9.Interview: Ein Herz für alle- in Marokko!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Freunde,

Im heutigen Interview werdet ihr einen tiefen Einblick von Marokko bekommen- von einer Powerfrau ohnegleichen: Sara Schmidt! Ich bin so glücklich, dass ich sie noch persönlich in meiner Heimatstadt Dortmund kennenlernen durfte. Auch damals war ich schon von ihr fasziniert, denn egal, wo sie ist- diese Frau versetzt immer Steine, packt an, möchte etwas zum besseren verändern!

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Sei es damals auf einem Schwestern-Treff bei ihr zuhause (natürlich mit Vorlesung), Krabbelgruppen-Planung oder “Massen-Hijama” (Schröpfen nach Art der Sunna. Eine professionelle Schröpferin kommt zu jemandem nach hause und behandelt eine Person nach der Anderen),- mit Sara wird es nie langweilig!

So initiativreich wie sie ist, hat sie durch ihre Selbstständigkeit mit  Forever-Produkten sich und ihrer Familie die Auswanderung nach Marokko ermöglichen können. Über Multilevelmarketing oder Forever Produkte mag es verschiedene Meinungen geben (ich hab mir selber schon welche nach Somalia bringen lassen und bin begeistert!), dafürkann sie damit ihre Existenz sichern, und das verdient allen Respekt.

Mit alledem hält sie außerdem ihrem Mann den Rücken frei, der sehr erfolgreich eine eigene Hilfsorganisation gegründet hat. Selbst ebenfalls konvertierter (allerdings Polnischer) Muslim, baut er mit größter Sorgfalt verschiedenste Brunnen in Tansania und anderen Ländern, um so etwas gegen die Ungerechtigkeit und Armut zu tun. Somit ist er natürlich viel auf Reisen, doch Sara hat genug “Mumm”, um sich alleine in einem fremden Land durchzusetzen.

Als ob Sara nicht genug zu tun hätte, setzt sich die 3-fache Mutter auch noch für Arme, Bedürfte Menschen in Marokko ein: sie sammelt Spenden und rettet damit Leben!

Aber lest selbst, lasst euch von dieser trotz allem bescheidenen gebliebenen Persönlichkeit inspirieren 🙂


Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Selam aleykum wa Rahmatullahi wa Barakatuhu…

Vor ca. 1,5 Jahren nach Tanger / Marokko.

Ich bin aber schon mal ausgewandert: vor ca. 4 Jahren nach Fes und bin dann nochmal umgezogen nach Kenitra . Nach 6 Monaten bin ich dann aber wieder zurück, weil ich nicht richtig vorbereitet war.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da wir in Tansania Brunnen bauen (www.blue-springs.de), hatten wir erst überlegt, dorthin Hijra zu machen. Aber da meinem Mann dort schon so vieles passiert ist- von ausrauben bis hin zur versuchtem Kidnapping, haben wir uns entschieden, dass es in Marokko einfach sicherer für uns ist.

Zudem habe ich mir Marokko ausgesucht, weil es hier einfacher ist wegen dem Visum. Man kann einfach alle 3 Monate rüber nach Spanien für ein paar Stunden und hat damit wieder 3 Monate Zeit wo man im Land bleiben darf. Die Stadt Tanger ist deswegen auch geeignet, weil es Nahe an der Grenze ist und ich kein Führerschein habe.

 

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2a: Wie kommst du zurecht, ohne eine (Schwieger-)Familie vor Ort zu haben? Hast du keine Angst allein als Frau?

Am Anfang wusste ich selbst nicht, wie ich zurecht kommen soll ohne Familie hier und ohne Sprache. Aber ich habe schnell herausgefunden, wo der Supermarkt ist und durch das Internet schnell deutsch sprechende Schwestern gefunden die auch hier leben und mir vieles gezeigt haben. Ganz am Anfang bin ich einfach mit den Kindern in alle Richtungen gelaufen, um zu schauen, was es alles in meiner Umgebung gibt. Und eine Schwester, die ich noch von meiner ersten Auswanderung kannte, ist für ein paar Tage hierher gekommen, um mir einiges zu zeigen und mir mit Erledigungen zu helfen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte meine Religion frei ausleben und mich nicht mehr als Fremde und verhasste fühlen in meinem eigenen Land und ich wollte das meine Kinder den Islam lernen und damit leben können, ohne von Lehrern usw. beeinflusst zu werden.

