7.Interview: Algerien² – Chwija bi chwija (Step by Step)!

As salaamu alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh liebe Leser/innen,

Das heutige Interview führt uns ein zweites mal ins wunderschöne Algerien. Denn es gibt eine Menge deutsche Schwestern dort, und jede Auswanderung ist nochmal ganz individuell.

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Jardin d´Essai- Großer Stadtpark in Algier

 

Unsere heutige Protagonistin heißt UmmIlyas („Mutter von Ilyas“) und hat sich von ihren Eltern losgelöst, obwohl sie deren einzige Tochter ist. Das ist bestimmt für niemanden leicht gewesen- weder für ihre Eltern, noch für sie! Jedoch muss man eben bereit sein, etwas aufzugeben, wenn man auswandern will.

 

Das Schöne in diesem Fall ist. dass sie und ihre Eltern sich jedes Jahr gegenseitig besuchen! Ich finde das sehr vorblidlich und bewundernswert. Das zeigt eine Menge Toleranz von Seiten der Eltern.

Allerdings kann man auch sagen: Wer sein Kind wirklich liebt, kennt keine Grenzen! Der wird sein Kind lieben, egal ob es Hindi, Christ oder Muslim geworden ist!

Gott sei Dank habe ich ebenso solche Eltern, die sich nach Somalia getraut haben. Ich dachte allerdings, dies sei ein Einzelfall 🙂

Die Überschrift hat sich UmmIlyas wohl so ausgesucht, weil sie diese andere Mentalität mit  mehr Gelassenheit schätzen gelernt hat. Und wohl auch, weil es eine gewisse Zeit braucht, bis man sich in einem fremden Land an alles gewöhnt hat- eben Step by Step!

Nun möchte ich euch die Geschichte von UmmIlyas aber nicht länger vorenthalten. Los geht´s also mit dem 7.Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Wir sind nach Algerien ausgewandert, in einen Vorort von Algier.

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Die Straße von UmmIlyas

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann ist Algerier. Deswegen lag es auf der Hand, in dieses Land aus zu wandern.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Die Atmosphäre in Deutschland hat sich meiner Meinung nach verschärft. Nach Sarazzin, AfD und Co. ist es nicht mehr so wie früher. Allerdings war es vorher auch schon nicht immer leicht. Abgesehen davon war ich es leid, mich andauernd zu rechtfertigen, zu verteidigen, zu erklären. Ich wollte meine Kinder auch davor schützen, immer das Gefühl zu haben „anders“ zu sein (im negativen Sinne).

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Wir hatten uns ein kleines Polster angespart…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Naja…ich bin einigermaßen klar gekommen. Mein Algerisch war/ist `so lala´. Aber ich kann alleine einkaufen, Auto fahren und Co. Dafür reicht es aus!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Sie haben es befürchtet und waren sehr traurig. Da ich ihre einzige Tochter bin, ist es nochmal härter. Aber sie kommen jedes Jahr zu Besuch im Frühling. Und in den Sommerferien sind wir oft in Deutschland…von daher geht es… Aber sie hätten uns lieber bei sich in der Nähe…!

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Madame L´Afrique- Kirche im Herzen Algiers

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, für Algerien braucht man ein Visum. Aber mittlerweile habe ich mein Zwei-Jahres Visum…was in sha Allah bald auf zehn Jahre aufgestockt wird.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann arbeitet über Deutschland…hat also einen deutschen Arbeitgeber…ist aber weltweilt aktiv.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, das kann ich mir vorstellen….der Gedanke ist zwar noch etwas seltsam…aber ja!

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Garten von UmmIlyas

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter war 10, mein Sohn 7 und meine Kleine grade ein Jahr…

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment besuchen die Großen noch eine Privatschule…aber nächstes Schuljahr wechseln sie auf eine staatliche Schule…Meine Kleine geht in einen Kindergarten, auch privat… Aber das auch nur, weil er direkt in unserer Straße liegt.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ganz allgemein die Atmosphäre… Freundlichkeit, die Leute hier sind einfach lockerer. Es ist nicht so verkrampft.

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Moschee in einer der Nebenstraßen bei UmmIlyas

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dass mein Sohn in der Schule von der Lehrerin geschlagen wurde…und sie keine Einsicht zeigte, nachdem wir mit ihr gesprochen hatten…

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Mein Tipp: Man sollte nicht erwarten, nur weil man in ein „islamisches“ Land auswandert, jetzt alles super islamisch ist. Weder die Menschen, noch die Gesetzgebung hält sich unbedingt an den Islam. Es gibt auch hier Alkohol, Drogen, Gewalt, Kriminalität und Prostitution!

Und man darf nicht nachlassen, seine Religion weiter zu studieren und zu lernen! Es ist trügerisch zu denken..“ach ich lebe ja in einem islamischen Land, das reicht!“ (der Gedanke kann sich einschleichen!) Man muss weiter lernen und seine Religion kennen. Denn es schleichen sich gerne Traditionen ein, die nichts mit dem Islam zu tun haben…

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Algerien- das Europa Afrika´s!

Vielen Dank liebe UmmIlyas für die Teilnahme am Interview und für den Einblick in deine Auswanderung. Möge Allah es euch mit dem Besten vergelten, dass ihr die Zelte abgebrochen habt auf Seinem Wege!

Was mir dazu noch einfällt: Es ist wirklich nicht damit getan, die Hijrah (Auswanderung) zu machen, und gut ist. Nein, dann fängt der „Kampf mit dem inneren Schweinehund“ erst so richtig an!! Denn dann kommt es darauf an, Ausdauer zu zeigen in seinem Vorhaben, und sich nicht durch so manchen unangenehmen Vorfall aus der Bahn werfen zu lassen!

Möge Allah alle standhaft machen, welche die Hijrah bereits vollzogen haben, und möge Er denjenigen, die sich dasselbe wünschen, den Weg leicht machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

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Eat that Frog oder: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Kennt ihr das: ihr trefft eine insprierende ermutigende Persönlichkeit, und bekommt sooo einen Motivationsschub, als ob ihr fliegen würdet?

Mit geht es gerade so, alhamduliLlah. Und zwar wegen einem Coaching mit einer ganz tollen Person: Carina El-Behouti (möge Allah sie reichlich belohnen). Es ist das erste Coaching in meinem Leben (über Skype auch aus Somalia möglich!). Obwohl ich jetzt nicht depressiv bin oder dergleichen, bin ich der Meinung, dass JEDER einen guten Coach gebrauchen kann. Man muss nicht warten, bis man depressiv ist- man kann dem vorbeugen!

Somalische Leute (zumindest diejenigen, die ich kenne) sehen dieses Thema oftmals noch sehr „altmodisch“: zu einem Coach geht man nur, wenn man vollends kaputt ist mit der Welt!

Aber nein! Jeder kann sich, sein Selbstbewußtsein und seine Gewohnheiten verbessern! Und das geht am besten mithilfe eines guten face-to-face- Coach.

Zudem denken viele, dass man, sobald man zum Islam gefunden hat, eigentlich keine psychischen Probleme mehr haben sollte. Denn man hat ja Allah (alhamduliLlah) und einen Halt im Leben. Ja, es ist der größte Halt im Leben, den man haben kann und die Rechtleichtung das größte Geschenk! Trotzdem darf man nicht aufhören, an sich selbst zu arbeiten, sondern sollte dann erst recht versuchen, sich zu verbessern!

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Was hat sich also für mich verändert?

Ohne ins Detail gehen zu wollen, kann ich sagen, dass sich mein Umgang mit den Medien drastisch verändert hat. Und zwar mit der „Eat-that-frog“- Methode! Ja genau, das klinkt etwas gruselig… Den Frosch zuerst essen? Ist aber nur halb so schlimm. Das ist nämlich eine von Brian Tracy verbreitete Methode, die ganz einfach besagt, dass man mit dem, was einem am schwersten fällt, morgens anfangen soll. Nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

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Ich hab mir das jetzt zu Herzen genommen, und meinen Alltag so eingeplant, dass ich meine Social Media (WhatsApp, den Blog, etc.) erst öffne, sobald ich ein Modul (Kapitel) meines Studiums geschafft habe.

Ihr glaubt nicht, wie viel ich auf einmal erreiche, maa shaa Allah! Aufeinmal schaffe ich wirklich, was ich mir jeden Tag so vorgenommen habe! Wirklich eine sehr effektive Methode, die ich gerne mit euch teilen wollte.

Hoffentlich hält meine Motivation noch lange an. Ich bin auch gespannt, wo mein Coaching mich noch bringen wird (in shaa Allah) und kann nur jedem empfehlen, sich nicht vor solch einer Beratung zu scheuen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure hoch motivierte Khalisa

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Selbstbestimmt leben in Somalia?

Inspiration über Umwege –

In diesem Artikel wird es um die Frage gehen, ob und inwiefern man als in Somalia lebende Frau eigentlich ein selbstbestimmtes Leben führen kann!? Diese Frage wurde mir kürzlich von der Mutter einer Freundin gestellt- also quasi über drei Ecken. Es freut mich natürlich sehr, dass sich Menschen für das Leben hier interessieren und ihren Horizont erweitern wollen. Deswegen antworte ich direkt in unserem Blog, da es noch so manch andere(n) interessieren könnte.

„Freiheit der Welt“ als Muslima

Zunächst einmal ist die einfache und direkte Antwort auf diese Frage: Ja- man kann hier als Frau selbstbestimmt leben! Voraussetzung ist hier, dass man Muslimin ist, oder sich dementsprechend anzieht. Aber Nicht-Muslime zieht es sowieso eher woanders hin. (Und was nicht ist, kann ja noch kommen! D.h. dass die Sicherheitslage sich noch in Zukunft verbessern kann.) Diese Vorraussetzung habe ich also schonmal erfüllt (alhamduliLlah).

Ich kann hier als Muslima sogar ein selbstbestimmteres Leben führen als in Deutschland, denn dort hätte ich aufgrund meiner Bedeckung Jobchancen gleich Null! Auch was meine Freizeit angeht, fühle ich mich dort weniger wohl. Man ist dort ein Fremdkörper im Gewusel.

