mir auch vorstellen, nochmal ganz woanders hinzugehen.
Wenn es meine islamische Situation oder die der Kinder verbessert!

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?
Zwillinge 9, 7, 6 und 5 Monate

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Islamische Privatschule. Fokus auf Quran und Islamische Erziehung.
Im Gegensatz zu der „veralteten“ Annahme, das man in Tunesien, zwar Dunja aber kein Deen haben kann, ist im Privatschulbereich ein erstaunliches anwachsen von Islamischenschulen zu beobachten.
Dadurch, dass es hier erst seid ein paar Jahren möglich gibt, Islam und Schule zu verbinden gibt es noch nicht in jeder Stadt die Möglichkeit.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:
Es gibt nicht ein bestes Erlebnis!
Der tägliche Adan, der mir das Herz weitet 😍
Aber auch, das ich auf die Straße gehen kann, ohne beschimpft oder angefeindet zu werden.
Ich kann mich absolut frei bewegen, ohne behelligt zu werden.
Auch die Polizei oder Militär kontrollieren mich nicht unhöflicher oder mehr als andere.
So wie es früher mal war. Sogar sind die meißten ausgesprochen freundlich zu mir.
Sie winken mich zu 80% einfach so durch- wo alle anderen kontrolliert werden, kann ich oft einfach weiter gehen.

All das gibt mir das Gefühl ein Mensch zusein !
Das ist eine Lebensqualität, die ich in Deutschland all zu lange vermisst habe!

Grüne Landschaft vor dem Strand.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:
So nun kommen wir zu einer Sache, die mich sehr traurig gemacht hat.
Ich musste, in die Visa Behörde.
Mein mann war zu der Zeit im Ausland , also bin ich alleine gegangen.
Man hat mich dort gleich, mit einer Waffe in der Hand begrüßt. Ich durfte nicht einfach so das Gebäude betreten wie alle anderen, sondern musste direkt meinen Passport abgeben und warten.
Dann rief man mich in ein Zimmer.
Ich hatte alle Unterlagen, normalerweise war es nur eine kleine Sache, mir meinen unbefristeten Aufenthalt zu genehmigen.
Nach 2 Std. Gerede und der festen Überzeugung, dass mein Mann hinter meinem Niqab steht, und der Bitte zu meiner Schwägerin, sie solle ihrem Bruder sagen, dass er mir sagen soll, nur Khimar [Also ohne Gesichtsbedeckung, Anm.d.R.] zu tragen.
Dann bekam ich meine Unterlagen zurück und keinen unbefristeten Aufenthalt!
Mit der Begründung, sie wollen zuerst mit meinem Mann reden.

Derart Begegnungen hatte ich seit langem kaum noch hier.
Ich bin seit 12 Jahre mindestens 1 mal im Jahr hier gewesen.
Und so etwas ist seit Jahren immer weniger geworden.
Dennoch gibt es sie hier oder dort in Behörden noch.

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Lässt sich durch niemanden entmutigen: Khawla

Wie sieht es mit einer Krankenversicherung aus, seid ihr Krankenversichert?

Ja, es gibt Krankenversicherungen hier, aber da läuft es so, dass man monatlich Geld ein- bezahlt (ca. 200 Dinar). Wenn man Medikamente oder Besuche beim Arzt braucht, muss man vorbezahlen und man bekommt dann bis zu 80% zurück. Die Rückzahlung kann bis zu 6 Monate dauern

Ja, wir sind versichert Alhamdulillah.
Das mit der Versicherung ist aber schwer hier. Es ist auf keinen Fall so wie in Deutschland. Und die Krankenhäuser sind sehr, sehr teuer. Als wir während der Revolution hier waren, konnten wir ja hier nicht mehr raus, die Zwillinge mussten aber operiert werden. Die OP plus 1 Nacht im KH kostete pro Kind 1500 Euro- solche Kosten werden kaum von der Versicherung übernommen. Aber besser als gar kein Rückgeld 🙈😊
Und da hier alles im Voraus bezahlt werden muss, läßt sich die Versicherung dann einfach sehr lange Zeit oder zahlt nur einen kleinen Anteil.

Abschlussfrage: Was würdest du Geschwistern, die ebenfalls Hijrah machen möchten, raten?

Ich würde, wirklich allen Geschwistern raten, nicht zu warten, bis sie „genug“ Geld haben.
Sondern auf Allah zu vertrauen mit der Gewißheit, dass Allah die Menschen, die auf SEINEM Weg ausgewandert sind, nicht im Stich läßt!