 

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Mein ältester Sohn ist jetzt bald 16 in sha ALLAH und ich weiß, dass es nicht nur mit der Erziehung zu tun hat, wenn man seinem Kind den Islam beibringen möchte… sobald ein Kind in Deutschland in eine Schule kommt, dann wird es bis zu 10 stunden am Tag von zig anderen Menschen meißt so erzogen, wie es nicht immer mit dem Islam vereinbar ist.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, wir hatten gut vorgesorgt alhamdulillah. Ich hatte mich vorher selbstständig gemacht und soweit hochgearbeitet, dass ich im Ausland meinen Lebensunterhalt beschreiten kann. Ich habe mittlerweile auch eine Homepage 🙂 www.superfoodsmore.de
Zudem mache ich auch Tijara [Handel, Anm.d.R.] mit Islamischem Spielzeug hier aus Marokko. Dazu habe ich auch einen Online Shop 🙂 www.islamic-buy.de
(ich hoffe ein bisschen Werbung ist erlaubt) 🙂

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Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse? Und hast du die Sprache inzwischen gelernt?

Ich kann leider kein Arabisch oder Französisch, aber mittlerweile habe ich die Sprache soweit gelernt, dass ich auf dem Markt einkaufen und Handeln kann, wobei da auch noch viel einfach mit Hand und Fuß erklärt wird 🙂. Ansonsten bekomme ich Hilfe von den anderen Deutsch sprechenden Schwestern, die hier leben Alhamdulillah .

Ich habe hier sehr viele sehr MashALLAH gute Schwestern kennen kennengelernt, die mir helfen bei allem was so ansteht, alhamduliLlah.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Nicht sehr viel .. Die Bindung ist nicht so stark .. Und sie wissen, dass ich durchziehe, was ich mir vornehme…

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Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig? Und wie bekommt man das, ohne Schwiegerfamilie vor Ort?

In Marokko braucht man nicht sofort ein Visum.

Mann kann einfach alle 3 Monate nach Spanien rüber zb zum Shoppen im Lidl 🙂 und dann halt wieder zurück und hat somit dann wieder 3 Monate, in denen man im Land bleiben darf…

Ich mache das jetzt, seitdem ich hier bin. Wobei ich sagen muss, mit den Kindern ohne Auto über die Grenze ist immer sehr anstrengend und auch nicht ungefährlich, aber z.B. mit der Fähre ist es ein schöner Tagesausflug, wenn auch viel kostspieliger.

Ein Visum habe ich jetzt allerdings beantragt und warte nun auf mein vorläufiges Visum. Das war eine endlose Rennerei . Wir mussten mehrere male zur Polizei und haben jedes mal Stundenlang warten müssen, nur damit sie uns dann wieder weg schicken, weil denen noch was eingefallen ist, was noch an Papieren fehlt, usw., usw., usw… Das Schwierige hier ist, dass viele Beamten bestimmten Papierkram gar nicht kennen. Z.B braucht man ein Bankkonto, aber die Banken sagen, ohne Aufenthalt gibt es kein Konto. Dann muss man halt von Marokko aus die Partnerbank in Deutschland anrufen, damit die denen dann erklären, was genau für ein Konto die mir eröffnen sollen, usw… Oder ein ärztliches Attest, indem steht, dass wir alle gesund sind. Die Untersuchung ist dann ein Ultraschall vom Bauch und Blutdruck und Gewicht messen …naja … 😀

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert? (Hier kannst du für eure Projekte werben!)

Ich selbst habe mich in Deutschland selbstständig gemacht im Multilevelmarketing. Ich verkaufe Produkte für die Gesundheit und das alles Online (inkl. passives Einkommen). Als ich dort den Manager erreicht hatte, sind wir einen Monat später ausgewandert.

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Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja 🙂 Ich war in der Zwischenzeit auch nicht mehr in Deutschland und möchte es auch nicht.

Ich lebe hier, wo andere Monate lang sparen, um hier Urlaub machen zu können,
Tanger ist meiner Meinung nach einer der schönsten Städte Marokkos. Hier gibt es das Meer,Wälder, Berge, Spielplätze und auch Indoorspielplätze, Man kann einfach mit der Fähre innerhalb von 30 Min rüber nach Spanien . Es gibt viele deutsche Schwestern hier, usw…

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Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

14, 2 und 1.

Frage 11: Seid ihr dort krankenversichert?

Nein. Einmal Arm brechen hat uns hier 500 € gekostet, aber dafür muss dann einfach Rücklagen schaffen.

