Selbstbestimmt leben in Somalia?

Inspiration über Umwege –

In diesem Artikel wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern man als in Somalia lebende Frau eigentlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann!? Diese Frage wurde mir kürzlich von der Mutter einer Freundin gestellt- also quasi über drei Ecken. Es freut mich natürlich sehr, dass sich Menschen für das Leben hier interessieren und ihren Horizont erweitern wollen. Deswegen antworte ich direkt in unserem Blog, da es noch so manch andere(n) interessieren könnte.

„Freiheit der Welt“ als Muslima

Zunächst einmal ist die einfache und direkte Antwort auf diese Frage: Ja- man kann hier als Frau selbstbestimmt leben! Voraussetzung ist hier, dass man Muslimin ist, oder sich dementsprechend anzieht. Aber Nicht-Muslime zieht es sowieso eher woanders hin. (Und was nicht ist, kann ja noch kommen! D.h. dass die Sicherheitslage sich noch in Zukunft verbessern kann.) Diese Vorraussetzung habe ich also schonmal erfüllt (alhamduliLlah).

Ich kann hier als Muslima sogar ein selbstbestimmteres Leben führen als in Deutschland, denn dort hätte ich aufgrund meiner Bedeckung Jobchancen gleich Null! Auch was meine Freizeit angeht, fühle ich mich dort weniger wohl. Man ist dort ein Fremdkörper im Gewusel.

Hier hingegen habe ich alle Freiheit der Welt! Somalische Männer sind auch im Gegensatz zu Arabischen Männern sehr freilassend- sie lassen dich deinen Weg selber finden.

Beste Berufschancen (teorethisch)

Gerade als „Westlerin“ würde ich hier also überall einen Job bekommen. Sofern ich denn Bildung hätte. *Räusper*

Das Thema Bildung wurde mir gleich zu Beginn meiner Auswanderung vor den Kopf gehalten: Was ich denn studiert hätte? Welchen Bachelor/Master ich denn gemacht hätte? Wurde ich von meinen somalischen Nichten gefragt, die größtenteils alle gerade mitten im Studium waren. Ja, alsoooo…

Materialistisches Denken hat auch hier seine Standbeine

Dass ich mein Leben in Deutschland aufgegeben hatte, um meine Religion ruhig ausleben zu können, spielte für sie eher eine kleinere Rolle. Dass ich mein Studium der Musikpädagogik aufgegeben hatte aufgrund meines neuen Lebensweges, fand auch weniger Beachtung.

Gut, dass ich alle meine Taten tue, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen- nicht das der Leute! Denn die kann man sowieso nie alle zufrieden stellen.

Zugegeben ist es von Vorteil, etwas im Ausland gelernt zu haben, bevor man überhaupt kommt. Das würde ich auch jedem raten, sofern er/sie die Möglichkeit hat. Für mich war es damals jedoch weniger wichtig: ich hatte ja meinen Mann, der für mich sorgt, Möglichkeiten hätte ich auch nur unter erschwerten Bedingungen, und ich wollte einfach nur noch weg!

Studium in Sicht!

Sobald ich meinen Sohn in Deutschland bekam ( Ende 2012), entschied ich mich, etwas zu ändern, und einen lang gehegten Traum wahr zu machen: ich fing an der Islamic Online University an, den Islam zu studieren! Allerdings nur Stück für Stück, da ich als frisch gebackene Mutter damit beschäftigt war, mein Leben neu zu ordnen. Zudem kamen mir die Reisen nach Somalia- zurück nach Deutschland und wieder Somalia, eher ungelegen. Nach einem Jahr entschied ich mich, zu dem Education- Studiengang zu wechseln. Dort werden meine beiden Hauptinteressen gelehrt: Islam und Erziehungswissenschaften. Damit erhoffte ich mir, später in Somalia mehr bewegen zu können. Und selbst für die eigene Familie ist es von Vorteil, wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt.

Alles zu seiner Zeit!

Also hatte ich immerhin etwas gefunden. Bloß, dass es sich auf 12 Jahre hinziehen wird, bis ich meinen Bachelor in shaa Allah in der Hand halten werde, da ich nur Part-time studiere (2-3 Fächer pro Semester)! Das macht mir derzeit jedoch weniger aus. Ich habe zurzeit sowieso noch alle Hände voll zu tun mit meinen jungen Kindern und meiner großen Familie, dem Blog hier und eben meinen Studienfächern. Und wenn meine Kinder dann etwas größer sind, werde ich in shaa Allah etwas passendes arbeiten können.

Soviel zu beruflichen Möglichkeiten hier.

20180327_192154-1.jpg

Unser Hausreh/ Springbock sieht so etwas gaaanz relaxed 🙂

Wie sieht es im Privaten aus?

