Reisebericht Teil3: Zwischenstation in Hargeisa oder die Ruhe vor dem Sturm!

Nach der Tagesreise von Garowe nach Hargeisa hieß es, wir könnten nicht sofort weiter reisen, sondern müssten mindestens zwei Tage und Nächte im Hotel verbringen. Das war sowas von nicht geplant, da unsere Zeit und unsere Finanzen dahin zu schmelzen drohten. Zudem graute es mir davor, all unsere Kinder im „Gefängnis Hotel“ bespaßen zu müssen, welche doch einfach zu viel Energie für ein Hotelzimmer hatten.

Aber nun gut, was sollte ich machen? Wohl einfach eine Scheibe von der Somalischen Gelassenheit abschneiden und aufessen! Also sagte ich mir innerlich: lebe im Hier und Jetzt und denke nicht weit im Voraus, denn es kommt sowieso immer anders als du denkst!

Immerhin hatten wir ja schon den 1.Schritt geschafft: von unserem Zuhause weg zu kommen!

Das Hotel- Gefängnis oder Spielplatz?

An diesem Morgen schliefen wir richtig schön aus. Sobald die Kinder aufwachten, machten sie sich an ihr neues Lieblingsspielzeug heran: den Aufzug im Hotel! Das nächste zu entdeckende Highlight war außerdem das Zimmertelefon, mit dem man die anderen Hotelbewohner nerven konnte! Um sie zu beschäftigen, funktionierten wir dann noch die große Zusatzmatratze in eine Rutsche um.

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Das ging ja schon „gut“ los, dachte ich mir…  Gott sei Dank ergab sich später wie von selbst eine Lösung für diese Probleme: den Kindern wurde ein Gruselvideo gezeigt, in dem einer Person die Hand abfiel, weil sie versucht hatte, den Aufzug aufzuhalten. Außerdem wurde an ihren Verstand appelliert: was könnte man tun, wenn der Strom ausfallen würde, während man im Aufzug drin steckt? Von da an liefen sie brav die Treppen rauf und runter oder fuhren nur mit uns zusammen. Zudem gingen die Zimmertelefone für eine Weile zum Hotelpersonal. Zugegebenermaßen etwas radikale, jedoch effektive und notwendige Maßnahmen.

Auf der Suche nach Frühstück…

Wie das nun mal so ist, meldete sich bei uns der Hunger. Sollten wir unser Geld für teures Hotelessen verschwenden, oder einfach mit Brot. Schoko und Marmelade vorlieb nehmen? Wir entschieden uns für Letzteres und so zog ich mit ein paar der Kinder auf, um Frühstück zu besorgen.

In Hargeisa war alles etwas anders, sogar der weiße Sand, welcher einem das Laufen erschwerte.Wo war denn das Meer überhaupt, der Zwillingsbruder vom Sand? Fragte ich mich. In Garowe hingegen ist es nämlich viel steiniger und weniger sandig, eher staubig. Auch die Tierwelt ist anders: in Hargeisa stehen und laufen überall Esel herum, sie werden sogar als Transportmittel benutzt. Bei uns in Garowe sind diese eher eine Seltenheit- dort sieht man überall Ziegen und Schafe, aber weder Esel noch Hunde. Ja, letztere gibt es sogar auch in Hargeisa, wonach unsere Kinder ganz aufgeregt Ausschau hielten! Auch die Fahrzeuge fuhren extrem schnell, so dass man kaum die Straße überqueren mochte- wie es sich für eine riesen Stadt eben gehört.

…und eine Überraschung

Nachdem wir endlich den Supermarkt gefunden hatten, fiel unseren Kleinen direkt das Beste überhaupt ins Auge: Überraschungseier!! Natürlich bettelten sie mich an, diese sofort zu kaufen, zumal sie diese nur von Youtube kannten! Nachdem ich dann auch noch den Rest zusammen hatte, ging es ums bezahlen. Wir waren es gewohnt, das Geld vom Handy direkt zum Shop zu senden (solch ein fortschrittliches System in Somalia!?!). Doch wie zahlten wir nun? Würden sie unsere Golis-Karte aus Puntland akzeptieren? Und wie viel Dollar ist doch gleich der Somaliländische Schilling Wert? Anscheinend viel mehr, als der Somalische Schilling, was uns aber nur noch mehr verwirrte. Letztendlich gaben wir dem jungen Mann an der Kasse unser Handy, welcher schon etwas genervt erschien (er jammerte über Kopfschmerzen- so etwas würde ein Puntlander nie öffentlich tun ;-)), damit er sich sein Geld selber überweist. Geht doch!

Nun fehlte uns nur noch Brot. Eine vermeintliche Bäckerei stellte sich als Restaurant heraus, also gingen wir einfach zur nächstbesten Bude. Haben Sie Brot? Da hielt uns die junge Dame eine lange Stange entgegen. Aha, hier gibt es sogar Baguette Brot! Unsere 16 Jährige hatte nun wieder Kommunikationsprobleme- anscheinend redeten sie hier wirklich einen starken Dialekt! Auch ich verstand beinahe nur Bahnhof. Aber am Ende kauften wir immerhin 4 lange Baguette-Stangen und zeigten den anderen im Hotel stolz unseren hart ergatterten Fang. Dieser sollte sich als ungenügend herausstellen- denn Brot mit Nutella. Marmelade oder Thunfisch, oben (bzw. unten) drauf noch eine Art Buttercreme, das war für unsere Kinder wie Kuchen essen bei Oma, und dementsprechend auch ratz fatz alle! Nicht, dass wir diese Sachen in Garowe nicht hätten. Außer dem Baguette Brot ist all dies auch vorhanden, bloß zu anderen (teureren) Preisen und somit ist es für uns ein nicht alltäglicher Luxus, etwas Besonderes fürs Wochenende. Nun kamen unsere Kids aber in den Genuss, also mussten noch ein paar mehr Stangen herhalten.

Krümmelmonster in Sicht!

Nachdem wir unser Zimmer später wie Krümmelmonster dem Hotelpersonal überließen, gingen wir alle aufs Dach-Restaurant. Von dort hatten wir die beste Aussicht über Hargeisa! Es war sogar schon Mittagszeit und von überall ertönte der Gebetsruf, wenn auch etwas verzerrt durch den starken Wind. Hargeisa ist aufjedenfall um einiges grüner als Garowe, die Leute hier können sich wirklich glücklich schätzen, maa shaa Allah!

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Überall grünt und sprießt es in Hargeisa!

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Hier entstand auch dieses Selfie von mir.

Verpatzte Siesta

Etwas später nahmen wir eine Kleinigkeit zu uns und alle gingen auf ihre Hotelzimmer, um die Somalische Tradition der Siesta nicht zu verpassen. Unsere Größte hatte die Kleinen schon zu Bett gebracht (welch ein Vorteil, eine Großfamilie zu haben!), also wollte ich mich auch auf den Weg begeben. Da stellte sich allerdings heraus, dass mein Zimmerschlüssel von einem unserer Mädels verlegt wurde, da sie beim Zimmerumzug half und die schlafende Truppe sicherheitshalber von außen eingeschlossen hatte. Also nichts da mit Nap, nun hieß es, Schlüsselsuche! Wir hatten uns vorher darauf geeinigt, uns von 3 auf 2 Hotelzimmer zu reduzieren- eins für die großen und kleinen Männer und eins für die Mädels unter uns. Daher mussten wir alle 3 Zimmer nach dem Schlüssel durchsuchen, den wir letztendlich auch fanden. Nun war es jedoch zu spät für mich und meine Siesta: die ersten Kiddies wachten schon wieder auf!

Immerhin hatten wir an dem Tag wieder lang ersehntes WLAN, welches ich 24 Stunden nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte, also vergass ich meine Müdigkeit etwas beim herum surfen und Messagen. Ja, alles gut, wir sind gut angekommen- nein, nicht in Deutschland, sondern erstmal in Hargeisa 😉

Somalische Verwandtschaftsbande

Am späten Nachmittag kam auf einmal Besuch in unser wieder voll gekrümmeltes Zimmer (peinlich! aber wieso stellen die in Hotels nie einen Besen zur Verfügung?). Aha, diese Frau, welche etwas älter war als mein Mann, war also seine Großnichte. Zur Nachhilfe: die Tochter der Tochter seiner Schwester. Oder kurz gesagt: ihre Großmutter ist die (älteste) Schwester meines Mannes. Kapito? 😀 Ja, ich würde mich jetzt auch am Kopf kratzen, wenn ich nicht schon an Somalische Verwandtschaftsbande gewöhnt wäre!

Jedenfalls gingen wir mit der lieben Großnichte und ihrer Tochter auf das Dach-Restaurant und eröffneten eine Tee-Runde, welche ich durch Kaffee genüsslich ergänzte. Ja, es ist etwas ungewohnt, dass man in Somalia eine Frau Kaffee trinken sieht (und das auch noch ganz offiziell), doch ich darf mir so was ja erlauben- schließlich bin ich keine Somalierin 😉

Ich erinnerte meinen Mann, dass wir unbedingt einen Wasserkocher benötigten, um hier im kalten Hargeisa überhaupt mal duschen zu können. Während man Abends in Garowe die idealste Temperatur hat und man sich in T-Shirt aufhalten kann, war es in Hargeisa schon übelst kalt für unsere Verhältnisse, sodass wir unsere Jacken heraus kramen mussten. Was denkt ihr dann, wie kalt das Wasser war? Die Nichte wollte sofort los, um diesen Wasserkocher zu besorgen. Ich ergriff die Chance, um mal etwas von der City zu sehen und ging mit ihr.

City-Trip- eine willkommene Abwechslung

Draußen machten sich meine Augen auf die Suche nach ihrem Auto. Wir steuerten allerdings schnurstracks auf einen der ziemlich maroden Autobusse zu. Ahhh, wir mussten also die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen!? Bismillah und einsteigen hieß es auch schon. Der Fahrer schien erst mal den Bus nicht an zu kriegen und rollte einfach ohne Motor schon mal los, bis es doch noch an ging. Sichtlich angespannt erzählte ich  meiner Verwandten, dass es das erste Mal für mich war, dass ich in so einem Teil durch die Gegend fuhr. In Garowe bin ich bisher nur selber Auto gefahren oder als Beifahrerin und nur manchmal hat es mich in eine Rikscha verschlagen. Aber nun gut, diese Erfahrung sollte ich nun halt auch machen! Ich bereute nur, dass ich meine kleine Tochter mitgenommen hatte in dieses Chaos.

Es war schon richtig dunkel, als wir im Zentrum von Hargeisa ankamen. Ich zückte schon mein Handy heraus, um diesen Moment für euch festzuhalten. „Vorsicht, mach hier bloß keine Fotos- das Handy wird dir weggerissen!“ Oha, also war diese Großstadt auch noch gefährlicher als Garowe! Zu meinem Erstaunen sah ich kurz darauf 4 Asiaten unbehelligt durch die Straße laufen. Meine Verwandte meinte noch zu mir, dass diese wohl so richtig über den Tisch gezogen werden, sobald sie einen Laden betreten würden. Traurig, aber wahr. Ich hielt meine Tochter fest wie an kurzen Zügeln, während sie bemerkte: „Mama, die Leute in Hargeisa mögen wirklich Musik!“. Kein Wunder, denn schon zum 3. mal fuhr ein Auto mit Schindarassa-bum durch die Gegend. Noch so ein Unterschied zu unserer Gegend, wo man so etwas kaum antrifft.

Beste Preise

Wir passierten zig Melonen-Stände, welche hier zu Spottpreisen verkauft werden (Vergleich: ein Wassermelone in Garowe kostet 5-10 Dollar, in Hargeisa 1-2!), bis wir in das Herz des Zentrums eindrangen: dem Markt! Dieser war überwältigend voll für diese Zeit und man konnte dort wirklich ALLES finden. Auch unseren heiß ersehnten Kocher und sogar Kindersocken, die wir ebenso benötigten. Ich zückte mein I-Phone, um zu bezahlen, aber denkste! Nicht mit den Somali’s! Sie bezahlte peinlicher weise alles für mich und meinte, ich würde für sie das Gleiche tun, wenn sie zu uns kommen würde. Das liebe ich so an den Somali’s: ihre Großzügigkeit!

 

Ab und zu „durfte“ ich dann doch noch ein paar Fotos machen und hatte wieder etwas Neues zu entdecken: der Sohn unserer Verwandten wurde eben zum Friseur geschickt, und der Friseur kam mit Feuer auf ihn zu gelaufen. Schau mal, was der da macht! Sagte ich zu meiner ganz amüsierten Verwandten, die mir erklärte, dass damit nur die Bakterien von der Schere verbrannt werden würden. In der Zwischenzeit hatten wir Zeit zum quatschen, so gut es eben ging mit meinen Somalisch Kenntnissen.

In der Rush-Hour ist nicht zu spaßen

Bald darauf machten wir uns dann auf den Heimweg, bzw. auf die Suche nach einem Bus. Wir hatten wohl die Rush-Hour der Nachhause-Gänger erwischt. Jedenfalls war es ein Rufen und Schimpfen, zeitweise wirkte es etwas bedrohlich. Busfahrer wollten uns überzeugen, ihren Bus zu wählen. Letztendlich fanden wir einen, der sogar innen richtig kitschige Buntlampen installiert hatte. Bloß weg hier von diesem Chaos!

In dieser Nacht schlief ich mit der Vorfreude auf den nächsten Tag ein, denn unsere Verwandte wollte uns zu sich nach Hause laden, also endlich weg aus diesem Hotel!

Ein Tag voller Freude und Erholung

Am Vormittag des nächsten Tages holte die Großnichte uns auch schon ab- mit dem öffentlichen Bus, versteht sich! Aber tagsüber ist das etwas ganz anderes. Unterwegs kauften wir Wassermelonen und kamen schließlich an ihrem Haus an.

Unsere Kinder konnten ihren Augen kaum trauen- was sie da direkt neben dem Haus der Verwandten sahen, haute sie fast um vor Freude: ein Riesenrad!!! Oha, da hatte ich die Großnichte am Tag zuvor sogar richtig verstanden- sie hat einen Spielplatz direkt neben ihrem Haus!

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Das Riesenrad als beliebtester Nachbar (man schließe die Augen vorm Müll).
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Unsere Ruhe-Oase für diesen Tag

Erstmal hieß es aber, rein ins Haus und auf ein köstliches Mittagessen warten. Es war so gemütlich in diesem Haus, dass wir direkt einschliefen. Die Reise steckte uns noch immer in den Knochen.

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Nachmittags ging es dann endlich los: auf zum Spielplatz! Was wir dort sahen, beeindruckte Groß und Klein: dieser Spielplatz war nicht wie unser kleiner Spielplatz in Garowe, sondern für Somalische Verhältnisse wie ein riesen Kirmes-Platz! Wir mussten nur für die Hälfte der Kinder Eintritt zahlen, und schon ging es los: schaukeln, wippen, rutschen, was das Zeug hält.

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Mein „Kollege“ im Kinder bespaßen und ich 🙂

Kinderträume werden wahr!

Kurz darauf kam natürlich, was nicht zu vermeiden war: die Kinder wollten unbedingt auf’s Riesenrad! Wir organisierten extra Geld und so wurde es extra für uns angemacht. Für unsere Kinder wurden an diesem Abend Kinderträume wahr!

 

Beim Riesenrad blieb es natürlich nicht- die Kinder wollten auch auf ein echtes Karussel und das riesengroße Schaukel-Schiff! Und das Beste: ich musste mit auf Letzteres, damit meine Kleine auch drauf kann! Ich hatte etwas Respekt davor und so setzte sich meine Co-Schwester neben meine Tochter. In der letzten Sekunde setzte ich mich dann aber doch noch rein. Warum auch nicht!? Es wurde ein riesen Spaß und der Besitzer achtete extra drauf, uns nicht zu hoch hin und her schwingen zu lassen. Aber die Menge rief, „noch höher, noch höher!“, bis wir fast auf unseren Köpfen standen.

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Im Karussel-Flow!
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Die Schiffsschaukel in action.

Es geht weiter!

Um 20:30 war es dann aber höchste Zeit, Abschied zu nehmen, denn überraschenderweise sollte es am nächsten morgen ganz früh weiter gehen- und zwar ins Flugzeug, nach Äthiopien! Die Stimmung war ausgelassen und die Kinder so k.o. zugleich, wie schon lange nicht mehr. Gott sei Dank schafften wir nach einem flinken Abendessen noch den (Bus-) Weg zum Hotel.

Wie unsere Reise weiter ging und was uns in Äthiopien erwartete, erfahrt ihr (in shaa Allah) im nächsten und zugleich letzten Teil. Macht euch auf etwas gefasst!

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

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Somalia- für Frauen gefährlich!??

In diesem Artikel spreche ich ein paar etwas heikle Themen an, auf die mich ein Spiegel Online- Artikel gebracht hat: demnach soll Somalia auf Platz 5 der für Frauen am gefährlichsten Länder stehen. Warum und wieso, und ob diese Beurteilung berechtigt ist, werde ich versuchen, hier zu untersuchen. Nachdem ich mir hefitge Kommentare eingeheimst hatte, habe ich den Artikel nun etwas überarbeitet und nochmal doppelt und dreifach betont, dass ich gegen jede Art von Diskriminierung und Verstümmelung an Frauen bin! Ich hoffe, jetzt haben es alle verstanden 😉


„Wo es für Frauen am gefährlichsten ist“

So lautet der Titel besagter Artikel der Spiegel Online, der über eine interationale Studie berichtet, welche sich mit den für Frauen gefährlichsten Ländern befasst. Somalia sei nach Afghanistan, Kongo, Pakistan und Indien auf Platz 5.

Mich hat dieser Bericht und die Studie nachdenklich gemacht. Warum? Weil ich mich als Frau hier relativ sicher fühle (Alhamdulillah). Es sei denn, nachts- aber zu dieser Uhrzeit ist es wohl fast überall nicht empfehlenswert, allein herum zu laufen. Und weil die Frauen hier so unheimlich vor Selbstbewußtsein strotzen (maa shaa Allah). Außerdem sind sie es, die hier in ihren Familien das Sagen haben.

Natürlich bin ich nicht das Maß der Dinge, an dem man solch eine Studie ausmachen kann. Also forsche ich und frage ich mich ein bisschen herum. Lebe ich in einem anderen Land? Denn ich wundere mich über die Aussage von Marian Qasim, der Frauenministerin Somalias, welche in dem Artikel ihre genau gegenteilige Verwunderung über den 5.Platz Somalias´zum Ausdruck bringt:

„Ich bin überrascht, dass Somalia nicht ganz oben auf der Liste gelandet ist, sondern nur auf Platz fünf!“

Dann fährt sie hinfort:

„Das gefährlichste, was einer Frau in Somalia passieren kann, ist schwanger zu werden“, sagte Qasim. Ihre Überlebenschancen stünden dann fünfzig zu fünfzig, es gebe keinerlei Betreuung vor der Geburt. „Es gibt keine Krankenhäuser, keine Versorgung, gar nichts.“

Das ist meiner Einschätzung nach wirklich übertrieben. Es mag sein, dass Frauen, die als Nomadinnen leben oder auch in kleinen Dörfern, keine Krankenhäuser zur Stelle haben. Aber das ist wohl überall in Afrika so, das macht es nicht gleich zu einem der gefährlichsten Länder! In den Groß- und Kleinstädten hingegen gibt es sehr wohl Krankenhäuser.

Selbst in Qardho, einem laut Wikipedia 300,254 Seelen Dorf, gibt es ein Krankenhaus mit gutem Frauenarzt. Ich musste damals auch ein paarmal dorthin. Damals war der Arzt sogar aus Ägypten. In den großen Städten gibt es auch kostenlose Krankenversorgung für diejenigen, die sich den Gang zum Arzt und die Medikamente nicht leisten können.

Hier in Garowe gibt es mehrere Frauenärzte, darunter eine, die ich sehr bewundere. Selber hat sie nie Kinder bekommen, jedoch hilft sie nun unglaublich vielen Frauen bei ihren Problemen. Patienten, bei denen sie den Anschein hat, sie können es sich nicht leisten, behandelt sie einfach ohne Bezahlung (maa shaa Allah, moege Allah sie reichlich belohnen). Bei ihr arbeiten Tag und zur Not auch Nachts professionell ausgebildete Hebammen (sie werden hier in einer Uni ausgebildet).

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Frauenarzt und Augenarzt Klinik

Außer dem Krankenhaus, bei dem man gebären kann, werden die Babies hier mithilfe einer erfahrenen Geburtsbegleiterin zur Welt gebracht. Selbst meine Schwiegermutter hat allen Verwandten bei der Geburt geholfen, sogar einmal ganz cool die Nabelschnur von dem fast erstickten Baby entfernt. Ok, diese Somalischen „Dawlas“ haben nicht wirklich medizinisches Fachwissen, dafür aber zahlreiche Erfahrung. Und die Frauen bekommen hier Kinder „ohne Ende“ (maa shaa Allah). Es mag tragische „Unfälle“ geben, aber das macht bestimmt nicht 50 % der Mütter aus!

Schauen wir also weiter, was in dem Artikel noch als große Gefahrenquelle für Frauen in Somalia gesehen wird:

1. Vergewaltigungen

Man kann nicht verleugnen, dass es sie nicht gäbe- leider kommt so etwas selbst an Orten vor, an denen man damit nicht rechnet. Aber es ist bei weitem nicht so eine hohe Zahl wie in Amerika, welches in manchen Listen der „Top 10- Vergewaltigungsländer“ auf Platz 1 steht (hier): 1 von 6 Frauen wird dort zum Opfer von solchen Schandtaten. Selbst Deutschland ist kein Land, in dem man davor sicher ist: Laut einem Bericht gibt es dort mehr Vergewaltigungen als in Indien! Allein im Jahre 2010 wurden in Deutschland laut dem Bundeskriminalamt 9,4 Fälle pro 100.000 Einwohner bekannt. Wenn man dies mal auf ein Jahr verteilt, so kommt man zu folgender Rechnung:

Lassen sich 489 Fälle, wie sie in Delhi geschehen, auf eine Vergewaltigung alle 18 Stunden hochrechnen, so ergibt die gleiche Rechnung für Deutschland eine Vergewaltigung alle 68 Minuten!

Länder wie Schweden und Frankreich sind sogar noch schlimmer betroffen. Man sollte also nicht so stark auf andere zeigen, wenn man doch die gleichen Probleme gleich oder verstärkt in seinem Land hat (ohne es verharmlosen zu wollen)!

Beim durchforsten dieser Listen bin ich leider oftmals auf sehr rassistische Seiten gestoßen, bei denen alle Schuld dieser Taten den Ausländern- ja, speziell den Muslimen!- in die Schuhe geschoben wird. Ist ja klar. Ich glaube, ich muss hier nicht erläutern, dass diese Gräueltaten im Islam verboten sind und man die Religion nicht an ihren Gefolgsleuten messen kann. Meißtens sind solche Leute fern von der Religion entfernt, sonst würden sie so etwas nicht tun! Und selbst bei Extremisten wie die von IS, die solche Taten mit der Religion begründen, beruht solch ein Vorgehen viemlehr auf Unwissenheit in dieser als auf Glaubenspraktizierung. Möge Allah uns alle rechtleiten und vor solchen Schandtaten beschützen!

2. Genitalverstümmelungen

Dies ist eigentlich Thema nummer eins, wenn es um Frauen in Somalia geht. Dazu muss man erwähnen, dass es bei der Beschneidung Unterschiede gibt. Genauer gesagt gibt es 4 verschiedene Arten des „Female genital cutting“ (FGC). Dabei distanziere ich mich ganz klar von den letzten 3 Formen.

Die schlimmste Art der Beschneidung, bei der die ganze Vagina, also alles äußere entfernt wird, nennt man in Somalia „Fir´aun“. Das heißt soviel wie „Pharaonische Beschneidung“ und weist auf den Ursprung dieser Verstümmelung hin: nämlich aus der Pharaonen- Zeit! Sie hat also nichts mit dem Islam zu tun und ist pure Verstümmelung.

Dann gibt es noch 2 andere Arten der Beschneidung, die zwar nicht das ganze Geschlechtsteil entfernen, aber ebenfalls unislamisch und zu verurteilen sind,

Die einzige Art der Beschneidung, die islamisch vertretbar ist, ist die erste, mindere Art der Beschneidung, wobei nur ein etwa Erbsengroßes Stück der Klitoris- Vorhaut entfernt wird.

Der Prophet Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) hat diese kulturelle Tradition nämlich eingeschränkt, indem er sagte:

„Reduziere es nur geringfügig und überschreite nicht die Grenze (…).“

Abu Dawuud, Sunan, Buch: Manieren, Nr.5271

Diese und andere Aussagen zeugen davon, dass diese Tradition im Islam zwar geduldet wird, jedoch nur als Option und nur mit extremen Einschränkungen! Die drei letzten Formen sind jedoch ausdrücklich schädigend und zu verurteilen!

Beschneidung- (k)ein Islamischer Brauch?

Erstens ist dieser Brauch keine Erfindung der Muslime. Der Ursprung der Beschneidung ist vielmehr in der Zeit des Pharao´s zu finden.

Zweitens wird es generell in Afrikanischen Ländern praktiziert, ganz gleich welcher Religion sie angehören. Selbst manche Nicht- Muslime praktizieren diesen Brauch heutzutage (natürlich nur in der 1.Form, die auch im Islam geduldet wird) und versprechen sich davon hygienische und andere Vorteile. Dies bestätigten ein paar Ärzte und ist ganz schön auf dieser Seite zu finden. So wird dort folgend zitiert

C.F. McDonald stellt in einem 1958 veröffentlichten Papier mit dem Titel Circumcision of the Female[11] fest: “Wenn der Mann die Beschneidung für Reinheit und Hygiene benötigt, warum nicht die Frau? Ich habe vielleicht 40 Patienten operiert, die diese Behandlung nötig hatten.” Der Autor sagte, es heile „Irritationen, Juckreiz, Erregbarkeit, Masturbation, Häufigkeit und Dringlichkeit“, und Smegmaliths, die “Dyspareunia und Frigidität” verursachen.

Vaginale Verstümmelung- ein Brauch der ungebildeten Schicht

Die extremen Formen der Beschneidung (Typ 2-4) werden trauriger weise noch zu häufig durchgeführt- gerade in den ländlicheren Gegenden. Vereinzelt sogar auch noch in den Städten, wobei dort meißtens nur die harmlose Form praktiziert wird. Die Mütter, die trotz etwas Bildung diese Schandtat an ihren Töchtern durchführen, kennen es wohl selber nicht ander, kommen also aus ländlichen Gegenden. Für sie gehöre es eben zum Frau sein dazu. Vielleicht haben sie auch Angst davor, die Mädchen könnten im Pupertätsalter zu schnell „flügge“ werden, wenn sie so viel Gefühle für das andere Geschlecht haben. Da gibt es natürlich „bessere“ Methoden, dass die Mädchen nicht schon soviel mit Jungs abhängen: zum Beispiel den Iman (Glauben) mit nutzvollem, liebevoll beigebrachten Wissen zu stärken und sie so moralisch zu stärken.

Undifferenzierte Berichterstattung

Laut internationalen Studien sind wohl 98% von Genitalverstümmelung betroffen, wie auf Seiten wie hier zu lesen sind. Bei solchen Studien wird aber meißtens nicht zwischen den verschiedenen Arten der Beschneidung differenziert. Wenn man das tun würde, käme man sicher auf ein komplett anderes Ergebnis.

Der Trend geht nämlich eher dahin, dass die Leute aufgeklärt werden und zumindest die extremen Formen der Beschneidung unterlassen: sie wissen um die Risiken und Nachteile, die es für die Mädchen hat und dass es selbst islamisch gesehen nicht erlaubt ist. Zudem wird es von den jüngeren Männern auch eher vermieden, eine „beschnittene“ zu heiraten . Dass sie größtenteils die harmlose Sunna- Beschneidung praktizieren, kann man ihnen nicht vorwerfen, da diese Art ungefährlich ist.

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3. Begrenzter Zugang zur Bildung und medizinische Versorgung

Auf die medizinische Versorgung bin ich ja schon eingegangen. Natürlich gibt es in 10- Seelen- Dörfern kein Krankenhaus. Jedoch in den Städten Gott sei Dank schon. Vielleicht gibt es hier auch keine Osteopathen oder Physiotherapeuten, jedoch die Grundversorgung ist gewährleistet alhamduliLlah.

Zu dem Thema Bildung muss ich ebenfalls auf die Differenzierung hinweisen. Leider ist es schon so, dass ein Großteil der Kinder keinen Zugang zur Bildung hat. Das liegt aber daran, dass sie in Dörfern oder komplett auf dem Land wohnen. In den Städten widerum ist es nicht der Fall. Dort gibt es eine große Auswahl an Schulen, die entweder Englisch- oder Arabisch-Somalisch geführt werden. Ich habe selber nicht erwartet, dass hier wirklich die Mehrheit der Kinder zur Schule gehen, selbst die Mädchen! Bloß die Bauernfamilien, Kinder aus Nomadenfamilien und aus Flüchtlingslagern haben leider nicht die Gelegenheit richtige Schulen zu besuchen. Oftmals besuchen diese einfach Qur´an- Schulen, in denen sie Arabisch schreiben und lesen lernen, um den Qur´an selbstständig lesen zu können.

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Schulmädchen auf dem Weg von/zur Schule

4. Wirtschaftliche Faktoren

Die letzte Gefahr für Frauen stellt laut Spiegel Online die Armut dar. Das kann man wohl nicht abstreiten, wobei es in anderen Ländern, in denen es solche Flüchtlingslager gibt, sicher ähnlich ist.

Inwieweit stellt die Armut jedoch eine Gefahrenquelle dar? Das wird in dem doch recht oberflächlich gehaltenen Bericht nicht erwähnt. Aber man kann sich vorstellen, dass mit wenig Wasserreserven auch die Hygiene leidet und es zu mehr Krankheiten kommt, wie Cholera, welche dann auch tödlich enden können, sofern sie nicht sofort behandelt werden. Dies ist aber nicht nur für Frauen gefährlich, sondern für alle unter Armut leidenden Menschen.

Flüchtlingslager
Eins der vielen Flüchtlingslager

In Somalia gibt es auch ein paar Organisationen, die Vergewaltigungsopfern helfen möchten und sie finanziell unterstützen. Das wird leider von einigen ausgenutzt, indem sie sich als Opfer darstellen, nur um ihr Überleben zu finanzieren.

Eine bemerkenswerte Geschichte, die mir kürzlich erzählt wurde:

Ein Mann ging zu einer dieser Organisationen, die Vergewaltigungs-Opfern helfen. Was auch immer er dort machen wollte, ist nicht klar und tut nichts zur Sache. Jedenfalls sah er auf einmal die Frau seines Freundes dort! Voller Scham schaute er auf den Boden. Sobald er draußen war, rief er seinen Freund an und bekundete sein Beileid. „Wie, was ist passiert?“ fragte der ganz außer sich. Als er erfuhr, wo seine Frau gesehen worden war, ließ er seine Arbeit stehen und fuhr sofort nach Hause. Seine Frau wartete schon auf ihn. Etwas aufgebracht fragte er sie, was passiert sei, und warum sie ihm nichts erzählt hatte. Seine Frau musste lachen und sagte: „Weißt du denn nicht, dass meine ganze Nachbarinnen dort hin gehen, um etwas dazu zu verdienen!??“

Traurig aber wahr, wird solche Hilfe eben leider auch ausgenutzt und so ensteht für außenstehende und Organisations-Mitarbeiter ein falsches Bild von der Zahl der Vergewaltigungs- Opfer. Aber wenn man ums tägliche Überleben kämpfen muss, ist das irgendwie noch verständlich, dass sie solche Angebote für ihre Zwecke (aus-) nutzen.

Fazit

Ich möchte mit diesem Beitrag auf gar keinen Fall bestehende Gefahren für Frauen in Somalia bestreiten oder gar verharmlosen. Dennoch bin ich es Leid, dass Somalia immer so extrem einseitig dargestellt wird- als ob eine Frau hier kein normales Leben führen kann! Anhand solcher Studien, die ihren Umlauf in die ganze Welt machen, werden solche undifferenzierten Daten freigesetzt, welche der Weltbevölkerung ein dementsprechendes Bild in ihren Köpfen verankert.

Ja, es gibt Vergewaltigungen, Verstümmelungen, begrenzte Schulbildung und andere Nachteile durch Armut in diesem Land, leider. Und es gibt diesbezüglich noch viel zu tun, benötigt noch viel mehr Aufklärung und Unterstützung.

Wenn man jedoch andere Länder genauer unter die Lupe nimmt, sieht es da längst nicht (viel) besser aus. In Südafrika zum Beispiel werden ab Sonnenuntergang die Bürgersteige hoch geklappt, aus Angst vor den ganzen Überfällen etc.

Was bestimmt noch nirgends erwähnt wurde: Frauen in Somalia haben sogar im hohen Alter das Recht, dass ihre Kinder für sie sorgen, und sich bestens um sie kümmern! Sie werden nicht wie (meißtens) im Westen in Altersheime gesteckt- nein, vielmehr sind sie die Queens in der Familie, auf deren Ratschlag jeder hört!

Ich hoffe, ich konnte euch ein etwas differenzierteres Bild über die Situation für Frauen hier in Somalia aufzeigen.

Möge Allah alle Menschen und besonders Frauen vor allen Übeln beschützen und ihnen ihre jeweilige Situation erleichtern, amiin.

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

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2. Teil Eid: Unser Ausflug ins Grüne

Jetzt ist es beinahe schon zu spät für einen Eid-Bericht, jedoch möchte ich euch den 2.Teil unseres Eid-Tages nicht vorenthalten und wie versprochen mit euch teilen. Diesmal wird es einfach Bilder geben mit etwas Erklärung dazu, denn ich bin mitten in den Vorbereitungen meiner Deutschland Reise. Ja, richtig gehört, ich werde nach 3 Jahren wieder etwas Deutsche Luft schnuppern und freue mich schon unheimlich darauf!

Nun aber zu dem 2. Teil unseres Eids. Wie ihr euch erinnern könnt, war bei uns Erwachsenen in der Mittagszeit etwas die Luft raus und die Stimmung mies. Dann entschieden wir uns jedoch, unseren Kindern zuliebe den 2.Teil des Tages auch zu einem wunderschönen Eid Tag zu machen. Aber wohin bloß? Die Kinder wollten gerne zum Ausflugsziel Nr.1, Dareeyle, welches ein Wasserbett hat und einen kleinen Spielplatz hat. Sie packten schon ihre Wechselsachen, denn sie wollten auf jedenfall im Wasser planschen!

Während wir sehr spät dran waren mit unserem Mittagessen und es schon Assr (Nachmittag) wurde, fiel uns ein, dass Dareeyle viel zu voll sein wird. Wir würden halb Garowe dort antreffen. Also entschieden wir uns, einfach daran vorbei zu fahren und ein paar Meter weiter an eine hoffentlich einsame Stelle auch etwas Wasser vorzufinden.

