Leben in einer Großfamilie (Teil 3): Daily Life

In diesem Artikel beschreibe ich etwas unseren Alltag als Großfamilie in Somalia. In diesem Zusammenhang werde ich erklären, warum es für uns sinnvol ist, Haushalts-hälterinnen zu haben und die gleichzeitig auftretenden Probleme damit; auch werde ich euch zeigen, wie unser täglicher Ablauf ist, und was das A und O einer Großfamilie ist. Zuerst jedoch möchte ich folgende Frage klären:

Wie ist das Leben als Großfamilie? Hat man da noch Zeit für sich?

Dies ist ebenfalls eine der häufigen Fragen, die mir so begegnen. Zuerst einmal muss ich sagen, dass man die Kinder nicht alle aufeinmal kriegt (es sei denn, man bekommt 6-linge!).

Das heißt, mit jedem Kind wird die Arbeit, die damit verbunden ist, auch wiederum leichter.

Denn sobald sie selbstständiger werden, können sie einem auch kleinere Aufgaben abnehmen. Und zusammen die Fortschritte des Neuzuwachses bestaunen, mit ihm spielen… Ja, sogar ein einfacher Toilettengang wird dann irgendwann wieder einmal möglich, ohne dass man sich Sorgen machen muss, dass das Baby gleich aufwacht und in Panik gerät, weil niemand da ist! Also je mehr Kinder man hat, desto mehr Zeit bekommt man zwischendurch für seine Angelegenheiten (nicht nur für den Toilettengang natürlich!), auch wenn man zwischendurch natürlich sehr beschäftigt ist.

Mamasdaily
Mama macht Pause- bei mehreren Kindern ab und an möglich! (Foto by Mamasdaily)

Ein Vergleich

Als ich mit meinen 2 Kleinkindern in Deutschland war, bekam ich aufgrund der verschiedenen Schlafrythmen meiner beiden kaum Schlaf. Hier in Somalia jedoch, wo die Älteste Schwester meiner Kinder 15 Jahre alt ist, bekomm ich manchmal sogar die Chance auf einen Mittagsschlaf, wenn nötig! Oder ich schicke sie zum gemeinsamen spielen, damit ich mal zumindest eine halbe- bis Stunde etwas lernen oder schreiben kann. Jede Minute zählt, wenn man auch noch andere Dinge im Kopf hat, so wie ich 😉 Wobei ich zugeben muss, dass die Größeren natürlich auch viel weg sind oder anderweitig beschäftigt. Also ständig frei schaufeln kann (und will) ich mir nicht!

Eine erfüllte Mutter ist eine bessere Mutter!

Schließlich geht es ja aber auch nicht darum, die Kinder soviel wie möglich abzugeben. Doch da ich meine noch nicht zum Kindergarten schicke, bin ich froh, wenn ich doch mal eine Minute für meine eigenen Dinge habe. Denn eine erfüllte Mutter ist eine bessere Mutter!

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Zeit zum Lernen- für eine Mutter wertvoll

Jeder hat natürlich auch andere Vorstellungen und Werte, was er mit seiner Zeit, seiner Familie, seinem Leben macht. Für die eine mag es genug sein, wenn sie 24 Stunden mit ihren Kindern, Haushalt und Mann beschäftigt ist. Und das ist auf garkeinen Fall weniger Wert- denn Kinder sind die beste Investition für die Zukunft! Und (qualitätsvolle) Zeit mit ihnen zu verbringen dementsprechend auch. Für die andere Mutter fehlt da etwas- denn sie fühlt, dass sie auch etwas geistige Nahrung benötigt, um innerliche Zufriedenheit zu erlangen. Das ist ebenfalls gut, denn eine ausgeglichene Mutter ist wie bereits gesagt, eine bessere Mutter! Solange sie dann ihre Kinder nicht vernachlässigt und auch genug qualitätsvolle Zeit ( mit ihnen verbringt, ist dem nichts auszusetzen.

Schließlich soll es sogar Phantasie- fördernd sein, wenn Kinder frei und gewissermaßen sich selbst überlassen spielen. Das kann man in zahlreichen Artikeln lesen, wie zum Beispiel in diesem.

Also die (Über-) Beschäftigung, die oftmals im Westen stattfindet, ist garnicht unbedingt notwendig. Das ausschließliche sich-selbst-überlassen des Kindes, wie es hier in Somalia oft der Fall ist, natürlich auch nicht. Denn etwas Erziehung braucht ein jedes Kind, wie ich auch schon in diesem Artikel erwähnt hatte.

Das A und O in einer Großfamilie?

… Ist aufjedenfall die Organisation der täglichen Aufgaben, des Haushalts.

Wir haben den Luxus, Haushaltshelferinnen zu haben, da wir eben auch noch außerhalb unserer Familienglieder Menschen zu versorgen haben. Immerhin sind wir auch 2 Familien unter einem Dach: meine Co-Schwester (auch Co-wife genannt, d.h. die andere Frau meines Mannes) mit ihren 7 Kindern und ich mit meinen 2. In Anbetracht der hiesigen Umstände lohnt es sich also aufjedenfall, Haushaltshelferinnen einzustellen. Zumal wir keine Spülmaschine haben, die einem eben mal das ganze Geschirr wäscht, geschweige denn eine richtige Waschmaschine, die man nur anmachen muss und auf die saubere, halb trockene Wäsche wartet.

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Unsere Waschmaschine, rechts daneben die gelben Gefäße, mit denen man Wasser holt, davor das grüne Gefäß. in dem man die Wäsche von der Seife auswäscht.

Die Waschmaschine, welche wir haben, wird immerhin aus Dubai anschoffiert (Kostet an die 200 US-Dollar). Da jedoch unser Leitungswasser Khareer („Bitter“, Kalkhaltig, Salzig) ist, müssen wir das Wasser extra aus dem Brunnen in große, gelbe Behälter füllen (Jirgaan, ursprünglich für Speiseöl genutzt), und dann ab damit in die Waschmaschine. Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan. Die Maschine stellt man für 2 mal für 15 Minuten ein, damit sie die Wäsche im Seifenwasser herum dreht, also wäscht. Danach muss man jedes Kleidungsstück auswringen und in einen anderen großen Bottig (im Bild grün) mit klarem Brunnenwasser rein tun. Nachdem man jedes Stück dann von der Seife rein gewaschen hat, muss man es wieder auswringen und in einen Eimer (im Bild blau) rein tun, um die Wäsche draußen aufzuhängen. Das Trocknen geschieht dann ganz von allein, innerhalb einer Stunde, so dass nur noch das Falten und verteilen der Wäsche ansteht. Capito? 🙂

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Unser Brunnen

Sauberkeit ist die halbe Miete (für unsere Gesundheit)

Hinzu kommt noch, dass man hier öfter reinigen muss, als normalerweise in Deutschland: Durch die offenen Türen, die barfüßigen Kinderfüße, die vom Hof ins Haus und wieder zurück rennen, kommt überall etwas Sand/Staub hin. Daher muss 2 mal täglich gefegt und gewischt werden (drinnen und im Hof).

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Täglich mehrmals im Einsatz; Besen und Wischer mit Eimer. Ebenso der Schlauch fürs Bewässern der Beete. Der Mauer hab ich einen neuen Anstrich verpasst!

All diese Arbeit wäre auch zu zweit kaum zu schaffen, es sei denn, man verbringt seine ganze Zeit mit Putzen, Fegen, Waschen, … nichts da mit Blog schreiben, Studieren und Kinder bespaßen!

Die Helferinnen und ihre Tücken

Eine weitere Aufgabe ist auch, die Helferinnen anzuleiten und sie vom sich gegenseitig Streiten abzuhalten. Denn sie kommen aus total ungebildeten Familien (unsere aus dem Süden), und müssen von A-Z alles beigebracht kriegen. Dabei ist so manches mal „V wie Verhalten“ ein großes Problem. Aber mit der Zeit wird es immer besser, auch lernen sie Lesen, Schreiben und Mathe in einer Qur´an-Schule. Meißtens müssen wir sie aber dann schon wieder verabschieden, wenn wir ein eingespieltes Team sind: denn in ihren Reihen heiraten sie meißtens ab 15 (wenn auch nicht mehr alle). Mehr zu diesem Thema und wieso es schwierig ist, ein richtiges Verhalten ihnen gegenüber an den Tag zu legen (wenn zu freundlich, ausgenutzt!), habe ich bereits ausführlich in diesem Beitrag geschrieben.

Der Nachteil an Haushaltshelferinnen ist: die eigenen Kinder tendieren dazu, etwas faul zu werden. Dass sie nicht einfach jeden Müll einfach auf den Boden werfen (wird ja gefegt), ihre Teller nach dem Essen in die Küche bringen, sind nur einige von den Dingen, denen man ständig hinterher sein muss.

Ordnung und Regeln müssen sein!

So eine Großfamilie braucht also auch mehr oder weniger strikte Regeln, damit sie nicht aus dem Ruder läuft, d.h. dass das daily life nicht im Chaos endet.

Wir haben schon so einiges probiert, bloß an konstanter Ausführung mangelt es noch zugegebenerweise.

Wochenplan (By Pinterest)

Eine sehr effektive Zeit war, als wir einen Wochenplan aufstellten, mit den jeweiligen Namen der Kinder und den Wochentagen. Dazu hatten wir verschiedene Symbole für verschieden Taten. Meine Idee war es, sich auf die positiven Verhaltensweisen der Kinder zu konzentrieren, anstatt sich auf Verbote zu beschränken („Du sollst nicht dies und jenes machen“, usw.).

Also hatten wir ein Symbol für´s Kleider wechseln nach der Schule, für Pünktlichkeit am morgen und nachmittag, wenn es zur Schule geht, für´s pünktliche Gebet, für´s aufräumen und zusätzliche Hilfen, ein Symbol   für´s Auslassen dreckiger Wörter, usw. Jedes Kind konnte so die Woche hindurch Punkte/Symbole sammeln. Am Ende der Woche (in unserem Fall Freitag) zählten wir die Symbole aus, welche immer eine bestimmte Anzahl an Cents Wert waren, und dann fuhren wir zum Supermarkt, wo jedes Kind sich für sein verdientes Geld Leckereien kaufen konnte (ein Dollar ist 30 Cent Wert). Das alles- von der Plan-Eerstellung bis zum Auszählen- ist natürlich etwas Arbeit, die sich allerdings lohnt. (So, vielen Dank für´s erinnern sag ich mir gerade selbst 😉 )

Wie läuft denn nun das tägliche Leben ab in Somalia?

