Mein Tarawih-Gebet in Somalia

Eine der schönesten Dinge im Ramadan ist das Tarawih-Gebet, welches nach dem letzten Gebet des Tages, dem Nacht-Gebet, vorzugsweise in der Gemeinschaft vollzogen wird. Tarawih ist die Plural Form von „Erholung“, „Erquickung“ oder auch „Pause“. Es bezieht sich auf die Pausen, die zwischen den jeweiligen Gebetseinheiten gemacht werden, um Raum zum Gedenken und eigene Bittgebete zu schaffen und sich zu erholen.

Das Tarawih-Gebet ist keine Verpflichtung, es ist allerdings eine empfohlene Handlung, welche dem Beispiel des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) folgt. Dieser wiederholte und rezitierte den gesamten Koran im Monat Ramadan, mit Anweisung des Engel Gabriels. Dementsprechen wird auch in der Moschee jeden Abend ein Teil des Kprans gelesen, bis man am letzten Abend den letzten Teil vollendet hat.

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Tarawih-Gebet in Casablanca, Marokko. So viele Betende passsen garnicht in die Moschee!

Besonderheit des Tarawih

Wofür macht ein Muslim dieses Gebet? In der Hoffnung, dass ihm seine vorherigen Sünden vergeben werden, aber auch, um seinem Schöpfer innerlich näher zu kommen, seinen Glauben zu stärken. So versprach uns unser Prophet Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm):

 „Wer im Ramadan nachts betet, aus reinem Glauben heraus und in der Hoffnung auf Belohnung, dessen vorherige Sünden werden vergeben.“ (Al-Bukhari, 37; Muslim, 759)

Zudem wird demjenigen, der dieses Gebet hinter dem Imam [Vorbeter] bis zum Ende betet, eine Nacht voller Gebete gutgeschrieben (s. Abu Dawud 1375, u.a.)- obwohl man nur ca.1 Stunde gebetet hat!

Wo bleiben die Frauen???

Diese Frage stellt sich jetzt sicher so mancher. Denn Frauen, die werden im Islam doch unterdrückt und dürfen nicht aus ihren Häusern raus!

Wer die Vorurteile einmal beiseite legt, wird allerdings eines besseren belehrt: Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) selbst sagte nämlich:

„Haltet eure Frauen nicht davon ab, in die Moscheen zu gehen, obwohl ihre Häuser besser für sie sind.“ (Abu Dawūd (#567), von al-Albāni #515 als sahīh eingestuft)

Mit diesem Befehl wird den muslimischen Macho-Männern also verboten, ihren Frauen den Besuch der Moschee zu verwehren (Entschuldigt bitte diese leichte Ironie, benutze lediglich die Sprache der Vorurteils- Besessenen 😉 ).

Tarawih Frauen

In manchen Kulturen ist es trotzdem nicht üblich, dass die Frauen in die Moscheen gehen, dementsprechend gibt es in manchen Moscheen noch nicht einmal einen Frauenbereich. Betonung hier liegt jedoch auf Kulturen– und diese sind nicht immer Islam-kompatibel (wenn das bloß die Bild- und andere Leser verstehen würden).

Frauen haben sogar einen Vorteil gegenüber den Männern: sie müssen sich nicht neben ihren ganzen Pflichten im Haushalt und der Kindererziehung noch zusätzlich 5 mal am Tag in die Moschee zum Beten begeben. Das wäre ja ein reinster Marathonlauf für sie. Bloß davon abhalten soll der Mann sie auch nicht, wenn sie denn in die Moschee möchte. Das ist für Männer anders: die 5 täglichen Gebete sollten sie in der Moschee beten, wenn möglich. Und das Tarawih-Gebet eben auch.

Tarawih Jerusalem

Wie sieht es in Somalia aus?

In Somalia haben zumindest alle größeren Moscheen auch einen großen Frauenbereich. Denn Somalische Frauen lieben es, für das Tarawih-Gebet in die Moschee zu gehen! Und generell sind sie sehr selbstbewußte Frauen, die Zuhause das Nudelholz in der Hand haben- der Mann hat also gar keine andere Wahl, als sie gehen zu lassen 😉

Meine Erfahrung in Somalia´s Moscheen

Nach ein paar Jahren Moschee-Abstinenz (meine Kinder waren vorher zu klein, um sie alleine zu lassen) kam ich dieses Jahr endlich wieder in den Genuß. Da muss jedoch im Vorab bereits alles gut gemanaged werden: keine Zeit verschwenden beim Fastenbrechen, rein in die Klamotten und auch noch Kinder versorgen. Entweder nehme ich sie mit, oder lasse sie Zuhause bei ihrer zweiten Mutter. Ersteres hatte ich mir nach einmaligem Versuch versprochen, nicht mehr zu tun. Denn die (kleinen) Kinder sind Ablenkung für die gesamte Moschee. Auch wenn sie in den ersten Minuten versuchen, brav mit zu beten, so ändert sich das innerhalb der folgenden 50 Minuten drastisch: alles erdenkliche wird auf einmal zum Spielzeug- Wasserflaschen, Grashüpfer, und was immer sonst noch herum fliegt und liegt. Nein, da tut man sich und den Mitbetenden keinen Gefallen!

 

Auf geht´s!

Nachdem ich mich also von den Kleinen losreißen kann, geht es im Trab, bzw. fliegenden Walking-Tempo zur Moschee. Mein Tipp: am besten direkt vorher noch duschen, damit man in der Moschee nicht schweißgebadet ankommt!

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In der Moschee angekommen, zieh´ich mir schnell die Schuhe aus und spurte die Treppen hoch. Ich will ja noch rechtzeitig einen guten Platz ergattern!

In der Frauenetage angelangt, heißt es dann erst einmal tieeeef durchatmen und in die besondere Atmosphäre einzutauchen! Die 2 Sunnah Gebetseinheiten, welche man beim Eintritt in die Moschee betet, kann ich ehrlicherweise meißtens nicht mehr erreichen. Denn es geht auch schon los- Allaaaahu akbar (das ist kein Aufruf zum Selbstmord, wie in den Medien so dargestellt wird, sondern bedeutet „Allah ist Groß“ und kennzeichnet den Anfang des Gebets)!

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1.Akt: Einfindung

Alle Frauen stellen sich nach und nach in Reihen auf: Schulter an Schulter, Fuß an Fuß. Zwischendurch kommt noch jemand und achtet auf die genaue Einhaltung der Linien. In einem unvergleichbaren Gefühl der Gemeinschaft schwelgend, kann ich mich nun meinem Schöpfer und Seinen Worten in Form des Koran´s, zuwenden.

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In diesem Moment spüre ich jene Geschwisterlichkeit, die im Islam so wichtig ist, welche man heutzutage jedoch oftmals vermisst.

“Der Gläubige ist gegenüber dem anderen Gläubigen wie ein Bauwerk, ein Teil festigt den anderen.” (Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim). Eingekeilt zwischen meinen somalischen Geschwistern, fühle ich mich wirklich wie einer der Steine innerhalb der Mauer, innerhalb eines Bauwerks.

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Gläubige sind einander wie ein Mauerwerk: der eine Teil kann nicht ohne den anderen.

In den ersten Minuten muss ich mich erst in die neue Situation einfinden. Ich werde noch von so manchem Nachbar irritiert: sei es, meine hin und her schwankende Nachbarin zur rechten; die für meinen Geschmack zu laut flüsternde zur linken; oder die Ukhti vor mir, deren Gesäß mir beim wieder aufrichten aus der Niederwerfung einen Schubser gibt; oder die schönen Muster auf dem Gebetsteppich, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen; und – wenn doch bloß das Essen nicht so schwer im Magen liegen würde! Immer wieder schweifen meine Gedanken ab und ich sage mir selbst: Konzentration bitte! Durch die zum Gebet gehörenden Bewegungen fällt es jedoch wiederum leichter, diese wieder zu bekommen. Wenn ich mir dann immer wieder bewußt mache, dass dies die Worte Allah´s sind, denen ich gerade zuhöre, und ich in den Niederwerfungen meine Worte direkt an Ihn wende, bekomme ich Gänsehaut.

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Pause und ihre Nebenwirkungen

Gut, dass bereits nach 2×2 Gebetseinheiten eine Pause mit Ansprache stattfindet und danach ein Imam-Wechsel ist. Eine willkommene Abwechslung. Denn es kann vorkommen, dass man dem Ersten Vorbeter melodisch gesehen nicht so gut folgen konnte (das ist mir als ehemalige Musikerin irgendwie auch wichtig). Außerdem gibt es einem die Gelegenheit, mit seiner Nachbarin zu quatschen, als ob man auf dem Marktplatz stünde…ähmmm, nee, also es gibt einem die Gelegenheit, Kraft für die nächsten Gebetseinheiten zu sammeln, und wieder etwas dazu zu lernen.

Allerdings wird mir in diesen Predigten bewußt, was bezüglich der Somalischen Sprache noch vor mir liegt: denn ich kann zwar die Umgangssprache, aber nicht die hochgestochene, rasante Art und Weise verstehen- das Hoch- Somalisch!

Diese Pause wiederum ist für so manch eine Schwester im Glauben die erste Möglichkeit, mich ausgiebig zu bestaunen. Schließlich bin ich wahrscheinlich die erste weiße Muslima, die sie live zu Gesicht bekommt. Ich lass sie einfach und konzentriere mich auf mein Gedenken/Bittgebete.

2. Akt und Finale

Nach der Pause dann der 2. Akt. Noch einmal folgen 2×2 Gebetseinheiten, in denen nun alles rutinierter und konzentrierter abläuft. Gott sei Dank habe ich vorher noch einen Kaffee gegen die Gähneritis getrunken!

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Schließlich kommt auch schon das Finale: das Witr-Gebet, bestehend aus 3 kurzen Einheiten, mit einem langen extra Bittgebet. Das ist für mich DER Höhepunkt schlechthin: Alle heben ihre Hände, und sagen „Amiin“ zu den zahlreichen Bittgebeten des Imams. Auch wenn diese in Arabischer Sprache sind, verstehe ich doch ungefähr, um was es geht. Manchmal wollen mir die Tränen kommen, so emotional ist diese Situation. Es wird für alles mögliche gebetet, u.a. für die Akzeptanz unseres Fastens, den Eintritt ins Paradies ohne Befragung, aber auch für diejenigen, denen es nicht so gut geht.

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Somalische Frauen beim Bittgebet. Allerdings ist dieses Bild vom Eid-Gebet, also Tagsüber und noch dazu draußen (deswegen auch die Gesichtsschleier). Bloß ist die Geste die gleiche.

Big Challenge: der Ausgang

Dann ist es geschafft- ich fühle mich wie nach einer Sporteinheit im Fitnessstudio. Immerhin sind in dem Gebet einige Dehn- und Sit-up- Übungen mitinbegriffen (ohne als solche beabsichtigt zu sein), und oblgeich es vor Ventilatoren und offenen Fenstern nur so wimmelt, ist man doch schon etwas nass geschwitzt. Jedenfalls fühle ich mich einfach super danach.

Bei dem Gang raus wird es dann etwas eng. Die beste Gelegenheit, dass wirklich alle die Anwesenheit einer Weißen bemerken. Oftmals ziehe ich schon meinen Gesichtsschleier runter, um sie nicht zu sehr zu irritieren (wo ist denn bloß die äußere Hautschicht geblieben? lol). Manchmal kommt es auch zu kurzen Smalltalks, wie z.B. ein kleines Mädchen, welches mich auf Englisch ansprach und aus Amerika kam. Oder eine sehr große Ukhti, die mir den Rat gab, viele Schutzgebete auf mich selbst zu lesen. Aber generell sind sie eher reserviert und tuscheln einfach.

Fazit

Somalische Frauen sind sehr aktiv, was das Beten in der Moschee betrifft. Auch ich bin sehr, sehr froh, dass ich diese Möglichkeit habe, so oft zum Tarawih Gebet zu gehen, wie ich lustig bin. Genauso schätze ich es, in maximal 5 Geh-Minuten schon an unserer großen Moschee angelangt zu sein. Es hat einfach soooo viele Vorteile, in einem muslimischen Land zu leben, alhamduliLlah!

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Allerdings bin ich Allah auch dankbar, dass Er es uns Frauen nicht auferlegt hat, das Nachtgebet, und überhaupt alle Gebete, unbedingt in der Moschee beten zu müssen. Denn das wäre wiederum zu stressig für mich. Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass ich beim Gebet zuhause mich viel besser konzentrieren kann. Dadurch, dass ich dann selber den Koran lese, und selber bestimme, wie lang ich die jeweilige Gebetseinheit machen möchte, wie lange ich mein Bittgebet mache, und ganz alleine vor meinem Schöpfer stehe, fühle ich eine sehr innige Verbundenheit zu Ihm.

Das Gemeinschaftsgebet in der Moschee hingegen ist eine tolle Möglichkeit, wenn man ab und zu ein Bad in der Menge nehmen möchte, bzw. die „Ummah“ spüren will. Oder auch, wenn man Angst hat, nicht jeden Tag diese Energie aufbringen zu können, all das selber anzuleiten. Denn man findet schnell irgendwelche Ausreden…oder das ach so bequeme Kissen, wenn man alleine ist 😉 Das Gebet in der Moschee ist also eine wunderbare Abwechslung.

Am schönsten ist es allerdings, wenn ich hinter meinem Mann zuhause bete- was gibt es romantischeres als das 😀

Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck bekommen, wie das Tarawih von Frauen in Somalia, und insbesondere für mich als Deutsche in Somalia abläuft.

Keep going, keep praying,

Eure Khalisa

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14.Interview: Aufstieg in England

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Ich freue mich sehr, euch heute eine Premiere vorzustellen: es geht um ein Interview mit einer Schwester, die nicht in ein muslimisches Land ausgewandert ist, sondern nach England. Ja, das geht auch- denn wenn man schon in nicht-muslimischen Ländern bleibt, sollte man sich immer das „Kleinere Übel“ aussuchen. Kleineres Übel in dem Sinne, als dass man seine Religion (Islam) frei ausleben kann. Das ist in England eindeutig besser gewährleistet, als in Deutschland.

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Auf Bussen werden Aussagen des Propheten Mohammed (Frieden und Segen auf ihm) unter die Menge gebracht, mit Vorurteilen abgebaut.

Außerdem ist es auch das erste Mal, dass das Interview hauptsächlich mündlich stattfand. Die Ausformulierung blieb bei mir, wurden jedoch von Carina, unserer heutigen Protagonistin, erweitert und ggf.korrigiert.

Kommen wir nun zu Carina. Sie ist eine ganz besondere Person für mich, denn sie hat mein Leben durch mein Coaching bei ihr ziemlich auf den Kopf gestellt! Mit ihrer wundervollen positiven Art und ihren sagenhaft effektiven Methoden, habe ich mich zu einer selbstbewussten, dankbaren Person entwickeln können, die ihre Stärken und Ziele nun viel besser vor Augen hat, alhamduliLlah. Möge Allah sie dafür reichlichst belohnen!

Auch selber hat die Mutter von 3 Teenager- Mädchen schon so einiges erlebt und in verschiedenen Ländern gelebt, bis sie letztendlich vor ein paar Jahren in England gelandet ist.

Dort arbeitete sie sich von 0 auf 100, und hat inzwischen eine eigene Coaching- und Allergie-Praxis. Zudem ist sie ständig damit beschäftigt, sich weiterzu bilden, um noch mehr Menschen aus ihren Lebenskrisen helfen zu können.

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Carina in ihrer Praxis.

Wer Interesse hat, ihre Seiten zu besuchen, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren, wird hier fündig:

Carina´s Website;

Carina´s Kurs über die 4 Temperamente in ihrer ASMU Academy;

Ihre FB-Gruppe zur ASMU Akadamie;

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In ihrer ASMU Akademie bietet Carina zukünftig Kurse an.

Carina´s persönliche FB-Seite;

Ihre Coaching-FB Seite auf Englisch;

Ihre Coaching-FB Seite auf Deutsch;

Ihre Growth and Wellness FB-Gruppe;

Carina´s Youtube- Kanal.

Nun haben wir für euch ein paar Informationen über England als Auswanderungsland zusammengestellt, die hoffentlich von Nutzen sind für den ein oder anderen.

Gerne dürft ihr Kommentieren, Fragen stellen oder einfach nur liken 🙂


Wann und warum bist du ausgerechnet nach England ausgewandert?

Im Mai 2013. Ich liebe Wachstum- in jeder Hinsicht. Wachstum bedeutet für mich, mich frei entwickeln zu können, ohne behindert zu werden.

Außerdem brauche ich ein „gesundes Umfeld“, wo mir alles möglich ist und ich gedeihen kann. So wie eine Blume nur in gutem und gesundem Umfeld gedeihen kann.

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Carina hat das gesunde Umfeld, welches sie braucht, um sich yu entwickeln, in England gefunden.

Und England lag da für mich am nächsten, wo meine Seele sich nicht eingeengt fühlt. Hier gibt es solchen Rassismus nicht wie in Deutschland, alhamduliLlah.

Sicherlich in machen Orten schon. Aber dort muss man ja nicht leben. Ich werde hier respektiert für das, was ich bin. Ich bin Muslim und habe viele Fähigkeiten, die hier sehr honoriert werden, maa schaa Allah. Und das motiviert natürlich.

England ist für mich ein Ansporn, mein höchstes Potential zu erreichen. Und diese Freiheit haben wir hier als Muslime, alhamdullilah.

Wie lange hattest du dich auf deine Hijrah drauf vorbereitet?

Also psychisch hatte ich mich und meine Kinder schon sehr lange auf England vorbereitet, eventuell 4 Jahre. Ich habe meine Kinder einmal pro Woche zu einer privaten Sprachschule gebracht, so dass sie spielerisch Englisch lernen. Das gab mir immer ein gutes Gefühl, weil ich damit meinem Ziel immer ein Stück näher kam.

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Sind ein starkes Team: Carina und ihre Mädels lassen sich durch nichts so leicht von ihren Zielen abbringen!

Ich wusste, das es taff werden kann in England, weil ich hier 2008 schon mal mit meinen Kindern 3 Monate gelebt hatte. Deshalb wollte ich dieses Mal richtig innerlich und äußerlich drauf vorbereitet sein.

Es ist sehr wichtig, dass du weißt, was du hier arbeiten möchtest. Und da kam mir in den Sinn, einfach eine Ausbildung in Hijama Therapie zu machen [Hijama bedeutet Schröpfen]. Das war online möglich, alhamdullilah. Damit konnte ich auch gleich Englisch lernen, was ich damals nur zu 10 % verstanden hatte. Aber man muss sich wirklich solchen Herausforderungen stellen, wenn man einen großen Schritt im Leben gehen möchte. Desweiteren hatte ich mich schon für eine Ausbildung als Allergie- Therapeutin in England angemeldet und ich wußte schon, dass ich dort auch Islamische Medizin studieren werde. Ich hatte dies also alles schon im Vorfeld geplant, denn Planung ist das A und O.

Geh deinen Weg langsam, wenn du möchtest, aber habe immer dein Ziel vor Augen und arbeite darauf hin.

2 Jahre habe ich dann wirklich praktisch meine Ausreise vorbereitet. Habe Leute kontaktiert in England, alle Informationen und Gesetze übers Land eingeholt, Pässe machen lassen.

Am Ende MUSSTE ich dann gehen. Ich wollte nicht mehr- hatte echt Sch… Aber da musste ich dann durch. Habe einfach unsere Tickets gebucht und bin wie im Nichts verschwunden. Es ist schon Überwindung dabei. Augen zu und durch.

Für mich war es am Ende auch schwieriger zu gehen, da ich gerade meine Praxis aufgebaut hatte und Schwestern mit Hijama und anderen Heilmethoden behandelt hatte. Allah hatte mich damals sehr gesegnet. Mir gings finaziell so gut wie nie zuvor und ich liebete meine Arbeit und meine Patienten.

Ich habe tagelang geheult und meine Patienten und Freunde mit mir. Aber ich hatte mich entschieden. Ich wollte eine bessere Zukunft für meine Kinder. Und diese konnte ich mir in Deutschland für meine Kinder absolut nicht vorstellen. Ich wollte meine Kindern diese Ablehnung und den Rassismus ersparen. Und ich wollte, dass sie etwas Schönes aus ihrem Leben machen, trotz Abaya und Kopftuch und mit dem Islam im Herzen.

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Auf, in eine bessere Zukunft!

Wie war es für dich, so als Frau ganz alleine mit Kindern auszuwandern?

Es war sehr, sehr taff. Ich kam dort mit nichts an und hatte auf einmal keine Wohnung zur Verfügung. Dann haben sie mich alle paar Tage in wechselnde Hotels verschifft, bis etwas für mich gefunden wurde. Das ist eine lange Geschichte. Die englischen Muslime wollten mir helfen, um an ein Council Haus zu kommen, damit ich wenig Miete bezahlen muss. Das war allerdings in London, wo die Mieten wahnsinnig hoch sind (ca.3996 Euro im Monat). Aber irgendwie war das kein Leben für mich und die Kinder- dieses ewige Hin- und Herziehen, bis man mal ein besseres Leben hat. Im Ramadan 2013 habe ich dann entschieden, London einfach zu verlassen und es mir und meinen Mädels in Birmingham gemütlich zu machen.

Als wir und in Birmingham eingelebt hatten, waren wir richtig glücklich. Von allen Städten, in denen ich jetzt gelebt habe, würde ich jedem Birmingham wieder empfehlen.

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2013 endlich in Birmingham angekommen!

Welche Städte kannst du für Neu- Zuwanderer empfehlen?

Birmingham ist sehr gut für den Anfang. Dort ist eine riesen Ummah– selbst ein deutsches Schwesterntreff- und es gibt dort wirklich alles für Muslime: Shops, Fitness, Islamische Schulen, Qur´an Unterrichte, etc. Es wird das „Mekka Europas“ genannt-ist sehr offen und international! An Eid [Muslimisches Fest] gibt es dort eine riesen Kirmes, welche von Muslimen organisiert wird, und zu der sogar Leute aus ganz Europa anreisen.

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Carina mit ihren Mädels an Eid in Birmingham

Mehr als zehntausend Muslime beten hier auf dem Rasen des Small Heath Parks. Wer ein starkes Zusammengehörigkeits-gefühl sucht, geht am besten dorthin. Der einzige Nachteil ist dort der Müll und die Ratten, die selbst vor Katzen kein Reißaus nehmen.

Nottingham.jpgNottingham ist für jene gut geeignet, die einen hohen Bildungsstandard suchen. Dort leben zwar weniger Muslime, jedoch die Gesellschaft an sich inklusive den Muslimen, besteht hauptsächlich aus Akademikern. Es ist dort sehr sauber und die Schulen und Universitäten haben einen sehr guten Ruf. Schwestern dort sind hochgebildet und sehr intellektuell. Bloß vor dem Islam- Internat für Mädchen muss ich leider warnen, da dort so einiges sehr schief läuft und Kinder dort eher den Islam hassen – statt lieben lernen.

Leicester ist auch bekannt für seinen hohen Muslim-Anteil. Vom Lifestyle ist es eine Mischung zwischen Birmingham und Nottingham.

Leeds– Wer es eher großstädtig mag, geht nach Leeds. Leeds ist eine sehr saubere Stadt, wo neben Pakistanern auch sehr viele Araber leben. Hier findest du eher weniger Niqabis, die du zu Hunderten in Birmingham siehst.

Bradford ist ebenfalls ein guter Ort für Muslime. Die Natur ist dort wunderschön und es gibt dort ebenfalls sehr viele Muslime. Dort bin ich letztendlich gelandet. Die Mieten sind hier sehr günstig, allerdings ist es hier mancherorts auch sehr müllig.

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Wunderschöne Natur in Bradford

Welche Schulen dort kannst du empfehlen- Islamische oder Staatliche?

Allgemein sind die Schulen sehr gut organisiert. Schüler werden in 5 Schwierig-keitslevels eingeteilt und entsprechend ihrer Level unterrichtet. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auf- oder absteigen können!

Im Internet gibt es eine Übersicht über die Schulen und ihre Qualität. Alle paar Jahre werden sie nämlich von einem Kommittee überprüft und bewertet. Die besten Schulen werden als „outstanding“ gepriesen.

  • Islamische Schulen haben es leider nicht mehr so leicht wie früher. Seit 2 Jahren müssen auch sie dem staatlichen Curriculum folgen, welches u.a. stark die Viel-Sexualisierung (Lesben, Schwule, etc.) propagiert. Da muss man als Eltern einfach sehr wachsam sein und aufklären. Manche Islamischen Schulen haben außerdem nicht so qualifizierte Lehrer. Also muss man sich vorher gut über deren Qualität informieren.
  • Staatliche Schulen variieren sehr vom Muslim-Anteil. Manche haben sogar mehr Muslime als Nicht-Muslime im Schüleranteil, Gebetsplätze und andere Freiheiten werden ihnen auch eingeräumt. Leider wurden in letzter Zeit ein paar Schulen geschlossen bzw. radikal umbesetzt, die einen sehr hohen Muslim-Anteil hatten. Obwohl sie als „Outstanding“ eingestuft wurden, waren sie der Regierung ein Dorn im Auge.

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Carina´s Töchter in ihren Schuluniformen und ihrem Hijab (das Normalste der Welt in England!)- in einer staatlichen Schule, die jährlich Klassenfahrten nach Mekka organisiert hatte.
  • Gott sei Dank gibt es hier jedoch auch die Möglichkeit, Homeschooling zu betreiben. Ob man dies selber macht, oder sich mit anderen Homeschool-Eltern zusammen tut, ist einem selbst überlassen.

Was sollte man unbedingt beachten, wenn man nach England auswandern möchte?

Man muss sich bewußt sein, dass das System hier sehr offen ist und nicht so sicher und bequem wie in Deutschland.

Hier kriegt man nur Unterstützung vom Staat in Form von Kindergeld, Wohngeld, etc., wenn man auch arbeitet und eine Versicherungsnummer hat (National Insurance Number)

Diese bekommt man allerdings erst, wenn man 3 Monate dort gearbeitet hat- sowohl Männlein als auch Weiblein. Wenn man zu wenig verdient, bekommt man nicht mal Wohngeld- ganz wichtig!!

Man muss sich also am besten im Voraus eine Arbeit organisieren oder solange vom Angesparten leben, bis man Arbeit findet.

Wie bekommt man in England finanzielle Unterstützung?

Sobald man 3 Monate gearbeitet hat, hat man ein Anrecht auf die National Insurance Number, ohne die man in England illegal ist.

Dann beantragt man bei der Queen „Child Benefit, welches einem das Recht gibt auf andere Leistungen, wie z.B. Wohngeld, „Work and Child Tax Credit“, etc. gibt und man automatisch staatlich krankenversichert wird.

Wie beantrage ich solche Leistungen, muss ich direkt zur Queen, oder was?

Nein, inzwischen kann und soll man alle Anträge online beantragen!

Wie lange hat eine Mutter Mutterschutz? Und ab welchem Alter müssen Kinder in den Kindergarten?

Kindergarten-Pflicht gibt es hier gar nicht. Ab 5 Jahren müssen die Kinder zur Schule gehen oder bleiben zu Hause, wenn die Mutter Homeschooling beantragt. Ich kenne eine deutsche Schwester, die niemals ihre 4 Mädels zur Schule hat gehen lassen, sondern sie selbst unterrichtet hat, damit sie die Deutsche Sprache lernen. Ist hier alles möglich, alhamduLlilah.

Mutterschutz gibt es in der Regel ein Jahr.

Wie kann man Zwangsimpfungen aus dem Weg gehen, wenn man ein totaler Gegner davon ist?

Impfen ist in England keine Pflicht, wird aber als solche indirekt propagiert. Als ich erfuhr, dass es keine Pflicht ist, habe ich es abglehnt, meine Kinder impfen zu lassen.

Das wird hier nicht gerne gesehen. Ich habe allerdings gelernt , wenn man nur diesen einen Satz sagt. „You can’t force me!“, dann wird man sozusagen komplett aus dem Impfsystem rausgenommen.

Ich habe selbst vielen meiner Patienten diesen Tipp gegeben und das funktioniert bei allen. Obwohl die Angstmache hier sehr groß ist, falls jemand gegen das Impfen ist. Einfach selbstbewusst bleiben, dann klappt alles, in shaa Allah!

Muss ich perfektes Englisch sprechen, um dort zurecht zu kommen?

Ich sprach nur ein bisschen Englisch am Anfang. Es war ehrlich gesagt sehr schwer für mich, ohne fließendes Englisch. Das hat mich schon sehr gestört, da ich ohne gute Sprachkenntnisse schlecht meinen Beruf als Therapeutin ausüben kann. Mit der Zeit lernt man das natürlich. Allerdings ging ich hier nie zur Schule, sondern habe die Sprache von meinen Patienten gelernt und die Korrektur kam oft von meinen Kindern, welche die Sprache so schnell aufnehmen. Sie sprechen ja 8 Stunden am Tag in der Schule Englisch, so dass sie der Mama irgendwann weit voraus waren und immer mehr über Mamis Englisch schmunzelten. Ich kann damit leben. Hauptsache, dass man sich immer weiter entwickelt und verbessert.

An meiner Wand hängt ein großes selbstgeschriebenes Bild. „My English is excellent, alhamdullilah.“ Solche Affirmationen können Wunder bewirken, wenn man sie jeden Tag liest, in schaa Allah!

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Nach Erschwerniss kommt immer Erleichterung: heute sprechen Carina und ihre Kinder flüssiges Englisch.

Bereust du deine Entscheidung?

Nein, ganz im Gegenteil!

Ich habe meine Entscheidung, Deutschland zu verlassen, keine einzige Minute bereut, alhamduliLlah! Denn hier hat man als Muslim einfach ein selbstbestimmteres, freieres und unbeschwerteres Leben als in Deutschland.

Ich kann mich hier frei entfalten und das ist mir persönlich sehr wichtig.

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England trifft auf Amerika: Carina mit ihrer früheren Mentorin Haleh Banani

England ist ja nicht weit von Deutschland.Vermisst du irgendetwas aus deiner alten Heimat?

Ich hatte lange Zeit mein Leinöl, meinen Senf und meinen Quark vermisst. Manchmal wünsche ich mir, es gebe hier normales Puddingpulver wie in DL, Aber khair in schaa Allah. Du kannst nicht alles haben, lol.

Deutschland an sich habe ich nicht ein einziges Mal vermisst, dafür hatte ich zu viele traumatische Erlebnisse gehabt.

In England werde ich sogar als Deutsche mehr respektiert als in Deutschland. In Deutschland werde ich nicht mal als vollwertige Deutsche angesehen. Hier schon. Ich habe z.B. als Therapeutin aus DL mehr Chancen, Patienten zu gewinnen, weil DL als Land sehr hochwertig angesehen wird- nicht nur von den Muslimen, sondern auch von den Engländern.

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Beste Berufschancen in England- Carina in ihrer Praxis, im Hintergrund ihre Zertifikate.

Seit die Lehrer in der Schule erfuhren, dass meine Kinder Deutsche sind, werden sie bevorzugt behandelt. DL hat welweit einen sehr guten Ruf, würde ich sagen. Nur im Land selber sollte man nicht leben. Hahaha!

 

Welche Tipps würdest du deinen Geschwistern im Islam raten, wenn es um die Hijrah nach England geht?

  • Bereitet euch auf jedenfall gut vor, vertraut auf Allah, und dann schreitet aber auch zur Tat!
  • Erwartet nichts von anderen, sondern nur von euch selbst! Das heißt, kümmert euch, dass ihr dort Arbeit findet, sucht nach den besten Möglichkeiten.
  • Der Lebensstandard der hiesigen Muslime ist eher hoch, also sieh dies als Motivation, das Beste aus dir zu machen!
  • Zudem vertraue auf Allah- wenn du mit reiner Absicht die Hijrah vollziehst, wird Er dich nie im Stich lassen!

Als ich noch so schwankte am Ende, ob ich doch nun den Schritt wagen sollte zu gehen, habe ich einen Vers im Qur´an gelesen, der mich sehr angespornt hat zu gehen.

Sure 4, Vers 100: Und wer auswandert in Allahs Weg, wird auf der Erde manche Zuflucht und Hilfsmittelfinden. Und wer sein Haus verläßt und zu Allah und Seinem Gesandten auswandert, und der Tod ereilt ihn dann, dessen Lohn fällt Allah zu; und Allah ist verzeihend und barmherzig.

Das war´s eindeutig für mich. Und es war wie ein Versprechen von Allah.

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Und warum ich von Anfang an überhaupt so entschlossen war, gehen zu MÜSSEN, war folgender Vers:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“ Jene aber, – ihr Zufluchtsort wird die Hölle sein, und (wie) böse ist der Ausgang! (4:97)

Dieser böse Ausgang, nämlich die Hölle, hat mir richtig Angst gemacht und ich dachte, „Ich wurde diskriminiert in meinem Land und habe jeden Tag gelitten und meine Kinder auch, und am Ende werde ich dafür von Allah noch bestraft und soll zur Hölle gehen?“

Da war für mich klar, dass ich gehen MUSS. Wir haben nicht einmal Recht, uns bei Allah zu beschweren, wenn es uns in Deutschland schlecht geht. Allahs Erde ist groß genug- das könnt ihr mir glauben, liebe Geschwister. Und Allah verspricht zu helfen. Nun liegt es an dir, aus dem Dilemma auszubrechen und zu gehen und ein schöneres Leben zu haben. Es gibt nichts besseres, als die Freiheit. Und die wirst du überall auf der Welt finden, nur nicht in DL. Das ist meine Meinung. Sei mutig!

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Der ganze Struggle hat sich gelohnt: Carina mit ihren Mädels gönnen sich einen Urlaub.

Wow, merkt ihr die Power dieser Frau? Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann schafft sie dass auch- sie zieht es durch, bis zum Ende, maa shaa Allah!

Möge Allah sie reichlichst belohnen für all ihre Bemühungen und möge Allah es ihr mit dem besten vergelten, dass sie an diesem Interview teilgenommen hat.

Ich kann sie einfach jedem als Beraterin empfehlen- sei es, für Muslimas oder Nichtmuslimas. Und mit ihrer starken Willenskraft ist sie ein großartiges Vorbild für uns, dass wir auch als Muslimas etwas erreichen können, unser Potential voll ausschöpfen können, in shaa Allah!

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Ich hoffe, ihr seid genauso inspiriert worden von Carina wie ich. Wenn dem so ist, liked und kommentiert, was das Zeug hält 😉

Seid lieb gegrüßt,

Eure Khalisa

Vorteile des Ramadans in Somalia

Heute möchte ich ein paar Vorurteile abbauen und euch die Vorteile eines Ramadans in Somalia aufzeigen. Ja, die gibt es tatsächlich! Auch, wenn sich einige von euch fragen werden: „Wie, in diesem Land kann man fasten, wo man doch eh schon hungert?“, „Auf was kann man sich denn dann beim Fastenbrechen freuen?“, „Wie soll das denn gehen, bei der Hitze?“…

Zugegebenermaßen muss ich gestehen: Ja, es ist ein Unterschied, wenn man hier in Somalia fastet- ein riesen Unterschied sogar! Aber eben nicht nur im negativen Sinne.

Natürlich spreche ich hier nicht vom Ramadan, wie ihn die tausenden von Armen leider verbringen müssen, sondern von durchschnittlichen Familien, die es hier ebenso gibt. Wer die Bedürftigen unterstützen möchte, findet dazu noch etwas am Ende diesen Artikels!

Hier schon mal einige generelle Fakten zum Fasten in Somalia, die euch einen Einblick in die generellen Umstände geben.

Gutes Essen: eine Kostenfrage!

Für eine Großfamilie wie wir, mit zurzeit 22 Leuten, muss man sich gut überlegen, was man sich leisten kann, was wichtig und was weniger wichtig ist. Auf jedenfall muss alles frisch sein, denn alles andere- wie zum Beispiel Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt- ist bei der Menge wirklich unbezahlbar. Da diese jedoch sowieso aus Brasilien kommen, ist es wahrscheinlich eh besser, darauf zu verzichten.

Fleisch: ein Muss!

Ohne Fleisch, kein Preis. Ach nee, das ging ja anders! Aber so könnte das Motto der arabischen, als auch somalischen Männer sein: ohne Fleisch wäre die Hauptmahlzeit für sie wertlos! Da sie also nicht ohne Fleisch leben können, gibt es hier abwechselnd Fleisch (meißtens von der Ziege) oder Fisch. Deswegen müssen wir auch jeden Tag zum Markt, da wir keinen Kühlschrank haben. Der nämlich frisst viel zu viel Strom bei hiesigen Strompreisen (Traum: Solarenergie!).

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Was sind nun die Vorteile des Fastens in Somalia?

Mehr Aufwand vs. frische Kost

Bei der Zubereitung hat man es hier etwas aufwendiger: Hackfleisch beispielweise müsste man selber erst durch eine dieser Hand-gekurbelten Maschinen geben, welche meißtens immer verstopfen. Also besser darauf verzichten, oder eine richtig gute Maschine anschaffen!

Auch sämtliche Somalische Teig-Spezialitäten brauchen immer ewig viel Zeit und dazu am besten noch neben dem Gasherd ein zusätzliches Feuer. Aber geschmacks-technisch lohnt es sich natürlich!

