Medizinische Versorgung in Somalia

Eine der vielen Fragen, die aufkommen, wenn jemand über die Auswanderung nach Somalia nachdenkt, ist sicherlich die Frage nach der Medizinischen Versorgung. Deswegen möchte ich in diesem Beitrag näher darauf eingehen.

Diese ganzen Gedanken, die einem im Kopf herum schwirren, und einen beinahe verrückt machen, kenne ich nur zu gut: Was ist, wenn mein Kind aufeinmal dies und jenes bekommt? Oder ein Notfall mit einem Familienmitglied eintrifft (möge Allah uns bewahren)? Wobei ich anfangs ja sehr blauäugig an die Auswanderung heran gegangen bin, denn da hatte ich auch noch keine eigenen Kinder. Doch sobald die da waren, kamen selbst mir manchmal solche Gedanken in den Sinn.

Dann jedoch hab ich sie verdrängt und mich damit beruhigt, dass nichts eintreffen wird, was für einen nicht schon bestimmt ist.

“Kein Knecht (Allahs) glaubt (wirklich), solange er nicht an die Vorbestimmung von Gutem und Schlechtem (in seinem) Leben glaubt und er nicht erkennt, daß das, was ihm zustößt, ihn nicht verfehlen sollte, und das, was ihn verfehlte, ihm nicht zustoßen sollte.” (Dschabir; Tirmidhi)

Außerdem habe ich mich mehr und mehr mit der Sunnah- Medizin auseinandergesetzt. Denn hier in Somalia kann man nicht bequem zu einer Heilpraktikerin gehen und sich von A-Z mit den richtigen Kügelchen versorgen lassen (habe das ja geliebt!). Nein, leider gibt es hier keine Homöopathische Medizin geschweige denn eine Heilpraktikerin. Daher ist die Sunna Medizin die einzige Alternative, die man hier zu den Chemiekeulen haben kann.

Einigen Lesern wird der Begriff Sunnah Medizin etwas Neues sein. Sie beinhaltet naturmedizinische, ganzheitliche Anwendungen aus der Zeit des Propheten Mohammed (s.a.s.), wobei einige Anweisungen direkt von ihm kamen und andere wiederum Praktiken aus seiner Zeit waren, die er ebenfalls befürwortete. Von späteren Gelehrten wie Ibnul Qayyim wurden sie in Büchern zusammen gefasst und gegebenenfalls ergänzt. Denn Allah hat keine Krankheit ohne ein Gegenmittel erschaffen!

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne daß Er für sie zugleich ein Heilmittel herabkommen ließ.“

[Sahih al-Buchari, Kapitel 69/Hadith Nr. 5678]

In Somalia hat man leichten Zugang zu vielen Zutaten dieser Sunnah- Medizin- oftmals muss man nur auf den Markt gehen dafür! Zur Grundausstattung, die fast jeder Somali in seinem Haus hier hat, gehören:

  • Echter Bienenhonig (oftmals noch mit den Waben drinnen)
  • Heil-Gewürze wie Knoblauch, Ingwer, Nelken, …
  • Für die Kenner auch Qist al Hindi
  • und aufjedenfall Schwarzkümmelöl!

Abu Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: “Benutzt diesen Schwarzkümmel regelmäßig, weil er eine Heilung gegen jede Krankheit ist, außer gegen den Tod.” (Al-Buchârî und Muslim).

 

Mit Natur- bzw. Sunnah Medizin ist man hier also gut eingedeckt (alhamduliLlah). Was ist nun aber, wenn…?

Für Notfälle gibt es an erster Stelle das Krankenhaus, welches eine Notaufnahme hat. Die Einrichtung ist zwar sehr einfach, jedoch haben eine Menge Erfahrung für die wichtigsten Sachen und auch einige Maschinen, bzw. Werkzeuge.

Daneben gibt es noch zahlreiche Allgemein- und Fachärzte, die teilweise auch aus dem Ausland hierher kommen. Vom Hals- Nasen- Ohrenarzt, Augenarzt, Frauenarzt, etc. ist eine große Palette abgedeckt. Leider muss man alles selber bezahlen, denn von einer Krankenversicherung sind wir hier noch weit entfernt.

Hier in Garowe gibt es z.B. auch einen ganz bekannten Augenarzt (Dr.Abdirrizaq), der beste in ganz Puntland. Die Leute kommen manchmal von weit her, um sich von ihm behandeln oder untersuchen zu lassen (maa shaa Allah). Er hat mit seiner Frau, welche Frauenärztin ist, ein großes (grünes!) Praxisgelände, auf dem man auch Optiker, Laboratorium und Apotheke direkt vorfindet. Wie auch schon im letzten Beitrag erwähnt, behandeln sie Arme Menschen kostenlos.

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Zudem gibt es in Garowe sowie großen Städten wie Bosasso auch eine Anlaufstelle, an der Arme Leute kostenlos untersucht und behandelt werden.