Hier hingegen habe ich alle Freiheit der Welt! Somalische Männer sind auch im Gegensatz zu Arabischen Männern sehr freilassend- sie lassen dich deinen Weg selber finden.

Beste Berufschancen (teorethisch)

Gerade als „Westlerin“ würde ich hier also überall einen Job bekommen. Sofern ich denn Bildung hätte. *Räusper*

Das Thema Bildung wurde mir gleich zu Beginn meiner Auswanderung vor den Kopf gehalten: Was ich denn studiert hätte? Welchen Bachelor/Master ich denn gemacht hätte? Wurde ich von meinen somalischen Nichten gefragt, die größtenteils alle gerade mitten im Studium waren. Ja, alsoooo…

Materialistisches Denken hat auch hier seine Standbeine

Dass ich mein Leben in Deutschland aufgegeben hatte, um meine Religion ruhig ausleben zu können, spielte für sie eher eine kleinere Rolle. Dass ich mein Studium der Musikpädagogik aufgegeben hatte aufgrund meines neuen Lebensweges, fand auch weniger Beachtung.

Gut, dass ich alle meine Taten tue, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen- nicht das der Leute! Denn die kann man sowieso nie alle zufrieden stellen.

Zugegeben ist es von Vorteil, etwas im Ausland gelernt zu haben, bevor man überhaupt kommt. Das würde ich auch jedem raten, sofern er/sie die Möglichkeit hat. Für mich war es damals jedoch weniger wichtig: ich hatte ja meinen Mann, der für mich sorgt, Möglichkeiten hätte ich auch nur unter erschwerten Bedingungen, und ich wollte einfach nur noch weg!

Studium in Sicht!

Sobald ich meinen Sohn in Deutschland bekam ( Ende 2012), entschied ich mich, etwas zu ändern, und einen lang gehegten Traum wahr zu machen: ich fing an der Islamic Online University an, den Islam zu studieren! Allerdings nur Stück für Stück, da ich als frisch gebackene Mutter damit beschäftigt war, mein Leben neu zu ordnen. Zudem kamen mir die Reisen nach Somalia- zurück nach Deutschland und wieder Somalia, eher ungelegen. Nach einem Jahr entschied ich mich, zu dem Education- Studiengang zu wechseln. Dort werden meine beiden Hauptinteressen gelehrt: Islam und Erziehungswissenschaften. Damit erhoffte ich mir, später in Somalia mehr bewegen zu können. Und selbst für die eigene Familie ist es von Vorteil, wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt.

Alles zu seiner Zeit!

Also hatte ich immerhin etwas gefunden. Bloß, dass es sich auf 12 Jahre hinziehen wird, bis ich meinen Bachelor in shaa Allah in der Hand halten werde, da ich nur Part-time studiere (2-3 Fächer pro Semester)! Das macht mir derzeit jedoch weniger aus. Ich habe zurzeit sowieso noch alle Hände voll zu tun mit meinen jungen Kindern und meiner großen Familie, dem Blog hier und eben meinen Studienfächern. Und wenn meine Kinder dann etwas größer sind, werde ich in shaa Allah etwas passendes arbeiten können.

Soviel zu beruflichen Möglichkeiten hier.

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Unser Hausreh/ Springbock sieht so etwas gaaanz relaxed 🙂

Wie sieht es im Privaten aus?

Da bin ich auch frei, mich so zu bewegen, wie ich möchte. Allerdings habe ich diesbezüglich nicht sooo viele Möglichkeiten, wie in Deutschland, einfach aus dem Grunde, dass ich hier weniger Freunde habe. Das störte mich anfangs gewaltig, aber seit ich Kontakte über Social Media haben kann (habe ich relativ spät entdeckt!), relativiert sich das wieder. Außerdem habe ich ja ständig Gesellschaft in Form meiner Familie, alhamduliLlah.

Der tägliche Einkauf auf dem Markt bleibt mir meißtens auch erspart, worum ich ganz froh bin (zu stressig!). Ich habe also gar nicht so die Muße, ständig irgendwo hin zu fahren/gehen, wobei es trotzdem noch genug Gelegenheiten gibt, „raus“ zu kommen.

 

Ich liebe es auch, an den Wochenenden irgendwo hin fahren: zum Spielplatz, in die Natur, einfach in die Stadt oder zum Verwandtenbesuch, so wie ich bereits in diesem Artikel beschrieb. Wenn es in die Natur geht, nehme ich die Bodyguards meines Mannes mit. Oder auch, wenn ich das Auto meines Mannes fahre, welches ein Pick-Up ist (d.h. die Bodyguards sitzen hinten auf der Ladefläche, mit den Beinen heraus baumelnd). Das aber eher, zum Schutze des Autos (und indirekt für meinen)! Denn mein Mann ist hier eine bedeutende Persönlichkeit, der schon so einige Morddrohungen von Extremisten erhielt (möge Allah ihn beschützen). Da geht man doch besser auf Nummer sicher.

Mit unserem Familienauto bewege ich mich jedoch ganz frei. Erst gestern wurde ich noch in unserem Lieblings-Supermarkt angesprochen, wie gut ich doch Somalisch gelernt hätte, dass ich sogar alleine einkaufen gehen kann 🙂 Da meinte ich nur: „Waa khasab!“ (Das Erlernen der Sprache ist ein Muss!)

 

 

Auch im Häuslichen mehr Freiheit

Unser Hof ist übrigens so groß, dass man kaum merkt, wenn man mal nicht so viel herum fährt. Denn man ist ja ständig draußen– selbst unsere Küche ist außerhalb unseres Hauses! So kann ich dort alles machen: von joggen bis hin zum Sonnen-baden.

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Zusammenfassend kann ich also sagen: ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt hier! Zwar hätte ich gerne noch so die ein oder andere Freundin von „abroad“ hier- aber was nicht ist, kann ja noch werden, so Allah will 🙂

Ich freue mich, wenn solche Fragen kommen, also scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

Thank´s for reading und see you soon (in shaa Allah),

Eure Khalisa

6.Interview: Jerusalem oder: Wo die Liebe hinfällt…!

As salaamu alaikum und Hey liebe Leser/innen,

Ich freue mich sehr, euch eine weitere außergewöhnliche und vor allem faszinierende Geschichte vorzustellen: eine junge Deutsche Frau, die in Tel Aviv ihren Traumprinzen kennenlernt und dann zu ihm zieht. Und zwar nicht irgendwohin, wo man ein bequemes Leben führen könnte, sondern in keine geringere Stadt als JERUSALEM! Im folgenden Interview findet ihre mehr heraus, wie sie ihr (Über-) Leben dort so meistert und was bisher passiert war.

Vorab noch…

Zuerst aber möchte ich noch ein paar Sätze zu dem Thema loswerden. Ihr denkt vielleicht, sie muss wirklich verückt sein, um dort hin zu ziehen! Dass sie die Sicherheit Deutschlands dieser Unsicherheit Jerusalems vorzieht- ja, sogar in Gefahr schwebt, da sie illegal dort ist!

Dieses Interview soll auch nicht unbedingt dazu aufrufen, ebenfalls an diesen Ort auszuwandern. Jedoch soll es zeigen, wie vergleichsweise einfach es man doch in anderen islamischen Ländern hätte, wo es keinen Krieg gibt (also- welche Ausrede hat man da noch?!?).

Diese Schwester hat unseren größten Respekt verdient für die Schritte, die sie gemacht hat, um ihre Familie zusammen zu halten und ein islamisch freieres Leben führen zu können. Denn wahre Freiheit kommt von innen!

Zudem möchte ich noch eine Sache klarstellen, die in der ganzen Welt missverstanden wird: Das weltberühmte Gebäude (s.Titelbild) mit der goldenen Kuppel ist NICHT die Al-Aqsa Moschee! Es ist der Felsendom!

Al Aqsa
Die richtige Al-Aqsa Moschee

Die echte Al-Aqsa- Moschee, welche die 3.wichtigste Moschee für Muslime ist (nach den Moscheen in Mekka und Medina), befindet sich nicht weit davon entfernt.

Sie ist der Ort, an den der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) seine Nachtreise machte und ebenso vor allen Propheten der Menschgeschichte das Gebet leitete (mehr dazu findet ihr in zahlreichen Artikeln, u.a. in diesem hier (leider in Englisch).

„Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte [in Mekkah] zur fernsten Gebetsstätte [Al-Aqsa], deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ, damit Wir ihm (etwas) von Unseren Zeichen zeigen. Er ist ja der Allhörende, der Allsehende.“
(Ungefähre Übersetzung, Qur´an 17:1)

Ebenso wurde einige Zeit diese Moschee als Gebetsrichtung für die Muslime bestimmt, anstatt in Mekkah die Kaaba.

Jedoch wird diese Verwechslung der beiden Moscheen von einigen Stellen bewußt herbeigeführt.

 

Komplex Al Aqsa
Links der Felsendom, rechts die Al-Aqsa Moschee

Wieso diese beiden Moscheen immer vertauscht werden, das wäre ein ganzer Artikel für sich Wert. Wenn ihr das wirklich wissen wollt, forscht einfach mal im world-wide-web nach (z.B. bei The Arrivals in YouTube) 😉

Nachdem wir das nun festgestellt haben, möchte ich euch nicht weiter aufhalten von dem heutigen Interview mit der Schwester Lamees!

Frage 1:  Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Palästina, in die Nähe von Al-Quds (Jerusalem).

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Lamees vor dem Felsendom in Jerusalem

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann kommt daher.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich hatte meinen Mann vor zehn Jahren in Tel Aviv kennen gelernt und bin zu ihm gezogen. Wir hatten allerdings sehr viele Probleme mit dem Staat Israel, die mich nach einem Jahr abgeschoben haben und mir eine 5-Jährige Einreisesperre verpasst haben.

Wir mussten dann ein weiteres Jahr getrennt leben bis mein Mann ein Visum nach Deutschland bekommen hat. Er war dann fünf Jahre mit mir in Deutschland aber es hat ihm dort gar nicht gefallen. Er hatte großes Heimweh nach seiner Familie und auch Angst um die Zukunft unserer Tochter und so sind wir 2015 in die Nähe seiner Familie in das Palästinenser-Gebiet gezogen. Alhamdullilah!