 

Die Hitze vs. kurze Fastenzeiten

Die Hitze ist besonders in der Mittagszeit ein Störfaktor. Mit 2-3 mal täglich duschen und dem Ventilator auf höchster Stufe, lässt sich auch das glimpflich überstehen. Dafür sind die Zeiten des Fastens viel ertragbarer, als in Europa: morgens von kurz nach 4 bis Abends um 18 Uhr. Das ist ca.4 Stunden eher, als in Deutschland, und mit der Mittags-Siesta verläuft die Zeit wie im Fluge.

Essen: unbedingt frisch!

Das Essen ist nicht das gleiche, wie in Deutschland. Es ist dafür jedoch viel natürlicher- man verzichtet also auf die ganzen tiefgefrorenen Pseudo-Gemüse und bekommt es direkt vom Markt. Es mag zwar nicht die gleiche Auswahl geben. Dafür bekommt man das Wichtigste überhaupt: frische Wassermelone, Datteln und Wasser! Gutes Essen hängt dann eher vom Einkommen ab und von den Kochkünsten/ Fantasie des Kochs. Und natürlich auch, wieviel Zeit man mit Kochen statt mit besinnlicheren Dingen beschäftigt sein möchte!

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Keine unnötige Gewichtszunahme, da es einige Leckereien einfach nicht gibt!

Da es für die Durchschnitts-Familie hier eher unerschwinglich ist, sich mit den Pringles, Twix, Raffaelo´s, – sprich, dem ganzen Müll aus dem Supermarkt, voll zu stopfen, hat man auch nicht das Problem mit der übermäßigen Gewichtszunahme im Ramadan. Die einzige Süßigkeit sind in der Regel Datteln, Wassermelone und eventuell eine Art süßes (frittiertes) Gebäck. Solange man mit letzterem nicht übertreibt, muss man nicht um seine gute Linie fürchten. Denn selbst die Säfte machen wir selber: frischer Limonen-Saft, bei besonderen Anlässen auch Mango- Saft!

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Man trinkt genug- mehr Durst!

Aufgrund der Hitze empfindet man logischerweise mehr Durst, dementsprechend trinkt man (im Idealfall) auch mehr. Morgens vor dem Fastenbeginn nimmt man eine Brei-Mahlzeit zu sich („Suhuur“) und kann problemlos 3 Gläser Wasser trinken. Ohne beides wird das Fasten später schwer, aber mit dieser Grundlage wird es ziemlich leicht!

Viele Möglichkeiten, Arme zu speisen

Wenn man seinen Ramadan in Somalia verbringt, hat man den Vorteil, dass man nicht erst Geld an irgendeine Spendenorganisation spenden muss. Nein, man sitzt ja direkt an der „Quelle“! Und so hat man zahlreiche Möglichkeiten, den Armen etwas abzugeben, was man selber im Überfluss hat.

Viele helfende Hände

Die meißten Familien hier sind richtig groß. Der Vorteil in so einer Großfamilie ist, dass es viel mehr helfende Hände gibt. Also einerseits gibt es mehr Arbeit, andererseits jedoch gibt es auch mehr Hilfe, um alles wieder herzu richten. Selbst das Kochen ist so ganz angenehm: der eine schnippelt vor, der andere kocht die Hauptspeise, der andere die Nebenspeisen. Okay, vielleicht sollte ich besser in femininer Form schreiben, denn Männer haben in somalischen Küchen nichts zu suchen – es sei denn in Restaurants 😉

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Man ist kein Einzelgänger, sondern fastet mit allen zusammen

Das ist ein sehr wichtiger Punkt für Somalia: man ist als Muslim einfach einer von vielen! Ohne die ständigen Kommentare „Wie schaffst du das bloß!?“, „Das ist doch unmenschlich!“, etc. fällt es einem gleich viel leichter, denn man muss sich nicht ständig rechtfertigen.

Beim gemeinsamen Essen fühlt man sich richtig wohl- nach dem Fasten schmeckt gleich alles viel besser, und man genießt die Zeit zusammen.

Eine spezielle Zeit für Kinder

Auch für die Kinder ist der Ramadan eine spezielle Zeit und versuchen teilweise auch schon zu fasten. Selbst Kleinen sagen nach ihrem Frühstück, dass sie fasten, und schaffen es dann gerade mal bis zum Mittagessen, wenn sie quasi überredet werden, doch endlich etwas zu sich zu nehmen! 9-Jährige schaffen auch schonmal einen ganzen Tag und sind dann stolz wie Oskar. Das reicht dann aber auch für den Rest des Monats 😉

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In obigem Foto seht ihr unsere Kleinen, die von ihrer großen Schwester unterrichtet werden. So ist es eine Entlastung für die Fastenden und ein Vergnügen für die Kinder.

Unsere 11-Jährige Aischa, die gerade ihre letzten Prüfungen in der Schule ablegt und die Jüngste unter allen Klassenkameraden ist, musste ich förmlich zwingen, ihr Fasten zu brechen. Sie meinte, sie würde sich schämen, nicht zu fasten und außerdem wollte sie, dass Allah ihre Bittgebete (Du´a) beantworte. Da meinte ich, dass sie noch den ganzen Rest des Monats Zeit dazu habe, und dass ihr Fasten sowieso nichts Wert ist, wenn sie es nur für andere Leute tut. Außerdem könnte sie alle Fastenden in ihrer Familie um Du´a fragen, so kann sie dann vom Fasten der anderen profitieren (denn das Du´a des Fastenden wird aufjedenfall erhört)! Das fand sie überzeugend und so trank sie prompt ein Glas Wasser und frühstückte gemächlich.

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Wie ihr seht, werden Kinder hier eher gebremst, nicht zu früh schon zu lange zu fasten. Gleichzeitig ist es ein riesen Ansporn für sie, auch so schnell wie möglich durch zu fasten, da sie in einem muslimischen Umfeld aufzuwachsen. Man stelle sich gleiche Situation mal in Deutschland vor… Katastrophe!

Mehr Motivation für Gottesdienstliche Handlungen

Dadurch, dass das Fasten hier selbstverständlich ist und sich der Wichtigkeit dieses Monats bewußt ist, wird man auch zu mehr Aktivitäten motiviert. Denn jeder versucht, sein Bestes zu geben in diesem Monat: seien es, gute Taten zu vollbringen, mehr Qur´an zu lesen, schlechte Wörter zu unterlassen, zu spenden oder mehr zu beten. Da kommt man sich ganz blöd vor, wenn man NICHT so aktiv ist! Allerdings zählt dabei natürlich die Niyya- Absicht- dass man seine Taten nicht der Leute wegen macht, sondern um Allah´s Wohlgefallen und um Seine Vergebung zu erlangen!

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 Moscheen um die nächste Ecke

Last but not least ist es einfach ein Segen, hier seinen Ramadan zu verbringen, denn man braucht nur um die nächste Ecke gehen, und schon ist man in einer Moschee! Alle Gebete werden wie immer durch Lautsprecher übertragen, jedoch das Besondere in diesem Monat ist, dass selbst das Tarawih-Gebet (eine lange Gebetsreihe nachts, etwas nach dem Essen) in der Luft ertönt. Und das aus jeder Ecke! Es gibt keine schönere Stimmung, als diese Momente, wo sich alle Gottergeben im Gebet befinden und die Worte Allah´s von überall erklingen!

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Final Conclusion

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass der Ramadan in Somalia wahrscheinlich allen anderen muslimischen Ländern ähnelt. Das Einzigartige hier ist wohl, dass es hier 99% Muslime gibt, also eigentlich ALLE im Ramadan fasten und beten. Und dass es hier nicht solchen Überfluss an Süßigkeiten und anderen Leckereien gibt, was ja auch garnicht der Sinn des Ramadans ist, und einen schön bescheiden und trotzdem so überaus dankbar macht. Denn schließlich hat man mehr, als Millionen von anderen Menschen im Land.

Also Alhamdulillah für alles!

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Und, seid ihr auf den Geschmack gekommen? Wenn die Flüge hierhin nicht so teuer wären (ca.1000 Euro pro Kopf), würde ich glatt eine Reiseagentur eröffnen, glaubt mir! Mit Ramadan-Specials, Kamelreiten, Kamel-Milch-Kur, etc… Aber was nicht ist, kann ja noch kommen- je weniger Unruhen hier sind, desto mehr Leute werden hierhin kommen, und desto mehr sinken dann irgendwann auch die Flugpreise, in shaa Allah 🙂

In diesem Sinne allen Muslimischen Leser/innen noch einen gesegneten Ramadan, alle Nicht-Muslime haben hoffentlich einen kleinen Einblick gekriegt in eine andere Welt!

Eure Khalisa

PS: Bevor ich noch etwas ganz Wichtiges vergesse: Bitte unterstützt diejenigen, die nichts haben zum Fastenbrechen! Von Islamic Care gibt es ganz tolle Projekte, die einfach  zu unterstützen sind und durch die man ganz viel bewirken kann:

So kann man mit nur 4 Euro ein richtiges Mahl zum Fastenbrechen für eine Person ermöglichen;

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Oder man kann seine Zakat-ul-Fitr (obligatorische Spendengabe für jeden Muslim) im Wert von nur 7 Euro an Islamic Care schicken, so dass sie es denjenigen weitergeben, die es wirklich bitter nötig haben.

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Islamic Care ist ein sehr vertrauenswürdiger gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die miserable Lage millionen von Menschen zu verbessern.

Möge Allah all jene reichlich belohnen, die etwas von ihren Gaben den Bedürftigen abgeben und somit ein Stück mehr Menschlichkeit verbreiten, amin!

 

13.Interview: Geballte Frauenpower in Ägypten

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute gibt es wieder ein außergewöhnliches Interview für euch, und zwar aus Ägypten. Jede Geschichte ist anders, deswegen lohnt es sich, mehr als nur eine Geschichte pro Hijrah-Land anzuschauen [Hijrah bedeutet Auswanderung]. Diesmal gibt es auch beinahe komplett neue Fragen, die sich u.a. auch auf den aktuellen Monat Ramadan beziehen.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Unsere heutige Protagonistin heißt Halima, sie ist deutsche Muslima und hat eine faszinierende Geschichte hinter sich: Nur eine Woche nach ihrem Ägypten-Urlaub entschloss sie sich, in Deutschland die Zelte abzubrechen, um als eine von vielen Muslima´s in Ägypten ihre neue Freiheit zu genießen. Sie gründete dort eine neue Familie, während sie ihre alte hinter sich lassen musste. Und aufgrund eines tragischen Zwischenfalls, machte sie aus der Not eine Tugend und startete ihre Karriere als Deutschlehrerin. Karriere deshalb, weil sie nicht bloß einfache Lehrerin wurde, sondern ganz verschiedene führende Positionen einnahm:

  • DaF- Deutschlehrerin für Kinder und Erwachsene,
  • Leiterin der Kinderabteilung,
  • Eventplanung und internationale Kommunikation,
  • private Sprachkurse,
  • Kursentwicklung und Initiation neuer Kursprogramme,
  • Leitung von Sprachförderungskursen und
  • Betreuerin von Lehrern in Ausbildung.
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Halima mit ihren erwachsenen Studenten

Darüber sagt sie selbst:

Ich liebe meinen Job sehr elhamdulillah, bin gerne Lehrerin. Früher hätte ich nie gedacht, mal Lehrerin zu werden, war damals nach meiner Ausbildung in allen möglichen Jobs, nur um nicht als Pädagogin arbeiten zu müssen, lol. Hab das damals nur meiner Mutter zu Liebe gelernt. Heute ist es mein Traumjob. Ich denke aber auch, dass das sehr daran liegt, dass Lehrer-sein hier in Ägypten ein sehr geschätzter und reservierter Beruf ist.

Das sie eine Powerfrau ist, sieht man auch an den Bildern, die sie mir zur Verfügung stellte: die Mehrzahl an Bildern zeigen sie entweder mit ihren geliebten Schülern, oder ihre Kinder, denen sie eine kreative Beschäftigung gibt. Diese Frau gönnt sich kaum eine Pause!

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Homeschooling mit ihren Kindern

Nun lasst euch also mitnehmen in eine andere Welt, die Welt von Halima!


1. Wohin und wann hast du die Hijrah vollzogen?

Ich bin 2010 Hals über Kopf nach Ägypten ausgewandert. Ich war zuvor 2 Wochen auf Urlaub hier und als ich wieder in Deutschland war, habe ich mich gefühlt, als würde ich nicht mehr dort hin gehören.

1 Woche später war ich wieder in Ägypten und bin bis heute nicht wieder in Deutschland gewesen.

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Damals noch mit Niqab

2. Hattet ihr euch lange darauf vorbereitet?

Nein, vorbereitet habe ich mich gar nicht wirklich.

Ich hatte einfach das Gefühl, khalas [fertig, arab.] – wenn du jetzt nicht gehst, wirst du nie als freie Muslimin leben!

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3. Wie alt waren deine Kinder und in was für eine Bildungsinstitution gehen sie?

Mein ältester Sohn aus erster Ehe war damals 4 und sollte eigentlich nach kommen. Leider kam es nie dazu und er lebt bei seinem Vater in Deutschland, ich hatte leider bis heute noch keine Möglichkeit, ihn wieder zu sehen,- eine lange Geschichte. Wir haben aber Kontakt elhamdulillah. Meine anderen Kinder habe ich hier in Ägypten bekommen. Mit meinem heutigen Mann habe ich elhamdulillah 3 Kinder (fast 7, fast 4 und 1,5 Jahre alt), eigentlich hätten wir 6, aber 3 sind verstorben. Khair in sha Allah…

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Halima mit ihren Kindern

Hier gehen die beiden Kleinen in einen Kindergarten, in dem sie ma sha Allah Englisch, Arabisch, Koran etc. lernen. Der Ältere geht sporadisch zur Schule. Er geht nur, wenn er Lust hat. Wir unterrichten unsere Kinder elhamdulillah hauptsächlich zu Hause. Zur Schule und Kita gehen sie nur wegen der Schulpflicht. Ansonsten nehme ich sie manchmal mit zur Arbeit.

4. Wie habt ihr die Eingewöhnungsphase überstanden?

Elhamdulillah sehr gut. Ägypten ist ein Land, in dem es noch Menschen gibt, die dich nicht aufgrund der Herkunft oder Religion in eine Schublade stecken.

Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit und freundlich. Mein Mann hat mir ma sha Allah auch viel geholfen.

5. Kannst du dich dort verständigen, hattest du sprachliche Vorkenntnisse?

Ich spreche elhamdulillah fließend englisch, was mir am Anfang sehr half. Mein Mann und ich sprechen bis heute Englisch miteinander, er spricht kein deutsch. Wir sprechen immer noch Englisch, obwohl ich mittlerweile fast fließend Arabisch spreche, wir haben uns einfach daran gewöhnt.

6. Bist du dort gut integriert?

Elhamdulillah, ja.
Ich arbeite extrem viel, seid mein Mann arbeitsunfähig ist. Meist um die 12- 16 Stunden täglich. Ich bin Deutschlehrerin und arbeite zudem in einer leitenden Position in einem ägyptisch- deutschen Kulturzentrum. Zusätzlich gebe ich private Unterrichte. Ich habe hier elhamdulillah allein schon durch meine Arbeit sehr viele Kontakte und gute Freunde.

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7. Was magst du besonders an Ägypten?

Besonders an Ägypten gefällt mir die Geräuschkulisse.

5 Mal täglich den Adhan zu hören, ist ein Geschenk Allahs. Als ich ihn das erste Mal hören dürfte, hat es mich so sehr berührt, das mir die Tränen kamen.Ich bin schon viele Jahre vor meiner Auswanderung konvertiert, hatte aber in Deutschland nie die Chance, den Adhan zu hören.

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Außerdem finde ich es total beeindruckend, dass Ägypter in der erstaunlichen Lage sind, wirklich alles zu reparieren. Egal was es ist, die kriegen echt alles wieder zum Laufen und das mit Methoden- ma sha Allah, da würden wir Deutschen im Leben nicht drauf kommen!

8. Was magst du nicht besonders?

Zum Thema Negatives ist hier vor allem ein riesiges Manko an Bildung und medizinischer Versorgung vorhanden. Die meisten Ägypter leben am Existenzminimum, die Schere zwischen arm und reich wird durch die steigende Inflation immer größer und das rasend schnell. Zudem sind die wenigsten hier krankenversichert, sodass ein Arztbesuch schnell richtig teuer werden kann. Damals, als meine Zwillingsmädchen nach dem Kaiserschnitt in Inkubatoren mussten, hat uns das in den wenigen Tagen ihres kurzen Lebens mehrere zehntausend Pfund gekostet. Zudem mussten wir enorme Anstrengungen aufbringen, um an Medikamente und Blutkonserven für sie zu kommen.

Hätten damals nicht deutsche Freunde finanziell geholfen, wären sie wahrscheinlich schon viel früher gestorben, Allahu 3lm [Allah weiß am besten].

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Zudem kosten Schulen hier extrem viel Geld und je nachdem wie viel man sich leisten kann, hängt es eben davon ab, welche Qualität man in der Schule geboten bekommt. Deutsche und amerikanische Schulen kosten mehrerer zehntausend Pfund im Jahr, was wir uns definitiv nicht leisten können, trotz meines vergleichsweise guten Gehalts. Die Schule, auf die mein Sohn geht, kostet uns etwa 2000 Pfund im Jahr, die Kita den selben Betrag monatlich. Die Kita ist ma sha Allah für eine ägyptische sehr gut und sauber und die Lehrer, auch wenn sie nicht ausgebildet sind, geben sich die allergrößte Mühe. In der Schule meines Sohnes ist das anders.

In staatlichen Schulen sind die Klassen oft um die 40 bis sogar 60 Kinder stark mit nur einer Lehrerin, die oft nichts vom Lehren versteht. Auch sind viele ägyptische Lehrer sehr streng und Züchtigung gehört vereinzelt noch zum Lehrplan.

Es gibt hier eine gemeinnützige Organisation, in der auch eine liebe Kollegin und Freundin aktiv ist, die versucht durch Aufklärung und Seminare, die ägyptischen Lehrer zu trainieren und ihnen andere Methoden beizubringen. Leider hat sich durch Traditionen und westliche Einflüsse das Weltbild an den Schulen hier teilweise verändert. Khair in sha Allah, einer der Gründe warum wir unsere Kids überwiegend zu Hause unterrichten. Elhamdulillah wird aber in allen Schulen Koran unterrichtet, sogar in den deutschen, außer den Christlichen Schulen natürlich.

Was ich außerdem schade finde ist, dass es leider aufgrund der steigenden Armut hier immer mal wieder vorkommen kann, dass jemand versucht einen übers Ohr zu hauen. Mein schlimmstes Erlebnis hier war zur Zeit des Militär-putsches. Damals trug ich noch Niqab, heute „nur noch“ Hijab. Damals waren meine Kleinen noch nicht geboren. Nur mein Sohn, der hier der Älteste ist. Ich wurde damals von einem älteren Herrn auf der Straße belästigt und beleidigt, er ging sogar mit seinen Schuhen auf mich los.

Damals hatten manche Ägypter Angst vor Ausländern und glaubten, dass Ausländer den Terrorismus unterstützen würden, Da trotz Niqab nicht zu verbergen war, dass ich Ausländerin bin, da mein Sohn schon damals sehr gut deutsch sprach und mich somit immer wieder „verriet“, wurde ich leider Opfer dieses Herrn.

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Elhamdulillah ist es glimpflich angegangen.

9. Fürst du dort ein selbstbestimmtes Leben? Was bedeutet das für dich?

Elhamdulillah mittlerweile haben wir es etwas besser, wenn es auch schwer ist. Uns geht es aber bei weitem besser, als vielen anderen. Ich finanziere unser komplettes Leben, während mein Mann sich um unsere Wohnung und die Kids kümmert, wenn ich arbeite. Nach der Arbeit und an freien Tagen übernehme dann ich.

10. Wie sieht der Ramadan in Egypten aus? Was macht ihn speziell? Tust du in der Zeit arbeiten? Sind die Schulen geöffnet? Erzähl mal ein bisschen!

Ich mag den Ramadan hier sehr. Wir besuchen Familie und Freunde, gehen extra viel in die Moschee etc.

Ich liebe diese Zeit, in der alle versuchen, Allah so nah wie möglich zu kommen und jeder versucht, sein bestes zu tun. Ich arbeite auch in dieser Zeit, aber elhamdulillah meist etwas später, sodass man sich mehr auf seinen Deen [Religion] konzentrieren kann.

Die Schulen sind in diesem Monat geschlossen. So oder so sind die Sommerferien hier sehr lang. In der Schule meines Sohnes zum Beispiel bis zu 4 Monate lang (Er geht auf eine ägyptische Volksschule, wenn auch nur sporadisch, wegen dem Nachweis). Die Kitas arbeiten normal, schließen aber meist früher, damit alle pünktlich zum Iftar zu Hause sind.

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Eine der zahlreichen dekorierten Nebenstraßen Kairo´s

11. Würdest du dort gerne alt werden?

Ich hoffe, dass ich hier meine Augen an meinem letzten Tag in dieser Dunja schließen darf in sha Allah. Ich möchte zwischen Muslimen sein, wenn ich sterbe in sha Allah.

12. Kannst du Ägypten als Auswanderungsland empfehlen? Wenn ja, wieso?

Ja, definitiv. Das Leben hier ist zwar für einige sehr hart, wie für uns auch, dennoch gibt es nicht besseres, als sich in der Ummah zu wissen.

Zu wissen, dass deine Kinder den Islam von Anfang an lernen, sie zu hören, wenn sie nebenan in der Moschee den Koran rezitieren, ma sha Allah. Als motivierte Muslimin in Deutschland hatte ich es oft sehr schwer, hier fragt dich niemand danach, ob und warum du Muslimin bist. Hier akzeptiert man die Menschen, wie sie sind elhamdulillah.

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13. Welchen Ratschlag hast du für diejenigen, die auch vom Auswandern träumen?

Traut euch. Denkt nicht all zu lange darüber nach. Allah versorgt einen, egal wo man ist elhamdulillah. Wenn man auf Allah vertraut, wovor soll man dann Angst haben?

Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens, auch wenn sie sehr schnell kam. Ich bereue es keine Sekunde elhamdulillah

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Vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Interview-Teilnahme, liebe Halima. Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen für all eure Bemühungen auf Seinem Weg, und möge Er euch eure Situation immens erleichtern!

Liebe Leser/innen, ich denke, ihr seid genauso beeindruckt wie ich von dieser Geschichte. Vor allem zu sehen, wie diese Familie trotz eines Schicksalsschlags zusammen hält und „mal eben so“ die Rollen tauscht (Frau arbeitet, Mann kümmert sich um Kinder), ist wirklich beispielhaft und verdient größten Respekt! Ich hoffe, dass es viele zum Nachdenken anregt. Denn wenn eine Frau sogar ihre Familie im Ausland ernähren kann- wieso dann nicht auch andere?

Allen Muslimen wünsche ich noch einen gesegneten Ramadan, und allen anderen ebenso eine schöne Zeit. Likes, Kommentare, etc. herzlich Willkommen 🙂

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

Auflösung der Umfrage

As salaamu alaikum und Hallo allesamt,

Heute kläre ich euch endlich über meine letzte Umfrage auf- Welches Buchthema interessiert euch am meisten?

Ich muss sagen, dass ich mir ein paar mehr Antworten erwünscht hatte bei so vielen Followern. Aber versuchen wir es mal, positiv zu sehen: Immerhin 33 Leute haben ihre Meinung und somit ihr Interesse mitgeteilt, ca.4 Leute haben mir noch privat ihren Wunsch geschrieben, was aber nichts am Ergebnis geändert hat. Immerhin also 37 Leute!

Was kam heraus?

Während die wenigsten an meiner persönlichen Geschichte, wie ich zum Islam kam, interessiert sind (ok, der Titel hätte noch verändert werden müssen, und einige Freunde kennen sie natürlich schon), hat es der Mehrehe-Guide mit einer Stimme mehr auf Platz 3 geschafft.

Der „Hijrah-Guide“ und „Mein Leben in der Mehrehe“ haben sich einen Wettkampf geleistet, den letzteres Thema schlußendlich mit 2 Stimmen Vorsprung gewann.

Das Gewinnerbuch ist also theoretisch „Mein Leben in der Mehrehe!“.

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Was ist die Konsequenz?

Die logische Konsequenz sollte eigentlich sein, dass ich ein Buch über das Gewinner-Thema schreibe.

Also setzte ich mich schon mal daran, eine Mind-Map zu dem Thema zu machen. Gleichzeitig fing ich mit meinem lang ersehnten Kurs an zum Thema, wie man sein eigenes Buch innerhalb 90 Tagen schreibt und auch selbst veröffentlicht. Auf einmal wurde mir dabei bewußt, dass ich zurzeit mehr für das Thema Hijrah brenne, da es gerade so aktuell ist, auch auf diesem Blog. Und es ist weithin bekannt, dass das am besten wird, wofür man „brennt“!

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben!!

Das Thema Mehrehe ist nicht weniger meine Herzensangelegenheit, wird dafür aber auch nicht weglaufen. Es wird einfach das nächste Thema sein (in shaa Allah)!

Bloß passt das andere Thema über die Auswanderung gerade so gut zu meiner Interview-Reihe und wäre ein genialer Abschluss für dieses Thema, so dass ich mich doch dazu entschieden habe, den Hijra-Guide vorzuziehen.

Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel und versteht meine Vorgehensweise 🙂

Möge Allah mit euch zufrieden sein für eure Teilnahme und möge Er mir dieses Hammer-Projekt erleichtern!

In den nächsten Tagen werde ich eine weitere, mehr spezifische Umfrage starten zum Thema Hijra, in shaa Allah.

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Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

 

12.Interview: Vom Stadtkind zum Melkprofi!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nach einem Aussetzer aus privaten Gründen, geht es heute in alter, bzw. neuer Frische an unser nächstes Hijrah-Interview 🙂

Ich freue mich sehr, euch wieder eine einzigartige Auswanderungs-Geschichte vorzustellen. Sie führt uns nun zum dritten mal nach Algerien, ist jedoch wieder ganz anders und zeigt die vielfältigen Möglichkeiten auf, die man im Ausland haben kann!

Es geht also diesmal um die Schwester Umm Idris [Mutter von Idris], welche mit ihren 4 Kinder den Schritt ins Land ihres Mannes gewagt hat.

Sie hat sich damit nicht nur den Traum vom Auswandern erfüllt, sondern auch einen lang gehegten Kindheitstraum: nämlich mit Tieren zu arbeiten!

Nun kommt das wirklich nicht alle Tage vor: ein Stadtmädchen bevorzugt das Leben auf einem Bauernhof!?! Ich kann es allerdings ein Stück weit nachvollziehen, denn auch ich liebe Tiere und Natur. Auf Dauer wäre mir das jedoch zu einsam.

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Dafür muss man glaube ich einfach der Typ dafür sein, denn nicht jeder kommt mit dieser Einsamkeit zurecht. Wobei dies auch ein sehr guter Schutz vor den Fitan [Versuchungen] ist, die heutzutage überall vermehrt auftreten.

Lest also selbst diese ungewöhnliche Geschichte von einer starken Persönlichkeit:


Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

zeit für neuesNach Algerien AlhamduliLLAH., seit Ende 2016.

Frage 2: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

7, 5, 3 und 1 Jahr.

Frage 3: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier und uns schien es allgemein am unkompliziertesten, dahin auszuwandern.

Frage 4: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Natürlich in erster Linie, um den Islam besser leben zu können und auch meinen Kindern ein besseres islamisches Umfeld zu geben.


Frage 5: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, alhamduliLlah.

Frage 6: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja „ausreichend“ vielleicht nicht gerade. In Algerien wird in erster Linie Arabisch gesprochen, aber z.T. in einem Dialekt, der in mancher Hinsicht weit vom Hocharabischen entfernt ist. Meine Arabisch Kenntnisse waren allerdings auch nicht gerade sehr ausgeprägt.

Französisch ist hier zweite Amtssprache und das konnte ich noch ganz passabel aus Schulzeiten, AlhamduliLLAH. Ich habe aber auch festgestellt, dass doch recht viele, gerade von den jüngeren Generationen, auch Englisch sprechen. Dadurch, dass ich nun mit drei Sprachen mehr oder weniger gut kommunizieren kann, ist es mir möglich, meinen Alltag zu meistern 😁

Frage 7: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie war leider überhaupt nicht begeistert [haben sich aber inzwischen damit abgefunden!].

Frage 8: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, ein Visum war nötig.

Frage 9: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Ja, wir haben einen Bauernhof. Wir leben sozusagen ein wenig „ab vom Schuss“. Die nächste große Straße ist ca. 10km entfernt, der Weg zu uns ist Feldweg. AlhamduliLLAH haben wir hier aber Strom und dank unseres Brunnens auch fließend Wasser.

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Die nächst- größte Stadt im Sandsturm
Frage 10: Weshalb habt ihr euch ausgerechnet für das Leben in Abgeschiedenheit entschieden?
Wir haben lange auf unsere Hijra hingearbeitet und meinem Mann war es wichtig, dass wir von vornherein hier ein Einkommen haben werden biidhnillah. In dieser „Überlegungszeit“ sind die Grundstückspreise sehr gefallen, sodass mein Mann auf die Idee mit dem Bauernhof kam und quasi „zugeschlagen“ hat, AlhamduliLLAH. Außerdem bietet eine Landwirtschaftliche Tätigkeit für uns als Familie sehr viele Vorteile: als erstes ist es natürlich etwas, was immer benötigt wird,- anders als ein einfaches Geschäft. Da kann es immer wieder vorkommen, dass das Interesse verloren geht für die Dinge, die man verkauft.
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Desweiteren kann man sich zu einem gewissen Teil selbst versorgen und hat somit die absolute Gewissheit über die Qualität der eigenen Lebensmittel. Und natürlich ist es auch gut für unsere Kinder, hier aufzuwachsen AlhamduliLLAH. Sie wissen, wie Obst und Gemüse wächst, wie man Tiere versorgt und können unbeschwert auf unserem Grundstück spielen, denn weit und breit fährt kein Auto.
Frage 11: Stört es euch nicht, so abgeschieden zu leben?
Die Abgeschiedenheit stört uns nur bedingt. Als ich noch ein Kind war, wurde ich sozusagen auch eher in die „Richtung“ lieber „unter sich sein“ erzogen, indem meine Eltern es mir so vor lebten. Z.b. Haben Sie ein abgeschiedenes Gartengrundstück in Deutschland, wo wir unsere Ferien verbrachten.
Das heißt natürlich nicht, dass ich partout nicht gern unter Menschen bin, im Gegenteil gefällt mir das auch, aber nach einer gewissen Zeit merke ich, dass es mir „zu viel“ wird und ich wieder für mich alleine sein möchte.

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Frage 12: Das klingt ja interessant! Hattet ihr Agrarwissenschaftliche Vorkenntnisse?
Mein Mann ist hier in der Gegend, die von Landwirtschaft und Viehhaltung geprägt ist, aufgewachsen und hat dem entsprechend auch genügend Vorkenntnisse gehabt. Ich hingegen bin eher in der Stadt groß geworden, aber AlhamduliLLAH hat es mich schon als Kind immer aufs Land gezogen, wo meine Großeltern leben. Mein Opa hatte einen kleinen Gemüsegarten mit Kartoffeln, Möhren usw. Außerdem war ich schon immer total vernarrt in Tiere, insbesondere Pferde und habe gerne meine Ferien auf einem Reiterhof verbracht. Von daher ist mir Stallarbeit auch nicht fremd.
Allerdings sind hier auch einige total neue Aufgaben auf mich zugekommen: z.B. Melken, mit der Hand versteht sich 😉
Da hab ich schon einige Zeit rumprobieren müssen, bis ich den Dreh raus hatte und ich sag euch, das ist super anstrengend SubhanaALLAH! Denn man beansprucht da Muskeln in der Hand, die man vorher gar nicht kannte. Bis man da 8 Liter aus so einer Kuh gemolken hat, das dauert.
Diese Hürde war nun AlhamduliLLAH geschafft, da bringt mein Mann eine ZIEGE zum melken 😅 Die ist dann auch nochmal anders zu melken, als eine Kuh. Naja jetzt bin ich Melkprofi 😁
Ja und ansonsten genieße ich die Arbeit mit den Tieren sehr, auch wenn mal eins krank ist, da kann ich meinen Kindheitstraum der Tierärztin ausleben😅 Spritzen kann ich nun auch verabreichen. Auch für unsere Kinder ist es hier toll AlhamduliLLAH. Sie haben schon einige Tiergeburten miterleben können.

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Frage 13: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Definitiv ja. InshaALLAH

 

Frage 14: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Sie besuchen eine normale staatliche Schule.

Frage 15: Dein bestes Erlebnis im Ausland?

„Das“ Erlebnis an sich gibt es eigentlich nicht. Viel mehr ist es das schöne Gefühl unter Muslimen Leben zu können, das ich sehr schätze AlhamduliLLAH. Ebenso, dass ich meine Religion hier ohne Probleme,wie man sie zuvor in Deutschland hatte, praktizieren kann.

Frage 16: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

AlhamduliLLAH ist mir hier noch nix wirklich „schlimmes“ passiert. Aber vielleicht ein Punkt, der für mich am Anfang sehr schwierig war: Dass man sehr abhängig vom Ehemann ist. In Deutschland konnte ich viele Dinge selbst erledigen, hier ist man meist durch die sprachlichen Schwierigkeiten erstmal eingeschränkt. Aber auch allgemein, wie Dinge ablaufen o.ä. kennt man noch nicht und ist auf Hilfe angewiesen wa AlhamduliLLAH.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Denkt immer daran, dass Allah der beste Planer ist!

Egal wie sehr ihr euch über das Hijra- Land informiert und andere Schwestern, die schon in dem Land leben, nach ihren Erfahrungen befragt- für euch kann alles komplett anders kommen. Das meine ich jetzt im positiven Sinne 😉

Also wenn Schwestern z.B. negative Dinge berichten, kann es sein, dass ihr diese nie erlebt. Vertraut auf Allah! Und haltet euch immer wieder vor Augen, wie viel Gutes eine Hijra in sich trägt, MashaALLAH.

Wenn ihr dann den Schritt wagt, so haltet an der schönen Geduld fest. SABR, SABR UND NOCHMALS SABR. Gebt nicht so einfach auf!
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Nach Schnee kommt immer auch Sonnenschein, nach Erschwernis kommt immer Erleichterung!
Es werden schwierige und turbulente Zeiten kommen, aber vergesst nicht: Der Shaytan will euch nur den großen Lohn und Segen der Hijra wegnehmen!

 👍Vielen Dank und baarakaLlahu feeki für dein sehr interessantes Interview, liebe Umm Idris! Möge Allah euch reichlich für eure Auswanderung belohnen und euch alles erleichtern!
Liebe Leser/innen, ihr könnt glaube ich selber heraus lesen, dass es sich lohnt, auszuwandern, wenn man dadurch sogar seinen Kindheitstraum erfüllen kann. Da nimmt man dann gerne anfängliche Schwierigkeiten wie (vorübergehende) Abhängigkeit in Kauf. Abgesehen davon ist Selbstversorgung heutzutage das Beste, was man machen kann!
Diese Familie hat sich zwar lange innerlich auf die Auswanderung vorbereitet, jedoch auch gezeigt, dass man bei richtiger Gelegenheit einfach „zuschlagen“ MUSS, um sie nicht zu verpassen.
Mögen noch viel mehr Familien durch unsere Beispiele ermuntert werden, die Auswanderung zu wagen!
In diesem Sinne, liebe Grüße!
Eure Khalisa

 

Von der Dürre zur Regenzeit

Nun ist sie eeendlich wieder da- die Regenzeit! Gott sei Dank kann man da nur sagen- es war auch bitter nötig!

In diesem Artikel werde ich euch über die Dürre berichten, welchen Effekt sie auf mein Leben in Somalia hatte, was die Regenzeit ausmacht und was so `abgeht´, wenn es dann doch mal regnet!

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Was bedeutet Regenzeit in Somalia?

`Normalerweise´ gibt es neben den 2 Trockenzeiten auch 2 Regenzeiten in Somalia: einmal von Oktober bis Dezember, und von April bis Juni. Der Begriff Regenzeit bedeutet dann nicht, dass es ununterbrochen schüttet, sondern dass ab und zu mit Regen zu rechnen ist.

Der Begriff Regenzeit ist in Somalia ebenfalls etwas irreführend, da auch in diesen Monaten nur geringe Niederschlagsmengen fallen. Regenzeit bezeichnet in Somalia also vielmehr die Zeit, in der gelegentlich mit Regen zurechnen ist und keine anhaltenden Niederschläge, wie sie für andere tropischen Regionen kennzeichnend sind.

Quelle: Klima & beste Reisezeit – Somalia | afrika-travel.de

Je nach Monsunwinden gibt es mal mehr, mal weniger Regen. Je nach Region variiert außerdem auch die Niederschlagsmenge: während der Niederschlag im Norden bloß 50mm beträgt, so regnet es im tropischen Süden immerhin 400 mm- vorrausgesetzt, dass es keine Dürre gibt und alles „nach Plan“ läuft.

Was, wenn der Regen ausbleibt?

Die letzten Jahre regnete es allerdings vergleichsweise sehr spärlich, oder der Regen fiel völlig aus. Das endete dann auch letztes Jahr in der totalen Dürre, welche bis jetzt vor kurzem anhielt.

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Somalische Schafe auf der Suche nach Futter. Ihr sonstiger „Doppeldecker- Hintern“ ist kaum noch zu sehen.