Vielen Dank für deine Beantwortung der Fragen liebe Khawla! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und beschützen!

Fazit:

Wie ihr seht, ist es selbst in solchen „islamischen“ Ländern nicht einfach, wenn man sich voll verschleiert (und die Schwester tut das aus Überzeugug, nicht für ihren Mann!). Dies ist so, weil die Regierungsbeamten, sowie der Großteil der Bevölkerung, diese Art der Verschleierung als extrem betrachtet und wenig bis kaum Wissen darüber hat, dass es im Islam etwas angesehenes ist für Frauen (ohne Zwang). Frauen, die sich für diese Art der Bedeckung entscheiden, tun das meißtens freiwillig, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen. Dementsprechend müsste man sie dazu zwingen, wenn man sagt, sie sollen es nicht mehr tragen!

Selbst in Somalia ist es mir schon ein paarmal passiert, dass die Beamten verunsichert waren durch meine Gesichtsverschleierung. In solchen Momenten muss man einfah cool bleiben, erklären, und sein Gesicht einmal zeigen. Denn leider ziehen Terorristen und extreme Gruppen diese religiösen Dinge (genau so wie z.B. Bart zu tragen) durch ihre (Un-) Taten in den Dreck. Möge Allah uns alle rechtleiten.

Trotz solchen Erfahrungen und des weniger guten Gesundheitsystems: die Vorteile in solchen muslimischen Ländern überwiegen! Denn Erfahrungen dieser Art passieren wahrscheinlich nur manchmal, nicht jedoch im alltäglichen Leben. Während man in Deutschland nicht mehr in Ruhe aus dem Haus gehen kann, ohne beschimpft zu werden.

Ich hoffe, ihr habt wieder etwas dazu gelernt und neue Einsichten gewonnen. Gerne könnt ihr eure Gedanken und weitere Fragen dazu im Kommentarfeld hinterlassen.

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

3.Interview: Diese Dunja ist eine ständige Reise!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute geht es um ein Land, welches der Traum der meißten Muslime ist: Saudi Arabien! Es ist das Ursprungsland des Islams, der Ort der allerersten Gebetsstädte überhaupt: der Kaaba in Mekka, die ursprünglich vom Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael (Frieden und Segen seien auf ihnen) erbaut wurde und später von den Muslimen übernommen und restauriert wurde. Dort können wir also die 5.Säule unseres Glaubens erfüllen, sofern wir in der Lage dazu sind: die Pilgerfahrt (Arab. Hadsch). 

Nur eine Stunde mit dem Auto davon entfernt liegt Jedda, die Stadt, in der die heutige Interviewpartnerin seit kurzem lebt. Genannt auch Zawjatutalib, was soviel heißt wie „Frau des Studenten„. Diese Namensbezeichnung passt außerordentlich gut, denn ihr Mann studiert dort, und zwar Arabistik. Und auch sie selbst geht inzwischen dort zur Schule und bildet sich fort.

Für die Nichtmuslime unter uns mag folgendes Interview ebenfalls einen interessanten Einblick geben in ein Land, dass sie sonst nur von den Medien her kennen (oft genug in einem schlechten Licht). Deswegen wünsche ich euch allen eine schöne Bereicherung durch dieses Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Zawjatutalib: 

Bismillahirrahmanirahim
Alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Weltenbewohner, der uns ermöglicht hat. Ohne ihn wären wir wahrlich zu nichts im Stande.

Januar 2018 nach Saudi-Arabien.

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Saudi Arabien von oben (aus dem Flugzeug)

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Ich finde, dass man in Saudi-Arabien den Islam praktizieren kann ohne daran gehindert zu werden. Im Gegenteil: es gibt sehr viele Möglichkeiten und man ist eben nicht mehr fremd, sondern wird von den Mitmenschen akzeptiert und verstanden.

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Palmen, die den Straßenrand schmücken

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Mein Mann studierte bereits hier als wir geheiratet haben. Al-hamdu-lillah. Abgesehen davon denke ich, dass man als Muslim in Deutschland sehr eingeschränkt lebt, da man einfach nicht viel geboten bekommt in islamischer Hinsicht. Es fängt schon dabei an, dass Muslime schwerer einen Arbeitsplatz finden & Frauen mit Niqab kein Auto fahren dürfen.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ein wenig, jedoch nicht ausreichend.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Anfangs sehr schlecht. Mittlerweile akzeptieren sie es. Sie kennen meinen Mann und sehen, dass ich glücklich bin.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sein Stipendium. Außerdem kann man in einem Fall wie bei uns in den Semesterferien Jobben.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja In schā Allah. Möge Allah ta’ala es ermöglichen amin.

