Kein Reichtum dieser Welt…

Kein Reichtum dieser Welt kann dir deine Heimat ersetzen!


👉Diese Erkenntnis bekam unsere Zaynab nun mit auf den Weg. Kaum 2 Monate hier in Deutschland, möchte sie doch lieber wieder zurück in ihre Heimat- Somalia. Ja, freiwillig in das Land des Chaos!😉
~
🤔Zu fremd ist ihr die Sprache, zu fremd die Leute, zu anders fühlt sie sich mit ihrer Hautfarbe und Hijab. Überall dort, wo sie hinkommt, fällt sie mit ihrer Modellgröße auf und ist hilflos den gut gemeinten oder hasserfüllten Blicken ausgesetzt👀 Zu viel Unsicherheit. Das kann auch die leckerste Pizza und der ganze „Dunja-Kram“ nicht wett machen (jedenfalls nur vorübergehend).
~
🏜Zuhause aber wartet das Bekannte, Vertraute auf sie. Dort weiß sie die Welt einzuschätzen, dort fühlt sie sich wie eine Wüstenrose- wohlrespektiert!
~
❣ Aber allein diese Einsicht, dass hier in DL nicht alles besser ist und dass sie die Vorteile ihrer Heimat nun zu schätzen weiß- allein DAS war ihr Aufenthalt bei uns Wert❤

Werbeanzeigen

Being Teenage in Somalia- Congrats to my big girl!

This is a spontaneous poem for my big big girl whom I am (the second) Mom to. She finished her Highschool in Somalia today by the young age of 16, maa shaa Allah tabaarakaLlah!

Getting private teachers first, she later on started regular school, but could overjump two classes, maa shaa Allah. That´s why she was the youngest in her class, even though the tallest from her appeariance, Allahumma baarik.

School life in Somalia is very taff- especially the last year of it. Why? Because the teachers don´t know how to pedagogical interact with the kids- they just write down their stuff (since schoolbooks are not always awailable) and leave. So students have to understand the lesson with the help of a private teacher by night time.

Another thing wich makes it more difficult: students have to memorize almost everything! From grade 8 even everything in English!

But my big girl she made it, alhamduliLlah. I´m so proud of her because she is a real power girl and I think the world is waiting for her to be conquered, in shaa Allah!

May Allah protect her and give her a happy life in Dunja&Akhirah!

-🎉-♥-👌-💐-💕-🎊-

💪You struggled hard,
Left all alone,
What interests

A teenage girl…

🎉Now you are there-
Finished the school,
In middle of nowhere-

But don’t be a fool!

🤩I’m sure you’ll find
And make your way-
As kind and strong you’ve

Always stayed.

❣Just make the best
Of everything,
Also take a rest

For your well being😘

🤩I’m proud of you
My biggest girl!
May Allah give you

Whatever is khair♥

Your Mama Khalisa

Casey´s Teil 2: Starke Worte

As salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute geht es endlich weiter mit dem 2.Teil meines Interviews mit der beeindruckenden Casey. Dieses mal erfahrt ihr einiges über die Lage der Somalis in Deutschland, über ihre Integration oder auch Probleme bei derselben.

Aber auch die Frage, ob es überhaupt noch Grund zur Flucht aus Somalia gibt, klärt die liebe Casey mit wunderbarer Klarheit und zeigt, dass sie enorm viel über Somalia und seine Leute weiß, maa shaa Allah.

Zu guter Letzt hat sie noch ein paar wichtige Tipps für Somalis, Germalis (Deutsch-Somalis), aber auch für die Deutsche Bevölkerung bezüglich der Zunwanderer parat.

Ich freue mich unheimlich über diese 2.Runde, die mir perönlich sehr am Herzen liegt. Denn sie spiegelt die Realität sehr gut wieder und beinhaltet wertvolle Ratschläge für alle Seiten. Also gut, fangen wir´s an!
Weiter geht´s mit der 7. Frage:

Liebe Casey, kannst du die Somalischen Leute, welche nach DL geflüchtet sind, verstehen? Findest du es gerechtfertigt, dass Somali´s aus Puntland und Somaliland nicht mehr aufgenommen werden? (Wie es im derzeitigen Beschluss der Flüchtlingspolitik heißt)

Auf jeden Fall! Somalia ist immer noch kein sicheres Land. Die Somalis sind sowas von kriegsmüde, und die junge Generation ist wirklich engagiert, das zu ändern. Aber die alten Strukturen sitzen noch tief. Wenn du zum falschen Clan gehörst, ist dein Leben nicht sicher. Das zeigte auch das jüngste Verbrechen, der bestialische Mord und die Vergewaltigung der 12jährigen Aisha.

Staat und Polizei funktionieren nicht so, wie sie sollten, um die Bevölkerung vor sowas zu schützen. Davon sind auch Puntland und Somaliland nicht ausgenommen. Gerade in Somaliland bist du nichts, wenn du nicht zum regierenden Clan gehörst. Kritiker daran werden verhaftet, wie die prominenten Beispiele Nacimo Abwan Qorane und Abdimalik Muse Coldoon. Und das ist nur, was ich mit meinen beschränkten Somalisch-Kenntnissen mitgekriegt habe. Außerdem baut sich im Norden von Puntland gerade wieder die Terrormiliz Al Shabaab auf.

Also, sicher ist etwas anderes. Aber Herr Seehofer lässt ja auch nach Afghanistan abschieben, weil es da so sicher sein soll… Das sehe ich leider als Folge von der ganzen rechten Hetze gegen Flüchtlinge – unsere Regierung macht den Rechten den Hof, und heraus kommt Unrecht.

8. Was müsste deiner Meinung nach passieren, dass Somali´s nicht mehr aus ihrem Land fliehen wollen?

Wirtschaftswachstum und Korruptionsbekämpfung. Arbeitsplätze. Infrastruktur. Genau aufpassen, welche ausländischen Investoren man hereinlässt. Aber das machen die Somalis, finde ich, sehr gut. Und es ist auch ein sehr starkes politisches Bewusstsein vorhanden. Nicht so, wie bei uns, wo die meisten Leute keine Ahnung haben, was in der Politik und Wirtschaft alles geschieht.

Somalia ist halt ein kleines Land, eingezwängt zwischen Giganten wie USA, Europa, den Saudis, den Golfstaaten, China, usw., die alle nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Und ein starkes Somalia gehört nicht dazu. Da kann der Einzelne nicht viel tun.

Aber eines kann man tun, und zwar die Somalis hier in Europa! Ihr könntet mehr dokumentieren, wie die Realität in Deutschland aussieht! Und zwar nicht nur die strahlenden Tage mit Hochzeiten, Ausflügen und den neuesten Klamotten.


Nein! Ihr sollt auch berichten, wie es ist, nach drei Jahren immer noch in einem Container zu wohnen und von Hartz IV zu leben. Weil es hier nicht genug Wohnungen gibt. Weil man nur Duldung hat und Residenzpflicht. Weil man irgendeinen Termin am Jobcenter verpennt hat, weil man die Bürokratie nicht versteht. Vom Bruder, der so depressiv ist, dass er nicht mehr aus seinem Bett kommt… solche Sachen!!

Somali´s auf dem Weg zum Bürgermeister, nachdem man ihnen eine völlig unangemessene Unterbringung zur Verfügung stellte (2016 aus dem schwarzwaelder-bote.de)

Es gibt in Deutschland nämlich Obdachlose und das gar nicht so wenige… Etwas, was mir kein Afrikaner glauben wollte, der es nicht selbst gesehen hat! Berichtet auch von der AfD und den Nazis.Vom Alleinsein.Von Libyen und den schrecklichen Dingen in der Sahara.Von den Schlauchbooten auf dem Mittelmeer.

Macht den Mund auf und zeigt es euren Landsleuten! In Yurub fällt das Geld nicht vom Himmel!

9. Sind Somalis´ deinem Eindruck nach gut in DL integriert (allgemein betrachtet), oder gibt es Probleme mit Rassissmus, o.ä.?

Das ist eine Frage, die ich bis jetzt fast jedem Somali, den ich hier in Deutschland kenne, gestellt habe. Ich gebe mal eine Antwort wieder, die ich so oder so ähnlich ziemlich oft gehört habe:

„Ich selbst bin noch nicht rassistisch beleidigt worden oder angegriffen worden. Ich weiß aber, dass es so etwas gibt. Aber wir haben eigentlich überhaupt keinen Kontakt zu Deutschen. Sie sind so verschlossen und schotten sich ab. Darum weiß ich auch gar nicht, wie die Deutschen sind oder wie sie leben. Auch um richtig Deutsch zu lernen, ist das sehr hinderlich.Wir Somalis leben eigentlich unter uns, oder mit anderen Ausländern, Marokkanern, Nigerianern, Syrern.

„Ich hätte gerne Kontakt zu Deutschen, aber ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Ich habe das Gefühl, sie haben Angst vor uns.“

„Einmal dachte ich mir so, das ist doch etwas, was sie aus den Medien gelernt haben. Aber Kinder sind doch noch natürlich, und so kam ich auf die Idee, auf einen Spielplatz zu gehen und dort einfach mit welchen zu sprechen. Aber die Kinder hatten Angst und fingen an zu schreien und rannten weg. Ich bin doch kein Monster! Also, das tat sehr weh. Ich weiß echt nicht, was ich machen soll.“

Natürlich gibt es auch Somalis, die sehr gut integriert sind und viel Kontakt zu Deutschen haben. Meistens die mit höherer Bildung, aber auch Leute, die einfach das Glück hatten, auf nette Leute oder gute Umstände zu treffen.Von denen, die ich kenne, machen diese vielleicht ein Drittel aus. Die anderen leben so ähnlich wie der erste Teil.

10. Würdest du gerne einmal nach Somalia reisen? Wenn ja, an welchen Ort?

Sehr gerne! Ich hoffe, dass sich bald die politische Lage in Somalia so weit normalisiert hat, dass ich diese Reise wagen kann, inshaa Allah.

Am meisten zieht es mich nach Mogadischu, es ist eine wunderschöne Stadt, und da ist mein Meer!

Aber ich möchte eigentlich das ganze Land bereisen, es ist so vielseitig. Und insbesondere auch die Schauplätze meiner Geschichten und Träume, wie Garowe oder Gaalkacyo. Da brenne ich vor Neugier zu sehen, ob es wirklich so ist!

Meine Rente in Deutschland wird wohl so mickrig ausfallen, dass man hier nicht von leben kann. In Afrika kann man das aber, bescheiden, aber so viel brauch ich gar nicht.

Ich brauch Sonne, Meer und freundliche Leute um mich, mehr Dunya ist doch gar nicht nötig. Und ab und zu mal nach Deutschland fliegen und meine Familie besuchen. Bis dahin sind es noch ein paar Jahre und ich hoffe, Somalia ist dann so weit. Inshaallah.

11. Welchen Rat hast du a) für Somali´s in DL, b) Somali´s in Somalia und c) für die Deutschen gegenüber Somali´s?

Somalis in Deutschland, kennt eure Rechte! Vom Jobcenter erfahrt ihr die nicht, vom Chef gleich dreimal nicht! Es gibt Mindestlohn und Arbeitsschutzgesetze. Lasst euch nicht übers Ohr hauen und lest auch das Kleingedruckte und die AGBs.

Somalis in Somalia, lernt aus den Fehlern der anderen! Wirtschaftswachstum ist gut und notwendig, aber achtet auf eure Umwelt! Sonst sieht es in euren Städten auch bald so aus wie in Kolkota, Xingtai oder Onitsha in Nigeria. Macht euch nicht abhängig vom Öl und verbietet Plastiktüten!

Und ihr Deutschen: Somalis beißen nicht, sind auch keine Piraten oder Terroristen! Schenkt ihnen ein Lächeln und vielleicht auch mal ein nettes Gespräch. Wenn ihr sie nur in größeren Gruppen seht, dann machen die das nicht, um euch zu erschrecken, sondern weil sie sonst niemanden kennen! Du weißt nicht, wie du es machen sollst? Kick ihnen im Park vielleicht einfach mal den Fußball zu…

Vielen Dank und Baarakallahu feeki dafür, dass du uns Einblick in dein (Innen-) Leben und deine Ansichten gegeben hast. Vielen Dank für all´deine weisen, starken Worte!

Möge Allah dich reichlich belohnen und dir deine Träume in Erfüllung gehen lassen!

😍

Ich weiß nicht, wie es Euch beim Lesen erging, liebe Leser, aber ich fande dieses Interview sehr aufschlussreich und bewegend!

Bewegend finde ich auch, dass sich eine Deutsche Frau so sehr mit Somalia und seinen Leuten auseinander setzt, ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht und sogar ihre Sprache versucht zu lernen.

Gerne dürft Ihr Eure Eindrücke mitteilen und den Artikel so viel wie möglich verbreiten. Dann tut auch Ihr etwas zur Völkerverständigung zwischen Somalis und Deutschen bei, in shaa Allah 🙂

In diesem Sinne, Eure Khalisa

Interview mit Casey: Somalia-Expertin in Spe!

Nun ist der Germali- Blog etwas mehr als ein Jahr alt und es hat sich seither nicht nur einiges getan, sondern seither hat er auch unheimlich viele Menschen erreicht, maa shaa Allah!

Anfangs war es für mich totales Neuland, doch schon bald entwickelte sich daraus eine neue Leidenschaft, die mir auch menschlich gesehen viel brachte: ich entdeckte meine Lust am Schreiben; durfte vielen Menschen ihre Fragen beantworten und mich mit ihnen austauschen; mein eigener Blickwinkel hat sich besonders auch durch die Interview-Reihe stark erweitert; und aus der ein oder anderen Bekanntschaft wurden schließlich wahre Freundschaften (alhamduliLlah).

Eine dieser besonderen Freundschaften darf ich euch heute vorstellen, nennen wir sie einfach mal Casey.

So ganz genau erinnere ich mich nicht mehr, wie wir uns genau kennenlernten. War es in einer der Deutsch-Somalischen FB-Gruppen oder anderswo? Sie wird es sicher wissen. Casey ist zwar keine Somalierin und nein, sie ist auch mit keinem Somali verheiratet, jedoch fühlt sie sich stark verbunden mit diesem Land und seinen Leuten. Zu meiner größten Überraschung kennt sie sich sogar besser aus im Land, als ich selber (zumindest theoretisch, lol)!

Wie es dazu kommt, werdet ihr im folgenden Interview erfahren, wovon ich schon lange träumte und nun endlich in die Tat umsetze.

Obwohl sie am anderen Ende Deutschlands wohnt, hatten wir letztens doch mal die Möglichkeit gehabt, uns in „real life“ zu sehen. Das kann ich übrigens nur jedem empfehlen- trefft euch nicht nur auf dem Handy- Bildschirm, sondern auch in echt!

Es dauerte kaum 5 Minuten, bis wir uns an den echten Anblick des jeweils anderen gewöhnt hatten. Denn irgendwie macht man sich im Kopf so seine Vorstellungen, wie die Person aussehen könnte. Und dann ist sie im realen Leben doch ganz anders! Kurz darauf jedoch waren wir schon tief in unseren angeregten Germali- Gesprächen.

Vom Alter her könnte Casey zwar meine Mutter sein, jedoch ist sie innerlich sehr jung geblieben. Ja, man könnte sagen, sie ist der Typ Mensch, der mit allen Altersstufen zurecht kommt. Irgendwo schwingt da eine Art bescheidene Kumpelhaftigkeit mit, die einen erstaunt, je mehr man über sie und ihr Leben erfährt.

Je mehr ich bröckchenweise Einblick in ihr Leben bekam, desto beeindruckter war ich. Was sie in ihren ca. 40 Jahren als Konvertierte Muslima (und auch schon davor) erlebt hat, kann ihr so leicht nachmachen! Davon zeugen ihr ganzes Bücherregal voller Tagebücher und davon zeugt auch, dass es uns unheimlich schwer fiel, einen Anfang für einen Gastartikel ihrerseits zu finden. „Wo sollen wir bloß anfangen!?“ meinte sie immer zu mir.

Nun, hiermit sei ein erster Anfang gemacht! Ich werde ihr ein paar Fragen stellen, die etwas über ihren Weg zu den Somali´s und zugleich ihre Faszination für dieses Land erklären.

______________________________________________________________________________

Meine liebe Casey, ersteinmal vielen Dank, dass du dich einer großen Leserschaft öffnest und einen Teil deiner Geschichte mit uns teilst, baarakaLlahu feeki!
1. Erinnerst du dich vielleicht noch daran, wie wir aufeinander gestoßen sind?

Bismillahi rahmani rahim.

Casey Hugelfink

Wie ich auf dich kam, war so: Ein Jahr zuvor hatte ich nämlich einen Traum. Da war ich in einer Somalischen Stadt mit dem Fahrrad unterwegs und sah mich um und erkundigte mich nach Immobilien und den Preisen, wie das so ist in Somalia. Ich erzählte den Traum einem somalischen Freund, und der hat die Stadt als Garowe identifiziert. Er schickte mir Fotos – richtig! Das war genau die Stadt! Es war sogar das Haus, das ich im Traum besichtigt hatte zu kaufen, darauf zu sehen: im Traum war da eine Schweizerin, die ihre Wohnung in dem Haus verkaufen wollte.

Ein Jahr später bin ich über den Blog The Germali’s auf Google gestolpert. Das fand ich sehr interessant. Ich las dann etwas über eine Schweizerin, eine Swissmali, und da ging’s auch um eine Wohnung in Garowe… Moment mal, das hab ich doch geträumt! Nu, und so hab ich dich auf FB gefunden, weil das musste ich dir natürlich gleich erzählen! Ich bin auch nicht böse, dass du das vergessen hast… da kommt `ne Wildfremde und erzählt, das hab ich geträumt… kkkk….

2. Erzähl uns doch darüber, wie dein Interesse für die Somali´s und ihr Land geweckt wurde!

Ich arbeite als Security, und im Sommer 2015, als die Flüchtlingswelle auf ihrem Höhepunkt war, versetzte man mich nach Freising, eine Kleinstadt nördlich von München, in eine Flüchtlings-Notunterkunft. D.h. 200 Leute aus 25 Nationen wurden in eine Turnhalle gequetscht, durch ein paar Paravents als Sichtschutz getrennt, aber eigentlich ganz ohne Privatsphäre. Die Hälfte von ihnen waren Jugendliche unter 18 Jahren.Viele von ihnen kamen via Italien, also direkt von den Schlauchbooten, mit denen sie über das Mittelmeer geflohen waren.

Wir waren alle im absoluten Ausnahmezustand. Die Flüchtlinge immer noch, sie waren ja noch nicht wirklich angekommen. Und die Deutschen, die Helfer, die Behörden, die Leute in der Umgebung, die Polizei, genauso. Es waren alle völlig überfordert, aber hoch motiviert- zu der Zeit wollten sie noch helfen. Es war Ramadan, als das Camp eröffnete. Und hier danke ich besonders den Brüdern und Schwestern aus der Freisinger Moschee, die mit ihrem Iftar-Essen über die anfänglichen Versorgungs-Engpässe halfen! Denn im Camp war Chaos pur.

Das Camp war eigentlich nur für die Sommerferien geplant, bis alle in eine Unterkunft gebracht werden konnten. Es wurden aber ganze fünf Monate daraus. Da lernt man sich dann kennen. Mit den Nigerianern und Syrern konnte ich auf Englisch reden, mit den Afghanen auf Persisch, denn ich habe in den 80ern im Iran gelebt.

Mit den Somalis war die Verständigung sehr schwierig, denn die meisten konnten als Fremdsprache nur Arabisch, was ich nicht kann. Es musste immer einer, meistens Araber, dolmetschen.

Einmal, nach einem anstrengenden 12-Stunden-Arbeitstag, kam ein Somali auf mich zu, mit einem Syrer im Schlepptau, und der erklärte mir, egal, was jetzt passiert, ich sollle ihm nur folgen und ich muss tun, was er sagt und ihm 100% vertrauen. Er will mir etwas zeigen. Tagsüber drehten sich die Gespräche um Kindersoldaten, und ich stellte mir die bange Frage, wieviele wohl hier unter uns sind? Na ja, er brachte mich zu der Baustelle vom Camerloher Gymnasium, die gleich hinter dem Camp lag.

Auszug aus Casey´s Fotobuch: Der Somalische Mann zeigte ihr, wie sehr ihn der Schulhof an seine Zeit als Kindersoldat erinnerte.

Jedenfalls, so fing das an. Wir benötigten gar keine Sprache! Mein Vater war kurz vorher gestorben und hatte uns ganz am Ende seines Lebens damit überrascht, dass er im 2. Weltkrieg ein Kindersoldat gewesen war. Er hatte das sein ganzes Leben verschwiegen und mit sich herumgeschleppt. Schon allein daher interessierte mich das alles brennend. Aber auch meine eigenen Kriegserfahrungen aus dem Iran-Iraq-Krieg kamen wieder hoch.

3. Wie konntest du mit so vielen Leidensgeschichten innerlich umgehen?

Ich saß mitten drin, war nicht nur berührt, sondern ein Teil davon.Man kriegt ja in allen Lehrgängen als Therapeut, Krankenschwester, Lehrer, etc. beigebracht, Distanz zu wahren und die Probleme nicht nach Feierabend mit nach Hause zu nehmen. Das halte ich für grundsätzlich falsch.

Ich finde es wichtig, berührt zu werden, mit zu leiden, alles selbst zu erfahren. Ich glaube, Allah weist einem dabei den Weg! Oder wie kann man sich das, was geschah, sonst erklären? Und Allah lädt keiner Seele mehr auf, als sie verkraften kann! Das ist das Grund-Vertrauen.


Irgendwann ist dann aber der Ausnahmezustand zu Ende, das Adrenalin verbraucht. Alle sind in Deutschland angekommen und werden vom Jobcenter drangsaliert. Bürokratie! Und dazu kommt der graue dunkle Winter.Verzweiflung, Heimweh, Depression, Trauma…Ich fragte mich, was ist denn jetzt Trauma? Und was ist bloß eine kulturelle Eigenheit? Warum tun manche Somalis für mich so völlig unverständliche Dinge?Erfragen konnte ich wenig, denn die Sprachkenntnisse waren immer noch sehr schlecht…So musste ich selbst aktiv werden und alles über Somalia lernen: Geschichte, Politik, Geographie, Literatur, Gesellschaft…so landete ich hier:

Galkacyo (Photo credit Farah Abdi Warsame)

Sie heißt Faduumo, ist eine ehemalige Prostituierte, und lebte zur Zeit der Piraten in Saus und Braus. Jetzt ist nix mehr los und sie verschanzt sich in einer Trotzhaltung.“Can you give me $1000? If not, bye bye.“Oooh ja, den Trotz kenne ich. Und der tut richtig weh.Vielleicht sollte ich nach Gaalkacyo schauen, wenn ich Land und Leute besser kenen lernen will?

4. Welche Eigenschaften fallen dir an Somalischen Menschen auf, was zeichnet sie aus?

Die Somalis sind stur. Richtig stur. Da kommt nicht mal ein Westfale mit!

Das lernt man in Gaalkacyo [Eine große Stadt in Puntland]. Da tagte der Bau-Ausschuss, Ergebnis: 29 Tote.

Auf der anderen Seite ist es eine besondere Stärke der Somalis, einen Konsens zu finden. Das ist ein ganz wesentlicher Faktor der somalischen Gesellschaft. So funktioniert das alte Clan-System, das ist aber auch heute in den Social Media zu beobachten.

Der nächste Ramadan kam und es entstand der Konsens: Wir waren schlecht und total verwildert. Manche von uns haben schlimme Dinge getan.Jetzt machen wir zusammen Ramadan und Tauba (bereuen unsere Sünden, Anm.d.R.). Und das Faszinierende daran war: hinterher fing keiner mehr an mit den schlechten Dingen, die er vorher tat!

Casey und ihre Somalischen Freunde auf dem Weg zur Moschee während des Ramadans.

Bei den Somali´s wird außerdem traditionell alles gesungen, auch Nachrichten, Poesie, sogar Wahlkampf!!!

„Neuer Song“- anläßlich der letzten Präsidentschaftswahl

5. Hast du etwas Somalisches gelernt, z.B. die Sprache, oder ein paar Rezepte?

Ich übe mich darin, die Somalische Sprache zu lernen, was allerdings nicht so leicht ist, denn es gibt da keine vernünftigen Bücher. Ich lerne aus dem Somalischen TV, Zeitungsartikeln, FB-Kommentaren und Song-Texten, und freue mich wie ein Schneekönig, wenn ich irgendwo etwas verstehe, wenn die Somalis untereinander reden! Hier in Deutschland liegt der Focus natürlich darauf, dass die Somalis Deutsch lernen, so sind die Gelegenheiten eher spärlich. Ich müsste in Somalia sein, dann ginge es viel schneller.

Die Somalische Küche ist im Großen und Ganzen der Persischen Küche recht ähnlich, also im Grunde genommen essen Somalis nicht viel andere Sachen als wir zuhause. Die Deutsche Küche ist da für mich viel fremdartiger. Die obligatorische Banane hab ich mir inzwischen aber auch angewöhnt.

Nur manches ist dann doch anders. Ob ich dauerhaft mit einem Frühstück aus Anjeero [Eine Art Sauerteig-Pfannekuchen] und Leber in den Tag starten könnte?Brrr, hier in Deutschland bestimmt nicht!Aber – die Erfahrung hab ich schon im Iran gemacht – dort ist mein Geschmack ja ganz anders!

Im Iran gibt es auch Dinge, die liebe ich dort, in Deutschland schmecken sie mir aber, hmmm, na ja, muss jetzt echt nicht sein…Also, das weiß nur Allah, vielleicht liebe ich es ja, eines Tages in Somalia, Anjeero und Leber zu frühstücken…!

6. Von was können wir uns bei den Somali´s „eine Scheibe abschneiden“? Was können wir von ihnen lernen?

„Diin leeya cadaleeduleeysadee duleeysadeaanshagunduleey sadeeha i daawuye.“ Dieses Somalische Lied bringt es auf den Punkt: „Deen und Zugehörigkeit zur Somalischen Gemeinschaft; Gib mir davon etwas ab: Du lebst darin; Lass die Rechtleitung auf mich abfärben!“ Und das geschieht mit den Somalis ganz von selbst.

Die Gemeinschaft geht vor, nicht so wie bei den Europäern das Individuum. Sie sind Poeten und sehr gebildet, das gefällt mir sehr gut, besser als hier.

______________________________________________________________________________

Vielen Dank und Baarakallahu feeki für deine sehr interessanten Antworten, liebe Casey!

Damit es nicht zu lang wird, gibt es bald den 2.Teil dieses Interviews. Darin wird es sich um die aktuelle Lage Somalia´s drehen, aber auch ultimative Tipps für Somali´s und Deutsche geben. Ihr dürft also gespannt sein!

Bis bald (in shaa Allah)

Eure Khalisa

Oh Tannenbaum..?

Nein, nein, keine Angst (an die Muslime)- wir feiern keine Weihnachten, haben sogar keinen Tannenbaum 😀 Diese auf dem Titelbild abgebildete Block-Figur sieht nur irgendwie so aus und brachte mich prompt auf ein neues Blog-Thema.

Keine Angst auch an die Nicht-muslimischen Leser- wir sind keine Extremen IS-Anhänger oder sonst solche, die sich nicht anpassen wollen. Nein, wir sind einfach nur Muslime, die ihre eigenen Feste haben. Und die feiert ihr ja auch nicht, geschweige denn gratuliert ihr uns dazu 😉

Generell ist es aber nicht einfach, sich in einem plötzlich ach-so-christlichen Land von dem ganzen Weihnachtsrummel zu distanzieren. Schon Wochen vor dem Fest fängt´s überall an mit dem“Frohe Weihnachten/ Frohe Festtage!“- Singsang.

Ganz gleich, ob man ein Kopftuch auf hat oder gar ein jüdisches Käppi trägt- es wird allen ein frohes Fest gewünscht.

Dies durfte ich in `meiner´Zahnarztpraxis beobachten, als sie nicht nur mir, sondern auch einem älteren Mann mit eindeutig jüdischem Hütchen auf dem Kopf, `fröhliche Weihnachten´ wünschten. Hmm… also da hab ich mich echt gewundert! Der alte Herr wohl auch. Nach kurzem Zögern wünschte er ihnen dann einfach alles Gute. Das tue ich generell auch: „Ihnen auch alles Gute!“ sage ich meistens etwas verlegen. Denn das Gute wünsche ich natürlich jedem 😉

Es ist ja nicht so, dass ich früher als Kind diese Tage nicht genossen hätte. Nein, meine Eltern haben sich sehr viel Mühe gegeben, dieses Fest nicht nur oberflächlich zu gestalten, sondern auch mit Inhalt zu füllen. Gesungen und musiziert wurde auch jedes mal und es war immer eine wunderbare Stimmung.

Doch nun, da ich mit Leib und Seele eine Muslima bin, stehe ich einfach nicht mehr hinter diesem Fest. Zum Einen ist es selbst dem Spiegel (natürlich nicht nur dem) bekannt, dass die Geburt Jesu (Frieden sei mit ihm) nicht auf den 25. Dezember fällt und dieses Fest nur eine Erfindung späterer Zeiten war. Zum anderen feiern wir Muslime auch nicht den Geburtstag des letzten Propheten (Muhammad, Frieden und Segen seien auf ihm), geschweige denn unsere eigenen Geburtstage. Warum also sollten wir auf einmal damit anfangen?

Es ist trotzdem nicht so, dass Jesus (Friede sei mit ihm) keine bedeutende Person für uns wäre. Ganz im Gegenteil: Er wird im Koran in 15 Suren insgesamt 93 mal erwähnt. Aber nicht als Gottes Sohn, sondern als Sein Gesandter und Messias. So sagt Allah im Koran:

„Es steht Gott nicht an, sich irgendein Kind zuzulegen. Gepriesen sei Er! (Darüber ist Er erhaben). Wenn Er eine Sache beschlossen hat, sagt Er zu ihr nur: sei!, dann ist sie. Und Jesus sagte: „Gott ist mein Herr und euer Herr. Dienet ihm! Das ist ein gerader Weg.“

Sure 19, Vers 35-36

Wie gehen denn die Germali- Kinder mit dieser Weihnachtlichen Stimmung um?

Für sie ist es noch nicht so einfach zu verstehen. Sie sind völlig fasziniert von all den Lichtern, von den Weihnachtsmännern und und und. Letztens sagte meine Kleine: „Fröhlichen Weihnachtsmann!“ zu ihrem Opa. Und sie sagte auch, dass sie einen Weihnachtsbaum haben wolle. Da entgegne ich ihr meistens. dass wir so einen nicht brauchen und dass ich ihr eine Lichterkette besorgen würde. Und schwärme ihr vor, was wir an UNSEREN Feiertagen alles machen werden, so Allah will!

Meine Eltern nehmen darauf Gott sei Dank Rücksicht. Schon lange haben sie keinen Weihnachtsbaum mehr bei sich stehen. Sie feiern ihr Weihnachtsfest hauptsächlich in der Kirche. Genauso, wie wir unsere Feiertage auch nur in der Moschee und mit Freunden feiern.

Ich weiß, dass solch ein kleiner Blog-Artikel diesem Thema nicht im geringsten gerecht wird und höchstens die Thematik anreißen kann. Ich hoffe aber trotzdem, dass ich ein paar Zeilen zum gegenseitigen Verständnis beitragen konnte.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen alles Gute und bis zum nächsten mal, in shaa Allah.

Eure Khalisa

PS: Ich habe übrigens einen neuen Blog eröffnet: http://www.bodymindsoulinspirations.com . Dies bedeutet nicht, dass Ihr nichts mehr von den Germali´s hören werdet, in shaa Allah, vielmehr ist er eine Ergänzung/Erweiterung!

Germali´s in DL: Was man nicht alles (durch-) macht!

Salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nun sind wir, die Germali´s, schon seit 3 1/2 Monaten hier in Deutschland und lernen nach der anfänglichen Euphorie auch die Schattenseiten von hier kennen. Es ist nämlich ein riesen Unterschied, ob man einfach in seiner Heimat ist, oder ob man in seiner Heimat als Muslim ist: man wird zum Fremden, weil man sich anders anzieht. Von wegen, der Islam gehöre zu Deutschland… Über die Verwirrtheiten, die bisher so entstanden sind, berichte ich Euch in diesem Artikel.

Eigentlich fühlen wir uns recht wohl in unserer Heimat. Wir schätzen die Vielfalt an Vergnügungsmöglichkeiten, die vielen Freunde, und vor allem die Nähe zu den Großeltern/Eltern. Wenn da nicht das Stückchen mehr Stoff währe, das mich als „anders“ – noch `schlimmer´: als Muslima (!)- erkennen lässt! 

So kommt es immer wieder zu etwas komischen Situationen, die, wenn man es nicht mit Humor nehmen würde, einem ganz schön zu schaffen machen könnten.

1.Beispiel: Schock im Wartezimmer!

Es ist immer wieder herrlich, wenn ich beim Doktor im Wartezimmer aufgerufen werde. In die Stille hinein wird dann hineingerufen: V… Schulz! Die Arzthelferin sucht mit ihren Augen die Deutsch aussehenden Patientinnen ab, falls überhaupt welche da sind. „Ja!“ ertönt es dann von meiner Seite her freudestrahlend (da meine Wartezeit nun zu ende ist). Selbstbewusst gehe ich durch das Wartezimmer und komme mir vor, wie auf einem Laufsteg; denn ALLE inklusive der Arzthelferin schauen mich beinahe ungläubig an 😀 Insgeheim lache ich darüber, aber das lasse ich mir natürlich nicht anmerken. 