Frage 12: Welche Schule besuchen deine Kinder dort? Bist du zufrieden mit ihrer Bildung?

Mein ältester geht zur Koranschule. Wenn er weit genug ist mit dem Koran lernen, kommen andere Fächer dazu. Mit dem Zeugnis kann er hinterher dann studieren gehen.

Die beiden kleinen werden noch zu Hause unterrichtet, 4x die Woche. Sie werden im Koran, Alif ba [Arabisches Alphabet, Anm.d.R.], Marokkanisch und richtig Arabisch unterrichtet von einer sehr, sehr lieben Marokkanerin.

Die Kindergärten hier gefallen mir alle nicht außer einer und da bekommt man nur einen Platz mit Aufenthalt

Frage 13: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich habe eine Marokko-Rundreise gemacht und das Land kennen gelernt. Wir waren in der Wüste und im Atlasgebirge , am Wasserfall, und, und, und…
Die Menschen hier sind alle gastfreundlich und ich hatte nie das Gefühl, das wir nicht willkommen sind.

 

Wir haben hier auch viele arme Familien besucht.

Es tut der Seele gut, mit den Armen zu sein. So kommen einem die eigenen Sorgen so klein vor und man wird dankbar für das, was man hat alhamdulillah.

Wir haben hier eine Familie besucht, die mit ihren 4 Kindern auf dem Friedhof lebt. Oder eine Witwe mit 9 Kindern wo der Jüngste behindert ist, das Mädchen hat einen Wasserkopf und deformierte Beine und einen Herzfehler. Oder die Familie von Firdaus, das Mädchen mit der Mondscheinkrankheit.


Mitlerweile bekommen wir Spenden, um den Armen helfen zu können alhamdulillah . Jetzt aktuell sammeln wir Spenden, um 80 armen Familien zu Ramadan Iftar Pakete geben zu können …. Unsere aktuellen Projekte könnt ihr auf meiner Facebook Seite verfolgen.


Frage 14: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Viele reden immer davon, wie gefährlich es hier ist, aber bis jetzt ist nie was passiert. Obwohl ich seit über einem Jahr alleine hier bin und das ohne Auto… Das einzigste, was einmal nicht schön war: als ein ca 10-Jähriger uns belästigt hat ….

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich werde von so vielen Schwestern kontaktiert, die alle sagen, dass sie sofort gehen würden, wenn sie könnten. Aber kaum eine tut wirklich was, um gehen zu können.

Macht Tijara! Verzichte auf Coffee to go und Döner und spare dein Geld! Vielleicht kommt mal eine Zeit, wo du nicht mehr in der Lage bist, zu gehen und dann wirst du jeden Cent, den du sinnlos ausgegeben hast, bereuen. Gerade, wenn man Kinder hat, sollte man jede Chance nutzen, um sich auf den Weg zu machen und auf ALLAH swt vertrauen.

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Vielen Dank für deine Teilnahme und deine geteilten Erlebnisse, liebe Sara! Möge Allah dich und deine Familie reichlichst belohnen für all eure Mühen, die Welt ein Stück lebbarer zu machen!!!

Ich hoffe, nein, ich denke, dass euch dieses Interview ebenso beeindruckt hat, wie mich. Sara ist das beste Beispiel dafür, dass man nicht einfach nur reden sollte, sondern “einfach” tun!

Zudem sieht man in diesem Beispiel ganz klar, dass man nicht allein gelassen wird, wenn man seiner Religion wegen ausgewandert ist- und insbesondere dann nicht, wenn man sogar noch anderen hilft! So heißt es so schön in einem Ausspruch des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm:

Wer seinem Bruder hilft, dem wird Allah helfen. Und wer einem Muslim bei der Beseitigung seiner Sorgen hilft, dem wird Allah bei seinen Sorgen am Tage des Gericht helfen. Ebenso wird Allah demjenigen, der die Schwächen eines anderen Muslims verdeckt, am Tag des Gerichts seine Fehler verbergen.”

(Überliefert bei al-Buẖārī und Muslim)

Für mich steht fest: von dieser Art selbstloser Leute, die sich für die Menschheit einsetzen, sollte es mehr geben!

Laßt uns also alle ein Stück von dieser “einfach-machen!”- Art abschneiden und loslegen mit dem, was wir so machen können! Probieren geht über studieren 😉

Liebe Grüße,

Eure Khalisa

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