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Ausblick auf den Sonnenuntergang, bei einer Straße in Jedda

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Ich habe keine Kinder.

Frage 11: Wie läuft das im Krankheitsfall ab? Gibt es so etwas wie eine Krankenversicherung oder muss man privat zahlen?

Ich kann nur für unseren Fall sprechen. Wir sind beide über die Universität, die mein Mann besucht, versichert. Das ist üblich für Studenten hier, dass die Familie dann den Service auch bekommt. Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Krankheit hier. Von anderen habe ich aber gehört, sie seien sehr zufrieden und haben Medikamente auch kostenlos bekommen. Allerdings variiert das von Uni zu Uni etc.

Manche Geschwister bevorzugen auch die Behandlung in der Heimat bei einem Ernstfall. Zum Beispiel fliegen viele Schwestern zum Entbinden in die Heimat zurück. Es kommt natürlich immer drauf an, aus welchem Land man kommt und welchen Standart man von der Heimat gewöhnt ist. In Deutschland genießt man schon einen sehr hohen Lebensstandart. Da ich aber -allahumma barik [Möge Allah es segnen, Anmerkung d. Redaktion]- wie gesagt keine Erfahrung habe in diesem Thema, ist dies alles, was ich dazu sagen kann.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Die Umrah! [Das ist die kleine Pilgerfahrt, die man im Gegensatz zur Hadsch jederzeit machen kann, Anm.d.R.]

Mekkah
Kaaba, Ort der Pilgerfahrt für jährlich mehr als 2 Millionen Muslime
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Türme der riesen Moschee, in der die Kaaba ist, und die berühmten Hochhäuser rundherum.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Klimawechsel & Lebensmittelveränderung! Es gibt nicht alles, was es in DE gibt, oder eben sehr teuer.
(Nicht wirklich schlimm aber eben eine Veränderung die sich bemerkbar macht)

Frage 14: Du bist ja erst kurze Zeit dort. Trotzdem ist es interessant, ob deine Erwartungen vom Land erfüllt wurden oder eher nicht? Beschreib das ruhig ein bisschen 🙂

Meine Erwartungen von Saudi Arabien wurden teilweise erfüllt, teilweise nicht.
Ich hab zum Beispiel nicht erwartet, dass es so viel Dunya [Weltliche Güter, Anm.d.R] hier gibt.

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Moderne Hochhäuser in Mekka, Saudi Arabien

Also Saudi Arabien ist teilweise echt moderner als Deutschland – was nicht unbedingt negativ gemeint ist. Also es gibt sehr große und schöne Malls, es gibt sehr schöne Plätze draussen zum spazieren etc. Ich war positiv überrascht! Und auch, dass es sooo viele Geschwister mit niqab/jalabiya  gibt hätte ich auch nicht erwartet .

Ich meine, dass es so normal ist, dass zum Beispiel im Ikea die Arbeitskleidung eine Abaya und niqab ist oder männliche Kassierer mit Jalabiya [Gewand für Männer, Anm.d.R.] im Supermarkt sind, hab ich einfach nicht erwartet, was auch super schön ist.

Den Adhan von allen Seiten zu hören 5 mal am Tag ist auch total schön, wie erwartet. Die Hitze ist auch nicht so schlimm wie ich dachte- also das sind nur wenige Beispiele. Wenn ich jetzt auf alles eingehen würde, würde es den Rahmen sprengen. Im Großen und ganzen bin ich also positiv überrascht und hab teilweise Schlimmeres erwartet. Aber ihr könnt mein Leben hier auch auf meinem Blog mitverfolgen:

https://zawjatutalib.wordpress.com/author/zawjatutalib/

Foto von Abaayat- islamischen Gewändern für Frauen.
Viel Auswahl in zig Geschäften

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? Speziell für welche, die auch von Saudi Arabien träumen?

Man sollte starkes Tawakkul (Vertrauen auf Allah) besitzen.

Es kommt nie, wie man es plant. Besonders hier in Saudi-Arabien, wo einem der Aufenthalt eigentlich nie garantiert ist (selbst wenn der Mann arbeitet). Man weiß eben nie, was morgen passiert- deshalb sollte man sich nie an die aktuelle Situation fesseln!

Wenn die Situation schlecht ist, kann Allah es bis morgen schon wieder ändern und andersrum genauso. Man sollte stets zufrieden sein mit Al-Qadr (Die Vorherbestimmung Allah’s).

