Letzter Teil des Reiseberichts: Kalte Tage in Äthiopien oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Nach einer kurzen Nacht packten wir all unsere Sachen für die bevorstehende Reise von Hargeisa (Hauptstadt Somalilands) nach Äthiopien. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Zeit einem aus den Fingern zu gleiten scheint, wenn man sie am meisten benötigt! Dementsprechend knapp in der Zeit, kamen wir mit 2 Jeeps am Flughafen Hargeisa’s an, welcher vor ein paar Jahren neu gebaut wurde und von einer wirklich schönen Grünanlage umgeben ist.

Doppelt hält besser

Dass ein Check-In mit 12 Personen und einigen Koffern seine Zeit in Anspruch nimmt, brauche ich Euch nicht zu sagen. Doch nicht nur das- nach dem Check- In gab es in Hargeisa eine weitere Pass-Kontrolle und danach noch eine Flugticket-Kontrolle. Mag sein, dass es normal ist, mir persönlich kommt das immer übertrieben und doppelt-gemoppelt vor.

Wieder ein Zwischenfall

Bevor wir zur Ticket-Kontrolle gehen konnten, wurde allerdings meine Co-Schwester von dortigen Beamten aufgerufen, ihnen zu folgen. Oh nein, was war denn nun schon wieder? Ich musste  mit den Kindern schon mal alleine durch den letzten Ticket- und Waffen-Check gehen. Besorgt warteten wir auf meine Co-Schwester und unseren Mann. Konnte diese Reise denn nie einmal unkompliziert verlaufen!? Wir waren jedenfalls die letzten, auf die das Flugzeug wartete.

Endlich kamen sie, im Gepäck ein paar Wasserflaschen für die durstigen Kinder. Diese mussten auf der Stelle geleert werden, da es nicht erlaubt war, sie mit ins Flugzeug zu nehmen. Was war also passiert? Einer meiner Koffer, welcher gefüllt war mit Kleidern, die ich in Deutschland verkaufen wollte, erschien den Beamten verdächtig: die Kleidung war so stark mit einem Faden zusammen gezurrt, dass sie befürchteten, wir hätten dadrin die verbotenen Khat-Blätter (eine Droge) versteckt! Da meine Koffer zu schwer waren, wurde ausgerechnet der eine Koffer auf einen anderen Namen überschrieben. Gott sei Dank konnten sie nichts dergleichen finden und wir konnten endlich ins Flugzeug einsteigen.

Endlich über den Wolken

Für unsere Kinder war es das Highlight schlechthin, endlich mal in einem Flugzeug zu sitzen. Sie waren zwar teils in Dänemark, teils in Deutschland geboren, jedoch im Kleinkind Alter nach Somalia gebracht worden und seitdem nie mehr geflogen (außer meine beiden, aber die waren ja auch zu klein, um etwas davon zu behalten). Die Aufregung und Freude war dementsprechend riesig!

Meine Kleine griff direkt nach der Zeitung der Ehtiopian Arlines, als ob sie alles verstehen würde. Unser Flugzeug war eher ein kleines und im Innenraum wurde es recht laut. Ich zeigte den Kindern noch, wie man den Ohrendruck weg bekommt (gähnen! schlucken!), und versuchte meiner Kleinen klar zu machen, dass sie sich während dem Start NICHT anschnallen dürfe. Schon kam auch schon der Snack des Tages: ein Brötchen mit Wurst (halal, versteht sich)!

Es war das erste Mal für unsere Kinder, dass sie so etwas mit vollem Bewusstsein aßen. Noch mehr! Es schien ihnen zu schmecken. Mein Kleine mochte es allerdings überhaupt nicht- sie schien dem Somali Motto treu zu bleiben: Was der Nomade nicht kennt, das kann ja gar nicht gut sein! 😉

Kaum waren wir für eine Weile in der Luft, senkte sich das Flugzeug 1 Stunde später auch schon wieder zur Landung. Von oben konnten wir bereits das Grüne dieses Landes bewundern. Wir zogen alle unsere dicksten Jacken an, da wir ein kaltes Äthiopien erwartet hatten. Beim Ausstieg mussten wir jedoch feststellen, dass es viel zu warm für unsere Gletscherjacken war.

