Reisebericht: Vorbereitungen, der schwerste Teil einer Reise!

As salamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Nun ist es einige Zeit her, dass ihr von mir etwas gehört habt. Das hatte einen guten Grund, denn ich war mit nichts weniger als mit Reisen und deren Vorbereitungen beschäftigt!

Inzwischen sitze ich doch tatsächlich in meinem neuen coolen Arbeitszimmer in Deutschland, möchte euch aber einen kleinen Rückblick über meine letzte Reise nicht vorenthalten.

Warum nach Deutschland?

Wieso ich mich entschloss, diesen Sommer in Deutschland zu verbringen?

Das hatte einige Gründe: 1. War ich schon 3 Jahre nicht mehr dort und meine Kinder können kaum noch Deutsch sprechen. 2. Stehen ein paar Arztgänge bevor, die in Somalia in der Form nicht möglich sind, und 3. War nun der beste Zeitpunkt, bevor mein 5 1/2 jähriger Sohn mit seiner Schullaufbahn anfängt, noch einmal für eine längere Zeit als nur 4 Wochen solch eine Reise anzutreten. Zudem hätten sonst meine Eltern ein 3.Mal in Folge nach Somalia kommen müssen, um uns zu sehen, was ja auch kein leichtes Unterfangen für sie ist.

Vorbereitungen

Der wohl schwierigste Teil der Reise sind immer die Vorbereitungen dazu. Gerade, weil wir meine Reise mit der Reise meiner Co-Schwester und ihrer Kinder verbinden wollten, gestaltete sich diese als eine wahre Geduldsprobe. Denn Letztere wollten nach Äthopien reisen, um ihre abgelaufenen Dänischen Pässe neu zu beantragen. Dafür mussten sie allerdings nicht nur Somalische Pässe, sondern auch Visa für Äthiopien beantragen- also eine Menge Behördengänge standen ihnen bevor!

reisebilder pass

Pässe (spez.Westliche)…

reisebilder weheartit.com

…sind das Tor zur Welt!

Sie fingen damit schon während dem Ramadan an, also irgendwann im Mai. Somalische Pässe zu beantragen würde höchstens 3 Wochen dauern, so sagte man ihnen. Daraus wurden dann allerdings 4-5 Wochen. Nun gut, die Visa Beantragung müsste dann aber eine Sache von 1-2 Tagen sein und dann könnten wir los! Koffer wurden gepackt, Somalische Kleidung und Parfüms zum Weiterverkauf wurden im Akkordtempo eingekauft. Fehlten ja nur noch die Visa! Das war Anfang Juli.

Aber da hatten wir wohl beinahe vergessen, dass wir uns in Afrika, der Korruptionshochburg Nr.1 befinden.

Am Tag der geplanten Visa-Beantragung kamen mein Mann und seine andere Familie völlig enttäuscht zurück: die Äthiopische Botschaft sei geschlossen! Die hätten das Oberhaupt gewechselt und seien die nächsten Tage mit Besprechungen und Fortbildungen beschäftigt. Na toll… In der Zwischenzeit wurde uns von ein paar Leuten aus Somaliland schon Panik gemacht: Wir sollten die Grenze zwischen Puntland und Somaliland (zwei Bundesgebiete) möglichst schnell überqueren, da sie dort wahrscheinlich die Straße wieder sperren würden aufgrund von Grenzkämpfen (einen Kommentar darüber erspar‘ ich euch an dieser Stelle)!

Die Spannung steigt…

Wir überlegten jeden anderen Weg, jedoch waren wir wirklich auf diese Äthiopische Botschaft in Garowe angewiesen. Das schienen die auszunutzen. Denn als meinem Mann und seiner Truppe endlich ein Termin zur Visa-Abholung gegeben wurde (2 Wochen später- die Zwischenstory erspar ich euch ebenfalls), bekam er zu Ohren, dass sie von der Liste der Visa-Bekommer für diesen Tag herausgestrichen wurden. Ja, ihr habt richtig gehört! Mit Absicht hatte der Vorgesetzte seinem Untergesetzten befohlen, diese (unsere) Familie von der Liste zu nehmen, ansonsten würde er sie zerreißen. Da der Angestellte sich weigerte, dies zu tun, machte der Vorgesetzte seine Warnung wahr: Er zerriss die Liste, auf der mein Mann und seine andere Familie als Visa-Empfänger drauf stand, und schrieb eine neue Liste- ohne sie.

…und ist kaum noch zu ertragen!

Ich weiß nicht, wie mein Mann sich noch kontrollieren konnte, als er das erfuhr. Vielleicht half es ihm, dass er an dem Tag fastete. Jedenfalls war es auch dieser Vorgesetzte, der die Somalischen Pässe ebenfalls herausgezögert hatte. Warum? Das weiß nur unser Gütige Herr!

Mein Mann beschwerte sich daraufhin bei dem Vize-Präsidenten Puntlands, welcher ihm sogar ein Eil-Schreiben für die Visa-Stelle ausgestellt hatte. Denn mittlerweile war es Mitte Juli und die Schulferien der Kinder schwanden nur so dahin! Da auch dieses Eil-Schreiben nicht ernst genommen wurde, half erst ein persönlicher Anruf des Vize-Präsidenten, dass mein Mann und seine andere Familie doch noch die Visa bekamen- einen Tag später, versteht sich!

Endlich ist es soweit…

Endlich bekamen sie die Visa dann am Montag, den 16.7., also 2 Wochen später als geplant, aber besser, als gar nicht. Ich traute mich schon kaum zu fragen, wann es denn nun endlich weiter ginge, denn ich nervte schon jeden Tag mit meinen Fragen. Also wartete ich ab. Doch nichts passierte! Kein Startschuss wurde gefeuert, dass es am nächsten Tag losgehen könne… Also fragte ich doch.

Oder doch noch nicht?!

Es hieß, wir müssten auf einen Freund meines Mannes warten, der Äthiopischer Staatsbürger sei und uns in Hargeisa bei unsere Weiterreise weiter helfen würde. Denn wie wichtig hier Beziehungen sind, um etwas zu erreichen, könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Dieser Freund musste allerdings erst von Mogadischu nach Hargeisa fliegen, und würde dort auf uns warten.

Ich musste mich wirklich zusammen reißen, auch wenn ich mir sagte, es sei für irgendetwas gut, dass es nicht so lief, wie wir es gerne wollten. Allah ist der Beste Planer und wollte uns entweder von etwas Schlechtem abhalten, oder unsere Geduld prüfen.

patience

Am Mittwoch hieß es dann noch, es wäre besser, Donnerstags zu reisen, da es Sunnah wäre (der Prophet s.a.s. reiste wohl auch Donnerstags). Außerdem würden wir sowieso nicht vor dem Wochenende bei der Dänischen Botschaft in Äthiopien antanzen können. Aber wenigstens konnte ich nun meine wieder ausgepackte Kleidung einpacken.

Ob es am nächsten Tag wirklich los ging und wie unser erster Reisetag von Garowe nach Hargeisa verlief, erzähle ich euch in shaa Allah morgen!

Eure Khalisa

 

 

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2 Antworten auf „Reisebericht: Vorbereitungen, der schwerste Teil einer Reise!

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