Bei uns läuft es wohl ähnlich ab wie in den meißten Großfamilien hier, zumindest vom „Grundgerüst“ her. Eigentlich ist es nichts Spektakuläres. Doch um euch einen ungefähren Einblick zu schaffen, hier eine kleine Übersicht:

  • Morgens um ca.5:00 Uhr beginnt der Tag mit der Gebetswaschung und dem Morgengebet
  • Dann wird von manchen Qur´an gelesen, damit die Kinder ihre Hausaufgaben der Koran- Schule für den jeweiligen Tag lernen, bzw. wiederholen. Diese besteht aus 2 Teilen: einmal einigen neuen Versen, die man lernt, und zum Anderen aus dem Wiederholen des Gelernten. Die großen Jungs gehen neuerdings um diese Zeit Joggen, da sie mittags ihre Qur´an-Hausaufgaben lernen.
  • Um 6:30 stehen auch die Kleinen auf, um sich für die Schule fertig zu machen.
  • Nach dem Frühstück geht´s dann um 7:30 auf zur Schule (für die Kleinen schon etwas früher)
  • Jeden 2.Tag muss eingekauft werden- frisch vom Markt. Jedoch erspar ich mir das so gut es geht und lass das lieber meine Co-Schwester machen. Denn in der Stadt geht es etwas zu chaotisch zu für meinen Geschmack 😀 Man kann sich zwar dran gewöhnen, aber wenn man die Wahl hat…
  • Außer einer 15-Minuten Pause, in der sie sich etwas Süßes wie ein Wassereis kaufen, kommen die Kinder erst wieder zwischen 11:30 -12 Uhr nachhause.
  • Nach dem Mittagsgebet wird gegessen und ein Nickerchen gehalten. Denn dann ist es sowieso zu heiß, um etwas vernünftiges zu machen (außer im Winter). Bloß die Großen bleiben oft wach (ich auch des öfteren).
  • Nach dem Nachmittagsgebet um 15:30 gehen die Kinder zurück zum Lernen– diesesmal zur Qur´an- Schule.
  • Beim Abendgebet um 18 Uhr sind alle wieder zuhause und bereiten sich auf den Privatlehrer vor, der dann bis zum Nachtgebet um 19:30 kommt.
  • Dann gibt es Abendessen und langsam geht zu Bett (ca. 21 Uhr für die Kinder).

So sieht also ein alltäglicher Wochentag aus. Wie ihr erkennen könnt, richtet sich von den Zeiten hier alles nach den Gebetszeiten. Selbst die Verabredungen richten sich danach: „Wir treffen uns dann nach Assr!“ (Nachmittagsgebet). Das kann dann also zwischen 15 Uhr und 18 Uhr liegen. Meißtens eine halbe Stunde vor Schluß der besagten Zeit- denn man muss ja dem Afrikanischen Vorurteil gerecht werden 😉 .

Mein persönlicher Tagesrythmus

…Sieht NOCH etwas anders aus, da meine Kleinen noch nicht zum Kindergarten geschweige denn zur Schule gehen. Also schlafen meine morgens etwas länger und ich bin Abends zu gern länger wach. Denn ich genieße die Zeit für mich und bin eher der Typ Nachteule, was ich wohl von meinem Vater habe. Bloß ist das nicht so konform mit dem hiesigen Lebenstil, wo der Tag schon ab 5 Uhr morgens anfängt. Ich arbeite also dran, denn spätestens, wenn mein Sohn zur Schule muss, werde ich speziell morgens auf Zack sein müssen!

Ansonsten schaue ich, wie ich am besten meine Kinder sinnvoll beschäftigen kann und alle meine Pflichten und Aufgaben unter einen Hut kriege. Mittags koche ich, und Nachmittags gehen wir gerne mal raus. Und auch das Lernen und den Blog versuche ich irgendwie unterzukriegen, sowie etwas Sport als Ausgleich. Die Zeit vergeht aufjedenfall immer viel zu schnell.

Aufgabenteilung

Während meine Co-Schwester jeden 2.Tag den Einkauf für uns macht (was ca. 1 ½ Stunden benötigt), ist es meine Aufgabe, das Mittagessen zu kochen und die Essensverteilung mittags und Abends. Das kommt bei mindestens 20 Leuten einem halben Restaurant gleich! Und ja, ich habe tatsächlich gelernt, Somalisch zu kochen (Betonung liegt auf kochen, denn die ganzen anderen Sachen wie Anjeelo, Sabaajet usw. lasse ich lieber Andere machen)! Ab und zu improvisiere ich auch etwas Deutsches rein. Aber der Somalische Reis ist einfach der Beste!

Grundgerüst gleich, jedoch jeder Tag ist anders!

Unser Alltag mag auf den ersten Blick vielleicht etwas dröge erscheinen. Jedoch ist es wie mit Theorie und Praxis von jeglichen Plänen und Aufstellungen: es klafft auseinander! Da jeder Tag auch wiederum anders ist. Gerade durch die Aktivitäten, Reisen aus dem Nichts heraus und verschiedenen Gästen meines Mannes, hält jeder Tag eine potentielle Überraschung bereit. Zum Beispiel erfahren wir oft erst einige Minuten vorher (maximal ein paar Stunden), dass gleich ein Meeting stattfindet oder dass er verreist. Oder wir sind super vorbereitet und haben für einige Gäste gekocht, und dann kommen doppelt so viele oder sie kommen doch garnicht. Das ist wohl afrkinische Mentalität, an die man sich gewöhnen muss und die das Leben aber auch aufregend macht 🙂

Wochenenden

Der Alltag ist ja sehr geprägt vom Lernen der Kinder. Haben sie denn auch einmal frei? Bewegen sie sich überhaupt zwischen dem ganzen Sitzen? Darüber werde ich im nächsten Teil schreiben.

Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick gefallen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

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2.Interview: Raihana Bo – Powerfrau in und um Malaysien

As salaamu alaikum und Hallo an unsere Leser/innen,

Heute habe ich die Ehre, euch eine ganz besondere Powerfrau vorzustellen: die Deutsche Konvertitin Raihana Bo! Was das Besondere an ihr ist? Sie hat sich mit über 50 Jahren, die sie sich schon an Deutschland gewöhnt hat, getraut, in ein völlig fremdes Land auszuwandern. Und das beinahe ohne jegliche Sprachkenntnisse und Finanzielle Rücklagen!!! Warum sie sich ausgerechnet Malaysien als Auswanderland ausgesucht hat, und wie es ihr dort so ergeht, erfahrt ihr nun von ihr selber.

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Nach Südostasien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Weil es am günstigsten dort ist und islamisch, mir liegt auch die arabische Machokultur nicht so.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ich wollte von dieser ganzen Islamfeindlichkeit aus Deutschland weg. Viele Muslime praktizieren immer weniger, weil man versucht. den Islam zu unterdrücken, unsichtbar zu machen. Islamische Schulen sind verboten zu eröffnen, auch Kitas werden immer schwieriger. Überall werden einem große Blockaden aufgebaut, wir haben keine richtigen Moscheen , keinen Adhan und auch nach Halal muss man suchen. Ich hatte Angst um meine Kinder, dass sie den Islam dort nicht richtig leben können, keine guten Frauen finden und ihre Kinder den Islam gar nicht mehr kennen lernen. Auch wollte ich für meine späteren Enkel (die ich in scha ALLAH mal bekomme) die ganze Sexualisierung an den Schulen nicht. Deutschland ist unfreundlich, die Stimmung kippt immer mehr. Allah hat die Welt weit gemacht und es uns zur Pflicht auferlegt die Hidjra zu machen wenn wir unterdrückt werden. Ich bin dankbar Muslima zu sein und versuche stets meine Pflichten gegenüber Allah auch zu erfüllen.

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Moschee in Südostasien

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Nein nicht wirklich. Ich habe alles was ich hatte versucht zu verkaufen. Ein klein wenig hatte ich auch gespart. Wirklich viel war es nicht und es ging schon einiges für Flug, erste Pension und für Laptops drauf.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, überhaupt nicht. Malaysisch was in Süd Thailand und Malaysia gesprochen wird konnte ich gar nicht. Auch Indonesisch was weitgehend die selbe Sprache ist , konnte ich nicht ein Wort. Nur in Malaysia gibt es einige, die Englisch sprechen und mein Englisch reicht gerade so, um nach dem Weg zu fragen. Eine Sprache lernt man aber auch am besten, wenn man im Land selber ist. Und da ich nicht doof bin dachte ich mir, das wird schon. Mein englisch wurde dann auch schnell besser und nun lerne ich auch Malaysisch.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Meine Familie hat kaum Kontakt zu mir seit ich vor 23 Jahren Muslima geworden bin. Verabschiedet habe ich mich nur von meiner Schwester und ihren Kindern. Vermissen wird mich da keiner und ich auch niemanden. Freunde sind das einzige was hier am Anfang fehlt und an die ich denke. Würde gerne mal wieder zum Frauenfrühstück gehen und die ganzen Schwestern wieder sehen.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ein Dauervisum gibt es nicht, wenn man nicht mit einem Landsmann verheiratet ist oder viel Geld hat. Kostenlos bekommen wir 1 Monat für Thailand und Indonesien und 90 Tage für Malaysia. Thailand und Indonesien kann man kostenpflichtig auf 2 Monate verlängern. Es gibt Business Visa wenn man im jeweiligen Land Geschäfte macht, dazu muss man aber meistens mit einem Einheimischen ein Geschäft anmelden. Dann kann man lange bleiben. Wie bereits gesagt ist auch eine Eheschließung ein Weg zu einem Visa. Da wir alle drei nicht verheiratet sind wäre das auch eine Möglichkeit. ALLAH wird uns geben was gut für uns ist, da vertraue ich darauf. Bis dahin sind wir Reisende und wechseln immer diese 3 Länder. Vielleicht besuchen wir auch mal ein anderes Land wie z.Bsp. die Philippinen oder Sri Lanka. Hauptsache es ist Islam freundlich.
 Ich möchte nur noch angelächelt werden und keine bösen und abwertenden Sprüche mehr hören.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Niemand von uns hat Arbeit. Aber meinem großen Sohn (21 J.) wurden in Malaysia schon mehrere Stellen angeboten, dadurch würde er auch ein Arbeitsvisum erhalten. Da wir aber zusammen bleiben wollen suchen wir noch nach anderen Lösungen. Wenn meine Jungs hier studieren bzw. zur Schule gehen würden, bekämen wir alle ein Visum. Noch haben wir uns nicht entschieden.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Wo ich wirklich alt werden will an welchem Ort genau, kann ich jetzt noch nicht sagen, dazu haben wir zu wenig gesehen. Aber ich bin mir absolut sicher, dass ich nie wieder nach Deutschland zurück will, dafür ist es viel zu schön hier und die Menschen sind so freundlich, das gibt man nicht mehr auf.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Meine Jungs waren 20 und 15 und ich 56. Von uns will niemand mehr zurück.

