3.Interview: Diese Dunja ist eine ständige Reise!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute geht es um ein Land, welches der Traum der meißten Muslime ist: Saudi Arabien! Es ist das Ursprungsland des Islams, der Ort der allerersten Gebetsstädte überhaupt: der Kaaba in Mekka, die ursprünglich vom Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael (Frieden und Segen seien auf ihnen) erbaut wurde und später von den Muslimen übernommen und restauriert wurde. Dort können wir also die 5.Säule unseres Glaubens erfüllen, sofern wir in der Lage dazu sind: die Pilgerfahrt (Arab. Hadsch). 

Nur eine Stunde mit dem Auto davon entfernt liegt Jedda, die Stadt, in der die heutige Interviewpartnerin seit kurzem lebt. Genannt auch Zawjatutalib, was soviel heißt wie „Frau des Studenten„. Diese Namensbezeichnung passt außerordentlich gut, denn ihr Mann studiert dort, und zwar Arabistik. Und auch sie selbst geht inzwischen dort zur Schule und bildet sich fort.

Für die Nichtmuslime unter uns mag folgendes Interview ebenfalls einen interessanten Einblick geben in ein Land, dass sie sonst nur von den Medien her kennen (oft genug in einem schlechten Licht). Deswegen wünsche ich euch allen eine schöne Bereicherung durch dieses Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Zawjatutalib: 

Bismillahirrahmanirahim
Alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Weltenbewohner, der uns ermöglicht hat. Ohne ihn wären wir wahrlich zu nichts im Stande.

Januar 2018 nach Saudi-Arabien.

Jeddah4

Saudi Arabien von oben (aus dem Flugzeug)

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Ich finde, dass man in Saudi-Arabien den Islam praktizieren kann ohne daran gehindert zu werden. Im Gegenteil: es gibt sehr viele Möglichkeiten und man ist eben nicht mehr fremd, sondern wird von den Mitmenschen akzeptiert und verstanden.

Jeddah3

Palmen, die den Straßenrand schmücken

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Mein Mann studierte bereits hier als wir geheiratet haben. Al-hamdu-lillah. Abgesehen davon denke ich, dass man als Muslim in Deutschland sehr eingeschränkt lebt, da man einfach nicht viel geboten bekommt in islamischer Hinsicht. Es fängt schon dabei an, dass Muslime schwerer einen Arbeitsplatz finden & Frauen mit Niqab kein Auto fahren dürfen.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ein wenig, jedoch nicht ausreichend.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Anfangs sehr schlecht. Mittlerweile akzeptieren sie es. Sie kennen meinen Mann und sehen, dass ich glücklich bin.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sein Stipendium. Außerdem kann man in einem Fall wie bei uns in den Semesterferien Jobben.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja In schā Allah. Möge Allah ta’ala es ermöglichen amin.

Jeddah

Ausblick auf den Sonnenuntergang, bei einer Straße in Jedda

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Ich habe keine Kinder.

Frage 11: Wie läuft das im Krankheitsfall ab? Gibt es so etwas wie eine Krankenversicherung oder muss man privat zahlen?

Ich kann nur für unseren Fall sprechen. Wir sind beide über die Universität, die mein Mann besucht, versichert. Das ist üblich für Studenten hier, dass die Familie dann den Service auch bekommt. Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Krankheit hier. Von anderen habe ich aber gehört, sie seien sehr zufrieden und haben Medikamente auch kostenlos bekommen. Allerdings variiert das von Uni zu Uni etc.

Manche Geschwister bevorzugen auch die Behandlung in der Heimat bei einem Ernstfall. Zum Beispiel fliegen viele Schwestern zum Entbinden in die Heimat zurück. Es kommt natürlich immer drauf an, aus welchem Land man kommt und welchen Standart man von der Heimat gewöhnt ist. In Deutschland genießt man schon einen sehr hohen Lebensstandart. Da ich aber -allahumma barik [Möge Allah es segnen, Anmerkung d. Redaktion]- wie gesagt keine Erfahrung habe in diesem Thema, ist dies alles, was ich dazu sagen kann.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Die Umrah! [Das ist die kleine Pilgerfahrt, die man im Gegensatz zur Hadsch jederzeit machen kann, Anm.d.R.]