 Die Visa-Hürde

Während meine Co-Schwester und ihre Kinder beim Schalter ihre Visa vorzeigen konnten, musste ich mit meinen Kids und meinem Mann noch unser Visa beantragen. Das machte dann mal lockere 200 Dollar insgesamt, aber Hauptsache wir bekamen das Visa ohne Probleme. Weiter ging es also zur Gepäckausgabe. Wir wollten gerade mit unseren Koffern aus dem Flughafen raus, da kam ein Beamter auf uns zu und nahm uns mit zu einem Schalter. Wir hätten den Visa-Stempel vergessen. Schön, dass ihr uns das jetzt auch sagt!!

Naja, irgendwie schien unsere Odyssee weiterhin ihren Lauf zu nehmen, also mussten wir innere Gelassenheit üben und auf Allah/Gott vertrauen, dass es irgendwann ein Ende haben wird.

Auf Äthiopischem Boden!

Endlich auf Äthiopischem Boden, wurden wir von zahlreichen tropischen Gewächsen, Reggae- Musik und Freunden meines Mannes begrüßt. Gut, dass er überall auf der Welt jemanden kennt! Sie luden uns in einen gemieteten Bus und auf ging es zu unserem im Voraus ausgewählten Appartement. So dachten wir wenigstens.

 

 Ein unschönes Willkommen

Kaum kamen wir in den Innenhof des Gebäudes, in dem unser Appartement stationiert war, kam auch schon die Besitzerin in ihrem Bademantel an und war sichtlich geschockt von uns. War es die Menge der Leute, oder die vielen Hijabs und Niqabs, die sie verstörten? Wir setzten uns geschafft auf eine kleine Mauer und warteten, beobachteten die heiß verlaufende Diskussion zwischen der Frau und mehreren Somalischen Männern. Sie hätten ihr eine Familie angemeldet und nun das: 12 Personen! Das wäre ihr zu viel! Da war nichts zu machen. Die Freunde meines Mannes mussten eben spontan nach einer neuen Bleibe für uns suchen.

Wir warteten und warteten, Minuten und Stunden vergingen. Wir kramten noch die letzten Kekse aus unserem Gepäck, um unsere hungrigen Mägen zu füllen, und einiges später bekamen wir auch etwas Wasser zum trinken. Meine Co-Schwester fiel bereits zum 2.mal in Ohnmacht und legte sich mit allen erdenklichen Jacken bedeckt auf die Wiese. In derzeit entdeckten unsere Kinder das ungewohnte Grün des Grases und die verschiedenen Blumen.

Neue Chance?

Endlich war es soweit: die Bekannten hatten ein Haus für uns gefunden, was sogar möbliert war! In einem Mini-Auto wurden wir Frauen und Kleinkinder dorthin gefahren, während die anderen liefen. Als wir ausstiegen, kam uns der Geruch von menschlichen Ausscheidungen entgegen. Oh Gott, wo waren wir denn hier gelandet? Inmitten von Blechhütten!

Durch das Tor des Hauses konnten wir aber immerhin ein vernünftig erscheinendes Haus erspähen. Auch wenn die Autotür seitens meiner Co-Schwester sich nicht mehr öffnen ließ, schaffte sie es trotzdem irgendwie raus und zum nächstgelegene Sofa im neuen Haus. Das Wohnzimmer des Hauses sah schon mal richtig wirtlich und annehmbar aus, besser als ich erwartet hatte. Ein großer Samsung-Bildschirm durfte dort natürlich auch nicht fehlen.