Mein Mann gab uns seinen Pick-up und 2 Soldaten zur Verfügung. Schließlich braucht sein Auto ja Schutz! Scherz- da er nicht mit uns kommen konnte, wollte er uns in Sicherheit wissen. Meine Co-Schwester names Sagal fuhr den Pick-Up und ich den Familienbus.

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Schickes Gebäude auf unserem Weg

Sie fuhr so rasant und überholte sogar gefährlich große Lastwagen, da blieb mir nichts anderes übrig, als Bismillah zu sagen und hinterher. Ich sagte zu unseren Kindern: „Hooyo fährt heute wie Aabe!“ Aber die hatten ihren Spaß. Das Tacho zeigte schon auf 80 Kmh, was für hiesige Landstraße recht schnell ist. Fährt man schneller, hat man nichts mehr unter Kontrolle, wenn Gegenverkehr kommt.

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Nach ca. 2 Kilometern fuhren wir im rasanten Tempo an der Dareeyle vorbei. Kurz darauf kamen wir schon an die Stadtgrenze- 2 blaue Türme, die das Ende der Stadt symbolisieren.

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Das Ende der Stadt Garowe

Wir wurden etwas langsamer. Wohin? Sagal bog auf einmal nach rechts ab, einfach in die wilde Natur. Grölen und Nörgeln seitens der Kinder- was wollen wir denn hier? Wo ist denn hier Wasser? Tatsächlich gab es dort nur Büsche und sandigen Boden!

Also fuhren wir wieder zurück, und bei der erstbesten Möglichkeit bogen wir links ab und fuhren auf grüne Bäume zu. Da müsste es doch etwas Wasser zum planschen geben! Schließlich kamen wir an ein Flußbett an. Alle raus! Okay, zugegebenermaßen war das Flußbett beinahe trocken. Aber besser als nichts!

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Es gibt nichts Schöneres als in der Natur zu sein!
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Wir überqueren das trockene Flussbett.
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Schnell hinterher! Mein Sohn wird von seinem Bruder nachgebracht.

Auf der anderen Seite war es wunderschön grün, was hier echt etwas besonderes ist. Also gingen wir alle rüber. Unsere Soldaten sprachen mit dem Mann, der dort anscheinend arbeitete. Daraufhin öffnete er eine Art Tor und hieß uns Willkommen.

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Ups, schön aufpassen!

Ich gab unserer großen Tochter meine Kamera, während ich selber mit meinem Handy Photos machen wollte. Das nimmt einem den Druck, jeden guten Moment einfangen zu müssen!

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Wir fotografieren uns gegenseitig 😀

Der Mann stand uns Rede und Antwort zu all unseren Fragen. Zu sehen bekamen wir Dattelbäume, Zitronenbäume und „Raqey“, Tamarind-Bäume. Tamarind ist in der Somalischen Küche sehr beliebt, da es einen würzigen, leicht säuerlichen Geschmack hat. Wenn ihr es einmal danach googlet, werdet ihr entdecken, wie gesund das Zeug ist!

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Tamarind Baum

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Der Gärtner oder Bauer gibt uns Tamarind zum probieren. Mir ist das so pur viel zu sauer. Ich liebe es eher als Getränk: Ein Glas Wasser, Tamarind und etwas Zucker und Salz dazu- mmmmh!

Weiter ging es zu seiner Hütte- eine Wellblechhütte, die gerade genug Platz zum schlafen und etwas Verstauraum bietet. Vor der Hütte sehe ich eine typische Teekanne und einen Topf. Was der Gärtner wohl hier kochen würde? Frage ich Sagal. Diese übersetzt direkt „Meine Freundin möchte wissen….“. Sagal!! Sag doch nicht, das diese Frage von mir kommt!!! Aber schon geschehen. Der Mann schien sogar ein paar Wörter Englisch zu verstehen und war ausgesprochen offen. Er sagte, dass er in seiner Hütte Grundnahrungsmittel verstaut hätte und dann Reis mit z.B. frisch vom Beet gepflückten Spinat essen würde. Oha, ein Zwangs-Vegetarier! Scherz beiseite, ich war wirklich beeindruckt von dieser einfachen Lebensweise. Selbst an diesem besonderen Tag lebte er hier ganz allein.

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Der Bauer vor seiner Hütte gibt uns Rede und Antwort.
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Die Kochstelle

Er erzählte uns auch, dass ihn einmal eine Schlange biss. Darauf hin trank er ganz viel Zitronensaft und wurde ganz schnell wieder fit. Zitronen sind nämlich die besten Bakterienkiller, sollen sogar 10.000 mal stärker wirken als die Chemotherapie!

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Unsere Helferin mit Zitrone und  Tamarind

Zwei Tage später fand er dann die 2 Löcher, in der die Schlange rein und raus schlich, und tötete sie.

Er hatte noch eine andere Gruselgeschichte auf Lager: einmal wurde an dem Ort eine Frau gebissen. Da sie zu der Zeit jedoch ihre Periode hatte, starb die Schlange an ihrem Biss. Mmh, interessant! Irgendwie wurde mir jetzt anders zumute, als ich so durch´s hohe Gras lief.

Also besser Themawechsel: „Sind die Zitronen hier denn biologisch oder werden sie gespritzt?“ ist meine nächste Frage. Er holt ein weißes Pulver aus seiner Hütte heraus und meint, wenn er das in die Erde gibt, würden die Zitronenbäume innerhalb 3 Tagen hoch wachsen. Zudem werden die Bäume mit Anti-Insektenspray besprüht. Na toll! Das sind also die Zitronen, die wir nach einmaligem Waschen mitsamt Schale in den Mixer schmeißen und daraus so leckeren Zitronen-Saft machen! Und das jeden Tag!! Hoffentlich ist das Vitamin C stärker als die Pestizide…

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Pulver, welches die Bäume zum wachsen bringt.

Nun zeigte er uns noch einen Dattelbaum, deren Früchte jedoch noch nicht reif waren.

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Baby-Datteln

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Außerdem wollte er uns irgendwo weiter weg noch Spinat zeigen. Jedoch wurde uns das etwas ungeheuer und wir verabschiedeten uns lieber. Unsere Soldaten mitsamt unseren Söhnen hatten sich nämlich unbemerkt verdünisiert, wir waren also nur Frauen und Mädels. Wir bedankten uns freundlich bei ihm und wollten gehen. Da kam er auch noch mit einer Frage heraus, die ihn sicherlich die ganze Zeit beschäftigte. Er fragte Sagal: „Ist sie deine Freundin?“ Mit „sie“ meinte er mich. Da sagte sie ihm schonungslos die Wahrheit: „Nein, wir haben beide den gleichen Mann!“. Damit machten wir uns dann auf den Weg. Er folgte uns noch bis zum Tor und fragte eine unserer Helferin, ob das wirklich stimmen würde, was er soeben gehört hatte. Das gab ihm sicher Denkstoff für die nächsten Jahre, in seinem einfachen Leben 😀 Er schaute uns noch eine ganze Weile hinterher.

Übrigens wird dort das Wasser mit einer kleinen Pumpe hervorgeholt. Durch das Flußbett ist das Grundwasser in gut erreichbarer Nähe, daher brauchten sie nur ein etwas größeres Loch buddeln und den Schlauch der Pumpe einführen.

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Die kleine Wasserpumpe

Nachdem wir über das trockene Flußbett drüber und das andere Ufer hinauf liefen, machten wir es uns auf unserem typisch Somalischen Flecht-Teppich gemütlich und aßen unsere mitgebrachten Kekse und Somalische Halwa. Wo war eigentlich der große Eimer voller salzigem Gebäck für das wir extra Ketch-up gekauft hatten? Oh nein, hatten wir das tatsächlich vergessen?

Egal, es war auch so schön relaxed, bis auf den Sand, der einem in die Augen wehte. In der Natur kam uns die gute Laune wieder zurück, alhamduliLlah, und wir scherzten herum.

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Picknick in der Natur

Dann wurde es schon dämmerig und wir fuhren nach Hause. Unsere Kinder hatten doch noch einen wunderschönen Ausflug erlebt, alhamduliLlah.

Ich hoffe, ihr hattet auch einen schönen Eid-Tag und für meine nicht-Muslimischen Leser, dass sie einen kleinen Eindruck bekommen haben von einem besonderen Tag in Somalia 🙂

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Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

Mein Eid in Somalia

In diesem Artikel möchte ich euch zeigen, wie ein Eid in Somalia aussieht. Wie ihr wahrscheinlich wisst, haben Muslime zwei riesen Feste (so wie die Christen Weihnachten und Ostern)- das Erste im Jahr ist Eid-ul Fitr, das Fest des Fastenbrechens. Es findet am Ende des Ramadans statt und wird durch die Mond-Sichtung bestimmt. Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, verschieben sich die jährlichen Termine immer um ca. 10 Tage.

Wo ist der Mond?

Am letzten Tag im Ramadan stellt sich die große Frage: „Ist morgen Eid oder müssen wir noch einen weiteren Tag fasten?“. Jeder hält nach der Mondsichel Ausschau. Ich helfe Shakila, unserer Helferin, auf unser Dach rauf. Mit ihrer typischen Leichtigkeit flitzt sie die Leiter hinauf, um dann enttäuscht festzustellen: kein Mond in Sicht!

Also heißt es, warten und gelegentlich ins Handy gucken. Ich bin die erste, die eine Kettennachricht von Islam-study auf Whatsapp entdeckt: Yes, der Mond wurde in Saudi Arabien, den Emiraten und Australien gesichtet, also ist morgen Eiiiiid!!! Alle springen rum und jauchzen vor Freude, umarmen sich.

Allerdings scheinen wir bisher die Einzigen zu sein, die darüber Bescheid wissen. Denn in den Moscheen erklingt sogar der Gebetsruf für´s Nachtgebet, ohne irgendeine weitere Meldung. Unsicherheit beginnt. Dieses Jahr ist es besonders spannend. Dann wird sogar Tarawih gebetet. Mmmh. Ich rufe meinen Mann an, und frage ihn, ob er nicht seine Freunde in Australien und Co. anrufen könne. 5 Minuten später kommt dann die Antwort von allein: Allahu akbr, Allahu akbar, La illaha illla Llaaah! Allahu akbar Allahu akbar, wa liLlahi-l hamd! Tönt es aus den Moscheen. Diese Sätze werden -Fest über immer wieder gesungen. Juhuuu, die Freude ist riesig! Unserer Helfer, welche aus Bauersfamilien aus dem Süden kommen und noch sehr afrikanisch-traditionell angehaucht sind, fangen an, auf leeren Ölkanistern zu trommeln. Dazu tanzen die Kinder vor Freude und singen etwas passendendes dazu. Hier ein kleiner Einblick 😀

Da der islamische Tag bereits ab dem EIntritt des Abends anfängt, haben wir also eigentlich schon Eid. Bloß das „richtige“ Eid ist erst morgen, nach dem Eid-Gebet.

Letzte Vorbereitungen auf Hochtouren

Ich fange an, mit der 11-jährigen Aischa einen Schockoladenkuchen vorzubereiten, den sie sich so sehr gewünscht hat. Sie ist auch diejenige, die bis spät in der Nacht das Wohnzimmer mit Luftballons und Süßigkeiten dekoriert. Bloß brauchen wir noch Kakao für den Kuche! Also gehen wir zum nah gelegenen Supermarkt. Darin geht es schon ziemlich freudig zu: neben Eid- Nasheeds (Liedern) werden die Leute ermutigt, noch die allerletzten Besorgungen zu machen. Den Kakao haben wir nicht gefunden, jedoch Popkorn- Tüten aus Pappa, wie aus den Kinos. Und natürlich- eine Portion Eiscream durfte auch nicht fehlen 😉

Meine Co-Schwester fährt in der Zeit noch ein letztesmal in die Stadt, um letzte Besorgungen zu machen. Okay, das vorletzte mal. Im Gepäck all die anderen Kinder, die auch ins Vergnügen einer Eiscream kommen. Gott sei Dank findet sie sogar eine fertige Schocko-Kuchen Mischung. Umso besser! Die Stadt ist so voll, dass man kaum vorwärts kommt.

Überraschender Weise bekommen wir noch ein bisschen Extra Geld, wovon ich mir eine Abaya kaufen will. Nach dem Kuchen backen und dem Kinder ins Bett bringen, wollen wir also noch einmal los. Problem: meine Kleine Tochter merkt, dass ich nochmal weg möchte, und schläft weder ein, noch lässt sie mich aus ihren Armen weg! Aber länger als bis um Mitternacht konnte sie dann auch nicht wach bleiben.

Leicht ermüdet ging ich zu meiner Co-Schwester. Bestimmt sei es jetzt zu spät, und alle Geschäfte geschlossen? Nein, keineswegs- let´s go! Inzwischen ist die Stadt nicht mehr rappel voll. Dafür voller Müll, denn überall liegen die durchsichtbaren Tüten von den neuen Kleidungsstücken rum. Wahnsinn. Wo das wohl alles landet?

Wir gehen von Geschäft zu Geschäft, und werden beim 3. fündig. So viel Auswahl, so viel Farben und Glamour! So eine Auswahl an wunderschönen Festkleidern für Groß und Klein hab ich in Deutschland nie gesehen. Kommt natürlich alles aus Indien, dementsprechend auch so Farbenfroh und teilweise fast kitschig. Gut, aber ich wollte ja nur eine schlichte Abaya, ein Kleid, welches ich draußen unter dem Hijab anziehen kann. Der Preis wird 2 Dollar herunter gehandelt und dann können wir uns endlich nach Hause begeben. Aber erst, nachdem wir noch ein paar kleine Spielzeuge für die Kleinsten gekauft haben!

Um 1 Uhr nachts kommen wir erschöpft zurück. Dann muss ich enttäuscht feststellen, dass mein neues Kleid zu kurz ist. Na toll, umtauschen geht jetzt nun wirklich nicht mehr! Also muss mein alter Hijab herhalten und mein Kleid erstmal zum Schneider. Witzigerweise sind meine neuen Schuhe auch noch beim Schuster, also nichts da mit neuer Montur an Eid! Aber egal, hauptsache die Kinder tragen ihre wunderschönen Kleider und freuen sich darüber.

Für´s Henna auftragen ist es nun auch zu spät. Ich sollte nämlich alle Mädels in unserem Haus bemalen, verschiebe es jedoch auf morgen. Gerade soeben schaffe ich noch meine eigenen Hände etwas zu bemalen. Dank Youtube kriege ich genug Inspiration. Und mit einem Podcast von Laura Malina Seiler im Ohr, merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht. Um 2:30 falle ich dann halb tot ins Bett. Morgen wird ein langer Tag.

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Der Eid- Morgen

Morgens um kurz nach 5 Uhr schaffe ich es gerade noch, das Morgengebet zu beten. Wär´ ich bloß früher eingeschlafen! Während ich die anderen Kinder schon ganz aufgeregt rumwuseln höre, lege ich mich noch einmal kurz hin. Jede Minute Schlaf ist wertvoll. Dann jedoch ist es um 6:30 höchste Zeit, die Kinder und sich selbst vorzubereiten. Gemäß islamischer Tradition (Sunnah) wird noch schnell geduscht und danach „in Schale“ geschmissen. Um 7 Uhr tönt es von draußen schon überall den Eid-Gesang (s.oben). Ui, jetzt aber schnell! Wir schaffen es erst 7:30 aus dem Haus und laufen schnell zu unserer Moschee, welche maximal 5 Gehminuten von uns entfernt, und schon so richtig voll ist!

Das Eid-Gebet

Gott sei Dank sind wir noch nicht zu spät und können uns zwischen den Leuten noch einen Platz ergattern. Erst einmal müssen wir jedoch an der Schlange von Bettlern hindurch. Bei diesem Eid Fest ist es übrigens Pflicht für jeden Muslim, bzw. jedes Familienoberhaupt, eine Spende für die Armen abzugeben, die Zakat-ul- Fitr. Sie gilt als Läuterung und beinhaltet Grundnahrungsmittel für eine ganze Familie. Mein Mann verteilte am Tag zuvor ganze Ladungen an Lebensmitteln und sogar Eid-Kleidung an die Bedürftigen, auch im Namen seiner Verwandten aus dem Ausland.

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Vor der Moschee versammeln sich eine Reihe an Bedürftigen.

Die gesamte Moschee wurde eigens für die Frauen frei geräumt. Der Imam ruft noch fleißig zum Spenden auf, Spenden für Waisenkinder und den Moscheebau. Jeder kann mit seinem Handy direkt auf den Account der Moschee überweisen (ja, so modern geht es hier zu!). 5 Dollar, 20, 100…dazwischen macht er Bittgebete für die Spender.

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Der Imam sammelt Spenden vor dem Eid-Gebet.

Schließlich geht es los. Alle stehen auf und folgen dem Imam beim Gebet. Es ist ein spezielles Gebet, anders als alle anderen, und ist sehr kurz. Gott sei Dank finde ich noch einen Platz für meine Niederwerfung im Gebet. Denn meine Kleine weicht keinen Millimeter von mir, sitzt und steht also dort, wo ich meinen Kopf platzieren wollte.

Dann ist es auch schon vorbei. Während der Imam noch eine kurze Ansprache hält, wie es sich gehört, strömen die Frauen schon raus, schade eigentlich. Ein paar Verwandte begrüßen uns derweil und wir wünschen uns ein gesegnetes Fest. Dann heißt es, Schuhe wieder finden und raus.

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Wir warten noch auf den Rest der Familie und beobachten die  wunderschön angezogenen Menschen. Ein paar weitere Verwandte begrüßen uns noch. Jedoch sollte dieses Fest anders als die vorherigen sein, denn diesmal kommen sie gar nicht zu uns nach Hause und meine Lieblings-Schwägerin ist verreist. Auf einer Seite etwas merkwürdig, auf der anderen Seite eine Erleichterung, da wir sonst auch nicht mehr so eng sind. Und schließlich sind wir ja auch schon 2 Familien unter einem Dach, also genug Leute, um Spaß zu haben!

Familienfoto

Nachdem das Frühstück auf dem Feuer ist (Fleisch-Kartoffelsoße mit Brot) und die ersten Süßigkeiten verschlemmt, heißt es, noch einmal Kleider anziehen für´s Familienfoto.

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Auch eine andere Verwandte kommt vorbei, um Fotos mit dem Sultaan (mein Mann) zu machen, um sie ihrer Familie im Ausland zu zeigen. Mein Mann hat währenddessen noch ein paar andere Gäste zu unterhalten.

Shaytan ist wieder frei

Nach dem Frühstück spielen die Kinder mit ihren neuen Spielsachen, Ballons und Tröten. Die ersten gehen schon kaputt, den China-Spielzeuge sind wohl für Einmalgebrauch gedacht. Ich male in der Zeit noch den Mädels etwas Henna auf die Hände und muss dann auch schon Mittagessen vorbereiten. Keine Zeit für nichts mehr außerhalb des Ramadans, wo man wieder so oft in der Küche steht!

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Derweil merken wir auch, das die Teufel wieder aus ihren Ketten sind, in denen sie während des Ramadans lagen. Es gibt etwas miese Stimmung unter den Erwachsenen, von denen die Kinder Gott sei Dank nichts mitkriegen.

Wie wir uns wieder einfangen und den Rest des Tages zu einem Freudentag machen, erzähle ich euch im 2.Teil, in shaa Allah!

Bis ganz bald in shaa Allah,

Eure Khalisa

PS: Noch ein lustiges Video von meinen Kindern obendrauf 🙂 Allahumma baarik, möge Allah sie segnen!

 

 

Mein Tarawih-Gebet in Somalia

Eine der schönesten Dinge im Ramadan ist das Tarawih-Gebet, welches nach dem letzten Gebet des Tages, dem Nacht-Gebet, vorzugsweise in der Gemeinschaft vollzogen wird. Tarawih ist die Plural Form von „Erholung“, „Erquickung“ oder auch „Pause“. Es bezieht sich auf die Pausen, die zwischen den jeweiligen Gebetseinheiten gemacht werden, um Raum zum Gedenken und eigene Bittgebete zu schaffen und sich zu erholen.

Das Tarawih-Gebet ist keine Verpflichtung, es ist allerdings eine empfohlene Handlung, welche dem Beispiel des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) folgt. Dieser wiederholte und rezitierte den gesamten Koran im Monat Ramadan, mit Anweisung des Engel Gabriels. Dementsprechen wird auch in der Moschee jeden Abend ein Teil des Kprans gelesen, bis man am letzten Abend den letzten Teil vollendet hat.

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Tarawih-Gebet in Casablanca, Marokko. So viele Betende passsen garnicht in die Moschee!

Besonderheit des Tarawih

Wofür macht ein Muslim dieses Gebet? In der Hoffnung, dass ihm seine vorherigen Sünden vergeben werden, aber auch, um seinem Schöpfer innerlich näher zu kommen, seinen Glauben zu stärken. So versprach uns unser Prophet Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm):

 „Wer im Ramadan nachts betet, aus reinem Glauben heraus und in der Hoffnung auf Belohnung, dessen vorherige Sünden werden vergeben.“ (Al-Bukhari, 37; Muslim, 759)

Zudem wird demjenigen, der dieses Gebet hinter dem Imam [Vorbeter] bis zum Ende betet, eine Nacht voller Gebete gutgeschrieben (s. Abu Dawud 1375, u.a.)- obwohl man nur ca.1 Stunde gebetet hat!

Wo bleiben die Frauen???

Diese Frage stellt sich jetzt sicher so mancher. Denn Frauen, die werden im Islam doch unterdrückt und dürfen nicht aus ihren Häusern raus!

Wer die Vorurteile einmal beiseite legt, wird allerdings eines besseren belehrt: Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) selbst sagte nämlich:

„Haltet eure Frauen nicht davon ab, in die Moscheen zu gehen, obwohl ihre Häuser besser für sie sind.“ (Abu Dawūd (#567), von al-Albāni #515 als sahīh eingestuft)

Mit diesem Befehl wird den muslimischen Macho-Männern also verboten, ihren Frauen den Besuch der Moschee zu verwehren (Entschuldigt bitte diese leichte Ironie, benutze lediglich die Sprache der Vorurteils- Besessenen 😉 ).

Tarawih Frauen

In manchen Kulturen ist es trotzdem nicht üblich, dass die Frauen in die Moscheen gehen, dementsprechend gibt es in manchen Moscheen noch nicht einmal einen Frauenbereich. Betonung hier liegt jedoch auf Kulturen– und diese sind nicht immer Islam-kompatibel (wenn das bloß die Bild- und andere Leser verstehen würden).

Frauen haben sogar einen Vorteil gegenüber den Männern: sie müssen sich nicht neben ihren ganzen Pflichten im Haushalt und der Kindererziehung noch zusätzlich 5 mal am Tag in die Moschee zum Beten begeben. Das wäre ja ein reinster Marathonlauf für sie. Bloß davon abhalten soll der Mann sie auch nicht, wenn sie denn in die Moschee möchte. Das ist für Männer anders: die 5 täglichen Gebete sollten sie in der Moschee beten, wenn möglich. Und das Tarawih-Gebet eben auch.

Tarawih Jerusalem

Wie sieht es in Somalia aus?

In Somalia haben zumindest alle größeren Moscheen auch einen großen Frauenbereich. Denn Somalische Frauen lieben es, für das Tarawih-Gebet in die Moschee zu gehen! Und generell sind sie sehr selbstbewußte Frauen, die Zuhause das Nudelholz in der Hand haben- der Mann hat also gar keine andere Wahl, als sie gehen zu lassen 😉

Meine Erfahrung in Somalia´s Moscheen

Nach ein paar Jahren Moschee-Abstinenz (meine Kinder waren vorher zu klein, um sie alleine zu lassen) kam ich dieses Jahr endlich wieder in den Genuß. Da muss jedoch im Vorab bereits alles gut gemanaged werden: keine Zeit verschwenden beim Fastenbrechen, rein in die Klamotten und auch noch Kinder versorgen. Entweder nehme ich sie mit, oder lasse sie Zuhause bei ihrer zweiten Mutter. Ersteres hatte ich mir nach einmaligem Versuch versprochen, nicht mehr zu tun. Denn die (kleinen) Kinder sind Ablenkung für die gesamte Moschee. Auch wenn sie in den ersten Minuten versuchen, brav mit zu beten, so ändert sich das innerhalb der folgenden 50 Minuten drastisch: alles erdenkliche wird auf einmal zum Spielzeug- Wasserflaschen, Grashüpfer, und was immer sonst noch herum fliegt und liegt. Nein, da tut man sich und den Mitbetenden keinen Gefallen!

 

Auf geht´s!

Nachdem ich mich also von den Kleinen losreißen kann, geht es im Trab, bzw. fliegenden Walking-Tempo zur Moschee. Mein Tipp: am besten direkt vorher noch duschen, damit man in der Moschee nicht schweißgebadet ankommt!

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In der Moschee angekommen, zieh´ich mir schnell die Schuhe aus und spurte die Treppen hoch. Ich will ja noch rechtzeitig einen guten Platz ergattern!

In der Frauenetage angelangt, heißt es dann erst einmal tieeeef durchatmen und in die besondere Atmosphäre einzutauchen! Die 2 Sunnah Gebetseinheiten, welche man beim Eintritt in die Moschee betet, kann ich ehrlicherweise meißtens nicht mehr erreichen. Denn es geht auch schon los- Allaaaahu akbar (das ist kein Aufruf zum Selbstmord, wie in den Medien so dargestellt wird, sondern bedeutet „Allah ist Groß“ und kennzeichnet den Anfang des Gebets)!

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1.Akt: Einfindung

Alle Frauen stellen sich nach und nach in Reihen auf: Schulter an Schulter, Fuß an Fuß. Zwischendurch kommt noch jemand und achtet auf die genaue Einhaltung der Linien. In einem unvergleichbaren Gefühl der Gemeinschaft schwelgend, kann ich mich nun meinem Schöpfer und Seinen Worten in Form des Koran´s, zuwenden.

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In diesem Moment spüre ich jene Geschwisterlichkeit, die im Islam so wichtig ist, welche man heutzutage jedoch oftmals vermisst.

“Der Gläubige ist gegenüber dem anderen Gläubigen wie ein Bauwerk, ein Teil festigt den anderen.” (Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim). Eingekeilt zwischen meinen somalischen Geschwistern, fühle ich mich wirklich wie einer der Steine innerhalb der Mauer, innerhalb eines Bauwerks.

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Gläubige sind einander wie ein Mauerwerk: der eine Teil kann nicht ohne den anderen.

In den ersten Minuten muss ich mich erst in die neue Situation einfinden. Ich werde noch von so manchem Nachbar irritiert: sei es, meine hin und her schwankende Nachbarin zur rechten; die für meinen Geschmack zu laut flüsternde zur linken; oder die Ukhti vor mir, deren Gesäß mir beim wieder aufrichten aus der Niederwerfung einen Schubser gibt; oder die schönen Muster auf dem Gebetsteppich, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen; und – wenn doch bloß das Essen nicht so schwer im Magen liegen würde! Immer wieder schweifen meine Gedanken ab und ich sage mir selbst: Konzentration bitte! Durch die zum Gebet gehörenden Bewegungen fällt es jedoch wiederum leichter, diese wieder zu bekommen. Wenn ich mir dann immer wieder bewußt mache, dass dies die Worte Allah´s sind, denen ich gerade zuhöre, und ich in den Niederwerfungen meine Worte direkt an Ihn wende, bekomme ich Gänsehaut.

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Pause und ihre Nebenwirkungen

Gut, dass bereits nach 2×2 Gebetseinheiten eine Pause mit Ansprache stattfindet und danach ein Imam-Wechsel ist. Eine willkommene Abwechslung. Denn es kann vorkommen, dass man dem Ersten Vorbeter melodisch gesehen nicht so gut folgen konnte (das ist mir als ehemalige Musikerin irgendwie auch wichtig). Außerdem gibt es einem die Gelegenheit, mit seiner Nachbarin zu quatschen, als ob man auf dem Marktplatz stünde…ähmmm, nee, also es gibt einem die Gelegenheit, Kraft für die nächsten Gebetseinheiten zu sammeln, und wieder etwas dazu zu lernen.

Allerdings wird mir in diesen Predigten bewußt, was bezüglich der Somalischen Sprache noch vor mir liegt: denn ich kann zwar die Umgangssprache, aber nicht die hochgestochene, rasante Art und Weise verstehen- das Hoch- Somalisch!

Diese Pause wiederum ist für so manch eine Schwester im Glauben die erste Möglichkeit, mich ausgiebig zu bestaunen. Schließlich bin ich wahrscheinlich die erste weiße Muslima, die sie live zu Gesicht bekommt. Ich lass sie einfach und konzentriere mich auf mein Gedenken/Bittgebete.

2. Akt und Finale

Nach der Pause dann der 2. Akt. Noch einmal folgen 2×2 Gebetseinheiten, in denen nun alles rutinierter und konzentrierter abläuft. Gott sei Dank habe ich vorher noch einen Kaffee gegen die Gähneritis getrunken!

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Schließlich kommt auch schon das Finale: das Witr-Gebet, bestehend aus 3 kurzen Einheiten, mit einem langen extra Bittgebet. Das ist für mich DER Höhepunkt schlechthin: Alle heben ihre Hände, und sagen „Amiin“ zu den zahlreichen Bittgebeten des Imams. Auch wenn diese in Arabischer Sprache sind, verstehe ich doch ungefähr, um was es geht. Manchmal wollen mir die Tränen kommen, so emotional ist diese Situation. Es wird für alles mögliche gebetet, u.a. für die Akzeptanz unseres Fastens, den Eintritt ins Paradies ohne Befragung, aber auch für diejenigen, denen es nicht so gut geht.

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Somalische Frauen beim Bittgebet. Allerdings ist dieses Bild vom Eid-Gebet, also Tagsüber und noch dazu draußen (deswegen auch die Gesichtsschleier). Bloß ist die Geste die gleiche.

Big Challenge: der Ausgang

Dann ist es geschafft- ich fühle mich wie nach einer Sporteinheit im Fitnessstudio. Immerhin sind in dem Gebet einige Dehn- und Sit-up- Übungen mitinbegriffen (ohne als solche beabsichtigt zu sein), und oblgeich es vor Ventilatoren und offenen Fenstern nur so wimmelt, ist man doch schon etwas nass geschwitzt. Jedenfalls fühle ich mich einfach super danach.

Bei dem Gang raus wird es dann etwas eng. Die beste Gelegenheit, dass wirklich alle die Anwesenheit einer Weißen bemerken. Oftmals ziehe ich schon meinen Gesichtsschleier runter, um sie nicht zu sehr zu irritieren (wo ist denn bloß die äußere Hautschicht geblieben? lol). Manchmal kommt es auch zu kurzen Smalltalks, wie z.B. ein kleines Mädchen, welches mich auf Englisch ansprach und aus Amerika kam. Oder eine sehr große Ukhti, die mir den Rat gab, viele Schutzgebete auf mich selbst zu lesen. Aber generell sind sie eher reserviert und tuscheln einfach.

Fazit

Somalische Frauen sind sehr aktiv, was das Beten in der Moschee betrifft. Auch ich bin sehr, sehr froh, dass ich diese Möglichkeit habe, so oft zum Tarawih Gebet zu gehen, wie ich lustig bin. Genauso schätze ich es, in maximal 5 Geh-Minuten schon an unserer großen Moschee angelangt zu sein. Es hat einfach soooo viele Vorteile, in einem muslimischen Land zu leben, alhamduliLlah!

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Allerdings bin ich Allah auch dankbar, dass Er es uns Frauen nicht auferlegt hat, das Nachtgebet, und überhaupt alle Gebete, unbedingt in der Moschee beten zu müssen. Denn das wäre wiederum zu stressig für mich. Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass ich beim Gebet zuhause mich viel besser konzentrieren kann. Dadurch, dass ich dann selber den Koran lese, und selber bestimme, wie lang ich die jeweilige Gebetseinheit machen möchte, wie lange ich mein Bittgebet mache, und ganz alleine vor meinem Schöpfer stehe, fühle ich eine sehr innige Verbundenheit zu Ihm.

Das Gemeinschaftsgebet in der Moschee hingegen ist eine tolle Möglichkeit, wenn man ab und zu ein Bad in der Menge nehmen möchte, bzw. die „Ummah“ spüren will. Oder auch, wenn man Angst hat, nicht jeden Tag diese Energie aufbringen zu können, all das selber anzuleiten. Denn man findet schnell irgendwelche Ausreden…oder das ach so bequeme Kissen, wenn man alleine ist 😉 Das Gebet in der Moschee ist also eine wunderbare Abwechslung.

Am schönsten ist es allerdings, wenn ich hinter meinem Mann zuhause bete- was gibt es romantischeres als das 😀

Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck bekommen, wie das Tarawih von Frauen in Somalia, und insbesondere für mich als Deutsche in Somalia abläuft.

Keep going, keep praying,

Eure Khalisa

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Von der Dürre zur Regenzeit

Nun ist sie eeendlich wieder da- die Regenzeit! Gott sei Dank kann man da nur sagen- es war auch bitter nötig!

In diesem Artikel werde ich euch über die Dürre berichten, welchen Effekt sie auf mein Leben in Somalia hatte, was die Regenzeit ausmacht und was so `abgeht´, wenn es dann doch mal regnet!

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Was bedeutet Regenzeit in Somalia?

`Normalerweise´ gibt es neben den 2 Trockenzeiten auch 2 Regenzeiten in Somalia: einmal von Oktober bis Dezember, und von April bis Juni. Der Begriff Regenzeit bedeutet dann nicht, dass es ununterbrochen schüttet, sondern dass ab und zu mit Regen zu rechnen ist.

Der Begriff Regenzeit ist in Somalia ebenfalls etwas irreführend, da auch in diesen Monaten nur geringe Niederschlagsmengen fallen. Regenzeit bezeichnet in Somalia also vielmehr die Zeit, in der gelegentlich mit Regen zurechnen ist und keine anhaltenden Niederschläge, wie sie für andere tropischen Regionen kennzeichnend sind.

Quelle: Klima & beste Reisezeit – Somalia | afrika-travel.de

Je nach Monsunwinden gibt es mal mehr, mal weniger Regen. Je nach Region variiert außerdem auch die Niederschlagsmenge: während der Niederschlag im Norden bloß 50mm beträgt, so regnet es im tropischen Süden immerhin 400 mm- vorrausgesetzt, dass es keine Dürre gibt und alles „nach Plan“ läuft.

Was, wenn der Regen ausbleibt?

Die letzten Jahre regnete es allerdings vergleichsweise sehr spärlich, oder der Regen fiel völlig aus. Das endete dann auch letztes Jahr in der totalen Dürre, welche bis jetzt vor kurzem anhielt.

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Somalische Schafe auf der Suche nach Futter. Ihr sonstiger „Doppeldecker- Hintern“ ist kaum noch zu sehen.