Mekkah

Kaaba, Ort der Pilgerfahrt für jährlich mehr als 2 Millionen Muslime

Jeddah5

Türme der riesen Moschee, in der die Kaaba ist, und die berühmten Hochhäuser rundherum.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Klimawechsel & Lebensmittelveränderung! Es gibt nicht alles, was es in DE gibt, oder eben sehr teuer.
(Nicht wirklich schlimm aber eben eine Veränderung die sich bemerkbar macht)

Frage 14: Du bist ja erst kurze Zeit dort. Trotzdem ist es interessant, ob deine Erwartungen vom Land erfüllt wurden oder eher nicht? Beschreib das ruhig ein bisschen 🙂

Meine Erwartungen von Saudi Arabien wurden teilweise erfüllt, teilweise nicht.
Ich hab zum Beispiel nicht erwartet, dass es so viel Dunya [Weltliche Güter, Anm.d.R] hier gibt.

Mekkah1

Moderne Hochhäuser in Mekka, Saudi Arabien

Also Saudi Arabien ist teilweise echt moderner als Deutschland – was nicht unbedingt negativ gemeint ist. Also es gibt sehr große und schöne Malls, es gibt sehr schöne Plätze draussen zum spazieren etc. Ich war positiv überrascht! Und auch, dass es sooo viele Geschwister mit niqab/jalabiya  gibt hätte ich auch nicht erwartet .

Ich meine, dass es so normal ist, dass zum Beispiel im Ikea die Arbeitskleidung eine Abaya und niqab ist oder männliche Kassierer mit Jalabiya [Gewand für Männer, Anm.d.R.] im Supermarkt sind, hab ich einfach nicht erwartet, was auch super schön ist.

Den Adhan von allen Seiten zu hören 5 mal am Tag ist auch total schön, wie erwartet. Die Hitze ist auch nicht so schlimm wie ich dachte- also das sind nur wenige Beispiele. Wenn ich jetzt auf alles eingehen würde, würde es den Rahmen sprengen. Im Großen und ganzen bin ich also positiv überrascht und hab teilweise Schlimmeres erwartet. Aber ihr könnt mein Leben hier auch auf meinem Blog mitverfolgen:

https://zawjatutalib.wordpress.com/author/zawjatutalib/

Foto von Abaayat- islamischen Gewändern für Frauen.

Viel Auswahl in zig Geschäften

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? Speziell für welche, die auch von Saudi Arabien träumen?

Man sollte starkes Tawakkul (Vertrauen auf Allah) besitzen.

Es kommt nie, wie man es plant. Besonders hier in Saudi-Arabien, wo einem der Aufenthalt eigentlich nie garantiert ist (selbst wenn der Mann arbeitet). Man weiß eben nie, was morgen passiert- deshalb sollte man sich nie an die aktuelle Situation fesseln!

Wenn die Situation schlecht ist, kann Allah es bis morgen schon wieder ändern und andersrum genauso. Man sollte stets zufrieden sein mit Al-Qadr (Die Vorherbestimmung Allah’s).

Diese Schwester hat sich also einfach getraut, was so einige vielleicht vom Auswandern abhalten würde: ohne jegliche Geldreserven ist sie nach Saudi Arabien ausgewandert! So hat sie Tawwakul bewiesen, Allahumma baarik.

Für viele von uns ist es allerdings extrem schwierig, dort Fuß zu fassen, aufgrund der schwierigen Visa-Verhältnisse. Und eine gute Arbeit dort findet auch nicht mal eben jeder.

Sie hat es jedoch geschafft. Trotzdessen dass ihr Mann und sie beide nicht aus Saudi Arabien kommen, sondern aus Deutschland.

Vielen Dank und Baarakallahu feeki liebe Zawjatutalib, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Für mich war es höchst interessant, und ich hoffe für meine Leser auch!

Möge Allah dich reichlich belohnen für diesen Schritt und dir das Einleben und das dort bleiben können erleichtern!

Wer noch weitere Fragen und sonstige Kommentare da lassen möchte, ist herzlich willkommen.

Ansonsten bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

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