Dürre 2017

Diese lang anhaltende Dürre brachte Land und seine Leute bis an ihre Existenzgrenze. Viele haben diese Zeit nicht überlebt. Die meisten davon, weil sie als Nomaden fernab von jeder Zivilisation lebten. Auf der Flucht in die Städte mussten so manche ihr Vieh und sogar Familienmitglieder hinter sich lassen. Darüber gibt es grausige Geschichten, die einem wirklich das Herz zerreißen…

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Dabei wollte und sollte die Welt dieses mal aufwachen, bevor es zu dergleichen Katastrophe wie 2010/11 käme: damals starben mind. 260.000 Menschen an den Folgen der Dürre, Millionen Menschen flüchteten in die umliegenden Städte (ob bei den Folgen auch die ganzen Cholera-Opfer mitinbegriffen sind, ist mir nicht bekannt). So berichtete der Tagesspiegel zum Beispiel:

Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass die Hungersnot diesmal noch verheerender ausfallen könnte als vor sechs Jahren. Sechs Millionen Menschen sind von der Hungersnot bedroht. Eine Million Menschen sind bereits auf der Flucht vor der Dürre. Bis Ende des Jahres werden es zwei Millionen sein. Und in den kommenden Monaten, wenn der Regen ausbleibt, wird eine komplette Ernte ausfallen. Die Viehbestände werden aussterben.

Tagesschau, Mai 2017

So kam es dann auch. Es regnete zwar an manchen Stellen des Landes, aber bloß 2-3 mal, was nicht mehr als ein Tropfen in der Wüste ist.

Und so sieht man heutzutage überall in den großen und kleinen Städten ganze Lager von Flüchtlingen, welche sich meißtens am Stadtrand befinden.

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Wie gehen die Somali´s mit der Dürre um?

Die Somali´s sind sehr gläubige Menschen und so sehen sie diese Zeiten der Dürre als eine Art Prüfung Gottes.

Prüfung, daher, weil Er die Menschen von ihren Sünden reinigen möchte, um sie auf eine höhere Stufe zu bringen:

Abu Huraira berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Niemals wird der Muslim Anstrengung, Krankheit, Trübsal, Kummer, Übel oder Schaden erleiden, sogar wenn ihn nur ein Dorn sticht, ohne daß Allah ihm dies als Sühne für seine Sünden zurechnet.“ (Siehe Hadith Nr.5640)

[Sahih al-Buchari, Kapitel 68/Hadithnr. 5641]

Selbst die Menschen, die Allah/ Gott am nächsten standen (Jesus und alle anderen Gesandten, möge Frieden und Segen mit ihnen sein), wurden auf´s Härteste geprüft. Daher auch der Ausspruch, dass Allah diejenigen am meisten prüft, die Er am meisten liebt!

Gott/ Allah verspricht denjenigen, die ohne zu jammern geduldig ausharren, allerdings auch eine großartige Belohnung:

Er sagt: „Und gewiß werden Wir euch prüfen durch etwas Angst, Hunger und Minderung an Besitz, Menschenleben und Früchten. Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“ Auf diese läßt ihr Herr Segnungen und Barmherzigkeit herab und diese werden rechtgeleitet sein.

 [Sûrah al-Baqarah (2): 155]

Solch eine Dürre kann also sowohl als Reinwaschung von Sünden angesehen werden, als auch als Prüfung für diejenigen, die Allah so sehr liebt, da sie Seiner Botschaft folgen, und sie auf höhere Ränge erheben möchte.

Deswegen werdet ihr die meisten Somali´s auf die Frage „Wie geht´s?“ trotz alledem „Alhamdulillah alla kulli haal!“ [Gelobt sei Allah unter allen Umständen] als Antwort bekommen.

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Zudem folgen die Somali´s im Falle von Dürre auch dem Beispiel des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm): Wenn der Regen auf sich warten läßt, werden an einem verabredeten Tag die Geschäfte und Schulen geschlossen, und die ganze Stadt trifft sich auf einem großen Platz, um für Regen zu beten. Dafür gibt es ein kurzes, spezielles Gebet, welches auch eine anschließende Ansprache/Ermahnung beinhaltet. Von Politikern bis zu den Ärmsten- alle nehmen daran teil.

Wie habe ich in der Dürre gelebt, als Westlerin?

Oftmals wurde ich gefragt, ob sich die Dürre auch auf mein Leben ausgewirkt hat. Das hat sie Gott sei Dank längst nicht in dem Ausmaße, wie es die Leute auf dem Land getroffen hat. Nein, wir haben es hier eher indirekt mitbekommen:

  • Tagsüber blieb sehr oft das Leitungswasser weg. Es kam erst Abends oder spätestens Nachts wieder, in der wir dann Bottiche mit Wasser füllen konnten. Eigentlich war ich erstaunt, dass überhaupt noch Grundwasser gefunden werden konnte, welches an die Häuser in der Stadt geleitet wurde. Das hatte für uns zur Bedeutung, dass wir für unsere Toilettengänge, Duschen, Wäsche waschen und Geschirrspülen extra Wasser aus unserem Brunnen anschleppen mussten, sobald unser Vorrat von der Nacht alle war. Nicht unbedingt eine leichte Aufgabe- gerade in der heißen Zeit- aber immer noch Luxus, wenn man mal genauer nachdenkt!
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Unser Brunnen
  • Wenn es mal ganz hoch kam, konnten wir keinen Nachschub an Brunnenwasser bekommen. Dann mussten wir einige Tage warten, bis es dann mitten in der Nacht gebracht wurde. Denn das Brunnenwasser wurde von (Grundwasser-) Reservoiren aus dem Umland geholt und wurde tagsüber den bedürftigen Tieren gegeben. In solch einem Land gibt man aber nicht so leicht auf- es gibt für alles eine Lösung (meißtens)! Oftmals haben wir dann mit dem Auto Wasser in diesen gelben Behältern von dem Brunnen meiner Schwägerin geholt.
  • Immerhin hatten wir durchgehend Trinkwasser, welches uns mit einem Tanklaster in große 100-Liter Behälter gefüllt wurde. Davon hatten wir 2, jedoch nachdem einer davon kaputt ging und der Tankwagen alle paar Tage kommen musste, hatten sie uns einen riesen Bottig gebracht!
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Unser Trinkwasser-Behälter
  • Auf dem Markt gab es zeitweise auch kaum noch Auswahl an Gemüse, geschweige denn Früchten. Da muss man sich dann mit den Hauptnahrungsmitteln begnügen. Welches Gemüse available war, variierte dann von Tag zu Tag: heute gab´s Möhren, morgen dafür Zitronen; dann keine Möhren, dafür Weißkohl, etc. Auch die Fleisch-Preise stiegen extrem (kein Wunder, wenn die Tiere wegsterben).
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An diesem Tag gab es nur 1 große Möhre. Aber man muss das Beste aus allem machen 😉
  • Einmal bekam ich leider auch einen Cholera-Fall mit: eine neue Haushaltsgehilfin, die am Morgen noch ganz fit war, begann vormittags auf einmal, sich zu übergeben. Sie meinte, dass käme vom Reinigen der Toilette und arbeitete einfach weiter. Bis sie mittags auf dem Boden zusammengeklappte. Wir dachten, es sei nur eine Magenverstimmung, gaben ihr Zitronenwasser, und wollten sie nach der Mittagsruhe ins Krankenhaus bringen. Gott sei Dank kam ihre Mutter und sie gingen ohne unser Wissen einfach alleine los Richtung Krankenhaus. Das hat ihr dann auch das Leben gesichert. alhamduliLlah: Nachmittags fand meine Co-Schwester sie halb- tot im Krankenhaus, an zig Kanülen gelegt. Immerhin konnten wir unseren Fehler wieder gut machen, indem wir ihr die Medikamente bezahlten. Cholera tritt ganz schnell auf, sobald keine ausreichende Hygiene aufgrund Wassermangel gewährleistet ist. Mann muss dann sehr schnell handeln, andernfalls ist der Tot schneller vor der Tür, als man es sich vorzustellen vermag!

Alles ist relativ!

Im Vergleich haben wir es also trotzdem noch sehr, sehr gut gehabt, Alhamdulillah! Und trotzdem lernt man durch zeitweisen Verlust von sonst so selbstverständlichen Dingen, alles Selbstverständliche wieder zu schätzen!

Was, wenn es regnet?

Wenn es dann doch mal regnet, wie in den letzten Tagen, steht das Leben hier plötzlich Kopf: Regen bedeutet gleichzeitig Schulfrei, frei von jeglichen Ausgängen, Nachhilfen, etc.!

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Generell habe ich mich deshalb öfters gefragt, ob Somali´s vielleicht aus Zucker sind, denn sobald es auch nur nach Regen aussieht, ist das Entschuldigungsgrund Nummer 1 für jegliche Aktivitäten! Nur gut, dass wir nicht im Regenreichen Deutschland leben 😉 (Wobei sich Germali-Somali´s natürlich an das Regenwetter in Deutschland gewöhnen, nehme ich an!)

Was in Deutschland „Schneefrei“ ist, heißt in Somalia „Regenfrei“

Es ist vielleicht vergleichbar mit „Schneefrei“ in Deutschland, wenn es dann (ausnahmsweise) mal so viel schneit, dass man mit Bus und Auto nicht mehr voran kommt. In meiner Kindheit war das noch Normalfall in jedem Winter. Damals konnte ich sogar noch Ski fahren auf unserer Nachbarwiese!

Aber ja, die Zeiten ändern sich, auch in Somalia! Denn so wie es heute seltener „Schneefrei“ gibt, so gibt es hier in Somalia auch seltener Regen.

Regenzeit ist Freudenzeit!

Wenn es dann also regnet, ist es, als ob ganze Kübel über einen ausgeschüttet werden- so sehr schüttet es! Dementsprechend steht draußen auch alles unter Wasser. Für die Kinder ist es der reinste Spaß- ein Bad unter freiem Himmel! Sie pitschen und plantschen, was das Zeug hält, trommeln und tanzen noch dazu!

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Zudem kommen die Kinder auf die verrücktesten Ideen, wenn sie plötzlich nicht mehr draußen spielen können: Da klettern sie einfach mal die Wände hoch!

(Nur gut, dass es hier nicht allzu häufig regnet 😉 )

Für die Hausfrauen ist es eher weniger witzig (obwohl sie sich natürlich mit freuen). Denn hinterher all die Kinder mitsamt ihrer Wäsche zu trocknen und die Böden zu reinigen, die im Null-komma-nix zur Ausrutschgefahr werden, ist natürlich mit Arbeit verbunden. Zudem fällt aus Sicherheitsgründen oftmals auch der Strom aus, sodass dies alles unter romantischen Taschenlampen-Licht vollzogen werden muss. Aber naja, so oft kommt das ja auch nicht vor!

Dieser Frieden danach…!

Wenn das Spektakel dann vorbei ist, gibt es für mich nichts Schöneres, als diesen frischen Duft von Erde, Blumen und abgekühlter Luft in mich einzusaugen, der mich doch stark an meine Deutsche Heimat erinnert 🙂

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Aktuelle Situation

Aktuell hat es hier in Garowe nun schon einige male geregnet, so dass ich es nicht mehr an einer Hand abzählen kann. Auch die anderen Teile Somalia´s sind wohl in den Genuß gekommen- bei manchen gab es sogar richtige Überschwemmungen.

Bevor es regnet, ist es immer unerträglich schwül, bis dann die große Erleichterung kommt. Es ist ebenfalls die Zeit der kleinen (harmlosen!) Insekten, Mücken und Fliegen. Um das Haus hygienisch zu halten, reinigen wir das ganze Haus mit Diesel-Wasser.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir also in diesem Jahr schon ganz gut dabei sin und HOFFENTLICH ist das noch nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer neuen Zeit ohne Dürre!

Noch hat sich die Natur, die Land- und Viehwirtschaft nicht gänzlich erholt. Das wird sich wohl erst ändern, wenn die bei Regen zeugungswütigen Kamele ihre Kinder gebären. Dann wird auch wieder die Kamelmilch und die anderen Dinge fließen, in shaa Allah. Jedoch die tausenden, welche ihre Heime und ihren Besitz verloren haben, brauchen (weiterhin) unsere Unterstützung.

Betet und spendet also alle für Somalia und all die Länder, die (noch) unter Dürre und ihren Nachfolgen leiden!

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

PS: Wer eine der vielen Hilfsorganisationen unterstützen möchte, dem kann ich die Hilfsorganisation Islamic Care empfehlen. Wir kennen sie persönlich und sie sind maa shaa Allah sehr engagiert!

A Powerwoman from Turkey: We need Somalia!

As salaamu alaikum and Hello dear friends,

Yesterday  I had a very exciting occasion, which I want to share with you. It is about a short, but very nice meeting with a sister from Turkey! Actually it was not only her- her business-partner came to visit us as well- they came to Somalia for the second time.

I´m always glad to meet new people, especially those from outside. So we introduced each other and then I asked her:

„How come, you came to Somalia?“

Dilan answered, that she had a friend in the United States who is originally from Gabon, but had lots of Somali friends. He told her about Somalia and it´s possibilities to invest in. She got to know many interesting projects and decided to have a look at it by herself. Her main dream is to give Somali children a better future.

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Has a heart for children: Dilan

A foreign woman dares to come to this dangerous country? You might ask yourself. Yes, indeed- and she fell in love with it! She returned safely and happy back to her home and had a mission: She want to help the country to develop and to show the world, that Somalia isn’t a country to be afraid of!

The best thing I got to hear from her: „Not only Somalia needs us- we need Somalia as well!!!“

That is a very inspiring statement! We need Somalia!??

If you really know this country, you immediately understand it: Somalia has already everything- it needs only people to help digging the treasure out! Somalia could be a very rich country, if there would be more people who discover it and assist the Somali´s with their projects. Because ideas and possibilities are there- missing are investments and some professional guidance.

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Business Meeting with Dilan and Borak

Thank God that there are people like Dilan, who have such a good heart. By investing in the country she automatically invests in the childrens´ future as well!

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Left to rigth: Borak with my son, Dilan, me, my Co-wife, her daugther and our husband

After our meeting my husband went with this nice people to show them some of his projects. One hour later they flew together to Istanbul, where there will happen a big Somali Business Conference, in shaa Allah.

Isn’t it nice to hear something positive like this? Isn’t it heartwarming that there are people and especially a woman so engaged to make the world a better place?

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May Allah reward Dilan and all others, who believe in a better future for Somalia and give their best effort for it´s development, amin!

With best regards,

Khalisa

 

 

Alles Neu macht der Mai? [Update]

Passend zu diesem Sprichwort gebe ich euch in diesem Artikel ein kleines Update über das, was in meinem Leben in Somalia zurzeit vorgeht. Zurzeit passieren nämlich so viele Dinge, dass ich kaum Zeit habe, um zu schreiben. Hier ein kurzer Überblick:

Zum einen hat mein derzeitiges Coaching einiges los- und ausgelöst, welches mich zu neuen Erkenntnissen und neuen Zielen gebracht hat. So steht zum Beispiel bald ein Studiumwechsel an und ich mache mich bald an mein erstes Buch, so Allah will.

Different
…and being different together makes a lot more fun!

Auch habe ich ganz neue, bereichernde Bekanntschaften machen dürfen. Tolle Schwestern, die alle versuchen, sich weiter zu entwickeln und etwas zu bewegen.

Sich gegenseitig zu motivieren, stärken und mit Ideen bereichern, zusammen „die Welt rocken“ ist einfach viel besser, als allein!

Zudem durfte ich etwas Taschengeld mit meinem ersten Magazin-Artikel verdient! Ein ganz tolles Jugend-Magazin für Muslime. Wird heute ausgedruckt und dazu werde ich sicher noch etwas auf unserer Facebook- Seite posten. Jedenfalls war es mein erster Auftrag als Schreiberin und mein erstes selber verdientes Geld seit beinahe 10 Jahren! Auch wenn Geld nicht alles ist, war es doch ein super Gefühl!

Außerdem haben wir neue Pläne geschmiedet, wovon ihr sicher auch noch erfahren werdet.  Und zu guter Letzt liebe Gäste und sogar Geschenke empfangen können. Alhamdulillah für alles!

Mein erstes Highlight war meine Kamera, die mir meine lieben Eltern aus Deutschland geschickt haben. Besser gesagt wurde der Auftrag in Deutschland aufgegeben, von Amazon dann zu meiner Tante in die Schweiz geschickt, und von dort aus hat es mir jemand hierhin gebracht (möge Allah alle Beteiligten reichlich belohnen!). Mein liebstes Stück hat also bereits eine halbe Weltreise hinter sich! Und schon ein paar Schnappschüsse mit meiner Schweizer Tante machen dürfen:

Auch den Schweizer Käse haben wird nach einer Erholungsphase im Kühlschrank direkt verzehrt. Für Somali´s ist dieser starke Grayezer zwar nichts, dafür war es für mich ein Genuß, der mich an meine Kindheit erinnerte, Schließlich bin ich ja auch halb-Schweizerin, da liegt der Käse.Geschmack quasi im Blut 😉

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Meine Kamera ist übrigens eine Outdoor- Kamera von Olympus (neuestes Modell), damit sie hiesige Wetter-Umstände (Sandig) und allzu flinke Kinderhände überstehen kann! Sie soll ja nicht so enden, wie meine zig kaputt gegangenen Handies!

Sie ist fähig, 15 Meter tief ins Wasser zu fallen (okay, wir haben hier kein Meer, dafür jede Menge Wasser, welches verschüttet wird!) und auch einen Sturz vom Schrank (wo ich sie verstaue und vor Kinderhänden schütze) überstehen kann (ca.2 Meter). Also Voraussetzungen für ein langes Leben hat sie erfüllt, in shaa Allah!

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Zwar ist der Zoom nicht der Stärkste, jedoch die Bildqualität ist doch deutlich zu sehen. Ich muss sie nur noch finden! Denn die ersten Bilder haben einen klaren Blau-Stich 😀

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Das üben wir aber nochmal!

Trotzdem hoffe ich, den Dreh noch heraus zu kriegen und euch zukünftig mit besseren Fotos bescheren zu können 🙂

Ein weiteres Highlight war das riesen Spielzeug-Auto, welches extra aus Dubai angeschifft wurde. Mit lieben Grüßen vom Onkel Umar für seinen gleichnamigen Enkel. Ich habe es sogar selbst zusammen gebaut. Allerdings mussten die Kinder sich noch bis zum nächsten Morgen gedulden, da ein Kabel gerissen war und erst wieder reapriert werden musste. Naja, seitdem habe ich keine Ruhe mehr, da mein Sohn sich seine neue Errungenschaft natürlich mit seinen 8 Geschwistern und Cousinen und Cousins teilen muss!…

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Kaum zu glauben, dass so etwas nun auf Somalischem Boden herumfährt! Sogar Qur´an, Kinderlieder und Radio kann man im Auto abspielen.

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Ich bin sehr dankbar für all diese Segnungen, alhamduliLlah, und teile sie deswegen mit euch, damit ihr seht: alles ist möglich- selbst in Somalia!

So, das war eine kleine Einsicht in meine aufregende Zeit in Somalia…to be continued in shaa Allah!

Eure Khalisa

 

 

 

Umfrage: Welches Buch zuerst?

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Seit längerem kam in mir der Wunsch hoch, ein Buch zu schreiben. Denn einige Themen sind einfach komplexer, als es ein Blogartikel „erlaubt“. Und das Schreiben hat sich als meine neue Leidenschaft entpuppt!

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Jetzt würde ich es gerne bald in den Angriff nehmen. Jedoch stehen gleich mehrere Themen zur Auswahl, über die ich gern schreiben würde:

  • Mein Weg zum Islam (Das „klassische Thema!“)
  • Hijra-Guide (Ein Ratgeber zum Auswandern, mit Länderübersicht)
  • Mein Leben in der Mehrehe (Erklärt sich von selbst!)
  • Mehrehe- Guide (Ein Ratgeber für alle, die nach (Aus-) Wegen suchen, besser mit diesem Thema umgehen zu können.)

Ich nim euch sehr dankbar, wenn ihr dafür euren Vote abgebt, und zwar hier, in meiner Umfrage dazu!

Ihr könnt natürlich auch hier sehr gern Kommentare und Anregungen hinterlassen.

Vielen Dank und liebe Grüße,

Eure Khalisa

11.Interview: Nach 16 Tagen nach Malawi!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute dürfen wir gemeinsam ein Land entdecken, welches zuvor wohl kaum jemand von euch großartig wahrgenommen hat, zumindest wenn es euch so geht wie mir! Die Rede ist von Malawi. Mala- wie??? Als ich den Namen zuerst hörte, wußte ich ehrlich gesagt noch nicht einmal, wie man ihn richtig ausspricht! Ja, peinlicherweise dachte ich sogar, dass das irgendeine Insel bei Afrika ist. Aber gut, dass man nie auslernt 😀 Wie sagt man so schön?

Wer nicht fragt, bleibt dumm! Deswegen hilft es unheimlich, offen zu sein für die ganze Welt, um sie mehr und mehr kennenzulernen.

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Hier seht ihr das Land auf der Karte. Eigentlich ein Fitzel von Land im Vergleich zu anderen Afrikanischen Ländern. Es würde zum Beispiel 5 mal in Somalia hineinpassen (wenn meine Rechnung stimmt). Deswegen wird es wohl auch so einfach übersehen.

Allerdings ist es ein Land, welches sich lohnt, unter die Lupe zu nehmen: den Bildern nach zu urteilen hat es traumhaft schöne Landschaften, Nationalparks und Strände! Nicht zu Unrecht wird es deshalb auch als „Afrika´s best gehütetes Geheimnis“ gehandhabt- ein Insider-Tipp!

Ob ihr´s glaubt oder nicht, hat sich dorthin doch tatsächlich eine Deutsche Frau „verirrt“! Okay, verirrt wäre wohl zu negativ gegriffen. Denn diese Frau hat sich BEWUSST dafür entschieden, dort zu leben und Gutes zu tun! Sie heißt Sabrina und ist bereits seit 12 Jahren Muslima. Für uns hat sie nicht nur das Interview mit seinen schönen Bildern bereitgestellt, sondern uns auch ein paar Eckdaten über´s Land gegeben:

Malawi hatte im Jahr 2010 etwa 14 Millionen Einwohner.
31 % der Landesfläche sind Wald und Buschland, 25 % Wasserfläche, 20 % Ackerland, 15 % Wiesen und Weiden.
Der Malawisee ist der größte See Malawis und zugleich das drittgrößte Binnengewässer Afrikas.

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In Malawi herrscht subtropisches Klima mit vier Jahreszeiten:
Kühle Saison zwischen Mai und Mitte August; heiße Zeit zwischen Mitte August und November; Regenzeit zwischen November und April, in dieser Zeit kann die Luftfeuchtigkeit morgens fast 100 % betragen; Nachregenzeit zwischen April und Mai.
Muslime in Malawi sind wie im übrigen Afrika fast ausschließlich Sunniten.
Mwanza (der Ort wo wir leben) gehört zu den ärmsten Distrikten Malawis. Ernährung, Alphabetenrate und Einkommen liegen deutlich unter dem nationalen Durchschnitt.
Islam ist die zweit größte Religion im Land (13%). Es gibt viele Koran- Schulen und auch Islamische Zentren, wo Kindern der Islam gelehrt wird.
Jetzt möchte ich euch jedoch dieses spannende Interview nicht vorenthalten und gebe das Wort an diese sagenhaft mutige Frau!


Ich heiße Sabrina und komme aus dem Sauerland. Das liegt in der Nähe von Dortmund.
Ich lebe al hamdulillah mit Allahs Hilfe in einer Mehrehe. Ich bin die zweite Frau meines Mannes. Wir leben hier für Humanitäre Hilfe und für die Dawa.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Al hamdulillah bin ich nach Malawi ausgewandert. Ein Land im Südosten Afrikas, was zwischen Mosambik und Tansania liegt. Im August diesen Jahres sind es in sha Allah 2 Jahre.

Ich habe al hamdulillah meinen Mann nach nur 4 Tagen geheiratet und vom Tag des Kennenlernens bis zur Auswanderung waren es nur knapp 3 Wochen.

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Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Naja ausgesucht mehr oder weniger.
Es war Bestimmung von Allah. Ich hab geheiratet und mein Mann war bereits seit 5 Jahren dort, vor unserer Hochzeit.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Mein Wunsch war es eigentlich schon immer, auszuwandern. Allah ohne Einschränkung zu dienen, was mir in Deutschland nicht mehr möglich war.

Ich habe jetzt nicht extra nach „jemandem“ gesucht, der im Ausland lebt. Im Gegenteil- Allah wollte es so!

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein, hatte ich nicht. Allah ist Der beste Versorger und darauf habe ich vertraut, Al hamdulillah.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Englisch ist hier die Amtssprache und diese beherrsche ich, Al hamdulillah.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Ich habe keinen Kontakt zu meiner Familie.

Frage 7: War ein Visum für das Land Malawi notwendig?

Das Visum kann man am Flughafen bei Ankunft erwerben oder aber auch vorab bei der Botschaft in Deutschland beantragen, was aber zeitaufwendig ist/war! Bin im Besitzt eines Aufenthalt Titels für 2 Jahre.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Allah ist Der beste Versorger.
Al hamdulillah arbeite ich Fisabillah [für Allah, d.h. freiwillig, ohne Bezahlung; Anm.d.R.] im Islamischen Zentrum der Mädchen. Dort bin ich für das Organisatorische zuständig. Sauberkeit, kleidung, Essen, und Berichte schreiben. Wenn die Mädchen Probleme haben können sie im Vertrauen zu mir.


Zusatzinformation: Dieses Islamische Zentrum ist eine Art Internat, wo den Mädchen Qur´an und andere Islamische Fächer wie Fiqh, Seera und Aqidah gelehrt wird. Von Morgens bis Nachmittags gehen sie zusätzlich noch außerhalb in „normale“ Schulen.

Wer Kontakt mit Sabrina aufnehmen und mehr über ihre Arbeit und das Land erfahren möchte, kann ihrer WhatsApp-Gruppe beitreten (nur für Frauen): https://chat.whatsapp.com/0XRFHNQ29Z39el0jOKX5lc


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Sabrina inmitten ihrer Mädels

Mein Mann ist Ägyptischer Sheikh und wir haben Al hamdulillah eine eigene Organisation (Humanitäre Hilfe, Dawa, Brunnen Bau und Moscheen Bau etc.), die wir in Kürze eröffnen werden in sha Allah. Noch ist mein Mann Manager einer anderen Organisation und gibt fisabillah Islamische Vorträge.

Frage 9: Was magst du besonders an deinem Auswanderland?

Hier kann ich leben wie ich möchte. Werde nicht schief angeguckt wegen meiner Kleidung. Mein Alltag ist nicht durch irgendwelche Termine bei Ämtern oder sonst wo strukturiert. Ich kann meine Religion frei ausleben und Allah dienen Al hamdulillah.
Die Natur ist hier sehr schön Ma sha Allah. Die Menschen hier sind sehr freundlich.

Frage10: Was ist deine größte Herausforderung auf dieser Insel?

Herausforderungen gibt es überall.
Am Anfang war es schwer für mich den Alltag zu meistern. Da Strom oder Fließend Wasser hier ehrlich gesagt „Luxus“ sind. Auf Feuer Kochen muss gelernt sein und hier gibt es überwiegend frische Lebensmittel.

Da ist nichts mit Erbsen und Möhren in der Dose oder Brot vom Bäcker kaufen. Brot backe ich selber und ja manchmal denke ich so mhhh jetzt ne schönen Käse dazu! 🙂

Frage 11: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Wenn Allah will, ja. Zurück nach Europa ist keine Option, aber Allahu alam [Allah weiß am besten, Anm.d.R.], wo uns der Weg hinführt!

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ihr könnt euch nicht vorstellen was es für ein Gefühl ist, wenn jemand die Shahada [Glaubensbekenntins des Islams] ausspricht und du dabei stehst! Allah leitet recht, wen Er will!

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Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Hungernde Kinder/ Menschen/ Geschwister zu sehen. der zu sehen wie manche hausen müssen, weil sie keine Möglichkeit haben, sich Matratzen, Decken und Kissen zu kaufen, geschweige denn, Schuhe oder Kleidung haben.

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Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? Würdest du Malawi als Hijrah- Land empfehlen?

Vertraut auf Allah subhana wa taala!

Manchmal denken wir zu viel nach und vergessen das alles schon geschrieben wurde.

Als Hijrah Land empfehlen?! Würde ich ja. Einfach aus dem Grund weil du deine Religion wirklich frei ausleben kannst Al hamdulillah.


Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, liebe Sabrina. Möge Allah dich reichlichst belohnen für deine Aufopferungen auf Seinem Weg!

Sabrina ist ein erstaunliches Beispiel dafür, was `passieren´ kann, wenn man nicht zuviel nachdenkt, sondern einfach macht und auf Allah vertraut! Nachdem sie ihren Mann auf Islamische Weise kennenlernte und direkt heiratete, scheute sie sich nicht, inerhalb 16 Tagen dieses ferne, von Armut geprägte Land auszuwandern. Und zwar nicht, um dort ein anderes, im Luxus schweigendes Leben aufzubauen. Sondern, um auf gleiche einfache Weise wie die Einwohner dort zu leben, und ganz vielen Menschen (insbesondere Mädchen) zu helfen!

Ich finde, das gebührt jeglichen Respekt. Wenn jeder auch nur ein Stückchen von dieser guten Absicht in die Tat umsetzen würde, wäre die Welt ein ganzes Stück besser, mit mehr Menschlichkeit!

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Weise Worte by Brainfood-Magazin.de

Aber auch, wer (noch) nicht ausgewandert ist, sollte schauen, was er/sie machen kann, um diese Erde zu einem besseren Fleck im Universum zu machen!

In diesem Sinne seid lieb gegrüßt,

Eure Khalisa

Hello, World! (About Us)

As salamu alaikum and hello dear friends,

Since English is the no.1 language in the world and many of the Somali people, which I would like to reach, are not only in Germany but in English- speaking countries, I decided to write some articles also in English language. From now on, the world can get to know me- and my team from Germali´s, in shaa Allah!

Even though I speak and listen to English language every day (I´m jumping between 3 languages), it´s not the same for me as in my mother tongue, but I found it´s necessary to take one step further. Only with training you can improve, as they say: practice makes perfect 😉

To our English-speaking readers

I would like to introduce our team from the Germali´s:

  • Ubah

deutsch-somali.pngShe is the fire- giver for this blog. It was her fascination about my story (as a German in HER country), which inspired us to develop this blog. Grown up in Germany, but with Somali roots and currently studying in England, she used to live between these 2 cultures: on one hand, the perfectionism of German culture, on the other hand the relaxed, African lifestyle of the Somali´s- very interesting mix by the way! Even though she is very busy most of the time, she will always remain as the inspiration of this blog. Hopefully she will join us in writing articles for you, in order to broaden your horizon as well as inspire you in different ways!

  • Fartun

 

She is my constant supporter and motivator. She does not have direct German ties, but is from the German part of Switzerland (so almost the same!), with Somali roots as well. Fartun lived almost her whole live in that German-Swiss part, so that she felt like a stranger, when she came to Somalia last year. Therefore she is the only team-member, which I´ve personally met– in Somalia! I´m looking forward for her moving once to here, so that we can enjoy more of her articles (in shaa Allah).

  • Asiya

 

She is like me a German sister, married with a Somali and has „Germali-children“. Even though she is married longer time, last year was her first time, when she dared to come to Somalia. It won´t be her last time visiting this county I hope, so in future we will here from here as well. Furthermore, she was the one, who organized the wonderful drawing by lot, when our blog reached 3.000 views (not long time ago lol).

  • Khalisa

 

That´s me, German muslima, married to a Somali and also having „Germali-children“, alhamduliLlah. 2010 was my first visit to Somalia, which got only interrupted by 3 visits to my home country so far. Since 2013 I´m settled in Garowe, the capital city of Puntland state of Somalia, enjoying my religious freedom, which I was missing in Germany. You will get to know much about my life as a German in Somalia, how it is to live in a big family, and much more!

What do we want?

Together we are the „Bridge-builders“ between Germany/outside-of-Somalia-world and Somalia. This aim we want to reach by giving you a multifaceted view about Somalia- by building a bridge between both worlds. That means, we want to give you more differenciated impressions than just the usual side, which is in focus world-wide: poverty, drought and war. As we know, these are the 3 things, everybody get´s in mind when he thinks on this country.

But there is much, much more to discover in this beautiful country! When you come here with 0 expectations, you will be surprised like me in the beginning- how the people managed their life, their schools, their businesses without even a proper government! You would be surprised about the overcrowded schools, the many universities, the very nice shops, and much more.

Beside that, the infrastructure is growing so fast, that after one month absence you will not recognize some streets anymore, because of the new houses and shops!

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Furthermore we want to encourage the people outside of Somalia:

  • The Somali people from abroad– to learn some positive sides of the country, to show their kids their roots, and to encourage them to give some contribution to their home-country. Because it´s easy to blame the countries´mistakes, instead of changing something. So, it is much more important to ponder: what can I personally do, in order that the country can improve? If you say, „But I´m from Mogadishu, it´s too dangerous there!„, I can tell you, that Somalia is much bigger than that…!
  • For Non-Somali´s (especially Muslims): to discover a possible Muslim country to emigrate to, since in Somalia you can freely practice the Deen (religion, way of life). We are ready to help all of those, who are seriously interested, to find a place in Somalia.
  • For Non-Somali´s (especially Non-Muslims): to widen their horizon, to learn more about an undiscovered diamond, where there are thousands of investment-possibilities.

In the end, we are all from Adam and Eve, and the borders in the world are only man-made. So, why don’t we look over the borders?

We hope, you´ll enjoy your visit on our blog. We appreciate every inspiration for our further work or comments. Also we would be very glad, if you support us by liking and sharing this blog.

Thank you very much and see you soon (in shaa Allah) 🙂

Khalisa from the Germali´s

 

10.Interview: Ägypten als Sprungbrett

As salaamu alaikum und Hey liebe Leser/innen,

Schon ist wieder eine Woche herum und so steht das nächste Interview vor der Tür, bzw. vor eurer Nase 🙂 Im heutigen Interview geht es wieder um eine beeindruckende Geschichte einer Deutschen Muslima, die den Schritt der Hijrah, also Auswanderung, gewagt hat: und zwar in das geschichts-trächtige Ägypten! Besagte Person heißt Maryam und kommt sogar aus der gleichen Ruhrgebiets-Stadt wie ich- trotzdem haben wir es immer hingekriegt, uns gerade eben so zu verpassen! Das erste Mal, als andere mir von ihr „vorschwärmten“, war nachdem ich gerade aus Somalia in Deutschland ankam. Da war Maryam einen Tag zuvor nach Ägypten gereist. Ein anderes mal hätte ich die Chance gehabt, sie bei ihrer Abschiedsfeier zu sehen, doch kam mir da irgendetwas dazwischen. Dabei wollte ich sie so gern kennenlernen, da sie u.a. auch Still- und Trageberaterin ist und natürlich eine interessante Persönlichkeit ist! Naja, dafür gibt es ja inzwischen die Social Media- man kann in Verbindung miteinander treten, ganz gleich in welcher Ecke (oder welchem Horn) man lebt!

Dass Maryam ausgerechnet in Ägypten gelandet ist, obwohl sie Deutsche und ihr Mann Marokkaner ist, und warum ihre Tochter ausgerechnet auf eine Amerikanische Schule geht, erfahrt ihr jetzt im folgenden Interview!


Salamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

Ich bin Maryam, und lebe in der Nähe von Kairo.

Dass wir ausgerechnet in Ägypten gelandet sind, ist Qadr [Bestimmung Allah’s, Anm.d.R.]… Denn mein Mann ist Marokkaner und ich Deutsche und eigentlich wäre eine Hijrah nach Marokko das Naheliegendste.

Aber unser Aufenthalt in Ägypten wird mit Allahs Erlaubnis nur unser Sprungbrett sein und wir werden in shaa Allah irgendwann in Marokko landen.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Ich bin mit meinem Mann und meiner Tochter nach Ägypten ausgewandert, das war Anfang 2013 alhamdulillah.

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Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Wir sind in Ägypten gelandet durch Allahs Vorherbestimmung. Wir wollten weg aus Deutschland in ein arabisches Land und mein Mann hatte sich in verschiedenen arabischen Ländern beworben. In Ägypten hat es letztendlich geklappt, alhamdulillah.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Das Wichtigste ist natürlich, die Absicht zu haben, die Hijrah für Allah zu vollziehen. Daraus ergibt sich dann der Wunsch, die Hijrah zu vollziehen, um in einem islamischen Umfeld zu leben. Dort, wo man den Islam wirklich ausleben kann, wo man sich nicht ständig für seine islamische Kleidung rechtfertigen muss, wo unsere Tochter den Islam auch außerhalb unserer Familie sieht, wo man wirklich frei sein kann als Muslim.

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Geht die eine Tür zu, geht eine andere auf 🙂

Außerdem hat sich mein Mann nie wirklich wohl gefühlt in Deutschland und er wollte auch nicht, dass unsere Tochter dort aufwächst.

Frage 4: Was schätzt du besonders an Ägypten?

Ich finde, was das Land ausmacht, ist seine vielfältige Geschichte!

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Frage 5: Gibt es etwas, was du dort besonders vermisst?