Diese Schwester hat sich also einfach getraut, was so einige vielleicht vom Auswandern abhalten würde: ohne jegliche Geldreserven ist sie nach Saudi Arabien ausgewandert! So hat sie Tawwakul bewiesen, Allahumma baarik.

Für viele von uns ist es allerdings extrem schwierig, dort Fuß zu fassen, aufgrund der schwierigen Visa-Verhältnisse. Und eine gute Arbeit dort findet auch nicht mal eben jeder.

Sie hat es jedoch geschafft. Trotzdessen dass ihr Mann und sie beide nicht aus Saudi Arabien kommen, sondern aus Deutschland.

Vielen Dank und Baarakallahu feeki liebe Zawjatutalib, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Für mich war es höchst interessant, und ich hoffe für meine Leser auch!

Möge Allah dich reichlich belohnen für diesen Schritt und dir das Einleben und das dort bleiben können erleichtern!

Wer noch weitere Fragen und sonstige Kommentare da lassen möchte, ist herzlich willkommen.

Ansonsten bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

2.Interview: Raihana Bo – Powerfrau in und um Malaysien

As salaamu alaikum und Hallo an unsere Leser/innen,

Heute habe ich die Ehre, euch eine ganz besondere Powerfrau vorzustellen: die Deutsche Konvertitin Raihana Bo! Was das Besondere an ihr ist? Sie hat sich mit über 50 Jahren, die sie sich schon an Deutschland gewöhnt hat, getraut, in ein völlig fremdes Land auszuwandern. Und das beinahe ohne jegliche Sprachkenntnisse und Finanzielle Rücklagen!!! Warum sie sich ausgerechnet Malaysien als Auswanderland ausgesucht hat, und wie es ihr dort so ergeht, erfahrt ihr nun von ihr selber.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Nach Südostasien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Weil es am günstigsten dort ist und islamisch, mir liegt auch die arabische Machokultur nicht so.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte von dieser ganzen Islamfeindlichkeit aus Deutschland weg. Viele Muslime praktizieren immer weniger, weil man versucht. den Islam zu unterdrücken, unsichtbar zu machen. Islamische Schulen sind verboten zu eröffnen, auch Kitas werden immer schwieriger. Überall werden einem große Blockaden aufgebaut, wir haben keine richtigen Moscheen , keinen Adhan und auch nach Halal muss man suchen. Ich hatte Angst um meine Kinder, dass sie den Islam dort nicht richtig leben können, keine guten Frauen finden und ihre Kinder den Islam gar nicht mehr kennen lernen. Auch wollte ich für meine späteren Enkel (die ich in scha ALLAH mal bekomme) die ganze Sexualisierung an den Schulen nicht. Deutschland ist unfreundlich, die Stimmung kippt immer mehr. Allah hat die Welt weit gemacht und es uns zur Pflicht auferlegt die Hidjra zu machen wenn wir unterdrückt werden. Ich bin dankbar Muslima zu sein und versuche stets meine Pflichten gegenüber Allah auch zu erfüllen.

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Moschee in Südostasien

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein nicht wirklich. Ich habe alles was ich hatte versucht zu verkaufen. Ein klein wenig hatte ich auch gespart. Wirklich viel war es nicht und es ging schon einiges für Flug, erste Pension und für Laptops drauf.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, überhaupt nicht. Malaysisch was in Süd Thailand und Malaysia gesprochen wird konnte ich gar nicht. Auch Indonesisch was weitgehend die selbe Sprache ist , konnte ich nicht ein Wort. Nur in Malaysia gibt es einige, die Englisch sprechen und mein Englisch reicht gerade so, um nach dem Weg zu fragen. Eine Sprache lernt man aber auch am besten, wenn man im Land selber ist. Und da ich nicht doof bin dachte ich mir, das wird schon. Mein englisch wurde dann auch schnell besser und nun lerne ich auch Malaysisch.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie hat kaum Kontakt zu mir seit ich vor 23 Jahren Muslima geworden bin. Verabschiedet habe ich mich nur von meiner Schwester und ihren Kindern. Vermissen wird mich da keiner und ich auch niemanden. Freunde sind das einzige was hier am Anfang fehlt und an die ich denke. Würde gerne mal wieder zum Frauenfrühstück gehen und die ganzen Schwestern wieder sehen.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ein Dauervisum gibt es nicht, wenn man nicht mit einem Landsmann verheiratet ist oder viel Geld hat. Kostenlos bekommen wir 1 Monat für Thailand und Indonesien und 90 Tage für Malaysia. Thailand und Indonesien kann man kostenpflichtig auf 2 Monate verlängern. Es gibt Business Visa wenn man im jeweiligen Land Geschäfte macht, dazu muss man aber meistens mit einem Einheimischen ein Geschäft anmelden. Dann kann man lange bleiben. Wie bereits gesagt ist auch eine Eheschließung ein Weg zu einem Visa. Da wir alle drei nicht verheiratet sind wäre das auch eine Möglichkeit. ALLAH wird uns geben was gut für uns ist, da vertraue ich darauf. Bis dahin sind wir Reisende und wechseln immer diese 3 Länder. Vielleicht besuchen wir auch mal ein anderes Land wie z.Bsp. die Philippinen oder Sri Lanka. Hauptsache es ist Islam freundlich.
 Ich möchte nur noch angelächelt werden und keine bösen und abwertenden Sprüche mehr hören.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Niemand von uns hat Arbeit. Aber meinem großen Sohn (21 J.) wurden in Malaysia schon mehrere Stellen angeboten, dadurch würde er auch ein Arbeitsvisum erhalten. Da wir aber zusammen bleiben wollen suchen wir noch nach anderen Lösungen. Wenn meine Jungs hier studieren bzw. zur Schule gehen würden, bekämen wir alle ein Visum. Noch haben wir uns nicht entschieden.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Wo ich wirklich alt werden will an welchem Ort genau, kann ich jetzt noch nicht sagen, dazu haben wir zu wenig gesehen. Aber ich bin mir absolut sicher, dass ich nie wieder nach Deutschland zurück will, dafür ist es viel zu schön hier und die Menschen sind so freundlich, das gibt man nicht mehr auf.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Jungs waren 20 und 15 und ich 56. Von uns will niemand mehr zurück.

