Was wir von den Schweizern lernen können

Wie einige von Euch vielleicht mitbekommen haben, war ich vor kurzem eine Woche und einen Tag in meiner geliebten 2. Heimat, der Schweiz. Das Wiedersehen von Verwandten, die ich seit unzähligen Jahren nicht mehr gesehen hatte, war eine wahre Freude, alhamduliLlah. Sie konnten sehen, dass ich irgendwie doch noch “die Alte” von früher bin, dass man sich mit mir unterhalten und mit mir lachen kann. Und sie beschenkten sogar meine Kinder.

Meine Kinder wiederum genossen es auch in vollen Zügen- konnten sie doch hautnah sehen, woher die Milch und Eier herkommen, durften sie Bus fahren (was ich in Deutschland eher vermeide) und auf einer Fähre Zeit verbringen.

An dieser Stelle möchte ich jedoch über ein spezifisches Thema sprechen, was mir während unserem Aufenthalt in der Schweiz aufgefallen ist: die Freundlichkeit mit- und zueinander!

Schweizer Freundlichkeit

Ich war wirklich positiv überrascht von der Freundlichkeit, mit denen die Schweizer miteinander umgehen. Jeder wird gegrüßt, verabschiedet, ja, selbst dem Busfahrer wird für sein Halten an der Haltestelle gedankt!

Auch mir gegenüber waren die Leute freundlich: sie grüßten mich meistens auch. Das “Schlimmste”, was ich erwarten konnte, war ein Ignorieren im Sinne von “Ich bin mit dir überfordert, deswegen schaue ich dich lieber nicht an.” Aber nichts da mit niveaulosen Kommentaren, bösen Blicken oder gar Beschimpfungen!

Ungewohntes Miteinander

Diese Freundlichkeit war ich gar nicht mehr gewohnt. Hier in Deutschland mag es zwar einfach anonymer sein, aber selbst in der größeren Stadt Thun (beinah 50.000 Einwohner) und auf der Fähre hab ich in der Schweiz keinen Hass gespürt.

Mir tat es auf der einen Seite gut, einfach mal unbeschwert meinen Urlaub genießen zu können, auf der anderen Seite hat es mich nachdenklich gemacht. Was lief in Deutschland nur falsch? Die Leute dort sind doch sonst für alles offen: ob Punker, Alkoholiker, FKK-ler…? Ich habe den Eindruck, für die Leute dort ist Islam wie ein rotes Tuch für den Stier- Islam? Panik! Hass! Argwohn!

Ungerechte Verallgemeinerung

Naürlich tun die Muslime einiges dafür, dass man sie nicht versteht, und es gibt sicher auch unter den Flüchtlingen einige, die sich nicht benehmen können oder gar zu Verbrechern werden. Aber warum muss man dann alle in einen Topf werfen? Schaut man in den Gefängnissen auch, wer alles Christ ist oder Sonstiges?

Und wie sieht es in Somalia aus mit der Freundlichkeit?

Machen wir mal einen Abstecher nach Somalia. Selbst da sollten sich die Leute von der Schweizer Freundlichkeit eine Scheibe abschneiden. Komme ich dort in eine Arztpraxis, so kommt mir sogar die Deutsche Freundlichkeit freundlicher vor, da wird man wenigstens ab und zu noch gegrüßt. Oftmals hatten wir in Somalia sogar Besuch, der uns zwar gegrüßt hat, jedoch sich nicht wirklich verabschiedet hat. Einfach ein “Dann geh ich jetzt!” und Tür zu. Da stehe ich dann immer und sehe meine Co-Schwester verdutzt an, bevor wir in Lachen ausbrechen.

Auch Muslime sollten freundlicher zueinander sein

Und die Muslime in der Schweiz wollten mich auch eher ignorieren anstatt zu grüßen. Vielleicht war es eine Art Schüchternheit oder Unwissenheit, aber trotzdem hab’ ich den Unterschied gemerkt.

Dabei ist das sowas von un- islamisch! Denn es ist das Recht eines Muslims, den anderen zu grüßen, wie man in folgendem Ausspruch des Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien mit ihm) deutlich verstehen kann:

“Fünf Pflichten hat ein Muslim gegenüber seinem Bruder: den Gruß zu erwidern, dem Niesenden Barmherzigkeit zu wünschen (indem man ihm Yarhamuk-Allah (möge Allah Sich deiner erbarmen) sagt.), eine Einladung anzunehmen, den Kranken zu besuchen und den Trauerzügen zu folgen.”

Quelle: Sahih Muslim, Das Buch des rechten Benehmens (Hadith 1417)

Gut, da ist die Rede vom zurück- grüßen. Doch wie ich meine “Homies” kenne, kann man lange auf den Anfangsgruß warten, es sei denn, man kennt sich wirklich ;-)! Also auch die Muslime können noch viel von der Schweizer Freundlichkeit lernen.

Brücken bauen zum Gegenüber

Für ein besseres (interkulturelles) Miteinander hat Vera F. Birkenbihl übrigens einen sehr interessanten Lösungsansatz in folgendem Video, über dass ich gestern “gestolpert” bin:

Was sie alles beschreibt, muss ich ja nicht wiederholen. Jedoch ist es eine wichtige Sache, Brücken zu bauen, indem man das Anders-Sein des Gegenübers einfach (gegenseitig!) akzeptiert. Durch dieses Verständnis muss man sich dann weder anfeinden, noch Angst voreinander haben, sondern kann einfach wie freundliche (Schweizer) Menschen miteinander umgehen.

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Trotz verschiedener Richtungen an einem Pfahl, trotz unterschiedlicher Meinungen immer noch Mensch.
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Hand in Hand, miteinand’!

In diesem Sinne einen lieben Gruß an alle,

Eure Khalisa

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