Letztens war ich in einer sehr noblen Praxis am Phönix See. Ich habe mir diese ausgesucht, da man dort schneller einen Termin fürs MRT bekommt. Ich dachte mir gleich, das läge bestimmt am muslimisch klingenden Namen. Nach der üblichen Laufsteg-Szene stand ich dem Arzt dann gegenüber, der ebenso verdattert war wie ich: er stellte dann sofort sicher, ob ich wirklich die V… Schulz sei! Ich hingegen hätte meine Verwunderung ebenso ausdrücken können, denn der Arzt mit muslimischem Namen war ein dunkelblonder, völlig europäisch aussehender Mann! Naja, ich konnte ihn jedoch schlecht fragen, ob er auch wirklich Amirfallah heißen würde 😉

2. Beipiel: Sprachkurs inklusive!

Eine andere lustige Erfahrung haben wir gemacht, als ich meine Kinder beim Sprachförderkurs im Kindergarten anmeldete. Da wir noch keinen Kindergartenplatz haben, nehmen wir alles mit, wo meine Kinder in Kontakt mit anderen Kindern kommen und so sprachlich und sozial gefördert werden. Nach meiner Frage, ob ich dabei sein solle, wurde mir gesagt, ich würde dann parallel dazu auch einen Deutschkurs bekommen! Ich??? Bin doch Deutsch! Sogar so deutsch, dass ich Deutsch LK im Abi hatte und einige Bücher von Goethe und Co. bereits durchgenommen hatte!! Aber gut, so war eben das System, in welches wir einfach nicht reinpassen. Ich könne den anderen ja helfen…

Unsere erste Erfahrung im Sprachförderkurs: Ich kam mir natürlich fehl am Platz vor, aber was tut man nicht alles für seine Kinder…! Neben mir waren 4 Syrische Frauen, eine Yesidin, und eine Iranerin, die mich ebenso erstaunt fragten, woher ich denn komme. Ich stellte mich als Deutsche Kartoffel vor und meinte noch spaßig, dass sie mir ja Arabisch beibringen könnten, und ich ihnen Deutsch!

Deutsche Kartoffel liebt Deutsches Essen, auch wenn sie Muslima ist 🙂

Der Spaß blieb mir dann irgendwie im Hals stecken, als uns von der vertretenden Deutschlehrerin die `Deutschen Feste´ erklärt wurden. Angefangen vom Schuhe putzen und Süßigkeiten darein legen vor dem Nikolaustag über´s Plätzchen backen und Weihnachtsfest. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und sagte, ob ihr denn bewußt sei, dass wir ebenfalls Feste hätten? Es war zwar gut und schön. dass sie uns „Ausländern“ die deutsche Kultur erklären wollte, aber sie tat gerade so, als ob wir am besten da auch mitmachen sollten, da es ja auch Thema im Kindergarten wäre und in Deutschland so gemacht werden würde (auf einmal sind sie alle so christlich). Doch Moment mal- wir haben da auch noch eigene Feste zu feiern 😉  

Da fragte sie uns, was wir denn zu feiern hätten und ich legte los, denn die anderen Frauen schienen sich nicht zu trauen. Sie taten mir einfach nur Leid, denn sie müssen einen unheimlichen Druck verspüren, sich so sehr integrieren zu müssen, dass ihre eigene Tradition und Glaube keine Rolle mehr spielen dürfen. 

Nächstes Mal war es etwas besser, denn da war auch die richtige Deutschlehrerin da. Sie nahm mit uns ein Weihnachtsplätzchen- Rezept durch, welches die Kinder zeitgleich backen durften. Nun gut, ich suchte die Arabischen Begriffe für ausrollen, ausstechen, etc. heraus, zeigte sie meinen arabischen Mitstreiterinnen, und schrieb mir dann das Arabische raus. Wenn ich schon dort war, wollte ich wenigstens davon profitieren und das Beste draus machen 😉

3. Beispiel: Wohnungssuche

Mit der Wohnungssuche verhält es sich nicht anders, oder gar noch schlimmer. Wenn die Vermieter meine Stimme hören, ist noch alles Friede Freude, sobald sie jedoch mein Outfit zu Gesicht bekommen, hört´s bei ihnen auf. Obwohl sie dann noch viel persönliches quatschen und herum spaßen, merke ich doch ihre Unsicherheit.

Ich muss gestehen, dass ich auch nicht jede bestmögliche Wohnung nehme: ich schaue schon, dass ich als Muslima mit 2 temperamentvollen Kindern da rein passe, dass der Schulweg nicht zu lang und die Treppen nicht zu viele sind!

So zum Beispiel ließ ich gestern erst eine Wohnung in bester Lage fallen, als ich erfuhr, dass die Vermieterin unter unsere potentielle Wohnung einziehen wolle. Und zwar war das nicht irgendeine liebe Omi, sondern eine mit „Haaren auf den Zähnen“: sehr bestimmend und kompromisslos! Das hieße, wir würden da nie unsere Ruhe haben. Allein schon der Spruch: „Lassen sie Ihre Schuhe bloß an, wir sind keine Araber und können putzen!“ gab mir zu denken (vor allem sollte sie mal eine Arabische Wohnung sehen- bei denen kann man vom Boden essen!!).

Meine „Traumwohnung“ bekam ich Gott sei Dank auch nicht, obwohl sie eine Zeit lang danach noch frei war. Die Frau traute sich noch nicht einmal, uns persönlich abzusagen! Aufgrund den mehrheitlich russischen Bewohnern in dem Haus mitsamt ihrem Bierzelt im Garten, war das dann wohl auch besser so…

 Eine weitere Wohnung, die wir uns gestern (neben reichlich anderen) noch angesehen hatten, werden wir eventuell auch nicht kriegen, aber wir lassen es einfach offen. Die Vermieterin machte direkt deutlich, dass es besser war, dass meine Mutter „mit der ach so netten Stimme“ gut daran getan hatte, mein Äußeres nicht zu erwähnen. Zudem würde ich garantiert zum Evangelentum konvertieren, wenn sie sich mir unterhalten würde!!! Also so etwas muss man erstmal bringen! „Ne, bestimmt nicht!“ antwortete ich nur lachend, während es in mir schmorte. Selbst meine Mutter war hinterher ganz schön betroffen von dieser Arroganz solcher Vermieter.

Angst vor dem Fremden

Ich kann es auf eine gewisse Art auch verstehen, dass ein Vermieter erst einmal skeptisch ist, wenn er muslimische Bewerber sieht. Warum? Er kann sie einfach nicht einschätzen! Werden sie am Wochenende ihre ganze Sippe einladen? Werden sie den Flur mit Schuhen voll stapeln? Oder doch regelmäßig herum brüllen?

Dass es diese und andere Sachen jedoch auch von anderen Mietern geben kann, wie z.B. Mietnomaden, Party- Feiern mit sämtlichen Alkohol- und/ oder Drogenproblemen, … das vergisst ein Vermieter in diesem Moment wohl. Dass nicht alle gleich sind (deutsche Muslime schon gar nicht), wohl auch.

Nicht Beschweren, aber…


Ich möchte mich auch echt nicht beschweren. Vielmehr möchte ich Euch nur zeigen, dass es wahrlich kein Zuckerschlecken ist, wenn man als (deutscher) Muslim versucht, hier Fuß zu fassen. An jeder Ecke wird man getestet. Gut, vielleicht nur an jeder zweiten, denn es gibt Gott sei Dank auch noch positive Erlebnisse mit positiven Menschen, alhamduliLlah!

Positives gibt es auch!

Eine dieser positiven Erlebnisse ist zum Beispiel ein älteres Ehepaar gewesen, die uns an ihrem Frühstückstisch in einer Bäckerei Platz anboten, da es überall voll war. Sogleich kamen wir ins Gespräch, tauschten unsere Namen und unsere Geschichten aus. Es stellte sich heraus, dass sie eine Missionarsschule in Indien hatten, wo sie die unterste Schicht versuchten, zu bilden (und wahrscheinlich auch zum Christentum zu bewegen). Wie dem auch sei, sie waren ausgesprochen nett zu uns (mit welcher Absicht auch immer)! Zum Abschluss umarmten sie uns sogar und sagten, der Herr solle uns segnen! „Und Euch auch!“ entgegnete ich freundlich. Endlich mal Menschen, die einem offen gegenüber traten.

Andere Begegnungen positiver Natur machten wir auch, und zwar:

  • Mit dem Yogalehrer meiner Eltern, der uns von dem aufgelösten Hausstand seiner Mutter jegliches Küchengeschirr anbot;
  • Mit meiner Trainerin im Fitnessstudio, die nach 2 Wochen besorgt anrief, warum ich nicht mehr komme;
  • Mit den Schulkollegen meiner Eltern, über die ich bereits in diesem Artikel berichtet hatte;
  • Die Hausbewohner meiner Eltern, welche immer mit-fiebern bei meiner/unserer Entwicklung;
  • Und nicht zuletzt mit einigen meiner Verwandten, sowohl mütterlich- als auch väterlicherseits, die trotz meinem anderen Glauben zu mir stehen.
  • Noch ein paar einzelne Begegnungen, die einem das Zusammenleben wieder etwas versüßen durch ihre Freundlichkeit, die leider heutzutage nicht mehr Standard zu sein scheint.

Resümee

Wir sind nicht ohne Grund für eine Weile wieder nach Deutschland zurückgekehrt, denn wir wissen um die Vorteile, die man hier hat: Von hiesigem Bildungs- , Gesundheits- sowie Sozialsystem kann man in Somalia und anderswo nur träumen. 

Allerdings finde ich es traurig zu sehen, wie der Hass gegen Muslime vermehrt zunimmt, und die Vorurteile fast immer überwiegen. 

Klar, dass eine Vermieterin, welche die Mutter eines zum Islam konvertierten Sohnes traf, welcher sich dem IS anschloss und nun verschollen ist, mir gegenüber voreingenommen ist. Aber der Islam ist ja nicht der IS! Das heißt, wenn eine kleine Gruppe, die vielleicht 1% der Muslime ausmacht, den Glauben für ihre Zwecke benutzt, heißt es nicht, das die restlichen 99 % auch so drauf sind! 

Wäre ich nun eine Buddhistin oder sonstiges geworden, würden die Leute auch nicht mit dem Zeigefinger nach Myanmar zeigen, um mir die Fehler einer kleinen Gruppe unter die Nase zu halten! Oder hätte ich einen Chinesen geheiratet, müsste dieser sich ebenfalls nicht für die Misshandlung der dortigen Muslime rechtfertigen. Nein, nur „Der Islam ist Schuld“ an allem Unheil!? 

Diese Verallgemeinerung und Undifferenziertheit lehne ich klar ab! Ich hoffe, dass wir alle dazu lernen und bereit sind, von Mensch zu Mensch einander zu begegnen. Für eine friedvolle Vielfalt!

In diesem Sinne noch einen schönen Abend,

Eure Khalisa 

Deutschland vs Somalia aus der Sicht von Bubi!

Hallo und Salam alaikum liebe Leser/innen,

Heute geht es um meine beiden Kinder, die hier einfachheitshalber Bubi (beinahe 6) und Nuni (beinahe 4) genannt werden. Wie nehmen sie als frisch von Somalia kommende, Deutschland wahr? Ist denn im reichen Deutschland alles besser, oder gibt es sogar etwas, was wir von der Somalischen Lebensweise lernen können?

Meine Kinder haben für ihr Alter schon ganz schön viel von der Welt gesehen- ohne, dass sie sich dessen bewußt sind! Geboren in Deutschland, im schönsten KH der Welt, dem Kaff namens Herdecke, ging es bald schon auf nach Dubai, um von dort aus nach Somalia zu reisen. Dies allein ist schon eine halbe Weltreise mit extremen Temperatur-Schwankungen.

Nach einigen Reisen innerhalb Somalia´s ging es für sie auch einen Monat nach Süd-Afrika und letztendlich über Äthiopien wieder nach Deutschland.

Nun lasse ich meinen Sohn Bubi zu Wort, der Euch etwas von seinen Eindrücken über Deutschland erzählen wird!

Hallo und Salamu alaikum, jetzt hat unsere Mutter euch schon ganz schön viel erzählt. Ihr könnt mich einfach Bubi nennen, so werde ich überall gerufen, selbst in Somalia. Heute möchte ich euch einige Eindrücke erzählen, die meine Schwester und ich in unserem anfangs doch recht fremden Geburtsland bekommen haben.

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist es ein ganz schöner Schock, wenn man über 3 Jahre in Somalia gelebt hat und plötzlich im Frankfurter Flughafen ankommt. Alles ist so unheimlich groß! Überall gibt es so viel Süßkram, an dem man einfach vorbei laufen soll, geschweige denn die ganzen Kuscheltiere, Spielzeuge. und was Kinder wie uns sonst noch interessiert! Wir hatten also echt viel zu bestaunen!

Das erste Highlight war allerdings, als wir solche riesigen Treppen runter fahren sollten. Hui, war das aufregend! Wir quitschten vor Freude, obwohl wir anfangs fast ein bisschen Angst hatten beim auf- und absteigen. Eine wahre Mutprobe!

Was mir gleich aufgefallen ist: es geht hier so geschäftig, aber gleichzeitig auch ruhig zu. Genau das Gegenteil von dem Leben. aus dem wir gerade noch kamen, denn dort ist alles laut und chaotisch!

Nach der stürmischen Begrüßung von unserer Oma und unserem Opa, ging es sogleich ins Auto. Und siehe da- man wollte uns tatsächlich auf so komische Stühle packen und auch noch anschnallen! Das ist ja wie im Gefängnis- konnten wir garnicht zwischendurch einfach aufstehen! Der Nune fiel das auch etwas schwer (sie wollte immer zu Mama auf den Schoß- ihr Stammtplatz), ich hab es eher ganz cool hingenommen. Die letzten Kilometer durfte sie dann doch noch auf Mama´s Schoß, sonst hätte sie es nicht mehr ausgehalten (Pst, nicht verraten!).

Wir machten übrigens einen Zwischenstopp bei einem Gebäude, was ziemlich chick war. Dort fanden wir sich selbst reinigende Toiletten. Ich fragte mich schon, ob sie garkeine Hausangestellte hier bräuchten? Und leckeren Joghurt und Apfel gab es auch für uns. Diese ganzen überbackenen Brote und sowas ist noch nicht so unser Geschmack… Auch dieses prickelnde Wasser war garnicht unsers. Da kriegt man ja das Würgen!

Auf der Straße ging es ganz schön rasant zu- so schnell Auto zu fahren, waren wir garnicht mehr gewöhnt! Wir machten erstmal ein kleines Nickerchen. Das kann man ganz gut auf diesen Sitzen.

Irgendwann kamen wir dann auch an dem Haus an, was unser neues Zuhause werden sollte: Ein teilweise mit Efeu und ähm…Weinreben bewachsenes Haus! Ganz schön lustig, wie es hier vor Blumen und Gräsern nur so sprießt! Selbst vor dem Haus machen sie also nicht Halt!

Irgendwie fühlte ich mich trotzdem sogleich zuhause. Schließlich war ich schon 2 1/2 Jahre alt, als ich zuletzt hier war. Die Mitbewohner, die überaus freundlich zu uns waren, kamen mir auch noch so bekannt vor. Sogleich erkundeten Nune und ich den Nachbarsgarten, während die Erwachsenen die 2 Autos auspackten. Schließlich gab es hier keine Mauer irgendwo, welche uns zeigte, dass wir da NICHT hin sollten! Erst unsere peinlich berührte Mutter gab uns bald darauf Einhalt und klärte uns auf. Nach einigen Wiederholungen haben wir es dann auch irgendwann verstanden.

Alles Gut und Schön. Wir kamen uns noch etwas fremd vor, ehrlich gesagt. Waren wir es doch nicht gewohnt, auf Deutsch zu sprechen! Unsere Mutter sprach zwar meißtens auf Deutsch mit uns, jedoch antworteten wir ihr einfach auf Somalisch. Jetzt aufeinmal verstand uns keiner, selbst Oma und Opa verstanden uns nicht, obwohl sie sich größte Mühe gaben!

In der Folgezeit sahen wir sooo viele neue Tanten und deren Kinder, die alle Deutsch sprachen. Also überlegten wir uns, es sei ganz nützlich, uns diese Sprache ebenfalls anzueignen. Gesagt, getan- keine 3 Monate später, sprachen wir NUR NOCH Deutsch- sogar miteinander! Wir haben noch so Problemchen mit den Artikeln (Wie war das noch- das oder die Ball??) und dem „ch“. Aber schließlich haben die Deutschen auch Probleme damit, meinen Namen korrekt auszusprechen!

Nach 2 Wochen ging es direkt schon wieder in ein neues Land: in die Schweiz! Unsere Oma kommt nämlich daher, also sind wir zu einem Viertel auch Schweizer (ob die das erkannt haben?). Und ihr werdet es kaum glauben- die sprechen dort eine Sprache, welche ich bis dahin wirklich nie gehört hatte (abgesehen von meinem Spitznamen „Buebeli“, den wir in Bubi verdeutscht haben): sie sprechen ein Schweizerisches Deutsch! Hmm… gibt wirklich viel zu lernen auf dieser Welt! Wenigstens verstehe ich meine Mutter, wenn sie mit meiner Oma ihre „Geheimsprache“ anwenden will, damit ich nichts verstehe. Dabei vergisst sie immer, dass ich doch auch Englisch verstehe. „I understand you!“ sag ich dann ganz verschmitzt. Hehe, denen hab ich´s gezeigt 😉

In der Schweiz ist alles wie in Deutschland, nur noch ein bisschen schöner und vor allem kleiner. Immerhin konnten wir dort viel die Berge hoch und runter rennen, was mir ganz gut passte. Denn ich bin es von Somalia gewohnt, meine Beine als Spielzeug zu benutzen!

Während die Kinder hier nämlich schon ab 2 oder 3 auf sämtliche Sattel gesetzt werden, benutzen wir in Somalia noch unsere Beine- dafür hat Allah sie uns ja auch gegeben! Trotzdem wollten meine Schwester und ich nach kurzer Zeit auch alles haben, was sich auf Rollen bewegt- und bekamen erstmal Roller, inzwischen kann ich aber auch schon Fahrrad fahren.

Wandern in der Schweiz

Auch etwas für uns ungewöhnliche Dinge konnten wir feststellen: Unsere ersten Erfahrungen mit rauchenden Leuten (auf die wir mit ausgestrecktem Zeigefinger zeigten) und überall herum laufenden Hunden mussten wir natürlich auch machen. Schon komisch, wieviel Zeit die Leute sich für diese Tiere nehmen! Zudem bekamen wir einen Schock von den ersten Menschen in Hot Pants. Soviel Nacktheit war nun wirklich eine Zumutung für unsere an bedeckte Menschen gewohnte Augen!

Apropo Kinder. Das hatte ich mir schon anders hier vorgestellt. Hier gibt es sooo unendlich viele Spielplätze, die beinahe leer sind! Wo sind denn die ganzen Kinder abgeblieben? Selbst auf unserer Straße gibt es wohl ein paar Kinder, doch die sehen wir nie! Was sie wohl machen? Ich muss ehrlich sagen, dass wir unsere Geschwister ganz schön vermissen.

Ein riesen Spielplatz für uns allein!

Im Kindergarten widerum gibt es in dieser Stadt für über 200 Kinder keine Plätze! Aber selbst diese bekommen wir auch nicht zu Gesicht!

Eine Sache ist mir auch noch aufgefallen: die Leute mögen zwar Kinder, aber keine Geräusche der Kinder! Ständig werden wir erinnert, leiser zu sein! Denn sonst würden die anderen Menschen gestört. Hmm, Deutschland kann ganz schön anstrengend sein!

In der Moschee läuft es hier übrigens auch anders ab- hier sieht man kaum einen Mann mit Khamis herum laufen, und selbst Muslimische Frauen ohne Bedeckung gibt es hier. Meine Schwester und ich haben uns sogleich auch etwas angepasst: ich ließ mein pakistanisches Gewandt und Käpi einfach im Schrank und wechselte es in Jeans um, und meine Schwester vergisst so langsam auch ihren Hijab, ohne den sie in Somalia nie außer Haus wollte. Denn alle Leute denken, dass meine Mama sie zwingen würde, wenn sie den trägt. Dabei ist es meine Mama, die der Nune immer sagte: „Musst du noch nicht tragen! Bist ja noch klein!“

Hijab auf den Schultern statt auf dem Kopf

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es uns hier ganz gut gefällt. Hier gibt es so viel Auswahl an verschiedensten Spielen und Essensauswahl (wobei meine Schwester immer noch keine Wurst oder Käse isst!), man kann sich sehr gut beschäftigen. Auch die verschiedenen Spielplätze und andere Aktivitäten haben wir in Somalia nicht.

Was wir jedoch in Somalia haben, ist uns doch jetzt so richtig bewusst geworden: wir haben dort immer action- dort ist es LAUT , VOLLER KINDER UND LUSTIG! (Vielleicht sogar ein wenig zu extrem, für die deutschen Gene in uns.)

Am liebsten würden wir unsere Spielsachen mitsamt Oma und Opa einpacken, und dann wieder nach Somalia gehen, ganz ehrlich!

Aber Mama meint, wir sollten erst mal noch eine Weile hier bleiben, Deswegen haben wir auch diese Woche einen Deutschkurs angefangen- mitsamt meiner (deutschen) Mama (Regeln: Kinder und Eltern nehmen beide teil) 😀 Naja, so richtig in eine Schublade können wir eben nicht gesteckt werden- das ist aber auch gut so! Denn letztendlich ist die ganze Welt unser Zuhause!

Zum Schluss möchte ich euch noch ein Lied vorstellen, welches wir mit meiner Mama gedichtet haben, oder eher gesagt, den Text davon! Singen ist nämlich eins unserer Lieblings-Hobbies: selbst draußen wollten wir anfangs jedem ein „Ständchen“ vorsingen! Inzwischen wurden wir diesbezüglich jedoch eingedeutscht und lassen das. Nur unser Besuch bekommt die Ehre 😉 Nun zu unserem Lied:

Wir sind die Germali's,
Somali und Deutsch;
Wir bereisen die Welt,
Wie sie uns gefällt!


La-la-la-la-la, La-la-la-la-la
La-la-la-la-la-laa-la,
La-la-la-la-la, La-la-la-la-la,
Lalla-lallala-lah!

(Refrain mit Trommeln)

Einmal zu den Kamelen,
Und einmal zu den Küh'n-
Es gibt ja auf der Weeelt,
So viel anzuseh'n!


(Refrain mit Trommeln)

Wir laden Euch ein,
Hier bei uns zu sein;
Wir laden euch eeein,
Groß und Klein!


(Refrain mit Trommeln)

Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal davon eine Aufnahme!? Achja, und ihr dürft gerne noch weitere Strophen mit uns dazu dichten 🙂

Es gibt sicher noch tausende Dinge zu erzählen, doch nun ist erstmal gut. Aufjedenfall sehen wir uns als Kinder dieser Welt, deswegen werden wir uns überall wohlfühlen, wo wir auch als solche akzeptiert werden! Ich wünsche mir noch, dass die Kinder hier in Deutschland sich ein Stück von der Unbeschwertheit der Somalischen Kinder abschneiden dürfen- wird noch stressig genug, wenn wir mal älter sind! Ich geh‘ dann mal spielen.

Tschüss und Salamu alaikum,

 Euer Bubi von den Germali’s
 

Zeit des Umbruch’s: Die Germali’s beim Versuch, Fuß zu fassen

Zurzeit verfliegt die Zeit…

…Wie im Fluge! Ja, ich weiß, das tut sie immer. Dieses mal jedoch ist es so extrem, dass ich schon gar nicht mehr eine von zwei Wochen unterscheiden kann! Ein Ereignis jagt das andere, ein Termin den nächsten, eine Gefühlsschwankung die andere, eine Begegnung… Puh, ganz schön anstrengend (aber auch aufregend) das Leben in Deutschland!

Hatte ganz vergessen, wie stressig es sein kann, hier in Deutschland Fuß fassen zu wollen. Mal abgesehen von Ämtergängen, Gesundheitschecks hier und da, musste ich innerhalb von 2 Wochen die Entscheidung treffen, in welche Schule ich meinen Sohn anmelden, und wohin wir überhaupt ziehen sollen. Gar nicht so einfach, wenn man sich nun absolut nicht auskennt mit den hiesigen Schulen! Da wäre die Wahl in Somalia um einiges einfacher gewesen: es gäbe dort für uns einen einzigen Favoriten- die neu gegründete Schule einer entfernten Verwandten! Jedoch ist diese noch im Aufbau und geht zurzeit nur bis zur 3.Klasse.

Die Qual der Wahl

Hier allerdings hat man die Qual der Wahl, besonders, wenn man seinen Wohnort flexibel nach dem Einzugsgebiet der auserkorenen Schule wählen kann.

Nun kann man ja eigentlich kaum etwas falsch machen bei den Grundschulen- irgendwie sind sie ja alle mehr oder weniger gleich gut, die Qualität steigt und fällt sowieso mit dem jeweiligen Klassenlehrer. Doch mir als ehemaligem Waldorfkind fiel die Entscheidung nicht leicht, zumal ich sogar mit dem Gedanken der Waldorfschule liebäugelte.

Die goldene Mitte finden

Letztendlich entschied ich mich gegen diese und meldete meinen Sohn an einer Schule an, auf der wir uns bestimmt wohl fühlen werden: mit 29 vertretenen Nationen geht es dort sehr multi- kulti zu! Genau das Richtige für eine Familie mit 4 Nationen im Blut!

Dort werden wir uns in shaa Allah weniger fremd fühlen, und trotzdem wird mein Sohn lernen, sich behaupten zu müssen. Eine gute Mitte also zwischen Waldorfschule und Somalischer Schule- nicht zu „Heiti-Teiti“-wohlbehütet, aber auch nicht zu harsch und unpädagogisch.

Wohnungssuche- ein Thema für sich!

Die Schulfrage wäre nun also geklärt. Bleibt uns nur noch die Wohnungssuche. Diese gestaltet sich zunehmend komplizierter als ich dachte. Zuerst nahmen wir an, einen passenden Wurf bekommen zu haben, dieser stellte sich jedoch als Flopp heraus. Nein, im März die Wohnung zu renovieren ist uns dann doch etwas zu spät und zu aufwendig!

Es ist nicht so, dass wir unter Zeitdruck stehen. Uns geht es hier sehr gut im Keller-Apartment im Hause meiner Eltern. Jedoch sind solche aufeinander-hockenden Zustände (die meiste Zeit halten wir uns oben bei ihnen auf) auf Dauer doch eher zu Somalisch 😉

Ansprüche auf „deutschem Niveau“

Meine Mutter und ich kennen die 3-Zimmer Wohnungen von sämtlichen Wohnungssuchern inzwischen auswendig. Meistens stimmt irgendetwas nicht- die eine ist zu weit weg von der Schule, die andere liegt in einem schlechten Viertel, jene hat keinen Balkon (ein Stück Freiheit für mich), eine andere wiederum hat keine Badewanne. Das ist für mich ein No-Go, denn meine Kinder lieben es, zu baden (Ja, und ihre Mutter wahrscheinlich auch, hh).

Dabei bemerke ich, dass ich direkt wieder die Somalischen Standards den Deutschen angepasst habe. Wie schnell das doch geht! Ebenso haben sich meine Kinder bereits angepasst: sie reden mittlerweile fast ausschließlich auf Deutsch, was vor dreieinhalb Monaten noch undenkbar gewesen wäre!

Nun gut, meine begeisterungs- fähige Tochter verliebt sich übrigens immer gleich in die Wohnungen, die wir uns anschauen. Sie sieht sich schon im Gartenhaus und auf dem Hinterhof herum springen. Letztens fragte sie mich: „Mama, wann geht der Mann endlich aus unserem Haus heraus?“ Mmh, jaaa, also… das ist noch gar nicht UNSER Haus! Und, nach ein – zwei Wochen wissen wir dann, dass es dies auch nie werden wird!

Endlich fündig geworden?

Heute durften wir unsere Traumwohnung anschauen: mit Terasse, Gartenmitnutzung, Badewanne UND Dusche… fehlt nur noch, dass wir unsere 7 Sachen packen und einziehen! Doch halt, so einfach ist das nicht… Wir müssen jetzt erst das Wochenende abwarten, um dann am Montag den Daumen nach oben oder unten gezeigt zu kriegen. Ob die Dame uns Multikulti-Leute im Haus haben möchte? Wieder eine spannende Zeit, die jedoch auch im Fluge vergehen wird.

Abends meinte meine Tochter dann plötzlich: Mama, wir sind ganz schön arm! Wieso denn das, mein Schatz? Weil wir einfach keine Wohnung bekommen!! !   !

Hui, das saß! Aber natürlich sind wir alles andere als arm, alhamduliLlah! Uns geht es ja sehr gut, wir haben ein Dach überm Kopf, gemütliche Betten,… ganz zu schweigen von der wunderbaren Gesellschaft meiner Eltern. Das ist doch schon viel mehr, als etwa 1/3 der Menschheit überhaupt hat!

Wie auch immer, wir werden schon noch unser gemütliches Plätzchen finden, unser Rückzugsort von dem ganzen Trubel der Zeit, in shaa Allah.

Gerne dürft Ihr uns in Eure Bittgebete einschließen 🙂

 

Da ich mich nun wieder dem Lernen widmen werde, müsst Ihr heute auf tolle Zusatzbilder verzichten. Zumindest gab es nun ein kleines Update von mir für alle, die es interessiert, wie die Germalis sich in ihrem 2. Zuhause versuchen, zurecht zu finden. 🙂

Liebe Grüße und Salam,

Eure Khalisa

Zur Ruhe kommen… um dann durch zu starten!

Meine lieben Follower,

Ihr werdet Euch sicher gewundert haben, was nun hier los ist, bzw. NICHT los ist. Solch eine Inaktivität auf dem Blog bin ich ja schon selber von mir nicht gewohnt 😀

Wie das Leben so spielt oder besser gesagt- wie unser Schöpfer es so vorher bestimmt hat, kommt es oft ganz anders, als man denkt. Das Leben nimmt eine Kehrtwendung, mit der man überhaupt nicht gerechnet hat. So hat sich auch bei mir einiges geändert, alhamduliLlah. All dies aufzuzählen, wäre zu persönlich, um es hier auf dem Tablett zu servieren. Man hat ja von einem der vorherigen Artikel („Vom Niqab zum Hijab“) gesehen, wohin so etwas führen kann (leider).

Deswegen sei nur soviel gesagt: dieser Blog, der meine Herzensangelegenheit war und immer noch ist, wird etwas pausieren bezüglich Posts aus Somalia, da seine Autorin etwas Pause einlegt von diesem Land. Dafür werden hier, ganz ab und zu, andere Inspirationen aus meinem Leben erscheinen, so Gott will.

20181023_000009677954788.jpg

Ich denke allerdings, dass Ihr mit über 70 mehr oder weniger auf Somalia bezogenen Artikeln noch genug Lesestoff haben werdet für die nächste Zeit 😉

Es gibt Überlegungen, nach und nach alle Artikel ins Englische zu übersetzen, jedoch bin ich mir darüber noch nicht sicher. Zum Einen fehlt mir etwas die Zeit, zum anderen müsste man diese Artikel etwas umschreiben, da sich auf Denglisch (Deutsch-Englisch gemischt) alles weniger spannend klingt 😉

Einen kleinen Denkanstoß noch für etwaige Kritiker oder „Verurteiler“, aber auch für den Rest meiner lieben Leser:

Verurteile niemals jemanden, in dessen Haut du nicht steckst! Du weißt nicht, wie übermorgen DEINE Situation aussieht!

Ich bleibe Somalia natürlich weiterhin verbunden, zumal die Hälfte meiner Familie noch dort lebt und ich „Germali-Kinder“ habe, alhamduliLlah. Es wird mich also sicher wieder dort hinziehen, bloß wann, weiß nur Der Allweise, Allwissende.

Für alle, die an dem Land interessiert sind, stehe ich selbstverständlich weiterhin gerne zur Verfügung.

Ich bin gespannt, was für mich in meinem Leben noch bestimmt ist…versuche innerlich eine Somalisch-gelassene Haltung zu haben,… freue mich, auf alles, was kommt… und sage aus alter Tradition heraus:

Bis bald, in shaa Allah!

20181023_0104301602603021.jpg

Eure Khalisa

 

 

Besondere Begnungen mit besonderen Menschen

Salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nun habt Ihr schon relativ lange nichts mehr von mir gehört. Ehrlich gesagt kommt es mir vor, wie eine halbe Ewigkeit! Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich zurzeit NICHT in Somalia lebe, ich kann Euch also nichts Neues von dort berichten. Zum anderen ist das Leben in Deutschland so extrem anders- ja, man kann sich vor Lauter Terminen und Veranstaltungen kaum noch retten!

Heute möchte ich trotzdem eine kleine aber feine Begebenheit erzählen, die einem das Herz erwärmen lässt. Genauer genommen sind es mehrere Begegnungen mit ganz besonderen Menschen. Lest selbst!

1. Begegnung: Mein Bezug zu den „besonderen Menschen“ und die erste Begegnung nach jahrelanger Pause

Nach über 10 Jahren hat es mich wieder einmal in die Christopherus Schule in Bochum verschlagen. Die ist so etwas wie meine zweite Heimat gewesen in meiner Kindheit, da meine Eltern beide dort als Klassen- und Fachlehrer gearbeitet haben und dort auch immer noch tätig sind. Für diejenigen unter Euch, die diese Schule nicht kennen: es ist eine Art Sonderschule, die sich an der Waldorfpädagogik orientiert, und zwar für ganz besondere Kinder, sprich: Förderschule für Geistige Entwicklung.

Christopherus-Schule-Bochum.jpg
Christopherus Schule (Hintenansicht) mit ihrem runden Saal

Dort sind Kinder, die nicht in die „Normalität“ herein passen, nicht auf „normale“ Schulen gehen können, aufgrund ihrer Besonderheiten. Diese Besonderheiten zeigen sich dadurch, dass sie teilweise mehrfache Einschränkungen (in Umgangssprache „Behinderungen“) haben, durch traumatische Erlebnisse im Baby-Alter nicht mehr „normal“ funktionieren können, oder ein Chromosom zu wenig haben, oder… Die Liste dieser Beeinträchtigungen ist schier endlos.

Ich ging als Kind öfter dort ein und aus, sei es wegen einer der zahlreichen Feste, oder an jenen Tagen, an denen ich in meiner Schule „krank feierte“, oder wegen ungleichen freien Tagen. Auch als Jugendliche tauchte ich ab und zu dort auf, machte sogar später noch ein Praktikum dort.