Ich vermisse die Schwestern, mit denen ich mich immer getroffen habe und ich vermisse es, Spaziergänge zu machen, in Parks zu gehen, mit meiner Tochter auf den Spielplatz. Leider gibt es hier, wo wir leben, keine öffentlichen Parks. Entweder muss man in einem Compound (das ist ein abgesichertes Wohngebiet, in dem meist nur reiche Leute leben) wohnen, dort gibt es Grünflächen oder Grünanlagen oder man muss eine Mitgliedschaft in einem der vielen Clubs haben, was aber auch sehr teuer ist.

Frage 6: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten so gut wie keine finanziellen Rücklagen, nur die Einnahmen aus unserer Haushaltsauflösung in Deutschland. Was dann dazu führte, dass mein Mann erstmal alleine nach Ägypten ging, um einiges vorzubereiten, wie eine geeignete Wohnung finden, die Wohnung mit dem nötigsten einzurichten, usw.

Frage 7: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ich konnte so gut wie gar kein Arabisch, außer den Buchstaben und ein paar Wörtern.

Ich habe dann die Chance genutzt und hier in Ägypten einen Sprachkurs besucht, habe da aber die arabische Hochsprache gelernt und nicht den ägyptischen Dialekt. Das alltägliche Leben kann ich damit hier meistern alhamdulillah- also einkaufen gehen, ein Taxi nehmen und dem Fahrer den Weg erklären, usw. Nur bin ich immer noch nicht so weit, um wirkliche Gespräche in Arabisch zu führen. Alhamdulillah habe ich meinen Mann, der alles Wichtige erledigt.

Frage 8: Seid ihr dort krankenversichert?

Nur mein Mann ist krankenversichert durch die Arbeit, aber nur bis zu einem bestimmten Betrag.

Frage 9: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Es war schwer für sie, da meine Eltern schon sehr alt waren und sie haben auch nie wirklich verstanden, warum wir in ein arabisches Land ziehen wollten. Aber da ich schon lange vorher in einem anderen Teil von Deutschland gelebt habe, war es kein Riesenschritt mehr für sie und letztendlich muss ich mein Leben leben und meine Entscheidungen treffen mit meinem Ehemann.

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Heute, etwa 5 Jahre später, ist es immer noch schwer für meine Mutter, dass ich sie nur einmal im Jahr besuchen kann, aber ich telefoniere oft mit ihr.

Frage 10: War ein Visum für Ägypten notwendig?

Bevor man nach Ägypten reist, braucht man kein Visum zu beantragen, wenn man die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Man kann ein Touristenvisum bei Ankunft am Flughafen erwerben, das gilt dann aber nur 28 Tage. Wenn das Visum abgelaufen ist, und man beispielsweise nach 6 Monaten wieder ins Ausland verreist, muss man am Flughafen eine Strafe zahlen.

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Ein längeres Visum kann man bei den entsprechenden Behörden in Ägypten beantragen. Am einfachsten ist es wenn man ein Kind hat, das in den Kindergarten, zur Vorschule oder Schule in Ägypten geht. Dann bekommt man immer Aufenthalt für das laufende Schuljahr. Oder der Arbeitgeber regelt es mit den Visa.

Frage 11: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Ja, mein Mann hat hier eine Arbeitsstelle und verdient unseren Lebensunterhalt alhamdulillah. Ab und zu gebe ich Deutsch-Nachhilfe.

Frage 12: Wie sieht es mit sozialen Kontakten aus. Hast du dort Kontakt zu anderen Konvertierten?

Ja alhamdulillah. Haben hier eine kleine Gruppe von konvertierten Schwestern aus allen Teilen Europas (Polen, Belgien, Finnland, Rumänien, früher waren noch Schwestern dabei aus Spanien, Ungarn und den Niederlanden) MashaAllah. Mit einem Teil treffen wir uns einmal pro Woche zum Quranunterricht und die anderen kommen dann dazu, wenn wir uns im Club treffen oder uns einmal im Jahr eine Villa mit Pool mieten für einen Tag und mit unseren Kindern schwimmen und planschen gehen.

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Frage 13: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Nein, das möchten wir nicht und das war auch nie unser Ziel. Das heißt aber nicht, dass wir nach Deutschland zurück wollen. Ganz im Gegenteil, wir möchten weiterhin in einem arabischen Land leben, aber eben nicht für immer in Ägypten.

Ägypten war für uns von Anfang an ein Sprungbrett, um aus Deutschland wegzukommen. Aber wir werden sehen, welche Pläne Allah für uns bereit hält.

Frage 14: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war damals 3 Jahre alt.

Frage 15: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Es gibt sehr viele Möglichkeiten in Ägypten, was die Schulen angeht alhamdulillah. Wir haben uns für eine private Amerikanische Internationale Schule entschieden aus verschiedenen Gründen.

Zum einen, weil unsere Tochter kein Arabisch konnte als wir Hijrah gemacht haben und bis heute nicht so gut arabisch kann, um in einer arabischsprachigen Schule dem Unterricht zu folgen. Dann kommt noch dazu, dass es sehr große Unterschiede in der Bildung gibt. Es kommen auch nur private Schulen in Frage für Nichtägypter. Also gibt es noch zwei Möglichkeiten, eine nationale Schule (mit ägyptischen Lehrplan und teils Unterricht auf Arabisch oder Englisch) oder eine internationale Schule (mit dem Lehrplan des jeweiligen Landes). Es gibt auch islamische Schulen, aber diese unterrichten meist nur auf Arabisch.

Am Ende blieb dann die Wahl zwischen einer deutschen Schule oder einer englischsprachigen. Und auch in den internationalen Schulen steht Arabisch und islamischer Religionsunterricht (in arabischer Sprache) auf dem Stundenplan.

Frage 15a) Und warum habt ihr euch letztendlich für die Amerikanische anstatt die Deutsche Internationale Schule entschieden?

Zum einen weil wir wollten, dass sie sehr gut Englisch kann, zum anderen weil es in der amerikanischen Schule ab vier Jahren die Vorschule gibt und die Kinder da schon Buchstaben lernen, erstes lesen und schreiben und Rechnen und auch schon das arabische Alphabet. Die fangen mit den Kindern hier sogar noch früher an, das zu lernen MashaAllah. Meine Tochter ging zuerst in einen ägyptischen Kindergarten und da haben sie schon angefangen, den Kindern die Buchstaben auf Englisch und arabisch beizubringen.
In der deutschen schule fangen sie erst in der 1. Klasse damit an.
Es gab aber noch andere Gründe, z.B.: Wenn wir doch irgendwann die Möglichkeit haben nach Marokko zu gehen in shaa Allah, dort gibt es keine deutsche Schule… Aber englischsprachige Schulen gibt es überall!

Frage 16: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Das Beste ist natürlich, dass man jeden Tag 5 Mal den Adhan hört.

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Aber es gibt viele schöne Situationen, die ich hier erlebt habe alhamdulillah.

Wir leben hier in einer Nachbarschaft, wo man viele Leute kennt, sich begrüßt, wenn man an ihnen vorbeigeht alhamdulillah. Und wir leben in einem Haus mit nur 5 Parteien und davon sind nur wir und noch eine Partei Mieter. Somit kann man sagen, wir leben im Haus der Vermieterin und ihrer Familie. Und haben ein sehr gutes und persönliches Verhältnis mit ihnen, es ist fast wie eine Ersatzfamilie alhamdulillah. Ich kann meine Tochter mal bei meiner Vermieterin abgeben oder bei einer ihrer Schwiegertöchter, wenn ich was alleine mit meinem Mann erledigen muss, andersherum bringen sie ihre Kinder auch mal zu mir zum Aufpassen, wir besuchen uns gegenseitig und essen im Ramadan manchmal Iftar [Fastenbrechen; Anm.d.R.] zusammen, gehen gemeinsam zum Eidgebet [Festgebet], usw.

Hier merkt man, was Nachbarschaft bedeutet im Islam.

Ein Highlight war auch unsere Reise in den Süden Ägyptens nach Assuan. Mal zu sehen, dass es neben dem hektischen, lauten, vollem und leider auch sehr schmutzigen Kairo, Orte gibt, die anders sind. Wo der Nil noch sauber ist, wo es Natur gibt und keine Hektik.

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Was ich an Ägypten auch mag, dass man hier eine sehr weitreichende Geschichte sehen kann und Orte besuchen kann, die geschichtlich interessant sind, nicht nur die pharaonische Geschichte, sondern auch islamische Geschichte.

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Frage 17: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Ein wirklich schlimmes Erlebnis habe ich nicht, dennoch hat Ägypten auch negative Seiten mit denen man zurechtkommen muss, wenn man hier lebt.

Da ist der Straßenverkehr, der nicht geordnet ist, wie man es von Deutschland her kennt und man ist sowohl als Fußgänger als auch als Autofahrer oder Insasse in Bussen ständig Gefahren ausgesetzt, was die Ägypter nicht weiter stört, da für sie sowie alles Qadr (Schiksal) ist und man den Unfall nicht vermeiden konnte. Wenn man kein eignes Auto hat und die „öffentlichen“ Transportmittel wie Metro, Microbus und Bus nutzen möchte, sollte man sich darauf einstellen, dass es da auch oft sehr hektisch zu geht und auch nicht so genau auf die Fahrkünste des Busfahrers achten oder welchem Verkehrsunfall man um Haaresbreite gerade entkommen ist, zudem sollte man den Berufsverkehr in Kairo möglichst aus dem Weg gehen.

Ein weiteres großes Problem ist der Müll, der einfach überall rumliegt und auch von Müllbehältern auf der Straße hat hier noch niemand was gehört.

Auch dieses „Komme ich heute nicht, komme ich morgen“- Prinzip ist hier weit verbreitet, genauso wie Unpünktlichkeit, was mich als Deutsche manchmal ziemlich aufregt, obwohl ich es schon gewohnt sein sollte.

Man muss hier einfach vieles mit Humor nehmen und viel Geduld haben.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten?

Am wichtigsten ist das Vertrauen auf Allah und eine reine Absicht. Denn Allah erleichtert so vieles alhamdulillah. Man braucht aber auch Geduld und sollte wissen, dass am Anfang vielleicht nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Es braucht ein wenig Zeit sich einzuleben und zurechtzukommen in einem fremden Land.

Eine gewisse finanzielle Sicherheit erleichtert es natürlich und auch dass man sich vorher über das Land informiert, dass man Kontakt zu anderen Schwestern sucht, die Hijrah in dieses Land gemacht haben und somit jemanden dort hat, der sich schon auskennt und helfen kann. Alhamdulillah ist dies alles durch Internet und Soziale Medien machbar.

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Vielen lieben Dank für deine tiefen Einblicke über deine Auswanderung, liebe Maryam! Möge Allah dich und deine Familie reichlich für eure Aufopferungen belohnen und euch in dem Land alt werden lassen, welches khair (gut) für euch ist!

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich dieses Interview um ein paar Fragen erweitert, da es einfach noch einen individuelleren und Detail reicheren Eindruck vermittelt. Schließlich sollt ihr ja auch so viel wie möglich von diesem Land und der Auswanderung dorthin mitnehmen!

So konntet ihr diesesmal deutlich sehen, dass die Auswanderung nicht nur Schockoladen-Seiten hat. Nein, ganz und garnicht! Man opfert auch ganz schön etwas auf (Freunde, Hobbies, etc.), toleriert aufeinmal Dinge, die einen eigentlich zur Weißglut bringen könnten (Chaos, Unpünktlichkeit, u.a.). Denn wenn man einmal den Entschluss zur Auswanderung gefasst hat, möchte und sollte man nicht gleich bei der ersten Hürde wieder die Koffer packen!

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In diesem Sinne gebührt Auswanderern unser größter Respekt. Mögen sie weiterhin standhaft, geduldig und humorvoll bleiben!

Wenn euch das Interview gefallen hat, hinterlasst ruhig ein Like, einen Kommentar oder teilt es mit denjenigen, die es ebenfalls interessieren und inspirieren könnte!

Thanks so much,

Eure Khalisa von den Germali´s

Stille Wasser sind…tief!

Dieser Titel passt derzeit sehr gut zu meiner Situation. Denn die meisten, die ich kenne- selbst mir sehr nahe stehende Personen-, wundern sich sehr, sobald sie sich hier im Blog umsehen. „Wiiiiie jetzt- das kommt von dir??? Hätte ich niiie gedacht!!!“ bekomme ich meißtens zu hören. Hmm, auf der einen Seite ist es ein Kompliment, dass sie meinen Schreibstil mögen. Auf der anderen Seite ist es allerdings auch etwas deprimierend, wie anders ich „live“ so herüber kommen mag!

Nun gut, ich konzentriere mich mal auf ersteres 😉 Eigentlich jedoch sollte es die Leute nicht wundern, dass eher ruhige Menschen ein lebendiges Inneres haben, oder? Auch wenn sie es nicht so sehr nach außen ausleben, so heißt das nicht, dass sie innen auch so ruhig sind!

Stille Wasser

Still? Tut mir Leid, dein Typ ist nicht gefragt!

Stille Wasser 1Aus meiner Zeit als Nicht-Muslima wurde mir öfters der Eindruck vermittelt, dass ruhige Typen weniger gefragt seien, gar als „langweilig, zu lieb und zu ernsthaft“ gelten. Die Society ist einfach so gestrickt, dass sie laute, lachende, verrückte Menschen bevorzugt, ansonsten kann man gleich einpacken!

Ich bekam also ziemliche Minderwertigkeits-Komplexe und fühlte mich oftmals nicht angenommen, geschweige denn geschätzt. Oftmals träumte ich mich in meine eigene Welt, in der es ganz bunt aussah. Meine Mutter war meine beste Freundin neben all den menschlichen Enttäuschungen, die ich durchleben sollte.

 

Als ich die Bekanntschaft mit den ersten Arabern in meinem Leben machte, meinten die so: „Du hast ja einen Charakter wie eine Muslima!“ Unbewußt erweckte dies in mir eine Neugierde. Was das wohl heißen möge?

Zeiten ändern sich- Gott sei Dank!

Ungefähr 4 Jahre später, als 24-jährige, nahm ich den Islam an (alhamduliLlah)- und nachdem ich auch die ersten Bekanntschaften mit Schwestern im Glauben machte, fühlte ich mich zum ersten Mal so richtig angenommen und akzeptiert! Denn plötzlich waren es MEINE Charaktereigenschaften, die bei den (muslimischen) Menschen geschätzt wurden!

Zu meiner äußeren ruhigen Art kommt allerdings auch meine Offenheit für Länder und Leute hinzu, und mein trockener Humor, der so manchen Lacher herausfordern kann.

Kreatives Schreibrohr

SCHREIBROHRDurch das Schreiben, was mir wie selbst komponierte Musik aus den Fingern gleitet, kann ich das ausdrücken, was tief in mir ist- es macht riesen Spaß! Denn neben meiner ruhigen Art besitze ich auch einiges an Kreativität, wodurch so manch verrückter Gedanke zustande kommt.

Damals konnte ich dies in der Musik ausdrücken, heute eben im Schreiben.

Worauf ich hinaus möchte…

…und was ich euch damit sagen will? Urteilt bitte nicht vorschnell über ruhige Leute! Denkt nicht, sie hätten nichts drauf! Sie geben ihr buntes Inneres nur nicht jedem preis! Lockt sie einfach aus ihrer Reserve, hört ihnen auch mal zu! Dann können sie eure besten und loyalsten Freunde werden!

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Stille Wasser sind tief, aber farbenfroh!

Ich freue mich aber tierisch, wenn euch meine Artikel gefallen- sowohl vom Inhalt, als auch von der Art.

Die Welt ist einfach zu bunt, um sie über einen Kamm zu scheren, und die Leute ebenso, und das ist auch gut so (anders wär´s langweilig!).

In diesem Sinne noch weiterhin viel Spaß und Lesevergnügen auf unserem Blog 🙂

Eure Khalisa

 

Selbstbestimmt leben in Somalia?

Inspiration über Umwege –

In diesem Artikel wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern man als in Somalia lebende Frau eigentlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann!? Diese Frage wurde mir kürzlich von der Mutter einer Freundin gestellt- also quasi über drei Ecken. Es freut mich natürlich sehr, dass sich Menschen für das Leben hier interessieren und ihren Horizont erweitern wollen. Deswegen antworte ich direkt in unserem Blog, da es noch so manch andere(n) interessieren könnte.

„Freiheit der Welt“ als Muslima

Zunächst einmal ist die einfache und direkte Antwort auf diese Frage: Ja- man kann hier als Frau selbstbestimmt leben! Voraussetzung ist hier, dass man Muslimin ist, oder sich dementsprechend anzieht. Aber Nicht-Muslime zieht es sowieso eher woanders hin. (Und was nicht ist, kann ja noch kommen! D.h. dass die Sicherheitslage sich noch in Zukunft verbessern kann.) Diese Vorraussetzung habe ich also schonmal erfüllt (alhamduliLlah).

Ich kann hier als Muslima sogar ein selbstbestimmteres Leben führen als in Deutschland, denn dort hätte ich aufgrund meiner Bedeckung Jobchancen gleich Null! Auch was meine Freizeit angeht, fühle ich mich dort weniger wohl. Man ist dort ein Fremdkörper im Gewusel.

Hier hingegen habe ich alle Freiheit der Welt! Somalische Männer sind auch im Gegensatz zu Arabischen Männern sehr freilassend- sie lassen dich deinen Weg selber finden.

Beste Berufschancen (teorethisch)

Gerade als „Westlerin“ würde ich hier also überall einen Job bekommen. Sofern ich denn Bildung hätte. *Räusper*

Das Thema Bildung wurde mir gleich zu Beginn meiner Auswanderung vor den Kopf gehalten: Was ich denn studiert hätte? Welchen Bachelor/Master ich denn gemacht hätte? Wurde ich von meinen somalischen Nichten gefragt, die größtenteils alle gerade mitten im Studium waren. Ja, alsoooo…

Materialistisches Denken hat auch hier seine Standbeine

Dass ich mein Leben in Deutschland aufgegeben hatte, um meine Religion ruhig ausleben zu können, spielte für sie eher eine kleinere Rolle. Dass ich mein Studium der Musikpädagogik aufgegeben hatte aufgrund meines neuen Lebensweges, fand auch weniger Beachtung.

Gut, dass ich alle meine Taten tue, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen- nicht das der Leute! Denn die kann man sowieso nie alle zufrieden stellen.

Zugegeben ist es von Vorteil, etwas im Ausland gelernt zu haben, bevor man überhaupt kommt. Das würde ich auch jedem raten, sofern er/sie die Möglichkeit hat. Für mich war es damals jedoch weniger wichtig: ich hatte ja meinen Mann, der für mich sorgt, Möglichkeiten hätte ich auch nur unter erschwerten Bedingungen, und ich wollte einfach nur noch weg!

Studium in Sicht!

Sobald ich meinen Sohn in Deutschland bekam ( Ende 2012), entschied ich mich, etwas zu ändern, und einen lang gehegten Traum wahr zu machen: ich fing an der Islamic Online University an, den Islam zu studieren! Allerdings nur Stück für Stück, da ich als frisch gebackene Mutter damit beschäftigt war, mein Leben neu zu ordnen. Zudem kamen mir die Reisen nach Somalia- zurück nach Deutschland und wieder Somalia, eher ungelegen. Nach einem Jahr entschied ich mich, zu dem Education- Studiengang zu wechseln. Dort werden meine beiden Hauptinteressen gelehrt: Islam und Erziehungswissenschaften. Damit erhoffte ich mir, später in Somalia mehr bewegen zu können. Und selbst für die eigene Familie ist es von Vorteil, wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt.

Alles zu seiner Zeit!

Also hatte ich immerhin etwas gefunden. Bloß, dass es sich auf 12 Jahre hinziehen wird, bis ich meinen Bachelor in shaa Allah in der Hand halten werde, da ich nur Part-time studiere (2-3 Fächer pro Semester)! Das macht mir derzeit jedoch weniger aus. Ich habe zurzeit sowieso noch alle Hände voll zu tun mit meinen jungen Kindern und meiner großen Familie, dem Blog hier und eben meinen Studienfächern. Und wenn meine Kinder dann etwas größer sind, werde ich in shaa Allah etwas passendes arbeiten können.

Soviel zu beruflichen Möglichkeiten hier.

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Unser Hausreh/ Springbock sieht so etwas gaaanz relaxed 🙂

Wie sieht es im Privaten aus?

Da bin ich auch frei, mich so zu bewegen, wie ich möchte. Allerdings habe ich diesbezüglich nicht sooo viele Möglichkeiten, wie in Deutschland, einfach aus dem Grunde, dass ich hier weniger Freunde habe. Das störte mich anfangs gewaltig, aber seit ich Kontakte über Social Media haben kann (habe ich relativ spät entdeckt!), relativiert sich das wieder. Außerdem habe ich ja ständig Gesellschaft in Form meiner Familie, alhamduliLlah.

Der tägliche Einkauf auf dem Markt bleibt mir meißtens auch erspart, worum ich ganz froh bin (zu stressig!). Ich habe also gar nicht so die Muße, ständig irgendwo hin zu fahren/gehen, wobei es trotzdem noch genug Gelegenheiten gibt, „raus“ zu kommen.

 

Ich liebe es auch, an den Wochenenden irgendwo hin fahren: zum Spielplatz, in die Natur, einfach in die Stadt oder zum Verwandtenbesuch, so wie ich bereits in diesem Artikel beschrieb. Wenn es in die Natur geht, nehme ich die Bodyguards meines Mannes mit. Oder auch, wenn ich das Auto meines Mannes fahre, welches ein Pick-Up ist (d.h. die Bodyguards sitzen hinten auf der Ladefläche, mit den Beinen heraus baumelnd). Das aber eher, zum Schutze des Autos (und indirekt für meinen)! Denn mein Mann ist hier eine bedeutende Persönlichkeit, der schon so einige Morddrohungen von Extremisten erhielt (möge Allah ihn beschützen). Da geht man doch besser auf Nummer sicher.

Mit unserem Familienauto bewege ich mich jedoch ganz frei. Erst gestern wurde ich noch in unserem Lieblings-Supermarkt angesprochen, wie gut ich doch Somalisch gelernt hätte, dass ich sogar alleine einkaufen gehen kann 🙂 Da meinte ich nur: „Waa khasab!“ (Das Erlernen der Sprache ist ein Muss!)

 

 

Auch im Häuslichen mehr Freiheit

Unser Hof ist übrigens so groß, dass man kaum merkt, wenn man mal nicht so viel herum fährt. Denn man ist ja ständig draußen– selbst unsere Küche ist außerhalb unseres Hauses! So kann ich dort alles machen: von joggen bis hin zum Sonnen-baden.

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Zusammenfassend kann ich also sagen: ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt hier! Zwar hätte ich gerne noch so die ein oder andere Freundin von „abroad“ hier- aber was nicht ist, kann ja noch werden, so Allah will 🙂

Ich freue mich, wenn solche Fragen kommen, also scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

Thank´s for reading und see you soon (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Spaß trotz Armut? Ethische Gedanken

As salaamu alaikum und Hallo zusammen, 

Ihr habt euch vielleicht schon mal gefragt, was man in einem von Armut, Krieg und Dürre gebeutelten Land überhaupt am Wochenende machen kann. Gibt es überhaupt etwas, was man als Familie machen kann? DARF man überhaupt Spaß haben, wenn man weiß, wie andere in derselben Stadt leiden? Diese Fragen möchte ich im folgenden Beitrag so gut es geht klären.

Ethische Frage…Darf man Spaß haben bei all dem Leid?

Das ist zugegebenermaßen eine ziemlich schwierige Frage. Es ist ja kein Geheimnis, dass es hier in Somalia sehr viel Armut gibt, gerade auch durch die anhaltende Dürre. Wie kann man also essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dass die Nachbarn vielleicht nicht 3 mal am Tag ihre Mägen füllen? Wie kann man überhaupt duschen, wo am Stadtrand die Menschen noch nicht einmal Wasser zum trinken haben? Ja, wie kann man überhaupt lachen, spielen und Spaß haben bei all dem Leid???

In einer der Aussagen des Propheten Mohammad (Frieden und Segen seien auf ihm) heißt es außerdem:

„Derjenige ist nicht gläubig, der sich satt ißt, während sein Nachbar an seiner Seite hungert.“ (Ibn Abbas; Baihaqi)

Das sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Andererseits ist die Frage, ob nicht die ganze Menschheit auf Spaß und Genuß verzichten sollte und dafür etwas spenden- solange, bis es keinen hungrigen Magen mehr gäbe !? (ich glaube, das würde dann gar nicht lange dauern) Ja, und ganz abgesehen von den unnötigen Kriegsausgaben, die man für Friedensprojekte umwandeln sollte.

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Also eigentlich müssen wir ALLE uns verantwortlich fühlen für das Leiden unserer Mitmenschen- egal wo sie nun leben auf dem Kontinent!

Auf mich/uns bezogen…

Unsere direkten Nachbarn sind weder reich noch arm. Obwohl eine Familie schräg gegenüber von uns lebt schon extrem bescheiden. Eines Tages gab meine Co-Schwester dem Sohn dieser Familie eine Tasche voll Kleidung. Denn er hatte nur eine Schuluniform. Sobald die dreckig war, lief er in normalen Klamotten herum (normalerweise nicht erlaubt). In dieser Tasche war auch eine gut erhaltene Schuluniform unserer herausgewachsener Jungs drin. Der Junge jedoch sagte: „Meine Eltern werden mir nicht erlauben, dass ich diese Kleider annehme!

Es gehört nicht zum „Stolz“ bestimmter somalischer Stämme, wie arme Leute etwas anzunehmen- selbst wenn sie es sind.

Solche Beispiele gibt es einige. Selbst einige Häuser hinter uns. Da leben aus Äthopien zugewanderte Menschen in irgendeinem Level der Armutsgrenze. Außer einem Raum mit 4 Wänden und einem Dach über dem Kopf haben sie fast nichts, d.h.gekocht und alles andere wird draußen. Das sieht man ihnen auch an. Jedoch lehnten sie jedesmal ab, wenn wir ihnen etwas zu essen brachten- selbst Möbel!

Dann wiederum gibt es die Menschen in den Flüchtlingslagern. Diese sind so riesig wie ganze Städte und an den Stadtrand verdrängt. Dort würde man dann schon tausende Abnehmer finden.

Ehrlich gesagt ist es nicht einfach, den eigenen Kindern ihre Wünsche zu relativieren mit der Begründung, dass es hier so viele arme Kinder gibt.  Erzähl deinem Kind mal „Nein, den Lolli kriegst du jetzt nicht! Denk doch an die ganzen Armen hier in der Stadt!“ Wir machen ihnen zwar schon immer wieder bewußt, dass sie nicht über´s Essen meckern sollen usw. Jedoch Kinder sind Kinder– sie haben bezüglich Süßigkeiten und Vergnügungen einen starken Willen!

Wo fängt Überfluß an, wo hört er auf?

Was nun zum Überfluß und Luxus gehört, ist wiederum Auffassungsache. Gehört dazu, dass man seinen Garten bewässert, während andere kein Trinkwasser haben? Oder gehört dazu, dass man 1 mal in der Woche die Kinder auf den Spielplatz bringt für jeweils 1 $ Eintritt? Oder dass man ihnen Fahrräder kauft?

Was für Deutsche Verhältnisse ganz normal und selbstverständlich ist, ist hier eine große Investition. Dementsprechend macht man sich seine Gedanken, ob das nun schon zu überflüssigen Luxusgütern gehört, oder ob man diese Dinge seinen Kindern ermöglichen möchte- trotz allem. Nicht einfach, dabei kein schlechtes Gewissen zu kriegen.

Jedoch ein Mensch allein kann die Welt nicht retten- dazu braucht es mehrere! 

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Reflektieren bringt neue Ideen!

Ich habe die meisten Aktivitäten für Hilfsprojekte bisher meinem Mann überlassen, der ständig aktiv ist. Aber irgendwie kriege ich ein immer größeres Bedürfnis, auch selber zu helfen. In shaa Allah eröffnet sich da noch ein Weg.

Wasser verteilen

Aufjedenfall bin ich jetzt durch diesen Artikel auf die Idee gekommen, dass wir mit unseren Kindern eine Sammelaktion machen sollten. Dann werden wir unser gesammeltes Hab und Gut persönlich (mit allen Kindern zusammen) in einem der Flüchtlingslager abgeben. Hoffentlich hat das dann auch einen Effekt auf unsere Kinder. Werde dann darüber berichten!

Lösungsvorschlag

Ich denke, man sollte sich aufjedenfall für die Armen einsetzen- egal wo in der Welt. Dabei ist besonders der Schwerpunkt auf Hilfe zur Selbsthilfe zu legen, um der endlosen Abhängigkeit ein Ende zu setzen.

Wenn man tut, was man kann, braucht man dann hoffentlich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn die eigenen Kinder dann mal einen Lolli essen oder ein Spielzeug kriegen. Denn der Verzicht wird auch nicht unbedingt an der Armut etwas ändern. Aber der bewußte Umgang mit dem, was man hat, Dankbarkeit entwickeln und sich für die Armen einsetzen schon.

AlhamduliLlah

Gerne dürft ihr weitere Ideen, Ratschläge und Kommentare hinterlassen!

Möge die Situation der Armen erleichtert werden und die Menschen drumherum wach und aktiv werden lassen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Die Frage, was man am Wochenende in Somalia so machen kann, werde ich in einem nächsten Artikel beantworten!

 

 

Leben in einer Großfamilie (Teil 3): Daily Life

In diesem Artikel beschreibe ich etwas unseren Alltag als Großfamilie in Somalia. In diesem Zusammenhang werde ich erklären, warum es für uns sinnvol ist, Haushalts-hälterinnen zu haben und die gleichzeitig auftretenden Probleme damit; auch werde ich euch zeigen, wie unser täglicher Ablauf ist, und was das A und O einer Großfamilie ist. Zuerst jedoch möchte ich folgende Frage klären:

Wie ist das Leben als Großfamilie? Hat man da noch Zeit für sich?

Dies ist ebenfalls eine der häufigen Fragen, die mir so begegnen. Zuerst einmal muss ich sagen, dass man die Kinder nicht alle aufeinmal kriegt (es sei denn, man bekommt 6-linge!).

Das heißt, mit jedem Kind wird die Arbeit, die damit verbunden ist, auch wiederum leichter.

Denn sobald sie selbstständiger werden, können sie einem auch kleinere Aufgaben abnehmen. Und zusammen die Fortschritte des Neuzuwachses bestaunen, mit ihm spielen… Ja, sogar ein einfacher Toilettengang wird dann irgendwann wieder einmal möglich, ohne dass man sich Sorgen machen muss, dass das Baby gleich aufwacht und in Panik gerät, weil niemand da ist! Also je mehr Kinder man hat, desto mehr Zeit bekommt man zwischendurch für seine Angelegenheiten (nicht nur für den Toilettengang natürlich!), auch wenn man zwischendurch natürlich sehr beschäftigt ist.

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Mama macht Pause- bei mehreren Kindern ab und an möglich! (Foto by Mamasdaily)

Ein Vergleich

Als ich mit meinen 2 Kleinkindern in Deutschland war, bekam ich aufgrund der verschiedenen Schlafrythmen meiner beiden kaum Schlaf. Hier in Somalia jedoch, wo die Älteste Schwester meiner Kinder 15 Jahre alt ist, bekomm ich manchmal sogar die Chance auf einen Mittagsschlaf, wenn nötig! Oder ich schicke sie zum gemeinsamen spielen, damit ich mal zumindest eine halbe- bis Stunde etwas lernen oder schreiben kann. Jede Minute zählt, wenn man auch noch andere Dinge im Kopf hat, so wie ich 😉 Wobei ich zugeben muss, dass die Größeren natürlich auch viel weg sind oder anderweitig beschäftigt. Also ständig frei schaufeln kann (und will) ich mir nicht!

Eine erfüllte Mutter ist eine bessere Mutter!

Schließlich geht es ja aber auch nicht darum, die Kinder soviel wie möglich abzugeben. Doch da ich meine noch nicht zum Kindergarten schicke, bin ich froh, wenn ich doch mal eine Minute für meine eigenen Dinge habe. Denn eine erfüllte Mutter ist eine bessere Mutter!

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Zeit zum Lernen- für eine Mutter wertvoll

Jeder hat natürlich auch andere Vorstellungen und Werte, was er mit seiner Zeit, seiner Familie, seinem Leben macht. Für die eine mag es genug sein, wenn sie 24 Stunden mit ihren Kindern, Haushalt und Mann beschäftigt ist. Und das ist auf garkeinen Fall weniger Wert- denn Kinder sind die beste Investition für die Zukunft! Und (qualitätsvolle) Zeit mit ihnen zu verbringen dementsprechend auch. Für die andere Mutter fehlt da etwas- denn sie fühlt, dass sie auch etwas geistige Nahrung benötigt, um innerliche Zufriedenheit zu erlangen. Das ist ebenfalls gut, denn eine ausgeglichene Mutter ist wie bereits gesagt, eine bessere Mutter! Solange sie dann ihre Kinder nicht vernachlässigt und auch genug qualitätsvolle Zeit ( mit ihnen verbringt, ist dem nichts auszusetzen.

Schließlich soll es sogar Phantasie- fördernd sein, wenn Kinder frei und gewissermaßen sich selbst überlassen spielen. Das kann man in zahlreichen Artikeln lesen, wie zum Beispiel in diesem.

Also die (Über-) Beschäftigung, die oftmals im Westen stattfindet, ist garnicht unbedingt notwendig. Das ausschließliche sich-selbst-überlassen des Kindes, wie es hier in Somalia oft der Fall ist, natürlich auch nicht. Denn etwas Erziehung braucht ein jedes Kind, wie ich auch schon in diesem Artikel erwähnt hatte.

Das A und O in einer Großfamilie?

… Ist aufjedenfall die Organisation der täglichen Aufgaben, des Haushalts.

Wir haben den Luxus, Haushaltshelferinnen zu haben, da wir eben auch noch außerhalb unserer Familienglieder Menschen zu versorgen haben. Immerhin sind wir auch 2 Familien unter einem Dach: meine Co-Schwester (auch Co-wife genannt, d.h. die andere Frau meines Mannes) mit ihren 7 Kindern und ich mit meinen 2. In Anbetracht der hiesigen Umstände lohnt es sich also aufjedenfall, Haushaltshelferinnen einzustellen. Zumal wir keine Spülmaschine haben, die einem eben mal das ganze Geschirr wäscht, geschweige denn eine richtige Waschmaschine, die man nur anmachen muss und auf die saubere, halb trockene Wäsche wartet.

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Unsere Waschmaschine, rechts daneben die gelben Gefäße, mit denen man Wasser holt, davor das grüne Gefäß. in dem man die Wäsche von der Seife auswäscht.

Die Waschmaschine, welche wir haben, wird immerhin aus Dubai anschoffiert (Kostet an die 200 US-Dollar). Da jedoch unser Leitungswasser Khareer („Bitter“, Kalkhaltig, Salzig) ist, müssen wir das Wasser extra aus dem Brunnen in große, gelbe Behälter füllen (Jirgaan, ursprünglich für Speiseöl genutzt), und dann ab damit in die Waschmaschine. Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan. Die Maschine stellt man für 2 mal für 15 Minuten ein, damit sie die Wäsche im Seifenwasser herum dreht, also wäscht. Danach muss man jedes Kleidungsstück auswringen und in einen anderen großen Bottig (im Bild grün) mit klarem Brunnenwasser rein tun. Nachdem man jedes Stück dann von der Seife rein gewaschen hat, muss man es wieder auswringen und in einen Eimer (im Bild blau) rein tun, um die Wäsche draußen aufzuhängen. Das Trocknen geschieht dann ganz von allein, innerhalb einer Stunde, so dass nur noch das Falten und verteilen der Wäsche ansteht. Capito? 🙂

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Unser Brunnen

Sauberkeit ist die halbe Miete (für unsere Gesundheit)

Hinzu kommt noch, dass man hier öfter reinigen muss, als normalerweise in Deutschland: Durch die offenen Türen, die barfüßigen Kinderfüße, die vom Hof ins Haus und wieder zurück rennen, kommt überall etwas Sand/Staub hin. Daher muss 2 mal täglich gefegt und gewischt werden (drinnen und im Hof).

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Täglich mehrmals im Einsatz; Besen und Wischer mit Eimer. Ebenso der Schlauch fürs Bewässern der Beete. Der Mauer hab ich einen neuen Anstrich verpasst!

All diese Arbeit wäre auch zu zweit kaum zu schaffen, es sei denn, man verbringt seine ganze Zeit mit Putzen, Fegen, Waschen, … nichts da mit Blog schreiben, Studieren und Kinder bespaßen!

Die Helferinnen und ihre Tücken

Eine weitere Aufgabe ist auch, die Helferinnen anzuleiten und sie vom sich gegenseitig Streiten abzuhalten. Denn sie kommen aus total ungebildeten Familien (unsere aus dem Süden), und müssen von A-Z alles beigebracht kriegen. Dabei ist so manches mal „V wie Verhalten“ ein großes Problem. Aber mit der Zeit wird es immer besser, auch lernen sie Lesen, Schreiben und Mathe in einer Qur´an-Schule. Meißtens müssen wir sie aber dann schon wieder verabschieden, wenn wir ein eingespieltes Team sind: denn in ihren Reihen heiraten sie meißtens ab 15 (wenn auch nicht mehr alle). Mehr zu diesem Thema und wieso es schwierig ist, ein richtiges Verhalten ihnen gegenüber an den Tag zu legen (wenn zu freundlich, ausgenutzt!), habe ich bereits ausführlich in diesem Beitrag geschrieben.

