Spaß trotz Armut? Ethische Gedanken

As salaamu alaikum und Hallo zusammen, 

Ihr habt euch vielleicht schon mal gefragt, was man in einem von Armut, Krieg und Dürre gebeutelten Land überhaupt am Wochenende machen kann. Gibt es überhaupt etwas, was man als Familie machen kann? DARF man überhaupt Spaß haben, wenn man weiß, wie andere in derselben Stadt leiden? Diese Fragen möchte ich im folgenden Beitrag so gut es geht klären.

Ethische Frage…Darf man Spaß haben bei all dem Leid?

Das ist zugegebenermaßen eine ziemlich schwierige Frage. Es ist ja kein Geheimnis, dass es hier in Somalia sehr viel Armut gibt, gerade auch durch die anhaltende Dürre. Wie kann man also essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dass die Nachbarn vielleicht nicht 3 mal am Tag ihre Mägen füllen? Wie kann man überhaupt duschen, wo am Stadtrand die Menschen noch nicht einmal Wasser zum trinken haben? Ja, wie kann man überhaupt lachen, spielen und Spaß haben bei all dem Leid???

In einer der Aussagen des Propheten Mohammad (Frieden und Segen seien auf ihm) heißt es außerdem:

„Derjenige ist nicht gläubig, der sich satt ißt, während sein Nachbar an seiner Seite hungert.“ (Ibn Abbas; Baihaqi)

Das sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Andererseits ist die Frage, ob nicht die ganze Menschheit auf Spaß und Genuß verzichten sollte und dafür etwas spenden- solange, bis es keinen hungrigen Magen mehr gäbe !? (ich glaube, das würde dann gar nicht lange dauern) Ja, und ganz abgesehen von den unnötigen Kriegsausgaben, die man für Friedensprojekte umwandeln sollte.

Armut1

 

Also eigentlich müssen wir ALLE uns verantwortlich fühlen für das Leiden unserer Mitmenschen- egal wo sie nun leben auf dem Kontinent!

Auf mich/uns bezogen…

Unsere direkten Nachbarn sind weder reich noch arm. Obwohl eine Familie schräg gegenüber von uns lebt schon extrem bescheiden. Eines Tages gab meine Co-Schwester dem Sohn dieser Familie eine Tasche voll Kleidung. Denn er hatte nur eine Schuluniform. Sobald die dreckig war, lief er in normalen Klamotten herum (normalerweise nicht erlaubt). In dieser Tasche war auch eine gut erhaltene Schuluniform unserer herausgewachsener Jungs drin. Der Junge jedoch sagte: „Meine Eltern werden mir nicht erlauben, dass ich diese Kleider annehme!

Es gehört nicht zum „Stolz“ bestimmter somalischer Stämme, wie arme Leute etwas anzunehmen- selbst wenn sie es sind.

Solche Beispiele gibt es einige. Selbst einige Häuser hinter uns. Da leben aus Äthopien zugewanderte Menschen in irgendeinem Level der Armutsgrenze. Außer einem Raum mit 4 Wänden und einem Dach über dem Kopf haben sie fast nichts, d.h.gekocht und alles andere wird draußen. Das sieht man ihnen auch an. Jedoch lehnten sie jedesmal ab, wenn wir ihnen etwas zu essen brachten- selbst Möbel!

Dann wiederum gibt es die Menschen in den Flüchtlingslagern. Diese sind so riesig wie ganze Städte und an den Stadtrand verdrängt. Dort würde man dann schon tausende Abnehmer finden.

Ehrlich gesagt ist es nicht einfach, den eigenen Kindern ihre Wünsche zu relativieren mit der Begründung, dass es hier so viele arme Kinder gibt.  Erzähl deinem Kind mal „Nein, den Lolli kriegst du jetzt nicht! Denk doch an die ganzen Armen hier in der Stadt!“ Wir machen ihnen zwar schon immer wieder bewußt, dass sie nicht über´s Essen meckern sollen usw. Jedoch Kinder sind Kinder– sie haben bezüglich Süßigkeiten und Vergnügungen einen starken Willen!

Wo fängt Überfluß an, wo hört er auf?

Was nun zum Überfluß und Luxus gehört, ist wiederum Auffassungsache. Gehört dazu, dass man seinen Garten bewässert, während andere kein Trinkwasser haben? Oder gehört dazu, dass man 1 mal in der Woche die Kinder auf den Spielplatz bringt für jeweils 1 $ Eintritt? Oder dass man ihnen Fahrräder kauft?

