2.Interview: Raihana Bo – Powerfrau in und um Malaysien

As salaamu alaikum und Hallo an unsere Leser/innen,

Heute habe ich die Ehre, euch eine ganz besondere Powerfrau vorzustellen: die Deutsche Konvertitin Raihana Bo! Was das Besondere an ihr ist? Sie hat sich mit über 50 Jahren, die sie sich schon an Deutschland gewöhnt hat, getraut, in ein völlig fremdes Land auszuwandern. Und das beinahe ohne jegliche Sprachkenntnisse und Finanzielle Rücklagen!!! Warum sie sich ausgerechnet Malaysien als Auswanderland ausgesucht hat, und wie es ihr dort so ergeht, erfahrt ihr nun von ihr selber.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Nach Südostasien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Weil es am günstigsten dort ist und islamisch, mir liegt auch die arabische Machokultur nicht so.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte von dieser ganzen Islamfeindlichkeit aus Deutschland weg. Viele Muslime praktizieren immer weniger, weil man versucht. den Islam zu unterdrücken, unsichtbar zu machen. Islamische Schulen sind verboten zu eröffnen, auch Kitas werden immer schwieriger. Überall werden einem große Blockaden aufgebaut, wir haben keine richtigen Moscheen , keinen Adhan und auch nach Halal muss man suchen. Ich hatte Angst um meine Kinder, dass sie den Islam dort nicht richtig leben können, keine guten Frauen finden und ihre Kinder den Islam gar nicht mehr kennen lernen. Auch wollte ich für meine späteren Enkel (die ich in scha ALLAH mal bekomme) die ganze Sexualisierung an den Schulen nicht. Deutschland ist unfreundlich, die Stimmung kippt immer mehr. Allah hat die Welt weit gemacht und es uns zur Pflicht auferlegt die Hidjra zu machen wenn wir unterdrückt werden. Ich bin dankbar Muslima zu sein und versuche stets meine Pflichten gegenüber Allah auch zu erfüllen.

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Moschee in Südostasien

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein nicht wirklich. Ich habe alles was ich hatte versucht zu verkaufen. Ein klein wenig hatte ich auch gespart. Wirklich viel war es nicht und es ging schon einiges für Flug, erste Pension und für Laptops drauf.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, überhaupt nicht. Malaysisch was in Süd Thailand und Malaysia gesprochen wird konnte ich gar nicht. Auch Indonesisch was weitgehend die selbe Sprache ist , konnte ich nicht ein Wort. Nur in Malaysia gibt es einige, die Englisch sprechen und mein Englisch reicht gerade so, um nach dem Weg zu fragen. Eine Sprache lernt man aber auch am besten, wenn man im Land selber ist. Und da ich nicht doof bin dachte ich mir, das wird schon. Mein englisch wurde dann auch schnell besser und nun lerne ich auch Malaysisch.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie hat kaum Kontakt zu mir seit ich vor 23 Jahren Muslima geworden bin. Verabschiedet habe ich mich nur von meiner Schwester und ihren Kindern. Vermissen wird mich da keiner und ich auch niemanden. Freunde sind das einzige was hier am Anfang fehlt und an die ich denke. Würde gerne mal wieder zum Frauenfrühstück gehen und die ganzen Schwestern wieder sehen.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ein Dauervisum gibt es nicht, wenn man nicht mit einem Landsmann verheiratet ist oder viel Geld hat. Kostenlos bekommen wir 1 Monat für Thailand und Indonesien und 90 Tage für Malaysia. Thailand und Indonesien kann man kostenpflichtig auf 2 Monate verlängern. Es gibt Business Visa wenn man im jeweiligen Land Geschäfte macht, dazu muss man aber meistens mit einem Einheimischen ein Geschäft anmelden. Dann kann man lange bleiben. Wie bereits gesagt ist auch eine Eheschließung ein Weg zu einem Visa. Da wir alle drei nicht verheiratet sind wäre das auch eine Möglichkeit. ALLAH wird uns geben was gut für uns ist, da vertraue ich darauf. Bis dahin sind wir Reisende und wechseln immer diese 3 Länder. Vielleicht besuchen wir auch mal ein anderes Land wie z.Bsp. die Philippinen oder Sri Lanka. Hauptsache es ist Islam freundlich.
 Ich möchte nur noch angelächelt werden und keine bösen und abwertenden Sprüche mehr hören.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Niemand von uns hat Arbeit. Aber meinem großen Sohn (21 J.) wurden in Malaysia schon mehrere Stellen angeboten, dadurch würde er auch ein Arbeitsvisum erhalten. Da wir aber zusammen bleiben wollen suchen wir noch nach anderen Lösungen. Wenn meine Jungs hier studieren bzw. zur Schule gehen würden, bekämen wir alle ein Visum. Noch haben wir uns nicht entschieden.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Wo ich wirklich alt werden will an welchem Ort genau, kann ich jetzt noch nicht sagen, dazu haben wir zu wenig gesehen. Aber ich bin mir absolut sicher, dass ich nie wieder nach Deutschland zurück will, dafür ist es viel zu schön hier und die Menschen sind so freundlich, das gibt man nicht mehr auf.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Jungs waren 20 und 15 und ich 56. Von uns will niemand mehr zurück.

Frage 11: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Angelächelt zu werden von jedem und jeden Tag. Keine unfreundlichen Worte mehr. Es gibt viele schöne Erlebnisse mit neuen Freunden oder Ausflügen an schöne Orte.

Aber die Freundlichkeit ist das, was ins Herz geht und glücklich macht- immer wieder.

Jetzt fällt mir noch ein, wie ich das erste Mal im Meer war in voller Bekleidung als Muslima und es niemanden interessiert hat , weil alle Muslime waren. Und es war am Morgen bei einem total überwältigenden Sonnenaufgang. Da stand ich tief im Wasser über mir ein roter Himmel und es liefen die Tränen vor Freude.

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Raihana Bo im Meer – Tränen vor Freude!

Frage 12: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Haha das Schlimmste was es hier gibt, sind Riesenspinnen die von Wand zu Wand springen und fliegende Kakerlaken. Sich daran zu gewöhnen fällt mir sehr schwer. Sonst habe ich hier noch nichts wirklich schlimmes erlebt. Außer Menschen die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen und teure Angebote machen , weil sie denken Europäer sind alle reich. Aber damit kann man umgehen, das ist denke ich in vielen Ländern so.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich weiß, dass viele Geschwister sich wünschen auszuwandern, sich aber nicht trauen da sie keine Arbeit haben, kein Haus oder Wohnung besitzen und meinen sie müssten sich erst etwas aufbauen. Das ist aber alles nur Dunja [Weltliche Güter, Anm. der Redaktion]. Was für mich wirklich zählt ist, dass ich hier so sein darf wie ich bin, mit Kopftuch als Muslima und das macht mich zufrieden, weil ich um mich herum Frieden habe.
Ich rate jedem: sucht nach Zufriedenheit eurer Seele, nicht nach Sicherheit- die gibt es nirgends und macht auch nicht glücklich.
ALLAH beschützt uns und nichts kann geschehen was ER nicht für uns will. ER ist der Versorger und wenn wir Ihn bitten, eröffnet Er uns Möglichkeiten, die wir nie für möglich gehalten hätten. Wir müssen nur vertrauen und Ihm folgen.
Nicht so viel denken und planen, sondern einfach tun und vertrauen.
Hätte ich alles planen wollen und wirklich nachgedacht, wäre ich jetzt nicht hier. Das ist das zweit Beste was ich je getan habe. Das erste war, Muslima zu werden.

Und ALLAH ist Der beste Planer, denn Er kennt unsere Vergangenheit und die Zukunft.

Lieben Dank für das Interview, es hat mich sehr gefreut daran teilnehmen zu dürfen. Da ich selber einen Blog schreibe weiß ich, wie viel Mühe es macht. Ich bin nicht so fleißig wie Khalisa und komme kaum dazu weiter zu schreiben, da wir viel unterwegs sind. Trotzdem würde ich mich freuen wenn ihr mal vorbei schaut.
As salamu alaikum wa rahmatuh ALLAH wa barakatuh und tschüss allen lieben Lesern von The Germali’s
Sie versucht, auf ein gemaltes Kamel zu steigen.
Raihana schreckt vor nichts zurück!
 Liebe Schwester, du hast meinen größten Respekt verdient, und bestimmt auch den unserer Leser- wir können uns alle eine Scheibe von deinem Mut abschneiden denke ich! Danke und Baarakallahu feeki für deine beeindruckenden Schilderungen. Möge Allah euch nur das Beste geben, euch reichlich belohnen und euch immer beschützen!
Wer noch Fragen an die Ukhti hat, kann sie gerne im Kommentarfeld stellen.
Bis dann (in shaa Allah),

Deine und Eure Khalisa

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Medizinische Versorgung in Somalia

Eine der vielen Fragen, die aufkommen, wenn jemand über die Auswanderung nach Somalia nachdenkt, ist sicherlich die Frage nach der Medizinischen Versorgung. Deswegen möchte ich in diesem Beitrag näher darauf eingehen.

Diese ganzen Gedanken, die einem im Kopf herum schwirren, und einen beinahe verrückt machen, kenne ich nur zu gut: Was ist, wenn mein Kind aufeinmal dies und jenes bekommt? Oder ein Notfall mit einem Familienmitglied eintrifft (möge Allah uns bewahren)? Wobei ich anfangs ja sehr blauäugig an die Auswanderung heran gegangen bin, denn da hatte ich auch noch keine eigenen Kinder. Doch sobald die da waren, kamen selbst mir manchmal solche Gedanken in den Sinn.

Dann jedoch hab ich sie verdrängt und mich damit beruhigt, dass nichts eintreffen wird, was für einen nicht schon bestimmt ist.

“Kein Knecht (Allahs) glaubt (wirklich), solange er nicht an die Vorbestimmung von Gutem und Schlechtem (in seinem) Leben glaubt und er nicht erkennt, daß das, was ihm zustößt, ihn nicht verfehlen sollte, und das, was ihn verfehlte, ihm nicht zustoßen sollte.” (Dschabir; Tirmidhi)

Außerdem habe ich mich mehr und mehr mit der Sunnah- Medizin auseinandergesetzt. Denn hier in Somalia kann man nicht bequem zu einer Heilpraktikerin gehen und sich von A-Z mit den richtigen Kügelchen versorgen lassen (habe das ja geliebt!). Nein, leider gibt es hier keine Homöopathische Medizin geschweige denn eine Heilpraktikerin. Daher ist die Sunna Medizin die einzige Alternative, die man hier zu den Chemiekeulen haben kann.

Einigen Lesern wird der Begriff Sunnah Medizin etwas Neues sein. Sie beinhaltet naturmedizinische, ganzheitliche Anwendungen aus der Zeit des Propheten Mohammed (s.a.s.), wobei einige Anweisungen direkt von ihm kamen und andere wiederum Praktiken aus seiner Zeit waren, die er ebenfalls befürwortete. Von späteren Gelehrten wie Ibnul Qayyim wurden sie in Büchern zusammen gefasst und gegebenenfalls ergänzt. Denn Allah hat keine Krankheit ohne ein Gegenmittel erschaffen!

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne daß Er für sie zugleich ein Heilmittel herabkommen ließ.“

[Sahih al-Buchari, Kapitel 69/Hadith Nr. 5678]

In Somalia hat man leichten Zugang zu vielen Zutaten dieser Sunnah- Medizin- oftmals muss man nur auf den Markt gehen dafür! Zur Grundausstattung, die fast jeder Somali in seinem Haus hier hat, gehören:

  • Echter Bienenhonig (oftmals noch mit den Waben drinnen)
  • Heil-Gewürze wie Knoblauch, Ingwer, Nelken, …
  • Für die Kenner auch Qist al Hindi
  • und aufjedenfall Schwarzkümmelöl!

Abu Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Benutzt diesen Schwarzkümmel regelmäßig, weil er eine Heilung gegen jede Krankheit ist, außer gegen den Tod.“ (Al-Buchârî und Muslim).

 

Mit Natur- bzw. Sunnah Medizin ist man hier also gut eingedeckt (alhamduliLlah). Was ist nun aber, wenn…?

Für Notfälle gibt es an erster Stelle das Krankenhaus, welches eine Notaufnahme hat. Die Einrichtung ist zwar sehr einfach, jedoch haben eine Menge Erfahrung für die wichtigsten Sachen und auch einige Maschinen, bzw. Werkzeuge.

Daneben gibt es noch zahlreiche Allgemein- und Fachärzte, die teilweise auch aus dem Ausland hierher kommen. Vom Hals- Nasen- Ohrenarzt, Augenarzt, Frauenarzt, etc. ist eine große Palette abgedeckt. Leider muss man alles selber bezahlen, denn von einer Krankenversicherung sind wir hier noch weit entfernt.

Hier in Garowe gibt es z.B. auch einen ganz bekannten Augenarzt (Dr.Abdirrizaq), der beste in ganz Puntland. Die Leute kommen manchmal von weit her, um sich von ihm behandeln oder untersuchen zu lassen (maa shaa Allah). Er hat mit seiner Frau, welche Frauenärztin ist, ein großes (grünes!) Praxisgelände, auf dem man auch Optiker, Laboratorium und Apotheke direkt vorfindet. Wie auch schon im letzten Beitrag erwähnt, behandeln sie Arme Menschen kostenlos.

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Zudem gibt es in Garowe sowie großen Städten wie Bosasso auch eine Anlaufstelle, an der Arme Leute kostenlos untersucht und behandelt werden.

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Nugaal Health Office- mit kostenloser medizinischer Behandlung

Apotheken ohne Ende

Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Apotheken, von denen es in größeren Städten nur so wimmelt! In ihnen findest du Medizin aus aller Welt- von Antibiotika, über Anti-Depressiva bis Osteocare Liquid aus Deutschland. Aber halt keine Natürliche oder sanftere Medizin. Manche Apotheken sind direkt an eine Arztpraxis angebunden, andere wiederum haben ihren eigenen Arzt oder Apotheker, der auch verarztet, Blut abnimmt, etc. So kann man, wenn man sich auf Malaria testen lassen möchte, einfach zur Apotheke gehen und sich dort testen lassen, anstatt 10 Dollar für den Arzt auszugeben,

Meine Erfahrungen

Meine Erfahrungen hier sind verschiedenster Art: leider musste ich für meine Kinder auch schon öfter auf Antibiotika zurück greifen, z.B. als mein Sohn widerholt Mittelohrentzündung hatte, Masern, oder meine Kleine Keuchhusten. Dafür könnte man zwar auch auf die Sunnah- Medizin zurückgreifen, jedoch ist nach meiner Erfahrung etwas schwieriger. Welches 2-jährige möchte sich schon den Rachen „verbrennen“ mit Qist al Hindi- einer indischen Wurzel, die zu Pulver gemacht wurde und mit Olivenöl/Honig angerichtet unheimlich brennt? Deshalb dürfen in meiner Reiseapotheke auch nie Propolis-Tropfen fehlen, die wie Antibiotikum wirken, jedoch viel gesünder sind. Die lasse ich mir bei jeder Gelegenheit immer aus Deutschland mitbringen und sie helfen sofort bei jedem Halskratzer (maa shaa Allah).

Wie sieht es nun aus mit Krankheiten wie Malaria und Cholera?

Malaria kommt leider nicht selten vor, wobei wir außer in 2 Fällen bisher davon verschont wurden (alhamduliLlah). Wenn bei jemandem unübliche Kopfschmerzen mit eventuell Wellenartig wiederkehrendem Fieber auftreten, sollte er sich sofort testen lassen. Denn je früher man behandelt, desto leichter verschwindet es auch (in shaa Allah). Üblicherweise wird in solch einem Fall mit starken Tabletten (Name ist mir entfallen) behandelt, die man je nach Schwere der Krankheit ein paar Tage nehmen muss. Aber dann geht es auch wieder (in shaa Allah).

Gegen Malaria gibt es bisher keine wirksame Impfung, und prophylaktisch zu nehmende Tabletten sind auch kein 100%-iger Schutz und nur lohnenswert (eventuell), wenn man hier Urlaub macht. Ansonsten hilft es, wenn man Mückennetze über die Betten spannt und sich mit Schwarzkümmelöl einreibt.

Es gibt eine gute Alternative zu den chemischen Tabletten, welche von der WHO zwar als nichtig eingestuft wird (damit lässt sich kein Geld verdienen!), jedoch in der Praxis schon vielen Malaria-kranken geholfen hat, zu sehen in Beispielen wie solchen. In Somalia habe ich diesen Strauch noch nicht gesehen (wäre mal ein gutes Hilfsprojekt!), jedoch kenne ich in Deutschland eine Schwester, bei der man das bekommen kann.

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Artemisia annua by Kristian Peters

Cholera kommt eigentlich mehr in den Flüchtlingslagern vor oder bei Kontakt mit diesen. Eines Morgens kam eine neue Helferin (junge Mutter) frisch und munter bei uns an, um sich vorzustellen und direkt mit ihrer Arbeit anzufangen. Ich wunderte mich schon, dass sie sich zwischendurch auf der Toilette übergeben musste. Sie meinte, das läge daran, dass sie diese zu reinigen hatte.

Keine 4 Stunden später lag sie auf dem Boden vor Schwäche. Wir sagten ihr, sie solle sich hinlegen (ihre Mutter, die kam, ebenfalls) und wenn die Mittagspause um ist, würden wir sie zum Krankenhaus fahren. Doch glücklicherweise warteten sie nicht so lange- als wir aufwachten, waren sie schon verschwunden- und zwar ins Krankenhaus. Sie kennen diese Krankheit wohl besser als wir, denn wir hatten wirklich keine Ahnung davon, wie drastisch sich diese entwickelt! Im Krankenhaus fanden wir sie an Schläuche gelegt, sich aus allen Körperöffnungen übergebend. Das einzige, was wir für sie tun konnten war, ihre Medikamente zu zahlen. Ihre Situation sah sehr kritisch aus. Nebenbei erfuhren wir, dass eine Epidemie im Flüchtlingslager ausgebrochen sei. Gott sei Dank kam sie wenigstens nach ein paar Tagen wieder zu Kräften. Etwa 8 Tage später erschien sie wieder auf unserer Matte, um ihrer Arbeit nachzu gehen.

Fazit

Die Medizinische Versorgung in Somalia variiert natürlich, je nachdem wo man lebt. In Städten ist sie in Verbindung mit der Natur-/ Sunnah-Medizin mehr als ausreichend. Auf dem Land ist es für die Bewohner natürlich schwieriger, an diese heranzu kommen. Sie müssen erst ins nächste größere Dorf reisen.

Ich gehe aber davon aus, das meine Leser nicht als Nomaden leben werden. Von daher brauchen sie sich nicht all zu viele Gedanken machen. Hilfreich ist immer, einen 1.Hilfekasten, eventuell eine Homöopathische Grundausstattung (Arnika und Co.) oder Propolis aus dem Ausland mit zu nehmen, so hat man alles zur Stelle für die kleineren Wehwehchen.

Zahnärzte gibt es auch genug für die Grundsachen – ja, sogar feste Zahnspangen kann man sich machen lassen- nur keine Orthopädischen!

Wenn es hart auf hart kommen sollte (möge Allah uns bewahren), d.h. bei spezifischeren Sachen wie Tumore, Unfall- Schäden, usw., lohnt es sich, sich in den Nachbarländern Kenia oder Äthopien behandeln zu lassen, oder gar in Dubai.

Möge Allah uns alle vor schlimmen Krankheiten beschützen und die Situation des Gesundgeitsystems weiter verbessern.

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Einblick in das Gesundheitssystem Somalias bekommen.

Eure Khalisa

Leben in einer Großfamilie (Teil 2)- Die Rolle der Mutter

In diesem Artikel wollte ich euch eigentlich einen Einblick in unser Familienleben geben. Dabei hab ich jedoch festgestellt, dass die Beschreibung der Mutterrolle einen eigenen Artikel Wert ist!

Kinder ohne Ende- eine Last?

Zuerst stellt sich die Frage, warum sich Somalische Familien, bzw. Frauen das „antun“, „Kinder ohne Ende“ zu bekommen? Man könnte meinen, es sei für sie eine Last. So wie es für die meißten Frauen in Deutschland wohl auch wäre. Doch zum einen ist das Kinder erziehen in beiden Ländern nicht zu vergleichen (darauf komme ich später noch zu sprechen), und zum anderen ist es für Somalische Frauen eine Art Status- Symbol und ihr ganzer Stolz, wenn sie viele Kinder haben. Ja, richtig gelesen- Stolz! Denn je mehr Kinder sie haben, desto größer ihr „Königreich“ zuhause- dort sind sie nämlich die Queens! (Ausnahmen gibt es sicher auch, jedoch eher im Ausland, wo sich die Somalischen Frauen an dortige „Standards“ bezüglich der Kinderzahl gewöhnt haben.) Das heißt, sie haben das Sagen, und da hat der Mann und allesamt sich gefälligst dran anzupassen 😉

(Übrigens gibt es auch Ausnahme-Situation, in denen die Verhütung erlaubt ist. Das ist jedoch ein anderes Thema.)

Nicht ohne meine Hooyo!

In Somalia ist die Frau der Mittelpunkt von allen. Sie ist für alle da. Auch wenn sie ab einem gewissen Alter größtenteils auf einem Stuhl sitzt und die anderen reglementiert- ohne sie geht (fast) gar nichts! Dementsprechend taff ist sie auch- denn sie ist eine Managerin, Beraterin, Mutter…- alles zusammen.

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Strahlende Mutter, by somaliagenda.com

Meine Schwiegermutter zum Beispiel wurde jeden Morgen von ihren Söhnen besucht, bevor diese zur Arbeit gingen. Aus Verehrung wurde sie auf die Stirn geküsst. In allen wichtigen Angelegenheiten wurde sie zu Rat gezogen. Und von ihren Töchtern wurde sie tagsüber gepflegt. Neben ihren 10 Kindern zog sie auch noch andere Kinder groß.

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Meine taffe Schwiegermama- Hooyo Halima (möge Allah sich ihrer erbarmen)

Gemäß der Aussage des Propheten Mohammad (Frieden uns Segen sei auf ihm), ist die Frau nämlich auch die Herrin des Hauses:

„Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich für seine Herde: So ist der Anführer ein Hüter und verantwortlich für seine Herde; ebenso ist der Ehemann ein Hüter, hinsichtlich der Familienmitglieder seines Haushalts und verantwortlich für seine Herde; die Ehefrau ist Hüter bezüglich des Haushalts ihres Mannes und verantwortlich für ihre Herde; der Diener ist ein Hüter über den Besitz seines Herrn und ist verantwortlich für seine Herde. Jeder von euch ist also ein Hüter und verantwortlich für seine Herde.”

(Überliefert von Ibn`Umar bei al-Buẖārī und Muslim)

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Mutter mit ihren Kindern, by harousa.org

Traditionelles Rollenbild der Frau- veraltet?

Dieses in der heutigen Zeit eher als traditionell angesehenes Rollenbild der Frau, hat viel Weisheit in sich. Die sogenannte Emanzipation der Frau von dieser Rolle hat ihr bloß doppelt soviel Arbeit bei weniger Lohn gebracht. Wobei ich an dieser Stelle auch erwähnen muss, dass die Somalischen Frauen nicht immer nur Zuhause sind und sein können.