Der Nachteil an Haushaltshelferinnen ist: die eigenen Kinder tendieren dazu, etwas faul zu werden. Dass sie nicht einfach jeden Müll einfach auf den Boden werfen (wird ja gefegt), ihre Teller nach dem Essen in die Küche bringen, sind nur einige von den Dingen, denen man ständig hinterher sein muss.

Ordnung und Regeln müssen sein!

So eine Großfamilie braucht also auch mehr oder weniger strikte Regeln, damit sie nicht aus dem Ruder läuft, d.h. dass das daily life nicht im Chaos endet.

Wir haben schon so einiges probiert, bloß an konstanter Ausführung mangelt es noch zugegebenerweise.

Wochenplan (By Pinterest)

Eine sehr effektive Zeit war, als wir einen Wochenplan aufstellten, mit den jeweiligen Namen der Kinder und den Wochentagen. Dazu hatten wir verschiedene Symbole für verschieden Taten. Meine Idee war es, sich auf die positiven Verhaltensweisen der Kinder zu konzentrieren, anstatt sich auf Verbote zu beschränken („Du sollst nicht dies und jenes machen“, usw.).

Also hatten wir ein Symbol für´s Kleider wechseln nach der Schule, für Pünktlichkeit am morgen und nachmittag, wenn es zur Schule geht, für´s pünktliche Gebet, für´s aufräumen und zusätzliche Hilfen, ein Symbol   für´s Auslassen dreckiger Wörter, usw. Jedes Kind konnte so die Woche hindurch Punkte/Symbole sammeln. Am Ende der Woche (in unserem Fall Freitag) zählten wir die Symbole aus, welche immer eine bestimmte Anzahl an Cents Wert waren, und dann fuhren wir zum Supermarkt, wo jedes Kind sich für sein verdientes Geld Leckereien kaufen konnte (ein Dollar ist 30 Cent Wert). Das alles- von der Plan-Eerstellung bis zum Auszählen- ist natürlich etwas Arbeit, die sich allerdings lohnt. (So, vielen Dank für´s erinnern sag ich mir gerade selbst 😉 )

Wie läuft denn nun das tägliche Leben ab in Somalia?

Bei uns läuft es wohl ähnlich ab wie in den meißten Großfamilien hier, zumindest vom „Grundgerüst“ her. Eigentlich ist es nichts Spektakuläres. Doch um euch einen ungefähren Einblick zu schaffen, hier eine kleine Übersicht:

  • Morgens um ca.5:00 Uhr beginnt der Tag mit der Gebetswaschung und dem Morgengebet
  • Dann wird von manchen Qur´an gelesen, damit die Kinder ihre Hausaufgaben der Koran- Schule für den jeweiligen Tag lernen, bzw. wiederholen. Diese besteht aus 2 Teilen: einmal einigen neuen Versen, die man lernt, und zum Anderen aus dem Wiederholen des Gelernten. Die großen Jungs gehen neuerdings um diese Zeit Joggen, da sie mittags ihre Qur´an-Hausaufgaben lernen.
  • Um 6:30 stehen auch die Kleinen auf, um sich für die Schule fertig zu machen.
  • Nach dem Frühstück geht´s dann um 7:30 auf zur Schule (für die Kleinen schon etwas früher)
  • Jeden 2.Tag muss eingekauft werden- frisch vom Markt. Jedoch erspar ich mir das so gut es geht und lass das lieber meine Co-Schwester machen. Denn in der Stadt geht es etwas zu chaotisch zu für meinen Geschmack 😀 Man kann sich zwar dran gewöhnen, aber wenn man die Wahl hat…
  • Außer einer 15-Minuten Pause, in der sie sich etwas Süßes wie ein Wassereis kaufen, kommen die Kinder erst wieder zwischen 11:30 -12 Uhr nachhause.
  • Nach dem Mittagsgebet wird gegessen und ein Nickerchen gehalten. Denn dann ist es sowieso zu heiß, um etwas vernünftiges zu machen (außer im Winter). Bloß die Großen bleiben oft wach (ich auch des öfteren).
  • Nach dem Nachmittagsgebet um 15:30 gehen die Kinder zurück zum Lernen– diesesmal zur Qur´an- Schule.
  • Beim Abendgebet um 18 Uhr sind alle wieder zuhause und bereiten sich auf den Privatlehrer vor, der dann bis zum Nachtgebet um 19:30 kommt.
  • Dann gibt es Abendessen und langsam geht zu Bett (ca. 21 Uhr für die Kinder).

So sieht also ein alltäglicher Wochentag aus. Wie ihr erkennen könnt, richtet sich von den Zeiten hier alles nach den Gebetszeiten. Selbst die Verabredungen richten sich danach: „Wir treffen uns dann nach Assr!“ (Nachmittagsgebet). Das kann dann also zwischen 15 Uhr und 18 Uhr liegen. Meißtens eine halbe Stunde vor Schluß der besagten Zeit- denn man muss ja dem Afrikanischen Vorurteil gerecht werden 😉 .

Mein persönlicher Tagesrythmus

…Sieht NOCH etwas anders aus, da meine Kleinen noch nicht zum Kindergarten geschweige denn zur Schule gehen. Also schlafen meine morgens etwas länger und ich bin Abends zu gern länger wach. Denn ich genieße die Zeit für mich und bin eher der Typ Nachteule, was ich wohl von meinem Vater habe. Bloß ist das nicht so konform mit dem hiesigen Lebenstil, wo der Tag schon ab 5 Uhr morgens anfängt. Ich arbeite also dran, denn spätestens, wenn mein Sohn zur Schule muss, werde ich speziell morgens auf Zack sein müssen!

Ansonsten schaue ich, wie ich am besten meine Kinder sinnvoll beschäftigen kann und alle meine Pflichten und Aufgaben unter einen Hut kriege. Mittags koche ich, und Nachmittags gehen wir gerne mal raus. Und auch das Lernen und den Blog versuche ich irgendwie unterzukriegen, sowie etwas Sport als Ausgleich. Die Zeit vergeht aufjedenfall immer viel zu schnell.

Aufgabenteilung

Während meine Co-Schwester jeden 2.Tag den Einkauf für uns macht (was ca. 1 ½ Stunden benötigt), ist es meine Aufgabe, das Mittagessen zu kochen und die Essensverteilung mittags und Abends. Das kommt bei mindestens 20 Leuten einem halben Restaurant gleich! Und ja, ich habe tatsächlich gelernt, Somalisch zu kochen (Betonung liegt auf kochen, denn die ganzen anderen Sachen wie Anjeelo, Sabaajet usw. lasse ich lieber Andere machen)! Ab und zu improvisiere ich auch etwas Deutsches rein. Aber der Somalische Reis ist einfach der Beste!

Grundgerüst gleich, jedoch jeder Tag ist anders!

Unser Alltag mag auf den ersten Blick vielleicht etwas dröge erscheinen. Jedoch ist es wie mit Theorie und Praxis von jeglichen Plänen und Aufstellungen: es klafft auseinander! Da jeder Tag auch wiederum anders ist. Gerade durch die Aktivitäten, Reisen aus dem Nichts heraus und verschiedenen Gästen meines Mannes, hält jeder Tag eine potentielle Überraschung bereit. Zum Beispiel erfahren wir oft erst einige Minuten vorher (maximal ein paar Stunden), dass gleich ein Meeting stattfindet oder dass er verreist. Oder wir sind super vorbereitet und haben für einige Gäste gekocht, und dann kommen doppelt so viele oder sie kommen doch garnicht. Das ist wohl afrkinische Mentalität, an die man sich gewöhnen muss und die das Leben aber auch aufregend macht 🙂

Wochenenden

Der Alltag ist ja sehr geprägt vom Lernen der Kinder. Haben sie denn auch einmal frei? Bewegen sie sich überhaupt zwischen dem ganzen Sitzen? Darüber werde ich im nächsten Teil schreiben.

Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick gefallen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

Leben in einer Großfamilie (Teil 2)- Die Rolle der Mutter

In diesem Artikel wollte ich euch eigentlich einen Einblick in unser Familienleben geben. Dabei hab ich jedoch festgestellt, dass die Beschreibung der Mutterrolle einen eigenen Artikel Wert ist!

Kinder ohne Ende- eine Last?

Zuerst stellt sich die Frage, warum sich Somalische Familien, bzw. Frauen das „antun“, „Kinder ohne Ende“ zu bekommen? Man könnte meinen, es sei für sie eine Last. So wie es für die meißten Frauen in Deutschland wohl auch wäre. Doch zum einen ist das Kinder erziehen in beiden Ländern nicht zu vergleichen (darauf komme ich später noch zu sprechen), und zum anderen ist es für Somalische Frauen eine Art Status- Symbol und ihr ganzer Stolz, wenn sie viele Kinder haben. Ja, richtig gelesen- Stolz! Denn je mehr Kinder sie haben, desto größer ihr „Königreich“ zuhause- dort sind sie nämlich die Queens! (Ausnahmen gibt es sicher auch, jedoch eher im Ausland, wo sich die Somalischen Frauen an dortige „Standards“ bezüglich der Kinderzahl gewöhnt haben.) Das heißt, sie haben das Sagen, und da hat der Mann und allesamt sich gefälligst dran anzupassen 😉

(Übrigens gibt es auch Ausnahme-Situation, in denen die Verhütung erlaubt ist. Das ist jedoch ein anderes Thema.)

Nicht ohne meine Hooyo!

In Somalia ist die Frau der Mittelpunkt von allen. Sie ist für alle da. Auch wenn sie ab einem gewissen Alter größtenteils auf einem Stuhl sitzt und die anderen reglementiert- ohne sie geht (fast) gar nichts! Dementsprechend taff ist sie auch- denn sie ist eine Managerin, Beraterin, Mutter…- alles zusammen.

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Strahlende Mutter, by somaliagenda.com

Meine Schwiegermutter zum Beispiel wurde jeden Morgen von ihren Söhnen besucht, bevor diese zur Arbeit gingen. Aus Verehrung wurde sie auf die Stirn geküsst. In allen wichtigen Angelegenheiten wurde sie zu Rat gezogen. Und von ihren Töchtern wurde sie tagsüber gepflegt. Neben ihren 10 Kindern zog sie auch noch andere Kinder groß.

Hooyo Halimo
Meine taffe Schwiegermama- Hooyo Halima (möge Allah sich ihrer erbarmen)

Gemäß der Aussage des Propheten Mohammad (Frieden uns Segen sei auf ihm), ist die Frau nämlich auch die Herrin des Hauses:

„Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich für seine Herde: So ist der Anführer ein Hüter und verantwortlich für seine Herde; ebenso ist der Ehemann ein Hüter, hinsichtlich der Familienmitglieder seines Haushalts und verantwortlich für seine Herde; die Ehefrau ist Hüter bezüglich des Haushalts ihres Mannes und verantwortlich für ihre Herde; der Diener ist ein Hüter über den Besitz seines Herrn und ist verantwortlich für seine Herde. Jeder von euch ist also ein Hüter und verantwortlich für seine Herde.”

(Überliefert von Ibn`Umar bei al-Buẖārī und Muslim)

Mutter harousa.org
Mutter mit ihren Kindern, by harousa.org

Traditionelles Rollenbild der Frau- veraltet?

Dieses in der heutigen Zeit eher als traditionell angesehenes Rollenbild der Frau, hat viel Weisheit in sich. Die sogenannte Emanzipation der Frau von dieser Rolle hat ihr bloß doppelt soviel Arbeit bei weniger Lohn gebracht. Wobei ich an dieser Stelle auch erwähnen muss, dass die Somalischen Frauen nicht immer nur Zuhause sind und sein können.

Wenn der Mann nämlich keine Arbeit finden kann, oder die Frau alleinstehend ist, muss sie gleichzeitig Frau und Mann sein: 24h Arbeiten. Entweder verkauft sie etwas auf dem Markt (sie haben ein echtes Händchen für Business), hat ein mini-Lädchen oder muss sogar Müll abholen. Dazu warten die hungrigen Kinder auf sie. Die Männer hingegen lassen es sich draußen im Kaffee gutgehen oder verdrängen ihre Sorgen mit der Khat-Droge. Denn im Haushalt helfen, Kinder betreuen, ist ihnen eher fremd- das gehört nicht zur (nomadischen) Kultur! Das ist die traurige Wahrheit. Aber Gott sei Dank längst nicht für alle.

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Prioritäten setzen als Mutter

Viele Männer arbeiten natürlich auch, und da kann die Frau dann zuhause bleiben. Wenn die Frau studiert hat oder sonst etwas gelernt hat, kann sie das auch einsetzen, solange sie eben ihren Kindern und dem Haushalt gerecht werden kann (manchmal mithilfe von Familienmitgliedern oder Haushaltshelferinnen). Das Geld ist dann aber ihres- denn im Islam ist bekanntermaßen der Mann für die Versorgung zuständig, während das Einkommen der Frau ihr allein gehört – der Mann hat kein Recht darauf. Bloß liegt es auf der Hand, dass sie ihm aushilft im Falle von Arbeitslosigkeit seinerseits.

Generell wird die Mutter im Islam geehrt, zum Beispiel durch solche Aussagen des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm), als er auf die Frage einer seiner Gefährten „Oh Prophet Allahs! Wer verdient meine Gesellschaft und Fürsorge am meisten?“ folgendermaßen antwortete:

Es ist deine Mutter.“ Der Mann fragte: ‚Und wer dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Wieder fragte der Mann: ‚Und wer kommt dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Der Mann fragte wieder: ‚Und wer kommt dann?‚ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Dein Vater.“(Dieser Hadith wurde von Bukhary und Muslim berichtet.)

In diesem Hadith wird eindeutig die hohe Stellung der Mutter hervorgehoben. Auch wird in anderen Aussagen im Qur´an und der Sunna immer wieder betont, dass die Frau das Recht auf gute Behandlung, Respekt und Fürsorge hat.

Frauen

Was Islam mit Somalia zu tun hat

Manch einer mag sich nun fragen, warum ich immer und immer wieder aus dem Islam zitiere. Was hat das mit Somalia zu tun? Ganz einfach- da 99% der Somalischen Bevölkerung Muslime sind, haben sie dessen Rollenbilder und die gesamte Denkweise übernommen. Dementsprechend suchen sie auch in ihrer Religion nach Lösungen, wenn sie mal Probleme haben.

Jetzt höre ich schon einige Stimmen aufjohlen – „Ahaaa, deswegen wird die Frau auch so schlecht behandelt und unterdrückt! Zwangsverheiratet und alles!!!“

Okay, diese Probleme gibt es- leider. Die haben dann aber nichts mit dem  Islam zu tun, sondern mit den Menschen an sich, die dessen Regeln nicht beachten. Auch ich selbst bekomme manchmal Sprüche ab beim Autofahren, oder man will mir beim Einparken helfen, da ich ja eine hilflose Frau bin, usw. Aber ich denke (und hoffe), das wird sich in Zukunft ändern, sobald die neue Generation herangewachsen ist. Die Mädels von heute lassen so etwas bestimmt nicht zu!

Zwangsheirat und Co.?

Was die Zwangsheirat betrifft, wird sie wohl in einigen Fällen leider immer noch durchgeführt (das Gleiche wie mit der Verstümmelung). Aber eben in den gänzlich ungebildeten Schichten, die weder schreiben noch lesen können, und auch nicht wissen, dass solch eine Ehe dann islamisch gesehen gar nicht gültig ist. So stellte der Großgelehrte Ibn Taymiyyah in einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) zusammefassend fest:

„Eine Frau zu einer Ehe zu zwingen, widerspricht komplett dem Sinn einer Heirat. Allah möchte Liebe und Mitgefühl zwischen dem Ehepaar. Wie können diese entstehen wenn sie [die Ehefrau] ihn hasst und nicht mag? Welche Art von Liebe und Zuneigung sollen in so einem Fall schon entstehen? […] So hat eine Frau vielmehr ein Recht darauf, eine Ehe mit jemandem abzulehnen, den sie nicht will.“ 

[Ibn Taymiyyah, Majmoo‘ al-Fataawa, 32/25]

Großfamilie als beste Altersvorsorge

Zurückkehrend zum Thema Großfamilie ist diese in Somalia und anderen Arabischen Ländern auch die beste Altersversorgung, die eine Frau haben kann. Denn später ist es die Aufgabe der Kinder, sich um die Mutter (und Vater) zu kümmern. Im Gegensatz zum Westen, wo eine Mutter nicht allzu selten im Altersheim einsam vor sich hin leben, ist es hier Pflicht, sich um die sie zu kümmern und dabei sanftmütig zu ihr zu sein.

„Und dein Herr hat befohlen: „Verehrt keinen, ausser Ihm, und (erweist) den Eltern Güte. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage dann nicht ‚Pfui!‘ zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise.“

Qur´an al-Karim (17:23)

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Alte Somali Lady (Foto: SomaliNet)

Großfamilie in Deutschland

Allgemein betrachtet, wird man als Großfamilie in Deutschland eher als asozial angesehen. Ab 3 oder 4 Kindern bekommt man nur sehr schwer eine Wohnung, auf der Straße bekommt man Sprüche zu hören wie „Konnten Sie nicht verhüten?„. Traurig aber wahr, schießen sie sich dort selbst ein Eigentor. Denn auf Dauer kann keine Nation ohne Menschen überleben. In Somalia ist es wie ich schon erwähnte, das Gegenteil. Bei mir z.B. wundern sich die Leute, warum ich „nur 2“ habe. Aber Allah hat es für mich bisher nicht anders geschrieben, alhamduliLlah.

Somalische Frauen: taff und nicht kleinzukriegen!

Zusammenfassend kann man sagen, dass Somalische Frauen unheimlich stark und stolz sind. Sie genießen großen Respekt innerhalb der Familie. Auch wenn es negative Seiten für Frauen hier gibt, wie die Zwangsheirat, so macht es nicht den Großteil der Bevölkerung aus. Außerdem wird das hoffentlich immer weniger, je gebildeter die Menschen hier werden. Die meißten Mädchen hier in den Städten wollen nämlich zumindest erst ihre Schule oder gar ihre Ausbildung/ Studium beenden, bevor sie heiraten.

Schülerinnen
Somalische Schülerinnen

Mir wurde soeben von meinem Mann berichtet, dass es zu 80% Somalische Frauen aus der Diaspora waren, die das Land „über Wasser“ hielten während dem über 20-jährigen Bürgerkrieg. Sonst würden jetzt längst nicht so viele Schulen hier stehen, abgesehen davon, dass viele Familien nicht überlebt hätten. Wenn eine Somalische Frau ins Ausland geht, ist sie für die in Somalia hinterbliebenen nutzvoller, als wenn 5 Söhne ausreisen! Ich finde, das sagt schon viel aus!

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Selbst im Ausland taff: Somalische Studium- Absolventin mit Kind. By sahanjournal.com

Klartext, Tacheles reden!

Ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich jede Art der Gewalt und Unterdrückung an Frauen verurteile, und auch nicht die Augen davon verschließen werde. Da es jedoch mehr als genug Berichte über Somalia diesbezüglich gibt, möchte ich den Radius ebenso auf die positiven Dinge hier ausweiten. Wer zudem ein Problem damit hat, dass ich immer wieder die Islamische Perspektive erwähne, muss meinen Blog ja nicht lesen! Aber ich bin überzeugt, dass man keine komplette, ganzheitliche Sichtweise auf die Somalische Gesellschaft bekommt, ohne ihren Glauben, den sie fest verankert  haben, versuchen zu verstehen.

Ausblick

Nach diesem etwas lang ausgefallenen Einblick in die Rolle der Mutter in Somalia, werde ich nun auf das Leben als Großfamilie zurückkommen. Aber ich mache daraus besser einen neuen Teil, damit ihr nicht müde werdet beim Lesen.

Anregungen und Kommentare sowie likes sind herzlich willkommen, sofern sie nicht rechthaberisch sind 🙂 Denn jeder hat seine eigene Sichtweise und sollte nicht versuchen, diese seinem Gegenüber überstülpen zu wollen.

In diesem Sinne bis bald (in shaa Allah), und vergeßt nicht, für eine Verbesserung der Verhältnisse zu beten!

Eure Khalisa

Sawirka la xidhiidha

Leben in einer Großfamilie- kann man es genießen? (Teil 1)

Letztens wurde mir eine Frage gestellt, die mich nicht mehr loslässt, und zu der ich unbedingt Stellung beziehen möchte:

Wird dir das nicht zu viel (in so einer Großfamilie)? Und genießt du noch dein Leben?

Zuerst einmal möchte ich feststellen, dass Kinder der größte Segen sind. bzw. sein können. Wenn denn doch nur alles wie im Bilderbuch verlaufen würde! Doch liebe, freundliche, respekvolle Kinder erziehen sich nicht von selbst. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter: Erziehungsarbeit! Wenn man in der Erziehung zu streng, zu lieb, zu kalt, zu fordernd, zu laissez-faire ist, hat das alles seine Nachwirkungen auf die Entwicklung des Kindes.

Richtige Erziehung: Mittelweg finden!

Von meinem Erziehungswissenschafts-LK blieb mir jedenfalls eins hängen: der goldene Weg ist immer die Mitte! Damals wurde uns das Bild einer Blume gezeigt, die von sich aus wachsen will, wenn sie denn genug Wärme und Wasser von außen her bekommt. Das heißt, ein Kind braucht genügend Freiraum, sich selber entwickeln zu können (mit freiem Spiel, sozialen Kontakten, auch mal Fehler machen zu können…), aber es benötigt die richtige Betreuung dazu. Diese ist geprägt von menschlicher Wärme, Umsorgung und bei Bedarf Hilfestellung und richtungsgebenden Impulsen. So kann ein Kind sich richtig entfalten, ohne zu sehr eingeschränkt, bevormundet oder zu sehr sich selbst überlassend zu sein.

Blumen gießen
Erziehung: Wärme und Wasser plus Hilfestellung! (Foto by mein schöner Garten. com)

Mein Bezug zu Kindern

Ich habe es schon immer geliebt, mit Kindern zu spielen, ihnen zu helfen, usw. Mein Lieblings-Job war früher nicht ohne Grund Babysitten und mein damaliges Studium nicht umsonst auf Kinder ausgerichtet.

Mit nur einem Bruder bin ich in einer sehr behüteten Welt aufgewachsen (alhamduliLlah). Unsere Freizeit und Urlaube hatten wir meißtens mit 2 anderen „Großfamilien“ verbracht. Von Großfamilie spricht man in Deutschland ja schon, wenn man mehr als 2 Kinder hat. Die eine Familie hatte also 4 Kinder, die andere 6 (maa shaa Allah). Wenn ich sie manchmal sich gegenseitig „käbbeln“ (spielerisches Kämpfen) sah, kamen mir schonmal die Tränen- ich wünschte mir auch so viele Geschwister!

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Die beiden Großfamilien, mein Bruder und ich

Es war jedoch für meine Mutter nicht vorherbestimmt, noch mehr Kinder zu bekommen, also blieb ich allein mit meinem Bruder. Im Westen spielt die Rolle von Freunden ja sowieso eine größere Rolle, als die der Familie (jetzt mal verallgemeinert). Also war ich quasi aus dem Schneider raus. Ich verschob, bzw. verdrängte den Wunsch nach einer Großfamilie einfach auf später! Da wollte ich mindestens 3 Kinder kriegen! (Damals wußte ich natürlich nicht, was das für Arbeit das bedeutet, hehe.)

Mein Weg zur Großfamilie

Als ich dann meinen Mann kennenlernte und hörte, dass er bereits 9 Kinder habe (Möge ALlah sie segnen), hat mich das mehr erfreut als abgeschreckt. Ich hatte die einmalige Chance, Mutter zu werden, ohne die ganzen Schwangerschaftsbeschwerden und Geburtsschmerzen!! Zudem finde ich afrikanische Kinder sowieso sooo süß (maa shaa Allah)!

Zur Vorbereitung: erstmal nur 2

Bei meinem Mann in Dänemark angekommen, warteten dort schon ein Baby und ein 3-jähriges Mädchen. Für die letztere wurde ich sofort die beste Spielkameradin. Nach kurzer Zeit wollte sie schon nicht mehr ohne meine Anwesenheit einschlafen, maa shaa Allah! Sie nannte mich „Mama“, während sie ihre leibliche Mutter „Hooyo“ nannte, Somalischer Begriff für Mama. Das hatten ihre Geschwister dann auch so übernommen, obwohl mein Mann ihnen mehrfach beizubringen versuchte, dass sie auch Hooyo zu mir sagen. Aber sie hatten das sofort in ihre Köpfe geschweißt und konnten das nicht mehr ändern. Auf Somalisch wird jede mittel- alte Frau „Mama“ genannt, aus Respekt. Und ich war eben noch eine sehr junge „Hooyo“, also passte das schon, zumal im Deutschen ja `Mama´ die gleiche Bedeutung wie ´Hooyo´ hat! Selbst meine leiblichen Kinder nennen mich „Mama“ und die andere Frau meines Mannes „Hooyo“, was für Somalische Mütter underdenklich wäre! Denn die lassen die Stiefmütter einfach „Eedo“ nennen, was Tante bedeutet.

Nun gut, jetzt hätten wir das auch schonmal geklärt 🙂

Auf ins kalte Wasser oder plötzliches Mutterglück!

In Somalia angekommen, wurde ich dann ganz plötzlich mehrfache Mama! Anfangs konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen. Doch mit der Zeit lernte ich auch langsam erste Somalische Wörter. Denn wie willst du mit Kindern spielen, auch mal Anweisungen geben oder auch mal eine Käbbelei zu schlichten, ohne dabei ihre Sprache zu sprechen?

Erste Anfangsschwierigkeiten

Die richtige Bestandsprobe kam dann aber erst, als meine Co-Schwester wieder schwanger wurde und deswegen nach Dänemark musste. Da hatte ich aufeinmal die ganze Verantwortung zu tragen, die mich manchmal fast übermannte. Ok, meine Schwiegermutter (möge Allah sich ihrer erbarmen) war Gott sei Dank auch noch da. Ohne sie hätte ich das garnicht gepackt. Aber durch unsere verschiedenen Erziehungsstile und durch meine gebrochene Sprache war es aufeinmal schwierig, mich durchzusetzen, bzw. das nötige Gehör zu kriegen. Ich konnte aufeinmal nicht mehr nur die Spielgefährtin sein, sondern musste reglementieren, schlichten, etc. Dieser plötzliche Rollentausch war wohl für die Kinder auch nicht so einfach, was sich an ihrem Verhalten zeigte. Aber ich darf auch nicht übertreiben- wir hatten auch schöne Zeiten! Zum Beispiel wenn ich mit ihnen raus in die Natur fuhr, oder ihnen Spielideen gab oder einfach nur für sie da war. Aber einfach war es wohl für alle nicht.

Dies war also mein erster Sprung ins kalte Wasser. Es machte mich sehr viel wacher und ich lernte viel daraus (alhamduliLlah). Zum Beispiel, was ich in Zukunft besser machen könnte!

Die Situation entspannt sich

Alhamdulillah kommt nach jeder Erschwerniss eine Erleichterung (mehr über die Zeit in diesem Artikel). So kam meine Co-Schwester nach etwas über einem Jahr mit ihren Zwillingen wieder. Und da fing es dann wieder an, schön und entspannter zu werden! Denn mit ihr war ich erziehungs-ideologisch auf einer Wellenlänge: Für uns war es z.B. wichtig, die Kinder auch mal rauszufahren, Spaß mit ihnen zu haben. Auch wenn es von unserem Umfeld eher belächelt wurde.

Von Generalprobe zur Aufführung: kein Zurück mehr!

Als ich dann bald darauf meinen eigenen Bub in den Händen hielt, war ich so überwältigt von Glücksgefühlen und gleichzeitiger Angst, dieser Verantwortung nicht gerecht werden zu können. Beinahe bekam ich depressive Verhaltens- bzw. Denkweisen: von Himmelhoch-jauchzend zu sehr betrübt oder besser gesagt, besorgt. Plötzlich hatte ich noch einmal ein ganz anderes Bewußtsein dafür, was es heißt, Mutter zu sein- ist es doch eine riesige Verantwortung, ein Menschenleben in der richtigen Weise groß zu ziehen! Ich bereute auf einmal auch meine teils harsche Weise, mit der ich manchmal zu den anderen Kindern gesprochen hatte. Aber das lag vor allem auch daran, dass ich mich nicht richtig ausdrücken konnte, und dass das gesamte Umfeld eher so mit den Kindern umging. Bei der Vorstellung, mein Sohn in solch einem Umfeld aufwachsen zu sehen, brachte mich zu Tränen.

Aus Fehlern lernt man

Nach einem Jahr der kam ich guten Mutes nach Somalia zurück, diesmal mit meinem Baby. Es war mir eine riesen Freude, alle wieder zu sehen! Diesmal fühlte ich mich auch der Aufgabe, eine Mutter für alle zu sein, mehr gewachsen (alhamduliLlah). Und ich wollte unbedingt etwas ändern: meinen Umgang mit allen meinen Kindern! Irgendwie verändert es das Einfühlungsvermögen, wenn man selber ein Kind zur Welt gebracht hat, jedenfalls war das bei mir so.

Spagat zwischen zwei Temperamenten

Da mein Sohn sehr sensibel war, seine Geschwister jedoch sehr temperamentvoll, war es auch nicht immer leicht, dies unter einen Hut zu bringen. Neiiin, bitte nicht aufwecken, nur um ihm einen Schmatzer zu geben! Er ist keine Puppe- sei vorsichtig! Nicht hinsetzen. er soll das von alleine lernen! -Konnte man wohl öfter von mir hören. Beim ersten Kind ist man auch nochmal doppelt vorsichtig mit allem 😉

Wichtigste Zutat: Gelassenheit!

Mit meinem 2.Kind war alles dann schon einfacher und entspannter. Wenn ich sie vor den „wilden“ Geschwistern schützen wollte (da sie gerade müde wurde und schlafen wollte), nahm ich sie einfach in meine Tragetasche. So eine praktische Erfindung übrigens 😉

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Meine Tochter in unserer Tragetasche

Meine innere Ruhe muss sich wohl auch auf meine Tochter überspielt haben (natürlich unbewußt), denn bis heute ist sie von ihren Geschwistern kaum zu unterscheiden, was ihr Temperament betrifft (maa shaa Allah). Oder lag es daran, dass ich sie schon mit 7 Monaten hierher brachte? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.

Kinder- Segen und Prüfung zugleich

Aus islamischer Sicht sind Kinder sowohl ein Segen, als auch eine Prüfung. Wie ist das nun wieder zu verstehen? Ganz einfach: Allah gibt uns auf der einen Seite Kinder, damit sie unser Leben bereichern, auf der anderen Seite kann Er uns auch damit prüfen- z.B. wenn sie mit Behinderung auf die Welt kommen, oder sehr schwierig vom Charakter sind, oder nicht so werden, wie wir uns das wünschen, oder wenn wir überhaupt keine Kinder bekommen.

Eure Reichtümer und eure Kinder sind wahrlich eine Versuchung; doch bei Allah ist großer Lohn.“

(Quran 64:15)

Eingespieltes Team

Mit der Zeit genieße ich das Leben in meiner Großfamilie immer mehr (alhamduliLlah). Es sind allerdings auch 4 weniger geworden, jedoch mit meinen immer noch 9 (maa shaa Allah). Und sie werden natürlich immer verständiger, älter. Das wichtigste ist: ich kann inzwischen sehr gut mit ihnen kommunizieren und weiß, worauf es ankommt (alhamduliLlah)!

Deswegen lautet meine Antwort: Ja, ich genieße mein Leben in meiner Großfamilie (alhamduliLlah)!

Bloß manchmal muss ich zugeben, dass aus dem Ja ein „Jain“ wird. Denn welche Mutter ist manchmal nicht genervt vom alltäglichen Wahnsinn in diesem 24-Stunden- Job, der völlig unterbewertet wird in der Gesellschaft? Eine Mutter muss sooo viel leisten, und das meißtens gleichzeitig:

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Das kommt glaube ich auch bei 2 Kindern manchmal vor.

Ohren zu und durch!

Auch habe ich noch Probleme, mich an die Lautstärke der Kinder zu gewöhnen, wenn jeder versucht, den anderen zu übertönen. Das ist aber natürlich nicht durchgehend so. Und dies betrifft wohl auch nicht nur mich: schon öfters habe ich gehört, dass Deutsche sich über die Somali´s wundern würden, weil diese sich gegenseitig so sehr anschreien würden: dabei ist es für sie eine ganz normale Unterhaltung! Aber wir sind dabei…zu erziehen! Und dieser Weg ist zwar steinig, aber lohnenswert (in shaa Allah)!

Break mit großer Erkenntnis

Jetzt sind alle unserer Kinder gerade für 4 Tage weggefahren, und mir wird richtig bewußt, wieviel sie mir eigentlich bedeuten. Ich vermisse sie schrecklich- und dass ist doch ein gutes Zeichen!  Durch solche „breaks“ wird mir wieder bewußt, dass ich wirklich dankbarer sein muss, dass ich so viele „Geschenke“ an meiner Seite und in meiner Obhut habe- alhamduliLlah also für alles! Ich will sie nie mehr missen und bete zu Allah, dass Er uns Seinen Segen gibt und uns beschützt.

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Ich hoffe, ich konnte die Frage der Schwester genügend beantworten.

Im nächsten Teil werde ich etwas mehr unseren alltäglichen (Wahn-) Sinn beschreiben, den wir so erleben. Also in shaa Allah bis bald,

Eure Khalisa

 

Hijrah- Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

„Was bedeutet das nun wieder, Hijrah?“

Mag sich der ein oder andere denken (ausgesprochen wird es übrigens „Hidschra“- aber ich finde die Englische Schreibweise schöner 🙂 ). Es bedeutet im muslimischen Kontext: Verlassen, Auswandern. Und zwar von einem nicht-muslimischen Land in ein muslimisches Land, sofern man seine Religion nicht frei ausüben kann. Denn dann wird es für jeden zur Pflicht, der in der Lage dazu ist (Fatwa siehe hier). Auch in ein nicht-muslimisches Land auszuwandern, in dem man jedoch frei seinen Glauben leben kann, wird dazu gezählt.

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Karawane (by 99traveltips.com)

Die erste Hijrah wurde von den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm) gemacht, und zwar von Mekkah ins christliche Abessinien (ganz nah an Somalia!) im Jahre 615. Mit der 2. Auswanderung im Jahre 622 nach Medina, welche der Prophet (s.a.s.) ebenfalls vollzog, fing die Islamische Zeitrechnung an.

Oha, das klingt jetzt aber nach schwerer Kost für den ein oder anderen!

Für einen Muslim, welcher seinen Glauben praktizieren will, ist das jedoch ein Traum: ein Ort, an dem er in Ruhe seine 5 Gebete in der Moschee oder am Arbeitsplatz beten kann, wo er sich islamisch korrekt anziehen kann und wo er sich mit anderen Geschwistern öffentlich treffen kann, ohne dabei direkt unter die Lupe des Verfassungsschutz zu geraten, von Leuten als Terrorist beschimpft zu werden, oder gar Handgreiflichkeiten ausgesetzt zu sein. Ja, so geht es uns nämlich in Deutschland- leider. Denn abgesehen davon lieben wir unser (Geburts-) Land, und es ist alles andere als einfach, sich irgendwo am anderen Ende der Welt zu integrieren.

Hinzu kommt, dass es in Arabischen, sogenannten Islamischen Ländern, längst nicht so islamisch zugeht, wie es sollte:

Der Glauben wird oftmals nur als Titel praktiziert, während es unter der Oberfläche fault.

Hart, aber wahr. Gerade eben wegen dieses Nicht-befolgens unserer Religion sind wir als Muslime in so einer miserablen Lage- wir haben uns quasi selbst hinein katapultiert!

Nun will und soll man also aus den Ländern raus, in denen man seinen Glauben unterdrücken muss, wenn man toleriert werden will,- doch wohin eigentlich???

Es ist weithin bekannt, dass in den muslimischen Ländern viel zu viele Rückstände herrschen, betreffend z.B.:

  • der Bildung
  • dem Gesundheitssystem
  • Korrupte Politik
  • Sauberkeit
  • Religiösität

Da ist es doch viiiiiel bequemer, zuhause zu bleiben!!!

Achja, ich vergaß beinahe, dass ich ja nicht mehr toleriert werde. Hmmm…

Gehen wir also die Länder einmal (oberflächlich) durch, dabei die Kriegsgebiete vehement auslassend:

  • Tunesien, Lybien, Jordanien– dort gibt es beinahe mehr Fitna (=Versuchungen), als in Deutschland! Denn sie wurden erfolgreich von der Kolonialzeit von ihrer Religion entwurzelt.
  • Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Oman, Qatar, Kuwait– Luxusleben möglich, aber nur für Einheimische! Für andere ist es viel zu schwierig, längerfristig dort zu bleiben, aufgrund der schwierigen Visa-Vergabe. Und selbst, wenn man dort Arbeit hat, wird auf einen herabgeschaut, sofern man nicht Einheimischer ist oder zumindest mit einem verheiratet.
  • Marokko, Ägypten, Algerien– dort gibt es wohl ein paar Ecken, in denen man Platz finden könnte, bloß mit der Arbeitsfindung könnte es schwierig werden. Und eventuell wird man dort auch verdächtigt, irgendeiner Bruderschaft anzugehören, bloß weil man Bart trägt (jetzt als Mann).
  • Indonesien, Malaysien– dort geht es sehr liberal zu, jeder wird in Ruhe gelassen, egal ob Muslim, Jude, Hindu, Christ oder gar Buddhist. Wobei man als Bartträger oder Frau mit langem Hijab wohl auch ziemlich alleine ist.
  • Was bleibt noch über? Sudan, Mauretanien und- Somalia!? Sudan hört man kaum, wie es als Auswanderland ist. Mauretanien und Somalia haben scheinbar einiges gemeinsam. Aber sind aufgrund der Armut weniger populär, d.h. man wandert dorthin wirklich für seine Religion aus, nicht um ein Luxusleben zu haben.
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Einige der Muslimischen Länder (Foto by Falk Translation)

So, das wäre ein kleiner Überblick aus meiner bescheidenen Perspektive. Welches Land würdet ihr wählen? Habt ihr genug studiert, um in eins der reichen Länder den großen Durchbruch zu schaffen, um dann Strandbilder von 1000 und einer Nacht twittern zu können?

