Zeit des Umbruch’s: Die Germali’s beim Versuch, Fuß zu fassen

Zurzeit verfliegt die Zeit…

…Wie im Fluge! Ja, ich weiß, das tut sie immer. Dieses mal jedoch ist es so extrem, dass ich schon gar nicht mehr eine von zwei Wochen unterscheiden kann! Ein Ereignis jagt das andere, ein Termin den nächsten, eine Gefühlsschwankung die andere, eine Begegnung… Puh, ganz schön anstrengend (aber auch aufregend) das Leben in Deutschland!

Hatte ganz vergessen, wie stressig es sein kann, hier in Deutschland Fuß fassen zu wollen. Mal abgesehen von Ämtergängen, Gesundheitschecks hier und da, musste ich innerhalb von 2 Wochen die Entscheidung treffen, in welche Schule ich meinen Sohn anmelden, und wohin wir überhaupt ziehen sollen. Gar nicht so einfach, wenn man sich nun absolut nicht auskennt mit den hiesigen Schulen! Da wäre die Wahl in Somalia um einiges einfacher gewesen: es gäbe dort für uns einen einzigen Favoriten- die neu gegründete Schule einer entfernten Verwandten! Jedoch ist diese noch im Aufbau und geht zurzeit nur bis zur 3.Klasse.

Die Qual der Wahl

Hier allerdings hat man die Qual der Wahl, besonders, wenn man seinen Wohnort flexibel nach dem Einzugsgebiet der auserkorenen Schule wählen kann.

Nun kann man ja eigentlich kaum etwas falsch machen bei den Grundschulen- irgendwie sind sie ja alle mehr oder weniger gleich gut, die Qualität steigt und fällt sowieso mit dem jeweiligen Klassenlehrer. Doch mir als ehemaligem Waldorfkind fiel die Entscheidung nicht leicht, zumal ich sogar mit dem Gedanken der Waldorfschule liebäugelte.

Die goldene Mitte finden

Letztendlich entschied ich mich gegen diese und meldete meinen Sohn an einer Schule an, auf der wir uns bestimmt wohl fühlen werden: mit 29 vertretenen Nationen geht es dort sehr multi- kulti zu! Genau das Richtige für eine Familie mit 4 Nationen im Blut!

Dort werden wir uns in shaa Allah weniger fremd fühlen, und trotzdem wird mein Sohn lernen, sich behaupten zu müssen. Eine gute Mitte also zwischen Waldorfschule und Somalischer Schule- nicht zu „Heiti-Teiti“-wohlbehütet, aber auch nicht zu harsch und unpädagogisch.

Wohnungssuche- ein Thema für sich!

Die Schulfrage wäre nun also geklärt. Bleibt uns nur noch die Wohnungssuche. Diese gestaltet sich zunehmend komplizierter als ich dachte. Zuerst nahmen wir an, einen passenden Wurf bekommen zu haben, dieser stellte sich jedoch als Flopp heraus. Nein, im März die Wohnung zu renovieren ist uns dann doch etwas zu spät und zu aufwendig!

Es ist nicht so, dass wir unter Zeitdruck stehen. Uns geht es hier sehr gut im Keller-Apartment im Hause meiner Eltern. Jedoch sind solche aufeinander-hockenden Zustände (die meiste Zeit halten wir uns oben bei ihnen auf) auf Dauer doch eher zu Somalisch 😉

Ansprüche auf „deutschem Niveau“

Meine Mutter und ich kennen die 3-Zimmer Wohnungen von sämtlichen Wohnungssuchern inzwischen auswendig. Meistens stimmt irgendetwas nicht- die eine ist zu weit weg von der Schule, die andere liegt in einem schlechten Viertel, jene hat keinen Balkon (ein Stück Freiheit für mich), eine andere wiederum hat keine Badewanne. Das ist für mich ein No-Go, denn meine Kinder lieben es, zu baden (Ja, und ihre Mutter wahrscheinlich auch, hh).

Dabei bemerke ich, dass ich direkt wieder die Somalischen Standards den Deutschen angepasst habe. Wie schnell das doch geht! Ebenso haben sich meine Kinder bereits angepasst: sie reden mittlerweile fast ausschließlich auf Deutsch, was vor dreieinhalb Monaten noch undenkbar gewesen wäre!

Nun gut, meine begeisterungs- fähige Tochter verliebt sich übrigens immer gleich in die Wohnungen, die wir uns anschauen. Sie sieht sich schon im Gartenhaus und auf dem Hinterhof herum springen. Letztens fragte sie mich: „Mama, wann geht der Mann endlich aus unserem Haus heraus?“ Mmh, jaaa, also… das ist noch gar nicht UNSER Haus! Und, nach ein – zwei Wochen wissen wir dann, dass es dies auch nie werden wird!

Endlich fündig geworden?

Heute durften wir unsere Traumwohnung anschauen: mit Terasse, Gartenmitnutzung, Badewanne UND Dusche… fehlt nur noch, dass wir unsere 7 Sachen packen und einziehen! Doch halt, so einfach ist das nicht… Wir müssen jetzt erst das Wochenende abwarten, um dann am Montag den Daumen nach oben oder unten gezeigt zu kriegen. Ob die Dame uns Multikulti-Leute im Haus haben möchte? Wieder eine spannende Zeit, die jedoch auch im Fluge vergehen wird.

Abends meinte meine Tochter dann plötzlich: Mama, wir sind ganz schön arm! Wieso denn das, mein Schatz? Weil wir einfach keine Wohnung bekommen!! !   !

Hui, das saß! Aber natürlich sind wir alles andere als arm, alhamduliLlah! Uns geht es ja sehr gut, wir haben ein Dach überm Kopf, gemütliche Betten,… ganz zu schweigen von der wunderbaren Gesellschaft meiner Eltern. Das ist doch schon viel mehr, als etwa 1/3 der Menschheit überhaupt hat!

Wie auch immer, wir werden schon noch unser gemütliches Plätzchen finden, unser Rückzugsort von dem ganzen Trubel der Zeit, in shaa Allah.

Gerne dürft Ihr uns in Eure Bittgebete einschließen 🙂

 

Da ich mich nun wieder dem Lernen widmen werde, müsst Ihr heute auf tolle Zusatzbilder verzichten. Zumindest gab es nun ein kleines Update von mir für alle, die es interessiert, wie die Germalis sich in ihrem 2. Zuhause versuchen, zurecht zu finden. 🙂

Liebe Grüße und Salam,

Eure Khalisa

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