Wenn der Mann nämlich keine Arbeit finden kann, oder die Frau alleinstehend ist, muss sie gleichzeitig Frau und Mann sein: 24h Arbeiten. Entweder verkauft sie etwas auf dem Markt (sie haben ein echtes Händchen für Business), hat ein mini-Lädchen oder muss sogar Müll abholen. Dazu warten die hungrigen Kinder auf sie. Die Männer hingegen lassen es sich draußen im Kaffee gutgehen oder verdrängen ihre Sorgen mit der Khat-Droge. Denn im Haushalt helfen, Kinder betreuen, ist ihnen eher fremd- das gehört nicht zur (nomadischen) Kultur! Das ist die traurige Wahrheit. Aber Gott sei Dank längst nicht für alle.

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Prioritäten setzen als Mutter

Viele Männer arbeiten natürlich auch, und da kann die Frau dann zuhause bleiben. Wenn die Frau studiert hat oder sonst etwas gelernt hat, kann sie das auch einsetzen, solange sie eben ihren Kindern und dem Haushalt gerecht werden kann (manchmal mithilfe von Familienmitgliedern oder Haushaltshelferinnen). Das Geld ist dann aber ihres- denn im Islam ist bekanntermaßen der Mann für die Versorgung zuständig, während das Einkommen der Frau ihr allein gehört – der Mann hat kein Recht darauf. Bloß liegt es auf der Hand, dass sie ihm aushilft im Falle von Arbeitslosigkeit seinerseits.

Generell wird die Mutter im Islam geehrt, zum Beispiel durch solche Aussagen des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm), als er auf die Frage einer seiner Gefährten „Oh Prophet Allahs! Wer verdient meine Gesellschaft und Fürsorge am meisten?“ folgendermaßen antwortete:

Es ist deine Mutter.“ Der Mann fragte: ‚Und wer dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Wieder fragte der Mann: ‚Und wer kommt dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Der Mann fragte wieder: ‚Und wer kommt dann?‚ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Dein Vater.“(Dieser Hadith wurde von Bukhary und Muslim berichtet.)

In diesem Hadith wird eindeutig die hohe Stellung der Mutter hervorgehoben. Auch wird in anderen Aussagen im Qur´an und der Sunna immer wieder betont, dass die Frau das Recht auf gute Behandlung, Respekt und Fürsorge hat.

Frauen

Was Islam mit Somalia zu tun hat

Manch einer mag sich nun fragen, warum ich immer und immer wieder aus dem Islam zitiere. Was hat das mit Somalia zu tun? Ganz einfach- da 99% der Somalischen Bevölkerung Muslime sind, haben sie dessen Rollenbilder und die gesamte Denkweise übernommen. Dementsprechend suchen sie auch in ihrer Religion nach Lösungen, wenn sie mal Probleme haben.

Jetzt höre ich schon einige Stimmen aufjohlen – „Ahaaa, deswegen wird die Frau auch so schlecht behandelt und unterdrückt! Zwangsverheiratet und alles!!!“

Okay, diese Probleme gibt es- leider. Die haben dann aber nichts mit dem  Islam zu tun, sondern mit den Menschen an sich, die dessen Regeln nicht beachten. Auch ich selbst bekomme manchmal Sprüche ab beim Autofahren, oder man will mir beim Einparken helfen, da ich ja eine hilflose Frau bin, usw. Aber ich denke (und hoffe), das wird sich in Zukunft ändern, sobald die neue Generation herangewachsen ist. Die Mädels von heute lassen so etwas bestimmt nicht zu!

Zwangsheirat und Co.?

Was die Zwangsheirat betrifft, wird sie wohl in einigen Fällen leider immer noch durchgeführt (das Gleiche wie mit der Verstümmelung). Aber eben in den gänzlich ungebildeten Schichten, die weder schreiben noch lesen können, und auch nicht wissen, dass solch eine Ehe dann islamisch gesehen gar nicht gültig ist. So stellte der Großgelehrte Ibn Taymiyyah in einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) zusammefassend fest:

„Eine Frau zu einer Ehe zu zwingen, widerspricht komplett dem Sinn einer Heirat. Allah möchte Liebe und Mitgefühl zwischen dem Ehepaar. Wie können diese entstehen wenn sie [die Ehefrau] ihn hasst und nicht mag? Welche Art von Liebe und Zuneigung sollen in so einem Fall schon entstehen? […] So hat eine Frau vielmehr ein Recht darauf, eine Ehe mit jemandem abzulehnen, den sie nicht will.“ 

[Ibn Taymiyyah, Majmoo‘ al-Fataawa, 32/25]

Großfamilie als beste Altersvorsorge

Zurückkehrend zum Thema Großfamilie ist diese in Somalia und anderen Arabischen Ländern auch die beste Altersversorgung, die eine Frau haben kann. Denn später ist es die Aufgabe der Kinder, sich um die Mutter (und Vater) zu kümmern. Im Gegensatz zum Westen, wo eine Mutter nicht allzu selten im Altersheim einsam vor sich hin leben, ist es hier Pflicht, sich um die sie zu kümmern und dabei sanftmütig zu ihr zu sein.

„Und dein Herr hat befohlen: „Verehrt keinen, ausser Ihm, und (erweist) den Eltern Güte. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage dann nicht ‚Pfui!‘ zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise.“

Qur´an al-Karim (17:23)

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Alte Somali Lady (Foto: SomaliNet)

Großfamilie in Deutschland

Allgemein betrachtet, wird man als Großfamilie in Deutschland eher als asozial angesehen. Ab 3 oder 4 Kindern bekommt man nur sehr schwer eine Wohnung, auf der Straße bekommt man Sprüche zu hören wie „Konnten Sie nicht verhüten?„. Traurig aber wahr, schießen sie sich dort selbst ein Eigentor. Denn auf Dauer kann keine Nation ohne Menschen überleben. In Somalia ist es wie ich schon erwähnte, das Gegenteil. Bei mir z.B. wundern sich die Leute, warum ich „nur 2“ habe. Aber Allah hat es für mich bisher nicht anders geschrieben, alhamduliLlah.

Somalische Frauen: taff und nicht kleinzukriegen!

Zusammenfassend kann man sagen, dass Somalische Frauen unheimlich stark und stolz sind. Sie genießen großen Respekt innerhalb der Familie. Auch wenn es negative Seiten für Frauen hier gibt, wie die Zwangsheirat, so macht es nicht den Großteil der Bevölkerung aus. Außerdem wird das hoffentlich immer weniger, je gebildeter die Menschen hier werden. Die meißten Mädchen hier in den Städten wollen nämlich zumindest erst ihre Schule oder gar ihre Ausbildung/ Studium beenden, bevor sie heiraten.

Schülerinnen
Somalische Schülerinnen

Mir wurde soeben von meinem Mann berichtet, dass es zu 80% Somalische Frauen aus der Diaspora waren, die das Land „über Wasser“ hielten während dem über 20-jährigen Bürgerkrieg. Sonst würden jetzt längst nicht so viele Schulen hier stehen, abgesehen davon, dass viele Familien nicht überlebt hätten. Wenn eine Somalische Frau ins Ausland geht, ist sie für die in Somalia hinterbliebenen nutzvoller, als wenn 5 Söhne ausreisen! Ich finde, das sagt schon viel aus!

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Selbst im Ausland taff: Somalische Studium- Absolventin mit Kind. By sahanjournal.com

Klartext, Tacheles reden!

Ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich jede Art der Gewalt und Unterdrückung an Frauen verurteile, und auch nicht die Augen davon verschließen werde. Da es jedoch mehr als genug Berichte über Somalia diesbezüglich gibt, möchte ich den Radius ebenso auf die positiven Dinge hier ausweiten. Wer zudem ein Problem damit hat, dass ich immer wieder die Islamische Perspektive erwähne, muss meinen Blog ja nicht lesen! Aber ich bin überzeugt, dass man keine komplette, ganzheitliche Sichtweise auf die Somalische Gesellschaft bekommt, ohne ihren Glauben, den sie fest verankert  haben, versuchen zu verstehen.

Ausblick

Nach diesem etwas lang ausgefallenen Einblick in die Rolle der Mutter in Somalia, werde ich nun auf das Leben als Großfamilie zurückkommen. Aber ich mache daraus besser einen neuen Teil, damit ihr nicht müde werdet beim Lesen.

Anregungen und Kommentare sowie likes sind herzlich willkommen, sofern sie nicht rechthaberisch sind 🙂 Denn jeder hat seine eigene Sichtweise und sollte nicht versuchen, diese seinem Gegenüber überstülpen zu wollen.

In diesem Sinne bis bald (in shaa Allah), und vergeßt nicht, für eine Verbesserung der Verhältnisse zu beten!

Eure Khalisa

Sawirka la xidhiidha

Hijrah nach Algerien: Das beste aus der Situation machen, und Kompromisse eingehen!

As salaamu alaikum und Guten Morgen/Tag/Abend an meine lieben Leser,
Ich habe die Ehre, euch das 1. Interview, was ich euch bereits in meinem Artikel über das Auswandern angekündigt hatte, vorzustellen. Es geht um unsere Schwester Amina, welche vor einigen Jahren schon nach Algerien ausgewandert ist (maa shaa Allah). Sie wohnt mit ihrer Familie in Tiaret, ca. 300 km von der Haupstat Algier entfernt.
Ihre Beweggründe für´s Auswandern, und mehr, erfahrt ihr nun hier!

Interview mit Amina

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Ich lebe seit fast 9 Jahren in Algerien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann stammt von hier.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ja, Beweggründe… Erstmal, dass die Kinder wegen der islamischen Erziehung keine Probleme in der Schule haben und das man hier doch besser nach dem Islam leben kann, als in Deutschland.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, bißchen Rücklagen hatten wir, alhamdulillah, aber nicht wirklich viel.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, hatte nicht wirklich Sprachkenntnisse, mir sind Fremdsprachen noch nie leicht gefallen.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Naja, meine Familie war nicht gerade begeistert, wie man sich vorstellen kann, aber es ist ja mein Leben.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, Visum brauchte ich.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann ist alhamduliLlah selbstständig.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, ich könnte mir vorstellen hier alt zu werden, ich habe gar keine Lust auf DE, wenn meine Mama da nicht wäre.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Unsere Kinder waren 6 und 1 Jahr. 

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment gehen sie noch zur Grundschule und in die Weiterführende Schule.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Der Adhan [Gebetsruf, Anm.der Redaktion].

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dieser Müll, der hier überall leider rumliegt!

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

 

Als Ratschlag kann ich nur geben… Folgt Eueren Herzen und macht die Hijrah!

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Mein Fazit:

Ersteinmal vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Teilnahme, liebe Amina! ❤
Die Bilder sind unheimlich beeindruckend wie ich finde, einfach wunderschön! Algerien erscheint mir beinahe für die Arabischen Länder das gleiche zu sein, wie die Schweiz es für Europa ist (ok, andere Größenordnung!): Wunderschöne, vielseitige Natur- für Afrikanische/ Arabische Verhältnisse sehr grün (maa shaa Allah)!
Es ist sehr bemerkenswert, dass Amina und ihre Familie mit relativ bescheidenen Rücklagen die Hijrah vollzogen haben, und dass ihr Mann es inzwischen bis zur Selbstständigkeit geschafft hat. Trotz einiger Hürden, wie das Aneignen einer komplett neuen Sprache, und ungewohnten Umständen (überall Müll!), hat sie sich nicht von der Auswanderung abhalten lassen, maa shaa Allah.
Möge Allah ihre Familie segnen und reichlichst belohnen, dass sie alles in ihrer Heimat aufgegeben haben, um ihre Religion in Ruhe auszuleben!
Von nun an werde ich jeden Freitag ein neues Interview veröffentlichen (in shaa Allah). Ihr dürft gespannt sein, denn es sind verschiedenste Länder und Leute dabei!
Bis bald (in shaa Allah),
Eure Khalisa

Leben in einer Großfamilie- kann man es genießen? (Teil 1)

Letztens wurde mir eine Frage gestellt, die mich nicht mehr loslässt, und zu der ich unbedingt Stellung beziehen möchte:

Wird dir das nicht zu viel (in so einer Großfamilie)? Und genießt du noch dein Leben?

Zuerst einmal möchte ich feststellen, dass Kinder der größte Segen sind. bzw. sein können. Wenn denn doch nur alles wie im Bilderbuch verlaufen würde! Doch liebe, freundliche, respekvolle Kinder erziehen sich nicht von selbst. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter: Erziehungsarbeit! Wenn man in der Erziehung zu streng, zu lieb, zu kalt, zu fordernd, zu laissez-faire ist, hat das alles seine Nachwirkungen auf die Entwicklung des Kindes.

Richtige Erziehung: Mittelweg finden!

Von meinem Erziehungswissenschafts-LK blieb mir jedenfalls eins hängen: der goldene Weg ist immer die Mitte! Damals wurde uns das Bild einer Blume gezeigt, die von sich aus wachsen will, wenn sie denn genug Wärme und Wasser von außen her bekommt. Das heißt, ein Kind braucht genügend Freiraum, sich selber entwickeln zu können (mit freiem Spiel, sozialen Kontakten, auch mal Fehler machen zu können…), aber es benötigt die richtige Betreuung dazu. Diese ist geprägt von menschlicher Wärme, Umsorgung und bei Bedarf Hilfestellung und richtungsgebenden Impulsen. So kann ein Kind sich richtig entfalten, ohne zu sehr eingeschränkt, bevormundet oder zu sehr sich selbst überlassend zu sein.

Blumen gießen
Erziehung: Wärme und Wasser plus Hilfestellung! (Foto by mein schöner Garten. com)

Mein Bezug zu Kindern

Ich habe es schon immer geliebt, mit Kindern zu spielen, ihnen zu helfen, usw. Mein Lieblings-Job war früher nicht ohne Grund Babysitten und mein damaliges Studium nicht umsonst auf Kinder ausgerichtet.

Mit nur einem Bruder bin ich in einer sehr behüteten Welt aufgewachsen (alhamduliLlah). Unsere Freizeit und Urlaube hatten wir meißtens mit 2 anderen „Großfamilien“ verbracht. Von Großfamilie spricht man in Deutschland ja schon, wenn man mehr als 2 Kinder hat. Die eine Familie hatte also 4 Kinder, die andere 6 (maa shaa Allah). Wenn ich sie manchmal sich gegenseitig „käbbeln“ (spielerisches Kämpfen) sah, kamen mir schonmal die Tränen- ich wünschte mir auch so viele Geschwister!

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Die beiden Großfamilien, mein Bruder und ich

Es war jedoch für meine Mutter nicht vorherbestimmt, noch mehr Kinder zu bekommen, also blieb ich allein mit meinem Bruder. Im Westen spielt die Rolle von Freunden ja sowieso eine größere Rolle, als die der Familie (jetzt mal verallgemeinert). Also war ich quasi aus dem Schneider raus. Ich verschob, bzw. verdrängte den Wunsch nach einer Großfamilie einfach auf später! Da wollte ich mindestens 3 Kinder kriegen! (Damals wußte ich natürlich nicht, was das für Arbeit das bedeutet, hehe.)

Mein Weg zur Großfamilie

Als ich dann meinen Mann kennenlernte und hörte, dass er bereits 9 Kinder habe (Möge ALlah sie segnen), hat mich das mehr erfreut als abgeschreckt. Ich hatte die einmalige Chance, Mutter zu werden, ohne die ganzen Schwangerschaftsbeschwerden und Geburtsschmerzen!! Zudem finde ich afrikanische Kinder sowieso sooo süß (maa shaa Allah)!

Zur Vorbereitung: erstmal nur 2

Bei meinem Mann in Dänemark angekommen, warteten dort schon ein Baby und ein 3-jähriges Mädchen. Für die letztere wurde ich sofort die beste Spielkameradin. Nach kurzer Zeit wollte sie schon nicht mehr ohne meine Anwesenheit einschlafen, maa shaa Allah! Sie nannte mich „Mama“, während sie ihre leibliche Mutter „Hooyo“ nannte, Somalischer Begriff für Mama. Das hatten ihre Geschwister dann auch so übernommen, obwohl mein Mann ihnen mehrfach beizubringen versuchte, dass sie auch Hooyo zu mir sagen. Aber sie hatten das sofort in ihre Köpfe geschweißt und konnten das nicht mehr ändern. Auf Somalisch wird jede mittel- alte Frau „Mama“ genannt, aus Respekt. Und ich war eben noch eine sehr junge „Hooyo“, also passte das schon, zumal im Deutschen ja `Mama´ die gleiche Bedeutung wie ´Hooyo´ hat! Selbst meine leiblichen Kinder nennen mich „Mama“ und die andere Frau meines Mannes „Hooyo“, was für Somalische Mütter underdenklich wäre! Denn die lassen die Stiefmütter einfach „Eedo“ nennen, was Tante bedeutet.

Nun gut, jetzt hätten wir das auch schonmal geklärt 🙂

Auf ins kalte Wasser oder plötzliches Mutterglück!

In Somalia angekommen, wurde ich dann ganz plötzlich mehrfache Mama! Anfangs konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen. Doch mit der Zeit lernte ich auch langsam erste Somalische Wörter. Denn wie willst du mit Kindern spielen, auch mal Anweisungen geben oder auch mal eine Käbbelei zu schlichten, ohne dabei ihre Sprache zu sprechen?

Erste Anfangsschwierigkeiten

Die richtige Bestandsprobe kam dann aber erst, als meine Co-Schwester wieder schwanger wurde und deswegen nach Dänemark musste. Da hatte ich aufeinmal die ganze Verantwortung zu tragen, die mich manchmal fast übermannte. Ok, meine Schwiegermutter (möge Allah sich ihrer erbarmen) war Gott sei Dank auch noch da. Ohne sie hätte ich das garnicht gepackt. Aber durch unsere verschiedenen Erziehungsstile und durch meine gebrochene Sprache war es aufeinmal schwierig, mich durchzusetzen, bzw. das nötige Gehör zu kriegen. Ich konnte aufeinmal nicht mehr nur die Spielgefährtin sein, sondern musste reglementieren, schlichten, etc. Dieser plötzliche Rollentausch war wohl für die Kinder auch nicht so einfach, was sich an ihrem Verhalten zeigte. Aber ich darf auch nicht übertreiben- wir hatten auch schöne Zeiten! Zum Beispiel wenn ich mit ihnen raus in die Natur fuhr, oder ihnen Spielideen gab oder einfach nur für sie da war. Aber einfach war es wohl für alle nicht.

Dies war also mein erster Sprung ins kalte Wasser. Es machte mich sehr viel wacher und ich lernte viel daraus (alhamduliLlah). Zum Beispiel, was ich in Zukunft besser machen könnte!

Die Situation entspannt sich

Alhamdulillah kommt nach jeder Erschwerniss eine Erleichterung (mehr über die Zeit in diesem Artikel). So kam meine Co-Schwester nach etwas über einem Jahr mit ihren Zwillingen wieder. Und da fing es dann wieder an, schön und entspannter zu werden! Denn mit ihr war ich erziehungs-ideologisch auf einer Wellenlänge: Für uns war es z.B. wichtig, die Kinder auch mal rauszufahren, Spaß mit ihnen zu haben. Auch wenn es von unserem Umfeld eher belächelt wurde.

Von Generalprobe zur Aufführung: kein Zurück mehr!

Als ich dann bald darauf meinen eigenen Bub in den Händen hielt, war ich so überwältigt von Glücksgefühlen und gleichzeitiger Angst, dieser Verantwortung nicht gerecht werden zu können. Beinahe bekam ich depressive Verhaltens- bzw. Denkweisen: von Himmelhoch-jauchzend zu sehr betrübt oder besser gesagt, besorgt. Plötzlich hatte ich noch einmal ein ganz anderes Bewußtsein dafür, was es heißt, Mutter zu sein- ist es doch eine riesige Verantwortung, ein Menschenleben in der richtigen Weise groß zu ziehen! Ich bereute auf einmal auch meine teils harsche Weise, mit der ich manchmal zu den anderen Kindern gesprochen hatte. Aber das lag vor allem auch daran, dass ich mich nicht richtig ausdrücken konnte, und dass das gesamte Umfeld eher so mit den Kindern umging. Bei der Vorstellung, mein Sohn in solch einem Umfeld aufwachsen zu sehen, brachte mich zu Tränen.

Aus Fehlern lernt man

Nach einem Jahr der kam ich guten Mutes nach Somalia zurück, diesmal mit meinem Baby. Es war mir eine riesen Freude, alle wieder zu sehen! Diesmal fühlte ich mich auch der Aufgabe, eine Mutter für alle zu sein, mehr gewachsen (alhamduliLlah). Und ich wollte unbedingt etwas ändern: meinen Umgang mit allen meinen Kindern! Irgendwie verändert es das Einfühlungsvermögen, wenn man selber ein Kind zur Welt gebracht hat, jedenfalls war das bei mir so.

Spagat zwischen zwei Temperamenten

Da mein Sohn sehr sensibel war, seine Geschwister jedoch sehr temperamentvoll, war es auch nicht immer leicht, dies unter einen Hut zu bringen. Neiiin, bitte nicht aufwecken, nur um ihm einen Schmatzer zu geben! Er ist keine Puppe- sei vorsichtig! Nicht hinsetzen. er soll das von alleine lernen! -Konnte man wohl öfter von mir hören. Beim ersten Kind ist man auch nochmal doppelt vorsichtig mit allem 😉

Wichtigste Zutat: Gelassenheit!

Mit meinem 2.Kind war alles dann schon einfacher und entspannter. Wenn ich sie vor den „wilden“ Geschwistern schützen wollte (da sie gerade müde wurde und schlafen wollte), nahm ich sie einfach in meine Tragetasche. So eine praktische Erfindung übrigens 😉

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Meine Tochter in unserer Tragetasche

Meine innere Ruhe muss sich wohl auch auf meine Tochter überspielt haben (natürlich unbewußt), denn bis heute ist sie von ihren Geschwistern kaum zu unterscheiden, was ihr Temperament betrifft (maa shaa Allah). Oder lag es daran, dass ich sie schon mit 7 Monaten hierher brachte? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.

Kinder- Segen und Prüfung zugleich

Aus islamischer Sicht sind Kinder sowohl ein Segen, als auch eine Prüfung. Wie ist das nun wieder zu verstehen? Ganz einfach: Allah gibt uns auf der einen Seite Kinder, damit sie unser Leben bereichern, auf der anderen Seite kann Er uns auch damit prüfen- z.B. wenn sie mit Behinderung auf die Welt kommen, oder sehr schwierig vom Charakter sind, oder nicht so werden, wie wir uns das wünschen, oder wenn wir überhaupt keine Kinder bekommen.

Eure Reichtümer und eure Kinder sind wahrlich eine Versuchung; doch bei Allah ist großer Lohn.“

(Quran 64:15)

Eingespieltes Team

Mit der Zeit genieße ich das Leben in meiner Großfamilie immer mehr (alhamduliLlah). Es sind allerdings auch 4 weniger geworden, jedoch mit meinen immer noch 9 (maa shaa Allah). Und sie werden natürlich immer verständiger, älter. Das wichtigste ist: ich kann inzwischen sehr gut mit ihnen kommunizieren und weiß, worauf es ankommt (alhamduliLlah)!

Deswegen lautet meine Antwort: Ja, ich genieße mein Leben in meiner Großfamilie (alhamduliLlah)!

Bloß manchmal muss ich zugeben, dass aus dem Ja ein „Jain“ wird. Denn welche Mutter ist manchmal nicht genervt vom alltäglichen Wahnsinn in diesem 24-Stunden- Job, der völlig unterbewertet wird in der Gesellschaft? Eine Mutter muss sooo viel leisten, und das meißtens gleichzeitig:

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Das kommt glaube ich auch bei 2 Kindern manchmal vor.