Frage 11: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Angelächelt zu werden von jedem und jeden Tag. Keine unfreundlichen Worte mehr. Es gibt viele schöne Erlebnisse mit neuen Freunden oder Ausflügen an schöne Orte.

Aber die Freundlichkeit ist das, was ins Herz geht und glücklich macht- immer wieder.

Jetzt fällt mir noch ein, wie ich das erste Mal im Meer war in voller Bekleidung als Muslima und es niemanden interessiert hat , weil alle Muslime waren. Und es war am Morgen bei einem total überwältigenden Sonnenaufgang. Da stand ich tief im Wasser über mir ein roter Himmel und es liefen die Tränen vor Freude.

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Raihana Bo im Meer – Tränen vor Freude!

Frage 12: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Haha das Schlimmste was es hier gibt, sind Riesenspinnen die von Wand zu Wand springen und fliegende Kakerlaken. Sich daran zu gewöhnen fällt mir sehr schwer. Sonst habe ich hier noch nichts wirklich schlimmes erlebt. Außer Menschen die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen und teure Angebote machen , weil sie denken Europäer sind alle reich. Aber damit kann man umgehen, das ist denke ich in vielen Ländern so.

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

Ich weiß, dass viele Geschwister sich wünschen auszuwandern, sich aber nicht trauen da sie keine Arbeit haben, kein Haus oder Wohnung besitzen und meinen sie müssten sich erst etwas aufbauen. Das ist aber alles nur Dunja [Weltliche Güter, Anm. der Redaktion]. Was für mich wirklich zählt ist, dass ich hier so sein darf wie ich bin, mit Kopftuch als Muslima und das macht mich zufrieden, weil ich um mich herum Frieden habe.
Ich rate jedem: sucht nach Zufriedenheit eurer Seele, nicht nach Sicherheit- die gibt es nirgends und macht auch nicht glücklich.
ALLAH beschützt uns und nichts kann geschehen was ER nicht für uns will. ER ist der Versorger und wenn wir Ihn bitten, eröffnet Er uns Möglichkeiten, die wir nie für möglich gehalten hätten. Wir müssen nur vertrauen und Ihm folgen.
Nicht so viel denken und planen, sondern einfach tun und vertrauen.
Hätte ich alles planen wollen und wirklich nachgedacht, wäre ich jetzt nicht hier. Das ist das zweit Beste was ich je getan habe. Das erste war, Muslima zu werden.

Und ALLAH ist Der beste Planer, denn Er kennt unsere Vergangenheit und die Zukunft.

Lieben Dank für das Interview, es hat mich sehr gefreut daran teilnehmen zu dürfen. Da ich selber einen Blog schreibe weiß ich, wie viel Mühe es macht. Ich bin nicht so fleißig wie Khalisa und komme kaum dazu weiter zu schreiben, da wir viel unterwegs sind. Trotzdem würde ich mich freuen wenn ihr mal vorbei schaut.
As salamu alaikum wa rahmatuh ALLAH wa barakatuh und tschüss allen lieben Lesern von The Germali’s
Sie versucht, auf ein gemaltes Kamel zu steigen.
Raihana schreckt vor nichts zurück!
 Liebe Schwester, du hast meinen größten Respekt verdient, und bestimmt auch den unserer Leser- wir können uns alle eine Scheibe von deinem Mut abschneiden denke ich! Danke und Baarakallahu feeki für deine beeindruckenden Schilderungen. Möge Allah euch nur das Beste geben, euch reichlich belohnen und euch immer beschützen!
Wer noch Fragen an die Ukhti hat, kann sie gerne im Kommentarfeld stellen.
Bis dann (in shaa Allah),

Deine und Eure Khalisa

Medizinische Versorgung in Somalia

Eine der vielen Fragen, die aufkommen, wenn jemand über die Auswanderung nach Somalia nachdenkt, ist sicherlich die Frage nach der Medizinischen Versorgung. Deswegen möchte ich in diesem Beitrag näher darauf eingehen.

Diese ganzen Gedanken, die einem im Kopf herum schwirren, und einen beinahe verrückt machen, kenne ich nur zu gut: Was ist, wenn mein Kind aufeinmal dies und jenes bekommt? Oder ein Notfall mit einem Familienmitglied eintrifft (möge Allah uns bewahren)? Wobei ich anfangs ja sehr blauäugig an die Auswanderung heran gegangen bin, denn da hatte ich auch noch keine eigenen Kinder. Doch sobald die da waren, kamen selbst mir manchmal solche Gedanken in den Sinn.

Dann jedoch hab ich sie verdrängt und mich damit beruhigt, dass nichts eintreffen wird, was für einen nicht schon bestimmt ist.

“Kein Knecht (Allahs) glaubt (wirklich), solange er nicht an die Vorbestimmung von Gutem und Schlechtem (in seinem) Leben glaubt und er nicht erkennt, daß das, was ihm zustößt, ihn nicht verfehlen sollte, und das, was ihn verfehlte, ihm nicht zustoßen sollte.” (Dschabir; Tirmidhi)

Außerdem habe ich mich mehr und mehr mit der Sunnah- Medizin auseinandergesetzt. Denn hier in Somalia kann man nicht bequem zu einer Heilpraktikerin gehen und sich von A-Z mit den richtigen Kügelchen versorgen lassen (habe das ja geliebt!). Nein, leider gibt es hier keine Homöopathische Medizin geschweige denn eine Heilpraktikerin. Daher ist die Sunna Medizin die einzige Alternative, die man hier zu den Chemiekeulen haben kann.

Einigen Lesern wird der Begriff Sunnah Medizin etwas Neues sein. Sie beinhaltet naturmedizinische, ganzheitliche Anwendungen aus der Zeit des Propheten Mohammed (s.a.s.), wobei einige Anweisungen direkt von ihm kamen und andere wiederum Praktiken aus seiner Zeit waren, die er ebenfalls befürwortete. Von späteren Gelehrten wie Ibnul Qayyim wurden sie in Büchern zusammen gefasst und gegebenenfalls ergänzt. Denn Allah hat keine Krankheit ohne ein Gegenmittel erschaffen!

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne daß Er für sie zugleich ein Heilmittel herabkommen ließ.“

[Sahih al-Buchari, Kapitel 69/Hadith Nr. 5678]

In Somalia hat man leichten Zugang zu vielen Zutaten dieser Sunnah- Medizin- oftmals muss man nur auf den Markt gehen dafür! Zur Grundausstattung, die fast jeder Somali in seinem Haus hier hat, gehören:

  • Echter Bienenhonig (oftmals noch mit den Waben drinnen)
  • Heil-Gewürze wie Knoblauch, Ingwer, Nelken, …
  • Für die Kenner auch Qist al Hindi
  • und aufjedenfall Schwarzkümmelöl!

Abu Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Benutzt diesen Schwarzkümmel regelmäßig, weil er eine Heilung gegen jede Krankheit ist, außer gegen den Tod.“ (Al-Buchârî und Muslim).

 

Mit Natur- bzw. Sunnah Medizin ist man hier also gut eingedeckt (alhamduliLlah). Was ist nun aber, wenn…?

Für Notfälle gibt es an erster Stelle das Krankenhaus, welches eine Notaufnahme hat. Die Einrichtung ist zwar sehr einfach, jedoch haben eine Menge Erfahrung für die wichtigsten Sachen und auch einige Maschinen, bzw. Werkzeuge.

Daneben gibt es noch zahlreiche Allgemein- und Fachärzte, die teilweise auch aus dem Ausland hierher kommen. Vom Hals- Nasen- Ohrenarzt, Augenarzt, Frauenarzt, etc. ist eine große Palette abgedeckt. Leider muss man alles selber bezahlen, denn von einer Krankenversicherung sind wir hier noch weit entfernt.

Hier in Garowe gibt es z.B. auch einen ganz bekannten Augenarzt (Dr.Abdirrizaq), der beste in ganz Puntland. Die Leute kommen manchmal von weit her, um sich von ihm behandeln oder untersuchen zu lassen (maa shaa Allah). Er hat mit seiner Frau, welche Frauenärztin ist, ein großes (grünes!) Praxisgelände, auf dem man auch Optiker, Laboratorium und Apotheke direkt vorfindet. Wie auch schon im letzten Beitrag erwähnt, behandeln sie Arme Menschen kostenlos.

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Zudem gibt es in Garowe sowie großen Städten wie Bosasso auch eine Anlaufstelle, an der Arme Leute kostenlos untersucht und behandelt werden.

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Nugaal Health Office- mit kostenloser medizinischer Behandlung

Apotheken ohne Ende

Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Apotheken, von denen es in größeren Städten nur so wimmelt! In ihnen findest du Medizin aus aller Welt- von Antibiotika, über Anti-Depressiva bis Osteocare Liquid aus Deutschland. Aber halt keine Natürliche oder sanftere Medizin. Manche Apotheken sind direkt an eine Arztpraxis angebunden, andere wiederum haben ihren eigenen Arzt oder Apotheker, der auch verarztet, Blut abnimmt, etc. So kann man, wenn man sich auf Malaria testen lassen möchte, einfach zur Apotheke gehen und sich dort testen lassen, anstatt 10 Dollar für den Arzt auszugeben,

Meine Erfahrungen

Meine Erfahrungen hier sind verschiedenster Art: leider musste ich für meine Kinder auch schon öfter auf Antibiotika zurück greifen, z.B. als mein Sohn widerholt Mittelohrentzündung hatte, Masern, oder meine Kleine Keuchhusten. Dafür könnte man zwar auch auf die Sunnah- Medizin zurückgreifen, jedoch ist nach meiner Erfahrung etwas schwieriger. Welches 2-jährige möchte sich schon den Rachen „verbrennen“ mit Qist al Hindi- einer indischen Wurzel, die zu Pulver gemacht wurde und mit Olivenöl/Honig angerichtet unheimlich brennt? Deshalb dürfen in meiner Reiseapotheke auch nie Propolis-Tropfen fehlen, die wie Antibiotikum wirken, jedoch viel gesünder sind. Die lasse ich mir bei jeder Gelegenheit immer aus Deutschland mitbringen und sie helfen sofort bei jedem Halskratzer (maa shaa Allah).