Frage 11: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Angelächelt zu werden von jedem und jeden Tag. Keine unfreundlichen Worte mehr. Es gibt viele schöne Erlebnisse mit neuen Freunden oder Ausflügen an schöne Orte.

Aber die Freundlichkeit ist das, was ins Herz geht und glücklich macht- immer wieder.

Jetzt fällt mir noch ein, wie ich das erste Mal im Meer war in voller Bekleidung als Muslima und es niemanden interessiert hat , weil alle Muslime waren. Und es war am Morgen bei einem total überwältigenden Sonnenaufgang. Da stand ich tief im Wasser über mir ein roter Himmel und es liefen die Tränen vor Freude.

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Raihana Bo im Meer – Tränen vor Freude!

Frage 12: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Haha das Schlimmste was es hier gibt, sind Riesenspinnen die von Wand zu Wand springen und fliegende Kakerlaken. Sich daran zu gewöhnen fällt mir sehr schwer. Sonst habe ich hier noch nichts wirklich schlimmes erlebt. Außer Menschen die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen und teure Angebote machen , weil sie denken Europäer sind alle reich. Aber damit kann man umgehen, das ist denke ich in vielen Ländern so.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich weiß, dass viele Geschwister sich wünschen auszuwandern, sich aber nicht trauen da sie keine Arbeit haben, kein Haus oder Wohnung besitzen und meinen sie müssten sich erst etwas aufbauen. Das ist aber alles nur Dunja [Weltliche Güter, Anm. der Redaktion]. Was für mich wirklich zählt ist, dass ich hier so sein darf wie ich bin, mit Kopftuch als Muslima und das macht mich zufrieden, weil ich um mich herum Frieden habe.
Ich rate jedem: sucht nach Zufriedenheit eurer Seele, nicht nach Sicherheit- die gibt es nirgends und macht auch nicht glücklich.
ALLAH beschützt uns und nichts kann geschehen was ER nicht für uns will. ER ist der Versorger und wenn wir Ihn bitten, eröffnet Er uns Möglichkeiten, die wir nie für möglich gehalten hätten. Wir müssen nur vertrauen und Ihm folgen.
Nicht so viel denken und planen, sondern einfach tun und vertrauen.
Hätte ich alles planen wollen und wirklich nachgedacht, wäre ich jetzt nicht hier. Das ist das zweit Beste was ich je getan habe. Das erste war, Muslima zu werden.

Und ALLAH ist Der beste Planer, denn Er kennt unsere Vergangenheit und die Zukunft.