Früher also nahm mich meine Mutter immer wieder mit in ihre Klasse. Am liebsten waren mir immer diejenigen, die die Trisonomie 21 haben, auch unter „Down-Syndrom“ bekannt Die haben so eine herzliche und freundschaftliche Art,  die man kaum irgendwo anders findet…

Down-Syndrom.jpg
Quelle: Google, Bild von https://www.neufeld-verlag.de

Was passierte aber nun, dass ich mich mind. 10 Jahre nicht mehr dort blicken ließ? Ja natürlich- meine Konvertierung zum Islam! Dadurch, dass ich mich sehr schnell bedeckte, sogar bis hin zum Gesicht, erschien es mir irgendwie unpassend, dort noch hinzu gehen. Schließlich waren die Reaktionen der Kollegen meiner Eltern, die mich schon von der Pike auf kannten, mir nicht unbekannt. Dieses Unverständnis, diese Erschütterung, … als ob ich irgendwie über Nacht eine Irre geworden wäre! (Damit möchte ich die Kollegen nicht schlecht machen…so ist aber generell die Reaktion der Menschen, wenn sie von einer Konvertierung zum Islam erfahren)

Am schwersten waren diese Jahre natürlich für meine Eltern, die nicht selten wegen mir angesprochen wurden. Ich muss jedoch sagen, dass sie die tollsten Eltern sind, die es wohl gibt- denn sie standen TROTZDEM immer zu mir, hielten immer den Kontakt, reisten immer dorthin, wo ich gerade lebte (England, Dänemark, Somalia). Dadurch sahen sie ja auch, dass es mir gut ging mit meinem neuen Leben und ich eben keine „Irre“ war, alhamduliLlah (gelobt sei Gott).

Aufgrund dieses neuen Fremd-Seins bin ich diesem Stück Heimat lieber fern geblieben. Schließlich wollte ich meine Eltern nicht in eine noch unangenehmere Situation bringen.

Denn das fatale dabei war, dass die Leute nicht mich direkt ansprachen, mich mit Fragen löcherten, mir all ihre Vorurteile und Gefühlsausbrüche entgegen schmetterten- nein. Stattdessen kriegten meine Eltern all dies zu spüren.

Einmal sage mir meine Mutter sogar, dass sie viel Aufklärungsarbeit mit den Leuten macht, da die meisten tatsächlich so ein verzerrtes Bild vom Islam hätten (bis sie selber zu diesen Ansichten kam, dauerte natürlich auch ein Weilchen). Da war ich schon ein Stück stolz auf sie, muss ich zugeben 🙂 Auf der anderen Seite tat sie mir fast schon Leid, denn ich wünschte mir, dass die Leute zu MIR kämen anstatt zu ihr.

Was hatte sich also nun geändert, dass ich doch einen Schritt in diese Schule wagte?

Es war gar nicht geplant, jedoch fuhr ich meine Mutter zu ihrer Arbeit, damit ich das Auto haben könnte. Da sagte sie spontan, „Kommt doch einmal in Papa’s Werk-Klasse und grüßt sie!“. Zögerlich ging ich mit meinen Kindern hinter ihr her. Die Kupfer-Werkstatt war direkt im Erdgeschoss, also würde ich ja kaum jemandem begegnen. Auf der anderen Seite war es mir auch egal, denn dadurch, dass ich keinen Gesichtsschleier mehr trug, konnten die Leute mir ja direkt ins Gesicht schauen, was schon einen großen Unterschied macht.

Wir stießen also auf die kleine Werk-Gruppe meines Vaters, der uns stolz vorstellte. Einige Schüler bekamen zwar kaum etwas mit, andere wiederum reagierten höchst erfreut und gaben uns die Hand. Auch ein Afrikanischer Mitarbeiter war dort, was die Stimmung lockerer machte. Also, erste Hürde schon mal geschafft!

Nachdem mein Vater die Schüler zur Pause verabschiedete, sagte er, wir sollten doch noch seine 10.Klasse besuchen! Das sei besser, denn so könnten sie uns endlich mal „live“ erleben, statt nur auf Fotos. Außerdem- fügte er hinzu- hätte er ihnen letztens die unterschiedlichen Hautfarben gezeigt, da würde es doch umso besser passen, dass sie mal „Mischlinkskinder“ sehen würden! Der Afrikaner sagte noch: „Ich war auch schon dort und musste zahlreiche Fragen beantworten!“ Haha, ich musste innerlich schmunzeln. Denn andere hätten diese Anspielungen vielleicht als Rassistisch empfunden, jedoch kannte ich ja meinen Vater, der ein sehr reines und ehrliches Wesen hat.

Er wollte wirklich nichts anderes, als seinen Schülern die für uns normalste Sache der Welt zu zeigen: nämlich dass nicht alle Menschen gleich aussehen!

Ermutigt von der Euphorie meines Vaters, stimmte ich der Idee zu. Wir mussten dafür einmal ganz nach oben gehen, also einmal durch das zweistöckige Gebäude. Auf dem Weg trafen wir mindestens 2 Schüler, die meinen Vater oder uns direkt fragten, wer wir sind und was wir hier machen würden. Mein Vater antwortete ihnen immer zuvorkommend: Das sind meine Enkelkinder und das ist meine Tochter! Ein türkisch aussehender Junge konnte seinen Augen kaum trauen (warum auch immer). Als wir auch ihm erklärten, wer wir sind, ging er weiter die Treppen herunter und sagte  vor lauter Freude „Wahnsinn!!!“.

Die Begeisterung über uns nahm damit noch kein Ende. Vor der 10.Klasse kam uns ein Kollege entgegen, den ich auch noch von früher kannte. Der konnte seine Freude auch kaum in Worte fassen. In der Klasse angekommen, kam die Kollegin meines Vaters freudestrahlend auf uns zu und – tatsächlich umarmte sie mich einfach, nachdem ich ihr zu verstehen gab, dass ich sie sehr wohl noch kannte!

Lag es an ihrer Bulgarischen Herzlichkeit oder daran, dass sie sich wirklich über uns freute, weiß ich nicht genau. Ich hatte das Gefühl, es war beides und fühlte mich jedenfalls wieder ganz heimisch.

Nun wurden wir den Schülern vorgestellt und jeder einzelne kam zu uns um uns zu begrüßen und zu bestaunen 🙂 Ihre Freude über uns war ihnen spürbar anzumerken. Endlich durften sie uns „live“ sehen! Dann kam der Moment: die Erklärung meines Vaters bezüglich der Hautfarbe! Ohne nun ins Detail zu gehen, kam es aber wirklich gut an. Denn diese Schüler sind meistens herrlich ehrlich und sagen einfach, was sie denken. Das durften  wir 10 Minuten später und eine Etage tiefer in der Klasse meiner Mutter auch erfahren (bzw.meine Kinder): dort sagte ein Schüler, dass meine Kinder wohl braun gefärbt seien! Also konnte ich den Ansatz meines Vaters nochmal besser verstehen, der solchen Fragen erst gar nicht aufkommen ließ, indem er die Schüler aufklärte.

Da es Mittagspause war und das Essen auf den Tischen, gingen wir aber auch bald schon. Ich war höchst erfreut über diese Begegnungen und selbst meine Tochter  (fast 4) meinte: „Wenn die Schüler zu ende gelernt haben, darf ich dann ein bisschen hier lernen?“. Auf meine Antwort, dass sie ja mit ihnen zusammen lernen könne (falls ihre Großeltern sie mal mitnehmen), war sie höchst erfreut 😀 Erfolgreiche Inklusions-Begegnung könnte man dieses Geschehnis auch nennen 😉

AM_Inklusion_RGB.png.2017-10-05-15-27-10
Quelle: Aktion Mensch

2. Begegnung mit Überraschungsmoment

Mein Vater machte mit mir und meinen Kindern gestern einen Ausflug in den Wald am Hohenstein (oberhalb der Ruhr). Dort zeigten wir meinen Kindern die hiesigen Tiere: Wildschweine, Hirsche samt ihren Hirschkühen, Ziegen und andere Kleintiere gibt es dort zu sehen und wenn man mag auch zu füttern.

20181001_0120031137781613.jpg

Auf dem Weg dorthin meinte mein Sohn (fast 6) noch: „Och, ist das langweilig hier- hier sind ja nur Bäume!“ Erstaunt über seine Aussage entgegnete ich ihm, dass es doch alles andere als langweilig sei, denn in Somalia gäbe es schon mal gar nicht so viele Bäume. Da sagte er zu mir; „Ja eben, ich habe noch nie so viele Bäume auf einem Fleck gesehen! Und ich finde das langweilig!“

Sehr amüsant in meinen Augen. Denn was wir Deutschen in Somalia vermissen (nämlich die Bäume, bzw. Wälder), so vermisste mein Sohn die Somalische Halb-Wüste in Deutschland!!

20181001_0121551449249924.jpg

Jedenfalls begegneten uns auf dem Weg zum Streichelzoo auf einmal eine Truppe Erwachsener, die meinen Vater so zögerlich anschauten. Da erkannte er auch schon einige von ihnen: ehemalige Schüler von ihm und meiner Mutter! Sogar ich erkannte zwei davon: der eine war ein junger Mann mit Down- Syndrom, welcher aber ganz cool an uns vorbei lief. Ihn kannte ich noch von der Klasse meiner Mutter, welche ihn von der 1.bis zur 8. Klasse betreut hatte. Die andere Frau kannte ich von unserem Ruderverein, wo sie und eine Truppe aus ihrem Wohnheim regelmäßig zum Rudern kommen. Sie erkannten mich aber natürlich nicht mit Kopftuch.

Derjenige, dessen Begegnung jedoch am ergreifendsten war, kannte nur meinen Vater: ebenfalls ein Mann mit Down- Sndrom, allerdings nicht viel jünger als mein Vater. Er unterhielt sich mit meinem Vater, welcher uns natürlich sogleich vorstellte.

Eine der Frauen, welche den Tick hatte, immer in ihre Hand zu spucken, fragte mich währenddessen ein paar mal, wie meine Kinder heißen. Dann sagte sie, ob sie diese nicht einmal streicheln dürfe. Da ich meine Kinder aber kenne, warnte ich sie schon mal vor und gab ihr zu verstehen, dass sie sehr schüchtern sind. Ihr Versuch, sie wenigstens mit der Hand zu begrüßen, verlief dann auch im Sand. Aber trotzdem war sie sehr entzückt von ihrem Anblick.

Am Ende gab der ehemalige Schüler meines Vaters ihm zum Abschied die Hand, kam auf mich zu und umarmte mich einige Sekunden lang.

Hui, das war wirklich eine überraschende Geste! Und normalerweise gebe ich fremden Männern noch nicht mal die Hand zum Abschied, jedoch ist es bei solchen „besonderen“ Menschen eben eine Ausnahme. Ich war schon gerührt irgendwie von dieser Offenheit und Herzlichkeit.


Das waren die Begegnungen, über die ich Euch berichten wollte. Eigentlich sehr simpel, aber doch irgendwie rühr-selig, wie ich finde. Egal, wo wir auf diese besonderen Menschen stießen, begegneten sie uns mit absoluter Offenheit und Herzlichkeit. Keine Spur von dem Unverständnis, ja womöglich sogar Hass der „normalen“ Menschen!

Die Frage ist nun: Was ist heutzutage eigentlich „normal“ und vor allem- ist diese „Normale Art“ überhaupt besser als die der „Besonderen“???

Ihr werdet wahrscheinlich genauso sehen, dass wir unheimlich viel von diesen „Besonderen Menschen“ lernen können. Ich wünsche mir ein Stück dieser Offenheit und Herzlichkeit auch für die „Normalen“ Leute, mit denen man ja sonst tagtäglich zu tun hat. Nicht umsonst ist Depression die Volkskrankheit Nummer 1 in Deutschland- man wird ja auch nur wertgeschätzt, wenn man „normal“ ist, und „funktioniert“. Viele laufen mit Scheuklappen durch die Welt, in der es kaum noch solche herzlichen Begegnungen zwischen „Fremden“ gibt.

20181001_1812211003004861.jpg
Sind manche Menschen wie aus Holz?

In diesem Sinne hoffe ich, dass dieser Beitrag den ein oder anderen von Euch zum Nachdenken und idealerweise auch zu mehr Offenheit und Herzlichkeit im Alltag anregt!

Eure Khalisa

20181001_0123591935047108.jpg
Begegnung trotz Verschiedener Wege

PS: Ich möchte mit diesem Beitrag die Kollegen der Christopherus Schule in keinster Weise persönlich kritisieren. Eigentlich sind alle, wenn sie mir dann mal begegnen, äußerst herzlich und ich kann diese Schule nur empfehlen!

Doch wie auch andere Menschen haben sie erst mal geschockt reagiert auf meine Konvertierungsgeschichte. Es „menschelt“ eben überall 🙂 Ich hoffe aber, dass wir in Zukunft noch viele positive Begegnungen haben werden, damit das Eis zwischen den Kluften schmilzt. Denn nur mit Interaktion können Vorurteile und andere Hemmungen behoben werden.

 

 

Was wir von den Schweizern lernen können

Wie einige von Euch vielleicht mitbekommen haben, war ich vor kurzem eine Woche und einen Tag in meiner geliebten 2. Heimat, der Schweiz. Das Wiedersehen von Verwandten, die ich seit unzähligen Jahren nicht mehr gesehen hatte, war eine wahre Freude, alhamduliLlah. Sie konnten sehen, dass ich irgendwie doch noch „die Alte“ von früher bin, dass man sich mit mir unterhalten und mit mir lachen kann. Und sie beschenkten sogar meine Kinder.

Meine Kinder wiederum genossen es auch in vollen Zügen- konnten sie doch hautnah sehen, woher die Milch und Eier herkommen, durften sie Bus fahren (was ich in Deutschland eher vermeide) und auf einer Fähre Zeit verbringen.

An dieser Stelle möchte ich jedoch über ein spezifisches Thema sprechen, was mir während unserem Aufenthalt in der Schweiz aufgefallen ist: die Freundlichkeit mit- und zueinander!

Schweizer Freundlichkeit

Ich war wirklich positiv überrascht von der Freundlichkeit, mit denen die Schweizer miteinander umgehen. Jeder wird gegrüßt, verabschiedet, ja, selbst dem Busfahrer wird für sein Halten an der Haltestelle gedankt!

Auch mir gegenüber waren die Leute freundlich: sie grüßten mich meistens auch. Das „Schlimmste“, was ich erwarten konnte, war ein Ignorieren im Sinne von „Ich bin mit dir überfordert, deswegen schaue ich dich lieber nicht an.“ Aber nichts da mit niveaulosen Kommentaren, bösen Blicken oder gar Beschimpfungen!

Ungewohntes Miteinander

Diese Freundlichkeit war ich gar nicht mehr gewohnt. Hier in Deutschland mag es zwar einfach anonymer sein, aber selbst in der größeren Stadt Thun (beinah 50.000 Einwohner) und auf der Fähre hab ich in der Schweiz keinen Hass gespürt.

Mir tat es auf der einen Seite gut, einfach mal unbeschwert meinen Urlaub genießen zu können, auf der anderen Seite hat es mich nachdenklich gemacht. Was lief in Deutschland nur falsch? Die Leute dort sind doch sonst für alles offen: ob Punker, Alkoholiker, FKK-ler…? Ich habe den Eindruck, für die Leute dort ist Islam wie ein rotes Tuch für den Stier- Islam? Panik! Hass! Argwohn!

Ungerechte Verallgemeinerung

Naürlich tun die Muslime einiges dafür, dass man sie nicht versteht, und es gibt sicher auch unter den Flüchtlingen einige, die sich nicht benehmen können oder gar zu Verbrechern werden. Aber warum muss man dann alle in einen Topf werfen? Schaut man in den Gefängnissen auch, wer alles Christ ist oder Sonstiges?

Und wie sieht es in Somalia aus mit der Freundlichkeit?

Machen wir mal einen Abstecher nach Somalia. Selbst da sollten sich die Leute von der Schweizer Freundlichkeit eine Scheibe abschneiden. Komme ich dort in eine Arztpraxis, so kommt mir sogar die Deutsche Freundlichkeit freundlicher vor, da wird man wenigstens ab und zu noch gegrüßt. Oftmals hatten wir in Somalia sogar Besuch, der uns zwar gegrüßt hat, jedoch sich nicht wirklich verabschiedet hat. Einfach ein „Dann geh ich jetzt!“ und Tür zu. Da stehe ich dann immer und sehe meine Co-Schwester verdutzt an, bevor wir in Lachen ausbrechen.

Auch Muslime sollten freundlicher zueinander sein

Und die Muslime in der Schweiz wollten mich auch eher ignorieren anstatt zu grüßen. Vielleicht war es eine Art Schüchternheit oder Unwissenheit, aber trotzdem hab‘ ich den Unterschied gemerkt.

Dabei ist das sowas von un- islamisch! Denn es ist das Recht eines Muslims, den anderen zu grüßen, wie man in folgendem Ausspruch des Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien mit ihm) deutlich verstehen kann:

„Fünf Pflichten hat ein Muslim gegenüber seinem Bruder: den Gruß zu erwidern, dem Niesenden Barmherzigkeit zu wünschen (indem man ihm Yarhamuk-Allah (möge Allah Sich deiner erbarmen) sagt.), eine Einladung anzunehmen, den Kranken zu besuchen und den Trauerzügen zu folgen.“

Quelle: Sahih Muslim, Das Buch des rechten Benehmens (Hadith 1417)

Gut, da ist die Rede vom zurück- grüßen. Doch wie ich meine „Homies“ kenne, kann man lange auf den Anfangsgruß warten, es sei denn, man kennt sich wirklich ;-)! Also auch die Muslime können noch viel von der Schweizer Freundlichkeit lernen.

Brücken bauen zum Gegenüber

Für ein besseres (interkulturelles) Miteinander hat Vera F. Birkenbihl übrigens einen sehr interessanten Lösungsansatz in folgendem Video, über dass ich gestern „gestolpert“ bin:

Was sie alles beschreibt, muss ich ja nicht wiederholen. Jedoch ist es eine wichtige Sache, Brücken zu bauen, indem man das Anders-Sein des Gegenübers einfach (gegenseitig!) akzeptiert. Durch dieses Verständnis muss man sich dann weder anfeinden, noch Angst voreinander haben, sondern kann einfach wie freundliche (Schweizer) Menschen miteinander umgehen.

20180825_1346271635630227.jpg
Trotz verschiedener Richtungen an einem Pfahl, trotz unterschiedlicher Meinungen immer noch Mensch.

20180825_134747142649770.jpg
Hand in Hand, miteinand‘!

In diesem Sinne einen lieben Gruß an alle,

Eure Khalisa

Vom Niqab zum Hijab

Warum ich einen Teil meiner Identität abgelegt habe.

In diesem Artikel beschreibe ich meine ersten Schritte ohne Niqab, den Gesichtsschleier. Es soll keine Entmutigung sein für andere Schwestern, die noch stark genug sind, es in Deutschland zu tragen, es ist bloß eine Beschreibung meiner Entscheidung, ihn in Deutschland abzulegen und meine Erfahrungen und Eindrücke dazu.

Wie alles begann

3 Monate nach meiner Konvertierung (in etwa) zog ich den Gesichtsschleier mit der Absicht an, Allah´s Wohlgefallen zu erlangen. Mir wurden all die Beweise aus Qur´an und Sunna (Lebensweise und Aussage des Propheten Mohammeds´ (s.a.s.)) und die Umsetzung der Religion der ersten Muslime vorgezeigt, und
energiegeladen wie die meißten frisch Konvertierten, versuchte ich, alles Gelernte in die Tat umzusetzen.

Damals wurde mir allerdings nur eine Seite der Medaille beigebracht, nämlich, dass es für muslimische Frauen, die als ehrbar erkannt werden wollen, verpflichtend ist, den Gesichtsschleier zu tragen.

Unterschiedliche Auffassungen

Vielleicht mag Euch der Unterschied in der Auffassung des Gesichtsschleiers auffallen: für (augeklärte, praktizierende) Muslime ist er ein Zeichen einer Respekt zu erweisenden, würdevollen
Frau, während ihr in den westlichen Ländern diese Ehrbarkeit abgenommen werden soll, indem sie
den Niqab verbieten wollen. Die Frauen würden ja dazu gezwungen, sich so zu verhüllen- man
müsse sie befreien!!! Dem ist natürlich nicht so, zumindest ist mir kein Fall bekannt, in dem eine
Muslima zum Tragen des Niqabs gezwungen wurde. Meißtens ist es sogar eher das Gegenteil- ihre
Familie und womöglich auch ihr Mann raten ihr ab davon und haben ein riesen Problem damit, dass
sie so selbstbestimmt dieses Stück Soff trotzdem tragen will! Ihr seht also, dass es in keinem Fall leicht für eine bewußte Muslima ist. Denn sobald sie sich für den Gesichtsschleier bewußt
entscheidet, trifft sie nur auf Abneigung, Intoleranz und manchmal gar Übergriffe.
Solange sie stark im Glauben ist und ihren Gesichtsschleier als eine Art Gottesdienst ansieht, so kann sie über all den Anfeindungen stehen, so wie ich das fast 10 Jahre lang tat.

Ich nannte es immer eine „Toleranzprüfung für mein Umfeld!“ und hielt daran fest, alhamduliLlah.

Die Zeiten ändern sich

Inzwischen ist der Hass gegen sich bedeckende Muslime so stark ausgeprägt, dass es beinahe
unmöglich geworden ist, mit Gesichtsschleier bedeckt alleine aus dem Haus zu gehen, ohne
Angst haben zu müssen vor Anfeindungen oder Übergriffen.
Wenn man keine Kinder hat, aber einen Mann, mag man es noch aushalten, nur mit Begleitung
dessen das Haus zu verlassen. Sobald aber Kinder mit ins Spiel kommen, wird es kritisch: die Kinder müssen doch raus, sich bewegen! Sie müssen hier und dort hin gebracht und abgeholt werden, sie müssen ein lebenswertes Leben haben und keins hinter verschlossenen Gittern!

Eine schwere Entscheidung

Genau aus dem Grunde hatte ich mich schweren Herzens entschieden, den Niqab in meinem diesjährigen Deutschland-Aufenthalt nicht mehr zu tragen. Ich weiß inzwischen nämlich auch, dass es zwischen den Gelehrten verschiedene Meinung dazu gibt: ob es nun Pflicht ist, speziell in Zeiten der vermehrten Versuchungen, oder nur, wenn man außergewöhnlich hübsch ist, oder ob es einfach eine weitere freiwillige Handlung ist, durch die man Allah näher kommt- es gibt da verschiedene Meinungen unter den Großgelehrten. Da ich in Deutschland/ Europa eine von vielen bin, sehe ich es für mich nicht als Pflicht an, sondern als freiwillige Handlung. Zum Eigenschutz und dem meiner Kinder lasse ich den Gesichtsschleier in Deutschland jedoch weg.

In Somalia hingegen werde ich ihn widerum tragen, denn da falle ich viel zu sehr auf als eine der wenigen „weißen“!

Ein Stück Identität ablegen zur eigenen Sicherheit

Kommen wir nun also zu meinen Erfahrungen. Ich zog den Gesichtsschleier im Äthiopischen
Flughafen aus, als wir gerade auf den Aufzug warteten. Es war, als ob ich ein Stück von mir, meiner Identität ablegen würde- ganz komisch. Ich sagte zu meinen Kindern: fällt euch irgendwas auf? Da sagte meine Tochter sofort: Mama, wo ist dein Niqab? Zieh´ihn schnell an! Da erklärte ich ihnen, dass ich den Niqab in Deutschland nicht anziehen werde, da die Leute uns sonst beschimpfen würden, denn sie würden das nicht verstehen und hätten Angst. In Somalia jedoch würde
ich ihn wieder anziehen.

In den nächsten Tagen sagte meine Tochter jedoch immer wieder- Mama, dein Niqab! Du hast
deinen Niqab vergessen! Genauso fühlte ich mich auch: als ob etwas fehlen würde, als ob ich meine
Jacke im Winter vergessen hätte!

Ungewohnte Blicke, dafür weniger Anfeindungen

Im Flughafen hatte ich dann das Gefühl, mich würde jeder angucken. Ich fühlte mich so nackt.
Selbst wenn ich Dhikr machte (Gedenken an Allah, die man ständig sagen kann), musste es für die anderen aussehen, als ob ich mit mir selbst sprechen würde.
Insgesamt jedoch hatte ich das Gefühl, dass die Leute weniger starrten, als wenn ich mit Niqab da gestanden hätte. Sie hatten einfach keine Angst mehr vor mir. Auch am Schalter war es nun angenehmer, da ich nicht erst den Schleier vor all den neugierigen Blicken entlüften musste.

Reaktion meiner Eltern

Meine Eltern freuten sich natürlich ungemein, als ich ihnen schon von Somalia von meinem Vorhaben erzählte. Sie waren jahrelang sehr tolerant gewesen, sind überall mit mir hingegangen, mussten die kritischen Fragen und Aussagen ihrer Freunde ertragen und mich verteidigen. Vor allem aber litten auch sie unter den Beschimpfungen und bösen Blicken, die ich tagtäglich abbekam.
Nun waren sie also um einiges erleichtert, sogar direkt einen Urlaub in der Schweiz, damit ich meine Verwandten sehen könne und wir dort abspannen könnten, ohne als Alien angesehen zu werden.

Auch das Zusammenwohnen im Haus meiner Eltern, in dem auch ihre Freunde wohnen, welche
mich seit Kleinkindalter kennen, entspannte sich enorm. Ich konnte nun in unser Kellerappartment
oder zum Wäsche waschen, ohne mich komplett verhüllen zu müssen. Früher meinte meine Mutter
dann, „Lass das, ich mach schon!“ und war mit der zusätzlichen Arbeit etwas überfordert (zu Recht). Aber nun brauche ich einfach meine Gebetsabaaya anzuziehen und los geht’s.

Keine Akzeptanz- okay, doch wo bleibt die Toleranz für andere?

Natürlich bin ich immer noch nicht völlig akzeptiert hier in Deutschland, doch hat sich meine Situation insgesamt schon entspannt. Ich erwarte auch nicht, dass die Leute mich akzeptieren, denn laut dem Qur´an werden sie sowieso erst mit mir zufrieden sein, wenn ich so bin wie sie- also komplett unbedeckt. Leider wird meine Erwartung der Toleranz jedoch auch meißtens nicht erfüllt- noch immer merke ich böse Blicke, unverständisvolles Kopfschütteln und Misstrauen. Darüber bin ich zwar auch nicht happy, aber ich kann darüber stehen. Meißtens wechseln sich gute Erlebnisse mit schlechten immer wieder ab: manche sind sogar richtig freundlich und bemüht!

Angstmache seitens der Medien als Grund für den Islamhass

Ich kann die Leute auf der einen Seite verstehen, dass sie Angst vor dem Islam und denjenigen
Muslimen haben, die versuchen, ihre Reigion zu praktizieren. Letztere werden in den Medien
nämlich immer als „DIE Salafisten“ dargestellt, die angeblich hasserfüllt zum Krieg gegen Nicht-Muslime aufrufen und MINDESTENS die Vorstufe zu IS und CO. seien. Dass dem NICHT so ist, sondern dass diese Muslime einfach nur die Bedeckungsregeln ihrer Religion befolgen und 5 mal am Tag beten wollen, außerdem ein friedliches Miteinander bevorzugen, sich jedoch völlig in die Ecke gedrängt sehen- das wird in den Medien nicht berichtet. Nein, stattdessen wird man mit Al-Qaida, IS, Al-Shabab und wie sie
alle heißen, in einen Topf geschmissen. Begeht ein Muslim ein Verbrechen, wird direkt der Zeigefinger auf den Islam ausgestreckt. Kein Wunder also, dass die allgemeine Menschheit, die den
Medien mehr folgt als dem Papst, dann Angst vor uns haben.
TROTZDEM ist es schade, dass die Menschen nicht differenzieren oder uns nicht direkt ansprechen
(auf eine freundliche Art versteht sich). Denn so können auch keine Brücken zwischen den Kluften
gelegt, und kein freundliches Miteinander möglich sein. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: die
Muslime werden wie eine zu verabscheuende Randgruppe behandelt, und da wissen wir ja, wie so etwas in der Geschichte eskalieren kann (möge Allah uns bewahren).

Fazit

Ich bereue meine Entscheidung aufjedenfall nicht, auch wenn es traurig ist, dass es in „demokratischen Ländern“ soweit gekommen ist, dass man eben DOCH NICHT so sein kann, wie man will.
Ich freue mich aber auch schon wieder auf Somalia, in dem ich als Muslima respektiert und geehrt
werde, in dem sie „Maa shaa Allah!“ sagen, wenn sie mich so bedeckt sehen. Und in dem ich
einfach daher laufen kann, ohne gehasst zu werden für meinen Glauben. Neben all dem Luxus und
der Familie, den ich in Deutschland genießen kann, ist es als Muslima hier nicht mehr das Gleiche.

Möge Allah es den Muslimen in Europa erleichtern, an ihrer religiösen Lebensweise festzuhalten
und ihnen einen Ausweg zur Auswanderung geben, und möge Er das friedliche und respektvolle
Miteinander ebenfalls erleichtern.

Seid allesamt lieb gegrüßt,
Eure Khalisa

Letzter Teil des Reiseberichts: Kalte Tage in Äthiopien oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Nach einer kurzen Nacht packten wir all unsere Sachen für die bevorstehende Reise von Hargeisa (Hauptstadt Somalilands) nach Äthiopien. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Zeit einem aus den Fingern zu gleiten scheint, wenn man sie am meisten benötigt! Dementsprechend knapp in der Zeit, kamen wir mit 2 Jeeps am Flughafen Hargeisa’s an, welcher vor ein paar Jahren neu gebaut wurde und von einer wirklich schönen Grünanlage umgeben ist.

Doppelt hält besser

Dass ein Check-In mit 12 Personen und einigen Koffern seine Zeit in Anspruch nimmt, brauche ich Euch nicht zu sagen. Doch nicht nur das- nach dem Check- In gab es in Hargeisa eine weitere Pass-Kontrolle und danach noch eine Flugticket-Kontrolle. Mag sein, dass es normal ist, mir persönlich kommt das immer übertrieben und doppelt-gemoppelt vor.

Wieder ein Zwischenfall

Bevor wir zur Ticket-Kontrolle gehen konnten, wurde allerdings meine Co-Schwester von dortigen Beamten aufgerufen, ihnen zu folgen. Oh nein, was war denn nun schon wieder? Ich musste  mit den Kindern schon mal alleine durch den letzten Ticket- und Waffen-Check gehen. Besorgt warteten wir auf meine Co-Schwester und unseren Mann. Konnte diese Reise denn nie einmal unkompliziert verlaufen!? Wir waren jedenfalls die letzten, auf die das Flugzeug wartete.

Endlich kamen sie, im Gepäck ein paar Wasserflaschen für die durstigen Kinder. Diese mussten auf der Stelle geleert werden, da es nicht erlaubt war, sie mit ins Flugzeug zu nehmen. Was war also passiert? Einer meiner Koffer, welcher gefüllt war mit Kleidern, die ich in Deutschland verkaufen wollte, erschien den Beamten verdächtig: die Kleidung war so stark mit einem Faden zusammen gezurrt, dass sie befürchteten, wir hätten dadrin die verbotenen Khat-Blätter (eine Droge) versteckt! Da meine Koffer zu schwer waren, wurde ausgerechnet der eine Koffer auf einen anderen Namen überschrieben. Gott sei Dank konnten sie nichts dergleichen finden und wir konnten endlich ins Flugzeug einsteigen.

Endlich über den Wolken

Für unsere Kinder war es das Highlight schlechthin, endlich mal in einem Flugzeug zu sitzen. Sie waren zwar teils in Dänemark, teils in Deutschland geboren, jedoch im Kleinkind Alter nach Somalia gebracht worden und seitdem nie mehr geflogen (außer meine beiden, aber die waren ja auch zu klein, um etwas davon zu behalten). Die Aufregung und Freude war dementsprechend riesig!

Meine Kleine griff direkt nach der Zeitung der Ehtiopian Arlines, als ob sie alles verstehen würde. Unser Flugzeug war eher ein kleines und im Innenraum wurde es recht laut. Ich zeigte den Kindern noch, wie man den Ohrendruck weg bekommt (gähnen! schlucken!), und versuchte meiner Kleinen klar zu machen, dass sie sich während dem Start NICHT anschnallen dürfe. Schon kam auch schon der Snack des Tages: ein Brötchen mit Wurst (halal, versteht sich)!

Es war das erste Mal für unsere Kinder, dass sie so etwas mit vollem Bewusstsein aßen. Noch mehr! Es schien ihnen zu schmecken. Mein Kleine mochte es allerdings überhaupt nicht- sie schien dem Somali Motto treu zu bleiben: Was der Nomade nicht kennt, das kann ja gar nicht gut sein! 😉

Kaum waren wir für eine Weile in der Luft, senkte sich das Flugzeug 1 Stunde später auch schon wieder zur Landung. Von oben konnten wir bereits das Grüne dieses Landes bewundern. Wir zogen alle unsere dicksten Jacken an, da wir ein kaltes Äthiopien erwartet hatten. Beim Ausstieg mussten wir jedoch feststellen, dass es viel zu warm für unsere Gletscherjacken war.

 Die Visa-Hürde

Während meine Co-Schwester und ihre Kinder beim Schalter ihre Visa vorzeigen konnten, musste ich mit meinen Kids und meinem Mann noch unser Visa beantragen. Das machte dann mal lockere 200 Dollar insgesamt, aber Hauptsache wir bekamen das Visa ohne Probleme. Weiter ging es also zur Gepäckausgabe. Wir wollten gerade mit unseren Koffern aus dem Flughafen raus, da kam ein Beamter auf uns zu und nahm uns mit zu einem Schalter. Wir hätten den Visa-Stempel vergessen. Schön, dass ihr uns das jetzt auch sagt!!

Naja, irgendwie schien unsere Odyssee weiterhin ihren Lauf zu nehmen, also mussten wir innere Gelassenheit üben und auf Allah/Gott vertrauen, dass es irgendwann ein Ende haben wird.

Auf Äthiopischem Boden!

Endlich auf Äthiopischem Boden, wurden wir von zahlreichen tropischen Gewächsen, Reggae- Musik und Freunden meines Mannes begrüßt. Gut, dass er überall auf der Welt jemanden kennt! Sie luden uns in einen gemieteten Bus und auf ging es zu unserem im Voraus ausgewählten Appartement. So dachten wir wenigstens.