Wir warteten auf die Verhandlungen bezüglich unserer Mietkosten. Und siehe da- schon wieder wollte man uns raus schmeißen! Wir wären viel zu viele und müssten extra Money zahlen. Das war aber echt nicht fair, da wir sowieso schon einen hohen Mietpreis ausgemacht hatten: 1200 US Dollar für bloß 2 Wochen! Mein Mann erklärte der Vermieterin, dass es nicht fair sei, die Miete zu erhöhen (wenn, dann die Nebenkosten), und dass ein Teil von uns nach ein paar Tagen sowieso weg gehen würde (damit meinte er mich und meine Kids). Schlussendlich lenkte sie doch ein, aber nur mit der Bedingung, dass wir die junge Frau, die dort in einem außenstehenden Zimmer lebte, als Dienstmädchen einstellen und bezahlen würden. Okay, kein Problem. Hauptsache, wir mussten nicht schon wieder Stunden nach einem anderen Haus suchen!

Endlich Abspannen…

Nachdem die Wellen geglättet waren und das Geld bezahlt, wurde uns endlich etwas Essbares gebracht: Somali Reis und Pasta. Unsere hungrigen Mägen jauchzten vor Freude. Langsam stellte sich auch die Abendkälte ein, doch es gab genug dicke Decken im Haus.

…natürlich nicht, ohne einen Zwischenfall!

Als später mein Mann mit seinen Freunden wieder kam, bekamen wir die Haustür nicht mehr auf. Egal, wie sehr wir es versuchten- sie ließ sich nicht öffnen! Mein Mann stellte sich schon auf eine kalte Nacht unter freiem Himmel ein oder eine Nacht bei seinen Freunden, da kamen sie auf die Idee, dass er über die Nachbarmauer drauf und auf unseren Balkon klettern könne! Das tat er dann auch, aussehend wie ein Schwerverbrecher im Anzug. Subhanallah, was für ein Ende eines chaotischen Tages in einem uns nicht gerade Willkommen heißenden Landes! Nun konnte es nur noch besser werden.

Am nächsten Tag kam die Vermieterin mit einem Handwerker daher und meinte doch tatsächlich, wir hätten die Tür demoliert. Dabei war das Schloss schon vor uns nur noch halb in den Fugen, und die eine Türklinke saß nicht mehr richtig. Sie steigerte sich in ihren Hass rein und meinte, wir sollten sofort aus dem Haus, auf der Stelle! Aber Moment mal- wir hatten schon bezahlt! So einfach geht das nicht! Sie wollte uns das Geld zurück geben. Also sagten wir, wir würden solange drin bleiben, bis wir eine neue Bleibe gefunden hätten. Dagegen konnte sie nichts sagen, sie musste es mürrisch hinnehmen.

Derweil ging mein Mann zur Dänischen Botschaft und bekam einen Telefon-Termin für den nächsten Tag. Schritt für Schritt kamen wir unseren Zielen näher.

Nachmittags kam eine Nichte meines Mannes zu Besuch, die vom Alter her seine Mama hätte sein können. Ich weiß in so einem Fall dann immer nicht recht, wie ich die Person ansprechen soll, denn einfach beim Vornamen nennen würde als unhöflich gelten. Also sagte ich „Mama“ zu ihr. Aber auch sie war etwas verwirrt und dachte, meine Co-Schwester wäre die älteste Tochter unseres Mannes. Ein bisschen Spaß zur Abwechslung tat uns gut. Ich fragte sie, ob sie manchmal nach Somalia kommen würde, aber sie sah sich als Äthiopierin, also gäbe es keinen Grund! Mmh..naja.

Die Hexe lässt nicht locker

Abends erschien diese Hexe von Vermieterin wieder und diskutierte mit unseren Bekannten. Sie wollte nicht mehr warten und uns auf der Stelle raus haben. Subhanallah. Es beruhigte sie ein bisschen, dass unsere Äthiopische Nichte da war. Letztlich kamen sie zu dem Schluss, dass am nächsten Tag alle Schäden (welche nicht von uns verursacht wurden) schriftlich und mit Fotos unterlegt festgehalten werden sollten, und wir doch im Haus bleiben dürften, zumal wir schon bezahlt hatten. Einer der Männer sagte sogar, dass er persönlich für eventuelle Schäden aufkommen würde, falls am Ende unserer Mitzeit etwas festgestellt werden sollte. Die Besitzerin bestand darauf, dass unsere Äthiopische Nichte dann auch vor Ort sein sollte. Also übernachtete sie bei uns.