Dürre 2017

Diese lang anhaltende Dürre brachte Land und seine Leute bis an ihre Existenzgrenze. Viele haben diese Zeit nicht überlebt. Die meisten davon, weil sie als Nomaden fernab von jeder Zivilisation lebten. Auf der Flucht in die Städte mussten so manche ihr Vieh und sogar Familienmitglieder hinter sich lassen. Darüber gibt es grausige Geschichten, die einem wirklich das Herz zerreißen…

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Dabei wollte und sollte die Welt dieses mal aufwachen, bevor es zu dergleichen Katastrophe wie 2010/11 käme: damals starben mind. 260.000 Menschen an den Folgen der Dürre, Millionen Menschen flüchteten in die umliegenden Städte (ob bei den Folgen auch die ganzen Cholera-Opfer mitinbegriffen sind, ist mir nicht bekannt). So berichtete der Tagesspiegel zum Beispiel:

Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass die Hungersnot diesmal noch verheerender ausfallen könnte als vor sechs Jahren. Sechs Millionen Menschen sind von der Hungersnot bedroht. Eine Million Menschen sind bereits auf der Flucht vor der Dürre. Bis Ende des Jahres werden es zwei Millionen sein. Und in den kommenden Monaten, wenn der Regen ausbleibt, wird eine komplette Ernte ausfallen. Die Viehbestände werden aussterben.

Tagesschau, Mai 2017

So kam es dann auch. Es regnete zwar an manchen Stellen des Landes, aber bloß 2-3 mal, was nicht mehr als ein Tropfen in der Wüste ist.

Und so sieht man heutzutage überall in den großen und kleinen Städten ganze Lager von Flüchtlingen, welche sich meißtens am Stadtrand befinden.

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Wie gehen die Somali´s mit der Dürre um?

Die Somali´s sind sehr gläubige Menschen und so sehen sie diese Zeiten der Dürre als eine Art Prüfung Gottes.

Prüfung, daher, weil Er die Menschen von ihren Sünden reinigen möchte, um sie auf eine höhere Stufe zu bringen:

Abu Huraira berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Niemals wird der Muslim Anstrengung, Krankheit, Trübsal, Kummer, Übel oder Schaden erleiden, sogar wenn ihn nur ein Dorn sticht, ohne daß Allah ihm dies als Sühne für seine Sünden zurechnet.“ (Siehe Hadith Nr.5640)

[Sahih al-Buchari, Kapitel 68/Hadithnr. 5641]

Selbst die Menschen, die Allah/ Gott am nächsten standen (Jesus und alle anderen Gesandten, möge Frieden und Segen mit ihnen sein), wurden auf´s Härteste geprüft. Daher auch der Ausspruch, dass Allah diejenigen am meisten prüft, die Er am meisten liebt!

Gott/ Allah verspricht denjenigen, die ohne zu jammern geduldig ausharren, allerdings auch eine großartige Belohnung:

Er sagt: „Und gewiß werden Wir euch prüfen durch etwas Angst, Hunger und Minderung an Besitz, Menschenleben und Früchten. Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“ Auf diese läßt ihr Herr Segnungen und Barmherzigkeit herab und diese werden rechtgeleitet sein.

 [Sûrah al-Baqarah (2): 155]

Solch eine Dürre kann also sowohl als Reinwaschung von Sünden angesehen werden, als auch als Prüfung für diejenigen, die Allah so sehr liebt, da sie Seiner Botschaft folgen, und sie auf höhere Ränge erheben möchte.

Deswegen werdet ihr die meisten Somali´s auf die Frage „Wie geht´s?“ trotz alledem „Alhamdulillah alla kulli haal!“ [Gelobt sei Allah unter allen Umständen] als Antwort bekommen.

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Zudem folgen die Somali´s im Falle von Dürre auch dem Beispiel des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm): Wenn der Regen auf sich warten läßt, werden an einem verabredeten Tag die Geschäfte und Schulen geschlossen, und die ganze Stadt trifft sich auf einem großen Platz, um für Regen zu beten. Dafür gibt es ein kurzes, spezielles Gebet, welches auch eine anschließende Ansprache/Ermahnung beinhaltet. Von Politikern bis zu den Ärmsten- alle nehmen daran teil.

Wie habe ich in der Dürre gelebt, als Westlerin?

Oftmals wurde ich gefragt, ob sich die Dürre auch auf mein Leben ausgewirkt hat. Das hat sie Gott sei Dank längst nicht in dem Ausmaße, wie es die Leute auf dem Land getroffen hat. Nein, wir haben es hier eher indirekt mitbekommen:

  • Tagsüber blieb sehr oft das Leitungswasser weg. Es kam erst Abends oder spätestens Nachts wieder, in der wir dann Bottiche mit Wasser füllen konnten. Eigentlich war ich erstaunt, dass überhaupt noch Grundwasser gefunden werden konnte, welches an die Häuser in der Stadt geleitet wurde. Das hatte für uns zur Bedeutung, dass wir für unsere Toilettengänge, Duschen, Wäsche waschen und Geschirrspülen extra Wasser aus unserem Brunnen anschleppen mussten, sobald unser Vorrat von der Nacht alle war. Nicht unbedingt eine leichte Aufgabe- gerade in der heißen Zeit- aber immer noch Luxus, wenn man mal genauer nachdenkt!
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Unser Brunnen
  • Wenn es mal ganz hoch kam, konnten wir keinen Nachschub an Brunnenwasser bekommen. Dann mussten wir einige Tage warten, bis es dann mitten in der Nacht gebracht wurde. Denn das Brunnenwasser wurde von (Grundwasser-) Reservoiren aus dem Umland geholt und wurde tagsüber den bedürftigen Tieren gegeben. In solch einem Land gibt man aber nicht so leicht auf- es gibt für alles eine Lösung (meißtens)! Oftmals haben wir dann mit dem Auto Wasser in diesen gelben Behältern von dem Brunnen meiner Schwägerin geholt.
  • Immerhin hatten wir durchgehend Trinkwasser, welches uns mit einem Tanklaster in große 100-Liter Behälter gefüllt wurde. Davon hatten wir 2, jedoch nachdem einer davon kaputt ging und der Tankwagen alle paar Tage kommen musste, hatten sie uns einen riesen Bottig gebracht!
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Unser Trinkwasser-Behälter
  • Auf dem Markt gab es zeitweise auch kaum noch Auswahl an Gemüse, geschweige denn Früchten. Da muss man sich dann mit den Hauptnahrungsmitteln begnügen. Welches Gemüse available war, variierte dann von Tag zu Tag: heute gab´s Möhren, morgen dafür Zitronen; dann keine Möhren, dafür Weißkohl, etc. Auch die Fleisch-Preise stiegen extrem (kein Wunder, wenn die Tiere wegsterben).
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An diesem Tag gab es nur 1 große Möhre. Aber man muss das Beste aus allem machen 😉
  • Einmal bekam ich leider auch einen Cholera-Fall mit: eine neue Haushaltsgehilfin, die am Morgen noch ganz fit war, begann vormittags auf einmal, sich zu übergeben. Sie meinte, dass käme vom Reinigen der Toilette und arbeitete einfach weiter. Bis sie mittags auf dem Boden zusammengeklappte. Wir dachten, es sei nur eine Magenverstimmung, gaben ihr Zitronenwasser, und wollten sie nach der Mittagsruhe ins Krankenhaus bringen. Gott sei Dank kam ihre Mutter und sie gingen ohne unser Wissen einfach alleine los Richtung Krankenhaus. Das hat ihr dann auch das Leben gesichert. alhamduliLlah: Nachmittags fand meine Co-Schwester sie halb- tot im Krankenhaus, an zig Kanülen gelegt. Immerhin konnten wir unseren Fehler wieder gut machen, indem wir ihr die Medikamente bezahlten. Cholera tritt ganz schnell auf, sobald keine ausreichende Hygiene aufgrund Wassermangel gewährleistet ist. Mann muss dann sehr schnell handeln, andernfalls ist der Tot schneller vor der Tür, als man es sich vorzustellen vermag!

Alles ist relativ!

Im Vergleich haben wir es also trotzdem noch sehr, sehr gut gehabt, Alhamdulillah! Und trotzdem lernt man durch zeitweisen Verlust von sonst so selbstverständlichen Dingen, alles Selbstverständliche wieder zu schätzen!

Was, wenn es regnet?

Wenn es dann doch mal regnet, wie in den letzten Tagen, steht das Leben hier plötzlich Kopf: Regen bedeutet gleichzeitig Schulfrei, frei von jeglichen Ausgängen, Nachhilfen, etc.!

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Generell habe ich mich deshalb öfters gefragt, ob Somali´s vielleicht aus Zucker sind, denn sobald es auch nur nach Regen aussieht, ist das Entschuldigungsgrund Nummer 1 für jegliche Aktivitäten! Nur gut, dass wir nicht im Regenreichen Deutschland leben 😉 (Wobei sich Germali-Somali´s natürlich an das Regenwetter in Deutschland gewöhnen, nehme ich an!)

Was in Deutschland „Schneefrei“ ist, heißt in Somalia „Regenfrei“

Es ist vielleicht vergleichbar mit „Schneefrei“ in Deutschland, wenn es dann (ausnahmsweise) mal so viel schneit, dass man mit Bus und Auto nicht mehr voran kommt. In meiner Kindheit war das noch Normalfall in jedem Winter. Damals konnte ich sogar noch Ski fahren auf unserer Nachbarwiese!

Aber ja, die Zeiten ändern sich, auch in Somalia! Denn so wie es heute seltener „Schneefrei“ gibt, so gibt es hier in Somalia auch seltener Regen.

Regenzeit ist Freudenzeit!

Wenn es dann also regnet, ist es, als ob ganze Kübel über einen ausgeschüttet werden- so sehr schüttet es! Dementsprechend steht draußen auch alles unter Wasser. Für die Kinder ist es der reinste Spaß- ein Bad unter freiem Himmel! Sie pitschen und plantschen, was das Zeug hält, trommeln und tanzen noch dazu!

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Zudem kommen die Kinder auf die verrücktesten Ideen, wenn sie plötzlich nicht mehr draußen spielen können: Da klettern sie einfach mal die Wände hoch!

(Nur gut, dass es hier nicht allzu häufig regnet 😉 )

Für die Hausfrauen ist es eher weniger witzig (obwohl sie sich natürlich mit freuen). Denn hinterher all die Kinder mitsamt ihrer Wäsche zu trocknen und die Böden zu reinigen, die im Null-komma-nix zur Ausrutschgefahr werden, ist natürlich mit Arbeit verbunden. Zudem fällt aus Sicherheitsgründen oftmals auch der Strom aus, sodass dies alles unter romantischen Taschenlampen-Licht vollzogen werden muss. Aber naja, so oft kommt das ja auch nicht vor!

Dieser Frieden danach…!

Wenn das Spektakel dann vorbei ist, gibt es für mich nichts Schöneres, als diesen frischen Duft von Erde, Blumen und abgekühlter Luft in mich einzusaugen, der mich doch stark an meine Deutsche Heimat erinnert 🙂

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Aktuelle Situation

Aktuell hat es hier in Garowe nun schon einige male geregnet, so dass ich es nicht mehr an einer Hand abzählen kann. Auch die anderen Teile Somalia´s sind wohl in den Genuß gekommen- bei manchen gab es sogar richtige Überschwemmungen.

Bevor es regnet, ist es immer unerträglich schwül, bis dann die große Erleichterung kommt. Es ist ebenfalls die Zeit der kleinen (harmlosen!) Insekten, Mücken und Fliegen. Um das Haus hygienisch zu halten, reinigen wir das ganze Haus mit Diesel-Wasser.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir also in diesem Jahr schon ganz gut dabei sin und HOFFENTLICH ist das noch nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer neuen Zeit ohne Dürre!

Noch hat sich die Natur, die Land- und Viehwirtschaft nicht gänzlich erholt. Das wird sich wohl erst ändern, wenn die bei Regen zeugungswütigen Kamele ihre Kinder gebären. Dann wird auch wieder die Kamelmilch und die anderen Dinge fließen, in shaa Allah. Jedoch die tausenden, welche ihre Heime und ihren Besitz verloren haben, brauchen (weiterhin) unsere Unterstützung.

Betet und spendet also alle für Somalia und all die Länder, die (noch) unter Dürre und ihren Nachfolgen leiden!

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

PS: Wer eine der vielen Hilfsorganisationen unterstützen möchte, dem kann ich die Hilfsorganisation Islamic Care empfehlen. Wir kennen sie persönlich und sie sind maa shaa Allah sehr engagiert!

Wohltätigkeit verpackt in Würde

Soeben bin ich in Facebook auf eine Geschichte gestoßen, die mich sehr berührte. Es geht zum einen um das Verhältnis, wofür wir unser Geld ausgeben, und zum anderen geht es darum, wie man spendet, ohne die Person zu entwürdigen.

Ein sehr passendes Thema für diesen Blog also- schließlich ist Somalia (zu Recht) bekannt für seine Armut.

Nun lest selbst einmal die Geschichte, dessen Autor mir unbekannt ist:


Sie fragte ihn: „Für wieviel verkaufst du die Eier?“
Der alte Verkäufer antwortete: „Ein Ei kostet 0.25 Doller, Madame.“
Sie sagte zu ihm: „Ich werde 6 Eier für 1,25 Dollar nehmen oder ich werde gehen.“
Der alte Verkäufer antwortete: „Komm, nimm sie zum gewünschten Preis. Vielleicht ist das ein guter Anfang, weil ich heute noch kein einziges Ei verkaufen konnte. „

Sie nahm die Eier und ging davon, mit dem Gefühl, dass sie gewonnen hat. Sie stieg in ihr schickes Auto und ging mit ihrer Freundin in ein schickes Restaurant. Dort bestellten sie und ihre Freundin, was immer sie wollten. Sie assen ein wenig und liessen viel von dem, was sie bestellt hatten stehen. Dann verlangtens ei nach der Rechnung. Das Essen kostete sie 45,00 Dollar. Sie gab 50,00 Dollar und sagte dem Besitzer des Restaurants, er soll das Rückgeld behalten.

Dies mag für den Besitzer ziemlich normal gewesen sein, aber sehr schmerzhaft für den armen Eierverkäufer.

Der Punkt ist, warum zeigen wir immer, dass wir die Macht haben, wenn wir von den Bedürftigen kaufen?
Und warum werden wir grosszügig bei denen, die unsere Grosszügigkeit nicht brauchen?

Ich habe mal irgendwo gelesen:
»Mein Vater hat von armen Leuten einfache Waren zu hohen Preisen gekauft, obwohl er sie nicht brauchte. Manchmal bezahlte er sogar extra dafür. Ich war von dieser Tat betroffen und fragte ihn, warum er das mache? Dann antwortete mein Vater: „Es ist Wohltätigkeit verpackt in Würde mein Kind“

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In dieser Geschichte wird uns klargemacht, wie leicht es für uns doch ist, Geld für teilweise banale, überflüssige Dinge auszugeben. Nicht, dass Essen banal wäre. Doch auch da muss man ja mit der Masse nicht übertreiben, so dass die Hälfte weggeschmissen wird. Und dann noch jemandem großzügiges Trinkgeld geben, der es nicht sooo sehr braucht, wie jemand, der fast von nichts lebt. Was sind schon 3 Euro mehr oder weniger?! Außerdem steht man dann gut dar- in den Augen der Freunde und des Lieblingsrestaurants.

Andererseits wird dann beim armen Eiermann sehr darauf geachtet, dass man jaaa nicht zuviel ausgibt: man stellt sich zwar großzügig dar, indem man ihm die Eier für einen Euro mehr ausgibt, jedoch ist dieser eine Euro nichts im Vergleich zu den 3 Euro Trinkgeld, über die man kaum nachgedacht hat.

Zuletzt möchte ich noch etwas ansprechen, was mir hier in Somalia auch schon häufig aufgefallen ist: Wie in obiger Geschichte erwähnt wird, achtet ein Vater besonders auf die Würde der armen Person, indem Dinge kauft, die er eigentlich gar nicht benötigt, und das noch zu gutem Preis- anstatt einfach so Geld hinzustrecken. Somit fühlt die Person sich nicht erniedrigt und abgestempelt- nein, sie konnte ja auch etwas zurück geben! Wer mag es schon, bloß seine Hand auszustrecken und bemitleidet zu werden?

Wie auch im Islam überliefert wurde, ist es besser, seine Kräfte einzusetzen, als dass man sich vor anderen demütigt und bettelt:

Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Daß einer von euch sein Seil nimmt, damit ein Bündel Brennholz auf seinem Rücken herbeibringt und es verkauft, und Allah dadurch sein Antlitz (vor der Demütigung) bewahrt, ist besser für ihn, als wenn er die Menschen anbettelt, die ihm entweder etwas geben oder nichts geben!

[Sahih al-Buchari, Kapitel 24/Nr. 1471]

Dazu fällt mir direkt eine Begebenheit ein, die ich letztens in der Stadt erlebte: Ich sah einen Jungen, der nicht schlecht gekleidet war, auf dem Boden saß und Schuhe putzte. Ironischerweise auch noch vor einem der Luxusläden namens „Golden Hours“, in welches er die Schuhe nach der Reinigung brachte.

Da sagte ich unserer Großen Tochter, „Schau mal, dieser Junge- anstatt zur Schule zu gehen, muss er Schuhe putzen!“ Sie sollte ein Foto für mich machen. Daraufhin erwiderte sie: „Mama, das ist doch auch eine Arbeit!“ In dem Sinne von: besser als betteln! Das brachte mich zum Nachdenken.

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Der Junge, der sich sein Leben mit Schuhputzen verdient. In dem Milchpulver-Kanister sind seine Putzutensilien.

Nicht, dass ich vorher nicht schon solche Schuhputzer gesehen hätte- die gibt es zuhauf in Somalia. Jedoch überraschte mich seine gepflegte Kleidung, da solche Jungs eher ziemlich abgenutzte Kleidung und vom Staub benetzte Gesichter haben.

gebende Hand.jpgNatürlich wäre es für den Jungen besser, zur Schule gehen zu können. Jedoch ist es für ihn weniger demütigend, etwas zu tun, um sich seinen Unterhalt zu „verdienen“, als nur am Straßenrand zu sitzen und zu betteln.

Ich hoffe, diese Geschichte hat euch auch zum Nachdenken gebracht darüber, wie ihr euer Geld ausgebt und in welcher Weise ihr spendet.

In naher Zukunft plane ich, Geld zu sammeln für solche Fälle in shaa Allah (in einer angenehmen Art und Weise). Muss nur noch die Seite dafür einrichten.

Bis dahin,

Eure Khalisa

Selbstbestimmt leben in Somalia?

Inspiration über Umwege –

In diesem Artikel wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern man als in Somalia lebende Frau eigentlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann!? Diese Frage wurde mir kürzlich von der Mutter einer Freundin gestellt- also quasi über drei Ecken. Es freut mich natürlich sehr, dass sich Menschen für das Leben hier interessieren und ihren Horizont erweitern wollen. Deswegen antworte ich direkt in unserem Blog, da es noch so manch andere(n) interessieren könnte.

„Freiheit der Welt“ als Muslima

Zunächst einmal ist die einfache und direkte Antwort auf diese Frage: Ja- man kann hier als Frau selbstbestimmt leben! Voraussetzung ist hier, dass man Muslimin ist, oder sich dementsprechend anzieht. Aber Nicht-Muslime zieht es sowieso eher woanders hin. (Und was nicht ist, kann ja noch kommen! D.h. dass die Sicherheitslage sich noch in Zukunft verbessern kann.) Diese Vorraussetzung habe ich also schonmal erfüllt (alhamduliLlah).

Ich kann hier als Muslima sogar ein selbstbestimmteres Leben führen als in Deutschland, denn dort hätte ich aufgrund meiner Bedeckung Jobchancen gleich Null! Auch was meine Freizeit angeht, fühle ich mich dort weniger wohl. Man ist dort ein Fremdkörper im Gewusel.

Hier hingegen habe ich alle Freiheit der Welt! Somalische Männer sind auch im Gegensatz zu Arabischen Männern sehr freilassend- sie lassen dich deinen Weg selber finden.

Beste Berufschancen (teorethisch)

Gerade als „Westlerin“ würde ich hier also überall einen Job bekommen. Sofern ich denn Bildung hätte. *Räusper*

Das Thema Bildung wurde mir gleich zu Beginn meiner Auswanderung vor den Kopf gehalten: Was ich denn studiert hätte? Welchen Bachelor/Master ich denn gemacht hätte? Wurde ich von meinen somalischen Nichten gefragt, die größtenteils alle gerade mitten im Studium waren. Ja, alsoooo…

Materialistisches Denken hat auch hier seine Standbeine

Dass ich mein Leben in Deutschland aufgegeben hatte, um meine Religion ruhig ausleben zu können, spielte für sie eher eine kleinere Rolle. Dass ich mein Studium der Musikpädagogik aufgegeben hatte aufgrund meines neuen Lebensweges, fand auch weniger Beachtung.

Gut, dass ich alle meine Taten tue, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen- nicht das der Leute! Denn die kann man sowieso nie alle zufrieden stellen.

Zugegeben ist es von Vorteil, etwas im Ausland gelernt zu haben, bevor man überhaupt kommt. Das würde ich auch jedem raten, sofern er/sie die Möglichkeit hat. Für mich war es damals jedoch weniger wichtig: ich hatte ja meinen Mann, der für mich sorgt, Möglichkeiten hätte ich auch nur unter erschwerten Bedingungen, und ich wollte einfach nur noch weg!

Studium in Sicht!

Sobald ich meinen Sohn in Deutschland bekam ( Ende 2012), entschied ich mich, etwas zu ändern, und einen lang gehegten Traum wahr zu machen: ich fing an der Islamic Online University an, den Islam zu studieren! Allerdings nur Stück für Stück, da ich als frisch gebackene Mutter damit beschäftigt war, mein Leben neu zu ordnen. Zudem kamen mir die Reisen nach Somalia- zurück nach Deutschland und wieder Somalia, eher ungelegen. Nach einem Jahr entschied ich mich, zu dem Education- Studiengang zu wechseln. Dort werden meine beiden Hauptinteressen gelehrt: Islam und Erziehungswissenschaften. Damit erhoffte ich mir, später in Somalia mehr bewegen zu können. Und selbst für die eigene Familie ist es von Vorteil, wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt.

Alles zu seiner Zeit!

Also hatte ich immerhin etwas gefunden. Bloß, dass es sich auf 12 Jahre hinziehen wird, bis ich meinen Bachelor in shaa Allah in der Hand halten werde, da ich nur Part-time studiere (2-3 Fächer pro Semester)! Das macht mir derzeit jedoch weniger aus. Ich habe zurzeit sowieso noch alle Hände voll zu tun mit meinen jungen Kindern und meiner großen Familie, dem Blog hier und eben meinen Studienfächern. Und wenn meine Kinder dann etwas größer sind, werde ich in shaa Allah etwas passendes arbeiten können.

Soviel zu beruflichen Möglichkeiten hier.

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Unser Hausreh/ Springbock sieht so etwas gaaanz relaxed 🙂

Wie sieht es im Privaten aus?

Da bin ich auch frei, mich so zu bewegen, wie ich möchte. Allerdings habe ich diesbezüglich nicht sooo viele Möglichkeiten, wie in Deutschland, einfach aus dem Grunde, dass ich hier weniger Freunde habe. Das störte mich anfangs gewaltig, aber seit ich Kontakte über Social Media haben kann (habe ich relativ spät entdeckt!), relativiert sich das wieder. Außerdem habe ich ja ständig Gesellschaft in Form meiner Familie, alhamduliLlah.

Der tägliche Einkauf auf dem Markt bleibt mir meißtens auch erspart, worum ich ganz froh bin (zu stressig!). Ich habe also gar nicht so die Muße, ständig irgendwo hin zu fahren/gehen, wobei es trotzdem noch genug Gelegenheiten gibt, „raus“ zu kommen.

 

Ich liebe es auch, an den Wochenenden irgendwo hin fahren: zum Spielplatz, in die Natur, einfach in die Stadt oder zum Verwandtenbesuch, so wie ich bereits in diesem Artikel beschrieb. Wenn es in die Natur geht, nehme ich die Bodyguards meines Mannes mit. Oder auch, wenn ich das Auto meines Mannes fahre, welches ein Pick-Up ist (d.h. die Bodyguards sitzen hinten auf der Ladefläche, mit den Beinen heraus baumelnd). Das aber eher, zum Schutze des Autos (und indirekt für meinen)! Denn mein Mann ist hier eine bedeutende Persönlichkeit, der schon so einige Morddrohungen von Extremisten erhielt (möge Allah ihn beschützen). Da geht man doch besser auf Nummer sicher.

Mit unserem Familienauto bewege ich mich jedoch ganz frei. Erst gestern wurde ich noch in unserem Lieblings-Supermarkt angesprochen, wie gut ich doch Somalisch gelernt hätte, dass ich sogar alleine einkaufen gehen kann 🙂 Da meinte ich nur: „Waa khasab!“ (Das Erlernen der Sprache ist ein Muss!)

 

 

Auch im Häuslichen mehr Freiheit

Unser Hof ist übrigens so groß, dass man kaum merkt, wenn man mal nicht so viel herum fährt. Denn man ist ja ständig draußen– selbst unsere Küche ist außerhalb unseres Hauses! So kann ich dort alles machen: von joggen bis hin zum Sonnen-baden.

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Zusammenfassend kann ich also sagen: ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt hier! Zwar hätte ich gerne noch so die ein oder andere Freundin von „abroad“ hier- aber was nicht ist, kann ja noch werden, so Allah will 🙂

Ich freue mich, wenn solche Fragen kommen, also scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

Thank´s for reading und see you soon (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Wochenenden in Somalia

Wie sehen sie aus? Was kann man in einem von Krieg, Armut und Dürre gebeutelten Land eigentlich vergnügungsmäßig machen? Und noch besser- was macht man ohne die ganzen Funparks, Cinemas und dergleichen?

Das könnten einige der Fragen sein, die euch bei dem Gedanken, ein Wochenende in Somalia zu verbringen, wohl im Kopf herumschwirren könnten. Fragen, die man irgendwie nachvollziehen kann! Nachdem ich die Frage, ob man überhaupt Spaß haben kann bzw. moralisch gesehen darf, bereits in diesem Artikel behandelt habe, wird es nun konkreter.

Freitag statt Sonntag

Erst einmal muss ich noch klarstellen, dass das Wochenende hier nicht wie üblicher-weise am Samstag beginnt, sondern am Donnerstag! Freitag ist dann quasi unser Sonntag. Das hat seine Wurzeln wieder einmal im Islam, alhamduliLlah. Und da ein neuer Tag islamisch gesehen schon ab dem Maghrib-Gebet (Abendgebet, ca.um 18 Uhr) anfängt, sind spätestens ab Donnerstag Abend die Cafees und Straßen übervoll. Eine schöne Stimmung (solange man nicht im Auto sitzt :-D)!

Was macht man also als Familie an solch einem Wochenende?

Tagsüber sind die größeren Kinder noch mit Lernen beschäftigt- vormittags und nachmittags gehen sie zur Moschee zur sogenannten „Halaqa“- eine Sitzung, in der sie verschiedene Themen ihrer Religion lernen. So ab 10 Jahren ungefähr können sie daran teilnehmen. Freitags kommt noch das für Männer obligatorische Gemeinschaftsgebet zur Mittagszeit hinzu- eine feierliche Stimmung, denn man hört die Freitagspredigt überall in der Stadt!

 

Für viele (nicht alle) Elternteile sind Vergnügungen mit der ganzen Familie eher kein Thema und wird nur als Zeitverschwendung angesehen. Außer Familien-Besuchen findet da nicht vielmehr statt. Kinder spielen sowieso den ganzen Tag draußen. Ab dem Jugendalter suchen sich die Teenager dann selber ihre Freizeitbeschäftigung.

Wir jedoch sind wohl etwas „anders“ als die gängigen Somalischen Familien- denn wir alle haben einen Großteil unseres Lebens in Europa verbracht. Also sind unsere Kinder es schon gewohnt, dass es zumindest am Freitag `raus geht´! Trotz der spöttischen Blicke mancher Verwandten, nehmen wir uns also immer etwas vor- ok, fast immer- solange kein Besuch dazwischenkommt! Denn Kinder brauchen auch mal etwas besonderes, etwas Spaß und neue Erfahrungen.

Meißtens gehen wir die Sache jedoch sehr spontan an- gemäß der afrikanischen Mentalität, entscheiden wir manchmal in letzter Sekunde, wohin es diesmal gehen soll.

Hier in Garowe gibt es leider keinen Strand, von daher stehen folgende Optionen zur Auswahl:

  • Dareeyle

Ein sehr spezieller Ausflugsort und wohl der beliebteste für diejenigen, die es sich leisten können. Es liegt ca. 3 Km von Garowe entfernt und ist quasi unser `Strand-Ersatz´: denn es hat das ganze Jahr über mehr oder weniger Wasser, also ein Flußbett. Selbst in der Dürre-Zeit gibt es dort Wasser, auch wenn es eher größeren Pfützen gleicht, die von laufendendem Wasser sauber gehalten werden. Dementsprechend `schwimmen´ unsere Kids dort gerne.

 

 

 

Zudem haben sich die Eigentümer dieses Stück Landes etwas ganz besonderes ausgedacht: sie haben ein Restaurant in traditioneller Weise aufgebaut- d.h. in typischen Somalischen Hütten kann man seine leckere Speise zu sich nehmen, oder einfach nur Eis essen und „Caano Shah“ (Gewürztee mit Milch) trinken. Dadurch wollen sie an die Somalische Tradition erinnern, denn einst lebte ein Großteil der Bevölkerung so- als Nomaden. Ich kann sagen, es gibt nichts gemütlicheres als so eine Hütte! Mit Teppichen ausgelegt und Kissen ausgestattet, ist es einfach super bequem und kuschelig! In diesem Ort wurden traditionelle Hütten mit moderner Technik ausgestattet: Lampen und Ventilatoren.

 

 

Wer lieber draußen unter freiem Himmel speisen möchte, kann das ebenfalls auf chick eingerichteten Plätzen tun, umgeben von Mango-Bäumen und anderen Beeten, wo das Gemüse frisch angebaut wird. Dort haben sie sogar Springböcke herumlaufen- so wie wir (wir haben 2)!

 

 

Neuerdings kann man dort auch einen Festsaal mieten, der wirklich sehr schnieke eingerichtet ist. Wir waren einmal Spaßeshalber drin.

 

 

Nebenbei gibt es dort auch einen Spielplatz, der früher 1 Dollar pro Kind gekostet hat, inzwischen jedoch frei ist, da nur noch die Hälfte der Spielsachen heile ist (typisch Somalia- die kaputten Sachen werden einfach als kaputt hingenommen, anstatt sie zu reparieren!).

 

 

 

  • „Dschibigelle“

Keine Ahnung, was der Name eigentlich bedeutet, jedoch ist dies eine Zitronenfarm, die seinesgleichen sucht. Die Zitronen sind eher Limonen, da sie recht klein sind.

Diese Farm ist etwa 5-10 Km von Garowe entfernt (grob geschätzt), und man muss schon ein Mittagessen vor Ort einplanen, damit es sich lohnt. Denn dort gibt es auch eine Art Hütte- auch wenn sie eher wie ein Haus gebaut ist, bloß rund. Sehr gemütlich mit Teppichen und Arabischen Sofas´ausgestattet, kann man dort nach Voranmeldung ein eher typisches Land-essen einnehmen: Reis/ Pasta mit Fleisch.

 

 

Danach kann man sich die Kilos ablaufen mit einem Spaziergang durch hohes Gras und zwischen Zitronen- und Guavenbäumen hindurch. Wenn man an der Quelle dieses fruchtbaren Bodens ankommt, wundert man sich: dies alles wird hervorgebracht bloß aufgrund eines einfachen, etwa 10 Meter tiefen Loches, von dem das Grundwasser mit einer Maschine hochgepumpt wird (finde das Foto leider nicht mehr)! Dahinter liegt ein trockenes Flußbett, was die Nähe zum Wasser erklärt. Aber wirklich erstaunlich, was man mit ein bisschen Wasser so anstellen, bzw. aufbauen kann!

  • Spielplatz

Ab und zu geht es für uns auch einmal auf den einzigen Spielplatz mitten in Garowe: hinter einem Fußballplatz, denn man überqueren muss, liegt ein schöner Spielplatz. Unzählige Rutschen, Schaukeln, Wippen und sogar ein Trampolin gibt es dort. Wobei die Rutschen aufgrund des Plastikmaterials sich leicht elektronisch aufladen, so dass man sich beim Auffangen von Kleikindern leicht mal einen Stromschlag einfängt. Eintritt ist ebenfalls 1 Dollar pro Kind, so dass dieser „Luxus“ leider nur etwas besser verdienenden Familien vorbehalten ist.Öffnungszeiten sind i.d.R. nur Donnerstags und Freitags.

 

 

 

  • Natur, Berge

Unsere Alternative zu allem vorherigen sind die Berge, welche die Stadt Garowe umgeben. An die höchsten haben wir uns noch nicht getraut, die sind etwas weiter weg (wenn auch in Sichtweite), aber so die nah gelegenen haben wir alle schon bestiegen. Für die Kinder ist es das reinste Vergnügen, und uns großen tut es auch gut. Wenn wir oben angelangt sind, gibt´s einen Wettbewerb: wer kann seine Steine weiter werfen? Ehrlich gesagt sind die Kinder da erfolgreicher als wir großen- sie haben einen athletisches Naturtalent 🙂

 

 

  • Sonstiges

Ansonsten kann man auch einfach in die Stadt fahren, Softeis essen, Chips oder sonstiges Schleckerzeug. Ja, sogar Lamachun soll es hier geben! Eines Abends leisteten wir uns einen Besuch in einem Restaurant, um Pizza zu essen. Das ist eher etwas besonderes hier und wurde von einer aus Schweden zurückgekehrten Somalierin eröffnet. Vielleicht mussten sie die Zutaten erst noch frisch kaufen. Jedenfalls mussten wir gefühlte 5 Stunden warten, bis das allerdings sehr leckere Essen zu uns kam: 3 große Pizzen, 3 kleine Pommes mit Getränken an die 80 Dollar! Naja, da gehen wir doch lieber in die Berge oder machen unsere Pizza selbst 😉

 

 

Für die Jugend bzw. die Jungs ist das tägliche Highlight das Fußballspielen. Fußball wird hier auf jeder freien Fläche gespielt- zwischen den Häusern, neben dem Friedhof, draußen in der Natur, oder- wer es sich leisten kann (1$ Eintritt) in einem der „Stadions“. Nicht weit weg von uns ist eins dieser Stadien- mit Fitnessclub inkulsive (da ging mein Vater gerne hin). Die haben eine unermüdliche Energie! Selbst im Ramadan, wo die Spieler den ganzen Tag gefastet haben, kann man sie bis 3 Uhr Nachts spielen hören (Ob sie dann zum Nachtgebet auch noch fit sind? Allahu ahlem!). Manchmal geht es auch emotionaler zu: wenn um einen Pokal gekämpft wird. Oder beim Straßenfußball: die Jungs legen ihr Geld zusammen, und der Sieger bekommt das ganze Geld als Preis. Das geht manchmal leider auch bis zum letzten Blutstropfen.

Aber Fußball-Scouter würden hier sicher fündig werden- egal ob auf dem Fußballfeld oder für Leichtatlethik- das liegt den Somaliern einfach im Blut!

 

Mädchen treffen sich lieber zum ausgehen, Eis essen, shoppen, usw. Sie lieben es auch, sich chick zu machen wie die Hijab-Models, und Fotos zu schießen- allerdings zuhause. Denn für sie ist die islamische Bedeckung der beste Schutz hier.