Was für Deutsche Verhältnisse ganz normal und selbstverständlich ist, ist hier eine große Investition. Dementsprechend macht man sich seine Gedanken, ob das nun schon zu überflüssigen Luxusgütern gehört, oder ob man diese Dinge seinen Kindern ermöglichen möchte- trotz allem. Nicht einfach, dabei kein schlechtes Gewissen zu kriegen.

Jedoch ein Mensch allein kann die Welt nicht retten- dazu braucht es mehrere! 

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Reflektieren bringt neue Ideen!

Ich habe die meisten Aktivitäten für Hilfsprojekte bisher meinem Mann überlassen, der ständig aktiv ist. Aber irgendwie kriege ich ein immer größeres Bedürfnis, auch selber zu helfen. In shaa Allah eröffnet sich da noch ein Weg.

Wasser verteilen

Aufjedenfall bin ich jetzt durch diesen Artikel auf die Idee gekommen, dass wir mit unseren Kindern eine Sammelaktion machen sollten. Dann werden wir unser gesammeltes Hab und Gut persönlich (mit allen Kindern zusammen) in einem der Flüchtlingslager abgeben. Hoffentlich hat das dann auch einen Effekt auf unsere Kinder. Werde dann darüber berichten!

Lösungsvorschlag

Ich denke, man sollte sich aufjedenfall für die Armen einsetzen- egal wo in der Welt. Dabei ist besonders der Schwerpunkt auf Hilfe zur Selbsthilfe zu legen, um der endlosen Abhängigkeit ein Ende zu setzen.

Wenn man tut, was man kann, braucht man dann hoffentlich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn die eigenen Kinder dann mal einen Lolli essen oder ein Spielzeug kriegen. Denn der Verzicht wird auch nicht unbedingt an der Armut etwas ändern. Aber der bewußte Umgang mit dem, was man hat, Dankbarkeit entwickeln und sich für die Armen einsetzen schon.

AlhamduliLlah

Gerne dürft ihr weitere Ideen, Ratschläge und Kommentare hinterlassen!

Möge die Situation der Armen erleichtert werden und die Menschen drumherum wach und aktiv werden lassen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Die Frage, was man am Wochenende in Somalia so machen kann, werde ich in einem nächsten Artikel beantworten!

 

 

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5 Antworten auf „Spaß trotz Armut? Ethische Gedanken

  1. Jeanette Ziani

    Salam alaikum wa rahmentullahi wa barakatuh liebe Schwester, dein Artikel gefällt mir sehr – er ist sehr informativ und unterhaltsam. Und du stellst da eine Frage, die wir uns alle von Zeit zu Zeit stellen und wo man für sich selbst eine geeignete Lösung finden muss – egal wo auf der Welt man lebt. Ich bin auch nur auf den Mittelweg gekommen, bewusst mit allem, was mir Allah gegeben hat, umzugehen und das regelmäßige Spenden. Denn dass wir mehr bekommen haben, lässt uns in der Verantwortung stehen, mit unserem Hab und Gut nicht verschwenderisch umzugehen sondern zu helfen. Und gleichzeitig steigert es die Dankbarkeit.

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    1. thegermalis

      Wa alaikumu salaam wa Rahmatullahi wa Barakatuh meine liebe, danke, jazakiLlahu khairan für dein Feedback! Du hast recht, es lässt uns in der Verantwortung stehen, dass wir mehr haben als andere. Und hilfreich ist auch, immer auf die unter einen zu schauen anstatt auf die, die noch mehr haben! Möge Allah uns dabei helfen, den Mittelweg zu gehen.

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  2. Pingback: Wochenenden in Somalia – The Germali's

  3. Nadine

    Ich finde diesen Artikel auch super interessant und es ist wichtig das wir uns immer daran erinnern wie gut es uns geht und das andere Menschen auf der Welt nicht Mal genug zu essen haben oder auch kein Dach über dem Kopf. Man sollte immer schätzen was man hat. Viele Menschen hier in Deutschland denken leider eher an sich und es wird einem auch von klein auf so beigebracht Spaß,Feste, Geschenke. Wer hat das neuste Handy und die beste Markenkleidung usw. Und wer denkt an die vielen Armen Menschen überall auf der Welt?! Ich denke auch alleine kann man die Welt nicht retten,aber wenn jeder ein kleines Stückchen hilft dann kann das schon viel ausmachen. Nchalah werden wir das alle versuchen.

    Danke für den tollen Artikel und diesen Blog. Mashaallah. Sehr informativ und interessant.

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    1. thegermalis

      Vielen Dank für deinen Kommentar, baarakaLlahu feeki😍 Du hast Recht, alleine kann man die Welt nicht retten. Aber jeder Einzelne sollte tun, was er kann. Das Mindeste ist wohl dankbar sein für all die Gaben, die man von seinem Schöpfer gekriegt hat.🤗

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