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Meine lieben Eltern (Allah möge sie rechtleiten) haben mir mein Erbe vorzeitig ausgezahlt damit wir eine Pizzaria in Bethlehem eröffnen konnten. Und uns das erste Jahr ausreichend finanzielle Mittel hatten.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdullilah war mein Arabisch schon so gut, dass ich mich direkt mit den Nachbarinnen etc. verständigen konnte. Es ist aber immer noch schwierig mit der Sprache. Zum Glück können die meisten nicht besonders gut Englisch, so dass ich „gezwungen“ bin arabisch zu sprechen!

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Ich habe alhamduLlilah ein sehr enges Verhältnis zu meiner Familie und sie wollten natürlich nicht, dass wir weg ziehen, aber sie haben ebenfalls gesehen wie mein Mann in Deutschland regelrecht eingegangen ist und haben eingesehen, dass es für uns als Familie einfach besser ist und darum haben sie uns sogar finanziell unterstützt.

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Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja ein Visum ist notwendig, aber sehr schwer zu bekommen – obwohl wir verheiratet sind.

Israel versucht systematisch alle Palästinenser aus Ost-Jerusalem zu vertreiben und möchte keine neuen Muslimischen Zuwanderer. Nach fast drei Jahren haben ich und meine Tochter immer noch kein Visum und wir leben daher illegal hier.

Daher kann ich noch nicht mal den Checkpoint nach Jerusalem passieren geschweige denn nach Deutschland fliegen. Wir haben bereits einen Anwalt und ich hoffe sehr, dass ich bis nächstes Jahr ein Visum erhalte.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Das ist ein großes Problem. Unsere Pizzeria ist schon nach einem Jahr pleite gegangen – das ganze Geld ist weg und mein Mann hat seit dem immer mal wieder ein paar Wochen oder Monate Arbeit hier und dort und dann wieder keine. Momentan ist er wieder arbeitslos und das bedeutet dass wir dann gar kein Geld bekommen (staatliche Sozialhilfe etc. gibt es nicht).

Ich arbeite zwei Mal pro Woche als Englisch-Lehrerin in einem Islamischen Kindergarten. Das Geld, dass ich dafür bekomme, ist aber eher als Taschengeld als als Gehalt zu betrachten.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

In shaa Allah [so Allah will, Anm.d.R.]. Ich hoffe sehr, dass wir das können.

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Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Tochter ist in ihrer ersten Woche in Palästina vier Jahre alt geworden. Das war ein sehr gutes Alter, da hier der Kindergarten mit vier Jahren beginnt und sie somit die Sprache gut lernen konnte, bevor sie jetzt mit sechs in die Schule gekommen ist.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Allah möge uns vergeben – unsere Tochter besucht eine deutsche christliche Privatschule! Wir hoffen, dass wir sie in shaa Allah in naher Zukunft noch auf eine islamische Schule geben kann, aber das ist noch nicht klar. Bei uns gibt es nur diese Schule – da sie wegen des besonderen Status von Jerusalem auf eine Schule in Jerusalem gehen muss – wir uns aber ohne Visum nur hinter der Mauer im Westjordanland aufhalten dürfen – und da ist es nun mal die einzige Schule, die politisch zu Jerusalem zähltgeographisch aber hinter der Mauer liegt. (Ich hoffe das ist verständlich ausgedrückt).

Immerhin sind die meisten Kinder dort Muslime und es gibt drei Mal pro Woche islamischen Religionsunterricht und freitags ist frei sowie an den muslimischen Feiertagen.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Natürlich das beten in der Al-Aqsa Moschee (Leider kann ich zur Zeit nicht dorthin)!

Und dann, dass wir nahe bei meiner lieben Schwiegerfamilie sind und wie nett die Nachbarinnen mich aufgenommen haben und dass Allah uns nach über sechs Jahren noch einen Sohn geschenkt hat, alhamduliLlah!

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Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Es kam schon mehrfach vor, dass unsere Straße plötzlich voller israelischen Soldaten war.

Erst vor ein paar Wochen kam ich von der Arbeit nach Hause und finde die ganze Straße voller Militär vor – auf all unseren Dächern stehen Soldaten mit Maschinengewehren. Da wird einem schon irgendwie anders. Ich bin dann schnell in unseren Hauseingang geschlüpft und habe meine Nachbarin angerufen – sie sagte mir, dass sie gerade zwei dreistöckige Häuser von unserem Nachbarn abreißen: sie wurden – so wie alle Häuser von Arabern ohne (die von Israel niemals erhältliche) Baugenehmigung gebaut.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? 

Wie so viele Ausländer war mein Mann nicht glücklich in Deutschland und sagte immerzu: „Irgendwann geh ich in meine Heimat zurück“, „Irgendwann wenn wir genug Geld haben“, „Irgendwann in der Zukunft“….

Ich kenne so viele Leute die davon träumen und dann gehen die Kinder doch in Deutschland zur Schule und später zum Studium und man selbst wird immer älter – die Arbeitsmöglichkeiten im Heimatland immer schlechter…

Darum sagte ich, wenn wir gehen wollen, dann muss es bald sein! Solang unsere Tochter noch klein ist und wir jung genug sind um Arbeit zu finden – ich noch die Sprache lernen kann etc. etc. – Ich denke, je länger man wartet, desto schwieriger wird es.

Leider ist es durch die finanzielle Situation immer noch schwierig für uns hier zu leben – ich hoffe sehr, dass mein Mann eine beständige Arbeit findet. Aber man muss sich immer vergegenwärtigen, dass der Risq von Allah kommt [`Rizq´ = die Versorgung, die einem schon im Mutterleib vorbestimmt wird, Anm.d.R.] und dass die Versorgung, die Allah uns bestimmt hat uns nicht verfehlen wird – egal wo wir sind.

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Vielen lieben Dank, liebe Lamees, dass du dir Zeit genommen hast, uns einen kleinen Einblick in dein Leben zu geben!

Möge Allah dich und deine Familie beschützen, segnen und euch alles erleichtern!!!

Ich hoffe, euch hat dieses Interview ebenso beeindruckt wie mich. Wobei es auch einen bitteren Beigeschmack hat, aufgrund der dortigen Situation…

Möge Allah den Unterdrückten helfen und wieder Gerechtigkeit walten lassen.

In diesem Sinne –

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Kommentare und alles andere sind immer willkommen 😉

 

Wochenenden in Somalia

Wie sehen sie aus? Was kann man in einem von Krieg, Armut und Dürre gebeutelten Land eigentlich vergnügungsmäßig machen? Und noch besser- was macht man ohne die ganzen Funparks, Cinemas und dergleichen?

Das könnten einige der Fragen sein, die euch bei dem Gedanken, ein Wochenende in Somalia zu verbringen, wohl im Kopf herumschwirren könnten. Fragen, die man irgendwie nachvollziehen kann! Nachdem ich die Frage, ob man überhaupt Spaß haben kann bzw. moralisch gesehen darf, bereits in diesem Artikel behandelt habe, wird es nun konkreter.

Freitag statt Sonntag

Erst einmal muss ich noch klarstellen, dass das Wochenende hier nicht wie üblicher-weise am Samstag beginnt, sondern am Donnerstag! Freitag ist dann quasi unser Sonntag. Das hat seine Wurzeln wieder einmal im Islam, alhamduliLlah. Und da ein neuer Tag islamisch gesehen schon ab dem Maghrib-Gebet (Abendgebet, ca.um 18 Uhr) anfängt, sind spätestens ab Donnerstag Abend die Cafees und Straßen übervoll. Eine schöne Stimmung (solange man nicht im Auto sitzt :-D)!

Was macht man also als Familie an solch einem Wochenende?

Tagsüber sind die größeren Kinder noch mit Lernen beschäftigt- vormittags und nachmittags gehen sie zur Moschee zur sogenannten „Halaqa“- eine Sitzung, in der sie verschiedene Themen ihrer Religion lernen. So ab 10 Jahren ungefähr können sie daran teilnehmen. Freitags kommt noch das für Männer obligatorische Gemeinschaftsgebet zur Mittagszeit hinzu- eine feierliche Stimmung, denn man hört die Freitagspredigt überall in der Stadt!

 

Für viele (nicht alle) Elternteile sind Vergnügungen mit der ganzen Familie eher kein Thema und wird nur als Zeitverschwendung angesehen. Außer Familien-Besuchen findet da nicht vielmehr statt. Kinder spielen sowieso den ganzen Tag draußen. Ab dem Jugendalter suchen sich die Teenager dann selber ihre Freizeitbeschäftigung.

Wir jedoch sind wohl etwas „anders“ als die gängigen Somalischen Familien- denn wir alle haben einen Großteil unseres Lebens in Europa verbracht. Also sind unsere Kinder es schon gewohnt, dass es zumindest am Freitag `raus geht´! Trotz der spöttischen Blicke mancher Verwandten, nehmen wir uns also immer etwas vor- ok, fast immer- solange kein Besuch dazwischenkommt! Denn Kinder brauchen auch mal etwas besonderes, etwas Spaß und neue Erfahrungen.

Meißtens gehen wir die Sache jedoch sehr spontan an- gemäß der afrikanischen Mentalität, entscheiden wir manchmal in letzter Sekunde, wohin es diesmal gehen soll.

Hier in Garowe gibt es leider keinen Strand, von daher stehen folgende Optionen zur Auswahl:

  • Dareeyle

Ein sehr spezieller Ausflugsort und wohl der beliebteste für diejenigen, die es sich leisten können. Es liegt ca. 3 Km von Garowe entfernt und ist quasi unser `Strand-Ersatz´: denn es hat das ganze Jahr über mehr oder weniger Wasser, also ein Flußbett. Selbst in der Dürre-Zeit gibt es dort Wasser, auch wenn es eher größeren Pfützen gleicht, die von laufendendem Wasser sauber gehalten werden. Dementsprechend `schwimmen´ unsere Kids dort gerne.