Oftmals ist das natürlich nicht der Fall. Denn allein der Bildungsweg wird einem als praktizierendem Muslim in Deutschland und Umgebung nicht unbedingt leicht gemacht.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Sagt man so schön.

Wenn man sich also auf die negativen Aspekte des jeweiligen Landes konzentriert, wird man nie fündig, sondern man wird noch in 30 Jahren in seinem Ohrensessel hocken und die Vor- und vor allem Nachteile dieser Länder studieren.

Man sollte sich also eines klar machen:

Es gibt kein perfektes Stück Land auf dieser Erde!!!

Selbst der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte einst zu seinem Gefährten Ibn`Umar:

Sei in diesem Leben, als wärst du ein Fremder oder ein Durchreisender.'“
Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wenn du den Abend erreichst, dann erwarte nicht, den Morgen zu erreichen, und wenn du den Morgen erreichst, dann erwarte nicht, den Abend zu erreichen. Nimm von deiner Gesundheit vor deiner Krankheit und von deinem Leben vor deinem Tod.
(Berichtet von Al-Bukhari.)

Also müssen wir Kompromisse eingehen. Jedes Land hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile, welche man gut abwägen sollte, ohne sich davon entmutigen zu lassen. Denn egal, wo man in dieser Welt auch hingeht: als praktizierender Muslim bleibt man immer etwas fremd! Jedoch sollte man allein schon für seine Kinder einen Ort suchen, an dem sie in Ruhe als Muslime aufwachsen können, ohne gemobbt zu werden etc. Das ist man ihnen und sich schuldig. Und ich denke, in jedem der genannten Länder gibt es Orte, an denen dies mehr oder weniger möglich ist.

Aber wohin denn nur?

Natürlich ist es immer besser, in sein ursprüngliches Heimatland (oder das des Ehepartners) auszuwandern, ganz klar. Wenn dieses jedoch zur erst genannten Kategorie oder gar eines der Kriegsgebieten gehört, oder wenn beide ursprünglich europäisch sind und keine Wurzeln in eines dieser Länder haben, so muss man sich klar machen, dass die Welt größer ist als dieses eine Land! Siehe im Qur´an:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“(…).

(Sure An-Nisaa (4) :97)

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo Leute gar keine Möglichkeit haben, diesen Schritt zu tun (z.B. schwere Krankheit, hohes Alter). Jedoch sollte man ehrlich zu sich sein: habe ich wirklich keine Möglichkeit, in dieser weiten Welt einen besseren Platz zu finden, oder ist es nur meine Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Verlust, was mich davon abhält?

Und in Anbetracht der riesigen Belohnung, sollte man in der Lage sein, ein paar (weltliche) Kompromisse einzugehen.

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie (es) nur wüßten!

(Sure An-Nahl (16):41)

Was ist schon das Diesseits gegen solch ein Versprechen unseres Schöpfers? Und wenn Ihm die Welt etwas bedeuten würde, meinst du wirklich, Seine Gesandten und Propheten hätten in so einer Armut und Bescheidenheit gelebt?

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So, was hat das nun alles mit diesem Blog zu tun?

Mögt ihr euch vielleicht fragen. Zu allererst hat die Gründerin dieses Blogs Hijrah nach Somalia gemacht (alhamduliLlah). Zudem ist es eins der Ziele dieses Blogs, andere zu dem gleichen Schritt zu motivieren (in shaa Allah). Von daher ist dieses Thema unabdingbar 🙂

Meine Geschichte, wieso ich mich ausgerechnet für Somalia entschieden habe, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es gibt aber auch zahlreiche Schwestern und Brüder im Glauben, die sich für eins der anderen Länder entschieden haben. Ihre Beweggründe und mehr, das wollen wir in einer neuen Reihe in unserem Blog klären. Wie? Indem wir sie einfach fragen! Ganz bald schon werdet ihr  (in shaa Allah) in den Genuß einiger Interviews kommen, die ich mit Geschwistern von verschiedensten Ländern dieser Welt durchführe. Jedesmal werde ich auch einen kurzen Vergleich zu meinem Hijrah- Land Somalia ziehen, so dass auch immer der Bezug zu unserem Blog bestehen bleibt.

Ihr dürft also mindestens genau so gespannt sein, wie wir es sind 🙂

Möge Allah allen Muslimen, die es auch wirklich wollen, die Hijrah ermöglichen und möge Er allen, die diesen Schritt bereits getan haben, standhaft darauf machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Falls du jemanden kennst, der Hijrah gemacht hat und mitmachen würde, oder falls du selber schon Hijrah gemacht hast, zögere bitte nicht, uns zu kontaktieren!

 

Ferien in Sicht!

In spätestens 3 Tagen ist es soweit: meine Prüfungen hinter mir, werde ich mich endlich wieder mehr dem Blog widmen können (in shaa Allah)! Nicht, dass ich mein Teilzeit- Studium nicht mögen würde. Im Gegenteil- ich genieße das Lernen ebenso, bloß wenn man alles bis auf den letzten Drücker hinaus zögert, wird es etwas stressig! Einen kleinen Zwischenreport kann ich mir dennoch nicht verkneifen 🙂

Meine Prüfungsthemen gehen diesmal thematisch weit auseinander: Professional Development und Seerah- Lebensgeschichte unseres geliebten Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm). Komplementärer könnte es nicht sein würde man auf den ersten Blick denken! Und es spiegelt auch mein vielseitiges Interesse wieder. Wobei ich in dem ersteren Kurs auch eines gelernt habe, bzw. mir noch mal bewusst wurde: nämlich dass der beste aller Führer/Bosse unser Prophet (s.a.s.) war! Denn welcher Leiter einer Gemeinschaft hat es bitteschön geschafft, dass ihn auch noch mehr als 1500 Jahre später 1,8 Milliarden Menschen (laut Wiki) zum Vorbild nehmen? Zudem hat er die Menschen um ihn herum in einer so bescheidenen und doch so vielseitigen Art angeleitet, wie es heutzutage in den zahlreichen Theorien über Leadership- Styles nachzulesen ist. Für den ein oder anderen mag diese Aussage nun etwas befremdlich klingen- aber wohl nur für diejenigen, die sich mit der Seerah noch nie wirklich auseinander- gesetzt haben (dann wird es aber mal Zeit)! Selbst Wolfgang von Goethe hat sich sehr ausführlich mit der Lebensgeschichte des Propheten (s.a.s.) und des Islams auseinander gesetzt und unter anderem folgende Aussage gemacht:

„Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
Kränkte seinen heil’gen Willen.
Und so muß das Rechte scheinen
Was auch Mahomet gelungen;
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.“ (WA I, 6, 288 ff)

Wer mehr über Goethe und seine Beziehung zum Islam erfahren möchte, findet hier mehr dazu.

Soviel nun zu meinen Studienkursen und die erstaunliche Verbindung von „Thought-/ Green-/ Example-/ Market-/ Buttom-up-/sonstige- Leadership-Styles“ und unserem Propheten (s.a.s.).

Was macht man nun nach einer intensiven Lernzeit, um nicht in ein Loch zu fallen? Und zudem noch in Somalia hockend?

Erst einmal werde ich wohl einen extra Ausflug mit meinen Kindern machen und viel Zeit mit ihnen verbringen. Denn in den letzten 2 Wochen mussten sie viel mit sich selbst spielen. Gut, bei insgesamt 9 Kindern und zeitweise noch 5 Cousinen/Cousins ist das wohl keine schwere Angelegenheit (alhamduliLlah)! Und trotzdem hab ich sie öfter einmal vertrösten müssen. Wahrscheinlich habe ich mir das mit meinem schlechten Gewissen mehr zu Herzen genommen als meine Kids!

In meiner freien Zeit (zwischen dem Morgengebet um 5 und dem Aufwachen meiner Kinder, oder auch nachts) habe ich mir dann noch folgendes vorgenommen:

  • Natürlich werde ich einige Artikel über bestimmte Themen schreiben (in shaa Allah).
  • Auch steht die Auswahl eines neuen Designs für unseren Blog an und die große Umstellung.
  • Ein paar Themen-bezogene Fotos werde ich auch schießen- bloß keine Soldaten (neue Kamera bleibt wohl noch ein Traum, aber wer weiß!).
  • In shaa Allah werde ich auch zu einem Qur´an- Kurs gehen.
  • Meine Fitness aufbessern, die in der letzten Zeit etwas vernachlässigt wurde.
  • Außerdem warten schon seit längerer Zeit 3 tolle Kurse auf mich, die ich bereits gezahlt habe, aber noch nie die Zeit dafür gefunden hatte: 1. Wie man sein eigenes E-Book innerhalb 90 Tagen veröffentlicht (warum ich diesen Kurs gewählt habe, liegt auf der Hand, jedoch verrate ich noch nicht zuviel!); 2. Wie man Homeschooling macht (gerade in unserer jetzigen Situation interessant); 3. Wie man seine Zeit am besten managed ähm…organisiert (das muss ich auf jedenfall!).
  • Eventuell bleibt auch noch Zeit für ein Stimm-Coach Seminar, was sich bestimmt auch lohnt (seine Stimme richtig einzusetzen schadet ja nie, bzw. ist in vielen Situationen hilfreich).
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Meine geplanten Online- Kurse

So, nun habt ihr einen kleinen Eindruck in meine derzeitige Situation bekommen und womit ich mich demnächst so beschäftigen möchte, so Allah es mir erlaubt!

Meine Uhr tickt…muss/darf wieder ans Lernen.

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Windrad nähe Garowe- Symbol für die fortlaufende Zeit!

Meint ihr, das sind etwas zu viele Pläne für 4 Wochen? Einige Dinge wie den Qur´an Kurs werde ich ja auch darüber hinaus verfolgen, in shaa Allah.

Falls ihr noch Ideen für Blogartikel habt, oder was ich sonst noch in meiner „lern-freien“ Zeit machen könnte, schreibt einfach einen Kommentar!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

87 Ideen für Blogartikel

… So lautet ein zumindest fuer Blogger recht interessanter Artikel, den ihr unten verlinkt seht. Da fiel mir direkt ein, euch ein paar von den kommenden Themen vorzustellen, die ich, sobald meine Pruefungen vorbei sind, in den Angriff nehmen werde (in shaa Allah). Ich glaube uebrigens, Bloggen macht irgendwie suechtig. Jedenfalls muss ich mich richtig zsammenreissen, statt meine Zeit mit dem Blog hier, mit Lernen zu verbringen!

Naja, aber ab Mitte Februar werde ich in shaa Allah genuegend Zeit haben. Bis dahin ist auch hoffentlich mein heute auf unglueckliche Weise kaputt gegangener Laptop wieder repariert, so dass ihr wieder in den Genuss des Deutschen Ue’s, Oe’s, Ae’s und des „Es-Zet’s“ kommt 🙂

Aufjedenfalls werde ich noch mehr interessante Themen ueber das Leben in Somalia aufgreifen, zum Beispiel: wie die Kinder hier erzogen werden, wie die Bildungssituation hier ist, wie man sich hier kleidet, wie man seine Freizeit hier verbringen kann… und auch, was man benoetigt, um hierhin Hijrah zu machen und die Vor- und Nachteile solch eines Vorhabens. Wenn es euch interessiert, werde ich auch ueber das heikle Thema der Mehrehe zu sprechen kommen und ueber die Rolle der Frau in Somalia.

Dies sind bloss die ersten Themen, auf die in shaa Allah noch viele weitere folgen! Und ihr koennt mir helfen, in dem ihr unten einen Kommentar hinterlasst mit weiteren Vorschlaegen und Ideen!

 

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Hier koennt ihr ebenfalls noch Ideen fuer Blogbeitraege kriegen:

Wer kennt es nicht. Du willst eigentlich einen Artikel für Deinen Blog verfassen aber Dir fällt heute einfach kein passendes Thema ein? Der folgende Beitrag wird Deinem Kreativitätstief mit Garantie auf die Sprünge helfen. Hier unsere 100 Ideen für coole neue Blogartikel. Da Eure Leser bestimmt auch öfter einmal vor dem Problem stehen, Reblogged doch […]

über 87 Ideen für Blogartikel — lifehag.com

Bis hoffentlich bald (in shaa Allah)!

Eure Khalisa

 

Das war aber knapp! Fotografieren in Somalia

Fotografieren ist manchmal doch nicht so ohne hier! Das musste ich erfahren, als ich 2 Tage zuvor mit Kindern und Co-Schwester zusammen losgezogen bin, um Fotos für den nächsten Artikel zu machen. Wer andern etwas beibringen möchte, muss selber erstmal lernen! So ergeht es mir zurzeit, wenn ich über Somalia schreiben möchte: aufeinmal habe ich viel mehr Fragen! So auch, als wir an einem Platz mit zahlreichen Schutz-Markern aus Beton vorbei kamen (Funktion: dass kein Selbstmordattentäter näher kommen kann), eingefärbt in den Somalischen Nationalfarben. Ich erfuhr, dass dies der ehemalige Präsidenten-Palast ist von Abdullahi Yusuf (erster Präsident des Staates Puntland, und vorübergehender Präsident der vorübergehenden Regierung Somalias 2004-2008). Heutzutage ist es das Zuhause für die Soldaten der Stadt (wusste ich vorgestern auch noch nicht).

Während wir langsam daran vorbei fuhren, versuchte ich, durch den Gegenverkehr hindurch ein gutes Foto davon zu erwischen. Die Fotos sind zwar nicht gut geworden, aber haben dafür umso mehr Wirbelwind aufgeweht. Meine Co-Schwester wollte gerade ein Auto vor uns überholen, da sah ich 2 sich aufregende Soldaten. Sofort hielten wir an, inmitten auf der Straße. Die zwei Soldaten kamen zu uns und sprachen etwas durcheinander: „Was soll das? Warum macht ihr Fotos? Woher kommt ihr?“. Meine Co- Schwester versuchte sie zu beruhigen, indem sie ihnen freundlich erklärte, dass sie mir die Stadt zeigen würde und wir Fotos von allen wichtigen bzw. schönen Plätzen machen würden. Außerdem würden wir hier in Garowe wohnen.

„Gib mir dein Handy!“ sagte der eine Soldat. Ich dachte, er wolle es für sich einsacken, zudem war ich innerlich empört, dass sie aus einer Fliege einen Elefanten machten. So sagte ich „Nein, ich wird es dir nicht geben!“ Und „Ist fotografieren haram oder was?“

Gott sei Dank war meine cool gebliebene Co-Schwester bei mir, die mir das I-Phone aus der Hand nahm und es ihnen gab. Ich glaube allerdings, dass sie nichts damit anfangen konnten. Womöglich können sie noch nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. Aber zumindest sahen sie, dass es keine Waffe oder Auslöser für solche war. Also sagte der eine: „Das ist`aib (unverschämt), einfach zu fotografieren ohne zu fragen!“. Ok, das mag sein, jedoch war es nicht meine Absicht, diese Soldaten zu fotografieren- sie sind mir einfach in die Linse gelaufen und waren auch auf den Fotos nur von hinten zu sehen! Der andere meinte „Wenn die anderen dich fotografieren sehen, könnten sie auf dich schießen!“ Diese Info war schon etwas beklemmender und (un-) verständlicher. Dann gab er mir aber mein Handy und wir durften weiter fahren, alhamduliLlah.

In dem Moment fühlte ich mich wie ein Undercover- Journalist im Kriegsgebiet, der sich in Zukunft verstecken muss, um zu fotografieren. Aber das werde ich bestimmt nicht tun, bloß werde ich darauf achten, dass keine Soldaten im Visier sind! Abgesehen davon sind wir ja nicht im Kriegsgebiet alhamduliLlah.

Ein bisschen geärgert hab ich mich später über mich selbst schon, denn meine aufbrausende bzw.sture Art hätte mich auch ganz woanders hinführen können (z.B. ins Gefängnis)!

Und die Moral aus der Geschicht´: Aufregen lohnt sich nicht! Es kann dich eher in Gefahr bringen! Zumindest wird es deine Situation nicht verbessern. Selbst in meiner Religion gibt es eine Aussage des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm):

Stark ist nicht derjenige, der andere (im Kampf) besiegt, sondern stark ist derjenige, der sich beherrscht, wenn er wütend wird.“ (Ahmad 2/236, der Hadith ist übereinstimmend akzeptiert.)

In diesem Sinne muss ich wohl noch lernen, mich zu beherrschen, wenn mir jemand unfreundlich kommt.

Man lernt nie aus…und nur wer nicht an sich arbeitet, bleibt stehen!

Weisheit

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung (in shaa Allah)! Möge Allah uns helfen, uns zu verbessern!

Eure Khalisa

PS: der nächste Artikel muss wohl noch etwas auf sich warten lassen, da ich gerade eigentlich im Lernstress sein sollte  °räusper° 🙂

Last but not least! (vorerst letzter Teil meiner Geschichte)

 

Heute geht es mit dem vorerst letzten Teil meiner chronologisch erzählten Geschichte in Somalia weiter. Sie wird erst beendet sein, wenn meine Zeit gekommen ist! Aber trotzdem wird dieser Teil nicht das Ende dieses Blogs sein (in shaa Allah), denn es gibt noch viel mehr über Somalia und das Leben dort zu berichten, als bloß meine Geschichte! Meine Geschichte ist nur ein Beispiel, dass man hier als Europäische Muslima (oder als GerMali) auch leben kann.

Weg vom Stress

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Me am stillen in Dubai

Machen wir also eine kleine Zeitreise zurück bis zum Sommer 2015. Meine neu-geborene Tochter war in-zwischen 7 Monate alt, und sollte nun ihre erste Weltreise antreten. Ich stillte sie immer noch sehr viel, also machte ich mir nur halb so viele Sorgen, dass sie krank werden könnte (Stillen ist der beste Immunschutz). Der Kinderarzt meinte auch, bloß unter 3 Monaten sollte man noch nicht mit Säuglingen große Strecken fliegend zurück legen. Ich war also guten Mutes, dass alles gut gehen würde (in shaa Allah). Zudem wird es in Deutschland immer stressiger, desto mehr Kinder man hat. Vor lauter Terminen – ob nun Bürokratischer- / Ärztlicher-/ sonstiger Natur- kommt man zu gar nichts mehr. Zudem muss man seine Kinder bei jedem (Regen-) Wetter raus bringen, da sie einem sonst die „Bude einrennen“ und die deutschen Nachbarn den Lärm gar nicht gut vertragen können, einem womöglich noch das Jugendamt zur Tür einladen, da man die Kinder anscheinend nicht unter „Kontrolle“ hat. Nichts gegen das Jugendamt und die Deutschen Bürger! Es ist gut, dass sie sich für das Wohlergehen vernachlässigter Kinder kümmern. Bloß nicht allzu selten werden deutsche Bürger verunsichert, wenn sie größere muslimische Familien sehen (die oftmals mehr als 2 Kinder haben), so dass sie es mit ihrer Achtung übertreiben. Islamophobie spielt da wohl keine unbedeutende Rolle. Viele Familien sind schon ausgewandert aus Angst, das Jugendamt könnte ihnen die Kinder wegnehmen (möge Allah sie bewahren).

Zuviel Freiheit ist auch nicht gut

In Somalia hingegen hat man viel mehr Freiheiten, ja, sogar fast zu viele. Denn Freiheiten werden manchmal auch missbraucht. Wenn es überhaupt kein Jugendamt gibt, ist es natürlich auch nicht optimal. Denn in manchen Familien herrscht wirklich zuviel Gewalt oder Vernachlässigung der Kinder (oft wegen Armut, wenn Mütter die Familie ernähren müssen). Alles hat also irgendwie 2 Seiten und der Mittelweg sollte das Ziel sein: keine Angst vor etwas Lärm (ist normal bei großen Familien), jedoch Achtung vor Vernachlässigung, Gewalt und dergleichen.

Abschiedsschmerz

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Mein Sohn mit seinem Opa kurz vor dem Abschied

Zurück zum Thema Somalia-Reise: ich mag es ja nicht sonderlich, mit Kindern im Flugzeug zu verreisen, denn die Mutter ist meißtens die Leidtragende, die 24 Stunden wach sein wird und sich um alles und jeden kümmern muss. Mein Mann ist da Gott sei Dank anders- er übernimmt das Schleppen, Organisieren, und ist immer da, wenn ich mal eine Pause brauche (alhamduliLlah). So brauchte ich ihm nur wie ein Schaf zu folgen und meine Lämmer im Auge behalten. Trotzdem ist es auch nicht einfach, in aller Öffentlichkeit zu stillen, wo man sich doch bedecken möchte. Aber meine Mutter hatte mein Kleid des Hijab´s (genannt Abaaya) so umgenäht, dass ich sie einigermaßen bequem und gut versteckt unterm Hijab stillen konnte. Ansonsten wurde uns die Reise wirklich erleichtert (alhamduliLlah). Bloß der Abschied von meinen Eltern fiel dieses mal schmerzhafter als je zuvor aus, besonders für meinen Sohn- er wollte garnicht mehr aufhören zu weinen. Er war nun 2- einhalb Jahre alt und hatte sie in sein Herz geschlossen. Sie standen ihm beinahe näher als sein eigener Vater, den er ja nicht viel gesehen hatte in der Zwischenzeit. Auch konnte er zwar Deutsch verstehen und etwas sprechen, jedoch noch kein Somalisch.

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Vater und Sohn in Dubai

Also hatte er keine richtige Sprache außer die der Hände und Füße, um sich mit seinem Vater zu verständigen (allerdings sind sie heutzutage beste Freunde, Alhamdulillah!). Bis heute ist mein Sohn etwas „deutscher“ als meine Tochter, obwohl er sich inzwischen schon ganz gut angepasst hat und selbst mit mir hauptsächlich Somalisch spricht. Denjenigen, die überlegen, mit Kindern auszuwandern, würde ich raten, dies so früh wie möglich zu tun. Denn so müssen die Kinder nicht so sehr unter dem Kulturwandel leiden wie mein Sohn. Natürlich war er auch noch sehr jung, also hat er es inzwischen überwunden. Aber es braucht umso länger, je älter das Kind ist.

Besser spät als nie!img-20180103-wa0097-623938237.jpg

In Garowe angekommen, brauchte meine Tochter eigentlich nicht mehr sitzen , krabbeln, geschweige denn laufen zu lernen, da sie immer und zu fast jeder Zeit einen gemütlicheren Schoß fand. Da musste ich natürlich entgegenwirken und ihr etwas Freiraum „erkämpfen“. Letztendlich lernte sie dann etwas verspätet das alleinige Laufen, als sie ca. 2 Jahre alt war (scheint wohl auch in den Genen zu liegen, da mein Sohn und ich auch so spät dran waren!).

Sultan? Was ist das denn bitteschön?

Bald nach unserer Ankunft sollte die Krönung meines Mannes zum Sultan stattfinden. Auf Somalisch heißt das traditionell „Aleema saarka“ und früher wurde der ernannte Führer dann mit Milch überschüttet. Ich war also gespannt, was da auf uns bzw. meinen Mann  zu kam. Nun, ich muss vielleicht einmal für die Deutschen oder Nicht-Somali´s unter uns erklären, was ein Sultan ist, was er macht und wie es zur Ernennung kam.

Zuerst müssen wir dafür klären, was genau ein Stamm ist, welcher einem Sultan unterliegt. Laut Wikipedia:

Volksstamm, kurz Stamm, bezeichnet umgangssprachlich eine wenig komplexe gesellschaftliche Organisationsform, deren Mitglieder durch das Verständnis von einer gemeinsamen Abstammung und durch gegenseitige Verwandtschafts-beziehungen zusammengehalten werden.

Selbst im edlen Qur´an wird davon gesprochen, dass Allah uns in verschiedene Stämme eingeteilt hat:

O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig. (Quran, 49:13)

Hier wird aber auch der Zweck erwähnt, warum wir in Stämme eingeteilt worden sind: nämlich dass wir einander erkennen. Das heißt aber nicht, dass der eine Stamm besser ist als der andere, wie es in Somalia und bestimmt auch anderen arabischen Ländern gehandhabt wird. Vor unserem Schöpfer sind wir alle gleich– bloß derjenige, der am Gottesfürchtigsten ist, ist besser gestellt als andere. Dies wiederum kann nur Derjenige beurteilen, von dem diese Worte kommen, also Allah!

Selbst in Deutschland war die Einteilung der Völker in Stämme noch etwas ganz normales (siehe  hier) . Jedoch nach dem 2.Weltkrieg wurde es zumindest politisch vermieden, diese Bezeichnung zu verwenden, da es ein sensitives Thema geworden war.

TribesIn Somalia ist die ganze Bevölkerung bis heute noch in Stämme aufgeteilt. Dabei werden die 2 Grundstämme in etwa 6 Hauptstämme geteilt, und diese wiederum in viele weitere Unterstämme. Die Stammeszugehörigkeit wird durch die Väter weitervererbt. Jeder Somali trägt also als Nachnamen den Vatersnamen und den Großvatersnamen. Weiterhin lernen sie die ganzen Namen ihrer Ur-großväter in der richtigen Reihenfolge auswendig, so dass sie wissen, woher sie kommen und zu welchem Stamm sie gehören. Aus diesen Unter-stämmen enstehen so große Familien, dass es für Leute wie mich manchmal kompliziert wird, die Zusammenhänge der jeweiligen (entfernten) Verwandten zu verstehen. Jeder wird auf einmal zum Onkel, zur Tante, oder Cousin/e! Aber solange sie den Über-blick behalten, ist ja alles gut!

Was weniger gut ist: manche übertreiben mit der Abstammung so sehr, dass sie einen gewissen Rassismus anderen gegenüber entwickeln. Konflikte zwischen zwei Männern aus verschiedenen Stämmen können so manchmal zu ganzen Stammeskriegen werden. Plötzlich wird eine private Angelegenheit dann zur Stammesangelegenheit.

An dieser Stelle kommen die Führer der jeweiligen Stämme ins Spiel. Sie werden Sultane genannt oder auch anders, aufjedenfall hat jeder Stamm seinen Leiter. Sie sind dafür da, alle Konflikte und andere Angelegenheiten innerhalb ihres Stammes zu regeln, Bedürftigen ihres Stammes zu helfen, und und und. Auch Politiker ziehen ihren Nutzen von ihnen, und dies gleich mehrfach: auf der einen Seite ist es (im Idealfall) bequem für sie, da die Sultane sich um die Angelegenheiten der Leute kümmern (also sind sie freier davon). Auf der anderen Seite sind sie auch auf die gute Gesinnung dieser Sultane angewiesen, damit sie nicht miteinander kollidieren und damit sie mehr Stimmen bei den Wahlen bekommen.

Wer etwas verändern will, muss bei sich anfangen!

Als mein Mann also zum Sultan ernannt wurde, wusste ich überhaupt nicht, ob ich jetzt begeistert sein soll oder nicht. Mir war dieses Gebiet zu fremd. Aber ich ließ mich mit den Worten meines Mannes beruhigen und positiv stimmen, dass er als Sultan (in shaa Allah) mehr in der Gesellschaft bewirken kann. Denn wer etwas zum positiven ändern möchte, muss erstmal bei sich und seiner Familie anfangen. Der Stamm gehört so gesehen auch zur Familie, nur dass der Stamm meines Mannes ca. 70.000 Leute umfasst, die weltweit verstreut sind (maa shaa Allah). Was es für uns als Familie bedeutet, wurde uns erst mit der Zeit bewusst. Es bedeutet auf jedenfall mehr Gäste, mehr Arbeit, weniger Privatsphäre. Aber das ist es (in shaa Allah) Wert!

Unsere Kinder können sich übrigens nur schwer vorstellen, dass es Menschen in Ländern gibt, die ohne ihre Stammeszugehörigkeit zu kennen, trotzdem leben- so wie ich zum Beispiel 🙂

Aus 2 mach 1 oder die Krönungsfeier

Für besagte Feier baute mein Mann, der auch Construction Engenieur ist, ein riesiges Festzelt mitten in der Natur von dem Dorf Harfo auf. Besser gesagt, er baute aus zwei Zelten eins.

Sie bauten ebenso Sanitäranlagen und ein Erste Hilfe Center. So etwas hatte das Dorf, in welchem hauptsächlich Leute seines Stammes wohnen, noch nie gesehen. Alle halfen mit, und die Frauen kochten für die ca. 10.000 Gäste aus aller Welt, während die Männer das Essen verteilten. Es wurde ein Tag voller Reden (auch lustigen), Qur´an- Rezitation und extra zu diesem Anlass verfasste Gedichte („Gabbey“) wurden ebenfalls vorgetragen. Es kamen hochrangige Gäste und man durfte nur mit Eintrittskarte rein. Das Sicherheitskommando war dementsprechend groß. Aber Milch wurde Gott sei Dank nicht auf meinen Mann geschüttet!

Leider konnte ich von alledem nicht wirklich etwas genießen, denn meine beiden Kinder wollten einfach nur von der Menschenmenge weg. Beide schrien nur im Festzelt, so dass ich mit ihnen Reißaus nahm ins Erste Hilfe Zelt, in dem eine Nichte arbeitete. Verstehen konnte ich auch nicht viel, also war es nur halb so schlimm. Ich mag solche Menschenmengen auch nicht sonderlich (die Hadsch ist natürlich etwas anderes!), speziell nicht, wenn alle mich so anstarren. Aber es war alles in allem etwas sehr besonderes und sehr gut durchorganisiert.

Und nun..?

Man sollte meinen- und das meinen auch die meisten hier- dass ein Sultan viel Geld bekommt von seinen Angehörigen. Das ist auch oftmals der Fall, speziell wenn die Sultane eher ihre Macht zu ihren Zwecken nutzen. Aber sobald man von Leuten abhängig ist, kann man von ihnen leichter kontrolliert oder manipuliert werden. Das möchte mein Mann vermeiden. Deswegen muss er unseren Unterhalt mit seinem Beruf  (Häuser etc. konstruieren und bauen) erwirtschaften.

Immerhin kriegt er von seinen Leuten einige Bodyguards gestellt (für die wir allerdings kochen müssen etc.). Unser extra dafür gemietetes Nachbarhaus scheint eine Art Hotel- Funktion zu sein für  (weit- und nahe) Verwandschaft. Aber das gehört halt dazu!

Xalwo Nachmittags oder Abends sind unsere Türen auch immer für Gäste offen. Gott sei Dank wird für normale Besuche nicht mehr als Somalischer Tee erwartet, sonst würde das jedes Budget sprengen! Für spezielle Versammlungen und Gäste muss natürlich mehr herhalten. Da werden üblicherweise Somalische Kekse und Somalisches Halwa (eine klebrige, süße Paste, mit Kardamom und Zucker hergestellt) und salziges Popkorn serviert.

Immer wieder finden außerdem Meetings bei uns statt, in denen verschiedene Angelegenheiten besprochen und ausdiskutiert werden. Es gibt ein Somalisches Sprichwort, mit dem mein Sohn unsere Gäste immer erfreut:

„Rag waa shah, Dumarka waa sheeko“, was soviel bedeutet wie: „Männer trinken Tee, Frauen reden.“

Meeting Haus
Eines der Meetings in unserem Hof

Allerdings frage ich mich manchmal, ob es bei Somalischen Männern nicht umgekehrt ist! Denn solche Meetings können nicht eher beendet werden, bevor nicht jeder einmal das vorher besprochene wiederholt hat und am Ende vielleicht noch seine eigene Idee mit hineinbringt! Gott sei Dank muss ich da nicht dabei sein! Aber sie haben schon einiges bewirken können (maa shaa Allah). Unter anderem wurde im letzten Herbst eine Blutfede verhindert (alhamduliLlah): zwei Leute vom Stamm meines Mannes wurden von jemandem eines anderen Stammes ermordet. Am nächsten Tag passierte so etwas ähnliches, jedoch unabhängig voneinander. Mein Mann musste sofort zu „seinem Dorf“ und mit dem ganzen Militär, sowie unzählige male mit den Stammesältesten sprechen, um sie davon zu überzeugen, dass Rache keine Lösung ist. Ebenso musste er mit dem Stamm der Mörder um Schmerzensgeld verhandeln. Ich war mit ihm in dem Dorf, und habe die hitzige Stimmung mitgekriegt. Das ist eine der Situationen, wo einem klar wird, dass man auf Somalischem Boden ist, wo alles möglich ist. Aber alhamduliLlah konnte mein Mann diesen Konflikt lösen. Was besonders beeindruckend für mich persönlich war, dass die Frauen, die mich im Dorf besuchen kamen, zu mir meinten:

„Du bist jetzt die Mutter von uns allen, da dein Mann unser Sultan/Vater ist!“

Schon wieder unverhofftes Mutterglück? Nein, das war natürlich symbolisch gemeint, doch schmeichelnd zugleich 😀

Auch rief mein Mann eine Hilfsorganisation innerhalb seines Stammes ins Leben, mit deren Hilfe er schon vielen Menschen in Not helfen konnte (alhamduliLlah), speziell in der Dürre- Zeit.

Möge Allah ihm und allen, die sich ebenfalls darum bemühen, bei der verantwortungsvollen Aufgabe helfen, das Land ein Stück zu verbessern, amin!

Notwendige Hilfe

Geschirr1Einem großen Haushalt von durch-schnittlich 20 Leuten wird man hier ohne Hilfe nicht gerecht. Allein für das ganze Geschirr und das Reinigen der Küche braucht es eine Person, die ständig dort arbeitet. Da meine Co-Schwester bis vor kurzem noch studiert hat und ich auch in Teilzeit, haben wir dafür natürlich keine Zeit. Ich bin schon froh, wenn meine Kinder mich kochen lassen! Deswegen brauchen wir eigent-lich immer 2 Helferinnen– eine für das Reinigen des Hauses (was 2mal täglich gemacht werden muss mit fegen und wischen), und eine für die Küche und draußen. Ja, nicht zu vergessen die ganze Wäsche, die man hier nicht einfach rein tun kann, dann den Knopf anmachen, und fertig gewaschen wieder aufmachen kann! Nein, man muss erst Wasser vom Brunnen holen (da das Leitungswasser zu Kalk-haltig ist), in die Maschine rein schütten, Maschine 2×15 Minuten anmachen, damit sie mit Waschmittel („Oomo“) die immerhin 10 Kilo Wäsche wälzt. Dann muss man sie auswringen, und in einen großen Bottich mit anderem Brunnenwasser das Waschmittel auswaschen. Dann wieder auswringen, und ab auf die Wäscheleine. Das Trocknen ist immerhin der schnellste Teil des ganzen Prozesses!

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Es gibt aber genügend Frauen aus dem Armenviertel, die einem für 5-10 Dollar die Wäsche einmal in der Woche, oder so oft man möchte, waschen. Sie leben von der Hand in den Mund, das heißt sie geben das Geld dann sofort für ihr Mittagessen aus. Auch für die Müllabholung kann man diese Frauen rufen, damit sie ihn abholen und zur Müllhalde tragen. Merkwürdigerweise ist diese harte Arbeit Frauenarbeit hier. Die Frauen sind ganz schön taff (maa shaa Allah).