Ohren zu und durch!

Auch habe ich noch Probleme, mich an die Lautstärke der Kinder zu gewöhnen, wenn jeder versucht, den anderen zu übertönen. Das ist aber natürlich nicht durchgehend so. Und dies betrifft wohl auch nicht nur mich: schon öfters habe ich gehört, dass Deutsche sich über die Somali´s wundern würden, weil diese sich gegenseitig so sehr anschreien würden: dabei ist es für sie eine ganz normale Unterhaltung! Aber wir sind dabei…zu erziehen! Und dieser Weg ist zwar steinig, aber lohnenswert (in shaa Allah)!

Break mit großer Erkenntnis

Jetzt sind alle unserer Kinder gerade für 4 Tage weggefahren, und mir wird richtig bewußt, wieviel sie mir eigentlich bedeuten. Ich vermisse sie schrecklich- und dass ist doch ein gutes Zeichen!  Durch solche „breaks“ wird mir wieder bewußt, dass ich wirklich dankbarer sein muss, dass ich so viele „Geschenke“ an meiner Seite und in meiner Obhut habe- alhamduliLlah also für alles! Ich will sie nie mehr missen und bete zu Allah, dass Er uns Seinen Segen gibt und uns beschützt.

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Ich hoffe, ich konnte die Frage der Schwester genügend beantworten.

Im nächsten Teil werde ich etwas mehr unseren alltäglichen (Wahn-) Sinn beschreiben, den wir so erleben. Also in shaa Allah bis bald,

Eure Khalisa

 

Hijrah- Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

„Was bedeutet das nun wieder, Hijrah?“

Mag sich der ein oder andere denken (ausgesprochen wird es übrigens „Hidschra“- aber ich finde die Englische Schreibweise schöner 🙂 ). Es bedeutet im muslimischen Kontext: Verlassen, Auswandern. Und zwar von einem nicht-muslimischen Land in ein muslimisches Land, sofern man seine Religion nicht frei ausüben kann. Denn dann wird es für jeden zur Pflicht, der in der Lage dazu ist (Fatwa siehe hier). Auch in ein nicht-muslimisches Land auszuwandern, in dem man jedoch frei seinen Glauben leben kann, wird dazu gezählt.

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Karawane (by 99traveltips.com)

Die erste Hijrah wurde von den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm) gemacht, und zwar von Mekkah ins christliche Abessinien (ganz nah an Somalia!) im Jahre 615. Mit der 2. Auswanderung im Jahre 622 nach Medina, welche der Prophet (s.a.s.) ebenfalls vollzog, fing die Islamische Zeitrechnung an.

Oha, das klingt jetzt aber nach schwerer Kost für den ein oder anderen!

Für einen Muslim, welcher seinen Glauben praktizieren will, ist das jedoch ein Traum: ein Ort, an dem er in Ruhe seine 5 Gebete in der Moschee oder am Arbeitsplatz beten kann, wo er sich islamisch korrekt anziehen kann und wo er sich mit anderen Geschwistern öffentlich treffen kann, ohne dabei direkt unter die Lupe des Verfassungsschutz zu geraten, von Leuten als Terrorist beschimpft zu werden, oder gar Handgreiflichkeiten ausgesetzt zu sein. Ja, so geht es uns nämlich in Deutschland- leider. Denn abgesehen davon lieben wir unser (Geburts-) Land, und es ist alles andere als einfach, sich irgendwo am anderen Ende der Welt zu integrieren.

Hinzu kommt, dass es in Arabischen, sogenannten Islamischen Ländern, längst nicht so islamisch zugeht, wie es sollte:

Der Glauben wird oftmals nur als Titel praktiziert, während es unter der Oberfläche fault.

Hart, aber wahr. Gerade eben wegen dieses Nicht-befolgens unserer Religion sind wir als Muslime in so einer miserablen Lage- wir haben uns quasi selbst hinein katapultiert!

Nun will und soll man also aus den Ländern raus, in denen man seinen Glauben unterdrücken muss, wenn man toleriert werden will,- doch wohin eigentlich???

Es ist weithin bekannt, dass in den muslimischen Ländern viel zu viele Rückstände herrschen, betreffend z.B.:

  • der Bildung
  • dem Gesundheitssystem
  • Korrupte Politik
  • Sauberkeit
  • Religiösität

Da ist es doch viiiiiel bequemer, zuhause zu bleiben!!!

Achja, ich vergaß beinahe, dass ich ja nicht mehr toleriert werde. Hmmm…

Gehen wir also die Länder einmal (oberflächlich) durch, dabei die Kriegsgebiete vehement auslassend:

  • Tunesien, Lybien, Jordanien– dort gibt es beinahe mehr Fitna (=Versuchungen), als in Deutschland! Denn sie wurden erfolgreich von der Kolonialzeit von ihrer Religion entwurzelt.
  • Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Oman, Qatar, Kuwait– Luxusleben möglich, aber nur für Einheimische! Für andere ist es viel zu schwierig, längerfristig dort zu bleiben, aufgrund der schwierigen Visa-Vergabe. Und selbst, wenn man dort Arbeit hat, wird auf einen herabgeschaut, sofern man nicht Einheimischer ist oder zumindest mit einem verheiratet.
  • Marokko, Ägypten, Algerien– dort gibt es wohl ein paar Ecken, in denen man Platz finden könnte, bloß mit der Arbeitsfindung könnte es schwierig werden. Und eventuell wird man dort auch verdächtigt, irgendeiner Bruderschaft anzugehören, bloß weil man Bart trägt (jetzt als Mann).
  • Indonesien, Malaysien– dort geht es sehr liberal zu, jeder wird in Ruhe gelassen, egal ob Muslim, Jude, Hindu, Christ oder gar Buddhist. Wobei man als Bartträger oder Frau mit langem Hijab wohl auch ziemlich alleine ist.
  • Was bleibt noch über? Sudan, Mauretanien und- Somalia!? Sudan hört man kaum, wie es als Auswanderland ist. Mauretanien und Somalia haben scheinbar einiges gemeinsam. Aber sind aufgrund der Armut weniger populär, d.h. man wandert dorthin wirklich für seine Religion aus, nicht um ein Luxusleben zu haben.
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Einige der Muslimischen Länder (Foto by Falk Translation)

So, das wäre ein kleiner Überblick aus meiner bescheidenen Perspektive. Welches Land würdet ihr wählen? Habt ihr genug studiert, um in eins der reichen Länder den großen Durchbruch zu schaffen, um dann Strandbilder von 1000 und einer Nacht twittern zu können?

Oftmals ist das natürlich nicht der Fall. Denn allein der Bildungsweg wird einem als praktizierendem Muslim in Deutschland und Umgebung nicht unbedingt leicht gemacht.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Sagt man so schön.

Wenn man sich also auf die negativen Aspekte des jeweiligen Landes konzentriert, wird man nie fündig, sondern man wird noch in 30 Jahren in seinem Ohrensessel hocken und die Vor- und vor allem Nachteile dieser Länder studieren.

Man sollte sich also eines klar machen:

Es gibt kein perfektes Stück Land auf dieser Erde!!!

Selbst der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte einst zu seinem Gefährten Ibn`Umar:

Sei in diesem Leben, als wärst du ein Fremder oder ein Durchreisender.'“
Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wenn du den Abend erreichst, dann erwarte nicht, den Morgen zu erreichen, und wenn du den Morgen erreichst, dann erwarte nicht, den Abend zu erreichen. Nimm von deiner Gesundheit vor deiner Krankheit und von deinem Leben vor deinem Tod.
(Berichtet von Al-Bukhari.)

Also müssen wir Kompromisse eingehen. Jedes Land hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile, welche man gut abwägen sollte, ohne sich davon entmutigen zu lassen. Denn egal, wo man in dieser Welt auch hingeht: als praktizierender Muslim bleibt man immer etwas fremd! Jedoch sollte man allein schon für seine Kinder einen Ort suchen, an dem sie in Ruhe als Muslime aufwachsen können, ohne gemobbt zu werden etc. Das ist man ihnen und sich schuldig. Und ich denke, in jedem der genannten Länder gibt es Orte, an denen dies mehr oder weniger möglich ist.

Aber wohin denn nur?

Natürlich ist es immer besser, in sein ursprüngliches Heimatland (oder das des Ehepartners) auszuwandern, ganz klar. Wenn dieses jedoch zur erst genannten Kategorie oder gar eines der Kriegsgebieten gehört, oder wenn beide ursprünglich europäisch sind und keine Wurzeln in eines dieser Länder haben, so muss man sich klar machen, dass die Welt größer ist als dieses eine Land! Siehe im Qur´an:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“(…).

(Sure An-Nisaa (4) :97)

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo Leute gar keine Möglichkeit haben, diesen Schritt zu tun (z.B. schwere Krankheit, hohes Alter). Jedoch sollte man ehrlich zu sich sein: habe ich wirklich keine Möglichkeit, in dieser weiten Welt einen besseren Platz zu finden, oder ist es nur meine Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Verlust, was mich davon abhält?

Und in Anbetracht der riesigen Belohnung, sollte man in der Lage sein, ein paar (weltliche) Kompromisse einzugehen.

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie (es) nur wüßten!

(Sure An-Nahl (16):41)

Was ist schon das Diesseits gegen solch ein Versprechen unseres Schöpfers? Und wenn Ihm die Welt etwas bedeuten würde, meinst du wirklich, Seine Gesandten und Propheten hätten in so einer Armut und Bescheidenheit gelebt?

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So, was hat das nun alles mit diesem Blog zu tun?

Mögt ihr euch vielleicht fragen. Zu allererst hat die Gründerin dieses Blogs Hijrah nach Somalia gemacht (alhamduliLlah). Zudem ist es eins der Ziele dieses Blogs, andere zu dem gleichen Schritt zu motivieren (in shaa Allah). Von daher ist dieses Thema unabdingbar 🙂

Meine Geschichte, wieso ich mich ausgerechnet für Somalia entschieden habe, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es gibt aber auch zahlreiche Schwestern und Brüder im Glauben, die sich für eins der anderen Länder entschieden haben. Ihre Beweggründe und mehr, das wollen wir in einer neuen Reihe in unserem Blog klären. Wie? Indem wir sie einfach fragen! Ganz bald schon werdet ihr  (in shaa Allah) in den Genuß einiger Interviews kommen, die ich mit Geschwistern von verschiedensten Ländern dieser Welt durchführe. Jedesmal werde ich auch einen kurzen Vergleich zu meinem Hijrah- Land Somalia ziehen, so dass auch immer der Bezug zu unserem Blog bestehen bleibt.

Ihr dürft also mindestens genau so gespannt sein, wie wir es sind 🙂

Möge Allah allen Muslimen, die es auch wirklich wollen, die Hijrah ermöglichen und möge Er allen, die diesen Schritt bereits getan haben, standhaft darauf machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Falls du jemanden kennst, der Hijrah gemacht hat und mitmachen würde, oder falls du selber schon Hijrah gemacht hast, zögere bitte nicht, uns zu kontaktieren!

 

Ferien in Sicht!

In spätestens 3 Tagen ist es soweit: meine Prüfungen hinter mir, werde ich mich endlich wieder mehr dem Blog widmen können (in shaa Allah)! Nicht, dass ich mein Teilzeit- Studium nicht mögen würde. Im Gegenteil- ich genieße das Lernen ebenso, bloß wenn man alles bis auf den letzten Drücker hinaus zögert, wird es etwas stressig! Einen kleinen Zwischenreport kann ich mir dennoch nicht verkneifen 🙂

Meine Prüfungsthemen gehen diesmal thematisch weit auseinander: Professional Development und Seerah- Lebensgeschichte unseres geliebten Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm). Komplementärer könnte es nicht sein würde man auf den ersten Blick denken! Und es spiegelt auch mein vielseitiges Interesse wieder. Wobei ich in dem ersteren Kurs auch eines gelernt habe, bzw. mir noch mal bewusst wurde: nämlich dass der beste aller Führer/Bosse unser Prophet (s.a.s.) war! Denn welcher Leiter einer Gemeinschaft hat es bitteschön geschafft, dass ihn auch noch mehr als 1500 Jahre später 1,8 Milliarden Menschen (laut Wiki) zum Vorbild nehmen? Zudem hat er die Menschen um ihn herum in einer so bescheidenen und doch so vielseitigen Art angeleitet, wie es heutzutage in den zahlreichen Theorien über Leadership- Styles nachzulesen ist. Für den ein oder anderen mag diese Aussage nun etwas befremdlich klingen- aber wohl nur für diejenigen, die sich mit der Seerah noch nie wirklich auseinander- gesetzt haben (dann wird es aber mal Zeit)! Selbst Wolfgang von Goethe hat sich sehr ausführlich mit der Lebensgeschichte des Propheten (s.a.s.) und des Islams auseinander gesetzt und unter anderem folgende Aussage gemacht:

„Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
Kränkte seinen heil’gen Willen.
Und so muß das Rechte scheinen
Was auch Mahomet gelungen;
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.“ (WA I, 6, 288 ff)

Wer mehr über Goethe und seine Beziehung zum Islam erfahren möchte, findet hier mehr dazu.

Soviel nun zu meinen Studienkursen und die erstaunliche Verbindung von „Thought-/ Green-/ Example-/ Market-/ Buttom-up-/sonstige- Leadership-Styles“ und unserem Propheten (s.a.s.).

Was macht man nun nach einer intensiven Lernzeit, um nicht in ein Loch zu fallen? Und zudem noch in Somalia hockend?

Erst einmal werde ich wohl einen extra Ausflug mit meinen Kindern machen und viel Zeit mit ihnen verbringen. Denn in den letzten 2 Wochen mussten sie viel mit sich selbst spielen. Gut, bei insgesamt 9 Kindern und zeitweise noch 5 Cousinen/Cousins ist das wohl keine schwere Angelegenheit (alhamduliLlah)! Und trotzdem hab ich sie öfter einmal vertrösten müssen. Wahrscheinlich habe ich mir das mit meinem schlechten Gewissen mehr zu Herzen genommen als meine Kids!

In meiner freien Zeit (zwischen dem Morgengebet um 5 und dem Aufwachen meiner Kinder, oder auch nachts) habe ich mir dann noch folgendes vorgenommen:

  • Natürlich werde ich einige Artikel über bestimmte Themen schreiben (in shaa Allah).
  • Auch steht die Auswahl eines neuen Designs für unseren Blog an und die große Umstellung.
  • Ein paar Themen-bezogene Fotos werde ich auch schießen- bloß keine Soldaten (neue Kamera bleibt wohl noch ein Traum, aber wer weiß!).
  • In shaa Allah werde ich auch zu einem Qur´an- Kurs gehen.
  • Meine Fitness aufbessern, die in der letzten Zeit etwas vernachlässigt wurde.
  • Außerdem warten schon seit längerer Zeit 3 tolle Kurse auf mich, die ich bereits gezahlt habe, aber noch nie die Zeit dafür gefunden hatte: 1. Wie man sein eigenes E-Book innerhalb 90 Tagen veröffentlicht (warum ich diesen Kurs gewählt habe, liegt auf der Hand, jedoch verrate ich noch nicht zuviel!); 2. Wie man Homeschooling macht (gerade in unserer jetzigen Situation interessant); 3. Wie man seine Zeit am besten managed ähm…organisiert (das muss ich auf jedenfall!).
  • Eventuell bleibt auch noch Zeit für ein Stimm-Coach Seminar, was sich bestimmt auch lohnt (seine Stimme richtig einzusetzen schadet ja nie, bzw. ist in vielen Situationen hilfreich).
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Meine geplanten Online- Kurse

So, nun habt ihr einen kleinen Eindruck in meine derzeitige Situation bekommen und womit ich mich demnächst so beschäftigen möchte, so Allah es mir erlaubt!

Meine Uhr tickt…muss/darf wieder ans Lernen.

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Windrad nähe Garowe- Symbol für die fortlaufende Zeit!

Meint ihr, das sind etwas zu viele Pläne für 4 Wochen? Einige Dinge wie den Qur´an Kurs werde ich ja auch darüber hinaus verfolgen, in shaa Allah.

Falls ihr noch Ideen für Blogartikel habt, oder was ich sonst noch in meiner „lern-freien“ Zeit machen könnte, schreibt einfach einen Kommentar!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

87 Ideen für Blogartikel

… So lautet ein zumindest fuer Blogger recht interessanter Artikel, den ihr unten verlinkt seht. Da fiel mir direkt ein, euch ein paar von den kommenden Themen vorzustellen, die ich, sobald meine Pruefungen vorbei sind, in den Angriff nehmen werde (in shaa Allah). Ich glaube uebrigens, Bloggen macht irgendwie suechtig. Jedenfalls muss ich mich richtig zsammenreissen, statt meine Zeit mit dem Blog hier, mit Lernen zu verbringen!

Naja, aber ab Mitte Februar werde ich in shaa Allah genuegend Zeit haben. Bis dahin ist auch hoffentlich mein heute auf unglueckliche Weise kaputt gegangener Laptop wieder repariert, so dass ihr wieder in den Genuss des Deutschen Ue’s, Oe’s, Ae’s und des „Es-Zet’s“ kommt 🙂

Aufjedenfalls werde ich noch mehr interessante Themen ueber das Leben in Somalia aufgreifen, zum Beispiel: wie die Kinder hier erzogen werden, wie die Bildungssituation hier ist, wie man sich hier kleidet, wie man seine Freizeit hier verbringen kann… und auch, was man benoetigt, um hierhin Hijrah zu machen und die Vor- und Nachteile solch eines Vorhabens. Wenn es euch interessiert, werde ich auch ueber das heikle Thema der Mehrehe zu sprechen kommen und ueber die Rolle der Frau in Somalia.

Dies sind bloss die ersten Themen, auf die in shaa Allah noch viele weitere folgen! Und ihr koennt mir helfen, in dem ihr unten einen Kommentar hinterlasst mit weiteren Vorschlaegen und Ideen!

 

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Hier koennt ihr ebenfalls noch Ideen fuer Blogbeitraege kriegen:

Wer kennt es nicht. Du willst eigentlich einen Artikel für Deinen Blog verfassen aber Dir fällt heute einfach kein passendes Thema ein? Der folgende Beitrag wird Deinem Kreativitätstief mit Garantie auf die Sprünge helfen. Hier unsere 100 Ideen für coole neue Blogartikel. Da Eure Leser bestimmt auch öfter einmal vor dem Problem stehen, Reblogged doch […]

über 87 Ideen für Blogartikel — lifehag.com

Bis hoffentlich bald (in shaa Allah)!

Eure Khalisa

 

Das war aber knapp! Fotografieren in Somalia

Fotografieren ist manchmal doch nicht so ohne hier! Das musste ich erfahren, als ich 2 Tage zuvor mit Kindern und Co-Schwester zusammen losgezogen bin, um Fotos für den nächsten Artikel zu machen. Wer andern etwas beibringen möchte, muss selber erstmal lernen! So ergeht es mir zurzeit, wenn ich über Somalia schreiben möchte: aufeinmal habe ich viel mehr Fragen! So auch, als wir an einem Platz mit zahlreichen Schutz-Markern aus Beton vorbei kamen (Funktion: dass kein Selbstmordattentäter näher kommen kann), eingefärbt in den Somalischen Nationalfarben. Ich erfuhr, dass dies der ehemalige Präsidenten-Palast ist von Abdullahi Yusuf (erster Präsident des Staates Puntland, und vorübergehender Präsident der vorübergehenden Regierung Somalias 2004-2008). Heutzutage ist es das Zuhause für die Soldaten der Stadt (wusste ich vorgestern auch noch nicht).

Während wir langsam daran vorbei fuhren, versuchte ich, durch den Gegenverkehr hindurch ein gutes Foto davon zu erwischen. Die Fotos sind zwar nicht gut geworden, aber haben dafür umso mehr Wirbelwind aufgeweht. Meine Co-Schwester wollte gerade ein Auto vor uns überholen, da sah ich 2 sich aufregende Soldaten. Sofort hielten wir an, inmitten auf der Straße. Die zwei Soldaten kamen zu uns und sprachen etwas durcheinander: „Was soll das? Warum macht ihr Fotos? Woher kommt ihr?“. Meine Co- Schwester versuchte sie zu beruhigen, indem sie ihnen freundlich erklärte, dass sie mir die Stadt zeigen würde und wir Fotos von allen wichtigen bzw. schönen Plätzen machen würden. Außerdem würden wir hier in Garowe wohnen.

„Gib mir dein Handy!“ sagte der eine Soldat. Ich dachte, er wolle es für sich einsacken, zudem war ich innerlich empört, dass sie aus einer Fliege einen Elefanten machten. So sagte ich „Nein, ich wird es dir nicht geben!“ Und „Ist fotografieren haram oder was?“

Gott sei Dank war meine cool gebliebene Co-Schwester bei mir, die mir das I-Phone aus der Hand nahm und es ihnen gab. Ich glaube allerdings, dass sie nichts damit anfangen konnten. Womöglich können sie noch nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. Aber zumindest sahen sie, dass es keine Waffe oder Auslöser für solche war. Also sagte der eine: „Das ist`aib (unverschämt), einfach zu fotografieren ohne zu fragen!“. Ok, das mag sein, jedoch war es nicht meine Absicht, diese Soldaten zu fotografieren- sie sind mir einfach in die Linse gelaufen und waren auch auf den Fotos nur von hinten zu sehen! Der andere meinte „Wenn die anderen dich fotografieren sehen, könnten sie auf dich schießen!“ Diese Info war schon etwas beklemmender und (un-) verständlicher. Dann gab er mir aber mein Handy und wir durften weiter fahren, alhamduliLlah.

In dem Moment fühlte ich mich wie ein Undercover- Journalist im Kriegsgebiet, der sich in Zukunft verstecken muss, um zu fotografieren. Aber das werde ich bestimmt nicht tun, bloß werde ich darauf achten, dass keine Soldaten im Visier sind! Abgesehen davon sind wir ja nicht im Kriegsgebiet alhamduliLlah.

Ein bisschen geärgert hab ich mich später über mich selbst schon, denn meine aufbrausende bzw.sture Art hätte mich auch ganz woanders hinführen können (z.B. ins Gefängnis)!

Und die Moral aus der Geschicht´: Aufregen lohnt sich nicht! Es kann dich eher in Gefahr bringen! Zumindest wird es deine Situation nicht verbessern. Selbst in meiner Religion gibt es eine Aussage des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm):

Stark ist nicht derjenige, der andere (im Kampf) besiegt, sondern stark ist derjenige, der sich beherrscht, wenn er wütend wird.“ (Ahmad 2/236, der Hadith ist übereinstimmend akzeptiert.)

In diesem Sinne muss ich wohl noch lernen, mich zu beherrschen, wenn mir jemand unfreundlich kommt.

Man lernt nie aus…und nur wer nicht an sich arbeitet, bleibt stehen!

Weisheit

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung (in shaa Allah)! Möge Allah uns helfen, uns zu verbessern!

Eure Khalisa

PS: der nächste Artikel muss wohl noch etwas auf sich warten lassen, da ich gerade eigentlich im Lernstress sein sollte  °räusper° 🙂

Last but not least! (vorerst letzter Teil meiner Geschichte)

 

Heute geht es mit dem vorerst letzten Teil meiner chronologisch erzählten Geschichte in Somalia weiter. Sie wird erst beendet sein, wenn meine Zeit gekommen ist! Aber trotzdem wird dieser Teil nicht das Ende dieses Blogs sein (in shaa Allah), denn es gibt noch viel mehr über Somalia und das Leben dort zu berichten, als bloß meine Geschichte! Meine Geschichte ist nur ein Beispiel, dass man hier als Europäische Muslima (oder als GerMali) auch leben kann.