Wie sieht es nun aus mit Krankheiten wie Malaria und Cholera?

Malaria kommt leider nicht selten vor, wobei wir außer in 2 Fällen bisher davon verschont wurden (alhamduliLlah). Wenn bei jemandem unübliche Kopfschmerzen mit eventuell Wellenartig wiederkehrendem Fieber auftreten, sollte er sich sofort testen lassen. Denn je früher man behandelt, desto leichter verschwindet es auch (in shaa Allah). Üblicherweise wird in solch einem Fall mit starken Tabletten (Name ist mir entfallen) behandelt, die man je nach Schwere der Krankheit ein paar Tage nehmen muss. Aber dann geht es auch wieder (in shaa Allah).

Gegen Malaria gibt es bisher keine wirksame Impfung, und prophylaktisch zu nehmende Tabletten sind auch kein 100%-iger Schutz und nur lohnenswert (eventuell), wenn man hier Urlaub macht. Ansonsten hilft es, wenn man Mückennetze über die Betten spannt und sich mit Schwarzkümmelöl einreibt.

Es gibt eine gute Alternative zu den chemischen Tabletten, welche von der WHO zwar als nichtig eingestuft wird (damit lässt sich kein Geld verdienen!), jedoch in der Praxis schon vielen Malaria-kranken geholfen hat, zu sehen in Beispielen wie solchen. In Somalia habe ich diesen Strauch noch nicht gesehen (wäre mal ein gutes Hilfsprojekt!), jedoch kenne ich in Deutschland eine Schwester, bei der man das bekommen kann.

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Artemisia annua by Kristian Peters

Cholera kommt eigentlich mehr in den Flüchtlingslagern vor oder bei Kontakt mit diesen. Eines Morgens kam eine neue Helferin (junge Mutter) frisch und munter bei uns an, um sich vorzustellen und direkt mit ihrer Arbeit anzufangen. Ich wunderte mich schon, dass sie sich zwischendurch auf der Toilette übergeben musste. Sie meinte, das läge daran, dass sie diese zu reinigen hatte.

Keine 4 Stunden später lag sie auf dem Boden vor Schwäche. Wir sagten ihr, sie solle sich hinlegen (ihre Mutter, die kam, ebenfalls) und wenn die Mittagspause um ist, würden wir sie zum Krankenhaus fahren. Doch glücklicherweise warteten sie nicht so lange- als wir aufwachten, waren sie schon verschwunden- und zwar ins Krankenhaus. Sie kennen diese Krankheit wohl besser als wir, denn wir hatten wirklich keine Ahnung davon, wie drastisch sich diese entwickelt! Im Krankenhaus fanden wir sie an Schläuche gelegt, sich aus allen Körperöffnungen übergebend. Das einzige, was wir für sie tun konnten war, ihre Medikamente zu zahlen. Ihre Situation sah sehr kritisch aus. Nebenbei erfuhren wir, dass eine Epidemie im Flüchtlingslager ausgebrochen sei. Gott sei Dank kam sie wenigstens nach ein paar Tagen wieder zu Kräften. Etwa 8 Tage später erschien sie wieder auf unserer Matte, um ihrer Arbeit nachzu gehen.

Fazit

Die Medizinische Versorgung in Somalia variiert natürlich, je nachdem wo man lebt. In Städten ist sie in Verbindung mit der Natur-/ Sunnah-Medizin mehr als ausreichend. Auf dem Land ist es für die Bewohner natürlich schwieriger, an diese heranzu kommen. Sie müssen erst ins nächste größere Dorf reisen.

Ich gehe aber davon aus, das meine Leser nicht als Nomaden leben werden. Von daher brauchen sie sich nicht all zu viele Gedanken machen. Hilfreich ist immer, einen 1.Hilfekasten, eventuell eine Homöopathische Grundausstattung (Arnika und Co.) oder Propolis aus dem Ausland mit zu nehmen, so hat man alles zur Stelle für die kleineren Wehwehchen.

Zahnärzte gibt es auch genug für die Grundsachen – ja, sogar feste Zahnspangen kann man sich machen lassen- nur keine Orthopädischen!

Wenn es hart auf hart kommen sollte (möge Allah uns bewahren), d.h. bei spezifischeren Sachen wie Tumore, Unfall- Schäden, usw., lohnt es sich, sich in den Nachbarländern Kenia oder Äthopien behandeln zu lassen, oder gar in Dubai.

Möge Allah uns alle vor schlimmen Krankheiten beschützen und die Situation des Gesundgeitsystems weiter verbessern.

Ich hoffe, ihr habt nun einen besseren Einblick in das Gesundheitssystem Somalias bekommen.

Eure Khalisa

Leben in einer Großfamilie (Teil 2)- Die Rolle der Mutter

In diesem Artikel wollte ich euch eigentlich einen Einblick in unser Familienleben geben. Dabei hab ich jedoch festgestellt, dass die Beschreibung der Mutterrolle einen eigenen Artikel Wert ist!

Kinder ohne Ende- eine Last?

Zuerst stellt sich die Frage, warum sich Somalische Familien, bzw. Frauen das „antun“, „Kinder ohne Ende“ zu bekommen? Man könnte meinen, es sei für sie eine Last. So wie es für die meißten Frauen in Deutschland wohl auch wäre. Doch zum einen ist das Kinder erziehen in beiden Ländern nicht zu vergleichen (darauf komme ich später noch zu sprechen), und zum anderen ist es für Somalische Frauen eine Art Status- Symbol und ihr ganzer Stolz, wenn sie viele Kinder haben. Ja, richtig gelesen- Stolz! Denn je mehr Kinder sie haben, desto größer ihr „Königreich“ zuhause- dort sind sie nämlich die Queens! (Ausnahmen gibt es sicher auch, jedoch eher im Ausland, wo sich die Somalischen Frauen an dortige „Standards“ bezüglich der Kinderzahl gewöhnt haben.) Das heißt, sie haben das Sagen, und da hat der Mann und allesamt sich gefälligst dran anzupassen 😉

(Übrigens gibt es auch Ausnahme-Situation, in denen die Verhütung erlaubt ist. Das ist jedoch ein anderes Thema.)

Nicht ohne meine Hooyo!

In Somalia ist die Frau der Mittelpunkt von allen. Sie ist für alle da. Auch wenn sie ab einem gewissen Alter größtenteils auf einem Stuhl sitzt und die anderen reglementiert- ohne sie geht (fast) gar nichts! Dementsprechend taff ist sie auch- denn sie ist eine Managerin, Beraterin, Mutter…- alles zusammen.

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Strahlende Mutter, by somaliagenda.com

Meine Schwiegermutter zum Beispiel wurde jeden Morgen von ihren Söhnen besucht, bevor diese zur Arbeit gingen. Aus Verehrung wurde sie auf die Stirn geküsst. In allen wichtigen Angelegenheiten wurde sie zu Rat gezogen. Und von ihren Töchtern wurde sie tagsüber gepflegt. Neben ihren 10 Kindern zog sie auch noch andere Kinder groß.

Hooyo Halimo
Meine taffe Schwiegermama- Hooyo Halima (möge Allah sich ihrer erbarmen)

Gemäß der Aussage des Propheten Mohammad (Frieden uns Segen sei auf ihm), ist die Frau nämlich auch die Herrin des Hauses:

„Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich für seine Herde: So ist der Anführer ein Hüter und verantwortlich für seine Herde; ebenso ist der Ehemann ein Hüter, hinsichtlich der Familienmitglieder seines Haushalts und verantwortlich für seine Herde; die Ehefrau ist Hüter bezüglich des Haushalts ihres Mannes und verantwortlich für ihre Herde; der Diener ist ein Hüter über den Besitz seines Herrn und ist verantwortlich für seine Herde. Jeder von euch ist also ein Hüter und verantwortlich für seine Herde.”

(Überliefert von Ibn`Umar bei al-Buẖārī und Muslim)

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Mutter mit ihren Kindern, by harousa.org

Traditionelles Rollenbild der Frau- veraltet?

Dieses in der heutigen Zeit eher als traditionell angesehenes Rollenbild der Frau, hat viel Weisheit in sich. Die sogenannte Emanzipation der Frau von dieser Rolle hat ihr bloß doppelt soviel Arbeit bei weniger Lohn gebracht. Wobei ich an dieser Stelle auch erwähnen muss, dass die Somalischen Frauen nicht immer nur Zuhause sind und sein können.

Wenn der Mann nämlich keine Arbeit finden kann, oder die Frau alleinstehend ist, muss sie gleichzeitig Frau und Mann sein: 24h Arbeiten. Entweder verkauft sie etwas auf dem Markt (sie haben ein echtes Händchen für Business), hat ein mini-Lädchen oder muss sogar Müll abholen. Dazu warten die hungrigen Kinder auf sie. Die Männer hingegen lassen es sich draußen im Kaffee gutgehen oder verdrängen ihre Sorgen mit der Khat-Droge. Denn im Haushalt helfen, Kinder betreuen, ist ihnen eher fremd- das gehört nicht zur (nomadischen) Kultur! Das ist die traurige Wahrheit. Aber Gott sei Dank längst nicht für alle.