Was noch zu erwähnen ist? Das dies bloß ein paar Beispiele sind für all das, was man in Somalia so „anstellen“ kann! Denn natürlich ist Somalia größer als Garowe!! Speziell in den Städten, die am Meer liegen, hat man noch einige Möglichkeiten mehr… aber ich zeige euch eben anhand von meiner neuen Heimat, wie das Leben in Somalia so ist.

Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck davon bekommen. Scheut euch nicht um Kommentare, Likes und dergleichen 😉

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

Spaß trotz Armut? Ethische Gedanken

As salaamu alaikum und Hallo zusammen, 

Ihr habt euch vielleicht schon mal gefragt, was man in einem von Armut, Krieg und Dürre gebeutelten Land überhaupt am Wochenende machen kann. Gibt es überhaupt etwas, was man als Familie machen kann? DARF man überhaupt Spaß haben, wenn man weiß, wie andere in derselben Stadt leiden? Diese Fragen möchte ich im folgenden Beitrag so gut es geht klären.

Ethische Frage…Darf man Spaß haben bei all dem Leid?

Das ist zugegebenermaßen eine ziemlich schwierige Frage. Es ist ja kein Geheimnis, dass es hier in Somalia sehr viel Armut gibt, gerade auch durch die anhaltende Dürre. Wie kann man also essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dass die Nachbarn vielleicht nicht 3 mal am Tag ihre Mägen füllen? Wie kann man überhaupt duschen, wo am Stadtrand die Menschen noch nicht einmal Wasser zum trinken haben? Ja, wie kann man überhaupt lachen, spielen und Spaß haben bei all dem Leid???

In einer der Aussagen des Propheten Mohammad (Frieden und Segen seien auf ihm) heißt es außerdem:

„Derjenige ist nicht gläubig, der sich satt ißt, während sein Nachbar an seiner Seite hungert.“ (Ibn Abbas; Baihaqi)

Das sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Andererseits ist die Frage, ob nicht die ganze Menschheit auf Spaß und Genuß verzichten sollte und dafür etwas spenden- solange, bis es keinen hungrigen Magen mehr gäbe !? (ich glaube, das würde dann gar nicht lange dauern) Ja, und ganz abgesehen von den unnötigen Kriegsausgaben, die man für Friedensprojekte umwandeln sollte.

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Also eigentlich müssen wir ALLE uns verantwortlich fühlen für das Leiden unserer Mitmenschen- egal wo sie nun leben auf dem Kontinent!

Auf mich/uns bezogen…

Unsere direkten Nachbarn sind weder reich noch arm. Obwohl eine Familie schräg gegenüber von uns lebt schon extrem bescheiden. Eines Tages gab meine Co-Schwester dem Sohn dieser Familie eine Tasche voll Kleidung. Denn er hatte nur eine Schuluniform. Sobald die dreckig war, lief er in normalen Klamotten herum (normalerweise nicht erlaubt). In dieser Tasche war auch eine gut erhaltene Schuluniform unserer herausgewachsener Jungs drin. Der Junge jedoch sagte: „Meine Eltern werden mir nicht erlauben, dass ich diese Kleider annehme!

Es gehört nicht zum „Stolz“ bestimmter somalischer Stämme, wie arme Leute etwas anzunehmen- selbst wenn sie es sind.

Solche Beispiele gibt es einige. Selbst einige Häuser hinter uns. Da leben aus Äthopien zugewanderte Menschen in irgendeinem Level der Armutsgrenze. Außer einem Raum mit 4 Wänden und einem Dach über dem Kopf haben sie fast nichts, d.h.gekocht und alles andere wird draußen. Das sieht man ihnen auch an. Jedoch lehnten sie jedesmal ab, wenn wir ihnen etwas zu essen brachten- selbst Möbel!

Dann wiederum gibt es die Menschen in den Flüchtlingslagern. Diese sind so riesig wie ganze Städte und an den Stadtrand verdrängt. Dort würde man dann schon tausende Abnehmer finden.

Ehrlich gesagt ist es nicht einfach, den eigenen Kindern ihre Wünsche zu relativieren mit der Begründung, dass es hier so viele arme Kinder gibt.  Erzähl deinem Kind mal „Nein, den Lolli kriegst du jetzt nicht! Denk doch an die ganzen Armen hier in der Stadt!“ Wir machen ihnen zwar schon immer wieder bewußt, dass sie nicht über´s Essen meckern sollen usw. Jedoch Kinder sind Kinder– sie haben bezüglich Süßigkeiten und Vergnügungen einen starken Willen!

Wo fängt Überfluß an, wo hört er auf?

Was nun zum Überfluß und Luxus gehört, ist wiederum Auffassungsache. Gehört dazu, dass man seinen Garten bewässert, während andere kein Trinkwasser haben? Oder gehört dazu, dass man 1 mal in der Woche die Kinder auf den Spielplatz bringt für jeweils 1 $ Eintritt? Oder dass man ihnen Fahrräder kauft?

Was für Deutsche Verhältnisse ganz normal und selbstverständlich ist, ist hier eine große Investition. Dementsprechend macht man sich seine Gedanken, ob das nun schon zu überflüssigen Luxusgütern gehört, oder ob man diese Dinge seinen Kindern ermöglichen möchte- trotz allem. Nicht einfach, dabei kein schlechtes Gewissen zu kriegen.

Jedoch ein Mensch allein kann die Welt nicht retten- dazu braucht es mehrere! 

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Reflektieren bringt neue Ideen!

Ich habe die meisten Aktivitäten für Hilfsprojekte bisher meinem Mann überlassen, der ständig aktiv ist. Aber irgendwie kriege ich ein immer größeres Bedürfnis, auch selber zu helfen. In shaa Allah eröffnet sich da noch ein Weg.

Wasser verteilen

Aufjedenfall bin ich jetzt durch diesen Artikel auf die Idee gekommen, dass wir mit unseren Kindern eine Sammelaktion machen sollten. Dann werden wir unser gesammeltes Hab und Gut persönlich (mit allen Kindern zusammen) in einem der Flüchtlingslager abgeben. Hoffentlich hat das dann auch einen Effekt auf unsere Kinder. Werde dann darüber berichten!

Lösungsvorschlag

Ich denke, man sollte sich aufjedenfall für die Armen einsetzen- egal wo in der Welt. Dabei ist besonders der Schwerpunkt auf Hilfe zur Selbsthilfe zu legen, um der endlosen Abhängigkeit ein Ende zu setzen.

Wenn man tut, was man kann, braucht man dann hoffentlich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn die eigenen Kinder dann mal einen Lolli essen oder ein Spielzeug kriegen. Denn der Verzicht wird auch nicht unbedingt an der Armut etwas ändern. Aber der bewußte Umgang mit dem, was man hat, Dankbarkeit entwickeln und sich für die Armen einsetzen schon.

AlhamduliLlah

Gerne dürft ihr weitere Ideen, Ratschläge und Kommentare hinterlassen!

Möge die Situation der Armen erleichtert werden und die Menschen drumherum wach und aktiv werden lassen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Die Frage, was man am Wochenende in Somalia so machen kann, werde ich in einem nächsten Artikel beantworten!

 

 

Leben in einer Großfamilie (Teil 3): Daily Life

In diesem Artikel beschreibe ich etwas unseren Alltag als Großfamilie in Somalia. In diesem Zusammenhang werde ich erklären, warum es für uns sinnvol ist, Haushalts-hälterinnen zu haben und die gleichzeitig auftretenden Probleme damit; auch werde ich euch zeigen, wie unser täglicher Ablauf ist, und was das A und O einer Großfamilie ist. Zuerst jedoch möchte ich folgende Frage klären:

Wie ist das Leben als Großfamilie? Hat man da noch Zeit für sich?

Dies ist ebenfalls eine der häufigen Fragen, die mir so begegnen. Zuerst einmal muss ich sagen, dass man die Kinder nicht alle aufeinmal kriegt (es sei denn, man bekommt 6-linge!).

Das heißt, mit jedem Kind wird die Arbeit, die damit verbunden ist, auch wiederum leichter.

Denn sobald sie selbstständiger werden, können sie einem auch kleinere Aufgaben abnehmen. Und zusammen die Fortschritte des Neuzuwachses bestaunen, mit ihm spielen… Ja, sogar ein einfacher Toilettengang wird dann irgendwann wieder einmal möglich, ohne dass man sich Sorgen machen muss, dass das Baby gleich aufwacht und in Panik gerät, weil niemand da ist! Also je mehr Kinder man hat, desto mehr Zeit bekommt man zwischendurch für seine Angelegenheiten (nicht nur für den Toilettengang natürlich!), auch wenn man zwischendurch natürlich sehr beschäftigt ist.

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Mama macht Pause- bei mehreren Kindern ab und an möglich! (Foto by Mamasdaily)

Ein Vergleich

Als ich mit meinen 2 Kleinkindern in Deutschland war, bekam ich aufgrund der verschiedenen Schlafrythmen meiner beiden kaum Schlaf. Hier in Somalia jedoch, wo die Älteste Schwester meiner Kinder 15 Jahre alt ist, bekomm ich manchmal sogar die Chance auf einen Mittagsschlaf, wenn nötig! Oder ich schicke sie zum gemeinsamen spielen, damit ich mal zumindest eine halbe- bis Stunde etwas lernen oder schreiben kann. Jede Minute zählt, wenn man auch noch andere Dinge im Kopf hat, so wie ich 😉 Wobei ich zugeben muss, dass die Größeren natürlich auch viel weg sind oder anderweitig beschäftigt. Also ständig frei schaufeln kann (und will) ich mir nicht!

Eine erfüllte Mutter ist eine bessere Mutter!

Schließlich geht es ja aber auch nicht darum, die Kinder soviel wie möglich abzugeben. Doch da ich meine noch nicht zum Kindergarten schicke, bin ich froh, wenn ich doch mal eine Minute für meine eigenen Dinge habe. Denn eine erfüllte Mutter ist eine bessere Mutter!

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Zeit zum Lernen- für eine Mutter wertvoll

Jeder hat natürlich auch andere Vorstellungen und Werte, was er mit seiner Zeit, seiner Familie, seinem Leben macht. Für die eine mag es genug sein, wenn sie 24 Stunden mit ihren Kindern, Haushalt und Mann beschäftigt ist. Und das ist auf garkeinen Fall weniger Wert- denn Kinder sind die beste Investition für die Zukunft! Und (qualitätsvolle) Zeit mit ihnen zu verbringen dementsprechend auch. Für die andere Mutter fehlt da etwas- denn sie fühlt, dass sie auch etwas geistige Nahrung benötigt, um innerliche Zufriedenheit zu erlangen. Das ist ebenfalls gut, denn eine ausgeglichene Mutter ist wie bereits gesagt, eine bessere Mutter! Solange sie dann ihre Kinder nicht vernachlässigt und auch genug qualitätsvolle Zeit ( mit ihnen verbringt, ist dem nichts auszusetzen.

Schließlich soll es sogar Phantasie- fördernd sein, wenn Kinder frei und gewissermaßen sich selbst überlassen spielen. Das kann man in zahlreichen Artikeln lesen, wie zum Beispiel in diesem.

Also die (Über-) Beschäftigung, die oftmals im Westen stattfindet, ist garnicht unbedingt notwendig. Das ausschließliche sich-selbst-überlassen des Kindes, wie es hier in Somalia oft der Fall ist, natürlich auch nicht. Denn etwas Erziehung braucht ein jedes Kind, wie ich auch schon in diesem Artikel erwähnt hatte.

Das A und O in einer Großfamilie?

… Ist aufjedenfall die Organisation der täglichen Aufgaben, des Haushalts.

Wir haben den Luxus, Haushaltshelferinnen zu haben, da wir eben auch noch außerhalb unserer Familienglieder Menschen zu versorgen haben. Immerhin sind wir auch 2 Familien unter einem Dach: meine Co-Schwester (auch Co-wife genannt, d.h. die andere Frau meines Mannes) mit ihren 7 Kindern und ich mit meinen 2. In Anbetracht der hiesigen Umstände lohnt es sich also aufjedenfall, Haushaltshelferinnen einzustellen. Zumal wir keine Spülmaschine haben, die einem eben mal das ganze Geschirr wäscht, geschweige denn eine richtige Waschmaschine, die man nur anmachen muss und auf die saubere, halb trockene Wäsche wartet.

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Unsere Waschmaschine, rechts daneben die gelben Gefäße, mit denen man Wasser holt, davor das grüne Gefäß. in dem man die Wäsche von der Seife auswäscht.

Die Waschmaschine, welche wir haben, wird immerhin aus Dubai anschoffiert (Kostet an die 200 US-Dollar). Da jedoch unser Leitungswasser Khareer („Bitter“, Kalkhaltig, Salzig) ist, müssen wir das Wasser extra aus dem Brunnen in große, gelbe Behälter füllen (Jirgaan, ursprünglich für Speiseöl genutzt), und dann ab damit in die Waschmaschine. Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan. Die Maschine stellt man für 2 mal für 15 Minuten ein, damit sie die Wäsche im Seifenwasser herum dreht, also wäscht. Danach muss man jedes Kleidungsstück auswringen und in einen anderen großen Bottig (im Bild grün) mit klarem Brunnenwasser rein tun. Nachdem man jedes Stück dann von der Seife rein gewaschen hat, muss man es wieder auswringen und in einen Eimer (im Bild blau) rein tun, um die Wäsche draußen aufzuhängen. Das Trocknen geschieht dann ganz von allein, innerhalb einer Stunde, so dass nur noch das Falten und verteilen der Wäsche ansteht. Capito? 🙂

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Unser Brunnen

Sauberkeit ist die halbe Miete (für unsere Gesundheit)

Hinzu kommt noch, dass man hier öfter reinigen muss, als normalerweise in Deutschland: Durch die offenen Türen, die barfüßigen Kinderfüße, die vom Hof ins Haus und wieder zurück rennen, kommt überall etwas Sand/Staub hin. Daher muss 2 mal täglich gefegt und gewischt werden (drinnen und im Hof).

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Täglich mehrmals im Einsatz; Besen und Wischer mit Eimer. Ebenso der Schlauch fürs Bewässern der Beete. Der Mauer hab ich einen neuen Anstrich verpasst!

All diese Arbeit wäre auch zu zweit kaum zu schaffen, es sei denn, man verbringt seine ganze Zeit mit Putzen, Fegen, Waschen, … nichts da mit Blog schreiben, Studieren und Kinder bespaßen!

Die Helferinnen und ihre Tücken

Eine weitere Aufgabe ist auch, die Helferinnen anzuleiten und sie vom sich gegenseitig Streiten abzuhalten. Denn sie kommen aus total ungebildeten Familien (unsere aus dem Süden), und müssen von A-Z alles beigebracht kriegen. Dabei ist so manches mal „V wie Verhalten“ ein großes Problem. Aber mit der Zeit wird es immer besser, auch lernen sie Lesen, Schreiben und Mathe in einer Qur´an-Schule. Meißtens müssen wir sie aber dann schon wieder verabschieden, wenn wir ein eingespieltes Team sind: denn in ihren Reihen heiraten sie meißtens ab 15 (wenn auch nicht mehr alle). Mehr zu diesem Thema und wieso es schwierig ist, ein richtiges Verhalten ihnen gegenüber an den Tag zu legen (wenn zu freundlich, ausgenutzt!), habe ich bereits ausführlich in diesem Beitrag geschrieben.

Der Nachteil an Haushaltshelferinnen ist: die eigenen Kinder tendieren dazu, etwas faul zu werden. Dass sie nicht einfach jeden Müll einfach auf den Boden werfen (wird ja gefegt), ihre Teller nach dem Essen in die Küche bringen, sind nur einige von den Dingen, denen man ständig hinterher sein muss.

Ordnung und Regeln müssen sein!

So eine Großfamilie braucht also auch mehr oder weniger strikte Regeln, damit sie nicht aus dem Ruder läuft, d.h. dass das daily life nicht im Chaos endet.

Wir haben schon so einiges probiert, bloß an konstanter Ausführung mangelt es noch zugegebenerweise.

Wochenplan (By Pinterest)

Eine sehr effektive Zeit war, als wir einen Wochenplan aufstellten, mit den jeweiligen Namen der Kinder und den Wochentagen. Dazu hatten wir verschiedene Symbole für verschieden Taten. Meine Idee war es, sich auf die positiven Verhaltensweisen der Kinder zu konzentrieren, anstatt sich auf Verbote zu beschränken („Du sollst nicht dies und jenes machen“, usw.).

Also hatten wir ein Symbol für´s Kleider wechseln nach der Schule, für Pünktlichkeit am morgen und nachmittag, wenn es zur Schule geht, für´s pünktliche Gebet, für´s aufräumen und zusätzliche Hilfen, ein Symbol   für´s Auslassen dreckiger Wörter, usw. Jedes Kind konnte so die Woche hindurch Punkte/Symbole sammeln. Am Ende der Woche (in unserem Fall Freitag) zählten wir die Symbole aus, welche immer eine bestimmte Anzahl an Cents Wert waren, und dann fuhren wir zum Supermarkt, wo jedes Kind sich für sein verdientes Geld Leckereien kaufen konnte (ein Dollar ist 30 Cent Wert). Das alles- von der Plan-Eerstellung bis zum Auszählen- ist natürlich etwas Arbeit, die sich allerdings lohnt. (So, vielen Dank für´s erinnern sag ich mir gerade selbst 😉 )

Wie läuft denn nun das tägliche Leben ab in Somalia?

Bei uns läuft es wohl ähnlich ab wie in den meißten Großfamilien hier, zumindest vom „Grundgerüst“ her. Eigentlich ist es nichts Spektakuläres. Doch um euch einen ungefähren Einblick zu schaffen, hier eine kleine Übersicht:

  • Morgens um ca.5:00 Uhr beginnt der Tag mit der Gebetswaschung und dem Morgengebet
  • Dann wird von manchen Qur´an gelesen, damit die Kinder ihre Hausaufgaben der Koran- Schule für den jeweiligen Tag lernen, bzw. wiederholen. Diese besteht aus 2 Teilen: einmal einigen neuen Versen, die man lernt, und zum Anderen aus dem Wiederholen des Gelernten. Die großen Jungs gehen neuerdings um diese Zeit Joggen, da sie mittags ihre Qur´an-Hausaufgaben lernen.
  • Um 6:30 stehen auch die Kleinen auf, um sich für die Schule fertig zu machen.
  • Nach dem Frühstück geht´s dann um 7:30 auf zur Schule (für die Kleinen schon etwas früher)
  • Jeden 2.Tag muss eingekauft werden- frisch vom Markt. Jedoch erspar ich mir das so gut es geht und lass das lieber meine Co-Schwester machen. Denn in der Stadt geht es etwas zu chaotisch zu für meinen Geschmack 😀 Man kann sich zwar dran gewöhnen, aber wenn man die Wahl hat…
  • Außer einer 15-Minuten Pause, in der sie sich etwas Süßes wie ein Wassereis kaufen, kommen die Kinder erst wieder zwischen 11:30 -12 Uhr nachhause.
  • Nach dem Mittagsgebet wird gegessen und ein Nickerchen gehalten. Denn dann ist es sowieso zu heiß, um etwas vernünftiges zu machen (außer im Winter). Bloß die Großen bleiben oft wach (ich auch des öfteren).
  • Nach dem Nachmittagsgebet um 15:30 gehen die Kinder zurück zum Lernen– diesesmal zur Qur´an- Schule.
  • Beim Abendgebet um 18 Uhr sind alle wieder zuhause und bereiten sich auf den Privatlehrer vor, der dann bis zum Nachtgebet um 19:30 kommt.
  • Dann gibt es Abendessen und langsam geht zu Bett (ca. 21 Uhr für die Kinder).

So sieht also ein alltäglicher Wochentag aus. Wie ihr erkennen könnt, richtet sich von den Zeiten hier alles nach den Gebetszeiten. Selbst die Verabredungen richten sich danach: „Wir treffen uns dann nach Assr!“ (Nachmittagsgebet). Das kann dann also zwischen 15 Uhr und 18 Uhr liegen. Meißtens eine halbe Stunde vor Schluß der besagten Zeit- denn man muss ja dem Afrikanischen Vorurteil gerecht werden 😉 .

Mein persönlicher Tagesrythmus

…Sieht NOCH etwas anders aus, da meine Kleinen noch nicht zum Kindergarten geschweige denn zur Schule gehen. Also schlafen meine morgens etwas länger und ich bin Abends zu gern länger wach. Denn ich genieße die Zeit für mich und bin eher der Typ Nachteule, was ich wohl von meinem Vater habe. Bloß ist das nicht so konform mit dem hiesigen Lebenstil, wo der Tag schon ab 5 Uhr morgens anfängt. Ich arbeite also dran, denn spätestens, wenn mein Sohn zur Schule muss, werde ich speziell morgens auf Zack sein müssen!

Ansonsten schaue ich, wie ich am besten meine Kinder sinnvoll beschäftigen kann und alle meine Pflichten und Aufgaben unter einen Hut kriege. Mittags koche ich, und Nachmittags gehen wir gerne mal raus. Und auch das Lernen und den Blog versuche ich irgendwie unterzukriegen, sowie etwas Sport als Ausgleich. Die Zeit vergeht aufjedenfall immer viel zu schnell.

Aufgabenteilung

Während meine Co-Schwester jeden 2.Tag den Einkauf für uns macht (was ca. 1 ½ Stunden benötigt), ist es meine Aufgabe, das Mittagessen zu kochen und die Essensverteilung mittags und Abends. Das kommt bei mindestens 20 Leuten einem halben Restaurant gleich! Und ja, ich habe tatsächlich gelernt, Somalisch zu kochen (Betonung liegt auf kochen, denn die ganzen anderen Sachen wie Anjeelo, Sabaajet usw. lasse ich lieber Andere machen)! Ab und zu improvisiere ich auch etwas Deutsches rein. Aber der Somalische Reis ist einfach der Beste!

Grundgerüst gleich, jedoch jeder Tag ist anders!

Unser Alltag mag auf den ersten Blick vielleicht etwas dröge erscheinen. Jedoch ist es wie mit Theorie und Praxis von jeglichen Plänen und Aufstellungen: es klafft auseinander! Da jeder Tag auch wiederum anders ist. Gerade durch die Aktivitäten, Reisen aus dem Nichts heraus und verschiedenen Gästen meines Mannes, hält jeder Tag eine potentielle Überraschung bereit. Zum Beispiel erfahren wir oft erst einige Minuten vorher (maximal ein paar Stunden), dass gleich ein Meeting stattfindet oder dass er verreist. Oder wir sind super vorbereitet und haben für einige Gäste gekocht, und dann kommen doppelt so viele oder sie kommen doch garnicht. Das ist wohl afrkinische Mentalität, an die man sich gewöhnen muss und die das Leben aber auch aufregend macht 🙂

Wochenenden

Der Alltag ist ja sehr geprägt vom Lernen der Kinder. Haben sie denn auch einmal frei? Bewegen sie sich überhaupt zwischen dem ganzen Sitzen? Darüber werde ich im nächsten Teil schreiben.

Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick gefallen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

Medizinische Versorgung in Somalia

Eine der vielen Fragen, die aufkommen, wenn jemand über die Auswanderung nach Somalia nachdenkt, ist sicherlich die Frage nach der Medizinischen Versorgung. Deswegen möchte ich in diesem Beitrag näher darauf eingehen.

Diese ganzen Gedanken, die einem im Kopf herum schwirren, und einen beinahe verrückt machen, kenne ich nur zu gut: Was ist, wenn mein Kind aufeinmal dies und jenes bekommt? Oder ein Notfall mit einem Familienmitglied eintrifft (möge Allah uns bewahren)? Wobei ich anfangs ja sehr blauäugig an die Auswanderung heran gegangen bin, denn da hatte ich auch noch keine eigenen Kinder. Doch sobald die da waren, kamen selbst mir manchmal solche Gedanken in den Sinn.

Dann jedoch hab ich sie verdrängt und mich damit beruhigt, dass nichts eintreffen wird, was für einen nicht schon bestimmt ist.

“Kein Knecht (Allahs) glaubt (wirklich), solange er nicht an die Vorbestimmung von Gutem und Schlechtem (in seinem) Leben glaubt und er nicht erkennt, daß das, was ihm zustößt, ihn nicht verfehlen sollte, und das, was ihn verfehlte, ihm nicht zustoßen sollte.” (Dschabir; Tirmidhi)

Außerdem habe ich mich mehr und mehr mit der Sunnah- Medizin auseinandergesetzt. Denn hier in Somalia kann man nicht bequem zu einer Heilpraktikerin gehen und sich von A-Z mit den richtigen Kügelchen versorgen lassen (habe das ja geliebt!). Nein, leider gibt es hier keine Homöopathische Medizin geschweige denn eine Heilpraktikerin. Daher ist die Sunna Medizin die einzige Alternative, die man hier zu den Chemiekeulen haben kann.

Einigen Lesern wird der Begriff Sunnah Medizin etwas Neues sein. Sie beinhaltet naturmedizinische, ganzheitliche Anwendungen aus der Zeit des Propheten Mohammed (s.a.s.), wobei einige Anweisungen direkt von ihm kamen und andere wiederum Praktiken aus seiner Zeit waren, die er ebenfalls befürwortete. Von späteren Gelehrten wie Ibnul Qayyim wurden sie in Büchern zusammen gefasst und gegebenenfalls ergänzt. Denn Allah hat keine Krankheit ohne ein Gegenmittel erschaffen!

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne daß Er für sie zugleich ein Heilmittel herabkommen ließ.“

[Sahih al-Buchari, Kapitel 69/Hadith Nr. 5678]

In Somalia hat man leichten Zugang zu vielen Zutaten dieser Sunnah- Medizin- oftmals muss man nur auf den Markt gehen dafür! Zur Grundausstattung, die fast jeder Somali in seinem Haus hier hat, gehören:

  • Echter Bienenhonig (oftmals noch mit den Waben drinnen)
  • Heil-Gewürze wie Knoblauch, Ingwer, Nelken, …
  • Für die Kenner auch Qist al Hindi
  • und aufjedenfall Schwarzkümmelöl!

Abu Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Benutzt diesen Schwarzkümmel regelmäßig, weil er eine Heilung gegen jede Krankheit ist, außer gegen den Tod.“ (Al-Buchârî und Muslim).

 

Mit Natur- bzw. Sunnah Medizin ist man hier also gut eingedeckt (alhamduliLlah). Was ist nun aber, wenn…?

Für Notfälle gibt es an erster Stelle das Krankenhaus, welches eine Notaufnahme hat. Die Einrichtung ist zwar sehr einfach, jedoch haben eine Menge Erfahrung für die wichtigsten Sachen und auch einige Maschinen, bzw. Werkzeuge.

Daneben gibt es noch zahlreiche Allgemein- und Fachärzte, die teilweise auch aus dem Ausland hierher kommen. Vom Hals- Nasen- Ohrenarzt, Augenarzt, Frauenarzt, etc. ist eine große Palette abgedeckt. Leider muss man alles selber bezahlen, denn von einer Krankenversicherung sind wir hier noch weit entfernt.

Hier in Garowe gibt es z.B. auch einen ganz bekannten Augenarzt (Dr.Abdirrizaq), der beste in ganz Puntland. Die Leute kommen manchmal von weit her, um sich von ihm behandeln oder untersuchen zu lassen (maa shaa Allah). Er hat mit seiner Frau, welche Frauenärztin ist, ein großes (grünes!) Praxisgelände, auf dem man auch Optiker, Laboratorium und Apotheke direkt vorfindet. Wie auch schon im letzten Beitrag erwähnt, behandeln sie Arme Menschen kostenlos.

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Zudem gibt es in Garowe sowie großen Städten wie Bosasso auch eine Anlaufstelle, an der Arme Leute kostenlos untersucht und behandelt werden.

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Nugaal Health Office- mit kostenloser medizinischer Behandlung

Apotheken ohne Ende

Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Apotheken, von denen es in größeren Städten nur so wimmelt! In ihnen findest du Medizin aus aller Welt- von Antibiotika, über Anti-Depressiva bis Osteocare Liquid aus Deutschland. Aber halt keine Natürliche oder sanftere Medizin. Manche Apotheken sind direkt an eine Arztpraxis angebunden, andere wiederum haben ihren eigenen Arzt oder Apotheker, der auch verarztet, Blut abnimmt, etc. So kann man, wenn man sich auf Malaria testen lassen möchte, einfach zur Apotheke gehen und sich dort testen lassen, anstatt 10 Dollar für den Arzt auszugeben,

Meine Erfahrungen

Meine Erfahrungen hier sind verschiedenster Art: leider musste ich für meine Kinder auch schon öfter auf Antibiotika zurück greifen, z.B. als mein Sohn widerholt Mittelohrentzündung hatte, Masern, oder meine Kleine Keuchhusten. Dafür könnte man zwar auch auf die Sunnah- Medizin zurückgreifen, jedoch ist nach meiner Erfahrung etwas schwieriger. Welches 2-jährige möchte sich schon den Rachen „verbrennen“ mit Qist al Hindi- einer indischen Wurzel, die zu Pulver gemacht wurde und mit Olivenöl/Honig angerichtet unheimlich brennt? Deshalb dürfen in meiner Reiseapotheke auch nie Propolis-Tropfen fehlen, die wie Antibiotikum wirken, jedoch viel gesünder sind. Die lasse ich mir bei jeder Gelegenheit immer aus Deutschland mitbringen und sie helfen sofort bei jedem Halskratzer (maa shaa Allah).

Wie sieht es nun aus mit Krankheiten wie Malaria und Cholera?

Malaria kommt leider nicht selten vor, wobei wir außer in 2 Fällen bisher davon verschont wurden (alhamduliLlah). Wenn bei jemandem unübliche Kopfschmerzen mit eventuell Wellenartig wiederkehrendem Fieber auftreten, sollte er sich sofort testen lassen. Denn je früher man behandelt, desto leichter verschwindet es auch (in shaa Allah). Üblicherweise wird in solch einem Fall mit starken Tabletten (Name ist mir entfallen) behandelt, die man je nach Schwere der Krankheit ein paar Tage nehmen muss. Aber dann geht es auch wieder (in shaa Allah).

Gegen Malaria gibt es bisher keine wirksame Impfung, und prophylaktisch zu nehmende Tabletten sind auch kein 100%-iger Schutz und nur lohnenswert (eventuell), wenn man hier Urlaub macht. Ansonsten hilft es, wenn man Mückennetze über die Betten spannt und sich mit Schwarzkümmelöl einreibt.

Es gibt eine gute Alternative zu den chemischen Tabletten, welche von der WHO zwar als nichtig eingestuft wird (damit lässt sich kein Geld verdienen!), jedoch in der Praxis schon vielen Malaria-kranken geholfen hat, zu sehen in Beispielen wie solchen. In Somalia habe ich diesen Strauch noch nicht gesehen (wäre mal ein gutes Hilfsprojekt!), jedoch kenne ich in Deutschland eine Schwester, bei der man das bekommen kann.

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Artemisia annua by Kristian Peters

Cholera kommt eigentlich mehr in den Flüchtlingslagern vor oder bei Kontakt mit diesen. Eines Morgens kam eine neue Helferin (junge Mutter) frisch und munter bei uns an, um sich vorzustellen und direkt mit ihrer Arbeit anzufangen. Ich wunderte mich schon, dass sie sich zwischendurch auf der Toilette übergeben musste. Sie meinte, das läge daran, dass sie diese zu reinigen hatte.

Keine 4 Stunden später lag sie auf dem Boden vor Schwäche. Wir sagten ihr, sie solle sich hinlegen (ihre Mutter, die kam, ebenfalls) und wenn die Mittagspause um ist, würden wir sie zum Krankenhaus fahren. Doch glücklicherweise warteten sie nicht so lange- als wir aufwachten, waren sie schon verschwunden- und zwar ins Krankenhaus. Sie kennen diese Krankheit wohl besser als wir, denn wir hatten wirklich keine Ahnung davon, wie drastisch sich diese entwickelt! Im Krankenhaus fanden wir sie an Schläuche gelegt, sich aus allen Körperöffnungen übergebend. Das einzige, was wir für sie tun konnten war, ihre Medikamente zu zahlen. Ihre Situation sah sehr kritisch aus. Nebenbei erfuhren wir, dass eine Epidemie im Flüchtlingslager ausgebrochen sei. Gott sei Dank kam sie wenigstens nach ein paar Tagen wieder zu Kräften. Etwa 8 Tage später erschien sie wieder auf unserer Matte, um ihrer Arbeit nachzu gehen.

Fazit

Die Medizinische Versorgung in Somalia variiert natürlich, je nachdem wo man lebt. In Städten ist sie in Verbindung mit der Natur-/ Sunnah-Medizin mehr als ausreichend. Auf dem Land ist es für die Bewohner natürlich schwieriger, an diese heranzu kommen. Sie müssen erst ins nächste größere Dorf reisen.

Ich gehe aber davon aus, das meine Leser nicht als Nomaden leben werden. Von daher brauchen sie sich nicht all zu viele Gedanken machen. Hilfreich ist immer, einen 1.Hilfekasten, eventuell eine Homöopathische Grundausstattung (Arnika und Co.) oder Propolis aus dem Ausland mit zu nehmen, so hat man alles zur Stelle für die kleineren Wehwehchen.

Zahnärzte gibt es auch genug für die Grundsachen – ja, sogar feste Zahnspangen kann man sich machen lassen- nur keine Orthopädischen!

Wenn es hart auf hart kommen sollte (möge Allah uns bewahren), d.h. bei spezifischeren Sachen wie Tumore, Unfall- Schäden, usw., lohnt es sich, sich in den Nachbarländern Kenia oder Äthopien behandeln zu lassen, oder gar in Dubai.

Möge Allah uns alle vor schlimmen Krankheiten beschützen und die Situation des Gesundgeitsystems weiter verbessern.

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Einblick in das Gesundheitssystem Somalias bekommen.

Eure Khalisa

Leben in einer Großfamilie (Teil 2)- Die Rolle der Mutter

In diesem Artikel wollte ich euch eigentlich einen Einblick in unser Familienleben geben. Dabei hab ich jedoch festgestellt, dass die Beschreibung der Mutterrolle einen eigenen Artikel Wert ist!

Kinder ohne Ende- eine Last?

Zuerst stellt sich die Frage, warum sich Somalische Familien, bzw. Frauen das „antun“, „Kinder ohne Ende“ zu bekommen? Man könnte meinen, es sei für sie eine Last. So wie es für die meißten Frauen in Deutschland wohl auch wäre. Doch zum einen ist das Kinder erziehen in beiden Ländern nicht zu vergleichen (darauf komme ich später noch zu sprechen), und zum anderen ist es für Somalische Frauen eine Art Status- Symbol und ihr ganzer Stolz, wenn sie viele Kinder haben. Ja, richtig gelesen- Stolz! Denn je mehr Kinder sie haben, desto größer ihr „Königreich“ zuhause- dort sind sie nämlich die Queens! (Ausnahmen gibt es sicher auch, jedoch eher im Ausland, wo sich die Somalischen Frauen an dortige „Standards“ bezüglich der Kinderzahl gewöhnt haben.) Das heißt, sie haben das Sagen, und da hat der Mann und allesamt sich gefälligst dran anzupassen 😉

(Übrigens gibt es auch Ausnahme-Situation, in denen die Verhütung erlaubt ist. Das ist jedoch ein anderes Thema.)