Die Sache mit den Helfern

Es ist aber keine einfache Sache, gute Helferinnen zu kriegen. Denn irgendwie ist selbst bei den Armen Leuten eine „I-Phone Epidemie“ ausgebrochen, und auch allge-mein hat sich meines Eindrucks nach die ganze Generation verändert. Die heutigen Mütter und Großmütter mussten in ihrer Kindheit meißtens schon früh mit anpacken, und sie hatten viel Respekt vor ihren Eltern und anderen älteren Menschen. Heutzutage jedoch werden die Mädchen schnell müde, sind gar nicht in der Lage und auch nicht motiviert richtig im Haushalt zu helfen, zudem haben sie weniger Respekt vor Eltern und Co. Das ist wie gesagt ein allgemeines Problem, welches auch bei den ärmeren Schichten hier, welche eigentlich von Hausarbeit etc. leben, nicht halt zu machen scheint. Deswegen grenzt es schon beinahe an ein Wunder, wenn man von dem Armenviertel in Garowe jemanden findet, der länger als drei Tage bei einem bleiben würde (3 Tage ist dann schon Rekord!). Vielleicht liegt es auch daran, dass diejenigen, die hier in den Flüchtlingslagern leben, einem anderen Stamm angehören als eine bestimmte Gruppe aus dem Süden. Auch wenn sie so gut wie keine Bildung gekriegt haben, sind sie hier sehr stolz und wollen eben nicht im Haushalt für andere arbeiten. Bloß so ein-Tage- Jobs sind mit ihnen möglich (und selbst bei ihnen sind die Mütter viel taffer). Wir kriegen unsere Helferinnen deswegen meißtens aus einem bestimmten Dorf im Süden Somalias´, wo die Mutter meiner Co-Schwester Farmen besitzt und wir die Leute etwas kennen. Sie schicken uns dann ihre Teenage- Töchter auf einer 3 Tages-reise, und von da an sind sie Teil unserer Familie. Es ist eine große Amanah bzw. Verantwortung, dass man sie auch gut und gerecht behandelt (in anderen Familien werden sie manchmal wie Sklaven behandelt). Das Problem bei ihnen ist bloß, dass sie keine Ahnung von irgendwas haben, wenn sie vorher nicht schon gearbeitet haben- und das ist kein Wunder. Denn sie wohnen meißtens in selbst gebauten 1-Zimmer-„Häusern“, in denen man natürlich kaum etwas reinigen muss. Von Sanitäranlagen ganz zu schweigen, denn die finden sie draußen in der Natur! Sie kommen also wie die i-Männchen bei uns an, denen von A-Z alles beigebracht werden muss. Auch was das Benehmen betrifft und ihre Religion (Grundlagen, Gebet) lernen sie bei uns, und im Idealfall können sie sogar halbtags zur Qur´an-Schule gehen, wo sie lernen, den Qur´an zu lesen, aber auch Grundlagen in der Mathematik und Somalisch lenern. Oftmals ist es für sie aufgrund ihres anderen aufwachsens ohne Schulbildung schwierig, dann auf einmal mit Bildung anzufangen. Doch einzelne können davon auch profitieren (in shaa Allah), wie eine von unseren derzeitigen Mädchen, welches so intelligent und anders erscheint, dass wir sie mit dem Besuch einer normalen Schule und auch Qur´an- Schule fördern wollen (in shaa Allah). Spätestens nach 2-3 Jahren (im Optimalfall, falls sie zu uns passen und andersherum) werden sie dann wieder zurück gerufen, um zu heiraten. Es ist für sie quasi wie eine Hauswirtschafts-Ausbildung hier, wobei sie mit dem verdienten Geld ihre Familie daheim unterstützen.

Persönliche Herausforderung

Ein anderes Phänomen, dass ich beobachten konnte ist, dass wenn du zu gut bist zu dieser ungebildeten Schicht von Leuten bist, nutzen sie das gnadenlos aus. Zu gut heißt hier: ein für uns „normales“, freundliches Verhältnis zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Das musste ich mit der Zeit erst lernen. Denn sobald die Helferinnen mich smilen sehen bzw.in einem freundlichen Ton sprechen hören, hören sie auf mit ihrer Arbeit und respektieren meine Anweisungen nicht mehr! Es brauchte eine ganze Weile, bis ich damit umgehen konnte, und manchmal fällt es mir bis heute noch schwer, ein ernstes und bestimmtes Gesicht aufzusetzen, zumal sie ja hier ohne Eltern sind und ich eher Mitleid habe. Aber es ist wie mit Schullehrern auch: sie müssen bestimmt sein, wenn sie respektiert werden wollen! Das musste ich mir mit viel Anstrengung erst einmal trainieren. Denn oftmals war es so, dass die Helferinnen nur herum spielten, sobald meine Co-Schwester aus dem Haus war, und dann brauchte alles doppelt so lange, oder wurde gar nicht erst gemacht. Mein persönliches Problem war aber auch, das ich selber auch erstmal lernen musste, wie man einen 20-Personen-Haushalt organisiert! Ich komme nämlich aus einer ruhigen deutschen 4-Kopf-Familie, und musste kaum etwas mithelfen (ich bin von dem Phänomen der taffen Mütter ja nicht  ausgenommen 😉 ). Aber Gott sei Dank/alhamduliLlah klappt diese persönliche Herausforderung mit der Zeit immer besser und ich bin auch dankbar, dass wir diese Unterstützung haben.

Positive Begebenheiten

1. Social Media

whatsappDiese Zeit von 2015 bis heute unterschied sich wesentlich von den vorherigen Perioden: nämlich durch die Social Media, die mir nun zur Verfügung standen. Ja, natürlich haben sie ihre Nachteile, ganz ohne Zweifel. Jedoch hatten WhatsApp und Facebook den Vorteil, dass ich nun mit meiner Familie, Verwandten und Freunden in Kontakt bleiben konnte. Ich war nicht mehr von der Welt abgeschnitten! Und das bedeutete viel für mich. Auch konnte ich viele neue, wertvolle Freundschaften mit gleichen Interessen schließen (zum Beispiel meine Blog-Partnerin!) und natürlich auch viel über Somalia erzählen und aufklären (alhamduliLlah).

2. „Leidensgenossin“

Eine andere positive Begebenheit war die Ankunft einer Finnischen Konvertierten, die mit ihren 4 Kindern nach Garowe kam, nachdem wir vorher schon Kontakt auf Whatsapp hatten. Ihr Mann war auch Somali, jedoch musste er sie alleine hier lassen, um in Finnland zu arbeiten. Für sie war es um einiges schwieriger als für mich. Ihre Schwiegermutter war zwar bei ihr, jedoch konnten sich die beiden nur mit Händen und Füßen verständigen und die Schwester musste alles allein erledigen. Sie machte mit ihren Ältesten sogar Homeschooling, um sie nicht zur Schule hier schicken zu müssen. Um sich nicht zu abgekapselt von der Gesellschaft zu fühlen, kam sie fast jeden Tag zu uns. Das war für mich natürlich eine Gold-Zeit, alhamduliLlah! Leider ist sie nach einigen Umzügen an andere Orte doch wieder zurück nach Finnland gegangen. Es war einfach zu schwer für sie ohne die direkte Hilfe ihres Mannes. Nun studiert sie Lehramt in Finnland, vielleicht kann sie dies ja eines Tages hier einsetzen, um auch etwas zu verbessern!

3. Besuch meiner Eltern

Ein besonderer Höhepunkt ist im Sommer 2016 der erste Besuch meiner Eltern gewesen. Ja, richtig, meine Eltern haben sich tatsächlich in die „Höhle des Löwen“ getraut und sind in das gefährliche Somalia gereist!! Sie waren einen knappen Monat bei uns, und es war für uns eine sehr schöne und für sie interessante Zeit. Es war für sie zwar etwas ungewohnt, ständig von Soldaten (unseren Bodyguards) begleitet zu werden, aber das Zusammensein mit ihren Enkelkindern und dem Rest war wichtiger als diese „Nebenwirkung“. Ich werde an dieser Stelle jedoch nicht zuviel erzählen, denn in shaa Allah werden sie demnächst selber darüber berichten!

Überraschender- und erfreulicherweise kamen sie im Sommer 2017 auch schon wieder (alhamduliLlah). Ein halbes Jahr davor (deutsche Pünktlichkeit!) erreichte uns die erfreuliche Nachricht, dass sie die Tickets bereits gebucht hatten! Diesmal war meine Co-Schwester selber ihre Mutter besuchen (in Mogadischu) und ich war im Prüfungsstress. Deswegen war es auf der einen Seite schade, dass ich nicht soviel Zeit für sie hatte, aber auf der anderen Seite konnten sie viel schöne Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen, was ja auch das Wichtigste ist. Die hängen nämlich sehr an ihnen (kein Wunder!)  und genießen die Zeit mit ihnen. Sie sind wirklich sehr besondere Menschen und ich bin Allah unendlich dankbar, dass er mir so verständnisvolle Eltern gegeben hat. Möge Allah uns noch zahlreiche weitere Begegnungen haben lassen und uns auch im Jenseits im besten vereinen!

4. Meine Südafrika- Reise

Im letzten Ramadan, also noch vor dem Besuch meiner Eltern, hatte ich auch mal wieder Gelegenheit, auf eine der (Welt-) Reisen meines Mannes mit zu gehen, besser gesagt: zu fliegen! Und zwar in das Traumland Südafrika! Es war eine wirkliche Traumreise (alhamduliLlah), abgesehen davon, dass es mit meinen 2 Kindern etwas anstrengend war, da ich ja auch am fasten war. Und Kinder sind nicht für Hotels gemacht! Deswegen verbrachten wir teilweise die Zeit auch bei einer Familie in Johannesburg, die wir sehr ins Herz geschlossen haben. Wir besuchten (oder beflogen?) jedoch auch andere Städte wie Kapstadt, East London und Port Elizabeth.

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Das Land ist sehr vielfältig was die wunderschöne Natur und auch die multi-kulturellen Menschen betrifft. Es kam mir oftmals vor, als ob ich in England/Europa wäre, bloß mit dem besseren Wetter! Kein Wunder, dass es so viele Deutsche und andere Europäer dort hin gezogen hat. Somalische Leute haben es eher schwieriger, dort Fuß zu fassen. Denn sie werden erstmal in Flüchtlingslager gestopft, wo die Kriminalität sehr hoch ist. Und da Somali´s gewohnt sind, aus jeder Situation das Beste zu machen anstatt in ihren Sorgen (und dann Drogen etc.) zu versinken, ziehen sie den Neid der anderen auf sich. Deswegen kam es nicht selten zu Übergriffen auf sie oder ihre Shops. Ja, es kam sogar schon vor, dass sie am lebendigen Leib verbrannt wurden! Aber oftmals schaffen sie es nach einigen Jahren, aus diesen Lagern heraus zu kommen und von ihrem eigenen Business zu leben. Dann leben sie Seite an Seite mit den Indern, die in Südafrika neben oder nach den Weißen Leuten zur reicheren Mittelschicht gehören (natürlich auch nicht alle).

Ich war wirklich erstaunt und fasziniert von diesem Land. Ein paarmal ertappte ich mich bei dem Gedanken, doch in diesem Luxusleben leben zu wollen. Es gibt sogar Deutsche Schulen dort! Und ich wurde nicht diskriminiert aufgrund meines Glaubens und meiner Bekleidung- selbst die Weißen dort lächelten mich an und sprachen sogar manchmal freundlich mit mir. Mit den Somali´s dort verstand ich mich auch prächtig alhamduliLlah, auch wenn sie keine Germali´s, sondern Somafrikans sind 😉 Sie machten mir auch eine überwältigende Abschiedsfeier (maa shaa Allah), bei der ich sie auch nochmal ermutigte, doch mitzuhelfen, dass ihr Heimatland sich weiterentwickeln kann.

Außerdem gab es viele Islamische Schulen und alles war so multi-kulturell (maa shaa Allah). Auf der anderen Seite gab es doch genügend Gründe, die dagegen sprachen. Abgesehen davon, dass das Leben dort recht teuer ist, besonders die guten Schulen, viel mir der Unterschied der Kinder auf. Denn sobald sie größer wurden, befanden sie sich in einem kulturellen Zwiespalt– waren sie nun Somali, obwohl sie ihre eigene Sprache kaum noch konnten, und ihr Land nie gesehen hatten? Gehörten sie einem Land an, über das immer nur negativ berichtet wird? Oder waren sie doch eher Südafrikaner, die ihre Religiosität eher als Hobby ausleben, um bei allen Schichten „gut anzukommen“?  Ihr merkt schon worauf ich hinaus möchte: es ist die Religiösität, die in einem muslimischen Land wie Somalia durch die Gesellschaft die Kindereinfach noch mehr prägt(alhamduliLlah). Zudem ist es in Südafrika gefährlicher als hier was die Kriminalitätsrate betrifft: Abends um 6, nach dem Sonnenuntergang, werden die Bürgersteige quasi hochgeklappt, da es zu gefährlich ist aufgrund der Gangs. Nur die riesen Shoppingmalls sind dann noch auf, und Restaurants werden üblicherweise um 22 Uhr auch geschlossen. Ich habe mich da generell unsicherer gefühlt als in Garowe!

Also bis sie ihre Wurzeln gut kennen und sich selbst gefunden haben, werde ich (in shaa Allah) mit meinen Kindern auch hier bleiben. Ob sie dann woanders studieren wollen, ist ihnen überlassen und das werde ich auch unterstützen.

Davor heißt es noch, eine geeignete Schule und Kindergarten für meine Kinder zu finden. Zu der Bildungssituation werde ich in einem anderen Beitrag etwas schreiben (in shaa Allah). Nur so viel dazu: es ist nicht leicht, in Puntland etwas Gutes zu finden (in Hargeisa ist das ganz anders), und eventuell müssen wir sogar unsere eigene Schule aufmachen, wenn Allah es uns ermöglicht!

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Eindruck von meinem Leben in Somalia bekommen (in shaa Allah). In weiteren Berichten werde ich (in shaa Allah) noch auf spezifischere Themen eingehen, wie Schulbildung, Alltag, uvm. Auch Gastbeiträge sind geplant und sehr willkommen. Auf jedenfall ist das Leben hier mit einer Großfamilie nicht langweilig, und mit einer großen Portion an Spontanität, Geduld, und Improvisationstalent kommt man als europäische Muslima auch hier ganz gut zurecht, alhamduliLlah 🙂

Wuestenblume

Bis zum nächsten Mal (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

3.Phase: Back with Baby

In diesem Bericht knüpfe ich an den vorherigen an, den ihr hier nochmal lesen könnt. Diesmal geht es um meinen dritten Anlauf, in Somalia Fuß zu fassen- diesesmal jedoch mit Baby!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

…heißt ein typisches deutsches Sprichwort.

Ich hatte etwas über ein Jahr in Deutschland verbracht- Zeit genug, um Somalia wieder zu vermissen. Mir wurde geraten, mit der Reise etwas zu warten, bis mein Sohn ein Jahr alt wäre. Nun war die Zeit also gekommen, wieder zurück zu gehen. Mit Kleinkind zusammen ist es nochmal doppelt so aufregend. Da wird einem noch vielmehr klar, was man da auf sich nimmt. Denn diese (Über-) Besorgnis mit den U- Untersuchungen, Autositzen, die ganzen Baby-Artikel in Hülle und Fülle, und, was für mich wichtig war: jegliche homöopathische Medizin für jedes kleine oder größere Weh-Wehchen– das fällt auf einmal alles weg! Aufeinmal wurde mir das alles bewußt, und neben der Vorfreude, meinen Sohn endlich seinen Geschwistern vorzustellen, wurde es mir etwas mulmig zumute. Aber nun gut, ich wußte ja, dass wir durch unsere deutschen Pässe und meine hilfsbereiten Eltern jederzeit kommen könnten, falls irgendetwas ernsthaftes wäre (möge Allah uns bewahren). Und außerdem vertraute ich auf Allah– Er wird mich sicherlich nicht im Stich lassen, wenn ich auswandere, um Seine Religion besser leben zu können! Wer also nicht wagt, der nicht gewinnt- wer nichts riskiert, wird auch nichts erreichen!

Auf geht´s…

Unsere Reise traten wir im Winter 2013 an. Es ging wie immer über Dubai, was schon mal ein Überflutungs- Schock war für meinen in „Watte eingelegten“ Sohn. In Deutschland lebten wir nämlich bei meinen Eltern, und die waren sehr überzeugt davon, dass Babies nichts in Einkaufsmeilen und riesen Geschäften zu suchen haben sollten. Wir mussten aber ein paar Besorgungen in Dubai machen, also musste er da diesmal da durch.

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Unser Weiterflug ging dieses mal nach Galkayo– das ist nach Garowe die nächst größte Stadt von „oben“ gesehen (auf der Landkarte). Danach ging es für uns nach einem leckeren Mittagessen im Hause irgendeiner bedeutenden Person dort (habe leider vergessen, wer das war!) direkt mit dem Jeep weiter, auf nach Garowe, welches unser neues Zuhause werden sollte. Die Straße dorthin ist mehr als schrecklich (eine Neue ist heutzutage aber im Aufbau). Es kam nicht selten vor, dass wir auf die Landespiste ausweichen mussten, da die eigentliche Straße von Löchern übersät war. Garnicht so einfach, dabei ein Baby vor den Autowänden beschützen zu wollen, wenn man selber am straucheln ist! Zudem war mein Kleiner auch schon gesundheitlich angeschlagen, die erste Mittelohrentzündung bahnte sich an. Unsere Autofahrt ging ca. 4 Stunden, bevor wir durchgeschüttelt endlich ankamen.

…ins neue Heim!

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In unserem neuen Zuhause stürzten sich die damals 11 Geschwister meines Sohnes förmlich auf ihn, und er wußte gar nicht mehr, wie ihm geschah. Dann jedoch setzten wir uns alle zusammen ins große Wohnzimmer, und da fingen die Zwillinge (damals 2 1/2 Jahre) auch schon an, mit meinem Sohn um die Wette zu krabbeln.

Von 0 auf 100!

Für unseren jüngsten Nachwuchs war es also sehr aufregend mit so vielen neuen Gesichtern ähm nein, Geschwistern. Zugleich war er manchmal noch etwas überfordert mit ihrer überschwänglichen Zuwendung. Denn er war sein erstes Lebensjahr quasi Einzelkind, umtüddelt von den besten Großeltern, die sehr achtsam und sanft zu ihm waren!

GeschwisterEiner seiner Brüder liebte ihn so sehr, dass er, bevor er zur Schule ging, ihm noch einen Abschiedsschmatzer (mit ganz viel Nachdruck) gab. Und sobald er nachhause kam, einen Willkommensschmatzer (maa shaa Allah). Dabei dauerte es längere Zeit, bis mein Sohn verstand, dass dies nur gut gemeint war und nicht nur ein unangenehmer Druck im Gesicht. Mein Sohn war da eben etwas anders (oder einfach etwas „deutsch„, wie sie zu sagen pflegten), er war sehr sensibel. So schrie er wie am Spieß, wenn er mal auf dem Schoß seiner Großmutter väterlicherseits saß. Leider ist sie schon bald darauf verstorben, so dass sie sich nicht mehr richtig kennenlernen konnten. Möge Allah ihrer barmherzig sein und uns alle im Jenseits im besten vereinen, amin.

Aller Abschied ist schwer…

Meine Schwiegermutter war die wohl „taffste“ Frau in ihrem Alter, die ich kennenlernen durfte. Sie hatte ihr ganzes Leben lang alleine ums Überleben in der Natur kämpfen müssen (ihr Mann starb kurz nach der Geburt meines Mannes), und auch im hohen Alter ließ sie sich kaum etwas abnehmen.

Hooyo Halimo.jpgAufeinmal bekam sie aber Herzinfarkte, und zum ersten Mal war sie wirklich auf Hilfe angewiesen. Das fing in der Zeit an, als sie bei uns lebte und ich eine Zeitlang alleine mit ihr und den Kindern war. Gott sei Dank erholte sie sich langsam wieder davon, konnte nach einer halbseitigen Lähmung wieder sprechen und auch langsam laufen. Leider passierte das noch ein paarmal, bis sie beim letzten mal ins Wach- Koma fiel. Zu der Zeit lebte sie zwar bei meiner Schwägerin, aber auch in Garowe, unweit von uns. Drei Monate kümmerten sich 3 ihrer Töchter Tag und Nacht um sie. Sie war nicht im Krankenhaus, wie das in Deutschland der Fall wäre. Dafür kam regelmäßig ein Arzt zu Besuch und sie hatte die besten Betreuer, die man sich vorstellen kann: die eigenen Kinder. Sie mussten sie künstlich ernähren, kümmerten sich um all ihre Bedürfnisse, die sie nicht mehr aussprechen konnte und noch darüber hinaus. Sie glänzte jedesmal von dem Schwarzkümmelöl, womit sie regelmäßig massiert wurde. Jeden Tag war ihr Zimmer voller Besucher, und ich konnte meinen Schwägerinnen die schlaflosen Nächte zwar ansehen, jedoch ließen sie nie ein Klagen von sich. Da es im Islam unsere Pflicht ist, sich um unsere Eltern zu kümmern, erfüllten sie dankbar und tapfer ihre Aufgabe (maa shaa Allah).

Einmal wurde auf ihrem Kopf Hijama gemacht, das heißt blutiges Schröpfen (aus der Sunnah- Medizin). Dabei kam einiges an verstopftem Blut heraus. Danach ging es ihr ersichtlich besser: sie wurde sogar im Rollstuhl in den Hof gefahren, und ich meine, dass sie mich irgendwie erkannt hat, als ich sie besuchen kam, denn sie lächelte so gut sie konnte (halbseitig). Aber bald darauf, nach 3 Monaten im Wach-Koma, mussten wir sie gehen lassen. Bei der letzten Waschung war sie wohl noch ganz weich und gar nicht kalt, wie es normalerweise der Fall war. Möge sie in Frieden ruhen!

Garowe vs. Bosasso

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Neue Straße in Garowe

Es war mein erster richtiger Aufenthalt in Garowe (davor hatte ich nur eine Nacht im Hotel dort verbracht). Auf Anhieb mochte ich es mehr als Bosasso. Alles erschien übersichtlicher, sauberer, schöner, und es gab sogar mehrere geteerte Straßen. Im Gegensatz zu Bosasso ist es meiner Meinung nach familienfreundlicher, da es sicherer und überschaubarer ist. Bosasso hat zwar mehr attraktive Ausflugsorte, jedoch ist es eine riesengroße Stadt, mit viel Chaos.

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Größte Moschee in Bosasso

 Zudem wird es in den Sommer-monaten uner-träglich heiß, so dass man aufs Land ziehen muss für diese Zeit. Es gibt dort u.a. auch kriminelle Menschen, die aus den Nachbar-ländern kommen. Sie sind dort auf der Suche nach Arbeit gestrandet, oder nach einem illegalen Platz in einem der Schiffe, die sie ins Ausland bringen könnten. Dass diese Reisen oft ein anderes Ende nehmen, als man sich irgendeiner Menschenseele wünschen würde, ist weithin bekannt. Jedenfalls ist es dort nicht sehr sicher, speziell nicht wenn es dunkel ist, und als Mädchen oder Frau schon mal gar nicht. Wenn man sich aber an gewisse Regeln hält (nicht alleine ausgehen, Nachts daheim bleiben oder nur mit Auto raus), ist es auch dort leb-bar. In meiner letzten Südafrika- Reise habe ich gesehen, dass es sogar noch viel gefährlichere Städte und Länder gibt als Bosasso!

Sicherheit hat seinen Preis!

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Blick auf den Gebäudekomplex der UNO in Garowe

Aufjedenfall war ich froh, nun in Garowe zu leben. Auch wenn in Garowe alles etwas überteuert ist (sowohl die Lebens-mittel als auch die Grund-stücke), lohnt es sich meiner Meinung nach, dort zu leben. Besonders, wenn man ein Familienmitglied hat, welches von Al- Shabab- Anhängern im Visier steht. Die haben in Garowe nämlich kein leichtes Spiel (alhamduliLlah). Denn die Stadtgrenze wird streng bewacht, fast jedes Auto durchsucht, und wenn ihnen jemand verdächtig vorkommt, wird er erstmal festgehalten, bis sich sein Fall geklärt hat. Wenn sie beispielsweise einen jungen Mann sehen, der aus dem Süden Somalias‘ kommt (wo die Shabab ihren Sitz haben), dann muss erstmal bewiesen werden, dass er keiner von denen ist, und dass er von jemandem erwartet wird. Auch innerhalb der Stadt gibt es nachts an bestimmten Stellen Polizei- Kontrollen, die auf der Suche nach Verdächtigen sind. Das liegt daran, dass hier sehr viele UNO- Mitarbeiter leben (die hier ihren Sitz haben), und die Regierung von Puntland ebenso. Ich bin schon oft durch so eine Kontrolle gefahren, aber hatte alhamduliLlah nie Probleme– fast nie. Ein oder zweimal wollte einer der ungebildeten Soldaten, dass ich mein Gesicht entschleiere und hat etwas herum geschimpft. Leider werfen solche extremen Gruppen wie die Al- Shabab die islamische Kleidung und Begriffe in ein falsches Licht. So sind Symbole eines praktizierenden Muslims auf einmal zum Symbol eines potentiellen Terroristen geworden. Auch bei Ausländern werden sie dann skeptisch. Aber durch einen Anruf meines Mannes, der denen dann erklärte, dass ich seine Frau bin, konnte das sofort gelöst werden (alhamduliLlah).  Solche Vorfälle waren aber eher die Seltenheit. Das eine mal war es sogar meine Schuld, da ich nachts in die falsche Richtung gefahren bin, zur Stadtgrenze hin (jaja, Nachts habe ich noch etwas Orientierungs-probleme :-D). Und falls jemand sich dafür interessiert, hierher zu kommen, werden wir auch versuchen, in solchen Ausnahms-Situationen zu helfen, in shaa Allah.

Ruhe vor dem Sturm

Dieser Lebensabschnitt in Somalia war richtig angenehm im Vergleich zu den vorherigen (oder war es nur die Ruhe vor dem Sturm?). Ich lernte immer besser die Sprache, und lebte auch mit meiner Co- Schwester zusammen, mit der ich eine sehr gute Unterstützung und Freundin an meiner Seite haben durfte (alhamduliLlah, möge Allah sie reichlich belohnen). Sie hatte zu studieren angefangen, so dass ihre Zwillinge vormittags mit mir waren. Etwas getrübt wurde die Zeit von den häufigen Krankheiten meines Sohnes. Von einer Mittelohr- Entzündung zur nächsten hatte er bald auch schon Masern. Ja, richtig, ich habe ihn bewusst nicht geimpft!15140126594192018937318.jpg Aber das ist ein anderes, komplexes Thema. Früher jedenfalls war es auch eine normale Kinderkrankheit, ich selber wurde auch nicht dagegen geimpft. Und den Impfungen, die es in Somalia gibt, traue ich schon mal gar nicht übern Weg. Aber das sollte jeder individuell entscheiden dürfen. Genug Informationsmaterial für und gegen das Impfen gibt es ja Gott sei Dank reichlich genug. Jedenfalls haben wir es einigermaßen gut überstanden (alhamduliLlah). Unsere Zwillinge wurden schon heftiger getroffen, sie waren sogar am Tropf. Das Wichtige ist, dass man den Kindern bei Masern keine Fieber senkenden Mittel geben sollte, wie es in dem Buch „Die Kindersprechstunde“ von Wolfgang Goebel und Michaela Glöckler geschrieben steht. Damals wußten wir das noch nicht, aber alle unsere Kinder sind gut darüber hinweg gekommen, alhamduliLlah.

Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück

Bald erfuhr ich dann, dass ich ein nächstes Baby erwarten würde. Schneller als man planen konnte, aber ich war sehr glücklich darüber (alhamduliLlah). Diese Vorfreude wurde plötzlich durch den beinahe tödlichen Autounfall meines Mannes erschüttert. Es war im Sommer 2014, als er sich mit ein paar Regierungsleuten auf den Weg nach Galkayo machte, um an einer Friedensverhandlung zwischen Somaliland und Puntland teilzunehmen, bzw. sie zu koordinieren. Sie waren in Begleitung von einigen mit Soldaten beladenen Regierungs- Autos unterwegs. Mein Mann fuhr allen voran in seinem damaligen Jeep, sein Beifahrer war ein guter Freund von ihm, der aus Kanada nach Somalia kam. Er war Ehemaliger Stabchef des Premierministers und wurde kurz zuvor zum General Direktor der Puntland Investierung& Entwicklungs- Autorität ernannt.

wp-image778909042.jpgSie waren noch nicht weit weg von Garowe, da kam ihnen eins dieser überfüllten Kombi-wagen entgegen. Mein Mann wunderte sich schon, dass das Auto so hin und her fuhr, überhaupt nicht gerad-linig und mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit (später sah man, dass sein Tachometer auf 120 kmh stehen blieb, eindeutig zu schnell für so eine schmale Landstraße). Als er daran vorbeifahren wollte, steuerte dieses Auto direkt auf das Auto meines Mannes zu. Mein Mann versuchte nach rechts auszuweichen, da war es auch schon zu spät- es krachte!

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Links: der Jeep meines Mannes; Rechts: der Kombiwagen

Das andere Auto war größtenteils zertrümmert, es starben 7 von den 11 Leuten. Der Fahrer und eine Mutter mit ihren zwei Kindern überlebten, jedoch mit schweren Brüchen. Der Beifahrer meines Mannes war auch sofort tot (inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un). Mein Mann selber wurde im Koma ins Krankenhaus gefahren, von wo aus wir angerufen wurden. Es wurde uns gesagt, dass nicht sicher ist, ob er überleben würde. Das waren die schlimmsten Augenblicke meines Lebens, mir gingen allzu viele Dinge durch den Kopf. Im Krankenhaus angekommen, mussten wir uns erstmal einen Weg durchkämpfen, da es von Leuten nur so wimmelte. Endlich im ebenfalls vollen Zimmer meines Mannes angekommen, sahen wir ihn mit offenen Augen– alhamduliLlah! Er konnte uns irgendwie verständlich machen, dass er okay ist, aber richtig sprechen und sich bewegen, dazu war er nicht in der Lage. Sein Ende war noch nicht für ihn bestimmt, alhamduliLlah.

„Sprich: `Nichts kann uns treffen außer dem, was Allah bereits niedergeschrieben hat. Er ist unser Beschützer. Und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.´“ (At–Tauba (9):51)

Während ich versuchte, unseren Kindern beizustehen, kümmerten sich meine Co-Schwester und meine Schwägerin darum, dass die nötigsten Untersuchungen an meinem Mann gemacht wurden. In der späten Nacht konnte er schon zu uns kommen. Er erlitt ein Schütteltrauma, und hatte überall so starke Schmerzen, dass für ihn jede Bewegung unerträglich war. Aber wir waren einfach nur überglücklich, dass er überlebt hatte (alhamduliLlah). Die nächsten Tage sahen wir ihn kaum, da so viele Leute ihn besuchen wollten. Wir errichteten in unserem Wohnzimmer ein Krankenbett (altes Krankenhausbett, was automatisch verstellbar ist) und zahlreiche Stühle für die Besucher. Selbst der Präsident Puntlands, Abdiwali Gaas, kam, um ihn zu besuchen. Auch uns und unsere Kinder begrüßte er.

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Somalische Gastfreundschaft kennt keine Grenzen

Für mich war es auf der einen Seite schön zu sehen, wie viele Leute sich um meinen Mann kümmerten. Auf der anderen Seite jedoch konnte ich es nicht so nachvollziehen, dass die Leute ihm keine Ruhe gönnten. Er kam gar nicht dazu, tagsüber zu schlafen, obwohl er so dringend Ruhe benötigte. Aber es spricht gegen die somalische Gastfreundschaft, die Leute einfach wieder nach Hause zu schicken. Er konnte auch nach ein paar Tagen noch nicht alleine laufen, da ihm so schwindelig wurde und alles schmerzte, speziell im Brustbereich. Deswegen wurde dann beraten, wo man ihn am besten hinschicken solle, um ihn gründlich medizinisch untersuchen zu lassen. Die Regierung und Freunde wollten für die Kosten aufkommen. Sie schwankten zwischen Kenia, Türkei und Deutschland. Letztendlich viel die Wahl auf Letzteres, zumal ich ihm dort helfen konnte und die medizinische Versorgung dort die beste ist.

…und ihre Spontanität auch nicht!

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Vor unserem Privat-Jet

Ich hatte also einen Abend Zeit, alles zu packen. Da ich im 6.Monat schwanger war, dachte ich schon daran, in Deutschland auf mein Baby zu warten, aber ich sprach es noch nicht wirklich an. Denn erstmal war die Frage wichtig, ob bei meinem Mann alles in Ordnung ist, und ob ich in der Lage war, schwanger und mit Kleinkind bepackt, ihm zu helfen.Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? Geplant waren nur 2 Wochen, um dann wieder zurück zu kehren, falls alles in Ordnung mit ihm sei. Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? In einem Privatjet wurden wir von Garowe nach Mogadischu geflogen. Es saßen nur noch 3 weitere Männer hinter uns, doch wir saßen direkt hinter den Piloten, konnten alles live sehen und mitverfolgen! Das war eine beeindruckende Erfahrung (maa shaa Allah). Doch bald schon wurden wir vom Ernst des Lebens eingeholt, als wir ständig warten mussten, dass meinem Mann geholfen wird. Denn er konnte noch nicht alleine laufen. Aber da wo es ging, konnten wir einen Rollstuhl benutzen. In Mogadischu angekommen, wurden wir sofort in die VIP-Lounge gebracht, wo wir bequem auf den Weiterflug nach Kenia warten konnten. Während ich mit meinem Sohn beschäftigt war, sprach mich auf einmal eine Frau vom Personal dort an, ich solle doch meinen Gesichtsschleier entfernen. Stellt euch mal vor- in einem Muslimischen Land (subhanaLlah)! Das tat ich natürlich nicht, ich zeigte ihr bloß, dass ich eine Frau bin und kein Terrorist. Es ist auf der anderen Seite auch verständlich, dass sie in Mogadischu besonders unter Stress stehen, wegen den immer wiederkehrenden Bombenanschlägen. Aber ich wäre ja nicht einfach so in die VIP-Lounge gekommen, und außerdem weiß ich von keinem Fall, dass ein Terorrist sich darunter versteckt hätte. Mein Mann sprach dann auch nochmal zu ihr, dann war alles gut.

Kaltes Eid in Kenia

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Mein Mann mit Scheich Umal

Unser Weiterflug nach Kenia musste in einem Ort namens Wageer. Dort durfte mein Mann im Flugzeug sitzen bleiben, aber alle anderen inklusive mir und meinem Sohn mussten zur Grenz-station zur Pass-kontrolle und Visa- Angelegenheiten. Die Grenzpolizisten waren sowas von unfreundlich, aber nach kurzer Zeit ging es Gott sei Dank wieder weiter. In Nairobi angekommen, wurden wir von einigen Freunden meines Mannes empfangen. Dort leben einige Somalische Gelehrte, unter anderem Scheich Umal, einer der wichtigsten Somalischen Gelehrten derzeit, der uns auch besuchen kam. Sie brachten uns in ein feines Hotel. Ihr glaubt nicht, wie kalt es uns dort erschien! Es war so um die 20 Grad Celsius, wir fühlten uns jedoch wie auf Eis, da wir gerade aus dem Hochsommer Somalias kamen. Also mussten erstmal ein paar warme Klamotten her, die eine liebe Schwester uns besorgte. Am nächsten Tag war das Eid- Gebet, welches unser langweiligstes seit langem war (zumindest für mich), da wir weder bei Freunden noch bei Familie waren. Aber das war ebenfalls nebensächlich in Anbetracht dessen, dass mein Mann gerade eben dem Tode entkommen war. Das Eid-Gebet fand draußen statt, es war unglaublich voll, voller Somali´s maa shaa Allah. Mir wurde angeboten, auf Shoppingtour zu gehen, aber ich war so erschöpft, mir war garnicht danach. Aber was ich so sehen konnte, ist Nairobi sehr schön tropisch und gut entwickelt. Ein Straßenpolizist wünschte uns sogar ein frohes Eid.

Eigentlich könnte dieser Bericht hier enden, da es von nun an nur noch indirekt mit Somalia zu tun hat. Jedoch dann würdet ihr einige wichtige Merkmale der Somalischen Menschen nicht mitbekommen!

Unter Germali´s

Nach ca.2 Tagen in Nairobi ging es also endlich weiter- ins noch viel kältere Deutschland! Der typische graue Regenhimmel begrüßte uns bereits (für Somali´s etwas schönes!). Eine befreundete Somalische Familie holte uns vom Frankfurter Flughafen ab und fuhr uns ein halbes Stündchen ins Nachbardorf. Es war sehr schön, unter sogenannten „Germalis“ zu sein! Dabei stellten wir fest, dass ich inzwischen fast somalischer als die Töchter unserer Bekannten war! Was Lebensgewohnheiten betrifft, als auch die Ausspprache. Ich bin noch weit entfernt davon, richtig Somalisch srechen zu können, aber die Basis- Dinge kann ich (alhamduliLlah).

Ein Wunder wird wahr!

wp-image229652993.jpgWir brachten meinen Mann in das nächst-gelegene Evangelische Krankenhaus, Dort waren sie sehr schockiert und betroffen über den Vor-fall. Sofort bekamen wir den besten Service in der Notaufnahme. Der junge Oberarzt versicherte uns zudem, uns einen „fairen Preis“ zu machen, indem er auf sein Gehalt ver-zichtete. Es war trotzdem noch teuer genug, aber immerhin eine sehr großzügige Geste, maa shaa Allah! Mein Mann wurde von A-Z untersucht, speziell am Kopf und an der Wirbelsäule. Wie ein Wunder stellte sich nach einigen Tagen heraus, dass er noch nicht mal einen einzigen Knochenbruch erlitt (alhamduliLlah)! Wir waren natürlich sehr erleichtert. Trotzdem war sein Schwindel noch da.

Zurück in den Ruhrpott (Back to the roots)

Meine Eltern kamen aus dem ca.3 Stunden entfernten NRW zu Besuch, übernachteten 2 Nächte im Hotel und überzeugten uns dann, mit zu ihnen zu gehen. Wir bekamen das Auto eines Bekannten unserer Freunde ausgeliehen, und konnten damit bis zu meinen Eltern fahren. Das ist eines der vielen Beispiele für die Hilfsbereitschaft der Somali´s (Allahumma baarik). In NRW besuchten wir dann auch unseren Osteopathen, der zuvor schon mein Kind behandelt hatte, und seine Frau mich. Er schaffte es, dass der Schwindel und die Kopfschmerzen meines Mannes weggingen (alhamduliLlah). Da wir so begeistert von ihm waren, haben wir ihn seitdem jedem empfohlen, der betreffende Beschwerden hat (seine Seite findet ihr hier) . Sogar Scheich Umal aus Kenia kam eines Tages zu meinen Eltern, um zu diesem Osteopath zu gehen, welcher dann erkannte, dass dieser vor 10 Jahren einen Autounfall hatte (ohne dass es vorher erwähnt wurde).