 

 Ein unschönes Willkommen

Kaum kamen wir in den Innenhof des Gebäudes, in dem unser Appartement stationiert war, kam auch schon die Besitzerin in ihrem Bademantel an und war sichtlich geschockt von uns. War es die Menge der Leute, oder die vielen Hijabs und Niqabs, die sie verstörten? Wir setzten uns geschafft auf eine kleine Mauer und warteten, beobachteten die heiß verlaufende Diskussion zwischen der Frau und mehreren Somalischen Männern. Sie hätten ihr eine Familie angemeldet und nun das: 12 Personen! Das wäre ihr zu viel! Da war nichts zu machen. Die Freunde meines Mannes mussten eben spontan nach einer neuen Bleibe für uns suchen.

Wir warteten und warteten, Minuten und Stunden vergingen. Wir kramten noch die letzten Kekse aus unserem Gepäck, um unsere hungrigen Mägen zu füllen, und einiges später bekamen wir auch etwas Wasser zum trinken. Meine Co-Schwester fiel bereits zum 2.mal in Ohnmacht und legte sich mit allen erdenklichen Jacken bedeckt auf die Wiese. In derzeit entdeckten unsere Kinder das ungewohnte Grün des Grases und die verschiedenen Blumen.

Neue Chance?

Endlich war es soweit: die Bekannten hatten ein Haus für uns gefunden, was sogar möbliert war! In einem Mini-Auto wurden wir Frauen und Kleinkinder dorthin gefahren, während die anderen liefen. Als wir ausstiegen, kam uns der Geruch von menschlichen Ausscheidungen entgegen. Oh Gott, wo waren wir denn hier gelandet? Inmitten von Blechhütten!

Durch das Tor des Hauses konnten wir aber immerhin ein vernünftig erscheinendes Haus erspähen. Auch wenn die Autotür seitens meiner Co-Schwester sich nicht mehr öffnen ließ, schaffte sie es trotzdem irgendwie raus und zum nächstgelegene Sofa im neuen Haus. Das Wohnzimmer des Hauses sah schon mal richtig wirtlich und annehmbar aus, besser als ich erwartet hatte. Ein großer Samsung-Bildschirm durfte dort natürlich auch nicht fehlen.

Wir warteten auf die Verhandlungen bezüglich unserer Mietkosten. Und siehe da- schon wieder wollte man uns raus schmeißen! Wir wären viel zu viele und müssten extra Money zahlen. Das war aber echt nicht fair, da wir sowieso schon einen hohen Mietpreis ausgemacht hatten: 1200 US Dollar für bloß 2 Wochen! Mein Mann erklärte der Vermieterin, dass es nicht fair sei, die Miete zu erhöhen (wenn, dann die Nebenkosten), und dass ein Teil von uns nach ein paar Tagen sowieso weg gehen würde (damit meinte er mich und meine Kids). Schlussendlich lenkte sie doch ein, aber nur mit der Bedingung, dass wir die junge Frau, die dort in einem außenstehenden Zimmer lebte, als Dienstmädchen einstellen und bezahlen würden. Okay, kein Problem. Hauptsache, wir mussten nicht schon wieder Stunden nach einem anderen Haus suchen!

Endlich Abspannen…

Nachdem die Wellen geglättet waren und das Geld bezahlt, wurde uns endlich etwas Essbares gebracht: Somali Reis und Pasta. Unsere hungrigen Mägen jauchzten vor Freude. Langsam stellte sich auch die Abendkälte ein, doch es gab genug dicke Decken im Haus.

…natürlich nicht, ohne einen Zwischenfall!

Als später mein Mann mit seinen Freunden wieder kam, bekamen wir die Haustür nicht mehr auf. Egal, wie sehr wir es versuchten- sie ließ sich nicht öffnen! Mein Mann stellte sich schon auf eine kalte Nacht unter freiem Himmel ein oder eine Nacht bei seinen Freunden, da kamen sie auf die Idee, dass er über die Nachbarmauer drauf und auf unseren Balkon klettern könne! Das tat er dann auch, aussehend wie ein Schwerverbrecher im Anzug. Subhanallah, was für ein Ende eines chaotischen Tages in einem uns nicht gerade Willkommen heißenden Landes! Nun konnte es nur noch besser werden.

Am nächsten Tag kam die Vermieterin mit einem Handwerker daher und meinte doch tatsächlich, wir hätten die Tür demoliert. Dabei war das Schloss schon vor uns nur noch halb in den Fugen, und die eine Türklinke saß nicht mehr richtig. Sie steigerte sich in ihren Hass rein und meinte, wir sollten sofort aus dem Haus, auf der Stelle! Aber Moment mal- wir hatten schon bezahlt! So einfach geht das nicht! Sie wollte uns das Geld zurück geben. Also sagten wir, wir würden solange drin bleiben, bis wir eine neue Bleibe gefunden hätten. Dagegen konnte sie nichts sagen, sie musste es mürrisch hinnehmen.

Derweil ging mein Mann zur Dänischen Botschaft und bekam einen Telefon-Termin für den nächsten Tag. Schritt für Schritt kamen wir unseren Zielen näher.

Nachmittags kam eine Nichte meines Mannes zu Besuch, die vom Alter her seine Mama hätte sein können. Ich weiß in so einem Fall dann immer nicht recht, wie ich die Person ansprechen soll, denn einfach beim Vornamen nennen würde als unhöflich gelten. Also sagte ich „Mama“ zu ihr. Aber auch sie war etwas verwirrt und dachte, meine Co-Schwester wäre die älteste Tochter unseres Mannes. Ein bisschen Spaß zur Abwechslung tat uns gut. Ich fragte sie, ob sie manchmal nach Somalia kommen würde, aber sie sah sich als Äthiopierin, also gäbe es keinen Grund! Mmh..naja.

Die Hexe lässt nicht locker

Abends erschien diese Hexe von Vermieterin wieder und diskutierte mit unseren Bekannten. Sie wollte nicht mehr warten und uns auf der Stelle raus haben. Subhanallah. Es beruhigte sie ein bisschen, dass unsere Äthiopische Nichte da war. Letztlich kamen sie zu dem Schluss, dass am nächsten Tag alle Schäden (welche nicht von uns verursacht wurden) schriftlich und mit Fotos unterlegt festgehalten werden sollten, und wir doch im Haus bleiben dürften, zumal wir schon bezahlt hatten. Einer der Männer sagte sogar, dass er persönlich für eventuelle Schäden aufkommen würde, falls am Ende unserer Mitzeit etwas festgestellt werden sollte. Die Besitzerin bestand darauf, dass unsere Äthiopische Nichte dann auch vor Ort sein sollte. Also übernachtete sie bei uns.

Am nächsten Tag war ich ganz froh über unseren Besuch, denn mein Mann und meine Co-Schwester machten sich auf, um SIM-Karten zu kaufen. Wir hatten nämlich weder Internet noch konnten wir uns anrufen. So war ich aber wenigstens nicht alleine mit den Kindern, sondern hatte Gesellschaft.

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen!

Eine SIM-Karte sollte eigentlich kein großer Akt sein. Doch in Äthiopien schon: sie standen mindestens 2 Stunden in einer Warteschleife. um die SIM- Karten zu registrieren! Damit steht dieses Land weit hinter Somalia, welches Telekommunikations-technisch diesem Land weit voraus ist.

In der Zwischenzeit rief mein Mann bei der Dänischen Botschaft an: sie sollten alle vorbei kommen- natürlich am nächsten Tag! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht, vielleicht würde es ja doch ganz schnell gehen, dass sie ihre Pässe beantragt kriegen und ich dann nach Deutschland reisen könnte..!

Die Hexe lässt es eskalieren

Mittags kam die Vermieterin endlich zum Wohnungs-Check. Anscheinend wusste sie selber nicht, wie heruntergekommen ihr Haus eigentlich war. Da half auch nicht das schöne Wohnzimmer.

Sie ging zur Küche und kam keine 2 Minuten wutentbrannt wieder raus, ging an uns vorbei, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Draußen erzählte sie dem Vermittler, dass wir die Küche komplett demoliert hätten! Wir sollten nun raus, auf der Stelle!

Mein Mann meinte, dass so einige Sachen im Haus nicht richtig funktionieren würden und die Tür nur das I-Tüpfelchen sei. Klar- in nur zwei Nächten konnten wir die Küchenschränke aus den Fugen bringen, das Badezimmer demolieren und was weiß ich nicht alles…! Es folgte eine Diskussion zwischen der Hexe, dem Vermittler und anderen Somalisch-Äthiopischen Freunden, bis sie sogar beleidigend wurde und mit der Polizei drohte. Go on- ruf sie bitte!

Die Polizei kommt!

Die Situation war so angespannt, dass man darauf einen Bogen hätte spannen können. Mir wäre es lieber gewesen, wir wären einfach in ein Hotel gegangen oder sonst wohin. Aber das wäre unbezahlbar gewesen und außerdem waren wir ja im Recht und hatten nichts zu befürchten.

Wer Recht hat, bekommt auch Recht!

Es kamen 2 Polizisten, welche die Vermieterin schon kannte. Es wurde nochmal heiß diskutiert. Doch die Polizisten gaben uns Recht, da wir tatsächlich schon einen Vertrag mit ihr hatten und gezahlt hatten. Das brachte die Frau ganz außer sich- sie konnte es nicht glauben, dass sie in „ihrem“ Land gegen uns Ausländer nichts machen konnte! Also wurde doch noch der Zustand des Hauses gecheckt und festgehalten und die Frau musste uns zähneknirschend verlassen. Die Polizisten gaben uns zu verstehen, dass sie diese Frau schon kannten und keine guten Erfahrungen mit ihr hatten, dann fuhren sie ebenfalls ab. Puh! Konnte es nun bitte einmal ruhig und ohne Zwischenereignisse weiter gehen!?!?

Ohne Strom und Wasser

Die Hexe ließ es sich nicht nehmen, uns den Strom und das Wasser abzustellen. So ganz unbemerkt, auf eine fiese Art. Von nun an mussten wir also wie Nomaden inmitten der Stadt leben. Das Dienstmädchen namens Hanna sagte zwar, es läge am Regen und die halbe Stadt hätte keinen Strom, wir hatten jedoch unsere Zweifel.

Abends brachte Hanna uns immerhin zwei Kerzen. Das Schlimmste war, dass wir noch nicht einmal Wasser kochen konnten für eine warme Milch (der Gasofen hatte kein Gas) und vor allem überhaupt kein Wasser hatten.

Germali’s lassen sich nicht so einfach unterkriegen!

Wir fanden Gott sei Dank draußen im Hof einen Wasserhahn mit fließend Wasser. Somali’s und Germali’s lassen sich nicht so einfach unterkriegen 😉 Damit füllten wir jegliche Behälter auf, die wir nur finden konnten.

Es folgten 2 Tage ohne Strom und Wasser, abgesehen von vielleicht 2 Stunden, in denen wir doch auf einmal beides hatten. In der Zeit wollte ich meine Kleine baden. Bevor ich jedoch ihre Haare waschen konnte, war das Wasser schon wieder weg. Dafür bekam sie in der Nacht dann ordentlich Fieber, die arme Maus.

Meine Co-Schwester und ihre Kinder waren immerhin sehr erfolgreich in der Dänischen Botschaft. Nur bei der Ältesten, die inzwischen 16 Jahre alt ist, auf ihrem Pass allerdings noch ein 1-jähriges Baby war, hatten die Beamten Probleme bei der Wiedererkennung. Sie forderten Kinderfotos und machten einen Termin für den nächsten Tag.

Besuch in den Slums

Um die Zeit zu überbrücken, machten wir einen Spaziergang in unserer nächsten Umgebung. Ich war negativ beeindruckt: auf der linken Seite überall Slums! Blechhütten und andere Hütten, die im Schlamm standen. Kein Wunder, dass diese Leute ohne ihre Musik, welche beinahe 24 Std.lief und welche unsere Kinder zum tanzen animierte, nicht auskamen. Schnell weg aus diesem Viertel!

Auf der rechten Seite gab es einige recht ordentliche Häuser, manche sogar richtige Villen mit hohem Stacheldrahtzaun auf der Mauer. Auf den Straßen wurden wir immerhin gar nicht blöd angeguckt, denn hier waren fast alle Frauen irgendwie bedeckt: selbst die Christlichen Frauen trugen hier Hijab! Sie nahmen ihre Religion noch sehr ernst.

Die Spannung steigt…

Am nächsten Tag fuhr mein Mann mit der Ältesten wieder zur Botschaft, im Gepäck einige Kinderfotos, die er im Eiltempo von seinem Laptop auf Fotopapier ausdrucken ließ. Das glich beinahe einem Wunder, da an dem Tag die ganze Stadt ohne Strom war (ich glaube, sie gingen dafür in ein Hotel mit Generator oder so).

Ich checkte derweil die Flüge nach Deutschland. Ich wollte nichts sehnlicher, als endlich hier weg! Alle Direktflüge würden allerdings nur nachts fliegen, kurz vor Mitternacht. Da die Flüge am Wochenende einige hundert Euro mehr kosten sollten, hoffte ich, wir könnten noch in dieser Nacht von Donnerstag auf Freitag fliegen. Meine Co-Schwester und ihre Kinder wollten am nächsten Tag sowieso auch weg von hier, wieder zurück nach Hargeisa. Niemand wollte länger hier bleiben. Die Dänischen Pässe könnte mein Mann dann innerhalb der nächsten 3 Monate alleine abholen. Könnte mein Mann die anderen jedoch einfach hier lassen, so dass sie dann alleine hier abreisen würden?

Good news!

Nachmittags kam mein Mann endlich mit guten Nachrichten zu uns: die Botschaft akzeptierte die Kinderfotos und somit den Antrag unserer Ältesten! Konnte es für mich nun losgehen??? Nach einigen Überlegungen hieß es, ja!!!

Ich rief sofort meine Eltern an, dass sie unsere Tickets buchten. Es war ein Wettlauf mit der Zeit, aber Gott sei Dank klappte es sogar noch mit dem Ausdrucken der Tickets. Nun hieß es, Packen, bevor es dunkel wurde und wir nichts mehr sehen könnten im Kerzenlicht.

Merkwürdiger Vorfall…

Komischerweise sah ich um ca. 20 Uhr aus unserem dunklen Zimmer im 1.Stockwerk heraus, wie das Dienstmädchen mit 2 Männern auf unseren Hof kam. Was wollten die denn hier? Ich sah, wie sie zum Stromkasten gingen, und das Licht anmachten! Sofort hatten wir wieder Strom und Wasser!! Wir hatten am Tag zuvor selber dort geschaut, ob wir etwas bewegen könnten, aber ohne Erfolg. Warum also änderten sie ihre Meinung noch kurz vor unserer Abreise und ließen uns Wasser und Strom genießen? Weil das Dienstmädchen begann, uns zu mögen? Ich hatte ihr morgens erzählt, dass wir wahrscheinlich abreisen würden und den ganzen Tag über küsste sie meine Kleine und pflückte unseren sogar Rosen aus dem Garten für unsere Kinder. Gegen Entgelt brachte sie uns sogar Wasserflaschen und machte uns Wasser warm auf ihrem Mini-Kocher, damit wir nicht ganz so verdreckt abreisen könnten. Aber warum konnte sie auf einmal den Strom und das Wasser an schalten?

… welcher uns nicht mehr juckt!

Es war nun egal, denn unsere Stunden dort waren gezählt. Die Antworten werden wir im Diesseits wohl nie erfahren. Das Schlimme war, dass die Vermieterin angeblich auch Muslima war und wohl mit einem reichen Mann aus Saudi Arabien verheiratet war, aber so gemein war zu uns. Während das Dienstmädchen eine Christin war, die sich aber bedeckte und sich viel muslimischer verhielt.

Abends um kurz vor neun kamen unsere Bekannten, um uns abzuholen. Aus Sorge, dass meine Koffer zu schwer sein könnten, brachten sie uns sogar noch einen neuen Koffer mit. Möge Allah sie reichlich belohnen für all das, was sie für uns getan hatten! Dann hieß es, Abschied zu nehmen.

Schwerer Abschied

Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als das. Innerlich freute ich mich riesig, dass es nun endlich losgehen sollte. Aber es zerbrach mir fast das Herz, mich von den Kindern zu verabschieden, vor allem von der 11-jährigen Aischa, welche die ganze Zeit schon weinte, da sie besonders an mir und meinen Kindern hing.

Ich drückte sie und versprach, sie ein andermal mitzunehmen und dass die Zeit sicher schnell vorbei gehen würde. Dann mussten wir los.

Und los geht’s- Endspurt!

Mit einem Bus wurden wir zum Flughafen gefahren. Die Straße zum Flughafen gab uns ein anderes, positives Bild vom Lande. Bloß einmal sahen wir auf einer Straßeninsel einen Mann schlafen. Meine Kinder sagten: Schau mal, ein toter Mann! Ich erklärte ihnen, dass dies nur ein sehr armer Mann war, der kein Haus hätte und einfach sehr müde war.

Am Flughafen angelangt, ging dieses mal alles recht schnell und reibungslos vonstatten. Bald schon konnten wir in unseren riesengroßen Flieger der Ethopien Airline steigen und erst einmal tief durchatmen.

Jetzt trennten uns nur noch 7 Stunden Direktflug von unserem Ziel, in Deutschland ein bisschen Urlaub zu machen. Wohlverdienten Urlaub nach so einer dramatischen Reise!

Meine Eltern warteten schon mit 2 Autos auf uns, die Wiedersehensfreude war riesig. Auf dem Heimweg verloren wir uns- die einen fuhren auf der Sauerlandlinie, mein Vater mit meinen Kids und mir über Köln. Welch kräftiges Grün, welch eine wunderschön liebliche Landschaft! Selbst mein Sohn stellte fest: „Deutschland ist aber schön!“.


Meine lieben Leser, Gratulation erst Mal, dass Ihr den Reisebericht bis hierhin durchgelesen habt 🙂  Wir haben uns schon ganz gut von der strapaziösen Reise erholt und genießen unseren Aufenthalt, alhamduliLlah.

Durch jede Schwierigkeit kann man nur stärker werden. Wir setzen jetzt noch eins drauf und machen noch ein bisschen Urlaub in der Schweiz, wo ich meine Verwandten zum ersten mal seit langer Zeit wieder sehen werde.

Ich wünsche Euch auch noch schöne Ferien in diesen tropischen Temperaturen,

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

 

Reisebericht Teil3: Zwischenstation in Hargeisa oder die Ruhe vor dem Sturm!

Nach der Tagesreise von Garowe nach Hargeisa hieß es, wir könnten nicht sofort weiter reisen, sondern müssten mindestens zwei Tage und Nächte im Hotel verbringen. Das war sowas von nicht geplant, da unsere Zeit und unsere Finanzen dahin zu schmelzen drohten. Zudem graute es mir davor, all unsere Kinder im „Gefängnis Hotel“ bespaßen zu müssen, welche doch einfach zu viel Energie für ein Hotelzimmer hatten.

Aber nun gut, was sollte ich machen? Wohl einfach eine Scheibe von der Somalischen Gelassenheit abschneiden und aufessen! Also sagte ich mir innerlich: lebe im Hier und Jetzt und denke nicht weit im Voraus, denn es kommt sowieso immer anders als du denkst!

Immerhin hatten wir ja schon den 1.Schritt geschafft: von unserem Zuhause weg zu kommen!

Das Hotel- Gefängnis oder Spielplatz?

An diesem Morgen schliefen wir richtig schön aus. Sobald die Kinder aufwachten, machten sie sich an ihr neues Lieblingsspielzeug heran: den Aufzug im Hotel! Das nächste zu entdeckende Highlight war außerdem das Zimmertelefon, mit dem man die anderen Hotelbewohner nerven konnte! Um sie zu beschäftigen, funktionierten wir dann noch die große Zusatzmatratze in eine Rutsche um.

20180720_0949192064006439.jpg

20180720_092339718560385.jpg

Das ging ja schon „gut“ los, dachte ich mir…  Gott sei Dank ergab sich später wie von selbst eine Lösung für diese Probleme: den Kindern wurde ein Gruselvideo gezeigt, in dem einer Person die Hand abfiel, weil sie versucht hatte, den Aufzug aufzuhalten. Außerdem wurde an ihren Verstand appelliert: was könnte man tun, wenn der Strom ausfallen würde, während man im Aufzug drin steckt? Von da an liefen sie brav die Treppen rauf und runter oder fuhren nur mit uns zusammen. Zudem gingen die Zimmertelefone für eine Weile zum Hotelpersonal. Zugegebenermaßen etwas radikale, jedoch effektive und notwendige Maßnahmen.

Auf der Suche nach Frühstück…

Wie das nun mal so ist, meldete sich bei uns der Hunger. Sollten wir unser Geld für teures Hotelessen verschwenden, oder einfach mit Brot. Schoko und Marmelade vorlieb nehmen? Wir entschieden uns für Letzteres und so zog ich mit ein paar der Kinder auf, um Frühstück zu besorgen.

In Hargeisa war alles etwas anders, sogar der weiße Sand, welcher einem das Laufen erschwerte.Wo war denn das Meer überhaupt, der Zwillingsbruder vom Sand? Fragte ich mich. In Garowe hingegen ist es nämlich viel steiniger und weniger sandig, eher staubig. Auch die Tierwelt ist anders: in Hargeisa stehen und laufen überall Esel herum, sie werden sogar als Transportmittel benutzt. Bei uns in Garowe sind diese eher eine Seltenheit- dort sieht man überall Ziegen und Schafe, aber weder Esel noch Hunde. Ja, letztere gibt es sogar auch in Hargeisa, wonach unsere Kinder ganz aufgeregt Ausschau hielten! Auch die Fahrzeuge fuhren extrem schnell, so dass man kaum die Straße überqueren mochte- wie es sich für eine riesen Stadt eben gehört.

…und eine Überraschung

Nachdem wir endlich den Supermarkt gefunden hatten, fiel unseren Kleinen direkt das Beste überhaupt ins Auge: Überraschungseier!! Natürlich bettelten sie mich an, diese sofort zu kaufen, zumal sie diese nur von Youtube kannten! Nachdem ich dann auch noch den Rest zusammen hatte, ging es ums bezahlen. Wir waren es gewohnt, das Geld vom Handy direkt zum Shop zu senden (solch ein fortschrittliches System in Somalia!?!). Doch wie zahlten wir nun? Würden sie unsere Golis-Karte aus Puntland akzeptieren? Und wie viel Dollar ist doch gleich der Somaliländische Schilling Wert? Anscheinend viel mehr, als der Somalische Schilling, was uns aber nur noch mehr verwirrte. Letztendlich gaben wir dem jungen Mann an der Kasse unser Handy, welcher schon etwas genervt erschien (er jammerte über Kopfschmerzen- so etwas würde ein Puntlander nie öffentlich tun ;-)), damit er sich sein Geld selber überweist. Geht doch!

Nun fehlte uns nur noch Brot. Eine vermeintliche Bäckerei stellte sich als Restaurant heraus, also gingen wir einfach zur nächstbesten Bude. Haben Sie Brot? Da hielt uns die junge Dame eine lange Stange entgegen. Aha, hier gibt es sogar Baguette Brot! Unsere 16 Jährige hatte nun wieder Kommunikationsprobleme- anscheinend redeten sie hier wirklich einen starken Dialekt! Auch ich verstand beinahe nur Bahnhof. Aber am Ende kauften wir immerhin 4 lange Baguette-Stangen und zeigten den anderen im Hotel stolz unseren hart ergatterten Fang. Dieser sollte sich als ungenügend herausstellen- denn Brot mit Nutella. Marmelade oder Thunfisch, oben (bzw. unten) drauf noch eine Art Buttercreme, das war für unsere Kinder wie Kuchen essen bei Oma, und dementsprechend auch ratz fatz alle! Nicht, dass wir diese Sachen in Garowe nicht hätten. Außer dem Baguette Brot ist all dies auch vorhanden, bloß zu anderen (teureren) Preisen und somit ist es für uns ein nicht alltäglicher Luxus, etwas Besonderes fürs Wochenende. Nun kamen unsere Kids aber in den Genuss, also mussten noch ein paar mehr Stangen herhalten.

Krümmelmonster in Sicht!

Nachdem wir unser Zimmer später wie Krümmelmonster dem Hotelpersonal überließen, gingen wir alle aufs Dach-Restaurant. Von dort hatten wir die beste Aussicht über Hargeisa! Es war sogar schon Mittagszeit und von überall ertönte der Gebetsruf, wenn auch etwas verzerrt durch den starken Wind. Hargeisa ist aufjedenfall um einiges grüner als Garowe, die Leute hier können sich wirklich glücklich schätzen, maa shaa Allah!

20180720_181934465427657.jpg
Überall grünt und sprießt es in Hargeisa!

20180720_123702282923443.jpg

20180720_1511501936884024.jpg
Hier entstand auch dieses Selfie von mir.

Verpatzte Siesta

Etwas später nahmen wir eine Kleinigkeit zu uns und alle gingen auf ihre Hotelzimmer, um die Somalische Tradition der Siesta nicht zu verpassen. Unsere Größte hatte die Kleinen schon zu Bett gebracht (welch ein Vorteil, eine Großfamilie zu haben!), also wollte ich mich auch auf den Weg begeben. Da stellte sich allerdings heraus, dass mein Zimmerschlüssel von einem unserer Mädels verlegt wurde, da sie beim Zimmerumzug half und die schlafende Truppe sicherheitshalber von außen eingeschlossen hatte. Also nichts da mit Nap, nun hieß es, Schlüsselsuche! Wir hatten uns vorher darauf geeinigt, uns von 3 auf 2 Hotelzimmer zu reduzieren- eins für die großen und kleinen Männer und eins für die Mädels unter uns. Daher mussten wir alle 3 Zimmer nach dem Schlüssel durchsuchen, den wir letztendlich auch fanden. Nun war es jedoch zu spät für mich und meine Siesta: die ersten Kiddies wachten schon wieder auf!

Immerhin hatten wir an dem Tag wieder lang ersehntes WLAN, welches ich 24 Stunden nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte, also vergass ich meine Müdigkeit etwas beim herum surfen und Messagen. Ja, alles gut, wir sind gut angekommen- nein, nicht in Deutschland, sondern erstmal in Hargeisa 😉

Somalische Verwandtschaftsbande

Am späten Nachmittag kam auf einmal Besuch in unser wieder voll gekrümmeltes Zimmer (peinlich! aber wieso stellen die in Hotels nie einen Besen zur Verfügung?). Aha, diese Frau, welche etwas älter war als mein Mann, war also seine Großnichte. Zur Nachhilfe: die Tochter der Tochter seiner Schwester. Oder kurz gesagt: ihre Großmutter ist die (älteste) Schwester meines Mannes. Kapito? 😀 Ja, ich würde mich jetzt auch am Kopf kratzen, wenn ich nicht schon an Somalische Verwandtschaftsbande gewöhnt wäre!

Jedenfalls gingen wir mit der lieben Großnichte und ihrer Tochter auf das Dach-Restaurant und eröffneten eine Tee-Runde, welche ich durch Kaffee genüsslich ergänzte. Ja, es ist etwas ungewohnt, dass man in Somalia eine Frau Kaffee trinken sieht (und das auch noch ganz offiziell), doch ich darf mir so was ja erlauben- schließlich bin ich keine Somalierin 😉

Ich erinnerte meinen Mann, dass wir unbedingt einen Wasserkocher benötigten, um hier im kalten Hargeisa überhaupt mal duschen zu können. Während man Abends in Garowe die idealste Temperatur hat und man sich in T-Shirt aufhalten kann, war es in Hargeisa schon übelst kalt für unsere Verhältnisse, sodass wir unsere Jacken heraus kramen mussten. Was denkt ihr dann, wie kalt das Wasser war? Die Nichte wollte sofort los, um diesen Wasserkocher zu besorgen. Ich ergriff die Chance, um mal etwas von der City zu sehen und ging mit ihr.

City-Trip- eine willkommene Abwechslung

Draußen machten sich meine Augen auf die Suche nach ihrem Auto. Wir steuerten allerdings schnurstracks auf einen der ziemlich maroden Autobusse zu. Ahhh, wir mussten also die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen!? Bismillah und einsteigen hieß es auch schon. Der Fahrer schien erst mal den Bus nicht an zu kriegen und rollte einfach ohne Motor schon mal los, bis es doch noch an ging. Sichtlich angespannt erzählte ich  meiner Verwandten, dass es das erste Mal für mich war, dass ich in so einem Teil durch die Gegend fuhr. In Garowe bin ich bisher nur selber Auto gefahren oder als Beifahrerin und nur manchmal hat es mich in eine Rikscha verschlagen. Aber nun gut, diese Erfahrung sollte ich nun halt auch machen! Ich bereute nur, dass ich meine kleine Tochter mitgenommen hatte in dieses Chaos.

Es war schon richtig dunkel, als wir im Zentrum von Hargeisa ankamen. Ich zückte schon mein Handy heraus, um diesen Moment für euch festzuhalten. „Vorsicht, mach hier bloß keine Fotos- das Handy wird dir weggerissen!“ Oha, also war diese Großstadt auch noch gefährlicher als Garowe! Zu meinem Erstaunen sah ich kurz darauf 4 Asiaten unbehelligt durch die Straße laufen. Meine Verwandte meinte noch zu mir, dass diese wohl so richtig über den Tisch gezogen werden, sobald sie einen Laden betreten würden. Traurig, aber wahr. Ich hielt meine Tochter fest wie an kurzen Zügeln, während sie bemerkte: „Mama, die Leute in Hargeisa mögen wirklich Musik!“. Kein Wunder, denn schon zum 3. mal fuhr ein Auto mit Schindarassa-bum durch die Gegend. Noch so ein Unterschied zu unserer Gegend, wo man so etwas kaum antrifft.

Beste Preise

Wir passierten zig Melonen-Stände, welche hier zu Spottpreisen verkauft werden (Vergleich: ein Wassermelone in Garowe kostet 5-10 Dollar, in Hargeisa 1-2!), bis wir in das Herz des Zentrums eindrangen: dem Markt! Dieser war überwältigend voll für diese Zeit und man konnte dort wirklich ALLES finden. Auch unseren heiß ersehnten Kocher und sogar Kindersocken, die wir ebenso benötigten. Ich zückte mein I-Phone, um zu bezahlen, aber denkste! Nicht mit den Somali’s! Sie bezahlte peinlicher weise alles für mich und meinte, ich würde für sie das Gleiche tun, wenn sie zu uns kommen würde. Das liebe ich so an den Somali’s: ihre Großzügigkeit!

 

Ab und zu „durfte“ ich dann doch noch ein paar Fotos machen und hatte wieder etwas Neues zu entdecken: der Sohn unserer Verwandten wurde eben zum Friseur geschickt, und der Friseur kam mit Feuer auf ihn zu gelaufen. Schau mal, was der da macht! Sagte ich zu meiner ganz amüsierten Verwandten, die mir erklärte, dass damit nur die Bakterien von der Schere verbrannt werden würden. In der Zwischenzeit hatten wir Zeit zum quatschen, so gut es eben ging mit meinen Somalisch Kenntnissen.

In der Rush-Hour ist nicht zu spaßen

Bald darauf machten wir uns dann auf den Heimweg, bzw. auf die Suche nach einem Bus. Wir hatten wohl die Rush-Hour der Nachhause-Gänger erwischt. Jedenfalls war es ein Rufen und Schimpfen, zeitweise wirkte es etwas bedrohlich. Busfahrer wollten uns überzeugen, ihren Bus zu wählen. Letztendlich fanden wir einen, der sogar innen richtig kitschige Buntlampen installiert hatte. Bloß weg hier von diesem Chaos!

In dieser Nacht schlief ich mit der Vorfreude auf den nächsten Tag ein, denn unsere Verwandte wollte uns zu sich nach Hause laden, also endlich weg aus diesem Hotel!

Ein Tag voller Freude und Erholung

Am Vormittag des nächsten Tages holte die Großnichte uns auch schon ab- mit dem öffentlichen Bus, versteht sich! Aber tagsüber ist das etwas ganz anderes. Unterwegs kauften wir Wassermelonen und kamen schließlich an ihrem Haus an.

Unsere Kinder konnten ihren Augen kaum trauen- was sie da direkt neben dem Haus der Verwandten sahen, haute sie fast um vor Freude: ein Riesenrad!!! Oha, da hatte ich die Großnichte am Tag zuvor sogar richtig verstanden- sie hat einen Spielplatz direkt neben ihrem Haus!

20180721_180409837981956.jpg
Das Riesenrad als beliebtester Nachbar (man schließe die Augen vorm Müll).

20180721_1804151034875171.jpg
Unsere Ruhe-Oase für diesen Tag

Erstmal hieß es aber, rein ins Haus und auf ein köstliches Mittagessen warten. Es war so gemütlich in diesem Haus, dass wir direkt einschliefen. Die Reise steckte uns noch immer in den Knochen.

20180721_1425161174888324.jpg

Nachmittags ging es dann endlich los: auf zum Spielplatz! Was wir dort sahen, beeindruckte Groß und Klein: dieser Spielplatz war nicht wie unser kleiner Spielplatz in Garowe, sondern für Somalische Verhältnisse wie ein riesen Kirmes-Platz! Wir mussten nur für die Hälfte der Kinder Eintritt zahlen, und schon ging es los: schaukeln, wippen, rutschen, was das Zeug hält.

20180721_1809341537888653.jpg20180721_1815391400267494.jpg20180721_181605497970191.jpg20180721_1821361793306040.jpg

20180721_1825092042489847.jpg
Mein „Kollege“ im Kinder bespaßen und ich 🙂

Kinderträume werden wahr!

Kurz darauf kam natürlich, was nicht zu vermeiden war: die Kinder wollten unbedingt auf’s Riesenrad! Wir organisierten extra Geld und so wurde es extra für uns angemacht. Für unsere Kinder wurden an diesem Abend Kinderträume wahr!

 

Beim Riesenrad blieb es natürlich nicht- die Kinder wollten auch auf ein echtes Karussel und das riesengroße Schaukel-Schiff! Und das Beste: ich musste mit auf Letzteres, damit meine Kleine auch drauf kann! Ich hatte etwas Respekt davor und so setzte sich meine Co-Schwester neben meine Tochter. In der letzten Sekunde setzte ich mich dann aber doch noch rein. Warum auch nicht!? Es wurde ein riesen Spaß und der Besitzer achtete extra drauf, uns nicht zu hoch hin und her schwingen zu lassen. Aber die Menge rief, „noch höher, noch höher!“, bis wir fast auf unseren Köpfen standen.