Nicht ohne meine Hooyo!

In Somalia ist die Frau der Mittelpunkt von allen. Sie ist für alle da. Auch wenn sie ab einem gewissen Alter größtenteils auf einem Stuhl sitzt und die anderen reglementiert- ohne sie geht (fast) gar nichts! Dementsprechend taff ist sie auch- denn sie ist eine Managerin, Beraterin, Mutter…- alles zusammen.

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Strahlende Mutter, by somaliagenda.com

Meine Schwiegermutter zum Beispiel wurde jeden Morgen von ihren Söhnen besucht, bevor diese zur Arbeit gingen. Aus Verehrung wurde sie auf die Stirn geküsst. In allen wichtigen Angelegenheiten wurde sie zu Rat gezogen. Und von ihren Töchtern wurde sie tagsüber gepflegt. Neben ihren 10 Kindern zog sie auch noch andere Kinder groß.

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Meine taffe Schwiegermama- Hooyo Halima (möge Allah sich ihrer erbarmen)

Gemäß der Aussage des Propheten Mohammad (Frieden uns Segen sei auf ihm), ist die Frau nämlich auch die Herrin des Hauses:

„Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich für seine Herde: So ist der Anführer ein Hüter und verantwortlich für seine Herde; ebenso ist der Ehemann ein Hüter, hinsichtlich der Familienmitglieder seines Haushalts und verantwortlich für seine Herde; die Ehefrau ist Hüter bezüglich des Haushalts ihres Mannes und verantwortlich für ihre Herde; der Diener ist ein Hüter über den Besitz seines Herrn und ist verantwortlich für seine Herde. Jeder von euch ist also ein Hüter und verantwortlich für seine Herde.”

(Überliefert von Ibn`Umar bei al-Buẖārī und Muslim)

Mutter harousa.org
Mutter mit ihren Kindern, by harousa.org

Traditionelles Rollenbild der Frau- veraltet?

Dieses in der heutigen Zeit eher als traditionell angesehenes Rollenbild der Frau, hat viel Weisheit in sich. Die sogenannte Emanzipation der Frau von dieser Rolle hat ihr bloß doppelt soviel Arbeit bei weniger Lohn gebracht. Wobei ich an dieser Stelle auch erwähnen muss, dass die Somalischen Frauen nicht immer nur Zuhause sind und sein können.

Wenn der Mann nämlich keine Arbeit finden kann, oder die Frau alleinstehend ist, muss sie gleichzeitig Frau und Mann sein: 24h Arbeiten. Entweder verkauft sie etwas auf dem Markt (sie haben ein echtes Händchen für Business), hat ein mini-Lädchen oder muss sogar Müll abholen. Dazu warten die hungrigen Kinder auf sie. Die Männer hingegen lassen es sich draußen im Kaffee gutgehen oder verdrängen ihre Sorgen mit der Khat-Droge. Denn im Haushalt helfen, Kinder betreuen, ist ihnen eher fremd- das gehört nicht zur (nomadischen) Kultur! Das ist die traurige Wahrheit. Aber Gott sei Dank längst nicht für alle.

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Prioritäten setzen als Mutter

Viele Männer arbeiten natürlich auch, und da kann die Frau dann zuhause bleiben. Wenn die Frau studiert hat oder sonst etwas gelernt hat, kann sie das auch einsetzen, solange sie eben ihren Kindern und dem Haushalt gerecht werden kann (manchmal mithilfe von Familienmitgliedern oder Haushaltshelferinnen). Das Geld ist dann aber ihres- denn im Islam ist bekanntermaßen der Mann für die Versorgung zuständig, während das Einkommen der Frau ihr allein gehört – der Mann hat kein Recht darauf. Bloß liegt es auf der Hand, dass sie ihm aushilft im Falle von Arbeitslosigkeit seinerseits.

Generell wird die Mutter im Islam geehrt, zum Beispiel durch solche Aussagen des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm), als er auf die Frage einer seiner Gefährten „Oh Prophet Allahs! Wer verdient meine Gesellschaft und Fürsorge am meisten?“ folgendermaßen antwortete:

Es ist deine Mutter.“ Der Mann fragte: ‚Und wer dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Wieder fragte der Mann: ‚Und wer kommt dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Der Mann fragte wieder: ‚Und wer kommt dann?‚ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Dein Vater.“(Dieser Hadith wurde von Bukhary und Muslim berichtet.)

In diesem Hadith wird eindeutig die hohe Stellung der Mutter hervorgehoben. Auch wird in anderen Aussagen im Qur´an und der Sunna immer wieder betont, dass die Frau das Recht auf gute Behandlung, Respekt und Fürsorge hat.

Frauen

Was Islam mit Somalia zu tun hat

Manch einer mag sich nun fragen, warum ich immer und immer wieder aus dem Islam zitiere. Was hat das mit Somalia zu tun? Ganz einfach- da 99% der Somalischen Bevölkerung Muslime sind, haben sie dessen Rollenbilder und die gesamte Denkweise übernommen. Dementsprechend suchen sie auch in ihrer Religion nach Lösungen, wenn sie mal Probleme haben.

Jetzt höre ich schon einige Stimmen aufjohlen – „Ahaaa, deswegen wird die Frau auch so schlecht behandelt und unterdrückt! Zwangsverheiratet und alles!!!“

Okay, diese Probleme gibt es- leider. Die haben dann aber nichts mit dem  Islam zu tun, sondern mit den Menschen an sich, die dessen Regeln nicht beachten. Auch ich selbst bekomme manchmal Sprüche ab beim Autofahren, oder man will mir beim Einparken helfen, da ich ja eine hilflose Frau bin, usw. Aber ich denke (und hoffe), das wird sich in Zukunft ändern, sobald die neue Generation herangewachsen ist. Die Mädels von heute lassen so etwas bestimmt nicht zu!

Zwangsheirat und Co.?

Was die Zwangsheirat betrifft, wird sie wohl in einigen Fällen leider immer noch durchgeführt (das Gleiche wie mit der Verstümmelung). Aber eben in den gänzlich ungebildeten Schichten, die weder schreiben noch lesen können, und auch nicht wissen, dass solch eine Ehe dann islamisch gesehen gar nicht gültig ist. So stellte der Großgelehrte Ibn Taymiyyah in einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) zusammefassend fest:

„Eine Frau zu einer Ehe zu zwingen, widerspricht komplett dem Sinn einer Heirat. Allah möchte Liebe und Mitgefühl zwischen dem Ehepaar. Wie können diese entstehen wenn sie [die Ehefrau] ihn hasst und nicht mag? Welche Art von Liebe und Zuneigung sollen in so einem Fall schon entstehen? […] So hat eine Frau vielmehr ein Recht darauf, eine Ehe mit jemandem abzulehnen, den sie nicht will.“ 

[Ibn Taymiyyah, Majmoo‘ al-Fataawa, 32/25]

Großfamilie als beste Altersvorsorge

Zurückkehrend zum Thema Großfamilie ist diese in Somalia und anderen Arabischen Ländern auch die beste Altersversorgung, die eine Frau haben kann. Denn später ist es die Aufgabe der Kinder, sich um die Mutter (und Vater) zu kümmern. Im Gegensatz zum Westen, wo eine Mutter nicht allzu selten im Altersheim einsam vor sich hin leben, ist es hier Pflicht, sich um die sie zu kümmern und dabei sanftmütig zu ihr zu sein.

„Und dein Herr hat befohlen: „Verehrt keinen, ausser Ihm, und (erweist) den Eltern Güte. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage dann nicht ‚Pfui!‘ zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise.“

Qur´an al-Karim (17:23)

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Alte Somali Lady (Foto: SomaliNet)

Großfamilie in Deutschland

Allgemein betrachtet, wird man als Großfamilie in Deutschland eher als asozial angesehen. Ab 3 oder 4 Kindern bekommt man nur sehr schwer eine Wohnung, auf der Straße bekommt man Sprüche zu hören wie „Konnten Sie nicht verhüten?„. Traurig aber wahr, schießen sie sich dort selbst ein Eigentor. Denn auf Dauer kann keine Nation ohne Menschen überleben. In Somalia ist es wie ich schon erwähnte, das Gegenteil. Bei mir z.B. wundern sich die Leute, warum ich „nur 2“ habe. Aber Allah hat es für mich bisher nicht anders geschrieben, alhamduliLlah.

Somalische Frauen: taff und nicht kleinzukriegen!

Zusammenfassend kann man sagen, dass Somalische Frauen unheimlich stark und stolz sind. Sie genießen großen Respekt innerhalb der Familie. Auch wenn es negative Seiten für Frauen hier gibt, wie die Zwangsheirat, so macht es nicht den Großteil der Bevölkerung aus. Außerdem wird das hoffentlich immer weniger, je gebildeter die Menschen hier werden. Die meißten Mädchen hier in den Städten wollen nämlich zumindest erst ihre Schule oder gar ihre Ausbildung/ Studium beenden, bevor sie heiraten.

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Somalische Schülerinnen

Mir wurde soeben von meinem Mann berichtet, dass es zu 80% Somalische Frauen aus der Diaspora waren, die das Land „über Wasser“ hielten während dem über 20-jährigen Bürgerkrieg. Sonst würden jetzt längst nicht so viele Schulen hier stehen, abgesehen davon, dass viele Familien nicht überlebt hätten. Wenn eine Somalische Frau ins Ausland geht, ist sie für die in Somalia hinterbliebenen nutzvoller, als wenn 5 Söhne ausreisen! Ich finde, das sagt schon viel aus!

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Selbst im Ausland taff: Somalische Studium- Absolventin mit Kind. By sahanjournal.com

Klartext, Tacheles reden!

Ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich jede Art der Gewalt und Unterdrückung an Frauen verurteile, und auch nicht die Augen davon verschließen werde. Da es jedoch mehr als genug Berichte über Somalia diesbezüglich gibt, möchte ich den Radius ebenso auf die positiven Dinge hier ausweiten. Wer zudem ein Problem damit hat, dass ich immer wieder die Islamische Perspektive erwähne, muss meinen Blog ja nicht lesen! Aber ich bin überzeugt, dass man keine komplette, ganzheitliche Sichtweise auf die Somalische Gesellschaft bekommt, ohne ihren Glauben, den sie fest verankert  haben, versuchen zu verstehen.

Ausblick

Nach diesem etwas lang ausgefallenen Einblick in die Rolle der Mutter in Somalia, werde ich nun auf das Leben als Großfamilie zurückkommen. Aber ich mache daraus besser einen neuen Teil, damit ihr nicht müde werdet beim Lesen.

Anregungen und Kommentare sowie likes sind herzlich willkommen, sofern sie nicht rechthaberisch sind 🙂 Denn jeder hat seine eigene Sichtweise und sollte nicht versuchen, diese seinem Gegenüber überstülpen zu wollen.

In diesem Sinne bis bald (in shaa Allah), und vergeßt nicht, für eine Verbesserung der Verhältnisse zu beten!

Eure Khalisa

Sawirka la xidhiidha

Abshir Dhoore oder: Somali’s lassen sich nicht unterkriegen!

Asalamu Alaikum und Hallo zusammen,

Heute wollen wir euch auf eine Reise in die Geschichte Somalias mitnehmen: in den Freiheitskampf der Somalischen Bevölkerung. Ihr fragt euch vielleicht, was das nun mit unserem Blog-Thema zu tun hat? Ganz einfach: Diese Geschichte eines Somalischen Helden stellt ein sehr gutes Beispiel dar für den Kampfgeist und Stolz dieses Volkes. Im Gegensatz zu anderen Afrikanischen Ländern, hatten sie sich nicht einfach ergeben oder kaufen lassen- nein, sie haben Widerstand geleistet, bis sie 1960 endlich die Unabhängigkeit erlangten! Rein zufällig (wobei es fuer uns keine Zufälle gibt!) ist diese bedeutende Person, um die es hier geht, der Urgrossvater von Fartun (maa shaa Allah).

Schon allein sein Anblick (siehe Foto weiter unten) sagt viel über ihn und seinesgleichen damals aus: mit einfachsten Mitteln ausgestattet, aber unheimlich zäh, stolz und mutig, mit einem ausgeprägten Freiheitsdrang. Zwar hat er die Unabhängigkeit Somalias´ nicht mehr erleben können, jedoch hatte er sein Bestes gegeben, Somalia nicht in Fremde Hände geben zu müssen. Möge Allah sich seiner Seele erbarmen und ihn mit dem Besten belohnen!

Ich selber habe über diesen Teil der Geschichte Somalia’s erst letzten Sommer (2017) erfahren. Nämlich, als ich mit meinen Eltern und Familie einen Kurztrip ans wunderschoene Eyl machte. Etwas außerhalb dieser Hafenstadt konnten wir eine Burgruine bestaunen- ein Überbleibsel der damaligen Freiheitsbewegung. 

Gut bewachte Burg

Es war ziemlich abenteuerlich, diese Burg zu besteigen. Man hatte jedoch so ein ehrvolles Gefül, einen historischen Platz betreten zu dürfen. Der Führer erzählte uns, dass damals sogar ein Pferd die mit Steinen gebauten Treppen hochgegangen sei (oben angelangt konnten wir sogar dessen Pflock-Ring sehen) . Gut, dann müssten wir das erst recht schaffen!

Von der Burg aus hatten wir gute Aussicht auf ein begrüntes Tal. Dort wurde uns ein anderes Haus gezeigt, was damals das Büro von der Somali Youth Ligue gewesen sein soll- eine andere Freiheitsbewegung. 

Das breitere Haus ganz hinten ist das Büro der Somali Youth Liga gewesen.

Zudem hatten wir auch gute Sicht auf einen auf einen gegenüber liegenden Berg, auf dem ein ander Stützpunkt steht, der mit „unserer“ Burg in Verbindung stand.

Ein Späher-Stützpunkt der Burg.

So, und nun laßt euch von Fartun auf eine kleine Zeitreise mitnehmen!

Die ungewöhnliche Geschichte meines  Urgroßvaters

Ich möchte euch heute ein wenig über meinen Urgroßvater Abshir Dhoore erzählen, der Großvater von meiner Mutter. Urgroßvater Abshir Dhoore ist am bekanntesten für die Schlacht um Beledweyne und als stellvertretender Kommandeur der berüchtigten Derwisch-Bewegung und Schwager von Siyad Mohammed Abdullah Hassan.

Urgroßvater Dhoore setzte jedoch noch lange nach dem Zusammenbruch der Derwisch-Bewegung im Jahre 1920 eine Rebellion gegen die Kolonialmächte fort. Er suchte zusammen mit einigen seiner Anhängern Zuflucht in Äthiopien. Auf Wunsch des Italieners Ras Tafari versprach Haile Selassie (Ehemaliger Kaiser von Äthiopien ) meinen Urgroßvater genau zu überwachen und ihn in Addis Abeba gefangen zu halten.

Kurz darauf floh er aus der äthiopischen Hauptstadt und bereitete sich in der sogenannten Schlacht von Beledweyne, unter Italienern besser bekannt als “La Battaglia di Belet-en” auf eine Rebellion gegen italienische Truppen vor. Urgroßvater Dhoore ist 1920 in der Schlacht gegen die italienischen Kolonialtruppen gefallen.

 

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Urgroßvater Abshir Dhoore. Ein Revolutionär und Patriot.

Ein paar geschichtliche Fakten über den Derwisch -Staat:

 

Der Derwisch-Staat (Somalisch: Dawlada Daraawiish), war ein somalisches muslimisches Königreich des frühen 20. Jahrhunderts. Es wurde von Siyad Mohammed Abdullah Hassan gegründet, einem religiösen Führer, der somalische Streitkräfte über das Horn von Afrika versammelte und sie zu Loyalisten wie den Derwischen vereinte.

 

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Statue von Siyad Mohammed Abdullah Hassan die in Mogadischu steht. Hassan lebte von (7. April 1856 – 21. Dezember 1920) er war ein somalischer religiöser und patriotischer Führer. Von den Briten als Mad Mullah bezeichnet, gründete er in Somalia den Derwisch-Staat, der die 20-jährige Somaliland-Kampagne gegen britische, italienische und äthiopische Streitkräfte bekämpfte.

Die Derwische ermöglichten es Hassan, einen mächtigen Staat durch die Eroberung von Ländern, die von den somalischen Sultanaten, dem äthiopischen Reich und europäischen Mächten beansprucht wurden, auszuarbeiten.

Der Derwisch-Staat wurde wegen seines Widerstands gegen die europäischen Imperien Großbritannien und Italien in der muslimischen Welt und den westlichen Welten bekannt. Die Derwisch-Truppen warfen das britische Empire in vier militärischen Expeditionen erfolgreich zurück und zwangen es zum Rückzug in die Küstenregion.

Fartuns Bild
Somalische Derwisch Soldaten kämpfen auf hoher See gegen die Briten

Aufgrund seiner Berühmtheit im Nahen Osten und in Europa wurde der Derwischstaat von den wichtigsten Mittelmächten, dem Osmanischen Reich und dem Deutschen Reich, als Verbündeter anerkannt. Es ist auch gelungen, das “Scramble for Africa” ( Wettlauf um Afrika ) zu überleben und blieb während des Ersten Weltkriegs die einzige unabhängige muslimische Macht auf dem Kontinent. Nach einem Vierteljahrhundert, in dem die Briten in Schach gehalten wurden, wurden die Derwische 1920 schließlich besiegt. Der Widerstand des Somalischen Volkes war jedoch nie ganz vorbei, bis sie 1960 endlich ihre Unabhängigkeit bekamen.

Liebe Leser, Ich hoffe diese Kurzreise zurück in die Vergangenheit meines Urahnens hat euch etwas gefallen. Für mich sind solche Geschichten unglaublich spannend und zu wissen, dass dies alles geschehen ist vor meiner Zeit, macht sie noch Interessanter.

Mein Ur Opa und Gleichgesinnte leben weiter in unseren Geschichten und Erzählungen. Möge Allah ihrer Seele Frieden geben und uns im Jannah (Paradies) vereinen. Auf jeden Fall können wir Stolz auf unsere Väter, Großväter und Urgroßväter sein, und natürlich auch auf unsere Mütter und Grosmütter, sie alle kämpften für ihren und unseren heutigen Frieden.

 

Fartun

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Wüstenblume

 

 

 

 

Von Bern (Schweiz) nach Garowe (Somalia)

As salaamu alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh und Hallo allesamt,

Heute habe ich die Ehre, euch unseren ersten Gastbeitragvon der lieben Fartun vorzustellen. Sie ist zwar keine „Germali“, aber so jemand ähnliches: denn sie ist Somalischen Ursprungs, jedoch in der Schweiz aufgewachsen. Also quasi eine „Swissmali“!

Im Sommer 2016 habe ich sie kennengelernt, als wir meinen Eltern die Solarenergie-Anlage Garowes zeigten. Da ihr Mann Teilhaber dieser ist, führte er uns herum, Fartun war ebenfalls dabei. Sofort auf den ersten Blick oder eher gesagt „Small Talk“ war das Eis geschmolzen, denn meine Mutter ist ebenfalls aus der Schweiz! Okay, jetzt wird es etwas gemixt mit den verschiedenen Nationalitäten– aber so ist halt die Welt heutzutage: multikulturell (alhamduliLlah)!

Daraufhin folgten einige Treffen, sogar mit ihrer Mutter (ebenfalls eine Swissmali) und meinen Eltern, die wir sehr genossen, da wir als „halbe Ausländer“ bzw. von außen kommend, auf einer Wellenlänge waren. Leider verließ sie im Herbst das Land, doch sie wird ja wiederkommen (in shaa Allah). Es ist mir eine riesige Freude, euch einen Ausschnitt aus ihrer Geschichte zu zeigen. Möge Allah sie reichlich belohnen! Nun macht euch selbst einen Eindruck davon, wie sie ihre eigentliche Heimat wahrnahm!

Bismilahi Rahmani- Rahim.

Meine große Reise mit dem längsten Aufenthalt in Somalia, begann im Juni 2016. In mir brodelte es, ich war glücklich, zu meinen Wurzeln zurück zu kehren, aber hatte auch Respekt davor.

Es ging also los, mein Ziel war Garowe in Puntland. Mein Mann erwartete mich in Hargeisa, dann fuhren wir mit dem Auto weiter nach Garowe.

Die ersten Tage waren sehr intensiv. Alles war neu für mich, dass erste was ich machte war Einkaufen auf dem Markt/Inji. Das war eine Sache für sich. Die Frauen dort wirkten für mich so stark und lebendig. Ihr Blick war direkt, stolz und auch einschüchternd.

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Haweenka ku ganacsada Suuqa hilibka iyo qudaarta magaalada Garowe ee loo yaqaan Inji. Die Frauen vom Fleisch und Gemüse Markt Inji in Garowe.

Auf dem Markt merkte ich, dass ich mit Freundlichkeit und Höflichkeit nicht weit kommen werde. Im Gegenteil, wenn man zu nett ist, wird es ausgenutzt und als Schwäche angesehen. Das musste ich lernen, denn als Somali Schweizerin war ich in dieser Hinsicht mehr die neutrale liebe Schweizerin. Aber in mir war auch die Somalierin, ich musste sie nur suchen und finden.

Nach ein paar Wochen habe ich mich gut eingelebt. Da mein Mann tagsüber Arbeiten war, ging ich oft zu Verwandten und verbrachte Zeit mit meinen Cousins. Um die Zeit alleine zu überbrücken, bekam ich ein lebendiges Geschenk von meinem Mann. Tiere sind etwas wunderbares, Subhanallah! Dieser kleine Kater war eine grosse Stütze, Al Hamdulilah.

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Kater Sucdi

Was mir auch sehr viel Freude machte, war die endlose Weite, die man in Somalia hat. Das war sehr eindrücklich. Da ich einen kleinen „grünen Daumen“ habe, gingen wir die Felder für Gemüse Bepflanzungen anschauen. Da konnte ich auch gleich als Ackerbau Assistentin mit helfen.

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Masha Allah
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Ich und der Acker
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Masha Allah: eine somalische Limone

Die Gastfreundschaft von meinen Landsleuten war unglaublich, ich fühlte mich sehr willkommen. Es gab natürlich auch Situationen, in denen ich aufgefallen bin, sogar durch meinen Gang / wie ich lief, was eher schnell ist. Da musste ich mehrere Gänge runterschalten und versuchen, alles etwas langsamer und gelassener zu machen. Das war auch ein Lernprozess.

 Da mein Mann eine Kamelfarm hat, konnte ich meistens Freitags einen schönen Ausflug machen und frische Kamelmilch trinken, aber zuerst musste ich sie selber melken.

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Mmmh Lecker!
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Masha Allah

Wir waren auch einmal eingeladen im Badiyo / Dorf auswärts von der Stadt. Das Leben, dass sie führen, ist so gesund, aber auch nicht einfach: sie leben von dem, was sie pflanzen. Sie begrüßten uns herzlich mit Shah/Tee und später mit einer frisch erlegten Ziege. So zeigten sie uns Ihre Gastfreundschaft. Masha Allah dass sind wunderbare Menschen. Möge Allah sie reichlich belohnen. Amin

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Masha Allah

Ich habe mich erst in meiner Jugend mit meiner Herkunft beschäftigt. Als Kind war das einzige, was ich damals mit Somalia verband, waren die Familienangehörigen, die sich regelmäßig bei meinen Eltern meldeten. Damals waren die Telefonverbindungen ziemlich schlecht: sobald mein Vater wie am Spieß am Telefon schrie, war es Somalia.

Man kann sagen, dass ich nichts über Somalia wusste. Dies sollte sich aber Gott sei Dank ändern.

Insha Allah werde ich dieses Jahr wieder zurück kehren nach Garowe.

In dieser Zeit hat sich auch mein Deen stark verändert: ich spürte eine Zufriedenheit in mir. Den täglichen Adhan zu hören, war für mich sehr bereichernd und tat meiner Seele gut. Als junge Person mit zwei Kulturen hat man vielleicht Identitätsprobleme- für mich war es oft schwierig zu wissen, wo ich hin gehöre. Ich war oft in der Mitte, da ich beide Lebensweisen in mir trage. Al Hamdulilah es ist auch positiv mit beiden Kulturen auf zu wachsen.
Liebe Leser, Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick von meiner Zeit in Garowe geben. Jazak Allah Khairan euch allen,

Fartun.

*(Anmerkung: inzwischen gehoert sie zu unserem Team, maa shaa Allah!)

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Das war aber knapp! Fotografieren in Somalia

Fotografieren ist manchmal doch nicht so ohne hier! Das musste ich erfahren, als ich 2 Tage zuvor mit Kindern und Co-Schwester zusammen losgezogen bin, um Fotos für den nächsten Artikel zu machen. Wer andern etwas beibringen möchte, muss selber erstmal lernen! So ergeht es mir zurzeit, wenn ich über Somalia schreiben möchte: aufeinmal habe ich viel mehr Fragen! So auch, als wir an einem Platz mit zahlreichen Schutz-Markern aus Beton vorbei kamen (Funktion: dass kein Selbstmordattentäter näher kommen kann), eingefärbt in den Somalischen Nationalfarben. Ich erfuhr, dass dies der ehemalige Präsidenten-Palast ist von Abdullahi Yusuf (erster Präsident des Staates Puntland, und vorübergehender Präsident der vorübergehenden Regierung Somalias 2004-2008). Heutzutage ist es das Zuhause für die Soldaten der Stadt (wusste ich vorgestern auch noch nicht).

Während wir langsam daran vorbei fuhren, versuchte ich, durch den Gegenverkehr hindurch ein gutes Foto davon zu erwischen. Die Fotos sind zwar nicht gut geworden, aber haben dafür umso mehr Wirbelwind aufgeweht. Meine Co-Schwester wollte gerade ein Auto vor uns überholen, da sah ich 2 sich aufregende Soldaten. Sofort hielten wir an, inmitten auf der Straße. Die zwei Soldaten kamen zu uns und sprachen etwas durcheinander: „Was soll das? Warum macht ihr Fotos? Woher kommt ihr?“. Meine Co- Schwester versuchte sie zu beruhigen, indem sie ihnen freundlich erklärte, dass sie mir die Stadt zeigen würde und wir Fotos von allen wichtigen bzw. schönen Plätzen machen würden. Außerdem würden wir hier in Garowe wohnen.

„Gib mir dein Handy!“ sagte der eine Soldat. Ich dachte, er wolle es für sich einsacken, zudem war ich innerlich empört, dass sie aus einer Fliege einen Elefanten machten. So sagte ich „Nein, ich wird es dir nicht geben!“ Und „Ist fotografieren haram oder was?“

Gott sei Dank war meine cool gebliebene Co-Schwester bei mir, die mir das I-Phone aus der Hand nahm und es ihnen gab. Ich glaube allerdings, dass sie nichts damit anfangen konnten. Womöglich können sie noch nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. Aber zumindest sahen sie, dass es keine Waffe oder Auslöser für solche war. Also sagte der eine: „Das ist`aib (unverschämt), einfach zu fotografieren ohne zu fragen!“. Ok, das mag sein, jedoch war es nicht meine Absicht, diese Soldaten zu fotografieren- sie sind mir einfach in die Linse gelaufen und waren auch auf den Fotos nur von hinten zu sehen! Der andere meinte „Wenn die anderen dich fotografieren sehen, könnten sie auf dich schießen!“ Diese Info war schon etwas beklemmender und (un-) verständlicher. Dann gab er mir aber mein Handy und wir durften weiter fahren, alhamduliLlah.

In dem Moment fühlte ich mich wie ein Undercover- Journalist im Kriegsgebiet, der sich in Zukunft verstecken muss, um zu fotografieren. Aber das werde ich bestimmt nicht tun, bloß werde ich darauf achten, dass keine Soldaten im Visier sind! Abgesehen davon sind wir ja nicht im Kriegsgebiet alhamduliLlah.

Ein bisschen geärgert hab ich mich später über mich selbst schon, denn meine aufbrausende bzw.sture Art hätte mich auch ganz woanders hinführen können (z.B. ins Gefängnis)!

Und die Moral aus der Geschicht´: Aufregen lohnt sich nicht! Es kann dich eher in Gefahr bringen! Zumindest wird es deine Situation nicht verbessern. Selbst in meiner Religion gibt es eine Aussage des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm):

Stark ist nicht derjenige, der andere (im Kampf) besiegt, sondern stark ist derjenige, der sich beherrscht, wenn er wütend wird.“ (Ahmad 2/236, der Hadith ist übereinstimmend akzeptiert.)

In diesem Sinne muss ich wohl noch lernen, mich zu beherrschen, wenn mir jemand unfreundlich kommt.

Man lernt nie aus…und nur wer nicht an sich arbeitet, bleibt stehen!

Weisheit

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung (in shaa Allah)! Möge Allah uns helfen, uns zu verbessern!

Eure Khalisa

PS: der nächste Artikel muss wohl noch etwas auf sich warten lassen, da ich gerade eigentlich im Lernstress sein sollte  °räusper° 🙂

Last but not least! (vorerst letzter Teil meiner Geschichte)

 

Heute geht es mit dem vorerst letzten Teil meiner chronologisch erzählten Geschichte in Somalia weiter. Sie wird erst beendet sein, wenn meine Zeit gekommen ist! Aber trotzdem wird dieser Teil nicht das Ende dieses Blogs sein (in shaa Allah), denn es gibt noch viel mehr über Somalia und das Leben dort zu berichten, als bloß meine Geschichte! Meine Geschichte ist nur ein Beispiel, dass man hier als Europäische Muslima (oder als GerMali) auch leben kann.

Weg vom Stress

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Me am stillen in Dubai

Machen wir also eine kleine Zeitreise zurück bis zum Sommer 2015. Meine neu-geborene Tochter war in-zwischen 7 Monate alt, und sollte nun ihre erste Weltreise antreten. Ich stillte sie immer noch sehr viel, also machte ich mir nur halb so viele Sorgen, dass sie krank werden könnte (Stillen ist der beste Immunschutz). Der Kinderarzt meinte auch, bloß unter 3 Monaten sollte man noch nicht mit Säuglingen große Strecken fliegend zurück legen. Ich war also guten Mutes, dass alles gut gehen würde (in shaa Allah). Zudem wird es in Deutschland immer stressiger, desto mehr Kinder man hat. Vor lauter Terminen – ob nun Bürokratischer- / Ärztlicher-/ sonstiger Natur- kommt man zu gar nichts mehr. Zudem muss man seine Kinder bei jedem (Regen-) Wetter raus bringen, da sie einem sonst die „Bude einrennen“ und die deutschen Nachbarn den Lärm gar nicht gut vertragen können, einem womöglich noch das Jugendamt zur Tür einladen, da man die Kinder anscheinend nicht unter „Kontrolle“ hat. Nichts gegen das Jugendamt und die Deutschen Bürger! Es ist gut, dass sie sich für das Wohlergehen vernachlässigter Kinder kümmern. Bloß nicht allzu selten werden deutsche Bürger verunsichert, wenn sie größere muslimische Familien sehen (die oftmals mehr als 2 Kinder haben), so dass sie es mit ihrer Achtung übertreiben. Islamophobie spielt da wohl keine unbedeutende Rolle. Viele Familien sind schon ausgewandert aus Angst, das Jugendamt könnte ihnen die Kinder wegnehmen (möge Allah sie bewahren).

Zuviel Freiheit ist auch nicht gut

In Somalia hingegen hat man viel mehr Freiheiten, ja, sogar fast zu viele. Denn Freiheiten werden manchmal auch missbraucht. Wenn es überhaupt kein Jugendamt gibt, ist es natürlich auch nicht optimal. Denn in manchen Familien herrscht wirklich zuviel Gewalt oder Vernachlässigung der Kinder (oft wegen Armut, wenn Mütter die Familie ernähren müssen). Alles hat also irgendwie 2 Seiten und der Mittelweg sollte das Ziel sein: keine Angst vor etwas Lärm (ist normal bei großen Familien), jedoch Achtung vor Vernachlässigung, Gewalt und dergleichen.

Abschiedsschmerz

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Mein Sohn mit seinem Opa kurz vor dem Abschied

Zurück zum Thema Somalia-Reise: ich mag es ja nicht sonderlich, mit Kindern im Flugzeug zu verreisen, denn die Mutter ist meißtens die Leidtragende, die 24 Stunden wach sein wird und sich um alles und jeden kümmern muss. Mein Mann ist da Gott sei Dank anders- er übernimmt das Schleppen, Organisieren, und ist immer da, wenn ich mal eine Pause brauche (alhamduliLlah). So brauchte ich ihm nur wie ein Schaf zu folgen und meine Lämmer im Auge behalten. Trotzdem ist es auch nicht einfach, in aller Öffentlichkeit zu stillen, wo man sich doch bedecken möchte. Aber meine Mutter hatte mein Kleid des Hijab´s (genannt Abaaya) so umgenäht, dass ich sie einigermaßen bequem und gut versteckt unterm Hijab stillen konnte. Ansonsten wurde uns die Reise wirklich erleichtert (alhamduliLlah). Bloß der Abschied von meinen Eltern fiel dieses mal schmerzhafter als je zuvor aus, besonders für meinen Sohn- er wollte garnicht mehr aufhören zu weinen. Er war nun 2- einhalb Jahre alt und hatte sie in sein Herz geschlossen. Sie standen ihm beinahe näher als sein eigener Vater, den er ja nicht viel gesehen hatte in der Zwischenzeit. Auch konnte er zwar Deutsch verstehen und etwas sprechen, jedoch noch kein Somalisch.

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Vater und Sohn in Dubai

Also hatte er keine richtige Sprache außer die der Hände und Füße, um sich mit seinem Vater zu verständigen (allerdings sind sie heutzutage beste Freunde, Alhamdulillah!). Bis heute ist mein Sohn etwas „deutscher“ als meine Tochter, obwohl er sich inzwischen schon ganz gut angepasst hat und selbst mit mir hauptsächlich Somalisch spricht. Denjenigen, die überlegen, mit Kindern auszuwandern, würde ich raten, dies so früh wie möglich zu tun. Denn so müssen die Kinder nicht so sehr unter dem Kulturwandel leiden wie mein Sohn. Natürlich war er auch noch sehr jung, also hat er es inzwischen überwunden. Aber es braucht umso länger, je älter das Kind ist.

Besser spät als nie!img-20180103-wa0097-623938237.jpg

In Garowe angekommen, brauchte meine Tochter eigentlich nicht mehr sitzen , krabbeln, geschweige denn laufen zu lernen, da sie immer und zu fast jeder Zeit einen gemütlicheren Schoß fand. Da musste ich natürlich entgegenwirken und ihr etwas Freiraum „erkämpfen“. Letztendlich lernte sie dann etwas verspätet das alleinige Laufen, als sie ca. 2 Jahre alt war (scheint wohl auch in den Genen zu liegen, da mein Sohn und ich auch so spät dran waren!).

Sultan? Was ist das denn bitteschön?