Am nächsten Tag war ich ganz froh über unseren Besuch, denn mein Mann und meine Co-Schwester machten sich auf, um SIM-Karten zu kaufen. Wir hatten nämlich weder Internet noch konnten wir uns anrufen. So war ich aber wenigstens nicht alleine mit den Kindern, sondern hatte Gesellschaft.

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen!

Eine SIM-Karte sollte eigentlich kein großer Akt sein. Doch in Äthiopien schon: sie standen mindestens 2 Stunden in einer Warteschleife. um die SIM- Karten zu registrieren! Damit steht dieses Land weit hinter Somalia, welches Telekommunikations-technisch diesem Land weit voraus ist.

In der Zwischenzeit rief mein Mann bei der Dänischen Botschaft an: sie sollten alle vorbei kommen- natürlich am nächsten Tag! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht, vielleicht würde es ja doch ganz schnell gehen, dass sie ihre Pässe beantragt kriegen und ich dann nach Deutschland reisen könnte..!

Die Hexe lässt es eskalieren

Mittags kam die Vermieterin endlich zum Wohnungs-Check. Anscheinend wusste sie selber nicht, wie heruntergekommen ihr Haus eigentlich war. Da half auch nicht das schöne Wohnzimmer.

Sie ging zur Küche und kam keine 2 Minuten wutentbrannt wieder raus, ging an uns vorbei, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Draußen erzählte sie dem Vermittler, dass wir die Küche komplett demoliert hätten! Wir sollten nun raus, auf der Stelle!

Mein Mann meinte, dass so einige Sachen im Haus nicht richtig funktionieren würden und die Tür nur das I-Tüpfelchen sei. Klar- in nur zwei Nächten konnten wir die Küchenschränke aus den Fugen bringen, das Badezimmer demolieren und was weiß ich nicht alles…! Es folgte eine Diskussion zwischen der Hexe, dem Vermittler und anderen Somalisch-Äthiopischen Freunden, bis sie sogar beleidigend wurde und mit der Polizei drohte. Go on- ruf sie bitte!

Die Polizei kommt!

Die Situation war so angespannt, dass man darauf einen Bogen hätte spannen können. Mir wäre es lieber gewesen, wir wären einfach in ein Hotel gegangen oder sonst wohin. Aber das wäre unbezahlbar gewesen und außerdem waren wir ja im Recht und hatten nichts zu befürchten.

Wer Recht hat, bekommt auch Recht!

Es kamen 2 Polizisten, welche die Vermieterin schon kannte. Es wurde nochmal heiß diskutiert. Doch die Polizisten gaben uns Recht, da wir tatsächlich schon einen Vertrag mit ihr hatten und gezahlt hatten. Das brachte die Frau ganz außer sich- sie konnte es nicht glauben, dass sie in „ihrem“ Land gegen uns Ausländer nichts machen konnte! Also wurde doch noch der Zustand des Hauses gecheckt und festgehalten und die Frau musste uns zähneknirschend verlassen. Die Polizisten gaben uns zu verstehen, dass sie diese Frau schon kannten und keine guten Erfahrungen mit ihr hatten, dann fuhren sie ebenfalls ab. Puh! Konnte es nun bitte einmal ruhig und ohne Zwischenereignisse weiter gehen!?!?

Ohne Strom und Wasser

Die Hexe ließ es sich nicht nehmen, uns den Strom und das Wasser abzustellen. So ganz unbemerkt, auf eine fiese Art. Von nun an mussten wir also wie Nomaden inmitten der Stadt leben. Das Dienstmädchen namens Hanna sagte zwar, es läge am Regen und die halbe Stadt hätte keinen Strom, wir hatten jedoch unsere Zweifel.

Abends brachte Hanna uns immerhin zwei Kerzen. Das Schlimmste war, dass wir noch nicht einmal Wasser kochen konnten für eine warme Milch (der Gasofen hatte kein Gas) und vor allem überhaupt kein Wasser hatten.

Germali’s lassen sich nicht so einfach unterkriegen!