20180721_184801856431955.jpg
Im Karussel-Flow!

20180721_182906453871720.jpg
Die Schiffsschaukel in action.

Es geht weiter!

Um 20:30 war es dann aber höchste Zeit, Abschied zu nehmen, denn überraschenderweise sollte es am nächsten morgen ganz früh weiter gehen- und zwar ins Flugzeug, nach Äthiopien! Die Stimmung war ausgelassen und die Kinder so k.o. zugleich, wie schon lange nicht mehr. Gott sei Dank schafften wir nach einem flinken Abendessen noch den (Bus-) Weg zum Hotel.

Wie unsere Reise weiter ging und was uns in Äthiopien erwartete, erfahrt ihr (in shaa Allah) im nächsten und zugleich letzten Teil. Macht euch auf etwas gefasst!

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

Reisebericht Teil 2: Auf nach Hargeisa!

Am Donnerstag Morgen, den 19.7. war es endlich soweit: wir traten tatsächlich die langersehnte Reise an! Die erste Etappe sollte uns von Garowe (Hauptstadt Puntlands) nach Hargeisa (Hauptstadt Somalilands) führen, was ungefähr 12 Stunden in Anspruch nehmen würde.

Nachdem wir seit 1 Monat eigentlich schon startklar waren, nahmen die letzten Details doch noch unsere ganze Zeit und Energie in Anspruch. Aber nun war selbst für eine Person gesorgt, die für unser Haus mitsamt den Haustieren und Bodyguards nebenan sorgen würde, alhamduliLlah. Nun konnte es also wirklich losgehen.

Reisefieber

Ich war so extrem aufgeregt, dass ich am Reiseabend einfach nicht einschlafen konnte. Mit nur 40 Minuten Schlaf musste ich um kurz nach 3 jedoch schon wieder aus den Federn. Aber wenn es ums Reisen geht, nimmt man das gerne auf sich!

Eigentlich sollte es um 4 Uhr los gehen, doch wie konnte es anders sein- der Busfahrer hatte verschlafen! Eine Stunde später stiegen wir dann jedoch in unseren Reisebus ein, dessen Qualität mich wirklich überraschte: ein ganzer Omnibus für uns allein- und das auch noch in passabler Qualität! Ich hatte eher einen Kleinbus erwartet, in dem wir zusammengequetscht auf den 2 Hinterbänken sitzen würden, übertönt vom ungefilterten Fahrgeräusch. Aber nichts dergleichen war der Fall: Für uns 12 Leute standen immerhin 14 Sitze zur Verfügung, sogar mit Mittelgang und teils abgedunkelten Fenstern. Ein Stein viel mir vom Herzen. So würde es sich angenehm die Tagesreise nach Hargeisa reisen lassen!

Über die Grenzen hinweg

Mein Herz hüpfte förmlich vor Freude und Aufregung und unseren Kindern ging es nicht anders, als es endlich los ging. Der Busfahrer trug eine fette Lederjacke und saß auf einem künstlichen Schafsfell, auf dem ich an seiner Stelle sicher eingeschlafen wäre, jedoch machte er einen guten Job und fuhr uns rasant aber sicher über die einzige geteerte Landstraße.

Je weiter wir Garowe verließen, machte sich bei uns auch schon die Spannung breit: würden wir sicher die nur 80 km weit entfernte Staatsgrenze zwischen Puntland und Somaliland überqueren? Je näher wir an die Grenze kamen, desto aufgeregter wurden wir und desto mehr Bitgebete sprach wohl jeder für sich. Die Stadt Tukaraq, welche kürzlich von den Somaliländern eingenommen wurde, war unsere Hauptsorge. Auf dem Weg dorthin sahen wir immer wieder auffällig viele Militärfahrzeuge am Straßenrand, kampfbereit bei der nächstbesten Provokation.

An dieser Stelle ist wohl etwas Hintergrundinformation unumgänglich, damit ihr versteht, wieso dort überhaupt gekämpft wird: Somalia war früher von 3 Kolonien besetzt: 1. Von Italien (Vom Süden bis hin nach Garowe), 2. von England (dem heutigen Somaliland) und 3. von Frankreich (dem heutigen Djibouti). Diese Staatsmächte sorgten dafür, dass jeder etwas vom „Kuchen Somalia’s“ abbekommen würde, indem sie mit dem Lineal die jeweiligen Grenzen kennzeichneten. Nachdem sie Somalia den Rücken kehrten, wurde Djibouti als unabhängiges Land ernannt und Somaliland wollte das Gleiche, auch wenn es bedeuten würde, dass Somalia an sich immer schwächer werden würde, je kleiner es man zerstückelt.

greater somalia
Somalia früher (alles gelb Gekennzeichnete) und heute.

Die Grenze zwischen Puntland und Somaliland variiert immer wieder, da sie ab und zu heiß umkämpft wird. Schließlich gibt es direkt hinter Garowe ein wertvolles Ölvorkommen, welches beide Bundesstaaten für sich deklarieren wollen. Zurzeit gehört es noch zu Puntland, jedoch rücken die Somaliländer immer weiter vor- so hissten sie vor kurzem ihre Fahne in der Stadt Tukaraq und nahmen sie nach einigen Kämpfen ein.

Somalialandmap16001 RAonline
Konflikt zw. Puntland und Somaliland (Foto by RAOnline).

Zu unserer großen Erleichterung konnten wir die Stadt Tukaraq jedoch ohne jegliche Komplikationen durchqueren. Wir wurden zwar angehalten und ein Soldat schaute grimmig in unseren Bus, jedoch wird das beinahe an jedem Dorf auf dieser Strecke gemacht, war also nichts Ungewöhnliches daran.

Das Witzigste aber war, das diese viel berüchtigte „Stadt“ bloß ein kleines, unscheinbares Dorf war, in dem zwar die Hälfte der Bevölkerung bereits geflohen war, jedoch was wirklich nichtig erschien im Vergleich zu der „Stadt“ in unserem Kopfkino! Was auch noch witzig (oder doch traurig?) war: der Busfahrer wechselte an der Grenze zu Somaliland sein Nummernschild: von einem Puntland-Schild zu einem Somaliland-Schild! Das war wohl so gang und gebe, wenn nicht sogar ein indirekter Gruppenzwang zwecks eigener Sicherheit.

Ungeplanter Zwischenstopp

Bald nachdem wir in Somaliland waren, wurden wir doch noch an einer der Straßensperren gründicher untersucht: der Soldat öffnete unsere Schiebetür und entdeckte meine graugrünen Augen. „Wer ist DAS denn? Raus mit dir!!“ Ich weckte meinen auf der Rückbank ruhenden Ehegatten auf und folgte ihm nach draußen. Dort musste er erstmal einige Fragen über sich ergehen lassen, bis unser (übrigens Somali-ländischer) Busfahrer dem Soldaten erklärte, dass er da mit dem Sultan spricht. Welcher Sultan? Mein Mann sagte etwas gereizt, dass das keine Rolle spielen würde und wir alle Muslime seien, egal welche Rangordnung wir hätten. Der Soldat ließ jedoch nicht locker und bekam dann vom Busfahrer die Information, die er haben wollte.

Nach diesen angespannten und beinahe bedrohlichen Minuten schickte mein Mann mich zum Bus zurück. Weitere Minuten später kamen sie lachend wieder. Ich erfuhr auf unserer Weiterfahrt, dass sie das Thema gewechselt hätten und mein Mann sie sogar mit unanfechtbarer Logik und einer Portion Humor von dem Unsinn der Land-Spalterei überzeugen konnte. Zumindest solange, bis sie ihr Gehirn mit der nächsten Fuhre an Khat-Blättern betäuben würden.

Auch die Speisung darf auf Reisen nicht zu kurz kommen

Nach den kurzen Atem-aussetzer-Momenten konnten wir entspannt ein Frühstück auf einem der Dächer in Las `Anood einnehmen. Dort war es so frisch und extrem windig, dass man sich kaum die Hände waschen konnte!

Nach einer gemütlich entspannten Weiterfahrt kamen wir an eine Art Somali (-ländische) Raststätte, an der wohl alle Reisenden des Tages ihr Mittagsmahl zu sich nahmen. Auch wenn wir noch nicht sooo hungrig waren, bestand unser Fahrer auf einer Mittagspause. Die dortigen Sanitäranlagen unter freiem Himmel hatten etwas für sich. Am liebsten hätte ich da einen Stuhl hingestellt und mich etwas gesonnt. Aber in einem Plumpsklo geht das widerum schlecht! Also gingen wir ersteinmal beten und nahmen unser Mittagessen ein.

20180719_123139309652874.jpg
Unser Bus: nur einer von Vielen.

20180719_123539742358966.jpg
Freiluft-Toilette

20180719_130305934573034.jpg
A Guete! Bon Appetito! Guten Appetit!

20180719_12550458399950.jpg
Familienbild

Besondere Belohnung für die ganzen Strapazen: Das Shaikh Gebirge!

Am Nachmittag erreichten wir den wortwörtlichen Klimax unserer Tagesreise: auf Terpentinen a la Schweiz fuhren wir durch das größte Gebirge Somalia’s- das Shaikh-Gebirge. Wir konnten es nicht unterlassen, auf einer Plattform anzuhalten, welche von Bergen umgeben und einem Abgrund begrenzt etwas filmreifes an sich hatte. Gleichzeitig war diese atemberaubende Schönheit so schwer zu filmen, dass ich kaum wackelfreie Fotos machen konnte!

20180719_1510241179224521.jpg

Erstes Etappenziel erreicht!

Nach dem Shaikh-Gebirge führte unser Weg an der Hafenstadt Berbera vorbei, an der wir allzu gerne einen Stopp am Meer eingeführt hätten. Die Zeit jedoch drängte uns- wir wollten noch vor Sonnenuntergang in Hargeisa ankommen!

20180719_153047594432439.jpg
Zementgebirge bei Berbera

20180719_1531451560922784.jpg
Ehemalige Zement-Raffinerie

In der Tat erreichten wir genau zur Zeit des Sonnenuntergangs die Hauptstadt Somalilands. Wir merkten sofort einige Unterschiede, denn Hargeisa ist eine wahre riesen Metropole im Vergleich zu Garowe! Die ganzen Hochhäuser am Straßenrand wiesen darauf hin.

Schließlich standen wir vor unserem hochmodernen Hotel. Wir hatten unsere erste Etappe tatsächlich geschafft!

Erste Entdeckungen

Während wir mit der Zimmerverteilung zugange war, entdeckten unsere insgesamt 9 Kinder zum ersten Mal einen Lift. Welch eine Aufregung und Freude!

Erste Ernüchterung

Zugleich erfuhren wir, dass der Äthiopisch-Somalische Freund meines Mannes, welcher extra aus Mogadischu kam, um uns bei der Weiterreise zu helfen, unseren Plan der schnellen Weiterreise apprupt ändern wollte: Wir könnten auf keinen Fall vor Sonntag weiter reisen! Das würde bedeuten, wir müssten die nächsten 3 Nächte mit unseren 9 Kindern in diesem teuren Hotel die Insassen schlaflos machen (halte mal 9 Kinder ruhig, die es gewohnt sind, 3/4 des Tages herum zu rennen!) und würden unnötige Zeit und Geld verschwenden. Na toll! Ich verdrängte mein grausames Kopfkino und fiel erstmal totmüde auf die Matratze am Boden, die wir uns zusätzlich haben bringen lassen.


Tut mir Leid liebe Leute, ich habe schon wieder so viel geschrieben! Wenn ich jedoch die Details weglassen würde, könnte ich direkt schreiben: „Am ersten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Hargeisa, Punkt.“ Aber ich denke, gerade die Details machen diesen Reisebericht aus und sind hoffentlich interessant für euch!

Um es allerdings nicht zu ermüdend werden zu lassen (für uns alle), werde ich erst morgen weiter schreiben, in shaa Allah.

Bis dann,

Eure Khalisa

Reisebericht: Vorbereitungen, der schwerste Teil einer Reise!

As salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nun ist es einige Zeit her, dass ihr von mir etwas gehört habt. Das hatte einen guten Grund, denn ich war mit nichts weniger als mit Reisen und deren Vorbereitungen beschäftigt!

Inzwischen sitze ich doch tatsächlich in meinem neuen coolen Arbeitszimmer in Deutschland, möchte euch aber einen kleinen Rückblick über meine letzte Reise nicht vorenthalten.

Warum nach Deutschland?

Wieso ich mich entschloss, diesen Sommer in Deutschland zu verbringen?

Das hatte einige Gründe: 1. War ich schon 3 Jahre nicht mehr dort und meine Kinder können kaum noch Deutsch sprechen. 2. Stehen ein paar Arztgänge bevor, die in Somalia in der Form nicht möglich sind, und 3. War nun der beste Zeitpunkt, bevor mein 5 1/2 jähriger Sohn mit seiner Schullaufbahn anfängt, noch einmal für eine längere Zeit als nur 4 Wochen solch eine Reise anzutreten. Zudem hätten sonst meine Eltern ein 3.Mal in Folge nach Somalia kommen müssen, um uns zu sehen, was ja auch kein leichtes Unterfangen für sie ist.

Vorbereitungen

Der wohl schwierigste Teil der Reise sind immer die Vorbereitungen dazu. Gerade, weil wir meine Reise mit der Reise meiner Co-Schwester und ihrer Kinder verbinden wollten, gestaltete sich diese als eine wahre Geduldsprobe. Denn Letztere wollten nach Äthopien reisen, um ihre abgelaufenen Dänischen Pässe neu zu beantragen. Dafür mussten sie allerdings nicht nur Somalische Pässe, sondern auch Visa für Äthiopien beantragen- also eine Menge Behördengänge standen ihnen bevor!

reisebilder pass
Pässe (spez.Westliche)…

reisebilder weheartit.com
…sind das Tor zur Welt!

Sie fingen damit schon während dem Ramadan an, also irgendwann im Mai. Somalische Pässe zu beantragen würde höchstens 3 Wochen dauern, so sagte man ihnen. Daraus wurden dann allerdings 4-5 Wochen. Nun gut, die Visa Beantragung müsste dann aber eine Sache von 1-2 Tagen sein und dann könnten wir los! Koffer wurden gepackt, Somalische Kleidung und Parfüms zum Weiterverkauf wurden im Akkordtempo eingekauft. Fehlten ja nur noch die Visa! Das war Anfang Juli.

Aber da hatten wir wohl beinahe vergessen, dass wir uns in Afrika, der Korruptionshochburg Nr.1 befinden.

Am Tag der geplanten Visa-Beantragung kamen mein Mann und seine andere Familie völlig enttäuscht zurück: die Äthiopische Botschaft sei geschlossen! Die hätten das Oberhaupt gewechselt und seien die nächsten Tage mit Besprechungen und Fortbildungen beschäftigt. Na toll… In der Zwischenzeit wurde uns von ein paar Leuten aus Somaliland schon Panik gemacht: Wir sollten die Grenze zwischen Puntland und Somaliland (zwei Bundesgebiete) möglichst schnell überqueren, da sie dort wahrscheinlich die Straße wieder sperren würden aufgrund von Grenzkämpfen (einen Kommentar darüber erspar‘ ich euch an dieser Stelle)!

Die Spannung steigt…

Wir überlegten jeden anderen Weg, jedoch waren wir wirklich auf diese Äthiopische Botschaft in Garowe angewiesen. Das schienen die auszunutzen. Denn als meinem Mann und seiner Truppe endlich ein Termin zur Visa-Abholung gegeben wurde (2 Wochen später- die Zwischenstory erspar ich euch ebenfalls), bekam er zu Ohren, dass sie von der Liste der Visa-Bekommer für diesen Tag herausgestrichen wurden. Ja, ihr habt richtig gehört! Mit Absicht hatte der Vorgesetzte seinem Untergesetzten befohlen, diese (unsere) Familie von der Liste zu nehmen, ansonsten würde er sie zerreißen. Da der Angestellte sich weigerte, dies zu tun, machte der Vorgesetzte seine Warnung wahr: Er zerriss die Liste, auf der mein Mann und seine andere Familie als Visa-Empfänger drauf stand, und schrieb eine neue Liste- ohne sie.

…und ist kaum noch zu ertragen!

Ich weiß nicht, wie mein Mann sich noch kontrollieren konnte, als er das erfuhr. Vielleicht half es ihm, dass er an dem Tag fastete. Jedenfalls war es auch dieser Vorgesetzte, der die Somalischen Pässe ebenfalls herausgezögert hatte. Warum? Das weiß nur unser Gütige Herr!

Mein Mann beschwerte sich daraufhin bei dem Vize-Präsidenten Puntlands, welcher ihm sogar ein Eil-Schreiben für die Visa-Stelle ausgestellt hatte. Denn mittlerweile war es Mitte Juli und die Schulferien der Kinder schwanden nur so dahin! Da auch dieses Eil-Schreiben nicht ernst genommen wurde, half erst ein persönlicher Anruf des Vize-Präsidenten, dass mein Mann und seine andere Familie doch noch die Visa bekamen- einen Tag später, versteht sich!

Endlich ist es soweit…

Endlich bekamen sie die Visa dann am Montag, den 16.7., also 2 Wochen später als geplant, aber besser, als gar nicht. Ich traute mich schon kaum zu fragen, wann es denn nun endlich weiter ginge, denn ich nervte schon jeden Tag mit meinen Fragen. Also wartete ich ab. Doch nichts passierte! Kein Startschuss wurde gefeuert, dass es am nächsten Tag losgehen könne… Also fragte ich doch.

Oder doch noch nicht?!

Es hieß, wir müssten auf einen Freund meines Mannes warten, der Äthiopischer Staatsbürger sei und uns in Hargeisa bei unsere Weiterreise weiter helfen würde. Denn wie wichtig hier Beziehungen sind, um etwas zu erreichen, könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Dieser Freund musste allerdings erst von Mogadischu nach Hargeisa fliegen, und würde dort auf uns warten.

Ich musste mich wirklich zusammen reißen, auch wenn ich mir sagte, es sei für irgendetwas gut, dass es nicht so lief, wie wir es gerne wollten. Allah ist der Beste Planer und wollte uns entweder von etwas Schlechtem abhalten, oder unsere Geduld prüfen.

patience

Am Mittwoch hieß es dann noch, es wäre besser, Donnerstags zu reisen, da es Sunnah wäre (der Prophet s.a.s. reiste wohl auch Donnerstags). Außerdem würden wir sowieso nicht vor dem Wochenende bei der Dänischen Botschaft in Äthiopien antanzen können. Aber wenigstens konnte ich nun meine wieder ausgepackte Kleidung einpacken.

Ob es am nächsten Tag wirklich los ging und wie unser erster Reisetag von Garowe nach Hargeisa verlief, erzähle ich euch in shaa Allah morgen!

Eure Khalisa

 

 

Firdausa, meine blinde Nachbarin

In folgendem Artikel möchte ich euch über die bewegende Geschichte von Firdausa, meiner blinden Nachbarin, berichten.

Wie alles begann…

Fangen wir also damit an, wie ich sie kennenlernte. Es war am Tag des vergangenen Eids (Fest), dass in mir der Wunsch entstand, meine Nachbarin zum erstenmal zu besuchen. Denn ich bekam zu hören, dass sie sich immer durch ihre Nichte, welche uns fast täglich besuchen kommt, nach mir erkundigte und mich auch grüßte. Also eine Schande, dass ich nun mehr als 3 Jahre hier in Garowe lebe, ohne sie jemals gesehen zu haben! Im Islam ist die Nachbarschaftspflege nämlich überaus wichtig (habe es bloß meiner Co-Schwester überlassen, sich darum zu kümmern):

Und dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er verwandt oder aus der Fremde, dem Begleiter an der Seite, dem Sohn des Weges und zu dem (Sklaven), den ihr von Rechts wegen besitzt. Seht, Allah liebt nicht den Hochmütigen, den Prahler.” (Quran 4:36)

Wobei ich entschuldigend hinzu sagen muss, dass mir ihre Grüße nie ausgerichtet wurden. Das entspricht irgendwie nicht der Somalischen Mentalität, seine Worte über solche „Unwichtigkeiten“ zu verlieren 😉

Erster Besuch, berührende erste Begegnung

Sofort ließ ich durch meine Co-Schwester verkünden, dass ich am nächsten Tag zu Besuch kommen würde. Mit meiner Co-Schwester als Übersetzerin ausgestattet, stand ich also am nächsten Abend vor ihrer blauen Metalltür.

20180708_191510-11338988353.jpg

Sofort machte uns die Nichte auf und begrüßte uns herzlich. [Die Nichte lebt seit ihrem 6.Lebensjahr bei Firdausa und deren Mutter, um sich um sie zu kümmern. Nebenbei geht sie zur Schule.]

Wir liefen über den mit Steinen gefüllten Innenhof erst zu der Mutter der Blinden, welche schon sehr alt ist und hauptsächlich auf ihrem kleinen Teppich mit Kissen sitzt. Auf ihrer linken Seite sah ich zum erstenmal Firdausa. Sie saß auf einem großen geflochtenen Teppich, ausgestattet mit einem Radio und einem Trinkwasserbehälter. Sofort war ich von ihrer Religiösität und ihrer Herzlichkeit angetan. Wir nahmen neben ihr Platz und unterhielten uns hauptsächlich über ihre Geschichte und dass alles ein Test von Allah sei- nicht nur ihr Schicksal, sondern alles, was uns so widerfährt!

20180708_1911371459318045.jpg

Firdausa´s Leidensgeschichte

Firdausa´s Leidensgeschichte fing an, als sie 14 Jahre alt war. Zu dem Zeitpunkt war sie ein hübsches, intelligentes Mädchen, welches hier in Garowe zur Schule ging. Plötzlich jedoch bekam sie sehr, sehr hohes Fieber, welches wahrscheinlich nur mit Fiebersenkungsmitteln (wenn überhaupt) behandelt wurde. Sie lebte auch damals schon in einfachsten Verhältnissen und konnte sich keinen Arztbesuch leisten. Die Ursache von ihrer Blindheit wird nun verschieden ausgedrückt: Ihre Mutter erzählte uns, dass sie vom „Bösen Blick“ getroffen worden sei. während Firdausa selbst eher dem hohen Fieber die Schuld gibt.

Wie auch immer, jedenfalls ist sie seitdem blind. Hinzu kommen noch tägliche Kopfschmerzen, weil ihre Nerven im Kopf verrückt spielen. In einem Röntgenbild ihres Gehirns wurde bestätgt, dass ihre Nerven geschädigt sind, woraufhin ihr ein Arztbesuch bei einem Spezialisten geraten wurde. Nach einer initiierten Reise nach Äthiopien musste Firadausa und ihre Familie feststellen, dass auch dort kein richtiger Spezialist zu finden war.

Auch eine Reise nach Dubai hat sie bereits hinter sich, jedoch ohne große Erfolge, da sie sich die Medikamente nicht leisten konnte.

Noch schlimmer wurde es dann, als sie eine Allergie gegen ihren eigenen Schweiß entwickelte. Das heißt, wenn immer sie durch Bewegung erhitzte (was hier wahrlich schnell geht tagsüber), so fängt der ganze Körper an fürchterlich zu jucken. Um dies zu vermeiden, versucht sie, sich tagsüber kaum zu bewegen. So ging sie seit ein paar Jahren nicht mehr zur Moschee, um Unterrichten und Predigten zu folgen. Abends wiederum hat sie niemanden, der mit ihr spazieren gehen könnte (die Nichte ist zu klein, um sie zu stützen). Dadurch hat sie erheblichen Muskelschwund. Aber was macht Firdausa? Meinst du, sie würde ihren gut bedeckenden Hijab gegen einen kleinen Schal auswechseln, um tagsüber zu laufen zu können?

Nein, ganz und garnicht! Firdausa besteht auf ihrem typisch somalischen Hijab und selbst auf ihrem Niqab- über dessen Pflicht es nun wirklich Meinungsverschiedenheiten gibt! Stellt euch das einmal vor- sie verzichtet aus Liebe zum richtigen Hijab und ihrer Religion darauf, Abstriche zu machen, aus Angst, sie könnte nachlässig werden in ihrer Religion!

In mir kam sofort der Wunsch hoch, ihr zu helfen. Es muss doch eine Lösung geben für ihr Leiden! Sie erzählte uns davon, dass ihr Physiotherapie empfohlen wurde und ihr dadurch eine Verbesserung ihrer Situation zugesprochen wurde. Sie sammelte schon länger für den Besuch dort, jedoch hatte sie noch nicht genug Geld zusammen.

Was können wir tun?

Zuhause angekommen überlegten wir, wie wir ihr helfen können. Uns hatte es positiv überrascht, dass es hier eine Physiotherapeutin gibt. Es musste jemand Neues sein!

Physiotherapie oder Firdausa´s wiedergefundener Schlaf

Am übernächsten Tag fuhr ich mit Firdausa dann dorthin. Die Physiotherapeutin war super freundlich und verschrieb ihr 15 Physiotherapie-Stunden, oder eher gesagt Trainingsstunden. Sie konnte auch sogleich anfangen.

img-20180621-wa00852091996842.jpg

Als erstes wurde Firdausa auf ein automatisches Sitzfahrrad gesetzt. Da kam auch schon die erste Hürde: wie erklärt man jetzt einer Blinden, die noch nie in ihrem Leben ein Fahrrad gesehen hatte, wie sie ihre Beine zu bewegen hat?!? DIe Physiotherapeutin und ihre Assistentin bemühten sich ungeheuer, Firdausa´s Füßen den Weg zu zeigen. Irgendwann konnte ich mir einen Kommentar nicht verkneifen: „Im Kreis, im Kreis herum!“. Das half Firdausa´s Vorstellungskraft etwas besser, als die trockenen Erklärungen (rechtes Bein hoch, linkes runter etc.). Aber es ging noch nicht richtig flüssig, immer wieder wollte sie sogar rückwärts fahren oder kam ins Stocken. Währenddessen tropfte ihr Schweiß vor innerlicher und äußerlicher Anstrengung.

img-20180709-wa00091094017880.jpg

Nach dieser Höchstleistung ging es für sie auf eine Beindrücke. Sie setzte sich mit unserer Hilfe auf eine Art Stuhl, während ihre Unterschenkel Gewichte hoch stemmen sollten. Dann sollte sie in dieser Stellung 30 Sekunden bleiben, dann locker lassen, und erneut. Ich dachte mir nur „Die Arme hat morgen sicherlich Muskelkater ohne Ende!“. Und so war es natürlich auch.

Später kam noch eine Kräftigungsübung für den Oberkörper hinzu, bei welcher sie ein Gummiseil zu sich heran ziehen soll. Auch Übungen für Zuhause wurden ihr gezeigt, die sie nach jedem der 5 täglichen Gebete auf ihrem Gebetsteppich ausüben sollte.

Schließlich brachten wir sie in ein Nebenzimmer, in dem sie auf einer Liege Platz nahm. An ihre Beine wurden Elektromagnete festgeklebt, durch welche die Muskeln angeregt werden sollten. Wie auch immer das funktioniert, ich war erstaunt, dass es hier tatsächlich so etwas gibt- im „rückständigen Somalia!“.

img-20180709-wa0012844096929.jpg

Eine Kämpfernatur trotz großer Beschwerden

Hinterher fühlte sich Firdausa großartig. Endlich konnte sie etwas tun, um stärker und unabhängiger zu werden. Und den ersten Effekt spürte sie auch schon direkt: zum ersten mal konnte sie nachts endlich wieder richtig gut schlafen, da sie sich förmlich ausgepowert hatte. Stellt euch das mal vor- selbst der gesunde Schlaf ist für so jemanden ein Luxus!!

Am nächsten Abend hatte sie sofort den nächsten Termin, auf den sie sich schon freute. Diesesmal nam sie extra ein Tuch mit, mit dem sie sich statt dem großen Hijab während dem Sport bedecken konnte. Auf dem Fahrrad ging es gleich schon besser, wenn auch mit Stockungen zwischendurch.

Am 3. Abend war sie eigentlich krank- Mandelentzündung! Aber ich konnte sie nicht davon abhalten, trotzdem zu trainieren, auch wenn ich davon überzeugt war, dass es ein Zeichen ihres Körpers war, dass er eine Pause braucht. Ich konnte die Physiotherapeutin nicht verstehen, die von ihr einen Aktivitätsamstieg von 100% erwartete und sie jeden Abend sehen wollte. Hinterher fühlte sich Firdausa trotzdem besser.

Fördern statt überfordern

Nach dem Wochenende, an dem sie nochmal richtig krank wurde, entschieden wir, dass wir sie nur noch alle 2 Abende zum Training bringen, damit es nicht zuviel für sie wird. Den Abend, an dem sie nicht zum Training ging, wollte meine Co-Schwester mit ihr spazieren gehen. Also eine andere Art von Training!

Seitdem brachte ich sie also nur noch alle 2 Tage zum Training, solange sie nicht aufgrund wegen ihrer starken Kopfschmerzen absagen musste. Nach den ersten malen ging uns allerdings auch das Geld aus für ihre Therapie. Immerhin waren es jedesmal 10 Dollar. So fragten wir andere um Hilfe und bekamen Gott sei Dank auch 80 Dollar aus Australien geschickt. Die nächsten 8 Trainingsstunden waren also gedeckt, alhamduliLlah. Sobald ich etwas Geld hatte, machte ich dann noch die 15 Stunden voll und netterweise versprach uns die Physiotherapeutin 5 weitere kostenlose Trainingsstunden.

Besuch beim überfüllten Augenarzt

Dazwischen brachten wir sie noch zum Augenarzt, um seine Meinung zu hören, ob bei ihr noch etwas zu retten sei bezüglich ihrer Sicht. Ihre Augen juckten auch unheimlich zu der Zeit. Der Augenarzt war unheimlich überfüllt, trotz dass es Siesta-Zeit war. Er nahm uns trotzdem direkt dran, da er ein Freund meines Mannes ist. Für ein Statement oder gar ein Video hatte er jedoch keine Zeit. Er schrieb bloß einen Zettel voll mit Medizin und sagte uns, mein Mann solle ihn später anrufen. Immerhin nahm er auch keine Behandlungskosten.

Oben seht ihr Firdausa mit dem Augenarzt, unten auf dem Weg aus der Praxis, von meiner Co-Schwester geführt.

Bisher hatte mein Mann selber noch keine Zeit, den Doktor anzurufen, da er auch verreiste und anderes wie Krankheit und Gäste ständig dazwischen kam. Heute jedoch rief er endlich an- nur um zu erfahren, das der Arzt garnicht mehr im Lande ist, sondern sich zurzeit in Indien aufhält! Ich werde euch daher auf dem Laufenden halten, sobald wir mehr erfahren, in shaa Allah.

Trotzdem wollte ich euch schon einmal über diese Überlebenskämpferin berichten. Denn bei uns steht ja jetzt auch eine Reise an in shaa Allah, so dass ich dann nicht mehr so schnell dazu kommen werde.

Wie geht es weiter?

Bisher sind noch 10 von 20 Trainingseinheiten übrig, für die bereits gezahlt wurde. Danach wird sie zwar nicht mehr jeden 2. Tag zum Training müssen, welches sie aufgrund ihrer starken Kopfschmerzen meißtens sowieso nicht schafft. Aber 3 mal wöchentlich sollte sie schon noch trainieren, während sie die restlichen Abende mit uns laufen wird, in shaa Allah.

In der Zeit, in der auch meine Co-Schwester verreist ist, wird eine gute Freundin sie zur Physiotherapie hin und zurück fahren, in shaa Allah. Bloß die Bezahlung ist noch nicht klar.

Ich möchte ihr gerne über die Physiotherapie hinaus helfen. Sie müsste unbedingt noch einmal am Kopf geröngt werden, so dass wir persönlich von dem Arzt ein Statement hören und Firdausa´s Lage besser einschätzen können. Dieser Arzt ist jedoch in der teuersten Privatklinik überhaupt und nimmt dafür viel Geld.

Möglichkeiten, Firdausa zu unterstützen

Wer also Firdausa eine Weiterbehandlung ermöglichen möchte, soll mich einfach kontaktieren. Sei es, für die weiteren Trainigsstunden, den teuren Arztbesuch, weitere Medikamente, welche sie für ihre Nerven und Augen einnimmt, ein eigenes Fahrrad zum trainieren oder sogar eine medizinische Behandlung außerhalb Somalia´s (wofür sich Indien ganz gut anbieten würde)- wir sind für jegliche Art von Unterstützung sehr dankbar!

Zum Abschluss noch ein Video, welches ich von Firdausa in ihrem Zuhause gedreht habe. Sie redet zwar Somalisch, aber ihr könnt einen guten Eindruck von ihrem simplen Leben und ihrer hilflosen Situation bekommen. An diesem Tag hatte sie sehr starke Kopfschmerzen, so dass sie abends nicht laufen konnte. Den Hijab haben wir ihr besorgt, da sie immer den gleichen trug, der schon Löcher hatte und etwas schwer vom Material her war.

Wer Somalisch versteht, überhöre einfach den Anfang, an dem ich „cotka deereey“ (sprich lauter) meinte, aber das Gegenteil sagte 😀

Firdaus ist übrigens die Bezeichnung für die höchste Stufe im Paradies. Möge Allah all jene, die sie unterstützen wollen und Firdausa selbst mit Jannatul Firdaus belohnen und möge Er ihr Gesundheit und Geduld schenken.

Eure Khalisa

Abwarten und… Tee trinken!

Ich muss mir mal den Frust ein bisschen raus schreiben. Es passieren momentan einige Dinge, die mich einfach frustrieren, die ich aber schlecht ändern kann. Also bleibt mir nichts übrig, als sie so hinzu nehmen und zu akzeptieren. Und eventuell darüber zu schreiben!

Zum einen stört es mich, dass man mit seinen muslimischen Geschwistern nichts auf die Reihe kriegt. Egal, was man plant, egal, was für tolle und innovative Ideen man hat- man kann sich sicher sein, dass sie wieder im Sand verlaufen und dort von noch mehr Sand überollt werden. Wahrscheinlich ist es garnicht böse gemeint von den Schwestern. Sie sind einfach sehr in ihre eigenen Pflichten als Mutter, Hausfrau, Eherau und eventuell noch Studium und andere Projekte eingebunden. Deswegen kann man es ihnen garnicht übel nehmen, dass da kein Platz mehr ist für außergewöhnliche Ideen, bzw. deren Umsetzung.