Bald nach unserer Ankunft sollte die Krönung meines Mannes zum Sultan stattfinden. Auf Somalisch heißt das traditionell „Aleema saarka“ und früher wurde der ernannte Führer dann mit Milch überschüttet. Ich war also gespannt, was da auf uns bzw. meinen Mann  zu kam. Nun, ich muss vielleicht einmal für die Deutschen oder Nicht-Somali´s unter uns erklären, was ein Sultan ist, was er macht und wie es zur Ernennung kam.

Zuerst müssen wir dafür klären, was genau ein Stamm ist, welcher einem Sultan unterliegt. Laut Wikipedia:

Volksstamm, kurz Stamm, bezeichnet umgangssprachlich eine wenig komplexe gesellschaftliche Organisationsform, deren Mitglieder durch das Verständnis von einer gemeinsamen Abstammung und durch gegenseitige Verwandtschafts-beziehungen zusammengehalten werden.

Selbst im edlen Qur´an wird davon gesprochen, dass Allah uns in verschiedene Stämme eingeteilt hat:

O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig. (Quran, 49:13)

Hier wird aber auch der Zweck erwähnt, warum wir in Stämme eingeteilt worden sind: nämlich dass wir einander erkennen. Das heißt aber nicht, dass der eine Stamm besser ist als der andere, wie es in Somalia und bestimmt auch anderen arabischen Ländern gehandhabt wird. Vor unserem Schöpfer sind wir alle gleich– bloß derjenige, der am Gottesfürchtigsten ist, ist besser gestellt als andere. Dies wiederum kann nur Derjenige beurteilen, von dem diese Worte kommen, also Allah!

Selbst in Deutschland war die Einteilung der Völker in Stämme noch etwas ganz normales (siehe  hier) . Jedoch nach dem 2.Weltkrieg wurde es zumindest politisch vermieden, diese Bezeichnung zu verwenden, da es ein sensitives Thema geworden war.

TribesIn Somalia ist die ganze Bevölkerung bis heute noch in Stämme aufgeteilt. Dabei werden die 2 Grundstämme in etwa 6 Hauptstämme geteilt, und diese wiederum in viele weitere Unterstämme. Die Stammeszugehörigkeit wird durch die Väter weitervererbt. Jeder Somali trägt also als Nachnamen den Vatersnamen und den Großvatersnamen. Weiterhin lernen sie die ganzen Namen ihrer Ur-großväter in der richtigen Reihenfolge auswendig, so dass sie wissen, woher sie kommen und zu welchem Stamm sie gehören. Aus diesen Unter-stämmen enstehen so große Familien, dass es für Leute wie mich manchmal kompliziert wird, die Zusammenhänge der jeweiligen (entfernten) Verwandten zu verstehen. Jeder wird auf einmal zum Onkel, zur Tante, oder Cousin/e! Aber solange sie den Über-blick behalten, ist ja alles gut!

Was weniger gut ist: manche übertreiben mit der Abstammung so sehr, dass sie einen gewissen Rassismus anderen gegenüber entwickeln. Konflikte zwischen zwei Männern aus verschiedenen Stämmen können so manchmal zu ganzen Stammeskriegen werden. Plötzlich wird eine private Angelegenheit dann zur Stammesangelegenheit.

An dieser Stelle kommen die Führer der jeweiligen Stämme ins Spiel. Sie werden Sultane genannt oder auch anders, aufjedenfall hat jeder Stamm seinen Leiter. Sie sind dafür da, alle Konflikte und andere Angelegenheiten innerhalb ihres Stammes zu regeln, Bedürftigen ihres Stammes zu helfen, und und und. Auch Politiker ziehen ihren Nutzen von ihnen, und dies gleich mehrfach: auf der einen Seite ist es (im Idealfall) bequem für sie, da die Sultane sich um die Angelegenheiten der Leute kümmern (also sind sie freier davon). Auf der anderen Seite sind sie auch auf die gute Gesinnung dieser Sultane angewiesen, damit sie nicht miteinander kollidieren und damit sie mehr Stimmen bei den Wahlen bekommen.

Wer etwas verändern will, muss bei sich anfangen!

Als mein Mann also zum Sultan ernannt wurde, wusste ich überhaupt nicht, ob ich jetzt begeistert sein soll oder nicht. Mir war dieses Gebiet zu fremd. Aber ich ließ mich mit den Worten meines Mannes beruhigen und positiv stimmen, dass er als Sultan (in shaa Allah) mehr in der Gesellschaft bewirken kann. Denn wer etwas zum positiven ändern möchte, muss erstmal bei sich und seiner Familie anfangen. Der Stamm gehört so gesehen auch zur Familie, nur dass der Stamm meines Mannes ca. 70.000 Leute umfasst, die weltweit verstreut sind (maa shaa Allah). Was es für uns als Familie bedeutet, wurde uns erst mit der Zeit bewusst. Es bedeutet auf jedenfall mehr Gäste, mehr Arbeit, weniger Privatsphäre. Aber das ist es (in shaa Allah) Wert!

Unsere Kinder können sich übrigens nur schwer vorstellen, dass es Menschen in Ländern gibt, die ohne ihre Stammeszugehörigkeit zu kennen, trotzdem leben- so wie ich zum Beispiel 🙂

Aus 2 mach 1 oder die Krönungsfeier

Für besagte Feier baute mein Mann, der auch Construction Engenieur ist, ein riesiges Festzelt mitten in der Natur von dem Dorf Harfo auf. Besser gesagt, er baute aus zwei Zelten eins.

Sie bauten ebenso Sanitäranlagen und ein Erste Hilfe Center. So etwas hatte das Dorf, in welchem hauptsächlich Leute seines Stammes wohnen, noch nie gesehen. Alle halfen mit, und die Frauen kochten für die ca. 10.000 Gäste aus aller Welt, während die Männer das Essen verteilten. Es wurde ein Tag voller Reden (auch lustigen), Qur´an- Rezitation und extra zu diesem Anlass verfasste Gedichte („Gabbey“) wurden ebenfalls vorgetragen. Es kamen hochrangige Gäste und man durfte nur mit Eintrittskarte rein. Das Sicherheitskommando war dementsprechend groß. Aber Milch wurde Gott sei Dank nicht auf meinen Mann geschüttet!

Leider konnte ich von alledem nicht wirklich etwas genießen, denn meine beiden Kinder wollten einfach nur von der Menschenmenge weg. Beide schrien nur im Festzelt, so dass ich mit ihnen Reißaus nahm ins Erste Hilfe Zelt, in dem eine Nichte arbeitete. Verstehen konnte ich auch nicht viel, also war es nur halb so schlimm. Ich mag solche Menschenmengen auch nicht sonderlich (die Hadsch ist natürlich etwas anderes!), speziell nicht, wenn alle mich so anstarren. Aber es war alles in allem etwas sehr besonderes und sehr gut durchorganisiert.

Und nun..?

Man sollte meinen- und das meinen auch die meisten hier- dass ein Sultan viel Geld bekommt von seinen Angehörigen. Das ist auch oftmals der Fall, speziell wenn die Sultane eher ihre Macht zu ihren Zwecken nutzen. Aber sobald man von Leuten abhängig ist, kann man von ihnen leichter kontrolliert oder manipuliert werden. Das möchte mein Mann vermeiden. Deswegen muss er unseren Unterhalt mit seinem Beruf  (Häuser etc. konstruieren und bauen) erwirtschaften.

Immerhin kriegt er von seinen Leuten einige Bodyguards gestellt (für die wir allerdings kochen müssen etc.). Unser extra dafür gemietetes Nachbarhaus scheint eine Art Hotel- Funktion zu sein für  (weit- und nahe) Verwandschaft. Aber das gehört halt dazu!

Xalwo Nachmittags oder Abends sind unsere Türen auch immer für Gäste offen. Gott sei Dank wird für normale Besuche nicht mehr als Somalischer Tee erwartet, sonst würde das jedes Budget sprengen! Für spezielle Versammlungen und Gäste muss natürlich mehr herhalten. Da werden üblicherweise Somalische Kekse und Somalisches Halwa (eine klebrige, süße Paste, mit Kardamom und Zucker hergestellt) und salziges Popkorn serviert.

Immer wieder finden außerdem Meetings bei uns statt, in denen verschiedene Angelegenheiten besprochen und ausdiskutiert werden. Es gibt ein Somalisches Sprichwort, mit dem mein Sohn unsere Gäste immer erfreut:

„Rag waa shah, Dumarka waa sheeko“, was soviel bedeutet wie: „Männer trinken Tee, Frauen reden.“

Meeting Haus
Eines der Meetings in unserem Hof

Allerdings frage ich mich manchmal, ob es bei Somalischen Männern nicht umgekehrt ist! Denn solche Meetings können nicht eher beendet werden, bevor nicht jeder einmal das vorher besprochene wiederholt hat und am Ende vielleicht noch seine eigene Idee mit hineinbringt! Gott sei Dank muss ich da nicht dabei sein! Aber sie haben schon einiges bewirken können (maa shaa Allah). Unter anderem wurde im letzten Herbst eine Blutfede verhindert (alhamduliLlah): zwei Leute vom Stamm meines Mannes wurden von jemandem eines anderen Stammes ermordet. Am nächsten Tag passierte so etwas ähnliches, jedoch unabhängig voneinander. Mein Mann musste sofort zu „seinem Dorf“ und mit dem ganzen Militär, sowie unzählige male mit den Stammesältesten sprechen, um sie davon zu überzeugen, dass Rache keine Lösung ist. Ebenso musste er mit dem Stamm der Mörder um Schmerzensgeld verhandeln. Ich war mit ihm in dem Dorf, und habe die hitzige Stimmung mitgekriegt. Das ist eine der Situationen, wo einem klar wird, dass man auf Somalischem Boden ist, wo alles möglich ist. Aber alhamduliLlah konnte mein Mann diesen Konflikt lösen. Was besonders beeindruckend für mich persönlich war, dass die Frauen, die mich im Dorf besuchen kamen, zu mir meinten:

„Du bist jetzt die Mutter von uns allen, da dein Mann unser Sultan/Vater ist!“

Schon wieder unverhofftes Mutterglück? Nein, das war natürlich symbolisch gemeint, doch schmeichelnd zugleich 😀

Auch rief mein Mann eine Hilfsorganisation innerhalb seines Stammes ins Leben, mit deren Hilfe er schon vielen Menschen in Not helfen konnte (alhamduliLlah), speziell in der Dürre- Zeit.

Möge Allah ihm und allen, die sich ebenfalls darum bemühen, bei der verantwortungsvollen Aufgabe helfen, das Land ein Stück zu verbessern, amin!

Notwendige Hilfe

Geschirr1Einem großen Haushalt von durch-schnittlich 20 Leuten wird man hier ohne Hilfe nicht gerecht. Allein für das ganze Geschirr und das Reinigen der Küche braucht es eine Person, die ständig dort arbeitet. Da meine Co-Schwester bis vor kurzem noch studiert hat und ich auch in Teilzeit, haben wir dafür natürlich keine Zeit. Ich bin schon froh, wenn meine Kinder mich kochen lassen! Deswegen brauchen wir eigent-lich immer 2 Helferinnen– eine für das Reinigen des Hauses (was 2mal täglich gemacht werden muss mit fegen und wischen), und eine für die Küche und draußen. Ja, nicht zu vergessen die ganze Wäsche, die man hier nicht einfach rein tun kann, dann den Knopf anmachen, und fertig gewaschen wieder aufmachen kann! Nein, man muss erst Wasser vom Brunnen holen (da das Leitungswasser zu Kalk-haltig ist), in die Maschine rein schütten, Maschine 2×15 Minuten anmachen, damit sie mit Waschmittel („Oomo“) die immerhin 10 Kilo Wäsche wälzt. Dann muss man sie auswringen, und in einen großen Bottich mit anderem Brunnenwasser das Waschmittel auswaschen. Dann wieder auswringen, und ab auf die Wäscheleine. Das Trocknen ist immerhin der schnellste Teil des ganzen Prozesses!

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Es gibt aber genügend Frauen aus dem Armenviertel, die einem für 5-10 Dollar die Wäsche einmal in der Woche, oder so oft man möchte, waschen. Sie leben von der Hand in den Mund, das heißt sie geben das Geld dann sofort für ihr Mittagessen aus. Auch für die Müllabholung kann man diese Frauen rufen, damit sie ihn abholen und zur Müllhalde tragen. Merkwürdigerweise ist diese harte Arbeit Frauenarbeit hier. Die Frauen sind ganz schön taff (maa shaa Allah).

Die Sache mit den Helfern

Es ist aber keine einfache Sache, gute Helferinnen zu kriegen. Denn irgendwie ist selbst bei den Armen Leuten eine „I-Phone Epidemie“ ausgebrochen, und auch allge-mein hat sich meines Eindrucks nach die ganze Generation verändert. Die heutigen Mütter und Großmütter mussten in ihrer Kindheit meißtens schon früh mit anpacken, und sie hatten viel Respekt vor ihren Eltern und anderen älteren Menschen. Heutzutage jedoch werden die Mädchen schnell müde, sind gar nicht in der Lage und auch nicht motiviert richtig im Haushalt zu helfen, zudem haben sie weniger Respekt vor Eltern und Co. Das ist wie gesagt ein allgemeines Problem, welches auch bei den ärmeren Schichten hier, welche eigentlich von Hausarbeit etc. leben, nicht halt zu machen scheint. Deswegen grenzt es schon beinahe an ein Wunder, wenn man von dem Armenviertel in Garowe jemanden findet, der länger als drei Tage bei einem bleiben würde (3 Tage ist dann schon Rekord!). Vielleicht liegt es auch daran, dass diejenigen, die hier in den Flüchtlingslagern leben, einem anderen Stamm angehören als eine bestimmte Gruppe aus dem Süden. Auch wenn sie so gut wie keine Bildung gekriegt haben, sind sie hier sehr stolz und wollen eben nicht im Haushalt für andere arbeiten. Bloß so ein-Tage- Jobs sind mit ihnen möglich (und selbst bei ihnen sind die Mütter viel taffer). Wir kriegen unsere Helferinnen deswegen meißtens aus einem bestimmten Dorf im Süden Somalias´, wo die Mutter meiner Co-Schwester Farmen besitzt und wir die Leute etwas kennen. Sie schicken uns dann ihre Teenage- Töchter auf einer 3 Tages-reise, und von da an sind sie Teil unserer Familie. Es ist eine große Amanah bzw. Verantwortung, dass man sie auch gut und gerecht behandelt (in anderen Familien werden sie manchmal wie Sklaven behandelt). Das Problem bei ihnen ist bloß, dass sie keine Ahnung von irgendwas haben, wenn sie vorher nicht schon gearbeitet haben- und das ist kein Wunder. Denn sie wohnen meißtens in selbst gebauten 1-Zimmer-„Häusern“, in denen man natürlich kaum etwas reinigen muss. Von Sanitäranlagen ganz zu schweigen, denn die finden sie draußen in der Natur! Sie kommen also wie die i-Männchen bei uns an, denen von A-Z alles beigebracht werden muss. Auch was das Benehmen betrifft und ihre Religion (Grundlagen, Gebet) lernen sie bei uns, und im Idealfall können sie sogar halbtags zur Qur´an-Schule gehen, wo sie lernen, den Qur´an zu lesen, aber auch Grundlagen in der Mathematik und Somalisch lenern. Oftmals ist es für sie aufgrund ihres anderen aufwachsens ohne Schulbildung schwierig, dann auf einmal mit Bildung anzufangen. Doch einzelne können davon auch profitieren (in shaa Allah), wie eine von unseren derzeitigen Mädchen, welches so intelligent und anders erscheint, dass wir sie mit dem Besuch einer normalen Schule und auch Qur´an- Schule fördern wollen (in shaa Allah). Spätestens nach 2-3 Jahren (im Optimalfall, falls sie zu uns passen und andersherum) werden sie dann wieder zurück gerufen, um zu heiraten. Es ist für sie quasi wie eine Hauswirtschafts-Ausbildung hier, wobei sie mit dem verdienten Geld ihre Familie daheim unterstützen.

Persönliche Herausforderung

Ein anderes Phänomen, dass ich beobachten konnte ist, dass wenn du zu gut bist zu dieser ungebildeten Schicht von Leuten bist, nutzen sie das gnadenlos aus. Zu gut heißt hier: ein für uns „normales“, freundliches Verhältnis zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Das musste ich mit der Zeit erst lernen. Denn sobald die Helferinnen mich smilen sehen bzw.in einem freundlichen Ton sprechen hören, hören sie auf mit ihrer Arbeit und respektieren meine Anweisungen nicht mehr! Es brauchte eine ganze Weile, bis ich damit umgehen konnte, und manchmal fällt es mir bis heute noch schwer, ein ernstes und bestimmtes Gesicht aufzusetzen, zumal sie ja hier ohne Eltern sind und ich eher Mitleid habe. Aber es ist wie mit Schullehrern auch: sie müssen bestimmt sein, wenn sie respektiert werden wollen! Das musste ich mir mit viel Anstrengung erst einmal trainieren. Denn oftmals war es so, dass die Helferinnen nur herum spielten, sobald meine Co-Schwester aus dem Haus war, und dann brauchte alles doppelt so lange, oder wurde gar nicht erst gemacht. Mein persönliches Problem war aber auch, das ich selber auch erstmal lernen musste, wie man einen 20-Personen-Haushalt organisiert! Ich komme nämlich aus einer ruhigen deutschen 4-Kopf-Familie, und musste kaum etwas mithelfen (ich bin von dem Phänomen der taffen Mütter ja nicht  ausgenommen 😉 ). Aber Gott sei Dank/alhamduliLlah klappt diese persönliche Herausforderung mit der Zeit immer besser und ich bin auch dankbar, dass wir diese Unterstützung haben.

Positive Begebenheiten

1. Social Media

whatsappDiese Zeit von 2015 bis heute unterschied sich wesentlich von den vorherigen Perioden: nämlich durch die Social Media, die mir nun zur Verfügung standen. Ja, natürlich haben sie ihre Nachteile, ganz ohne Zweifel. Jedoch hatten WhatsApp und Facebook den Vorteil, dass ich nun mit meiner Familie, Verwandten und Freunden in Kontakt bleiben konnte. Ich war nicht mehr von der Welt abgeschnitten! Und das bedeutete viel für mich. Auch konnte ich viele neue, wertvolle Freundschaften mit gleichen Interessen schließen (zum Beispiel meine Blog-Partnerin!) und natürlich auch viel über Somalia erzählen und aufklären (alhamduliLlah).

2. „Leidensgenossin“

Eine andere positive Begebenheit war die Ankunft einer Finnischen Konvertierten, die mit ihren 4 Kindern nach Garowe kam, nachdem wir vorher schon Kontakt auf Whatsapp hatten. Ihr Mann war auch Somali, jedoch musste er sie alleine hier lassen, um in Finnland zu arbeiten. Für sie war es um einiges schwieriger als für mich. Ihre Schwiegermutter war zwar bei ihr, jedoch konnten sich die beiden nur mit Händen und Füßen verständigen und die Schwester musste alles allein erledigen. Sie machte mit ihren Ältesten sogar Homeschooling, um sie nicht zur Schule hier schicken zu müssen. Um sich nicht zu abgekapselt von der Gesellschaft zu fühlen, kam sie fast jeden Tag zu uns. Das war für mich natürlich eine Gold-Zeit, alhamduliLlah! Leider ist sie nach einigen Umzügen an andere Orte doch wieder zurück nach Finnland gegangen. Es war einfach zu schwer für sie ohne die direkte Hilfe ihres Mannes. Nun studiert sie Lehramt in Finnland, vielleicht kann sie dies ja eines Tages hier einsetzen, um auch etwas zu verbessern!

3. Besuch meiner Eltern

Ein besonderer Höhepunkt ist im Sommer 2016 der erste Besuch meiner Eltern gewesen. Ja, richtig, meine Eltern haben sich tatsächlich in die „Höhle des Löwen“ getraut und sind in das gefährliche Somalia gereist!! Sie waren einen knappen Monat bei uns, und es war für uns eine sehr schöne und für sie interessante Zeit. Es war für sie zwar etwas ungewohnt, ständig von Soldaten (unseren Bodyguards) begleitet zu werden, aber das Zusammensein mit ihren Enkelkindern und dem Rest war wichtiger als diese „Nebenwirkung“. Ich werde an dieser Stelle jedoch nicht zuviel erzählen, denn in shaa Allah werden sie demnächst selber darüber berichten!

Überraschender- und erfreulicherweise kamen sie im Sommer 2017 auch schon wieder (alhamduliLlah). Ein halbes Jahr davor (deutsche Pünktlichkeit!) erreichte uns die erfreuliche Nachricht, dass sie die Tickets bereits gebucht hatten! Diesmal war meine Co-Schwester selber ihre Mutter besuchen (in Mogadischu) und ich war im Prüfungsstress. Deswegen war es auf der einen Seite schade, dass ich nicht soviel Zeit für sie hatte, aber auf der anderen Seite konnten sie viel schöne Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen, was ja auch das Wichtigste ist. Die hängen nämlich sehr an ihnen (kein Wunder!)  und genießen die Zeit mit ihnen. Sie sind wirklich sehr besondere Menschen und ich bin Allah unendlich dankbar, dass er mir so verständnisvolle Eltern gegeben hat. Möge Allah uns noch zahlreiche weitere Begegnungen haben lassen und uns auch im Jenseits im besten vereinen!

4. Meine Südafrika- Reise

Im letzten Ramadan, also noch vor dem Besuch meiner Eltern, hatte ich auch mal wieder Gelegenheit, auf eine der (Welt-) Reisen meines Mannes mit zu gehen, besser gesagt: zu fliegen! Und zwar in das Traumland Südafrika! Es war eine wirkliche Traumreise (alhamduliLlah), abgesehen davon, dass es mit meinen 2 Kindern etwas anstrengend war, da ich ja auch am fasten war. Und Kinder sind nicht für Hotels gemacht! Deswegen verbrachten wir teilweise die Zeit auch bei einer Familie in Johannesburg, die wir sehr ins Herz geschlossen haben. Wir besuchten (oder beflogen?) jedoch auch andere Städte wie Kapstadt, East London und Port Elizabeth.

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Das Land ist sehr vielfältig was die wunderschöne Natur und auch die multi-kulturellen Menschen betrifft. Es kam mir oftmals vor, als ob ich in England/Europa wäre, bloß mit dem besseren Wetter! Kein Wunder, dass es so viele Deutsche und andere Europäer dort hin gezogen hat. Somalische Leute haben es eher schwieriger, dort Fuß zu fassen. Denn sie werden erstmal in Flüchtlingslager gestopft, wo die Kriminalität sehr hoch ist. Und da Somali´s gewohnt sind, aus jeder Situation das Beste zu machen anstatt in ihren Sorgen (und dann Drogen etc.) zu versinken, ziehen sie den Neid der anderen auf sich. Deswegen kam es nicht selten zu Übergriffen auf sie oder ihre Shops. Ja, es kam sogar schon vor, dass sie am lebendigen Leib verbrannt wurden! Aber oftmals schaffen sie es nach einigen Jahren, aus diesen Lagern heraus zu kommen und von ihrem eigenen Business zu leben. Dann leben sie Seite an Seite mit den Indern, die in Südafrika neben oder nach den Weißen Leuten zur reicheren Mittelschicht gehören (natürlich auch nicht alle).

Ich war wirklich erstaunt und fasziniert von diesem Land. Ein paarmal ertappte ich mich bei dem Gedanken, doch in diesem Luxusleben leben zu wollen. Es gibt sogar Deutsche Schulen dort! Und ich wurde nicht diskriminiert aufgrund meines Glaubens und meiner Bekleidung- selbst die Weißen dort lächelten mich an und sprachen sogar manchmal freundlich mit mir. Mit den Somali´s dort verstand ich mich auch prächtig alhamduliLlah, auch wenn sie keine Germali´s, sondern Somafrikans sind 😉 Sie machten mir auch eine überwältigende Abschiedsfeier (maa shaa Allah), bei der ich sie auch nochmal ermutigte, doch mitzuhelfen, dass ihr Heimatland sich weiterentwickeln kann.

Außerdem gab es viele Islamische Schulen und alles war so multi-kulturell (maa shaa Allah). Auf der anderen Seite gab es doch genügend Gründe, die dagegen sprachen. Abgesehen davon, dass das Leben dort recht teuer ist, besonders die guten Schulen, viel mir der Unterschied der Kinder auf. Denn sobald sie größer wurden, befanden sie sich in einem kulturellen Zwiespalt– waren sie nun Somali, obwohl sie ihre eigene Sprache kaum noch konnten, und ihr Land nie gesehen hatten? Gehörten sie einem Land an, über das immer nur negativ berichtet wird? Oder waren sie doch eher Südafrikaner, die ihre Religiosität eher als Hobby ausleben, um bei allen Schichten „gut anzukommen“?  Ihr merkt schon worauf ich hinaus möchte: es ist die Religiösität, die in einem muslimischen Land wie Somalia durch die Gesellschaft die Kindereinfach noch mehr prägt(alhamduliLlah). Zudem ist es in Südafrika gefährlicher als hier was die Kriminalitätsrate betrifft: Abends um 6, nach dem Sonnenuntergang, werden die Bürgersteige quasi hochgeklappt, da es zu gefährlich ist aufgrund der Gangs. Nur die riesen Shoppingmalls sind dann noch auf, und Restaurants werden üblicherweise um 22 Uhr auch geschlossen. Ich habe mich da generell unsicherer gefühlt als in Garowe!

Also bis sie ihre Wurzeln gut kennen und sich selbst gefunden haben, werde ich (in shaa Allah) mit meinen Kindern auch hier bleiben. Ob sie dann woanders studieren wollen, ist ihnen überlassen und das werde ich auch unterstützen.

Davor heißt es noch, eine geeignete Schule und Kindergarten für meine Kinder zu finden. Zu der Bildungssituation werde ich in einem anderen Beitrag etwas schreiben (in shaa Allah). Nur so viel dazu: es ist nicht leicht, in Puntland etwas Gutes zu finden (in Hargeisa ist das ganz anders), und eventuell müssen wir sogar unsere eigene Schule aufmachen, wenn Allah es uns ermöglicht!

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Eindruck von meinem Leben in Somalia bekommen (in shaa Allah). In weiteren Berichten werde ich (in shaa Allah) noch auf spezifischere Themen eingehen, wie Schulbildung, Alltag, uvm. Auch Gastbeiträge sind geplant und sehr willkommen. Auf jedenfall ist das Leben hier mit einer Großfamilie nicht langweilig, und mit einer großen Portion an Spontanität, Geduld, und Improvisationstalent kommt man als europäische Muslima auch hier ganz gut zurecht, alhamduliLlah 🙂

Wuestenblume

Bis zum nächsten Mal (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

3.Phase: Back with Baby

In diesem Bericht knüpfe ich an den vorherigen an, den ihr hier nochmal lesen könnt. Diesmal geht es um meinen dritten Anlauf, in Somalia Fuß zu fassen- diesesmal jedoch mit Baby!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

…heißt ein typisches deutsches Sprichwort.

Ich hatte etwas über ein Jahr in Deutschland verbracht- Zeit genug, um Somalia wieder zu vermissen. Mir wurde geraten, mit der Reise etwas zu warten, bis mein Sohn ein Jahr alt wäre. Nun war die Zeit also gekommen, wieder zurück zu gehen. Mit Kleinkind zusammen ist es nochmal doppelt so aufregend. Da wird einem noch vielmehr klar, was man da auf sich nimmt. Denn diese (Über-) Besorgnis mit den U- Untersuchungen, Autositzen, die ganzen Baby-Artikel in Hülle und Fülle, und, was für mich wichtig war: jegliche homöopathische Medizin für jedes kleine oder größere Weh-Wehchen– das fällt auf einmal alles weg! Aufeinmal wurde mir das alles bewußt, und neben der Vorfreude, meinen Sohn endlich seinen Geschwistern vorzustellen, wurde es mir etwas mulmig zumute. Aber nun gut, ich wußte ja, dass wir durch unsere deutschen Pässe und meine hilfsbereiten Eltern jederzeit kommen könnten, falls irgendetwas ernsthaftes wäre (möge Allah uns bewahren). Und außerdem vertraute ich auf Allah– Er wird mich sicherlich nicht im Stich lassen, wenn ich auswandere, um Seine Religion besser leben zu können! Wer also nicht wagt, der nicht gewinnt- wer nichts riskiert, wird auch nichts erreichen!

Auf geht´s…

Unsere Reise traten wir im Winter 2013 an. Es ging wie immer über Dubai, was schon mal ein Überflutungs- Schock war für meinen in „Watte eingelegten“ Sohn. In Deutschland lebten wir nämlich bei meinen Eltern, und die waren sehr überzeugt davon, dass Babies nichts in Einkaufsmeilen und riesen Geschäften zu suchen haben sollten. Wir mussten aber ein paar Besorgungen in Dubai machen, also musste er da diesmal da durch.

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Unser Weiterflug ging dieses mal nach Galkayo– das ist nach Garowe die nächst größte Stadt von „oben“ gesehen (auf der Landkarte). Danach ging es für uns nach einem leckeren Mittagessen im Hause irgendeiner bedeutenden Person dort (habe leider vergessen, wer das war!) direkt mit dem Jeep weiter, auf nach Garowe, welches unser neues Zuhause werden sollte. Die Straße dorthin ist mehr als schrecklich (eine Neue ist heutzutage aber im Aufbau). Es kam nicht selten vor, dass wir auf die Landespiste ausweichen mussten, da die eigentliche Straße von Löchern übersät war. Garnicht so einfach, dabei ein Baby vor den Autowänden beschützen zu wollen, wenn man selber am straucheln ist! Zudem war mein Kleiner auch schon gesundheitlich angeschlagen, die erste Mittelohrentzündung bahnte sich an. Unsere Autofahrt ging ca. 4 Stunden, bevor wir durchgeschüttelt endlich ankamen.

…ins neue Heim!

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In unserem neuen Zuhause stürzten sich die damals 11 Geschwister meines Sohnes förmlich auf ihn, und er wußte gar nicht mehr, wie ihm geschah. Dann jedoch setzten wir uns alle zusammen ins große Wohnzimmer, und da fingen die Zwillinge (damals 2 1/2 Jahre) auch schon an, mit meinem Sohn um die Wette zu krabbeln.

Von 0 auf 100!

Für unseren jüngsten Nachwuchs war es also sehr aufregend mit so vielen neuen Gesichtern ähm nein, Geschwistern. Zugleich war er manchmal noch etwas überfordert mit ihrer überschwänglichen Zuwendung. Denn er war sein erstes Lebensjahr quasi Einzelkind, umtüddelt von den besten Großeltern, die sehr achtsam und sanft zu ihm waren!

GeschwisterEiner seiner Brüder liebte ihn so sehr, dass er, bevor er zur Schule ging, ihm noch einen Abschiedsschmatzer (mit ganz viel Nachdruck) gab. Und sobald er nachhause kam, einen Willkommensschmatzer (maa shaa Allah). Dabei dauerte es längere Zeit, bis mein Sohn verstand, dass dies nur gut gemeint war und nicht nur ein unangenehmer Druck im Gesicht. Mein Sohn war da eben etwas anders (oder einfach etwas „deutsch„, wie sie zu sagen pflegten), er war sehr sensibel. So schrie er wie am Spieß, wenn er mal auf dem Schoß seiner Großmutter väterlicherseits saß. Leider ist sie schon bald darauf verstorben, so dass sie sich nicht mehr richtig kennenlernen konnten. Möge Allah ihrer barmherzig sein und uns alle im Jenseits im besten vereinen, amin.

Aller Abschied ist schwer…

Meine Schwiegermutter war die wohl „taffste“ Frau in ihrem Alter, die ich kennenlernen durfte. Sie hatte ihr ganzes Leben lang alleine ums Überleben in der Natur kämpfen müssen (ihr Mann starb kurz nach der Geburt meines Mannes), und auch im hohen Alter ließ sie sich kaum etwas abnehmen.

Hooyo Halimo.jpgAufeinmal bekam sie aber Herzinfarkte, und zum ersten Mal war sie wirklich auf Hilfe angewiesen. Das fing in der Zeit an, als sie bei uns lebte und ich eine Zeitlang alleine mit ihr und den Kindern war. Gott sei Dank erholte sie sich langsam wieder davon, konnte nach einer halbseitigen Lähmung wieder sprechen und auch langsam laufen. Leider passierte das noch ein paarmal, bis sie beim letzten mal ins Wach- Koma fiel. Zu der Zeit lebte sie zwar bei meiner Schwägerin, aber auch in Garowe, unweit von uns. Drei Monate kümmerten sich 3 ihrer Töchter Tag und Nacht um sie. Sie war nicht im Krankenhaus, wie das in Deutschland der Fall wäre. Dafür kam regelmäßig ein Arzt zu Besuch und sie hatte die besten Betreuer, die man sich vorstellen kann: die eigenen Kinder. Sie mussten sie künstlich ernähren, kümmerten sich um all ihre Bedürfnisse, die sie nicht mehr aussprechen konnte und noch darüber hinaus. Sie glänzte jedesmal von dem Schwarzkümmelöl, womit sie regelmäßig massiert wurde. Jeden Tag war ihr Zimmer voller Besucher, und ich konnte meinen Schwägerinnen die schlaflosen Nächte zwar ansehen, jedoch ließen sie nie ein Klagen von sich. Da es im Islam unsere Pflicht ist, sich um unsere Eltern zu kümmern, erfüllten sie dankbar und tapfer ihre Aufgabe (maa shaa Allah).

Einmal wurde auf ihrem Kopf Hijama gemacht, das heißt blutiges Schröpfen (aus der Sunnah- Medizin). Dabei kam einiges an verstopftem Blut heraus. Danach ging es ihr ersichtlich besser: sie wurde sogar im Rollstuhl in den Hof gefahren, und ich meine, dass sie mich irgendwie erkannt hat, als ich sie besuchen kam, denn sie lächelte so gut sie konnte (halbseitig). Aber bald darauf, nach 3 Monaten im Wach-Koma, mussten wir sie gehen lassen. Bei der letzten Waschung war sie wohl noch ganz weich und gar nicht kalt, wie es normalerweise der Fall war. Möge sie in Frieden ruhen!

Garowe vs. Bosasso

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Neue Straße in Garowe

Es war mein erster richtiger Aufenthalt in Garowe (davor hatte ich nur eine Nacht im Hotel dort verbracht). Auf Anhieb mochte ich es mehr als Bosasso. Alles erschien übersichtlicher, sauberer, schöner, und es gab sogar mehrere geteerte Straßen. Im Gegensatz zu Bosasso ist es meiner Meinung nach familienfreundlicher, da es sicherer und überschaubarer ist. Bosasso hat zwar mehr attraktive Ausflugsorte, jedoch ist es eine riesengroße Stadt, mit viel Chaos.