 

 

 

Zudem haben sich die Eigentümer dieses Stück Landes etwas ganz besonderes ausgedacht: sie haben ein Restaurant in traditioneller Weise aufgebaut- d.h. in typischen Somalischen Hütten kann man seine leckere Speise zu sich nehmen, oder einfach nur Eis essen und „Caano Shah“ (Gewürztee mit Milch) trinken. Dadurch wollen sie an die Somalische Tradition erinnern, denn einst lebte ein Großteil der Bevölkerung so- als Nomaden. Ich kann sagen, es gibt nichts gemütlicheres als so eine Hütte! Mit Teppichen ausgelegt und Kissen ausgestattet, ist es einfach super bequem und kuschelig! In diesem Ort wurden traditionelle Hütten mit moderner Technik ausgestattet: Lampen und Ventilatoren.

 

 

Wer lieber draußen unter freiem Himmel speisen möchte, kann das ebenfalls auf chick eingerichteten Plätzen tun, umgeben von Mango-Bäumen und anderen Beeten, wo das Gemüse frisch angebaut wird. Dort haben sie sogar Springböcke herumlaufen- so wie wir (wir haben 2)!

 

 

Neuerdings kann man dort auch einen Festsaal mieten, der wirklich sehr schnieke eingerichtet ist. Wir waren einmal Spaßeshalber drin.

 

 

Nebenbei gibt es dort auch einen Spielplatz, der früher 1 Dollar pro Kind gekostet hat, inzwischen jedoch frei ist, da nur noch die Hälfte der Spielsachen heile ist (typisch Somalia- die kaputten Sachen werden einfach als kaputt hingenommen, anstatt sie zu reparieren!).

 

 

 

  • „Dschibigelle“

Keine Ahnung, was der Name eigentlich bedeutet, jedoch ist dies eine Zitronenfarm, die seinesgleichen sucht. Die Zitronen sind eher Limonen, da sie recht klein sind.

Diese Farm ist etwa 5-10 Km von Garowe entfernt (grob geschätzt), und man muss schon ein Mittagessen vor Ort einplanen, damit es sich lohnt. Denn dort gibt es auch eine Art Hütte- auch wenn sie eher wie ein Haus gebaut ist, bloß rund. Sehr gemütlich mit Teppichen und Arabischen Sofas´ausgestattet, kann man dort nach Voranmeldung ein eher typisches Land-essen einnehmen: Reis/ Pasta mit Fleisch.

 

 

Danach kann man sich die Kilos ablaufen mit einem Spaziergang durch hohes Gras und zwischen Zitronen- und Guavenbäumen hindurch. Wenn man an der Quelle dieses fruchtbaren Bodens ankommt, wundert man sich: dies alles wird hervorgebracht bloß aufgrund eines einfachen, etwa 10 Meter tiefen Loches, von dem das Grundwasser mit einer Maschine hochgepumpt wird (finde das Foto leider nicht mehr)! Dahinter liegt ein trockenes Flußbett, was die Nähe zum Wasser erklärt. Aber wirklich erstaunlich, was man mit ein bisschen Wasser so anstellen, bzw. aufbauen kann!

  • Spielplatz

Ab und zu geht es für uns auch einmal auf den einzigen Spielplatz mitten in Garowe: hinter einem Fußballplatz, denn man überqueren muss, liegt ein schöner Spielplatz. Unzählige Rutschen, Schaukeln, Wippen und sogar ein Trampolin gibt es dort. Wobei die Rutschen aufgrund des Plastikmaterials sich leicht elektronisch aufladen, so dass man sich beim Auffangen von Kleikindern leicht mal einen Stromschlag einfängt. Eintritt ist ebenfalls 1 Dollar pro Kind, so dass dieser „Luxus“ leider nur etwas besser verdienenden Familien vorbehalten ist.Öffnungszeiten sind i.d.R. nur Donnerstags und Freitags.

 

 

 

  • Natur, Berge

Unsere Alternative zu allem vorherigen sind die Berge, welche die Stadt Garowe umgeben. An die höchsten haben wir uns noch nicht getraut, die sind etwas weiter weg (wenn auch in Sichtweite), aber so die nah gelegenen haben wir alle schon bestiegen. Für die Kinder ist es das reinste Vergnügen, und uns großen tut es auch gut. Wenn wir oben angelangt sind, gibt´s einen Wettbewerb: wer kann seine Steine weiter werfen? Ehrlich gesagt sind die Kinder da erfolgreicher als wir großen- sie haben einen athletisches Naturtalent 🙂

 

 

  • Sonstiges

Ansonsten kann man auch einfach in die Stadt fahren, Softeis essen, Chips oder sonstiges Schleckerzeug. Ja, sogar Lamachun soll es hier geben! Eines Abends leisteten wir uns einen Besuch in einem Restaurant, um Pizza zu essen. Das ist eher etwas besonderes hier und wurde von einer aus Schweden zurückgekehrten Somalierin eröffnet. Vielleicht mussten sie die Zutaten erst noch frisch kaufen. Jedenfalls mussten wir gefühlte 5 Stunden warten, bis das allerdings sehr leckere Essen zu uns kam: 3 große Pizzen, 3 kleine Pommes mit Getränken an die 80 Dollar! Naja, da gehen wir doch lieber in die Berge oder machen unsere Pizza selbst 😉

 

 

Für die Jugend bzw. die Jungs ist das tägliche Highlight das Fußballspielen. Fußball wird hier auf jeder freien Fläche gespielt- zwischen den Häusern, neben dem Friedhof, draußen in der Natur, oder- wer es sich leisten kann (1$ Eintritt) in einem der „Stadions“. Nicht weit weg von uns ist eins dieser Stadien- mit Fitnessclub inkulsive (da ging mein Vater gerne hin). Die haben eine unermüdliche Energie! Selbst im Ramadan, wo die Spieler den ganzen Tag gefastet haben, kann man sie bis 3 Uhr Nachts spielen hören (Ob sie dann zum Nachtgebet auch noch fit sind? Allahu ahlem!). Manchmal geht es auch emotionaler zu: wenn um einen Pokal gekämpft wird. Oder beim Straßenfußball: die Jungs legen ihr Geld zusammen, und der Sieger bekommt das ganze Geld als Preis. Das geht manchmal leider auch bis zum letzten Blutstropfen.

Aber Fußball-Scouter würden hier sicher fündig werden- egal ob auf dem Fußballfeld oder für Leichtatlethik- das liegt den Somaliern einfach im Blut!

 

Mädchen treffen sich lieber zum ausgehen, Eis essen, shoppen, usw. Sie lieben es auch, sich chick zu machen wie die Hijab-Models, und Fotos zu schießen- allerdings zuhause. Denn für sie ist die islamische Bedeckung der beste Schutz hier.

Was noch zu erwähnen ist? Das dies bloß ein paar Beispiele sind für all das, was man in Somalia so „anstellen“ kann! Denn natürlich ist Somalia größer als Garowe!! Speziell in den Städten, die am Meer liegen, hat man noch einige Möglichkeiten mehr… aber ich zeige euch eben anhand von meiner neuen Heimat, wie das Leben in Somalia so ist.

Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck davon bekommen. Scheut euch nicht um Kommentare, Likes und dergleichen 😉

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

5.Interview: Willkommen in Marokko, dem Land der Genüsse!

As salaamu alaikum liebe Leser/innen,

Im heutigen Interview geht die Reise in eins der sehr schönen Länder, das auch für Touristen sehr begehrt ist aufgrund seiner vielseitigen Genüsse: Marokko!

MarokkoKarte

Bekannt für seine wunderschönen Märkte mit aromatischen Gewürzen und einer Überfülle an frischem Gemüse, der schönen Natur und Architektut, ist es wohl eins der beliebtesten Länder Afrikas´ für Touristen aus aller Welt.

Ich sage immer, nach Marokko ist es ein leichtes, auszuwandern! Aufgrund den  kulinarischen und landschaftlichen Verlockungen, die es dort gibt. Und auch die Menschen sind sehr freundlich und recht offen. Zudem sind die Flugpreise extrem günstig im Vergleich zu denen nach Somalia!

Aber natürlich hat jede Auswanderung („Hijrah) ihre Erschwernis. Es ist nie einfach, aber es lohnt sich!

Unsere heutige Interview-Partnerin hat es nun also dorthin „verschlagen“: Abida Umm Hamza- die deutsche Muslima, die ihren neuen Landsgenossen Deutsch beibringt!

Frage 1:Wohin bist du ausgewandert und wann?

Nach Marokko, genauer gesagt, nach Kenitra (Westmarokko) im August 2016.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Da mein Mann Marokkaner ist, war es naheliegend, dass wir seine Heimat aussuchen.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Wir wollten in Ruhe unsere Religion ausleben, ohne sich ständig erklären zu müssen. Dies wird einem in Deutschland recht schwer gemacht, hinsichtlich Hijab, die rechtzeitige Gebetsverrichtung (gerade, wenn man berufstätig ist), Kindererziehung nach dem Islam, da der Einfluss der westlichen Wertegesellschaft doch recht groß ist.

Zudem bekam mein Mann ein gutes Jobangebot in Marokko, was natürlich auch wichtig ist, wenn man auswandern möchte. Eine gewisse „finanzielle Stabilität“ sprich fester Arbeitsplatz ist natürlich ideal, alhamduliLlah.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nicht wirklich…

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Alhamdulillah, ich habe Arabisch und Französisch studiert und das sind die beiden Sprachen, die auch hier in Marokko gesprochen werden. Daher klappt es recht gut, auch wenn ich jetzt Marokkanisch (Dialekt) besser verstehe als reden kann. Ich kenne aber auch einige deutsche Schwestern hier (es gibt nämlich eine recht große deutsche Community, mashaAllah!), die wenig bis überhaupt kein Französisch und auch nur wenig Arabisch bzw. Marokkanisch sprechen und das Leben funktioniert auch, alhamdulillah.

Fehlende Sprachkenntnisse sollten also kein Hinderungsgrund für´s Auswandern    sein 😉

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Eltern wussten eigentlich schon länger, dass wir mit dem Gedanken spielen, eines Tages nach Marokko auszuwandern. Trotzdem war der Schock doch etwas groß, als wir es ihnen eines Tages mitteilten. Ich muss dazu sagen, dass mein einziger Bruder auch im Ausland lebt. So fiel es ihnen dann schwer, auch ihre Tochter im Ausland zu wissen, auch dass man sich nicht mehr so regelmäßig besuchen kann.