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Prioritäten setzen als Mutter

Viele Männer arbeiten natürlich auch, und da kann die Frau dann zuhause bleiben. Wenn die Frau studiert hat oder sonst etwas gelernt hat, kann sie das auch einsetzen, solange sie eben ihren Kindern und dem Haushalt gerecht werden kann (manchmal mithilfe von Familienmitgliedern oder Haushaltshelferinnen). Das Geld ist dann aber ihres- denn im Islam ist bekanntermaßen der Mann für die Versorgung zuständig, während das Einkommen der Frau ihr allein gehört – der Mann hat kein Recht darauf. Bloß liegt es auf der Hand, dass sie ihm aushilft im Falle von Arbeitslosigkeit seinerseits.

Generell wird die Mutter im Islam geehrt, zum Beispiel durch solche Aussagen des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm), als er auf die Frage einer seiner Gefährten „Oh Prophet Allahs! Wer verdient meine Gesellschaft und Fürsorge am meisten?“ folgendermaßen antwortete:

Es ist deine Mutter.“ Der Mann fragte: ‚Und wer dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Wieder fragte der Mann: ‚Und wer kommt dann?‘ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Deine Mutter.“ Der Mann fragte wieder: ‚Und wer kommt dann?‚ Er (Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: „Dein Vater.“(Dieser Hadith wurde von Bukhary und Muslim berichtet.)

In diesem Hadith wird eindeutig die hohe Stellung der Mutter hervorgehoben. Auch wird in anderen Aussagen im Qur´an und der Sunna immer wieder betont, dass die Frau das Recht auf gute Behandlung, Respekt und Fürsorge hat.

Frauen

Was Islam mit Somalia zu tun hat

Manch einer mag sich nun fragen, warum ich immer und immer wieder aus dem Islam zitiere. Was hat das mit Somalia zu tun? Ganz einfach- da 99% der Somalischen Bevölkerung Muslime sind, haben sie dessen Rollenbilder und die gesamte Denkweise übernommen. Dementsprechend suchen sie auch in ihrer Religion nach Lösungen, wenn sie mal Probleme haben.

Jetzt höre ich schon einige Stimmen aufjohlen – „Ahaaa, deswegen wird die Frau auch so schlecht behandelt und unterdrückt! Zwangsverheiratet und alles!!!“

Okay, diese Probleme gibt es- leider. Die haben dann aber nichts mit dem  Islam zu tun, sondern mit den Menschen an sich, die dessen Regeln nicht beachten. Auch ich selbst bekomme manchmal Sprüche ab beim Autofahren, oder man will mir beim Einparken helfen, da ich ja eine hilflose Frau bin, usw. Aber ich denke (und hoffe), das wird sich in Zukunft ändern, sobald die neue Generation herangewachsen ist. Die Mädels von heute lassen so etwas bestimmt nicht zu!

Zwangsheirat und Co.?

Was die Zwangsheirat betrifft, wird sie wohl in einigen Fällen leider immer noch durchgeführt (das Gleiche wie mit der Verstümmelung). Aber eben in den gänzlich ungebildeten Schichten, die weder schreiben noch lesen können, und auch nicht wissen, dass solch eine Ehe dann islamisch gesehen gar nicht gültig ist. So stellte der Großgelehrte Ibn Taymiyyah in einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) zusammefassend fest:

„Eine Frau zu einer Ehe zu zwingen, widerspricht komplett dem Sinn einer Heirat. Allah möchte Liebe und Mitgefühl zwischen dem Ehepaar. Wie können diese entstehen wenn sie [die Ehefrau] ihn hasst und nicht mag? Welche Art von Liebe und Zuneigung sollen in so einem Fall schon entstehen? […] So hat eine Frau vielmehr ein Recht darauf, eine Ehe mit jemandem abzulehnen, den sie nicht will.“ 

[Ibn Taymiyyah, Majmoo‘ al-Fataawa, 32/25]

Großfamilie als beste Altersvorsorge

Zurückkehrend zum Thema Großfamilie ist diese in Somalia und anderen Arabischen Ländern auch die beste Altersversorgung, die eine Frau haben kann. Denn später ist es die Aufgabe der Kinder, sich um die Mutter (und Vater) zu kümmern. Im Gegensatz zum Westen, wo eine Mutter nicht allzu selten im Altersheim einsam vor sich hin leben, ist es hier Pflicht, sich um die sie zu kümmern und dabei sanftmütig zu ihr zu sein.

„Und dein Herr hat befohlen: „Verehrt keinen, ausser Ihm, und (erweist) den Eltern Güte. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage dann nicht ‚Pfui!‘ zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise.“

Qur´an al-Karim (17:23)

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Alte Somali Lady (Foto: SomaliNet)

Großfamilie in Deutschland

Allgemein betrachtet, wird man als Großfamilie in Deutschland eher als asozial angesehen. Ab 3 oder 4 Kindern bekommt man nur sehr schwer eine Wohnung, auf der Straße bekommt man Sprüche zu hören wie „Konnten Sie nicht verhüten?„. Traurig aber wahr, schießen sie sich dort selbst ein Eigentor. Denn auf Dauer kann keine Nation ohne Menschen überleben. In Somalia ist es wie ich schon erwähnte, das Gegenteil. Bei mir z.B. wundern sich die Leute, warum ich „nur 2“ habe. Aber Allah hat es für mich bisher nicht anders geschrieben, alhamduliLlah.

Somalische Frauen: taff und nicht kleinzukriegen!

Zusammenfassend kann man sagen, dass Somalische Frauen unheimlich stark und stolz sind. Sie genießen großen Respekt innerhalb der Familie. Auch wenn es negative Seiten für Frauen hier gibt, wie die Zwangsheirat, so macht es nicht den Großteil der Bevölkerung aus. Außerdem wird das hoffentlich immer weniger, je gebildeter die Menschen hier werden. Die meißten Mädchen hier in den Städten wollen nämlich zumindest erst ihre Schule oder gar ihre Ausbildung/ Studium beenden, bevor sie heiraten.

Schülerinnen
Somalische Schülerinnen

Mir wurde soeben von meinem Mann berichtet, dass es zu 80% Somalische Frauen aus der Diaspora waren, die das Land „über Wasser“ hielten während dem über 20-jährigen Bürgerkrieg. Sonst würden jetzt längst nicht so viele Schulen hier stehen, abgesehen davon, dass viele Familien nicht überlebt hätten. Wenn eine Somalische Frau ins Ausland geht, ist sie für die in Somalia hinterbliebenen nutzvoller, als wenn 5 Söhne ausreisen! Ich finde, das sagt schon viel aus!

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Selbst im Ausland taff: Somalische Studium- Absolventin mit Kind. By sahanjournal.com

Klartext, Tacheles reden!

Ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich jede Art der Gewalt und Unterdrückung an Frauen verurteile, und auch nicht die Augen davon verschließen werde. Da es jedoch mehr als genug Berichte über Somalia diesbezüglich gibt, möchte ich den Radius ebenso auf die positiven Dinge hier ausweiten. Wer zudem ein Problem damit hat, dass ich immer wieder die Islamische Perspektive erwähne, muss meinen Blog ja nicht lesen! Aber ich bin überzeugt, dass man keine komplette, ganzheitliche Sichtweise auf die Somalische Gesellschaft bekommt, ohne ihren Glauben, den sie fest verankert  haben, versuchen zu verstehen.

Ausblick

Nach diesem etwas lang ausgefallenen Einblick in die Rolle der Mutter in Somalia, werde ich nun auf das Leben als Großfamilie zurückkommen. Aber ich mache daraus besser einen neuen Teil, damit ihr nicht müde werdet beim Lesen.

Anregungen und Kommentare sowie likes sind herzlich willkommen, sofern sie nicht rechthaberisch sind 🙂 Denn jeder hat seine eigene Sichtweise und sollte nicht versuchen, diese seinem Gegenüber überstülpen zu wollen.

In diesem Sinne bis bald (in shaa Allah), und vergeßt nicht, für eine Verbesserung der Verhältnisse zu beten!

Eure Khalisa

Sawirka la xidhiidha

Hijrah nach Algerien: Das beste aus der Situation machen, und Kompromisse eingehen!

As salaamu alaikum und Guten Morgen/Tag/Abend an meine lieben Leser,
Ich habe die Ehre, euch das 1. Interview, was ich euch bereits in meinem Artikel über das Auswandern angekündigt hatte, vorzustellen. Es geht um unsere Schwester Amina, welche vor einigen Jahren schon nach Algerien ausgewandert ist (maa shaa Allah). Sie wohnt mit ihrer Familie in Tiaret, ca. 300 km von der Haupstat Algier entfernt.
Ihre Beweggründe für´s Auswandern, und mehr, erfahrt ihr nun hier!

Interview mit Amina

Frage 1: Wohin bist du ausgewandert?

Ich lebe seit fast 9 Jahren in Algerien.

Frage 2: Warum hast du dir ausgerechnet dieses Land ausgesucht?

Mein Mann stammt von hier.

Frage 3: Was waren deine Beweggründe für die Hijrah?

Ja, Beweggründe… Erstmal, dass die Kinder wegen der islamischen Erziehung keine Probleme in der Schule haben und das man hier doch besser nach dem Islam leben kann, als in Deutschland.

Frage 4: Hattest du finanzielle Rücklagen als du ausgewandert bist?

Ja, bißchen Rücklagen hatten wir, alhamdulillah, aber nicht wirklich viel.

Frage 5: Hattest du vorab ausreichend Sprachkenntnisse?

Nein, hatte nicht wirklich Sprachkenntnisse, mir sind Fremdsprachen noch nie leicht gefallen.

Frage 6: Wie hat deine Familie auf deine Auswanderung reagiert?

Naja, meine Familie war nicht gerade begeistert, wie man sich vorstellen kann, aber es ist ja mein Leben.

Frage 7: War ein Visum für das Land XY notwendig?

Ja, Visum brauchte ich.

Frage 8: Hat dein Ehemann oder du eine Arbeitsstelle vor Ort, oder wie wird euer Lebensunterhalt gesichert?

Mein Mann ist alhamduliLlah selbstständig.

Frage 9: Kannst du dir vorstellen, bis ins hohe Alter dort zu bleiben?

Ja, ich könnte mir vorstellen hier alt zu werden, ich habe gar keine Lust auf DE, wenn meine Mama da nicht wäre.

Frage 10: Wie alt waren deine Kinder bei der Auswanderung?

Unsere Kinder waren 6 und 1 Jahr. 

Frage 11: Welche Schule besuchen deine Kinder dort?

Im Moment gehen sie noch zur Grundschule und in die Weiterführende Schule.