Da bin ich auch frei, mich so zu bewegen, wie ich möchte. Allerdings habe ich diesbezüglich nicht sooo viele Möglichkeiten, wie in Deutschland, einfach aus dem Grunde, dass ich hier weniger Freunde habe. Das störte mich anfangs gewaltig, aber seit ich Kontakte über Social Media haben kann (habe ich relativ spät entdeckt!), relativiert sich das wieder. Außerdem habe ich ja ständig Gesellschaft in Form meiner Familie, alhamduliLlah.

Der tägliche Einkauf auf dem Markt bleibt mir meißtens auch erspart, worum ich ganz froh bin (zu stressig!). Ich habe also gar nicht so die Muße, ständig irgendwo hin zu fahren/gehen, wobei es trotzdem noch genug Gelegenheiten gibt, „raus“ zu kommen.

 

Ich liebe es auch, an den Wochenenden irgendwo hin fahren: zum Spielplatz, in die Natur, einfach in die Stadt oder zum Verwandtenbesuch, so wie ich bereits in diesem Artikel beschrieb. Wenn es in die Natur geht, nehme ich die Bodyguards meines Mannes mit. Oder auch, wenn ich das Auto meines Mannes fahre, welches ein Pick-Up ist (d.h. die Bodyguards sitzen hinten auf der Ladefläche, mit den Beinen heraus baumelnd). Das aber eher, zum Schutze des Autos (und indirekt für meinen)! Denn mein Mann ist hier eine bedeutende Persönlichkeit, der schon so einige Morddrohungen von Extremisten erhielt (möge Allah ihn beschützen). Da geht man doch besser auf Nummer sicher.

Mit unserem Familienauto bewege ich mich jedoch ganz frei. Erst gestern wurde ich noch in unserem Lieblings-Supermarkt angesprochen, wie gut ich doch Somalisch gelernt hätte, dass ich sogar alleine einkaufen gehen kann 🙂 Da meinte ich nur: „Waa khasab!“ (Das Erlernen der Sprache ist ein Muss!)

 

 

Auch im Häuslichen mehr Freiheit

Unser Hof ist übrigens so groß, dass man kaum merkt, wenn man mal nicht so viel herum fährt. Denn man ist ja ständig draußen– selbst unsere Küche ist außerhalb unseres Hauses! So kann ich dort alles machen: von joggen bis hin zum Sonnen-baden.

20180327_192242-1.jpg

Zusammenfassend kann ich also sagen: ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt hier! Zwar hätte ich gerne noch so die ein oder andere Freundin von „abroad“ hier- aber was nicht ist, kann ja noch werden, so Allah will 🙂

Ich freue mich, wenn solche Fragen kommen, also scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

Thank´s for reading und see you soon (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Advertisements

2 Antworten auf „Selbstbestimmt leben in Somalia?

  1. Abigail Thelen

    Assalamun alaikum ukhti.
    Ich habe vor zwei Jahren einen Somalia geheiratet und das auch mit dem ziel auszuwandern doch leider meint mein Mann Somalia wehre noch zu gefährlich und erst recht für eine Weiße westliche Frau. Ich bin sehr froh deinen Blog gefunden zu haben. Ich bin jetzt selbst im 8 monat Schwanger mein erstes kind und ich hatte meinen Mann schon bevor ich schwanger war gesagt wenn unser ältestes kind 5 ist will ich nicht mehr in Deutschland sein.
    Ich suche ein land wo cor allem die Islamische erziehung für die kinder am wichtigsten ist. Zum beispiel quran schule und allem. Wie ist es in Somalia so mit dem Islam Unterricht für kinder?
    Und kann man als frau und mutter auch zur quran schule gehen oder lernst du übers Internet ?.

    Gefällt mir

    1. thegermalis

      Wa alaikumu salam wa Rahmatullah Ukhti,
      Freut mich sehr, dass dich dieser Blog erreicht hat und von Nutzen ist! Lies dich am besten durch, speziell die Beiträge über Somalia.
      Woher aus Somalia kommt denn dein Mann? Wenn er aus Mogadischu kommt, hat er Recht- da wäre es für dich zu gefährlich! Allerdings ist Somalia 2mal so groß wie Deutschland, also gehörig Platz, um einen sichereren Ort finden zu können!
      Ich kann euch in Puntland die Stadt Garowe empfehlen, da kann man ganz gut leben, auch wenn man nicht zum hisigen Haupt-Stamm gehört. Ansonsten ist Hargeisa auch eine Option für viele Rückkehrer.
      Islamische Erziehung gibt es hier zuhauf, alhamduliLlah. Allerdings wird in den Qur´anschulen oft geschlagen. Aber man kann sich auch einen Privatlehrer organisieren oder immer wieder mit den Lehrern reden, dass sie dein Kind nicht anfassen sollen.
      Möge Allah euch einen Ausweg geben und die Hijrah erleichtern!
      Liebe Grüße. Khalisa

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s