Mein Eid in Somalia

In diesem Artikel möchte ich euch zeigen, wie ein Eid in Somalia aussieht. Wie ihr wahrscheinlich wisst, haben Muslime zwei riesen Feste (so wie die Christen Weihnachten und Ostern)- das Erste im Jahr ist Eid-ul Fitr, das Fest des Fastenbrechens. Es findet am Ende des Ramadans statt und wird durch die Mond-Sichtung bestimmt. Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, verschieben sich die jährlichen Termine immer um ca. 10 Tage.

Wo ist der Mond?

Am letzten Tag im Ramadan stellt sich die große Frage: “Ist morgen Eid oder müssen wir noch einen weiteren Tag fasten?”. Jeder hält nach der Mondsichel Ausschau. Ich helfe Shakila, unserer Helferin, auf unser Dach rauf. Mit ihrer typischen Leichtigkeit flitzt sie die Leiter hinauf, um dann enttäuscht festzustellen: kein Mond in Sicht!

Also heißt es, warten und gelegentlich ins Handy gucken. Ich bin die erste, die eine Kettennachricht von Islam-study auf Whatsapp entdeckt: Yes, der Mond wurde in Saudi Arabien, den Emiraten und Australien gesichtet, also ist morgen Eiiiiid!!! Alle springen rum und jauchzen vor Freude, umarmen sich.

Allerdings scheinen wir bisher die Einzigen zu sein, die darüber Bescheid wissen. Denn in den Moscheen erklingt sogar der Gebetsruf für´s Nachtgebet, ohne irgendeine weitere Meldung. Unsicherheit beginnt. Dieses Jahr ist es besonders spannend. Dann wird sogar Tarawih gebetet. Mmmh. Ich rufe meinen Mann an, und frage ihn, ob er nicht seine Freunde in Australien und Co. anrufen könne. 5 Minuten später kommt dann die Antwort von allein: Allahu akbr, Allahu akbar, La illaha illla Llaaah! Allahu akbar Allahu akbar, wa liLlahi-l hamd! Tönt es aus den Moscheen. Diese Sätze werden -Fest über immer wieder gesungen. Juhuuu, die Freude ist riesig! Unserer Helfer, welche aus Bauersfamilien aus dem Süden kommen und noch sehr afrikanisch-traditionell angehaucht sind, fangen an, auf leeren Ölkanistern zu trommeln. Dazu tanzen die Kinder vor Freude und singen etwas passendendes dazu. Hier ein kleiner Einblick 😀

Da der islamische Tag bereits ab dem EIntritt des Abends anfängt, haben wir also eigentlich schon Eid. Bloß das “richtige” Eid ist erst morgen, nach dem Eid-Gebet.

Letzte Vorbereitungen auf Hochtouren

Ich fange an, mit der 11-jährigen Aischa einen Schockoladenkuchen vorzubereiten, den sie sich so sehr gewünscht hat. Sie ist auch diejenige, die bis spät in der Nacht das Wohnzimmer mit Luftballons und Süßigkeiten dekoriert. Bloß brauchen wir noch Kakao für den Kuche! Also gehen wir zum nah gelegenen Supermarkt. Darin geht es schon ziemlich freudig zu: neben Eid- Nasheeds (Liedern) werden die Leute ermutigt, noch die allerletzten Besorgungen zu machen. Den Kakao haben wir nicht gefunden, jedoch Popkorn- Tüten aus Pappa, wie aus den Kinos. Und natürlich- eine Portion Eiscream durfte auch nicht fehlen 😉

Meine Co-Schwester fährt in der Zeit noch ein letztesmal in die Stadt, um letzte Besorgungen zu machen. Okay, das vorletzte mal. Im Gepäck all die anderen Kinder, die auch ins Vergnügen einer Eiscream kommen. Gott sei Dank findet sie sogar eine fertige Schocko-Kuchen Mischung. Umso besser! Die Stadt ist so voll, dass man kaum vorwärts kommt.