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Größte Moschee in Bosasso

 Zudem wird es in den Sommer-monaten uner-träglich heiß, so dass man aufs Land ziehen muss für diese Zeit. Es gibt dort u.a. auch kriminelle Menschen, die aus den Nachbar-ländern kommen. Sie sind dort auf der Suche nach Arbeit gestrandet, oder nach einem illegalen Platz in einem der Schiffe, die sie ins Ausland bringen könnten. Dass diese Reisen oft ein anderes Ende nehmen, als man sich irgendeiner Menschenseele wünschen würde, ist weithin bekannt. Jedenfalls ist es dort nicht sehr sicher, speziell nicht wenn es dunkel ist, und als Mädchen oder Frau schon mal gar nicht. Wenn man sich aber an gewisse Regeln hält (nicht alleine ausgehen, Nachts daheim bleiben oder nur mit Auto raus), ist es auch dort leb-bar. In meiner letzten Südafrika- Reise habe ich gesehen, dass es sogar noch viel gefährlichere Städte und Länder gibt als Bosasso!

Sicherheit hat seinen Preis!

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Blick auf den Gebäudekomplex der UNO in Garowe

Aufjedenfall war ich froh, nun in Garowe zu leben. Auch wenn in Garowe alles etwas überteuert ist (sowohl die Lebens-mittel als auch die Grund-stücke), lohnt es sich meiner Meinung nach, dort zu leben. Besonders, wenn man ein Familienmitglied hat, welches von Al- Shabab- Anhängern im Visier steht. Die haben in Garowe nämlich kein leichtes Spiel (alhamduliLlah). Denn die Stadtgrenze wird streng bewacht, fast jedes Auto durchsucht, und wenn ihnen jemand verdächtig vorkommt, wird er erstmal festgehalten, bis sich sein Fall geklärt hat. Wenn sie beispielsweise einen jungen Mann sehen, der aus dem Süden Somalias‘ kommt (wo die Shabab ihren Sitz haben), dann muss erstmal bewiesen werden, dass er keiner von denen ist, und dass er von jemandem erwartet wird. Auch innerhalb der Stadt gibt es nachts an bestimmten Stellen Polizei- Kontrollen, die auf der Suche nach Verdächtigen sind. Das liegt daran, dass hier sehr viele UNO- Mitarbeiter leben (die hier ihren Sitz haben), und die Regierung von Puntland ebenso. Ich bin schon oft durch so eine Kontrolle gefahren, aber hatte alhamduliLlah nie Probleme– fast nie. Ein oder zweimal wollte einer der ungebildeten Soldaten, dass ich mein Gesicht entschleiere und hat etwas herum geschimpft. Leider werfen solche extremen Gruppen wie die Al- Shabab die islamische Kleidung und Begriffe in ein falsches Licht. So sind Symbole eines praktizierenden Muslims auf einmal zum Symbol eines potentiellen Terroristen geworden. Auch bei Ausländern werden sie dann skeptisch. Aber durch einen Anruf meines Mannes, der denen dann erklärte, dass ich seine Frau bin, konnte das sofort gelöst werden (alhamduliLlah).  Solche Vorfälle waren aber eher die Seltenheit. Das eine mal war es sogar meine Schuld, da ich nachts in die falsche Richtung gefahren bin, zur Stadtgrenze hin (jaja, Nachts habe ich noch etwas Orientierungs-probleme :-D). Und falls jemand sich dafür interessiert, hierher zu kommen, werden wir auch versuchen, in solchen Ausnahms-Situationen zu helfen, in shaa Allah.

Ruhe vor dem Sturm

Dieser Lebensabschnitt in Somalia war richtig angenehm im Vergleich zu den vorherigen (oder war es nur die Ruhe vor dem Sturm?). Ich lernte immer besser die Sprache, und lebte auch mit meiner Co- Schwester zusammen, mit der ich eine sehr gute Unterstützung und Freundin an meiner Seite haben durfte (alhamduliLlah, möge Allah sie reichlich belohnen). Sie hatte zu studieren angefangen, so dass ihre Zwillinge vormittags mit mir waren. Etwas getrübt wurde die Zeit von den häufigen Krankheiten meines Sohnes. Von einer Mittelohr- Entzündung zur nächsten hatte er bald auch schon Masern. Ja, richtig, ich habe ihn bewusst nicht geimpft!15140126594192018937318.jpg Aber das ist ein anderes, komplexes Thema. Früher jedenfalls war es auch eine normale Kinderkrankheit, ich selber wurde auch nicht dagegen geimpft. Und den Impfungen, die es in Somalia gibt, traue ich schon mal gar nicht übern Weg. Aber das sollte jeder individuell entscheiden dürfen. Genug Informationsmaterial für und gegen das Impfen gibt es ja Gott sei Dank reichlich genug. Jedenfalls haben wir es einigermaßen gut überstanden (alhamduliLlah). Unsere Zwillinge wurden schon heftiger getroffen, sie waren sogar am Tropf. Das Wichtige ist, dass man den Kindern bei Masern keine Fieber senkenden Mittel geben sollte, wie es in dem Buch „Die Kindersprechstunde“ von Wolfgang Goebel und Michaela Glöckler geschrieben steht. Damals wußten wir das noch nicht, aber alle unsere Kinder sind gut darüber hinweg gekommen, alhamduliLlah.

Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück

Bald erfuhr ich dann, dass ich ein nächstes Baby erwarten würde. Schneller als man planen konnte, aber ich war sehr glücklich darüber (alhamduliLlah). Diese Vorfreude wurde plötzlich durch den beinahe tödlichen Autounfall meines Mannes erschüttert. Es war im Sommer 2014, als er sich mit ein paar Regierungsleuten auf den Weg nach Galkayo machte, um an einer Friedensverhandlung zwischen Somaliland und Puntland teilzunehmen, bzw. sie zu koordinieren. Sie waren in Begleitung von einigen mit Soldaten beladenen Regierungs- Autos unterwegs. Mein Mann fuhr allen voran in seinem damaligen Jeep, sein Beifahrer war ein guter Freund von ihm, der aus Kanada nach Somalia kam. Er war Ehemaliger Stabchef des Premierministers und wurde kurz zuvor zum General Direktor der Puntland Investierung& Entwicklungs- Autorität ernannt.

wp-image778909042.jpgSie waren noch nicht weit weg von Garowe, da kam ihnen eins dieser überfüllten Kombi-wagen entgegen. Mein Mann wunderte sich schon, dass das Auto so hin und her fuhr, überhaupt nicht gerad-linig und mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit (später sah man, dass sein Tachometer auf 120 kmh stehen blieb, eindeutig zu schnell für so eine schmale Landstraße). Als er daran vorbeifahren wollte, steuerte dieses Auto direkt auf das Auto meines Mannes zu. Mein Mann versuchte nach rechts auszuweichen, da war es auch schon zu spät- es krachte!

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Links: der Jeep meines Mannes; Rechts: der Kombiwagen

Das andere Auto war größtenteils zertrümmert, es starben 7 von den 11 Leuten. Der Fahrer und eine Mutter mit ihren zwei Kindern überlebten, jedoch mit schweren Brüchen. Der Beifahrer meines Mannes war auch sofort tot (inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un). Mein Mann selber wurde im Koma ins Krankenhaus gefahren, von wo aus wir angerufen wurden. Es wurde uns gesagt, dass nicht sicher ist, ob er überleben würde. Das waren die schlimmsten Augenblicke meines Lebens, mir gingen allzu viele Dinge durch den Kopf. Im Krankenhaus angekommen, mussten wir uns erstmal einen Weg durchkämpfen, da es von Leuten nur so wimmelte. Endlich im ebenfalls vollen Zimmer meines Mannes angekommen, sahen wir ihn mit offenen Augen– alhamduliLlah! Er konnte uns irgendwie verständlich machen, dass er okay ist, aber richtig sprechen und sich bewegen, dazu war er nicht in der Lage. Sein Ende war noch nicht für ihn bestimmt, alhamduliLlah.

„Sprich: `Nichts kann uns treffen außer dem, was Allah bereits niedergeschrieben hat. Er ist unser Beschützer. Und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.´“ (At–Tauba (9):51)

Während ich versuchte, unseren Kindern beizustehen, kümmerten sich meine Co-Schwester und meine Schwägerin darum, dass die nötigsten Untersuchungen an meinem Mann gemacht wurden. In der späten Nacht konnte er schon zu uns kommen. Er erlitt ein Schütteltrauma, und hatte überall so starke Schmerzen, dass für ihn jede Bewegung unerträglich war. Aber wir waren einfach nur überglücklich, dass er überlebt hatte (alhamduliLlah). Die nächsten Tage sahen wir ihn kaum, da so viele Leute ihn besuchen wollten. Wir errichteten in unserem Wohnzimmer ein Krankenbett (altes Krankenhausbett, was automatisch verstellbar ist) und zahlreiche Stühle für die Besucher. Selbst der Präsident Puntlands, Abdiwali Gaas, kam, um ihn zu besuchen. Auch uns und unsere Kinder begrüßte er.

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Somalische Gastfreundschaft kennt keine Grenzen

Für mich war es auf der einen Seite schön zu sehen, wie viele Leute sich um meinen Mann kümmerten. Auf der anderen Seite jedoch konnte ich es nicht so nachvollziehen, dass die Leute ihm keine Ruhe gönnten. Er kam gar nicht dazu, tagsüber zu schlafen, obwohl er so dringend Ruhe benötigte. Aber es spricht gegen die somalische Gastfreundschaft, die Leute einfach wieder nach Hause zu schicken. Er konnte auch nach ein paar Tagen noch nicht alleine laufen, da ihm so schwindelig wurde und alles schmerzte, speziell im Brustbereich. Deswegen wurde dann beraten, wo man ihn am besten hinschicken solle, um ihn gründlich medizinisch untersuchen zu lassen. Die Regierung und Freunde wollten für die Kosten aufkommen. Sie schwankten zwischen Kenia, Türkei und Deutschland. Letztendlich viel die Wahl auf Letzteres, zumal ich ihm dort helfen konnte und die medizinische Versorgung dort die beste ist.

…und ihre Spontanität auch nicht!

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Vor unserem Privat-Jet

Ich hatte also einen Abend Zeit, alles zu packen. Da ich im 6.Monat schwanger war, dachte ich schon daran, in Deutschland auf mein Baby zu warten, aber ich sprach es noch nicht wirklich an. Denn erstmal war die Frage wichtig, ob bei meinem Mann alles in Ordnung ist, und ob ich in der Lage war, schwanger und mit Kleinkind bepackt, ihm zu helfen.Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? Geplant waren nur 2 Wochen, um dann wieder zurück zu kehren, falls alles in Ordnung mit ihm sei. Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? In einem Privatjet wurden wir von Garowe nach Mogadischu geflogen. Es saßen nur noch 3 weitere Männer hinter uns, doch wir saßen direkt hinter den Piloten, konnten alles live sehen und mitverfolgen! Das war eine beeindruckende Erfahrung (maa shaa Allah). Doch bald schon wurden wir vom Ernst des Lebens eingeholt, als wir ständig warten mussten, dass meinem Mann geholfen wird. Denn er konnte noch nicht alleine laufen. Aber da wo es ging, konnten wir einen Rollstuhl benutzen. In Mogadischu angekommen, wurden wir sofort in die VIP-Lounge gebracht, wo wir bequem auf den Weiterflug nach Kenia warten konnten. Während ich mit meinem Sohn beschäftigt war, sprach mich auf einmal eine Frau vom Personal dort an, ich solle doch meinen Gesichtsschleier entfernen. Stellt euch mal vor- in einem Muslimischen Land (subhanaLlah)! Das tat ich natürlich nicht, ich zeigte ihr bloß, dass ich eine Frau bin und kein Terrorist. Es ist auf der anderen Seite auch verständlich, dass sie in Mogadischu besonders unter Stress stehen, wegen den immer wiederkehrenden Bombenanschlägen. Aber ich wäre ja nicht einfach so in die VIP-Lounge gekommen, und außerdem weiß ich von keinem Fall, dass ein Terorrist sich darunter versteckt hätte. Mein Mann sprach dann auch nochmal zu ihr, dann war alles gut.

Kaltes Eid in Kenia

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Mein Mann mit Scheich Umal

Unser Weiterflug nach Kenia musste in einem Ort namens Wageer. Dort durfte mein Mann im Flugzeug sitzen bleiben, aber alle anderen inklusive mir und meinem Sohn mussten zur Grenz-station zur Pass-kontrolle und Visa- Angelegenheiten. Die Grenzpolizisten waren sowas von unfreundlich, aber nach kurzer Zeit ging es Gott sei Dank wieder weiter. In Nairobi angekommen, wurden wir von einigen Freunden meines Mannes empfangen. Dort leben einige Somalische Gelehrte, unter anderem Scheich Umal, einer der wichtigsten Somalischen Gelehrten derzeit, der uns auch besuchen kam. Sie brachten uns in ein feines Hotel. Ihr glaubt nicht, wie kalt es uns dort erschien! Es war so um die 20 Grad Celsius, wir fühlten uns jedoch wie auf Eis, da wir gerade aus dem Hochsommer Somalias kamen. Also mussten erstmal ein paar warme Klamotten her, die eine liebe Schwester uns besorgte. Am nächsten Tag war das Eid- Gebet, welches unser langweiligstes seit langem war (zumindest für mich), da wir weder bei Freunden noch bei Familie waren. Aber das war ebenfalls nebensächlich in Anbetracht dessen, dass mein Mann gerade eben dem Tode entkommen war. Das Eid-Gebet fand draußen statt, es war unglaublich voll, voller Somali´s maa shaa Allah. Mir wurde angeboten, auf Shoppingtour zu gehen, aber ich war so erschöpft, mir war garnicht danach. Aber was ich so sehen konnte, ist Nairobi sehr schön tropisch und gut entwickelt. Ein Straßenpolizist wünschte uns sogar ein frohes Eid.

Eigentlich könnte dieser Bericht hier enden, da es von nun an nur noch indirekt mit Somalia zu tun hat. Jedoch dann würdet ihr einige wichtige Merkmale der Somalischen Menschen nicht mitbekommen!

Unter Germali´s

Nach ca.2 Tagen in Nairobi ging es also endlich weiter- ins noch viel kältere Deutschland! Der typische graue Regenhimmel begrüßte uns bereits (für Somali´s etwas schönes!). Eine befreundete Somalische Familie holte uns vom Frankfurter Flughafen ab und fuhr uns ein halbes Stündchen ins Nachbardorf. Es war sehr schön, unter sogenannten „Germalis“ zu sein! Dabei stellten wir fest, dass ich inzwischen fast somalischer als die Töchter unserer Bekannten war! Was Lebensgewohnheiten betrifft, als auch die Ausspprache. Ich bin noch weit entfernt davon, richtig Somalisch srechen zu können, aber die Basis- Dinge kann ich (alhamduliLlah).

Ein Wunder wird wahr!

wp-image229652993.jpgWir brachten meinen Mann in das nächst-gelegene Evangelische Krankenhaus, Dort waren sie sehr schockiert und betroffen über den Vor-fall. Sofort bekamen wir den besten Service in der Notaufnahme. Der junge Oberarzt versicherte uns zudem, uns einen „fairen Preis“ zu machen, indem er auf sein Gehalt ver-zichtete. Es war trotzdem noch teuer genug, aber immerhin eine sehr großzügige Geste, maa shaa Allah! Mein Mann wurde von A-Z untersucht, speziell am Kopf und an der Wirbelsäule. Wie ein Wunder stellte sich nach einigen Tagen heraus, dass er noch nicht mal einen einzigen Knochenbruch erlitt (alhamduliLlah)! Wir waren natürlich sehr erleichtert. Trotzdem war sein Schwindel noch da.

Zurück in den Ruhrpott (Back to the roots)

Meine Eltern kamen aus dem ca.3 Stunden entfernten NRW zu Besuch, übernachteten 2 Nächte im Hotel und überzeugten uns dann, mit zu ihnen zu gehen. Wir bekamen das Auto eines Bekannten unserer Freunde ausgeliehen, und konnten damit bis zu meinen Eltern fahren. Das ist eines der vielen Beispiele für die Hilfsbereitschaft der Somali´s (Allahumma baarik). In NRW besuchten wir dann auch unseren Osteopathen, der zuvor schon mein Kind behandelt hatte, und seine Frau mich. Er schaffte es, dass der Schwindel und die Kopfschmerzen meines Mannes weggingen (alhamduliLlah). Da wir so begeistert von ihm waren, haben wir ihn seitdem jedem empfohlen, der betreffende Beschwerden hat (seine Seite findet ihr hier) . Sogar Scheich Umal aus Kenia kam eines Tages zu meinen Eltern, um zu diesem Osteopath zu gehen, welcher dann erkannte, dass dieser vor 10 Jahren einen Autounfall hatte (ohne dass es vorher erwähnt wurde).

MercedesBald wurde mein Mann zu einer Somalischen Islam- Konferenz in Frankfurt eingeladen, wohin er das Auto zurückbrachte. Er kam mit einem noch besseren Auto zurück: einem Mercedes Benz (etwas älteres Model, aber trotzdem Top)! Der wurde ihm von einer ganz tollen Somalischen Familie gegeben, die auf dem Weg war, ihn zu verkaufen. Ich durfte ihn solange nutzen, bis wir wieder zurück nach Somalia gehen würden. Allerdings hatte ich manchmal den fetten Benz gegen das Mini- Zweitauto meiner Eltern getauscht, weil er mir einfach zu wuchtig war zum herumfahren. Da passierte meiner Mutter eines Tages ein KLEINER Unfall mit dem Benz- sie ist ausgerutscht und gegen eine Leitplanke gestoßen, als der erste Schnee auf den Straßen lag. Die ganze Stoßstange hätte ausgewechselt werden müssen. Aber jetzt kam wieder die Somalische Großzügigkeit ins Spiel: die Besitzer des Autos hatten sich strikt geweigert, dass wir die Reparaturkosten übernehmen (maa shaa Allah, möge Allah sie reichlich dafür belohnen)! Ich weiß gar nicht mehr genau, was mit dem Auto dann geschah, jedenfalls fuhr ich von da an mit dem Mini- Auto herum, was meine Eltern extra wegen mir gekauft hatten.

Somalische Gastfreundschaft kommt nicht von ungefähr!

Wie ihr seht, sind die Somali´s ein sehr großzügiges und hilfsbereites Volk (maa shaa Allah). Sie haben quasi eine „offene Hand“, d.h. sie geben lieber als das sie nehmen. Vielleicht kommt das auch ein bisschen vom Lebensstil, da sie- auch wenn sie keine Nomaden sind- oft herumziehen und oft schon ihr Hab und Gut hinter sich lassen mussten. Aber zum großen Teil kommt das auch von ihrer Religion, dem Islam, den sie zu ihrer Kultur gemacht haben. So wird vom Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) überliefert, dass er sagte:

“Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der den Menschen am nützlichsten ist.” (Al Buchari über Ibn Umar)

Und im Qur´an steht, dass unser Schöpfer uns ersetzen wird, was wir weggeben:

Sprich: „Wahrlich, mein Herr erweitert und beschränkt dem von Seinen Dienern den Unterhalt, dem Er will. Und was immer ihr spendet, Er wird es ersetzen; und Er ist der beste Versorger.” (Quran 34:39)

Das haben die Somalischen Menschen tief verinnerlicht (maa shaa Allah).

charity

Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen, auch wenn er etwas länger ausgefallen ist. Nächstes Mal werde ich euch über meinen bisher längsten Lebensabschnitt in Somalia berichten, der bis heute andauert (alhamduliLlah).

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

2.Phase: Bestandsprobe oder „Von nichts kommt nichts!“

Zurück nach Somalia

In diesem Artikel werde ich euch über meine zweite Periode in Somalia berichten, welche vom Winter 2010/11 bis Herbst 2012 andauerte. Es war die bisher härteste Zeit in Somalia für mich, aber darauf werde ich gleich genauer eingehen (in shaa Allah).

Bosasso Landkarte

Diesesmal kamen wir mit annehmbaren Fliegern (alhamduliLlah).

Hinter großer Belohnung steckt viel Anstrengung

Es ist im Islam ein bekanntes Phänomen, dass der Teufel sich zwischen den Muslim und seine Auswanderung (Hijrah) stellen will. In einer der Aussagen unseres Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) wird überliefert, dass der Satan sich zwischen 3 Dinge und den Muslim stellen will, wobei eine davon die Hijrah sei: „(…) Satan liegt und wartet auf dem Weg des Sohnes Adams und er liegt und wartet vor dem Weg des Islam. Satan sagt: Wirst du den Islam annehmen und deine Religion und die Religion deiner Vorfahren verleugnen? Dann wird er nicht auf ihn hören und den Islam annehmen. Satan liegt und wartet auf ihn auf dem Weg der Auswanderung und sagt: Wirst du auswandern und dein Land und Himmel verleugnen, wissend, dass derjenige, der auswandert, nur wie das Pferd zu seinem Pflock ist? Dann gehorcht er ihm nicht und wandert aus (…).“ (ungefähr übersetzt von mir; Sunan An-Nasa’i 3134; Hasan laut Al-Mundhiri und Sahih laut Sh. Albani)

Satan wird also immer versuchen, einem die Auswanderung auszureden, z.B. indem er einem einflüstert, wie rückständig es doch dort in dem Land ist, und dass man ohne die ganzen Luxusgüter nicht leben kann, uvm. Dabei ist die Belohnung für diese aufgeführten Taten (Konvertierung und Auswanderung) unermeßlich hoch, wie wir am Ende des Hadithes sehen: „Wer auch immer das tut, hat ein Recht bei Allah Dem Erhabenen auf das Paradies.“ (gleiche Quelle, von mir übersetzt).

Blumen

Für mich ist es dementsprechend auch die bisher schwerste Zeit gewesen (alhamduliLlah). Diesmal hatten wir vor unserer Abreise aus England unsere Wohnung und alles aufgegeben, also wurde es nun richtig ernst mit unserer Absicht auszuwandern. Ebefalls hatten wir Versicherungen und ähnliches abgemeldet. Nun konnten wir ruhigen Gewissens einen Neuanfang in Somalia wagen (in shaa Allah).

Selbstständig auf dem Markt

Diesmal ging es für uns direkt nach Bosasso, der wohl größten Stadt des Bundesgebietes Puntland. Zu der Zeit war es in Bosasso angenehm kühl. Die Wiedersehensfreude war sehr groß (maa shaa Allah). Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kam die freudige Nachricht von einer Zwillings- Schwangerschaft meiner Co- Schwester (Maa shaa Allah). Das bedeutete jedoch bald für mich, dass ich mehr Aufgaben übernehmen musste, da sie eine Risiko- Schwangerschaft hatte und hauptsächlich liegen sollte. Normalerweise war sie es, die die ganzen Aufgaben draußen erledigte, wie zum Beispiel den täglichen Einkauf auf dem Markt. Denn wir hatten zu der Zeit- wie die meißten Einwohner- keinen Kühlschrank aufgrund der hohen Strompreise. Also musste ich ins kalte Wasser springen und mich mit meinen begrenzten Somalisch- Kenntnissen in die „Höhle des Löwen“ wagen!

Bosasso Suuqe
Typische Straße in Zentrum von Bosasso

Der Markt von Bosasso ist riesengroß und wimmelt nur so von Menschen. Allein schon das Geld zählen fiel mir anfangs schwer. Denn jeder Schilling (Cent) ist ein Geldschein!  Man zieht also täglich mit ca. 300 Geldscheinen los, und muss für jedes Gemüse die einzelnen Schillings davon abziehen! Die Verkäuferinnen (meißtens sind es Frauen) zählen dann noch mal alles durch. Anfangs ließ ich mir noch von dem Kind helfen, welches ich mit mir nahm; oder ich gab das Geld direkt der Verkäuferin, so dass sie für mich zählen möge. Aber mit der Zeit wurde ich auch sicherer und es machte mir nichts mehr aus (alhamduliLlah). Der Straßenverkehr war ebenfalls gewöhngsbedürftig: ein Haufen Chaos ohne Regeln! Die einzige Regel ist wohl, dass der Stärkere gewinnt. Und sowohl Fußgänger, als auch Ziegen, die überall zwischen den Autos herum liefen, sowohl als auch Autos, die an jeder beliebeigen Stelle anhielten, machten es nicht weniger riskant. Kein Wunder, dass der Stau manchmal nur mithilfe eines in die Luft schießenden Soldaten behoben werden konnte! Aber nun gut, da musste ich halt durch!

Radius erweitern

Mein Radius in Bosasso wurde ebenfalls erweitert durch das frühmorgendliche besorgen frischer Kuhmilch. In Bosasso gab es damals nur zwei Stellen, wo man diese direkt von den Kühen besorgen konnte: eine Stelle in unserer Nähe, jedoch die kam überhaupt nicht in Frage, da die Kühe dort unter schlimmsten Umständen gehalten wurden. Sie bekamen bloß Mango- und Bananschalen als Futter, und ihre Hufen waren eine Elle lang, bereits nach oben gebogen. Zudem standen sie auf recht engem Raum in  ganz viel Mist. Die andere Stelle lag etwas weiter weg, am Rande der Stadt. Dort liefen die Kühe immerhin frei herum (wobei sie natürlich auch viel Pappe und Essensreste fraßen), und dementsprechend sahen sie auch besser aus. Eine Zeit lang konnte die ältere Verkäuferin, die die Milch sonst immer auf dem Markt verkaufte, aus irgendwelchen Gründen das nicht mehr tun. Also musste ich die Milch abholen, mit ein paar Frauen als Beifahrerinnen, die das gleiche Ziel hatten und mir den Weg zeigten. Direkt nach Sonnenaufgang ging meine Fahrt dorthin los, um die frische Milch zu holen. Danach gin es zum Markt und dann nachhause. Irgendwie genoß ich aber die „neue Freiheit“, einfach mit dem Auto raus zu fahren und Besorgungen zu machen, sprich ein normales Leben zu führen. Denn für übertriebene Besorgnis war nun kein Platz mehr, es ging einfach nicht anders (alhamduliLlah!).

Lichtblick

Ein großer Lichtblick war für mich der Tag, an dem meine Co-Schwester zu mir kam und sagte, sie hätte eine „weiße Schwester“ für mich gefunden- und zwar direkt in unserer Nachbarschaft! Sie hatte draußen eine europäische Frau mit zwei Kindern entdeckt, und direkt ihre Telefonnummer „ergattert“, da sie genau wußte, dass ich mich sehr freuen würde. So dauerte es nicht lange, bis ich die Schwester besuchte. Sie kam aus Finnland zu Besuch zu ihren Schwiegereltern und freute sich ebenso, eine Gleichgesinnte zu haben. Von da an kam sie fast jeden Tag zu uns zu Besuch (alhamduliLlah). Meine neue Freundin verhielt sich ganz frei in Bosasso- sie ging überall zu Fuß hin, sei es auf den Markt oder sonstwo hin. Als meine Schwiegerfamilie das erfuhr, war sie etwas beruhigter was meine Ausflüge betraf (alhamduliLlah).

Riskanter Ausflug

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Strand in Bosasso,, etwas außerhalb des sandigen, jedoch vollen Strandes.

Eines Tages fuhr ich zwecks unseres Wochenend- Ausflugs mit einem übervollen Autobus (einige unserer Verwandten Kinder waren auch dabei) zum Strand. Wir waren nur Frauen und Kinder im Auto. Ich war so sehr auf die Huggelpiste auf der ich fuhr konzentriert, dass ich garnicht bemerkte, dass ich direkt auf den Präsidentenpalast des Puntland-Präsidenten drauf zu steuerte! Durch einen Schuß wurde ich dem gewähr und wollte schnell umdrehen. Jedoch ließ ich diese Idee aufgrund eines zweiten Schußes sofort fallen. Dann kam auch schon ein Soldat und fragte, was wir denn vorhätten. Ich war etwas wagemutig, indem ich ihm harrsch antwortete, dass wir bloß zum Strand wollten und ich ihn nicht gesehen hätten. Alhamdulillah ließ er uns gehen. Während unseres ganzen Ausfluges wurden wir von einem merkwürdigen Auto beobachtet, das erst abfuhr, nachdem wir das auch taten. Aber das war uns egal, wir hatten trotzdem einen schönen Ausflug (alhamduliLlah). Das war auch nur ein Einzelvorfall, nicht dass ihr denkt, es läuft jedesmal so ab!

Unter einem Dach mit Schwiegermutter

Im Mai 2011 musste meine Co- Schwester uns verlassen, da sie ihre Zwillinge in Dänemark bekommen sollte. Es war für alle kein leichter Abschied, zumal auch mein Mann mit ihr gehen musste. Dafür zog meine Schwiegermutter (möge Allah ihr gnädig sein) zu uns, um mir mit allem zu helfen. Somit begann für mich das ‚echte‘ somalische Leben: ich hatte plötzlich niemanden mehr, mit dem ich mich verständigen konnte außer auf Somalisch (und das war damals noch ziemlich begrenzt); ich lernte Wäsche von Hand zu waschen, auf Feuer zu kochen und lernte auch die gesamte Familie nochmal besser kennen, da jeden Tag welche zu Besuch kamen. Leider war es dann auch wieder soweit, dass es zu heiß wurde, um in Bosasso zu bleiben. Also mussten wir nach Qardho umziehen, wo ich ja schon bei meinem ersten Aufenthalt in Somalia war.

Qardho isku eg

Meine Schwiegermutter hatte wirklich viel Verständnis und Geduld mit mir in Anbetracht dessen, dass wir aus zwei völlig verschiedenen Welten kamen. Sie war das harte Nomaden-leben gewohnt, zog mit 10 Kindern und noch anderen anvertrauten Kindern durch die Steppe, und auch im hohen Alter wollte sie sich kaum bei irgendetwas helfen lassen (maa shaa Allah). Daneben kam ich mir als verwöhntes Stadtmädchen ganz komisch vor! Ich fragte mich manchmal, was mir nun mein Abitur gebracht hat für solch ein Situation.

Ich konnte also viel von ihr lernen, und abgesehen von ein paar Missverständnissen haben wir uns irgendwie doch gut verstanden (alhamduliLlah). Sie war aber auch sehr besorgt um mich, so dass ich mir für jedes rausgehen einen guten Grund (die gab es Gott sei Dank genug) überlegen musste.

Rätsel des Tages: Woher kommt sie?

Fragezeichen.jpgQardho ist eine kleine (aber recht grüne) Stadt, die dank der sommerlichen Zuzügler aus Bosasso richtig an Größe zunahm. Aber trotzdem ist es noch sehr dörflich. Wenn ich durch die Straßen fuhr, bekam ich immer sehr viel Aufmerksamkeit und Kommentare, obwohl ich von Kopf bis Fuß bedeckt war! Es kam sogar vor, dass einige Kinder mich als „Gaalo“ riefen. Das ist ein Begriff für einen Nicht- Muslim. Für sie konnte jeder Weiße Mensch einfach nur ein „Gaalo“ sein, egal wie muslimisch man sich bedeckte! Und auch gebildetere Leute rätselten des öfteren, ob ich nun Araberin sei oder was sonst noch. Sie waren also keine Ausländer gewohnt, höchstens gut bewachte UNO- Mitarbeiter und ein paar Arabische Ärzte oder Lehrer.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, im Ramadan nachts zur Moschee beten zu gehen mit meiner Schwägerin. Auch da schauten sie natürlich, aber es war anders, da die Frauen dort gebildeter waren. Außerdem war ich durch das Gebet unverkennlich ein Muslim (alhamduliLlah) 🙂

Internet- Entzug – heute unvorstellbar!

Qur'an
Kein Internet: mehr Zeit für den Qur’an!

Mit den ganzen Kindern meines Mannes war es natürlich nicht immer einfach, aber sie gaben mir auch einen Grund, dort zu bleiben und für sie da zu sein. Denn so hatte mein Mann und seine andere Frau noch indirekt einen Draht zu ihren Kindern und waren ständig auf dem neuesten Stand. Internet hatten wir anfangs noch nicht, dafür ein Festnetz- Telefon, was natürlich ins Ausland nicht ganz billig war. Mit meinen Eltern hielt ich aber trotzdem immer so einmal in der Woche den Kontakt. Durch den Internet- Entzug (damals kannte ich kein WhatsApp und war auch nicht auf FB) lernte ich in der Zeit jedoch sehr intensiv das Rezitieren des Qur’ans (alhamduliLlah). Dazu wurde ich auch durch die Kinder angespornt, die Vormittags und Nachmittags zur Qur’an- Schule gingen (es war ja ihre Ferienzeit, also hatten sie keine Schule). Abends half ich ihnen dann mit ihren Hausaufgaben, die aus dem Auswendiglernen bestimmer Stellen im Qur’an bestanden. Diese Internet- Entzugs-Phase tat mir also eigentlich ganz gut! Später hatten wir Internet, aber es funktionierte nicht immer. Dadurch hatte ich ab und zu wertvolle Kontakte zu einem Muslima- Forum.

Pädagogische Herausforderung

erzieher glückGerade auch das erste halbe Jahr ohne meinen Mann hatte ich Sorge zu tragen um die Kleinste, die damals erst fast 3 Jahre alt war. Wenn man noch keine eigenen Kinder hat, ist es generell nicht so leicht, mit Kindern in jeder Lage angemeßen umzugehen, aber ich versuchte mein Bestes. Ich habe mir schon immer Arbeiten mit Kindern gewünscht, nun bekam ich diese Gelegen-heit– ich bin vielfache Mutter geworden, ohne Wehen gehabt zu haben (alhamduliLlah). Doch Somalisch Erzogene Kinder sind auch eine echte Heraus-forderung: durch die andere Erziehungsmethode, welche vor allem mit Druck und Angst arbeitet, hat man es als Europäer erstmal nicht so leicht, sich benächsten Berichti ihnen durchzusetzen. Denn wenn man nicht die gleichen Methoden anwendet, nehmen die Kinder einen nicht ernst („Mit ihr kann man es ja machen, die schlägt nicht!“). Also musste ich mich etwas anpassen, zumindest im Tonfall. Noch bis heute wundert sich mein Mann manchmal, wie anders ich auf Somalisch rede als wenn er mich Englisch oder Deutsch reden hört. Ich kann auch besser auf Somalisch schimpfen als auf Deutsch. Irgendwie habe ich mir das unbewußt so angewöhnt!

TelefonIch weiß garnicht mehr, wie die Zeit doch herum ging, ohne dass ich jemanden um mich hatte, mit dem ich mich zumindest auf Englisch hätte verständigen können. Mein Mann kam zwar alle paar Monate, aber die meißte Zeit waren wir getrennt. Das Schwierigste war für mich, dass ich mich einsam fühlte, obwohl ich unter Leuten war. Ich konnte mich halt nur oberflächlich mit ihnen verständigen. Aber Gott sei Dank war ich ja auch viel beschäftigt und letztendlich hatte ich viel Halt durch die häufigen Telefon-gespräche mit meinem Mann und meiner Co- Schwester, nicht zuletzt aber auch in meinen Gebeten zu Allah (alhamduliLlah).

Falscher Film? Terror- geschockt!