Weg vom Stress

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Me am stillen in Dubai

Machen wir also eine kleine Zeitreise zurück bis zum Sommer 2015. Meine neu-geborene Tochter war in-zwischen 7 Monate alt, und sollte nun ihre erste Weltreise antreten. Ich stillte sie immer noch sehr viel, also machte ich mir nur halb so viele Sorgen, dass sie krank werden könnte (Stillen ist der beste Immunschutz). Der Kinderarzt meinte auch, bloß unter 3 Monaten sollte man noch nicht mit Säuglingen große Strecken fliegend zurück legen. Ich war also guten Mutes, dass alles gut gehen würde (in shaa Allah). Zudem wird es in Deutschland immer stressiger, desto mehr Kinder man hat. Vor lauter Terminen – ob nun Bürokratischer- / Ärztlicher-/ sonstiger Natur- kommt man zu gar nichts mehr. Zudem muss man seine Kinder bei jedem (Regen-) Wetter raus bringen, da sie einem sonst die „Bude einrennen“ und die deutschen Nachbarn den Lärm gar nicht gut vertragen können, einem womöglich noch das Jugendamt zur Tür einladen, da man die Kinder anscheinend nicht unter „Kontrolle“ hat. Nichts gegen das Jugendamt und die Deutschen Bürger! Es ist gut, dass sie sich für das Wohlergehen vernachlässigter Kinder kümmern. Bloß nicht allzu selten werden deutsche Bürger verunsichert, wenn sie größere muslimische Familien sehen (die oftmals mehr als 2 Kinder haben), so dass sie es mit ihrer Achtung übertreiben. Islamophobie spielt da wohl keine unbedeutende Rolle. Viele Familien sind schon ausgewandert aus Angst, das Jugendamt könnte ihnen die Kinder wegnehmen (möge Allah sie bewahren).

Zuviel Freiheit ist auch nicht gut

In Somalia hingegen hat man viel mehr Freiheiten, ja, sogar fast zu viele. Denn Freiheiten werden manchmal auch missbraucht. Wenn es überhaupt kein Jugendamt gibt, ist es natürlich auch nicht optimal. Denn in manchen Familien herrscht wirklich zuviel Gewalt oder Vernachlässigung der Kinder (oft wegen Armut, wenn Mütter die Familie ernähren müssen). Alles hat also irgendwie 2 Seiten und der Mittelweg sollte das Ziel sein: keine Angst vor etwas Lärm (ist normal bei großen Familien), jedoch Achtung vor Vernachlässigung, Gewalt und dergleichen.

Abschiedsschmerz

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Mein Sohn mit seinem Opa kurz vor dem Abschied

Zurück zum Thema Somalia-Reise: ich mag es ja nicht sonderlich, mit Kindern im Flugzeug zu verreisen, denn die Mutter ist meißtens die Leidtragende, die 24 Stunden wach sein wird und sich um alles und jeden kümmern muss. Mein Mann ist da Gott sei Dank anders- er übernimmt das Schleppen, Organisieren, und ist immer da, wenn ich mal eine Pause brauche (alhamduliLlah). So brauchte ich ihm nur wie ein Schaf zu folgen und meine Lämmer im Auge behalten. Trotzdem ist es auch nicht einfach, in aller Öffentlichkeit zu stillen, wo man sich doch bedecken möchte. Aber meine Mutter hatte mein Kleid des Hijab´s (genannt Abaaya) so umgenäht, dass ich sie einigermaßen bequem und gut versteckt unterm Hijab stillen konnte. Ansonsten wurde uns die Reise wirklich erleichtert (alhamduliLlah). Bloß der Abschied von meinen Eltern fiel dieses mal schmerzhafter als je zuvor aus, besonders für meinen Sohn- er wollte garnicht mehr aufhören zu weinen. Er war nun 2- einhalb Jahre alt und hatte sie in sein Herz geschlossen. Sie standen ihm beinahe näher als sein eigener Vater, den er ja nicht viel gesehen hatte in der Zwischenzeit. Auch konnte er zwar Deutsch verstehen und etwas sprechen, jedoch noch kein Somalisch.

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Vater und Sohn in Dubai

Also hatte er keine richtige Sprache außer die der Hände und Füße, um sich mit seinem Vater zu verständigen (allerdings sind sie heutzutage beste Freunde, Alhamdulillah!). Bis heute ist mein Sohn etwas „deutscher“ als meine Tochter, obwohl er sich inzwischen schon ganz gut angepasst hat und selbst mit mir hauptsächlich Somalisch spricht. Denjenigen, die überlegen, mit Kindern auszuwandern, würde ich raten, dies so früh wie möglich zu tun. Denn so müssen die Kinder nicht so sehr unter dem Kulturwandel leiden wie mein Sohn. Natürlich war er auch noch sehr jung, also hat er es inzwischen überwunden. Aber es braucht umso länger, je älter das Kind ist.

Besser spät als nie!img-20180103-wa0097-623938237.jpg

In Garowe angekommen, brauchte meine Tochter eigentlich nicht mehr sitzen , krabbeln, geschweige denn laufen zu lernen, da sie immer und zu fast jeder Zeit einen gemütlicheren Schoß fand. Da musste ich natürlich entgegenwirken und ihr etwas Freiraum „erkämpfen“. Letztendlich lernte sie dann etwas verspätet das alleinige Laufen, als sie ca. 2 Jahre alt war (scheint wohl auch in den Genen zu liegen, da mein Sohn und ich auch so spät dran waren!).

Sultan? Was ist das denn bitteschön?

Bald nach unserer Ankunft sollte die Krönung meines Mannes zum Sultan stattfinden. Auf Somalisch heißt das traditionell „Aleema saarka“ und früher wurde der ernannte Führer dann mit Milch überschüttet. Ich war also gespannt, was da auf uns bzw. meinen Mann  zu kam. Nun, ich muss vielleicht einmal für die Deutschen oder Nicht-Somali´s unter uns erklären, was ein Sultan ist, was er macht und wie es zur Ernennung kam.

Zuerst müssen wir dafür klären, was genau ein Stamm ist, welcher einem Sultan unterliegt. Laut Wikipedia:

Volksstamm, kurz Stamm, bezeichnet umgangssprachlich eine wenig komplexe gesellschaftliche Organisationsform, deren Mitglieder durch das Verständnis von einer gemeinsamen Abstammung und durch gegenseitige Verwandtschafts-beziehungen zusammengehalten werden.

Selbst im edlen Qur´an wird davon gesprochen, dass Allah uns in verschiedene Stämme eingeteilt hat:

O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig. (Quran, 49:13)

Hier wird aber auch der Zweck erwähnt, warum wir in Stämme eingeteilt worden sind: nämlich dass wir einander erkennen. Das heißt aber nicht, dass der eine Stamm besser ist als der andere, wie es in Somalia und bestimmt auch anderen arabischen Ländern gehandhabt wird. Vor unserem Schöpfer sind wir alle gleich– bloß derjenige, der am Gottesfürchtigsten ist, ist besser gestellt als andere. Dies wiederum kann nur Derjenige beurteilen, von dem diese Worte kommen, also Allah!

Selbst in Deutschland war die Einteilung der Völker in Stämme noch etwas ganz normales (siehe  hier) . Jedoch nach dem 2.Weltkrieg wurde es zumindest politisch vermieden, diese Bezeichnung zu verwenden, da es ein sensitives Thema geworden war.

TribesIn Somalia ist die ganze Bevölkerung bis heute noch in Stämme aufgeteilt. Dabei werden die 2 Grundstämme in etwa 6 Hauptstämme geteilt, und diese wiederum in viele weitere Unterstämme. Die Stammeszugehörigkeit wird durch die Väter weitervererbt. Jeder Somali trägt also als Nachnamen den Vatersnamen und den Großvatersnamen. Weiterhin lernen sie die ganzen Namen ihrer Ur-großväter in der richtigen Reihenfolge auswendig, so dass sie wissen, woher sie kommen und zu welchem Stamm sie gehören. Aus diesen Unter-stämmen enstehen so große Familien, dass es für Leute wie mich manchmal kompliziert wird, die Zusammenhänge der jeweiligen (entfernten) Verwandten zu verstehen. Jeder wird auf einmal zum Onkel, zur Tante, oder Cousin/e! Aber solange sie den Über-blick behalten, ist ja alles gut!

Was weniger gut ist: manche übertreiben mit der Abstammung so sehr, dass sie einen gewissen Rassismus anderen gegenüber entwickeln. Konflikte zwischen zwei Männern aus verschiedenen Stämmen können so manchmal zu ganzen Stammeskriegen werden. Plötzlich wird eine private Angelegenheit dann zur Stammesangelegenheit.

An dieser Stelle kommen die Führer der jeweiligen Stämme ins Spiel. Sie werden Sultane genannt oder auch anders, aufjedenfall hat jeder Stamm seinen Leiter. Sie sind dafür da, alle Konflikte und andere Angelegenheiten innerhalb ihres Stammes zu regeln, Bedürftigen ihres Stammes zu helfen, und und und. Auch Politiker ziehen ihren Nutzen von ihnen, und dies gleich mehrfach: auf der einen Seite ist es (im Idealfall) bequem für sie, da die Sultane sich um die Angelegenheiten der Leute kümmern (also sind sie freier davon). Auf der anderen Seite sind sie auch auf die gute Gesinnung dieser Sultane angewiesen, damit sie nicht miteinander kollidieren und damit sie mehr Stimmen bei den Wahlen bekommen.

Wer etwas verändern will, muss bei sich anfangen!

Als mein Mann also zum Sultan ernannt wurde, wusste ich überhaupt nicht, ob ich jetzt begeistert sein soll oder nicht. Mir war dieses Gebiet zu fremd. Aber ich ließ mich mit den Worten meines Mannes beruhigen und positiv stimmen, dass er als Sultan (in shaa Allah) mehr in der Gesellschaft bewirken kann. Denn wer etwas zum positiven ändern möchte, muss erstmal bei sich und seiner Familie anfangen. Der Stamm gehört so gesehen auch zur Familie, nur dass der Stamm meines Mannes ca. 70.000 Leute umfasst, die weltweit verstreut sind (maa shaa Allah). Was es für uns als Familie bedeutet, wurde uns erst mit der Zeit bewusst. Es bedeutet auf jedenfall mehr Gäste, mehr Arbeit, weniger Privatsphäre. Aber das ist es (in shaa Allah) Wert!

Unsere Kinder können sich übrigens nur schwer vorstellen, dass es Menschen in Ländern gibt, die ohne ihre Stammeszugehörigkeit zu kennen, trotzdem leben- so wie ich zum Beispiel 🙂

Aus 2 mach 1 oder die Krönungsfeier

Für besagte Feier baute mein Mann, der auch Construction Engenieur ist, ein riesiges Festzelt mitten in der Natur von dem Dorf Harfo auf. Besser gesagt, er baute aus zwei Zelten eins.

Sie bauten ebenso Sanitäranlagen und ein Erste Hilfe Center. So etwas hatte das Dorf, in welchem hauptsächlich Leute seines Stammes wohnen, noch nie gesehen. Alle halfen mit, und die Frauen kochten für die ca. 10.000 Gäste aus aller Welt, während die Männer das Essen verteilten. Es wurde ein Tag voller Reden (auch lustigen), Qur´an- Rezitation und extra zu diesem Anlass verfasste Gedichte („Gabbey“) wurden ebenfalls vorgetragen. Es kamen hochrangige Gäste und man durfte nur mit Eintrittskarte rein. Das Sicherheitskommando war dementsprechend groß. Aber Milch wurde Gott sei Dank nicht auf meinen Mann geschüttet!

Leider konnte ich von alledem nicht wirklich etwas genießen, denn meine beiden Kinder wollten einfach nur von der Menschenmenge weg. Beide schrien nur im Festzelt, so dass ich mit ihnen Reißaus nahm ins Erste Hilfe Zelt, in dem eine Nichte arbeitete. Verstehen konnte ich auch nicht viel, also war es nur halb so schlimm. Ich mag solche Menschenmengen auch nicht sonderlich (die Hadsch ist natürlich etwas anderes!), speziell nicht, wenn alle mich so anstarren. Aber es war alles in allem etwas sehr besonderes und sehr gut durchorganisiert.

Und nun..?

Man sollte meinen- und das meinen auch die meisten hier- dass ein Sultan viel Geld bekommt von seinen Angehörigen. Das ist auch oftmals der Fall, speziell wenn die Sultane eher ihre Macht zu ihren Zwecken nutzen. Aber sobald man von Leuten abhängig ist, kann man von ihnen leichter kontrolliert oder manipuliert werden. Das möchte mein Mann vermeiden. Deswegen muss er unseren Unterhalt mit seinem Beruf  (Häuser etc. konstruieren und bauen) erwirtschaften.

Immerhin kriegt er von seinen Leuten einige Bodyguards gestellt (für die wir allerdings kochen müssen etc.). Unser extra dafür gemietetes Nachbarhaus scheint eine Art Hotel- Funktion zu sein für  (weit- und nahe) Verwandschaft. Aber das gehört halt dazu!

Xalwo Nachmittags oder Abends sind unsere Türen auch immer für Gäste offen. Gott sei Dank wird für normale Besuche nicht mehr als Somalischer Tee erwartet, sonst würde das jedes Budget sprengen! Für spezielle Versammlungen und Gäste muss natürlich mehr herhalten. Da werden üblicherweise Somalische Kekse und Somalisches Halwa (eine klebrige, süße Paste, mit Kardamom und Zucker hergestellt) und salziges Popkorn serviert.

Immer wieder finden außerdem Meetings bei uns statt, in denen verschiedene Angelegenheiten besprochen und ausdiskutiert werden. Es gibt ein Somalisches Sprichwort, mit dem mein Sohn unsere Gäste immer erfreut:

„Rag waa shah, Dumarka waa sheeko“, was soviel bedeutet wie: „Männer trinken Tee, Frauen reden.“

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Eines der Meetings in unserem Hof

Allerdings frage ich mich manchmal, ob es bei Somalischen Männern nicht umgekehrt ist! Denn solche Meetings können nicht eher beendet werden, bevor nicht jeder einmal das vorher besprochene wiederholt hat und am Ende vielleicht noch seine eigene Idee mit hineinbringt! Gott sei Dank muss ich da nicht dabei sein! Aber sie haben schon einiges bewirken können (maa shaa Allah). Unter anderem wurde im letzten Herbst eine Blutfede verhindert (alhamduliLlah): zwei Leute vom Stamm meines Mannes wurden von jemandem eines anderen Stammes ermordet. Am nächsten Tag passierte so etwas ähnliches, jedoch unabhängig voneinander. Mein Mann musste sofort zu „seinem Dorf“ und mit dem ganzen Militär, sowie unzählige male mit den Stammesältesten sprechen, um sie davon zu überzeugen, dass Rache keine Lösung ist. Ebenso musste er mit dem Stamm der Mörder um Schmerzensgeld verhandeln. Ich war mit ihm in dem Dorf, und habe die hitzige Stimmung mitgekriegt. Das ist eine der Situationen, wo einem klar wird, dass man auf Somalischem Boden ist, wo alles möglich ist. Aber alhamduliLlah konnte mein Mann diesen Konflikt lösen. Was besonders beeindruckend für mich persönlich war, dass die Frauen, die mich im Dorf besuchen kamen, zu mir meinten:

„Du bist jetzt die Mutter von uns allen, da dein Mann unser Sultan/Vater ist!“

Schon wieder unverhofftes Mutterglück? Nein, das war natürlich symbolisch gemeint, doch schmeichelnd zugleich 😀

Auch rief mein Mann eine Hilfsorganisation innerhalb seines Stammes ins Leben, mit deren Hilfe er schon vielen Menschen in Not helfen konnte (alhamduliLlah), speziell in der Dürre- Zeit.

Möge Allah ihm und allen, die sich ebenfalls darum bemühen, bei der verantwortungsvollen Aufgabe helfen, das Land ein Stück zu verbessern, amin!

Notwendige Hilfe

Geschirr1Einem großen Haushalt von durch-schnittlich 20 Leuten wird man hier ohne Hilfe nicht gerecht. Allein für das ganze Geschirr und das Reinigen der Küche braucht es eine Person, die ständig dort arbeitet. Da meine Co-Schwester bis vor kurzem noch studiert hat und ich auch in Teilzeit, haben wir dafür natürlich keine Zeit. Ich bin schon froh, wenn meine Kinder mich kochen lassen! Deswegen brauchen wir eigent-lich immer 2 Helferinnen– eine für das Reinigen des Hauses (was 2mal täglich gemacht werden muss mit fegen und wischen), und eine für die Küche und draußen. Ja, nicht zu vergessen die ganze Wäsche, die man hier nicht einfach rein tun kann, dann den Knopf anmachen, und fertig gewaschen wieder aufmachen kann! Nein, man muss erst Wasser vom Brunnen holen (da das Leitungswasser zu Kalk-haltig ist), in die Maschine rein schütten, Maschine 2×15 Minuten anmachen, damit sie mit Waschmittel („Oomo“) die immerhin 10 Kilo Wäsche wälzt. Dann muss man sie auswringen, und in einen großen Bottich mit anderem Brunnenwasser das Waschmittel auswaschen. Dann wieder auswringen, und ab auf die Wäscheleine. Das Trocknen ist immerhin der schnellste Teil des ganzen Prozesses!

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Es gibt aber genügend Frauen aus dem Armenviertel, die einem für 5-10 Dollar die Wäsche einmal in der Woche, oder so oft man möchte, waschen. Sie leben von der Hand in den Mund, das heißt sie geben das Geld dann sofort für ihr Mittagessen aus. Auch für die Müllabholung kann man diese Frauen rufen, damit sie ihn abholen und zur Müllhalde tragen. Merkwürdigerweise ist diese harte Arbeit Frauenarbeit hier. Die Frauen sind ganz schön taff (maa shaa Allah).

Die Sache mit den Helfern

Es ist aber keine einfache Sache, gute Helferinnen zu kriegen. Denn irgendwie ist selbst bei den Armen Leuten eine „I-Phone Epidemie“ ausgebrochen, und auch allge-mein hat sich meines Eindrucks nach die ganze Generation verändert. Die heutigen Mütter und Großmütter mussten in ihrer Kindheit meißtens schon früh mit anpacken, und sie hatten viel Respekt vor ihren Eltern und anderen älteren Menschen. Heutzutage jedoch werden die Mädchen schnell müde, sind gar nicht in der Lage und auch nicht motiviert richtig im Haushalt zu helfen, zudem haben sie weniger Respekt vor Eltern und Co. Das ist wie gesagt ein allgemeines Problem, welches auch bei den ärmeren Schichten hier, welche eigentlich von Hausarbeit etc. leben, nicht halt zu machen scheint. Deswegen grenzt es schon beinahe an ein Wunder, wenn man von dem Armenviertel in Garowe jemanden findet, der länger als drei Tage bei einem bleiben würde (3 Tage ist dann schon Rekord!). Vielleicht liegt es auch daran, dass diejenigen, die hier in den Flüchtlingslagern leben, einem anderen Stamm angehören als eine bestimmte Gruppe aus dem Süden. Auch wenn sie so gut wie keine Bildung gekriegt haben, sind sie hier sehr stolz und wollen eben nicht im Haushalt für andere arbeiten. Bloß so ein-Tage- Jobs sind mit ihnen möglich (und selbst bei ihnen sind die Mütter viel taffer). Wir kriegen unsere Helferinnen deswegen meißtens aus einem bestimmten Dorf im Süden Somalias´, wo die Mutter meiner Co-Schwester Farmen besitzt und wir die Leute etwas kennen. Sie schicken uns dann ihre Teenage- Töchter auf einer 3 Tages-reise, und von da an sind sie Teil unserer Familie. Es ist eine große Amanah bzw. Verantwortung, dass man sie auch gut und gerecht behandelt (in anderen Familien werden sie manchmal wie Sklaven behandelt). Das Problem bei ihnen ist bloß, dass sie keine Ahnung von irgendwas haben, wenn sie vorher nicht schon gearbeitet haben- und das ist kein Wunder. Denn sie wohnen meißtens in selbst gebauten 1-Zimmer-„Häusern“, in denen man natürlich kaum etwas reinigen muss. Von Sanitäranlagen ganz zu schweigen, denn die finden sie draußen in der Natur! Sie kommen also wie die i-Männchen bei uns an, denen von A-Z alles beigebracht werden muss. Auch was das Benehmen betrifft und ihre Religion (Grundlagen, Gebet) lernen sie bei uns, und im Idealfall können sie sogar halbtags zur Qur´an-Schule gehen, wo sie lernen, den Qur´an zu lesen, aber auch Grundlagen in der Mathematik und Somalisch lenern. Oftmals ist es für sie aufgrund ihres anderen aufwachsens ohne Schulbildung schwierig, dann auf einmal mit Bildung anzufangen. Doch einzelne können davon auch profitieren (in shaa Allah), wie eine von unseren derzeitigen Mädchen, welches so intelligent und anders erscheint, dass wir sie mit dem Besuch einer normalen Schule und auch Qur´an- Schule fördern wollen (in shaa Allah). Spätestens nach 2-3 Jahren (im Optimalfall, falls sie zu uns passen und andersherum) werden sie dann wieder zurück gerufen, um zu heiraten. Es ist für sie quasi wie eine Hauswirtschafts-Ausbildung hier, wobei sie mit dem verdienten Geld ihre Familie daheim unterstützen.

Persönliche Herausforderung

Ein anderes Phänomen, dass ich beobachten konnte ist, dass wenn du zu gut bist zu dieser ungebildeten Schicht von Leuten bist, nutzen sie das gnadenlos aus. Zu gut heißt hier: ein für uns „normales“, freundliches Verhältnis zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Das musste ich mit der Zeit erst lernen. Denn sobald die Helferinnen mich smilen sehen bzw.in einem freundlichen Ton sprechen hören, hören sie auf mit ihrer Arbeit und respektieren meine Anweisungen nicht mehr! Es brauchte eine ganze Weile, bis ich damit umgehen konnte, und manchmal fällt es mir bis heute noch schwer, ein ernstes und bestimmtes Gesicht aufzusetzen, zumal sie ja hier ohne Eltern sind und ich eher Mitleid habe. Aber es ist wie mit Schullehrern auch: sie müssen bestimmt sein, wenn sie respektiert werden wollen! Das musste ich mir mit viel Anstrengung erst einmal trainieren. Denn oftmals war es so, dass die Helferinnen nur herum spielten, sobald meine Co-Schwester aus dem Haus war, und dann brauchte alles doppelt so lange, oder wurde gar nicht erst gemacht. Mein persönliches Problem war aber auch, das ich selber auch erstmal lernen musste, wie man einen 20-Personen-Haushalt organisiert! Ich komme nämlich aus einer ruhigen deutschen 4-Kopf-Familie, und musste kaum etwas mithelfen (ich bin von dem Phänomen der taffen Mütter ja nicht  ausgenommen 😉 ). Aber Gott sei Dank/alhamduliLlah klappt diese persönliche Herausforderung mit der Zeit immer besser und ich bin auch dankbar, dass wir diese Unterstützung haben.