Was ist aber nun die Lösung? Sollte man sich legastenisch hinsetzen und auf sein Ende warten? Einfach aufgeben, Sand in den Kopf? Oder doch besser alleine kämpfen?

geduld5

Eine andere Sache, die mich beinahe aus meiner Fassung bringt, ist unsere Reise, die wir schon längst antreten wollten, jedoch immer noch hier sind. Sitzen hier fest, abhängig von den korrupten Behörden in Somalia. Wir wollten ja eigentlich schon in Äthiopien sein, aber nein, davor brauchten meine Co-Schwester und ihre Kinder erst noch neue Somalische Pässe, da sie mit uns nach Äthiopien kommen, um ihre abgelaufenen Dänischen Pässe neu zu beantragen. Dann waren die nach 3-4 Wochen endlich da, jedoch brauchten sie plötzlich auch noch Visa für Äthiopien. Denn wie ihr vielleicht wißt, ist man mit Somalischem Pass nichts wert in dieser Welt. Oder zumindest an den Grenzübergängen: Überall muss man um Eintritt betteln in Form von langwierigen und kostspieligen Visa!

Nun hat die Äthiopische Botschaft in Garowe ausgerechnet diese Woche ihren Vorsitz gewechselt. Das heißt, vor Samstag werden sie nicht mehr anfangen zu arbeiten. Also wurden unsere Somalischen Pässe heute wieder nach Mogadischu geschickt, in der Hoffnung, dass dort alles schneller geht. Mal gucken, wer schneller ist- die hiesige Botschaft mit ihrer Neueröffnung, oder die dortige Botschaft mit Erstellung unserer Visa!

So langsam packe ich die gepackten und verstauten Kleider wieder aus. Jeden Tag, Stück für Stück. Denn wir wollten ja eigentlich schon weg sein. Als Deutsche komm ich mit so einer unplanbaren Reise nur schwer zurecht. Es nervt mich gehörig, nicht einfach los zu reisen, wenn man theoretisch bereit dazu ist!

Aber gut, Allah ist der Beste Planer! Vielleicht möchte Er uns vor etwas bewahren, denn Er weiß ja, was am besten für uns ist!

 

Geduld2

 

 

Und wie ich diese Zeilen so schreibe, wird mit bewußt, dass es zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nicht günstig wäre, zu verreisen. Denn 3 von uns, darunter mein Mann, sind nun auch noch erkrankt. Also heißt es nichts, als „Alhamdulillah ala kulli haal“ zu sagen, was soviel heißt wie „Gott sei Dank unter jeden Umständen!“ und geduldig abzuwarten, was kommt.

Geduld3.jpg

„Es ist keine Kunst zu warten, aber es ist eine Kunst, während dem Warten sein gutes Benehmen zu wahren.“ Da steckt so viel Weisheit drin! Möge Allah mir helfen, innerlich gelassen zu bleiben, bei allem, was kommt!

Geduld1

Dieser Du´a (Bittgebet) bleibt nichts mehr hinzuzufügen außer dem Wort „Amiin!“ – So sei es!

Macht auch Du´a für uns, dass wir endlich unsere Reise antreten können- und das auch sicher, in shaa Allah!

Bis bald,

Eure Khalisa

Somalia- für Frauen gefährlich!??

In diesem Artikel spreche ich ein paar etwas heikle Themen an, auf die mich ein Spiegel Online- Artikel gebracht hat: demnach soll Somalia auf Platz 5 der für Frauen am gefährlichsten Länder stehen. Warum und wieso, und ob diese Beurteilung berechtigt ist, werde ich versuchen, hier zu untersuchen. Nachdem ich mir hefitge Kommentare eingeheimst hatte, habe ich den Artikel nun etwas überarbeitet und nochmal doppelt und dreifach betont, dass ich gegen jede Art von Diskriminierung und Verstümmelung an Frauen bin! Ich hoffe, jetzt haben es alle verstanden 😉


„Wo es für Frauen am gefährlichsten ist“

So lautet der Titel besagter Artikel der Spiegel Online, der über eine interationale Studie berichtet, welche sich mit den für Frauen gefährlichsten Ländern befasst. Somalia sei nach Afghanistan, Kongo, Pakistan und Indien auf Platz 5.

Mich hat dieser Bericht und die Studie nachdenklich gemacht. Warum? Weil ich mich als Frau hier relativ sicher fühle (Alhamdulillah). Es sei denn, nachts- aber zu dieser Uhrzeit ist es wohl fast überall nicht empfehlenswert, allein herum zu laufen. Und weil die Frauen hier so unheimlich vor Selbstbewußtsein strotzen (maa shaa Allah). Außerdem sind sie es, die hier in ihren Familien das Sagen haben.

Natürlich bin ich nicht das Maß der Dinge, an dem man solch eine Studie ausmachen kann. Also forsche ich und frage ich mich ein bisschen herum. Lebe ich in einem anderen Land? Denn ich wundere mich über die Aussage von Marian Qasim, der Frauenministerin Somalias, welche in dem Artikel ihre genau gegenteilige Verwunderung über den 5.Platz Somalias´zum Ausdruck bringt:

„Ich bin überrascht, dass Somalia nicht ganz oben auf der Liste gelandet ist, sondern nur auf Platz fünf!“

Dann fährt sie hinfort:

„Das gefährlichste, was einer Frau in Somalia passieren kann, ist schwanger zu werden“, sagte Qasim. Ihre Überlebenschancen stünden dann fünfzig zu fünfzig, es gebe keinerlei Betreuung vor der Geburt. „Es gibt keine Krankenhäuser, keine Versorgung, gar nichts.“

Das ist meiner Einschätzung nach wirklich übertrieben. Es mag sein, dass Frauen, die als Nomadinnen leben oder auch in kleinen Dörfern, keine Krankenhäuser zur Stelle haben. Aber das ist wohl überall in Afrika so, das macht es nicht gleich zu einem der gefährlichsten Länder! In den Groß- und Kleinstädten hingegen gibt es sehr wohl Krankenhäuser.

Selbst in Qardho, einem laut Wikipedia 300,254 Seelen Dorf, gibt es ein Krankenhaus mit gutem Frauenarzt. Ich musste damals auch ein paarmal dorthin. Damals war der Arzt sogar aus Ägypten. In den großen Städten gibt es auch kostenlose Krankenversorgung für diejenigen, die sich den Gang zum Arzt und die Medikamente nicht leisten können.

Hier in Garowe gibt es mehrere Frauenärzte, darunter eine, die ich sehr bewundere. Selber hat sie nie Kinder bekommen, jedoch hilft sie nun unglaublich vielen Frauen bei ihren Problemen. Patienten, bei denen sie den Anschein hat, sie können es sich nicht leisten, behandelt sie einfach ohne Bezahlung (maa shaa Allah, moege Allah sie reichlich belohnen). Bei ihr arbeiten Tag und zur Not auch Nachts professionell ausgebildete Hebammen (sie werden hier in einer Uni ausgebildet).

2018-02-10 081327160916..png
Frauenarzt und Augenarzt Klinik

Außer dem Krankenhaus, bei dem man gebären kann, werden die Babies hier mithilfe einer erfahrenen Geburtsbegleiterin zur Welt gebracht. Selbst meine Schwiegermutter hat allen Verwandten bei der Geburt geholfen, sogar einmal ganz cool die Nabelschnur von dem fast erstickten Baby entfernt. Ok, diese Somalischen „Dawlas“ haben nicht wirklich medizinisches Fachwissen, dafür aber zahlreiche Erfahrung. Und die Frauen bekommen hier Kinder „ohne Ende“ (maa shaa Allah). Es mag tragische „Unfälle“ geben, aber das macht bestimmt nicht 50 % der Mütter aus!

Schauen wir also weiter, was in dem Artikel noch als große Gefahrenquelle für Frauen in Somalia gesehen wird:

1. Vergewaltigungen

Man kann nicht verleugnen, dass es sie nicht gäbe- leider kommt so etwas selbst an Orten vor, an denen man damit nicht rechnet. Aber es ist bei weitem nicht so eine hohe Zahl wie in Amerika, welches in manchen Listen der „Top 10- Vergewaltigungsländer“ auf Platz 1 steht (hier): 1 von 6 Frauen wird dort zum Opfer von solchen Schandtaten. Selbst Deutschland ist kein Land, in dem man davor sicher ist: Laut einem Bericht gibt es dort mehr Vergewaltigungen als in Indien! Allein im Jahre 2010 wurden in Deutschland laut dem Bundeskriminalamt 9,4 Fälle pro 100.000 Einwohner bekannt. Wenn man dies mal auf ein Jahr verteilt, so kommt man zu folgender Rechnung:

Lassen sich 489 Fälle, wie sie in Delhi geschehen, auf eine Vergewaltigung alle 18 Stunden hochrechnen, so ergibt die gleiche Rechnung für Deutschland eine Vergewaltigung alle 68 Minuten!

Länder wie Schweden und Frankreich sind sogar noch schlimmer betroffen. Man sollte also nicht so stark auf andere zeigen, wenn man doch die gleichen Probleme gleich oder verstärkt in seinem Land hat (ohne es verharmlosen zu wollen)!

Beim durchforsten dieser Listen bin ich leider oftmals auf sehr rassistische Seiten gestoßen, bei denen alle Schuld dieser Taten den Ausländern- ja, speziell den Muslimen!- in die Schuhe geschoben wird. Ist ja klar. Ich glaube, ich muss hier nicht erläutern, dass diese Gräueltaten im Islam verboten sind und man die Religion nicht an ihren Gefolgsleuten messen kann. Meißtens sind solche Leute fern von der Religion entfernt, sonst würden sie so etwas nicht tun! Und selbst bei Extremisten wie die von IS, die solche Taten mit der Religion begründen, beruht solch ein Vorgehen viemlehr auf Unwissenheit in dieser als auf Glaubenspraktizierung. Möge Allah uns alle rechtleiten und vor solchen Schandtaten beschützen!

2. Genitalverstümmelungen

Dies ist eigentlich Thema nummer eins, wenn es um Frauen in Somalia geht. Dazu muss man erwähnen, dass es bei der Beschneidung Unterschiede gibt. Genauer gesagt gibt es 4 verschiedene Arten des „Female genital cutting“ (FGC). Dabei distanziere ich mich ganz klar von den letzten 3 Formen.

Die schlimmste Art der Beschneidung, bei der die ganze Vagina, also alles äußere entfernt wird, nennt man in Somalia „Fir´aun“. Das heißt soviel wie „Pharaonische Beschneidung“ und weist auf den Ursprung dieser Verstümmelung hin: nämlich aus der Pharaonen- Zeit! Sie hat also nichts mit dem Islam zu tun und ist pure Verstümmelung.

Dann gibt es noch 2 andere Arten der Beschneidung, die zwar nicht das ganze Geschlechtsteil entfernen, aber ebenfalls unislamisch und zu verurteilen sind,

Die einzige Art der Beschneidung, die islamisch vertretbar ist, ist die erste, mindere Art der Beschneidung, wobei nur ein etwa Erbsengroßes Stück der Klitoris- Vorhaut entfernt wird.

Der Prophet Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) hat diese kulturelle Tradition nämlich eingeschränkt, indem er sagte:

„Reduziere es nur geringfügig und überschreite nicht die Grenze (…).“

Abu Dawuud, Sunan, Buch: Manieren, Nr.5271

Diese und andere Aussagen zeugen davon, dass diese Tradition im Islam zwar geduldet wird, jedoch nur als Option und nur mit extremen Einschränkungen! Die drei letzten Formen sind jedoch ausdrücklich schädigend und zu verurteilen!

Beschneidung- (k)ein Islamischer Brauch?

Erstens ist dieser Brauch keine Erfindung der Muslime. Der Ursprung der Beschneidung ist vielmehr in der Zeit des Pharao´s zu finden.

Zweitens wird es generell in Afrikanischen Ländern praktiziert, ganz gleich welcher Religion sie angehören. Selbst manche Nicht- Muslime praktizieren diesen Brauch heutzutage (natürlich nur in der 1.Form, die auch im Islam geduldet wird) und versprechen sich davon hygienische und andere Vorteile. Dies bestätigten ein paar Ärzte und ist ganz schön auf dieser Seite zu finden. So wird dort folgend zitiert

C.F. McDonald stellt in einem 1958 veröffentlichten Papier mit dem Titel Circumcision of the Female[11] fest: “Wenn der Mann die Beschneidung für Reinheit und Hygiene benötigt, warum nicht die Frau? Ich habe vielleicht 40 Patienten operiert, die diese Behandlung nötig hatten.” Der Autor sagte, es heile „Irritationen, Juckreiz, Erregbarkeit, Masturbation, Häufigkeit und Dringlichkeit“, und Smegmaliths, die “Dyspareunia und Frigidität” verursachen.

Vaginale Verstümmelung- ein Brauch der ungebildeten Schicht

Die extremen Formen der Beschneidung (Typ 2-4) werden trauriger weise noch zu häufig durchgeführt- gerade in den ländlicheren Gegenden. Vereinzelt sogar auch noch in den Städten, wobei dort meißtens nur die harmlose Form praktiziert wird. Die Mütter, die trotz etwas Bildung diese Schandtat an ihren Töchtern durchführen, kennen es wohl selber nicht ander, kommen also aus ländlichen Gegenden. Für sie gehöre es eben zum Frau sein dazu. Vielleicht haben sie auch Angst davor, die Mädchen könnten im Pupertätsalter zu schnell „flügge“ werden, wenn sie so viel Gefühle für das andere Geschlecht haben. Da gibt es natürlich „bessere“ Methoden, dass die Mädchen nicht schon soviel mit Jungs abhängen: zum Beispiel den Iman (Glauben) mit nutzvollem, liebevoll beigebrachten Wissen zu stärken und sie so moralisch zu stärken.

Undifferenzierte Berichterstattung

Laut internationalen Studien sind wohl 98% von Genitalverstümmelung betroffen, wie auf Seiten wie hier zu lesen sind. Bei solchen Studien wird aber meißtens nicht zwischen den verschiedenen Arten der Beschneidung differenziert. Wenn man das tun würde, käme man sicher auf ein komplett anderes Ergebnis.

Der Trend geht nämlich eher dahin, dass die Leute aufgeklärt werden und zumindest die extremen Formen der Beschneidung unterlassen: sie wissen um die Risiken und Nachteile, die es für die Mädchen hat und dass es selbst islamisch gesehen nicht erlaubt ist. Zudem wird es von den jüngeren Männern auch eher vermieden, eine „beschnittene“ zu heiraten . Dass sie größtenteils die harmlose Sunna- Beschneidung praktizieren, kann man ihnen nicht vorwerfen, da diese Art ungefährlich ist.

Wüstenblume1

3. Begrenzter Zugang zur Bildung und medizinische Versorgung

Auf die medizinische Versorgung bin ich ja schon eingegangen. Natürlich gibt es in 10- Seelen- Dörfern kein Krankenhaus. Jedoch in den Städten Gott sei Dank schon. Vielleicht gibt es hier auch keine Osteopathen oder Physiotherapeuten, jedoch die Grundversorgung ist gewährleistet alhamduliLlah.

Zu dem Thema Bildung muss ich ebenfalls auf die Differenzierung hinweisen. Leider ist es schon so, dass ein Großteil der Kinder keinen Zugang zur Bildung hat. Das liegt aber daran, dass sie in Dörfern oder komplett auf dem Land wohnen. In den Städten widerum ist es nicht der Fall. Dort gibt es eine große Auswahl an Schulen, die entweder Englisch- oder Arabisch-Somalisch geführt werden. Ich habe selber nicht erwartet, dass hier wirklich die Mehrheit der Kinder zur Schule gehen, selbst die Mädchen! Bloß die Bauernfamilien, Kinder aus Nomadenfamilien und aus Flüchtlingslagern haben leider nicht die Gelegenheit richtige Schulen zu besuchen. Oftmals besuchen diese einfach Qur´an- Schulen, in denen sie Arabisch schreiben und lesen lernen, um den Qur´an selbstständig lesen zu können.

20161119_171718.jpg
Schulmädchen auf dem Weg von/zur Schule

4. Wirtschaftliche Faktoren

Die letzte Gefahr für Frauen stellt laut Spiegel Online die Armut dar. Das kann man wohl nicht abstreiten, wobei es in anderen Ländern, in denen es solche Flüchtlingslager gibt, sicher ähnlich ist.

Inwieweit stellt die Armut jedoch eine Gefahrenquelle dar? Das wird in dem doch recht oberflächlich gehaltenen Bericht nicht erwähnt. Aber man kann sich vorstellen, dass mit wenig Wasserreserven auch die Hygiene leidet und es zu mehr Krankheiten kommt, wie Cholera, welche dann auch tödlich enden können, sofern sie nicht sofort behandelt werden. Dies ist aber nicht nur für Frauen gefährlich, sondern für alle unter Armut leidenden Menschen.

Flüchtlingslager
Eins der vielen Flüchtlingslager

In Somalia gibt es auch ein paar Organisationen, die Vergewaltigungsopfern helfen möchten und sie finanziell unterstützen. Das wird leider von einigen ausgenutzt, indem sie sich als Opfer darstellen, nur um ihr Überleben zu finanzieren.

Eine bemerkenswerte Geschichte, die mir kürzlich erzählt wurde:

Ein Mann ging zu einer dieser Organisationen, die Vergewaltigungs-Opfern helfen. Was auch immer er dort machen wollte, ist nicht klar und tut nichts zur Sache. Jedenfalls sah er auf einmal die Frau seines Freundes dort! Voller Scham schaute er auf den Boden. Sobald er draußen war, rief er seinen Freund an und bekundete sein Beileid. „Wie, was ist passiert?“ fragte der ganz außer sich. Als er erfuhr, wo seine Frau gesehen worden war, ließ er seine Arbeit stehen und fuhr sofort nach Hause. Seine Frau wartete schon auf ihn. Etwas aufgebracht fragte er sie, was passiert sei, und warum sie ihm nichts erzählt hatte. Seine Frau musste lachen und sagte: „Weißt du denn nicht, dass meine ganze Nachbarinnen dort hin gehen, um etwas dazu zu verdienen!??“

Traurig aber wahr, wird solche Hilfe eben leider auch ausgenutzt und so ensteht für außenstehende und Organisations-Mitarbeiter ein falsches Bild von der Zahl der Vergewaltigungs- Opfer. Aber wenn man ums tägliche Überleben kämpfen muss, ist das irgendwie noch verständlich, dass sie solche Angebote für ihre Zwecke (aus-) nutzen.

Fazit

Ich möchte mit diesem Beitrag auf gar keinen Fall bestehende Gefahren für Frauen in Somalia bestreiten oder gar verharmlosen. Dennoch bin ich es Leid, dass Somalia immer so extrem einseitig dargestellt wird- als ob eine Frau hier kein normales Leben führen kann! Anhand solcher Studien, die ihren Umlauf in die ganze Welt machen, werden solche undifferenzierten Daten freigesetzt, welche der Weltbevölkerung ein dementsprechendes Bild in ihren Köpfen verankert.

Ja, es gibt Vergewaltigungen, Verstümmelungen, begrenzte Schulbildung und andere Nachteile durch Armut in diesem Land, leider. Und es gibt diesbezüglich noch viel zu tun, benötigt noch viel mehr Aufklärung und Unterstützung.

Wenn man jedoch andere Länder genauer unter die Lupe nimmt, sieht es da längst nicht (viel) besser aus. In Südafrika zum Beispiel werden ab Sonnenuntergang die Bürgersteige hoch geklappt, aus Angst vor den ganzen Überfällen etc.

Was bestimmt noch nirgends erwähnt wurde: Frauen in Somalia haben sogar im hohen Alter das Recht, dass ihre Kinder für sie sorgen, und sich bestens um sie kümmern! Sie werden nicht wie (meißtens) im Westen in Altersheime gesteckt- nein, vielmehr sind sie die Queens in der Familie, auf deren Ratschlag jeder hört!

Ich hoffe, ich konnte euch ein etwas differenzierteres Bild über die Situation für Frauen hier in Somalia aufzeigen.

Möge Allah alle Menschen und besonders Frauen vor allen Übeln beschützen und ihnen ihre jeweilige Situation erleichtern, amiin.

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

ä

Gedanken Fieber

Diesmal geht es mal wieder etwas persönlicher zu, denn all meine Gedanken überrollen mich geradezu und bringen nichts als eine schlaflose Nacht. Ich weiß noch nicht, ob ich diesen Artikel überhaupt veröffentlichen werde, jedoch schreibe ich einfach mal drauf los. Vielleicht haben sich meine Gedanken von selber wieder gesammelt, bis der Adhan zum Morgengebet ertönt und ich spätestens nach Verrichtung desselben in die schönsten Träume verfallen werde.

Dabei meinte ich vorhin noch zu meinen Mitmenschen, ich sei sowas von knocked out. Was ist also der Grund für diese schlaflose Nacht?

Grund mag das rasante Tempo sein, in dem sich in letzter Zeit Dinge in meinem Leben begeben. Der Start dieses Blogs war erst der Anfang einer neuen Ära, eines neuen Lebensabschnittes für mich. Kurz darauf kam ich auch durch Fügung auf mein Coaching und die Frage, was will ich wirklich in meinem Leben, was kann ich und was ist meine Passion? Dadurch wurde nicht nur ein Stein, sondern gleich eine ganze Lawine ins Rollen gebracht!!!

Doch das Ergebnis ist noch zu zart, als dass ich darüber öffentlich schreiben möchte- wie eine junge Pflanze, die noch gehegt und gepflegt werden muss, um zu seiner vollen Blüte gelangen zu können, sobald die Zeit dafür reif ist (in shaa Allah). Nur soviel schon mal: ihr dürft gespannt sein auf einige tolle Projekte!

Ein weiterer Grund mag meine bevorstehende Reise nach Deutschland sein. Wenn es doch möglich wäre, einfach ins Flugzeug zu steigen und in Frankfurt wieder raus! Aber nein, wir leben ja nicht umsonst in Afrika. Wo bleibt denn da das Adventure bitte!? Also muss es noch spannend bis zur letzten Sekunde bleiben, wann, wie und ob man überhaupt in den nächsten drei/dreizehn/dreißig Tagen verreisen wird! Auf jedenfall sollte man innerlich auf ALLES gefasst sein!

Zugegeben, es ist nicht einfach, eine Reise für 15 Personen zu planen. Ja, 15, da wir erst einmal zusammen die gleiche Destination haben: Äthiopien. Der Weg dorthin ist auch nicht ganz ohne- es wird sogar gemunkelt, dass die Grenze zwischen Puntland und Somaliland innerhalb der nächsten Woche gesperrt wird. Selbst der ohnehin überteuerte Flugweg wäre dann geschlossen, da es hier um Krieg geht. Krieg zwischen Soldaten gleicher Herkunft. Oder besser gesagt,Krieg zwischen Marionetten von Öl- gierigen Politikern. Sorry, das musste jetzt mal gesagt werden!

Wenn es dann plötzlich heißt, „übermorgen geht´s los!“ kann das alles heißen. Es kann heißen, das man sich total abstreßt um noch alles Notwendige zu packen und zu erledigen. Es kann aber auch heißen, dass doch irgendetwas dazwischen kommt, und man langsam wieder anfängt, auszupacken. Alles so ein Hin und Her. Wie schön ist doch manchmal der Deutsche Planungs-Drang/Zwang, welchen einen eine Reise spätestens ein halbes Jahr vorher planen lässt, und die Koffer beinahe die gleiche Zeit für einen bereit stehen!! Das, worüber ich mich gestern noch lustig machte, vermisse ich doch gerade erheblich!

 

Dann gibt es noch die letzten Dinge, an die man denken muss: wer wird die kranke Nachbarin zu ihrer Therapie bringen? Wird die Zwischenmieterin auch Sorge um die Haustiere tragen? Wohin mit den ganzen Sachen, die ich nicht mitnehmen werde? Wohin mit dem nötigen Geld- bar oder auf welche Bank? Was ist jetzt wirklich noch wichtig, eben schnell schneidern zu lassen bzw.einzukaufen? Eine To-Do Liste muss schleunigst her!

Gleichzeitig schwingt auch die Vorfreude innerlich schon mit. Vorfreude auf meine Eltern, auf meine Freunde, auf die leckeren Sachen und die vielseitigen Dinge, die ich mit meinen Kindern vorhabe zu tun. Wann geht es also endlich los?

Geduld war noch nie so meine Stärke, wenn es darum geht, Sachen zu verschieben. Andererseits ist alles, was kommt, schon von unserem Schöpfer vorbestimmt und aufgeschrieben worden. Warum sich also unnötig verrückt machen?!?

Persönlich4

Tatsächlich ertönt soeben der Adhan. Gott sei Dank werde ich wenigstens das Morgengebet nicht verpassen. Schließt uns einfach in eurer Bittgebete ein und hoffen wir mal auf das Beste!

Persönlich3

P.S.: Eine Frage, die ich mir gerade auch stellte ist, wie es mit dem Blog hier weitergehen soll. Soll euch weiterhin berichten, obwohl wir ein paar Monate in Deutschland verbringen werden? Kaum geschrieben, schon schießen mir die ersten Beitragsideen in den Kopf. Ich denke, ohne diesen Blog geht nichts mehr 😀

 

Seid lieb gegrüßt,

Eure Khalisa

2.Part Eid: Our Trip to the Nature

Now it’s almost too late for an Eid report, but I don’t want to withhold from you the second part of our Eid day and share it as promised. This time it will simply be pictures with some explanation, because I’m in the middle of the preparations for my trip to Germany. Yes, after 3 years I’ll get a taste of the German air again and I’m really looking forward to it!
But now to the second part of our Eid. As you can remember, our mood at lunch time was not the best. However, we decided, for the sake of our children, to make the second part of the day a wonderful Eid day. But where to go? The children wanted to go to excursion destination # 1 in Garow: Dareeyle, which has a waterbed, restaurant and a small playground. They were already packing their bags, because they wanted to splash in the water!
While we were very late with our lunch and it became already Assr- time (afternoon), it occurred to us that Dareeyle is going to be overcrowded. We would find half of Garowe’s people there. So we decided to just pass it and find some water a few meters further on a hopefully lonely place.
My husband gave us his pick-up and 2 soldiers. After all, his car needs protection! Joking-, because he could not come with us, he wanted to know us in safety. My co-sister named Sagal drove the pick-up and I drove the family bus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Buildings on our way

Sagal drove so fast and even passed by dangerously big trucks, so I had no choice but to say ‚Bismillah‘  and follow her. I said to our children, „Hooyo drives like Abe today!“ (Abe = Father, Hooyo = Mother in Somali language). They had fun. The speedometer already showed 80 km / h, which is quite fast for the local road. If you drive faster, you have nothing under control whith the oncoming traffic.

20180615_173813854759023.jpg
Our girls are enjoying the high speed

20180620_175711625229094.jpg
After about 2 kilometers, we past the Dareeyle at a rapid pace. Shortly after, we came to the city border – 2 blue towers symbolizing the end of the city.

20180620_180429928505123.jpg
End of our city Garowe

We slowed down a bit. Where to go to? Sagal suddenly turned right, just into the wild nature. Groaning and nagging from the children side – what do we want here? Where is the water here? In fact, there were only bushes and sandy soil!
So we drove back, and at the first possibility we turned to the other side and drove towards green trees. There should be some water to splash! Finally we arrived at a riverbed. Everybody out! Okay, admittedly the riverbed was almost dry, but better than nothing!
On the other hand, it was beautiful green, which is something special here. So we all went over.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
20180616_2130521892494469.jpg
Our soldiers talked to the man who apparently worked there. Then he opened a kind of gate and welcomed us.
20180616_2131241655722534.jpg

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Watch out Baby!

I gave our big daughter my camera, while I wanted to take pictures with my phone. It takes away the pressure to catch every good moment by yourself!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Taking pictures from each other 😀

The man answered us to all our questions. We saw date trees, lemon trees and „Raqey“, Tamarind trees. Tamarind is very popular in the Somali cuisine, because it has a spicy, slightly sour taste. Once you google it, you’ll discover how healthy the stuff is!

20180616_0116171688260061.jpg
Tamarind Tree

20180616_21332972302372.jpg
The gardener or farmer gives us Tamarind to try. This is so pure too sour for me. I love it more as a drink: a glass of water, tamarind and some sugar and salt in it – mmmmh!
20180616_011417148947416.jpg
We went further until we reached the man‘ s hut – a corrugated iron hut, which offers just enough space to sleep beside some storage space. In front of the hut I see a typical teapot and a cooking pot. What would the gardener cook here? I asked Sagal. She translated directly „My friend would like to know ….“. Sagal !! Do not say that this question comes from me!!! But she already did.
The man seemed to understand a few words of English and was extremely open. He said that he had stashed basic food in his hut, so he cooked for example rice with freshly picked spinach pie. Oha, a forced vegetarian! Joking aside, I was really impressed of this simple way of life. Even on this special day, he lived here alone.

20180615_164552820203512.jpg
Q&A- Session with the farmer

20180616_011158740654182.jpg
The farmer’s cooking place

He also told us that once a snake bit him. He then drank a lot of lemon juice and quickly got fit again. Lemons are the best bacteria killers, it is said that they are 10,000 times stronger than chemo therapy!
20180616_2134281015255413.jpg

20180616_213208957559636.jpg
Our helper shows her gatherings: Lemon and Tamarind

Two days later he found the 2 holes where the snake came in and out, and killed it.
He had another horror story to tell: once a woman was bitten at the place. However, since she had her period at that time, the snake died of her bite. Mmh, interesting! Somehow I felt differently now, as I walked through the tall grass.
So I better changed the topic: „Are the lemons here biological or are they injected?“ Is my next question. He takes a hand full of white powder out of his hut and says if he puts it in the ground, the lemon trees would grow up within 3 days. In addition, the trees are sprayed with anti-insect spray. Oh no! So these are the lemons, which we put after a single wash into the blender and make it to so delicious lemon juice! And that every day!! Hopefully the vitamin C is stronger than the pesticides…

20180615_1643071103004324.jpg
The growth manipulating powder

Now he showed us date trees, but the fruits were not yet ripe.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

20180616_0109541261261987.jpg
Baby- Dates

The farmer also wanted to show us some spinach somewhere. However, we got the feeling, that this was enough and we said goodbye. Our soldiers and our sons had diluted unnoticed, so we were just women and girls only, trusting a stranger. We thanked him warmly and wanted to leave. Before that, he also came up with a question that certainly kept him busy the whole time. He asked Sagal: „Is she your friend?“ With „she“ he meant me. Then she unsparingly told him the truth: „No, we both are married to the same man!“. We then set off on the way. He followed us to the gate and asked one of our helpers if it would rep;ally be true what he had just heard. That certainly gave him some thoughts for the next few weeks, in his simple life  He looked behind us for quite some time.
By the way, all  these green is watered by water from a small pump. since the place is situated beside the river bed, he groundwater is within easy reach, so they only needed to dig a bigger hole and insert the pump hose.

20180616_2129181383621330.jpg
The small water pump

After walking back across the dry riverbed and up the the hill, we made ourselves comfortable on our typical Somali rug („Dirrin“) and ate our biscuits and Somali Halwa. Where was the big bucket full of salty pastries for which we had bought extra ketch-up? Oh no, did we really forget that?
Anyway, it was so relaxed, except for the sand that blew in your eyes. In nature, the good mood automatically came back , alhamduliLlah, so we were joking and talking, while the small ones played around.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Picknick in the nature

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
There is no better playing ground than the nature itself!

Then it was already becoming dusky and we drove home. Our kids had a wonderful trip, alhamduliLlah.
I hope you also had a nice Eid day and for my non-Muslim readers that they got a small impression of a special day in Somalia 🙂
20180616_0107001530200548.jpg
Best regards,
Your Khalisa
PS: At this place I want to thank my sister in Islam and good friend Anett Bensmann, who always helps me with translating my german articles! Even our English isn’t perfect, we try our best in order that our English speaking readers get opportunity to get some impressions of my life in Somalia. It safes  me a lot of time and energy, when I only have to correct and put pictures in, alhamduliLlah. May Allah reward her tremendously!

2. Teil Eid: Unser Ausflug ins Grüne

Jetzt ist es beinahe schon zu spät für einen Eid-Bericht, jedoch möchte ich euch den 2.Teil unseres Eid-Tages nicht vorenthalten und wie versprochen mit euch teilen. Diesmal wird es einfach Bilder geben mit etwas Erklärung dazu, denn ich bin mitten in den Vorbereitungen meiner Deutschland Reise. Ja, richtig gehört, ich werde nach 3 Jahren wieder etwas Deutsche Luft schnuppern und freue mich schon unheimlich darauf!

Nun aber zu dem 2. Teil unseres Eids. Wie ihr euch erinnern könnt, war bei uns Erwachsenen in der Mittagszeit etwas die Luft raus und die Stimmung mies. Dann entschieden wir uns jedoch, unseren Kindern zuliebe den 2.Teil des Tages auch zu einem wunderschönen Eid Tag zu machen. Aber wohin bloß? Die Kinder wollten gerne zum Ausflugsziel Nr.1, Dareeyle, welches ein Wasserbett hat und einen kleinen Spielplatz hat. Sie packten schon ihre Wechselsachen, denn sie wollten auf jedenfall im Wasser planschen!

Während wir sehr spät dran waren mit unserem Mittagessen und es schon Assr (Nachmittag) wurde, fiel uns ein, dass Dareeyle viel zu voll sein wird. Wir würden halb Garowe dort antreffen. Also entschieden wir uns, einfach daran vorbei zu fahren und ein paar Meter weiter an eine hoffentlich einsame Stelle auch etwas Wasser vorzufinden.

Mein Mann gab uns seinen Pick-up und 2 Soldaten zur Verfügung. Schließlich braucht sein Auto ja Schutz! Scherz- da er nicht mit uns kommen konnte, wollte er uns in Sicherheit wissen. Meine Co-Schwester names Sagal fuhr den Pick-Up und ich den Familienbus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Schickes Gebäude auf unserem Weg

Sie fuhr so rasant und überholte sogar gefährlich große Lastwagen, da blieb mir nichts anderes übrig, als Bismillah zu sagen und hinterher. Ich sagte zu unseren Kindern: „Hooyo fährt heute wie Aabe!“ Aber die hatten ihren Spaß. Das Tacho zeigte schon auf 80 Kmh, was für hiesige Landstraße recht schnell ist. Fährt man schneller, hat man nichts mehr unter Kontrolle, wenn Gegenverkehr kommt.