Dr.Ahmed Haaji Abdirahman
Sh. Ahmed Haaji Abdirahman

Wieder in Bosasso angelangt, passierte im Dezember 2011 etwas Schreckliches: einer der besten Freunde meines Mannes, Sh. Dr. Ahmed Haaji Abdirahman (möge Allah seiner gnädig sein), wurde hinterlistig ermordet. Es geschah am frühen morgen, als der fastende Shaikh gerade vom Morgengebet aus der Moschee herauskam und nach Hause gehen wollte. Da schossen drei junge Männer erst in die Luft, dann jagten sie ihm hinterher und schossen ihm direkt in den Kopf. Das war nur ein paar Meter vor seiner Haustür, vor den Augen seiner Frau. Etwa 800 Meter von uns entfernt. Täter: Anhänger von der Terrorgruppe Al Shabab. Grund: Er wollte sich ihnen nicht anschließen! Irgendwie veränderte sich von da an so einiges. Es war so ein Aufwach- Erlebnis wie 9/11, auch wenn es in einem kleineren Ausmaß war. Jedoch der Verlust jedes einzelnen Menschenleben auf solch grausame Weise ist einfach furchtbar (ob es nur einer ist oder Tausende) und widerspricht den Lehren, welchen diese Extremisten vorgeben zu folgen. Denn im Qur’an steht: «Wer einen Menschen tötet, tötet die gesamte Menschheit, wer einen Menschen rettet, rettet die gesamte Menschheit.» (Vers 32, Sure 5)

Ein Anschlag mit Konsequenzen

Von da an wurden in Bosasso die Gesetze für den Waffenbesitz ernster genommen: Es durfte nurnoch jemand mit offizieller Lizens eine Waffe besitzen. Dafür wurden zumeißt nachts Wohnungsdurchsuchungen veranstandet. Auch nach Anhängern von Al Shabab wurde überall gesucht. Ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl, da ich nicht sicher war, was diese Soldaten mit mir machen würden FALLS sie zu uns kommen würden. Denn sie würden wahrscheinlich erstmal denken, ich wäre da, um mich dieser Gruppierung anzuschließen (Allah bewahre)!

attentionDiese extreme Gruppierung spaltete auch ganze Familien, welche Mitglieder an diese Gruppierung verloren hatten (sowohl physisch, oder auch einfach mental). Das musste ich leider auch hautnah erleben. Generell war diese Terror-Gruppe noch sehr viel aktiver, als sie heute hier in Puntland ist, denn von diesem Tag an fing der Kampf gegen sie an. Auch mein Mann machte es sich von da an noch mehr zur Aufgabe, gegen diese Gruppe aufzuklären. Sobald er in Somalia war, organisierte er Tagungen und andere Veranstaltungen, um vor allem die Jungen Leute über den wahren Islam aufzuklären und sie davon abzuhalten, sich dieser Guppierung anzuschließen. Er hat sich von direkten Morddrohungen und Bombenwarnungen bis heute nicht davon abbringen lassen, weiter zu machen (maa shaa Allah). Jedoch wurde sein privates Leben dadurch auch etwas eingeschränkt, denn bis heute hat er deswegen Bodyguards an seiner Seite. Nicht, dass er sich vor diesen Extremisten fürchten würde- eher zur „Beruhigung“ seiner Familie und seines Stammes, dessen Oberhaupt (Sultan) er vor ca. 2 Jahren geworden ist. Möge Allah ihn für seinen Einsatz segnen und immer beschützen!

Sh.Abdulkadir Nur Farah
Sh. Abdulqadir Nur Farah

Keiner stirbt, bevor die Zeit für ihn gekommen ist. Damals wußten wir noch nicht, dass einer der großen Gelehrten Somalias‘ – Sh. Abdulqadir Nur Farah (möge Allah ihm gnädig sein und ihn mit Jannatul Firdaus belohnen)- im Februar 2013 von einem der Al Shabab – Terroristen umgebracht werden würde. Und zwar inmitten WÄHREND des Gebets, IN der Moschee!!! Inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un (Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück). Er war für meinen Mann wie eine Art Vater- Ersatz und einer seiner wichtigsten Lehrer. Zuvor hatten wir ihn noch in seinem äußerst bescheidenem Hause besuchen dürfen.

Dazu muss ich nun allerdings erwähnen, dass es heutzutage schon ganz anders ist (alhamduliLlah). Durch solche Geschehnisse wurden die Sicherheitsvorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen deutlich erhöht, und offiziell gibt es hier keine Al Shabab- Anhänger mehr. Gegen Einzeltäter kann man natürlich nichts machen. Allerdings, wo kann man das heutzutage schon- wo ist man noch sicher vor diesen Hirngewaschenen Menschen?

Freudenbotschaft

Im Frühjar 2012 erreichte uns auch eine freudige Nachricht, auf die wir schon länger gewartet hatten: ich erwartete mein erstes Baby (alhamduliLlah)! Dies brachte eine deutliche Veränderung meiner Hormone mit sich, und so hatte ich plötzlich sehr heftiges Heimweh. Wir hatten aber sowieso vor, dass ich mein erstes Kind in Deutschland kriegen sollte. Beim ersten Kind weiß man noch nicht, ob es zu Komplikationen führen wird (weiß man zwar nie, aber das Erste ist oft das Schwierigste). Zudem ist die hygienische Lage in den Krankenhäusern natürlich nicht die gleiche, von der Ausstattung ganz zu schweigen. Auch eine Deutsche Botschaft gibt es hier nicht, was es etwas kompliziert macht, einen Deutschen Pass für das Neugeborene zu bekommen. Denn mit einem Somalischen Pass kommt man heutzutage leider nicht so weit- überall wird ein Visum erwartet.

Auf nach Deutschland!

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Nach Erschwernis kommt Erleichterung- so wird es uns im Qur’an versprochen. In meinem Fall war es die Ankunft meiner Co- Schwester im Sommer 2012 mit ihren inzwischen 1-jährigen Zwillingen (alhamduliLlah). So konnte ich dann kurz vor der Geburt meines Sohnes nach Deutschland fliegen (etwa Oktober 2012). Diesesmal war es mir aufgrund meiner Hormone auch ganz recht, und auch, weil ich einfach mal Zeit zum Verarbeiten des Erlebten brauchte.

Wie es mir in meiner nächsten Zeit in Somalia erging, werde ich euch (in shaa Allah) in einem nächsten Bericht schreiben!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

1. Integrierungsversuche

Ein Leben wie die Sahaba

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Die erste Zeit in Somalia lebten wir sehr bescheiden. Wir fühlten uns fast so, wie die Sahaba damals gelebt haben – das sind die Gefolgsleute des Propheten Mohammed (Frieden und Segen auf ihm).

Da mein Mann vorher in Dänemark studierte und es unser erster, längerer Aufenthalt in Somalia sein sollte, war unser erstes Haus nur mit dem nötigsten ausgestattet. Ausserdem war es ja nur unser Ferienhaus. Wir hatten also Matratzen auf dem Boden, und große somalische Vorhänge an den Wänden. Das war es auch schon an Ausstattung. Als Schränke benutzten wir einfach unsere Koffer. Die Küche bestand aus einem Haufen Geschirr und einem oder zwei Feuerstellen. Dazu hatten wir aber einen ummauerten Hof, in dem unsere Kinder den ganzen Tag spielen konnten und ich meine ersten Sonnenstrahlen )und ersten Sonnenbrand) seit langer Zeit genießen konnte (aufgrund meiner Bedeckung hatte ich in Europa nicht die Möglichkeit, da man dort fast nirgendwo unbeobachtet ist). Selbst das Wasser für die alltäglichen Verrichtungen musste vom Brunnen geholt werden, und Wäsche wurde von Hand gewaschen.

Süßigkeiten

Aber mir machte diese Einfachheit gar nichts aus alhamduliLlah. Ich genoß es eher, mal weg von dem ganzen materialistischen Leben zu sein, von dieser Überfluß-Gesellschaft. Nur an das sehr natürliche Essen und die Art wie es zu sich genommen wurde (mit den Händen) musste ich mich noch gewöhnen. Vielleicht ist es aber auch der „Mangel“ an dem ganzen Süßkram, welchen man „verkraften“ muss. Man kann sagen, ich war in der Zeit auf unfreiwilliger Diät! Aber so geht es jedem Neuling erstmal. Die Geschmacksknospen müssen erstmal die ganzen Zusatzstoffe aus dem Fast Food in Deutschland vergessen und sich an pure, natürliche Zutaten gewöhnen. Außerdem gab es damals auf dem Land noch nicht so viele Alternativen an Süßigkeiten geschweige denn dem leckeren Basmati-Reis. Das hat sich inzwischen jedoch geändert (alhamduliLlah)- es gibt in Qardho inzwischen (fast) alles, was es auch in der Großstadt Bosasso gibt!

Einleben in Qardho

Fuchs und Hase.jpgEs dauerte schon eine Weile, bis ich mich etwas heimisch fühlte. Aber dank der großartigen Unterstützung meiner Familie und den offenherzigen Kindern, viel es mir leichter (alhamduliLlah). Ich begann, mich sicherer zu fühlen und weniger Angst zu haben. Denn so ganz sicher fühlt man sich anfangs schon nicht, wenn man so mit Vorurteilen beladen ist. Und ich war wohl die erste muslimische Europäerin, die Qardho jemals gesehen hat. Außer einzelne Vorfälle war jedoch alles sehr ruhig. Dort konnten sich Fuchs und Hase quasi Gute Nacht sagen.

 

Wohl aber hörte ich ein paar Gruselgeschichten über Diebe, die sich tagsüber heimlich in die Häuser schleichen und nachts plötzlich aktiv werden. Deswegen wurde ich eines Nachts hellhörig, als ich ein paar scheppernde Geräusche aus der Küche hörte. Was oder wer mochte das wohl sein? Und bummein zweites Mal! Ich weckte meinen Mann auf, er solle doch bitte nachschauen, welcher Dieb sich da bei uns verirrt hätte. Er packte sein Gewehr und seine Taschenlampe und ging mutig auf den potentiellen Gefahrenherd zu. Dort angelangt- sah er eine fette Ratte!!! Okay, das war dann wohl doch übertriebene Sorge meinerseits, aber besser zuviel als zuwenig 😀 !

 

Ein anderes mal hörte ich echte Schüsse und schreiende Stimmen. Da war also wirklich etwas passiert. Aber wir erfuhren nicht, was genau dort geschah. Man lernt dort, einfach die Fenster zuzumachen und weiter zuschlafen, solange es nichts länger anhaltendes ist. Denn ein Schuss kann verschiedene Gründe haben: entweder aus Freude bei einer Hochzeit, oder weil irgendwo Stau ist und ein Soldat sich Gehör verschaffen will, oder aber es ist wirklich etwas ernstzunehmendes. Das mag vielleicht wie im falschen Film klingen, jedoch damals war das noch Realität und für Somalis nichts erwähnenswertes. Inzwischen wurde allerdings der private Waffenbesitz erheblich eingeschränkt, denn ohne Lizenz geht offiziell gar nichts mehr (alhamduliLlah).

Neue Freiheit…

Hijab

Auch wenn die Anfangszeit ihre Schwierigkeiten beinhaltete, so genoß ich es jedoch sehr, meinen Glauben in Ruhe ausleben zu können, ohne mich an jeder nächstbesten Ecke vor einer wildfremden Person rechtfertigen zu müssen oder gar beschimpft und verachtet zu werden. Ganz im Gegenteil– hier wurde ich sogar respektiert und manchmal auch bewundert (alhamduliLlah)! Ich genoß es auch, an die 5 täglichen Gebete durch den Gebetsruf erinnert zu werden, den Adhan. Oder besser, durch die vielen durcheinander klingenden Gebetsrufe! Denn es gibt hier zahlreiche Moscheen (alhamduliLlah) und das mach eine ganz besondere Stimmung. Auch war es schön zu sehen, wie die Kinder mit der Rezitation des Qur‘ans aufwuchsen und für sie der tägliche Gang zur Moschee selbstverständlich war.

Die Menschen in Qardho sind sehr bestrebt, den Deen (Religion als way of life) zu praktizieren (maa shaa Allah). Die Frauen tragen die bedeckendsten Hijabs, man sieht keine Frau ohne Bedeckung. An Freitagen ist es besonders schön, die Kinder in ihren besten Kleidungsstücken und die Männer in ihren weißen Gewändern zu sehen. Es gibt viele Unterrichte, um den Islam zu lernen (natürlich auf Somalisch), die oft von den Moscheen per Lautsprecher nach außen übertragen werden.

Erster Ramadan in Somalia

Sambusa.jpgMein erster Ramadan in Somalia war sehr eindrücklich und wunderschön, obwohl es etwas von einem persönlichen Ereignis überschattet wurde (alhamduliLlah ala kulli haal). Man hatte zwar nicht den Überschuss an (Genuß-)Lebensmitteln, die man sonst gerne abends in sich reinfuttert, jedoch ist zuviel ja sowieso nicht gesund. Die wichtigsten Dinge für einen Somali im Ramadan hatten wir aber (alhamduliLlah): Das „Affuur“, welches die erste Mahlzeit nach dem Fastentag darstellt und aus Datteln, „Sambuus“ (dreieckige Teigtaschen mit Hackfleischfüllung) und „Buur“ (Gebäck) besteht. Ausserdem ein leckeres Basmati-Reis-/ oder Nudel-Gericht (natürlich mit „Moos“-Banane), und die Wassermelone als Nachtisch darf aufjedenfall auch nicht fehlen. Was will man mehr? 🙂 AlhamduliLlah.

Das zusätzliche Nachtgebet haben wir entweder zusammen zuhause gebetet, oder vorzugsweise in einer der Moscheen. Die Moscheen waren richtig überfüllt (maa shaa Allah), selbst der Frauenbereich.

… und doch fremd

Aber so ganz wohl fühlte ich mich aufgrund der vielen Blicke trotzdem nicht. Ich konnte mich ja auch nicht verständigen. Ausserdem war mein Umfeld damals überbesorgt, dass die Leute mir einen bösen Blick (‚Ain) machen könnten oder dass wir uns Diebe wie an Magnet anziehen könnten wenn sie mich Ausländerin sehen.

Das hat sich heute Gott sei Dank total gelegt, aber darauf werde ich in einem der nächsten Beiträge eingehen (in shaa Allah).

Auf in die Großstadt: Bosasso

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Nach den Sommerferien zogen wir nach Bosasso, wo die Kinder vorher auch bei ihren Verwandten gelebt hatten. Dort zogen wir in den alten Stadtteil Bosasso namens „Bio kulule“. Das bedeutet soviel wie „heißes Wasser“ und ist eigentlich eine heiße Quelle unweit von der Stadt. Durch den Krieg vergangener Zeiten hat diese Stadt unheimlich an Umfang zugenommen. Inzwischen ist die Einwohnerzahl laut Google genauso wie die von Dortmund, allerdings haben sie die neuen Flüchtlinge aufgrund der Dürre bestimmt noch nicht hinzu gezählt.

Größere Stadt: größerer Gefahrenherd

Für mich war es dort etwas anonymer und deswegen auch angenehmer. Allerdings war meine Schwiegerfamilie, besonders meine Schwiegermutter, noch besorgter um mich als vorher. Das war auch nicht ganz unbegründet, denn zu der Zeit waren die Piraten nicht weit weg, sie entführten ein- zwei Jahre zuvor sogar den damaligen deutschen Mann meiner Freundin, um an Erpressungsgelder heran zu kommen. Zudem entwickelte sich auch eine extremistische Gruppe in eine mehr und mehr Volks- feindliche Richtung. Oftmals hörte man Nachts Schüsse, wenn auch etwas entfernter. Erstmal war ich jedesmal geschockt, jedoch nach einer Zeit gewöhnte ich mich etwas daran, solange es weit weg genug von uns war. Meißtens bekam ich den Grund sowieso nicht zu Gehör. Dort gibt es keine Zeitung, die über jedes neue Hagelkorn berichtet. Sie haben eher eine Mund- zu- Mund Verbreitung der News. Aber die Sprache verstand ich ja noch nicht damals.

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Umso verrückter musste es für meine Verwandten erscheinen, dass mein Mann uns einmal an einen einsamen Strand fuhr, wo wir sogar im Bikini schwimmen konnten! Einmal passierte uns ein entferntes Fischerboot (Piratenalarm?), jedoch wir tauchten einfach schnell unter. Gott sei Dank hatten sie uns nicht entdeckt.

Die Sicherheitslage in Puntland ist inzwischen um einiges besser geworden, alhamduliLlah. Den Gefahren und Geschehnissen diesbezüglich werde ich aber noch einen eigenen Beitrag widmen (in shaa Allah).

Ich konnte mir damals also noch nicht vorstellen, eines Tages alleine (nur in Begleitung eines unserer Kinder) auf dem riesengroßen Markt einkaufen zu gehen, alleine mit unserem Autobus frische Milch einzukaufen, oder Besuche abzustatten. Aber ca. ein Jahr später war ich so weit dafür, durch private Umstände dazu getrieben. Letztendlich lernt man am besten durch „learning by doing“, besonders die Somalische Sprache, über die es kaum Lehrbücher gibt!

Kurzer Break in Europa: Erholung?

Europa

Aus verschiedenen Gründen (u.a. Wohnungsauflösung) musste ich nach einer Weile meinen Mann nach England begleiten. Dort konnte ich wieder viele weltlichen (besonders kulinarische) Güter genießen, die ich vorher sehr vermißt hatte. Jedoch vermisßte ich plötzlich etwas ganz anderes: meine große Familie, besonders die Kinder meines Mannes, die mir sehr ans Herz gewachsen waren und mich am Telefon immer fragten, „Mama, wann kommst du endlich wieder?“. Ebenso hatte jedes seine eigene Wunschliste, die mich auf Trab hielt.

Eine schöne Erfahrung war der Besuch meiner Eltern in England. Sie konnten sicherstellen, dass es mir nach der großen Reise noch gut ging (alhamduliLlah), und auch etwas von der starken muslimischen Kultur in England erfahren. Dort fühlt man sich an manchen Orten wie in Somalia (gibt ganze Somalische Einkaufszentren und Moscheen dort) oder einem anderen islamischen Land. Es war für meine Eltern quasi schon mal ein Vorgeschmack, die damals noch nicht wußten, dass sie eines Tages in Somalia landen werden, und das sogar mehrfach!

Auch bei einer Stip-Visite in Deutschland und Dänemark musste ich natürlich allen Freunden und Bekannten viel von Somalia erzählen. Durch mein fröhliches Auftreten und meine Erzählungen konnten sich jedoch alle versichern, dass es mir dort gut ging (alhamduliLlah).

Bald sollte es dann auch schon wieder zurück gehen. Was sich bei meiner 2. Episode in Somalia alles veränderte und was ich sonst noch erlebte, werde ich euch im nächsten Beitrag erzählen (in shaa Allah).

 

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Meine erste Reise nach Somalia

…Oder der erste Schritt in eine andere Welt.

Hier werde ich euch den Beginn meines neuen Lebensabschnittes etwas erläutern.

Fragen über Fragen                                           koffer

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist so eine Reise mit offener Länge extrem aufregend. Was nimmt man mit? Auf was kann man verzichten? Was gibt es dort überhaupt, in einem Land, in dem mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg herrschte? Dies sind nur einige der unzähligen Fragen, die einem dann im Kopf herum schwirren,

Ich war jedoch voller Zuversicht, dass schon alles irgendwie klappen wird. Denn im Islam ist das Vertrauen auf Allah sehr wichtig. Man tut und plant was man kann, dann jedoch vertraut man auf Allah und schaut, ob Seine Pläne mit den eigenen übereinstimmen (oder ob alles anders kommt). Denn Er ist immer noch Der beste Planer und- das habe ich nach einigen Jahren in Afrika gelernt- es kommt immer anders als man denkt!

Diese Lebenseinstellung hilft einem sehr, sich nicht unnötig verrückt zu machen und immer recht gelassen zu bleiben (ok, ich arbeite noch dran :-D).

Sommer 2010- Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte

Wir, das heiẞt, mein Mann, meine Co-Schwester mit ihren 2 Kleinkindern und ich, starteten die Reise Ende Mai 2010. Das ist die Zeit, in der die Schulkinder in Somalia ca.3 Monate Hitzefrei haben, auch Ferien genannt.

Wir flogen direkt von Dänemark nach Dubai. Dort wurden wir beim Ausstieg erstmal von einer unbeschreiblichen, schwülen Hitze beinahe erschlagen. In der Sommerzeit ist es in Dubai so an die 50 Grad heiß (subhanaLlah). Das Leben spielt sich dementsprechend ab Sonnenuntergang ab. Man braucht sich noch nicht einmal zu bewegen, der Schweiß tropft schon von ganz allein! Andererseits gibt es in jeden Geschäften, Autos, Hotels und wahrscheinlich auch Häusern übertrieben kühle Klimaanlagen, bei denen man fast schon zu frieren anfängt.

Erste Prüfung

Wenn man nach Somalia reisen möchte, ist es nicht so einfach, einen Komplett- Flug zu buchen (kann sein, dass es heutzutage anders ist, auf jedenfall ist es dann nicht die Günstigste Variante). Nein, man muss erst einmal einen „Break“ machen (wie in unserem Fall in Dubai), und auf den nächstbesten Weiterflug nach Somalia warten. Wir durften etwa eine Woche in Dubai verbringen. Dieser Break wurde allerdings zum ersten Test für mich: ich wurde von fürchterlichem Diarrhoe geplagt. Also am besten kein Fast-Food von draussen essen, besser vom Hotel! Oder am besten vegetarisch essen bei der ersten Reise! In Dubai gibt es dort jedoch genügend Chemie, so dass es mir rechtzeitig vor dem Weiterflug wieder besser ging (alhamduliLlah).

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Auf jedenfall könnte es kaum einen gegensätzlicheren Ort zu Somalia geben: In Dubai ist quasi die ganze Welt versammelt, die ganzen weltlichen Güter über-schwemmen einen förmlich, man kann es nur mit Superlativen (am schönsten, höchsten, modernsten, etc.) beschreiben. Aber unser Ziel war das genaue Gegenteil: das Leben in Somalia ist relativ hart, die Armut herrscht immer noch vor oder ist auf jedenfall unübersehbar, ganz abzusehen von den „naturbelassenen“ Straßen und noch nicht mal einstöckigen Häusern (größtenteils).  Aber gerade dieses eher einfache Leben holt einen wieder in die Wirklichkeit, in die Realität des Lebens zurück. Ja, es bringt einen viel näher an den Sinn des Lebens: dass wir Allah’s Diener sind und Ihm dienen sollen (durch alleinige Anbetung zu Ihm, durch gute Taten, etc.). Deswegen sagt mir das Leben in Somalia mehr zu, als das Leben im Überfluss (alhamduliLlah).

Auf ins Abenteuer!

Ich erinnere mich nicht mehr genau, wo wir alles Zwischenhalt gemacht haben. Ich glaube, es war in Berbera (Somaliland). Ich erinnere mich jedoch noch sehr gut an den Weiterflug nach Bosasso (Puntland). Das war nämlich der Schlimmste Flug meines bisherigen Lebens! Dieses fliegende Teil war bestimmt ein aussortiertes Stück aus Russland. Jedenfalls war es innen drin ohne richtige Ausstattung: kein Belüftungssystem, kein Notausgang. Das führte dazu, dass wir vor dem Start beinahe schmolzen und später, mitten im blauen Himmel, beinahe erfroren.

Der Mittelgang wurde so sehr mit Reisetaschen vollgestopft (bis auf Bauchhöhe), dass sogar der Kapitän und sein Mitarbeiter Schwierigkeiten hatten, bis zum Cockpit zu gelangen.

Ich sagte zu meinem Mann: „Wie sollen wir denn hier zum  Exit kommen im Falle eines Notfalls?“ Er, ganz entspannt: “ Schatz, es gibt hier KEINEN EXIT!“. Er war sichtlich amüsiert über meine Verwunderung, während er sich um seine kleinen Töchter kümmerte.

Erschöpft von der Aufregung lehnte ich meinen Kopf gegen die Metall-Wand vor mir und versuchte, mich im Schlaf woanders hin zu träumen.

Man sagte mir auch, dass die (russische) Flugmannschaft regelmässig nach Alkohol „duftet“. Aber das konnte ich nicht bestätigen und hätte wahrscheinlich auch nichts mehr verändert, da es ja fast Normalzustand ist für dortiges Volk.

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Das Flugzeug sah in etwa so aus, nur noch um einiges schlimmer!

Gott sei Dank habe ich diesen Flieger nie wieder zu Gesicht bekommen und wir sind heile in Bosasso angekommen!

Welcome in Somalia!!!

Da ging ich also die ersten Schritte auf Somalischem Boden, alhamduliLlah. Bosasso ist eine Stadt am Meer (Rotes Meer und Indischer Ozean).

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Alles wirkt etwas surreal: auf der einen Seite ziemlich hohe, kahle Berge, die fast schon bedrohlich wirken, und auf der anderen Seite das wunderschöne, türkisfarbene Meer. Dazu weht der heftige Wind einem fast die Kleider vom Leib. Also die dortige Hitze (im Sommer um die 40 Grad) macht einem weniger aus als in Dubai.

Wir wurden direkt von meinem Schwager abgeholt und ins Hotel Jubba gebracht. Auf der Fahrt dorthin bekommt man schon mal einen Eindruck von der Armut in Somalia, ein bitterer Nachgeschmack des langen Bürgerkrieges. Denn zwischen Flughafen und Stadt sind die Ärmsten der Armen angesiedelt. Danach aber sieht man sogar mehrstöckige, weiße Häuser, die mit den typischen Rundbögen versehen sind. Das sind dann meistens Hotels und Geschäfte.

Man hat echt sehr viel zu bestaunen, wenn man zum erstenmal in Somalia ankommt!

Überall wimmelt es vor Menschen und Ziegen, die sich von den Autos überhaupt nicht aufhalten lassen und erst durch Hupen erinnert werden, dass sie Platz machen sollten. Vor oder zwischen den großen Geschäften, deren Wände immer sehr bunt angemalt sind mit den Inhalten (z.B. Zucker, Mehl, oder Handies, etc.), befinden sich oft kleine selbstgebaute Buden, sogenannte Kleine Emma Lädchen. Und leider gibt es auch immer wieder Stände, an denen Khat verkauft wird. Das sind eine Art Blätter, welche durch drauf herum kauen wie eine Droge wirken und einen sorglos machen. Es ist die Droge der Soldaten und LKW-Fahrer. Meißtens werden sie von Frauen verkauft, die ums Überleben kämpfen.

Khat

Das Eindrücklichste ist aber wohl die Farbenvielfalt überall: Frauen und Mädchen tragen dort jeglich erdenkliche Farbe als Hijab (im Gegensatz zu dem vorherrschenden Schwarz in Dubai), und die Geschäfte sind alle bunt angemalt damit man direkt versteht, was verkauft wird. Dazu kommt noch der Sand, der von den Autos und dem Wind herum gewirbelt wird.

 

1.Nacht in Somalia

Meine erste Nacht auf Somalischem Boden hatte auch etwas aufregendes, auch wenn ich viel zu erschöpft war, um noch darüber nachzudenken: ich hatte tatsächlich Angst, dass der Ventilator über meinem Bett herunterfällt! Denn der schwankte immer so sehr hin und her… aber Gott sei Dank passierte nichts weiter. Immerhin gab es sonst alles Notwendige, was man braucht, sogar ganz stabile Holzmöbel.

Die Strecke Bosasso- Qardho, ein Abenteuer für sich!

Da es in Bosasso in den Sommermonaten (Ende Mai bis Ende September) viel zu heiß ist, um es ohne Klimaanlage auszuhalten, gehen die meisten Familien für diese Schulfreie Zeit aufs Land, also zu den nächsten Dörfern oder Städten. Nur die Business-Männer und die Armen, welche es sich nicht leisten können umzuziehen, bleiben dort (und einzelne hart gesottenen Familien).

Bosasso

Eines dieser relativ nahe gelegenen kleinen Städte heisst Qardho. Dort hatten sich damals meine Schwiegermutter und ein Teil ihrer Kinder und Enkel für die Ferienzeit niedergelassen. Also wollten wir unsere Zeit nicht länger in der Hitze verschwenden und fuhren am nächsten Tag weiter gen Qardho. Es ist eine eindrückliche Autofahrt von ca. 4 Stunden. Die Straße ist noch von den Italienern aus den 80´ern übrig geblieben und noch erstaunlich gut erhalten. Bloß ein bisschen eng wird es bei Gegenverkehr. Es ist die Landstraße, welche einen einmal durch´s ganze Land führt. Manchmal muss man dort nämlich die Holperstraße verlassen, um einigermaßen durchzukommen, aber meißtens kommt man ganz gut durch.

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Jedenfalls  kommt man auf der Strecke von Bosasso nach Qardho an einer interessanten Landschaft vorbei: an vielen Bergen, die wirklich kein Kraut auf sich tragen und daher so unreal wirken; an trockenen Flussbetten, die plötzlich wunderschöne grosse (Dattel-) Bäume hervorbringen; bis hin zur Halb-Steppe, welche durch ihre trockenen, fast silberfarbenen Büsche Platz für viele Kamele und andere Weidetiere birgt.

 

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Nicht zu vergessen sind die häufigen Straßensperren, an denen Soldaten einen mit einem gespannten Seil oder einem anderen Gegenstand aufhalten, um sich ein paar Cent für die nächste Mahlzeit zu verdienen. Manchmal kommt man auch an einem Dorf vorbei, welches aus ein paar simplen Häusern oder selbstgebauten Hütten besteht, aber bei denen auf gar keinen Fall eine Moschee fehlen darf.

Ich liebe diese Strecke bis heute.

Damals jedoch pochte mein Herz ganz schön. Ich machte bei jeder Straßensperre ein Bittgebet und versuchte, die Blicke der Soldaten zu meiden. Mein Mann hatte zwar extra wegen mir eine Waffenlizenz bekommen (quasi als mein Bodyguard), jedoch sind diese spärlich bezahlten, oftmals Khat kauenden Soldaten manchmal unberechenbar. Aber Gott sei Dank ging alles gut und wir kamen sicher in Qardho an.

Erstes Treffen mit meiner neuen Familie!

Es war in der Mittagszeit, als wir endlich mit unserem Jeep vor unserem neuen Zuhause hupten und dann von zahlreichen Kindern stürmisch begrüsst wurden. Aufeinmal wurde mir bewusst, dass ich die Somalische Sprache garnicht kann. Aber ich hatte meine Co-Schwester bei mir (alhamduliLlah), die mir immer schön alles übersetzt hatte (möge Allah sie reichlich belohnen). Jedoch in der Anfangsfreude war dafür natürlich keine Zeit. Trotzdem wurden wir uns vorgestellt (ich als neue, weitere Mama). Wobei ich dachte, ich könne mir die vielen Namen und (für mich) gleich ausschauenden hübschen Gesichter nie merken! Aber natürlich kam das mit der Zeit.

Um es nicht zu lang werden zu lassen, schliesse ich hier erst einmal ab. In einem nächsten Artikel werde ich über meine ersten Einlebungs-Versuche in Qardho und Bosasso berichten (in shaa Allah). Wer sich auf eine Reise nach Somalia einlässt, sollte auf jedenfall eine gute Portion Gottvertrauen (Taqwah) und am besten Vitamin B (gute Beziehungen für den Fall der Fälle) mitbringen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah)!

Eure Khalisa

 

 

„Warum ausgerechnet Somalia?“ Oder: Mein Weg dorthin.

Warum ausgerechnet Somalia?“ und „Waaas, wie kommt´s denn dazu??“- Dies sind einige der häufigsten Fragen, die ich zu beantworten habe, wenn ich jemanden Neuen treffe.

Um diese Frage zu beantworten, muss ich allerdings etwas ausholen und euch zurück ins Jahr 2009 nehmen.

Damals, vor langer, langer Zeit…

Damals war ich gerade einmal etwa ein halbes Jahr Muslima (alhamduliLlah) und hatte eine gute Freundin, die aus Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, stammte. Sie schwärmte mir sehr viel vor – wie schön es dort gewesen sei (vor dem Krieg), wie fruchtbar die Erde, wie schön das Meer, wie schön alle Frauen Hijab trugen (heutzutage), etc. Durch den Krieg sei die Hauptstadt zwar sehr zerstört worden, jedoch in anderen Städten  würde es sich immer noch gut leben lassen.

So kam es, dass in mir der Wunsch entstand, dorthin auszuwandern.

Doch nicht so einfach!

Nach einem gescheiterten Versuch, der aufgrund Geldmangel in Dubai endete, entschieden wir (meine Freundin und ich) uns, dass es mit einem Mann an der Seite doch einfacher wäre. Also beauftragte ich sie, mir einen guten Bruder im Islam zu suchen, der ebenfalls nach Somalia auswandern möchte.

dont give up dreams

Auf der Suche nach dem Richtigen

In meiner Stadt gab es damals kaum Somali‘s, zumindest war mir nur eine Familie bekannt. Also fragte meine Freundin ihre in Dänemark lebende Halbschwester, ob sie nicht einen guten Mann für mich finden könne. Diese Schwester fragte den dortigen Imam, dass er Ausschau halten sollte. Jedoch war dort keiner, auf den meine Ansprüche passten.

Bingo…

Daraufhin fragte meine Freundin einfach besagten Imam, ob er nicht Interesse hätte! Er sagte, er hätte bereits zwei Frauen und einige Kinder, aber wenn ich damit kein Problem hätte, würde er mich gern etwas kennenlernen.

Ich hatte damals noch ein paar andere Brüder zur Auswahl, jedoch der Imam schien am besten zu passen: Er hatte alle seine Kinder schon in Somalia, also würde er dort nach seinem Studium in Dänemark auf jeden Fall hinziehen, außerdem war er sowohl weltlich als auch religiös sehr gebildet (maa shaa Allah). Also war er trotz und gerade wegen seiner großen Familie sehr interessant für mich.

Dem Traum ein Stück näher…

Schließlich kam es dann Ende 2009 zu unserer Heirat, die schon mal sehr multikulturell ausfiel. Sogar meine geliebten Eltern waren dabei (maa shaa Allah).

Danach ging es für mich erst mal eine Weile nach Dänemark, mit Abstechern nach England und Kanada.

…oder doch nicht?

Als wir dann im Frühjahr 2010 anfingen, unsere Reise nach Somalia zu planen, stellte sich meine Schwiegerfamilie erst mal quer: es sei doch viel zu gefährlich für eine Weiße!

Ich brach ehrlich gesagt in Tränen aus.

Dies hat wiederum meinen Mann dazu bewegt, alles dafür zu tun, dass ich mitkommen kann (alhamduliLlah).

dream

Auf geht‘s!!!

Es war Ende Mai (wenn ich mich recht erinnere) im Jahre 2010, als ich dann meine allererste, lang ersehnte Reise nach Afrika antrat.

Wie meine ersten Eindrücke und Erfahrungen waren, werde ich euch in einem nächsten Artikel beschreiben (in shaa Allah). Soll ja schließlich spannend bleiben 😉

In diesem Artikel hier geht es erst mal um die Vorgeschichte zu meiner Reise und meine Beweggründe. Es war also eine Mischung aus verschiedenen Gründen: Sehnsucht nach freiem Praktizieren meiner Religion und Sehnsucht nach einer anderen, offeneren Kultur (habe mich schon immer für Afrika interessiert).

Wenn euch dieser Artikel gefallen hat oder/und ihr noch weitere Fragen und Anregungen habt, hinterlasst einfach einen Kommentar.

Eure Khalisa