Trotzdem haben sie uns verstanden in unseren Wünschen, in einem islamischen Land leben zu wollen.

Marokko4
Wunderschönes Meer in Kenitra

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Wer nach Marokko reist, erhält ein 3-monatiges Touristenvisum. Danach ist es ratsam, sich um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kümmern (ist mit etwas Bürokratie verbunden, aber im Allgemeinen erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung „carte de séjour“ für 1 Jahr)

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sich vor 4 Monaten mit einem Deutsch-Institut selbstständig gemacht, selber arbeite ich auch dort und gebe Kommunikationskurse.

Die FB-Seite von dem Institut findet ihr hier:

https://m.facebook.com/Schillerhaus-192342891339835/

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ich lebe sehr gerne hier, alhamduliLlah, daher könnte ich mir das durchaus vorstellen, in shaa Allah.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

9, 6, 4 und 2 Jahre.

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Privatschule, dort werden sie zu gleichen Teilen in arabischer und französischer Sprache unterrichtet. (Dort sind die Klassen kleiner, in unserem Fall sogar nur max. 10 Schüler pro Klasse und das Unterrichtsklima besser als in den öffentlichen Schulen mit zum Teil über 40 Schülern)

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Ich könnte von mehr als nur einem guten Erlebnis berichten: der Adhan ist mashaAllah immer um uns herum und bestimmt den Alltag, alhamduliLlah. Auch den Monat Ramadan sowie die beiden großen Feste im Islam werden hier viel intensiver gefeiert.

Es macht eben schon einen Unterschied, ob ein ganzes Land fastet (also die Mehrheit) oder nur einzelne wie in Europa.

Marokko
Größte Moschee in Kenitra

Mit Kindern wird hier viel herzlicher umgegangen, das habe ich in Deutschland nicht oft gehabt, wenn ich mit meinen 4 Kindern in der Stadt unterwegs war. Auch als Ausländerin wird man hier sehr herzlich und stets freundlich empfangen und behandelt. Das erlebt man in Deutschland auch eher selten.

Das Leben wird hier nicht von Hektik und Stress bestimmt, es herrscht eine leichte Tendenz zum laissez-faire 😉

Frage 13: Dein schlimmstes/ eindrücklichstes Erlebnis:

Schlimme Erlebnisse hatte ich hier alhamduliLlah keine, der Straßenverkehr hier hat es in sich.

Als Fußgänger hier steht man in der Verkehrshierarchie ganz unten.

Fußgängerampeln gibt es keine, Zebrastreifen stellen lediglich eine Art Deko dar, werden aber nicht beachtet. Laufrad- bzw. Fahrradfahren mit kleineren Kindern ist hier ungeeignet.

Auch der ignorante Umgang mit Müll stört mich nach wie vor (kleinerer Müll wird sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen einfach auf die Straße geworfen) aber in shaa Allah ändert sich auch hier das Umweltbewußtsein.

Man darf nicht zu viel verlangen, das Umdenken braucht seine Zeit. Das perfekte Land gibt es nunmal nicht.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Den perfekten Plan für die Hijrah gibt es wohl nicht, man sollte den „Sprung ins kalte Wasser“ wagen und bezüglich schulpflichtiger Kinder ist es ratsam die Hijrah nicht hinauszuzögern, da es in Marokko keine deutsche Schule gibt und man sonst eventuell sehr viel mehr aufholen muss. Und bekanntermaßen ist es für Kinder einfacher, je jünger sie sind.

Leichter macht es eine Hijrah natürlich auch, wenn man eine feste Arbeit hat, da es natürlich auch hier viele Ausgaben gibt. (Miete, Schulgeld, Essen etc.). Aber Vertrauen auf Allah ist wie bei allen Dingen im Leben unerlässlich!

Vielen Dank!

 

Ich bedanke mich auch recht herzlich bei dir, liebe Abida! Möge Allah mit dir und deiner Familie zufrieden sein und euch ein gesegnetes Leben schenken!

Liebe Leser, vielleicht ist euch auch schon eine Gemeinsamkeit aller bisherigen Hijrah-Berichte aufgefallen. Aber jetzt noch nicht die Zeit gekommen, ein Resümée zu ziehen. Erstmal wollen wir noch einige weitere Länder mitsamt persönlicher Geschichten gemeinsam entdecken!

Bis dahin (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

Buchrezension: Übers Brücken bauen und mehr!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser,

ich möchte euch einen kleinen Einblick in das Buch „Die Liebe kennt keine Herkunft“ geben, welches von Saib Wahlid Bani geschrieben und vom Assira Verlag herausgegeben wurde.

Es hat insofern mit unserem Blog zu tun, als dass es sich um ein ähnliches Thema handelt: die Zusammenkunft verschiedener Nationalitäten, womit automatisch auch Brücken gebaut werden. Das wollen wir ja auch hier 🙂

Zum anderen zeigt es auch, dass man- obwohl in Somalia lebend und ohne Post- trotzdem alle beliebigen Bücher lesen kann- dank der heutigen Technik! So kann ich auch trotzdem meiner vernachlässigten Leidenschaft (dem Lesen) nachkommen, Gott sei Dank!

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Erst einmal muss ich euch vorwarnen: dieses Buch hat Suchtpotential! Ja genau, richtig gelesen- denn man mag einfach nicht aufhören mit lesen, bis man die ganze Story kennt!

Mir ging es jedenfalls so, was dazu führte, dass ich das Buch in einer halben Nacht durchlas.

"Wenn ich mein Buch weglege, könnten die Charaktere etwas ohne mich tun."
…so geht es mir oft bei guten Büchern 😀

Worum handelt es also?

Das Buch handelt um den jungen, doch sehr reifen Abdoul- Zayn, der anders als seine Kumpels noch an die große Liebe glaubt. Als er dachte, sie gefunden zu haben, passierte alles anders als gedacht (Allah ist der beste Planer!). Durch ein tragisches Unglück kam er dann seiner großen Liebe ganz unerwartet näher.

Auf dem Weg dahin macht Saib auch einen Prozeß durch: vom Slum-Poem-Writer, der Rap Musik über alles liebt, zu einem mehr nachdenklicheren Typ, der sich seiner Handlungen auch speziell als Muslim immer mehr bewußter wird. So fragt er sich des öfteren, was eigentlich dieses und jenes Gebot im Islam bedeutet. Antworten darauf findet er durch seine große Liebe, welche er zum erstenmal in ihrem für ihn damals lächerlich wirkenden „Kostüm“ (mit Gesichtsschleicher) unbeabsichtigt kennenlernte.

 

Message: Gegen Rassismus, für grenzen-lose Liebe!

Der Autor zeigt uns in seinem Buch, dass es sich lohnt, für seine große Liebe zu kämpfen und zeigt die Wichtigkeit auf, dass man in diesem Zusammenhang gegen Rassismus jeglicher Art angehen sollte. Das zeigt er in seinem beispielhaften Verhalten.

Das Buch wird euch so manchen Lacher und manche Träne kosten. Es lohnt sich einfach, diese Herzens-Geschichte von vorne bis hinten zu lesen!

Das Buch könnt ihr hier bestellen.

Mit wärmsten Empfehlungen,

Khalisa

Spaß trotz Armut? Ethische Gedanken

As salaamu alaikum und Hallo zusammen, 

Ihr habt euch vielleicht schon mal gefragt, was man in einem von Armut, Krieg und Dürre gebeutelten Land überhaupt am Wochenende machen kann. Gibt es überhaupt etwas, was man als Familie machen kann? DARF man überhaupt Spaß haben, wenn man weiß, wie andere in derselben Stadt leiden? Diese Fragen möchte ich im folgenden Beitrag so gut es geht klären.

Ethische Frage…Darf man Spaß haben bei all dem Leid?

Das ist zugegebenermaßen eine ziemlich schwierige Frage. Es ist ja kein Geheimnis, dass es hier in Somalia sehr viel Armut gibt, gerade auch durch die anhaltende Dürre. Wie kann man also essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dass die Nachbarn vielleicht nicht 3 mal am Tag ihre Mägen füllen? Wie kann man überhaupt duschen, wo am Stadtrand die Menschen noch nicht einmal Wasser zum trinken haben? Ja, wie kann man überhaupt lachen, spielen und Spaß haben bei all dem Leid???

In einer der Aussagen des Propheten Mohammad (Frieden und Segen seien auf ihm) heißt es außerdem:

„Derjenige ist nicht gläubig, der sich satt ißt, während sein Nachbar an seiner Seite hungert.“ (Ibn Abbas; Baihaqi)

Das sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Andererseits ist die Frage, ob nicht die ganze Menschheit auf Spaß und Genuß verzichten sollte und dafür etwas spenden- solange, bis es keinen hungrigen Magen mehr gäbe !? (ich glaube, das würde dann gar nicht lange dauern) Ja, und ganz abgesehen von den unnötigen Kriegsausgaben, die man für Friedensprojekte umwandeln sollte.

Armut1

 

Also eigentlich müssen wir ALLE uns verantwortlich fühlen für das Leiden unserer Mitmenschen- egal wo sie nun leben auf dem Kontinent!

Auf mich/uns bezogen…

Unsere direkten Nachbarn sind weder reich noch arm. Obwohl eine Familie schräg gegenüber von uns lebt schon extrem bescheiden. Eines Tages gab meine Co-Schwester dem Sohn dieser Familie eine Tasche voll Kleidung. Denn er hatte nur eine Schuluniform. Sobald die dreckig war, lief er in normalen Klamotten herum (normalerweise nicht erlaubt). In dieser Tasche war auch eine gut erhaltene Schuluniform unserer herausgewachsener Jungs drin. Der Junge jedoch sagte: „Meine Eltern werden mir nicht erlauben, dass ich diese Kleider annehme!

Es gehört nicht zum „Stolz“ bestimmter somalischer Stämme, wie arme Leute etwas anzunehmen- selbst wenn sie es sind.