Überraschender Weise bekommen wir noch ein bisschen Extra Geld, wovon ich mir eine Abaya kaufen will. Nach dem Kuchen backen und dem Kinder ins Bett bringen, wollen wir also noch einmal los. Problem: meine Kleine Tochter merkt, dass ich nochmal weg möchte, und schläft weder ein, noch lässt sie mich aus ihren Armen weg! Aber länger als bis um Mitternacht konnte sie dann auch nicht wach bleiben.

Leicht ermüdet ging ich zu meiner Co-Schwester. Bestimmt sei es jetzt zu spät, und alle Geschäfte geschlossen? Nein, keineswegs- let´s go! Inzwischen ist die Stadt nicht mehr rappel voll. Dafür voller Müll, denn überall liegen die durchsichtbaren Tüten von den neuen Kleidungsstücken rum. Wahnsinn. Wo das wohl alles landet?

Wir gehen von Geschäft zu Geschäft, und werden beim 3. fündig. So viel Auswahl, so viel Farben und Glamour! So eine Auswahl an wunderschönen Festkleidern für Groß und Klein hab ich in Deutschland nie gesehen. Kommt natürlich alles aus Indien, dementsprechend auch so Farbenfroh und teilweise fast kitschig. Gut, aber ich wollte ja nur eine schlichte Abaya, ein Kleid, welches ich draußen unter dem Hijab anziehen kann. Der Preis wird 2 Dollar herunter gehandelt und dann können wir uns endlich nach Hause begeben. Aber erst, nachdem wir noch ein paar kleine Spielzeuge für die Kleinsten gekauft haben!

Um 1 Uhr nachts kommen wir erschöpft zurück. Dann muss ich enttäuscht feststellen, dass mein neues Kleid zu kurz ist. Na toll, umtauschen geht jetzt nun wirklich nicht mehr! Also muss mein alter Hijab herhalten und mein Kleid erstmal zum Schneider. Witzigerweise sind meine neuen Schuhe auch noch beim Schuster, also nichts da mit neuer Montur an Eid! Aber egal, hauptsache die Kinder tragen ihre wunderschönen Kleider und freuen sich darüber.

Für´s Henna auftragen ist es nun auch zu spät. Ich sollte nämlich alle Mädels in unserem Haus bemalen, verschiebe es jedoch auf morgen. Gerade soeben schaffe ich noch meine eigenen Hände etwas zu bemalen. Dank Youtube kriege ich genug Inspiration. Und mit einem Podcast von Laura Malina Seiler im Ohr, merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht. Um 2:30 falle ich dann halb tot ins Bett. Morgen wird ein langer Tag.

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Der Eid- Morgen

Morgens um kurz nach 5 Uhr schaffe ich es gerade noch, das Morgengebet zu beten. Wär´ ich bloß früher eingeschlafen! Während ich die anderen Kinder schon ganz aufgeregt rumwuseln höre, lege ich mich noch einmal kurz hin. Jede Minute Schlaf ist wertvoll. Dann jedoch ist es um 6:30 höchste Zeit, die Kinder und sich selbst vorzubereiten. Gemäß islamischer Tradition (Sunnah) wird noch schnell geduscht und danach “in Schale” geschmissen. Um 7 Uhr tönt es von draußen schon überall den Eid-Gesang (s.oben). Ui, jetzt aber schnell! Wir schaffen es erst 7:30 aus dem Haus und laufen schnell zu unserer Moschee, welche maximal 5 Gehminuten von uns entfernt, und schon so richtig voll ist!

Das Eid-Gebet

Gott sei Dank sind wir noch nicht zu spät und können uns zwischen den Leuten noch einen Platz ergattern. Erst einmal müssen wir jedoch an der Schlange von Bettlern hindurch. Bei diesem Eid Fest ist es übrigens Pflicht für jeden Muslim, bzw. jedes Familienoberhaupt, eine Spende für die Armen abzugeben, die Zakat-ul- Fitr. Sie gilt als Läuterung und beinhaltet Grundnahrungsmittel für eine ganze Familie. Mein Mann verteilte am Tag zuvor ganze Ladungen an Lebensmitteln und sogar Eid-Kleidung an die Bedürftigen, auch im Namen seiner Verwandten aus dem Ausland.