Positive Begebenheiten

1. Social Media

whatsappDiese Zeit von 2015 bis heute unterschied sich wesentlich von den vorherigen Perioden: nämlich durch die Social Media, die mir nun zur Verfügung standen. Ja, natürlich haben sie ihre Nachteile, ganz ohne Zweifel. Jedoch hatten WhatsApp und Facebook den Vorteil, dass ich nun mit meiner Familie, Verwandten und Freunden in Kontakt bleiben konnte. Ich war nicht mehr von der Welt abgeschnitten! Und das bedeutete viel für mich. Auch konnte ich viele neue, wertvolle Freundschaften mit gleichen Interessen schließen (zum Beispiel meine Blog-Partnerin!) und natürlich auch viel über Somalia erzählen und aufklären (alhamduliLlah).

2. „Leidensgenossin“

Eine andere positive Begebenheit war die Ankunft einer Finnischen Konvertierten, die mit ihren 4 Kindern nach Garowe kam, nachdem wir vorher schon Kontakt auf Whatsapp hatten. Ihr Mann war auch Somali, jedoch musste er sie alleine hier lassen, um in Finnland zu arbeiten. Für sie war es um einiges schwieriger als für mich. Ihre Schwiegermutter war zwar bei ihr, jedoch konnten sich die beiden nur mit Händen und Füßen verständigen und die Schwester musste alles allein erledigen. Sie machte mit ihren Ältesten sogar Homeschooling, um sie nicht zur Schule hier schicken zu müssen. Um sich nicht zu abgekapselt von der Gesellschaft zu fühlen, kam sie fast jeden Tag zu uns. Das war für mich natürlich eine Gold-Zeit, alhamduliLlah! Leider ist sie nach einigen Umzügen an andere Orte doch wieder zurück nach Finnland gegangen. Es war einfach zu schwer für sie ohne die direkte Hilfe ihres Mannes. Nun studiert sie Lehramt in Finnland, vielleicht kann sie dies ja eines Tages hier einsetzen, um auch etwas zu verbessern!

3. Besuch meiner Eltern

Ein besonderer Höhepunkt ist im Sommer 2016 der erste Besuch meiner Eltern gewesen. Ja, richtig, meine Eltern haben sich tatsächlich in die „Höhle des Löwen“ getraut und sind in das gefährliche Somalia gereist!! Sie waren einen knappen Monat bei uns, und es war für uns eine sehr schöne und für sie interessante Zeit. Es war für sie zwar etwas ungewohnt, ständig von Soldaten (unseren Bodyguards) begleitet zu werden, aber das Zusammensein mit ihren Enkelkindern und dem Rest war wichtiger als diese „Nebenwirkung“. Ich werde an dieser Stelle jedoch nicht zuviel erzählen, denn in shaa Allah werden sie demnächst selber darüber berichten!

Überraschender- und erfreulicherweise kamen sie im Sommer 2017 auch schon wieder (alhamduliLlah). Ein halbes Jahr davor (deutsche Pünktlichkeit!) erreichte uns die erfreuliche Nachricht, dass sie die Tickets bereits gebucht hatten! Diesmal war meine Co-Schwester selber ihre Mutter besuchen (in Mogadischu) und ich war im Prüfungsstress. Deswegen war es auf der einen Seite schade, dass ich nicht soviel Zeit für sie hatte, aber auf der anderen Seite konnten sie viel schöne Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen, was ja auch das Wichtigste ist. Die hängen nämlich sehr an ihnen (kein Wunder!)  und genießen die Zeit mit ihnen. Sie sind wirklich sehr besondere Menschen und ich bin Allah unendlich dankbar, dass er mir so verständnisvolle Eltern gegeben hat. Möge Allah uns noch zahlreiche weitere Begegnungen haben lassen und uns auch im Jenseits im besten vereinen!

4. Meine Südafrika- Reise

Im letzten Ramadan, also noch vor dem Besuch meiner Eltern, hatte ich auch mal wieder Gelegenheit, auf eine der (Welt-) Reisen meines Mannes mit zu gehen, besser gesagt: zu fliegen! Und zwar in das Traumland Südafrika! Es war eine wirkliche Traumreise (alhamduliLlah), abgesehen davon, dass es mit meinen 2 Kindern etwas anstrengend war, da ich ja auch am fasten war. Und Kinder sind nicht für Hotels gemacht! Deswegen verbrachten wir teilweise die Zeit auch bei einer Familie in Johannesburg, die wir sehr ins Herz geschlossen haben. Wir besuchten (oder beflogen?) jedoch auch andere Städte wie Kapstadt, East London und Port Elizabeth.

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Das Land ist sehr vielfältig was die wunderschöne Natur und auch die multi-kulturellen Menschen betrifft. Es kam mir oftmals vor, als ob ich in England/Europa wäre, bloß mit dem besseren Wetter! Kein Wunder, dass es so viele Deutsche und andere Europäer dort hin gezogen hat. Somalische Leute haben es eher schwieriger, dort Fuß zu fassen. Denn sie werden erstmal in Flüchtlingslager gestopft, wo die Kriminalität sehr hoch ist. Und da Somali´s gewohnt sind, aus jeder Situation das Beste zu machen anstatt in ihren Sorgen (und dann Drogen etc.) zu versinken, ziehen sie den Neid der anderen auf sich. Deswegen kam es nicht selten zu Übergriffen auf sie oder ihre Shops. Ja, es kam sogar schon vor, dass sie am lebendigen Leib verbrannt wurden! Aber oftmals schaffen sie es nach einigen Jahren, aus diesen Lagern heraus zu kommen und von ihrem eigenen Business zu leben. Dann leben sie Seite an Seite mit den Indern, die in Südafrika neben oder nach den Weißen Leuten zur reicheren Mittelschicht gehören (natürlich auch nicht alle).

Ich war wirklich erstaunt und fasziniert von diesem Land. Ein paarmal ertappte ich mich bei dem Gedanken, doch in diesem Luxusleben leben zu wollen. Es gibt sogar Deutsche Schulen dort! Und ich wurde nicht diskriminiert aufgrund meines Glaubens und meiner Bekleidung- selbst die Weißen dort lächelten mich an und sprachen sogar manchmal freundlich mit mir. Mit den Somali´s dort verstand ich mich auch prächtig alhamduliLlah, auch wenn sie keine Germali´s, sondern Somafrikans sind 😉 Sie machten mir auch eine überwältigende Abschiedsfeier (maa shaa Allah), bei der ich sie auch nochmal ermutigte, doch mitzuhelfen, dass ihr Heimatland sich weiterentwickeln kann.

Außerdem gab es viele Islamische Schulen und alles war so multi-kulturell (maa shaa Allah). Auf der anderen Seite gab es doch genügend Gründe, die dagegen sprachen. Abgesehen davon, dass das Leben dort recht teuer ist, besonders die guten Schulen, viel mir der Unterschied der Kinder auf. Denn sobald sie größer wurden, befanden sie sich in einem kulturellen Zwiespalt– waren sie nun Somali, obwohl sie ihre eigene Sprache kaum noch konnten, und ihr Land nie gesehen hatten? Gehörten sie einem Land an, über das immer nur negativ berichtet wird? Oder waren sie doch eher Südafrikaner, die ihre Religiosität eher als Hobby ausleben, um bei allen Schichten „gut anzukommen“?  Ihr merkt schon worauf ich hinaus möchte: es ist die Religiösität, die in einem muslimischen Land wie Somalia durch die Gesellschaft die Kindereinfach noch mehr prägt(alhamduliLlah). Zudem ist es in Südafrika gefährlicher als hier was die Kriminalitätsrate betrifft: Abends um 6, nach dem Sonnenuntergang, werden die Bürgersteige quasi hochgeklappt, da es zu gefährlich ist aufgrund der Gangs. Nur die riesen Shoppingmalls sind dann noch auf, und Restaurants werden üblicherweise um 22 Uhr auch geschlossen. Ich habe mich da generell unsicherer gefühlt als in Garowe!

Also bis sie ihre Wurzeln gut kennen und sich selbst gefunden haben, werde ich (in shaa Allah) mit meinen Kindern auch hier bleiben. Ob sie dann woanders studieren wollen, ist ihnen überlassen und das werde ich auch unterstützen.

Davor heißt es noch, eine geeignete Schule und Kindergarten für meine Kinder zu finden. Zu der Bildungssituation werde ich in einem anderen Beitrag etwas schreiben (in shaa Allah). Nur so viel dazu: es ist nicht leicht, in Puntland etwas Gutes zu finden (in Hargeisa ist das ganz anders), und eventuell müssen wir sogar unsere eigene Schule aufmachen, wenn Allah es uns ermöglicht!

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Eindruck von meinem Leben in Somalia bekommen (in shaa Allah). In weiteren Berichten werde ich (in shaa Allah) noch auf spezifischere Themen eingehen, wie Schulbildung, Alltag, uvm. Auch Gastbeiträge sind geplant und sehr willkommen. Auf jedenfall ist das Leben hier mit einer Großfamilie nicht langweilig, und mit einer großen Portion an Spontanität, Geduld, und Improvisationstalent kommt man als europäische Muslima auch hier ganz gut zurecht, alhamduliLlah 🙂

Wuestenblume

Bis zum nächsten Mal (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

3.Phase: Back with Baby

In diesem Bericht knüpfe ich an den vorherigen an, den ihr hier nochmal lesen könnt. Diesmal geht es um meinen dritten Anlauf, in Somalia Fuß zu fassen- diesesmal jedoch mit Baby!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

…heißt ein typisches deutsches Sprichwort.

Ich hatte etwas über ein Jahr in Deutschland verbracht- Zeit genug, um Somalia wieder zu vermissen. Mir wurde geraten, mit der Reise etwas zu warten, bis mein Sohn ein Jahr alt wäre. Nun war die Zeit also gekommen, wieder zurück zu gehen. Mit Kleinkind zusammen ist es nochmal doppelt so aufregend. Da wird einem noch vielmehr klar, was man da auf sich nimmt. Denn diese (Über-) Besorgnis mit den U- Untersuchungen, Autositzen, die ganzen Baby-Artikel in Hülle und Fülle, und, was für mich wichtig war: jegliche homöopathische Medizin für jedes kleine oder größere Weh-Wehchen– das fällt auf einmal alles weg! Aufeinmal wurde mir das alles bewußt, und neben der Vorfreude, meinen Sohn endlich seinen Geschwistern vorzustellen, wurde es mir etwas mulmig zumute. Aber nun gut, ich wußte ja, dass wir durch unsere deutschen Pässe und meine hilfsbereiten Eltern jederzeit kommen könnten, falls irgendetwas ernsthaftes wäre (möge Allah uns bewahren). Und außerdem vertraute ich auf Allah– Er wird mich sicherlich nicht im Stich lassen, wenn ich auswandere, um Seine Religion besser leben zu können! Wer also nicht wagt, der nicht gewinnt- wer nichts riskiert, wird auch nichts erreichen!

Auf geht´s…

Unsere Reise traten wir im Winter 2013 an. Es ging wie immer über Dubai, was schon mal ein Überflutungs- Schock war für meinen in „Watte eingelegten“ Sohn. In Deutschland lebten wir nämlich bei meinen Eltern, und die waren sehr überzeugt davon, dass Babies nichts in Einkaufsmeilen und riesen Geschäften zu suchen haben sollten. Wir mussten aber ein paar Besorgungen in Dubai machen, also musste er da diesmal da durch.

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Unser Weiterflug ging dieses mal nach Galkayo– das ist nach Garowe die nächst größte Stadt von „oben“ gesehen (auf der Landkarte). Danach ging es für uns nach einem leckeren Mittagessen im Hause irgendeiner bedeutenden Person dort (habe leider vergessen, wer das war!) direkt mit dem Jeep weiter, auf nach Garowe, welches unser neues Zuhause werden sollte. Die Straße dorthin ist mehr als schrecklich (eine Neue ist heutzutage aber im Aufbau). Es kam nicht selten vor, dass wir auf die Landespiste ausweichen mussten, da die eigentliche Straße von Löchern übersät war. Garnicht so einfach, dabei ein Baby vor den Autowänden beschützen zu wollen, wenn man selber am straucheln ist! Zudem war mein Kleiner auch schon gesundheitlich angeschlagen, die erste Mittelohrentzündung bahnte sich an. Unsere Autofahrt ging ca. 4 Stunden, bevor wir durchgeschüttelt endlich ankamen.

…ins neue Heim!

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In unserem neuen Zuhause stürzten sich die damals 11 Geschwister meines Sohnes förmlich auf ihn, und er wußte gar nicht mehr, wie ihm geschah. Dann jedoch setzten wir uns alle zusammen ins große Wohnzimmer, und da fingen die Zwillinge (damals 2 1/2 Jahre) auch schon an, mit meinem Sohn um die Wette zu krabbeln.

Von 0 auf 100!

Für unseren jüngsten Nachwuchs war es also sehr aufregend mit so vielen neuen Gesichtern ähm nein, Geschwistern. Zugleich war er manchmal noch etwas überfordert mit ihrer überschwänglichen Zuwendung. Denn er war sein erstes Lebensjahr quasi Einzelkind, umtüddelt von den besten Großeltern, die sehr achtsam und sanft zu ihm waren!

GeschwisterEiner seiner Brüder liebte ihn so sehr, dass er, bevor er zur Schule ging, ihm noch einen Abschiedsschmatzer (mit ganz viel Nachdruck) gab. Und sobald er nachhause kam, einen Willkommensschmatzer (maa shaa Allah). Dabei dauerte es längere Zeit, bis mein Sohn verstand, dass dies nur gut gemeint war und nicht nur ein unangenehmer Druck im Gesicht. Mein Sohn war da eben etwas anders (oder einfach etwas „deutsch„, wie sie zu sagen pflegten), er war sehr sensibel. So schrie er wie am Spieß, wenn er mal auf dem Schoß seiner Großmutter väterlicherseits saß. Leider ist sie schon bald darauf verstorben, so dass sie sich nicht mehr richtig kennenlernen konnten. Möge Allah ihrer barmherzig sein und uns alle im Jenseits im besten vereinen, amin.

Aller Abschied ist schwer…

Meine Schwiegermutter war die wohl „taffste“ Frau in ihrem Alter, die ich kennenlernen durfte. Sie hatte ihr ganzes Leben lang alleine ums Überleben in der Natur kämpfen müssen (ihr Mann starb kurz nach der Geburt meines Mannes), und auch im hohen Alter ließ sie sich kaum etwas abnehmen.

Hooyo Halimo.jpgAufeinmal bekam sie aber Herzinfarkte, und zum ersten Mal war sie wirklich auf Hilfe angewiesen. Das fing in der Zeit an, als sie bei uns lebte und ich eine Zeitlang alleine mit ihr und den Kindern war. Gott sei Dank erholte sie sich langsam wieder davon, konnte nach einer halbseitigen Lähmung wieder sprechen und auch langsam laufen. Leider passierte das noch ein paarmal, bis sie beim letzten mal ins Wach- Koma fiel. Zu der Zeit lebte sie zwar bei meiner Schwägerin, aber auch in Garowe, unweit von uns. Drei Monate kümmerten sich 3 ihrer Töchter Tag und Nacht um sie. Sie war nicht im Krankenhaus, wie das in Deutschland der Fall wäre. Dafür kam regelmäßig ein Arzt zu Besuch und sie hatte die besten Betreuer, die man sich vorstellen kann: die eigenen Kinder. Sie mussten sie künstlich ernähren, kümmerten sich um all ihre Bedürfnisse, die sie nicht mehr aussprechen konnte und noch darüber hinaus. Sie glänzte jedesmal von dem Schwarzkümmelöl, womit sie regelmäßig massiert wurde. Jeden Tag war ihr Zimmer voller Besucher, und ich konnte meinen Schwägerinnen die schlaflosen Nächte zwar ansehen, jedoch ließen sie nie ein Klagen von sich. Da es im Islam unsere Pflicht ist, sich um unsere Eltern zu kümmern, erfüllten sie dankbar und tapfer ihre Aufgabe (maa shaa Allah).

Einmal wurde auf ihrem Kopf Hijama gemacht, das heißt blutiges Schröpfen (aus der Sunnah- Medizin). Dabei kam einiges an verstopftem Blut heraus. Danach ging es ihr ersichtlich besser: sie wurde sogar im Rollstuhl in den Hof gefahren, und ich meine, dass sie mich irgendwie erkannt hat, als ich sie besuchen kam, denn sie lächelte so gut sie konnte (halbseitig). Aber bald darauf, nach 3 Monaten im Wach-Koma, mussten wir sie gehen lassen. Bei der letzten Waschung war sie wohl noch ganz weich und gar nicht kalt, wie es normalerweise der Fall war. Möge sie in Frieden ruhen!

Garowe vs. Bosasso

Garowe 1
Neue Straße in Garowe

Es war mein erster richtiger Aufenthalt in Garowe (davor hatte ich nur eine Nacht im Hotel dort verbracht). Auf Anhieb mochte ich es mehr als Bosasso. Alles erschien übersichtlicher, sauberer, schöner, und es gab sogar mehrere geteerte Straßen. Im Gegensatz zu Bosasso ist es meiner Meinung nach familienfreundlicher, da es sicherer und überschaubarer ist. Bosasso hat zwar mehr attraktive Ausflugsorte, jedoch ist es eine riesengroße Stadt, mit viel Chaos.

Moschee Bosasso
Größte Moschee in Bosasso

 Zudem wird es in den Sommer-monaten uner-träglich heiß, so dass man aufs Land ziehen muss für diese Zeit. Es gibt dort u.a. auch kriminelle Menschen, die aus den Nachbar-ländern kommen. Sie sind dort auf der Suche nach Arbeit gestrandet, oder nach einem illegalen Platz in einem der Schiffe, die sie ins Ausland bringen könnten. Dass diese Reisen oft ein anderes Ende nehmen, als man sich irgendeiner Menschenseele wünschen würde, ist weithin bekannt. Jedenfalls ist es dort nicht sehr sicher, speziell nicht wenn es dunkel ist, und als Mädchen oder Frau schon mal gar nicht. Wenn man sich aber an gewisse Regeln hält (nicht alleine ausgehen, Nachts daheim bleiben oder nur mit Auto raus), ist es auch dort leb-bar. In meiner letzten Südafrika- Reise habe ich gesehen, dass es sogar noch viel gefährlichere Städte und Länder gibt als Bosasso!

Sicherheit hat seinen Preis!

Garowe UNO
Blick auf den Gebäudekomplex der UNO in Garowe

Aufjedenfall war ich froh, nun in Garowe zu leben. Auch wenn in Garowe alles etwas überteuert ist (sowohl die Lebens-mittel als auch die Grund-stücke), lohnt es sich meiner Meinung nach, dort zu leben. Besonders, wenn man ein Familienmitglied hat, welches von Al- Shabab- Anhängern im Visier steht. Die haben in Garowe nämlich kein leichtes Spiel (alhamduliLlah). Denn die Stadtgrenze wird streng bewacht, fast jedes Auto durchsucht, und wenn ihnen jemand verdächtig vorkommt, wird er erstmal festgehalten, bis sich sein Fall geklärt hat. Wenn sie beispielsweise einen jungen Mann sehen, der aus dem Süden Somalias‘ kommt (wo die Shabab ihren Sitz haben), dann muss erstmal bewiesen werden, dass er keiner von denen ist, und dass er von jemandem erwartet wird. Auch innerhalb der Stadt gibt es nachts an bestimmten Stellen Polizei- Kontrollen, die auf der Suche nach Verdächtigen sind. Das liegt daran, dass hier sehr viele UNO- Mitarbeiter leben (die hier ihren Sitz haben), und die Regierung von Puntland ebenso. Ich bin schon oft durch so eine Kontrolle gefahren, aber hatte alhamduliLlah nie Probleme– fast nie. Ein oder zweimal wollte einer der ungebildeten Soldaten, dass ich mein Gesicht entschleiere und hat etwas herum geschimpft. Leider werfen solche extremen Gruppen wie die Al- Shabab die islamische Kleidung und Begriffe in ein falsches Licht. So sind Symbole eines praktizierenden Muslims auf einmal zum Symbol eines potentiellen Terroristen geworden. Auch bei Ausländern werden sie dann skeptisch. Aber durch einen Anruf meines Mannes, der denen dann erklärte, dass ich seine Frau bin, konnte das sofort gelöst werden (alhamduliLlah).  Solche Vorfälle waren aber eher die Seltenheit. Das eine mal war es sogar meine Schuld, da ich nachts in die falsche Richtung gefahren bin, zur Stadtgrenze hin (jaja, Nachts habe ich noch etwas Orientierungs-probleme :-D). Und falls jemand sich dafür interessiert, hierher zu kommen, werden wir auch versuchen, in solchen Ausnahms-Situationen zu helfen, in shaa Allah.

Ruhe vor dem Sturm

Dieser Lebensabschnitt in Somalia war richtig angenehm im Vergleich zu den vorherigen (oder war es nur die Ruhe vor dem Sturm?). Ich lernte immer besser die Sprache, und lebte auch mit meiner Co- Schwester zusammen, mit der ich eine sehr gute Unterstützung und Freundin an meiner Seite haben durfte (alhamduliLlah, möge Allah sie reichlich belohnen). Sie hatte zu studieren angefangen, so dass ihre Zwillinge vormittags mit mir waren. Etwas getrübt wurde die Zeit von den häufigen Krankheiten meines Sohnes. Von einer Mittelohr- Entzündung zur nächsten hatte er bald auch schon Masern. Ja, richtig, ich habe ihn bewusst nicht geimpft!15140126594192018937318.jpg Aber das ist ein anderes, komplexes Thema. Früher jedenfalls war es auch eine normale Kinderkrankheit, ich selber wurde auch nicht dagegen geimpft. Und den Impfungen, die es in Somalia gibt, traue ich schon mal gar nicht übern Weg. Aber das sollte jeder individuell entscheiden dürfen. Genug Informationsmaterial für und gegen das Impfen gibt es ja Gott sei Dank reichlich genug. Jedenfalls haben wir es einigermaßen gut überstanden (alhamduliLlah). Unsere Zwillinge wurden schon heftiger getroffen, sie waren sogar am Tropf. Das Wichtige ist, dass man den Kindern bei Masern keine Fieber senkenden Mittel geben sollte, wie es in dem Buch „Die Kindersprechstunde“ von Wolfgang Goebel und Michaela Glöckler geschrieben steht. Damals wußten wir das noch nicht, aber alle unsere Kinder sind gut darüber hinweg gekommen, alhamduliLlah.

Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück

Bald erfuhr ich dann, dass ich ein nächstes Baby erwarten würde. Schneller als man planen konnte, aber ich war sehr glücklich darüber (alhamduliLlah). Diese Vorfreude wurde plötzlich durch den beinahe tödlichen Autounfall meines Mannes erschüttert. Es war im Sommer 2014, als er sich mit ein paar Regierungsleuten auf den Weg nach Galkayo machte, um an einer Friedensverhandlung zwischen Somaliland und Puntland teilzunehmen, bzw. sie zu koordinieren. Sie waren in Begleitung von einigen mit Soldaten beladenen Regierungs- Autos unterwegs. Mein Mann fuhr allen voran in seinem damaligen Jeep, sein Beifahrer war ein guter Freund von ihm, der aus Kanada nach Somalia kam. Er war Ehemaliger Stabchef des Premierministers und wurde kurz zuvor zum General Direktor der Puntland Investierung& Entwicklungs- Autorität ernannt.

wp-image778909042.jpgSie waren noch nicht weit weg von Garowe, da kam ihnen eins dieser überfüllten Kombi-wagen entgegen. Mein Mann wunderte sich schon, dass das Auto so hin und her fuhr, überhaupt nicht gerad-linig und mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit (später sah man, dass sein Tachometer auf 120 kmh stehen blieb, eindeutig zu schnell für so eine schmale Landstraße). Als er daran vorbeifahren wollte, steuerte dieses Auto direkt auf das Auto meines Mannes zu. Mein Mann versuchte nach rechts auszuweichen, da war es auch schon zu spät- es krachte!