Solche Beispiele gibt es einige. Selbst einige Häuser hinter uns. Da leben aus Äthopien zugewanderte Menschen in irgendeinem Level der Armutsgrenze. Außer einem Raum mit 4 Wänden und einem Dach über dem Kopf haben sie fast nichts, d.h.gekocht und alles andere wird draußen. Das sieht man ihnen auch an. Jedoch lehnten sie jedesmal ab, wenn wir ihnen etwas zu essen brachten- selbst Möbel!

Dann wiederum gibt es die Menschen in den Flüchtlingslagern. Diese sind so riesig wie ganze Städte und an den Stadtrand verdrängt. Dort würde man dann schon tausende Abnehmer finden.

Ehrlich gesagt ist es nicht einfach, den eigenen Kindern ihre Wünsche zu relativieren mit der Begründung, dass es hier so viele arme Kinder gibt.  Erzähl deinem Kind mal „Nein, den Lolli kriegst du jetzt nicht! Denk doch an die ganzen Armen hier in der Stadt!“ Wir machen ihnen zwar schon immer wieder bewußt, dass sie nicht über´s Essen meckern sollen usw. Jedoch Kinder sind Kinder– sie haben bezüglich Süßigkeiten und Vergnügungen einen starken Willen!

Wo fängt Überfluß an, wo hört er auf?

Was nun zum Überfluß und Luxus gehört, ist wiederum Auffassungsache. Gehört dazu, dass man seinen Garten bewässert, während andere kein Trinkwasser haben? Oder gehört dazu, dass man 1 mal in der Woche die Kinder auf den Spielplatz bringt für jeweils 1 $ Eintritt? Oder dass man ihnen Fahrräder kauft?

Was für Deutsche Verhältnisse ganz normal und selbstverständlich ist, ist hier eine große Investition. Dementsprechend macht man sich seine Gedanken, ob das nun schon zu überflüssigen Luxusgütern gehört, oder ob man diese Dinge seinen Kindern ermöglichen möchte- trotz allem. Nicht einfach, dabei kein schlechtes Gewissen zu kriegen.

Jedoch ein Mensch allein kann die Welt nicht retten- dazu braucht es mehrere! 

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Reflektieren bringt neue Ideen!

Ich habe die meisten Aktivitäten für Hilfsprojekte bisher meinem Mann überlassen, der ständig aktiv ist. Aber irgendwie kriege ich ein immer größeres Bedürfnis, auch selber zu helfen. In shaa Allah eröffnet sich da noch ein Weg.

Wasser verteilen

Aufjedenfall bin ich jetzt durch diesen Artikel auf die Idee gekommen, dass wir mit unseren Kindern eine Sammelaktion machen sollten. Dann werden wir unser gesammeltes Hab und Gut persönlich (mit allen Kindern zusammen) in einem der Flüchtlingslager abgeben. Hoffentlich hat das dann auch einen Effekt auf unsere Kinder. Werde dann darüber berichten!

Lösungsvorschlag

Ich denke, man sollte sich aufjedenfall für die Armen einsetzen- egal wo in der Welt. Dabei ist besonders der Schwerpunkt auf Hilfe zur Selbsthilfe zu legen, um der endlosen Abhängigkeit ein Ende zu setzen.

Wenn man tut, was man kann, braucht man dann hoffentlich auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn die eigenen Kinder dann mal einen Lolli essen oder ein Spielzeug kriegen. Denn der Verzicht wird auch nicht unbedingt an der Armut etwas ändern. Aber der bewußte Umgang mit dem, was man hat, Dankbarkeit entwickeln und sich für die Armen einsetzen schon.

AlhamduliLlah

Gerne dürft ihr weitere Ideen, Ratschläge und Kommentare hinterlassen!

Möge die Situation der Armen erleichtert werden und die Menschen drumherum wach und aktiv werden lassen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Die Frage, was man am Wochenende in Somalia so machen kann, werde ich in einem nächsten Artikel beantworten!

 

 

4.Interview: Bemühungen um ein islamisch freieres Leben

As salamu alaikum und Hallo an meine lieben Leser/innen,

Leider etwas verspätet, aber besser als nie ;-), geht unsere Interview-Fragerei in ein vergleichsweise kleineres, dafür umso schöneres Land auf dem Arabisch-Afrikanischen Kontinent: nach Tunesien!

Ich weiß nicht, was euch in den Sinn kommt bei diesem Land. Wenn ich jedenfalls an Tunesien denke, fällt mir sofort die Farbkombination Weiß-Türkis ein. Es gibt so viele wunderschöne Fotos von diesen weißen, quadratischen Häusern mit türkis verzierten Rundbögen an Tür und Fenstern, mit dem passenden stark blauen Himmel und dem mindestens ebenso schönen Strand.

In dieses wunderschöne Land hat sich unsere Kandidatin des heutigen Interviews gewagt, auszuwandern: die deutsche Muslima Khawla!

Tunis7
Khawla mit ihren Lieblingstieren, den Pferden.

Wir kennen uns schon länger (über Social Media) über diverse Themen, die uns verbinden- von Islam, über Wissensaneignung, vom Voltigieren bis hin zur Mehrehe und mehr. Und natürlich auch die Hijrah (Auswanderung). Sie ist eine sehr wissbegierige, selbstbewußte junge Mutter, die trotz des Lebens als Großfamilie kaum eine Minute ungenutzt läßt (möge Allah sie segnen). Deswegen bin ich umso dankbarer, dass sie sich die Zeit für unser Interview genommen hat. Aber lest selbst, was eine Deutsche nach Tunesien verschlägt!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?
Khawla: Bismillah Ar Rahmana Rahim
Assalamu wa Salam ala nabi sall Allahu alayhi wa Salam
Ama baad:
As salaamu alaikum!

Nach Tunesien. Vor 9 Monaten

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Wir haben es uns nicht direkt als Hijrah Wunschziel ausgesucht.
Als Wunschziel wäre natürlich ein Land, was islamisch gesehen nicht gerade erst in den Kinderschuhen steckt, leichter und einfacher.

Aber für uns ist es zur Zeit und auf die schnelle, in der wir die Hijrah vollzogen haben.(innerhalb von 2 Monaten), die nahe liegende Wahl gewesen, da mein Mann Tunesier ist.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Islamisch unbehelligter zu sein, einfach freier.
Und vorallem meine Kinder so erziehen zu können, wie ich es für richtig halte.
Das ist hier, genauso wie in anderen Norafirkanischen Ländern, möglich.
Man wird, nicht daran gehindert, seine Kinder in eine Quranschule zu geben.

Sogar sind die Leute beschämt, wenn sie sehen das meine „blonden“ kinder in den Quranunterricht und zu ihren Gebeten in die Moshee gehen, wöhrend ihre Kinder manchmal noch nicht mal zu Jumaa [zum obligatorischen Freitagsgebet, Anm.d.R.] gehen.

Die Kinder islamisch zu erziehen, ist hier leicht, wenn man den Kindern die richtige Umgebung bereitstellt. Nicht so wie in Deutschland.

Ich weiss, dass Tunesien in diesem Bezug immer noch einen schlechten Ruf hat.
Aber, ich kann nur dazu sagen, dass es kein Land gibt, in der heutigen Zeit, wo alle Leute sich islamisch benehmen. Das gleiche, ist hier auch! Es gibt Länder, wo wohl optisch alles nach Islam aussieht. Aber die Kinder körperlich gezüchtigt werden, wenn sie den Quran nicht schnell genug Hafiz [auswendig gelernt, Anm.d.R.] haben.
Länder, in denen Frauen falsch behandelt werden, vollkommen unislamisch.
Oder Könige solcher Länder, welche ihr Land in einer Zensur halten. Da sieht es dann nach Islam aus. Aber dort darf dann in den Moscheen auch nur das laut ausgesprochen werden, was von dem König erlaubt wird.
Dann gibt es Länder, die nach reiner Dunja [der weltlich-bezogenen Lebensweise, Anm.d.R.] aussehen, als gäbe es kaum Deen [Islamische Lebensweise, Anm.d.R.] dort.
Oder vom Krieg gebeutelte Länder, in denen viele verschiedene Islamische Gruppen vertreten sind.
Länder die in manchen teilen des Landes extrem viel Deen, an anderen Orten touristische „Mega- Dunja“, sogar Diskotheken, haben.
In jeden dieser Länder, gibt es Fitten [Versuchungen, Anm.d.R.].
Wenn wir Hijrah aus den unislamischen Ländern machen, sollte uns bewusst sein, das man nur mit der richtigen Absicht und Anstrengung in den „islamisch“ geprägten Ländern diesen Fitten entkommt und seinen Weg in khair [in dem, was Allah wohlgefällig ist, Anm.d.R.] geht.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, hatten wir, Alhamdulillah. Also so viel, wie man innerhalb von 2 Monaten zusammen bekommt.😅

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?
Ja, Alhamdulillah ich verstehe besser, als ich spreche 😅

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?
Gespalten. Aber da unser Kontakt seid vielen Jahren nur telefonisch ist,
habe ich es ihnen auch erst gesagt, nachdem wir schon weg waren.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?
Man kann für 4 Monate am Stück ohne Visum hier sein.
Dann muss man das Land verlassen– es reicht für 1 Tag.
Oder man beantragt ein befristetes Visum, was man immer wieder verlängern kann.
Oder ein unbefristetes Visum.

Für ein unbefristetes Visum muss man entweder die Mutter sein von Kindern, dessen Vater Tunesier ist, die auch hier leben und zur Schule gehen. Oder mit einem Tunesier verheiratet sein oder du musst eine gewisse Summe auf einem tunesischen Bankkonto haben sowie einen Festwohnsitz.

Palmen, die Standartbäume in Tunesien.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?
Mein Mann macht Tijara [Handel, Anm.d.R.]- hauptsächlich im Ausland.
Wir sind ca. 6 Monate alleine hier in Tunesien. Die restliche Zeit, ist mein Mann bei uns.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, könnte ich in 2ch Allah.
Aber ich könnte mir auch vorstellen, nochmal ganz woanders hinzugehen.
Wenn es meine islamische Situation oder die der Kinder verbessert!