Frage 12: Dein bestes Erlebnis im Ausland:

Der Adhan [Gebetsruf, Anm.der Redaktion].

Frage 13: Dein schlimmstes/eindrücklichstes Erlebnis:

Dieser Müll, der hier überall leider rumliegt!

Abschlussfrage: Welchen Ratschlag hast du für deine Geschwister, die auch Hijrah machen möchten, parat?

 

Als Ratschlag kann ich nur geben… Folgt Eueren Herzen und macht die Hijrah!

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Mein Fazit:

Ersteinmal vielen Dank und baarakaLlahu feeki für deine Teilnahme, liebe Amina! ❤
Die Bilder sind unheimlich beeindruckend wie ich finde, einfach wunderschön! Algerien erscheint mir beinahe für die Arabischen Länder das gleiche zu sein, wie die Schweiz es für Europa ist (ok, andere Größenordnung!): Wunderschöne, vielseitige Natur- für Afrikanische/ Arabische Verhältnisse sehr grün (maa shaa Allah)!
Es ist sehr bemerkenswert, dass Amina und ihre Familie mit relativ bescheidenen Rücklagen die Hijrah vollzogen haben, und dass ihr Mann es inzwischen bis zur Selbstständigkeit geschafft hat. Trotz einiger Hürden, wie das Aneignen einer komplett neuen Sprache, und ungewohnten Umständen (überall Müll!), hat sie sich nicht von der Auswanderung abhalten lassen, maa shaa Allah.
Möge Allah ihre Familie segnen und reichlichst belohnen, dass sie alles in ihrer Heimat aufgegeben haben, um ihre Religion in Ruhe auszuleben!
Von nun an werde ich jeden Freitag ein neues Interview veröffentlichen (in shaa Allah). Ihr dürft gespannt sein, denn es sind verschiedenste Länder und Leute dabei!
Bis bald (in shaa Allah),
Eure Khalisa

Leben in einer Großfamilie- kann man es genießen? (Teil 1)

Letztens wurde mir eine Frage gestellt, die mich nicht mehr loslässt, und zu der ich unbedingt Stellung beziehen möchte:

Wird dir das nicht zu viel (in so einer Großfamilie)? Und genießt du noch dein Leben?

Zuerst einmal möchte ich feststellen, dass Kinder der größte Segen sind. bzw. sein können. Wenn denn doch nur alles wie im Bilderbuch verlaufen würde! Doch liebe, freundliche, respekvolle Kinder erziehen sich nicht von selbst. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter: Erziehungsarbeit! Wenn man in der Erziehung zu streng, zu lieb, zu kalt, zu fordernd, zu laissez-faire ist, hat das alles seine Nachwirkungen auf die Entwicklung des Kindes.

Richtige Erziehung: Mittelweg finden!

Von meinem Erziehungswissenschafts-LK blieb mir jedenfalls eins hängen: der goldene Weg ist immer die Mitte! Damals wurde uns das Bild einer Blume gezeigt, die von sich aus wachsen will, wenn sie denn genug Wärme und Wasser von außen her bekommt. Das heißt, ein Kind braucht genügend Freiraum, sich selber entwickeln zu können (mit freiem Spiel, sozialen Kontakten, auch mal Fehler machen zu können…), aber es benötigt die richtige Betreuung dazu. Diese ist geprägt von menschlicher Wärme, Umsorgung und bei Bedarf Hilfestellung und richtungsgebenden Impulsen. So kann ein Kind sich richtig entfalten, ohne zu sehr eingeschränkt, bevormundet oder zu sehr sich selbst überlassend zu sein.

Blumen gießen
Erziehung: Wärme und Wasser plus Hilfestellung! (Foto by mein schöner Garten. com)

Mein Bezug zu Kindern

Ich habe es schon immer geliebt, mit Kindern zu spielen, ihnen zu helfen, usw. Mein Lieblings-Job war früher nicht ohne Grund Babysitten und mein damaliges Studium nicht umsonst auf Kinder ausgerichtet.

Mit nur einem Bruder bin ich in einer sehr behüteten Welt aufgewachsen (alhamduliLlah). Unsere Freizeit und Urlaube hatten wir meißtens mit 2 anderen „Großfamilien“ verbracht. Von Großfamilie spricht man in Deutschland ja schon, wenn man mehr als 2 Kinder hat. Die eine Familie hatte also 4 Kinder, die andere 6 (maa shaa Allah). Wenn ich sie manchmal sich gegenseitig „käbbeln“ (spielerisches Kämpfen) sah, kamen mir schonmal die Tränen- ich wünschte mir auch so viele Geschwister!

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Die beiden Großfamilien, mein Bruder und ich

Es war jedoch für meine Mutter nicht vorherbestimmt, noch mehr Kinder zu bekommen, also blieb ich allein mit meinem Bruder. Im Westen spielt die Rolle von Freunden ja sowieso eine größere Rolle, als die der Familie (jetzt mal verallgemeinert). Also war ich quasi aus dem Schneider raus. Ich verschob, bzw. verdrängte den Wunsch nach einer Großfamilie einfach auf später! Da wollte ich mindestens 3 Kinder kriegen! (Damals wußte ich natürlich nicht, was das für Arbeit das bedeutet, hehe.)

Mein Weg zur Großfamilie

Als ich dann meinen Mann kennenlernte und hörte, dass er bereits 9 Kinder habe (Möge ALlah sie segnen), hat mich das mehr erfreut als abgeschreckt. Ich hatte die einmalige Chance, Mutter zu werden, ohne die ganzen Schwangerschaftsbeschwerden und Geburtsschmerzen!! Zudem finde ich afrikanische Kinder sowieso sooo süß (maa shaa Allah)!

Zur Vorbereitung: erstmal nur 2

Bei meinem Mann in Dänemark angekommen, warteten dort schon ein Baby und ein 3-jähriges Mädchen. Für die letztere wurde ich sofort die beste Spielkameradin. Nach kurzer Zeit wollte sie schon nicht mehr ohne meine Anwesenheit einschlafen, maa shaa Allah! Sie nannte mich „Mama“, während sie ihre leibliche Mutter „Hooyo“ nannte, Somalischer Begriff für Mama. Das hatten ihre Geschwister dann auch so übernommen, obwohl mein Mann ihnen mehrfach beizubringen versuchte, dass sie auch Hooyo zu mir sagen. Aber sie hatten das sofort in ihre Köpfe geschweißt und konnten das nicht mehr ändern. Auf Somalisch wird jede mittel- alte Frau „Mama“ genannt, aus Respekt. Und ich war eben noch eine sehr junge „Hooyo“, also passte das schon, zumal im Deutschen ja `Mama´ die gleiche Bedeutung wie ´Hooyo´ hat! Selbst meine leiblichen Kinder nennen mich „Mama“ und die andere Frau meines Mannes „Hooyo“, was für Somalische Mütter underdenklich wäre! Denn die lassen die Stiefmütter einfach „Eedo“ nennen, was Tante bedeutet.

Nun gut, jetzt hätten wir das auch schonmal geklärt 🙂

Auf ins kalte Wasser oder plötzliches Mutterglück!

In Somalia angekommen, wurde ich dann ganz plötzlich mehrfache Mama! Anfangs konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen. Doch mit der Zeit lernte ich auch langsam erste Somalische Wörter. Denn wie willst du mit Kindern spielen, auch mal Anweisungen geben oder auch mal eine Käbbelei zu schlichten, ohne dabei ihre Sprache zu sprechen?

Erste Anfangsschwierigkeiten

Die richtige Bestandsprobe kam dann aber erst, als meine Co-Schwester wieder schwanger wurde und deswegen nach Dänemark musste. Da hatte ich aufeinmal die ganze Verantwortung zu tragen, die mich manchmal fast übermannte. Ok, meine Schwiegermutter (möge Allah sich ihrer erbarmen) war Gott sei Dank auch noch da. Ohne sie hätte ich das garnicht gepackt. Aber durch unsere verschiedenen Erziehungsstile und durch meine gebrochene Sprache war es aufeinmal schwierig, mich durchzusetzen, bzw. das nötige Gehör zu kriegen. Ich konnte aufeinmal nicht mehr nur die Spielgefährtin sein, sondern musste reglementieren, schlichten, etc. Dieser plötzliche Rollentausch war wohl für die Kinder auch nicht so einfach, was sich an ihrem Verhalten zeigte. Aber ich darf auch nicht übertreiben- wir hatten auch schöne Zeiten! Zum Beispiel wenn ich mit ihnen raus in die Natur fuhr, oder ihnen Spielideen gab oder einfach nur für sie da war. Aber einfach war es wohl für alle nicht.

Dies war also mein erster Sprung ins kalte Wasser. Es machte mich sehr viel wacher und ich lernte viel daraus (alhamduliLlah). Zum Beispiel, was ich in Zukunft besser machen könnte!

Die Situation entspannt sich

Alhamdulillah kommt nach jeder Erschwerniss eine Erleichterung (mehr über die Zeit in diesem Artikel). So kam meine Co-Schwester nach etwas über einem Jahr mit ihren Zwillingen wieder. Und da fing es dann wieder an, schön und entspannter zu werden! Denn mit ihr war ich erziehungs-ideologisch auf einer Wellenlänge: Für uns war es z.B. wichtig, die Kinder auch mal rauszufahren, Spaß mit ihnen zu haben. Auch wenn es von unserem Umfeld eher belächelt wurde.

Von Generalprobe zur Aufführung: kein Zurück mehr!

Als ich dann bald darauf meinen eigenen Bub in den Händen hielt, war ich so überwältigt von Glücksgefühlen und gleichzeitiger Angst, dieser Verantwortung nicht gerecht werden zu können. Beinahe bekam ich depressive Verhaltens- bzw. Denkweisen: von Himmelhoch-jauchzend zu sehr betrübt oder besser gesagt, besorgt. Plötzlich hatte ich noch einmal ein ganz anderes Bewußtsein dafür, was es heißt, Mutter zu sein- ist es doch eine riesige Verantwortung, ein Menschenleben in der richtigen Weise groß zu ziehen! Ich bereute auf einmal auch meine teils harsche Weise, mit der ich manchmal zu den anderen Kindern gesprochen hatte. Aber das lag vor allem auch daran, dass ich mich nicht richtig ausdrücken konnte, und dass das gesamte Umfeld eher so mit den Kindern umging. Bei der Vorstellung, mein Sohn in solch einem Umfeld aufwachsen zu sehen, brachte mich zu Tränen.