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Links: der Jeep meines Mannes; Rechts: der Kombiwagen

Das andere Auto war größtenteils zertrümmert, es starben 7 von den 11 Leuten. Der Fahrer und eine Mutter mit ihren zwei Kindern überlebten, jedoch mit schweren Brüchen. Der Beifahrer meines Mannes war auch sofort tot (inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un). Mein Mann selber wurde im Koma ins Krankenhaus gefahren, von wo aus wir angerufen wurden. Es wurde uns gesagt, dass nicht sicher ist, ob er überleben würde. Das waren die schlimmsten Augenblicke meines Lebens, mir gingen allzu viele Dinge durch den Kopf. Im Krankenhaus angekommen, mussten wir uns erstmal einen Weg durchkämpfen, da es von Leuten nur so wimmelte. Endlich im ebenfalls vollen Zimmer meines Mannes angekommen, sahen wir ihn mit offenen Augen– alhamduliLlah! Er konnte uns irgendwie verständlich machen, dass er okay ist, aber richtig sprechen und sich bewegen, dazu war er nicht in der Lage. Sein Ende war noch nicht für ihn bestimmt, alhamduliLlah.

„Sprich: `Nichts kann uns treffen außer dem, was Allah bereits niedergeschrieben hat. Er ist unser Beschützer. Und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.´“ (At–Tauba (9):51)

Während ich versuchte, unseren Kindern beizustehen, kümmerten sich meine Co-Schwester und meine Schwägerin darum, dass die nötigsten Untersuchungen an meinem Mann gemacht wurden. In der späten Nacht konnte er schon zu uns kommen. Er erlitt ein Schütteltrauma, und hatte überall so starke Schmerzen, dass für ihn jede Bewegung unerträglich war. Aber wir waren einfach nur überglücklich, dass er überlebt hatte (alhamduliLlah). Die nächsten Tage sahen wir ihn kaum, da so viele Leute ihn besuchen wollten. Wir errichteten in unserem Wohnzimmer ein Krankenbett (altes Krankenhausbett, was automatisch verstellbar ist) und zahlreiche Stühle für die Besucher. Selbst der Präsident Puntlands, Abdiwali Gaas, kam, um ihn zu besuchen. Auch uns und unsere Kinder begrüßte er.

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Somalische Gastfreundschaft kennt keine Grenzen

Für mich war es auf der einen Seite schön zu sehen, wie viele Leute sich um meinen Mann kümmerten. Auf der anderen Seite jedoch konnte ich es nicht so nachvollziehen, dass die Leute ihm keine Ruhe gönnten. Er kam gar nicht dazu, tagsüber zu schlafen, obwohl er so dringend Ruhe benötigte. Aber es spricht gegen die somalische Gastfreundschaft, die Leute einfach wieder nach Hause zu schicken. Er konnte auch nach ein paar Tagen noch nicht alleine laufen, da ihm so schwindelig wurde und alles schmerzte, speziell im Brustbereich. Deswegen wurde dann beraten, wo man ihn am besten hinschicken solle, um ihn gründlich medizinisch untersuchen zu lassen. Die Regierung und Freunde wollten für die Kosten aufkommen. Sie schwankten zwischen Kenia, Türkei und Deutschland. Letztendlich viel die Wahl auf Letzteres, zumal ich ihm dort helfen konnte und die medizinische Versorgung dort die beste ist.

…und ihre Spontanität auch nicht!

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Vor unserem Privat-Jet

Ich hatte also einen Abend Zeit, alles zu packen. Da ich im 6.Monat schwanger war, dachte ich schon daran, in Deutschland auf mein Baby zu warten, aber ich sprach es noch nicht wirklich an. Denn erstmal war die Frage wichtig, ob bei meinem Mann alles in Ordnung ist, und ob ich in der Lage war, schwanger und mit Kleinkind bepackt, ihm zu helfen.Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? Geplant waren nur 2 Wochen, um dann wieder zurück zu kehren, falls alles in Ordnung mit ihm sei. Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? In einem Privatjet wurden wir von Garowe nach Mogadischu geflogen. Es saßen nur noch 3 weitere Männer hinter uns, doch wir saßen direkt hinter den Piloten, konnten alles live sehen und mitverfolgen! Das war eine beeindruckende Erfahrung (maa shaa Allah). Doch bald schon wurden wir vom Ernst des Lebens eingeholt, als wir ständig warten mussten, dass meinem Mann geholfen wird. Denn er konnte noch nicht alleine laufen. Aber da wo es ging, konnten wir einen Rollstuhl benutzen. In Mogadischu angekommen, wurden wir sofort in die VIP-Lounge gebracht, wo wir bequem auf den Weiterflug nach Kenia warten konnten. Während ich mit meinem Sohn beschäftigt war, sprach mich auf einmal eine Frau vom Personal dort an, ich solle doch meinen Gesichtsschleier entfernen. Stellt euch mal vor- in einem Muslimischen Land (subhanaLlah)! Das tat ich natürlich nicht, ich zeigte ihr bloß, dass ich eine Frau bin und kein Terrorist. Es ist auf der anderen Seite auch verständlich, dass sie in Mogadischu besonders unter Stress stehen, wegen den immer wiederkehrenden Bombenanschlägen. Aber ich wäre ja nicht einfach so in die VIP-Lounge gekommen, und außerdem weiß ich von keinem Fall, dass ein Terorrist sich darunter versteckt hätte. Mein Mann sprach dann auch nochmal zu ihr, dann war alles gut.

Kaltes Eid in Kenia

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Mein Mann mit Scheich Umal

Unser Weiterflug nach Kenia musste in einem Ort namens Wageer. Dort durfte mein Mann im Flugzeug sitzen bleiben, aber alle anderen inklusive mir und meinem Sohn mussten zur Grenz-station zur Pass-kontrolle und Visa- Angelegenheiten. Die Grenzpolizisten waren sowas von unfreundlich, aber nach kurzer Zeit ging es Gott sei Dank wieder weiter. In Nairobi angekommen, wurden wir von einigen Freunden meines Mannes empfangen. Dort leben einige Somalische Gelehrte, unter anderem Scheich Umal, einer der wichtigsten Somalischen Gelehrten derzeit, der uns auch besuchen kam. Sie brachten uns in ein feines Hotel. Ihr glaubt nicht, wie kalt es uns dort erschien! Es war so um die 20 Grad Celsius, wir fühlten uns jedoch wie auf Eis, da wir gerade aus dem Hochsommer Somalias kamen. Also mussten erstmal ein paar warme Klamotten her, die eine liebe Schwester uns besorgte. Am nächsten Tag war das Eid- Gebet, welches unser langweiligstes seit langem war (zumindest für mich), da wir weder bei Freunden noch bei Familie waren. Aber das war ebenfalls nebensächlich in Anbetracht dessen, dass mein Mann gerade eben dem Tode entkommen war. Das Eid-Gebet fand draußen statt, es war unglaublich voll, voller Somali´s maa shaa Allah. Mir wurde angeboten, auf Shoppingtour zu gehen, aber ich war so erschöpft, mir war garnicht danach. Aber was ich so sehen konnte, ist Nairobi sehr schön tropisch und gut entwickelt. Ein Straßenpolizist wünschte uns sogar ein frohes Eid.

Eigentlich könnte dieser Bericht hier enden, da es von nun an nur noch indirekt mit Somalia zu tun hat. Jedoch dann würdet ihr einige wichtige Merkmale der Somalischen Menschen nicht mitbekommen!

Unter Germali´s

Nach ca.2 Tagen in Nairobi ging es also endlich weiter- ins noch viel kältere Deutschland! Der typische graue Regenhimmel begrüßte uns bereits (für Somali´s etwas schönes!). Eine befreundete Somalische Familie holte uns vom Frankfurter Flughafen ab und fuhr uns ein halbes Stündchen ins Nachbardorf. Es war sehr schön, unter sogenannten „Germalis“ zu sein! Dabei stellten wir fest, dass ich inzwischen fast somalischer als die Töchter unserer Bekannten war! Was Lebensgewohnheiten betrifft, als auch die Ausspprache. Ich bin noch weit entfernt davon, richtig Somalisch srechen zu können, aber die Basis- Dinge kann ich (alhamduliLlah).

Ein Wunder wird wahr!

wp-image229652993.jpgWir brachten meinen Mann in das nächst-gelegene Evangelische Krankenhaus, Dort waren sie sehr schockiert und betroffen über den Vor-fall. Sofort bekamen wir den besten Service in der Notaufnahme. Der junge Oberarzt versicherte uns zudem, uns einen „fairen Preis“ zu machen, indem er auf sein Gehalt ver-zichtete. Es war trotzdem noch teuer genug, aber immerhin eine sehr großzügige Geste, maa shaa Allah! Mein Mann wurde von A-Z untersucht, speziell am Kopf und an der Wirbelsäule. Wie ein Wunder stellte sich nach einigen Tagen heraus, dass er noch nicht mal einen einzigen Knochenbruch erlitt (alhamduliLlah)! Wir waren natürlich sehr erleichtert. Trotzdem war sein Schwindel noch da.

Zurück in den Ruhrpott (Back to the roots)

Meine Eltern kamen aus dem ca.3 Stunden entfernten NRW zu Besuch, übernachteten 2 Nächte im Hotel und überzeugten uns dann, mit zu ihnen zu gehen. Wir bekamen das Auto eines Bekannten unserer Freunde ausgeliehen, und konnten damit bis zu meinen Eltern fahren. Das ist eines der vielen Beispiele für die Hilfsbereitschaft der Somali´s (Allahumma baarik). In NRW besuchten wir dann auch unseren Osteopathen, der zuvor schon mein Kind behandelt hatte, und seine Frau mich. Er schaffte es, dass der Schwindel und die Kopfschmerzen meines Mannes weggingen (alhamduliLlah). Da wir so begeistert von ihm waren, haben wir ihn seitdem jedem empfohlen, der betreffende Beschwerden hat (seine Seite findet ihr hier) . Sogar Scheich Umal aus Kenia kam eines Tages zu meinen Eltern, um zu diesem Osteopath zu gehen, welcher dann erkannte, dass dieser vor 10 Jahren einen Autounfall hatte (ohne dass es vorher erwähnt wurde).

MercedesBald wurde mein Mann zu einer Somalischen Islam- Konferenz in Frankfurt eingeladen, wohin er das Auto zurückbrachte. Er kam mit einem noch besseren Auto zurück: einem Mercedes Benz (etwas älteres Model, aber trotzdem Top)! Der wurde ihm von einer ganz tollen Somalischen Familie gegeben, die auf dem Weg war, ihn zu verkaufen. Ich durfte ihn solange nutzen, bis wir wieder zurück nach Somalia gehen würden. Allerdings hatte ich manchmal den fetten Benz gegen das Mini- Zweitauto meiner Eltern getauscht, weil er mir einfach zu wuchtig war zum herumfahren. Da passierte meiner Mutter eines Tages ein KLEINER Unfall mit dem Benz- sie ist ausgerutscht und gegen eine Leitplanke gestoßen, als der erste Schnee auf den Straßen lag. Die ganze Stoßstange hätte ausgewechselt werden müssen. Aber jetzt kam wieder die Somalische Großzügigkeit ins Spiel: die Besitzer des Autos hatten sich strikt geweigert, dass wir die Reparaturkosten übernehmen (maa shaa Allah, möge Allah sie reichlich dafür belohnen)! Ich weiß gar nicht mehr genau, was mit dem Auto dann geschah, jedenfalls fuhr ich von da an mit dem Mini- Auto herum, was meine Eltern extra wegen mir gekauft hatten.

Somalische Gastfreundschaft kommt nicht von ungefähr!

Wie ihr seht, sind die Somali´s ein sehr großzügiges und hilfsbereites Volk (maa shaa Allah). Sie haben quasi eine „offene Hand“, d.h. sie geben lieber als das sie nehmen. Vielleicht kommt das auch ein bisschen vom Lebensstil, da sie- auch wenn sie keine Nomaden sind- oft herumziehen und oft schon ihr Hab und Gut hinter sich lassen mussten. Aber zum großen Teil kommt das auch von ihrer Religion, dem Islam, den sie zu ihrer Kultur gemacht haben. So wird vom Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) überliefert, dass er sagte:

“Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der den Menschen am nützlichsten ist.” (Al Buchari über Ibn Umar)

Und im Qur´an steht, dass unser Schöpfer uns ersetzen wird, was wir weggeben:

Sprich: „Wahrlich, mein Herr erweitert und beschränkt dem von Seinen Dienern den Unterhalt, dem Er will. Und was immer ihr spendet, Er wird es ersetzen; und Er ist der beste Versorger.” (Quran 34:39)

Das haben die Somalischen Menschen tief verinnerlicht (maa shaa Allah).

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Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen, auch wenn er etwas länger ausgefallen ist. Nächstes Mal werde ich euch über meinen bisher längsten Lebensabschnitt in Somalia berichten, der bis heute andauert (alhamduliLlah).

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

2.Phase: Bestandsprobe oder „Von nichts kommt nichts!“

Zurück nach Somalia

In diesem Artikel werde ich euch über meine zweite Periode in Somalia berichten, welche vom Winter 2010/11 bis Herbst 2012 andauerte. Es war die bisher härteste Zeit in Somalia für mich, aber darauf werde ich gleich genauer eingehen (in shaa Allah).

Bosasso Landkarte

Diesesmal kamen wir mit annehmbaren Fliegern (alhamduliLlah).

Hinter großer Belohnung steckt viel Anstrengung

Es ist im Islam ein bekanntes Phänomen, dass der Teufel sich zwischen den Muslim und seine Auswanderung (Hijrah) stellen will. In einer der Aussagen unseres Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) wird überliefert, dass der Satan sich zwischen 3 Dinge und den Muslim stellen will, wobei eine davon die Hijrah sei: „(…) Satan liegt und wartet auf dem Weg des Sohnes Adams und er liegt und wartet vor dem Weg des Islam. Satan sagt: Wirst du den Islam annehmen und deine Religion und die Religion deiner Vorfahren verleugnen? Dann wird er nicht auf ihn hören und den Islam annehmen. Satan liegt und wartet auf ihn auf dem Weg der Auswanderung und sagt: Wirst du auswandern und dein Land und Himmel verleugnen, wissend, dass derjenige, der auswandert, nur wie das Pferd zu seinem Pflock ist? Dann gehorcht er ihm nicht und wandert aus (…).“ (ungefähr übersetzt von mir; Sunan An-Nasa’i 3134; Hasan laut Al-Mundhiri und Sahih laut Sh. Albani)

Satan wird also immer versuchen, einem die Auswanderung auszureden, z.B. indem er einem einflüstert, wie rückständig es doch dort in dem Land ist, und dass man ohne die ganzen Luxusgüter nicht leben kann, uvm. Dabei ist die Belohnung für diese aufgeführten Taten (Konvertierung und Auswanderung) unermeßlich hoch, wie wir am Ende des Hadithes sehen: „Wer auch immer das tut, hat ein Recht bei Allah Dem Erhabenen auf das Paradies.“ (gleiche Quelle, von mir übersetzt).

Blumen

Für mich ist es dementsprechend auch die bisher schwerste Zeit gewesen (alhamduliLlah). Diesmal hatten wir vor unserer Abreise aus England unsere Wohnung und alles aufgegeben, also wurde es nun richtig ernst mit unserer Absicht auszuwandern. Ebefalls hatten wir Versicherungen und ähnliches abgemeldet. Nun konnten wir ruhigen Gewissens einen Neuanfang in Somalia wagen (in shaa Allah).

Selbstständig auf dem Markt

Diesmal ging es für uns direkt nach Bosasso, der wohl größten Stadt des Bundesgebietes Puntland. Zu der Zeit war es in Bosasso angenehm kühl. Die Wiedersehensfreude war sehr groß (maa shaa Allah). Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kam die freudige Nachricht von einer Zwillings- Schwangerschaft meiner Co- Schwester (Maa shaa Allah). Das bedeutete jedoch bald für mich, dass ich mehr Aufgaben übernehmen musste, da sie eine Risiko- Schwangerschaft hatte und hauptsächlich liegen sollte. Normalerweise war sie es, die die ganzen Aufgaben draußen erledigte, wie zum Beispiel den täglichen Einkauf auf dem Markt. Denn wir hatten zu der Zeit- wie die meißten Einwohner- keinen Kühlschrank aufgrund der hohen Strompreise. Also musste ich ins kalte Wasser springen und mich mit meinen begrenzten Somalisch- Kenntnissen in die „Höhle des Löwen“ wagen!

Bosasso Suuqe
Typische Straße in Zentrum von Bosasso

Der Markt von Bosasso ist riesengroß und wimmelt nur so von Menschen. Allein schon das Geld zählen fiel mir anfangs schwer. Denn jeder Schilling (Cent) ist ein Geldschein!  Man zieht also täglich mit ca. 300 Geldscheinen los, und muss für jedes Gemüse die einzelnen Schillings davon abziehen! Die Verkäuferinnen (meißtens sind es Frauen) zählen dann noch mal alles durch. Anfangs ließ ich mir noch von dem Kind helfen, welches ich mit mir nahm; oder ich gab das Geld direkt der Verkäuferin, so dass sie für mich zählen möge. Aber mit der Zeit wurde ich auch sicherer und es machte mir nichts mehr aus (alhamduliLlah). Der Straßenverkehr war ebenfalls gewöhngsbedürftig: ein Haufen Chaos ohne Regeln! Die einzige Regel ist wohl, dass der Stärkere gewinnt. Und sowohl Fußgänger, als auch Ziegen, die überall zwischen den Autos herum liefen, sowohl als auch Autos, die an jeder beliebeigen Stelle anhielten, machten es nicht weniger riskant. Kein Wunder, dass der Stau manchmal nur mithilfe eines in die Luft schießenden Soldaten behoben werden konnte! Aber nun gut, da musste ich halt durch!

Radius erweitern

Mein Radius in Bosasso wurde ebenfalls erweitert durch das frühmorgendliche besorgen frischer Kuhmilch. In Bosasso gab es damals nur zwei Stellen, wo man diese direkt von den Kühen besorgen konnte: eine Stelle in unserer Nähe, jedoch die kam überhaupt nicht in Frage, da die Kühe dort unter schlimmsten Umständen gehalten wurden. Sie bekamen bloß Mango- und Bananschalen als Futter, und ihre Hufen waren eine Elle lang, bereits nach oben gebogen. Zudem standen sie auf recht engem Raum in  ganz viel Mist. Die andere Stelle lag etwas weiter weg, am Rande der Stadt. Dort liefen die Kühe immerhin frei herum (wobei sie natürlich auch viel Pappe und Essensreste fraßen), und dementsprechend sahen sie auch besser aus. Eine Zeit lang konnte die ältere Verkäuferin, die die Milch sonst immer auf dem Markt verkaufte, aus irgendwelchen Gründen das nicht mehr tun. Also musste ich die Milch abholen, mit ein paar Frauen als Beifahrerinnen, die das gleiche Ziel hatten und mir den Weg zeigten. Direkt nach Sonnenaufgang ging meine Fahrt dorthin los, um die frische Milch zu holen. Danach gin es zum Markt und dann nachhause. Irgendwie genoß ich aber die „neue Freiheit“, einfach mit dem Auto raus zu fahren und Besorgungen zu machen, sprich ein normales Leben zu führen. Denn für übertriebene Besorgnis war nun kein Platz mehr, es ging einfach nicht anders (alhamduliLlah!).

Lichtblick

Ein großer Lichtblick war für mich der Tag, an dem meine Co-Schwester zu mir kam und sagte, sie hätte eine „weiße Schwester“ für mich gefunden- und zwar direkt in unserer Nachbarschaft! Sie hatte draußen eine europäische Frau mit zwei Kindern entdeckt, und direkt ihre Telefonnummer „ergattert“, da sie genau wußte, dass ich mich sehr freuen würde. So dauerte es nicht lange, bis ich die Schwester besuchte. Sie kam aus Finnland zu Besuch zu ihren Schwiegereltern und freute sich ebenso, eine Gleichgesinnte zu haben. Von da an kam sie fast jeden Tag zu uns zu Besuch (alhamduliLlah). Meine neue Freundin verhielt sich ganz frei in Bosasso- sie ging überall zu Fuß hin, sei es auf den Markt oder sonstwo hin. Als meine Schwiegerfamilie das erfuhr, war sie etwas beruhigter was meine Ausflüge betraf (alhamduliLlah).

Riskanter Ausflug

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Strand in Bosasso,, etwas außerhalb des sandigen, jedoch vollen Strandes.

Eines Tages fuhr ich zwecks unseres Wochenend- Ausflugs mit einem übervollen Autobus (einige unserer Verwandten Kinder waren auch dabei) zum Strand. Wir waren nur Frauen und Kinder im Auto. Ich war so sehr auf die Huggelpiste auf der ich fuhr konzentriert, dass ich garnicht bemerkte, dass ich direkt auf den Präsidentenpalast des Puntland-Präsidenten drauf zu steuerte! Durch einen Schuß wurde ich dem gewähr und wollte schnell umdrehen. Jedoch ließ ich diese Idee aufgrund eines zweiten Schußes sofort fallen. Dann kam auch schon ein Soldat und fragte, was wir denn vorhätten. Ich war etwas wagemutig, indem ich ihm harrsch antwortete, dass wir bloß zum Strand wollten und ich ihn nicht gesehen hätten. Alhamdulillah ließ er uns gehen. Während unseres ganzen Ausfluges wurden wir von einem merkwürdigen Auto beobachtet, das erst abfuhr, nachdem wir das auch taten. Aber das war uns egal, wir hatten trotzdem einen schönen Ausflug (alhamduliLlah). Das war auch nur ein Einzelvorfall, nicht dass ihr denkt, es läuft jedesmal so ab!

Unter einem Dach mit Schwiegermutter

Im Mai 2011 musste meine Co- Schwester uns verlassen, da sie ihre Zwillinge in Dänemark bekommen sollte. Es war für alle kein leichter Abschied, zumal auch mein Mann mit ihr gehen musste. Dafür zog meine Schwiegermutter (möge Allah ihr gnädig sein) zu uns, um mir mit allem zu helfen. Somit begann für mich das ‚echte‘ somalische Leben: ich hatte plötzlich niemanden mehr, mit dem ich mich verständigen konnte außer auf Somalisch (und das war damals noch ziemlich begrenzt); ich lernte Wäsche von Hand zu waschen, auf Feuer zu kochen und lernte auch die gesamte Familie nochmal besser kennen, da jeden Tag welche zu Besuch kamen. Leider war es dann auch wieder soweit, dass es zu heiß wurde, um in Bosasso zu bleiben. Also mussten wir nach Qardho umziehen, wo ich ja schon bei meinem ersten Aufenthalt in Somalia war.

Qardho isku eg

Meine Schwiegermutter hatte wirklich viel Verständnis und Geduld mit mir in Anbetracht dessen, dass wir aus zwei völlig verschiedenen Welten kamen. Sie war das harte Nomaden-leben gewohnt, zog mit 10 Kindern und noch anderen anvertrauten Kindern durch die Steppe, und auch im hohen Alter wollte sie sich kaum bei irgendetwas helfen lassen (maa shaa Allah). Daneben kam ich mir als verwöhntes Stadtmädchen ganz komisch vor! Ich fragte mich manchmal, was mir nun mein Abitur gebracht hat für solch ein Situation.