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?
Zwillinge 9, 7, 6 und 5 Monate

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Eine Islamische Privatschule. Fokus auf Quran und Islamische Erziehung.
Im Gegensatz zu der „veralteten“ Annahme, das man in Tunesien, zwar Dunja aber kein Deen haben kann, ist im Privatschulbereich ein erstaunliches anwachsen von Islamischenschulen zu beobachten.
Dadurch, dass es hier erst seid ein paar Jahren möglich gibt, Islam und Schule zu verbinden gibt es noch nicht in jeder Stadt die Möglichkeit.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:
Es gibt nicht ein bestes Erlebnis!
Der tägliche Adan, der mir das Herz weitet 😍
Aber auch, das ich auf die Straße gehen kann, ohne beschimpft oder angefeindet zu werden.
Ich kann mich absolut frei bewegen, ohne behelligt zu werden.
Auch die Polizei oder Militär kontrollieren mich nicht unhöflicher oder mehr als andere.
So wie es früher mal war. Sogar sind die meißten ausgesprochen freundlich zu mir.
Sie winken mich zu 80% einfach so durch- wo alle anderen kontrolliert werden, kann ich oft einfach weiter gehen.

All das gibt mir das Gefühl ein Mensch zusein !
Das ist eine Lebensqualität, die ich in Deutschland all zu lange vermisst habe!

Grüne Landschaft vor dem Strand.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:
So nun kommen wir zu einer Sache, die mich sehr traurig gemacht hat.
Ich musste, in die Visa Behörde.
Mein mann war zu der Zeit im Ausland , also bin ich alleine gegangen.
Man hat mich dort gleich, mit einer Waffe in der Hand begrüßt. Ich durfte nicht einfach so das Gebäude betreten wie alle anderen, sondern musste direkt meinen Passport abgeben und warten.
Dann rief man mich in ein Zimmer.
Ich hatte alle Unterlagen, normalerweise war es nur eine kleine Sache, mir meinen unbefristeten Aufenthalt zu genehmigen.
Nach 2 Std. Gerede und der festen Überzeugung, dass mein Mann hinter meinem Niqab steht, und der Bitte zu meiner Schwägerin, sie solle ihrem Bruder sagen, dass er mir sagen soll, nur Khimar [Also ohne Gesichtsbedeckung, Anm.d.R.] zu tragen.
Dann bekam ich meine Unterlagen zurück und keinen unbefristeten Aufenthalt!
Mit der Begründung, sie wollen zuerst mit meinem Mann reden.

Derart Begegnungen hatte ich seit langem kaum noch hier.
Ich bin seit 12 Jahre mindestens 1 mal im Jahr hier gewesen.
Und so etwas ist seit Jahren immer weniger geworden.
Dennoch gibt es sie hier oder dort in Behörden noch.

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Lässt sich durch niemanden entmutigen: Khawla

Wie sieht es mit einer Krankenversicherung aus, seid ihr Krankenversichert?

Ja, es gibt Krankenversicherungen hier, aber da läuft es so, dass man monatlich Geld ein- bezahlt (ca. 200 Dinar). Wenn man Medikamente oder Besuche beim Arzt braucht, muss man vorbezahlen und man bekommt dann bis zu 80% zurück. Die Rückzahlung kann bis zu 6 Monate dauern

Ja, wir sind versichert Alhamdulillah.
Das mit der Versicherung ist aber schwer hier. Es ist auf keinen Fall so wie in Deutschland. Und die Krankenhäuser sind sehr, sehr teuer. Als wir während der Revolution hier waren, konnten wir ja hier nicht mehr raus, die Zwillinge mussten aber operiert werden. Die OP plus 1 Nacht im KH kostete pro Kind 1500 Euro- solche Kosten werden kaum von der Versicherung übernommen. Aber besser als gar kein Rückgeld 🙈😊
Und da hier alles im Voraus bezahlt werden muss, läßt sich die Versicherung dann einfach sehr lange Zeit oder zahlt nur einen kleinen Anteil.

Abschlussfrage: Was würdest du Geschwistern, die ebenfalls Hijrah machen möchten, raten?

Ich würde, wirklich allen Geschwistern raten, nicht zu warten, bis sie „genug“ Geld haben.
Sondern auf Allah zu vertrauen mit der Gewißheit, dass Allah die Menschen, die auf SEINEM Weg ausgewandert sind, nicht im Stich läßt!

Vielen Dank für deine Beantwortung der Fragen liebe Khawla! Möge Allah dich und deine Familie reichlich belohnen und beschützen!

Fazit:

Wie ihr seht, ist es selbst in solchen „islamischen“ Ländern nicht einfach, wenn man sich voll verschleiert (und die Schwester tut das aus Überzeugug, nicht für ihren Mann!). Dies ist so, weil die Regierungsbeamten, sowie der Großteil der Bevölkerung, diese Art der Verschleierung als extrem betrachtet und wenig bis kaum Wissen darüber hat, dass es im Islam etwas angesehenes ist für Frauen (ohne Zwang). Frauen, die sich für diese Art der Bedeckung entscheiden, tun das meißtens freiwillig, um Allah´s Wohlgefallen zu erlangen. Dementsprechend müsste man sie dazu zwingen, wenn man sagt, sie sollen es nicht mehr tragen!

Selbst in Somalia ist es mir schon ein paarmal passiert, dass die Beamten verunsichert waren durch meine Gesichtsverschleierung. In solchen Momenten muss man einfah cool bleiben, erklären, und sein Gesicht einmal zeigen. Denn leider ziehen Terorristen und extreme Gruppen diese religiösen Dinge (genau so wie z.B. Bart zu tragen) durch ihre (Un-) Taten in den Dreck. Möge Allah uns alle rechtleiten.

Trotz solchen Erfahrungen und des weniger guten Gesundheitsystems: die Vorteile in solchen muslimischen Ländern überwiegen! Denn Erfahrungen dieser Art passieren wahrscheinlich nur manchmal, nicht jedoch im alltäglichen Leben. Während man in Deutschland nicht mehr in Ruhe aus dem Haus gehen kann, ohne beschimpft zu werden.

Ich hoffe, ihr habt wieder etwas dazu gelernt und neue Einsichten gewonnen. Gerne könnt ihr eure Gedanken und weitere Fragen dazu im Kommentarfeld hinterlassen.

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Resümee: Aufgehoben ist nicht aufgeschoben!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Hier noch ein kleines Resümee zu meinem Artikel, in dem ich über meine Ferienpläne schrieb. Nicht, dass ich mich vor irgendwem rechtfertigen müsste, nein! Jedoch einfach, um euch ein „Ergebnis“ zu meinen Plänen zu haben, welche zeigen, dass ich mich fatal vertan habe mit der Zeit. Welche jedoch auch zeigen, dass es nicht so einfach ist, als Mutter einer Großfamilie Zeit für sich zu finden. Und dann trotzdem nicht aufzugeben, sondern weiter zu kämpfen für seine ganz privaten Etappen-Ziele!

Nun gut, die „Ferien“ sind jetzt zuende… bloß meine Pläne haben sich wie gesagt als Träume eines Schlaraffenländners entpuppt. Denn irgendwie vergaß ich wohl, dass ich in einer Großfamilie lebe, also Mutter bin! Wenn ihr selber Mütter seid, wißt ihr, wovon ich spreche. Jeden Moment, den man sich eeendlich mal frei schaufeln konnte, kommt dann doch wieder jemand zur Zimmertür herein! Und selbst wenn es nur eine Käbbelei unserer Helfer ist, die mir zum Fenster herein weht, oder die Katze, die ausgerechnet jetzt mit deiner Hand spielen will…irgendetwas ist immer los!

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Meine kleine, verspielte Katze

Was hab ich also von meinen Plänen erreicht? Gehen wir einmal der Reihe nach durch.

  • Natürlich werde ich einige Artikel über bestimmte Themen schreiben (in shaa Allah).

Ja, also das habe ich immerhin geschafft, Gott sei Dank! Ich habe wirklich jede freie Minute für den nächsten Artikel genutzt. Besonders die Tage, in denen ich „Kinderfrei“ hatte (also fast- es waren ja 5 Nichten und Neffen zu Besuch- nicht zu vergessen unsere Helferinnen, die meine meißte Zeit in Anspruch nahmen durch ihr kindisches Verhalten).

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Besucherzahlen: stetig steigend, alhamduliLlah!

Unsere Besucherzahlen haben nun schon die 2.000- Marke überschritten und ich habe einiges an schönem Feedback erhalten. Vielen Dank dafür! Und vielen Dank auch für die negativen Feedbacks, aus denen ich meine Konsequenzen gezogen habe! Ich kann es sowieso nie allen recht machen. Aber authentisch zu sein ist das A und O. Es bringt doch nichts, sich zu verstellen!

  • Auch steht die Auswahl eines neuen Designs für unseren Blog an und die große Umstellung.

Leider doch nicht. Denn unser Programmierer hat leider doch einen Rückzieher gemacht, da er zuviel um die Ohren habe. Wer also eine Alternative kennt- nur her damit!

  • Ein paar Themen-bezogene Fotos werde ich auch schießen- bloß keine Soldaten (neue Kamera bleibt wohl noch ein Traum, aber wer weiß!).

Fotos mache ich immer gerne, nun auch auf Instagram. Und der Traum von einer Kamera bleibt bestehen!

Fotoapparat1

  • In shaa Allah werde ich auch zu einem Qur´an- Kurs gehen.

Ja, hmm…Da hat Shaytan auch wieder seine Finger im Spiel gehabt. Jedenfalls kam immer etwas dazwischen. Bis wir doch bis zum neuen Monat warten wollten. Also die Hoffnung stirbt zuletzt 😉

  • Meine Fitness aufbessern, die in der letzten Zeit etwas vernachlässigt wurde.

Das hat nur teilweise geklappt. Im Durchschnitt vielleicht 1,5 Trainingseinheiten pro Woche *sich-in-grund-und-boden-schäm.