Lieben Dank für das Interview, es hat mich sehr gefreut daran teilnehmen zu dürfen. Da ich selber einen Blog schreibe weiß ich, wie viel Mühe es macht. Ich bin nicht so fleißig wie Khalisa und komme kaum dazu weiter zu schreiben, da wir viel unterwegs sind. Trotzdem würde ich mich freuen wenn ihr mal vorbei schaut.
As salamu alaikum wa rahmatuh ALLAH wa barakatuh und tschüss allen lieben Lesern von The Germali’s
Sie versucht, auf ein gemaltes Kamel zu steigen.
Raihana schreckt vor nichts zurück!
 Liebe Schwester, du hast meinen größten Respekt verdient, und bestimmt auch den unserer Leser- wir können uns alle eine Scheibe von deinem Mut abschneiden denke ich! Danke und Baarakallahu feeki für deine beeindruckenden Schilderungen. Möge Allah euch nur das Beste geben, euch reichlich belohnen und euch immer beschützen!
Wer noch Fragen an die Ukhti hat, kann sie gerne im Kommentarfeld stellen.
Bis dann (in shaa Allah),

Deine und Eure Khalisa

Hijrah nach Algerien: Das beste aus der Situation machen, und Kompromisse eingehen!

As salaamu alaikum und Guten Morgen/Tag/Abend an meine lieben Leser,
Ich habe die Ehre, euch das 1. Interview, was ich euch bereits in meinem Artikel über das Auswandern angekündigt hatte, vorzustellen. Es geht um unsere Schwester Amina, welche vor einigen Jahren schon nach Algerien ausgewandert ist (maa shaa Allah). Sie wohnt mit ihrer Familie in Tiaret, ca. 300 km von der Haupstat Algier entfernt.
Ihre Beweggründe für´s Auswandern, und mehr, erfahrt ihr nun hier!

Interview mit Amina

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Ich lebe seit fast 9 Jahren in Algerien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann stammt von hier.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ja, Beweggründe… Erstmal, dass die Kinder wegen der islamischen Erziehung keine Probleme in der Schule haben und das man hier doch besser nach dem Islam leben kann, als in Deutschland.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, bißchen Rücklagen hatten wir, alhamdulillah, aber nicht wirklich viel.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, hatte nicht wirklich Sprachkenntnisse, mir sind Fremdsprachen noch nie leicht gefallen.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Naja, meine Familie war nicht gerade begeistert, wie man sich vorstellen kann, aber es ist ja mein Leben.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, Visum brauchte ich.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann ist alhamduliLlah selbstständig.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, ich könnte mir vorstellen hier alt zu werden, ich habe gar keine Lust auf DE, wenn meine Mama da nicht wäre.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Unsere Kinder waren 6 und 1 Jahr. 

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment gehen sie noch zur Grundschule und in die Weiterführende Schule.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Der Adhan [Gebetsruf, Anm.der Redaktion].

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dieser Müll, der hier überall leider rumliegt!

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

 

Als Ratschlag kann ich nur geben… Folgt Eueren Herzen und macht die Hijrah!

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Mein Fazit:

Ersteinmal vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Teilnahme, liebe Amina! ❤
Die Bilder sind unheimlich beeindruckend wie ich finde, einfach wunderschön! Algerien erscheint mir beinahe für die Arabischen Länder das gleiche zu sein, wie die Schweiz es für Europa ist (ok, andere Größenordnung!): Wunderschöne, vielseitige Natur- für Afrikanische/ Arabische Verhältnisse sehr grün (maa shaa Allah)!
Es ist sehr bemerkenswert, dass Amina und ihre Familie mit relativ bescheidenen Rücklagen die Hijrah vollzogen haben, und dass ihr Mann es inzwischen bis zur Selbstständigkeit geschafft hat. Trotz einiger Hürden, wie das Aneignen einer komplett neuen Sprache, und ungewohnten Umständen (überall Müll!), hat sie sich nicht von der Auswanderung abhalten lassen, maa shaa Allah.
Möge Allah ihre Familie segnen und reichlichst belohnen, dass sie alles in ihrer Heimat aufgegeben haben, um ihre Religion in Ruhe auszuleben!
Von nun an werde ich jeden Freitag ein neues Interview veröffentlichen (in shaa Allah). Ihr dürft gespannt sein, denn es sind verschiedenste Länder und Leute dabei!
Bis bald (in shaa Allah),
Eure Khalisa

Hijrah- Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

„Was bedeutet das nun wieder, Hijrah?“

Mag sich der ein oder andere denken (ausgesprochen wird es übrigens „Hidschra“- aber ich finde die Englische Schreibweise schöner 🙂 ). Es bedeutet im muslimischen Kontext: Verlassen, Auswandern. Und zwar von einem nicht-muslimischen Land in ein muslimisches Land, sofern man seine Religion nicht frei ausüben kann. Denn dann wird es für jeden zur Pflicht, der in der Lage dazu ist (Fatwa siehe hier). Auch in ein nicht-muslimisches Land auszuwandern, in dem man jedoch frei seinen Glauben leben kann, wird dazu gezählt.