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Nugaal Health Office- mit kostenloser medizinischer Behandlung

Apotheken ohne Ende

Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Apotheken, von denen es in größeren Städten nur so wimmelt! In ihnen findest du Medizin aus aller Welt- von Antibiotika, über Anti-Depressiva bis Osteocare Liquid aus Deutschland. Aber halt keine Natürliche oder sanftere Medizin. Manche Apotheken sind direkt an eine Arztpraxis angebunden, andere wiederum haben ihren eigenen Arzt oder Apotheker, der auch verarztet, Blut abnimmt, etc. So kann man, wenn man sich auf Malaria testen lassen möchte, einfach zur Apotheke gehen und sich dort testen lassen, anstatt 10 Dollar für den Arzt auszugeben,

Meine Erfahrungen

Meine Erfahrungen hier sind verschiedenster Art: leider musste ich für meine Kinder auch schon öfter auf Antibiotika zurück greifen, z.B. als mein Sohn widerholt Mittelohrentzündung hatte, Masern, oder meine Kleine Keuchhusten. Dafür könnte man zwar auch auf die Sunnah- Medizin zurückgreifen, jedoch ist nach meiner Erfahrung etwas schwieriger. Welches 2-jährige möchte sich schon den Rachen “verbrennen” mit Qist al Hindi- einer indischen Wurzel, die zu Pulver gemacht wurde und mit Olivenöl/Honig angerichtet unheimlich brennt? Deshalb dürfen in meiner Reiseapotheke auch nie Propolis-Tropfen fehlen, die wie Antibiotikum wirken, jedoch viel gesünder sind. Die lasse ich mir bei jeder Gelegenheit immer aus Deutschland mitbringen und sie helfen sofort bei jedem Halskratzer (maa shaa Allah).

Wie sieht es nun aus mit Krankheiten wie Malaria und Cholera?

Malaria kommt leider nicht selten vor, wobei wir außer in 2 Fällen bisher davon verschont wurden (alhamduliLlah). Wenn bei jemandem unübliche Kopfschmerzen mit eventuell Wellenartig wiederkehrendem Fieber auftreten, sollte er sich sofort testen lassen. Denn je früher man behandelt, desto leichter verschwindet es auch (in shaa Allah). Üblicherweise wird in solch einem Fall mit starken Tabletten (Name ist mir entfallen) behandelt, die man je nach Schwere der Krankheit ein paar Tage nehmen muss. Aber dann geht es auch wieder (in shaa Allah).

Gegen Malaria gibt es bisher keine wirksame Impfung, und prophylaktisch zu nehmende Tabletten sind auch kein 100%-iger Schutz und nur lohnenswert (eventuell), wenn man hier Urlaub macht. Ansonsten hilft es, wenn man Mückennetze über die Betten spannt und sich mit Schwarzkümmelöl einreibt.

Es gibt eine gute Alternative zu den chemischen Tabletten, welche von der WHO zwar als nichtig eingestuft wird (damit lässt sich kein Geld verdienen!), jedoch in der Praxis schon vielen Malaria-kranken geholfen hat, zu sehen in Beispielen wie solchen. In Somalia habe ich diesen Strauch noch nicht gesehen (wäre mal ein gutes Hilfsprojekt!), jedoch kenne ich in Deutschland eine Schwester, bei der man das bekommen kann.

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Artemisia annua by Kristian Peters

Cholera kommt eigentlich mehr in den Flüchtlingslagern vor oder bei Kontakt mit diesen. Eines Morgens kam eine neue Helferin (junge Mutter) frisch und munter bei uns an, um sich vorzustellen und direkt mit ihrer Arbeit anzufangen. Ich wunderte mich schon, dass sie sich zwischendurch auf der Toilette übergeben musste. Sie meinte, das läge daran, dass sie diese zu reinigen hatte.

Keine 4 Stunden später lag sie auf dem Boden vor Schwäche. Wir sagten ihr, sie solle sich hinlegen (ihre Mutter, die kam, ebenfalls) und wenn die Mittagspause um ist, würden wir sie zum Krankenhaus fahren. Doch glücklicherweise warteten sie nicht so lange- als wir aufwachten, waren sie schon verschwunden- und zwar ins Krankenhaus. Sie kennen diese Krankheit wohl besser als wir, denn wir hatten wirklich keine Ahnung davon, wie drastisch sich diese entwickelt! Im Krankenhaus fanden wir sie an Schläuche gelegt, sich aus allen Körperöffnungen übergebend. Das einzige, was wir für sie tun konnten war, ihre Medikamente zu zahlen. Ihre Situation sah sehr kritisch aus. Nebenbei erfuhren wir, dass eine Epidemie im Flüchtlingslager ausgebrochen sei. Gott sei Dank kam sie wenigstens nach ein paar Tagen wieder zu Kräften. Etwa 8 Tage später erschien sie wieder auf unserer Matte, um ihrer Arbeit nachzu gehen.

Fazit

Die Medizinische Versorgung in Somalia variiert natürlich, je nachdem wo man lebt. In Städten ist sie in Verbindung mit der Natur-/ Sunnah-Medizin mehr als ausreichend. Auf dem Land ist es für die Bewohner natürlich schwieriger, an diese heranzu kommen. Sie müssen erst ins nächste größere Dorf reisen.

Ich gehe aber davon aus, das meine Leser nicht als Nomaden leben werden. Von daher brauchen sie sich nicht all zu viele Gedanken machen. Hilfreich ist immer, einen 1.Hilfekasten, eventuell eine Homöopathische Grundausstattung (Arnika und Co.) oder Propolis aus dem Ausland mit zu nehmen, so hat man alles zur Stelle für die kleineren Wehwehchen.

Zahnärzte gibt es auch genug für die Grundsachen – ja, sogar feste Zahnspangen kann man sich machen lassen- nur keine Orthopädischen!

Wenn es hart auf hart kommen sollte (möge Allah uns bewahren), d.h. bei spezifischeren Sachen wie Tumore, Unfall- Schäden, usw., lohnt es sich, sich in den Nachbarländern Kenia oder Äthopien behandeln zu lassen, oder gar in Dubai.

Möge Allah uns alle vor schlimmen Krankheiten beschützen und die Situation des Gesundgeitsystems weiter verbessern.

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Einblick in das Gesundheitssystem Somalias bekommen.

Eure Khalisa

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