20180620_175711625229094.jpg

Nach ca. 2 Kilometern fuhren wir im rasanten Tempo an der Dareeyle vorbei. Kurz darauf kamen wir schon an die Stadtgrenze- 2 blaue Türme, die das Ende der Stadt symbolisieren.

20180620_180429928505123.jpg
Das Ende der Stadt Garowe

Wir wurden etwas langsamer. Wohin? Sagal bog auf einmal nach rechts ab, einfach in die wilde Natur. Grölen und Nörgeln seitens der Kinder- was wollen wir denn hier? Wo ist denn hier Wasser? Tatsächlich gab es dort nur Büsche und sandigen Boden!

Also fuhren wir wieder zurück, und bei der erstbesten Möglichkeit bogen wir links ab und fuhren auf grüne Bäume zu. Da müsste es doch etwas Wasser zum planschen geben! Schließlich kamen wir an ein Flußbett an. Alle raus! Okay, zugegebenermaßen war das Flußbett beinahe trocken. Aber besser als nichts!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Es gibt nichts Schöneres als in der Natur zu sein!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wir überqueren das trockene Flussbett.

20180616_2130521892494469.jpg
Schnell hinterher! Mein Sohn wird von seinem Bruder nachgebracht.

Auf der anderen Seite war es wunderschön grün, was hier echt etwas besonderes ist. Also gingen wir alle rüber. Unsere Soldaten sprachen mit dem Mann, der dort anscheinend arbeitete. Daraufhin öffnete er eine Art Tor und hieß uns Willkommen.

20180616_2131241655722534.jpg

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ups, schön aufpassen!

Ich gab unserer großen Tochter meine Kamera, während ich selber mit meinem Handy Photos machen wollte. Das nimmt einem den Druck, jeden guten Moment einfangen zu müssen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wir fotografieren uns gegenseitig 😀

Der Mann stand uns Rede und Antwort zu all unseren Fragen. Zu sehen bekamen wir Dattelbäume, Zitronenbäume und „Raqey“, Tamarind-Bäume. Tamarind ist in der Somalischen Küche sehr beliebt, da es einen würzigen, leicht säuerlichen Geschmack hat. Wenn ihr es einmal danach googlet, werdet ihr entdecken, wie gesund das Zeug ist!

20180616_0116171688260061.jpg
Tamarind Baum

20180616_21332972302372.jpg

 

 

20180616_011417148947416.jpg

Der Gärtner oder Bauer gibt uns Tamarind zum probieren. Mir ist das so pur viel zu sauer. Ich liebe es eher als Getränk: Ein Glas Wasser, Tamarind und etwas Zucker und Salz dazu- mmmmh!

Weiter ging es zu seiner Hütte- eine Wellblechhütte, die gerade genug Platz zum schlafen und etwas Verstauraum bietet. Vor der Hütte sehe ich eine typische Teekanne und einen Topf. Was der Gärtner wohl hier kochen würde? Frage ich Sagal. Diese übersetzt direkt „Meine Freundin möchte wissen….“. Sagal!! Sag doch nicht, das diese Frage von mir kommt!!! Aber schon geschehen. Der Mann schien sogar ein paar Wörter Englisch zu verstehen und war ausgesprochen offen. Er sagte, dass er in seiner Hütte Grundnahrungsmittel verstaut hätte und dann Reis mit z.B. frisch vom Beet gepflückten Spinat essen würde. Oha, ein Zwangs-Vegetarier! Scherz beiseite, ich war wirklich beeindruckt von dieser einfachen Lebensweise. Selbst an diesem besonderen Tag lebte er hier ganz allein.

20180615_164552820203512.jpg
Der Bauer vor seiner Hütte gibt uns Rede und Antwort.

20180616_011158740654182.jpg
Die Kochstelle

Er erzählte uns auch, dass ihn einmal eine Schlange biss. Darauf hin trank er ganz viel Zitronensaft und wurde ganz schnell wieder fit. Zitronen sind nämlich die besten Bakterienkiller, sollen sogar 10.000 mal stärker wirken als die Chemotherapie!

20180616_2134281015255413.jpg

20180616_213208957559636.jpg
Unsere Helferin mit Zitrone und  Tamarind

Zwei Tage später fand er dann die 2 Löcher, in der die Schlange rein und raus schlich, und tötete sie.

Er hatte noch eine andere Gruselgeschichte auf Lager: einmal wurde an dem Ort eine Frau gebissen. Da sie zu der Zeit jedoch ihre Periode hatte, starb die Schlange an ihrem Biss. Mmh, interessant! Irgendwie wurde mir jetzt anders zumute, als ich so durch´s hohe Gras lief.

Also besser Themawechsel: „Sind die Zitronen hier denn biologisch oder werden sie gespritzt?“ ist meine nächste Frage. Er holt ein weißes Pulver aus seiner Hütte heraus und meint, wenn er das in die Erde gibt, würden die Zitronenbäume innerhalb 3 Tagen hoch wachsen. Zudem werden die Bäume mit Anti-Insektenspray besprüht. Na toll! Das sind also die Zitronen, die wir nach einmaligem Waschen mitsamt Schale in den Mixer schmeißen und daraus so leckeren Zitronen-Saft machen! Und das jeden Tag!! Hoffentlich ist das Vitamin C stärker als die Pestizide…

20180615_1643071103004324.jpg
Pulver, welches die Bäume zum wachsen bringt.

Nun zeigte er uns noch einen Dattelbaum, deren Früchte jedoch noch nicht reif waren.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Baby-Datteln

20180616_0109541261261987.jpg

Außerdem wollte er uns irgendwo weiter weg noch Spinat zeigen. Jedoch wurde uns das etwas ungeheuer und wir verabschiedeten uns lieber. Unsere Soldaten mitsamt unseren Söhnen hatten sich nämlich unbemerkt verdünisiert, wir waren also nur Frauen und Mädels. Wir bedankten uns freundlich bei ihm und wollten gehen. Da kam er auch noch mit einer Frage heraus, die ihn sicherlich die ganze Zeit beschäftigte. Er fragte Sagal: „Ist sie deine Freundin?“ Mit „sie“ meinte er mich. Da sagte sie ihm schonungslos die Wahrheit: „Nein, wir haben beide den gleichen Mann!“. Damit machten wir uns dann auf den Weg. Er folgte uns noch bis zum Tor und fragte eine unserer Helferin, ob das wirklich stimmen würde, was er soeben gehört hatte. Das gab ihm sicher Denkstoff für die nächsten Jahre, in seinem einfachen Leben 😀 Er schaute uns noch eine ganze Weile hinterher.

Übrigens wird dort das Wasser mit einer kleinen Pumpe hervorgeholt. Durch das Flußbett ist das Grundwasser in gut erreichbarer Nähe, daher brauchten sie nur ein etwas größeres Loch buddeln und den Schlauch der Pumpe einführen.

20180616_2129181383621330.jpg
Die kleine Wasserpumpe

Nachdem wir über das trockene Flußbett drüber und das andere Ufer hinauf liefen, machten wir es uns auf unserem typisch Somalischen Flecht-Teppich gemütlich und aßen unsere mitgebrachten Kekse und Somalische Halwa. Wo war eigentlich der große Eimer voller salzigem Gebäck für das wir extra Ketch-up gekauft hatten? Oh nein, hatten wir das tatsächlich vergessen?

Egal, es war auch so schön relaxed, bis auf den Sand, der einem in die Augen wehte. In der Natur kam uns die gute Laune wieder zurück, alhamduliLlah, und wir scherzten herum.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Picknick in der Natur

Dann wurde es schon dämmerig und wir fuhren nach Hause. Unsere Kinder hatten doch noch einen wunderschönen Ausflug erlebt, alhamduliLlah.

Ich hoffe, ihr hattet auch einen schönen Eid-Tag und für meine nicht-Muslimischen Leser, dass sie einen kleinen Eindruck bekommen haben von einem besonderen Tag in Somalia 🙂

20180616_0107001530200548.jpg

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

My Eid in Somalia

In this article, I want to show you what an Eid looks like in Somalia. As you probably know, Muslims have two huge festivals (just like Christians do have Christmas and Easter) – the first of the year is Eid-ul Fitr, the festival of fast-breaking. It takes place at the end of Ramadan and is determined by the moon sighting. Since the Islamic calendar is based on the moon, the annual dates always shift by about 10 days.

Where is the moon?

On the potentially last day of Ramadan, the big question is, „Is tomorrow Eid or will we have to fast one more day?“. Everyone is looking for the crescent moon. I help Shakila, our helper, on our roof. With her typical lightness, she whizzes up the ladder, in order to find out disappointed: no moon in sight!
So we wait and occasionally look into the phone. I’m the first to discover a message from Islam-study on WhatsApp: Yes, the moon was spotted in Saudi Arabia, the Emirates and Australia, so tomorrow is the big celebration!!! Everyone jumps and cheers for joy, hugging each other.
However, so far we seem to be the only ones who knew about it. In the mosques the call for the night prayer sounds, without any further messages. Uncertainty begins. This year’s hunt for eid is particularly exciting! Even Tarawih is prayed. Mmm. Let me call my husband and ask him if he can call his friends in Australia. 5 minutes later comes the answer by itself: Allahu akbar, Allahu akbar, La illaha illa Llaaah! Allahu akbar Allahu akbar, wa liLlahi-l hamd! It sounds out of the mosques. These sentences are sung over and over, again and again. Horray, the joy is great! Our helpers, who come from farmer families from the South and are still very African-traditional influenced, begin drumming on empty oil canisters. In addition, the children dance with joy and sing something suitable. Here is a little insight.😀

Since the Islamic day already begins from the evening, Eid has actually started. Only the „right“ / official Eid is tomorrow, after the Eid prayer.

Last preparations at full speed

I want to fulfill our 11-years old daughter’s dream and want to make  a chocolate cake with her. She is the one who also decorates the living room with balloons and sweets until late at night. Anyway, right now we still need cocoa for the cake! So we go to the nearby supermarket. There’s a special atmosphere as everybody rushes to finish the last of their errands and are encouraged by Eid nasheeds (songs). We are unable to find the cocoa, but we got popcorn bags like the ones6 from the cinemas. And of course – a portion of ice cream should not be missed.😉
During that time, my co-wife drives one last time to the city to finish off last errands. She takes all the other kids, who also get the pleasure of an ice cream. Thankfully, she even finds a ready-made Choclate-cake mix. That‘ s even better! The city is so crowded that you can hardly move forward.
While we are all outside in the Supermarkets, surprisingly, we get a little extra money, which I want to spend on an Abaya. Our plan is to go back to the city after baking the cake and bringing the children to bed. The only problem: my little daughter realizes that I want to leave again, and neither she falls asleep, nor does she let me go out of her arms! Thank God, she could not stay awake longer than midnight.
Slightly tired, I go to my co-wife. Surely is it too late now, and are all businesses closed? No, there is still a chance, let’s go! Meanwhile, the city is no longer crowded but full of trash, because everywhere lie the transparent bags from the new clothes. Where will all this rubbish end up?
We go from shop to shop. So much choice, so many colors and glamour! I have never seen such a selection of beautiful (long) party dresses for young and old in Germany. Of course, almost everything here comes from India, therefore they are so colorful and have a kind of Bollywood Style. Okay, but for my part I just wanted a simple Abaya, a dress which I can wear under my hijab. We negotiate the price $ 2 down, and then we can finally go home, but not before we have bought a few small toys for the little ones!
At 1 o’clock in the morning we come back home, beeing very exhausted. Then I realize that my new dress is too short. Oh no!!! Now I cannot exchange it anymore! That means, my old hijab has to be good enough for tomorrow, because I have to bring my dress to the tailor first. Funnily, my new shoes are still with the shoemaker, so there’s nothing new on Eid! The main thing is that the children wear their beautiful clothes and are happy about it.
Now it’s even too late to apply henna. I supposed to do henna for all the girls in our house, but had to postpone it to tomorrow. Right now I manage only to paint my own hands. Thanks to Youtube, I get enough inspiration. And with a podcast in my ear, I do not even notice how the time flies. At 2:30 am I’m falling to bed, half dead. Tomorrow will be a long day, in shaa Allah.
20180617_0741481607978692.png

The Eid morning

Shortly after 5 o’clock in the morning I just manage to pray the morning prayer. I should have fallen asleep earlier last night! While I hear the other kids chattering excitedly, I lie down for a moment. Every minute of additional sleep is valuable. By 6:30 it is really time to prepare the children and myself. According to Islamic tradition (Sunnah) you have to take a quick shower before you go to the Eid prayer. At 7 o’clock the Eid singing sounds already from everywhere. We have to hurry up! We manage to get out of the house at 7:30 and walk quickly to our mosque, which is maximum 5 minutes away from us and already really full!

20180615_0916112005671204.jpg
Arriving at the mosque

The Eid prayer

Thank God we are not too late and can get hold of a place between the people. Before that, we have to get through the line of beggars. By the way, it is a duty for every Muslim or family head to make a donation to the poor, Zakat-ul-Fitr. It is considered as purification and includes food for a whole family. The day before, my husband distributed whole cargoes of food and Eid dresses to the needy, on behalf of his relatives from abroad.

20180615_0916081105606732.jpg
People who are in need are sitting in front of the mosque.

On this day the entire mosque is for the women reserved. When we enter, the imam is calling for donations for orphans and the construction of the mosque. Anyone can transfer his money directly to the account of the mosque with his mobile phone (yes, that’s how modern it is here!). 5 dollars, 20, 100 … in between he makes prayers for the donors.

20180616_2113561329713020.jpg
The Imam collects donations before the Eid prayer.

Finally the prayer starts. Everyone gets up and follows the imam while praying. It is a special prayer unlike any other and is very short. Thank God I still find a place for my prostration in prayer, even though my little girl does not deviate a millimeter from me, sits and stands where I want to place my head.
Then it’s already over. While the imam is still giving a short speech, as it should be, the women are already pouring out, which is a pity. Meanwhile a few relatives welcome us and we wish each other a blessed Eid. Then it’s time to find our shoes again and get out.
20180615_091658756108801.jpg
We wait for the rest of the family and watch the beautifully dressed people. A few more relatives and friends greet us. However, this festival should be different than the previous ones, because this time they do not even come to our home and also my favorite sister-in-law is gone for travel. On one side somehow strange, on the other side a relief… And finally, we are already two families under one roof, so enough people to have fun!

Family photo

After the breakfast is on the fire (meat-potato sauce with bread) and the first sweets have been eaten, it is time to put on clothes for the family photo.
20180616_212429577473305.jpg
Another relative comes over to take some pictures with the sultaan (my husband, in order to show them to her to her family abroad. Meanwhile, my husband has a few other guests to entertain.

Shaytan is free again

After breakfast, the children play with their new toys, balloons and whistles. The first ones are already broken, because China toys are probably intended for single day- usage. In the meantime I put some henna on the girls‘ hands and then have to prepare already lunch. „No time left for nothing“ outside of Ramadan, because  you have to spend more time in the kitchen again!
20180616_1243082072590226.jpg
20180617_0743271882405364.png
Meanwhile, we also realize that the devils are freed from their chains where they were during Ramadan. There is a bad mood among the adults, which the children thank God do not notice.
How we catch ourselves again and make the rest of the day a day of rejoicing, I’ll tell you in the 2nd part, in shaa Allah!
See you soon,
Your Khalisa
PS: Another funny video of my kids. May Allah preserve them!

Mein Eid in Somalia

In diesem Artikel möchte ich euch zeigen, wie ein Eid in Somalia aussieht. Wie ihr wahrscheinlich wisst, haben Muslime zwei riesen Feste (so wie die Christen Weihnachten und Ostern)- das Erste im Jahr ist Eid-ul Fitr, das Fest des Fastenbrechens. Es findet am Ende des Ramadans statt und wird durch die Mond-Sichtung bestimmt. Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, verschieben sich die jährlichen Termine immer um ca. 10 Tage.

Wo ist der Mond?

Am letzten Tag im Ramadan stellt sich die große Frage: „Ist morgen Eid oder müssen wir noch einen weiteren Tag fasten?“. Jeder hält nach der Mondsichel Ausschau. Ich helfe Shakila, unserer Helferin, auf unser Dach rauf. Mit ihrer typischen Leichtigkeit flitzt sie die Leiter hinauf, um dann enttäuscht festzustellen: kein Mond in Sicht!

Also heißt es, warten und gelegentlich ins Handy gucken. Ich bin die erste, die eine Kettennachricht von Islam-study auf Whatsapp entdeckt: Yes, der Mond wurde in Saudi Arabien, den Emiraten und Australien gesichtet, also ist morgen Eiiiiid!!! Alle springen rum und jauchzen vor Freude, umarmen sich.

Allerdings scheinen wir bisher die Einzigen zu sein, die darüber Bescheid wissen. Denn in den Moscheen erklingt sogar der Gebetsruf für´s Nachtgebet, ohne irgendeine weitere Meldung. Unsicherheit beginnt. Dieses Jahr ist es besonders spannend. Dann wird sogar Tarawih gebetet. Mmmh. Ich rufe meinen Mann an, und frage ihn, ob er nicht seine Freunde in Australien und Co. anrufen könne. 5 Minuten später kommt dann die Antwort von allein: Allahu akbr, Allahu akbar, La illaha illla Llaaah! Allahu akbar Allahu akbar, wa liLlahi-l hamd! Tönt es aus den Moscheen. Diese Sätze werden -Fest über immer wieder gesungen. Juhuuu, die Freude ist riesig! Unserer Helfer, welche aus Bauersfamilien aus dem Süden kommen und noch sehr afrikanisch-traditionell angehaucht sind, fangen an, auf leeren Ölkanistern zu trommeln. Dazu tanzen die Kinder vor Freude und singen etwas passendendes dazu. Hier ein kleiner Einblick 😀

Da der islamische Tag bereits ab dem EIntritt des Abends anfängt, haben wir also eigentlich schon Eid. Bloß das „richtige“ Eid ist erst morgen, nach dem Eid-Gebet.

Letzte Vorbereitungen auf Hochtouren

Ich fange an, mit der 11-jährigen Aischa einen Schockoladenkuchen vorzubereiten, den sie sich so sehr gewünscht hat. Sie ist auch diejenige, die bis spät in der Nacht das Wohnzimmer mit Luftballons und Süßigkeiten dekoriert. Bloß brauchen wir noch Kakao für den Kuche! Also gehen wir zum nah gelegenen Supermarkt. Darin geht es schon ziemlich freudig zu: neben Eid- Nasheeds (Liedern) werden die Leute ermutigt, noch die allerletzten Besorgungen zu machen. Den Kakao haben wir nicht gefunden, jedoch Popkorn- Tüten aus Pappa, wie aus den Kinos. Und natürlich- eine Portion Eiscream durfte auch nicht fehlen 😉

Meine Co-Schwester fährt in der Zeit noch ein letztesmal in die Stadt, um letzte Besorgungen zu machen. Okay, das vorletzte mal. Im Gepäck all die anderen Kinder, die auch ins Vergnügen einer Eiscream kommen. Gott sei Dank findet sie sogar eine fertige Schocko-Kuchen Mischung. Umso besser! Die Stadt ist so voll, dass man kaum vorwärts kommt.

Überraschender Weise bekommen wir noch ein bisschen Extra Geld, wovon ich mir eine Abaya kaufen will. Nach dem Kuchen backen und dem Kinder ins Bett bringen, wollen wir also noch einmal los. Problem: meine Kleine Tochter merkt, dass ich nochmal weg möchte, und schläft weder ein, noch lässt sie mich aus ihren Armen weg! Aber länger als bis um Mitternacht konnte sie dann auch nicht wach bleiben.

Leicht ermüdet ging ich zu meiner Co-Schwester. Bestimmt sei es jetzt zu spät, und alle Geschäfte geschlossen? Nein, keineswegs- let´s go! Inzwischen ist die Stadt nicht mehr rappel voll. Dafür voller Müll, denn überall liegen die durchsichtbaren Tüten von den neuen Kleidungsstücken rum. Wahnsinn. Wo das wohl alles landet?

Wir gehen von Geschäft zu Geschäft, und werden beim 3. fündig. So viel Auswahl, so viel Farben und Glamour! So eine Auswahl an wunderschönen Festkleidern für Groß und Klein hab ich in Deutschland nie gesehen. Kommt natürlich alles aus Indien, dementsprechend auch so Farbenfroh und teilweise fast kitschig. Gut, aber ich wollte ja nur eine schlichte Abaya, ein Kleid, welches ich draußen unter dem Hijab anziehen kann. Der Preis wird 2 Dollar herunter gehandelt und dann können wir uns endlich nach Hause begeben. Aber erst, nachdem wir noch ein paar kleine Spielzeuge für die Kleinsten gekauft haben!

Um 1 Uhr nachts kommen wir erschöpft zurück. Dann muss ich enttäuscht feststellen, dass mein neues Kleid zu kurz ist. Na toll, umtauschen geht jetzt nun wirklich nicht mehr! Also muss mein alter Hijab herhalten und mein Kleid erstmal zum Schneider. Witzigerweise sind meine neuen Schuhe auch noch beim Schuster, also nichts da mit neuer Montur an Eid! Aber egal, hauptsache die Kinder tragen ihre wunderschönen Kleider und freuen sich darüber.

Für´s Henna auftragen ist es nun auch zu spät. Ich sollte nämlich alle Mädels in unserem Haus bemalen, verschiebe es jedoch auf morgen. Gerade soeben schaffe ich noch meine eigenen Hände etwas zu bemalen. Dank Youtube kriege ich genug Inspiration. Und mit einem Podcast von Laura Malina Seiler im Ohr, merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht. Um 2:30 falle ich dann halb tot ins Bett. Morgen wird ein langer Tag.

20180617_0741481607978692.png

Der Eid- Morgen

Morgens um kurz nach 5 Uhr schaffe ich es gerade noch, das Morgengebet zu beten. Wär´ ich bloß früher eingeschlafen! Während ich die anderen Kinder schon ganz aufgeregt rumwuseln höre, lege ich mich noch einmal kurz hin. Jede Minute Schlaf ist wertvoll. Dann jedoch ist es um 6:30 höchste Zeit, die Kinder und sich selbst vorzubereiten. Gemäß islamischer Tradition (Sunnah) wird noch schnell geduscht und danach „in Schale“ geschmissen. Um 7 Uhr tönt es von draußen schon überall den Eid-Gesang (s.oben). Ui, jetzt aber schnell! Wir schaffen es erst 7:30 aus dem Haus und laufen schnell zu unserer Moschee, welche maximal 5 Gehminuten von uns entfernt, und schon so richtig voll ist!

Das Eid-Gebet

Gott sei Dank sind wir noch nicht zu spät und können uns zwischen den Leuten noch einen Platz ergattern. Erst einmal müssen wir jedoch an der Schlange von Bettlern hindurch. Bei diesem Eid Fest ist es übrigens Pflicht für jeden Muslim, bzw. jedes Familienoberhaupt, eine Spende für die Armen abzugeben, die Zakat-ul- Fitr. Sie gilt als Läuterung und beinhaltet Grundnahrungsmittel für eine ganze Familie. Mein Mann verteilte am Tag zuvor ganze Ladungen an Lebensmitteln und sogar Eid-Kleidung an die Bedürftigen, auch im Namen seiner Verwandten aus dem Ausland.

20180615_0916081105606732.jpg
Vor der Moschee versammeln sich eine Reihe an Bedürftigen.

Die gesamte Moschee wurde eigens für die Frauen frei geräumt. Der Imam ruft noch fleißig zum Spenden auf, Spenden für Waisenkinder und den Moscheebau. Jeder kann mit seinem Handy direkt auf den Account der Moschee überweisen (ja, so modern geht es hier zu!). 5 Dollar, 20, 100…dazwischen macht er Bittgebete für die Spender.

20180616_2113561329713020.jpg
Der Imam sammelt Spenden vor dem Eid-Gebet.

Schließlich geht es los. Alle stehen auf und folgen dem Imam beim Gebet. Es ist ein spezielles Gebet, anders als alle anderen, und ist sehr kurz. Gott sei Dank finde ich noch einen Platz für meine Niederwerfung im Gebet. Denn meine Kleine weicht keinen Millimeter von mir, sitzt und steht also dort, wo ich meinen Kopf platzieren wollte.

Dann ist es auch schon vorbei. Während der Imam noch eine kurze Ansprache hält, wie es sich gehört, strömen die Frauen schon raus, schade eigentlich. Ein paar Verwandte begrüßen uns derweil und wir wünschen uns ein gesegnetes Fest. Dann heißt es, Schuhe wieder finden und raus.

20180615_091658756108801.jpg

Wir warten noch auf den Rest der Familie und beobachten die  wunderschön angezogenen Menschen. Ein paar weitere Verwandte begrüßen uns noch. Jedoch sollte dieses Fest anders als die vorherigen sein, denn diesmal kommen sie gar nicht zu uns nach Hause und meine Lieblings-Schwägerin ist verreist. Auf einer Seite etwas merkwürdig, auf der anderen Seite eine Erleichterung, da wir sonst auch nicht mehr so eng sind. Und schließlich sind wir ja auch schon 2 Familien unter einem Dach, also genug Leute, um Spaß zu haben!

Familienfoto

Nachdem das Frühstück auf dem Feuer ist (Fleisch-Kartoffelsoße mit Brot) und die ersten Süßigkeiten verschlemmt, heißt es, noch einmal Kleider anziehen für´s Familienfoto.

20180616_212429577473305.jpg

Auch eine andere Verwandte kommt vorbei, um Fotos mit dem Sultaan (mein Mann) zu machen, um sie ihrer Familie im Ausland zu zeigen. Mein Mann hat währenddessen noch ein paar andere Gäste zu unterhalten.

Shaytan ist wieder frei

Nach dem Frühstück spielen die Kinder mit ihren neuen Spielsachen, Ballons und Tröten. Die ersten gehen schon kaputt, den China-Spielzeuge sind wohl für Einmalgebrauch gedacht. Ich male in der Zeit noch den Mädels etwas Henna auf die Hände und muss dann auch schon Mittagessen vorbereiten. Keine Zeit für nichts mehr außerhalb des Ramadans, wo man wieder so oft in der Küche steht!

20180616_1243082072590226.jpg

20180617_0743271882405364.png

Derweil merken wir auch, das die Teufel wieder aus ihren Ketten sind, in denen sie während des Ramadans lagen. Es gibt etwas miese Stimmung unter den Erwachsenen, von denen die Kinder Gott sei Dank nichts mitkriegen.

Wie wir uns wieder einfangen und den Rest des Tages zu einem Freudentag machen, erzähle ich euch im 2.Teil, in shaa Allah!

Bis ganz bald in shaa Allah,

Eure Khalisa

PS: Noch ein lustiges Video von meinen Kindern obendrauf 🙂 Allahumma baarik, möge Allah sie segnen!

 

 

Mein Tarawih-Gebet in Somalia

Eine der schönesten Dinge im Ramadan ist das Tarawih-Gebet, welches nach dem letzten Gebet des Tages, dem Nacht-Gebet, vorzugsweise in der Gemeinschaft vollzogen wird. Tarawih ist die Plural Form von „Erholung“, „Erquickung“ oder auch „Pause“. Es bezieht sich auf die Pausen, die zwischen den jeweiligen Gebetseinheiten gemacht werden, um Raum zum Gedenken und eigene Bittgebete zu schaffen und sich zu erholen.

Das Tarawih-Gebet ist keine Verpflichtung, es ist allerdings eine empfohlene Handlung, welche dem Beispiel des Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) folgt. Dieser wiederholte und rezitierte den gesamten Koran im Monat Ramadan, mit Anweisung des Engel Gabriels. Dementsprechen wird auch in der Moschee jeden Abend ein Teil des Kprans gelesen, bis man am letzten Abend den letzten Teil vollendet hat.

Tarawih casablanca
Tarawih-Gebet in Casablanca, Marokko. So viele Betende passsen garnicht in die Moschee!

Besonderheit des Tarawih

Wofür macht ein Muslim dieses Gebet? In der Hoffnung, dass ihm seine vorherigen Sünden vergeben werden, aber auch, um seinem Schöpfer innerlich näher zu kommen, seinen Glauben zu stärken. So versprach uns unser Prophet Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm):

 „Wer im Ramadan nachts betet, aus reinem Glauben heraus und in der Hoffnung auf Belohnung, dessen vorherige Sünden werden vergeben.“ (Al-Bukhari, 37; Muslim, 759)

Zudem wird demjenigen, der dieses Gebet hinter dem Imam [Vorbeter] bis zum Ende betet, eine Nacht voller Gebete gutgeschrieben (s. Abu Dawud 1375, u.a.)- obwohl man nur ca.1 Stunde gebetet hat!

Wo bleiben die Frauen???

Diese Frage stellt sich jetzt sicher so mancher. Denn Frauen, die werden im Islam doch unterdrückt und dürfen nicht aus ihren Häusern raus!

Wer die Vorurteile einmal beiseite legt, wird allerdings eines besseren belehrt: Der Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) selbst sagte nämlich:

„Haltet eure Frauen nicht davon ab, in die Moscheen zu gehen, obwohl ihre Häuser besser für sie sind.“ (Abu Dawūd (#567), von al-Albāni #515 als sahīh eingestuft)

Mit diesem Befehl wird den muslimischen Macho-Männern also verboten, ihren Frauen den Besuch der Moschee zu verwehren (Entschuldigt bitte diese leichte Ironie, benutze lediglich die Sprache der Vorurteils- Besessenen 😉 ).

Tarawih Frauen

In manchen Kulturen ist es trotzdem nicht üblich, dass die Frauen in die Moscheen gehen, dementsprechend gibt es in manchen Moscheen noch nicht einmal einen Frauenbereich. Betonung hier liegt jedoch auf Kulturen– und diese sind nicht immer Islam-kompatibel (wenn das bloß die Bild- und andere Leser verstehen würden).

Frauen haben sogar einen Vorteil gegenüber den Männern: sie müssen sich nicht neben ihren ganzen Pflichten im Haushalt und der Kindererziehung noch zusätzlich 5 mal am Tag in die Moschee zum Beten begeben. Das wäre ja ein reinster Marathonlauf für sie. Bloß davon abhalten soll der Mann sie auch nicht, wenn sie denn in die Moschee möchte. Das ist für Männer anders: die 5 täglichen Gebete sollten sie in der Moschee beten, wenn möglich. Und das Tarawih-Gebet eben auch.

Tarawih Jerusalem

Wie sieht es in Somalia aus?

In Somalia haben zumindest alle größeren Moscheen auch einen großen Frauenbereich. Denn Somalische Frauen lieben es, für das Tarawih-Gebet in die Moschee zu gehen! Und generell sind sie sehr selbstbewußte Frauen, die Zuhause das Nudelholz in der Hand haben- der Mann hat also gar keine andere Wahl, als sie gehen zu lassen 😉

Meine Erfahrung in Somalia´s Moscheen

Nach ein paar Jahren Moschee-Abstinenz (meine Kinder waren vorher zu klein, um sie alleine zu lassen) kam ich dieses Jahr endlich wieder in den Genuß. Da muss jedoch im Vorab bereits alles gut gemanaged werden: keine Zeit verschwenden beim Fastenbrechen, rein in die Klamotten und auch noch Kinder versorgen. Entweder nehme ich sie mit, oder lasse sie Zuhause bei ihrer zweiten Mutter. Ersteres hatte ich mir nach einmaligem Versuch versprochen, nicht mehr zu tun. Denn die (kleinen) Kinder sind Ablenkung für die gesamte Moschee. Auch wenn sie in den ersten Minuten versuchen, brav mit zu beten, so ändert sich das innerhalb der folgenden 50 Minuten drastisch: alles erdenkliche wird auf einmal zum Spielzeug- Wasserflaschen, Grashüpfer, und was immer sonst noch herum fliegt und liegt. Nein, da tut man sich und den Mitbetenden keinen Gefallen!

 

Auf geht´s!

Nachdem ich mich also von den Kleinen losreißen kann, geht es im Trab, bzw. fliegenden Walking-Tempo zur Moschee. Mein Tipp: am besten direkt vorher noch duschen, damit man in der Moschee nicht schweißgebadet ankommt!

20180615_0154461002105864.jpg20180614_0217191052055314.jpg

In der Moschee angekommen, zieh´ich mir schnell die Schuhe aus und spurte die Treppen hoch. Ich will ja noch rechtzeitig einen guten Platz ergattern!

In der Frauenetage angelangt, heißt es dann erst einmal tieeeef durchatmen und in die besondere Atmosphäre einzutauchen! Die 2 Sunnah Gebetseinheiten, welche man beim Eintritt in die Moschee betet, kann ich ehrlicherweise meißtens nicht mehr erreichen. Denn es geht auch schon los- Allaaaahu akbar (das ist kein Aufruf zum Selbstmord, wie in den Medien so dargestellt wird, sondern bedeutet „Allah ist Groß“ und kennzeichnet den Anfang des Gebets)!

20180614_021908313420709.jpg

 

1.Akt: Einfindung

Alle Frauen stellen sich nach und nach in Reihen auf: Schulter an Schulter, Fuß an Fuß. Zwischendurch kommt noch jemand und achtet auf die genaue Einhaltung der Linien. In einem unvergleichbaren Gefühl der Gemeinschaft schwelgend, kann ich mich nun meinem Schöpfer und Seinen Worten in Form des Koran´s, zuwenden.

Tarawih Frauen1

In diesem Moment spüre ich jene Geschwisterlichkeit, die im Islam so wichtig ist, welche man heutzutage jedoch oftmals vermisst.

“Der Gläubige ist gegenüber dem anderen Gläubigen wie ein Bauwerk, ein Teil festigt den anderen.” (Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim). Eingekeilt zwischen meinen somalischen Geschwistern, fühle ich mich wirklich wie einer der Steine innerhalb der Mauer, innerhalb eines Bauwerks.

Tarawih Mauerwerk
Gläubige sind einander wie ein Mauerwerk: der eine Teil kann nicht ohne den anderen.