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Karawane (by 99traveltips.com)

Die erste Hijrah wurde von den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm) gemacht, und zwar von Mekkah ins christliche Abessinien (ganz nah an Somalia!) im Jahre 615. Mit der 2. Auswanderung im Jahre 622 nach Medina, welche der Prophet (s.a.s.) ebenfalls vollzog, fing die Islamische Zeitrechnung an.

Oha, das klingt jetzt aber nach schwerer Kost für den ein oder anderen!

Für einen Muslim, welcher seinen Glauben praktizieren will, ist das jedoch ein Traum: ein Ort, an dem er in Ruhe seine 5 Gebete in der Moschee oder am Arbeitsplatz beten kann, wo er sich islamisch korrekt anziehen kann und wo er sich mit anderen Geschwistern öffentlich treffen kann, ohne dabei direkt unter die Lupe des Verfassungsschutz zu geraten, von Leuten als Terrorist beschimpft zu werden, oder gar Handgreiflichkeiten ausgesetzt zu sein. Ja, so geht es uns nämlich in Deutschland- leider. Denn abgesehen davon lieben wir unser (Geburts-) Land, und es ist alles andere als einfach, sich irgendwo am anderen Ende der Welt zu integrieren.

Hinzu kommt, dass es in Arabischen, sogenannten Islamischen Ländern, längst nicht so islamisch zugeht, wie es sollte:

Der Glauben wird oftmals nur als Titel praktiziert, während es unter der Oberfläche fault.

Hart, aber wahr. Gerade eben wegen dieses Nicht-befolgens unserer Religion sind wir als Muslime in so einer miserablen Lage- wir haben uns quasi selbst hinein katapultiert!

Nun will und soll man also aus den Ländern raus, in denen man seinen Glauben unterdrücken muss, wenn man toleriert werden will,- doch wohin eigentlich???

Es ist weithin bekannt, dass in den muslimischen Ländern viel zu viele Rückstände herrschen, betreffend z.B.:

  • der Bildung
  • dem Gesundheitssystem
  • Korrupte Politik
  • Sauberkeit
  • Religiösität

Da ist es doch viiiiiel bequemer, zuhause zu bleiben!!!

Achja, ich vergaß beinahe, dass ich ja nicht mehr toleriert werde. Hmmm…

Gehen wir also die Länder einmal (oberflächlich) durch, dabei die Kriegsgebiete vehement auslassend:

  • Tunesien, Lybien, Jordanien– dort gibt es beinahe mehr Fitna (=Versuchungen), als in Deutschland! Denn sie wurden erfolgreich von der Kolonialzeit von ihrer Religion entwurzelt.
  • Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Oman, Qatar, Kuwait– Luxusleben möglich, aber nur für Einheimische! Für andere ist es viel zu schwierig, längerfristig dort zu bleiben, aufgrund der schwierigen Visa-Vergabe. Und selbst, wenn man dort Arbeit hat, wird auf einen herabgeschaut, sofern man nicht Einheimischer ist oder zumindest mit einem verheiratet.
  • Marokko, Ägypten, Algerien– dort gibt es wohl ein paar Ecken, in denen man Platz finden könnte, bloß mit der Arbeitsfindung könnte es schwierig werden. Und eventuell wird man dort auch verdächtigt, irgendeiner Bruderschaft anzugehören, bloß weil man Bart trägt (jetzt als Mann).
  • Indonesien, Malaysien– dort geht es sehr liberal zu, jeder wird in Ruhe gelassen, egal ob Muslim, Jude, Hindu, Christ oder gar Buddhist. Wobei man als Bartträger oder Frau mit langem Hijab wohl auch ziemlich alleine ist.
  • Was bleibt noch über? Sudan, Mauretanien und- Somalia!? Sudan hört man kaum, wie es als Auswanderland ist. Mauretanien und Somalia haben scheinbar einiges gemeinsam. Aber sind aufgrund der Armut weniger populär, d.h. man wandert dorthin wirklich für seine Religion aus, nicht um ein Luxusleben zu haben.
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Einige der Muslimischen Länder (Foto by Falk Translation)

So, das wäre ein kleiner Überblick aus meiner bescheidenen Perspektive. Welches Land würdet ihr wählen? Habt ihr genug studiert, um in eins der reichen Länder den großen Durchbruch zu schaffen, um dann Strandbilder von 1000 und einer Nacht twittern zu können?