Ich konnte also viel von ihr lernen, und abgesehen von ein paar Missverständnissen haben wir uns irgendwie doch gut verstanden (alhamduliLlah). Sie war aber auch sehr besorgt um mich, so dass ich mir für jedes rausgehen einen guten Grund (die gab es Gott sei Dank genug) überlegen musste.

Rätsel des Tages: Woher kommt sie?

Fragezeichen.jpgQardho ist eine kleine (aber recht grüne) Stadt, die dank der sommerlichen Zuzügler aus Bosasso richtig an Größe zunahm. Aber trotzdem ist es noch sehr dörflich. Wenn ich durch die Straßen fuhr, bekam ich immer sehr viel Aufmerksamkeit und Kommentare, obwohl ich von Kopf bis Fuß bedeckt war! Es kam sogar vor, dass einige Kinder mich als „Gaalo“ riefen. Das ist ein Begriff für einen Nicht- Muslim. Für sie konnte jeder Weiße Mensch einfach nur ein „Gaalo“ sein, egal wie muslimisch man sich bedeckte! Und auch gebildetere Leute rätselten des öfteren, ob ich nun Araberin sei oder was sonst noch. Sie waren also keine Ausländer gewohnt, höchstens gut bewachte UNO- Mitarbeiter und ein paar Arabische Ärzte oder Lehrer.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, im Ramadan nachts zur Moschee beten zu gehen mit meiner Schwägerin. Auch da schauten sie natürlich, aber es war anders, da die Frauen dort gebildeter waren. Außerdem war ich durch das Gebet unverkennlich ein Muslim (alhamduliLlah) 🙂

Internet- Entzug – heute unvorstellbar!

Qur'an
Kein Internet: mehr Zeit für den Qur’an!

Mit den ganzen Kindern meines Mannes war es natürlich nicht immer einfach, aber sie gaben mir auch einen Grund, dort zu bleiben und für sie da zu sein. Denn so hatte mein Mann und seine andere Frau noch indirekt einen Draht zu ihren Kindern und waren ständig auf dem neuesten Stand. Internet hatten wir anfangs noch nicht, dafür ein Festnetz- Telefon, was natürlich ins Ausland nicht ganz billig war. Mit meinen Eltern hielt ich aber trotzdem immer so einmal in der Woche den Kontakt. Durch den Internet- Entzug (damals kannte ich kein WhatsApp und war auch nicht auf FB) lernte ich in der Zeit jedoch sehr intensiv das Rezitieren des Qur’ans (alhamduliLlah). Dazu wurde ich auch durch die Kinder angespornt, die Vormittags und Nachmittags zur Qur’an- Schule gingen (es war ja ihre Ferienzeit, also hatten sie keine Schule). Abends half ich ihnen dann mit ihren Hausaufgaben, die aus dem Auswendiglernen bestimmer Stellen im Qur’an bestanden. Diese Internet- Entzugs-Phase tat mir also eigentlich ganz gut! Später hatten wir Internet, aber es funktionierte nicht immer. Dadurch hatte ich ab und zu wertvolle Kontakte zu einem Muslima- Forum.

Pädagogische Herausforderung

erzieher glückGerade auch das erste halbe Jahr ohne meinen Mann hatte ich Sorge zu tragen um die Kleinste, die damals erst fast 3 Jahre alt war. Wenn man noch keine eigenen Kinder hat, ist es generell nicht so leicht, mit Kindern in jeder Lage angemeßen umzugehen, aber ich versuchte mein Bestes. Ich habe mir schon immer Arbeiten mit Kindern gewünscht, nun bekam ich diese Gelegen-heit– ich bin vielfache Mutter geworden, ohne Wehen gehabt zu haben (alhamduliLlah). Doch Somalisch Erzogene Kinder sind auch eine echte Heraus-forderung: durch die andere Erziehungsmethode, welche vor allem mit Druck und Angst arbeitet, hat man es als Europäer erstmal nicht so leicht, sich benächsten Berichti ihnen durchzusetzen. Denn wenn man nicht die gleichen Methoden anwendet, nehmen die Kinder einen nicht ernst („Mit ihr kann man es ja machen, die schlägt nicht!“). Also musste ich mich etwas anpassen, zumindest im Tonfall. Noch bis heute wundert sich mein Mann manchmal, wie anders ich auf Somalisch rede als wenn er mich Englisch oder Deutsch reden hört. Ich kann auch besser auf Somalisch schimpfen als auf Deutsch. Irgendwie habe ich mir das unbewußt so angewöhnt!

TelefonIch weiß garnicht mehr, wie die Zeit doch herum ging, ohne dass ich jemanden um mich hatte, mit dem ich mich zumindest auf Englisch hätte verständigen können. Mein Mann kam zwar alle paar Monate, aber die meißte Zeit waren wir getrennt. Das Schwierigste war für mich, dass ich mich einsam fühlte, obwohl ich unter Leuten war. Ich konnte mich halt nur oberflächlich mit ihnen verständigen. Aber Gott sei Dank war ich ja auch viel beschäftigt und letztendlich hatte ich viel Halt durch die häufigen Telefon-gespräche mit meinem Mann und meiner Co- Schwester, nicht zuletzt aber auch in meinen Gebeten zu Allah (alhamduliLlah).

Falscher Film? Terror- geschockt!

Dr.Ahmed Haaji Abdirahman
Sh. Ahmed Haaji Abdirahman

Wieder in Bosasso angelangt, passierte im Dezember 2011 etwas Schreckliches: einer der besten Freunde meines Mannes, Sh. Dr. Ahmed Haaji Abdirahman (möge Allah seiner gnädig sein), wurde hinterlistig ermordet. Es geschah am frühen morgen, als der fastende Shaikh gerade vom Morgengebet aus der Moschee herauskam und nach Hause gehen wollte. Da schossen drei junge Männer erst in die Luft, dann jagten sie ihm hinterher und schossen ihm direkt in den Kopf. Das war nur ein paar Meter vor seiner Haustür, vor den Augen seiner Frau. Etwa 800 Meter von uns entfernt. Täter: Anhänger von der Terrorgruppe Al Shabab. Grund: Er wollte sich ihnen nicht anschließen! Irgendwie veränderte sich von da an so einiges. Es war so ein Aufwach- Erlebnis wie 9/11, auch wenn es in einem kleineren Ausmaß war. Jedoch der Verlust jedes einzelnen Menschenleben auf solch grausame Weise ist einfach furchtbar (ob es nur einer ist oder Tausende) und widerspricht den Lehren, welchen diese Extremisten vorgeben zu folgen. Denn im Qur’an steht: «Wer einen Menschen tötet, tötet die gesamte Menschheit, wer einen Menschen rettet, rettet die gesamte Menschheit.» (Vers 32, Sure 5)

Ein Anschlag mit Konsequenzen

Von da an wurden in Bosasso die Gesetze für den Waffenbesitz ernster genommen: Es durfte nurnoch jemand mit offizieller Lizens eine Waffe besitzen. Dafür wurden zumeißt nachts Wohnungsdurchsuchungen veranstandet. Auch nach Anhängern von Al Shabab wurde überall gesucht. Ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl, da ich nicht sicher war, was diese Soldaten mit mir machen würden FALLS sie zu uns kommen würden. Denn sie würden wahrscheinlich erstmal denken, ich wäre da, um mich dieser Gruppierung anzuschließen (Allah bewahre)!

attentionDiese extreme Gruppierung spaltete auch ganze Familien, welche Mitglieder an diese Gruppierung verloren hatten (sowohl physisch, oder auch einfach mental). Das musste ich leider auch hautnah erleben. Generell war diese Terror-Gruppe noch sehr viel aktiver, als sie heute hier in Puntland ist, denn von diesem Tag an fing der Kampf gegen sie an. Auch mein Mann machte es sich von da an noch mehr zur Aufgabe, gegen diese Gruppe aufzuklären. Sobald er in Somalia war, organisierte er Tagungen und andere Veranstaltungen, um vor allem die Jungen Leute über den wahren Islam aufzuklären und sie davon abzuhalten, sich dieser Guppierung anzuschließen. Er hat sich von direkten Morddrohungen und Bombenwarnungen bis heute nicht davon abbringen lassen, weiter zu machen (maa shaa Allah). Jedoch wurde sein privates Leben dadurch auch etwas eingeschränkt, denn bis heute hat er deswegen Bodyguards an seiner Seite. Nicht, dass er sich vor diesen Extremisten fürchten würde- eher zur „Beruhigung“ seiner Familie und seines Stammes, dessen Oberhaupt (Sultan) er vor ca. 2 Jahren geworden ist. Möge Allah ihn für seinen Einsatz segnen und immer beschützen!

Sh.Abdulkadir Nur Farah
Sh. Abdulqadir Nur Farah

Keiner stirbt, bevor die Zeit für ihn gekommen ist. Damals wußten wir noch nicht, dass einer der großen Gelehrten Somalias‘ – Sh. Abdulqadir Nur Farah (möge Allah ihm gnädig sein und ihn mit Jannatul Firdaus belohnen)- im Februar 2013 von einem der Al Shabab – Terroristen umgebracht werden würde. Und zwar inmitten WÄHREND des Gebets, IN der Moschee!!! Inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un (Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück). Er war für meinen Mann wie eine Art Vater- Ersatz und einer seiner wichtigsten Lehrer. Zuvor hatten wir ihn noch in seinem äußerst bescheidenem Hause besuchen dürfen.

Dazu muss ich nun allerdings erwähnen, dass es heutzutage schon ganz anders ist (alhamduliLlah). Durch solche Geschehnisse wurden die Sicherheitsvorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen deutlich erhöht, und offiziell gibt es hier keine Al Shabab- Anhänger mehr. Gegen Einzeltäter kann man natürlich nichts machen. Allerdings, wo kann man das heutzutage schon- wo ist man noch sicher vor diesen Hirngewaschenen Menschen?

Freudenbotschaft

Im Frühjar 2012 erreichte uns auch eine freudige Nachricht, auf die wir schon länger gewartet hatten: ich erwartete mein erstes Baby (alhamduliLlah)! Dies brachte eine deutliche Veränderung meiner Hormone mit sich, und so hatte ich plötzlich sehr heftiges Heimweh. Wir hatten aber sowieso vor, dass ich mein erstes Kind in Deutschland kriegen sollte. Beim ersten Kind weiß man noch nicht, ob es zu Komplikationen führen wird (weiß man zwar nie, aber das Erste ist oft das Schwierigste). Zudem ist die hygienische Lage in den Krankenhäusern natürlich nicht die gleiche, von der Ausstattung ganz zu schweigen. Auch eine Deutsche Botschaft gibt es hier nicht, was es etwas kompliziert macht, einen Deutschen Pass für das Neugeborene zu bekommen. Denn mit einem Somalischen Pass kommt man heutzutage leider nicht so weit- überall wird ein Visum erwartet.

Auf nach Deutschland!

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Nach Erschwernis kommt Erleichterung- so wird es uns im Qur’an versprochen. In meinem Fall war es die Ankunft meiner Co- Schwester im Sommer 2012 mit ihren inzwischen 1-jährigen Zwillingen (alhamduliLlah). So konnte ich dann kurz vor der Geburt meines Sohnes nach Deutschland fliegen (etwa Oktober 2012). Diesesmal war es mir aufgrund meiner Hormone auch ganz recht, und auch, weil ich einfach mal Zeit zum Verarbeiten des Erlebten brauchte.

Wie es mir in meiner nächsten Zeit in Somalia erging, werde ich euch (in shaa Allah) in einem nächsten Bericht schreiben!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

1. Integrierungsversuche

Ein Leben wie die Sahaba

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Die erste Zeit in Somalia lebten wir sehr bescheiden. Wir fühlten uns fast so, wie die Sahaba damals gelebt haben – das sind die Gefolgsleute des Propheten Mohammed (Frieden und Segen auf ihm).

Da mein Mann vorher in Dänemark studierte und es unser erster, längerer Aufenthalt in Somalia sein sollte, war unser erstes Haus nur mit dem nötigsten ausgestattet. Ausserdem war es ja nur unser Ferienhaus. Wir hatten also Matratzen auf dem Boden, und große somalische Vorhänge an den Wänden. Das war es auch schon an Ausstattung. Als Schränke benutzten wir einfach unsere Koffer. Die Küche bestand aus einem Haufen Geschirr und einem oder zwei Feuerstellen. Dazu hatten wir aber einen ummauerten Hof, in dem unsere Kinder den ganzen Tag spielen konnten und ich meine ersten Sonnenstrahlen )und ersten Sonnenbrand) seit langer Zeit genießen konnte (aufgrund meiner Bedeckung hatte ich in Europa nicht die Möglichkeit, da man dort fast nirgendwo unbeobachtet ist). Selbst das Wasser für die alltäglichen Verrichtungen musste vom Brunnen geholt werden, und Wäsche wurde von Hand gewaschen.

Süßigkeiten

Aber mir machte diese Einfachheit gar nichts aus alhamduliLlah. Ich genoß es eher, mal weg von dem ganzen materialistischen Leben zu sein, von dieser Überfluß-Gesellschaft. Nur an das sehr natürliche Essen und die Art wie es zu sich genommen wurde (mit den Händen) musste ich mich noch gewöhnen. Vielleicht ist es aber auch der „Mangel“ an dem ganzen Süßkram, welchen man „verkraften“ muss. Man kann sagen, ich war in der Zeit auf unfreiwilliger Diät! Aber so geht es jedem Neuling erstmal. Die Geschmacksknospen müssen erstmal die ganzen Zusatzstoffe aus dem Fast Food in Deutschland vergessen und sich an pure, natürliche Zutaten gewöhnen. Außerdem gab es damals auf dem Land noch nicht so viele Alternativen an Süßigkeiten geschweige denn dem leckeren Basmati-Reis. Das hat sich inzwischen jedoch geändert (alhamduliLlah)- es gibt in Qardho inzwischen (fast) alles, was es auch in der Großstadt Bosasso gibt!

Einleben in Qardho

Fuchs und Hase.jpgEs dauerte schon eine Weile, bis ich mich etwas heimisch fühlte. Aber dank der großartigen Unterstützung meiner Familie und den offenherzigen Kindern, viel es mir leichter (alhamduliLlah). Ich begann, mich sicherer zu fühlen und weniger Angst zu haben. Denn so ganz sicher fühlt man sich anfangs schon nicht, wenn man so mit Vorurteilen beladen ist. Und ich war wohl die erste muslimische Europäerin, die Qardho jemals gesehen hat. Außer einzelne Vorfälle war jedoch alles sehr ruhig. Dort konnten sich Fuchs und Hase quasi Gute Nacht sagen.

 

Wohl aber hörte ich ein paar Gruselgeschichten über Diebe, die sich tagsüber heimlich in die Häuser schleichen und nachts plötzlich aktiv werden. Deswegen wurde ich eines Nachts hellhörig, als ich ein paar scheppernde Geräusche aus der Küche hörte. Was oder wer mochte das wohl sein? Und bummein zweites Mal! Ich weckte meinen Mann auf, er solle doch bitte nachschauen, welcher Dieb sich da bei uns verirrt hätte. Er packte sein Gewehr und seine Taschenlampe und ging mutig auf den potentiellen Gefahrenherd zu. Dort angelangt- sah er eine fette Ratte!!! Okay, das war dann wohl doch übertriebene Sorge meinerseits, aber besser zuviel als zuwenig 😀 !

 

Ein anderes mal hörte ich echte Schüsse und schreiende Stimmen. Da war also wirklich etwas passiert. Aber wir erfuhren nicht, was genau dort geschah. Man lernt dort, einfach die Fenster zuzumachen und weiter zuschlafen, solange es nichts länger anhaltendes ist. Denn ein Schuss kann verschiedene Gründe haben: entweder aus Freude bei einer Hochzeit, oder weil irgendwo Stau ist und ein Soldat sich Gehör verschaffen will, oder aber es ist wirklich etwas ernstzunehmendes. Das mag vielleicht wie im falschen Film klingen, jedoch damals war das noch Realität und für Somalis nichts erwähnenswertes. Inzwischen wurde allerdings der private Waffenbesitz erheblich eingeschränkt, denn ohne Lizenz geht offiziell gar nichts mehr (alhamduliLlah).

Neue Freiheit…

Hijab

Auch wenn die Anfangszeit ihre Schwierigkeiten beinhaltete, so genoß ich es jedoch sehr, meinen Glauben in Ruhe ausleben zu können, ohne mich an jeder nächstbesten Ecke vor einer wildfremden Person rechtfertigen zu müssen oder gar beschimpft und verachtet zu werden. Ganz im Gegenteil– hier wurde ich sogar respektiert und manchmal auch bewundert (alhamduliLlah)! Ich genoß es auch, an die 5 täglichen Gebete durch den Gebetsruf erinnert zu werden, den Adhan. Oder besser, durch die vielen durcheinander klingenden Gebetsrufe! Denn es gibt hier zahlreiche Moscheen (alhamduliLlah) und das mach eine ganz besondere Stimmung. Auch war es schön zu sehen, wie die Kinder mit der Rezitation des Qur‘ans aufwuchsen und für sie der tägliche Gang zur Moschee selbstverständlich war.

Die Menschen in Qardho sind sehr bestrebt, den Deen (Religion als way of life) zu praktizieren (maa shaa Allah). Die Frauen tragen die bedeckendsten Hijabs, man sieht keine Frau ohne Bedeckung. An Freitagen ist es besonders schön, die Kinder in ihren besten Kleidungsstücken und die Männer in ihren weißen Gewändern zu sehen. Es gibt viele Unterrichte, um den Islam zu lernen (natürlich auf Somalisch), die oft von den Moscheen per Lautsprecher nach außen übertragen werden.

Erster Ramadan in Somalia

Sambusa.jpgMein erster Ramadan in Somalia war sehr eindrücklich und wunderschön, obwohl es etwas von einem persönlichen Ereignis überschattet wurde (alhamduliLlah ala kulli haal). Man hatte zwar nicht den Überschuss an (Genuß-)Lebensmitteln, die man sonst gerne abends in sich reinfuttert, jedoch ist zuviel ja sowieso nicht gesund. Die wichtigsten Dinge für einen Somali im Ramadan hatten wir aber (alhamduliLlah): Das „Affuur“, welches die erste Mahlzeit nach dem Fastentag darstellt und aus Datteln, „Sambuus“ (dreieckige Teigtaschen mit Hackfleischfüllung) und „Buur“ (Gebäck) besteht. Ausserdem ein leckeres Basmati-Reis-/ oder Nudel-Gericht (natürlich mit „Moos“-Banane), und die Wassermelone als Nachtisch darf aufjedenfall auch nicht fehlen. Was will man mehr? 🙂 AlhamduliLlah.

Das zusätzliche Nachtgebet haben wir entweder zusammen zuhause gebetet, oder vorzugsweise in einer der Moscheen. Die Moscheen waren richtig überfüllt (maa shaa Allah), selbst der Frauenbereich.

… und doch fremd

Aber so ganz wohl fühlte ich mich aufgrund der vielen Blicke trotzdem nicht. Ich konnte mich ja auch nicht verständigen. Ausserdem war mein Umfeld damals überbesorgt, dass die Leute mir einen bösen Blick (‚Ain) machen könnten oder dass wir uns Diebe wie an Magnet anziehen könnten wenn sie mich Ausländerin sehen.

Das hat sich heute Gott sei Dank total gelegt, aber darauf werde ich in einem der nächsten Beiträge eingehen (in shaa Allah).

Auf in die Großstadt: Bosasso

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Nach den Sommerferien zogen wir nach Bosasso, wo die Kinder vorher auch bei ihren Verwandten gelebt hatten. Dort zogen wir in den alten Stadtteil Bosasso namens „Bio kulule“. Das bedeutet soviel wie „heißes Wasser“ und ist eigentlich eine heiße Quelle unweit von der Stadt. Durch den Krieg vergangener Zeiten hat diese Stadt unheimlich an Umfang zugenommen. Inzwischen ist die Einwohnerzahl laut Google genauso wie die von Dortmund, allerdings haben sie die neuen Flüchtlinge aufgrund der Dürre bestimmt noch nicht hinzu gezählt.

Größere Stadt: größerer Gefahrenherd

Für mich war es dort etwas anonymer und deswegen auch angenehmer. Allerdings war meine Schwiegerfamilie, besonders meine Schwiegermutter, noch besorgter um mich als vorher. Das war auch nicht ganz unbegründet, denn zu der Zeit waren die Piraten nicht weit weg, sie entführten ein- zwei Jahre zuvor sogar den damaligen deutschen Mann meiner Freundin, um an Erpressungsgelder heran zu kommen. Zudem entwickelte sich auch eine extremistische Gruppe in eine mehr und mehr Volks- feindliche Richtung. Oftmals hörte man Nachts Schüsse, wenn auch etwas entfernter. Erstmal war ich jedesmal geschockt, jedoch nach einer Zeit gewöhnte ich mich etwas daran, solange es weit weg genug von uns war. Meißtens bekam ich den Grund sowieso nicht zu Gehör. Dort gibt es keine Zeitung, die über jedes neue Hagelkorn berichtet. Sie haben eher eine Mund- zu- Mund Verbreitung der News. Aber die Sprache verstand ich ja noch nicht damals.

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Umso verrückter musste es für meine Verwandten erscheinen, dass mein Mann uns einmal an einen einsamen Strand fuhr, wo wir sogar im Bikini schwimmen konnten! Einmal passierte uns ein entferntes Fischerboot (Piratenalarm?), jedoch wir tauchten einfach schnell unter. Gott sei Dank hatten sie uns nicht entdeckt.

Die Sicherheitslage in Puntland ist inzwischen um einiges besser geworden, alhamduliLlah. Den Gefahren und Geschehnissen diesbezüglich werde ich aber noch einen eigenen Beitrag widmen (in shaa Allah).

Ich konnte mir damals also noch nicht vorstellen, eines Tages alleine (nur in Begleitung eines unserer Kinder) auf dem riesengroßen Markt einkaufen zu gehen, alleine mit unserem Autobus frische Milch einzukaufen, oder Besuche abzustatten. Aber ca. ein Jahr später war ich so weit dafür, durch private Umstände dazu getrieben. Letztendlich lernt man am besten durch „learning by doing“, besonders die Somalische Sprache, über die es kaum Lehrbücher gibt!

Kurzer Break in Europa: Erholung?

Europa

Aus verschiedenen Gründen (u.a. Wohnungsauflösung) musste ich nach einer Weile meinen Mann nach England begleiten. Dort konnte ich wieder viele weltlichen (besonders kulinarische) Güter genießen, die ich vorher sehr vermißt hatte. Jedoch vermisßte ich plötzlich etwas ganz anderes: meine große Familie, besonders die Kinder meines Mannes, die mir sehr ans Herz gewachsen waren und mich am Telefon immer fragten, „Mama, wann kommst du endlich wieder?“. Ebenso hatte jedes seine eigene Wunschliste, die mich auf Trab hielt.

Eine schöne Erfahrung war der Besuch meiner Eltern in England. Sie konnten sicherstellen, dass es mir nach der großen Reise noch gut ging (alhamduliLlah), und auch etwas von der starken muslimischen Kultur in England erfahren. Dort fühlt man sich an manchen Orten wie in Somalia (gibt ganze Somalische Einkaufszentren und Moscheen dort) oder einem anderen islamischen Land. Es war für meine Eltern quasi schon mal ein Vorgeschmack, die damals noch nicht wußten, dass sie eines Tages in Somalia landen werden, und das sogar mehrfach!