Aus Fehlern lernt man

Nach einem Jahr der kam ich guten Mutes nach Somalia zurück, diesmal mit meinem Baby. Es war mir eine riesen Freude, alle wieder zu sehen! Diesmal fühlte ich mich auch der Aufgabe, eine Mutter für alle zu sein, mehr gewachsen (alhamduliLlah). Und ich wollte unbedingt etwas ändern: meinen Umgang mit allen meinen Kindern! Irgendwie verändert es das Einfühlungsvermögen, wenn man selber ein Kind zur Welt gebracht hat, jedenfalls war das bei mir so.

Spagat zwischen zwei Temperamenten

Da mein Sohn sehr sensibel war, seine Geschwister jedoch sehr temperamentvoll, war es auch nicht immer leicht, dies unter einen Hut zu bringen. Neiiin, bitte nicht aufwecken, nur um ihm einen Schmatzer zu geben! Er ist keine Puppe- sei vorsichtig! Nicht hinsetzen. er soll das von alleine lernen! -Konnte man wohl öfter von mir hören. Beim ersten Kind ist man auch nochmal doppelt vorsichtig mit allem 😉

Wichtigste Zutat: Gelassenheit!

Mit meinem 2.Kind war alles dann schon einfacher und entspannter. Wenn ich sie vor den „wilden“ Geschwistern schützen wollte (da sie gerade müde wurde und schlafen wollte), nahm ich sie einfach in meine Tragetasche. So eine praktische Erfindung übrigens 😉

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Meine Tochter in unserer Tragetasche

Meine innere Ruhe muss sich wohl auch auf meine Tochter überspielt haben (natürlich unbewußt), denn bis heute ist sie von ihren Geschwistern kaum zu unterscheiden, was ihr Temperament betrifft (maa shaa Allah). Oder lag es daran, dass ich sie schon mit 7 Monaten hierher brachte? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.

Kinder- Segen und Prüfung zugleich

Aus islamischer Sicht sind Kinder sowohl ein Segen, als auch eine Prüfung. Wie ist das nun wieder zu verstehen? Ganz einfach: Allah gibt uns auf der einen Seite Kinder, damit sie unser Leben bereichern, auf der anderen Seite kann Er uns auch damit prüfen- z.B. wenn sie mit Behinderung auf die Welt kommen, oder sehr schwierig vom Charakter sind, oder nicht so werden, wie wir uns das wünschen, oder wenn wir überhaupt keine Kinder bekommen.

Eure Reichtümer und eure Kinder sind wahrlich eine Versuchung; doch bei Allah ist großer Lohn.“

(Quran 64:15)

Eingespieltes Team

Mit der Zeit genieße ich das Leben in meiner Großfamilie immer mehr (alhamduliLlah). Es sind allerdings auch 4 weniger geworden, jedoch mit meinen immer noch 9 (maa shaa Allah). Und sie werden natürlich immer verständiger, älter. Das wichtigste ist: ich kann inzwischen sehr gut mit ihnen kommunizieren und weiß, worauf es ankommt (alhamduliLlah)!

Deswegen lautet meine Antwort: Ja, ich genieße mein Leben in meiner Großfamilie (alhamduliLlah)!

Bloß manchmal muss ich zugeben, dass aus dem Ja ein „Jain“ wird. Denn welche Mutter ist manchmal nicht genervt vom alltäglichen Wahnsinn in diesem 24-Stunden- Job, der völlig unterbewertet wird in der Gesellschaft? Eine Mutter muss sooo viel leisten, und das meißtens gleichzeitig:

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Das kommt glaube ich auch bei 2 Kindern manchmal vor.

Ohren zu und durch!

Auch habe ich noch Probleme, mich an die Lautstärke der Kinder zu gewöhnen, wenn jeder versucht, den anderen zu übertönen. Das ist aber natürlich nicht durchgehend so. Und dies betrifft wohl auch nicht nur mich: schon öfters habe ich gehört, dass Deutsche sich über die Somali´s wundern würden, weil diese sich gegenseitig so sehr anschreien würden: dabei ist es für sie eine ganz normale Unterhaltung! Aber wir sind dabei…zu erziehen! Und dieser Weg ist zwar steinig, aber lohnenswert (in shaa Allah)!

Break mit großer Erkenntnis

Jetzt sind alle unserer Kinder gerade für 4 Tage weggefahren, und mir wird richtig bewußt, wieviel sie mir eigentlich bedeuten. Ich vermisse sie schrecklich- und dass ist doch ein gutes Zeichen!  Durch solche „breaks“ wird mir wieder bewußt, dass ich wirklich dankbarer sein muss, dass ich so viele „Geschenke“ an meiner Seite und in meiner Obhut habe- alhamduliLlah also für alles! Ich will sie nie mehr missen und bete zu Allah, dass Er uns Seinen Segen gibt und uns beschützt.

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Ich hoffe, ich konnte die Frage der Schwester genügend beantworten.

Im nächsten Teil werde ich etwas mehr unseren alltäglichen (Wahn-) Sinn beschreiben, den wir so erleben. Also in shaa Allah bis bald,

Eure Khalisa

 

Hijrah- Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

„Was bedeutet das nun wieder, Hijrah?“

Mag sich der ein oder andere denken (ausgesprochen wird es übrigens „Hidschra“- aber ich finde die Englische Schreibweise schöner 🙂 ). Es bedeutet im muslimischen Kontext: Verlassen, Auswandern. Und zwar von einem nicht-muslimischen Land in ein muslimisches Land, sofern man seine Religion nicht frei ausüben kann. Denn dann wird es für jeden zur Pflicht, der in der Lage dazu ist (Fatwa siehe hier). Auch in ein nicht-muslimisches Land auszuwandern, in dem man jedoch frei seinen Glauben leben kann, wird dazu gezählt.

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Karawane (by 99traveltips.com)

Die erste Hijrah wurde von den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm) gemacht, und zwar von Mekkah ins christliche Abessinien (ganz nah an Somalia!) im Jahre 615. Mit der 2. Auswanderung im Jahre 622 nach Medina, welche der Prophet (s.a.s.) ebenfalls vollzog, fing die Islamische Zeitrechnung an.

Oha, das klingt jetzt aber nach schwerer Kost für den ein oder anderen!

Für einen Muslim, welcher seinen Glauben praktizieren will, ist das jedoch ein Traum: ein Ort, an dem er in Ruhe seine 5 Gebete in der Moschee oder am Arbeitsplatz beten kann, wo er sich islamisch korrekt anziehen kann und wo er sich mit anderen Geschwistern öffentlich treffen kann, ohne dabei direkt unter die Lupe des Verfassungsschutz zu geraten, von Leuten als Terrorist beschimpft zu werden, oder gar Handgreiflichkeiten ausgesetzt zu sein. Ja, so geht es uns nämlich in Deutschland- leider. Denn abgesehen davon lieben wir unser (Geburts-) Land, und es ist alles andere als einfach, sich irgendwo am anderen Ende der Welt zu integrieren.

Hinzu kommt, dass es in Arabischen, sogenannten Islamischen Ländern, längst nicht so islamisch zugeht, wie es sollte:

Der Glauben wird oftmals nur als Titel praktiziert, während es unter der Oberfläche fault.

Hart, aber wahr. Gerade eben wegen dieses Nicht-befolgens unserer Religion sind wir als Muslime in so einer miserablen Lage- wir haben uns quasi selbst hinein katapultiert!

Nun will und soll man also aus den Ländern raus, in denen man seinen Glauben unterdrücken muss, wenn man toleriert werden will,- doch wohin eigentlich???

Es ist weithin bekannt, dass in den muslimischen Ländern viel zu viele Rückstände herrschen, betreffend z.B.:

  • der Bildung
  • dem Gesundheitssystem
  • Korrupte Politik
  • Sauberkeit
  • Religiösität

Da ist es doch viiiiiel bequemer, zuhause zu bleiben!!!

Achja, ich vergaß beinahe, dass ich ja nicht mehr toleriert werde. Hmmm…

Gehen wir also die Länder einmal (oberflächlich) durch, dabei die Kriegsgebiete vehement auslassend:

  • Tunesien, Lybien, Jordanien– dort gibt es beinahe mehr Fitna (=Versuchungen), als in Deutschland! Denn sie wurden erfolgreich von der Kolonialzeit von ihrer Religion entwurzelt.
  • Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Oman, Qatar, Kuwait– Luxusleben möglich, aber nur für Einheimische! Für andere ist es viel zu schwierig, längerfristig dort zu bleiben, aufgrund der schwierigen Visa-Vergabe. Und selbst, wenn man dort Arbeit hat, wird auf einen herabgeschaut, sofern man nicht Einheimischer ist oder zumindest mit einem verheiratet.
  • Marokko, Ägypten, Algerien– dort gibt es wohl ein paar Ecken, in denen man Platz finden könnte, bloß mit der Arbeitsfindung könnte es schwierig werden. Und eventuell wird man dort auch verdächtigt, irgendeiner Bruderschaft anzugehören, bloß weil man Bart trägt (jetzt als Mann).
  • Indonesien, Malaysien– dort geht es sehr liberal zu, jeder wird in Ruhe gelassen, egal ob Muslim, Jude, Hindu, Christ oder gar Buddhist. Wobei man als Bartträger oder Frau mit langem Hijab wohl auch ziemlich alleine ist.
  • Was bleibt noch über? Sudan, Mauretanien und- Somalia!? Sudan hört man kaum, wie es als Auswanderland ist. Mauretanien und Somalia haben scheinbar einiges gemeinsam. Aber sind aufgrund der Armut weniger populär, d.h. man wandert dorthin wirklich für seine Religion aus, nicht um ein Luxusleben zu haben.
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Einige der Muslimischen Länder (Foto by Falk Translation)

So, das wäre ein kleiner Überblick aus meiner bescheidenen Perspektive. Welches Land würdet ihr wählen? Habt ihr genug studiert, um in eins der reichen Länder den großen Durchbruch zu schaffen, um dann Strandbilder von 1000 und einer Nacht twittern zu können?