Oftmals ist das natürlich nicht der Fall. Denn allein der Bildungsweg wird einem als praktizierendem Muslim in Deutschland und Umgebung nicht unbedingt leicht gemacht.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Sagt man so schön.

Wenn man sich also auf die negativen Aspekte des jeweiligen Landes konzentriert, wird man nie fündig, sondern man wird noch in 30 Jahren in seinem Ohrensessel hocken und die Vor- und vor allem Nachteile dieser Länder studieren.

Man sollte sich also eines klar machen:

Es gibt kein perfektes Stück Land auf dieser Erde!!!

Selbst der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte einst zu seinem Gefährten Ibn`Umar:

Sei in diesem Leben, als wärst du ein Fremder oder ein Durchreisender.'“
Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wenn du den Abend erreichst, dann erwarte nicht, den Morgen zu erreichen, und wenn du den Morgen erreichst, dann erwarte nicht, den Abend zu erreichen. Nimm von deiner Gesundheit vor deiner Krankheit und von deinem Leben vor deinem Tod.
(Berichtet von Al-Bukhari.)

Also müssen wir Kompromisse eingehen. Jedes Land hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile, welche man gut abwägen sollte, ohne sich davon entmutigen zu lassen. Denn egal, wo man in dieser Welt auch hingeht: als praktizierender Muslim bleibt man immer etwas fremd! Jedoch sollte man allein schon für seine Kinder einen Ort suchen, an dem sie in Ruhe als Muslime aufwachsen können, ohne gemobbt zu werden etc. Das ist man ihnen und sich schuldig. Und ich denke, in jedem der genannten Länder gibt es Orte, an denen dies mehr oder weniger möglich ist.

Aber wohin denn nur?

Natürlich ist es immer besser, in sein ursprüngliches Heimatland (oder das des Ehepartners) auszuwandern, ganz klar. Wenn dieses jedoch zur erst genannten Kategorie oder gar eines der Kriegsgebieten gehört, oder wenn beide ursprünglich europäisch sind und keine Wurzeln in eines dieser Länder haben, so muss man sich klar machen, dass die Welt größer ist als dieses eine Land! Siehe im Qur´an:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“(…).

(Sure An-Nisaa (4) :97)

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo Leute gar keine Möglichkeit haben, diesen Schritt zu tun (z.B. schwere Krankheit, hohes Alter). Jedoch sollte man ehrlich zu sich sein: habe ich wirklich keine Möglichkeit, in dieser weiten Welt einen besseren Platz zu finden, oder ist es nur meine Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Verlust, was mich davon abhält?

Und in Anbetracht der riesigen Belohnung, sollte man in der Lage sein, ein paar (weltliche) Kompromisse einzugehen.

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie (es) nur wüßten!

(Sure An-Nahl (16):41)

Was ist schon das Diesseits gegen solch ein Versprechen unseres Schöpfers? Und wenn Ihm die Welt etwas bedeuten würde, meinst du wirklich, Seine Gesandten und Propheten hätten in so einer Armut und Bescheidenheit gelebt?

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So, was hat das nun alles mit diesem Blog zu tun?

Mögt ihr euch vielleicht fragen. Zu allererst hat die Gründerin dieses Blogs Hijrah nach Somalia gemacht (alhamduliLlah). Zudem ist es eins der Ziele dieses Blogs, andere zu dem gleichen Schritt zu motivieren (in shaa Allah). Von daher ist dieses Thema unabdingbar 🙂

Meine Geschichte, wieso ich mich ausgerechnet für Somalia entschieden habe, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es gibt aber auch zahlreiche Schwestern und Brüder im Glauben, die sich für eins der anderen Länder entschieden haben. Ihre Beweggründe und mehr, das wollen wir in einer neuen Reihe in unserem Blog klären. Wie? Indem wir sie einfach fragen! Ganz bald schon werdet ihr  (in shaa Allah) in den Genuß einiger Interviews kommen, die ich mit Geschwistern von verschiedensten Ländern dieser Welt durchführe. Jedesmal werde ich auch einen kurzen Vergleich zu meinem Hijrah- Land Somalia ziehen, so dass auch immer der Bezug zu unserem Blog bestehen bleibt.

Ihr dürft also mindestens genau so gespannt sein, wie wir es sind 🙂

Möge Allah allen Muslimen, die es auch wirklich wollen, die Hijrah ermöglichen und möge Er allen, die diesen Schritt bereits getan haben, standhaft darauf machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Falls du jemanden kennst, der Hijrah gemacht hat und mitmachen würde, oder falls du selber schon Hijrah gemacht hast, zögere bitte nicht, uns zu kontaktieren!