Wir fanden Gott sei Dank draußen im Hof einen Wasserhahn mit fließend Wasser. Somali’s und Germali’s lassen sich nicht so einfach unterkriegen 😉 Damit füllten wir jegliche Behälter auf, die wir nur finden konnten.

Es folgten 2 Tage ohne Strom und Wasser, abgesehen von vielleicht 2 Stunden, in denen wir doch auf einmal beides hatten. In der Zeit wollte ich meine Kleine baden. Bevor ich jedoch ihre Haare waschen konnte, war das Wasser schon wieder weg. Dafür bekam sie in der Nacht dann ordentlich Fieber, die arme Maus.

Meine Co-Schwester und ihre Kinder waren immerhin sehr erfolgreich in der Dänischen Botschaft. Nur bei der Ältesten, die inzwischen 16 Jahre alt ist, auf ihrem Pass allerdings noch ein 1-jähriges Baby war, hatten die Beamten Probleme bei der Wiedererkennung. Sie forderten Kinderfotos und machten einen Termin für den nächsten Tag.

Besuch in den Slums

Um die Zeit zu überbrücken, machten wir einen Spaziergang in unserer nächsten Umgebung. Ich war negativ beeindruckt: auf der linken Seite überall Slums! Blechhütten und andere Hütten, die im Schlamm standen. Kein Wunder, dass diese Leute ohne ihre Musik, welche beinahe 24 Std.lief und welche unsere Kinder zum tanzen animierte, nicht auskamen. Schnell weg aus diesem Viertel!

Auf der rechten Seite gab es einige recht ordentliche Häuser, manche sogar richtige Villen mit hohem Stacheldrahtzaun auf der Mauer. Auf den Straßen wurden wir immerhin gar nicht blöd angeguckt, denn hier waren fast alle Frauen irgendwie bedeckt: selbst die Christlichen Frauen trugen hier Hijab! Sie nahmen ihre Religion noch sehr ernst.

Die Spannung steigt…

Am nächsten Tag fuhr mein Mann mit der Ältesten wieder zur Botschaft, im Gepäck einige Kinderfotos, die er im Eiltempo von seinem Laptop auf Fotopapier ausdrucken ließ. Das glich beinahe einem Wunder, da an dem Tag die ganze Stadt ohne Strom war (ich glaube, sie gingen dafür in ein Hotel mit Generator oder so).

Ich checkte derweil die Flüge nach Deutschland. Ich wollte nichts sehnlicher, als endlich hier weg! Alle Direktflüge würden allerdings nur nachts fliegen, kurz vor Mitternacht. Da die Flüge am Wochenende einige hundert Euro mehr kosten sollten, hoffte ich, wir könnten noch in dieser Nacht von Donnerstag auf Freitag fliegen. Meine Co-Schwester und ihre Kinder wollten am nächsten Tag sowieso auch weg von hier, wieder zurück nach Hargeisa. Niemand wollte länger hier bleiben. Die Dänischen Pässe könnte mein Mann dann innerhalb der nächsten 3 Monate alleine abholen. Könnte mein Mann die anderen jedoch einfach hier lassen, so dass sie dann alleine hier abreisen würden?

Good news!

Nachmittags kam mein Mann endlich mit guten Nachrichten zu uns: die Botschaft akzeptierte die Kinderfotos und somit den Antrag unserer Ältesten! Konnte es für mich nun losgehen??? Nach einigen Überlegungen hieß es, ja!!!

Ich rief sofort meine Eltern an, dass sie unsere Tickets buchten. Es war ein Wettlauf mit der Zeit, aber Gott sei Dank klappte es sogar noch mit dem Ausdrucken der Tickets. Nun hieß es, Packen, bevor es dunkel wurde und wir nichts mehr sehen könnten im Kerzenlicht.