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Vor der Moschee versammeln sich eine Reihe an Bedürftigen.

Die gesamte Moschee wurde eigens für die Frauen frei geräumt. Der Imam ruft noch fleißig zum Spenden auf, Spenden für Waisenkinder und den Moscheebau. Jeder kann mit seinem Handy direkt auf den Account der Moschee überweisen (ja, so modern geht es hier zu!). 5 Dollar, 20, 100…dazwischen macht er Bittgebete für die Spender.

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Der Imam sammelt Spenden vor dem Eid-Gebet.

Schließlich geht es los. Alle stehen auf und folgen dem Imam beim Gebet. Es ist ein spezielles Gebet, anders als alle anderen, und ist sehr kurz. Gott sei Dank finde ich noch einen Platz für meine Niederwerfung im Gebet. Denn meine Kleine weicht keinen Millimeter von mir, sitzt und steht also dort, wo ich meinen Kopf platzieren wollte.

Dann ist es auch schon vorbei. Während der Imam noch eine kurze Ansprache hält, wie es sich gehört, strömen die Frauen schon raus, schade eigentlich. Ein paar Verwandte begrüßen uns derweil und wir wünschen uns ein gesegnetes Fest. Dann heißt es, Schuhe wieder finden und raus.

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Wir warten noch auf den Rest der Familie und beobachten die  wunderschön angezogenen Menschen. Ein paar weitere Verwandte begrüßen uns noch. Jedoch sollte dieses Fest anders als die vorherigen sein, denn diesmal kommen sie gar nicht zu uns nach Hause und meine Lieblings-Schwägerin ist verreist. Auf einer Seite etwas merkwürdig, auf der anderen Seite eine Erleichterung, da wir sonst auch nicht mehr so eng sind. Und schließlich sind wir ja auch schon 2 Familien unter einem Dach, also genug Leute, um Spaß zu haben!

Familienfoto

Nachdem das Frühstück auf dem Feuer ist (Fleisch-Kartoffelsoße mit Brot) und die ersten Süßigkeiten verschlemmt, heißt es, noch einmal Kleider anziehen für´s Familienfoto.

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Auch eine andere Verwandte kommt vorbei, um Fotos mit dem Sultaan (mein Mann) zu machen, um sie ihrer Familie im Ausland zu zeigen. Mein Mann hat währenddessen noch ein paar andere Gäste zu unterhalten.

Shaytan ist wieder frei

Nach dem Frühstück spielen die Kinder mit ihren neuen Spielsachen, Ballons und Tröten. Die ersten gehen schon kaputt, den China-Spielzeuge sind wohl für Einmalgebrauch gedacht. Ich male in der Zeit noch den Mädels etwas Henna auf die Hände und muss dann auch schon Mittagessen vorbereiten. Keine Zeit für nichts mehr außerhalb des Ramadans, wo man wieder so oft in der Küche steht!

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Derweil merken wir auch, das die Teufel wieder aus ihren Ketten sind, in denen sie während des Ramadans lagen. Es gibt etwas miese Stimmung unter den Erwachsenen, von denen die Kinder Gott sei Dank nichts mitkriegen.

Wie wir uns wieder einfangen und den Rest des Tages zu einem Freudentag machen, erzähle ich euch im 2.Teil, in shaa Allah!

Bis ganz bald in shaa Allah,

Eure Khalisa

PS: Noch ein lustiges Video von meinen Kindern obendrauf 🙂 Allahumma baarik, möge Allah sie segnen!

 

 

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2 Comments Add yours

  1. kafe hadjer says:

    ma scha Allah …. so schöne Kinder hast Du … Allah beschütze Euch
    Eid mubarak ❤

    Liked by 1 person

    1. thegermalis says:

      Danke dir, baarakaLlahu feeki für deine Du’a und Amiin💖

      Mögest Du auch eingesegnetes Eid gehabt haben (ist ja eigtl.schon vorbei lol)💖

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