Auch bei einer Stip-Visite in Deutschland und Dänemark musste ich natürlich allen Freunden und Bekannten viel von Somalia erzählen. Durch mein fröhliches Auftreten und meine Erzählungen konnten sich jedoch alle versichern, dass es mir dort gut ging (alhamduliLlah).

Bald sollte es dann auch schon wieder zurück gehen. Was sich bei meiner 2. Episode in Somalia alles veränderte und was ich sonst noch erlebte, werde ich euch im nächsten Beitrag erzählen (in shaa Allah).

 

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Meine erste Reise nach Somalia

…Oder der erste Schritt in eine andere Welt.

Hier werde ich euch den Beginn meines neuen Lebensabschnittes etwas erläutern.

Fragen über Fragen                                           koffer

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist so eine Reise mit offener Länge extrem aufregend. Was nimmt man mit? Auf was kann man verzichten? Was gibt es dort überhaupt, in einem Land, in dem mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg herrschte? Dies sind nur einige der unzähligen Fragen, die einem dann im Kopf herum schwirren,

Ich war jedoch voller Zuversicht, dass schon alles irgendwie klappen wird. Denn im Islam ist das Vertrauen auf Allah sehr wichtig. Man tut und plant was man kann, dann jedoch vertraut man auf Allah und schaut, ob Seine Pläne mit den eigenen übereinstimmen (oder ob alles anders kommt). Denn Er ist immer noch Der beste Planer und- das habe ich nach einigen Jahren in Afrika gelernt- es kommt immer anders als man denkt!

Diese Lebenseinstellung hilft einem sehr, sich nicht unnötig verrückt zu machen und immer recht gelassen zu bleiben (ok, ich arbeite noch dran :-D).

Sommer 2010- Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte

Wir, das heiẞt, mein Mann, meine Co-Schwester mit ihren 2 Kleinkindern und ich, starteten die Reise Ende Mai 2010. Das ist die Zeit, in der die Schulkinder in Somalia ca.3 Monate Hitzefrei haben, auch Ferien genannt.

Wir flogen direkt von Dänemark nach Dubai. Dort wurden wir beim Ausstieg erstmal von einer unbeschreiblichen, schwülen Hitze beinahe erschlagen. In der Sommerzeit ist es in Dubai so an die 50 Grad heiß (subhanaLlah). Das Leben spielt sich dementsprechend ab Sonnenuntergang ab. Man braucht sich noch nicht einmal zu bewegen, der Schweiß tropft schon von ganz allein! Andererseits gibt es in jeden Geschäften, Autos, Hotels und wahrscheinlich auch Häusern übertrieben kühle Klimaanlagen, bei denen man fast schon zu frieren anfängt.

Erste Prüfung

Wenn man nach Somalia reisen möchte, ist es nicht so einfach, einen Komplett- Flug zu buchen (kann sein, dass es heutzutage anders ist, auf jedenfall ist es dann nicht die Günstigste Variante). Nein, man muss erst einmal einen „Break“ machen (wie in unserem Fall in Dubai), und auf den nächstbesten Weiterflug nach Somalia warten. Wir durften etwa eine Woche in Dubai verbringen. Dieser Break wurde allerdings zum ersten Test für mich: ich wurde von fürchterlichem Diarrhoe geplagt. Also am besten kein Fast-Food von draussen essen, besser vom Hotel! Oder am besten vegetarisch essen bei der ersten Reise! In Dubai gibt es dort jedoch genügend Chemie, so dass es mir rechtzeitig vor dem Weiterflug wieder besser ging (alhamduliLlah).

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Auf jedenfall könnte es kaum einen gegensätzlicheren Ort zu Somalia geben: In Dubai ist quasi die ganze Welt versammelt, die ganzen weltlichen Güter über-schwemmen einen förmlich, man kann es nur mit Superlativen (am schönsten, höchsten, modernsten, etc.) beschreiben. Aber unser Ziel war das genaue Gegenteil: das Leben in Somalia ist relativ hart, die Armut herrscht immer noch vor oder ist auf jedenfall unübersehbar, ganz abzusehen von den „naturbelassenen“ Straßen und noch nicht mal einstöckigen Häusern (größtenteils).  Aber gerade dieses eher einfache Leben holt einen wieder in die Wirklichkeit, in die Realität des Lebens zurück. Ja, es bringt einen viel näher an den Sinn des Lebens: dass wir Allah’s Diener sind und Ihm dienen sollen (durch alleinige Anbetung zu Ihm, durch gute Taten, etc.). Deswegen sagt mir das Leben in Somalia mehr zu, als das Leben im Überfluss (alhamduliLlah).

Auf ins Abenteuer!

Ich erinnere mich nicht mehr genau, wo wir alles Zwischenhalt gemacht haben. Ich glaube, es war in Berbera (Somaliland). Ich erinnere mich jedoch noch sehr gut an den Weiterflug nach Bosasso (Puntland). Das war nämlich der Schlimmste Flug meines bisherigen Lebens! Dieses fliegende Teil war bestimmt ein aussortiertes Stück aus Russland. Jedenfalls war es innen drin ohne richtige Ausstattung: kein Belüftungssystem, kein Notausgang. Das führte dazu, dass wir vor dem Start beinahe schmolzen und später, mitten im blauen Himmel, beinahe erfroren.

Der Mittelgang wurde so sehr mit Reisetaschen vollgestopft (bis auf Bauchhöhe), dass sogar der Kapitän und sein Mitarbeiter Schwierigkeiten hatten, bis zum Cockpit zu gelangen.

Ich sagte zu meinem Mann: „Wie sollen wir denn hier zum  Exit kommen im Falle eines Notfalls?“ Er, ganz entspannt: “ Schatz, es gibt hier KEINEN EXIT!“. Er war sichtlich amüsiert über meine Verwunderung, während er sich um seine kleinen Töchter kümmerte.

Erschöpft von der Aufregung lehnte ich meinen Kopf gegen die Metall-Wand vor mir und versuchte, mich im Schlaf woanders hin zu träumen.

Man sagte mir auch, dass die (russische) Flugmannschaft regelmässig nach Alkohol „duftet“. Aber das konnte ich nicht bestätigen und hätte wahrscheinlich auch nichts mehr verändert, da es ja fast Normalzustand ist für dortiges Volk.

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Das Flugzeug sah in etwa so aus, nur noch um einiges schlimmer!

Gott sei Dank habe ich diesen Flieger nie wieder zu Gesicht bekommen und wir sind heile in Bosasso angekommen!

Welcome in Somalia!!!

Da ging ich also die ersten Schritte auf Somalischem Boden, alhamduliLlah. Bosasso ist eine Stadt am Meer (Rotes Meer und Indischer Ozean).

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Alles wirkt etwas surreal: auf der einen Seite ziemlich hohe, kahle Berge, die fast schon bedrohlich wirken, und auf der anderen Seite das wunderschöne, türkisfarbene Meer. Dazu weht der heftige Wind einem fast die Kleider vom Leib. Also die dortige Hitze (im Sommer um die 40 Grad) macht einem weniger aus als in Dubai.

Wir wurden direkt von meinem Schwager abgeholt und ins Hotel Jubba gebracht. Auf der Fahrt dorthin bekommt man schon mal einen Eindruck von der Armut in Somalia, ein bitterer Nachgeschmack des langen Bürgerkrieges. Denn zwischen Flughafen und Stadt sind die Ärmsten der Armen angesiedelt. Danach aber sieht man sogar mehrstöckige, weiße Häuser, die mit den typischen Rundbögen versehen sind. Das sind dann meistens Hotels und Geschäfte.

Man hat echt sehr viel zu bestaunen, wenn man zum erstenmal in Somalia ankommt!

Überall wimmelt es vor Menschen und Ziegen, die sich von den Autos überhaupt nicht aufhalten lassen und erst durch Hupen erinnert werden, dass sie Platz machen sollten. Vor oder zwischen den großen Geschäften, deren Wände immer sehr bunt angemalt sind mit den Inhalten (z.B. Zucker, Mehl, oder Handies, etc.), befinden sich oft kleine selbstgebaute Buden, sogenannte Kleine Emma Lädchen. Und leider gibt es auch immer wieder Stände, an denen Khat verkauft wird. Das sind eine Art Blätter, welche durch drauf herum kauen wie eine Droge wirken und einen sorglos machen. Es ist die Droge der Soldaten und LKW-Fahrer. Meißtens werden sie von Frauen verkauft, die ums Überleben kämpfen.

Khat

Das Eindrücklichste ist aber wohl die Farbenvielfalt überall: Frauen und Mädchen tragen dort jeglich erdenkliche Farbe als Hijab (im Gegensatz zu dem vorherrschenden Schwarz in Dubai), und die Geschäfte sind alle bunt angemalt damit man direkt versteht, was verkauft wird. Dazu kommt noch der Sand, der von den Autos und dem Wind herum gewirbelt wird.

 

1.Nacht in Somalia

Meine erste Nacht auf Somalischem Boden hatte auch etwas aufregendes, auch wenn ich viel zu erschöpft war, um noch darüber nachzudenken: ich hatte tatsächlich Angst, dass der Ventilator über meinem Bett herunterfällt! Denn der schwankte immer so sehr hin und her… aber Gott sei Dank passierte nichts weiter. Immerhin gab es sonst alles Notwendige, was man braucht, sogar ganz stabile Holzmöbel.

Die Strecke Bosasso- Qardho, ein Abenteuer für sich!

Da es in Bosasso in den Sommermonaten (Ende Mai bis Ende September) viel zu heiß ist, um es ohne Klimaanlage auszuhalten, gehen die meisten Familien für diese Schulfreie Zeit aufs Land, also zu den nächsten Dörfern oder Städten. Nur die Business-Männer und die Armen, welche es sich nicht leisten können umzuziehen, bleiben dort (und einzelne hart gesottenen Familien).

Bosasso

Eines dieser relativ nahe gelegenen kleinen Städte heisst Qardho. Dort hatten sich damals meine Schwiegermutter und ein Teil ihrer Kinder und Enkel für die Ferienzeit niedergelassen. Also wollten wir unsere Zeit nicht länger in der Hitze verschwenden und fuhren am nächsten Tag weiter gen Qardho. Es ist eine eindrückliche Autofahrt von ca. 4 Stunden. Die Straße ist noch von den Italienern aus den 80´ern übrig geblieben und noch erstaunlich gut erhalten. Bloß ein bisschen eng wird es bei Gegenverkehr. Es ist die Landstraße, welche einen einmal durch´s ganze Land führt. Manchmal muss man dort nämlich die Holperstraße verlassen, um einigermaßen durchzukommen, aber meißtens kommt man ganz gut durch.

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Jedenfalls  kommt man auf der Strecke von Bosasso nach Qardho an einer interessanten Landschaft vorbei: an vielen Bergen, die wirklich kein Kraut auf sich tragen und daher so unreal wirken; an trockenen Flussbetten, die plötzlich wunderschöne grosse (Dattel-) Bäume hervorbringen; bis hin zur Halb-Steppe, welche durch ihre trockenen, fast silberfarbenen Büsche Platz für viele Kamele und andere Weidetiere birgt.

 

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Nicht zu vergessen sind die häufigen Straßensperren, an denen Soldaten einen mit einem gespannten Seil oder einem anderen Gegenstand aufhalten, um sich ein paar Cent für die nächste Mahlzeit zu verdienen. Manchmal kommt man auch an einem Dorf vorbei, welches aus ein paar simplen Häusern oder selbstgebauten Hütten besteht, aber bei denen auf gar keinen Fall eine Moschee fehlen darf.

Ich liebe diese Strecke bis heute.

Damals jedoch pochte mein Herz ganz schön. Ich machte bei jeder Straßensperre ein Bittgebet und versuchte, die Blicke der Soldaten zu meiden. Mein Mann hatte zwar extra wegen mir eine Waffenlizenz bekommen (quasi als mein Bodyguard), jedoch sind diese spärlich bezahlten, oftmals Khat kauenden Soldaten manchmal unberechenbar. Aber Gott sei Dank ging alles gut und wir kamen sicher in Qardho an.

Erstes Treffen mit meiner neuen Familie!

Es war in der Mittagszeit, als wir endlich mit unserem Jeep vor unserem neuen Zuhause hupten und dann von zahlreichen Kindern stürmisch begrüsst wurden. Aufeinmal wurde mir bewusst, dass ich die Somalische Sprache garnicht kann. Aber ich hatte meine Co-Schwester bei mir (alhamduliLlah), die mir immer schön alles übersetzt hatte (möge Allah sie reichlich belohnen). Jedoch in der Anfangsfreude war dafür natürlich keine Zeit. Trotzdem wurden wir uns vorgestellt (ich als neue, weitere Mama). Wobei ich dachte, ich könne mir die vielen Namen und (für mich) gleich ausschauenden hübschen Gesichter nie merken! Aber natürlich kam das mit der Zeit.

Um es nicht zu lang werden zu lassen, schliesse ich hier erst einmal ab. In einem nächsten Artikel werde ich über meine ersten Einlebungs-Versuche in Qardho und Bosasso berichten (in shaa Allah). Wer sich auf eine Reise nach Somalia einlässt, sollte auf jedenfall eine gute Portion Gottvertrauen (Taqwah) und am besten Vitamin B (gute Beziehungen für den Fall der Fälle) mitbringen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah)!

Eure Khalisa

 

 

What´s the meaning of „Germali´s?“

 

What does it mean- „The Germali´s“?

This name is a combination between the two nationalities, which are connecting our Admin-Team: German and Somali –> The Germali´s!

It was really not easy for us to choose the right name for our blog. Honestly, it was easy for our heart, but not for our mind: Other names like Gersom where probably more understandable for Somali- poeple, since in Somali language „Germal“ means „German“ already and could lead to misunderstandings! But our feeling told us, that „Germaaali“ sounds most nice.

Since we are women, we followed our feelings and there we go: We´ve got our Blog-name 🙂

We hope you enjoy our „nation-connecting“- Blog!

 

„Warum ausgerechnet Somalia?“ Oder: Mein Weg dorthin.

Warum ausgerechnet Somalia?“ und „Waaas, wie kommt´s denn dazu??“- Dies sind einige der häufigsten Fragen, die ich zu beantworten habe, wenn ich jemanden Neuen treffe.

Um diese Frage zu beantworten, muss ich allerdings etwas ausholen und euch zurück ins Jahr 2009 nehmen.

Damals, vor langer, langer Zeit…

Damals war ich gerade einmal etwa ein halbes Jahr Muslima (alhamduliLlah) und hatte eine gute Freundin, die aus Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, stammte. Sie schwärmte mir sehr viel vor – wie schön es dort gewesen sei (vor dem Krieg), wie fruchtbar die Erde, wie schön das Meer, wie schön alle Frauen Hijab trugen (heutzutage), etc. Durch den Krieg sei die Hauptstadt zwar sehr zerstört worden, jedoch in anderen Städten  würde es sich immer noch gut leben lassen.

So kam es, dass in mir der Wunsch entstand, dorthin auszuwandern.

Doch nicht so einfach!

Nach einem gescheiterten Versuch, der aufgrund Geldmangel in Dubai endete, entschieden wir (meine Freundin und ich) uns, dass es mit einem Mann an der Seite doch einfacher wäre. Also beauftragte ich sie, mir einen guten Bruder im Islam zu suchen, der ebenfalls nach Somalia auswandern möchte.

dont give up dreams

Auf der Suche nach dem Richtigen

In meiner Stadt gab es damals kaum Somali‘s, zumindest war mir nur eine Familie bekannt. Also fragte meine Freundin ihre in Dänemark lebende Halbschwester, ob sie nicht einen guten Mann für mich finden könne. Diese Schwester fragte den dortigen Imam, dass er Ausschau halten sollte. Jedoch war dort keiner, auf den meine Ansprüche passten.

Bingo…

Daraufhin fragte meine Freundin einfach besagten Imam, ob er nicht Interesse hätte! Er sagte, er hätte bereits zwei Frauen und einige Kinder, aber wenn ich damit kein Problem hätte, würde er mich gern etwas kennenlernen.

Ich hatte damals noch ein paar andere Brüder zur Auswahl, jedoch der Imam schien am besten zu passen: Er hatte alle seine Kinder schon in Somalia, also würde er dort nach seinem Studium in Dänemark auf jeden Fall hinziehen, außerdem war er sowohl weltlich als auch religiös sehr gebildet (maa shaa Allah). Also war er trotz und gerade wegen seiner großen Familie sehr interessant für mich.

Dem Traum ein Stück näher…

Schließlich kam es dann Ende 2009 zu unserer Heirat, die schon mal sehr multikulturell ausfiel. Sogar meine geliebten Eltern waren dabei (maa shaa Allah).

Danach ging es für mich erst mal eine Weile nach Dänemark, mit Abstechern nach England und Kanada.

…oder doch nicht?

Als wir dann im Frühjahr 2010 anfingen, unsere Reise nach Somalia zu planen, stellte sich meine Schwiegerfamilie erst mal quer: es sei doch viel zu gefährlich für eine Weiße!

Ich brach ehrlich gesagt in Tränen aus.

Dies hat wiederum meinen Mann dazu bewegt, alles dafür zu tun, dass ich mitkommen kann (alhamduliLlah).

dream

Auf geht‘s!!!

Es war Ende Mai (wenn ich mich recht erinnere) im Jahre 2010, als ich dann meine allererste, lang ersehnte Reise nach Afrika antrat.

Wie meine ersten Eindrücke und Erfahrungen waren, werde ich euch in einem nächsten Artikel beschreiben (in shaa Allah). Soll ja schließlich spannend bleiben 😉

In diesem Artikel hier geht es erst mal um die Vorgeschichte zu meiner Reise und meine Beweggründe. Es war also eine Mischung aus verschiedenen Gründen: Sehnsucht nach freiem Praktizieren meiner Religion und Sehnsucht nach einer anderen, offeneren Kultur (habe mich schon immer für Afrika interessiert).

Wenn euch dieser Artikel gefallen hat oder/und ihr noch weitere Fragen und Anregungen habt, hinterlasst einfach einen Kommentar.

Eure Khalisa

 

 

 

Was wollen wir bezwecken?

Aufklärung – Erfahrung – Motivation

Dies sind unsere Hauptanliegen, die ich im Folgenden näher erläutern werde.

1. Aufklärung

Über Somalia gibt es bestimmt so viele Vorurteile wie über Frauenrechte im Islam. Kein Wunder. Zumal die Medien auch nur die eine Seite zeigen – im Islam die unterdrückten Frauen; über Somalia die Armut, Beschneidung der Frau, etc.
Schaut man jedoch hinter die Kulissen, so sieht man, dass die Frau im Islam zum ersten Mal Rechte bekam, wie zum Beispiel das Recht auf Leben (davor wurden Töchter bei lebendigem Leibe begraben) oder das Recht auf gute Behandlung. Nicht umsonst sagte der Prophet Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm):

Der vollkommenste Gläubige ist der mit dem besten Charakter.  Die besten von euch sind diejenigen, die am besten zu ihren Frauen sind.[1] 

Genauso wie man bei tiefgründiger Erforschung erkennen wird, dass diese Vorurteile gegenüber dem Islam nicht gerechtfertigt (zumindest wenn man auf den Islam an sich schaut und nicht auf die Muslime) sind, so wird man auch erkennen, dass es in Somalia andere Seiten zu entdecken gibt, als man bisher glaubte. Dass es hier von Universitäten und Schulen nur so wimmelt; dass es hier von Nutella bis Pringels fast alles gibt; ja, dass sogar (mit gewissen Einschränkungen) ein relativ normales Leben hier möglich ist (zumindest als Muslim/a) – selbst als Europäerin!
Deswegen ist es eins unserer Ziele, über das Land Somalia, das Leben dort und seine Leute aufzuklären. Da Somalia zu 100% ein muslimisches Land ist, spielt die Aufklärung über den Islam natürlich auch eine Rolle. Denn das ganze Leben, der Kalender und die Geschäftszeiten der Menschen dort richten sich nach dem Islam. So ist es für den ein oder anderen eine Möglichkeit, auch darüber mit Vorurteilen aufzuräumen.

2. Erfahrung 

Einen Teil dieser Aufklärung macht natürlich meine eigene Erfahrung aus. Was man als in Somalia so alles erlebt, darüber könnte man ganze Bände schreiben!
Das ist wahrscheinlich auch der interessantere Teil für viele von euch, da ihr Berichte vom alltäglichen Leben aus erster Hand bekommt. So werde ich euch aus meinem alltäglichen Leben berichten, versehen mit einigen aktuellen Geschehnissen und Eindrücken.

3. Motivation

Ein anderer Aspekt unseres Blogs liegt darin, in vielerlei Hinsicht zu motivieren. Zum Einen wollen wir ganz vielen Menschen die Möglichkeit geben, ihren Horizont zu erweitern. Denn Reiseberichte zu lesen ist annähernd so bereichernd wie selber zu reisen! Und wer kommt schon mal so eben nach Somalia?!?
Auch möchten wir andere Menschen motivieren, in Somalia zu investieren oder auch mit Spenden zu unterstützen. Ja, Somalia befindet sich im Aufbau, ob ihr‘s glaubt oder nicht!

Somalia ist wie ein unentdeckter Schatz, den es lohnt, auszubuddeln!

Zudem möchten wir andere „Germali‘s“ dazu aufmuntern, ihr Land besser kennenzulernen, eventuell zu Besuch zu kommen oder sogar ganz zurück zu kommen! Teilweise kennen sie nämlich ihr Ursprungsland selber nicht mehr richtig, schämen sich eventuell sogar für die Armut dort usw. Denn sie selber kennen oftmals auch nicht viel mehr als „Negativbilder“ aus den Medien. Oftmals unterstützen sie auch zurückgebliebene Verwandte finanziell (wieder ein Zeichen der Armut- das heißt, Vorurteil bestätigt!?).

Und last but not least möchten wir andere muslimische Geschwister motivieren, ebenfalls Hijrah hierhin (oder auch woandershin) zu machen (d.h. auszuwandern). Denn wer vor dem stetig wachsenden Islamhass in Deutschland flüchten will, findet hier eine gute Option, seine Kinder in einem islamischen Umfeld großzuziehen. Dafür muss man sich natürlich etwas auskennen im Land, denn es gibt natürlich immer noch gefährliche Orte. Aber für solche und andere Informationen sind wir (in shaa Allah) auf Anfrage auch da. Und richtig sicher ist es in dieser Welt sowieso nirgends mehr.

Für Fragen jeglicher Art stehen wir gerne zur Verfügung!

Khalisa von den Germali‘s

Herzlich Willkommen!

As salaamu alaikum und Guten Tag an unsere Besucher!

Auf diesem Blog werde ich euch das Land Somalia von einer ganz neuen Seite zeigen und somit eine imaginäre Brücke schlagen zwischen unseren deutschen / deutschsprachigen Lesern und diesem faszinierenden Land (in shā Allāh).

Nun kommen sicherlich einige Fragen bei euch auf, denn ihr kennt wahrscheinlich nur Bilder von Armen, von Dürre und von Bombenanschlägen.

Hier werdet ihr (in shā Allāh) Antworten auf eure Fragen finden. Und falls ihr noch weitere Fragen habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren!

So, nun wünsche ich euch viel Spaß beim Herumstöbern und noch einen schönen Tag!

Wasalāmu alaikum wa Rahmatullāhi wa Barakatuh und auf Wiedersehen

Khalisa von den Germali’s

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