In den ersten Minuten muss ich mich erst in die neue Situation einfinden. Ich werde noch von so manchem Nachbar irritiert: sei es, meine hin und her schwankende Nachbarin zur rechten; die für meinen Geschmack zu laut flüsternde zur linken; oder die Ukhti vor mir, deren Gesäß mir beim wieder aufrichten aus der Niederwerfung einen Schubser gibt; oder die schönen Muster auf dem Gebetsteppich, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen; und – wenn doch bloß das Essen nicht so schwer im Magen liegen würde! Immer wieder schweifen meine Gedanken ab und ich sage mir selbst: Konzentration bitte! Durch die zum Gebet gehörenden Bewegungen fällt es jedoch wiederum leichter, diese wieder zu bekommen. Wenn ich mir dann immer wieder bewußt mache, dass dies die Worte Allah´s sind, denen ich gerade zuhöre, und ich in den Niederwerfungen meine Worte direkt an Ihn wende, bekomme ich Gänsehaut.

tarawih.jpg

Pause und ihre Nebenwirkungen

Gut, dass bereits nach 2×2 Gebetseinheiten eine Pause mit Ansprache stattfindet und danach ein Imam-Wechsel ist. Eine willkommene Abwechslung. Denn es kann vorkommen, dass man dem Ersten Vorbeter melodisch gesehen nicht so gut folgen konnte (das ist mir als ehemalige Musikerin irgendwie auch wichtig). Außerdem gibt es einem die Gelegenheit, mit seiner Nachbarin zu quatschen, als ob man auf dem Marktplatz stünde…ähmmm, nee, also es gibt einem die Gelegenheit, Kraft für die nächsten Gebetseinheiten zu sammeln, und wieder etwas dazu zu lernen.

Allerdings wird mir in diesen Predigten bewußt, was bezüglich der Somalischen Sprache noch vor mir liegt: denn ich kann zwar die Umgangssprache, aber nicht die hochgestochene, rasante Art und Weise verstehen- das Hoch- Somalisch!

Diese Pause wiederum ist für so manch eine Schwester im Glauben die erste Möglichkeit, mich ausgiebig zu bestaunen. Schließlich bin ich wahrscheinlich die erste weiße Muslima, die sie live zu Gesicht bekommt. Ich lass sie einfach und konzentriere mich auf mein Gedenken/Bittgebete.

2. Akt und Finale

Nach der Pause dann der 2. Akt. Noch einmal folgen 2×2 Gebetseinheiten, in denen nun alles rutinierter und konzentrierter abläuft. Gott sei Dank habe ich vorher noch einen Kaffee gegen die Gähneritis getrunken!

20180614_0219031092570255.jpg

Schließlich kommt auch schon das Finale: das Witr-Gebet, bestehend aus 3 kurzen Einheiten, mit einem langen extra Bittgebet. Das ist für mich DER Höhepunkt schlechthin: Alle heben ihre Hände, und sagen „Amiin“ zu den zahlreichen Bittgebeten des Imams. Auch wenn diese in Arabischer Sprache sind, verstehe ich doch ungefähr, um was es geht. Manchmal wollen mir die Tränen kommen, so emotional ist diese Situation. Es wird für alles mögliche gebetet, u.a. für die Akzeptanz unseres Fastens, den Eintritt ins Paradies ohne Befragung, aber auch für diejenigen, denen es nicht so gut geht.

Tarawih Somalia.jpg
Somalische Frauen beim Bittgebet. Allerdings ist dieses Bild vom Eid-Gebet, also Tagsüber und noch dazu draußen (deswegen auch die Gesichtsschleier). Bloß ist die Geste die gleiche.

Big Challenge: der Ausgang

Dann ist es geschafft- ich fühle mich wie nach einer Sporteinheit im Fitnessstudio. Immerhin sind in dem Gebet einige Dehn- und Sit-up- Übungen mitinbegriffen (ohne als solche beabsichtigt zu sein), und oblgeich es vor Ventilatoren und offenen Fenstern nur so wimmelt, ist man doch schon etwas nass geschwitzt. Jedenfalls fühle ich mich einfach super danach.

Bei dem Gang raus wird es dann etwas eng. Die beste Gelegenheit, dass wirklich alle die Anwesenheit einer Weißen bemerken. Oftmals ziehe ich schon meinen Gesichtsschleier runter, um sie nicht zu sehr zu irritieren (wo ist denn bloß die äußere Hautschicht geblieben? lol). Manchmal kommt es auch zu kurzen Smalltalks, wie z.B. ein kleines Mädchen, welches mich auf Englisch ansprach und aus Amerika kam. Oder eine sehr große Ukhti, die mir den Rat gab, viele Schutzgebete auf mich selbst zu lesen. Aber generell sind sie eher reserviert und tuscheln einfach.

Fazit

Somalische Frauen sind sehr aktiv, was das Beten in der Moschee betrifft. Auch ich bin sehr, sehr froh, dass ich diese Möglichkeit habe, so oft zum Tarawih Gebet zu gehen, wie ich lustig bin. Genauso schätze ich es, in maximal 5 Geh-Minuten schon an unserer großen Moschee angelangt zu sein. Es hat einfach soooo viele Vorteile, in einem muslimischen Land zu leben, alhamduliLlah!

Tarawih Du´a

Allerdings bin ich Allah auch dankbar, dass Er es uns Frauen nicht auferlegt hat, das Nachtgebet, und überhaupt alle Gebete, unbedingt in der Moschee beten zu müssen. Denn das wäre wiederum zu stressig für mich. Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass ich beim Gebet zuhause mich viel besser konzentrieren kann. Dadurch, dass ich dann selber den Koran lese, und selber bestimme, wie lang ich die jeweilige Gebetseinheit machen möchte, wie lange ich mein Bittgebet mache, und ganz alleine vor meinem Schöpfer stehe, fühle ich eine sehr innige Verbundenheit zu Ihm.

Das Gemeinschaftsgebet in der Moschee hingegen ist eine tolle Möglichkeit, wenn man ab und zu ein Bad in der Menge nehmen möchte, bzw. die „Ummah“ spüren will. Oder auch, wenn man Angst hat, nicht jeden Tag diese Energie aufbringen zu können, all das selber anzuleiten. Denn man findet schnell irgendwelche Ausreden…oder das ach so bequeme Kissen, wenn man alleine ist 😉 Das Gebet in der Moschee ist also eine wunderbare Abwechslung.

Am schönsten ist es allerdings, wenn ich hinter meinem Mann zuhause bete- was gibt es romantischeres als das 😀

Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck bekommen, wie das Tarawih von Frauen in Somalia, und insbesondere für mich als Deutsche in Somalia abläuft.

Keep going, keep praying,

Eure Khalisa

Tarawih Beten Ibn Qayyim.jpg

 

15.Interview: Libyen, ein ungewöhnliches Hijrah-Land!

Im heutigen Interview geht es um Libyen. Dieses Land ist vor allem für Bürgerkrieg, Wüste und Konzentrationslager für Flüchtlinge (besonders auch Somalische) bekannt. Dass man selbst dort ein ganz normales Leben führen kann, zeigt uns unsere heutige Protagonistin, eine deutsche Muslima namens Amina.

Ich habe dieses Land als Hijrah-Land eigentlich garnicht in Betracht gezogen, da ich von den gängigen (Vor-) Urteilen dieses Landes ehrlicherweise eingenommen war. Bis ich dann in einer WhatsApp Gruppe zum Thema Hijrah von ihr erfuhr. Sofort neugierig geworden, „datete“ ich sie für dieses Interview, alhamduliLlah.

 

Libya Flagge1

Vorab noch ein paar Fakten zum Lande. Und übrigens- für diejenigen, die genauso verwirrt sind wie ich, was die Aussprache und Schreibweise dieses Landes betrifft: Es wird zwar „Libyen“ geschrieben, jedoch `Lybien´ ausgesprochen. Ja, soviel hab ich jetzt auch gelernt 😀

Libyen ist das 4. größte Land im afrikanischen Kontinent, wobei 85% davon Wüste (Sahara) ausmachen und nur 2 % für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz Gaddafi´s gibt es dort immer wieder Machtkämpfe zwischen Süd und Nord, aber auch die Extremen ISIS wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Trotzdem soll es laut den Vereinten Nationen einer der höchstentwickelten Staaten des Afrikanischen Kontinents sein (s.Wikipedia).

Libyen Karte

Wegen seiner nahen Lage zu Italien (nur durch das Mittelmeer getrennt) ist Libyen auch ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge aus ganz Afrika- selbst viele Somali´s landen dort. Ihrem Traum von einer besseren Zukunft im Westen folgend, erleben sie dort häufig genau das Gegenteil: sie landen in Konzentrations-ähnlichen Lagern und erleben aufgrund des darauffolgenden Menschenhandels und Folterei ein Trauma nach dem anderen. Wer dann noch so glücklich ist, und dort weg kommt, kann sich immer noch nicht sicher sein, was ihn auf dem Meer und in Italien erwartet, und ob er überhaupt überlebt.

Aber all dies wird von Jung und Alt, Mann und Frau in Kauf genommen. Denn der durch Social Media und TV ausgelöste Magnet gen Westen ist stärker als die Angst ums eigene Leben. Man könnte sich denken, die hätten ja nichts zu verlieren! Doch manche verlassen hier sogar ihr eigenes Haus mit Garten, um ihrem Traum zu folgen.

Wie bekommen wir jetzt den Dreh zu unserem Interview? Einfach, indem wir jetzt mal unsere heutige Hauptdarstellerin zu Wort kommen lassen 🙂 Lasst euch mitnehmen in eine andere Welt!


1. Stelle dich bitte unsern Lesern einmal vor! Wie heißt du, wann bist du wohin ausgewandert, und warum?

Ich heiße Amina und bin 2012, aufgrund meiner kranken und altersschwachen Schwiegermutter, nach Libyen ausgewandert. Libyen liegt am Mittelmeer zwischen Tunesien und Ägypten. Es hat ca. 6 Mio. Einwohner und besteht zu großen Teilen aus Wüste. Sand ist in Libyen all gegenwärtig. 2011 herrschte in Libyen Bürgerkrieg und das Land leidet immer noch an den Nachwirkungen: Schmuggel, illegale Einwanderer, instabile Regierung und damit einhergehend ein dramatischer Anstieg von Kriminalität, vor allem in den Großstädten. Die Stadt, in der ich lebe, ist jedoch sehr ruhig und vor allem als Frau kann man hier gefahrlos leben, alhamduliLlah.

Libyen
Ein Überblick über die Stadt Misrata (3.größte Stadt Libyens), in der Amina lebt.

2. Bist du zufrieden dort? Und führst du ein selbst bestimmtes Leben?Wie sieht dein Leben dort aus?

Ich lebe mit meinem Mann, unseren Kindern und meiner Schwiegermutter am Stadtrand – umgeben von Familie und gut bekannter Nachbarschaft – und wir haben einen kleinen Garten alhamdulillah. So haben wir eigene Olivenbäume, Dattelpalmen und Hühner, was ein wirklich großes Geschenk von Allah ist, alhamdulillah. Wir machen dadurch nämlich selbst Dattelsirup, Olivenöl und haben eigene Eier. Was zur Zeit eine riesige finanzielle Entlastung ist.

Hier in der Umgebung ist noch alles relativ ländlich und Schaf-/Ziegen-/Hühner-/Kaninchen-/ und Taubenhaltung sind völlig die Norm. Wir konnten sogar schon Kamele vor der Haustür bestaunen.

Kamele vor der Haustür
Kamele vor der Haustür!

 

 

 

Ich selbst bin überwiegend Hausfrau, Mutter und Altenpflegerin (Schwiegermama), unterrichte und übersetze jedoch Deutsch auf Anfrage, was eine schöne Abwechslung zum Alltag ist. Die Gesellschaft in unserer Stadt ist noch sehr eng miteinander verwoben. Bei jedem Anlass wird sich besucht – zu allgemein bekannten Zeiten / überwiegend zwischen Asr und Maghrib [zw. Nachmittags- und Abendgebet; Anm.]- und das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. 

Ich muss gestehen, dass ich mich an spontanen Besuch noch immer nicht gewöhnt habe. Das ist auch tatsächlich das für mich schwierigste hier: Besuch, wenn man keinen erwartet. Khair inschaAllah, ich arbeite daran 😊

Libyen-Datteln sortieren. Hier trocknen sie nicht am Baum, da das Klima zu feucht ist.
Die heimischen Datteln sortieren: hier trocknen Datteln aufgrund des feuchten Klimas nicht an den Bäumen.

3.Libyen ist ja eher kein gewöhnliches Hijrah-Land. Kannst du es anderen Geschwistern als solches empfehlen?

Ob Libyen ein gutes Hijrah-Land ist? Wenn man mit einem Libyer verheiratet ist, auf jeden Fall. Weil man dadurch in die Gesellschaft integriert ist und aus islamischer Sicht sowieso ❤ Ehrlich. Ich bin begeistert. Die Männer gehen selbstverständlich zur Moschee und übernehmen auch selbstverständlich ihre Pflichten ernst: viele haben mehr als einen Job, haben einen Garten, fahren Frau und Kinder zur Schule, Arzt, Einkaufen und sonstigen Einladungen. Sie sind auch für den normalen Einkauf zuständig. Frauen auf dem Wochenmarkt oder in den kleinen Onkel Ahmed Läden oder Bäckereien oder Fleischereien? Sehr selten alhamdulillah. Und hier ist es auch selbstverständlich, dass der Mann das Familienoberhaupt ist. Wenn man also als Frau mal sagt, mein Mann will das nicht, dann ist das völlig akzeptiert. Für alle, ob Mann/ Frau oder Kind gibt es ein breites Angebot an Koranschulen und islamischen Weiterbildungen. Selbst alte Damen gehen zum Koranunterricht 😍 Das ist sooo schön.

libyen niqabDie Frauen tragen zwar nicht alle Niqab (Gesichtsschleier), aber maschaAllah, die ohne Niqab tragen Abaya und Kopftuch. Aufjedenfall werde ich hier mit Niqab sehr respektiert, alhamduliLlah. Muslimas tragen aus vielfältigen Gründen den Niqab. Entweder sie sind der Überzeugung es sei ihre Pflicht, oder es wäre religiös erwünscht oder weil es landesüblich ist. Hier in Libyen tragen die meisten Frauen den Gesichtsschleier, wenn sie Make-Up tragen (für private, ausschließlich Frauen zugängliche Veranstaltungen), da sie verhindern wollen, Blicke auf sich zu ziehen. Da ich mit meiner hellen Haut und dann vielleicht auch noch lachend definitiv Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde, ist der Niqab mein Schutz. Wenn ich meinen Mund halte, fällt niemandem auf, dass ich Ausländerin bin 😁 Die Männer hier haben auch noch Anstand. Da schaut dich keiner an ❤

4. Hast du schonmal etwas von den Unruhen im Land mitgekriegt und hast du nicht manchmal Angst, in einem Land voller Unruhen zu leben?

Wir leben Gott sei Dank 1.000 km weit weg von den Unruhen, der Bürgerkrieg in dem Sinne war schon vorbei, als wir 2012 hier ankamen. Seitdem ich in Libyen lebe, habe ich „nur“ zweimal etwas beängstigende Situationen erlebt: 1. Mitten in der Nacht schlug nur 200m entfernt von uns eine Handgranate ein. Das war sehr laut und natürlich ein Schock. 2. Aus dem Osten Libyens kam ein Flugzeug an und hat diese Stadt hier bombardiert. Durch das dadurch ausgelöste Gegenfeuer dachten wir einen Moment wirklich, das der Krieg wieder ausbrechen würde. Aber Gott sei Dank war dies nicht der Fall.

Ansonsten weiß ich zurzeit nur von Auseinandersetzungen in Benghazi. Aber ich selbst höre auch gar keine Libyschen Nachrichten 🙈 Ich möchte nichts von Krieg und Schmuggel etc. hören und bin daher sehr uninformiert.

Unsere Stadt Misrata ist aber eine wirklich ruhige Stadt, die versucht, alles in Ordnung zu bringen. Sie drängten hier zum Beispiel auch die ISIS in die Nachbarstadt zurück.

Misrata Shopping Mall

Misrata Shopping Mall1
Shopping Centers in Misrata: höchst modern.

5.Wie sieht es versicherungstechnisch aus? Und wie bekommt man dort ein Visum?

Es gibt Versicherungen, aber viele sind nicht versichert oder nur nur über ihren Arbeitgeber. Wir selbst sind es nicht.
Ein Visum bekommt man nur mit Arbeitserlaubnis oder zwecks Heirat, bzw. wenn man mit einem Libyer verheiratet ist.

6. Wie sind die Schulen dort? In was für eine Schule schickst du deine Kinder?

Die Schulen sind „arabisch schlecht“ 🙈 Aber immerhin, ab der 6. Klasse Geschlechter-getrennt. Wir werden unsere Kinder auf die nächstliegende Schule (300m entfernt) schicken, inschaAllah. Denn die Lehrerinnen sind aus der Nachbarschaft und Verwandschaft und die Kinder ebenso, d.h. man kennt sich. Und vor bzw. nach der Schule haben die Kinder die Möglichkeit Koran und Islam zu lernen.

7. Kannst du dort deine Religion frei ausleben? Oder giltst du als Extremist? In welche Richtung geht der Trend- dass sie zum Deen (Religion) finden oder sich eher westlichen Vorbildern zuwenden werden?

Ja, die Religion kann man hier definitiv frei ausleben. Manchmal hat man es jedoch nicht so leicht, z.b. wenn Kultur mit Religion im Konflikt stehen, wie bei Hochzeiten, welche nicht immer islamisch ablaufen. Denn man ist eigentlich gesellschaftlich dazu verpflichtet, zu hinzugehen und zu helfen.

Ob der Trend mehr zum Deen oder zur Dunya (Weltlichem) geht? Beides gleichzeitig!
Einerseits ist mehr Wissen über die Religion vorhanden und gesellschaftlich auch akzeptiert. Andererseits gibt es aber auch mehr Fitna und Inspiration zum Sündigen.

8.Wie ist die Gesellschaft dort, was macht sie aus? Fühlst du dich akzeptiert?

Die Gesellschaft ist wie gesagt, eng miteinander verbunden maschaAllah. Und das macht sich besonders bei Todesfällen bemerkbar. Alle, die mit dem Verstorbenen oder dessen Angehörigen bekannt sind, kommen zum Beileid aussprechen. Wohlbemerkt, nur zum Beileid aussprechen, nicht zum Essen. Das einzige was angeboten wird, sind Milch mit Datteln oder Tee mit Brot. Aber ich schweife ab 😅

Ich bin akzeptiert und voll integriert, musste mich aber sehr stark anpassen. Es ist halt leichter sich selbst zu verändern, als zu verlangen, dass sie sich ändern.

9. Was ist das, was dich am meißten dort beeindruckt, und womit kommst du immer noch nicht zurecht?

Am meisten beeindruckt mich die Gesellschaft und die Selbstverständlichkeit des Islams. Natürlich gibt es Streitpunkte, aber das ist ja normal.

Was ich noch toll finde: in Libyen tragen die Männer noch immer jeden Freitag, zu Eid und zu Hochzeiten traditionelle Kleidung. Ich find da sooo hübsch. Ich bin voll begeistert 😁

Libyen traditional clothes

Womit ich noch immer nicht zurecht kommen? Die Massen an Sand und Insekten 😣😅

Libyen-Wir leben zw.Mittelmeer und Wüste
Die Wüste im Landesinneren sowie der Strand am Meer machen den Sand zum treusten Gefährten!

10. Was würdest du deinen Geschwistern empfehlen, die auch auswandern wollen?

Offenheit für Veränderungen, auch und besonders an sich selbst. Man kann nicht einfach seinen gewohnten und erlernten deutschen Lebensstil eins zu eins übertragen. Das habe ich mit der Geburt meines ersten Kindes in Libyen erfahren müssen 😆 Man darf bei der Geburt niemanden dabei haben, aber nach Ankunft daheim ist nichts mit der deutsch empfohlenen Ruhe 😅

Wirklich, traut euch zur Hijrah. Schon allein der Kinder wegen. Dass sie ganz normal als Muslime aufwachsen, völlig integriert und akzeptiert, ist so wertvoll. Kinder sind eine Amanah [anvertrautes Gut, Anm.d.R.] von Allah und wir sollten es ihnen so leicht wie möglich machen als Muslime zu leben und den Islam zu lieben in den Zeiten der Fitna [Versuchung].

Libyen- Das Mittelmeer
Das Mittelmeer bei Misrata

Libyen-außerhalb der Stadt. Städtische Olivenplantagen
Olivenhaine am Stadtrand


Vielen Dank liebe Amina für dein hoch interessantes Interview! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und immer beschützen!!!

In dem heutigen Interview hat Amina etwas ganz Wichtiges angesprochen: die Anpassung. Mein Lieblingszitat von ihr ist, dass man in einem Arabischen Land seinen Deutschen Lebensstil nicht 1 zu 1 übernehmen kann. Wie Recht sie damit hat! Denn wenn man stets von der Deutschen Höflichkeit bzw.Zurückhaltung, Deutscher Gründlichkeit etc. träumt, wird man woanders einfach nie glücklich!

Man kann nur das Beste hoffen für dieses Land und seine Leute. Möge es wieder komplett zur Ruhe kommen und mögen seine Bewohner wieder vereint werden!

Wie immer seid ihr herzlich Willkommen, dises Interview zu teilen, kommentieren, und liken. Wenn der Umzug dieser Seite richtig geklappt hat (auf eine andere Domain), sollte Letzteres auch möglich sein, ohne sich bei WordPress anmelden zu müssen.

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

 

Benefits of Ramadan in Somalia

Today I want to break down a few prejudices and show you the benefits of a Ramadan in Somalia. Yes, they actually exist! I’m sure that some of you are going to ask yourself, „How can you fast in this land, where you are already hungry anyway?“, „What can you look forward to when fasting?“, „How is it possible in this heat?“…
Admittedly, I must confess: yes, there is a difference between fasting here in Somalia – a huge difference! But not just in the negative sense.
Of course I do not speak here of how the thousands of poor people unfortunately have to spend it, but of average families that exist here as well. Those who would like to support the needy, will find information’s at the end of this article.
Here are some general facts about fasting in Somalia, which will give you an insight into the general circumstances.

Good food: a matter of costs!

For  average large families like us, with currently 22 people, you have to think hard about what you can afford, what is important and what is less important. In any case, everything must be fresh, because everything else – such as chicken from the supermarket – has luxury and exaggerated prices, which are not affordable for the daily life of an average family. But since those chicken come from Brazil, it’s probably better to give it up anyway 😉

Meat: a must have!

Without meat, no worthy meal. That could be the motto of the Arab, as well as Somali men: without meat, the main meal would be worthless for them! Since they can not live without meat, there is alternately meat (mostly from the goat) or fish. That’s why we have to go to the market every day because we do not have a fridge. It eats too much electricity at local electricity prices (dream: solar energy!).
2018-05-21 21.00.23.jpg

What are the benefits of fasting in Somalia?

More effort vs. fresh food

When preparing food in here, everything needs double effort: minced meat for example you have to press first through one of these hand-cranked machines, which usually always clog. So better refrain from it, or buy a really good, expensive machine!
Also, all Somali dough specialities always need a lot of time and an additional fire next to the gas stove. But the taste it pays off of course!

The heat vs. short fasting times

The heat is a disruptive factor especially at lunchtime. With 2-3 times a day showering and the fan on the highest level,  one can also survive the aggravated. But in the afternoon and evening there is already release: that time is a nice breeze in the air, giving you a nice finish of the day.
The times of fasting are much more tolerable than in Europe: in the morning from just after 4 to evening at 18 o’clock. This is about 4 hours earlier than in Germany and with the midday siesta, time runs like clockwork.

Food: necessarily fresh!

The food is not the same as in Germany. However, it is much more natural – you cook without the whole frozen pseudo vegetables and get it directly from the market! It may not be the same variety.. For that you get the most important thing: fresh watermelon, dates and water!
Good food also depends not only on the income, but also on the cooking skills / imagination of the chef. Even if you would give a nomadic woman 100 Dollar, she would just double the amount of meat and rice- but you would still not see any vegetables except Basal, Peperoni and Moos (Onion, Paprika and Banana)!
And of course, it depends on you, how much time you want to spend with cooking in Ramadan, rather than with more contemplative things!
2018-05-21 20.23.24.jpg

No unnecessary weight gain, as there is less junk food!

Since it is rather unaffordable for the average family to fill themselves with junkfood like Pringles, Twix, Raffaelo’s, etc., you do not have the problem with the excessive weight gain in Ramadan. The only sweets are usually dates, watermelon and possibly a kind of sweet (fried) pastry. As long as one does not exaggerate with the latter, one does not have to fear for his slim line. Because even the juices we make by ourselves: fresh lime juice, and on special occasions also mango juice!
2018-05-21 21.01.24.jpg

 

More thirsty – You’ll drink enough!

Logically, the heat makes you feel more thirsty, so you drink more (ideally). In the morning before the beginning of fasting you take a porridge meal („Suhuur“), a few dates and can easily drink 3 glasses of water. Without both, fasting will become difficult later on, but with this foundation it will be pretty easy!

Many ways to feed the poor

If you spend your Ramadan in Somalia, you have the advantage of not having to donate money to any donor organization. No, you are right at the „source“! And so you have many opportunities to give the poor something that you have in abundance.

Many helping hands

Most families here are really big compared to european families. The advantage of having such a large family is that there are many more helping hands. So, on one hand, there is more work, but on the other, there is more help to get everything done. Even the cooking is so pleasant: everyone has their job in the kitchen, one cooks the main dish, the other the side dishes. Typically the kitchen is the empire of the women in the house, because men have no place in Somali kitchen – except in restaurants.
2018-05-21 21.21.53.jpg

No loneliness anymore!

This is a very important point for Somalia: as a Muslim, you are simply one of many! Without the constant comments „How can you do that !?“, „That’s inhumane!“, etc., it’s just that much easier, because you do not always have to justify yourself. Just everybody is fasting.
Furthermore, eating together makes you feel good – after fasting, everything tastes much better and you enjoy the time together.

A special time for children

For the children Ramadan is a special time as well and many times they try to fast already. Even little ones say after breakfast that they are fasting, and then just make it to lunch, when we have to convince them to eat something and „break their fast“! 9-year-olds also manage to spend a whole day and then be as proud like Oskar. But that will last for the rest of the month, they got enough respect of this experience, which makes them not to repeat it again 😉
2018-05-21 20.21.06.jpg
In the above picture you can see our little ones (and cousins) who are being taught by their big sister. So it is a relief for the fasting and a pleasure for the children.
Our 11-year-old Aisha, who was just finishing her final exams at school and is the youngest of all her classmates, was forced by us to break her fast. She said she was ashamed not to fast and also wanted Allah to answer her supplications (du’a). I could convince her that she has time for the rest of the month, and that her fasting is worth nothing anyway, if she does it only to impress people. In addition, she could ask all fasting in her family to make du’a for her, so she can then benefit from the fasting of others, because the du’a of the fasting is heard at any rate! She found that convincing and so she promptly drank a glass of water and had a leisurely breakfast.
2018-05-21 20.22.52.jpg
As you can see, children are slowed down rather than fasting for too long. At the same time, it is a huge incentive for them to fast as quickly as possible, as they grow up in a Muslim environment. Imagine the same situation in Europe…totally opposite!

More motivation for worship activities

The fact that fasting is a natural matter here and everybody is aware of the importance of this month, is also motivating to increase good activities. Because everyone is trying to do their best this month: be it doing good deeds, reading more Qur’an, refraining from bad words, donating, or praying more. It makes you feel strange if you are NOT so active! Of course, the Niyya (intention) is most important – that one does not do his deeds for the sake of people, but for the sake of Allah, hoping to receive His forgiveness and mercy.
2018-05-21 20.23.48.jpg

Next Masjid around the next corner

Last but not least, it’s just a blessing to spend your Ramadan here, because you just have to go around the next corner and you’re in a moasjid! All prayers are transmitted through loudspeakers as usual, but the special feature of this month is that even the Tarawih Prayer (a long series of prayers at night, after dinner) sounds in the air. There is no better than these moments, where all God-fearing ones are in prayer and the words of Allah sound from everywhere!

2018-05-21 21.30.26.jpg

Final Conclusion

To conlclude,  Ramadan in Somalia is likely to be similar to all other Muslim countries. But the unique thing here is that there are 99% Muslims in here, so really everybody is fasting and praying.
That there is not an abundance of sweets and other delicacies here (which is also not the meaning of Ramadan at all) while seeing so many poor people, makes you more grateful. After all, you have more than thounsands of other people in the country.
So, Alhamdulillah for everything!
Alhamdulillah1

And, have you got the taste? If the flights here would not be so expensive (about 1000 Euro per person), I would smoothly open a travel agency, believe me! With Ramadan specials, camel rides, camel-milk-cure, etc … But what is not yet can still come. The less riots are here, the more people will come here and so the airfares will sink, in shaa Allah.

In this sense, I wish all Muslim readers a blessed Ramadan, all non-Muslims have hopefully got a little insight into another world!
Your Khalisa
PS: Before I forget something very important: Please support those who have nothing to break their fasting during Ramadan ! Islamic Care has great projects that are easy to support and make a difference.
So you can help one person with 4 €  to break the fasting with a  good healthy meal.
IMG-20180510-WA0030.jpg
Or you can send your Zakat-ul-Fitr (obligatory donation to every Muslim) worth 7 € to Islamic Care so that they can pass it on to those who really need it.
IMG-20180514-WA0031.jpg
Islamic Care is a very trustworthy charitable organization, dedicated to improving the miserable situation of Somalia’s suffering people.
May Allah abundantly reward those who give some of their gifts to the needy and spread a little more humanity, amin!

Interview England: Everything is possible!

 

As salaamu alaikum and Hello dear readers,
In this blog we want to build bridges in many ways: we want to connect people like Non-Muslims and Muslims, Somalis and Non-Somalis, and all the others, through giving them a different picture than they usually get because of generally negative media propaganda.
One of our ways to do that is a series of Interviews with German Muslim women, who made a special journey: they moved from their home country to an „undeveloped“ Muslim country, in order to get freedom of religion. This act is called „Hijrah“ in Muslim terms- to emigrate to a country, where you can freely practice your religion.
We started this series in German language in order to encourage more Muslims in Germany, to do the same and to show them all the possibilities they have. But since our Interview partner this time emigrated to England, we thought it would be nice, if also English speakers get the possibility to widen their horizon and get an insight in the difficulties, which a Muslima has to face in her own country- only because of her different belief.
So I hope, you enjoy the following Interview with our sister Carina El-Behouti!
I am very happy to introduce you today to a premiere: it’s about an interview with a sister who did not emigrate to a Muslim country (as the previous Interview-partners), but to England. Yes, that works too – because if you stay in non-Muslim countries, you should always choose the „lesser evil“. Smaller evil in the sense that one can freely practice his religion (Islam). This is clearly better guaranteed in England than in Germany

England19
City-Bus in Bradford, advertising sayings of Prophet Mohammad (Peace and blessings be upon him)

It is also the first time that the interview was mainly oral. The formulation remained with me, but was extended and corrected by Carina, our current protagonist.
Let’s come to Carina. She is a German Muslima and a Psychological Coach by profession and passion. For me, she is a very special person, because she has turned my life upside down by coaching me! With her wonderfully positive nature and her amazingly effective methods, I have been able to develop into a self-assured, grateful person who now knows her strengths and goals much better, alhamduliLlah. May Allah reward her for it abundantly!
The mother of 3 teenage girls has also experienced a lot by herself and lived in different countries, until she finally landed in England a few years ago.
There she started to work from 0 to 100, and now has her own coaching and allergy practice. In addition, she is constantly engaged in training and further education, in order to help more people out of their life’s crises.

England11
Carina in her Practice

Anyone interested in visiting her pages to find out more about her work, will find it here:
England17
England2
 
Now we’ve put together some information about England as a country of emigration for you, which I hope will be useful for one or the other.
You are welcome to comment, ask questions or just like it.

When and why did you emigrate to England?

In May 2013. I love growth in every way. For me growth means being able to develop freely without being hindered.
In addition, I need a „healthy environment“ where everything is possible and I can thrive. Just as a flower can only thrive in good and healthy surroundings.

England20
Carina found the healthy suroundment she needed in England, in order to develop

 

England was closest to me, where I do not feel my soul constricted. Here there is no such racism as in Germany, alhamduliLlah.
Certainly in places there is also racism. But you do not have to live there! I am respected here for what I am. I am Muslim and have many skills that are greatly honored here, maa shaa Allah. And that motivates, of course.
England is an incentive for me to reach my highest potential. And we have this freedom here as Muslims, alhamdullilah.

How long have you been preparing for your Hijrah?

Psychologically I had prepared myself and my children for a very long time for England, possibly 4 years. I took my kids to a private language school once a week so they playfully learn English. It always made me feel good, because it brought me a step closer to my goal.

England31
They don’t loose their focus easily and hold together: Carina and her kids!

I knew that it could be tough in England because I had lived there for 3 months in 2008 with my children. That’s why I wanted to be properly prepared this time inwardly and outwardly.
It is very important that you know what you want to work here. In order to improve my possibilities, it occurred to me suitable to do an apprenticeship in Hijama therapy [Hijama means cupping]. That was possible online, alhamdullilah. Furthermore it was a good possibility to learn English, which at that time I only understood 10%. But you have to face such challenges if you want to take a big step in life. Furthermore I registered myself beforehand for an apprenticeship as an Allergy Therapist and planned to study Islamic Medicine in England. So I planed already, what I will do when I’ll be in England, and that helped me a lot later on.
Walk your way slowly if you want, but always have your goal in mind and work towards it!
For two years I really prepared my departure. Have contacted people in England, obtained all the information and laws about the country, get passports.
In the end I HAD to go then. I did not want to – was really feeling a kind of fearBut then I had to go through. Just booked our tickets and disappeared like nowhere. It will work out somehow. Eyes shut and go for it!
In the end, it was also harder for me to go, since I had just started my practice and had treated sisters with Hijama and other healing methods. Allah had blessed me very much back then. I was doing better financially than ever before and I loved my job and my patients. It was a real test to go in this situation.
I cried for days and my patients and friends with me. But I had decided. I wanted a better future for my children. And I absolutely could not imagine these in Germany for my children. I wanted to spare my children this rejection and racism. And I wanted them to make something beautiful out of their lives, despite abaya and headscarf and with Islam in their hearts.