MercedesBald wurde mein Mann zu einer Somalischen Islam- Konferenz in Frankfurt eingeladen, wohin er das Auto zurückbrachte. Er kam mit einem noch besseren Auto zurück: einem Mercedes Benz (etwas älteres Model, aber trotzdem Top)! Der wurde ihm von einer ganz tollen Somalischen Familie gegeben, die auf dem Weg war, ihn zu verkaufen. Ich durfte ihn solange nutzen, bis wir wieder zurück nach Somalia gehen würden. Allerdings hatte ich manchmal den fetten Benz gegen das Mini- Zweitauto meiner Eltern getauscht, weil er mir einfach zu wuchtig war zum herumfahren. Da passierte meiner Mutter eines Tages ein KLEINER Unfall mit dem Benz- sie ist ausgerutscht und gegen eine Leitplanke gestoßen, als der erste Schnee auf den Straßen lag. Die ganze Stoßstange hätte ausgewechselt werden müssen. Aber jetzt kam wieder die Somalische Großzügigkeit ins Spiel: die Besitzer des Autos hatten sich strikt geweigert, dass wir die Reparaturkosten übernehmen (maa shaa Allah, möge Allah sie reichlich dafür belohnen)! Ich weiß gar nicht mehr genau, was mit dem Auto dann geschah, jedenfalls fuhr ich von da an mit dem Mini- Auto herum, was meine Eltern extra wegen mir gekauft hatten.

Somalische Gastfreundschaft kommt nicht von ungefähr!

Wie ihr seht, sind die Somali´s ein sehr großzügiges und hilfsbereites Volk (maa shaa Allah). Sie haben quasi eine „offene Hand“, d.h. sie geben lieber als das sie nehmen. Vielleicht kommt das auch ein bisschen vom Lebensstil, da sie- auch wenn sie keine Nomaden sind- oft herumziehen und oft schon ihr Hab und Gut hinter sich lassen mussten. Aber zum großen Teil kommt das auch von ihrer Religion, dem Islam, den sie zu ihrer Kultur gemacht haben. So wird vom Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) überliefert, dass er sagte:

“Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der den Menschen am nützlichsten ist.” (Al Buchari über Ibn Umar)

Und im Qur´an steht, dass unser Schöpfer uns ersetzen wird, was wir weggeben:

Sprich: „Wahrlich, mein Herr erweitert und beschränkt dem von Seinen Dienern den Unterhalt, dem Er will. Und was immer ihr spendet, Er wird es ersetzen; und Er ist der beste Versorger.” (Quran 34:39)

Das haben die Somalischen Menschen tief verinnerlicht (maa shaa Allah).

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Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen, auch wenn er etwas länger ausgefallen ist. Nächstes Mal werde ich euch über meinen bisher längsten Lebensabschnitt in Somalia berichten, der bis heute andauert (alhamduliLlah).

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

2.Phase: Bestandsprobe oder „Von nichts kommt nichts!“

Zurück nach Somalia

In diesem Artikel werde ich euch über meine zweite Periode in Somalia berichten, welche vom Winter 2010/11 bis Herbst 2012 andauerte. Es war die bisher härteste Zeit in Somalia für mich, aber darauf werde ich gleich genauer eingehen (in shaa Allah).

Bosasso Landkarte

Diesesmal kamen wir mit annehmbaren Fliegern (alhamduliLlah).

Hinter großer Belohnung steckt viel Anstrengung

Es ist im Islam ein bekanntes Phänomen, dass der Teufel sich zwischen den Muslim und seine Auswanderung (Hijrah) stellen will. In einer der Aussagen unseres Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) wird überliefert, dass der Satan sich zwischen 3 Dinge und den Muslim stellen will, wobei eine davon die Hijrah sei: „(…) Satan liegt und wartet auf dem Weg des Sohnes Adams und er liegt und wartet vor dem Weg des Islam. Satan sagt: Wirst du den Islam annehmen und deine Religion und die Religion deiner Vorfahren verleugnen? Dann wird er nicht auf ihn hören und den Islam annehmen. Satan liegt und wartet auf ihn auf dem Weg der Auswanderung und sagt: Wirst du auswandern und dein Land und Himmel verleugnen, wissend, dass derjenige, der auswandert, nur wie das Pferd zu seinem Pflock ist? Dann gehorcht er ihm nicht und wandert aus (…).“ (ungefähr übersetzt von mir; Sunan An-Nasa’i 3134; Hasan laut Al-Mundhiri und Sahih laut Sh. Albani)

Satan wird also immer versuchen, einem die Auswanderung auszureden, z.B. indem er einem einflüstert, wie rückständig es doch dort in dem Land ist, und dass man ohne die ganzen Luxusgüter nicht leben kann, uvm. Dabei ist die Belohnung für diese aufgeführten Taten (Konvertierung und Auswanderung) unermeßlich hoch, wie wir am Ende des Hadithes sehen: „Wer auch immer das tut, hat ein Recht bei Allah Dem Erhabenen auf das Paradies.“ (gleiche Quelle, von mir übersetzt).

Blumen

Für mich ist es dementsprechend auch die bisher schwerste Zeit gewesen (alhamduliLlah). Diesmal hatten wir vor unserer Abreise aus England unsere Wohnung und alles aufgegeben, also wurde es nun richtig ernst mit unserer Absicht auszuwandern. Ebefalls hatten wir Versicherungen und ähnliches abgemeldet. Nun konnten wir ruhigen Gewissens einen Neuanfang in Somalia wagen (in shaa Allah).

Selbstständig auf dem Markt

Diesmal ging es für uns direkt nach Bosasso, der wohl größten Stadt des Bundesgebietes Puntland. Zu der Zeit war es in Bosasso angenehm kühl. Die Wiedersehensfreude war sehr groß (maa shaa Allah). Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kam die freudige Nachricht von einer Zwillings- Schwangerschaft meiner Co- Schwester (Maa shaa Allah). Das bedeutete jedoch bald für mich, dass ich mehr Aufgaben übernehmen musste, da sie eine Risiko- Schwangerschaft hatte und hauptsächlich liegen sollte. Normalerweise war sie es, die die ganzen Aufgaben draußen erledigte, wie zum Beispiel den täglichen Einkauf auf dem Markt. Denn wir hatten zu der Zeit- wie die meißten Einwohner- keinen Kühlschrank aufgrund der hohen Strompreise. Also musste ich ins kalte Wasser springen und mich mit meinen begrenzten Somalisch- Kenntnissen in die „Höhle des Löwen“ wagen!

Bosasso Suuqe
Typische Straße in Zentrum von Bosasso

Der Markt von Bosasso ist riesengroß und wimmelt nur so von Menschen. Allein schon das Geld zählen fiel mir anfangs schwer. Denn jeder Schilling (Cent) ist ein Geldschein!  Man zieht also täglich mit ca. 300 Geldscheinen los, und muss für jedes Gemüse die einzelnen Schillings davon abziehen! Die Verkäuferinnen (meißtens sind es Frauen) zählen dann noch mal alles durch. Anfangs ließ ich mir noch von dem Kind helfen, welches ich mit mir nahm; oder ich gab das Geld direkt der Verkäuferin, so dass sie für mich zählen möge. Aber mit der Zeit wurde ich auch sicherer und es machte mir nichts mehr aus (alhamduliLlah). Der Straßenverkehr war ebenfalls gewöhngsbedürftig: ein Haufen Chaos ohne Regeln! Die einzige Regel ist wohl, dass der Stärkere gewinnt. Und sowohl Fußgänger, als auch Ziegen, die überall zwischen den Autos herum liefen, sowohl als auch Autos, die an jeder beliebeigen Stelle anhielten, machten es nicht weniger riskant. Kein Wunder, dass der Stau manchmal nur mithilfe eines in die Luft schießenden Soldaten behoben werden konnte! Aber nun gut, da musste ich halt durch!

Radius erweitern

Mein Radius in Bosasso wurde ebenfalls erweitert durch das frühmorgendliche besorgen frischer Kuhmilch. In Bosasso gab es damals nur zwei Stellen, wo man diese direkt von den Kühen besorgen konnte: eine Stelle in unserer Nähe, jedoch die kam überhaupt nicht in Frage, da die Kühe dort unter schlimmsten Umständen gehalten wurden. Sie bekamen bloß Mango- und Bananschalen als Futter, und ihre Hufen waren eine Elle lang, bereits nach oben gebogen. Zudem standen sie auf recht engem Raum in  ganz viel Mist. Die andere Stelle lag etwas weiter weg, am Rande der Stadt. Dort liefen die Kühe immerhin frei herum (wobei sie natürlich auch viel Pappe und Essensreste fraßen), und dementsprechend sahen sie auch besser aus. Eine Zeit lang konnte die ältere Verkäuferin, die die Milch sonst immer auf dem Markt verkaufte, aus irgendwelchen Gründen das nicht mehr tun. Also musste ich die Milch abholen, mit ein paar Frauen als Beifahrerinnen, die das gleiche Ziel hatten und mir den Weg zeigten. Direkt nach Sonnenaufgang ging meine Fahrt dorthin los, um die frische Milch zu holen. Danach gin es zum Markt und dann nachhause. Irgendwie genoß ich aber die „neue Freiheit“, einfach mit dem Auto raus zu fahren und Besorgungen zu machen, sprich ein normales Leben zu führen. Denn für übertriebene Besorgnis war nun kein Platz mehr, es ging einfach nicht anders (alhamduliLlah!).

Lichtblick

Ein großer Lichtblick war für mich der Tag, an dem meine Co-Schwester zu mir kam und sagte, sie hätte eine „weiße Schwester“ für mich gefunden- und zwar direkt in unserer Nachbarschaft! Sie hatte draußen eine europäische Frau mit zwei Kindern entdeckt, und direkt ihre Telefonnummer „ergattert“, da sie genau wußte, dass ich mich sehr freuen würde. So dauerte es nicht lange, bis ich die Schwester besuchte. Sie kam aus Finnland zu Besuch zu ihren Schwiegereltern und freute sich ebenso, eine Gleichgesinnte zu haben. Von da an kam sie fast jeden Tag zu uns zu Besuch (alhamduliLlah). Meine neue Freundin verhielt sich ganz frei in Bosasso- sie ging überall zu Fuß hin, sei es auf den Markt oder sonstwo hin. Als meine Schwiegerfamilie das erfuhr, war sie etwas beruhigter was meine Ausflüge betraf (alhamduliLlah).

Riskanter Ausflug

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Strand in Bosasso,, etwas außerhalb des sandigen, jedoch vollen Strandes.

Eines Tages fuhr ich zwecks unseres Wochenend- Ausflugs mit einem übervollen Autobus (einige unserer Verwandten Kinder waren auch dabei) zum Strand. Wir waren nur Frauen und Kinder im Auto. Ich war so sehr auf die Huggelpiste auf der ich fuhr konzentriert, dass ich garnicht bemerkte, dass ich direkt auf den Präsidentenpalast des Puntland-Präsidenten drauf zu steuerte! Durch einen Schuß wurde ich dem gewähr und wollte schnell umdrehen. Jedoch ließ ich diese Idee aufgrund eines zweiten Schußes sofort fallen. Dann kam auch schon ein Soldat und fragte, was wir denn vorhätten. Ich war etwas wagemutig, indem ich ihm harrsch antwortete, dass wir bloß zum Strand wollten und ich ihn nicht gesehen hätten. Alhamdulillah ließ er uns gehen. Während unseres ganzen Ausfluges wurden wir von einem merkwürdigen Auto beobachtet, das erst abfuhr, nachdem wir das auch taten. Aber das war uns egal, wir hatten trotzdem einen schönen Ausflug (alhamduliLlah). Das war auch nur ein Einzelvorfall, nicht dass ihr denkt, es läuft jedesmal so ab!

Unter einem Dach mit Schwiegermutter

Im Mai 2011 musste meine Co- Schwester uns verlassen, da sie ihre Zwillinge in Dänemark bekommen sollte. Es war für alle kein leichter Abschied, zumal auch mein Mann mit ihr gehen musste. Dafür zog meine Schwiegermutter (möge Allah ihr gnädig sein) zu uns, um mir mit allem zu helfen. Somit begann für mich das ‚echte‘ somalische Leben: ich hatte plötzlich niemanden mehr, mit dem ich mich verständigen konnte außer auf Somalisch (und das war damals noch ziemlich begrenzt); ich lernte Wäsche von Hand zu waschen, auf Feuer zu kochen und lernte auch die gesamte Familie nochmal besser kennen, da jeden Tag welche zu Besuch kamen. Leider war es dann auch wieder soweit, dass es zu heiß wurde, um in Bosasso zu bleiben. Also mussten wir nach Qardho umziehen, wo ich ja schon bei meinem ersten Aufenthalt in Somalia war.

Qardho isku eg

Meine Schwiegermutter hatte wirklich viel Verständnis und Geduld mit mir in Anbetracht dessen, dass wir aus zwei völlig verschiedenen Welten kamen. Sie war das harte Nomaden-leben gewohnt, zog mit 10 Kindern und noch anderen anvertrauten Kindern durch die Steppe, und auch im hohen Alter wollte sie sich kaum bei irgendetwas helfen lassen (maa shaa Allah). Daneben kam ich mir als verwöhntes Stadtmädchen ganz komisch vor! Ich fragte mich manchmal, was mir nun mein Abitur gebracht hat für solch ein Situation.

Ich konnte also viel von ihr lernen, und abgesehen von ein paar Missverständnissen haben wir uns irgendwie doch gut verstanden (alhamduliLlah). Sie war aber auch sehr besorgt um mich, so dass ich mir für jedes rausgehen einen guten Grund (die gab es Gott sei Dank genug) überlegen musste.

Rätsel des Tages: Woher kommt sie?

Fragezeichen.jpgQardho ist eine kleine (aber recht grüne) Stadt, die dank der sommerlichen Zuzügler aus Bosasso richtig an Größe zunahm. Aber trotzdem ist es noch sehr dörflich. Wenn ich durch die Straßen fuhr, bekam ich immer sehr viel Aufmerksamkeit und Kommentare, obwohl ich von Kopf bis Fuß bedeckt war! Es kam sogar vor, dass einige Kinder mich als „Gaalo“ riefen. Das ist ein Begriff für einen Nicht- Muslim. Für sie konnte jeder Weiße Mensch einfach nur ein „Gaalo“ sein, egal wie muslimisch man sich bedeckte! Und auch gebildetere Leute rätselten des öfteren, ob ich nun Araberin sei oder was sonst noch. Sie waren also keine Ausländer gewohnt, höchstens gut bewachte UNO- Mitarbeiter und ein paar Arabische Ärzte oder Lehrer.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, im Ramadan nachts zur Moschee beten zu gehen mit meiner Schwägerin. Auch da schauten sie natürlich, aber es war anders, da die Frauen dort gebildeter waren. Außerdem war ich durch das Gebet unverkennlich ein Muslim (alhamduliLlah) 🙂

Internet- Entzug – heute unvorstellbar!

Qur'an
Kein Internet: mehr Zeit für den Qur’an!

Mit den ganzen Kindern meines Mannes war es natürlich nicht immer einfach, aber sie gaben mir auch einen Grund, dort zu bleiben und für sie da zu sein. Denn so hatte mein Mann und seine andere Frau noch indirekt einen Draht zu ihren Kindern und waren ständig auf dem neuesten Stand. Internet hatten wir anfangs noch nicht, dafür ein Festnetz- Telefon, was natürlich ins Ausland nicht ganz billig war. Mit meinen Eltern hielt ich aber trotzdem immer so einmal in der Woche den Kontakt. Durch den Internet- Entzug (damals kannte ich kein WhatsApp und war auch nicht auf FB) lernte ich in der Zeit jedoch sehr intensiv das Rezitieren des Qur’ans (alhamduliLlah). Dazu wurde ich auch durch die Kinder angespornt, die Vormittags und Nachmittags zur Qur’an- Schule gingen (es war ja ihre Ferienzeit, also hatten sie keine Schule). Abends half ich ihnen dann mit ihren Hausaufgaben, die aus dem Auswendiglernen bestimmer Stellen im Qur’an bestanden. Diese Internet- Entzugs-Phase tat mir also eigentlich ganz gut! Später hatten wir Internet, aber es funktionierte nicht immer. Dadurch hatte ich ab und zu wertvolle Kontakte zu einem Muslima- Forum.

Pädagogische Herausforderung

erzieher glückGerade auch das erste halbe Jahr ohne meinen Mann hatte ich Sorge zu tragen um die Kleinste, die damals erst fast 3 Jahre alt war. Wenn man noch keine eigenen Kinder hat, ist es generell nicht so leicht, mit Kindern in jeder Lage angemeßen umzugehen, aber ich versuchte mein Bestes. Ich habe mir schon immer Arbeiten mit Kindern gewünscht, nun bekam ich diese Gelegen-heit– ich bin vielfache Mutter geworden, ohne Wehen gehabt zu haben (alhamduliLlah). Doch Somalisch Erzogene Kinder sind auch eine echte Heraus-forderung: durch die andere Erziehungsmethode, welche vor allem mit Druck und Angst arbeitet, hat man es als Europäer erstmal nicht so leicht, sich benächsten Berichti ihnen durchzusetzen. Denn wenn man nicht die gleichen Methoden anwendet, nehmen die Kinder einen nicht ernst („Mit ihr kann man es ja machen, die schlägt nicht!“). Also musste ich mich etwas anpassen, zumindest im Tonfall. Noch bis heute wundert sich mein Mann manchmal, wie anders ich auf Somalisch rede als wenn er mich Englisch oder Deutsch reden hört. Ich kann auch besser auf Somalisch schimpfen als auf Deutsch. Irgendwie habe ich mir das unbewußt so angewöhnt!

TelefonIch weiß garnicht mehr, wie die Zeit doch herum ging, ohne dass ich jemanden um mich hatte, mit dem ich mich zumindest auf Englisch hätte verständigen können. Mein Mann kam zwar alle paar Monate, aber die meißte Zeit waren wir getrennt. Das Schwierigste war für mich, dass ich mich einsam fühlte, obwohl ich unter Leuten war. Ich konnte mich halt nur oberflächlich mit ihnen verständigen. Aber Gott sei Dank war ich ja auch viel beschäftigt und letztendlich hatte ich viel Halt durch die häufigen Telefon-gespräche mit meinem Mann und meiner Co- Schwester, nicht zuletzt aber auch in meinen Gebeten zu Allah (alhamduliLlah).

Falscher Film? Terror- geschockt!

Dr.Ahmed Haaji Abdirahman
Sh. Ahmed Haaji Abdirahman

Wieder in Bosasso angelangt, passierte im Dezember 2011 etwas Schreckliches: einer der besten Freunde meines Mannes, Sh. Dr. Ahmed Haaji Abdirahman (möge Allah seiner gnädig sein), wurde hinterlistig ermordet. Es geschah am frühen morgen, als der fastende Shaikh gerade vom Morgengebet aus der Moschee herauskam und nach Hause gehen wollte. Da schossen drei junge Männer erst in die Luft, dann jagten sie ihm hinterher und schossen ihm direkt in den Kopf. Das war nur ein paar Meter vor seiner Haustür, vor den Augen seiner Frau. Etwa 800 Meter von uns entfernt. Täter: Anhänger von der Terrorgruppe Al Shabab. Grund: Er wollte sich ihnen nicht anschließen! Irgendwie veränderte sich von da an so einiges. Es war so ein Aufwach- Erlebnis wie 9/11, auch wenn es in einem kleineren Ausmaß war. Jedoch der Verlust jedes einzelnen Menschenleben auf solch grausame Weise ist einfach furchtbar (ob es nur einer ist oder Tausende) und widerspricht den Lehren, welchen diese Extremisten vorgeben zu folgen. Denn im Qur’an steht: «Wer einen Menschen tötet, tötet die gesamte Menschheit, wer einen Menschen rettet, rettet die gesamte Menschheit.» (Vers 32, Sure 5)

Ein Anschlag mit Konsequenzen

Von da an wurden in Bosasso die Gesetze für den Waffenbesitz ernster genommen: Es durfte nurnoch jemand mit offizieller Lizens eine Waffe besitzen. Dafür wurden zumeißt nachts Wohnungsdurchsuchungen veranstandet. Auch nach Anhängern von Al Shabab wurde überall gesucht. Ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl, da ich nicht sicher war, was diese Soldaten mit mir machen würden FALLS sie zu uns kommen würden. Denn sie würden wahrscheinlich erstmal denken, ich wäre da, um mich dieser Gruppierung anzuschließen (Allah bewahre)!

attentionDiese extreme Gruppierung spaltete auch ganze Familien, welche Mitglieder an diese Gruppierung verloren hatten (sowohl physisch, oder auch einfach mental). Das musste ich leider auch hautnah erleben. Generell war diese Terror-Gruppe noch sehr viel aktiver, als sie heute hier in Puntland ist, denn von diesem Tag an fing der Kampf gegen sie an. Auch mein Mann machte es sich von da an noch mehr zur Aufgabe, gegen diese Gruppe aufzuklären. Sobald er in Somalia war, organisierte er Tagungen und andere Veranstaltungen, um vor allem die Jungen Leute über den wahren Islam aufzuklären und sie davon abzuhalten, sich dieser Guppierung anzuschließen. Er hat sich von direkten Morddrohungen und Bombenwarnungen bis heute nicht davon abbringen lassen, weiter zu machen (maa shaa Allah). Jedoch wurde sein privates Leben dadurch auch etwas eingeschränkt, denn bis heute hat er deswegen Bodyguards an seiner Seite. Nicht, dass er sich vor diesen Extremisten fürchten würde- eher zur „Beruhigung“ seiner Familie und seines Stammes, dessen Oberhaupt (Sultan) er vor ca. 2 Jahren geworden ist. Möge Allah ihn für seinen Einsatz segnen und immer beschützen!

Sh.Abdulkadir Nur Farah
Sh. Abdulqadir Nur Farah

Keiner stirbt, bevor die Zeit für ihn gekommen ist. Damals wußten wir noch nicht, dass einer der großen Gelehrten Somalias‘ – Sh. Abdulqadir Nur Farah (möge Allah ihm gnädig sein und ihn mit Jannatul Firdaus belohnen)- im Februar 2013 von einem der Al Shabab – Terroristen umgebracht werden würde. Und zwar inmitten WÄHREND des Gebets, IN der Moschee!!! Inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un (Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück). Er war für meinen Mann wie eine Art Vater- Ersatz und einer seiner wichtigsten Lehrer. Zuvor hatten wir ihn noch in seinem äußerst bescheidenem Hause besuchen dürfen.

Dazu muss ich nun allerdings erwähnen, dass es heutzutage schon ganz anders ist (alhamduliLlah). Durch solche Geschehnisse wurden die Sicherheitsvorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen deutlich erhöht, und offiziell gibt es hier keine Al Shabab- Anhänger mehr. Gegen Einzeltäter kann man natürlich nichts machen. Allerdings, wo kann man das heutzutage schon- wo ist man noch sicher vor diesen Hirngewaschenen Menschen?

Freudenbotschaft

Im Frühjar 2012 erreichte uns auch eine freudige Nachricht, auf die wir schon länger gewartet hatten: ich erwartete mein erstes Baby (alhamduliLlah)! Dies brachte eine deutliche Veränderung meiner Hormone mit sich, und so hatte ich plötzlich sehr heftiges Heimweh. Wir hatten aber sowieso vor, dass ich mein erstes Kind in Deutschland kriegen sollte. Beim ersten Kind weiß man noch nicht, ob es zu Komplikationen führen wird (weiß man zwar nie, aber das Erste ist oft das Schwierigste). Zudem ist die hygienische Lage in den Krankenhäusern natürlich nicht die gleiche, von der Ausstattung ganz zu schweigen. Auch eine Deutsche Botschaft gibt es hier nicht, was es etwas kompliziert macht, einen Deutschen Pass für das Neugeborene zu bekommen. Denn mit einem Somalischen Pass kommt man heutzutage leider nicht so weit- überall wird ein Visum erwartet.

Auf nach Deutschland!

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Nach Erschwernis kommt Erleichterung- so wird es uns im Qur’an versprochen. In meinem Fall war es die Ankunft meiner Co- Schwester im Sommer 2012 mit ihren inzwischen 1-jährigen Zwillingen (alhamduliLlah). So konnte ich dann kurz vor der Geburt meines Sohnes nach Deutschland fliegen (etwa Oktober 2012). Diesesmal war es mir aufgrund meiner Hormone auch ganz recht, und auch, weil ich einfach mal Zeit zum Verarbeiten des Erlebten brauchte.

Wie es mir in meiner nächsten Zeit in Somalia erging, werde ich euch (in shaa Allah) in einem nächsten Bericht schreiben!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

Meine erste Reise nach Somalia

…Oder der erste Schritt in eine andere Welt.

Hier werde ich euch den Beginn meines neuen Lebensabschnittes etwas erläutern.

Fragen über Fragen                                           koffer

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist so eine Reise mit offener Länge extrem aufregend. Was nimmt man mit? Auf was kann man verzichten? Was gibt es dort überhaupt, in einem Land, in dem mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg herrschte? Dies sind nur einige der unzähligen Fragen, die einem dann im Kopf herum schwirren,

Ich war jedoch voller Zuversicht, dass schon alles irgendwie klappen wird. Denn im Islam ist das Vertrauen auf Allah sehr wichtig. Man tut und plant was man kann, dann jedoch vertraut man auf Allah und schaut, ob Seine Pläne mit den eigenen übereinstimmen (oder ob alles anders kommt). Denn Er ist immer noch Der beste Planer und- das habe ich nach einigen Jahren in Afrika gelernt- es kommt immer anders als man denkt!

Diese Lebenseinstellung hilft einem sehr, sich nicht unnötig verrückt zu machen und immer recht gelassen zu bleiben (ok, ich arbeite noch dran :-D).

Sommer 2010- Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte

Wir, das heiẞt, mein Mann, meine Co-Schwester mit ihren 2 Kleinkindern und ich, starteten die Reise Ende Mai 2010. Das ist die Zeit, in der die Schulkinder in Somalia ca.3 Monate Hitzefrei haben, auch Ferien genannt.

Wir flogen direkt von Dänemark nach Dubai. Dort wurden wir beim Ausstieg erstmal von einer unbeschreiblichen, schwülen Hitze beinahe erschlagen. In der Sommerzeit ist es in Dubai so an die 50 Grad heiß (subhanaLlah). Das Leben spielt sich dementsprechend ab Sonnenuntergang ab. Man braucht sich noch nicht einmal zu bewegen, der Schweiß tropft schon von ganz allein! Andererseits gibt es in jeden Geschäften, Autos, Hotels und wahrscheinlich auch Häusern übertrieben kühle Klimaanlagen, bei denen man fast schon zu frieren anfängt.

Erste Prüfung

Wenn man nach Somalia reisen möchte, ist es nicht so einfach, einen Komplett- Flug zu buchen (kann sein, dass es heutzutage anders ist, auf jedenfall ist es dann nicht die Günstigste Variante). Nein, man muss erst einmal einen „Break“ machen (wie in unserem Fall in Dubai), und auf den nächstbesten Weiterflug nach Somalia warten. Wir durften etwa eine Woche in Dubai verbringen. Dieser Break wurde allerdings zum ersten Test für mich: ich wurde von fürchterlichem Diarrhoe geplagt. Also am besten kein Fast-Food von draussen essen, besser vom Hotel! Oder am besten vegetarisch essen bei der ersten Reise! In Dubai gibt es dort jedoch genügend Chemie, so dass es mir rechtzeitig vor dem Weiterflug wieder besser ging (alhamduliLlah).

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Auf jedenfall könnte es kaum einen gegensätzlicheren Ort zu Somalia geben: In Dubai ist quasi die ganze Welt versammelt, die ganzen weltlichen Güter über-schwemmen einen förmlich, man kann es nur mit Superlativen (am schönsten, höchsten, modernsten, etc.) beschreiben. Aber unser Ziel war das genaue Gegenteil: das Leben in Somalia ist relativ hart, die Armut herrscht immer noch vor oder ist auf jedenfall unübersehbar, ganz abzusehen von den „naturbelassenen“ Straßen und noch nicht mal einstöckigen Häusern (größtenteils).  Aber gerade dieses eher einfache Leben holt einen wieder in die Wirklichkeit, in die Realität des Lebens zurück. Ja, es bringt einen viel näher an den Sinn des Lebens: dass wir Allah’s Diener sind und Ihm dienen sollen (durch alleinige Anbetung zu Ihm, durch gute Taten, etc.). Deswegen sagt mir das Leben in Somalia mehr zu, als das Leben im Überfluss (alhamduliLlah).

Auf ins Abenteuer!

Ich erinnere mich nicht mehr genau, wo wir alles Zwischenhalt gemacht haben. Ich glaube, es war in Berbera (Somaliland). Ich erinnere mich jedoch noch sehr gut an den Weiterflug nach Bosasso (Puntland). Das war nämlich der Schlimmste Flug meines bisherigen Lebens! Dieses fliegende Teil war bestimmt ein aussortiertes Stück aus Russland. Jedenfalls war es innen drin ohne richtige Ausstattung: kein Belüftungssystem, kein Notausgang. Das führte dazu, dass wir vor dem Start beinahe schmolzen und später, mitten im blauen Himmel, beinahe erfroren.

Der Mittelgang wurde so sehr mit Reisetaschen vollgestopft (bis auf Bauchhöhe), dass sogar der Kapitän und sein Mitarbeiter Schwierigkeiten hatten, bis zum Cockpit zu gelangen.

Ich sagte zu meinem Mann: „Wie sollen wir denn hier zum  Exit kommen im Falle eines Notfalls?“ Er, ganz entspannt: “ Schatz, es gibt hier KEINEN EXIT!“. Er war sichtlich amüsiert über meine Verwunderung, während er sich um seine kleinen Töchter kümmerte.

Erschöpft von der Aufregung lehnte ich meinen Kopf gegen die Metall-Wand vor mir und versuchte, mich im Schlaf woanders hin zu träumen.

Man sagte mir auch, dass die (russische) Flugmannschaft regelmässig nach Alkohol „duftet“. Aber das konnte ich nicht bestätigen und hätte wahrscheinlich auch nichts mehr verändert, da es ja fast Normalzustand ist für dortiges Volk.

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Das Flugzeug sah in etwa so aus, nur noch um einiges schlimmer!

Gott sei Dank habe ich diesen Flieger nie wieder zu Gesicht bekommen und wir sind heile in Bosasso angekommen!

Welcome in Somalia!!!

Da ging ich also die ersten Schritte auf Somalischem Boden, alhamduliLlah. Bosasso ist eine Stadt am Meer (Rotes Meer und Indischer Ozean).

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Alles wirkt etwas surreal: auf der einen Seite ziemlich hohe, kahle Berge, die fast schon bedrohlich wirken, und auf der anderen Seite das wunderschöne, türkisfarbene Meer. Dazu weht der heftige Wind einem fast die Kleider vom Leib. Also die dortige Hitze (im Sommer um die 40 Grad) macht einem weniger aus als in Dubai.

Wir wurden direkt von meinem Schwager abgeholt und ins Hotel Jubba gebracht. Auf der Fahrt dorthin bekommt man schon mal einen Eindruck von der Armut in Somalia, ein bitterer Nachgeschmack des langen Bürgerkrieges. Denn zwischen Flughafen und Stadt sind die Ärmsten der Armen angesiedelt. Danach aber sieht man sogar mehrstöckige, weiße Häuser, die mit den typischen Rundbögen versehen sind. Das sind dann meistens Hotels und Geschäfte.

Man hat echt sehr viel zu bestaunen, wenn man zum erstenmal in Somalia ankommt!

Überall wimmelt es vor Menschen und Ziegen, die sich von den Autos überhaupt nicht aufhalten lassen und erst durch Hupen erinnert werden, dass sie Platz machen sollten. Vor oder zwischen den großen Geschäften, deren Wände immer sehr bunt angemalt sind mit den Inhalten (z.B. Zucker, Mehl, oder Handies, etc.), befinden sich oft kleine selbstgebaute Buden, sogenannte Kleine Emma Lädchen. Und leider gibt es auch immer wieder Stände, an denen Khat verkauft wird. Das sind eine Art Blätter, welche durch drauf herum kauen wie eine Droge wirken und einen sorglos machen. Es ist die Droge der Soldaten und LKW-Fahrer. Meißtens werden sie von Frauen verkauft, die ums Überleben kämpfen.

Khat

Das Eindrücklichste ist aber wohl die Farbenvielfalt überall: Frauen und Mädchen tragen dort jeglich erdenkliche Farbe als Hijab (im Gegensatz zu dem vorherrschenden Schwarz in Dubai), und die Geschäfte sind alle bunt angemalt damit man direkt versteht, was verkauft wird. Dazu kommt noch der Sand, der von den Autos und dem Wind herum gewirbelt wird.

 

1.Nacht in Somalia

Meine erste Nacht auf Somalischem Boden hatte auch etwas aufregendes, auch wenn ich viel zu erschöpft war, um noch darüber nachzudenken: ich hatte tatsächlich Angst, dass der Ventilator über meinem Bett herunterfällt! Denn der schwankte immer so sehr hin und her… aber Gott sei Dank passierte nichts weiter. Immerhin gab es sonst alles Notwendige, was man braucht, sogar ganz stabile Holzmöbel.

Die Strecke Bosasso- Qardho, ein Abenteuer für sich!

Da es in Bosasso in den Sommermonaten (Ende Mai bis Ende September) viel zu heiß ist, um es ohne Klimaanlage auszuhalten, gehen die meisten Familien für diese Schulfreie Zeit aufs Land, also zu den nächsten Dörfern oder Städten. Nur die Business-Männer und die Armen, welche es sich nicht leisten können umzuziehen, bleiben dort (und einzelne hart gesottenen Familien).

Bosasso

Eines dieser relativ nahe gelegenen kleinen Städte heisst Qardho. Dort hatten sich damals meine Schwiegermutter und ein Teil ihrer Kinder und Enkel für die Ferienzeit niedergelassen. Also wollten wir unsere Zeit nicht länger in der Hitze verschwenden und fuhren am nächsten Tag weiter gen Qardho. Es ist eine eindrückliche Autofahrt von ca. 4 Stunden. Die Straße ist noch von den Italienern aus den 80´ern übrig geblieben und noch erstaunlich gut erhalten. Bloß ein bisschen eng wird es bei Gegenverkehr. Es ist die Landstraße, welche einen einmal durch´s ganze Land führt. Manchmal muss man dort nämlich die Holperstraße verlassen, um einigermaßen durchzukommen, aber meißtens kommt man ganz gut durch.

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Jedenfalls  kommt man auf der Strecke von Bosasso nach Qardho an einer interessanten Landschaft vorbei: an vielen Bergen, die wirklich kein Kraut auf sich tragen und daher so unreal wirken; an trockenen Flussbetten, die plötzlich wunderschöne grosse (Dattel-) Bäume hervorbringen; bis hin zur Halb-Steppe, welche durch ihre trockenen, fast silberfarbenen Büsche Platz für viele Kamele und andere Weidetiere birgt.

 

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Nicht zu vergessen sind die häufigen Straßensperren, an denen Soldaten einen mit einem gespannten Seil oder einem anderen Gegenstand aufhalten, um sich ein paar Cent für die nächste Mahlzeit zu verdienen. Manchmal kommt man auch an einem Dorf vorbei, welches aus ein paar simplen Häusern oder selbstgebauten Hütten besteht, aber bei denen auf gar keinen Fall eine Moschee fehlen darf.

Ich liebe diese Strecke bis heute.

Damals jedoch pochte mein Herz ganz schön. Ich machte bei jeder Straßensperre ein Bittgebet und versuchte, die Blicke der Soldaten zu meiden. Mein Mann hatte zwar extra wegen mir eine Waffenlizenz bekommen (quasi als mein Bodyguard), jedoch sind diese spärlich bezahlten, oftmals Khat kauenden Soldaten manchmal unberechenbar. Aber Gott sei Dank ging alles gut und wir kamen sicher in Qardho an.

Erstes Treffen mit meiner neuen Familie!

Es war in der Mittagszeit, als wir endlich mit unserem Jeep vor unserem neuen Zuhause hupten und dann von zahlreichen Kindern stürmisch begrüsst wurden. Aufeinmal wurde mir bewusst, dass ich die Somalische Sprache garnicht kann. Aber ich hatte meine Co-Schwester bei mir (alhamduliLlah), die mir immer schön alles übersetzt hatte (möge Allah sie reichlich belohnen). Jedoch in der Anfangsfreude war dafür natürlich keine Zeit. Trotzdem wurden wir uns vorgestellt (ich als neue, weitere Mama). Wobei ich dachte, ich könne mir die vielen Namen und (für mich) gleich ausschauenden hübschen Gesichter nie merken! Aber natürlich kam das mit der Zeit.

Um es nicht zu lang werden zu lassen, schliesse ich hier erst einmal ab. In einem nächsten Artikel werde ich über meine ersten Einlebungs-Versuche in Qardho und Bosasso berichten (in shaa Allah). Wer sich auf eine Reise nach Somalia einlässt, sollte auf jedenfall eine gute Portion Gottvertrauen (Taqwah) und am besten Vitamin B (gute Beziehungen für den Fall der Fälle) mitbringen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah)!

Eure Khalisa