Oftmals ist das natürlich nicht der Fall. Denn allein der Bildungsweg wird einem als praktizierendem Muslim in Deutschland und Umgebung nicht unbedingt leicht gemacht.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Sagt man so schön.

Wenn man sich also auf die negativen Aspekte des jeweiligen Landes konzentriert, wird man nie fündig, sondern man wird noch in 30 Jahren in seinem Ohrensessel hocken und die Vor- und vor allem Nachteile dieser Länder studieren.

Man sollte sich also eines klar machen:

Es gibt kein perfektes Stück Land auf dieser Erde!!!

Selbst der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) sagte einst zu seinem Gefährten Ibn`Umar:

Sei in diesem Leben, als wärst du ein Fremder oder ein Durchreisender.'“
Ibn Umar pflegte zu sagen: „Wenn du den Abend erreichst, dann erwarte nicht, den Morgen zu erreichen, und wenn du den Morgen erreichst, dann erwarte nicht, den Abend zu erreichen. Nimm von deiner Gesundheit vor deiner Krankheit und von deinem Leben vor deinem Tod.
(Berichtet von Al-Bukhari.)

Also müssen wir Kompromisse eingehen. Jedes Land hat mehr oder weniger Vor- und Nachteile, welche man gut abwägen sollte, ohne sich davon entmutigen zu lassen. Denn egal, wo man in dieser Welt auch hingeht: als praktizierender Muslim bleibt man immer etwas fremd! Jedoch sollte man allein schon für seine Kinder einen Ort suchen, an dem sie in Ruhe als Muslime aufwachsen können, ohne gemobbt zu werden etc. Das ist man ihnen und sich schuldig. Und ich denke, in jedem der genannten Länder gibt es Orte, an denen dies mehr oder weniger möglich ist.

Aber wohin denn nur?

Natürlich ist es immer besser, in sein ursprüngliches Heimatland (oder das des Ehepartners) auszuwandern, ganz klar. Wenn dieses jedoch zur erst genannten Kategorie oder gar eines der Kriegsgebieten gehört, oder wenn beide ursprünglich europäisch sind und keine Wurzeln in eines dieser Länder haben, so muss man sich klar machen, dass die Welt größer ist als dieses eine Land! Siehe im Qur´an:

Diejenigen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht tun, (zu jenen) sagen sie: „Worin habt ihr euch befunden?“ Sie sagen: „Wir waren Unterdrückte im Lande.“ Sie (die Engel) sagen: „War Allahs Erde nicht weit, so daß ihr darauf hättet auswandern können?“(…).

(Sure An-Nisaa (4) :97)

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo Leute gar keine Möglichkeit haben, diesen Schritt zu tun (z.B. schwere Krankheit, hohes Alter). Jedoch sollte man ehrlich zu sich sein: habe ich wirklich keine Möglichkeit, in dieser weiten Welt einen besseren Platz zu finden, oder ist es nur meine Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Verlust, was mich davon abhält?

Und in Anbetracht der riesigen Belohnung, sollte man in der Lage sein, ein paar (weltliche) Kompromisse einzugehen.

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie (es) nur wüßten!

(Sure An-Nahl (16):41)

Was ist schon das Diesseits gegen solch ein Versprechen unseres Schöpfers? Und wenn Ihm die Welt etwas bedeuten würde, meinst du wirklich, Seine Gesandten und Propheten hätten in so einer Armut und Bescheidenheit gelebt?

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So, was hat das nun alles mit diesem Blog zu tun?

Mögt ihr euch vielleicht fragen. Zu allererst hat die Gründerin dieses Blogs Hijrah nach Somalia gemacht (alhamduliLlah). Zudem ist es eins der Ziele dieses Blogs, andere zu dem gleichen Schritt zu motivieren (in shaa Allah). Von daher ist dieses Thema unabdingbar 🙂

Meine Geschichte, wieso ich mich ausgerechnet für Somalia entschieden habe, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es gibt aber auch zahlreiche Schwestern und Brüder im Glauben, die sich für eins der anderen Länder entschieden haben. Ihre Beweggründe und mehr, das wollen wir in einer neuen Reihe in unserem Blog klären. Wie? Indem wir sie einfach fragen! Ganz bald schon werdet ihr  (in shaa Allah) in den Genuß einiger Interviews kommen, die ich mit Geschwistern von verschiedensten Ländern dieser Welt durchführe. Jedesmal werde ich auch einen kurzen Vergleich zu meinem Hijrah- Land Somalia ziehen, so dass auch immer der Bezug zu unserem Blog bestehen bleibt.

Ihr dürft also mindestens genau so gespannt sein, wie wir es sind 🙂

Möge Allah allen Muslimen, die es auch wirklich wollen, die Hijrah ermöglichen und möge Er allen, die diesen Schritt bereits getan haben, standhaft darauf machen!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

PS: Falls du jemanden kennst, der Hijrah gemacht hat und mitmachen würde, oder falls du selber schon Hijrah gemacht hast, zögere bitte nicht, uns zu kontaktieren!

 

Ferien in Sicht!

In spätestens 3 Tagen ist es soweit: meine Prüfungen hinter mir, werde ich mich endlich wieder mehr dem Blog widmen können (in shaa Allah)! Nicht, dass ich mein Teilzeit- Studium nicht mögen würde. Im Gegenteil- ich genieße das Lernen ebenso, bloß wenn man alles bis auf den letzten Drücker hinaus zögert, wird es etwas stressig! Einen kleinen Zwischenreport kann ich mir dennoch nicht verkneifen 🙂

Meine Prüfungsthemen gehen diesmal thematisch weit auseinander: Professional Development und Seerah- Lebensgeschichte unseres geliebten Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm). Komplementärer könnte es nicht sein würde man auf den ersten Blick denken! Und es spiegelt auch mein vielseitiges Interesse wieder. Wobei ich in dem ersteren Kurs auch eines gelernt habe, bzw. mir noch mal bewusst wurde: nämlich dass der beste aller Führer/Bosse unser Prophet (s.a.s.) war! Denn welcher Leiter einer Gemeinschaft hat es bitteschön geschafft, dass ihn auch noch mehr als 1500 Jahre später 1,8 Milliarden Menschen (laut Wiki) zum Vorbild nehmen? Zudem hat er die Menschen um ihn herum in einer so bescheidenen und doch so vielseitigen Art angeleitet, wie es heutzutage in den zahlreichen Theorien über Leadership- Styles nachzulesen ist. Für den ein oder anderen mag diese Aussage nun etwas befremdlich klingen- aber wohl nur für diejenigen, die sich mit der Seerah noch nie wirklich auseinander- gesetzt haben (dann wird es aber mal Zeit)! Selbst Wolfgang von Goethe hat sich sehr ausführlich mit der Lebensgeschichte des Propheten (s.a.s.) und des Islams auseinander gesetzt und unter anderem folgende Aussage gemacht:

„Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
Kränkte seinen heil’gen Willen.
Und so muß das Rechte scheinen
Was auch Mahomet gelungen;
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.“ (WA I, 6, 288 ff)

Wer mehr über Goethe und seine Beziehung zum Islam erfahren möchte, findet hier mehr dazu.

Soviel nun zu meinen Studienkursen und die erstaunliche Verbindung von „Thought-/ Green-/ Example-/ Market-/ Buttom-up-/sonstige- Leadership-Styles“ und unserem Propheten (s.a.s.).

Was macht man nun nach einer intensiven Lernzeit, um nicht in ein Loch zu fallen? Und zudem noch in Somalia hockend?

Erst einmal werde ich wohl einen extra Ausflug mit meinen Kindern machen und viel Zeit mit ihnen verbringen. Denn in den letzten 2 Wochen mussten sie viel mit sich selbst spielen. Gut, bei insgesamt 9 Kindern und zeitweise noch 5 Cousinen/Cousins ist das wohl keine schwere Angelegenheit (alhamduliLlah)! Und trotzdem hab ich sie öfter einmal vertrösten müssen. Wahrscheinlich habe ich mir das mit meinem schlechten Gewissen mehr zu Herzen genommen als meine Kids!

In meiner freien Zeit (zwischen dem Morgengebet um 5 und dem Aufwachen meiner Kinder, oder auch nachts) habe ich mir dann noch folgendes vorgenommen:

  • Natürlich werde ich einige Artikel über bestimmte Themen schreiben (in shaa Allah).
  • Auch steht die Auswahl eines neuen Designs für unseren Blog an und die große Umstellung.
  • Ein paar Themen-bezogene Fotos werde ich auch schießen- bloß keine Soldaten (neue Kamera bleibt wohl noch ein Traum, aber wer weiß!).
  • In shaa Allah werde ich auch zu einem Qur´an- Kurs gehen.
  • Meine Fitness aufbessern, die in der letzten Zeit etwas vernachlässigt wurde.
  • Außerdem warten schon seit längerer Zeit 3 tolle Kurse auf mich, die ich bereits gezahlt habe, aber noch nie die Zeit dafür gefunden hatte: 1. Wie man sein eigenes E-Book innerhalb 90 Tagen veröffentlicht (warum ich diesen Kurs gewählt habe, liegt auf der Hand, jedoch verrate ich noch nicht zuviel!); 2. Wie man Homeschooling macht (gerade in unserer jetzigen Situation interessant); 3. Wie man seine Zeit am besten managed ähm…organisiert (das muss ich auf jedenfall!).
  • Eventuell bleibt auch noch Zeit für ein Stimm-Coach Seminar, was sich bestimmt auch lohnt (seine Stimme richtig einzusetzen schadet ja nie, bzw. ist in vielen Situationen hilfreich).
Online Kurse.jpg
Meine geplanten Online- Kurse

So, nun habt ihr einen kleinen Eindruck in meine derzeitige Situation bekommen und womit ich mich demnächst so beschäftigen möchte, so Allah es mir erlaubt!

Meine Uhr tickt…muss/darf wieder ans Lernen.

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Windrad nähe Garowe- Symbol für die fortlaufende Zeit!

Meint ihr, das sind etwas zu viele Pläne für 4 Wochen? Einige Dinge wie den Qur´an Kurs werde ich ja auch darüber hinaus verfolgen, in shaa Allah.

Falls ihr noch Ideen für Blogartikel habt, oder was ich sonst noch in meiner „lern-freien“ Zeit machen könnte, schreibt einfach einen Kommentar!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa