7.Interview: Algerien² – Chwija bi chwija (Step by Step)!

As salaamu alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh liebe Leser/innen,

Das heutige Interview führt uns ein zweites mal ins wunderschöne Algerien. Denn es gibt eine Menge deutsche Schwestern dort, und jede Auswanderung ist nochmal ganz individuell.

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Jardin d´Essai- Großer Stadtpark in Algier

 

Unsere heutige Protagonistin heißt UmmIlyas (“Mutter von Ilyas”) und hat sich von ihren Eltern losgelöst, obwohl sie deren einzige Tochter ist. Das ist bestimmt für niemanden leicht gewesen- weder für ihre Eltern, noch für sie! Jedoch muss man eben bereit sein, etwas aufzugeben, wenn man auswandern will.

 

Das Schöne in diesem Fall ist. dass sie und ihre Eltern sich jedes Jahr gegenseitig besuchen! Ich finde das sehr vorblidlich und bewundernswert. Das zeigt eine Menge Toleranz von Seiten der Eltern.

Allerdings kann man auch sagen: Wer sein Kind wirklich liebt, kennt keine Grenzen! Der wird sein Kind lieben, egal ob es Hindi, Christ oder Muslim geworden ist!

Gott sei Dank habe ich ebenso solche Eltern, die sich nach Somalia getraut haben. Ich dachte allerdings, dies sei ein Einzelfall 🙂

Die Überschrift hat sich UmmIlyas wohl so ausgesucht, weil sie diese andere Mentalität mit  mehr Gelassenheit schätzen gelernt hat. Und wohl auch, weil es eine gewisse Zeit braucht, bis man sich in einem fremden Land an alles gewöhnt hat- eben Step by Step!

Nun möchte ich euch die Geschichte von UmmIlyas aber nicht länger vorenthalten. Los geht´s also mit dem 7.Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Wir sind nach Algerien ausgewandert, in einen Vorort von Algier.

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Die Straße von UmmIlyas

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier. Deswegen lag es auf der Hand, in dieses Land aus zu wandern.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Die Atmosphäre in Deutschland hat sich meiner Meinung nach verschärft. Nach Sarazzin, AfD und Co. ist es nicht mehr so wie früher. Allerdings war es vorher auch schon nicht immer leicht. Abgesehen davon war ich es leid, mich andauernd zu rechtfertigen, zu verteidigen, zu erklären. Ich wollte meine Kinder auch davor schützen, immer das Gefühl zu haben “anders” zu sein (im negativen Sinne).

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten uns ein kleines Polster angespart…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja…ich bin einigermaßen klar gekommen. Mein Algerisch war/ist `so lala´. Aber ich kann alleine einkaufen, Auto fahren und Co. Dafür reicht es aus!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Sie haben es befürchtet und waren sehr traurig. Da ich ihre einzige Tochter bin, ist es nochmal härter. Aber sie kommen jedes Jahr zu Besuch im Frühling. Und in den Sommerferien sind wir oft in Deutschland…von daher geht es… Aber sie hätten uns lieber bei sich in der Nähe…!

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Madame L´Afrique- Kirche im Herzen Algiers

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, für Algerien braucht man ein Visum. Aber mittlerweile habe ich mein Zwei-Jahres Visum…was in sha Allah bald auf zehn Jahre aufgestockt wird.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann arbeitet über Deutschland…hat also einen deutschen Arbeitgeber…ist aber weltweilt aktiv.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, das kann ich mir vorstellen….der Gedanke ist zwar noch etwas seltsam…aber ja!

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Garten von UmmIlyas

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war 10, mein Sohn 7 und meine Kleine grade ein Jahr…

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment besuchen die Großen noch eine Privatschule…aber nächstes Schuljahr wechseln sie auf eine staatliche Schule…Meine Kleine geht in einen Kindergarten, auch privat… Aber das auch nur, weil er direkt in unserer Straße liegt.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ganz allgemein die Atmosphäre… Freundlichkeit, die Leute hier sind einfach lockerer. Es ist nicht so verkrampft.

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Moschee in einer der Nebenstraßen bei UmmIlyas

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dass mein Sohn in der Schule von der Lehrerin geschlagen wurde…und sie keine Einsicht zeigte, nachdem wir mit ihr gesprochen hatten…

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Mein Tipp: Man sollte nicht erwarten, nur weil man in ein “islamisches” Land auswandert, jetzt alles super islamisch ist. Weder die Menschen, noch die Gesetzgebung hält sich unbedingt an den Islam. Es gibt auch hier Alkohol, Drogen, Gewalt, Kriminalität und Prostitution!

Und man darf nicht nachlassen, seine Religion weiter zu studieren und zu lernen! Es ist trügerisch zu denken..”ach ich lebe ja in einem islamischen Land, das reicht!” (der Gedanke kann sich einschleichen!) Man muss weiter lernen und seine Religion kennen. Denn es schleichen sich gerne Traditionen ein, die nichts mit dem Islam zu tun haben…

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Algerien- das Europa Afrika´s!

Vielen Dank liebe UmmIlyas für die Teilnahme am Interview und für den Einblick in deine Auswanderung. Möge Allah es euch mit dem Besten vergelten, dass ihr die Zelte abgebrochen habt auf Seinem Wege!

Was mir dazu noch einfällt: Es ist wirklich nicht damit getan, die Hijrah (Auswanderung) zu machen, und gut ist. Nein, dann fängt der “Kampf mit dem inneren Schweinehund” erst so richtig an!! Denn dann kommt es darauf an, Ausdauer zu zeigen in seinem Vorhaben, und sich nicht durch so manchen unangenehmen Vorfall aus der Bahn werfen zu lassen!

Möge Allah alle standhaft machen, welche die Hijrah bereits vollzogen haben, und möge Er denjenigen, die sich dasselbe wünschen, den Weg leicht machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

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