Merkwürdiger Vorfall…

Komischerweise sah ich um ca. 20 Uhr aus unserem dunklen Zimmer im 1.Stockwerk heraus, wie das Dienstmädchen mit 2 Männern auf unseren Hof kam. Was wollten die denn hier? Ich sah, wie sie zum Stromkasten gingen, und das Licht anmachten! Sofort hatten wir wieder Strom und Wasser!! Wir hatten am Tag zuvor selber dort geschaut, ob wir etwas bewegen könnten, aber ohne Erfolg. Warum also änderten sie ihre Meinung noch kurz vor unserer Abreise und ließen uns Wasser und Strom genießen? Weil das Dienstmädchen begann, uns zu mögen? Ich hatte ihr morgens erzählt, dass wir wahrscheinlich abreisen würden und den ganzen Tag über küsste sie meine Kleine und pflückte unseren sogar Rosen aus dem Garten für unsere Kinder. Gegen Entgelt brachte sie uns sogar Wasserflaschen und machte uns Wasser warm auf ihrem Mini-Kocher, damit wir nicht ganz so verdreckt abreisen könnten. Aber warum konnte sie auf einmal den Strom und das Wasser an schalten?

… welcher uns nicht mehr juckt!

Es war nun egal, denn unsere Stunden dort waren gezählt. Die Antworten werden wir im Diesseits wohl nie erfahren. Das Schlimme war, dass die Vermieterin angeblich auch Muslima war und wohl mit einem reichen Mann aus Saudi Arabien verheiratet war, aber so gemein war zu uns. Während das Dienstmädchen eine Christin war, die sich aber bedeckte und sich viel muslimischer verhielt.

Abends um kurz vor neun kamen unsere Bekannten, um uns abzuholen. Aus Sorge, dass meine Koffer zu schwer sein könnten, brachten sie uns sogar noch einen neuen Koffer mit. Möge Allah sie reichlich belohnen für all das, was sie für uns getan hatten! Dann hieß es, Abschied zu nehmen.

Schwerer Abschied

Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als das. Innerlich freute ich mich riesig, dass es nun endlich losgehen sollte. Aber es zerbrach mir fast das Herz, mich von den Kindern zu verabschieden, vor allem von der 11-jährigen Aischa, welche die ganze Zeit schon weinte, da sie besonders an mir und meinen Kindern hing.

Ich drückte sie und versprach, sie ein andermal mitzunehmen und dass die Zeit sicher schnell vorbei gehen würde. Dann mussten wir los.

Und los geht’s- Endspurt!

Mit einem Bus wurden wir zum Flughafen gefahren. Die Straße zum Flughafen gab uns ein anderes, positives Bild vom Lande. Bloß einmal sahen wir auf einer Straßeninsel einen Mann schlafen. Meine Kinder sagten: Schau mal, ein toter Mann! Ich erklärte ihnen, dass dies nur ein sehr armer Mann war, der kein Haus hätte und einfach sehr müde war.

Am Flughafen angelangt, ging dieses mal alles recht schnell und reibungslos vonstatten. Bald schon konnten wir in unseren riesengroßen Flieger der Ethopien Airline steigen und erst einmal tief durchatmen.

Jetzt trennten uns nur noch 7 Stunden Direktflug von unserem Ziel, in Deutschland ein bisschen Urlaub zu machen. Wohlverdienten Urlaub nach so einer dramatischen Reise!

Meine Eltern warteten schon mit 2 Autos auf uns, die Wiedersehensfreude war riesig. Auf dem Heimweg verloren wir uns- die einen fuhren auf der Sauerlandlinie, mein Vater mit meinen Kids und mir über Köln. Welch kräftiges Grün, welch eine wunderschön liebliche Landschaft! Selbst mein Sohn stellte fest: „Deutschland ist aber schön!“.


Meine lieben Leser, Gratulation erst Mal, dass Ihr den Reisebericht bis hierhin durchgelesen habt 🙂  Wir haben uns schon ganz gut von der strapaziösen Reise erholt und genießen unseren Aufenthalt, alhamduliLlah.

Durch jede Schwierigkeit kann man nur stärker werden. Wir setzen jetzt noch eins drauf und machen noch ein bisschen Urlaub in der Schweiz, wo ich meine Verwandten zum ersten mal seit langer Zeit wieder sehen werde.

Ich wünsche Euch auch noch schöne Ferien in diesen tropischen Temperaturen,

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

 

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