  • Außerdem warten schon seit längerer Zeit 3 tolle Kurse auf mich, (…)

Jaaa, simma mahl ehrlich: ich habe noch nicht einmal einen Kurs zuende geschafft! Noch nichteinmal zu Hälfte! Denn der 1.Kurs, den ich mir ausgewählt habe, war der Zeit-Management Kurs. Eindeutig die Basis für alle erfolgreichen Leute und mein Schwachpunkt. Der ist dann an der Aufgabe gescheitert, dass ich eine Woche lang jede halbe bis Stunde aufschreiben sollte, was ich gerade gemacht habe. Dadurch soll man einen guten Überblick bekommen, ob man wirklich seine Zeit effektiv nutzt.

Aber ich muss gestehen- dafür bin ich tagsüber einfach zu beschäftigt! Also hatte ich den Kurs erstmal etwas…wie soll ich sagen…verdrängt!

Aufgehoben ist aber nicht aufgeschoben!!!

Ich mag in euren Augen nun vielleicht als kleiner Looser da stehen. Oder zumindest mitleidig belächelt werden. Aber ich werde nicht aufgeben, diese kleinen Pläne nach und nach zu verfolgen, zu verringern, zu erweitern, und meinen Umständen anzupassen!

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Nach jedem Tief kommt ein Hoch..tief…hoch..wie beim Schaukeln!

Auch muss ich zugeben, dass ich es nicht so einfach ist, die Social Media und das Privatleben unter einen Hut zu kriegen. Denn je bekannter unser Blog wird, desto mehr hat man auch zu beantworten, zu bearbeiten, etc…was aufjedenfall super Spaß macht und auch viele neue, sehr nette Bekanntschaften mit sich bringt! In shaa Allah lerne ich das noch im Verlauf des Zeit-Management Kurses, wie man sich in der virtuellen Welt nicht „verliert“. Denn schon hat das Studium wieder angefangen, und jede Minute ist kostbar.

So, das war ein sehr persönliches Update meiner Situation. Aber dafür ist es ja auch ein Blog, und nicht nur reine „Informations-Seite“ 😉

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa, die gespannt ist, was die Zukunft noch so bringt.

 

 

 

3.Interview: Diese Dunja ist eine ständige Reise!

As salaamu alaikum und Hallo liebe Leser/innen,

Heute geht es um ein Land, welches der Traum der meißten Muslime ist: Saudi Arabien! Es ist das Ursprungsland des Islams, der Ort der allerersten Gebetsstädte überhaupt: der Kaaba in Mekka, die ursprünglich vom Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael (Frieden und Segen seien auf ihnen) erbaut wurde und später von den Muslimen übernommen und restauriert wurde. Dort können wir also die 5.Säule unseres Glaubens erfüllen, sofern wir in der Lage dazu sind: die Pilgerfahrt (Arab. Hadsch). 

Nur eine Stunde mit dem Auto davon entfernt liegt Jedda, die Stadt, in der die heutige Interviewpartnerin seit kurzem lebt. Genannt auch Zawjatutalib, was soviel heißt wie „Frau des Studenten„. Diese Namensbezeichnung passt außerordentlich gut, denn ihr Mann studiert dort, und zwar Arabistik. Und auch sie selbst geht inzwischen dort zur Schule und bildet sich fort.

Für die Nichtmuslime unter uns mag folgendes Interview ebenfalls einen interessanten Einblick geben in ein Land, dass sie sonst nur von den Medien her kennen (oft genug in einem schlechten Licht). Deswegen wünsche ich euch allen eine schöne Bereicherung durch dieses Interview!

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert und wann?

Zawjatutalib: 

Bismillahirrahmanirahim
Alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Weltenbewohner, der uns ermöglicht hat. Ohne ihn wären wir wahrlich zu nichts im Stande.

Januar 2018 nach Saudi-Arabien.

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Saudi Arabien von oben (aus dem Flugzeug)

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Ich finde, dass man in Saudi-Arabien den Islam praktizieren kann ohne daran gehindert zu werden. Im Gegenteil: es gibt sehr viele Möglichkeiten und man ist eben nicht mehr fremd, sondern wird von den Mitmenschen akzeptiert und verstanden.

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Palmen, die den Straßenrand schmücken

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Mein Mann studierte bereits hier als wir geheiratet haben. Al-hamdu-lillah. Abgesehen davon denke ich, dass man als Muslim in Deutschland sehr eingeschränkt lebt, da man einfach nicht viel geboten bekommt in islamischer Hinsicht. Es fängt schon dabei an, dass Muslime schwerer einen Arbeitsplatz finden & Frauen mit Niqab kein Auto fahren dürfen.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Ein wenig, jedoch nicht ausreichend.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Anfangs sehr schlecht. Mittlerweile akzeptieren sie es. Sie kennen meinen Mann und sehen, dass ich glücklich bin.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann hat sein Stipendium. Außerdem kann man in einem Fall wie bei uns in den Semesterferien Jobben.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja In schā Allah. Möge Allah ta’ala es ermöglichen amin.

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Ausblick auf den Sonnenuntergang, bei einer Straße in Jedda

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Ich habe keine Kinder.

Frage 11: Wie läuft das im Krankheitsfall ab? Gibt es so etwas wie eine Krankenversicherung oder muss man privat zahlen?

Ich kann nur für unseren Fall sprechen. Wir sind beide über die Universität, die mein Mann besucht, versichert. Das ist üblich für Studenten hier, dass die Familie dann den Service auch bekommt. Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Krankheit hier. Von anderen habe ich aber gehört, sie seien sehr zufrieden und haben Medikamente auch kostenlos bekommen. Allerdings variiert das von Uni zu Uni etc.

Manche Geschwister bevorzugen auch die Behandlung in der Heimat bei einem Ernstfall. Zum Beispiel fliegen viele Schwestern zum Entbinden in die Heimat zurück. Es kommt natürlich immer drauf an, aus welchem Land man kommt und welchen Standart man von der Heimat gewöhnt ist. In Deutschland genießt man schon einen sehr hohen Lebensstandart. Da ich aber -allahumma barik [Möge Allah es segnen, Anmerkung d. Redaktion]- wie gesagt keine Erfahrung habe in diesem Thema, ist dies alles, was ich dazu sagen kann.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Die Umrah! [Das ist die kleine Pilgerfahrt, die man im Gegensatz zur Hadsch jederzeit machen kann, Anm.d.R.]

Mekkah
Kaaba, Ort der Pilgerfahrt für jährlich mehr als 2 Millionen Muslime
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Türme der riesen Moschee, in der die Kaaba ist, und die berühmten Hochhäuser rundherum.

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Klimawechsel & Lebensmittelveränderung! Es gibt nicht alles, was es in DE gibt, oder eben sehr teuer.
(Nicht wirklich schlimm aber eben eine Veränderung die sich bemerkbar macht)

Frage 14: Du bist ja erst kurze Zeit dort. Trotzdem ist es interessant, ob deine Erwartungen vom Land erfüllt wurden oder eher nicht? Beschreib das ruhig ein bisschen 🙂

Meine Erwartungen von Saudi Arabien wurden teilweise erfüllt, teilweise nicht.
Ich hab zum Beispiel nicht erwartet, dass es so viel Dunya [Weltliche Güter, Anm.d.R] hier gibt.

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Moderne Hochhäuser in Mekka, Saudi Arabien

Also Saudi Arabien ist teilweise echt moderner als Deutschland – was nicht unbedingt negativ gemeint ist. Also es gibt sehr große und schöne Malls, es gibt sehr schöne Plätze draussen zum spazieren etc. Ich war positiv überrascht! Und auch, dass es sooo viele Geschwister mit niqab/jalabiya  gibt hätte ich auch nicht erwartet .

Ich meine, dass es so normal ist, dass zum Beispiel im Ikea die Arbeitskleidung eine Abaya und niqab ist oder männliche Kassierer mit Jalabiya [Gewand für Männer, Anm.d.R.] im Supermarkt sind, hab ich einfach nicht erwartet, was auch super schön ist.

Den Adhan von allen Seiten zu hören 5 mal am Tag ist auch total schön, wie erwartet. Die Hitze ist auch nicht so schlimm wie ich dachte- also das sind nur wenige Beispiele. Wenn ich jetzt auf alles eingehen würde, würde es den Rahmen sprengen. Im Großen und ganzen bin ich also positiv überrascht und hab teilweise Schlimmeres erwartet. Aber ihr könnt mein Leben hier auch auf meinem Blog mitverfolgen:

https://zawjatutalib.wordpress.com/author/zawjatutalib/

Foto von Abaayat- islamischen Gewändern für Frauen.
Viel Auswahl in zig Geschäften

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat? Speziell für welche, die auch von Saudi Arabien träumen?

Man sollte starkes Tawakkul (Vertrauen auf Allah) besitzen.

Es kommt nie, wie man es plant. Besonders hier in Saudi-Arabien, wo einem der Aufenthalt eigentlich nie garantiert ist (selbst wenn der Mann arbeitet). Man weiß eben nie, was morgen passiert- deshalb sollte man sich nie an die aktuelle Situation fesseln!

Wenn die Situation schlecht ist, kann Allah es bis morgen schon wieder ändern und andersrum genauso. Man sollte stets zufrieden sein mit Al-Qadr (Die Vorherbestimmung Allah’s).

Diese Schwester hat sich also einfach getraut, was so einige vielleicht vom Auswandern abhalten würde: ohne jegliche Geldreserven ist sie nach Saudi Arabien ausgewandert! So hat sie Tawwakul bewiesen, Allahumma baarik.

Für viele von uns ist es allerdings extrem schwierig, dort Fuß zu fassen, aufgrund der schwierigen Visa-Verhältnisse. Und eine gute Arbeit dort findet auch nicht mal eben jeder.

Sie hat es jedoch geschafft. Trotzdessen dass ihr Mann und sie beide nicht aus Saudi Arabien kommen, sondern aus Deutschland.

Vielen Dank und Baarakallahu feeki liebe Zawjatutalib, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Für mich war es höchst interessant, und ich hoffe für meine Leser auch!

Möge Allah dich reichlich belohnen für diesen Schritt und dir das Einleben und das dort bleiben können erleichtern!

Wer noch weitere Fragen und sonstige Kommentare da lassen möchte, ist herzlich willkommen.

Ansonsten bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa