3.Phase: Back with Baby

In diesem Bericht knüpfe ich an den vorherigen an, den ihr hier nochmal lesen könnt. Diesmal geht es um meinen dritten Anlauf, in Somalia Fuß zu fassen- diesesmal jedoch mit Baby!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

…heißt ein typisches deutsches Sprichwort.

Ich hatte etwas über ein Jahr in Deutschland verbracht- Zeit genug, um Somalia wieder zu vermissen. Mir wurde geraten, mit der Reise etwas zu warten, bis mein Sohn ein Jahr alt wäre. Nun war die Zeit also gekommen, wieder zurück zu gehen. Mit Kleinkind zusammen ist es nochmal doppelt so aufregend. Da wird einem noch vielmehr klar, was man da auf sich nimmt. Denn diese (Über-) Besorgnis mit den U- Untersuchungen, Autositzen, die ganzen Baby-Artikel in Hülle und Fülle, und, was für mich wichtig war: jegliche homöopathische Medizin für jedes kleine oder größere Weh-Wehchen– das fällt auf einmal alles weg! Aufeinmal wurde mir das alles bewußt, und neben der Vorfreude, meinen Sohn endlich seinen Geschwistern vorzustellen, wurde es mir etwas mulmig zumute. Aber nun gut, ich wußte ja, dass wir durch unsere deutschen Pässe und meine hilfsbereiten Eltern jederzeit kommen könnten, falls irgendetwas ernsthaftes wäre (möge Allah uns bewahren). Und außerdem vertraute ich auf Allah– Er wird mich sicherlich nicht im Stich lassen, wenn ich auswandere, um Seine Religion besser leben zu können! Wer also nicht wagt, der nicht gewinnt- wer nichts riskiert, wird auch nichts erreichen!

Auf geht´s…

Unsere Reise traten wir im Winter 2013 an. Es ging wie immer über Dubai, was schon mal ein Überflutungs- Schock war für meinen in „Watte eingelegten“ Sohn. In Deutschland lebten wir nämlich bei meinen Eltern, und die waren sehr überzeugt davon, dass Babies nichts in Einkaufsmeilen und riesen Geschäften zu suchen haben sollten. Wir mussten aber ein paar Besorgungen in Dubai machen, also musste er da diesmal da durch.

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Unser Weiterflug ging dieses mal nach Galkayo– das ist nach Garowe die nächst größte Stadt von „oben“ gesehen (auf der Landkarte). Danach ging es für uns nach einem leckeren Mittagessen im Hause irgendeiner bedeutenden Person dort (habe leider vergessen, wer das war!) direkt mit dem Jeep weiter, auf nach Garowe, welches unser neues Zuhause werden sollte. Die Straße dorthin ist mehr als schrecklich (eine Neue ist heutzutage aber im Aufbau). Es kam nicht selten vor, dass wir auf die Landespiste ausweichen mussten, da die eigentliche Straße von Löchern übersät war. Garnicht so einfach, dabei ein Baby vor den Autowänden beschützen zu wollen, wenn man selber am straucheln ist! Zudem war mein Kleiner auch schon gesundheitlich angeschlagen, die erste Mittelohrentzündung bahnte sich an. Unsere Autofahrt ging ca. 4 Stunden, bevor wir durchgeschüttelt endlich ankamen.

…ins neue Heim!

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In unserem neuen Zuhause stürzten sich die damals 11 Geschwister meines Sohnes förmlich auf ihn, und er wußte gar nicht mehr, wie ihm geschah. Dann jedoch setzten wir uns alle zusammen ins große Wohnzimmer, und da fingen die Zwillinge (damals 2 1/2 Jahre) auch schon an, mit meinem Sohn um die Wette zu krabbeln.

Von 0 auf 100!

Für unseren jüngsten Nachwuchs war es also sehr aufregend mit so vielen neuen Gesichtern ähm nein, Geschwistern. Zugleich war er manchmal noch etwas überfordert mit ihrer überschwänglichen Zuwendung. Denn er war sein erstes Lebensjahr quasi Einzelkind, umtüddelt von den besten Großeltern, die sehr achtsam und sanft zu ihm waren!

GeschwisterEiner seiner Brüder liebte ihn so sehr, dass er, bevor er zur Schule ging, ihm noch einen Abschiedsschmatzer (mit ganz viel Nachdruck) gab. Und sobald er nachhause kam, einen Willkommensschmatzer (maa shaa Allah). Dabei dauerte es längere Zeit, bis mein Sohn verstand, dass dies nur gut gemeint war und nicht nur ein unangenehmer Druck im Gesicht. Mein Sohn war da eben etwas anders (oder einfach etwas „deutsch„, wie sie zu sagen pflegten), er war sehr sensibel. So schrie er wie am Spieß, wenn er mal auf dem Schoß seiner Großmutter väterlicherseits saß. Leider ist sie schon bald darauf verstorben, so dass sie sich nicht mehr richtig kennenlernen konnten. Möge Allah ihrer barmherzig sein und uns alle im Jenseits im besten vereinen, amin.

Aller Abschied ist schwer…

Meine Schwiegermutter war die wohl „taffste“ Frau in ihrem Alter, die ich kennenlernen durfte. Sie hatte ihr ganzes Leben lang alleine ums Überleben in der Natur kämpfen müssen (ihr Mann starb kurz nach der Geburt meines Mannes), und auch im hohen Alter ließ sie sich kaum etwas abnehmen.

Hooyo Halimo.jpgAufeinmal bekam sie aber Herzinfarkte, und zum ersten Mal war sie wirklich auf Hilfe angewiesen. Das fing in der Zeit an, als sie bei uns lebte und ich eine Zeitlang alleine mit ihr und den Kindern war. Gott sei Dank erholte sie sich langsam wieder davon, konnte nach einer halbseitigen Lähmung wieder sprechen und auch langsam laufen. Leider passierte das noch ein paarmal, bis sie beim letzten mal ins Wach- Koma fiel. Zu der Zeit lebte sie zwar bei meiner Schwägerin, aber auch in Garowe, unweit von uns. Drei Monate kümmerten sich 3 ihrer Töchter Tag und Nacht um sie. Sie war nicht im Krankenhaus, wie das in Deutschland der Fall wäre. Dafür kam regelmäßig ein Arzt zu Besuch und sie hatte die besten Betreuer, die man sich vorstellen kann: die eigenen Kinder. Sie mussten sie künstlich ernähren, kümmerten sich um all ihre Bedürfnisse, die sie nicht mehr aussprechen konnte und noch darüber hinaus. Sie glänzte jedesmal von dem Schwarzkümmelöl, womit sie regelmäßig massiert wurde. Jeden Tag war ihr Zimmer voller Besucher, und ich konnte meinen Schwägerinnen die schlaflosen Nächte zwar ansehen, jedoch ließen sie nie ein Klagen von sich. Da es im Islam unsere Pflicht ist, sich um unsere Eltern zu kümmern, erfüllten sie dankbar und tapfer ihre Aufgabe (maa shaa Allah).

Einmal wurde auf ihrem Kopf Hijama gemacht, das heißt blutiges Schröpfen (aus der Sunnah- Medizin). Dabei kam einiges an verstopftem Blut heraus. Danach ging es ihr ersichtlich besser: sie wurde sogar im Rollstuhl in den Hof gefahren, und ich meine, dass sie mich irgendwie erkannt hat, als ich sie besuchen kam, denn sie lächelte so gut sie konnte (halbseitig). Aber bald darauf, nach 3 Monaten im Wach-Koma, mussten wir sie gehen lassen. Bei der letzten Waschung war sie wohl noch ganz weich und gar nicht kalt, wie es normalerweise der Fall war. Möge sie in Frieden ruhen!

Garowe vs. Bosasso

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Neue Straße in Garowe

Es war mein erster richtiger Aufenthalt in Garowe (davor hatte ich nur eine Nacht im Hotel dort verbracht). Auf Anhieb mochte ich es mehr als Bosasso. Alles erschien übersichtlicher, sauberer, schöner, und es gab sogar mehrere geteerte Straßen. Im Gegensatz zu Bosasso ist es meiner Meinung nach familienfreundlicher, da es sicherer und überschaubarer ist. Bosasso hat zwar mehr attraktive Ausflugsorte, jedoch ist es eine riesengroße Stadt, mit viel Chaos.

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Größte Moschee in Bosasso

 Zudem wird es in den Sommer-monaten uner-träglich heiß, so dass man aufs Land ziehen muss für diese Zeit. Es gibt dort u.a. auch kriminelle Menschen, die aus den Nachbar-ländern kommen. Sie sind dort auf der Suche nach Arbeit gestrandet, oder nach einem illegalen Platz in einem der Schiffe, die sie ins Ausland bringen könnten. Dass diese Reisen oft ein anderes Ende nehmen, als man sich irgendeiner Menschenseele wünschen würde, ist weithin bekannt. Jedenfalls ist es dort nicht sehr sicher, speziell nicht wenn es dunkel ist, und als Mädchen oder Frau schon mal gar nicht. Wenn man sich aber an gewisse Regeln hält (nicht alleine ausgehen, Nachts daheim bleiben oder nur mit Auto raus), ist es auch dort leb-bar. In meiner letzten Südafrika- Reise habe ich gesehen, dass es sogar noch viel gefährlichere Städte und Länder gibt als Bosasso!

Sicherheit hat seinen Preis!

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Blick auf den Gebäudekomplex der UNO in Garowe

Aufjedenfall war ich froh, nun in Garowe zu leben. Auch wenn in Garowe alles etwas überteuert ist (sowohl die Lebens-mittel als auch die Grund-stücke), lohnt es sich meiner Meinung nach, dort zu leben. Besonders, wenn man ein Familienmitglied hat, welches von Al- Shabab- Anhängern im Visier steht. Die haben in Garowe nämlich kein leichtes Spiel (alhamduliLlah). Denn die Stadtgrenze wird streng bewacht, fast jedes Auto durchsucht, und wenn ihnen jemand verdächtig vorkommt, wird er erstmal festgehalten, bis sich sein Fall geklärt hat. Wenn sie beispielsweise einen jungen Mann sehen, der aus dem Süden Somalias‘ kommt (wo die Shabab ihren Sitz haben), dann muss erstmal bewiesen werden, dass er keiner von denen ist, und dass er von jemandem erwartet wird. Auch innerhalb der Stadt gibt es nachts an bestimmten Stellen Polizei- Kontrollen, die auf der Suche nach Verdächtigen sind. Das liegt daran, dass hier sehr viele UNO- Mitarbeiter leben (die hier ihren Sitz haben), und die Regierung von Puntland ebenso. Ich bin schon oft durch so eine Kontrolle gefahren, aber hatte alhamduliLlah nie Probleme– fast nie. Ein oder zweimal wollte einer der ungebildeten Soldaten, dass ich mein Gesicht entschleiere und hat etwas herum geschimpft. Leider werfen solche extremen Gruppen wie die Al- Shabab die islamische Kleidung und Begriffe in ein falsches Licht. So sind Symbole eines praktizierenden Muslims auf einmal zum Symbol eines potentiellen Terroristen geworden. Auch bei Ausländern werden sie dann skeptisch. Aber durch einen Anruf meines Mannes, der denen dann erklärte, dass ich seine Frau bin, konnte das sofort gelöst werden (alhamduliLlah).  Solche Vorfälle waren aber eher die Seltenheit. Das eine mal war es sogar meine Schuld, da ich nachts in die falsche Richtung gefahren bin, zur Stadtgrenze hin (jaja, Nachts habe ich noch etwas Orientierungs-probleme :-D). Und falls jemand sich dafür interessiert, hierher zu kommen, werden wir auch versuchen, in solchen Ausnahms-Situationen zu helfen, in shaa Allah.

Ruhe vor dem Sturm

Dieser Lebensabschnitt in Somalia war richtig angenehm im Vergleich zu den vorherigen (oder war es nur die Ruhe vor dem Sturm?). Ich lernte immer besser die Sprache, und lebte auch mit meiner Co- Schwester zusammen, mit der ich eine sehr gute Unterstützung und Freundin an meiner Seite haben durfte (alhamduliLlah, möge Allah sie reichlich belohnen). Sie hatte zu studieren angefangen, so dass ihre Zwillinge vormittags mit mir waren. Etwas getrübt wurde die Zeit von den häufigen Krankheiten meines Sohnes. Von einer Mittelohr- Entzündung zur nächsten hatte er bald auch schon Masern. Ja, richtig, ich habe ihn bewusst nicht geimpft!15140126594192018937318.jpg Aber das ist ein anderes, komplexes Thema. Früher jedenfalls war es auch eine normale Kinderkrankheit, ich selber wurde auch nicht dagegen geimpft. Und den Impfungen, die es in Somalia gibt, traue ich schon mal gar nicht übern Weg. Aber das sollte jeder individuell entscheiden dürfen. Genug Informationsmaterial für und gegen das Impfen gibt es ja Gott sei Dank reichlich genug. Jedenfalls haben wir es einigermaßen gut überstanden (alhamduliLlah). Unsere Zwillinge wurden schon heftiger getroffen, sie waren sogar am Tropf. Das Wichtige ist, dass man den Kindern bei Masern keine Fieber senkenden Mittel geben sollte, wie es in dem Buch „Die Kindersprechstunde“ von Wolfgang Goebel und Michaela Glöckler geschrieben steht. Damals wußten wir das noch nicht, aber alle unsere Kinder sind gut darüber hinweg gekommen, alhamduliLlah.

Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück

Bald erfuhr ich dann, dass ich ein nächstes Baby erwarten würde. Schneller als man planen konnte, aber ich war sehr glücklich darüber (alhamduliLlah). Diese Vorfreude wurde plötzlich durch den beinahe tödlichen Autounfall meines Mannes erschüttert. Es war im Sommer 2014, als er sich mit ein paar Regierungsleuten auf den Weg nach Galkayo machte, um an einer Friedensverhandlung zwischen Somaliland und Puntland teilzunehmen, bzw. sie zu koordinieren. Sie waren in Begleitung von einigen mit Soldaten beladenen Regierungs- Autos unterwegs. Mein Mann fuhr allen voran in seinem damaligen Jeep, sein Beifahrer war ein guter Freund von ihm, der aus Kanada nach Somalia kam. Er war Ehemaliger Stabchef des Premierministers und wurde kurz zuvor zum General Direktor der Puntland Investierung& Entwicklungs- Autorität ernannt.

wp-image778909042.jpgSie waren noch nicht weit weg von Garowe, da kam ihnen eins dieser überfüllten Kombi-wagen entgegen. Mein Mann wunderte sich schon, dass das Auto so hin und her fuhr, überhaupt nicht gerad-linig und mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit (später sah man, dass sein Tachometer auf 120 kmh stehen blieb, eindeutig zu schnell für so eine schmale Landstraße). Als er daran vorbeifahren wollte, steuerte dieses Auto direkt auf das Auto meines Mannes zu. Mein Mann versuchte nach rechts auszuweichen, da war es auch schon zu spät- es krachte!

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Links: der Jeep meines Mannes; Rechts: der Kombiwagen

Das andere Auto war größtenteils zertrümmert, es starben 7 von den 11 Leuten. Der Fahrer und eine Mutter mit ihren zwei Kindern überlebten, jedoch mit schweren Brüchen. Der Beifahrer meines Mannes war auch sofort tot (inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un). Mein Mann selber wurde im Koma ins Krankenhaus gefahren, von wo aus wir angerufen wurden. Es wurde uns gesagt, dass nicht sicher ist, ob er überleben würde. Das waren die schlimmsten Augenblicke meines Lebens, mir gingen allzu viele Dinge durch den Kopf. Im Krankenhaus angekommen, mussten wir uns erstmal einen Weg durchkämpfen, da es von Leuten nur so wimmelte. Endlich im ebenfalls vollen Zimmer meines Mannes angekommen, sahen wir ihn mit offenen Augen– alhamduliLlah! Er konnte uns irgendwie verständlich machen, dass er okay ist, aber richtig sprechen und sich bewegen, dazu war er nicht in der Lage. Sein Ende war noch nicht für ihn bestimmt, alhamduliLlah.

„Sprich: `Nichts kann uns treffen außer dem, was Allah bereits niedergeschrieben hat. Er ist unser Beschützer. Und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.´“ (At–Tauba (9):51)

Während ich versuchte, unseren Kindern beizustehen, kümmerten sich meine Co-Schwester und meine Schwägerin darum, dass die nötigsten Untersuchungen an meinem Mann gemacht wurden. In der späten Nacht konnte er schon zu uns kommen. Er erlitt ein Schütteltrauma, und hatte überall so starke Schmerzen, dass für ihn jede Bewegung unerträglich war. Aber wir waren einfach nur überglücklich, dass er überlebt hatte (alhamduliLlah). Die nächsten Tage sahen wir ihn kaum, da so viele Leute ihn besuchen wollten. Wir errichteten in unserem Wohnzimmer ein Krankenbett (altes Krankenhausbett, was automatisch verstellbar ist) und zahlreiche Stühle für die Besucher. Selbst der Präsident Puntlands, Abdiwali Gaas, kam, um ihn zu besuchen. Auch uns und unsere Kinder begrüßte er.

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Somalische Gastfreundschaft kennt keine Grenzen

Für mich war es auf der einen Seite schön zu sehen, wie viele Leute sich um meinen Mann kümmerten. Auf der anderen Seite jedoch konnte ich es nicht so nachvollziehen, dass die Leute ihm keine Ruhe gönnten. Er kam gar nicht dazu, tagsüber zu schlafen, obwohl er so dringend Ruhe benötigte. Aber es spricht gegen die somalische Gastfreundschaft, die Leute einfach wieder nach Hause zu schicken. Er konnte auch nach ein paar Tagen noch nicht alleine laufen, da ihm so schwindelig wurde und alles schmerzte, speziell im Brustbereich. Deswegen wurde dann beraten, wo man ihn am besten hinschicken solle, um ihn gründlich medizinisch untersuchen zu lassen. Die Regierung und Freunde wollten für die Kosten aufkommen. Sie schwankten zwischen Kenia, Türkei und Deutschland. Letztendlich viel die Wahl auf Letzteres, zumal ich ihm dort helfen konnte und die medizinische Versorgung dort die beste ist.

…und ihre Spontanität auch nicht!

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Vor unserem Privat-Jet

Ich hatte also einen Abend Zeit, alles zu packen. Da ich im 6.Monat schwanger war, dachte ich schon daran, in Deutschland auf mein Baby zu warten, aber ich sprach es noch nicht wirklich an. Denn erstmal war die Frage wichtig, ob bei meinem Mann alles in Ordnung ist, und ob ich in der Lage war, schwanger und mit Kleinkind bepackt, ihm zu helfen.Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? Geplant waren nur 2 Wochen, um dann wieder zurück zu kehren, falls alles in Ordnung mit ihm sei. Viel packen konnte ich also nicht, denn wer hätte es tragen sollen? In einem Privatjet wurden wir von Garowe nach Mogadischu geflogen. Es saßen nur noch 3 weitere Männer hinter uns, doch wir saßen direkt hinter den Piloten, konnten alles live sehen und mitverfolgen! Das war eine beeindruckende Erfahrung (maa shaa Allah). Doch bald schon wurden wir vom Ernst des Lebens eingeholt, als wir ständig warten mussten, dass meinem Mann geholfen wird. Denn er konnte noch nicht alleine laufen. Aber da wo es ging, konnten wir einen Rollstuhl benutzen. In Mogadischu angekommen, wurden wir sofort in die VIP-Lounge gebracht, wo wir bequem auf den Weiterflug nach Kenia warten konnten. Während ich mit meinem Sohn beschäftigt war, sprach mich auf einmal eine Frau vom Personal dort an, ich solle doch meinen Gesichtsschleier entfernen. Stellt euch mal vor- in einem Muslimischen Land (subhanaLlah)! Das tat ich natürlich nicht, ich zeigte ihr bloß, dass ich eine Frau bin und kein Terrorist. Es ist auf der anderen Seite auch verständlich, dass sie in Mogadischu besonders unter Stress stehen, wegen den immer wiederkehrenden Bombenanschlägen. Aber ich wäre ja nicht einfach so in die VIP-Lounge gekommen, und außerdem weiß ich von keinem Fall, dass ein Terorrist sich darunter versteckt hätte. Mein Mann sprach dann auch nochmal zu ihr, dann war alles gut.

Kaltes Eid in Kenia

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Mein Mann mit Scheich Umal

Unser Weiterflug nach Kenia musste in einem Ort namens Wageer. Dort durfte mein Mann im Flugzeug sitzen bleiben, aber alle anderen inklusive mir und meinem Sohn mussten zur Grenz-station zur Pass-kontrolle und Visa- Angelegenheiten. Die Grenzpolizisten waren sowas von unfreundlich, aber nach kurzer Zeit ging es Gott sei Dank wieder weiter. In Nairobi angekommen, wurden wir von einigen Freunden meines Mannes empfangen. Dort leben einige Somalische Gelehrte, unter anderem Scheich Umal, einer der wichtigsten Somalischen Gelehrten derzeit, der uns auch besuchen kam. Sie brachten uns in ein feines Hotel. Ihr glaubt nicht, wie kalt es uns dort erschien! Es war so um die 20 Grad Celsius, wir fühlten uns jedoch wie auf Eis, da wir gerade aus dem Hochsommer Somalias kamen. Also mussten erstmal ein paar warme Klamotten her, die eine liebe Schwester uns besorgte. Am nächsten Tag war das Eid- Gebet, welches unser langweiligstes seit langem war (zumindest für mich), da wir weder bei Freunden noch bei Familie waren. Aber das war ebenfalls nebensächlich in Anbetracht dessen, dass mein Mann gerade eben dem Tode entkommen war. Das Eid-Gebet fand draußen statt, es war unglaublich voll, voller Somali´s maa shaa Allah. Mir wurde angeboten, auf Shoppingtour zu gehen, aber ich war so erschöpft, mir war garnicht danach. Aber was ich so sehen konnte, ist Nairobi sehr schön tropisch und gut entwickelt. Ein Straßenpolizist wünschte uns sogar ein frohes Eid.

Eigentlich könnte dieser Bericht hier enden, da es von nun an nur noch indirekt mit Somalia zu tun hat. Jedoch dann würdet ihr einige wichtige Merkmale der Somalischen Menschen nicht mitbekommen!

Unter Germali´s

Nach ca.2 Tagen in Nairobi ging es also endlich weiter- ins noch viel kältere Deutschland! Der typische graue Regenhimmel begrüßte uns bereits (für Somali´s etwas schönes!). Eine befreundete Somalische Familie holte uns vom Frankfurter Flughafen ab und fuhr uns ein halbes Stündchen ins Nachbardorf. Es war sehr schön, unter sogenannten „Germalis“ zu sein! Dabei stellten wir fest, dass ich inzwischen fast somalischer als die Töchter unserer Bekannten war! Was Lebensgewohnheiten betrifft, als auch die Ausspprache. Ich bin noch weit entfernt davon, richtig Somalisch srechen zu können, aber die Basis- Dinge kann ich (alhamduliLlah).

Ein Wunder wird wahr!

wp-image229652993.jpgWir brachten meinen Mann in das nächst-gelegene Evangelische Krankenhaus, Dort waren sie sehr schockiert und betroffen über den Vor-fall. Sofort bekamen wir den besten Service in der Notaufnahme. Der junge Oberarzt versicherte uns zudem, uns einen „fairen Preis“ zu machen, indem er auf sein Gehalt ver-zichtete. Es war trotzdem noch teuer genug, aber immerhin eine sehr großzügige Geste, maa shaa Allah! Mein Mann wurde von A-Z untersucht, speziell am Kopf und an der Wirbelsäule. Wie ein Wunder stellte sich nach einigen Tagen heraus, dass er noch nicht mal einen einzigen Knochenbruch erlitt (alhamduliLlah)! Wir waren natürlich sehr erleichtert. Trotzdem war sein Schwindel noch da.

Zurück in den Ruhrpott (Back to the roots)

Meine Eltern kamen aus dem ca.3 Stunden entfernten NRW zu Besuch, übernachteten 2 Nächte im Hotel und überzeugten uns dann, mit zu ihnen zu gehen. Wir bekamen das Auto eines Bekannten unserer Freunde ausgeliehen, und konnten damit bis zu meinen Eltern fahren. Das ist eines der vielen Beispiele für die Hilfsbereitschaft der Somali´s (Allahumma baarik). In NRW besuchten wir dann auch unseren Osteopathen, der zuvor schon mein Kind behandelt hatte, und seine Frau mich. Er schaffte es, dass der Schwindel und die Kopfschmerzen meines Mannes weggingen (alhamduliLlah). Da wir so begeistert von ihm waren, haben wir ihn seitdem jedem empfohlen, der betreffende Beschwerden hat (seine Seite findet ihr hier) . Sogar Scheich Umal aus Kenia kam eines Tages zu meinen Eltern, um zu diesem Osteopath zu gehen, welcher dann erkannte, dass dieser vor 10 Jahren einen Autounfall hatte (ohne dass es vorher erwähnt wurde).

MercedesBald wurde mein Mann zu einer Somalischen Islam- Konferenz in Frankfurt eingeladen, wohin er das Auto zurückbrachte. Er kam mit einem noch besseren Auto zurück: einem Mercedes Benz (etwas älteres Model, aber trotzdem Top)! Der wurde ihm von einer ganz tollen Somalischen Familie gegeben, die auf dem Weg war, ihn zu verkaufen. Ich durfte ihn solange nutzen, bis wir wieder zurück nach Somalia gehen würden. Allerdings hatte ich manchmal den fetten Benz gegen das Mini- Zweitauto meiner Eltern getauscht, weil er mir einfach zu wuchtig war zum herumfahren. Da passierte meiner Mutter eines Tages ein KLEINER Unfall mit dem Benz- sie ist ausgerutscht und gegen eine Leitplanke gestoßen, als der erste Schnee auf den Straßen lag. Die ganze Stoßstange hätte ausgewechselt werden müssen. Aber jetzt kam wieder die Somalische Großzügigkeit ins Spiel: die Besitzer des Autos hatten sich strikt geweigert, dass wir die Reparaturkosten übernehmen (maa shaa Allah, möge Allah sie reichlich dafür belohnen)! Ich weiß gar nicht mehr genau, was mit dem Auto dann geschah, jedenfalls fuhr ich von da an mit dem Mini- Auto herum, was meine Eltern extra wegen mir gekauft hatten.

Somalische Gastfreundschaft kommt nicht von ungefähr!

Wie ihr seht, sind die Somali´s ein sehr großzügiges und hilfsbereites Volk (maa shaa Allah). Sie haben quasi eine „offene Hand“, d.h. sie geben lieber als das sie nehmen. Vielleicht kommt das auch ein bisschen vom Lebensstil, da sie- auch wenn sie keine Nomaden sind- oft herumziehen und oft schon ihr Hab und Gut hinter sich lassen mussten. Aber zum großen Teil kommt das auch von ihrer Religion, dem Islam, den sie zu ihrer Kultur gemacht haben. So wird vom Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) überliefert, dass er sagte:

“Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der den Menschen am nützlichsten ist.” (Al Buchari über Ibn Umar)

Und im Qur´an steht, dass unser Schöpfer uns ersetzen wird, was wir weggeben:

Sprich: „Wahrlich, mein Herr erweitert und beschränkt dem von Seinen Dienern den Unterhalt, dem Er will. Und was immer ihr spendet, Er wird es ersetzen; und Er ist der beste Versorger.” (Quran 34:39)

Das haben die Somalischen Menschen tief verinnerlicht (maa shaa Allah).

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Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen, auch wenn er etwas länger ausgefallen ist. Nächstes Mal werde ich euch über meinen bisher längsten Lebensabschnitt in Somalia berichten, der bis heute andauert (alhamduliLlah).

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

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2.Phase: Bestandsprobe oder „Von nichts kommt nichts!“

Zurück nach Somalia

In diesem Artikel werde ich euch über meine zweite Periode in Somalia berichten, welche vom Winter 2010/11 bis Herbst 2012 andauerte. Es war die bisher härteste Zeit in Somalia für mich, aber darauf werde ich gleich genauer eingehen (in shaa Allah).

Bosasso Landkarte

Diesesmal kamen wir mit annehmbaren Fliegern (alhamduliLlah).

Hinter großer Belohnung steckt viel Anstrengung

Es ist im Islam ein bekanntes Phänomen, dass der Teufel sich zwischen den Muslim und seine Auswanderung (Hijrah) stellen will. In einer der Aussagen unseres Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien auf ihm) wird überliefert, dass der Satan sich zwischen 3 Dinge und den Muslim stellen will, wobei eine davon die Hijrah sei: „(…) Satan liegt und wartet auf dem Weg des Sohnes Adams und er liegt und wartet vor dem Weg des Islam. Satan sagt: Wirst du den Islam annehmen und deine Religion und die Religion deiner Vorfahren verleugnen? Dann wird er nicht auf ihn hören und den Islam annehmen. Satan liegt und wartet auf ihn auf dem Weg der Auswanderung und sagt: Wirst du auswandern und dein Land und Himmel verleugnen, wissend, dass derjenige, der auswandert, nur wie das Pferd zu seinem Pflock ist? Dann gehorcht er ihm nicht und wandert aus (…).“ (ungefähr übersetzt von mir; Sunan An-Nasa’i 3134; Hasan laut Al-Mundhiri und Sahih laut Sh. Albani)

Satan wird also immer versuchen, einem die Auswanderung auszureden, z.B. indem er einem einflüstert, wie rückständig es doch dort in dem Land ist, und dass man ohne die ganzen Luxusgüter nicht leben kann, uvm. Dabei ist die Belohnung für diese aufgeführten Taten (Konvertierung und Auswanderung) unermeßlich hoch, wie wir am Ende des Hadithes sehen: „Wer auch immer das tut, hat ein Recht bei Allah Dem Erhabenen auf das Paradies.“ (gleiche Quelle, von mir übersetzt).

Blumen

Für mich ist es dementsprechend auch die bisher schwerste Zeit gewesen (alhamduliLlah). Diesmal hatten wir vor unserer Abreise aus England unsere Wohnung und alles aufgegeben, also wurde es nun richtig ernst mit unserer Absicht auszuwandern. Ebefalls hatten wir Versicherungen und ähnliches abgemeldet. Nun konnten wir ruhigen Gewissens einen Neuanfang in Somalia wagen (in shaa Allah).

Selbstständig auf dem Markt

Diesmal ging es für uns direkt nach Bosasso, der wohl größten Stadt des Bundesgebietes Puntland. Zu der Zeit war es in Bosasso angenehm kühl. Die Wiedersehensfreude war sehr groß (maa shaa Allah). Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kam die freudige Nachricht von einer Zwillings- Schwangerschaft meiner Co- Schwester (Maa shaa Allah). Das bedeutete jedoch bald für mich, dass ich mehr Aufgaben übernehmen musste, da sie eine Risiko- Schwangerschaft hatte und hauptsächlich liegen sollte. Normalerweise war sie es, die die ganzen Aufgaben draußen erledigte, wie zum Beispiel den täglichen Einkauf auf dem Markt. Denn wir hatten zu der Zeit- wie die meißten Einwohner- keinen Kühlschrank aufgrund der hohen Strompreise. Also musste ich ins kalte Wasser springen und mich mit meinen begrenzten Somalisch- Kenntnissen in die „Höhle des Löwen“ wagen!

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Typische Straße in Zentrum von Bosasso

Der Markt von Bosasso ist riesengroß und wimmelt nur so von Menschen. Allein schon das Geld zählen fiel mir anfangs schwer. Denn jeder Schilling (Cent) ist ein Geldschein!  Man zieht also täglich mit ca. 300 Geldscheinen los, und muss für jedes Gemüse die einzelnen Schillings davon abziehen! Die Verkäuferinnen (meißtens sind es Frauen) zählen dann noch mal alles durch. Anfangs ließ ich mir noch von dem Kind helfen, welches ich mit mir nahm; oder ich gab das Geld direkt der Verkäuferin, so dass sie für mich zählen möge. Aber mit der Zeit wurde ich auch sicherer und es machte mir nichts mehr aus (alhamduliLlah). Der Straßenverkehr war ebenfalls gewöhngsbedürftig: ein Haufen Chaos ohne Regeln! Die einzige Regel ist wohl, dass der Stärkere gewinnt. Und sowohl Fußgänger, als auch Ziegen, die überall zwischen den Autos herum liefen, sowohl als auch Autos, die an jeder beliebeigen Stelle anhielten, machten es nicht weniger riskant. Kein Wunder, dass der Stau manchmal nur mithilfe eines in die Luft schießenden Soldaten behoben werden konnte! Aber nun gut, da musste ich halt durch!

Radius erweitern

Mein Radius in Bosasso wurde ebenfalls erweitert durch das frühmorgendliche besorgen frischer Kuhmilch. In Bosasso gab es damals nur zwei Stellen, wo man diese direkt von den Kühen besorgen konnte: eine Stelle in unserer Nähe, jedoch die kam überhaupt nicht in Frage, da die Kühe dort unter schlimmsten Umständen gehalten wurden. Sie bekamen bloß Mango- und Bananschalen als Futter, und ihre Hufen waren eine Elle lang, bereits nach oben gebogen. Zudem standen sie auf recht engem Raum in  ganz viel Mist. Die andere Stelle lag etwas weiter weg, am Rande der Stadt. Dort liefen die Kühe immerhin frei herum (wobei sie natürlich auch viel Pappe und Essensreste fraßen), und dementsprechend sahen sie auch besser aus. Eine Zeit lang konnte die ältere Verkäuferin, die die Milch sonst immer auf dem Markt verkaufte, aus irgendwelchen Gründen das nicht mehr tun. Also musste ich die Milch abholen, mit ein paar Frauen als Beifahrerinnen, die das gleiche Ziel hatten und mir den Weg zeigten. Direkt nach Sonnenaufgang ging meine Fahrt dorthin los, um die frische Milch zu holen. Danach gin es zum Markt und dann nachhause. Irgendwie genoß ich aber die „neue Freiheit“, einfach mit dem Auto raus zu fahren und Besorgungen zu machen, sprich ein normales Leben zu führen. Denn für übertriebene Besorgnis war nun kein Platz mehr, es ging einfach nicht anders (alhamduliLlah!).

Lichtblick

Ein großer Lichtblick war für mich der Tag, an dem meine Co-Schwester zu mir kam und sagte, sie hätte eine „weiße Schwester“ für mich gefunden- und zwar direkt in unserer Nachbarschaft! Sie hatte draußen eine europäische Frau mit zwei Kindern entdeckt, und direkt ihre Telefonnummer „ergattert“, da sie genau wußte, dass ich mich sehr freuen würde. So dauerte es nicht lange, bis ich die Schwester besuchte. Sie kam aus Finnland zu Besuch zu ihren Schwiegereltern und freute sich ebenso, eine Gleichgesinnte zu haben. Von da an kam sie fast jeden Tag zu uns zu Besuch (alhamduliLlah). Meine neue Freundin verhielt sich ganz frei in Bosasso- sie ging überall zu Fuß hin, sei es auf den Markt oder sonstwo hin. Als meine Schwiegerfamilie das erfuhr, war sie etwas beruhigter was meine Ausflüge betraf (alhamduliLlah).

Riskanter Ausflug

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Strand in Bosasso,, etwas außerhalb des sandigen, jedoch vollen Strandes.

Eines Tages fuhr ich zwecks unseres Wochenend- Ausflugs mit einem übervollen Autobus (einige unserer Verwandten Kinder waren auch dabei) zum Strand. Wir waren nur Frauen und Kinder im Auto. Ich war so sehr auf die Huggelpiste auf der ich fuhr konzentriert, dass ich garnicht bemerkte, dass ich direkt auf den Präsidentenpalast des Puntland-Präsidenten drauf zu steuerte! Durch einen Schuß wurde ich dem gewähr und wollte schnell umdrehen. Jedoch ließ ich diese Idee aufgrund eines zweiten Schußes sofort fallen. Dann kam auch schon ein Soldat und fragte, was wir denn vorhätten. Ich war etwas wagemutig, indem ich ihm harrsch antwortete, dass wir bloß zum Strand wollten und ich ihn nicht gesehen hätten. Alhamdulillah ließ er uns gehen. Während unseres ganzen Ausfluges wurden wir von einem merkwürdigen Auto beobachtet, das erst abfuhr, nachdem wir das auch taten. Aber das war uns egal, wir hatten trotzdem einen schönen Ausflug (alhamduliLlah). Das war auch nur ein Einzelvorfall, nicht dass ihr denkt, es läuft jedesmal so ab!

Unter einem Dach mit Schwiegermutter

Im Mai 2011 musste meine Co- Schwester uns verlassen, da sie ihre Zwillinge in Dänemark bekommen sollte. Es war für alle kein leichter Abschied, zumal auch mein Mann mit ihr gehen musste. Dafür zog meine Schwiegermutter (möge Allah ihr gnädig sein) zu uns, um mir mit allem zu helfen. Somit begann für mich das ‚echte‘ somalische Leben: ich hatte plötzlich niemanden mehr, mit dem ich mich verständigen konnte außer auf Somalisch (und das war damals noch ziemlich begrenzt); ich lernte Wäsche von Hand zu waschen, auf Feuer zu kochen und lernte auch die gesamte Familie nochmal besser kennen, da jeden Tag welche zu Besuch kamen. Leider war es dann auch wieder soweit, dass es zu heiß wurde, um in Bosasso zu bleiben. Also mussten wir nach Qardho umziehen, wo ich ja schon bei meinem ersten Aufenthalt in Somalia war.

Qardho isku eg

Meine Schwiegermutter hatte wirklich viel Verständnis und Geduld mit mir in Anbetracht dessen, dass wir aus zwei völlig verschiedenen Welten kamen. Sie war das harte Nomaden-leben gewohnt, zog mit 10 Kindern und noch anderen anvertrauten Kindern durch die Steppe, und auch im hohen Alter wollte sie sich kaum bei irgendetwas helfen lassen (maa shaa Allah). Daneben kam ich mir als verwöhntes Stadtmädchen ganz komisch vor! Ich fragte mich manchmal, was mir nun mein Abitur gebracht hat für solch ein Situation.

Ich konnte also viel von ihr lernen, und abgesehen von ein paar Missverständnissen haben wir uns irgendwie doch gut verstanden (alhamduliLlah). Sie war aber auch sehr besorgt um mich, so dass ich mir für jedes rausgehen einen guten Grund (die gab es Gott sei Dank genug) überlegen musste.

Rätsel des Tages: Woher kommt sie?

Fragezeichen.jpgQardho ist eine kleine (aber recht grüne) Stadt, die dank der sommerlichen Zuzügler aus Bosasso richtig an Größe zunahm. Aber trotzdem ist es noch sehr dörflich. Wenn ich durch die Straßen fuhr, bekam ich immer sehr viel Aufmerksamkeit und Kommentare, obwohl ich von Kopf bis Fuß bedeckt war! Es kam sogar vor, dass einige Kinder mich als „Gaalo“ riefen. Das ist ein Begriff für einen Nicht- Muslim. Für sie konnte jeder Weiße Mensch einfach nur ein „Gaalo“ sein, egal wie muslimisch man sich bedeckte! Und auch gebildetere Leute rätselten des öfteren, ob ich nun Araberin sei oder was sonst noch. Sie waren also keine Ausländer gewohnt, höchstens gut bewachte UNO- Mitarbeiter und ein paar Arabische Ärzte oder Lehrer.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, im Ramadan nachts zur Moschee beten zu gehen mit meiner Schwägerin. Auch da schauten sie natürlich, aber es war anders, da die Frauen dort gebildeter waren. Außerdem war ich durch das Gebet unverkennlich ein Muslim (alhamduliLlah) 🙂

Internet- Entzug – heute unvorstellbar!

Qur'an
Kein Internet: mehr Zeit für den Qur’an!

Mit den ganzen Kindern meines Mannes war es natürlich nicht immer einfach, aber sie gaben mir auch einen Grund, dort zu bleiben und für sie da zu sein. Denn so hatte mein Mann und seine andere Frau noch indirekt einen Draht zu ihren Kindern und waren ständig auf dem neuesten Stand. Internet hatten wir anfangs noch nicht, dafür ein Festnetz- Telefon, was natürlich ins Ausland nicht ganz billig war. Mit meinen Eltern hielt ich aber trotzdem immer so einmal in der Woche den Kontakt. Durch den Internet- Entzug (damals kannte ich kein WhatsApp und war auch nicht auf FB) lernte ich in der Zeit jedoch sehr intensiv das Rezitieren des Qur’ans (alhamduliLlah). Dazu wurde ich auch durch die Kinder angespornt, die Vormittags und Nachmittags zur Qur’an- Schule gingen (es war ja ihre Ferienzeit, also hatten sie keine Schule). Abends half ich ihnen dann mit ihren Hausaufgaben, die aus dem Auswendiglernen bestimmer Stellen im Qur’an bestanden. Diese Internet- Entzugs-Phase tat mir also eigentlich ganz gut! Später hatten wir Internet, aber es funktionierte nicht immer. Dadurch hatte ich ab und zu wertvolle Kontakte zu einem Muslima- Forum.

Pädagogische Herausforderung

erzieher glückGerade auch das erste halbe Jahr ohne meinen Mann hatte ich Sorge zu tragen um die Kleinste, die damals erst fast 3 Jahre alt war. Wenn man noch keine eigenen Kinder hat, ist es generell nicht so leicht, mit Kindern in jeder Lage angemeßen umzugehen, aber ich versuchte mein Bestes. Ich habe mir schon immer Arbeiten mit Kindern gewünscht, nun bekam ich diese Gelegen-heit– ich bin vielfache Mutter geworden, ohne Wehen gehabt zu haben (alhamduliLlah). Doch Somalisch Erzogene Kinder sind auch eine echte Heraus-forderung: durch die andere Erziehungsmethode, welche vor allem mit Druck und Angst arbeitet, hat man es als Europäer erstmal nicht so leicht, sich benächsten Berichti ihnen durchzusetzen. Denn wenn man nicht die gleichen Methoden anwendet, nehmen die Kinder einen nicht ernst („Mit ihr kann man es ja machen, die schlägt nicht!“). Also musste ich mich etwas anpassen, zumindest im Tonfall. Noch bis heute wundert sich mein Mann manchmal, wie anders ich auf Somalisch rede als wenn er mich Englisch oder Deutsch reden hört. Ich kann auch besser auf Somalisch schimpfen als auf Deutsch. Irgendwie habe ich mir das unbewußt so angewöhnt!

TelefonIch weiß garnicht mehr, wie die Zeit doch herum ging, ohne dass ich jemanden um mich hatte, mit dem ich mich zumindest auf Englisch hätte verständigen können. Mein Mann kam zwar alle paar Monate, aber die meißte Zeit waren wir getrennt. Das Schwierigste war für mich, dass ich mich einsam fühlte, obwohl ich unter Leuten war. Ich konnte mich halt nur oberflächlich mit ihnen verständigen. Aber Gott sei Dank war ich ja auch viel beschäftigt und letztendlich hatte ich viel Halt durch die häufigen Telefon-gespräche mit meinem Mann und meiner Co- Schwester, nicht zuletzt aber auch in meinen Gebeten zu Allah (alhamduliLlah).

Falscher Film? Terror- geschockt!

Dr.Ahmed Haaji Abdirahman
Sh. Ahmed Haaji Abdirahman

Wieder in Bosasso angelangt, passierte im Dezember 2011 etwas Schreckliches: einer der besten Freunde meines Mannes, Sh. Dr. Ahmed Haaji Abdirahman (möge Allah seiner gnädig sein), wurde hinterlistig ermordet. Es geschah am frühen morgen, als der fastende Shaikh gerade vom Morgengebet aus der Moschee herauskam und nach Hause gehen wollte. Da schossen drei junge Männer erst in die Luft, dann jagten sie ihm hinterher und schossen ihm direkt in den Kopf. Das war nur ein paar Meter vor seiner Haustür, vor den Augen seiner Frau. Etwa 800 Meter von uns entfernt. Täter: Anhänger von der Terrorgruppe Al Shabab. Grund: Er wollte sich ihnen nicht anschließen! Irgendwie veränderte sich von da an so einiges. Es war so ein Aufwach- Erlebnis wie 9/11, auch wenn es in einem kleineren Ausmaß war. Jedoch der Verlust jedes einzelnen Menschenleben auf solch grausame Weise ist einfach furchtbar (ob es nur einer ist oder Tausende) und widerspricht den Lehren, welchen diese Extremisten vorgeben zu folgen. Denn im Qur’an steht: «Wer einen Menschen tötet, tötet die gesamte Menschheit, wer einen Menschen rettet, rettet die gesamte Menschheit.» (Vers 32, Sure 5)

Ein Anschlag mit Konsequenzen

Von da an wurden in Bosasso die Gesetze für den Waffenbesitz ernster genommen: Es durfte nurnoch jemand mit offizieller Lizens eine Waffe besitzen. Dafür wurden zumeißt nachts Wohnungsdurchsuchungen veranstandet. Auch nach Anhängern von Al Shabab wurde überall gesucht. Ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl, da ich nicht sicher war, was diese Soldaten mit mir machen würden FALLS sie zu uns kommen würden. Denn sie würden wahrscheinlich erstmal denken, ich wäre da, um mich dieser Gruppierung anzuschließen (Allah bewahre)!

attentionDiese extreme Gruppierung spaltete auch ganze Familien, welche Mitglieder an diese Gruppierung verloren hatten (sowohl physisch, oder auch einfach mental). Das musste ich leider auch hautnah erleben. Generell war diese Terror-Gruppe noch sehr viel aktiver, als sie heute hier in Puntland ist, denn von diesem Tag an fing der Kampf gegen sie an. Auch mein Mann machte es sich von da an noch mehr zur Aufgabe, gegen diese Gruppe aufzuklären. Sobald er in Somalia war, organisierte er Tagungen und andere Veranstaltungen, um vor allem die Jungen Leute über den wahren Islam aufzuklären und sie davon abzuhalten, sich dieser Guppierung anzuschließen. Er hat sich von direkten Morddrohungen und Bombenwarnungen bis heute nicht davon abbringen lassen, weiter zu machen (maa shaa Allah). Jedoch wurde sein privates Leben dadurch auch etwas eingeschränkt, denn bis heute hat er deswegen Bodyguards an seiner Seite. Nicht, dass er sich vor diesen Extremisten fürchten würde- eher zur „Beruhigung“ seiner Familie und seines Stammes, dessen Oberhaupt (Sultan) er vor ca. 2 Jahren geworden ist. Möge Allah ihn für seinen Einsatz segnen und immer beschützen!

Sh.Abdulkadir Nur Farah
Sh. Abdulqadir Nur Farah

Keiner stirbt, bevor die Zeit für ihn gekommen ist. Damals wußten wir noch nicht, dass einer der großen Gelehrten Somalias‘ – Sh. Abdulqadir Nur Farah (möge Allah ihm gnädig sein und ihn mit Jannatul Firdaus belohnen)- im Februar 2013 von einem der Al Shabab – Terroristen umgebracht werden würde. Und zwar inmitten WÄHREND des Gebets, IN der Moschee!!! Inna liLlahi wa inna Ilayhi raji’un (Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück). Er war für meinen Mann wie eine Art Vater- Ersatz und einer seiner wichtigsten Lehrer. Zuvor hatten wir ihn noch in seinem äußerst bescheidenem Hause besuchen dürfen.

Dazu muss ich nun allerdings erwähnen, dass es heutzutage schon ganz anders ist (alhamduliLlah). Durch solche Geschehnisse wurden die Sicherheitsvorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen deutlich erhöht, und offiziell gibt es hier keine Al Shabab- Anhänger mehr. Gegen Einzeltäter kann man natürlich nichts machen. Allerdings, wo kann man das heutzutage schon- wo ist man noch sicher vor diesen Hirngewaschenen Menschen?

Freudenbotschaft

Im Frühjar 2012 erreichte uns auch eine freudige Nachricht, auf die wir schon länger gewartet hatten: ich erwartete mein erstes Baby (alhamduliLlah)! Dies brachte eine deutliche Veränderung meiner Hormone mit sich, und so hatte ich plötzlich sehr heftiges Heimweh. Wir hatten aber sowieso vor, dass ich mein erstes Kind in Deutschland kriegen sollte. Beim ersten Kind weiß man noch nicht, ob es zu Komplikationen führen wird (weiß man zwar nie, aber das Erste ist oft das Schwierigste). Zudem ist die hygienische Lage in den Krankenhäusern natürlich nicht die gleiche, von der Ausstattung ganz zu schweigen. Auch eine Deutsche Botschaft gibt es hier nicht, was es etwas kompliziert macht, einen Deutschen Pass für das Neugeborene zu bekommen. Denn mit einem Somalischen Pass kommt man heutzutage leider nicht so weit- überall wird ein Visum erwartet.

Auf nach Deutschland!

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Nach Erschwernis kommt Erleichterung- so wird es uns im Qur’an versprochen. In meinem Fall war es die Ankunft meiner Co- Schwester im Sommer 2012 mit ihren inzwischen 1-jährigen Zwillingen (alhamduliLlah). So konnte ich dann kurz vor der Geburt meines Sohnes nach Deutschland fliegen (etwa Oktober 2012). Diesesmal war es mir aufgrund meiner Hormone auch ganz recht, und auch, weil ich einfach mal Zeit zum Verarbeiten des Erlebten brauchte.

Wie es mir in meiner nächsten Zeit in Somalia erging, werde ich euch (in shaa Allah) in einem nächsten Bericht schreiben!

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

 

 

 

 

 

 

1. Integrierungsversuche

Ein Leben wie die Sahaba

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Die erste Zeit in Somalia lebten wir sehr bescheiden. Wir fühlten uns fast so, wie die Sahaba damals gelebt haben – das sind die Gefolgsleute des Propheten Mohammed (Frieden und Segen auf ihm).

Da mein Mann vorher in Dänemark studierte und es unser erster, längerer Aufenthalt in Somalia sein sollte, war unser erstes Haus nur mit dem nötigsten ausgestattet. Ausserdem war es ja nur unser Ferienhaus. Wir hatten also Matratzen auf dem Boden, und große somalische Vorhänge an den Wänden. Das war es auch schon an Ausstattung. Als Schränke benutzten wir einfach unsere Koffer. Die Küche bestand aus einem Haufen Geschirr und einem oder zwei Feuerstellen. Dazu hatten wir aber einen ummauerten Hof, in dem unsere Kinder den ganzen Tag spielen konnten und ich meine ersten Sonnenstrahlen )und ersten Sonnenbrand) seit langer Zeit genießen konnte (aufgrund meiner Bedeckung hatte ich in Europa nicht die Möglichkeit, da man dort fast nirgendwo unbeobachtet ist). Selbst das Wasser für die alltäglichen Verrichtungen musste vom Brunnen geholt werden, und Wäsche wurde von Hand gewaschen.

Süßigkeiten

Aber mir machte diese Einfachheit gar nichts aus alhamduliLlah. Ich genoß es eher, mal weg von dem ganzen materialistischen Leben zu sein, von dieser Überfluß-Gesellschaft. Nur an das sehr natürliche Essen und die Art wie es zu sich genommen wurde (mit den Händen) musste ich mich noch gewöhnen. Vielleicht ist es aber auch der „Mangel“ an dem ganzen Süßkram, welchen man „verkraften“ muss. Man kann sagen, ich war in der Zeit auf unfreiwilliger Diät! Aber so geht es jedem Neuling erstmal. Die Geschmacksknospen müssen erstmal die ganzen Zusatzstoffe aus dem Fast Food in Deutschland vergessen und sich an pure, natürliche Zutaten gewöhnen. Außerdem gab es damals auf dem Land noch nicht so viele Alternativen an Süßigkeiten geschweige denn dem leckeren Basmati-Reis. Das hat sich inzwischen jedoch geändert (alhamduliLlah)- es gibt in Qardho inzwischen (fast) alles, was es auch in der Großstadt Bosasso gibt!

Einleben in Qardho

Fuchs und Hase.jpgEs dauerte schon eine Weile, bis ich mich etwas heimisch fühlte. Aber dank der großartigen Unterstützung meiner Familie und den offenherzigen Kindern, viel es mir leichter (alhamduliLlah). Ich begann, mich sicherer zu fühlen und weniger Angst zu haben. Denn so ganz sicher fühlt man sich anfangs schon nicht, wenn man so mit Vorurteilen beladen ist. Und ich war wohl die erste muslimische Europäerin, die Qardho jemals gesehen hat. Außer einzelne Vorfälle war jedoch alles sehr ruhig. Dort konnten sich Fuchs und Hase quasi Gute Nacht sagen.

 

Wohl aber hörte ich ein paar Gruselgeschichten über Diebe, die sich tagsüber heimlich in die Häuser schleichen und nachts plötzlich aktiv werden. Deswegen wurde ich eines Nachts hellhörig, als ich ein paar scheppernde Geräusche aus der Küche hörte. Was oder wer mochte das wohl sein? Und bummein zweites Mal! Ich weckte meinen Mann auf, er solle doch bitte nachschauen, welcher Dieb sich da bei uns verirrt hätte. Er packte sein Gewehr und seine Taschenlampe und ging mutig auf den potentiellen Gefahrenherd zu. Dort angelangt- sah er eine fette Ratte!!! Okay, das war dann wohl doch übertriebene Sorge meinerseits, aber besser zuviel als zuwenig 😀 !

 

Ein anderes mal hörte ich echte Schüsse und schreiende Stimmen. Da war also wirklich etwas passiert. Aber wir erfuhren nicht, was genau dort geschah. Man lernt dort, einfach die Fenster zuzumachen und weiter zuschlafen, solange es nichts länger anhaltendes ist. Denn ein Schuss kann verschiedene Gründe haben: entweder aus Freude bei einer Hochzeit, oder weil irgendwo Stau ist und ein Soldat sich Gehör verschaffen will, oder aber es ist wirklich etwas ernstzunehmendes. Das mag vielleicht wie im falschen Film klingen, jedoch damals war das noch Realität und für Somalis nichts erwähnenswertes. Inzwischen wurde allerdings der private Waffenbesitz erheblich eingeschränkt, denn ohne Lizenz geht offiziell gar nichts mehr (alhamduliLlah).

Neue Freiheit…

Hijab

Auch wenn die Anfangszeit ihre Schwierigkeiten beinhaltete, so genoß ich es jedoch sehr, meinen Glauben in Ruhe ausleben zu können, ohne mich an jeder nächstbesten Ecke vor einer wildfremden Person rechtfertigen zu müssen oder gar beschimpft und verachtet zu werden. Ganz im Gegenteil– hier wurde ich sogar respektiert und manchmal auch bewundert (alhamduliLlah)! Ich genoß es auch, an die 5 täglichen Gebete durch den Gebetsruf erinnert zu werden, den Adhan. Oder besser, durch die vielen durcheinander klingenden Gebetsrufe! Denn es gibt hier zahlreiche Moscheen (alhamduliLlah) und das mach eine ganz besondere Stimmung. Auch war es schön zu sehen, wie die Kinder mit der Rezitation des Qur‘ans aufwuchsen und für sie der tägliche Gang zur Moschee selbstverständlich war.

Die Menschen in Qardho sind sehr bestrebt, den Deen (Religion als way of life) zu praktizieren (maa shaa Allah). Die Frauen tragen die bedeckendsten Hijabs, man sieht keine Frau ohne Bedeckung. An Freitagen ist es besonders schön, die Kinder in ihren besten Kleidungsstücken und die Männer in ihren weißen Gewändern zu sehen. Es gibt viele Unterrichte, um den Islam zu lernen (natürlich auf Somalisch), die oft von den Moscheen per Lautsprecher nach außen übertragen werden.

Erster Ramadan in Somalia

Sambusa.jpgMein erster Ramadan in Somalia war sehr eindrücklich und wunderschön, obwohl es etwas von einem persönlichen Ereignis überschattet wurde (alhamduliLlah ala kulli haal). Man hatte zwar nicht den Überschuss an (Genuß-)Lebensmitteln, die man sonst gerne abends in sich reinfuttert, jedoch ist zuviel ja sowieso nicht gesund. Die wichtigsten Dinge für einen Somali im Ramadan hatten wir aber (alhamduliLlah): Das „Affuur“, welches die erste Mahlzeit nach dem Fastentag darstellt und aus Datteln, „Sambuus“ (dreieckige Teigtaschen mit Hackfleischfüllung) und „Buur“ (Gebäck) besteht. Ausserdem ein leckeres Basmati-Reis-/ oder Nudel-Gericht (natürlich mit „Moos“-Banane), und die Wassermelone als Nachtisch darf aufjedenfall auch nicht fehlen. Was will man mehr? 🙂 AlhamduliLlah.

Das zusätzliche Nachtgebet haben wir entweder zusammen zuhause gebetet, oder vorzugsweise in einer der Moscheen. Die Moscheen waren richtig überfüllt (maa shaa Allah), selbst der Frauenbereich.

… und doch fremd

Aber so ganz wohl fühlte ich mich aufgrund der vielen Blicke trotzdem nicht. Ich konnte mich ja auch nicht verständigen. Ausserdem war mein Umfeld damals überbesorgt, dass die Leute mir einen bösen Blick (‚Ain) machen könnten oder dass wir uns Diebe wie an Magnet anziehen könnten wenn sie mich Ausländerin sehen.

Das hat sich heute Gott sei Dank total gelegt, aber darauf werde ich in einem der nächsten Beiträge eingehen (in shaa Allah).

Auf in die Großstadt: Bosasso

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Nach den Sommerferien zogen wir nach Bosasso, wo die Kinder vorher auch bei ihren Verwandten gelebt hatten. Dort zogen wir in den alten Stadtteil Bosasso namens „Bio kulule“. Das bedeutet soviel wie „heißes Wasser“ und ist eigentlich eine heiße Quelle unweit von der Stadt. Durch den Krieg vergangener Zeiten hat diese Stadt unheimlich an Umfang zugenommen. Inzwischen ist die Einwohnerzahl laut Google genauso wie die von Dortmund, allerdings haben sie die neuen Flüchtlinge aufgrund der Dürre bestimmt noch nicht hinzu gezählt.

Größere Stadt: größerer Gefahrenherd

Für mich war es dort etwas anonymer und deswegen auch angenehmer. Allerdings war meine Schwiegerfamilie, besonders meine Schwiegermutter, noch besorgter um mich als vorher. Das war auch nicht ganz unbegründet, denn zu der Zeit waren die Piraten nicht weit weg, sie entführten ein- zwei Jahre zuvor sogar den damaligen deutschen Mann meiner Freundin, um an Erpressungsgelder heran zu kommen. Zudem entwickelte sich auch eine extremistische Gruppe in eine mehr und mehr Volks- feindliche Richtung. Oftmals hörte man Nachts Schüsse, wenn auch etwas entfernter. Erstmal war ich jedesmal geschockt, jedoch nach einer Zeit gewöhnte ich mich etwas daran, solange es weit weg genug von uns war. Meißtens bekam ich den Grund sowieso nicht zu Gehör. Dort gibt es keine Zeitung, die über jedes neue Hagelkorn berichtet. Sie haben eher eine Mund- zu- Mund Verbreitung der News. Aber die Sprache verstand ich ja noch nicht damals.

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Umso verrückter musste es für meine Verwandten erscheinen, dass mein Mann uns einmal an einen einsamen Strand fuhr, wo wir sogar im Bikini schwimmen konnten! Einmal passierte uns ein entferntes Fischerboot (Piratenalarm?), jedoch wir tauchten einfach schnell unter. Gott sei Dank hatten sie uns nicht entdeckt.

Die Sicherheitslage in Puntland ist inzwischen um einiges besser geworden, alhamduliLlah. Den Gefahren und Geschehnissen diesbezüglich werde ich aber noch einen eigenen Beitrag widmen (in shaa Allah).

Ich konnte mir damals also noch nicht vorstellen, eines Tages alleine (nur in Begleitung eines unserer Kinder) auf dem riesengroßen Markt einkaufen zu gehen, alleine mit unserem Autobus frische Milch einzukaufen, oder Besuche abzustatten. Aber ca. ein Jahr später war ich so weit dafür, durch private Umstände dazu getrieben. Letztendlich lernt man am besten durch „learning by doing“, besonders die Somalische Sprache, über die es kaum Lehrbücher gibt!

Kurzer Break in Europa: Erholung?

Europa

Aus verschiedenen Gründen (u.a. Wohnungsauflösung) musste ich nach einer Weile meinen Mann nach England begleiten. Dort konnte ich wieder viele weltlichen (besonders kulinarische) Güter genießen, die ich vorher sehr vermißt hatte. Jedoch vermisßte ich plötzlich etwas ganz anderes: meine große Familie, besonders die Kinder meines Mannes, die mir sehr ans Herz gewachsen waren und mich am Telefon immer fragten, „Mama, wann kommst du endlich wieder?“. Ebenso hatte jedes seine eigene Wunschliste, die mich auf Trab hielt.

Eine schöne Erfahrung war der Besuch meiner Eltern in England. Sie konnten sicherstellen, dass es mir nach der großen Reise noch gut ging (alhamduliLlah), und auch etwas von der starken muslimischen Kultur in England erfahren. Dort fühlt man sich an manchen Orten wie in Somalia (gibt ganze Somalische Einkaufszentren und Moscheen dort) oder einem anderen islamischen Land. Es war für meine Eltern quasi schon mal ein Vorgeschmack, die damals noch nicht wußten, dass sie eines Tages in Somalia landen werden, und das sogar mehrfach!

Auch bei einer Stip-Visite in Deutschland und Dänemark musste ich natürlich allen Freunden und Bekannten viel von Somalia erzählen. Durch mein fröhliches Auftreten und meine Erzählungen konnten sich jedoch alle versichern, dass es mir dort gut ging (alhamduliLlah).

Bald sollte es dann auch schon wieder zurück gehen. Was sich bei meiner 2. Episode in Somalia alles veränderte und was ich sonst noch erlebte, werde ich euch im nächsten Beitrag erzählen (in shaa Allah).

 

Bis bald (in shaa Allah),

Eure Khalisa

Meine erste Reise nach Somalia

…Oder der erste Schritt in eine andere Welt.

Hier werde ich euch den Beginn meines neuen Lebensabschnittes etwas erläutern.

Fragen über Fragen                                           koffer

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist so eine Reise mit offener Länge extrem aufregend. Was nimmt man mit? Auf was kann man verzichten? Was gibt es dort überhaupt, in einem Land, in dem mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg herrschte? Dies sind nur einige der unzähligen Fragen, die einem dann im Kopf herum schwirren,

Ich war jedoch voller Zuversicht, dass schon alles irgendwie klappen wird. Denn im Islam ist das Vertrauen auf Allah sehr wichtig. Man tut und plant was man kann, dann jedoch vertraut man auf Allah und schaut, ob Seine Pläne mit den eigenen übereinstimmen (oder ob alles anders kommt). Denn Er ist immer noch Der beste Planer und- das habe ich nach einigen Jahren in Afrika gelernt- es kommt immer anders als man denkt!

Diese Lebenseinstellung hilft einem sehr, sich nicht unnötig verrückt zu machen und immer recht gelassen zu bleiben (ok, ich arbeite noch dran :-D).

Sommer 2010- Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte

Wir, das heiẞt, mein Mann, meine Co-Schwester mit ihren 2 Kleinkindern und ich, starteten die Reise Ende Mai 2010. Das ist die Zeit, in der die Schulkinder in Somalia ca.3 Monate Hitzefrei haben, auch Ferien genannt.

Wir flogen direkt von Dänemark nach Dubai. Dort wurden wir beim Ausstieg erstmal von einer unbeschreiblichen, schwülen Hitze beinahe erschlagen. In der Sommerzeit ist es in Dubai so an die 50 Grad heiß (subhanaLlah). Das Leben spielt sich dementsprechend ab Sonnenuntergang ab. Man braucht sich noch nicht einmal zu bewegen, der Schweiß tropft schon von ganz allein! Andererseits gibt es in jeden Geschäften, Autos, Hotels und wahrscheinlich auch Häusern übertrieben kühle Klimaanlagen, bei denen man fast schon zu frieren anfängt.

Erste Prüfung

Wenn man nach Somalia reisen möchte, ist es nicht so einfach, einen Komplett- Flug zu buchen (kann sein, dass es heutzutage anders ist, auf jedenfall ist es dann nicht die Günstigste Variante). Nein, man muss erst einmal einen „Break“ machen (wie in unserem Fall in Dubai), und auf den nächstbesten Weiterflug nach Somalia warten. Wir durften etwa eine Woche in Dubai verbringen. Dieser Break wurde allerdings zum ersten Test für mich: ich wurde von fürchterlichem Diarrhoe geplagt. Also am besten kein Fast-Food von draussen essen, besser vom Hotel! Oder am besten vegetarisch essen bei der ersten Reise! In Dubai gibt es dort jedoch genügend Chemie, so dass es mir rechtzeitig vor dem Weiterflug wieder besser ging (alhamduliLlah).

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Auf jedenfall könnte es kaum einen gegensätzlicheren Ort zu Somalia geben: In Dubai ist quasi die ganze Welt versammelt, die ganzen weltlichen Güter über-schwemmen einen förmlich, man kann es nur mit Superlativen (am schönsten, höchsten, modernsten, etc.) beschreiben. Aber unser Ziel war das genaue Gegenteil: das Leben in Somalia ist relativ hart, die Armut herrscht immer noch vor oder ist auf jedenfall unübersehbar, ganz abzusehen von den „naturbelassenen“ Straßen und noch nicht mal einstöckigen Häusern (größtenteils).  Aber gerade dieses eher einfache Leben holt einen wieder in die Wirklichkeit, in die Realität des Lebens zurück. Ja, es bringt einen viel näher an den Sinn des Lebens: dass wir Allah’s Diener sind und Ihm dienen sollen (durch alleinige Anbetung zu Ihm, durch gute Taten, etc.). Deswegen sagt mir das Leben in Somalia mehr zu, als das Leben im Überfluss (alhamduliLlah).

Auf ins Abenteuer!

Ich erinnere mich nicht mehr genau, wo wir alles Zwischenhalt gemacht haben. Ich glaube, es war in Berbera (Somaliland). Ich erinnere mich jedoch noch sehr gut an den Weiterflug nach Bosasso (Puntland). Das war nämlich der Schlimmste Flug meines bisherigen Lebens! Dieses fliegende Teil war bestimmt ein aussortiertes Stück aus Russland. Jedenfalls war es innen drin ohne richtige Ausstattung: kein Belüftungssystem, kein Notausgang. Das führte dazu, dass wir vor dem Start beinahe schmolzen und später, mitten im blauen Himmel, beinahe erfroren.

Der Mittelgang wurde so sehr mit Reisetaschen vollgestopft (bis auf Bauchhöhe), dass sogar der Kapitän und sein Mitarbeiter Schwierigkeiten hatten, bis zum Cockpit zu gelangen.

Ich sagte zu meinem Mann: „Wie sollen wir denn hier zum  Exit kommen im Falle eines Notfalls?“ Er, ganz entspannt: “ Schatz, es gibt hier KEINEN EXIT!“. Er war sichtlich amüsiert über meine Verwunderung, während er sich um seine kleinen Töchter kümmerte.

Erschöpft von der Aufregung lehnte ich meinen Kopf gegen die Metall-Wand vor mir und versuchte, mich im Schlaf woanders hin zu träumen.

Man sagte mir auch, dass die (russische) Flugmannschaft regelmässig nach Alkohol „duftet“. Aber das konnte ich nicht bestätigen und hätte wahrscheinlich auch nichts mehr verändert, da es ja fast Normalzustand ist für dortiges Volk.

AIRPLANE
Das Flugzeug sah in etwa so aus, nur noch um einiges schlimmer!

Gott sei Dank habe ich diesen Flieger nie wieder zu Gesicht bekommen und wir sind heile in Bosasso angekommen!

Welcome in Somalia!!!

Da ging ich also die ersten Schritte auf Somalischem Boden, alhamduliLlah. Bosasso ist eine Stadt am Meer (Rotes Meer und Indischer Ozean).

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Alles wirkt etwas surreal: auf der einen Seite ziemlich hohe, kahle Berge, die fast schon bedrohlich wirken, und auf der anderen Seite das wunderschöne, türkisfarbene Meer. Dazu weht der heftige Wind einem fast die Kleider vom Leib. Also die dortige Hitze (im Sommer um die 40 Grad) macht einem weniger aus als in Dubai.

Wir wurden direkt von meinem Schwager abgeholt und ins Hotel Jubba gebracht. Auf der Fahrt dorthin bekommt man schon mal einen Eindruck von der Armut in Somalia, ein bitterer Nachgeschmack des langen Bürgerkrieges. Denn zwischen Flughafen und Stadt sind die Ärmsten der Armen angesiedelt. Danach aber sieht man sogar mehrstöckige, weiße Häuser, die mit den typischen Rundbögen versehen sind. Das sind dann meistens Hotels und Geschäfte.

Man hat echt sehr viel zu bestaunen, wenn man zum erstenmal in Somalia ankommt!

Überall wimmelt es vor Menschen und Ziegen, die sich von den Autos überhaupt nicht aufhalten lassen und erst durch Hupen erinnert werden, dass sie Platz machen sollten. Vor oder zwischen den großen Geschäften, deren Wände immer sehr bunt angemalt sind mit den Inhalten (z.B. Zucker, Mehl, oder Handies, etc.), befinden sich oft kleine selbstgebaute Buden, sogenannte Kleine Emma Lädchen. Und leider gibt es auch immer wieder Stände, an denen Khat verkauft wird. Das sind eine Art Blätter, welche durch drauf herum kauen wie eine Droge wirken und einen sorglos machen. Es ist die Droge der Soldaten und LKW-Fahrer. Meißtens werden sie von Frauen verkauft, die ums Überleben kämpfen.

Khat

Das Eindrücklichste ist aber wohl die Farbenvielfalt überall: Frauen und Mädchen tragen dort jeglich erdenkliche Farbe als Hijab (im Gegensatz zu dem vorherrschenden Schwarz in Dubai), und die Geschäfte sind alle bunt angemalt damit man direkt versteht, was verkauft wird. Dazu kommt noch der Sand, der von den Autos und dem Wind herum gewirbelt wird.

 

1.Nacht in Somalia

Meine erste Nacht auf Somalischem Boden hatte auch etwas aufregendes, auch wenn ich viel zu erschöpft war, um noch darüber nachzudenken: ich hatte tatsächlich Angst, dass der Ventilator über meinem Bett herunterfällt! Denn der schwankte immer so sehr hin und her… aber Gott sei Dank passierte nichts weiter. Immerhin gab es sonst alles Notwendige, was man braucht, sogar ganz stabile Holzmöbel.

Die Strecke Bosasso- Qardho, ein Abenteuer für sich!

Da es in Bosasso in den Sommermonaten (Ende Mai bis Ende September) viel zu heiß ist, um es ohne Klimaanlage auszuhalten, gehen die meisten Familien für diese Schulfreie Zeit aufs Land, also zu den nächsten Dörfern oder Städten. Nur die Business-Männer und die Armen, welche es sich nicht leisten können umzuziehen, bleiben dort (und einzelne hart gesottenen Familien).

Bosasso

Eines dieser relativ nahe gelegenen kleinen Städte heisst Qardho. Dort hatten sich damals meine Schwiegermutter und ein Teil ihrer Kinder und Enkel für die Ferienzeit niedergelassen. Also wollten wir unsere Zeit nicht länger in der Hitze verschwenden und fuhren am nächsten Tag weiter gen Qardho. Es ist eine eindrückliche Autofahrt von ca. 4 Stunden. Die Straße ist noch von den Italienern aus den 80´ern übrig geblieben und noch erstaunlich gut erhalten. Bloß ein bisschen eng wird es bei Gegenverkehr. Es ist die Landstraße, welche einen einmal durch´s ganze Land führt. Manchmal muss man dort nämlich die Holperstraße verlassen, um einigermaßen durchzukommen, aber meißtens kommt man ganz gut durch.

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Jedenfalls  kommt man auf der Strecke von Bosasso nach Qardho an einer interessanten Landschaft vorbei: an vielen Bergen, die wirklich kein Kraut auf sich tragen und daher so unreal wirken; an trockenen Flussbetten, die plötzlich wunderschöne grosse (Dattel-) Bäume hervorbringen; bis hin zur Halb-Steppe, welche durch ihre trockenen, fast silberfarbenen Büsche Platz für viele Kamele und andere Weidetiere birgt.

 

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Nicht zu vergessen sind die häufigen Straßensperren, an denen Soldaten einen mit einem gespannten Seil oder einem anderen Gegenstand aufhalten, um sich ein paar Cent für die nächste Mahlzeit zu verdienen. Manchmal kommt man auch an einem Dorf vorbei, welches aus ein paar simplen Häusern oder selbstgebauten Hütten besteht, aber bei denen auf gar keinen Fall eine Moschee fehlen darf.

Ich liebe diese Strecke bis heute.

Damals jedoch pochte mein Herz ganz schön. Ich machte bei jeder Straßensperre ein Bittgebet und versuchte, die Blicke der Soldaten zu meiden. Mein Mann hatte zwar extra wegen mir eine Waffenlizenz bekommen (quasi als mein Bodyguard), jedoch sind diese spärlich bezahlten, oftmals Khat kauenden Soldaten manchmal unberechenbar. Aber Gott sei Dank ging alles gut und wir kamen sicher in Qardho an.

Erstes Treffen mit meiner neuen Familie!

Es war in der Mittagszeit, als wir endlich mit unserem Jeep vor unserem neuen Zuhause hupten und dann von zahlreichen Kindern stürmisch begrüsst wurden. Aufeinmal wurde mir bewusst, dass ich die Somalische Sprache garnicht kann. Aber ich hatte meine Co-Schwester bei mir (alhamduliLlah), die mir immer schön alles übersetzt hatte (möge Allah sie reichlich belohnen). Jedoch in der Anfangsfreude war dafür natürlich keine Zeit. Trotzdem wurden wir uns vorgestellt (ich als neue, weitere Mama). Wobei ich dachte, ich könne mir die vielen Namen und (für mich) gleich ausschauenden hübschen Gesichter nie merken! Aber natürlich kam das mit der Zeit.

Um es nicht zu lang werden zu lassen, schliesse ich hier erst einmal ab. In einem nächsten Artikel werde ich über meine ersten Einlebungs-Versuche in Qardho und Bosasso berichten (in shaa Allah). Wer sich auf eine Reise nach Somalia einlässt, sollte auf jedenfall eine gute Portion Gottvertrauen (Taqwah) und am besten Vitamin B (gute Beziehungen für den Fall der Fälle) mitbringen.

Bis zum nächsten mal (in shaa Allah)!

Eure Khalisa

 

 

What´s the meaning of „Germali´s?“

 

What does it mean- „The Germali´s“?

This name is a combination between the two nationalities, which are connecting our Admin-Team: German and Somali –> The Germali´s!

It was really not easy for us to choose the right name for our blog. Honestly, it was easy for our heart, but not for our mind: Other names like Gersom where probably more understandable for Somali- poeple, since in Somali language „Germal“ means „German“ already and could lead to misunderstandings! But our feeling told us, that „Germaaali“ sounds most nice.

Since we are women, we followed our feelings and there we go: We´ve got our Blog-name 🙂

We hope you enjoy our „nation-connecting“- Blog!

 

„Warum ausgerechnet Somalia?“ Oder: Mein Weg dorthin.

Warum ausgerechnet Somalia?“ und „Waaas, wie kommt´s denn dazu??“- Dies sind einige der häufigsten Fragen, die ich zu beantworten habe, wenn ich jemanden Neuen treffe.

Um diese Frage zu beantworten, muss ich allerdings etwas ausholen und euch zurück ins Jahr 2009 nehmen.

Damals, vor langer, langer Zeit…

Damals war ich gerade einmal etwa ein halbes Jahr Muslima (alhamduliLlah) und hatte eine gute Freundin, die aus Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, stammte. Sie schwärmte mir sehr viel vor – wie schön es dort gewesen sei (vor dem Krieg), wie fruchtbar die Erde, wie schön das Meer, wie schön alle Frauen Hijab trugen (heutzutage), etc. Durch den Krieg sei die Hauptstadt zwar sehr zerstört worden, jedoch in anderen Städten  würde es sich immer noch gut leben lassen.

So kam es, dass in mir der Wunsch entstand, dorthin auszuwandern.

Doch nicht so einfach!

Nach einem gescheiterten Versuch, der aufgrund Geldmangel in Dubai endete, entschieden wir (meine Freundin und ich) uns, dass es mit einem Mann an der Seite doch einfacher wäre. Also beauftragte ich sie, mir einen guten Bruder im Islam zu suchen, der ebenfalls nach Somalia auswandern möchte.

dont give up dreams

Auf der Suche nach dem Richtigen

In meiner Stadt gab es damals kaum Somali‘s, zumindest war mir nur eine Familie bekannt. Also fragte meine Freundin ihre in Dänemark lebende Halbschwester, ob sie nicht einen guten Mann für mich finden könne. Diese Schwester fragte den dortigen Imam, dass er Ausschau halten sollte. Jedoch war dort keiner, auf den meine Ansprüche passten.

Bingo…

Daraufhin fragte meine Freundin einfach besagten Imam, ob er nicht Interesse hätte! Er sagte, er hätte bereits zwei Frauen und einige Kinder, aber wenn ich damit kein Problem hätte, würde er mich gern etwas kennenlernen.

Ich hatte damals noch ein paar andere Brüder zur Auswahl, jedoch der Imam schien am besten zu passen: Er hatte alle seine Kinder schon in Somalia, also würde er dort nach seinem Studium in Dänemark auf jeden Fall hinziehen, außerdem war er sowohl weltlich als auch religiös sehr gebildet (maa shaa Allah). Also war er trotz und gerade wegen seiner großen Familie sehr interessant für mich.

Dem Traum ein Stück näher…

Schließlich kam es dann Ende 2009 zu unserer Heirat, die schon mal sehr multikulturell ausfiel. Sogar meine geliebten Eltern waren dabei (maa shaa Allah).

Danach ging es für mich erst mal eine Weile nach Dänemark, mit Abstechern nach England und Kanada.

…oder doch nicht?

Als wir dann im Frühjahr 2010 anfingen, unsere Reise nach Somalia zu planen, stellte sich meine Schwiegerfamilie erst mal quer: es sei doch viel zu gefährlich für eine Weiße!

Ich brach ehrlich gesagt in Tränen aus.

Dies hat wiederum meinen Mann dazu bewegt, alles dafür zu tun, dass ich mitkommen kann (alhamduliLlah).

dream

Auf geht‘s!!!

Es war Ende Mai (wenn ich mich recht erinnere) im Jahre 2010, als ich dann meine allererste, lang ersehnte Reise nach Afrika antrat.

Wie meine ersten Eindrücke und Erfahrungen waren, werde ich euch in einem nächsten Artikel beschreiben (in shaa Allah). Soll ja schließlich spannend bleiben 😉

In diesem Artikel hier geht es erst mal um die Vorgeschichte zu meiner Reise und meine Beweggründe. Es war also eine Mischung aus verschiedenen Gründen: Sehnsucht nach freiem Praktizieren meiner Religion und Sehnsucht nach einer anderen, offeneren Kultur (habe mich schon immer für Afrika interessiert).

Wenn euch dieser Artikel gefallen hat oder/und ihr noch weitere Fragen und Anregungen habt, hinterlasst einfach einen Kommentar.

Eure Khalisa

 

 

 

Was wollen wir bezwecken?

Aufklärung – Erfahrung – Motivation

Dies sind unsere Hauptanliegen, die ich im Folgenden näher erläutern werde.

1. Aufklärung

Über Somalia gibt es bestimmt so viele Vorurteile wie über Frauenrechte im Islam. Kein Wunder. Zumal die Medien auch nur die eine Seite zeigen – im Islam die unterdrückten Frauen; über Somalia die Armut, Beschneidung der Frau, etc.
Schaut man jedoch hinter die Kulissen, so sieht man, dass die Frau im Islam zum ersten Mal Rechte bekam, wie zum Beispiel das Recht auf Leben (davor wurden Töchter bei lebendigem Leibe begraben) oder das Recht auf gute Behandlung. Nicht umsonst sagte der Prophet Mohammed (Friede und Segen seien auf ihm):

Der vollkommenste Gläubige ist der mit dem besten Charakter.  Die besten von euch sind diejenigen, die am besten zu ihren Frauen sind.[1] 

Genauso wie man bei tiefgründiger Erforschung erkennen wird, dass diese Vorurteile gegenüber dem Islam nicht gerechtfertigt (zumindest wenn man auf den Islam an sich schaut und nicht auf die Muslime) sind, so wird man auch erkennen, dass es in Somalia andere Seiten zu entdecken gibt, als man bisher glaubte. Dass es hier von Universitäten und Schulen nur so wimmelt; dass es hier von Nutella bis Pringels fast alles gibt; ja, dass sogar (mit gewissen Einschränkungen) ein relativ normales Leben hier möglich ist (zumindest als Muslim/a) – selbst als Europäerin!
Deswegen ist es eins unserer Ziele, über das Land Somalia, das Leben dort und seine Leute aufzuklären. Da Somalia zu 100% ein muslimisches Land ist, spielt die Aufklärung über den Islam natürlich auch eine Rolle. Denn das ganze Leben, der Kalender und die Geschäftszeiten der Menschen dort richten sich nach dem Islam. So ist es für den ein oder anderen eine Möglichkeit, auch darüber mit Vorurteilen aufzuräumen.

2. Erfahrung 

Einen Teil dieser Aufklärung macht natürlich meine eigene Erfahrung aus. Was man als in Somalia so alles erlebt, darüber könnte man ganze Bände schreiben!
Das ist wahrscheinlich auch der interessantere Teil für viele von euch, da ihr Berichte vom alltäglichen Leben aus erster Hand bekommt. So werde ich euch aus meinem alltäglichen Leben berichten, versehen mit einigen aktuellen Geschehnissen und Eindrücken.

3. Motivation

Ein anderer Aspekt unseres Blogs liegt darin, in vielerlei Hinsicht zu motivieren. Zum Einen wollen wir ganz vielen Menschen die Möglichkeit geben, ihren Horizont zu erweitern. Denn Reiseberichte zu lesen ist annähernd so bereichernd wie selber zu reisen! Und wer kommt schon mal so eben nach Somalia?!?
Auch möchten wir andere Menschen motivieren, in Somalia zu investieren oder auch mit Spenden zu unterstützen. Ja, Somalia befindet sich im Aufbau, ob ihr‘s glaubt oder nicht!

Somalia ist wie ein unentdeckter Schatz, den es lohnt, auszubuddeln!

Zudem möchten wir andere „Germali‘s“ dazu aufmuntern, ihr Land besser kennenzulernen, eventuell zu Besuch zu kommen oder sogar ganz zurück zu kommen! Teilweise kennen sie nämlich ihr Ursprungsland selber nicht mehr richtig, schämen sich eventuell sogar für die Armut dort usw. Denn sie selber kennen oftmals auch nicht viel mehr als „Negativbilder“ aus den Medien. Oftmals unterstützen sie auch zurückgebliebene Verwandte finanziell (wieder ein Zeichen der Armut- das heißt, Vorurteil bestätigt!?).

Und last but not least möchten wir andere muslimische Geschwister motivieren, ebenfalls Hijrah hierhin (oder auch woandershin) zu machen (d.h. auszuwandern). Denn wer vor dem stetig wachsenden Islamhass in Deutschland flüchten will, findet hier eine gute Option, seine Kinder in einem islamischen Umfeld großzuziehen. Dafür muss man sich natürlich etwas auskennen im Land, denn es gibt natürlich immer noch gefährliche Orte. Aber für solche und andere Informationen sind wir (in shaa Allah) auf Anfrage auch da. Und richtig sicher ist es in dieser Welt sowieso nirgends mehr.

Für Fragen jeglicher Art stehen wir gerne zur Verfügung!

Khalisa von den Germali‘s

Herzlich Willkommen!

As salaamu alaikum und Guten Tag an unsere Besucher!

Auf diesem Blog werde ich euch das Land Somalia von einer ganz neuen Seite zeigen und somit eine imaginäre Brücke schlagen zwischen unseren deutschen / deutschsprachigen Lesern und diesem faszinierenden Land (in shā Allāh).

Nun kommen sicherlich einige Fragen bei euch auf, denn ihr kennt wahrscheinlich nur Bilder von Armen, von Dürre und von Bombenanschlägen.

Hier werdet ihr (in shā Allāh) Antworten auf eure Fragen finden. Und falls ihr noch weitere Fragen habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren!

So, nun wünsche ich euch viel Spaß beim Herumstöbern und noch einen schönen Tag!

Wasalāmu alaikum wa Rahmatullāhi wa Barakatuh und auf Wiedersehen

Khalisa von den Germali’s

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